Samstag, 31. Oktober 2009

WE170II: Schön torreich, aber wieder kein Sieg für Leuna

Post- und Telekom SV Halle II 3:2 Hallescher SC III
Samstag, 31. Oktober 2009 - Anstoßzeit 12.00
2. Stadtklasse Halle (12. Liga, 7. und unterste Amateurliga)
Ergebnis: 3:2 nach 91 Min. (45/46) - Halbzeit 1:1
Tore: 0-1 14. Nr. 11 HSC, 1-1 20. Nr. 8 PTSV, 1-2 72. Nr. 7 HSC, 2-2 74. Nr. 6 PTSV, 3-2 82. Eigentor HSC
Verwarnungen: je eine gelbe Karte, Platzverweise: keine
Spielort: Post/ Telekom Platz (Kap. 1.000)
Zuschauer: 8 (davon 4 Gästefans)
Unterhaltungswert: 2,5/10 (ziemlich schwach)

VfL Halle 96 II 5:3 TSV Leuna 1919
Samstag, 31. Oktober 2009 - Anstoßzeit 14.00
Landesklasse Staffel 6 (8. Liga, 3. Amateurliga)
Ergebnis: 5:3 nach 93 Min. (45/48) - Halbzeit 1:1
Tore: 0-1 12. Kevin Degener, 1-1 34. Nr. 11, 2-1 55. Nr. 8, 3-1 60. Nr. 11, 4-1 61. Nr. 3, 4-2 87. Nino Hammerschmidt, 5-2 89. Nr. 3 (Elfmeter), 5-3 93. Nino Hammerschmidt (Elfmeter)
Verwarnungen: Nr. 5, Nr. 6 (VfL), Bernhardt (TSV)/ Platzverweise: keine
Spielort: Stadion am Zoo Platz IV (Kap. 400 Stehplätze)
Zuschauer: 90 (davon 40 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (gut)
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Photos and English version: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157622703978388/

Heute sollte in erster Linie der TSV Leuna unterstützt werden, doch außerdem musste einem der wenigen noch ausstehenden Plätze der Stadt Halle noch ein Besuch abgestattet werden. Nur noch Dölau fehlt von den 31 Grounds in Halle. Wie auch immer: obwohl der Post/ Telekom Platz von einer befahrenen Straße tangiert wird, war er richtig ruhig - jedenfalls im Vergleich zu anderen Orten, die wir in Halle bis dahin passiert hatten. Unglaublich, wie schlecht die Infrastruktur in dieser Stadt ist. Da fahren, laufen und stehen sich alle nur gegenseitig im viel zu engen Weg rum.

In der Partie auf besagtem Platz, der über keinerlei Ausbauten, aber einige ergraute Anbauten, Hallen etc., verfügt, standen sich der 6. (7 Spiele, 6 Punkte) und der 3. (6 Spiele, 13 Punkte) der nur noch 10 Mannschaften umfassenden 2. Stadtklasse Halle - der untersten Spielklasse des Stadtverbandes ohne Führung - gegenüber. Die Favoritenrolle war also klar verteilt. Was die Vereine betrifft, so kann man beide als mittelgroße Clubs bezeichnen, wobei der Postsportverein mehr Abteilungen hat, der Hallesche SC 1996 (nicht 1896) jedoch eine halbprofessionelle Abteilung (Basketballer in der 2. Regionalliga).

Allerdings konnten die wenigen Zuschauer nach einer Viertelstunde nichts mehr von der Überlegenheit des Favoriten sehen. Sie waren zwar durch geschicktes Herausspielen in Führung gegangen, aber schon bald glich PTSV Halle aus. Die Postler waren sogar leicht besser, wenn auch schwach vorm Tor. Beide Mannschaften lieferten ohnehin ein recht lahmes Spiel ab. Zwischen der 2. Stadtklasse Halle und der 2. Kreisklasse Saalekreis (2) scheinen Welten zu liegen. In der zweiten Hälfte wurde das Spiel kaum besser, da auch der inkompetente Schiedsrichter jeden Spielfluss zerpfiff. Falsch war zwar kaum eine seiner vielen Entscheidungen, unnötig da kleinlich aber mindestens 50%. Irgendwann traf der mittlerweile von Spielanteilen und Chancen her völlig abgemeldete Hallesche SC dann mit viel Glück ins Tor, doch der PTSV glich kurz darauf schon aus, machte dann etwas mehr Druck und vermochte sogar schließlich den Siegtreffer zu erzielen: ein Weitschuss, der im Strafraum von einem Verteidiger schlecht erwischt wurde, woraufhin der Ball nach hinten aufs Tor zu flog, die Unterkante der Latte und danach den Innenpfosten touchierte und dann schließlich im Netz landete. 3:2 war ein absolut gerechter Endstand.
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Auch im bzw. am Zoo war die Favoritenrolle klar verteilt. Zwar musste Halle 96 II die erste Niederlage in der Vorwoche einstecken, doch konnten sie sich weiterhin damit rühmen, Tabellenführer zu sein. Landsberg allerdings auf Rang 2 mit einem Spiel weniger. Leuna hatte mit einem Spiel mehr nicht einmal die Hälfte der Punkte geholt, die der VfL erzielt hatte, der als Gesamtverein übrigens mehr Mitglieder, aber weniger Abteilungen als der TSV hat. Die 96 meint hier übrigens 1896 (nicht 1996).

Der in Sichtweite liegende Zoo war wohl inspirierend für die Eintrittspreise: 3€ sind für einen Stehplatz an der Bande oder auf dem Graswall des dritten Nebenplatzes eine Unverschämtheit. Eigentlich sollte auch im Stadion gespielt werden, aber aus Angst um den mittelmäßigen Rasen dort, wurde, obwohl die I. Mannschaft auch Sonntag überhaupt kein Heimspiel hatte, auf den Acker IV ausgewichen. Über diesen Platz waren wohl mal die Flusspferde aus dem Bergzoo getrabt, denn der komplette Fünfmeterraum war zertreten und es schimmerte überall brauner, matschiger Boden hervor, was ich so das letzte Mal bei einem unterklassigen Verein in Sbeitla im tunesischen Hinterland gesehen haben.
Wenn man Fußball spielen kann, dann kommt man allerdings auch mit dem Platz zurecht. Interessanterweise waren es anfangs die Leunaer, die mit dem Dorfanger inmitten der Großstadt besser zurecht kamen. Vor allem der danach stets zugestellte und damit weitestgehend abgemeldete Joao Pires entwickelte viel Druck nach vorne, wovon nach nicht einmal einer Viertelstunde Kevin Degener profitierte, der den Ball über den zur Seite fallenden Torwart ins Netz zimmerte. Die Hausherren glichen jedoch nach einem Abwehrfehler noch vor der Pause aus, doch nach 45 Minuten konnte man wirklich zufrieden sein.

Die Halbzeitbratwurst war zwar groß und gut, aber fast so teuer wie der Eintritt. Nach der Pause konnte man auch kaum noch etwas finden, worüber man sich bei Sportfreund Abel aufregen konnte: der pfiff im Vergleich zur ersten Hälfte deutlich besser und im Vergleich zum letzten Spiel was wir sahen und wo er Schiedsrichter war, war es eine Wahnsinnsverbesserung: da gab der damals nicht nur Einwurf, obwohl der Ball 30cm vor der Seitenlinie entlang lief, sondern auch Elfmeter für ein Stürmerfoul.
Ab der 55. konnte man als Leuna-Fan aber nicht mehr zufrieden sein mit dem Spielverlauf, denn drei Abwehrfehler in sechs Minuten führten zu einem 4:1 Rückstand. Hätte Halle jetzt wie bekloppt angerannt, wäre das Spiel zweistellig geworden, doch die 96er hielten jetzt Ergebnishalten für die richtige Taktik. Und prompt zeigten die Leunaer Stürmer, dass sie der erfolgreichste Mannschaftsteil sind: nach einigen Aktionen von Hammerschmidt, Pires und Degener, führte ein sehr schöner Schuss von Nino Hammerschmidt zum 4:2. Leider dauerte es keine zwei Minuten bis ein weitere Aussetzer in der Leuna-Abwehr zu beobachten war. Der Elfmeterverursacher des TSV stand ohnehin 90 Minuten völlig neben sich. Der Elfmeterschütze vom VfL jedoch nicht: 5-2. Als Abschluss gab es dann noch einen Elfmeter, weil der Totalausfall mit der Nr. 6 ein dummes Foul beging, was Nino zu seinem zweiten Treffer nutzte. Der 6er war allerdings der einzige Spieler der Hallenser, der mir als schwach auffiel, während bei Leuna die komplette Abwehr versagte. So bedenklich das mit der Abwehr aber auch ist, so erfreulich ist der Punkt, dass Leuna gegen den Tabellenführer drei Tore erzielte. Das hatten bisher nur Großgrimma und Zorbau geschafft. Also wie erwähnt: schön torreich. Nächstes Spiel aber bitte fünf Tore schießen und nur drei kassieren!

Nach dem Spiel ging es die längst bekannten Wege nach Merseburg zurück, weshalb eigentlich nichts erwähnenswert war, außer dem Radfahrer, der ohne Licht auf der B91 fuhr, obwohl ein guter Radweg direkt daneben verläuft, und gerade als er auf unserer Höhe fährt, von einem wohl kaum zugelassenen Buggy Racer überholt wird. Ein bizarres Bild.
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Statistik:
Ground Nr. 368 (ein neuer Ground; diese Saison: 37 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 909 und 910 (diese Saison: 52)
Tageskilometer: 40 (Rad)
Saisonkilometer: 12.380 (10.920 Auto/ 1.280 Fahrrad/ 280 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 31
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 170

Freitag, 30. Oktober 2009

WE170I: Leunas Alte Herren sammeln weiter Siege

TSV Leuna 1919 AH 7:2 Stahl Merseburg
Freitag, 30. Oktober 2009 - Anstoßzeit 18.00
Freundschaftsspiel Alte Herren
Ergebnis: 7:2 nach 70 Min. (35/35) - Halbzeit 3:1
Tore: 0-1 6. Nr. 9, 1-1 8. Heiko Hunold, 2-1 10. Frank Fulde, 3-1 12. Heiko Hunold, 4-1 42. Frank Fulde, 5-1 49. Mario Melchior, 6-1 55. Andre Klein, 6-2 60. Nr. 8, 7-2 68. Nr. 12
Verwarnungen: keine, Platzverweise: keine
Spielort: Kunstrasenplatz Stadion des Friedens (Kap. 2.000, davon 150 unüberdachte Sitzplätze)
Zuschauer: 10 (davon 1 Gästefan)
Unterhaltungswert: 8,0/10 (In allen Belangen sehr gutes Altherrenspiel)
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Altherrenspiele auf Kunstrasen und unter Flutlicht sind rar im Landkreis, da es kaum Flutlichtanlagen und Kunstrasen gibt. Da auch noch ein Spitzenspiel an stand und das einzige interessante Spiel in Deutschland an diesem Freitagabend in Zwickau ausgetragen wurde - zum Glück waren wir wegen der beschissenen Zugverbindung nicht gefahren: das Spiel ging 0:0 aus - waren wir natürlich, wie nur acht andere auch, in Leuna zugegen.

Dass Stahl neben IMO, Braunsbedra und Leuna als besonders leistungsstarke Mannschaft eingeschätzt wird, sah man nur in den ersten 10 Minuten. Der Vorgängerverein der IMO ging in Führung und zeigte sich vorm Tor auch anderweitig gefährlich, sowie technisch beschlagen, doch gleich nach dem ersten Treffer drehte Leuna erfolgreich auf. Innerhalb von fünf Minuten wurden drei Tore erzielt. Zwei andere Tore wurden Leuna aberkannt. 3:1 der Pausenstand.

Nach der Pause dann drei weitere Tore für Leuna - Stahl wurde nun streckenweise vorgeführt, denn aus diversen Positionen zog Leuna ab: selbst aus 30 Metern, so wie Andre Klein. Noch ein reingedrücktes Tor der Stahlarbeiter und ein weiteres Tor der Heimmannschaft, dessen Schützen ich leider nicht weiß, besiegelten den 7:2 Endstand in einem wirklich hervorragenden Alte-Herren-Spiel.

Statistik:
Ground Nr. 367 (kein neuer Ground; diese Saison: 36 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 908 (diese Saison: 50)
Tageskilometer: 20 (Rad)
Saisonkilometer: 12.340 (10.920 Auto/ 1.240 Fahrrad/ 280 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 31
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 170

Donnerstag, 29. Oktober 2009

WE169II: Ein überraschender Sieg in einem unbekannten Stadion im Schatten der Halde

SV Eintracht 1990 Teutschenthal 3:2 SV Lettewitz
Sonntag, 25. Oktober 2009 - Anstoßzeit 15.00
2. Kreisklasse Saalekreis, Staffel 2 (12. Liga, 4. Amateurliga)
Ergebnis: 3:2 nach 90 Min. (44/46) - Halbzeit 2:1
Tore: 1-0 6. Nr. 9 SVE, 2-0 24. Nr. 6 SVE, 2-1 30. Nr. 9 SVL, 3-1 63. Nr. 10 SVE, 3-2 87. Nr. 10 SVL.
Verwarnungen: Nr. 7, Nr. 14 (beide Teutschenthal), Platzverweise: keine (trotz zweier Tätlichkeiten)
Spielort: Stadion SV Eintracht 90 (Kap. 2.000, davon 50 überdachte Steh- und 50 unüberdachte Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 65 (davon ca. 8 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,5/10 (Schnell, spannend, aggressiv geführt: so muss das aussehen in der Kreisklasse!)
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Die bei Halle/ Saale liegende und 9.000 Einwohner zählende Landstadt Teutschenthal, also das Tal der Deutschen, hat sechs Ortsteile und fünf Fußballvereine und -sportanlagen. Nur der Ortsteil Köchstedt hat keinen Verein oder Platz. Nachdem wir schon in Teutschenthal selbst, dem Ortsteil Eisdorf und dem Ortsteil Holleben geguckt hatten, war jetzt Teutschenthal-Bahnhof dran. Zscherben steht noch aus. Bisher waren wir dort nur in der schönen alten Radballhalle bei den unsympathischen Langweilern vom RSV.

In Teutschenthal Bahnhof gibt es nicht nur die Gleisanlagen, sondern auch Fabriken und Arbeitersiedlungen. Zwischen einer solchen und einer schwarzen Bergehalde befindet sich das Stadion, das die schönste Sportanlage der Gemeinde – neben der Radballhalle natürlich – ist, aber irgendwie noch nie beschrieben wurde, im Internet. Auf beiden Längsseiten gibt es vier Stufen, wobei sich auf einer Seite noch ein paar Holzbänke und die in den Vereinsfarben schwarz und gelb gestrichenen Spielerbänke befinden. Auffällig ist dann vor allem noch das Vereinsheim mit Sozialtrakt und Turnsaal im Obergeschoss. An einem der Fenster zum Turnsaal steht noch der Schriftzug „Aktivist“ der auf den alten Vereinsnamen hindeutet. Sportvereinigungen, die mit Übertage-Bergbau und Grundstoffindustrie zu tun hatten – das ist weder mit Firmenmannschaften, noch mit Sponsoring im Namensrechte-(Un)Sinn zu verwechseln – trugen diesen Namen. Die Ruinen des Übertagebaus finden sich direkt hinter der Haupttribüne. Man beachte auch noch den sumpfigen Graswall zur Merkelstraße hin.
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Beachtenswert war auch das Spiel, was leider nur von wenigen der 65 Zuschauer mit Lärm begleitet wurde. Der Tabellenzehnte von 14 traf auf den Spitzenreiterverfolger Lettewitz, doch von einem Leistungsunterschied (aus 9 Spielen hatte Teutschenthal 10 Punkte und Lettewitz 20 Punkte geholt) war nichts zu sehen. Nach nur sechs Minuten spielte Teutschenthal ein schönes Tor heraus und bei gleich verteilten Spielanteilen und Torchancen, waren wieder die Hausherren die Geschickteren: nach 24 Minuten stand es schon 2:0. Vor der Pause zwar noch der Anschlusstreffer, doch in der zweiten Halbzeit sorgte ein toller Freistoß, der unhaltbar ins Eck sprang, für die Entscheidung. Natürlich steckte Lettewitz nicht auf, doch die Nerven lagen blank. Schließlich trat ein Gästespieler einem Teutschenthaler auf die Hacken – gerade in der Phase des Spiels, wo richtig schön geholzt wurde. Der Schiedsrichter konnte das natürlich nicht sehen – Assistenten gab es keine – sodass nun richtig schön gerauft wurde. Der ein oder andere Faustkampf war auch dabei, ein Zuschauer lief auch auf den Platz, und eigentlich hätte mindestens ein Lettewitzer, der mit einem Faustschlag die Stimmung richtig schön anheizte, vom Feld gestellt werden müssen, aber diese Szenen waren so unübersichtlich, dass der Schiri da nichts machen konnte. Somit entschied er auch völlig richtig, niemanden runter zuschmeißen. Völlig richtig war auch, dass er das Geholze weiterlaufen ließ. Sind ja hier nicht beim Basketball. Ein wirklich guter Schiedsrichter und ein wirklich gutes Spiel, was noch 3:2 ausging, da kurz nach der kleinen Keilerei ein Lettewitzer seine Chance nutzen und aus kurzer Distanz aus spitzem Winkel treffen konnte.

An diesem Wochenende gab es irgendwie ohnehin nur gute Spiele: von den drei Fußballspielen war eines besser als das andere, wobei Dautzsch gegen Nietleben II am stärksten war, gefolgt von Teutschenthal gegen Lettewitz und Merseburg 99 gegen Fuhnetal. Das hier beschriebene Spiel hatte aber auf jeden Fall die besten Emotionen zu bieten und wurde auf der schönsten Anlage ausgetragen.
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Statistik:
Ground Nr. 367 (ein neuer Ground; diese Saison: 36 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 907 (diese Saison: 49)
Tageskilometer: 60 (Rad)
Saisonkilometer: 12.320 (10.920 Auto/ 1.220 Fahrrad/ 280 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 30
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 169

WE169I: Verbesserungen beim Tabellenletzten und das beste Stadtoberligaspiel aller Zeiten

SV Merseburg 99 B 5:0 SG Grün-Weiß Wolfen (Fuhnetal) B
Samstag, 24. Oktober 2009 - Anstoßzeit 10.30
B-Junioren Landesliga Staffel 3 (5. Liga der 14- bis 16jährigen)
Ergebnis: 5:0 nach 83 Min. (40/43) - Halbzeit 1:0
Tore: 1:0 22. – 2:0 43. – 3:0 46. – 4:0 54. – 5:0 68.
Verwarnungen: je 2 gelbe Karten für jedes Team (alle wegen Meckern), Platzverweise: keine
Spielort: Stadtstadion Platz II (Kap. 1.000 Stehplätze)
Zuschauer: 10 (davon 2 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,5/10 (Sehr schnelles und offensives und deshalb wirklich gutes Spiel)

SV Dautzsch 63 3:2 Nietlebener SV Askania II
Samstag, 24. Oktober 2009 - Anstoßzeit 15.00
Stadtoberliga Halle (9. Liga, 4. Amateurliga)
Ergebnis: 3:2 nach 93 Min. (45/48) - Halbzeit 1:1
Tore: 1-0 13. Ulf Prinzinger, 1-1 18. Ronny Schroeter, 1-2 70. Andreas Franke (Eigentor), 2-2 74. Rene Langer, 3-2 81. Torsten Bär.
Verwarnungen: 2x Dautzsch (Nr. 5, Nr. 10)/ 4x Askania (Nr. 3, Nr. 7, Nr. 9, Nr. 10), Platzverweise: keine
Spielort: Sportplatz auf dem Dautzsch (Kap. 300 Stehplätze)
Zuschauer: ca. 60 (davon ca. 10 Gästefans)
Unterhaltungswert: 8,5/10 (Enorm schnelles und spannendes, ziemlich offensives und sehr engagiert geführtes Spiel: sehr guter Fußball!)

Photos and English version: CLICK HERE!

Die erste Etappe der heutigen Radtour war sehr schnell vorbei, denn bis zum Stadtstadion sind es nur etwa 2km. Dort fand auf dem Nebenplatz im Rücken der geschmackvoll überwucherten Tribüne ein B-Jugendspiel statt, in dem der Tabellenletzte auf den 7. von 12 Mannschaften traf. Den besseren Platz hatte Merseburg 99 inne, während Grün-Weiß Wolfen offensichtlich völlig überfordert ist mit der Landesliga. Die Spielgemeinschaft Fuhnetal – das Fuhnetal ist ein Flusstal im Raum Wolfen/ Bitterfeld, wobei die Wolfener Fuhne-Aue wohl die schönste Ecke dieser Stadt ist, und im Übrigen diese Jugendspielgemeinschaft in Löberitz (ein paar Kilometer westlich von Wolfen) spielt und somit auch Thalheim und Sazfurtkapelle umfasst – verlor die meisten Spiele zweistellig, wobei ein 0:30 gegen Farnstädt das heftigste Resultat war, und kann bisher nur ein 2:6 gegen Germania Rosslau als ihr bestes Ergebnis bezeichnen. Nach 7 Spielen 3:112 Tore zu haben, hört sich natürlich schlimm an.

Aber immerhin: Fuhnetal steigerte sich! Nach 20 Minuten zeichnete sich ab, dass es heute nicht zweistellig werden würde, denn den enormen Angriffsbemühungen der Merseburger stand ein guter, wenn auch oft unsicherer Torwart entgegen, der bis zur Pause nur einen einzigen Treffer – einen schwer zu haltenden Aufsetzer – ins Netz ließ. Natürlich war Merseburg 99 total überlegen: sie trafen in 40 Minuten dreimal die Latte und einmal den Pfosten und schossen mindestens 15mal aufs Tor, doch auch Wolfen traf einmal die Latte und erschien drei- oder viermal gefährlich vorm Tor der 99er.

In der zweiten Halbzeit brach dann Wolfen erwartungsgemäß ein, doch bei weitem nicht so heftig, wie zu befürchten war. Merseburg zeigte dann aber doch, dass sie klar besser sind, indem sie vier saubere Tore herausspielten. Ein paar gelbe Karten gab es übrigens auch noch, da Spieler beider Seiten sich belappten.

Man muss wirklich hervorheben, dass dieses Jugendspiel enorm schnell und offensiv geführt war und deshalb auch sehr unterhaltsam war. Leider wollten es nur etwa acht weitere Zuschauer sehen außer uns, die auch nicht weiter auffielen – ausgenommen die Wolfener, die immer direkt am Spielfeld stehen wollten: dass die Bande ganze 100cm von der Auslinie entfernt steht, interessierte die Komiker nicht. Man muss ja unbedingt noch näher ran...
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Weiter ging es nach Norden. In Halle holten wir uns erst am Bahnhof zu essen und mussten uns am Platz in Dautzsch die Zeit mit lesen vertreiben: denn Fußball sollte es erst um 15 Uhr geben, da das Spiel zwischen SV 63 Dautzsch II und dem Kanenaer SV II – aus welchen Gründen auch immer – ausfiel. Es lohnte sich jedoch in diesem hässlichen, 1932 gegründeten Spießervorort von Halle, der wie eine Landzunge in ein Meer von öden Feldern hineingebaut ist, auf der es nur langweilige Doppelhaushälften, von Kötern zu geschissene Grünstreifen und mit Müllcontainern dekorierte Kreisverkehre, aber nicht eine Sitzbank gibt, auszuharren, bis das Spiel begann.

In der Stadtoberliga wird ja meistens absolute Scheiße zusammen gekickt. Entweder sind die Spieler bestochen oder sie spielen wie besoffen oder wie auch immer, jedenfalls hat die hallesche Stadtoberliga selten etwas mit Fußball zu tun. Sie ist einfach klar schlechter als ihr Unterbau (Stadtliga und 1. bzw. 2. Stadtklasse). Doch dieses Spiel war eine positive Ausnahme: Nicht nur, dass die knapp 60 Zuschauer auf dem Sportplatz Dautzsch, der wie ein Bolzplatz von hohen Metallzäunen umgeben ist und somit nur auf einer Längsseite innen Zuschauer gestattet, immer wieder lautstark auf das Spielgeschehen reagierten. Auch die Spieler – das musste man nicht erwarten beim Spiel 8. gegen 6. von 16. – legten sich enorm und auf hoher Qualität ins Zeug.

Das Spiel begann mit ein paar Torschüssen zum Warmwerden und knallharten Laufduellen. Innerhalb von fünf Minuten fielen dann die Heimführung und der Gästeausgleich. Rasante Duelle wurden ausgetragen, doch trotz etlicher Chancen und einem enormen Spieltempo kein weiteres Tor erzielt bis zur 70. Spielminute. Besagtes Tor war das 1:2 für die 2. Mannschaft von Nietleben, die nur wegen der Dummheit von Aufbau Tasmanias Trainer Pullert die Klasse gehalten hat, wobei die Hausherren von Dautzsch gar nicht ans Aufgeben dachten. Es wurde noch ein Gang höher geschaltet und noch härter eingestiegen. Unfair wurde es aber nie. Schnell war der Ausgleich erzielt und da Nietleben II immer rummotzt, wenn sie mal nicht in Führung liegen, erzielte Dautzsch dann sogar noch den Sieg. Die letzte Chance im Spiel wurde dann von einem der besten Spieler auf dem Platz – dem unförmigen 10er der Nietlebener: ein wirklich schussstarker und agiler Spieler, den man wegen seinem Äußeren oft nicht so ernst nimmt – mit einem Pfostentreffer vergeben.

Dieses Spiel war mit Abstand das Beste, was ich in der Stadtoberliga Halle jemals gesehen habe. Auch das Schiedsrichtergespann, besonders der Linienrichter, der sich immer mal mit uns unterhielt während ruhendem aber teils auch laufendem Spiel, war sehr gut.

Nach dem Spiel arbeitete ich zuhause an arabischen Texten, während mein Vater die langweilige Niederlage des VC Bad Dürrenberg/ Spergau gegen Unterhaching ansah. 0:3. Wie berechenbar doch so eine Standsportart wie Volleyball ist.
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Statistik:
Ground Nr. 366 (ein neuer Ground; diese Saison: 35 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 905-906 (diese Saison: 48)
Tageskilometer: 40 (Rad)
Saisonkilometer: 12.260 (10.920 Auto/ 1.160 Fahrrad/ 280 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 29
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 169

WE168II: Dann halt zwei Handballspiele, statt zwei Fußballspiele...

Merseburger SV Buna Schkopau 23:30 Dessau-Roßlauer HV 06 II
Sonntag, 18. Oktober 2009 - Anwurf 14.00
Verbandsliga Sachsen-Anhalt, Staffel Süd (5. Liga, 2. Amateurliga)
Ergebnis: 23:30 nach 60 Min. - Halbzeit 9:13
Tore: (?)
Strafminuten: 8–12, Platzverweise: keine
Spielort: Rischmühlen-Halle (Kap. 1.000 Sitzplätze, heute nur 400 freigegeben)
Zuschauer: ca. 80 (davon ca. 5 Gästefans)
Unterhaltungswert: 4,0/10 (Spiel war nicht einmal Durchschnitt)

Merseburger SV Buna Schkopau Fr 32:29 SG Seehausen Fr
Sonntag, 18. Oktober 2009 - Anwurf 16.00
Frauen-Oberliga Sachsen-Anhalt (3. Liga Frauen, Amateurliga)
Ergebnis: 32:29 nach 60 Min. - Halbzeit 12:13
Tore: (?)
Strafminuten: 12–8, Platzverweise: keine
Spielort: Rischmühlen-Halle (Kap. 1.000 Sitzplätze, heute nur 400 freigegeben)
Zuschauer: ca. 80 (davon ca. 4 Gästefans)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Durchschnitt)
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Photos and English version: Click here. Eigentlich waren zwei Fußballspiele der 1. Saalekreisklasse geplant, da in den Nachbarort Dieskau und Döllnitz gespielt werden sollte. Doch da die Gegner des FSV Dieskau, Blau-Weiß Brachstedt II, wegen zu weniger Spieler nicht antraten, was bei einem Verein wie Brachstedt schon bedenklich ist, wird dieses Spiel 3:0 für Dieskau gewertet werden. Und wir fuhren die 15km wieder zurück nach Merseburg und schauten in der Rischmühlenhalle zwei Handballspiele an.

Besagte Rischmühle heißt nach der Halbinsel, auf der einst eine große Mühle stand, die aber vor wenigen Jahrzehnten abgerissen wurde. Da steht nun die Sporthalle und sonst fast nichts weiter auf der Landzunge. Die Halle ist sehr modern, standardmäßig zwar mit einer ausgebauten Tribünenseite, die in drei Elementen zu je 300 Sitzplätzen auf Kunststoffbänken unterteilt ist, aber nicht ganz so langweilig, wie manche andere Sportanlagen aus der gleichen Bauzeit. Der Eintritt zu den heutigen Spielen war frei (sonst muss man die standardmäßigen 2€ zahlen), die Würstchen und Getränke sehr billig (je 1€) und die Stimmung – wie immer beim MSV Buna Schkopau – nicht vorhanden. Da kommen a) kaum Zuschauer und b) die, die kommen, klatschen nur nach guten Aktionen und rufen ab und an dazwischen. Am lautesten waren noch Spielerinnen der Frauenmannschaft und Freundinnen der Spieler, die allerdings auch nur mit dummen Zwischenrufen glänzten.

Zuerst spielten die Männer, wobei Buna Schkopau auf dem vierten und Dessau-Roßlaus 2. Mannschaft auf dem zehnten von 14 Plätzen stand. Davon war allerdings nichts zu merken und in einem Spiel, das von den technischen Fertigkeiten, den Torszenen und dem Zweikampfverhalten auch in der Kreisliga so oder gar besser hätte ablaufen können, setzte sich der Gast verdient mit sieben Toren Vorsprung durch. Bei dieser peinlichen Leistung der Schkopauer kann ich deren Trainer, der phasenweise eine Mimik darbot, die man sonst eher bei Flusspferden als Imponiergehabe vorfindet, schon verstehen. Wobei der Trainer sich nicht gegenüber den Schiedsrichtern hätte aufspielen müssen, denn die Unparteiischen verdienten wirklich einmal ihren Namen, was beim Handball alles andere als selbstverständlich ist.
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Dann waren die Frauen dran: hier stand Buna auf Rang drei und Seehausen auf Rang 13 von 14. Auch hier waren die Bunesen nicht das bessere Team, da nach einer kurzen Druckphase der Gastgeberinnen, die zu einem 3:0 führte, immer mehr die Altmärkerinnen – die SG kommt aus der Stadt bei Stendal, nicht aus Seehausen/ Börde oder Seehausen/ Kyffhäuser oder so – zum Zuge kamen. Die Tabellenvorletztinnen führten sogar immer wieder und einzig einem halbwegs guten Schlussspurt kann Buna Schkopau für den Sieg danken. Am Ende war der Sieg natürlich verdient, aber unter dem Niveau was man von den Schkopauerinnen erwarten kann und muss. Alles in allem war das Spiel schlicht durchschnittlich, da die üblichen Fehler passierten. Immer wieder gab es zwar sehenswerte Aktionen: herrlich in den Wurfkreis gesprungen und ins Eck gezimmert den Ball – aber erwartungsgemäß war die Dynamik in der Frauenoberliga so wie in der Männerkreisliga. Wie beim Fußball sind nur die allerhöchsten Frauenklassen (sprich: Bundesligen) sehr sehenswert. Unter diesen höchsten Ligen setzt ein enormer Leistungsabfall ein.

Insgesamt gesehen – Döllnitz II verlor gegen Raßnitz II 0:1 und dieses Spiel hätten wir geguckt, wäre Brachstedt angetreten – hat sich der Besuch beim Handball aber schon gelohnt. Obschon Buna Schkopau echt nicht mein Verein ist: Amateurhandball ist auf den Dörfern viel stimmungsvoller und oft – wohl auch gerade durch die bessere Stimmung – spielerisch besser. Wüsste nicht, je ein gutes Spiel von Buna Schkopau gesehen zu haben.

Statistik:
Ground Nr. 365 (kein neuer Ground; diese Saison: 34 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 904 (diese Saison: 46)
Tageskilometer: 40 (Rad)
Saisonkilometer: 12.220 (10.920 Auto/ 1.120 Fahrrad/ 280 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 27
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 168

WE168I: Ein typisches Spitzenspiel.

BSG Wismut Gera 0:1 BSV Eintracht Sondershausen
Samstag, 17. Oktober 2009 - Anstoßzeit 14.10
Thüringenliga (6. Liga, 1. Amateurliga)
Ergebnis: 0:1 nach 92 Min. (45/47) - Halbzeit 0:1
Tor: 0-1 38. Kevin Schenke
Verwarnungen: David Kwiatkowski, Steven Obst (Wismut), Patrick Rothe (Eintracht), Platzverweise: keine
Spielort: Stadion am Steg (Kap. 3.000, davon 150 unüberdachte Sitzplätze)
Zuschauer: 260 (davon ca. 20 Gästefans)
Tagesunterhaltungswert: 4,0/10 (Mäßiges Spiel vor coolen Fans und gute Radtour mit kaum Sightseeing bei beschissenem Wetter)

Photos and English version!

Der Weg zum Spitzenspiel der Thüringenliga gestaltete sich erwartungsgemäß wenig angenehm bei Temperaturen knapp über 0 Grad und zwischenzeitlich immer wieder aus dem wolkenverhangenen Himmel fallenden Regen. Wir hatten die Bahn von Merseburg über Weißenfels nach Zeitz genommen (48km Hopperticket), um dann 34km mit dem Rad nach Gera zu fahren.

Wie schon erwähnt, handelte es sich bei dieser Begegnung in der höchsten Amateurspielklasse des Landes Thüringen um ein Spitzenspiel. Der Vierte – Wismut Gera – traf auf den Ersten – Eintracht Sondershausen. Der Tabellenführer hatte aus 9 Spielen 21 Punkte, Gera aus 8 Spielen 14 Punkte geholt. Erwähnenswert zu Wismut Gera ist noch, dass sie sich vor dieser Saison rück benannten: von FV Gera Süd in den alten Namen BSG Wismut Gera. BSG allerdings auch hier: „Ballsportgemeinschaft“ statt Betriebssportgemeinschaft, als die sie 1951 gegründet wurden. FV Gera Süd entstand übrigens erst 2007 durch Fusion, wobei der Nachfolgeverein der BSG Wismut einer der fusionierenden Klubs war. Wismut ist nun wieder neben dem Oberligisten FC Gera 03 der größte Klub der Stadt Gera. Teilweise kommen sogar mehr Fans zum Amateurverein, als zum Halbprofiverein in seinem topp-modernen Leichtathletikstadion im BUGA-Gelände.

Apropos Stadion: das Stadion am Steg fanden wir erst nach einigem Herumirren, da wir uns an Kraftwerksschornsteinen orientierten. Allerdings sind die drei Schornsteine, die derzeit „zurückgebaut“ werden, im Nordteil Geras zu finden. Die drei Schornsteine in Gera-Süd sind schon längst abgerissen worden. Bis man mal über die Ampelkreuzung am Stadion ist, vergehen auch ein paar Minuten. Dann muss man noch 4€ (als Student, Schüler, Rentner usw. 3€) entrichten und man steht entweder auf einem kleinen Graswall vorm Sportlerheim, einem großen Graswall vor den Kleingärten, einem dreifach abgestuften Graswall vor den Nebenplätzen oder einer achtstufigen Stehtribüne. Auf dieser Tribüne sind in der Mitte auch ein paar Sitzschalen angebracht. Das Sportlerheim im Übrigen ist mit dem kleinen Türmchen mit Umgang und den Säulen echt gut gelungen!
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Nicht so gelungen war das Spiel, denn es war ein Spitzenspiel der Sorte: abwarten, Gegner paralysieren und dann mal kontern. Richtig widerlich professionell in diesem Punkt. Das überhaupt ein Tor fiel, war dem Torschützenkönig der Thüringenliga zu verdanken. Kevin Schenke heißt dieser Sondershausener, der den Ball hervorragend im rechten Eck ablegte.
Ab und an kamen auch mal andere Spieler gefährlich vors Tor – Gera hatte sogar etwas mehr Chancen, nur Sondershausen war halt spielerisch und technisch besser – doch es blieb beim 0:1.

Die meisten Zuschauer ärgerte das und ärgerlich war auch der Fakt, dass weniger Zuschauer als normal (sonst oft 300) ins Stadion am Steg kamen. Aber für ein Amateurteam, haben die Wismut Spieler echt guten Support. So 40 Leute feuerten dauernd Ultra-mäßig an, was übrigens recht einfallsreich war, streckenweise, und zeigten vorher etliche Doppelhalter. Die Ultras Gera haben übrigens Verbindungen zur kleinen Gruppe der Altenburger Ultras, sowie auch zu den bekannten Gruppen Red Kaos Zwickau und den Ultras von Dynamo Dresden. Die anderen Zuschauer gingen nur bei strittigen oder hitzigen Szenen auf dem Feld mit, was sich dann so anhörte: „Ey Schiri, du Votze! Mann, du Arschloch! Schmeiß den scheiß Fünfer vom Feld!“

Mit den Rädern ging es jetzt den anderen Weg von Gera nach Zeitz, da wir noch in Breitenbach, was wir wenige Monate zuvor auf dem Weg von Merseburg nach Heuckewalde verpasst hatten, die Burgruine Kempe besichtigen wollten. Wenn man der Beschilderung gefolgt ist, steht man schnell vor den Wallresten der Reichsburg. Dann muss man vor den Wällen nach rechts auf einen sehr hohen Wall zugehen (100m Weg), aber davor rechts dem Schild nach, das in den Trampelpfad zeigt. Erst wenn man 20m davor steht, sieht man die Ruine des Wohngebäudes (Kempe): zwei Mauern von maximal 10m Höhe. Die Besichtigung ist durch Absperrungen erschwert. Viel zu sehen gibt es auch nicht. Im Nachbarort Haynsburg ist das ganz anders. Im nahegelegenen Droyßig auch besser als in Breitenbach.
In Zeitz angekommen, ging es via Weißenfels wieder nach Merseburg zurück.
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Statistik:
Ground Nr. 365 (ein neuer Ground; diese Saison: 34 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 902 (diese Saison: 44)
Tageskilometer: 180 (100km Zug, 80km Rad)
Saisonkilometer: 12.180 (10.920 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 280 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 27
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 168

WE167II: Fußball am Fuße des Hügels

SV Eintracht Wickerstedt II 1:2 SV 70 Tonndorf II
Sonntag, 11. Oktober 2009 - Anstoßzeit 13.00
Freundschaftsspiel (2. Kreisklasse – 2. Kreisklasse (11. Liga, 6. Amateurliga))
Ergebnis: 1:2 nach 92 Min. (45/47) - Halbzeit 0:2
Tore: 0-1 (?), 0-2 (?), 1-2 64. Minute
Verwarnungen: keine (?) / Platzverweise: keine (?)
Spielort: Sportplatz Wickerstedt, Platz II (Kap. 1.000 Stehplätze)
Zuschauer: 20 (davon 1 Gästefan), freier Eintritt
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Durchschnitt (Bewertung nur für 2. Halbzeit gültig))

SV Eintracht Wickerstedt 1:3 SV Einheit Bad Berka
Sonntag, 11. Oktober 2009 - Anstoßzeit 14.30
Kreisliga Weimar (9. Liga, 4. Amateurliga)
Ergebnis: 1:3 nach 93 Min. (46/48) - Halbzeit 1:1
Tore: 1-0 26. Nr. 9, 1-1 31. Nr. 9, 1-2 68. Nr. 12, 1-3 88. Nr. 11
Verwarnungen: Nr. 8 Bad Berka / Platzverweise: keine
Spielort: Sportplatz Wickerstedt (Kap. 1.500 Plätze, davon 15 überdachte und 30 unüberdachte Sitzplätze)
Zuschauer: 150 (davon 10 Gästefans), 1,50€ Eintritt
Unterhaltungswert: 6,0/10 (Spiel war O.K.)

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Wir dachten heute eigentlich, dass wir nur ein Spiel zu sehen bekämen – und ein Spiel pro Sams- bzw. Sonntag ist für unsere Verhältnisse wenig – denn in dieser Gegend, dem Weimarer Land, schwankend zwischen herausragender Baukultur, interessanter Geschichte und tristen, langweiligen, feldergesäumten Käffern, fanden keine offiziellen Begegnungen vor 14 Uhr statt – und auch keine Jugendspiele – doch als wir in Wickerstedt ankamen, wurde auf dem Nebenplatz der Sportanlage gerade die zweite Halbzeit eines Freundschaftsspiels angepfiffen.

Wickerstedt ist ein 800-Einwohner-Dorf zwischen Bad Sulza und Apolda. Dessen Nachbarort Eberstedt ist sehenswerter: vor Monaten besichtigten wir einmal die regelmäßig geöffnete Kirche mit den dreistöckigen Emporen und dem Barockaltar – die Wickerstedter Kirche ist von außen in ähnlichem Stil gehalten, jedoch weder so alt, noch regelmäßig zugänglich – und auch die Feriensiedlung mit den Pfahlbauten und Holzhütten ist interessant. Von Eberstedt aus erreicht man Wickerstedt über einen asphaltierten und betonierten Feldweg. Die eintönigen Landwirtschaftsflächen werden von ebenfalls landwirtschaftlich genutzten Hügeln und ein paar Bäumen aufgelockert.
In Wickerstedt selbst, fallen neben der Dorfkirche ein paar einfache Fachwerkbauten, ein aufwendigeres Kriegerdenkmal und ein Haus eines Schalke-Fans – er hat den Schriftzug „S 04“ mit Dachziegeln ins Dach gebracht und eine große Flagge gehisst – auf.
Am Ende des Ortes befindet sich der Sportplatz, der mit seinem kleinen Tribünenausbau eigentlich schon wieder ein Stadion ist. Es ist die wohl spektakulärste Sportanlage des Weimarer Landes, und sicherlich nicht nur des Weimarer Landes, zumindest von der landschaftlichen Lage her. Etwas Spektakuläreres (mehr Felsen, höhere Berghänge und keine Bäume) habe ich bisher nur auf Fotos von den Färöer gesehen.
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Auf dem Nebenplatz, der von Bäumen beschattet, einige Meter vom Berghang weg angelegt wurde, spielten Eintracht Wickerstedt II und SV 70 Tonndorf II. Beide Mannschaften spielen in der 2. Kreisklasse; Wickerstedt in der Staffel A (nach 6 Spielen 11 Punkte und 4. von 11), Tonndorf in Staffel C (nach 7 Spielen 7 Punkte und 9. von 11). Das Spiel fand übrigens vor maximal 20 Zuschauern statt, wobei der einzige Gästefan bei jedem Tonndorfer Angriff eine Schalmei blies, die man mit dem Wind bis zur anderthalb Kilometer entfernten Wickerstedter Kirche hörte.
In der zweiten Hälfte machte zuerst nur Wickerstedt Druck, doch vergab riesige Möglichkeiten. Auch Latte und Pfosten wurden getroffen, doch nicht zuletzt war es ein dilettantischer Abschluss, der den Torerfolg versagte. Tonndorf zeigte sich dann ab und an auch mal aktiver, wobei das Spiel nach und nach einschlief, ehe 15 Minuten vor Abpfiff die Gastgeber für den Weckruf sorgten. Der Anschlusstreffer, der den 1:2 Endstand besorgen sollte, war gefallen.

Die letzten fünf Minuten hatten wir kaum noch verfolgt, da das Spiel auf dem Hauptplatz, im Schatten des enormen Hügels, auf dem ein Sportlerheim und ein zu einer kleinen Tribüne ausgebauter Imbissstand stehen, also, bereits begonnen hatte. Beide Mannschaften waren vor diesem Spieltag Tabellennachbarn: Wickerstedt 6. – Bad Berka 5. Wickerstedt allerdings mit einem Spiel, aber nur zwei Punkten weniger.
Die Gastgeber auch zuerst mit mehr Druck aufs Tor, wobei sich die Spielanteile dann wieder zugunsten Bad Berkas verlagerten, um schließlich bis zur Pause ausgeglichen zu werden. Ausgeglichen war auch der Spielstand, nach dem je ein Spieler von beiden Mannschaften hervorragend heraus gespielte und technisch sauber vollendete Tore erzielt hatte.
In der zweiten Halbzeit, die ich in großen Teilen von ganz oben, dass heißt dem höchsten Punkt des Hügels, auf dem ein überdachter Picknick- oder Rastplatztisch steht, beobachtete – man hat von dort aus übrigens einen Überblick wie in einem großen Stadion in der hintersten Reihe, nur sieht man leider nur etwa 85% des Feldes ein, da das Vereinsheim und ein paar Bäume im Weg sind, doch die Tore sieht man gut – dann das gleiche Bild, nur zu Beginn von Hälfte zwei und noch einmal zwischenzeitlich war etwas die Luft draußen, und Bad Berka hatte dann mehr Glück, als sie zwei Abwehrfehler von Wickerstedt zu den beiden entscheidenden Treffern ausnutzten.

Wir waren wieder so früh in Bad Sulza, dass wir am Bahnhof aßen – der Imbiss ist wirklich gut und preisgünstig und der freundlichen Bedienung kündigten wir gleich einen Besuch Ende November an, denn da soll einmal Medizin Bad Sulza besucht werden. Da gibt es dann auch mal eine Fotostrecke aus diesem idyllischen Kuhort. Kurort meinte ich...

Im Nachhinein muss übrigens noch gesagt werden, dass dieses Wochenende wohl das Wochenende war, das das Ende der Semesterferien – oder besser: vorlesungsfreien Zeit – markierte, und nicht, wie in der Vorwoche bemerkt, das Wochenende mit der Tschechien-Fahrt: in der nominell ersten Woche des - für mich - dritten Semesters, wurde eine 140minütige Vorbesprechung abgehalten und eine 90minütige Arabischstunde, in der es mehr um die Organisation des Unterrichts, als um Verbstämme, Genetivkonstruktionen und Satzübersetzungen ging, durchgeführt. Fünf geplante Veranstaltungen fielen aus und die restlichen sieben waren ohnehin erst auf die Folgewoche oder als später stattfindende Blockveranstaltung terminiert.
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Statistik:
Ground Nr. 364 (zwei neue Grounds; diese Saison: 33 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 901 (diese Saison: 43)
Tageskilometer: 120 (90 Bahn, 30 Rad)
Saisonkilometer: 12.000 (10.920 Auto/ 1.000 Fahrrad/ 180 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 26
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 167

WE167I: Pokal im Burgenland, Pokal im Saalekreis

BSC 99 Laucha B 3:2 TSV Eintracht Lützen B
Samstag, 10. Oktober 2009 - Anstoßzeit 10.30
B-Jugend Kreispokal Burgenlandkreis, Ausscheidungsrunde (Kreisliga gegen Kreisliga (5. Liga der 14-16jährigen))
Ergebnis: 3:2 nach 80 Min. (40/40) - Halbzeit 1:0
Tore: 1-0 33. Nr. 9, 2-0 48. Nr. 5, 3-0 52. Nr. 6 (Foulelfmeter), 3-1 60. Nr. 16, 3-2 69. Nr. 8 Verwarnungen: keine/ Platzverweise: keine
Spielort: Sportanlage Laucha (Kap. 1.100 Plätze, davon 100 unüberdachte Sitzplätze)
Zuschauer: 15 (davon 3 Gäste), Eintritt frei
Unterhaltungswert: 5,0/10 (O.K., wobei die 2. Halbzeit weit besser als die 1. war)

SV Beuna 1916 2:4 TSV Leuna 1919
Samstag, 10. Oktober 2009 - Anstoßzeit 15.00
Kreispokal Saalekreis, 2. Runde (Kreisliga (10. Liga) gegen Landesklasse (8. Liga))
Ergebnis: 2:4 nach 93 Min. (45/48) - Halbzeit 0:2
Tore: 0-1 36. Degener, 0-2 40. Degener, 0-3 67. Pires, 0-4 70. Hammerschmidt (Foulelfmeter), 1-4 71. Nr. 8 SVB, 2-4 85. Nr. 6 SVB
Verwarnungen: Nr. 1 (Torwart SVB)/ Platzverweise: keine
Spielort: Glück Auf Kampfbahn (Kap. 1.000 Stehplätze)
Zuschauer: 90 (davon 45 Gästefans), 2€ Eintritt
Unterhaltungswert: 6,0/10 (Ordentliches Spiel)
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Photos and English version:
Laucha (town and under-aged football) and Beuna vs Leuna (football cup).

In diesem Bericht werde ich eine neue Form der Einteilung ausprobieren: es soll mehr zu den Umständen, wie Tabellensituation und Spielstätte geschrieben, dabei jedoch die Berichte übersichtlicher gehalten werden. Erst geht es um die Besichtigungen und die Stadt, in der das Spiel ausgetragen wurde, dann um die Tabellen etc., die Sportanlage, das Spiel, die Fans und schließlich gibt es ein Fazit – oder es geht um das, was nach dem Spiel war.

An diesem wolkenverhangenen und teils regnerischen Samstag sollte mal wieder ein Spiel des TSV Leuna besucht werden. Doch bevor es in den fast namensgleichen Vorort von Merseburg, Beuna, ging, besuchten wir eine Landstadt in der Nähe von Freyburg an der Unstrut, der Stadt des Rotkäppchensekts und Turnvater Jahns.

Laucha ist auch für zwei Dinge bekannt, nämlich für Glocken und Fruchtsäfte (Glockengold), wenn auch diese Glockengießerei, die heute ein Museum ist, nicht die Bedeutung hat, die eine ähnliche Einrichtung in Apolda hat. Wenn man von Merseburg, die Tagebauseen entlang, via Mücheln nach Dornstedt kommt, sieht man einen Flugplatz, dessen ehemalige Fliegerschule wir zuerst anguckten. Eindrucksvolle, aber trist graue und bröcklige 1920er Jahre Architektur.
Dann die Serpentinen zwischen Weinbergen hinab ins Tal und den Rathaus- und Kirchplatz – die Kirche ist Innen ganz ansehnlich mit einer schönen Orgelempore, kleinem Altar und auffälligen, zeitgenössischen Gemälden neben der Kanzel und das Rathaus hat einen außergewöhnlichen Treppenaufgang, der wahrscheinlich italienisch inspiriert ist – besichtigt. Zum Abschluss schauten wir noch die in Teilen erhaltene Stadtmauer entlang. Auf seinem Weg durch den Ort sollte man auch auf einige der gotischen und romanischen Hausportale achten.
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Im Lauchaer Sportzentrum standen sich dann zwei B-Jugendtrupps gegenüber, die beide in der Kreisliga Burgenland spielen, wobei diese nur sechs Mannschaften umfasst und Laucha sich nach sechs Spieltagen auf Platz 2 und Lützen auf Platz 4 wieder fand. Die Anlage, die mit einem teils abgestuften und mit Bänken bestückten Graswall auf zwei Seiten und einer exponierten Lage im Allgemeinen glänzen kann, hatte ich vor etlichen Jahren selbst einmal bespielt, wobei ich ein Tor vom TSV Leuna vorbereitete, obwohl ich einen fast drei Köpfe kleineren Gegenspieler von Laucha aus Versehen – bzw. aus Übersehen – überrannte. Damals guckten definitiv mehr Zuschauer zu. Die 15 Leute heute waren wirklich wenig. Und alle standen sie um die Spielerbänke herum. Dabei sieht man vom Wall doch viel besser!

Wir kamen erst 20 Minuten nach Anstoß, hatten aber nicht viel verpasst, denn Laucha erzielte erst nach über einer halben Stunde in einem schwachen Spiel das 1:0. Dieses Spiel wurde nach der Pause aber nach und nach besser, die Jungs kamen richtig in Fahrt, wobei, die dünne Spielerdecke bei den Jugendmannschaften dieses Kreises bedenkend, ohnehin nicht kritisiert werden sollte, wenn kopflos gebolzt wird. Laucha erzielte durch einen schönen Fernschuss des Kapitäns – der Ball rutschte dem Lützener Torwart durch die Arme – das 2:0 und bekam einen zweifelhaften Elfmeter zugesprochen. 3:0. Die Lützener fingen zu spät an Fußball zu spielen, denn ihre zwei stark heraus gespielten Tore zeugten von vorhandenem Potential.

Weiter ging es nach Beuna, wobei es dann sogar gleich bis Kötzschen ging, wo wir in der Gaststätte „Zu Kötzschen“ gegenüber der Hoppenhauptkirche Kötzschen, hinter ihr muss man einbiegen, will man beim 1. FC Lindner gucken, einkehrten, und dort zu durchschnittlichen Preisen wirklich gutes, deutsches Essen aufgetischt bekamen. Vorbei an den Emus und Nandus auf dem Nachbargrundstück, ging es zum Sportplatz des SV Beuna 1916.
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Die Glück Auf Kampfbahn hat nicht nur einen schönen, altmodischen Namen zu bieten, sondern auch eine beachtliche Ausdehnung. Leider keine Tribünenausbauten, aber wenigstens eine Anzeigtafel, einige Bäume drum herum, zur einen Seite direkt dahinter Bahngleise und auch ein Sportlerheim.

Die Favoritenrolle war eigentlich klar verteilt, doch Beuna konnte man noch lange nicht als sicher ausgeschieden betrachten. Sie belegten einen der Spitzenplätze der Kreisliga, während Leuna sich in der Landesklasse diesmal ungewohnt weit hinten, jedoch nicht mehr auf einem Abstiegsplatz, denn man hatte Reußen 3:2 bezwungen, während ich mich auf Burg Karlštejn verdingte bzw. nach Most zum Eishockey aufmachte, befand. Der Tabellenführer der Kreisliga, SC Obhausen, hatte in der ersten Runde das Nachsehen gegen Beuna (1:0) und der TSV Leuna tat sich schwer, sehr schwer, bei der LSG Klobikau-Milzau (1. Kreisklasse) und gewann erst nach Verlängerung 4:3.

Hier dauerte es nicht so lange, so viel vorweg. Leuna baute von Anfang an Druck auf, Beuna hielt ihm jedoch lange stand, hatte selbst sogar die erste Torchance des Spiels, die jedoch keine der 100%igen war, und nach einer Weile ließ Leuna dann den Druck etwas abflauen. Große Aktionen setzte dann Kevin Degener, der innerhalb von fünf Minuten noch vor der Pause für Leunas verdiente 0:2 Führung sorgte.
In der zweiten Halbzeit war dann plötzlich der gesamte Druck für eine Weile raus, ehe Leuna ab der 60. wieder zulegte. In der 67. erzielte dann auch Joao Pires, der endlich sein Potential abruft, das 0:3. Wirklich stark, wie Pires in den letzten Wochen immer wieder traf, aber auch viele Vorlagen lieferte. Da ich bis vor sechs Wochen über einen wirklich langen Zeitraum hinweg stets schlechte Spiele von ihm gesehen hatte, fiel mir seine beachtenswerte Leistung heute besonders auf. So langsam kommt Nino Hammerschmidt in seinem zweiten Pflichtspiel nach der neun Spiele dauernden Sperre, die ihn sicherlich bei den Kollegen mit der Pfeife in jedem Spiel eine gesonderte Beobachtung zuteil werden lässt, in Fahrt. Zumindest verwandelte er einen Elfmeter, nachdem Leuna mit verschiedenen Schützen seine letzten drei oder vier Strafstöße alle verschoss. 0:4 war dann wirklich die Entscheidung, jedoch wollte Leunas Abwehr dann irgendwie doch noch Spannung provozieren – man will den 90 Zuschauern, wovon ohnehin die Hälfte aus bzw. für Leuna war, ja schon was bieten! – sodass Beuna zu zwei Toren und zwei Reisen-Chancen kam.

2:4 war also der verdiente Endstand, der eigentlich noch zu niedrig war, denn Leuna hatte vor allem in der zweiten Hälfte der zweiten Hälfte viele Chancen liegen gelassen. Leider gab es nur wenig Applaus von den Zuschauern und die Spieler schienen auch keinen zu wollen, angesichts einiger Dinge – Chancenverwertung und noch mehr: Abwehrverhalten – die nicht so klappten.
Klar ist die Leistung steigerungsfähig und steigerungsbedürftig gewesen, doch da man einen verdienter Sieg nach einem ordentlichen, ansehnlichen Spiel landete, muss man da nicht nur die vergebenen Chancen und groben Abwehrfehler sehen.

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Statistik:
Ground Nr. 362 (ein neuer Ground; diese Saison: 31 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 899 (diese Saison: 41)
Tageskilometer: 80 (Fahrrad)
Saisonkilometer: 11.880 (10.920 Auto/ 970 Fahrrad/ 90 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 24
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 167

Dienstag, 6. Oktober 2009

WE166II: In der Provinz zwischen Karlsbad und Pilsen; Burgen, Fußball und Eishockey

SK Toužim d 2:5* FC Viktoria Mariánské Lázně d
Sonntag, 04. Oktober 2009 - Anstoßzeit 13.00
Karlovarský kraj: Krajský přebor dorostu (4. Liga der U-18)
Ergebnis: 2:5 nach 90 Min. (45/45) - Halbzeit 2:1
* Auch als 2:4 (2:1) gemeldet
Tore: 1-0 David Drabík, 1-1 Tomáš Kabelák, 2-1 Jan Paluch, 2-2 Robert Csekés, 2-3 Tomáš Kabelák, 2-4 Filip Drahorád, 2-5 (?)
Verwarnungen: keine
Platzverweise: keine
Spielort: Stadion SK Toužim (Kap. 700, davon 100 Sitzplätze)
Zuschauer: 40 (davon 10 Gästefans)
Unterhaltungswert: 5,5/10 (Besserer Durchschnitt)

HC Plzeň 1929 4:5 HC „Benzina“ Litvínov
Sonntag, 04. Oktober 2009 - Anbully 17.30
Extra Liga Hokej (1. tschechische Eishockeyliga; Profiliga)
Ergebnis: 4:5 nach 60 Min. – Drittelstände: 2:4, 2:0, 0:1
Tore: 1-0 0:10 Bomersback, 1-1 0:31 Černý, 1-2 2:17 Lukeš, 1-3 5:14 Jánský, 2-3 15:58 Straka, 2-4 16:27 Majdan, 3-4 32:31 Vlasák, 4-4 39:57 Vlasák, 4-5 42:46 Lukeš
Strafminuten: 35-24 (davon Mezei (Plzeň) 5 + 20)
Spielort: ČEZ „Aréna“ (Kap. 8.420, davon 5.420 Sitzplätze)
Zuschauer: 5.881 (davon 250 Gästefans)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Lebte nach ausgesprochen gutem 1. Drittel nur noch von der Spannung)
Sightseeing: 7,0/10 (Schön!)
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Der dritte Tag der Tour war der letzte Tag vor Beginn des 3. Semesters. Jetzt wurde wieder ungehemmt meine Groundhopping-Linie, speziell für Touren im Ausland, konkret der Tschechischen Republik, typisch, durchgezogen: erst ein paar Burgen besichtigen, dann zum Fußball, dann noch zum Eishockey.

Punkt eins war die bekannte Burg Ellbogen, die unweit von Karlovy Vary in der Landstadt Loket liegt. Loket, also Ellbogen, heißt deshalb so, weil die Ohře (Eger) einen derartigen Bogen um den Burgberg, der zentral im Ort liegt, macht. Der Berg ist komplett befestigt und von alter Architektur zugebaut. Sehr schön anzusehen, das meiste ist auch renoviert, nur am Rande stehen ein paar unpassende moderne Bauten.
Die Burg selbst ist eine der Anlagen, die über 8 von 10 Punkten (8,3) von mir bekam; irgendwas fehlt, aber der Baukörper ist geschlossen und liegt schön in der Landschaft. Auch das Museum war ganz gut: die Exponate umfassen Porzellan, Waffen, Rüstungen, Möbel und schließlich, im Keller, diverse Puppen zur Verdeutlichung mittelalterlicher Folterpraktiken. Wirkte zwar vom Äußeren der Puppen her, auch mit dem im Hintergrund laufenden Tonband, was das Stöhnen Gefolterter und die Werkzeuge der Folterknechte abspielte, etwas albern, veranschaulichte aber die gängigen Methoden wie Strecken, Radebrechen oder das Schinden der Haut mit glühenden Eisen und Zangen.
Der Blick vom Turm war durch die baulichen Gegebenheiten etwas eingeschränkt, aber der Überblick über das Tal von Loket war gut. Im Inneren der Burggebäude wurde übrigens alles auf besten Stand gebracht, sodass man die Burg problemlos und völlig sicher besichtigen kann. Wie in Deutschland üblich – man merkte doch, dass unser Land nicht weit weg war: denn auch alle Beschriftungen von Exponaten waren in ordentlichem Deutsch, dazu Tschechisch und Englisch.
Wer immer noch meint, sein Auto sei in der Tschechischen Republik nicht sicher, dem sei gesagt, dass ich vergessen habe, nach dem Einweisen beim Einparken das Fenster hoch zulassen, sodass jeder die eine Jacke aus dem Auto hätte holen können. Niemand hat es getan.
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Weiter ging es – noch mal über die Schnellstraße an Karlovy Vary vorbei – nach Andĕlská Hora. Dort steht hinter der Kirche eine mittelalterliche Burgruine auf einem markanten Felsen. Die Mauern sind nicht besonders gut erhalten, aber der Blick von oben ist sehr lohnend. Gesichert ist die Anlage nur teilweise. Dafür wurde eine Antenne in die Reste des Bergfrieds gebaut. Der Palas ist noch stärker verfallen, als in Egerberk (siehe Freitag). Fast die ganze Besichtigung über verfolgte uns eine Katze, wie in manchen anderen Anlagen die so genannten „Guides“. Die schien allerdings nicht zu streunen, so gepflegt wie die aussah, aber die Nähe der Burgbesucher hat sie trotzdem dauernd gesucht.

Wir hielten noch in Bečov, wo es ein Burgschloss gibt. Dort war Mittagspause, aber die Zeit war ohnehin anders verplant. Nachdem wir etwas durch den recht ansehnlichen Ort gelaufen waren und an ebendiesem, von zwei Stilen: Barock und Renaissance, geprägten Burgschloss vorbeigekommen waren, fuhren wir weiter. Wir wollten nach Toužim, bogen aber zuerst falsch ab, sodass wir tolle Nebenstraßen, die zwischen Bäumen und Felsen hindurch führten – zwei Autos passten da nicht aneinander vorbei – entlang fuhren. Als es über Felder uns Wiesen ging, war der Ort Toužim nicht weit. Dort war dann Fußball angesagt.
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Am Samstag fand sich nichts Besseres, als ein Spiel der Dorostu auf Bezirksebene, der Jugendklasse, die in Deutschland in A- und B-Jugend aufgeteilt wäre. Aber das Spiel war gar nicht schlecht und auch das Stadion war ganz lustig. Zwischen Industrieanlagen gelegen und mit wackliger Sitztribüne, überdacht von einem Vordach eines Plattenbaus, versehen, daneben eine abgewrackte Sporthalle und eine moderner Bolz- sowie uralter Hartplatz. Letzterer hatte als Belag sogar noch schwarze Asche, die vom böigen Wind immer wieder verwirbelt wurde.
Das Spiel fand auf dem Hauptplatz, ein ordentlicher Rasen, statt und während die Gäste aus Marienbad, also Mariánské Lázně mehr Druck machten, erzielte Toužim mehr Tore. Allerdings nur bis zur Pause, wo ein schmeichelhaftes 2:1 zu Buche stand.
Nach der Pause legten die Gäste gehörig zu und erzielten nach und nach drei oder vier Tore – bei fotbal.cz ist das Spiel als 2:4 gemeldet; das eine Tor schien doch nicht gezählt zu haben. Der Sieg war aber auf jeden Fall auch in der Höhe verdient. Alles in allem eine ganz ordentliche Partie mit ein paar verwarnungswürdigen Fouls und ein paar schönen Toren, aber zu wenigen Zweikämpfen.

Nach dem Spiel schauten wir noch am Schloss- und Burgareal Toužim vorbei, was fürchterlich verfallen ist. Dort wurden ältere Gebäude im 18. Jahrhundert erneuert und – ich habe keine Informationen gefunden, ist aber sehr zu vermuten – nach dem 2. Weltkrieg, nachdem ihre Besitzer vertrieben (Deutsche) oder enteignet (Deutsche oder Tschechen) wurden, sich selbst überlassen. Aber irgendwie sind da einzelne Gebäudeteile in den letzten fünf Jahren mehr oder weniger planlos saniert wurden, was bizarr wirkt. Da ist ein Teil einer Toreinfahrt verputzt und gestrichen, ein Teil eines Nebengebäudes ebenfalls und drum herum alles im Arsch.
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Weiter ging es nach Plzeň, wo wir erst Karten holten (160 Kronen, also 6€: extrem teuer für tschechisches Eishockey!) und dann nach Essen suchten. Pizzeria zu, Chinese zu, zwei Tschechen zu, der fünfte Laden dann endlich offen und erstens richtig billig (zu dritt nur 16€ gezahlt) und zweitens richtig gut. Zum Beispiel das mit Schimmelkäse und Schinken gefüllte Schnitzel mit schweren, kräuterdurchwirkten Wiener Knödeln und Salat.

Wir guckten zum zweiten Mal in der eindrucksvollen und äußerst modernen „Arena“ von Plzeň, weil mein Vater an seinem Geburtstag ein Spiel von Chemopetrol – jetzt eigentlich Benzina, einer Tochter der Orlen, die wiederum mit Chemopetrol zusammenhängt: so feuert aber keiner an – Litvínov sehen wollte. Kurz nach Weihnachten 2007 hatten wir schon einmal diese Begegnung gesehen. Litvínov siegte 3:6.
Auch diesmal siegten die Jungs aus Leutensdorf, die allerdings schlimm schwächeln diese Saison, und machten meinem Vater somit ein prima Geburtstagsgeschenk.
Nur das erste Drittel war gut. Außerordentlich gut sogar: gleich vom Anbully weg erzielte HC Plzeň 1929 das 1:0, doch nur wenige Sekunden später glich Litvínov aus und drehte in furiosen Minuten auf 1:3 auf. Der Anschlusstreffer erfolgte erst zum Ende des ersten Drittels hin und wurde von den Gästen mit einem erneuten Tor beantwortet.
Im zweiten Drittel zeigte sich Plzeň 1929, die Indianer, von seiner schlechten Seite. Zwar stolperten sie zwei Tore rein – jeweils in Überzahl nach sinnlosen Herausstellungen – doch konzentrierten sie sich auf unsaubere Spielweise um den Gegner einzuschüchtern. Das zweite Drittel war das schlechteste Eishockey, was ich jemals in der Tschechischen Republik gesehen habe. Das war ja nicht besser als ein mittelmäßiges Saalebulls Spiel in Halle!
Im dritten Drittel fuhr Plzeň dieselbe Schiene, doch wurde endlich für ihr mutwilliges Verletzen von Gegenspielern bestraft. Nicht nur mit 20 Minuten-Strafe und 5 Minuten Unterzahl, sondern auch mit dem 4:5, was die Entscheidung sein sollte.

Zwar kein gutes Spiel, aber wenigstens ein Sieg für HC Chemopetrol Litvínov. Auch war die Stimmung besser, als bei den meisten tschechischen Sportvereinen. Zwei Blockfahnen, viele Schals und mitunter echt laute Zuschauer. Wir hatten uns geschickt im Sitzplatzbereich neben dem vollen Gästesektor platziert, sodass wir ihren Dauersupport gut mitbekamen und ab und an einstimmen konnten. Neben uns saßen übrigens mehrere andere deutsche Litvínov Fans.
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Durch die Nacht ging es über die tschechischen Landstraßen nach Reitzenhain und ab Chemnitz über die Autobahn zurück nach Merseburg. Eine insgesamt wieder einmal wirklich lohnende Fahrt. Die beste Besichtigung war Loket, die beste Sportveranstaltung das Spiel von HC Most gegen Klatovy.
Von unseren neun Nachbarländern halte ich die Tschechische Republik nach wie vor für eines der beiden interessantesten Länder – ob nun in punkto Sport oder in punkto Burgen. Das andere der beiden ist Polen, wobei dort Sport generell viel stimmungsvoller ist, die Stadien genauso interessant und die Spiele genauso mittelmäßig, außer Eishockey – das ist schlechter als in CZ, wo es hervorragend ist – und Futsal und Speedway – das ist jeweils besser in Polen, wo es Weltspitze ist, sind. Dafür sind wiederum die tschechischen Burgen, ohnehin ist es das Burgenland Nummer 1 in der Welt – nach Qualität und Quantität bzw. Dichte –, noch vor Deutschland, England, Wales, Syrien, Jordanien, Libanon, Frankreich oder Italien, die sehenswerteren gegenüber Polens Burgen und Schlössern. Man sollte auch Lieblingsnachbarland Nr. 3 nicht vergessen: Luxemburg. Wobei die Burgen dort mitunter klar interessanter sind, als die Stadien und Fußballspiele.
Ein geringer Unterschied ist zwischen Polen und Tschechien im Allgemeinen aber doch zu merken: in Polen gibt es gar keine touristenüberlaufenen Ecken wie Karlovy Vary oder Karlštejn, oft sind die Leute in Polen etwas freundlicher und der Service in Restaurants ist auch nicht so schlecht, wobei die böhmische Küche um Längen besser ist, als die polnische.
Es bleibt also dabei: die Tschechische Republik kann mit Burgen, Eishockey, Fußball (dort auch gerade die Austragungsorte) und einheimischem Essen wirklich glänzen.

Statistik:
Ground Nr. 361 (ein neuer Ground; diese Saison: 30 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 897 (diese Saison: 39)
Tageskilometer: 500 (Auto)
Saisonkilometer: 11.800 (10.920 Auto/ 890 Fahrrad/ 90 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 22
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 166

Photos and English version:
Castles - Football - Ice hockey.

WE166I: Ein tschechisches Neuschwanstein und Eishockey in der Planstadt Most

HC Baník Most 5:0 SHC „Maso Brejcha“ Klatovy
Samstag, 03. Oktober 2009 - Anbully 17.30
2. Liga Hokej (3. tschechische Eishockeyliga; Halbprofiliga)
Ergebnis: 5:0 nach 60 Min. – Drittelstände: 1:0, 2:0, 2:0
Tore: 1-0 12. Vrtek, 2-0 21. Přeučil, 3-0 36. Salač, 4-0 43. Novák, 5-0 50. Havlůj
Strafminuten: 6-30 (darunter 10 Min. für Maxa und 10 + Spieldauer für Pavlis; beide Klatovy) Spielort: Zimní Stadion Most (Kap. 2.646 Sitzplätze)
Zuschauer: 200 (davon 5 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gut)
Sightseeing: 7,5/10 (Gut bis Sehr Gut)

Am nächsten Tag – bis die im U Hada endlich mal das Frühstück auf dem Tisch stehen hatten, dauerte aber ewig: aber Hauptsache angeben, dass man schon ab 6:30 Uhr frühstücken könne – wurde erst der Thomas in Oberwiesenthal abgeholt und dann zügig gen Burg Karlštejn, teilweise als tschechisches Neuschwanstein bezeichnet, gesteuert. Dabei machte ich mich bei allen Insassen mit Aktionen, wie mit 90 km/h über einen Bahnübergang zu fahren – war ja zugelassen -, sodass alle Mitfahrer durchgeschaukelt wurden oder die unebenen und welligen Straßen so schnell entlang zu fahren, dass immer wieder ein Fluggefühl vermittelt wurde, beliebt.

Natürlich kamen wir dann sicher am Parkplatz der Burg Karlštejn an. Erst noch im Restaurant am Parkplatz essen: gutes böhmisches Essen, aber ziemlich wenig, doch Preis-Leistung stimmte. Wir nahmen dann einen der Shuttle-Busse. Das war allerdings der Lauffaulheit eines Gruppenmitgliedes geschuldet, normalerweise hätte ich dem Busfahrer, also dem aufdringlichen Zuhältertyp, klar gemacht, dass er sich verpissen solle, und wäre die 2km steil den Wanderweg hoch gelaufen. Kann ich auch jedem empfehlen, der noch ohne Rollstuhl oder Gehhilfe klar kommt. Lohnt sich absolut nicht, die (in eine Richtung) zu entrichtenden 100 Kronen (3,50€) zu zahlen.
Auch der Eintritt in die Burg ist völlig überhöht. Neuschwanstein, was allerdings ein völlig unechtes, kitschiges und schon lächerlich Pappmaschee- oder Disney-Filmkulissen-artig wirkendes Kunstgebilde ist, kostet weniger Eintritt als diese hochmittelalterliche Burganlage, die historistisch völlig überformt wurde. Wer sich mit Burgen etwas auskennt, bemerkt sofort einige Verfälschungen, aber die Anlage liegt so spektakulär und die Qualität des Historismus ist so hoch – was bei dieser Bauepoche wirklich selten ist, dass man von Qualität reden kann – dass sich ein Besuch der Burg lohnt. Wer nur Fotos machen will und keinen Bock auf eine geführte Tour durch ein Museum mit guten Exponaten des böhmischen Mittelalters hat, wo er ohnehin nichts fotografieren darf, der sollte ebenfalls hoch steigen aber sich nur auf den unentgeltlich zu besuchenden Teil: den Vorhof, sowie den Brunnenturm, verlegen. Das Museum lohnt wirklich nicht für 8,50€ zu besuchen, da das Highlight; die Burgkapelle, aus Sicherheitsgründen nur mit aufwändigen und seltenen Spezialführungen, die noch einmal 8€ extra kosten, zu besuchen ist.
Wir nahmen übrigens an der englischsprachigen Führung – an der Reiseleitung gab es nichts auszusetzen – teil, da uns das saumäßige Deutsch auf der Burg-Website [LINK http://www.hradkarlstejn.cz/] abschreckte.

Wir fuhren wieder den Weg durch Křivoklát zurück, wo mein Vater lässig die Straße zuparkte, damit ich noch ein paar Fotos der Burg machen konnte, die ebenfalls eine äußerst sehenswerte Anlage in schöner Lage ist. Diese Burg ist auch authentischer, als die Touristenfalle Karlštejn. Auch ist der Ort ordentlich und halbwegs gepflegt und nicht mit Ramschläden gesäumt – in Karlštejn gibt es ja von erzgebirgischer Volkskunst über Schlagringe und Butterflymesser bis hin zu SS-Uniformen eine große Auswahl an dummem Zeug zu kaufen.
Weiter ging es von Křivoklát nach Most – tolle Ausschilderungen der Umleitungen übrigens: die widersprachen sich auch das ein oder andere Mal – wo wir ohne viel Aufhebens durch die Plattenbauschluchten fuhren und hinter dem Fußballstadion vor der Eishalle parkten.
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Für eine Partie der 3. Liga, der Halbprofiliga also, mussten wir nur 1,50€ Eintritt für Sitzplätze zahlen. Die Halle war aber erstaunlich kalt, was allerdings auch nicht weiter verwundert, bei kaum 10% Auslastung. Wir legten, da vom Halbprofistatus vergleichbar, die 3. deutsche Liga zugrunde und kamen schon nach dem ersten Drittel zum Urteil, dass man in der Tschechischen Republik neben Burgen besichtigen, böhmisch essen gehen und Fußball in alten Stadien gucken, auch Eishockey sehen sollte. Selbst die 3. Liga ist hier wirklich gut. Besser als tschechischer Fußball. Im Übrigen war die Eishalle topp modern, wobei ich das nicht einmal positiv verbuchen will.
Was das Spiel anging, so war auch Thomas, für den es das erste Eishockeyspiel überhaupt war, angetan. Denn es wurde schnell, weitestgehend sauber, aber teils spektakulär und hart gespielt. Gute Torhüter verhinderten eine hohe Anzahl von Toren, doch die Moster machten ihre Überlegenheit nach und nach deutlich. Die Gäste aus Klatovy, dessen Wappen aus irgendwelchen Gründen ein zotteliges Rindvieh „ziert“, steckten zwar nie auf und waren auch nicht schlecht, aber bei weitem nicht so druckvoll und wendig vor dem Tor, wie Baník Most. Der Support war typisch tschechisch: ein paar Trommler und ganz wenige Schreihälse, sonst absolut tote Hose.
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Gutes, aber nicht sehr gutes Essen gab es dann im ganz nahe der Halle gelegenen „Švejk“ wobei ich mich wieder für die Spezialität des Hauses; einen gemischten Fleischteller (Enten-, Schweine- und Rindfleisch) mit Rot- und Weißkraut sowie drei Sorten Knödel, entschied. Noch empfehlenswerter: Schnitzelrollen mit Würstchen und Schimmelkäse, dazu Salat – klingt komisch, schmeckt toll!
Thomas noch schell in Oberwiesenthal abgeliefert, dann selbst nach Žatec. In der Stadt, wo das Bier zu Hause ist, sollten wir noch eine Nacht verbringen, ehe der letzte Tag der Ferien einen mittelmäßigen Abschluss liefern sollte.
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Statistik:
Ground Nr. 360 (ein neuer Ground; diese Saison: 29 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 895 (diese Saison: 37)
Tageskilometer: 520 (Auto)
Saisonkilometer: 11.300 (10.420 Auto/ 890 Fahrrad/ 90 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 21
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 166

Photos and English version:
Castles and Ice hockey.

WE166A: Gotische Burgenbaukunst und böhmisches Essen

Zum Geburtstag meines Vaters, der das Ende der Semesterferien markierte, ging es noch einmal gen Osten. Diesmal in die Tschechische Republik. Am Freitag stand eine Burgentour auf dem Programm. Da wir drei mit dem Mietwagen erst gegen 13 Uhr loskamen, war sie natürlich kürzer geplant, als üblich.
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Die Fahrt ging wie erwartet halbwegs zügig voran, wobei ich fast so einen bescheuerten LKW-Fahrer umgefahren hätte, der ohne zu gucken um seinen defekten LKW herumlief. Ohnehin waren von den selbsternannten Königen der Landstraße viel zu viele unterwegs, die die ein oder andere pannenbedingte Gefahrensituation verursachten. Dafür waren weniger von denjenigen Tschechen unterwegs, die rasen und drängeln obwohl sie ihr Auto nicht beherrschen. Nicht einmal Opas mit Hut, die nur 60 auf der Landstraße fahren, waren im Weg. Die rasende Sorte Fahrer scheint ja besonders stark der natürlichen Selektion zu unterliegen. Ich beobachte immer weniger Unfälle in Tschechien und seit ich in Italien war, haben die Tschechen ohnehin den letzten Platz in der Rangliste der besten Autofahrer - angeführt von Luxemburgern, Tunesiern, Polen und Serben - verlassen. Bzw. den ersten Platz in der Liste „Größte Vollidioten am Lenkrad“ an die Stadtverkehrshektiker und Autobahnschleicher verloren. Den zweiten Platz bei den fahrenden Vollidioten teilen sich jetzt somit Tschechien und Deutschland.

Die erste der beiden Burgen war die Burg Hašistejn (Hassenburg) im Dorf Místo (Platz). Diese hatten wir 10 Monate zuvor schon einmal aufgesucht, doch war sie wegen Schnee- und Eisglätte geschlossen. In der Tat ist ein Besuch im Winter nicht ratsam, aber im Sommer um so mehr. Auch jetzt im Frühherbst ist Hašistejn eine der schönsten gotischen Ruinen der Tschechischen Republik, dem Burgenland Nr. 1 in der Welt. Beide Türme sind zu besteigen, wobei an einen Leitern angelegt sind. Ein extrem niedriger, knietief überschwemmter Keller fällt links nach dem Tor zur Kernburg auf, auch die Reste einer Burgkapelle sind zu sehen. Auch die mehrfachen Ringmauern sind noch gut erhalten, was man von der Vorburg – es steht allerdings noch ein Turm und die Wälle sind recht stark – nicht behaupten kann. Sehr cool: die beiden Bänke in einem Raum des verfallenen Palas ohne Decken und mit kaum noch 50cm hohen Wänden, den man nur mit einem großen Schritt über eine ein Meter breite Ritze unter der es drei Meter ins Erdgeschoss runter geht, erreicht. Die umliegende Landschaft ist auch ansprechend: bewaldete Berge zu drei Seiten, kaum besiedelt, mit Felsen durchwirkt, die sich zu einer Seite zu einem Tal hin öffnen. In diesem Tal tut sich der Blick auf ein Kraftwerk auf.

Dann besichtigten wir noch die Burg Egerberk bei Lestkov. In Klášterec nad Ohří muss man – man schenke allerdings auch dem Schloss und dem Rest der Altstadt Beachtung, was wir aber vor zwei Jahren schon getan haben – den Wegweisern nach Rašovice folgen und rechtzeitig vor diesem Ort nach Lestkov abbiegen. In Lestkov erreicht man bald einen kleinen Platz vor einem Gutshof und einem hohen Baum, wo man Parken sollte. Dann noch einen halben Kilometer den Wanderschildern nach und man steht am Fuße der Burg Egerberk. Diese gotische Ruine ist nicht so groß und eindrucksvoll wie Hašistejn, auch nicht so gut erhalten, aber für Freunde von Burgruinen und gotischer Baukunst lohnend. Schon allein die Kletterei innerhalb der völlig ungesicherten Ruine. Rutsch- und Absturzgefahr besteht da natürlich überall! Am besten erhalten ist noch der Palas. Wie groß die Burg einst war, erkennt man unschwer an den schuttgefüllten Gräben.
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Wir fuhren dann nach Žatec weiter, checkten im „U Hada“ (Hotel zur Schlange) ein und fuhren nach Blšany. Nein, kein Fußball; diesmal nur Essen. Ich teilte mir mit dem Alt-Groundhopper zum einen die Spezialität des Hause (verschiedene Fleischscheiben mit Schinken auf Kartoffelpuffer in Knoblauchsoße mit einem halben Pfirsich mit Sahnehäubchen, in der eine Walderdbeere steckte; 6,50€) und die Leber mit böhmischen Knödeln, Chili-Ketchup-Soße und scharfem Salat (5,50€). Die Atmosphäre im Motorest war so freundlich-lahm wie immer. Eben ein typisch tschechisches Lokal. Unfreundlich war keiner, herzlich aber auch nicht. Am freundlichsten war noch der Kellner, was ungewöhnlich ist: sind die normalen Einheimischen meist sehr hilfsbereit und höflich, wenn auch stets nüchtern, sachlich und kühl, so sind Kellner und andere Angestellte im Dienstleistungssektor wegen ausbeuterischen Löhnen und dummen Gästen oft zu jedem, noch so freundlichen Gast, unhöflich und unmotiviert. Der war allerdings die Ausnahme und übrigens auch nicht das einzige bekannte Gesicht, denn die Stammgäste, die wir im April schon getroffen hatten, nachdem wir Chmel Blšany gegen Arsenal Česká Lípa gesehen hatten, lungerten mal wieder bei Bier, Becherovka und Zigaretten am großen Tisch vor der Theke.

Statistik:
Tageskilometer: 350 (Auto)
Saisonkilometer: 10.880 (9.900 Auto/ 890 Fahrrad/ 90 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)

Photos and English version:
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