Montag, 24. Februar 2014

W395II: Abenteuer Auswärtsfahrt mit Maghreb Fès

--- Association Sportive de Salé - (السلاوية الرياضية الجمعية) ---
......................................... 1:0 (0:0) .........................................
Maghreb Association Sportive de Fès (الفاسي الرياضي المغرب)
- Datum: Sonntag, 23. Februar 2014 – Anstoß: 13.00
- Wettbewerb: Botola 1/ Groupement National de Football [الاحترافية الوطنية البطولة] (Nationale Profifußball-Meisterschaft = 1. marokkanische Profiliga)
- Ergebnis: 1-0 nach 96 Min. (47/49) – Halbzeit: 0-0
- Tore: 1-0 83. Nabel Kaâlas
- Verwarnungen: Mourad Hayour (ASS); Dos Santos (MAS)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Boubkar Ammar [ملعب أبو بكر عمار] (Kap. 5.000, davon 2.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 2.500 (darunter ca. 500 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Beschissene erste, ganz gute zweite Hälfte und spannende Atmosphäre…)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan Professional Football League: AS Salé defeat Maghreb Fès 1:0
b) Rabat & Salé: Bouknadel Exotic Gardens

Video:
http://www.myvideo.de/watch/9477708/AS_Sale_1_0_Maghreb_Fes

Am Sonntag versuchte ich nicht noch irgendwelche unterklassigen Grounds zu machen, sondern fuhr mit Maghreb Fès auswärts, da es wahrscheinlich die letzte Chance für meine Gastfamilie war (zumindest bis 2015), eine Tour mit mir mitzufahren. Jedenfalls stand das Auswärtsspiel bei AS Salé an und nur Hamza und Zakariya begleiteten mich, da Khadija keinen Bock auf Chaos im Gästesektor hatte, Rita dafür zu klein ist und Mohammed seine neue feste (?) Freundin (Kommentar Khadija: „in zwei Wochen ist es wieder eine andere von den 10, 20 Mädchen die er dauernd über Facebook anschreibt“) ausführen wollte. Leider bekam Fayza nicht frei – sie wäre gerne Samstags nach Fès gefahren um ihre Eltern zu besuchen und dann Sonntags zum Spiel mitgekommen; und das hätte zumindest mir das Theater am Einlass erspart, denn Frauen werden - wenn es keine weiblichen Sicherheitskräfte gibt - nicht kontrolliert, sondern seitlich am Fanpulk vorbeigeschleust und der Begleiter bekommt ebenfalls eine Sonderbehandlung: er wird erst an der letzten Kontrolle vorm Tor einzeln, schnell und unkompliziert auf verbotene Gegenstände abgesucht.

So mussten wir uns aber – aufgrund des ungewöhnlich langen Wartens beim Ölwechsel an der Tanke in Fès erst 10 Minuten vor Anpfiff erschienen – darauf einigen wer sich zum Kartenschalter durchdrängelt und dann im engen Pulk mit Vor- und Zurückschieben an drei Kontrollen vorbei (wobei an der letzten einem Spast hinter mir zwei Messer abgenommen wurden: lauter Gehirnamputierte mitgefahren diesmal!), weswegen wir erst zur 15. Spielminute das Stadion betraten. Als sich Hamza zu den Karten für uns drei durchdrängelte wurde ihm auch noch von einigen Asis das Basecap geklaut, das er erst nach Spielende unter Mithilfe der Ultras zurückbekam. Aber ist schon faszinierenden, wie die Ultras dort organisiert sind: selbst wenn Capo Najib nicht da ist und von Abdelmollah vertreten wird, reicht es sich mal bei ihm in der Halbzeit zu beschweren, dass ein paar Asis aus Fès Jdid ihm an der Kasse was geklaut haben und schon setzt er einen Kumpel darauf an, den Verantwortlichen zu fassen, dessen Problem dann üblicherweise mit einer handfesten Auseinandersetzung aus der Welt geschafft wird. Von der Sorte gab es heute zwei, da der Kumpel vom Mützenklauer einem anderen Fan bei gleicher Gelegenheit 50 Dirham geklaut hatte und auch das geklärt werden musste.

Aber nicht nur untereinander gab es Probleme, sondern natürlich auch zwischen den Fangruppen der beiden Clubs. Beim Hinspiel, das ich mit meinem Vater in Fès gesehen hatte, wurden die Pirates (Ultras von Salé) angegriffen und Choreomaterial abgefackelt. So gab es vor dem Spiel Übergriffe auf die Fanbusse von MAS, wobei etliche Scheiben zu Bruch gingen und zwei Fans verletzt wurden. Während des Spiels wurde heftig gepöbelt und ab und an mit kleineren Gegenständen geworfen. Pyro kam aber nicht zum Einsatz…  
Die Haupttribüne des Stadions Boubkar Ammar ist jetzt renoviert. Doch die meisten Fans saßen nicht auf den roten und weißen Schalensitzen sondern standen auf der Gegentribüne. Auf dem Feld wurde auch viel rumgestanden und sich gegenseitig blockiert. Die erste Hälfte war unter aller Sau – es gab keine einzige Torchance auf beiden Seiten! In der zweiten Hälfte nahm Maghreb Fès plötzlich das Heft in die Hand, sodass es auf beiden Seiten Tormöglichkeiten gab. Als das Spiel wieder abebbte, nutzte AS Salé einen groben Abstimmungsfehler zwischen Torwart und Verteidigung und netzte völlig frei ins leere Tor zum 1:0 Siegtreffer ein. Der Angang von MAS resignierte nach Abpfiff und wir sahen zu wegzukommen, während ASS noch den Sieg feierte. Nun sind beide Abstiegsplätze mit den beiden Teams aus Fès belegt: Maghreb Fès auf Rang 15, Widad Fès auf der 16.

Zu allem Überfluss gab es nach dem Spiel noch Ausschreitungen in Stadionnähe und der Mannschaftsbus von Maghreb Fes wurde auf einer Autobahnraststätte bei Meknes von Hooligans von FAR Rabat demoliert. Drei Spieler wurden leicht verletzt. FAR kam gerade vom Spiel auf neutralem Platz aus Fès zurück – MAS wollte nach Hause: echt unglaublich, was hier immer wieder abgeht… Das gibt garantiert Ärger, wenn nächsten Monat das Spiel zwischen FAR und MAS ausgetragen wird…

Wir fuhren nicht direkt nach Fès, sondern erstmal nach Bouknadel bei Salé, wo es einen sehr schönen botanischen Garten gibt, der diverse afrikanische und asiatische Bäume und Sträucher versammelt. Die Jardins Exotique sind mittlerweile wieder sehr gepflegt und Affen in engen Käfigen gibt es auch nicht mehr hier. Der Eintritt ist mit 20 Dirham pro Person eher recht hoch.

Auf einem versifften Wochenmarkt im selben Ort aßen wir noch Kifteh (Hackfleisch vom Grill) für weniger als 1€ pro Sandwich. Dann ging es zügig nach Fès, wo Abdellah mit Frau Hassaniya und den beiden Söhnen zu Besuch war. Die präsentierten allen ihre Zeugnisse, die es nach Halbjahresende am Samstag gab, und bewiesen, dass sie erheblich fleißiger als Hamza und Zaki sind – aber an Rita kam natürlich keiner ran: die ist Klassenbeste mit 8,9 von 10 Notenpunkten; also nur Einsen und Zweien…  
Am folgenden Montag hieß es Sachenpacken bei meiner Gastfamilie. Ohne Khadija und Driss und die Kinder Mohammed, Hamza, Zakariya und Rita sowie die Verwandtschaft mit Fayza, Abdellah und den ganzen anderen wäre der Aufenthalt nur halb so lustig gewesen. Arabischlernen in Marokko kann ich aufgrund der Professionalität der Lehrinstitute und der wirklich guten außeruniversitären bzw. außerschulischen Angebote (wie eben z.B. Aufenthalt bei einer Gastfamilie) empfehlen – auch wenn es sehr teuer ist und Marokko als Land nur aufgrund der historischen Architektur und spektakulären Landschaft punktet und nicht wie die meisten anderen arabischen Ländern auch noch mit sehr gastfreundlichen und Ausländern gegenüber aufgeschlossenen Leuten. So sympathische und angenehme Menschen wie die aus meiner Gastfamilie sind leider in allen Landesteilen die Ausnahme.

Wie es reisetechnisch und groundhoppingmäßig weitergeht bzw. wie ich wieder nach Deutschland zurückkomme, werden meine geschätzten Leser erst in unbestimmter Zeit (vielleicht erst Ende März) erfahren! Wenn hier bis April kein Bericht erscheint, bin ich irgendwo zwischen Atlasgebirge, Sahara, Frankreich und Südeuropa auf der Strecke geblieben…  
Statistik:
- Grounds: 1.079 (heute keiner; diese Saison: 108 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.993 (heute: 1; diese Saison: 137)
- Tageskilometer: 420 (heute: 420km Auto)
- Saisonkilometer: 37.180 (35.060 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 5 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 395

W395I: Melilla und Nador; von Jugendfußball Freitagnacht, vergeblicher Hotelsuche und einem hitzigen Handballspiel

---- Hilal Athlétique Nador (هلال الناضور) ----
......................... 22:22 (15:9) ..........................
Renaissance Sportif Tanger (نادي النهدة طنجة)
Datum: Samstag, 22. Februar 2012 – Anwurf: 17.00
Wettbewerb: Ligue Excellence du Handball, Poule Nord [بطولة المغربية لكرة اليد القسم الممتاز] (Marokkanische Superliga Nord, d.h. Nordstaffel der 1. Marokkanischen Handballliga; Halbprofiliga)
Ergebnis: 22-22 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 15-9
Tore: k.A.
Siebenmeterquote: HAN 100% (4 von 4); RST 20% (1 von 5)
Gelbe Karten: HAN 1, RST 1
Zwei-Minuten-Strafen: HAN = 6 Minuten; RST = 4 Minuten
Platzverweise: keine
Spielort: Salle Couverte de Nador [قاعة المغطاة بالناضور] (Kap. 2.500 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 500 (keine Gästefans)
Unterhaltungswert: 8,5/10 (Sehr gutes und spannendes Handballspiel, sehr gute Stimmung)

Club de Fútbol Atletico Rusadir/ Alevín
.......................... 6:6 (3:3) .........................
-- Union Deportiva Melilla A / Alevín --
- Datum: Samstag, 22. Februar 2014 – Anstoß: 12.00
- Wettbewerb: Competición Liga 1a División Alevín de Ciudad Autónoma de Melilla (1. D-Junioren-Liga der Autonomen Stadt Melilla, d.h. 2. spanische U15-Liga)
- Ergebnis: 6-6 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 3-3
- Tore: 1-0 6’, 1-1 6’, 2-1 12’, 2-2 18’, 2-3 23’, 3-3 24’, 3-4 31’, 4-4 32’, 4-5 44’, 5-5 52’ Hand-9m, 5-6 54’, 6-6 54’
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Campo Fernando Pernias A (Kap. 450, davon 400 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 35
- Unterhaltungswert: 8,0/10 (Hervorragendes Jugendspiel zweier absolut gleichwertiger Teams)

Union Deportiva Melilla B/ Alevín
..................... 3:7 (1:2) .....................
--- Peña Real Madrid B/ Alevín ---
- Datum: Samstag, 22. Februar 2014 – Anstoß: 12.00
- Wettbewerb: Competición Liga 2a División Alevín de Ciudad Autónoma de Melilla (2. D-Junioren-Liga der Autonomen Stadt Melilla, d.h. 3. und unterste spanische U15-Liga)
- Ergebnis: 3-7 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 1-2
- Tore: 0-1 9’, 0-2 10’, 1-2 19’, 2-2 36’, 2-3 38’, 2-4 39’, 3-4 43’, 3-5 46’, 3-6 47’, 3-7 52’
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Campo Fernando Pernias B (Kap. 250, davon 200 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 25
- Unterhaltungswert: 5,5/10 (Größtenteils wildes Gebolze, aber wenigstens viele Tore)

Union Deportiva Constitución / Cadete
.......................... 1:0 (0:0) ........................
Peña Madridista V Centenario/ Cadete
- Datum: Samstag, 22. Februar 2014 – Anstoß: 9.00
- Wettbewerb: Liga Cadete Preferente de Ciudad Autónoma de Melilla, sogenannter „Copa Coca Cola” (C-Junioren Oberliga der Autonomen Stadt Melilla, d.h. 3. und unterste spanische U15-Liga)
- Ergebnis: 1-0 nach 85 Min. (40/45) – Halbzeit: 0-0
- Tor: 1-0 62. Nr. 5
- Verwarnungen: Nr. 4, 10, 11 (UDC); Nr. 9 (PMVC)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Estadio La Espiguera (Kap. 2.000, davon 200 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 15
- Unterhaltungswert: 3,5/10 (Ziemlich langweilig)

Club Deportivo Comisiones Obreras/ Juvenil
................................. 2:5 (2:2) ............................
-- Club de Fútbol Atletico Rusadir/ Juvenil --
- Datum: Freitag, 21. Februar 2014 – Anstoß: 21.30
- Wettbewerb: Liga Juvenil Preferente de Ciudad Autónoma de Melilla (A-Junioren Oberliga der Autonomen Stadt Melilla, d.h. 3. und unterste spanische U19-Liga)
- Ergebnis: 2-5 nach 100 Min. (50/50) – Halbzeit: 2-2
- Tore: 1-0 14. (NN), 2-0 18. (15), 2-1 38. (10), 2-2 45.+1 (NN), 2-3 51. (7), 2-4 57. (NN), 2-5 67. (11)
- Verwarnungen: Nr. 7, 12, NN (CDCO); Nr. 4, NN (CFAR)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Estadio La Espiguera (Kap. 2.000, davon 200 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 100 (davon ca. 50 für Rusadir)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes Jugendspiel mit ordentlicher Stimmung aber einigem Leerlauf in Hälfte zwei)

Peña Madridista V Centenario/ Futsal Feminino
................................... 1:6 (1:3) ...............................
--- Torreblanca Melilla C.F./ Futsal Feminino ---
- Datum: Freitag, 21. Februar 2014 – Anstoß: 20.00
- Wettbewerb: Compeonato de Feminas de Fútbol de Sala de Ciudad Autónoma de Melilla (Frauenliga der Autonomen Stadt Melilla, d.h. 3. und unterste spanische Frauen-Futsal-Liga)
- Ergebnis: 1-6 nach 40 Min. (2x20) – Halbzeit: 1-3
- Tore: 1-0 8. (10), 1-1 13. (15), 1-2 16. (NN), 1-3 20. (11), 1-4 24. (4), 1-5 28. (NN), 1-6 40. (10)
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Pistas Polidportivas Alvares Claro (Kap. 1.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 30
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Torreblanca hatte etliche gute Szenen und gewann entsprechend gegen einen schwachen Gegner)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Futsal in Melilla: Torreblanca defeat Pena Madridista at PP Alvares Claro (Women’s Football League)
b) La Espiguera: Comisiones Obreras v CFA Rusadir and UD Constitucion v Pena Madridista (Under-19 and Under-15 League)
c) Fernando Pernias: UD Melilla B – Pena Real B and UD Melilla A – CFA Rusadir A (Under-13 League)
d) Melilla (Spanish Exclave on Moroccan Territory): Medina Sidiona, Parks and Gardens, Modernismo Architecture

e) Moroccan Handball League in Nador: Hilal Nador v Nahda Tanger
f) Rif-Mountains: Jebel Gourougou Natural Reserve near Nador 
g) Handball Video: Hilal Nador Supporters against Nahda Tanger 

Melilla ist genauso eine teure spanische Machtdemonstration wie Ceuta, doch was für den spanischen Staat eine sinnlose Geldverschwendung und den marokkanischen Staat und seine Bürger ein Ärgernis ist, ist für den in Marokko lebenden Ausländer eine Erleichterung in Sachen Visumsverlängerung. Nach der letzten Unterrichtsstunde des Semesters am Institut in Fès fuhr ich direkt auf die Autobahn, die mich zügig nach Guercif brachte. Dort hatte die Polizei, da kaum jemand die Autobahn nutzt, nichts zu tun und hielt mich einfach nur aus Langeweile und Interesse an. Aber die 10 Minuten zum Quatschen habe ich ja auch mal – der junge Berber war auch wirklich freundlich. Danach ging es auf die Bundesstraße 15, die ausreichend breit, weitestgehend leer und mit nur drei Ortsdurchfahrten und entsprechend schnell auf die 20km vor Nador einmündende N6 trifft, welche wiederum voll und schlecht und eigentlich eine einzige Ortsdurchfahrt ist. Denn Nador ist heftig gewuchert und entsprechend chaotisch geht es da zu. Nach weiteren 5km durch dichte Bebauung ist man an der Grenze zur Exklave.

Ein Ärgernis ist jedes Mal auch für den in Marokko lebenden Ausländer der Stress beim Grenzübertritt. Zumal wenn es mal wieder die logische Folge dieser Exklavenlage zu beobachten gibt: Flüchtlingsströme. Das heißt dann strengere Grenzkontrollen. Nervig genug sind schon die marokkanischen Händler, die einem kostenpflichtig (obwohl diese an den Häuschen gratis ausliegen) Ein- oder Ausreiseformulare andrehen oder Nippes und primitive Alltagsgegenstände zu überhöhten Preisen verkaufen wollen. Besonders nervig ist aber, dass vor allem die marokkanischen Grenzer nichts weiter sind als Abschaum ohne jegliche höfliche Umgangsformen. Wenigstens war der Polizeihauptmann, zu dem mich das Arschloch von Zöllner schickte freundlich, und meinte im Gegensatz zu dem Arschloch, dass meine mehrfache Aus- und Wiedereinreise innerhalb von drei Monaten (die Visumsdauer) kein Problem sei und ich deshalb keine kostenpflichtige Aufenthaltsgenehmigung für den dauerhaften Wohnsitz beantragen müsste. Einfach ein Stempel und seine Unterschrift drauf und bei einem anderen Zöllner vorzeigen und fertig. Der vergaß dann die Wagenpapiere zu kontrollieren, aber ist mir auch recht… Dann nur noch Fahrzeugkontrolle der unfreundlichen Faschos von der Guardia Civil und nach 70 Minuten (55 Marokko, 15 Spanien) an der Grenze war ich in der spanisch besetzten Stadt.

19.15 war ich schließlich drüben – also gleich zum Sport, war ja eh schon dunkel… Die 70.000-Einwohner-Kleinstadt hat eine unglaubliche Menge von Sportstätten zu bieten; um die 10 Fußballplätze und -stadien, fast genauso viele Sporthallen, dazu Tennisplätze und ein Golfplatz.

In der zweitgrößtes Sporthalle, die sich direkt hinter dem größten Stadion „Alvares Claro“ befindet, fand ein Futsal-Spiel statt. Die Frauenliga hat fünf Mannschaften, wobei es Frauenfußball in Melilla nur in der Form von Futsal und nicht etwa Großfeldfußball oder Kleinfeld draußen gibt. Zu der Halle muss man noch anmerken, dass sie halboffen ist und die vielen Stützbalken die Sicht auf den beiden fünfreihigen Steinstufentribünen erheblich einschränken. Der Belag der Spielfläche ist übrigens versiegelter Beton und auch die Stützbalken bergen für die Sportler erhebliche Verletzungsgefahr. Die Pistas Polideportivas ist also nichts weiter als ein überdachter Bolzplatz…

Die heutigen Gegner waren Peña Madridista, das ist der Real-Madrid-Fanclub, und Torreblanca (Weißer Turm), welcher Serienmeister im Frauenfußball bzw. -futsal ist. Den besseren Start in diesem ausgesprochen fairen Spiel erwischte aber der Underdog, der offensichtlich mehr Marokkanerinnen im Kader hatte während der Meister hauptsächlich mit Spanierinnen spielte, mit einem frühen Treffer. Bis zur Pause war aber ein erwarteter 3:1 Vorsprung herausgespielt und nach dem Seitenwechsel kam der Real-Club kaum noch vor den Kasten des Weißen Turmes. Torreblanca netzte noch drei Mal nach guten Zuspielen ein und gewann verdient mit 6:1.

250m die Straße runter befindet sich in Sichtweite des größten Stadions der Exklave das zweitgrößte. Das Campo de La Espiguera (Der Getreidespeicher) weiß mit einer bunt bestuhlten und überdachten Haupttribüne sowie Stehplätzen auf vier kleinen Steinstufentribünen zu je drei bis fünf Reihen zu gefallen. Es gibt auch einen Bolzplatz im Gelände und einen Imbiss der mit Stadionöffnung aufmacht. Drumherum stehen einfache mehrgeschossige Häuser. Sehr deutlich ist dort zu sehen, dass in den besseren Gebäuden die Spanier und in den schlechteren die Marokkaner wohnen. Andererseits gibt es in Ceuta und Melilla nicht die Aggressionen zwischen Spaniern und Ausländern wie in Spanien sonst und auch nicht die Aggressionen vonseiten der Marokkaner gegen Fremde oder Nicht-Muslime wie mitunter in Marokko. Hier mischt sich die Bevölkerung ganz gut. Wenn Spanien die Städte einmal zurückgeben sollte, da waren sich alle gebildete Marokkaner mit denen ich das Thema besprochen habe einig, wird das kaum so bleiben, da v.a. primitive berberische Bevölkerung aus den umliegenden Gebeiten (Fnideq, Tetouan bzw. Nador, Segangan) die Städte fluten und mit ihren sozialen und wirtschaftlichen Problemen völlig herabwirtschaften würden.

In Melilla nutzte ich fast nur Arabisch, da ich v.a. beim Fußball irgendwie nur mit Arabern zu tun hatte. Auch bei diesem Spiel zwischen Rusadir (das ist der phönizische Name Melillas; diese gründeten den Hafen vor über 3.000 Jahren) gegen den Gewerkschaftsverband Comisiones Obreras in der A-Jugendliga: Platzwart und Tochter waren jedenfalls überrascht, dass ein Ausländer besser Arabisch als Spanisch kann und peinlich berührt, als sie zugeben musste, dass mal wieder ihre Landsleute Ärger machten: schon nach fünf Minuten fing der jugendliche und überwiegend marokkanische Rusadir-Anhang an, Spieler der gegnerischen Mannschaften mit Getränkedosen zu bewerfen. Als der Trainer dies unterband, wurde nur noch bei jeder hitzigen Aktion auf dem Feld aufgesprungen, quer über die Tribüne gerannt und sich so nah wie möglich am Geschehen postiert um von der Tribüne aus Beschimpfungen reinzurufen. Die Rivalität dieser beiden A-Jugend-Mannschaften hat übrigens laut der Tochter des Platzwartes – größtenteils standen Mitschüler von ihr auf dem Feld – mit Rivalitäten zwischen Schulen und Schulklassen bzw. Schülercliquen zu tun...

Das Spiel war richtig stark: Rusadir war aktiver und besser, geriet aber irgendwie mit 2:0 in Rückstand – u.a. durch einen Heber aus 15m und vollem Lauf über den Torwart. Noch vor der Pause gelang nach Dauerdruck der verdiente und stark herausgespielte Ausgleich. Nach der Pause kam Comisiones Obreras gar nicht mehr klar, während Rusadir innerhalb von 20 Minuten das Spiel mit einem 2:5 für sich entschied. Nach dem fünften Treffer für die Phönizier gab es leider kaum noch gute Szenen.

Nach diesem sehr unterhaltsamen Kick, den man in Deutschland wohl aus Jugendschutzgründen nicht erst um 21.30 angepfiffen hätte, ging es an die Hotelsuche – und die ist eine Katastrophe in diesem schwachsinnigen Gebilde! Klassifizierte Hotels kosten selbst mit Buchung doppelt so viel wie in fast allen anderen Regionen Spaniens (50€ für ein Zimmer, das man in fast allen anderen Landesteilen für 25€ bekommen würde) und die unklassifizierten Absteigen sind ständig voll belegt und nicht vorbuchbar. So wie so gibt es zu wenige Hotels in Melilla und das auch noch mit schlechtem Preisleistungsverhältnis. Um Mitternacht suchte ich jedenfalls einen Stellplatz für meinen Dacia, in dem ich schließlich übernachtete: im dünnbebauten Norden der Stadt steht ein Kiefernwald auf dessen Parkplatz man problemlos, kostenfrei und unbehelligt – trotz Sichtweite zum Grenzzaun – stehen kann.  
* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *
  
Am nächsten Morgen ging ich mal kurz durch den Pinienwald, wo es öffentliche Brunnen gibt, an denen man zumindest die Zähne putzen kann, und fuhr danach in die Stadtmitte runter. Die Altstadt ist eine befestigte Landzunge, entsprechend eng und verwinkelt und schön anzusehen. Die von dieser Landzunge abgehenden Straßen führen durch saubere und gepflegte Stadtteile, die architektonisch v.a. vom Modernismo (spanischer Jugendstil) geprägt sind. Sehenswert ist außerdem noch ein großer Friedhof der unterhalb einer Plattenbausiedlung und des Zementwerkes liegt.

Dann ging es v.a. darum, Fußball zu gucken. Im großen Stadion war kein Spiel, aber dafür gab es auf den kleineren Plätzen viel zu gucken. Ansetzungen findet man unter http://www.rfmf.es/index.php Meistens wird auf dem Campo de La Espiguera (Der Getreidespeicher) gekickt. So kehrte ich noch mal dorthin zurück, da es schon um 9 Uhr ein B-Jugendspiel zwischen UD Constitucion (Sportunion Verfassung) und einem der drei Real-Madrid-Fanclubs Melillas, Pena Madridista V Centenario, gab. Der Kick war leider ziemlich dürftig und völlig emotionslos geführt. Waren wohl noch nicht so recht wach um 9 Uhr frühs… Mitte der zweiten Halbzeit gelang Constitucion mit einem halbhohen Schuss aus sieben Metern der Goldene Treffer. Die Madridistas hatten allerdings mehr Torchancen – verloren also recht unglücklich.

Weiter die Straße runter und dann an der Kreuzung links, bis zum Kreisverkehr und dann noch mal links und nach 50m rechts durch die Häuser und schon steht man vor den beiden Kleinfeldplätzen Fernando Pernias. Auch die haben kleine Tribünen zu bieten (die drei anderen Fußballsportanlagen, neben den drei Stadien, sind ja alle ausbautenlos): Platz A sogar eine mit Überdachung und relativ vielen Steinstufen, Platz B nur eine kleine mit blauen Steinstufen. Das Häuser- und Naturpanorama, das man von der Tribüne aus sieht, macht einen guten Eindruck.

Auf Platz B spielte die Zweite D-Junioren Mannschaft des Proficlubs UD (Sportunion) Melilla gegen die D II des dritten Real-Madrid-Fanclubs Pena Real Madrid, auf Platz A die Erste D von UD Melilla gegen Rusadir. Die U13-Liga in Melilla ist in zwei Ebenen gegliedert und entsprechend stark war auch der Niveauunterschied. UDM II spielte sehr schwach gegen ein aus mehr Mädchen als Jungen bestehendes Real II und verlor entsprechend 3:7, wobei die beiden einzigen Jungs zusammen drei der sieben Treffer erzielten. Die I. von UD Melilla war natürlich in allen Belangen stärker als die II. – aber gegen Rusadir taten sie sich schwer: andauernd in Front und andauernd den Ausgleich kassiert. Am Ende war in diesem sehr unterhaltsamen Match kein Sieger zu finden: mit 6-6 gab es aber ein schön spektakuläres Ergebnis!

Nach einem Einkauf beim LIDL, der ziemlich von bettelnden Schwarzafrikanern belagert ist, und wie jener in Ceuta Preise macht, die klar unter denen vom restlichen Spanien liegen, sowie einem Tankstopp – leider gibt es nur in Ceuta Super Plus 98, nicht in Melilla, doch das Super 95 ist zwar genauso minderwertig wie jenes in Marokko, aber dafür 15 Cent billiger (1,04€ gegen 13 Dirham je Liter) – setzte ich mich noch in den sehr schön gestalteten Park am Flughafen und fuhr dann rüber nach Marokko.  
Nach nur 30 Minuten Wartezeit und so gut wie gar keiner Kontrolle trotz erheblichen Auftriebs, war ich schon wieder auf marokkanischem Staatsgebiet. Bis zum anvisierten Handballmatch in der Stadthalle Nador waren zwei Stunden Zeit, sodass ich nicht den direkten Weg sondern jenen über den Gourougou Berg mit Naturschutzgebiet nach Segangan nahm. In Nador wie auch in Segangan gibt es mehrere Hundert Jahre alte, aber modern verbaute Festungen, doch das eigentlich sehenswerte ist der Naturpark im wilden Gebirge zwischen den beiden Städten. Dort oben wohnt fast niemand außer einigen schwarzafrikanischen Flüchtlingen und berberischen Bergbauern, sodass man sehr ruhig durch herrliche, bewaldete Felslandschaft fährt.

In Nador, das alles andere als ruhig ist, fuhr ich zur Handballhalle, wo es schon wieder ein Spiel von Nahda (Wiedergeburt) Tanger zu sehen gab. Nun sah ich auch schon zum zweiten Mal Hilal (Halbmond) Nador. Die moderne und gepflegte Halle mit ihren blau-weißen Schalensitzen und fast völlig symmetrischen Tribünen betrat ich erst zur dritten Spielminute, da es an der Kasse minutenlange Diskussionen zwischen den Jugendlichen vor mir und dem auf seinen 10 Dirham Eintritt bestehenden Kassenwart gab. Als dieser mit seinem Gürtel rumfuchtelte wurde es zwischen mehreren Fans und auch zwei Ordnern handgreiflich, wobei mir der Kollege vom Kassenwart mitten in den Tumulten meine Karte aushändigte und auch den 20er wechselte…

In der Halle ging es auch recht hitzig zur Sache: die 80köpfige Ultragruppe war fast ununterbrochen am Anfeuern, wobei sie und einige andere Zuschauer durch wüstes Beschimpfen der Gastmannschaft immer mal die Sicherheitskräfte auf den Plan riefen. Als dann auch noch ein Bengalo in der Halle gezündet wurde, waren die Bullen erstrecht sauer…

Das Spiel war auch eng umkämpft und besonders in der zweiten Halbzeit recht hart geführt, da Nahda Tanger sich noch mal heranarbeitete, nachdem die Partie schon entschieden schien. Bei Halbzeit lag Nador nämlich mit sechs Treffern (15:9) in Front und der Vorsprung bis zur 47. Minute wechselte ständig zwischen vier und sieben Toren. Doch dann kam Nahda Tanger aus unerklärlichen Gründen kontinuierlich heran und aus einem 20:16 wurde innerhalb von 4 Minuten ein 20:20. Die 22:20 Führung von Hilal glich Tanger dann in Unterzahl zum 22:22 Endstand aus. Und Tanger hätte die Partie gewonnen, wenn nicht der schwarzafrikanische Profi mit der Frauenfrisur und sein einheimischer Mitspieler insgesamt vier Mal mit Siebenmeterwürfen am starken Hilal-Schlussmann gescheitert wären.

Die Rückfahrt verlief unheimlich schnell: wenn die Strecken frei sind und man sich bei Dunkelheit mangels Kontrollen nicht an die Beschränkungen halten brauch, kommt man innerhalb von nur dreieinhalb Stunden von Nador nach Fès. Bei normalem Fahrtverlauf braucht man aber etwas mehr als vier.

Als Fazit bleibt zwar bestehen, dass sich auch diese Fahrt mal wieder gelohnt hat – nicht zuletzt auch wegen der Fahrt ins Gebirge bei Nador und dem tollen Handballspiel dort – aber im Vergleich mit Ceuta ist Melilla doch die klar weniger attraktive Stadt. Wer mit der Fähre von Spanien nach Marokko oder umgekehrt will oder bei langem Marokkoaufenthalt einfach nur mal ausreisen will, der tut dies besser nach Ceuta: die Sehenswürdigkeiten sind zahlreicher und spektakulärer, die Landschaft ist spektakulärer und die Sportanlagen sind zumindest genau gleich interessant…  
Statistik:
- Grounds: 1.079 (Freitag: 2, Samstag: 3; diese Saison: 108 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.992 (Freitag: 2, Samstag: 4; diese Saison: 136)
- Tageskilometer: 750 (Freitag: 360km Auto, Samstag: 390km Auto)
- Saisonkilometer: 36.760 (35.640 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 4 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 395

Montag, 17. Februar 2014

W394II: Sonntags zum Handball nach Tanger

-------- Renaissance Sportif Tanger (نادي النهدة طنجة) --------
.................................. 22:31 (13:18) ......................................
Renaissance Sportive Berkane (نادي النهضة الرياضية البركانية)
Datum: Sonntag, 16. Februar 2012 – Anwurf: 12.00
Wettbewerb: Ligue Excellence du Handball, Poule Nord [بطولة المغربية لكرة اليد القسم الممتاز] (Marokkanische Superliga Nord, d.h. Nordstaffel der 1. Marokkanischen Handballliga; Halbprofiliga)
Ergebnis: 22-31 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 13-18
Tore: k.A.
Siebenmeterquote: RST 80% (4 von 5); RSB 80% (4 von 5)
Gelbe Karten: RST 3, RSB 2
Zwei-Minuten-Strafen: RST = 12 Minuten; RSB = 12 Minuten
Platzverweise: keine
Spielort: Salle Omnisport Tanger-Dradeb, ex Oued Yahoud [قاعة الدرادب او الوادي اليهود] (Kap. 600 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 200 (davon ca. 4 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,5/10 (Sehr gutes Handballspiel, das leider zu früh entschieden wurde)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Handball: Nahda Tanger v Nahda Berkane 
b) Tanger Old Town and Hercules Grotto 

Sonntag ging es kurzfristig doch mal wieder nach Norden: dieses Mal schaffte ich es endlich nach Tanger zum Handball, wobei eher die Stadtbesichtigung im Vordergrund stand, da es sich nur um ein Spiel des kleineren Erstligisten Nahda Tanger handelte.

Es ging schon kurz nach 5 Uhr mit Khadija, Driss, Rita und Zaki los. Die Anfahrt erfolgte komplett über Landstraßen: über Jorf Melha, Ouezzane, die extrem beschädigte Querverbindung nach Arbaoua, El-Aouamra – dort stieg noch Fayza zu; sechs Leute in einem Fünfsitzer sind ja kein Problem in Marokko, zumal sie ohnehin viel zu wenig frei bekommt – sowie Larache und Asilah.  
Die Sporthalle befindet sich in einem Dreieck zwischen dem alten Fußballstadion Marchane (500m), in dem leider derzeit kein Wettkampfbetrieb stattfindet, und der Altstadt (600m). Früher hieß sie Qa‘ah Oued Yahoud (Judentaler Sportsaal) nun heißt sie nach der neuen Siedlung Dradeb: Qa’ah Moughata Dradeb. In keinem anderen arabischen Land (OK, evtl. teilweise noch in anderen Maghreb-Staaten, aber auch da habe ich immer andere Lehnübersetzungen gelesen) sagt man Qa’ah Moughata (= abgedeckter Saal) – denn niemand versucht das „Salle Couverte“ der Franzosen so Wort für Wort zu übersetzen. Das in Algerien dauernd verwendete „Qa’ah Riyadhiya Mutanawi’ah“ ist allerdings auch sehr Französisch: „Salle du Omnisports“. Ungebildete Marokkaner können deshalb übrigens nichts mit dem arabischen Standard-Begriff „Sala Riyadhiya“ (Sporthalle, von Englisch „sports hall“) anfangen…

Wie auch immer: die Sporthalle ist relativ klein, hat nur eine Tribüne (fünf Reihen flache Schalensitze in grün und gelb) aber eine ordentliche Konstruktion – und war schlecht besucht, wobei ich eigentlich mit noch weniger als den knapp 200 gerechnet hätte. Ich zeige ja immer gerne, wie es bei interessanteren Ansetzungen als dieser zugeht: also einfach mal um die Ecke bei Tihad Tanger, die leider schon Samstagabend spielten, zuschauen, wie es dort zumindest ab und an bei den wichtigen Spielen abgeht; http://www.youtube.com/watch?v=YweTyt7FNJQ

Eigentlich war auch dieses Spiel heute recht wichtig: schließlich war der amtierende Meister aus Berkane zu Gast und das merkte man auch: selbst Driss, der interessanterweise viel weniger Interesse und Ahnung vom Sport als seine Frau Khadija (sie spielte auch früher im Verein Basketball) hat, gefiel das Spiel. Berkane lag allerdings nach dem 1:1 nach 2 Minuten ununterbrochen vorne, was im Laufe der zweiten Halbzeit dem Spielniveau einen leichten Abbruch tat, da sie nur noch das Nötige machten um Tanger auf Distanz zu halten. Teilweise wurde auch recht heftig eingestiegen – besonders dann, wenn lange Bälle einen Konter einleiten sollten, was zumindest bei Tanger regelmäßig daneben ging, und in heftigen Bodenkämpfen um den Ball endete. Einmal bekam der Gästetorwart zu Unrecht zwei Minuten, da ein Tanger-Stürmer beim Torwurf mit dem Kinn voraus in seine Fußabwehr lief.

Der Neun-Tore-Sieg war absehbar und verdient, da selbst in den chaotischen Spielphasen mit zwei Mann Überzahl für Tanger der Gast ohne zu Wackeln durchspielte. Das starke Auftreten von Nahda Berkane mit souveränen Tempogegenstößen, wuchtigen Würfen vorm Kreis und einer sehr starken Torhüterleistung war ausschlaggebend für das 22:31 – nicht die ein oder anderen Schwäche bei Renaissance Tanger. Beide Teams spielten klar besser als Maghreb Fès und Hilal Nador am Vortag!

Der erwähnte Schlussmann ist übrigens ein schwarzafrikanischer Profi, weswegen es nach einer Weile Diskussionen zur politisch korrekten Bezeichnung des Gästetorwarts zwischen meinen beiden Sitznachbarn gab:
Faiza [applaudiert nach einer starken Parade]: Super, der Torwart!
Zaki [applaudiert auch]: Yo, echt topp wie der Bimbo (âzî) hält!
Faiza: Was hast du grad gesagt?
Zaki: Der hält echt topp, Tante!
Faiza: OK, da hast du Recht. Aber keine Schimpfworte, ja?!
Zaki: Wieso? Ich hab keinen beschimpft!
Fayza: Du hast „âzî“ gesagt. Eine Schande ist das!
Zaki: Ich hab ihn gelobt – das war nur ne ganz normale Beschreibung dass der halt schwarz ist...
Fayza: Verstehe ich ja, aber wieso sagst du nicht „Schwarzer“ (aswad) oder „Afrikaner“ (ifriqy)?!
Zaki: Weil Bimbo (âzî) lustiger klingt…
In Sachen Besichtigung hatten wir dann vier Programmpunkte. Vorm ersten Punkt, der Altstadt, konnte ich mir gerade noch verkneifen einen im Einsatzwagen rumlümmelnden Soldaten der Hilfskräfte (zwischen THW und Polizei im Aufgabenbereich, rekrutiert mit Vorliebe den letzten ungebildeten Abschaum) zu fotografieren, der eine arabische Übersetzung von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ mit auffälligem Hakenkreuz-Cover las…

Die Altstadt ist nicht all zu groß und von spanischen Bauten aus dem frühen 20. Jahrhundert durchsetzt. Es gibt auch noch Stadtmauern und eine Festung oberhalb des modernen Hafen. In der Altstadt liegen mehrere, teils sehr schön gekachelte Moscheen und auch einige europäische Kirchen (spanisch, englisch etc.) die entsprechend aussehen wie direkt aus den Herkunftsländern ihrer Gemeinden nach Tanger umgesetzt. Besonderheiten scheint es in Sachen Architektur in der Tanger Medina aber nicht zu geben.

Das Mittagessen in der Altstadt war unter aller Sau: es wird massiv konkurriert und betrogen unter den Restaurantbesitzern; der dumme Hurensohn bei dem wir waren, berechnete Driss die Flasche Leitungswasser und das Brot (normalerweise beides gratis) und den einen Salat doppelt. Aus den 160 Dirham wurden schnell 140 – wobei das natürlich immer noch zu hoch war, da er nur den dreisten Betrug mit dem bewusst doppelt abgerechneten Salat zurücknahm, da ihn Fayzas Schlagfertigkeit beeindruckte. Da er als älterer Mann nicht von einer jungen Frau zurechtgewiesen werden will, dass er richtig rechnen und nicht den Preis in die Höhe treiben solle, baute er sich auf dass er die Rechnung noch mal durchsieht aber sie was erleben könne wenn sie sich ohne Grund beschwert hätte – woraufhin sie nur meinte: „Drohst du mir? Meinst du ich habe Angst vor dir, weil du ein Mann bist? Ich fürchte nur Gott und sonst nichts!“ – So ein Spruch mag zwar aus der Zeit gefallen klingen wenn man ihn ins Deutsche übersetzt, aber im arabischen Raum hat der ein ganz anderes Gewicht…

Danach fuhren wir durch schöne Klippenlandschaft am Atlantik (Cap Spartel) zur Herkuleshöhle, die direkt am Meer liegt aber für 5 Dirham Eintritt etwas zu überlaufen ist. Die römischen Ruinen von Cotta (nicht viel mehr als niedrige Mauerreste) befinden sich mittlerweile auf dem Gelände des Königspalastes und sind deshalb nicht mehr zu besichtigen. Mal wieder eine Schwachsinnsaktion des fetten marokkanischen Monarchen.

In Larache schloss sich der Kreis der Rundfahrt und wir tranken noch günstig Kaffee, wobei es Fayza auch in diesem Café verstand, sich beim Besitzer unbeliebt zu machen: erst war es nur eine Katze die bettelte und der Gast am Nachbartisch mit seinem Fischgericht war gegangen, sodass die sehr tierliebe Fayza nicht anders konnte, als ein paar Reste unter den Tisch zu werfen. Nach drei Minuten waren da allerdings 3 Katzen anzutreffen und nach einer weiteren Handvoll Fischresten schnurrten gleich mal 6 Katzenviecher um sie herum…

Die Rückfahrt erfolgte über die schnellere Strecke Bel Ksiri/ Sidi Kacem (wo ich aber normalerweise zwei bis drei Mal an den Checkpoints angehalten werde wenn ich alleine unterwegs bin, doch heute nicht einmal stoppen musste da ja vier Marokkaner mit mir mitfuhren) sodass wir schon 22.15 wieder zurück in Fès waren.  
Statistik:
- Grounds: 1.074 (heute 1; diese Saison: 103 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.986 (heute 1; diese Saison: 130)
- Tageskilometer: 650 (650km Auto)
- Saisonkilometer: 36.010 (34.880 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: - [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 394

W394I: Deutlicher hätten die Hinweise auf die Sportkrise in Fès nicht sein können; offensichtliche Verschieberei beim Fußballderby und Unfähigkeit beim Handball

Maghreb Association Sportive de Fès (المغرب الفاسي)
................................... 0:0 (0:0) ...................................
-- Wydad Athletic de Fès (نادي الوداد الرياضي الفاسي) --
- Datum: Samstag, 15. Februar 2014 – Anstoß: 15.00
- Wettbewerb: GNF Botola 1 [لبطولة الوطنية الاحترافية] (= 1. Marokkanische Liga; Profifußballiga)
- Ergebnis: 0-0 nach 94 Min. (46/48) – Halbzeit: 0-0
- Tore: Entsprechend der Wettquoten
- Verwarnungen: 2x Nr. 6, Nr. 3, Nr. 9 (MAS); Nr. 4, Nr. 5, Nr. 80 (WAF)
- Platzverweise: Nr. 6 von MAS (55. wg. wdh. Fouls)
- Spielort: Complexe sportif de Fès [لفاس الرياضي المركب] (Kap. 45.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 5.000 (in etwa 4.750 zu 250 für Maghreb Fès)
- Unterhaltungswert: 1,0/10 (Wurde bereits kurz nach Abpfiff als beschissenstes Derbyspiel aller Zeiten zwischen diesen beiden Teams bezeichnet…)

Maghreb Association Sportive de Fès (المغرب الفاسي)
.................................. 21:31 (7:14) ..............................
---------------- Hilal Nador (هلال الناضور) ----------------
Datum: Samstag, 15. Februar 2012 – Anwurf: 17.00
Wettbewerb: Ligue Excellence du Handball, Poule Nord [طولةب المغربية لكرة اليد القسم الممتاز] (Marokkanische Superliga Nord, d.h. Nordstaffel der 1. Marokkanischen Handballliga; Halbprofiliga)
Ergebnis: 21-31 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 7-14
Tore: k.A.
Siebenmeterquote: MAS 0% (0 von 2); HAN 100% (2 von 2)
Gelbe Karten: k.A. (MAS); mindestens Nr. 8 und Bank (HAN)
Zwei-Minuten-Strafen: MAS mindestens 16 Minuten; HAN mindestens 12 Minuten)
Platzverweise: keine?
Spielort: Salle 11 Janvier [11 قاعة يناير] (Kap. 2.500 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 110 (davon keine Gästefans)
Unterhaltungswert: 4,0/10 (Nicht einmal mittelmäßiges Spiel, das wenige Minuten nach unserem verspäteten Erscheinen quasi entschieden wurde)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Football Derby of Fès: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157641030349543/
b) Handball in Fès: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157641030349493/
c) Fès City: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157636027123773/

Gut dass sich bei der sinnfreien Terminierung an diesem Wochenende die Tour zu Chabab Houara nach Ouled Taima schon am Montag mit einem Blick ins Internet erledigt hatte: das Stadion wird renoviert, sodass in Taroudant gespielt wird und der Ground in Ouled Taima aus der Wertung fällt. So fehlt in den ersten beiden Ligen von den regulär genutzten 26 Spielstätten nur noch eine – und zwar die in Laayoune. Dass Chabab Houara seine Heimspiele nun in 40km Entfernung austragen muss, hat übrigens nichts mit dem spektakulären Brandstiftungsfall in der nahe des Stadions befindlichen Grundschule zu tun, der durch die einheimischen Medien ging: Ein Schüler hatte die Klassenarbeit vergeigt und wollte diese vernichten, ehe der Lehrer sie am nächsten Tag aus dem Spind im Lehrerzimmer zum Kontrollieren holt; dazu stieg er mit drei älteren Kumpels nachts in die Schule ein und entfachte ein Feuerchen im Lehrerzimmer, das das Chaotenquartett nicht richtig löschte, sodass es kurz nach deren Abhauen richtig losloderte und die Schule fast komplett abfackelte…

Nicht ganz so brandgefährlich, aber doch streckenweise recht feurig, ging es beim Stadtderby von Fès zur Sache. Leider nur auf den Rängen bzw. hinterm Stadion: auf dem Feld gab es nur durch den kleinlichen Schiedsrichter viele Farbe und offensichtlich verschoben wurde der Dreckskick auch…  
Gut 90 Minuten vor Anpfiff traf ich mit den Jungs meiner Gastfamilie auf deren Freunde Hamza und Mehdi Chahed sowie Driss Mohtadi. Khadija und Rita verzichteten auf das Spiel, da die drei ahnungslosen Jungs ihnen Blödsinn erzählt hatten, dass es Randale geben würde und 20.000 Zuschauer kämen. Die Zeiten sind leider vorbei. Gerade einmal 5.000 kamen – die Ultras von Widad Fès boykottierten die Partie. Aber auch mit den Ultras währen es nicht einmal 10.000 geworden.

Am Einlass hatten wir trotzdem den üblichen Ärger: asoziale Sicherheitskräfte brüllten Zakaria an, ob er in Begleitung eines Erwachsenen hier sei obwohl wir alle direkt neben ihm liefen, alle wurden vier Mal kontrolliert – ich immer noch drei Mal – und das teilweise recht unfreundlich; und der Abschaum von Polizei und Hilfskräften fühlte sich offensichtlich angesprochen, als die Ultras Fatal Tigers (Maghreb Fès) ein Anti-Korruptions-Banner entrollten, das Teil der Choreo werden sollte, und rissen dieses ab, woraufhin alle Handzettel und Banner der Choreo zusammen mit mehreren Sitzschalen aus Protest durch die Gegend geworfen wurden…

Also nicht mal eine Choreo, nur etwas Rauchbomben bei diesem Derby. Entsprechend sah es dann auch auf dem Feld aus, bzw. es sah eigentlich noch anders aus, denn die 22 Kicker offenbarten das dringendste Problem der beiden Vereine: die korrupte und unfähige Vereinsführung zahlt seit Monaten keine vollen Gehälter. Gut, sowas ist Normalzustand in Marokko: z.B. Driss wurde für seinen Auftrag in Meknes von der Baufirma das Gehalt zum 10.2. versprochen, am 10.2. hieß es 14.2. und heute ist es immer noch nicht da, und Fayza wurde erst dieses Woche zum ersten Mal bezahlt und zwar nur für Februar und nicht wie im Firmenvertrag stehend schon für Dezember und Januar. Aber Fußballspieler werden dadurch natürlich anfällig für Korruption: die Wettmafia ist in Marokko aktiver als in vielen anderen arabischen Ländern, da hier Sportwetten legal sind. Ist zwar gegen islamische Sitten, aber so bigott ist man nun mal in Marokko… Und spätestens nach dem von WAF einen vollen Meter übers Tor geschossenen Foulelfmeter in der 84. Minute war klar, dass das Spiel so Höhepunkt- und Torchancenarm war, da es 0:0 ausgehen sollte. Das Hinspiel ging übrigens 4:3 an Maghreb Fès – kein Wunder also, dass es nach dem Spiel in der angrenzenden Siedlung Auseinandersetzungen auf offener Straße gab und bei dem Zuschauerminusrekord und der offensichtlichen Verschiebung dieses Derby gleich nach Spielschluss als das beschissenste Fesser Derby aller Zeiten bezeichnet wurde.  
Beim Handball war das Niveau nicht so scheiße, aber auch deutlich schwächer als in Rabat in der Vorwoche. Wir fuhren also zu siebt wieder gen Innenstadt und kamen zur 16. Spielminute beim Stand von 6:7 zum Spiel von der Handballabteilung von Maghreb Fès gegen Hilal Nador in die Halle 11. Januar. Der 11. Januar ist ein nationaler Feiertag der an die Unabhängigkeitserklärung (Taqdeem Wathiqat al-Istiqlal 1944 von Frankreich) erinnert. Die Sporthalle selbst ist wohl noch von den Franzosen gebaut und nur in den 90ern mal renoviert worden, doch nach mehreren hitzigen Handball-, Volleyball- und Basketballspielen ist die Hälfte der blauen und weißen Sitzschalen nicht mehr an ihrem Platz, sodass selbst die wenigen Zuschauer heute genau suchen mussten, wo sie sich hinsetzten…

Unter den nur etwas mehr als 100 Zuschauern befanden sich mehrere Bekannte meiner Begleiter: Mehdi war eh am interessiertesten an diesem Spiel, da sein Kumpel mit der Rückennummer 7 fast komplett durchspielte, Hamza belöffelte sich beim Reingehen mit einem unfreundlichen Klassenkameraden der neben dem Tribünenaufgang saß und Driss traf eine Freundin die er gleich mal mitten auf der Tribüne umarmte, was ihm einige Kilometer weiter nördlich böse Bemerkungen eingebracht hätte – aber hier im städtischen Fès interessierte das erfreulicherweise keinen. Ohnehin waren hier ungewöhnlich viele Frauen zugegen - etwa die Hälfte des Publikums - was sich in sportlich fairem Verhalten aber mangelnder Stimmung niederschlug…

Kaum waren wir gekommen, zog Hilal Nador davon: in einem relativen langsamen und technisch dürftigen Spiel waren es der sehr gute Gästetorwart und der Kreisläufer, der immer wieder durch die Verteidigung von MAS brach und wuchtige Torwürfe unterbrachte, die den Gästen zu einem klaren und schon vor der Pause absehbaren Sieg verhalfen. Mit 7:14 ging es in die Halbzeit und nach der Pause festigte sich bis zur 50. ein Abstand von um die 10 Tore. Teilweise lag Nador mit 12 in Front. Am Ende gab es noch mal schöne Tempogegenstöße der Fesser, doch das 21:31 sprach eine deutliche Sprache…  
Statistik:
- Grounds: 1.073 (heute 1; diese Saison: 102 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.985 (heute 2; diese Saison: 129)
- Tageskilometer: 30 (30km Auto)
- Saisonkilometer: 35.360 (34.230 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: - [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 394

Dienstag, 11. Februar 2014

W393II: Tagesausflug nach Taza

Association Qods Sportive de Taza (نادي القدس الرياضي التازي)
....................................... 1:1 (0:0) ...........................................
- Club Sportif Wifak Bouznika (النادي الرياضي وفاق بوزنيقة) -
- Datum: Sonntag, 9. Februar 2014 – Anstoß: 14.30
- Wettbewerb: GNF Amateur 1, Groupe Nord [شطر الشمال - بطولة القسم الوطني الأول هواة] (d.h. 3. Marokkanische Fußballliga, 1. Amateurliga)
- Ergebnis: 1-1 nach 97 Min. (47/50) – Halbzeit: 0-0
- Tore: 0-1 52. (18), 1-1 65. (19)
- Verwarnungen: Nr. 17, NN (QT); Nr. 11, 15 (WB)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Municipal de Taza [الملعب البلدي بتازة] (Kap. 2.500, davon 500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 700 (keine Gästefans?)
- Unterhaltungswert: 4,0/10 (Grauenhafte erste Halbzeit, aber ab der 65. nach dem zweiten Tor plötzlich richtig gut…)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Amateur Football Top Tier in Taza: Qods Taza v Wifak Bouznika
b) Taza Old Town and Jbel Tazekka Nationalpark: Friouato Cave etc.

Am Sonntag kehrte noch mal die durchgedrehte amerikanische Familie von Ryan und Emy zurück nach Fès: das Paar und ihre zwei Kinder sind nun auf dem Weg zurück nach Spanien und bleiben noch ein bisschen bei Khadijas Familie, sodass ich auch Sonntag alleine losfuhr. Wieder auf der Bundesstraße N6, diesmal aber nach Osten. In Bir Tamtam wurde die lässig zügige Fahrt schon wieder gestoppt: 72km/h innerorts, eigentlich 300 Dirham Strafe – aber dem Polizist gefiel mein Arabisch und dass ich bei einer marokkanischen Familie wohne (und der war auch nicht so doof wie der Spast bei Meknes gestern und hat das mit der Gastfamilie richtig verstanden) und da ich nur 220 Dirham mithatte (ich berechne gerade wegen solcher Kontrollen den Benzinverbrauch und sonstige Kosten vor Fahrtantritt immer knapp) ließ er mich ohne jede Bestechungsgebühr weiterfahren.

Nach Sidi Abdellah geht es links abknickend rechts den Berg hoch in den Tazekka-Nationalpark. Der ist landschaftlich mit das Beste was Marokko zu bieten hat! Tiefe Schluchten, bewaldete und von engen Straßen durchzogene Bergzüge. schroffe Felsen, spitze Berggipfel, rauschende Bäche und sehr ruhig. Erst direkt bei Taza gibt es wieder mehr Betrieb. Im idyllischen Bab Bou-Ider, das zwischen bewaldeten Berghängen eingeklemmt ist, ist jedes Haus aus französischer Zeit und auf dem schönen Großfeldplatz (auf dem aber leider kein Spielbetrieb ist) kickten die Mädchen aus dem Ort fünf gegen fünf.

Kurz darauf ist der Abzweig zur Grotte und Höhle von Friouato erreicht. Der Weg ist nicht so steil wie mir einige beschrieben haben und die Treppen sind auch halb so wild. Es reicht auch in der Tat für 3 Dirham die Grotte (Besichtigung ca. 30 Minuten) zu besuchen, die ein riesiges Loch im Berg mit Lichtschacht ist. Die anschließende Höhle ist eine Tropfsteinhöhle, die mehrere Kilometer in den Berg hinein führt und auf den ersten 2 oder 3km für Besucher erschlossen ist. Ein Führer kostet aber 100 Dirham und ohne einen solchen ist es selbst Marokkanern nicht (mehr) erlaubt, hinunterzusteigen. Angeblich da sich mehrfach Leute dort verirrt haben und bis zu drei Tage da herumgurkten – in Wirklichkeit wahrscheinlich, da die Bevölkerung in der Gegend (bis auf aus anderen Städten zugezogene Araber und Berber in Bou Ider) sehr arm ist und jeden Weg zum Geldmachen braucht.

Bei mehr Zeit hätte ich ja einen Führer genommen, aber die zu veranschlagenden zwei Stunden hatte ich dann doch nicht mehr, sodass ich den Weg in die Kreishauptstadt Taza herabfuhr, noch an dem Wasserfall hielt und in Taza angekommen eine Dreiviertelstunde die wenig attraktive aber von tollen Mauern umgebene Altstadt besichtigte.  
Nach der Altstadtbesichtigung ging es ins Stadion, das enorm gepflegt ist. Trotz mehrerer Spiele jeden Samstag und Sonntag ist der Naturrasen sehr gut. Das bewies heute mal wieder eindrucksvoll, dass nicht die schlechten Platzverhältnisse für die schlechte Qualität von Spielen verantwortlich sind, sondern einzig und allein die schlechten Spieler…

Die beiden Tribünen sind auch sehr gepflegt: fünf Reihen Betonstufen auf der Gegenseite, an den Enden halbrund zulaufend, und sechs Reihen massiver Beton auf der Hauptseite, in der Mitte überdacht und mit blauen Schalensitzen versehen, auf der rechten Seite sind noch ein paar Holzbänke übrig geblieben. Die Begrünung der Anlage ist auch nicht schlecht, v.a. die Bäumchen im Vorgarten des alten Vereinsheims sind klasse!

Das Spiel war alles andere als „klasse“ bis zur 65. Minute: beide Teams völlig unfähig, Abstiegskampf pur auf ganz niedrigem Niveau, wobei Qods (Jerusalem) Taza eigentlich schon abgestiegen ist, da 1 Punkt aus 13 Spielen einfach mal zu wenig ist. Wifak (Einigkeit) Bouznika hätte drei Punkte gebraucht um sich von den Abstiegsplätzen wegzuarbeiten, aber nach der verdienten Führung per Kopfballtreffer nach über 50 Minuten Spielzeit gelang Taza in der 65. der Ausgleich. Und plötzlich wurde das Spiel gut und flott! Beide Teams vergaben reihenweise Chancen und gingen konsequent aber ohne Geholze in die Zweikämpfe. Warum dann kein weiteres Tor mehr fiel, musste man sich schon fragen…

Was man sich auch fragen musste, ist wie es um den Geisteszustand der überweigend berberischen Bevölkerung steht. 80% der Einwohner Tazas sind Berber und im Wikipedia-Artikel wird bejammert, dass die Verwaltung und die guten Jobs mit den Arabern besetzt sind: aber wenn die nun mal überwiegend besser ausgebildet sind als Berber, was dann? Natürlich gibt es da auch Korruption und Vetternwirtschaft unter den arabischen Familien die diese Ämter innehaben und es gibt auch ein paar wenige sehr gebildete Berber – aber wenn ich sehe, wie sich die 700 Zuschauer, die augenscheinlich fast alle Berber waren, mitunter aufführten…
Erstmals habe ich in Marokko offenen Rassismus im Stadion erlebt – und das typischerweise in einer Berberstadt! Ein schwarzer Gästespieler wurde mehrfach und gut hörbar als Neger und Affe beleidigt und da die Einheimischen davon ausgingen, dass er nicht richtig Arabisch kann, da er evtl. ein Halbprofi aus Schwarzafrika ist, rief einmal einer von diesem Berberstamm mit den markant rotbraunen Haaren (angeblich stammen die aus dem Kaukasus aber so richtig weiß das keiner) bei Ballbesitz des Schwarzen ein „fuck you, Nigga“ dazwischen. Das so ein beschissenes Verhalten bei Berbern häufiger vorkommt als bei Arabern, haben mir selbst meine berberischen Lehrer Abdelhadi und Fatima bestätigt – warum das so ist, konnte mir aber niemand begründen; ob sie sich ihre Eigenbezeichnung „Imazighen“ (Freie Menschen als Gegensatz zu Sklaven bzw. „freigelassenen Sklaven“ d.h. Harratin, was auch allgemein für Schwarze verwendet wird) zu sehr zu Herzen nehmen oder die Theorie, dass sie aus dem Kaukasus und damit (fast) aus Europa stammen überschätzen, oder dass sie sich für die Größten halten, da viele Berberstämme von Gesichtszügen und Hautfarbe wie Mitteleuropäer aussehen oder sie deshalb meinen, die Tollsten zu sein, weil sie länger als alle anderen auf marokkanischem Boden wohnen…
Und natürlich gibt es Rassismus auch in anderen arabischen Staaten, aber außer in Saudi-Arabien und vllt. noch Katar ist das wohl nirgendwo so schlimm wie in Marokko. Und ich meine nicht die Vorkommnisse, die man evtl. in Kriegszeiten erlebt – sondern den üblichen Alltagsrassismus, den es gegenüber ausländischen Touristen im Übrigen auch nirgendwo in der arabischen Welt so stark wie in Marokko gibt.

Wie dem auch sei: man muss hier erstens festhalten, dass gebildeten und anständigen Marokkanern wie denen in meiner Gastfamilie oder den Lehrern am Institut dieses Verhalten von ihren weniger anständigen Mitbürgern unheimlich unangenehm ist und zweitens, dass Qods Taza den zweiten Punkt im vierzehnten Spiel holte…
Und ich einen leicht anderen Weg, nämlich den direkten nach Sidi Abdellah und hinter Matmata die gleichlange aber in sehr schlechtem Zustand befindliche Kreisstraße am Stausee Idriss I. entlang, nach Fès zurückfuhr.  
Statistik:
- Grounds: 1.072 (heute 1; diese Saison: 101 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.983 (heute 1; diese Saison: 127)
- Tageskilometer: 330 (330km Auto)
- Saisonkilometer: 35.330 (34.200 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 2 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 393