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Dienstag, 23. März 2010

W189-SY24: Zusammenfassung Sehenswürdigkeiten

Hier sind alle Orte Syriens, die ich besucht habe, aufgelistet. Alle Orte die Eintritt verlangen haben 1. Oktober – 31. März 9-16 Uhr, sonst 9-18 Uhr offen (Ramadan 9-15) und dienstags zu. Ausnahmen sind die täglich geöffneten Orte Apameia und ich glaube auch Krak des Chevaliers. 1€ = 60 Pfund, 100 Pfund = 1,60€. Die Rangfolge ist natürlich subjektiv, aber wer Tartous vor Palmyra sieht, war wohl zu lange in einem der Alkoholläden in Tartous...

Bilder von allen Ortschaften in meinem Flickr-Account:
http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/collections/72157623526440595/

1. Qal’a al-Hosn: Krak des Chevaliers
Sehr lohnend: Rundgang durch die mittelalterliche Burg (ca. 2 Stunden), da extrem gut erhaltene, architektonisch beispielhafte und große Anlage.
Achtung: Touristische Infrastruktur auf Abzocke ausgelegt; möglichst Essen/ Trinken vom Übernachtungsort (normalerweise Homs/ Hama) mitbringen.
Bemerkungen: einmalig eindrucksvolle Burganlage.
Punkte: 10/10

1. Tadmor bzw. Palmyra
Sehr lohnend: die römischen Ruinen vom Baal Tempel (Eintritt 150/10, restliches Gelände jederzeit frei zugänglich) bis zum Beginn der Grabtürme, Qal’a ibn Ma’an (Palmyra Zitadelle, 75/10) wegen Architektur und Blick.
Nicht so lohnend: die neuzeitliche arabische Oasenstadt, die Randbereiche des Tals der Toten und der Befestigungsanlagen.
Hotel: Sun (Shams), 1.000 Pfund ohne Frühstück, nette Rezeption, aber Zimmer im Erdgeschoss und Keller, zwar geräumig und renoviert, Steckdosen und Kühlschrank da, aber kahl und Bad schlecht (kaum mal warmes Wasser). [4,0/10].
Achtung: Auch in der Nebensaison Guides und Händler; die wollen eh nur dein Geld, also einfach freundlich „No, thank you!/ La, shukran!“ sagen. Die gehen dann schon. Bei Diokletians Lager hängen oft aggressive Hunde herum: wenn die nerven, nimmt der Einheimische/ der schlaue Tourist einfach einen Stein und schmeißt ihn den Kötern zu. Viele Restaurants und Hotels sind zu teuer.
Bemerkungen: Ist in der Nebensaison überhaupt nicht so überfüllt und touristisch versaut, wie gerne behauptet wird. Auch die Hotels und Restaurants sind nur halb so wild. Die Leute wollen einen auch nicht immer bescheißen. Sicherlich eine der absolut einmaligen Sehenswürdigkeiten Syriens.
Punkte: 10/10.

1. Bosra:
Sehr lohend: Theater (150/10), da extrem gut erhalten und sehr hoch und groß.
Lohnend: Thermen, Kirchen, Moscheen, Häuser und Tempel der alten Stadt.
Bemerkungen: Da lebt das Alte Römische Kaiserreich so richtig wieder auf!
Punkte: 10/10

4. Masyaf:
Sehr lohend: die große, verwinkelte und fast perfekt erhaltene Burg (75/10)
Nicht lohnend: die hässlichen Häuser um die Burg herum.
Punkte: 9,5/10

5. Dayr Mar Musa al-Habashy:
Bemerkungen: Das wohl spektakulärste Kloster Syriens! Der Weg da hoch sieht von unten aber schlimmer aus, als er ist. Die Brücke zwischen dem alten und dem neuen Kloster ist wirklich cool, die Lage auf den schroffen Felsen spektakulär, die Leute nett.
Punkte: 9,0/10

5. Serdjilla:
Bemerkungen: Größte der byzantinischen Städte, die ein herrliches Beispiel für die Architektur des 4. bis 7. Jhdt. ist. (75/ frei)
Punkte: 9,0/10

7. Qal’a Burzey:
Achtung: Schwer zugänglich.
Bemerkungen: Gut erkennbare Mauerstrukturen und Turmreste auf einem Wahnsinns-Felsen oberhalb eines Dorfes am Rande der Berge. Fantastische Landschaft, toller Aufstieg durch ein Wadi, prime Blick bei gutem Wetter.
Punkte: 8,5/10

7. Qal’a Sam’an:
Bemerkungen: Hervorragendes Beispiel für byzantinische Kirchenbaukunst in prima Landschaft gelegen (150/10).
Punkte: 8,5/10

9. Hama:
Sehr lohend: Der Altstadtbereich mit den Wasserrädern in Uhrturmnähe, Blick von der Zitadelle.
Nicht so lohnend: Wasserräder außerhalb dieses Bereiches.
Hotels: Funduq Al-Qahira (Cairo Hotel), 1.200 Pfund pro Nacht/ Doppelzimmer, freundlicher Chef, ordentliche Zimmer mit Glotze, Kühlschrank, Steckdosen, gutem Bad und wackligem Tisch. [7,0/10] Funduq al-Riyadh (Riad Hotel), 1.200 Pfund pro Nacht/ Doppelzimmer, sehr freundliche Leute, sehr gute Zimmer mit täglichem Service (ungewöhnlich für Syrien!), ordentlichem Bad, guten Tischen, kleinem Balkon, Steckdosen und Glotze. [9,0/10]
Achtung: Hier kann man mit unangemessener Kleidung noch viel eher unerwünscht unangenehm auffallen, als in Halab.
Bemerkung: Leute gelten zwar zu Recht als konservativ oder altmodisch, doch sind sie fast ausnahmslos sehr freundlich und höflich. Stadtverkehr viel angenehmer als in Damaskus oder Aleppo. Kaum Dreckecken – nur der Orontes stinkt an vielen Stellen wegen Verschlammung. Architektonisch die schönste der größeren Städte Syriens.
Punkte: 8,0/10

9. Qal’a Mudiq: Afamiya (Apameia)
Sehr lohnend: Griechische Ruinen entlang der Säulenstraße (150/10) und Blick vom Wehrdorf Qal’a Mudiq auf die Umgebung.
Nicht so lohnend: Gebäude des Wehrdorfes.
Achtung: Viele Guides und Händler, die aber keineswegs aufdringlich waren. Nur auf ihre Dienste eingehen, sollte man besser nicht.
Bemerkungen: Nicht so groß und toll wie Palmyra, aber ebenfalls sehr sehenswert.
Punkte: 8,0/10

11. Qasr al-Hayr ash-Sharqy:
Achtung: Schlecht befahrbare Straße zwischen Tayyibeh und dem Schloss und auf dem Weg zur Hauptstraße nach Dayr az-Zour.
Bemerkungen: Fantastisch, wenn in der Einsamkeit der Wüste plötzlich eine riesige Anlage aus einer ummauerten Stadt (innerhalb der Mauern aber kaum Gebäude) und einem Schloss der Umayyaden auftaucht.
Punkte: 8,0/10

11. Baniyas:
Sehr lohnend: Qal’a Marqab (150/10); eine riesige Burganlage, die sehr gut erhalten ist.
Nicht so lohnend: die restliche, sehr von Industrie geprägte Stadt.
Punkte: 8,0/10 für die Burg.

13. Qal’a Salah ad-Din:
Bemerkungen: sehr große Anlage in toller Landschaft, doch nur ein Teil der Burg begehbar und erhalten. Sehr eindrucksvoll, aber leicht überschätzt. 150/10.
Punkte: 7,5/10

14. Rusafa:
Bemerkungen: Sehr abgelegen, sehr gut erhaltene Stadtmauer und eindrucksvolle Gebäudestrukturen. Frei zugänglich.
Punkte: 7,5/10

15. Damaskus:
Sehr lohnend: Altstadtbereich zwischen Bab Ash-Sharqy (Osttor) und der Zitadelle (seit Jahren wegen Renovierungsarbeiten geschlossen). Besonders die Umayyadenmoschee (nur außerhalb der Gebetszeiten, 100 Pfund Eintritt, teilweise auch kostenlos zu besichtigen) sollte man besuchen. Außerhalb der Altstadt: Sayyide-Zaynab-Moschee und Blick vom Djabal Qassiyoun (va. von Terrasse zwischen der langen Kurve und den ersten Läden) auf die gesamte Stadt (bes. bei Sonnenaufgang, kurz vor Sonnenuntergang und nach Einbruch der Dunkelheit).
Hotel: Funduq Qasr Randa (Randa’s Palace), 1.200 Pfund pro Doppelzimmer/ Nacht, Zimmer eng, oft laut, aber sauber, fast immer warmes Wasser, Kühlschrank, Glotze, gute Steckdosen, nettes Personal (teils englischsprachig). [7,0/10]
Achtung: Stadtverkehr sehr unübersichtlich, beinahe regellos und chaotisch – aber trotzdem nie einen Unfall gehabt/ gesehen. Straßen oft dreckig/ staubig.
Bemerkungen: Eine typische Hauptstadt mit allen üblichen Problemen (außer hoher Kriminalität), aber wenige Bettler (alles irakische Flüchtlinge) oder aufdringliche Händler, und einem, von Plattenbauten im Stil der 1970er Jahre umringten, sehr sehenswerten Altstadtkern.
Punkte: 7,0/10.

16. Qal’a Shamamiys:
Achtung: Schwerer Einstieg und tiefer Fall in Schächte.
Bemerkungen: Imposanter Anblick, da wie eine Krone auf einem Vulkankegel angebracht und guter Blick.
Punkte: 7,0/10

17. Qal’a Shayzar:
Bemerkungen: Tolle Bergspornlage, auch ganz gut erhalten, doch etliche Mauerstücke fehlen und stören damit das Gesamtbild.
Punkte: 7,0/10

18. Halabiya:
Bemerkungen: Extrem eindrucksvolle Festungsstadt, besonders die Gebäude auf dem Bergkegel sind klasse. Prima Blick auf den Euphrat.
Punkte: 7,0/10

19. Baqirha:
Bemerkungen: Eine der größeren und vor allem wirklich gut erhaltenen byzantinischen Stätten.
Punkte: 7,0/10

19. Shahba:
Bemerkungen: Keine riesigen Römerruinen, aber ein prima erhaltenes Theater und ein sehenswertes Forum, ein Tempel und Thermen. Frei zugänglich außer dienstags.
Punkte: 6,5/10

21. Zayzoun:
Bemerkungen: Hoher Wasserfall, den man allerdings von unten oder von Jordanien aus am besten sieht und ein Wahnsinnsblick in die Schlucht.
Punkte: 6,5/10

22. Qal’a Abu Qubays:
Bemerkungen: In spektakulärer Landschaft liegt die schöne Burg, die Innen zwar frei zugänglich ist, aber schwer begehbar, da vieles eingestürzt ist.
Punkte: 6,5/10

23. Qalb Lozeh:
Bemerkungen: Mitten im Dorf, umschlossen von minderwertiger neuer Bebauung, die von den verlogenen Reiseführerfotografen stets geschickt ausgeblendet wird, liegt eine sehr schöne und sehr gut erhaltene Basilika aus byzantinischer Zeit. 75/10
Punkte: 6,5/10

24. Kharab ash-Shams:
Bemerkungen: eine der besten byzantinischen Städte, deren Basilika besonders auffällig ist.
Punkte: 6,5/10

25. Khan al-Arous:
Bemerkungen: Hervorragend sanierte befestigte Karawanserei. Sehr anschaulich durch den 100%igen Erhaltungszustand. Die Lage an der Autobahn passt aber nicht so ganz.
Punkte: 6,5/10

26. Aleppo:
Sehr lohnend: Zitadelle (150/10 Pfund) und die darum herum liegende Altstadt bis zur Uhrturm.
Nicht so lohnend: Souqs (Märkte) – zumindest außerhalb der Hochsaison – da dort viele Läden geschlossen haben und im Vergleich zu Hama oder Damaskus viel weniger arabische Waren haben.
Hotel: Funduq Al-Yarmouk, 1.000 Pfund pro Doppelzimmer/ Nacht, Plattenbau der 1970er Jahre, abgewohnt, rissige Tapeten, alte Fußböden, Glotze, Steckdosen, Bad stinkt oft nach Chlor, lustiger Zimmerservice, aber kühle Rezeptionisten (sprechen fast alle nur Arabisch). [4,0/10]
Achtung: sehr aggressiver Stadtverkehr (trotzdem keine Unfälle erlebt), zu hohe Preise auf alles mit Blick zur Zitadelle, kaum aufdringliche Händler aber manchmal nervige Bettel- bzw. Schuhputzerkinder (Khalas, ya walad! Boah Junge: Schluss jetzt! – Hilft aber immer).
Bemerkungen: Wirkte auf mich als reichlich überschätzte Großstadt mit einer schönen Altstadt, die aber streckenweise ziemlich verfallen war und somit auch gegen Damaskus und Hama nicht ankommen kann. Die Neustadt ist teilweise sehr angenehm. Aleppo muss sich aber mit der Zweitklassigkeit abfinden.
Punkte: 6,0/10

27. Dayr Mar Djerdjis:
Bemerkungen: Eines der sehenswerten Klöster Syriens mit zwei Kirchen, großem Innenhof, netten Mönchen und schöner Landschaft mit Blick zum Krak des Chevaliers.
Punkte: 6,0/10

28. Al-Ladhiqiyah (Latakia):
Bemerkungen: Große Vergangenheit hat keine Spuren hinterlassen, aber die neuen Häuser sind meist auf hohem Niveau. Meerlage ist schön. Leute sehr nett. Sicherlich daher sehr schön zum Wohnen, aber zum Angucken gibt es fast nichts.
Punkte: 5,0/10

29. Ma’loula:
Bemerkungen: Malerisches mehrheitlich christliches Bergdorf, jedoch ohne richtig eindrucksvolle Gebäude. Im Kloster ist aber noch ziemlich Leben.
Punkte: 5,0/10

30. Al-Barah
Lohend: Grabtürme.
Nicht so lohnend: Häuser.
Achtung: extrem weitläufig.
Bemerkungen: Eine der halbwegs sehenswerten byzantinischen Städte, lohnt sich auf dem Weg nach oder von Serdjilla.
Punkte: 5,0/10

30. Mushabbak:
Bemerkungen: Prima erhaltene Basilika.
Punkte: 5,0/10

32. Seydnaya:
Bemerkungen: Ein paar schöne Kirchen, ein interessantes Kloster und schöne Berglage. So richtig spektakulär ist der Ort aber nicht.
Punkte: 4,5/10

33. Tell Naby Houry: Kyrrhos
Lohnend: Theater und Blick von der Zitadelle
Bemerkungen: Ruinen sind bis aufs Theater sehr schlecht erhalten, aber die Landschaft ist cool.
Punkte: 4,0/10

34. Qirqbizeh:
Bemerkungen: Eine der mittleren byzantinischen Städte, die auf dem Weg nach Qalb Lozeh lohnt.
Punkte: 4,0/10

35. Shaqqa:
Bemerkungen: Ganz interessanter römischer Gutshof inmitten eines moderneren Dorfes. Man achte auch auf die römischen Fassadenelemente in manchen neuen Häusern.
Punkte: 4,0/10

36. Homs:
Bemerkungen: Moderne und saubere Stadt ohne Sehenswürdigkeiten außer der Khalid ibn al-Walid Moschee. Die Leute sind auch nicht so doof, wie in Syrien gerne behauptet wird...
Hotels: Funduq Qasr Raghdan (Raghdan Palace), 2.500 Pfund pro Nacht/ Doppelzimmer inkl. Frühstück, sehr ordentliche Zimmer, die auf einem Stand sind, wie man es in Deutschland von einem doppelt so teurem Hotel erwarten muss [7,5/10].
Punkte: 3,5/10

37. Ayn Dara:
Halbwegs lohnend: Hügel mit hettitischen Tempelruinen, va. die große Löwenfigur.
Bemerkungen: Eintritt von 75/10 eigentlich noch zu hoch für die geringen baulichen Überreste in halbwegs interessanter Landschaft.
Punkte: 3,5/10

38. Hosn Sulayman
Bemerkungen: Der Zeustempel ist noch recht eindrucksvoll und in sehr schöner Landschaft gelegen. Eintritt geht an den Mann (50 - 100 Pfund sind O.K.), der einen die Ruinen erklärt. Er kann nur Arabisch.
Punkte: 3,0/10

39. Tell Shihab:
Bemerkungen: Hoher Wasserfall (meist dünnes Rinnsaal, im Sommer angeblich oft ausgetrocknet), den man allerdings von unten oder von Jordanien aus am besten sieht und ein paar Ruinen (wohl von Mühlen oder Aquädukten).
Punkte: 3,0/10

40. Bauda:
Bemerkungen: Eine der kleinen byzantinischen Städte.
Punkte: 3,0/10.

41. Refada:
Bemerkungen: Eine der kleinen byzantinischen Städte.
Punkte: 3,0/10.

43. Wadi Barada:
Bemerkungen: Coole Landschaft, aber keine Sehenswürdigkeiten.
Punkte: 3,0/10

43. Bloudan:
Bemerkungen: Coole Landschaft, aber keine großen Sehenswürdigkeiten (nur zwei Moscheen und zwei Kirchen, die nichts Herausragendes sind).
Punkte: 3,0/10

45. Ugarit:
Bemerkungen: Nur Grundmauern, aber immerhin recht hohe, spiegeln die einstige und bis heute zurückzuverfolgende Bedeutung des Ortes kaum wieder.
Punkte: 2,5/10

46. Khirbet al-Umbashy:
Bemerkungen: Häuserstrukturen sind zwar kaum erkennbar, aber die Lage in der einsamen Lavawüste am Rande des Djebel ad-Duruz ist wirklich interessant.
Punkte: 2,5/10

47. Qasr al-Hayr al-Gharby:
Bemerkungen: Bis auf den Wehrturm sehr schlecht erhalten, aber einen Abstecher von der Hauptstraße wert.
Punkte: 2,5/10

47. Qaryatayn:
Bemerkungen: Kleinstadt in der Wüste mit ganz interessantem Kloster.
Punkte: 2,5/10

47. Safita:
Bemerkungen: Interessante Kirche in einem Bergfried, schöne Landschaft und schöne Frauen, aber sonst nichts.
Punkte: 2,5/10

50. Sitt ar-Roum:
Bemerkungen: Eine der kleinen byzantinischen Städte.
Punkte: 2,5/10.

51. As-Suwayda:
Bemerkungen: Moderne Stadt ohne Sehenswürdigkeiten aber guter Infrastruktur.
Punkte: 2,0/10

52. Der’a:
Bemerkungen: Sozialistische Stadt ohne Sehenswürdigkeiten.
Punkte: 2,0/10

53. Amrit:
Halbwegs Lohnend: Haupttempel, Stadion und Grabtürme.
Nicht lohnend: Hurriya-Tempel und Hafen.
Bemerkungen: nicht uninteressante und sehr weitläufige, aber schlecht erhaltene phönizische Stadt mit hellenistischen Elementen.
Punkte: 2,0/10

54. Qatna:
Bemerkungen: Starker Siedlungshügel, aber kaum was aus der Anfangszeit der Stadt erhalten (nur Grundmauern von über 4.000 Jahren Alter). Sonst noch viele byzantinische und mittelalterliche, oft überformte, Gebäuderuinen. Wenn der Grabungsleiter vorbeikommt, ist gut: der kann zwar nicht so gut Englisch (aber richtig Hocharabisch, was mir sehr gelegen kam, Trinkgeld sollte 100 Pfund betragen) aber weiß dafür alles.
Punkte: 2,0/10

55. Ebla:
Bemerkungen: Wenig erhalten, aber wirklich großer Siedlungshügel. Eintritt 150/10 ist völlig überhöht.
Punkte: 2,0/10

56. Al-Beytar:
Bemerkungen: Eine der kleinen byzantinischen Städte.
Punkte: 2,0/10.

56. Mardash:
Bemerkungen: Geringe Reste einer Burg am Rande eines netten Dorfes in schöner Landschaft.
Punkte: 1,5/10

58. Salamiya:
Bemerkungen: Ein paar ganz interessante Moscheen, aber sonst langweiliger Ort.
Punkte: 1,5/10

59. Ar-Raqqa:
Halbwegs lohnend: Stadtbefestigung und Schloss Qasr al-Banat.
Achtung: viele Bettler, sehr dreckige Stadt.
Bemerkungen: Da würde ich mich ungern länger aufhalten. Nur als Stop-over von Dayr az-Zour nach Hama/ Halab (bzw. umgekehrt) lohnend.
Punkte: 1,5/10

60. Ithriya:
Bemerkungen: Nur noch der Tempel ist erhalten, wobei dieser auch sehr gut (bis auf das Dach) erhalten geblieben ist. Das Kastell ist nicht mehr erkennbar.
Punkte: 1,5/10

61. Izr’a:
Bemerkungen: Weitestgehend gesichtsloser Ort mit wenigen alten Gebäuden aus schwarzem Basalt und zwei sehr alten Kirchen, die allerdings innen sehenswerter sind als außen, jedoch nur selten außerhalb des Gottesdienstes geöffnet haben.
Punkte: 1,0/10

62. Tartous:
Bemerkungen: Verdreckt, vergammelt und verschimmelt ist die Altstadt. Meer aber kein Strand. Moderne, saubere Neustadt – diese ist aber langweilig.
Punkte: 0,5/10

W189-SY23: Der letzte Tag in Syrien und die Abreise

The waterfalls: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623544042091/detail/

Izra Churches:
http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623527690347/detail/

Damascus:
http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623526378867/detail/?page=3
DSC04546
Am letzten Tag drängte unser Hotelier noch darauf, dass ich ihm, wenn ich wieder nach Syrien komme, beim Deutschlernen helfe. Danach fuhren wir wieder gen Süden und kamen bald in Izr’a an. Dort steht die älteste, noch für Gottesdienste genutzte Kirche Syriens. 515 errichtet, kann man bei der Georgs-Kirche auch noch den alten Baustil – trotz diverser Renovierungen – erkennen. Bei der benachbarten und nur unwesentlich jüngeren Eliaskirche ist das schon schwerer. Beide sind leider meist verschlossen – außer zu Gottesdiensten halt. Schlimm, dass das genauso wie in Deutschland gehandhabt wird, da sie Innen sehenswerter sind als Außen. Zu finden sind sie übrigens in Sichtweite einer neugebauten Kirche: wenn man im Ort von Damaskus aus reinkommt und dann links von der Moschee fährt, steht da eine ganz neue Kirche und nördlich davon ist das bisschen Altstadt, was mittlerweile nur am Rande der wild und planlos gewucherten Kleinstadt Izr’a steht, zu sehen.

Weiter nach Der’a, was der 12. Bezirk, den wir besuchten, war. Es gibt in Syrien 14 (Muhafaza genannte) Bezirke, von denen wir nur Al-Hasakeh und Al-Qunaytra nicht besuchten. Die Bezirkshauptstadt Der’a ist sehr von Plattenbauten, die allerdings meist in einem recht ordentlichen oder wirklich guten Zustand sind, geprägt. Dazu die ganzen Wandmalereien, Mosaike und Plakate von Hafiz und Bashar Al-Assad und der Ba’ath-Partei und der ältere Mitbürger wähnt sich in der DDR der 1970er Jahre.

Wir fuhren weiter nach Tell Shihab, wo sich ein Nebenfluss des Yarmouks in Sichtweite zu Jordanien (das 10km entfernte Der’a hat einen wichtigen Grenzübergang ins haschemitische Königreich) in ein tief eingekerbtes Tal stürzt, was im benachbarten Dorf Zayzoun sogar noch eine viel eindrucksvollere Schlucht bildet. In Zayzoun floss dann sogar das Wasser bergauf. Ja, das geht! Könnt ihr euch ja auf den Bildern angucken, zu denen ihr z.B. durch klicken auf das unter diesem Abschnitt platzierte Bild der Yarmouk-Schlucht gelangt!
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Zurück in Damaskus fuhren wir erst in den Vorort Sayyida Zaynab, wo die gleichnamige Moschee, die den Schiiten als Heiligtum gilt, steht. Dort wähnt man sich mal nicht in der DDR, sondern viel mehr in der Islamischen Republik Iran. Nicht nur der unheimlich prunkvolle Baustil – Innen z.B. ist die Moschee bis in die Kuppel hoch bunt verspiegelt, was ich in keinem anderen Gotteshaus in der Form gesehen habe und selbst der prunkvollsten Barockkirche noch Konkurrenz machen kann – ist dafür ausschlaggebend. Man darf zwar auch außerhalb der eigentlichen Touristenbesuchszeiten (9.00-12.00) als Nichtmuslim hinein, aber im Gegensatz zu den meisten anderen Moscheen Syriens, wird hier darauf geachtet, dass man den richtigen Eingang (nach Männern und Frauen getrennt) nutzt, dass man nicht fotografiert oder filmt und auch, dass man nicht als Mann in den Frauenbereich, der durch einen verzierten Zaun abgetrennt ist, geht – oder umgekehrt. In der Umayyaden-Moschee ist diese Trennung ja nur symbolisch durch hüfthohe Absperrungen mit Seilen und Kordeln, wie man es sonst eher aus der Lobby von Luxushotels (da, wo der Wächter oder Page am Rand herumsteht und der rote Teppich dazwischen liegt) kennt. In letzterer guckten wir auch noch mal kurz vorbei, wobei wir leider mit einem Touristenstrom ankamen, weswegen wir diesmal vom Aufseher zum Kassenhäuschen gebeten worden. Da das Saladinsmausoleum auch diesmal geschlossen war, gingen wir doch weiter und sahen uns noch ein bisschen in der Altstadt um.

Nachdem wir auch noch mal auf dem Qassiyoun waren, fuhren wir zum Flughafen. Dort bewies sich wieder einmal, dass zwar die Ängste einiger Urlauber vor dem Zoll „solcher Länder“ unbegründet ist – wer keine Drogen, Altertümer oder Steine im Reisegepäck hat, der wird auch nicht festgenommen: und nur der Dümmste kommt in diese Situation, wo ihm etwas untergeschmuggelt wird. Doch das Ein- und Abreisen ist in Syrien stets das Unangenehmste: erst war der Spast von Europcar nicht da, sodass ein Busfahrer von Europcar sich um die Rückgabe des Wagens kümmern musste – was überhaupt nicht seine Aufgabe ist, jedoch von ihm und dem Parkwächter sehr hilfsbereit erledigt wurde – und dann sind auf diesem scheiß Flughafen echt nur unfreundliche Bedienstete da. Wenigstens haben die kriminellen Taxifahrer Zutrittsverbot zur Eingangshalle. Da achtet schon die unfreundliche Polizei drauf. Erst im innersten Bereich hat man dann manchmal freundliche Leute: ab und an sagt auch ein Zöllner mal was anderes, als ein barsches, mit schlecht gelauntem Gesichtsausdruck garniertes „Passports“.
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Die Kontrollen waren lasch wie immer – man braucht weder eine Ausreisesteuer zu entrichten, noch muss man alles syrische Geld abgeben (genaue Regeln zur Ausfuhrmenge hängen dort irgendwo in schlechtem Englisch aus), den Gürtel zieht niemand vor der Röntgenkontrolle aus und den Laptop nimmt niemand aus der Laptoptasche. Als wir nach einem normalen Flug, wo wir uns gut mit einem syrischen Geschäftsmann auf dem Weg nach Stuttgart unterhalten konnten, in Prag landeten, sah ich mich dann wieder in meiner Abneigung gegen tschechische Zoll- und Polizeibeamte bestätigt, die noch unfreundlicher als die syrischen waren und außerdem auch noch jeden Passagier auf jede Kleinigkeit kontrollierten. Mehr als lächerlich, bei einer kleinen Passagiermaschine wie der dreckigen, altmodischen, zweimotorigen Propellermaschine, die nicht einmal 50% ausgelastet (= knapp 30 Fluggäste) war. Wenigstens waren wir so schnell in Berlin. Nächstes Mal in die Tschechische Republik wird aber natürlich das Auto genommen. Das Geräusch der Rotoren und die durch die Bauart bedingten andauernden Vibration der gesamten Maschine war auch schnell wieder aus den Ohren. Aber mit so einem altmodischen Flugzeug war ich noch nie geflogen. Trotzdem ist Czech Airways eine gute Fluggesellschaft – man sollte sich nur von deren Cargoflügen fern halten, die in Schwarzafrika von besoffenen russischen Piloten zu ausbeuterischen Löhnen in den Dschungel gesetzt werden. An solchen unsauberen Geschäften sind auch viele andere namhafte Fluggesellschaften beteiligt.

Das nächste Mal nach Syrien wird sicher zu einem Auslandsstudienaufenthalt sein. Da lohnt sich eigentlich schon, mit einem eigenen Auto runter zufahren, da man sich noch ein paar Sachen auf dem Weg in Serbien oder Rumänien und Bugarien sowie Türkei ansehen kann und dann in Syrien ohne Auto sich immer auf Kommilitonen und deren Fahrzeuge verlassen muss. Nicht schlecht also, wenn man dann mit seinem Wagen die Fahrgemeinschaft anführt – und nicht auf z.B. den knallbunten Isuzu von Familie Barish vertrauen muss...
Auf Czech Airways werde ich wohl mal Richtung Russland, Armenien oder Kasachstan zurückgreifen.
Erstmal griffen wir wieder auf Hertz zurück, deren Golf-Mietwagen One-Way so viel kostete, wie vier Tage Nissan Sunny für Syrien, aber uns ohne Probleme nach Merseburg zurückbrachte.

Statistik:
Tageskilometer: 3.580 (3.000 (Flug), 390 (Auto in Syrien), 190 (Auto Berlin - Merseburg))
Saisonkilometer: 29.330 (18.890 Auto/ 6.000 Flugzeug/ 2.320 öffentliche Verkehrsmittel/ 2.120 Fahrrad)

W189-SY22: Zickzack durchs Drusengebirge

Lava desert: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623667972642/detail/ Hauran Roman Ruins: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623527578917/detail/ Das Kartenmaterial von Syrien ist nicht für jeden Landesteil gleichermaßen schlecht, doch neben dem dicht besiedelten Westteil des Landes, ist der Südteil der am schlechtesten erfasste Bereich. Welch ein Schwachsinn auf diesem bunt bedruckten Klopapier von Syrienkarte steht, bekamen wir dann zu spüren, als wir aus Versehen die Auffahrt zur Autobahn nach Der’a erwischten. Wir fuhren in Dayr ’Aly ab, da eine Verbindung zur Überlandstraße nach Suwayda eingezeichnet war. Schnell noch Getränke gekauft und dann versucht die Verbindungsstraße zu finden. Mal abgesehen davon, dass der Streckenverlauf nicht stimmt und es immer viel mehr Straßen gibt als eingezeichnet: man kommt von Dayr ’Aly nicht einfach zur Straße Damaskus – Suwayda rüber, da das ganze Gebiet mit Manövergeländen, Panzerstellungen und anderem militärischen Kram zugestellt ist. Die als normale Nebenstraße in die „Reise Know-how“ - Karte eingezeichnete Strecke ist nur mit Passierschein der Armee befahrbar. Tolles Know-how! DSC04468 Bis Dayr ’Aly zurück und dann auf die Autobahn drauf und in Kiswah ab, wo man problemlos an weiteren Panzerstellungen vorbeifahrend die Verbindungsstraße auf die Hauptstrecke Damaskus – Suwayda findet. 50km Umweg waren das, weil dieser scheiß Verlag eine militärische Straße eingezeichnet hat! Doch mit Umwegen sollte noch lange nicht Schluss sein, denn im ganzen Bereich des Djebel ad-Duruz (oder Djebel al-’Arab: je nach Version Drusen- bzw. Arabergebirge) kann man sich diese ganze Straßenkartenscheiße vergessen. Da stimmt kaum ein Streckenverlauf, kaum ein Ort ist eingezeichnet, die Straßenklassifizierung ist nur teils richtig und die wenigen Orte, die eingezeichnet sind, sind als vage Punkte eingezeichnet, wo sich oft herausstellt, dass eine angebliche Durchgangsstraße kilometerweit an dem Ort vorbei führt. Zudem kommt hinzu, dass die Beschilderung im ganzen Bezirk As-Suwayda unter aller Sau ist. Beschissener ist nur noch der Bezirk Tartous. Shahba war allerdings dann noch ohne Probleme zu finden. Dieser Ort ist nach Bosra der zweitsehenswerteste im Süden Syriens. Hier findet man ein Theater, das sehr gut erhalten und teils auch restauriert ist und ein ziemlich eindrucksvolles Forum, zu dem eine Straße mit römischem Pflaster führt. Dann noch einen kleineren, gut erhaltenen Tempel, auf dessen Mauern man herum steigen kann, was einem einen guten Blick über den Ort verschafft und einen früher wohl mal größeren Tempel, der nur noch ein paar Säulen vorzuweisen hat. Außerdem gibt es Thermen und zwei Stadttore. Wir fuhren nach Shaqqa, wo man mitten im Ort auf ein römisches Gutshaus stößt, was eine sehr schöne Fassade aufweisen kann. Auch umliegende, in dem berühmten schwarzen Basaltstein, der dem Bezirk und seiner Hauptstadt ebendiesen Namen „Die Schwarze“ => As-Suwayda einbrachte, gebaute Häuser, erhalten einige Details wie Blumengirlanden und Sonnenräder aus römischer Zeit. Der etwas abseits des Gutshofes stehende Turm ist wohl einer frühchristlichen Kirche zuzurechnen. DSC04375 Durch die unmögliche Karte und die Straßenführung ging es weiter nach Qanawat, wo wir am Anfang der Reise schon einmal waren und die Hauptsehenswürdigkeit nicht gefunden hatten. Jetzt folgten wir einfach den irreführenden Wegweisern „Symposium“ und landeten tatsächlich vorm Serail und dem Kirchenbezirk. Der Kassenwart trug da Schlips und Kragen: sehr freundlich, der Mann, aber das mit dem seriösen Auftreten scheint der etwas zu ernst zu nehmen... Die Fassade des Serails ist sehr eindrucksvoll. Die Türen der äußeren Fassade sind alle mit Weinranken und christlichen Kreuzen verziert – die Türen des Hauptgebäudes innen tragen viele Swastika. Im Altarraum einer der Kirchen stehen Kerzen. Von einem Gebäude steht nur noch ein bizarrer, hoher Mauerrest – von einem anderen Gebäude noch sehr regelmäßige Säulenreihen. In einer geöffneten Gruft finden sich einige, teils aufwendig verzierte Steinsärge. Dem römischen Pflaster folgend, die wenigen Wegweiser bis At-Tayyibeh beachtend und danach an jeder Wegekreuzung anhand der Himmelsrichtung den Weg ratend, kommt man irgendwann in Burek (Nachbarort von Al-Djunayna) an. Dort muss man sich rechts halten und dann einer unbeschilderten, östlich ortsauswärts führenden Straße folgen. Nach wenigen Kilometern stehen rechts und links der Straße die Reste von Vulkanen an. Überall sind Faust- bis Kopfgroße, tiefschwarze Vulkansteine zu finden. Irgendwann taucht aus dem Nichts eine kleine Schule in wirklich gutem baulichen Zustand mit einem prima Basketballplatz auf. Wo die Schulkinder für die Anlage herkommen sollen, weiß ich allerdings nicht... Nach 30km Fahrt hört die gut asphaltierte Straße, von der auch die ein oder andere Asphaltpiste abführte, schlagartig auf und führt als unbefestigte Piste weiter. Hier stellten wir das Auto ab, liefen durch ein Wadi, was kaum Wasser führte, und kletterten durch die Wüstung Khirbet al-Ummbashy (aus Burek kommend rechts der Straße). Dort sind nur minimale Gebäudereste einer an ein Lava- und Geröllfeld gebauten, vermutlich bronzezeitlichen (also ca. 4.000 Jahre alten) Siedlung, die sich kaum von den natürlichen Felsformationen unterscheiden, zu finden. Die Landschaft ist allerdings schon interessant. Lavawüsten gibt es nur wenige auf der Welt, wobei das Kerngebiet dieser syrisch-jordanischen Lavawüste der Djebel as-Safa ist, den ich irgendwann einmal sicherlich auch besuchen werde. Die spektakulärste Sehenswürdigkeit neben der Landschaft des Djebel as-Safa ist auch nicht die Wüstung al-Ummbashy, sondern die Reste eines umayyadischen Schlosses. Ja, selbst in diese Landesecke haben die Umayyaden eine Schlossanlage gebaut! DSC04510 Ohne größere Navigationsschwierigkeiten fanden wir ohne Karte nach Damaskus und ohne Stadtplan bis zum Mat’am Masry und dem Funduq Qasr Randa. Statistik: Tageskilometer: 430 (Auto) Saisonkilometer: 25.750 (18.310 Auto/ 3.000 Flugzeug/ 2.320 öffentliche Verkehrsmittel/ 2.120 Fahrrad)

W189-SY21: Die wohl schönste Burg der Welt – und: zurück in die Hauptstadt

Homs: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623668168224/detail/

KRAK DES CHEVALIERS:
http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623543889837/detail/

Nach dem guten Frühstück in Homs schauten wir uns noch etwas die Innenstadt dieser mit ihren vielleicht 900.000 Einwohnern dritt- oder viertgrößten (etwa gleichgroß wie Hama) Stadt Syriens an. Dort gibt es etliche Moscheen, von denen die Khalid ibn al-Waliyd Moschee, in der der Feldherr auch aufgebahrt liegt, die größte und eindrucksvollste ist. Auch mehrere Kirchen sind zu finden, wobei viele sehr modern und mitunter ziemlich unattraktiv gestaltet sind. Die Straßen sind übrigens auffällig sauber: der Lebensstandard ist hier höher, als in vielen anderen Landesteilen. Die Leute sind auch gar nicht so doof, wie andere Syrer immer behaupten.
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In weniger als einer Stunde ist man von Homs aus an der möglicherweise schönsten Burg der Welt: das Krak des Chevaliers bzw. Qal’a al-Hosn gehört definitiv zu den größten und bedeutendsten Wehrbauten der Welt. Sie wurde um 1030 errichtet und Kreuzfahrer und Araber wechselten sich in ihrer Besitzschaft mehrmals ab, was stets Ausbauten zur Folge hatte. 1267 landete die Burg endgültig bei den Arabern, als Sultan Baibars die fanatischen Glaubenskämpfer aus dem Abendland zur Aufgabe bewegte.
Wenn man reingeht, wird man von ein paar Guides und Verkäufern belagert, doch hinter dem Eingang zum ersten Pferdestall (Stable) ist Ruhe. Dort sind dann nur mitunter recht viele Touristen. Die Burg hat zwei Hauptebenen: die Kernburg und die darum herum gelegte Ringburg, die beide in regelmäßigen Abständen mit Türmen bewehrt sind. Die Anlage ist recht verwinkelt mit vielen langen Gängen, die im Wechsel mit Pechnasen und Schießscharten bewehrt sind. Man findet auch viele Säle mit hohen Gewölben vor. Schöne romanische Fensterverzierungen gibt es außen an in einem, derzeit innen wegen Sanierungsarbeiten nicht zugänglichen, in der Kernburg gelegenen Saal. Im Raum, der als Moschee genutzt wurde, erinnert nur die Kanzel an die Funktion, die sie nach der arabischen Eroberung hatte. Der Erhaltungszustand ist hervorragend. Romantische Überformungen sind zum Glück ausgeblieben. Die baulichen Veränderungen der Neuzeit waren und sind allesamt notwendige Sicherungsmaßnahmen.

Die umliegende Landschaft ist grün und angenehm. Im Dorf Qal’a Hosn gibt es fünf Moscheen, eine Kirche und drei Kleinfeld-Fußballplätze. Eine große Kirche ist derzeit im Bau befindlich – und selbst an diesem Sonntag arbeiteten ein paar Leute an den Fundamenten. In den nahegelegen Orten sind dann die Kirchen in der Mehrzahl. Bei einigen der christlichen Bauten muss man sagen, dass man in Deutschland in einem vergleichbar kleinen Ort selten so einen großen Bau findet. In Dayr Mar Djerdjis findet man dann sogar ein Kloster, das in den letzten Jahren saniert und ausgebaut wurde. Dort wird einen bereitwillig von den freundlichen Mönchen die alte Kirche, eine Grotte mit zwei Taufbecken, mehreren mittelalterlichen Säulen und Ikonostasien, aufgeschlossen. Die neue Kirche mit vergoldeter Kuppel und hoher Ikonostasenwand steht meist ohnehin offen.
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Wir fuhren wieder auf die Autobahn auf und nach Damaskus. Wir übernachteten wieder im Qasr Randa und aßen im Mat’am Masry. Somit waren wir wieder am Ausgangspunkt unserer Syrienreise. Die beiden Tage danach sollten uns auch wieder in den Hauran, dessen Hauptsehenswürdigkeit Bosra wir aber schon kannten, führen.

Statistik:
Tageskilometer: 290 (Auto)
Saisonkilometer: 25.320 (17.880 Auto/ 3.000 Flugzeug/ 2.320 öffentliche Verkehrsmittel/ 2.120 Fahrrad)

W189-SY20: Aus 30 mach 300: Der lange Weg von Hama nach Homs

Homs and Qatna: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623668168224/ Safita and Hosn Sulayman: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623542946741/ Nach dem Auschecken und Frühstückkaufen in Hama, fanden wir erst nach einigen Malen falsch abbiegen den Weg nach Hosn Sulayman. Dort bewacht ein freundlicher Mann, der einen alles Wichtige für ein Trinkgeld (Tipp: 50-100 Pfund pro Person) erklärt (jedoch nur auf Arabisch), den Tempelbereich, der sich in zwei Gebäude teilt: einen kleinen Tempel, über den wenig bekannt ist, und einen großen, Zeus geweihten Tempel von 130 x 85m Seitenlänge. Die enorm großen Steine wurden wohl mit Flaschenzügen und Rolllagern bewegt - und die Abdrücke an der Treppenmauer zum Haupttempel stammen von einer nicht mehr vorhandenen Figur: die beiden großen von den Füßen, der kleine runde vom Speer. Es finden sich übrigens phönizische, griechische, römische und byzantinische Elemente in Hosn Sulayman. Im modernen Ort natürlich auch arabische, vor allem mit der kleinen, jedoch trotzdem den Ort überblickenden, neuen Moschee. DSC04120 Die Landschaft um Hosn Sulayman herum ist mit ihren grünen, Baum bestandenen Bergen und spektakulären Felsen sehr schön. Ebenso die Gegend von Safita. In Safita selbst gibt es nicht viel zu sehen außer attraktiven Syrerinnen, die sich so kleiden wie die Damen bei uns in Europa auch – und natürlich einen Bergfried der Befestigungsanlage, in der eine Kirche untergebracht ist. Die Anzahl der Kirchen ist in Safita deutlich höher, als die Anzahl der Moscheen. Und nicht nur die Kirche im Bergfried ist höher, als die höchste Moschee. In al-Mashrafah befindet sich die alte Königsstadt Qatna, die möglicherweise von den Amurritern gegründet wurde und jedenfalls vor 4.000 Jahren ein wirtschaftlich und politisch bedeutendes Stadtkönigreich war. Nach einem kurzen Rundgang durch die Ruinen, die hauptsächlich neueren Datums sind, da die Bebauung, die die jahrtausende alten Gebäude überformte, 1994 geräumt wurde, bekamen wir von einem der Grabungs- und Restaurierungsverantwortlichen des syrischen Archäologenteams (es befassen sich auch ein italienisches Team aus Udine und ein deutsches aus Tübingen mit der ausgedehnten Anlage) Gesellschaft. Der führte uns herum, zeigte seine Arbeit an historischen Gefäßen und lud uns schließlich ins Museum zu ein paar Gläsern Tee ein. Er gab sich auch wirklich Mühe, da sein Englisch nicht so gut war, mit mir Arabisch zu sprechen – und zwar Hocharabisch, was auch für einen Araber recht anstrengend ist. Aber so hatte ich endlich mal die Anwendung für Vokabeln, die man im Unterricht eher für alltagsfremd gehalten hat. Ohnehin hatte ich schon in Hosn Sulayman gemerkt, dass es gar nicht falsch war, sich auch solche Vokabeln wie Speer (ramh: رمح) zu merken – gerade das Wort für „Speer“ hatte ich bisher kein einziges Mal irgendwo vernommen, aber war in diesem Zusammenhang essenziell fürs Verständnis der Erklärung des Bediensteten. In Homs, was 30km Autobahn von Hama entfernt liegt – aber wir wollten ja noch andere Orte sehen, weswegen wir an diesem Tag 300 Kilometer fuhren – fanden wir nach kurzem Suchen die Straße mit den vielen Hotels: die Lonely Planet – Warnung vor den schlechten Budget-Absteigen nahmen wir ernst. Diesmal mieden wir sogar die mit Einschränkung empfohlenen Billighotels und nahmen das „Funduq Qasr Raghdan“ (قصر رغدان) was mit fast 40€ pro Nacht im Doppelzimmer zu buche schlägt. Doch die Bude mit ihrer schönen Fassade hält auch Innen, was sie verspricht: die Zimmer sind gut ausgestattet und von akzeptabler Größe, Frühstück ist inklusive und das Bad das Beste, was wir auf der ganzen Reise hatten. Das Hotel war allerdings auch doppelt bis dreifach so teuer, wie jedes andere Hotel, in dem wir auf der Reise übernachteten. Der Tipp im LP, man solle auf das „Lord’s“ oder „Safir“ „upgraden“ ist übrigens bescheuert: die kosten ja drei Mal so viel, wie das „Raghdan Palace“! Im Hotel schauten wir noch die zweite Halbzeit von Taraji Tunis gegen Najm As-Sahely Sousse (1. tunesische Liga). Eine Bank zum Geldwechseln war gleich benachbart, aber nach einem Restaurant suchten wir dann vergeblich, sodass wir in einem Schnellimbiss ein Hähnchen mit Fladenbrot, Pommes und Pepsi mitnahmen. Das aßen wir vor der Khalid ibn al-Waliyd Mosche. Dieser bedeutende arabische Feldherr stammte aus Homs, hatte sich erst gegen Mohamed gestellt, doch dann den Islam angenommen und die muslimischen Truppen mit taktischem Geschick von Sieg zu Sieg geführt. Darum ist vor allem in Homs Etliches nach ihm benannt, wie ebendiese Moschee, aber auch eine Straße, ein Platz, ein Sportverein und das große Stadion, in dem die beiden Erstligisten, deren Flaggen in der ganzen Stadt (vor allem in vielen Läden) herum hängen, wobei das orange-blau von Al-Karameh klar gegenüber dem rot-weiß von Al-Wathbah dominiert, spielen. Da der Geburtstag des Propheten Mohamed (Maulid an-Naby) gefeiert wurde, war heute viel Auftrieb und die Predigt wurde per Lautsprecher auf die Straße übertragen. Ein freundlicher Mann kümmerte sich um seine Glaubensbrüder ebenso wie um uns. Er brachte uns nach einem kurzen Blick auf die fettigen Hähnchen und Pommes, die wir mit den Händen aßen, Wasser zum Händewaschen aus dem Brunnen der Moschee und gab uns je ein Glas Tee aus. DSC04176 Statistik: Tageskilometer: 300 (Auto) Saisonkilometer: 25.030 (17.590 Auto/ 3.000 Flugzeug/ 2.320 öffentliche Verkehrsmittel/ 2.120 Fahrrad)

W189-SY19: Bei den Byzantinern in Serdjilla, den Umayyaden in Idlib und den Freunden in Saraqib

Umayya Idlib (أمية الإدلبي) - Al-Majd Dimashq (المجد الدمشقي)
Freitag, 12. März 2010 - Anstoßzeit 14.30
Daury As-Suriyy Al-Mukhtarafiyn (دوري السوري المخترفين); Syrische Profifußballliga
Ergebnis: 1:0 nach 95 Min. (46/49) - Halbzeit 0:0
Tor: 1:0 46. ’Amar Zakkour
Verwarnungen: Aly Diyab, Mustafa Qatarmiys (beide Al-Majd)
Platzverweise: keine
Spielort: Mal’ab Al-Balady (ملعب البلدي/ Stadtstadion, Kap. 7.500 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 4.000 (keine Gästefans?)
Spiel: 6,0/10 (In der 2. Halbzeit klar besser mit vielen Chancen für die Umayyaden)
Sightseeing: 8,0/10 (Schöne Landschaft mit eindrucksvollen und ausgedehnten Ruinen)
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Dead Cities: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623664212610/detail/

UMAYYA vs AL-MAJD: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623667770088/detail/

Der scheiß Wecker hatte sich automatisch auf die deutsche Zeitzone verstellt und weckte uns eine Stunde später, als erwünscht. Alles in allem war das aber kein Problem: wir kamen noch früh genug nach Serdjilla. Diese Stadt gilt als die größte und besterhaltene der Toten Städte. In der Tat füllt sie gut einsehbar ein ganzes Tal und viele der Häuser, vor allem das Haupthaus und der Gasthof, sind in einem beeindruckend guten Zustand. Viele der Türstürze waren auffällig schön gestaltet. Für diese Anlage waren 75 Pfund angemessen, Studenten durften sogar gratis rein. Die Beschilderung war übrigens ausgesprochen informativ und in fehlerfreiem Englisch. Das Französisch und Arabisch daneben war sicherlich auch korrekt. In ganz Syrien hatte ich keine solchen Informationstafeln auf diesem Niveau erlebt. Nur Qatna und Masyaf waren noch ähnlich gut.

Im nahegelegenen Al-Barah gibt es dann eine sehr ausgedehnte aber weniger gut erhaltene byzantinische Stadt zu sehen. Die Highlights sind die beiden Grabtürme, die mehrgeschossig, nach oben verjüngend überdacht und mit Friesen und Säulen verziert sind. Zwischen den Ruinen picknicken Familien, hüten Bauern ihre Schafe und spielen Kinder Fußball.

Fußball ist dann das richtige Stichwort, denn für uns ging es weiter nach Idlib. Dort stand das Erstligaspiel des 8. von 14. – Umayya Idlib, die, wie schon zuvor erwähnt, nach der Dynastie der Umayyaden benannt sind – gegen den 3. – Al-Majd aus Damaskus – an. Al-Majd heißt übrigens „Der Ruhm“ oder „Die Glorie“. Die Glorreichen wollen an Al-Jaish und Al-Karameh vorbei zum Meistertitel und waren also favorisiert gegen das Mittelfeldteam, was zu Beginn der Saison einen tollen Lauf hatte und mehrere Spieltage lang die Tabelle anführte. Das Hinspiel hatte Umayya 2:1 gewonnen.

Wir hatten uns in den Hintertorbereich gesetzt. Um uns herum waren viele kleine Kinder, die mit ihren Vätern ins Stadion gegangen waren; hinter uns zum Beispiel einer mit vier Jungen und zwei Mädchen im Schlepptau, die alle unter 10 Jahre alt waren. Somit hatten wir den Hauptsupportbereich gut im Blick, wo auch der Trompeter, der Trommler und der Einheizer prima die Rhythmen wie „Un, dos, tres: Olé, olé, olé“ oder „insha allah: yallah, yallah“ vorgaben. Die Stimmung war dank des prallgefüllten linken Haupttribünendrittels wirklich gut. Gästefans schien es keine gegeben zu haben. Außerhalb des Stadions saßen auch noch einige Zuschauer auf ihren Balkonen und Dächern: zwei Männer machten es sich auf ihrem Dach mit einem Sonnenschirm und Plastestühlen bequem – eine junge Frau guckte mit einem Kleinkind im Arm von ihrem Balkon aus zu. Zwei Reihen hinter uns saß übrigens noch ein türkischer Groundhopper, der die Visumsfreiheit für Türken auf diese Art auskostete.
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Nach einem erneuten Sieg für Umayya sah es in der ersten halben Stunde nicht aus. Bis auf zwei Male nur Al-Majd vorm Tor – mehrmals musste der Ersatztorwart Samer Hamdany (Djihad al-Agha wurde nach den viel Streit auslösenden Fehlern im Spiel davor auf die Bank gesetzt) klären, was er auch hervorragend tat. Dann nach 30 Minuten mal ein Pfostentreffer für Umayya, der eine Weckfunktion zu haben schien. Sie rissen nach und nach das Spiel an sich, was nach der Pause, in der Kinder auf dem Feld kickten und übrigens ungewöhnlich viele Menschen beteten – das waren keine Massen, aber mit etwa 15 Leuten viel mehr als in den anderen Stadien: der Stadionsprecher eröffnete hier auch seine knappe Moderation mit Bismillah ar-Rahman ar-Rahiym (Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Gnädigen) – mit dem goldenen Tor der Partie belohnt wurde. ’Ammar Zakkour erzielte aus über 20 Metern mit einem leicht aufsetzenden Schuss ins Eck, den der Torwart hätte haben können, aber zum Glück nicht zu fassen bekam, das 1:0. Mehrere Zuschauer waren über den Zaun gesprungen und feierten. Jetzt ging auch ein paar Minuten lang das ganze Stadion mit.
Auch danach stellte sich Umayya nicht hinten rein, wie sie es gegen ’Afrin taten, sondern spielten offensiv weiter, was sie zwar in der Abwehr ab und an in Gefahr brachten, doch Torwart Samer Ram Hamdany fischte alles prima vor der Linie ab. Die Chancen zu einem klareren Sieg – ein 2:0 oder 3:0 wäre in Ordnung gegangen – vergaben die Umayyaden dann leider alle. Vor allem der schwarzafrikanische 19er verstolperte fast jeden Ball... Unglaublich, so viel Unfähigkeit! Aber nach einiger Nachspielzeit und einer letzten Ecke für Al-Majd, pfiff der Schiri ab.

Ein verdienter Sieg für Umayya, der sogleich einen Platzsturm von mindestens 200 Leuten auslöste, die friedlich ihre Mannschaft feierten. Da wurden Spieler auf die Schultern gehoben und umarmt – das ist mal fannaher Profifußball!
An unserem Auto trafen wir dann noch den Einheizer wieder, der uns sofort wiedererkannte (vom Spiel bei ’Afrin) und begrüßte. Dann ging es für uns zum Restaurant Mashwar auf der Bezirksgrenze zwischen Idlib und Halab, wo ’Amar schon auf uns wartete. Der gab uns gleich mal Idlib-Eis (Vanille-Eis mit Weizenstärke, Milch und so etwas ähnlichem wie Rosenwasser) aus und holte Saa’d heran. Die beiden hatten wir ja eine Woche zuvor beim Spiel von Saraqib gegen Murik kennengelernt. Saa’d überredete uns, mit zu sich nach Hause zu fahren, wo wir dann auch seine Familien – Vater, Mutter, Cousins, Bruder – kennen lernten. Sein älterer Bruder holte dann sehr leckere Hühnchen-Wraps und Süßigkeiten vom nächsten Imbiss. Wir hätten auch auf deren Wunsch bei ihnen übernachtet, wenn wir nicht alle Sachen in Hama gehabt hätten. Wirklich sehr angenehm, wie gastfreundlich Familie Bariysh ist!
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Statistik:
Ground Nr. 402 (ein neuer Ground; diese Saison: 71 neue)
Sportveranstaltung Nr. 966 (diese Saison: 108)
Tageskilometer: 330 (Auto)
Saisonkilometer: 24.730 (17.290 Auto/ 3.000 Flugzeug/ 2.320 öffentliche Verkehrsmittel/ 2.120 Fahrrad)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 53
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 189

W189-SY18: Durch Syriens grünen Westen II; von Hama über Masyaf nach Tartous und wieder zurück

Castles I: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623542378491/

Castles II:
http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623542946741/detail/?page=2 (See page 3 as well)!

Eine weitere unserer Touren in das westliche Bergland (zwei weitere folgen noch, jedoch lassen wir viele kleine Sehenswürdigkeiten wie kaum erhaltene und versteckt liegende Burgen oder Bergdörfer mit schönen Gebäuden aus: in West-Syrien gibt es besonders viel zu entdecken) führte uns zuerst nach Masyaf.
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Masyaf ist eine versiffte Kleinstadt mit Plattenbauten, Bauruinen, kleinen Betonhäusern und einfachen Moscheen – man achte auch, von Süden kommend, auf den völlig vergammelten, aber gerade noch so bespielbaren Fußballplatz der Amateurmannschaft von Masyaf (allerdings wird derzeit etwas daran gebaut, die Anlage könnte also aufgewertet werden). Das einzige Highlight des Ortes ist eine Burganlage der Ismailiten, die allerdings auch andere Bauphasen (byzantinisch, osmanisch usw.) erlebte. Und die Burg hat es in sich! Dank der Aga Khan Stiftung ist die Anlage in einem wirklich guten Zustand: fast jeder Raum begehbar, kaum Schutt oder Baustoff und völlig ausreichende und wenig auffallende Sicherungen – ich habe in Syrien noch nicht eine Burg gesehen, die derart gut gesichert war: noch „europäischer“ als Marqab. Der Abenteuerfaktor geht trotzdem nicht ganz verloren, denn in einigen Räumen – die Burg ist in Teilen tief in den Berg gebaut, sodass sie auch extrem verwinkelt und sehr weitläufig auf mehreren Ebenen verteilt ist – ist man ohne Taschenlampe wirklich blöd dran und muss auch mal unter nur hüfthohen Durchlässen hindurch steigen. Der Blick von der Burg ist nicht schlecht, wobei man ihn auch von mehreren Ebenen aus hat: die höchste Ebene ist dann mit Beton versiegelt.

Weiter ging es durch die schöne Berglandschaft, in der wir einen Frühstücksstopp an einer Imbissbude einlegten. Imbissbude heißt in Syrien ein mit Wellblech überdachter, gartenhüttengroßer dreiseitiger Steinbau, in dem sich ein Ofen mit offenem Feuer befindet, wo eine Bauernfamilie Brotfladen mit Gemüse, Gewürzen und anderem belegt, was eine Art arabische Pizza bedeutet. Zu trinken gibt es stark gesüßten Tee. Die Leute sind ausgesprochen freundlich. Wir sitzen auf Plastehockern neben der Straße, auf der alle drei Minuten vergammelte, rußende und stinkende LKWs mit 15 km/h vorbeifahren – alle 30 Sekunden kommt ein Moped mit ein bis vier Leuten, von denen 98% keinen Helm tragen; nur alle 2 Minuten fährt mal ein Auto vorbei. Nach einer Weile trottet eine Kuh knapp neben mit vorbei und versucht die Straße zu verstellen, was der Besitzer des Imbisses aber zu verhindern weiß. Der Bauer, der die Viecher hütete, kam in der Zwischenzeit auch schon an.

Zur Mittagszeit sind wir in Tartous. Den Leuten von der Küste wird in Syrien immer eine besonders gechillte Haltung nachgesagt. Generell stellt man schon ab dem Bergland 20km westlich von Hama, Homs und Jisr ash-Shurghur fest, dass die Männer hier durchweg europäisch herumlaufen, sich auffällig die Haare stylen, wie in Hama, Dayr az-Zour oder Halab kein einziger, und besonders gut drauf sind und nur etwa 10% der Frauen und Mädchen Kopftuch tragen. Doch auch die Frauen, die eins tragen, streichen nicht selten mit Schminke, engen Jeans und Blusen ihre Attraktivität heraus. Gesichtsschleier sind in den Bezirken Tartous und Al-Ladhiqiyah wohl völlig unbekannt. Hier trifft man eher eine junge Kleinstadtschönheit mit offenen, langen Haaren, riesigen Ohrringen, kurzem Rock und hohen Absätzen an.
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Zurück zum Sightseeing: da gibt es in Tartous leider nichts Nennenswertes. Ich habe mal Bilder vom Stadion des Zweitligisten As-Sahel Tartous gesehen: passt 100%ig zu der vergammelten Altstadt. Die Häuser in der Altstadt sind abgewohnt, zugemüllt, verrußt, mitunter schimmlig und Pflanzen bewachsen. Hinter einem modernen Hotel findet man die Hauptsehenswürdigkeit: die Kreuzritterkathedrale, in der sich ein Museum befindet. Die Neustadt ist deutlich attraktiver vom Wohnen her, doch für den Touristen langweilig. Auch in Amrit, wenige Kilometer südlich der Stadt, gibt es wenig zu sehen: der Ort war mal eine phönizische Hafenstadt. Man sieht aber nur noch geringfügige Mauerreste des Hafens und zweier Tempel. Am Sehenswertesten sind noch die ca. sieben Meter hohen Nekropole, deren unterirdische Grabkammern frei zugänglich sind, und das griechische Stadion.

Als wir nach zügiger Autobahnfahrt – Autobahn fahren ist schon cool in Syrien: niemand fährt die erlaubten 110, sondern alles zwischen 30 und 90 und dann erst wieder ab 120 bis 160, auf dem Mittelstreifen grasen Schafe, auf dem Standstreifen parken LKW-Fahrer, die zum Pausemachen quer über die Fahrbahnen und den Grünstreifen in der Mitte rennen, um auf die Raststätte auf der anderen Fahrtseite zu kommen, weswegen die Touren- und Rennradfahrer die zweite Spur benutzen müssen, bis sie wieder auf dem Randstreifen, mitunter im Windschatten eines sehr langsamen Transporters, weiter fahren können und der ein oder andere Bauer hat direkt neben dem Standstreifen auf der angrenzenden Wiese oder dem auf die Autobahn führenden Feldweg, der auch Traktoren die Zufahrt zur Autobahn ermöglicht, was auch immer wieder genutzt wird, seinen Obst- und Gemüsestand aufgebaut – in Hama ins Restaurant gingen, war es noch hell, doch noch vor Bezahlen der wie immer niedrigen Rechnung (mit Trinkgeld für (pro Person) zwei Getränke, einen Salat und ein Fleischgericht mit Reis und Soße zusammen nur 10€) rief der Muezzin zum Sonnenuntergangsgebet Salat al-Maghreb.
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Statistik:
Tageskilometer: 260 (Auto)
Saisonkilometer: 24.400 (16.960 Auto/ 3.000 Flugzeug/ 2.320 öffentliche Verkehrsmittel/ 2.120 Fahrrad)

W189-SY17: Durch Syriens grünen Westen I; von Hama nach Baniyas und wieder zurück

Castles I: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623542378491/

Castles II:
http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623542946741/

Die Burg Shayzar (gesprochen „Scheeßarr“) ist meinen Arabistik-Kommilitonen noch durch eine Vorlesung bekannt, in der sie aus Versehen als Burg Shaizer (gesprochen wie „Scheißer“) vorgestellt wurde. Wir hatten schon ziemlich am Anfang der Reise die Burg Shayzar besichtigen wollen, doch damals war Dienstag und die Unsitte von nicht-freizugänglichen Burgen in Syrien ist, am Dienstag nicht zu öffnen. Diesmal klappte es und für 75/10 Pfund bekam man eine eindrucksvolle arabische Festung zu Gesicht, in deren Inneren kaum etwas gesichert ist: einige offene Schächte, Treppen ins Nichts und vor allem fehlende oder extrem niedrige Außenmauern, die entweder senkrecht in den Burggraben (auf der Seite, auf der das Dorf liegt) oder steil in den Orontes abfallen. Am besten erhalten sind der Eingangsbereich mit dem Wehrturm und den steilen, aber nicht senkrechten Mauern und der hinterste Wohnturm, der restauriert wurde und derzeit nicht zugänglich ist. Die lange und schmale Felsspornburg ist jedenfalls auf dem Weg nach Apameia recht lohnend.
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Nicht weit davon im Westen liegt Abu Qubays, wo es eine weitere schöne Burg gibt. Eine steile und schmale Asphaltstraße windet sich den Berg hoch, an deren Ende ein schmaler Parkplatz unterhalb der jahrhundertealten Mauern liegt. Die äußere Ringmauer ist noch zu großen Teilen erhalten und die inneren Gebäude ganz gut erkennbar, jedoch recht verfallen. Man muss immer wieder über Schutt steigen. Sicherungen gibt es keine. Einige der Mauern sind aber kürzlich wieder aufgebaut worden, sodass zu erwarten ist, dass die Burg in den nächsten Jahren besser erschlossen werden wird.

Wie es aussieht, wenn eine Burg schon größtenteils erschlossen und gesichert wurde, sieht man dann, wenn man die wunderschönen Bergstraßen durch die bewaldeten, schroffen Berge des Küstenhinterlandes bis Baniyas fährt. Dort befindet sich die drittgrößte Burg des Landes, Qal’a Marqab oder Margat, oberhalb eines Kraftwerkes und landwirtschaftlicher Betriebe. Bei gutem Wetter sieht man auch die Corniche, direkt angrenzend das Stadion des Zweitligisten Nady Misfat Baniyas (BSG Raffinerie) und dahinterliegend die namensgebende Industrieanlage. Die Burg ist mit ihren schwarz-weiß gebänderten Außenmauern eine der schönsten Anlagen, die ich je gesehen habe. Das Innere ist weitläufig, wobei der Bereich unterhalb des Südturms dem Besucher vier Ebenen präsentiert. Die Burgkapelle ist leider nicht zugänglich. Vom hintersten Teil mit der befestigten Siedlung ist es über den Wehrgang und den Eingangsturm ein halber Kilometer Weg. Die Mauern sind übrigens im Osten in einem Doppelring gehalten, da das Gelände dort nicht so steil ist, wie an den anderen Seiten. Die Sicherung der Anlage ist stärker, als in jeder anderen syrischen Burg, die ich bis dahin besucht hatte. Allerdings sind die Gitter über den Schächten oft lose (ohnehin sind nur zwei Drittel der Schächte abgedeckt) und auch die Geländer, die an den Stellen, wo die Mauer sehr niedrig oder gar nicht vorhanden ist, angebracht wurden, sind oftmals heruntergetreten.
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Wir gingen dann im Restaurant unterhalb der Burg preiswert Essen – war auch alles ganz gut – und machten uns auf den Rückweg. Ich verfuhr mich zwei Mal, weswegen ich drei Mal eine junge Frau in ihrem auffälligen Hyundai überholte: 1. kurz vor Qadmus, 2. nachdem ich in dem Ort, wo es minimalste Überreste einer Burg auf einem Felstisch gibt, zu dieser rüber geguckt habe und dadurch erst die Einfahrt verpasst habe und dann über eine der Schwellen mit 50 km/h gebrettert bin, sodass das Auto ein paar Zentimeter abhob, die Dame nach dem Ortsausgang wieder vor mit hatte und 3. als ich dann in Masyaf mangels jeglicher Beschilderung plötzlich am heruntergekommenen Fußballplatz und schließlich sogar im Souq gelandet bin, was über 10 Minuten kostete, sodass ich sie noch mal vor mit hatte, obwohl sie stets etwas langsamer als zugelassen – wie die allermeisten Syrerinnen, denen es wohl reicht, überhaupt Auto fahren zu können und nicht wie etliche deutsche Frauen meinen, wildes Rasen = männliches Fahrverhalten = Emanzipation – fuhr.

Statistik:
Tageskilometer: 250 (Auto)
Saisonkilometer: 24.140 (16.700 Auto/ 3.000 Flugzeug/ 2.320 öffentliche Verkehrsmittel/ 2.120 Fahrrad)

W189-SY16: Tag des Nachholens: Die Kirche unter der Geschützstellung, die Stelzenbasilika und die fast unbezwingbare Burg Burzey

Byzantine Ruins: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623531146275/detail/?page=2

BURZEY CASTLE:
http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623542378491/detail/?page=2 (Scroll down on page 2 and view page 3)!

Der heutige Tag stand im Zeichen des Nachholens verpasster Sehenswürdigkeiten: an Mushabbak waren wir aus Versehen vorbeigefahren, da wir die Kirche übersehen hatten, an Kharab Shams waren bewusst vorbeigefahren, da uns die Zeit vorm Fußballspiel ’Afrin gegen Umayya zu knapp wurde und Burzey schließlich hatten wir generell auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, weil der Aufstieg zu aufwendig erschien.
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Im schönen grün-weißen Kalksteingebirge – grün von den Nadelbäumen, weiß von den Steinmassen – übersieht man ja manche Ruinenstadt aus byzantinischer Zeit, weil in Sichtweite mehrere andere Städte aus der gleichen Bauperiode stehen. Doch Mushabbak haben wir schlicht nicht bemerkt, weil wir den LKW-Verkehr vorm Militärgelände im Vorbeifahren beobachteten. Wenn man vom Simeonkloster nach Süden fährt, kommt man nach 5km nach Dayr ’Ayzzeh, dann muss man dem Wegweiser nach Aleppo folgen und auf einer sehr guten Straße erscheint nach 5 weiteren Kilometern zur Linken ein eingezäuntes Truppenübungsgelände und zur Rechten eine Geschützstellung. Dazwischen ist noch Platz für eine kaum mit einem normalen Auto zu befahrene, ausgewaschene Piste. Die rechte Piste führt zum Armeegebiet, die linke zur Basilika von Mushabbak. Trotz der Nähe zum verbotenen Militärgelände, ist Fotografieren problemlos zugelassen. Mushabbak lohnt sich auch wirklich aufzunehmen, da es eine sehr gut erhaltene, dreischiffige, byzantinische Basilika ist, deren Kapitelle stets im Wechsel zwei verschiedene Macharten aufweisen.

Wenige Kilometer weiter in Richtung Aleppo taucht dann links der Straße ein großes Ruinenfeld auf. Kharab ash-Shams (Wüstung der Sonne). Dort fällt auch die Basilika auf, da sie eingestürzte Seitenwände hat, die die stelzenartigen Säulenreihen, die als Trennung der drei Schiffe untereinander dienen, freigeben. Ein weiteres gut erhaltenes Sakralgebäude befindet sich ein paar Hundert Meter den Hügel herauf. Dazwischen wild gestreute Trümmer mit wenigen erkennbaren Strukturen wie verzierten Türstürzen. Dazwischen Bäume, Blumen, Gras und auf Steinen wachsenden Sukkulenten. Auch diese ist eine der lohnenden Byzantinerstädte. Allein auf den knapp 10km zwischen Kharab ash-Shams und Muhabbak habe ich Hinweisschilder auf sechs weitere, jeweils nur 1 bis 3km von der Straße entfernt liegende byzantinische Städte gesehen, direkt an der Straße noch zwei weitere Ruinen.
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An Aleppo und Idlib vorbei fuhren wir wieder Richtung Slunfeh, doch diesmal nur an den Rand der Berge von Latakia. Jetzt wollten wir noch die berüchtigte Burg Burzey sehen. Wir parkten im Ort auf der Ostseite, liefen ein paar Hundert Meter in das auf der Nordseite liegende Wadi hinein und kehrten dann um. Jetzt mal auf der Südseite versuchen, wo Trampelpfade schwer erkennbar durchs trockene Bachbett führten. Ziemlich unwegsam das ganze, doch nach knapp 30 Minuten hatten wir die Asphaltstraße zum Ort Qal’a Burzey, der zum Teil eine mittelalterliche Ruinenstadt ist, gefunden. Wo kam die eigentlich her? Und wieso war da schon wieder kein Wegweiser aus Richtung Idlib??? Na ja egal: sind wir mal durch einen Wadi gelaufen. Jetzt noch ein paar Anläufe gebraucht um den Einstieg auf der Westseite – es gibt wohl noch andere Einstiege in die Burg, doch diese sind noch gefährlicher und schwerer – zu finden, und nach einiger Kletterei über 20cm breite Ziegenpfade, kleine Geröllfelder und große Felsbrocken hatten wir dann auch das richtige Loch in der Wehrmauer gefunden. Innen ist Burzey nicht ganz so eindrucksvoll wie von unten, wie die Anlage so auf ihrem gewaltigen Bergrücken thront, doch die Überreste sind nicht so „geringfügig“ wie das im Lonely Planet Guide, dem einzigen Reiseführer, der die Burg überhaupt erwähnt, dargestellt wird. Es stehen noch etliche Wehrtürme und mehrere Meter hohe Mauern. An etlichen Stellen sind diese abgebrochen und eröffnen einen gewaltigen Blick in die tief eingekerbten Täler. Bis auf einen freundlich grüßenden Schüler aus dem Dorf trafen wir niemanden auf der Ruine, in deren Inneren auch noch ein paar Gewölbe- und Palasreste einen genauen Blick wert sind. Der Abstieg ist fast noch gefährlicher als der Aufstieg, da man oft zum Hetzen neigt. Burzey ist von allen von mir besuchten Burgen (etwa so viele wie Sportanlagen: ca. 400) bisher die am schwersten zu erklimmende Burg gewesen, aber auch eine der schönsten. Ich würde auch wieder dort herumklettern, doch kann ich so etwas nur sportlichen Burgfreunden empfehlen. Bei der Burganlage muss man wirklich fit, aufmerksam und vorsichtig sein!

Wir fuhren nach Hama, wo wir diesmal das direkt neben dem Hotel „Cairo“ liegende „Riad“ nahmen. Sonst ist mir die ägyptische Hauptstadt zwar lieber als die saudi-arabische, doch das Hotel ist noch klar besser. Da gibt es gar nichts zu meckern! Für 1.200 Pfund pro Nacht und Doppelzimmer gab es sogar Handtücher und prima Betten sowie ein richtig gutes Bad. Auch die Rezeptionsleute waren super: nicht erschrecken, wenn der junge Mann, der schrecklich schielt, einen komisch anschaut; der ist echt super drauf! Weil ich mich mit ihm in Arabisch verständigte, fragt er nach meinem Beruf. Als ich ihm erklärte, woher ich die Kenntnisse habe und darauf hinwies, dass ich in erster Linie Fusha (die Hochsprache) lerne, freute er sich sehr und lobte gleich: „Das ist super! Sehr schön, dass dich Arabisch interessiert. Es ist vielleicht die größte Herausforderung deines Lebens, diese schwere Sprache zu erlernen!“
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Statistik:
Tageskilometer: 370 (Auto)
Saisonkilometer: 23.890 (16.450 Auto/ 3.000 Flugzeug/ 2.320 öffentliche Verkehrsmittel/ 2.120 Fahrrad)

W189-SY15: Do you know what Idlib is famous for? Olives and Gays!

Nady ‘Afrin (نادي عفرين) - Umayya Idlib (أمية الإدلبي)
Montag, 8. März 2010 - Anstoßzeit 14.30
Daury As-Suriyy Al-Mukhtarafiyn (دوري السوري المخترفين): Syrische Profifußballliga
Ergebnis: 1:1 nach 99 Min. (48/51) - Halbzeit 0:1
Tore: 0:1 9. Samer Al-Yazidjy, 1:1 85. Zakariya Budaqa
Verwarnungen: Hadjy Qader, Hussayn Mustafa, Zakariya Boudaqa, Usama Haddad (Afrin), Djihad al-Agha, Zakariya Yousef, Shady Bakhoury, Ummar Zakkour (Umayya).
Platzverweise: keine
Spielort: Mal’ab Al-Hamdaniyya (ملعب الحمدنية/ Hamdaniden-Stadion Aleppo, Kap. 20.000 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 3.000 (davon ca. 500 Gästefans)
Spiel: 3,5/10 (Zerfahren und aufgeregt mit zu wenigen Torszenen)

Al-Huriyya Halab (الحرية الحلبي) - Al-Wahda Dimashq (الوحدة الدمشقي)
Montag, 8. März 2010 – Tipp-off 18.00
Daury Al-Auwal li l-Kurat as-Salla (دوري الأول لكرة السلة): Syrische Basketballliga; Halbprofiliga
Ergebnis: 62:73 nach 40 Min. – Viertel: 15:21, 17:13, 7:14, 23:25
Scorer: ?, Fouls: ?
Spielort: Sala Assad (صالة الأسد) / Assad (oder Löwen)-Sporthalle, Kap. 4.000 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 300 (davon vllt. 5 Gästefans)
Spiel: 6,5/10 (Gutes Spiel mit ein paar Durchhängern vor erbärmlicher Kulisse)
Sightseeing: 6,5/10 (Nicht so gut erhaltene Ruinen in herrlicher Landschaft – und nicht alles Geplante geschafft)
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Football Afrin vs Umayya :
http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623665177546/

Basketball Huriyya vs Wahda :
http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623665401514/

Sightseeing North-Western Aleppo Region :
http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623531146275/detail/?page=3

Von Aleppo aus ging es auf einer Schnellstraße nach Norden auf die Türkei zu. Irgendwann hörte der zweispurige Ausbau abrupt auf und wurde einspurig. Den ersten Abzweig nach Tell Naby Houry (Dem Prophet Houry sein Hügel) hatten wir zwar verpasst, aber wozu gibt es einen zweiten. Mittlerweile hatten wir einige Orte passiert, die die wirtschaftliche Schwäche dieser Region um ’Afrin herum widerspiegeln. Slums wie in Kalkutta gibt es zwar nicht, aber die zumeist kurdischen Bauernfamilien leben nicht gerade in Reichtum. Die Straßen werden immer schlechter, je weiter es nach Norden geht. Fast in der Türkei macht die Straße einen Knick und fühlt dem Grenzverlauf nach. Endlich in Tell Naby Houry! Links von der Moschee dieses Propheten des 14. Jhdt. fährt man bis zum Südtor der römischen Stadt Cyrrhus. Von dem ist wenig erhalten, doch wenn man der kahlen Straße nachfolgt, kommt man zum Theater. Rechts davon sind noch ausgedehnte Grundmauern, doch wir beschränkten uns auf das herrlich in den Berg gebaute Theater, dessen Sitzreihen nur noch zur Hälfte erhalten, dessen Bühne nur noch ein dünner Steinstreifen und dessen Halbrund vor der Bühne völlig mit Trümmer zugemüllt ist, und auf die Zitadelle, die hoch oberhalb der Talstadt auf dem Hügel thront. Diese ist ziemlich schlecht erhalten, eröffnet aber einen schönen Blick über die Landschaft, wobei der beste Blick allgemein von der obersten Reihe des Theaters aus ist.

Auf dem Rückweg überquerten wir zwei römische Brücken. Die wurden zwar saniert, aber das Pflaster war dennoch holprig. Die völlig durchlöcherten und abgehobelten Straßen zu den Brücken waren mindestens 20 Jahre, die Brücken selbst fast 2.000 Jahre alt. Die beiden römischen Brücken führen über die Flüsse Sabun und ’Afrin. Diese fließen auch durch die Stadt ’Afrin, die ein ähnlich verkommenes Kurdenkaff ist, wie ’Izaz, wo wir zuvor noch Essen und Trinken eingekauft hatten. In ’Afrin muss man sich ohne Beschilderung orientieren. Irgendwie findet man dann aber nach Ayn Dara, wo man einen 3.000 Jahre alten Hettitertempel auf einem steilen Siedlungshügel für 75/10 Pfund (1,20€/ 0,20€) besichtigen kann. Vom Erhaltungszustand her fast eine Nullnummer, doch von architektonischen Details aus eine sehr schöne Sache. Eine kurdische Familie mit sieben Kindern tobte neben uns her durch die kleine Ruinenstätte, in der es von Löwenfiguren nur so wimmelt. Die größte Figur steht etwas abseits vom Tempel auf dessen Schwellen Fußabdrücke in Schuhgröße 400 zu finden sind. Alles ist übrigens in schwarzem Basaltstein gehalten.

Über Kharab Shams, wo eine Basilika das Highlight einer byzantinischen Ruinenstadt bildet, die wie auf Stelzen steht, und die wir uns am nächsten Tag genauer ansahen, fuhren wir nach Halab, wo ’Afrin noch eine Rolle spielen sollte.
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Seit der Klub aus der 60.000-Einwohner-Stadt 1. syrische Fußballliga spielt, können sie nicht mehr auf ihrem versifften Hartplatz spielen. Nach einem Abstieg in die zweite Liga, die mittlerweile auch höhere Anforderungen stellt, kehrten sie wieder in die erste Liga zurück. Teilweise spielten sie im Stadion des 7. April (siehe Vortag), meist aber im Hamdaniden-Stadion, was nach der Dynastie der Hamdaniden, die von ca. 890 bis 1003 in Nordsyrien und dem Nordirak herrschte und vor allem unter Saif ad-Daula die Macht von Aleppo aus aufrecht erhielt, benannt ist. Die Gastgeber sind also mehr oder weniger ein Exilteam: ’Afrin liegt immerhin knapp 60km nördlich von Aleppo (Halab).
Derzeit sieht es für ’Afrin nach Widerabstieg aus, da sie Tabellenletzter sind. Doch noch sind sie nicht abgeschlagen. Klar besser platziert jedoch der heutige Gegner, der allerdings ein schwaches Torverhältnis hat: Umayya Idlib, die nach den Banu Umayya bzw. Umayyaden benannt wurden, welche die erste Dynastie des Islam war (661-750) und von Damaskus aus ein bedeutendes islamisches Reich regierte. Einige der Schlösser und Moscheen der Dynastie habe ich ja bereits besucht. Jetzt also auch noch den Fußballverein – und weil der Name so schön ist, gingen wir in den Gästesektor (wie üblich rechts vom besten Sektor der Haupttribüne), wo wir die Sensation waren.

Der harte Kern der Fans bat uns gleich zu sich. Nach und nach bekamen wir mal wieder eine ganze Menge geschenkt: Sonnenblumenkerne, Kaffeebohnen, Falafel und sogar eine rot-grüne (Vereinsfarben) Flagge, die mir als Stirnband umgebunden wurde. Wir lernten auch ’Amar kennen, der perfekt Englisch sprach, da er seit einigen Jahren diese Sprache fleißig studiert.

Nach der Aufstellung gab es die Nationalhymne aus schlechten und leisen Lautsprechern und Umayya begann etwas Druck auszuüben, was die schwache ’Afrin Abwehr sogleich überforderte. Ein schöner Schuss von Samer Al-Yazidjy, einem der bekanntesten und beliebtesten Spieler des Vereins, führte zum 1:0. ’Amar wies uns auf eine Unsitte des Umayyaden-Teams hin: bei Führung mit hinten reinstellen anfangen – was sie sogleich auch taten. Die Heimmannschaft wurde jetzt unruhig und aggressiv – die ständigen Fouls zerstörten den meisten Spielfluss, die mäßige Schiedsrichterleistung den Rest. Die Spieler standen sich sehr viel auf den Füßen herum und die wenigen Chancen wurden schwach vergeben. Auf dem Feld hagelte es gelbe Karten – auf den Rängen Pöbeleien. ’Amar machte passende Bemerkungen wie „Die sind so aggressiv, weil das Kurden sind! Typisch! Die sind auch bei euch in Deutschland so!“ – andere gingen jetzt heftiger ab: „Fick deine Schwester, ’Afrin – du kurdische Hure!“ Die zahlenmäßig überlegenen ’Afrin-Fans habe ich nur mit Blasinstrumenten vernommen – die Sprechchöre waren wegen der Krakeeler neben uns nicht zu verstehen.

Dass das 1:0 bis zur 85. Minute bestand haben sollte, hätten wir nicht gedacht. Die mangelnde Professionalität, die mir einige Fans klagten, ließ sich da nicht von der Hand weißen: lasches Abwehrverhalten, grober Torwartfehler, ’Afrin stolpert den Ball rein und die Umayyaden belappen sich erst mal untereinander. Nachdem es endlich weiter geht, vergibt ’Ammar Zakkour eine Chance, die jeder 60jährige Altherrenfußballer hätte zum 2:1 versenken müssen. Die Stimmung in unserem Block wurde jetzt aggressiv: der Streit über die Schuld und das Unvermögen von Torwart Djihad al-Agha endete in einer Schlägerei zwei Reihen vor uns. Die Sicherheitskräfte dachten gar nicht daran einzuschreiten. Noch zwei Chancen für ’Afrin, die ohnehin in der gesamten zweiten Halbzeit klar besser waren – aber kein Tor. Wenigstens ein 1:1 für Umayya, mit dem aber niemand der Idlibi zufrieden waren. Die Leute aus Idlib sind übrigens, wie mir von zweien erklärt wurde, für zwei Dinge berühmt: Oliven und Schwuchteln. Ersteres kommt halt daher, da der Bezirk Idlib der Hauptproduzent für Oliven und Olivenölprodukte in Syrien ist – die Bäume stehen da auch echt an jeder Ecke! – Letzteres ist auch den Idlibi unbekannt, warum andere Syrer immer behaupten, dass die ganze Stadt voller Homosexueller sei.
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Die großen Auseinandersetzungen blieben aus – vor der Saison hatte man ja ein Freundschaftsspiel zwischen beiden Mannschaften wegen Zuschauerausschreitungen abgebrochen. Wir quatschten noch ein bisschen mit ’Amar, fuhren zu dem Parkplatz am Rande der Altstadt, wo wir an jedem der fünf Tage nach den Rundfahrten zu den Sehenswürdigkeiten kostenfrei geparkt hatten und liefen zum Hotel. Von dort aus dann weiter zum Sala Assad, der Assad Halle (der Name des Staatspräsidenten heißt übrigens „Löwe“) wo, wie erst auf Radio „Saut ash-Shabab“ (Stimme der Jugend) am Morgen beim Autofahren gehört, das 1. Liga Basketballspiel zwischen Al-Huriyya und Al-Wahda stattfand. Al-Huriyya bedeutet „Die Freiheit“ und ist im Fußball der Klub Nummer 2 in Aleppo (hinter Al-Ittihad, die Eintracht (oder Union)) und im Basketball Nr. 3. Während Huriyya im Schnitt nur 250 Zuschauer anzieht, also etwa so viele wie der vierte Aleppiner Erstligist Al-Yarmouk, zieht Al-Ittihad über 1.000 Zuschauer pro Spiel und Al-Jalaa (Die Befreiung) doppelt so viele. Aber beide Teams spielten zu dieser Zeit nicht, sodass die Partie 8. (von 12) gegen 3. für uns ausreichen musste. Al-Wahda (= die Einheit) ist im Fußball wie im Basketball die Nr. 1 in Damaskus, doch Fans brachten sie beinahe keine den weiten Weg nach Halab mit.
Unverschämte 200 Pfund pro Karte übrigens! Aber mal wieder jeder der Ordner mit „Welcome, Sir“ und ähnlichen freundlichen Bemerkungen.

Für die 3,20€ bekam man im schönen, aber leider schlecht beleuchteten Assad-Saal gepolsterte Sitze (andere Möglichkeiten sind gepolsterte Bänke oder Kunststoffschalensitze) und ein gutes Spiel geboten, was viel zu wenige Zuschauer verfolgten, die bis auf eine kleine Gruppe mit Megaphon und Flagge auch kaum anfeuerten. Beim Basketball wurde übrigens kaum gepöbelt – der Frauenanteil bei den Zuschauern war auch viel höher als beim Fußball, wobei das nur logisch ist: der beliebteste Vereinssport bei Syrerinnen ist Basketball. Jedoch selbst diverse Kampfsportarten erfreuen sich viel mehr weiblicher Mitglieder, als Fußballvereine, deren führende Teams übrigens manchmal aus den unmöglichsten Käffern wie as-Salamiya oder Haush al-Arab kommen.
Al-Huriyya hielt besser mit als erwartet: ein athletisches und schnelles Spiel mit oft extrem scharfen Pässen und recht viel Anrempeln hielten die Aleppiner bis zum dritten Viertel offen. Im dritten Viertel, was den Durchhänger des Spiels bedeuten sollte, zeichnete sich ein Sieg für den Favoriten ab, der zwar auch schlechter war im dritten Spielabschnitt, aber im richtigen Moment mit Dreiern punktete. Die letzten drei Minuten sahen dann noch mal Punkte am Fließband und ein wildes Hin und Her, was den Sieg für Einheit Damaskus nur bestätigen sollte. Kurioseste Gestalt des Spiels war übrigens der ca. 2,15 große und sicherlich kaum 80kg leichte Schwarzafrikaner von Al-Wahda.

Noch schnell was in der Nähe des Hotels essen und dann trotz diverser kurzer Stromausfälle im Stadtbezirk (musste ja auch irgendwann mal passieren in Syrien) die Bilder bearbeitet.
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Statistik:
Ground Nr. 401 (zwei neue Grounds; diese Saison: 70 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 964 und 965 (diese Saison: 107)
Tageskilometer: 210 (Auto)
Saisonkilometer: 23.520 (16.080 Auto/ 3.000 Flugzeug/ 2.320 öffentliche Verkehrsmittel/ 2.120 Fahrrad)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 52
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 189

W188-SY14: Byzantinische Städte in Idlib und Armenischer Fußball in Aleppo

Al-Yarmouk Halab (اليرموك الحلبي/ Հ.Մ.Ը.Մ.) 3:1 Nady Areeha Ar-Riyadhiy (نادي أريحا الرياضي)
Sonntag, 7. März 2010 - Anstoßzeit 14.00
Daury As-Suriyy Ad-Daradja Ath-Thaniyya (دوري السوري الدرجة الثانية) - Zweite Syrische Fußballliga: Halbprofiliga
Ergebnis: 3:1 nach 94 Min. (49/45) - Halbzeit 1:1
Tore: 1:0 30. Yarmouk, 1:1 32. Areeha, 2:1 55. Yarmouk, 3:1 59. Yarmouk
Verwarnungen: 1x Yarmouk, 2x Areeha
Platzverweise: keine
Spielort: Mal’ab 7 Nisan (ملعب 7 نسان/ Stadion des 7. April, Kap. 10.000 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 250 (davon ca. 75 Gästefans)
Spiel: 2,0/10 (Langsames und dilettantisches Spiel ohne Support)
Sightseeing: 8,5/10 (Gut erhaltene Ruinen in herrlicher Landschaft)
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Byzantine Ruins: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623664212610/

Armenian-Syrian Football: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623540320013/

Wir hielten immer auf die Grenze bei Bab al-Hauwa, dem Tor des Windes, zu. Drei Kilometer davor gibt es einen riesigen Marktplatz, hinter dem man nach wenigen hundert Metern links der Beschilderung – wie immer recht gut im Bezirk Idlib, aber nicht immer in lateinischer Umschrift – nachfahren muss. Wir erreichten Bauda, was allerdings nur eine kleine Ansiedlung ist. Den Häusern fehlt in erster Linie das Dach, ansonsten ist die byzantinische Bausubstanz gut erkennbar.

Zwischen Bauda und Baqirha liegt noch ein namenloses Gehöft aus byzantinischer Zeit. Die Verzierungen von Fenster- und Türrahmen sowie Säulen sind im weitläufigen und gut erhaltenen Baqirha besonders schön. Dort kann man lange herum steigen und immer wieder neue Fotoperspektiven oder Gebäudedetails entdecken. Das größte Gebäude ist wohl die Kirche. Zwischen den Ruinen befinden sich blühende Wiesen und kultivierte Olivenhaine.

Auf dem Weg zur bekanntesten byzantinischen Ruine im Norden Idlibs verfuhren wir uns etwas, wodurch wir einen Blick auf Al-Beytar und Barish Al-Shimal hatten. Dazwischen lagen auch noch ein paar andere Ruinen aus byzantinischer Zeit: etwa 700 derartige Ansiedlungen hat es im Bezirk Idlib und dem Nordwesten des Bezirks Aleppo (Halab) gegeben, wobei man von den meisten noch mindestens ein paar Mauern sehen kann. Etwas sehenswerter ist Qirqbizeh, wo man mehrere Häuser mit schönen Türstürzen und auch Brunneneinfassungen und Becken aus Stein sehen kann.

Hinter Qirqbizeh, was direkt an der engen, schmalen, von Steinmauern begrenzten Straße liegt, muss man geradeaus weiterfahren, um Qalb Lozeh zu erreichen. Dort steht nur noch die Wallfahrtskirche, doch diese wird nicht umsonst eine Stufe hinter dem Simeonkloster (Dayr/ Qal’a Sam’an) genannt: kostet nur halb so viel Eintritt und bietet dafür viele schöne Mauerdetails, hohe Säulengänge und eine hohe und gut erhaltene Apsis.
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Über enge Straßen, die dann in einem Kaff so eng wurden, dass auf dem Souq der Verkehr zusammenbrach, weil irgendein Spast seinen Lieferwagen zweite Reihe geparkt hat und deswegen der LKW in Gegenrichtung nicht vorbei kam, ging es zurück nach Aleppo. Wir fanden das Stadion des 7. April (Mal’ab Sabi’a Nisan) ganz schnell. Es liegt zwar in einem muslimischen Viertel, doch der Heimverein ist der christlichste aller Vereine im Profi- und Halbprofifußball Syriens. Die Namensgebung ist allerdings mal wieder typisch syrisch: die Hälfte der Spieler sind Muslime und vielleicht 10% der Fans und da auch die Ligaverwaltung mit dem armenischen Namen nicht so zurechtkommt, ist die eine Namensversion „Al-Yarmouk“. Die hat nichts mit unserem Hotel zu tun, sondern wie in diesem Zusammenhang bereits erwähnt mit dem Fluss an dem 636 die erfolgreiche Schlacht der Araber gegen die Byzantiner stattfand. Die zweite Namensversion ist Հայ Մարմնամարզական Ընդհանուր Միութիւն bzw. Հ.Մ.Ը.Մ.]: [Hay Marmnamarsakan Endhanur Miutyun] bzw. HoMen’EtMen. Das heißt übrigens einfach nur Armenische Allgemeine Athletik Union.

Kaum hatten wir die 100 Pfund (1,60€) teuren Karten – typisch Oberschichtenclub, das christliche Klientel des Vereins ist einfach zahlungskräftiger: woanders kostet eine Karte für die 1. Liga so viel und für die 2. Liga nur die Hälfte – gekauft und waren durchs Tor gegangen, schon gab es eine kleine Schlägerei. Auch hier habe ich nicht mitbekommen, warum sich da fünf oder sechs Leute kloppten. Zuschauer kamen nur sehr wenige. Nur mit Zwischenrufen wurde ab und an angefeuert. Hier taten sich die gar nicht so wenigen Gästefans hervor. Manche von denen erkannten uns sogar wieder: sie kannten uns noch vom letzten Freitag in Saraqib, wo sie in der Nähe von uns standen. Unter den vielleicht 250 Zuschauern waren übrigens zwei Frauen, die unterschiedlicher kaum hätten sein können: die eine mit schwarzem Mantel und braunem Kopftuch eingepackt, sodass man nur Gesicht und Hände sah – sie setzte sich ziemlich von anderen Zuschauern abgesondert vor den leeren Hintertorbereich – und die andere mit knallig rosa Pullover, dunklen Jeans und offenen langen Locken – inmitten anderer, männlicher Fans stehend, in der Pause sogar lässig mit dem Schiedsrichtergespann labernd.

Auf dem Feld war leider nicht viel los. Die wenigen Chancen wurden dilettantisch vergeben, bis nach einer halben Stunde ein Yarmouk-Spieler einen tollen Schuss aus 20m in den Winkel abgab. Nur kurz darauf erzielte der völlig harmlose Gast aus dem Bezirk Idlib den Ausgleich per Kopf. Vor der Pause prallten ein Gästestürmer und der Heimtorwart vorm Strafraum bei einem Konter von Areeha zusammen, sodass beide ausgewechselt werden mussten.
Nach der Pause dann ein Doppelschlag von Ho Men ’Et Men, den man als verdient bezeichnen musste, wenn auch die Gästefans neben uns, die uns aus lauter Gastfreundlichkeit sogar Backwaren vom Essensstand ungefragt mitbrachten und mit uns teilten, nicht davon begeistert waren. 3:1 blieb der Endstand. Diese beiden Vereine zählen leider zu den Zweitligaklubs, die einen richtig amateurhaften Support haben (Al-Futowa, Hittin und manch anderer auch ist da viel stimmungsvoller) und kaum sehenswerten Fußball spielen. Aber HoMenEtMen wäre auch die erste armenische Mannschaft gewesen, die ich ordentlichen Fußball spielen sehe. Ich habe nie auch nur einen Armenier gesehen, der gut Fußball gespielt hätte. Können wohl nur Boxen... Aber egal, ich werde sicherlich auch mal die armenische Fußballliga live in Yerevan oder einem der wenigen anderen Spielorte erleben.
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Statistik:
Ground Nr. 399 (ein neuer Ground; diese Saison: 68 neue)
Sportveranstaltung Nr. 963 (diese Saison: 105)
Tageskilometer: 150 (Auto)
Saisonkilometer: 23.310 (15.870 Auto/ 3.000 Flugzeug/ 2.320 öffentliche Verkehrsmittel/ 2.120 Fahrrad)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 51
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 188

W188-SY13: Zur Burg des berühmten Saladin und zum Entstehungsort des ersten Alphabets

Salah ad-Din Citadel and Ugarit: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623535528251/detail/
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Der vierte Hotelangestellte, den wir im „Yarmouk“ trafen, war der erste, der eine Fremdsprache (Englisch) beherrschte. Mit ihm war der Zimmerwechsel einfach zu klären. Wir hatten die ersten beiden Nächte zu zweit im Dreibettzimmer verbracht und konnten nun für weniger Geld im freigewordenen Doppelzimmer übernachten. Die beste Seite des Wechsels erfuhren wir aber erst am Abend.

Vorbei an Saraqib, Areeha und Jisr ash-Shughur – alles Kleinstädte in schöner Landschaft im Bezirk Idlib – gelangten wir nach Khitab al-Qaytazu (Bezirk Hama) wo wir die Burgruine Qal’a Burzey rechts liegen ließen. Wenige Tage später wurde dieser heftige Burgberg von uns erklommen. An diesem Samstag war uns nur ein Blick von oben ein paar Fotos wert. Von oben heißt von der Straße, die sich spektakulär in Serpentinen und über Pässe die Berge nach Slunfeh hoch zieht. Slunfeh ist eine Kleinstadt in spektakulärer Berglage mit unheimlich großen Bautätigkeiten. Dass der Ort bei Urlaubern aus arabischen Ländern beliebt ist, wusste ich ja: aber wie viele Hotels, Ferienhäuser und Privatvillen – alles auf hohem Niveau – es in Slunfeh gibt, hätte ich nicht gedacht.

Genauso wenig hätte ich gedacht, dass die Saladinsburg (Qal’a Salah ad-Din) nur aus Richtung Latakia kommend ausgeschildert ist. Wir hatten dadurch über 20km Umweg zur zweitbekanntesten Burg Syriens. Diese thront inmitten dichter Nadelwälder in einer fantastischen Felslandschaft auf einem steil abbrechenden Felsen, der auf fast 1km Länge und mehr als 150m Breite mit der Burganlage befestigt ist. Allerdings ist wegen des schlechten Erhaltungszustandes nur etwa die Hälfte zu begehen. Außer dem Eingangstor ist auch beinahe gar keine Sicherung der Anlage zu bemerken gewesen. Selbst 50m hohe Felskanten waren nicht abgesperrt und Turmfenster, die bis zum Boden durchgebrochen waren, lässt man auch einfach so stehen.
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Wir schafften es aufgrund der nicht vorhandenen Ausschilderung erst 10 Minuten vor Schließzeit nach Ugarit, wo das erste Alphabet, was wirklich Anwendung fand, entwickelt wurde. Die Kassenfrau war aber sehr freundlich und wies uns kostenlos zur Erläuterungstafel, von wo aus man auch den besten Blick über die ganze Anlage hat, die ohnehin nur aus einem Gewirr von Grundmauern besteht. Die lustige und freundliche Bedienung im gegenüberliegenden Restaurant könnte gut die Schwester der Kassenfrau sein. Jedenfalls bekamen wir dort für 400 Pfund (knapp 7€) pro Person ein großes Kebabessen mit Getränken, viel Salat, Pommes und Pampelmusen.

Die Rückfahrt bei Dunkelheit übernahm weitestgehend ich. Nicht ganz einfach, wenn auf nicht abmarkierten und nur mit Gräben, Häusern oder Bäumen begrenzten Straßen, die auch immer wieder Schlaglöcher oder Bodenwellen aufweisen, die einen mit Dauerfernlicht und Glitzergirlanden auf dem Dach über der Windschutzscheibe meinen: „Je mehr Licht desto besser“ und die anderen ganz ohne Licht mit verdreckten Karren fahren.
In Halab fielen mir am Rande des 2km Fußmarsches vom Hotel zum Auto an diesem Tag die hohe Anzahl religiöser Werbeplakate auf. Was man, glaube ich, nur in Syrien findet, ist ein Plakat wie das „Merry Christmas + Happy Eid + Happy New Year“ was erstens zum christliche Weihnachten, zweitens zum islamischen Opferfest und drittens zum von beiden Gruppen geschätzten Neujahr gratuliert.
Eigentlich wollte ich ja eine Sportzeitung kaufen. Nicht der Preis, sondern die Warnung vor der Ungenauigkeit der Ansetzungen in der „Djariyda Riyadhiyya“ ließen mich zögern. Gut so! Denn im Hotel bekam ich mit meinem Laptop im fünften Stock Internetzugang – dank des benachbarten Dreisternehotels, was sein Drahtlosnetzwerk nicht gesichert hatte...

Statistik:
Tageskilometer: 470 (Auto)
Saisonkilometer: 23.160 (15.590 Auto/ 3.000 Flugzeug/ 2.320 öffentliche Verkehrsmittel/ 2.120 Fahrrad)
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