Sonntag, 31. Oktober 2010

W222III: Duell der Nachbardörfer; Sennewitz schlägt Teicha

1. SV Sennewitz II 3:1 SV Traktor Teicha II
Sonntag 31. Oktober 2010 – Anstoß 14.00
Liga: 2. Kreisklasse Saalekreis, Staffel 2 (12. Liga, 7. Amateurliga)
Ergebnis: 3:1 nach 92 (45/47) Min. – Halbzeit: 2:0
Tore: 1:0 24. (11), 2:0 32. (7), 2:1 61. (10), 3:1 78. (11)
Verwarnungen: 4x Sennewitz (fast alle wegen Meckern), 2x Teicha
Platzverweise: keine
Sportanlage: Sportplatz Sennewitz (Sportplatz am Tonloch, Kap. 1.000 Stehplätze)
Zuschauer: ca. 25 (davon ca. 5 Gästefans)
Unterhaltungswert: 2,0/10 (Selbst wenn es 3. Kreisklasse gewesen wäre, hätte das Spiel immer noch das Prädikat „lahm und schwach“ verdient)
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Photos and English version:
Derby of the Reserves: Sennewitz vs. Teicha

Zum Wochenendabschluss durchfuhren wir Halle von Süd nach Nord um in den angrenzenden Ort Sennewitz, eines der um den Petersberg herum gruppierten Dörfer, zu gelangen. In der Ortsmitte gibt es eine auffällige, aber nicht gerade schöne Kirche mit einer spektakulären Familiengruft aus dem 19. Jahrhundert. Alles in Allem ein eher unattraktiver Ort.

Der Platz ist auch nichts Besonderes, aber interessant ist, dass der Nebenplatz größere Abmessungen hat als der Hauptplatz, der ganz steril mit einer komplett mit den Spielerbänken verschweißten Metallreling umrandet ist. Wenigstens steht eine große Baumgruppe um zwei Seiten des Platzes herum.

Die Reserve der 1. Spielvereinigung Sennewitz belegte vor dem Spiel den dritten Platz, wobei sie auf die beiden Aufstiegsplätze bereits 5 bzw. 6 Punkte zurücklagen, und der Gast aus dem Nachbardorf Teicha hatte als Vorletzter 5 Punkte auf den Abstiegsplatz (dort steht Ostrau II). Wenn man die beiden so spielen sah, wunderte man sich, wie Teicha überhaupt ein paar Punkte holen und Sennewitz gar auf den dritten Platz vorrücken konnte. Ein dilettantisches, kopfloses und langweiliges Gekicke war das! Natürlich war das 2. Kreisklasse, aber meine Leser wissen ja, dass ich die Messlatte im Amateurbereich – vor allem dem unteren Amateurbereich – fair und niedrig anlege.

Ärgerlich, dass man dafür auch noch 1,50€ zahlen musste. Die bedruckten Karten scheinen mir aber eher für Spiele der ersten Mannschaft gedacht zu sein, was natürlich eine besondere Unverschämtheit ist, wenn man bei dem Spiel der Zweiten (es war ja kein Vorspiel oder so; die Erste spielte am Vortag gegen Braunsbedra II 2:0) den Preis der Ersten (Kreisoberliga!) verlangt. Aber wenigstens nehmen die Preise für Kreisklasse (noch) nicht die Dimensionen wie im Westen oder auch dem Salzlandkreis an. Für den Schiri reicht es aber auch wirklich, den berühmten einen Euro von jedem Zuschauer einzusammeln, wie das in Steigra am Samstag ja auch der Fall war.

Wie auch immer. Mit der ersten guten Aktion im Spiel – eine weite Flanke in den Strafraum, ein Sennewitzer läuft sich frei und köpft locker ein – geht der Gastgeber in Führung. Nach zwei guten Paraden des Gästetorwarts – jeweils nach Freistößen – legte Sennewitz nach: 2-0.

Nach der Pause wurde Teicha besser und Sennewitz machte noch weniger, als sie ohnehin schon in Hälfte eins taten. Das, was Teicha da zeigte, war aber auch nicht so besonders. Den unbeweglichen Torhüter der Sennewitzer übertölpelten sie ein Mal – mit einem schönen Schuss des Sennewitzers mit der 11, der den Ball unter die Latte zimmerte, war aber der alte Abstand bald wieder hergestellt.

Was insbesondere in der zweiten Halbzeit auffiel, war dass der mir als Choleriker aufgefallene Sennewitzer Trainer diesmal kaum dazwischen rief und selten tobte. Aber sein Gegenüber und einige andere auf der Teichaer Bank haderten mit dem souveränen Schiedsrichter. Wenn ein Sennewitzer mit der Brust annahm war das gleich „Handspiel“, stand ein Sennewitzer nur einen Meter hinter den letzten beiden Teichaer Spielern vorm Tor, dann war das „Abseits“ und freilich war jede Berührung ein „ganz klares Foul“.

Selten so viele unsinnige Zwischenrufe gehört wie heute – und selten so ein schwaches Spiel gesehen. Demnächst werde ich mir Sennewitz’ Zweite noch mal anschauen, da sie auf einem Platz als Gastmannschaft spielen, den ich noch nicht besucht habe. Vielleicht spielen sie dann besser. Bei Teicha schau ich mir doch lieber die Erste Mannschaft zuhause an...

So viel zu dem Wochenende. Das nächste Spiel, von dem ich berichte, findet auf einem der kuriosesten Plätze des Saalekreises statt. Danach gibt es grenzübergreifend Groundhopping zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt.
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Statistik:
Ground Nr. 492 (ein neuer Grounds; diese Saison: 42 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.170 (diese Saison: 57)
Tageskilometer: 50 (Rad)
Saisonkilometer: 11.660 (8.170 Auto/ 1.690 Fahrrad/ 1.000 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 76
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 222

W222II: Turnier in Wünsch, Steigra gegen Wallendorf II und CV Mitteldeutschland gegen SCC Berlin

Glühweincup in Wünsch
Samstag 30. Oktober 2010 – Beginn 10.00
Turnier für Freizeitfußballmannschaften
Spiel: 1x15 Minuten auf Kleinfeld
Sieger: wird nachgetragen
Bestes Spiel: Mersepack 2:0 Klobikau
Schwächstes Spiel: Wünsch 0:1 n.N. Rooster
Schönstes Tor: 1:0 von Rooster gegen FSG (s.u.)
Torschnitt: 1,0 pro Partie
Häufigstes Ergebnis: 0-0
Strafen: keine
Sportanlage: Sportplatz Wünsch (Kap. 1.000 Stehplätze)
Zuschauer: ca. 30
Unterhaltungswert: 4,0/10 (Unterhaltsames Turnier, hab aber schon bessere in dem sportlichen Bereich gesehen, bzw. an besseren teilgenommen)
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Photos and English version:
7-a-side Tournament in Wünsch

Tabellen der Vorrunde:
Gruppe A:
1. 1.FC Mersepack (Merseburg) 3:0 7
2. Rooster (Mücheln) 1:0 5
3. Freizeitkicker Klobikau 1:3 2
4. Freizeit SG 93 Merseburg 1:3 1
Gruppe B:
1. SV Wünsch 1:0 4
2. Müchelner Biertrinker Union 0:0 2
3. TSG Naumburger Kicker 08 0:1 1

Nicht angetreten: Koala Allstars Bad Lauchstädt

Ergebnisse Vorrunde:
FZK Klobikau 0:0 Rooster
Naumburg 0:0 MBU
FSG 93 0:1 Mersepack
Naumburg 0:1 Wünsch
Rooster 0:0 Mersepack
FZK Klobikau 1:1 FSG 93
MBU 0:0 Wünsch
Rooster 1:0 FSG 93
FZK Klobikau 0:2 Mersepack

Ergebnisse Platzierungsspiele:
Halbfinale 1: Wünsch 0:1 (0:0, 9-m: 0:1 nach 2x3) Rooster
Halbfinale 2: Mersepack 2:0 MBU
Platz 7: FSG 93
Platz 5: Klobikau 2:1 Naumburg
Platz 3: wird nachgetragen
Finale: wird nachgetragen
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Wir hatten durch die hervorragende Website der Koala Allstars vom Turnier in Wünsch erfahren und brachen so schon recht früh mit den Rädern auf. Wünsch ist ein Dorf das nach Mücheln eingemeindet wurde und sich in Ober- und Niederwünsch teilt. Beide Ortsteile haben ganz nette Kirchen zu bieten, aber sonst keine architektonischen Auffälligkeiten. Auch der Sportplatz ist nicht auffällig: abgeholzte Pappeln, eine Scheune und ein paar Bäumchen und Büsche vorm weiten Feld flankieren das Grün, das heute nur zur Hälfte genutzt wurde. Soll heißen es wurde Kleinfeld gespielt.

Die kleinen Tore von 5x2m bereiteten den Spielern enorme Probleme: sie trafen einfach nicht. Gut, bis auf Mersepack gab es zwar kaum eine Mannschaft die auch nur einen Spieler mit guter Schusstechnik in ihren Reihen hatte, aber Freizeitfußball lebt vom Spaß und somit vor allem von den Toren die man erzielt. Die ließen leider 33 Minuten auf sich warten: nach zwei torlosen Kicks traf ein Spieler von Mersepack aus einiger Entfernung gegen den Stadtrivalen FSG 93. Das nächste Tor fiel im ersten Spiel der Gastgeber: ein Wünscher tunnelte aus spitzem Winkel den Naumburger Torwart. Das war kein Torwartfehler, sondern einfach geschickt gemacht! Gegen Rooster Mücheln kam auch Mersepack nicht über ein 0:0 hinaus. Klobikau und FSG Merseburg trennten sich dann 1:1 – was eine Torflut! Und der Gastgeber spielte 0:0 gegen die Müchelner Biertrinker. Die tranken übrigens Sternburg... Das 1:0 von den Roostern gegen FSG war der beste Treffer des Turniers: 12m Entfernung, linker Spann – und voll in den Winkel. Schließlich erzielte Mersepack einen souveränen 2:0 Sieg gegen Klobikau.

Gut, dass das ein Turnier mit nicht-regulärer Spielzeit war: sonst wäre die 0:0 Serie gerissen, aber so spielen die Ergebnisse gar keine Rolle für diese Statistik.

In der Platzierungsrunde siegten die Roosters nach einem 0:0 im Neunmeterschießen (3 Schützen pro Team) gegen Wünsch: ein Schuss saß, fünf andere nicht. Mersepack zeigte der Biertrinker Union die Grenzen auf. 2:0 im zweitbesten Spiel des Turniers. Den fünften Platz holte Klobikau mit zwei platzierten Schüssen – zwei weitere Schüsse waren auch klasse: voll gegen die 10 Meter entfernte Scheunenwand, sodass die Bälle über den Zaun zurück auf den Sportplatz prallten – gegen Naumburgs sicheren Neunmeterschuss.

Nach diesem Spiel gingen wir, da wir in Steigra rechtzeitig ankommen wollten.

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SV Fortuna Steigra 6:3 SV Wallendorf 1889 II
Samstag 30. Oktober 2010 – Anstoß 15.00
Liga: 2. Kreisklasse Saalekreis, Staffel 1 (12. Liga, 7. Amateurliga)
Ergebnis: 6:3 nach 92 (45/47) Min. – Halbzeit: 1:2
Tore: 0:1 8. (10), 1:1 9. (11), 1:2 26. (7), 2:2 48. (11), 3:2 51. (8), 4:2 64. (8), 4:3 68. (10), 5:3 87. (16), 6:3 89. (11)
Verwarnungen: 1x Steigra, 1x Wallendorf
Platzverweise: keine
Sportanlage: Sportplatz Steigra (Kap. 1.000)
Zuschauer: 25 (davon 3 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Flottes und gutes Spiel mit einigen schönen Szenen für diese Spielklasse)
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Photos and English version:
Fortuna Steigra defeats SV Wallendorf Reserve

Nach kurzer Besichtigung des frühzeitlichen Kultplatzes Trojaburg (ein Graslabyrinth) und der Dorfkirche ging es zum Fußballplatz, der etwas trostlos zwischen mittelmäßiger und erbärmlicher Ein- und Mehrfamilienhausbebauung, Feldern und Buschwerk liegt. Aber wenigstens gab es ein gutes Spiel darauf zu sehen. Der Steigraer Trainer, mit dem wir etwas ins Gespräch kamen, war zwar ziemlich kritisch nach dem Spiel, aber man muss einfach die Klasse beachten und die Anstrengungen der Mannschaften positiv hervorheben.

Nach 8 Minuten war auch schon der erste Treffer gefallen: ein kurios aufsetzender Heber der Wallendorfer, der unter das Tordach sprang, sodass der Steigraer Torwart nicht mehr drankommen konnte. Nur eine Minute später ein ordentlicher Schuss ins Eck zum Ausgleich. Ein Gästespieler überlief die Abwehr und schob Mitte des ersten Spielabschnitts zum 1:2 ein.

Nach der Pause drehte Steigra mit einem Doppelschlag das Spiel. Nach über einer Stunde Spielzeit legten sie sogar noch drauf. Mit einem Hammer aus Nahdistanz verkürzte der Gast zwar, doch zwei einfach wie auch schön heraus gespielte und verwandelte Treffer schraubten das Resultat auf ein deutliches 6:3. Der Applaus der meisten der wenigen Zuschauer – 25 waren auch für die Klasse nicht viel und selbst in Wünsch war mehr Auftrieb – war ehrlich und berechtigt.

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Chemie Volley Mitteldeutschland (Spergau) 1:3 SC Charlottenburg Berlin
Samstag 30. Oktober 2010 – Beginn 19.30
Liga: 1. Volleyballbundesliga (Profiliga)
Ergebnis: 1:3 nach 109 Min. – Sätze: 29:27, 22:25, 20:25, 22:25
Besondere Vorkommnisse: keine
Sportanlage: Jahrhunderthalle (Kap. 1.300 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 1.000 (davon ca. 5 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,5/10 (Teils hochklassiges und immer spannendes Volleyball)
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Photos and English version:
Volleyball Bundesliga: Mitteldeutschland lost to Berlin

Trikots in hellgrün und grau: hellgrün wie chemikalienverseuchte Flüsse und grau wie die Fassaden einer trostlosen Industriestadt. Und dass soll zum CV Mitteldeutschland, spielend in einem ansehnlichen Dorf bei einer modernen und verhältnismäßig sauberen Industriestadt wie Leuna passen? In den vergangenen Spielzeiten gab es in meinem Blog immer wieder Berichte vom VC Bad Dürrenberg/ Spergau zu lesen. Da man im Volleyball die Inkonstanz liebt und aus diversen Gründen viele Vereine alle paar Jahre den Namen wechseln, gibt es hier keine Berichte vom VC Bad Dürrenberg/ Spergau mehr, sondern nur noch von „Chemie Volley Mitteldeutschland“. Die sind natürlich weiterhin in Spergau ansässig und spielen ihre Bundesligapartien in der Jahrhunderthalle aus. Dabei tragen sie oben zu sehende Trikots, die die komischste Farbkombination, die ich je gesehen habe, zeigen.

Ob das neue Wappen auf die Zugehörigkeit Spergaus zu Leuna anspielen soll – das Chemiker-C in Gold auf grünem Hintergrund ist so derartig deutlich von der BSG Chemie Leuna übernommen, dass Leugnen zwecklos wäre – weiß ich nicht genau. Die billige Montage mit dem Mannschaftsfoto vor dem Haupttor der Leunawerke tut ihr Übrigens. Wenn man sich schon zur Chemieindustrie bekennt frage ich mich aber auch, warum man den saublöden Beinamen „Pirates“ noch behalten muss. Aber wie dem auch sei: besser als wenn man „A!B!C Titans Bergisches Land“ heißt und nur durch Lizenzkauferei zum wiederholten Male am verdienten sportlichen Abstieg vorbeigekommen ist. Leider verloren die Chemiker in der Vorwoche beim „Zuschauermagneten“ Wuppertaler/ Bergisches Land. Doch das erste Spiel der Saison wurde mit 3:2 gegen niemand geringeren als „evivo“ Düren gewonnen.

Heute kam jemand noch Höheres in die Halle: der SCC Berlin. Würden es die Offiziellen beim VC – oder jetzt CV – nicht so gut mit uns meinen, würden wir uns auch keine Volleyballspiele mehr angucken, aber dieses Spiel lohnte sich mal doch. Der Start für den CV war zwar bedenklich schlecht, aber nach teilweise sechs Punkten Rückstand kämpften sie sich zurück, gingen ihrerseits bis zu drei Punkte in Front und zeigten in den schönen Ballwechseln und spektakulären Schmetterbällen, dass sie der Spitzenmannschaft zumindest zeitweilig gewachsen sind. Nach über einer halben Stunde hieß es 29:27 für Mitteldeutschland.

In Satz zwei bemerkte man Nervosität bei den Gästen: wenn die Schiris mal nicht zu ihren Gunsten entschieden, meckerten sie lautstark am Schiedsrichtergespann herum und versuchten es zu beeinflussen. Als ob die Blindgänger an Netz und Linie aus NRW nicht schon einseitig genug zugunsten der Gäste gepfiffen hätten! Zu fragwürdigen Entscheidungen – aus oder nicht aus war hier meist die Frage – kamen noch individuelle Fehler hinzu und eine Steigerung der Gäste, die auch auf spielerischer und nicht nur verbaler Ebene vonstatten ging. Am Ende ein glückliches 22:25 für Berlin.

Satz drei war dann leider sehr von Fehlern der Gastgeber – mitunter katastrophale Angaben – geprägt. So konnte der SCC problemlos mit 20:25 gewinnen. Der Satzball war allerdings ein Schiedsrichtergeschenk: eigentlich hätte es 21:24 heißen müssen, wobei das die Niederlage nur hinausgezögert hätte.
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Der vierte Satz sollte der letzte sein. Die Chemie-Piraten gerieten fast aussichtslos in Rückstand, kämpften sich lobenswert zurück und standen am Ende durch drei Fehlentscheidungen in fünf Ballwechseln mit 22:25 und einer 1:3-Niederlage da. Der lauteste Moment in der Halle, die wie üblich bei besseren Gegnern mit gut 1.000 Leuten, von denen aber auch nur sechs Trommler und gut 30 Krakeeler ohne große Unterbrechungen anfeuerten, war, als ein Block des CV auf dem Rücken eines Berliners landete und von dort ins Aus ging, was der direkt darüber stehende Hauptschiedsrichter als Ausball und Punkt für Berlin gesehen haben wollte: Da gab es ein zünftiges Pfeifkonzert mit Geschrei – selbst unter den VIPs! – gemischt, wie: „Was hat denn der Blinde da gesehen? Ist der bestochen, der Vogel?!“ Aber wenigstens hat niemand nach Tor- äh... Linienkameras oder ähnlichen Technik- und Roboter-Schwachsinn, wie es ein paar hohle Köpfe in Fußball oder Handball fordern, geschrien. Ohne die ab und an gravierenden Mängel bei den Volleyballschiedsrichtern, würde es in dieser Sportart – zumindest in den meisten Ländern, so z.B. auch Deutschland – wohl gar keine Emotionen geben.

Genug zu den Schiedsrichtern. Auch zum SCC, die ihrem Anspruch eine Spitzenmannschaft zu sein nur bedingt gerecht wurden (man muss da souveräner und vor allem disziplinierter und weniger arrogant und provozierend auftreten, als es die Charlottenburger taten), will ich nicht mehr Worte verlieren. Lob gilt vor allem dem Mitteldeutschen Chemie Volley, die mit einer kämpferischen Leistung mit wenigen Durchhängern und einer zum Ende hin höher gewordenen Fehlerquote immer noch ein wirklich gutes Spiel ablieferten. Das hat einen guten Eindruck gemacht, der auf ein respektables Saisonresultat – Mittelfeldplatz – hoffen lässt. Wieso man nach einem guten Spiel dann von beiden Vereinsseiten nur schlechte Presse liest, frage ich mich dann schon. Der SCC schwafelt was von „Arbeitssieg“ in einem angeblich nicht hochklassigen Spiel. CV Mitteldeutschland schreibt schon im ersten Satz pauschal „[h]ochklassig war sie nicht diese Partie“ und schiebt das auf die vielen „Fehle“ – mir scheint da eher eine maßlose Überschätzung der allenfalls zweitklassigen Volleyballbundesliga vorzuliegen. Ganz schwach ist auch, dass der letzte Satz das sehr vernünftige und zurückhaltende Zitat von Trainer Mücke „Schade, dass am Ende eine Fehlentscheidung stand“ entkräftet: es wird auf Fehlentscheidungen zuungunsten von Berlin hingewiesen, die sich aber bei ca. drei gegen ca. 12 Fehlentscheidungen zuungunsten Spergaus bewegten. Da chemie-volley.de keine Fanseite ist, sondern eine offizielle Webpräsens, schreibt man natürlich nicht „wegen dem blinden Schiri hatten wir keine Chance den Tie-break zu erreichen“, aber provozierend die Aussage Mückes als letzten Satz im Bericht zu lassen, zeichnet einen guten Pressewart aus. Einen weniger guten erkennt man an sinnlosen weil von mangelndem Selbstbewusstsein zeugenden Sätzen wie diesem Schlusssatz mit den Fehlentscheidungen gegen Berlin.
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Statistik:
Grounds Nr. 490 und 491 (zwei neue Grounds; diese Saison: 41 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.169 (diese Saison: 56)
Tageskilometer: 90 (Rad)
Saisonkilometer: 11.610 (8.170 Auto/ 1.640 Fahrrad/ 1.000 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 75
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 222

Freitag, 29. Oktober 2010

W222I: Fünf-Minuten-Hattrick unter Funsel-Flutlicht

TSV Leuna 1919 AH 1:3 BSV Halle-Ammendorf AH
Freitag 29. Oktober 2010 – Anstoß 18.00
Freundschaftsspiel Alte Herren
Ergebnis: 1:3 nach 72 (35/37) Min. – Halbzeit: 0:0
Tore: 1:0 44. Liebigt, 1:1 65. Nr. 11, 1:2 68. Nr. 11, 1:3 69. Nr. 11
Verwarnungen: keine, Platzverweise: keine
Sportanlage: Sportstätte der Jugend (Kap. 1.000, davon 20 Sitzplätze)
Zuschauer: 10 (davon 2 Gästefans)
Unterhaltungswert: 6,5/10 (Gutes und schnelles Altherrenspiel)
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Photos and English version:
TSV Leuna 1919 – BSV Halle-Ammendorf (Seniors)
Video:
Leuna’s Liebigt Heads in the Ball for the Lead!

Eben mitten im Spiel und nun geht das Flutlicht schlagartig aus und man steht im Dunkeln – keine Straßenlaterne in der Nähe, keine Häuserbeleuchtung. So war das vor wenigen Wochen bei einem Spiel der Alten Herren vom TSV Leuna geschehen, als einer meinte, er müsste seinem Kumpel die Funktionsweise der Flutlichtanlage erklären, dabei aber den falschen Knopf erwischte und die Lichter schlagartig ausgingen.

Diesmal ging das Spiel ohne Flutlichtabschaltung über die Bühne, wobei es schon in der ersten Halbzeit vor den wenigen Zuschauern im schummrigen Licht der vier kleinen Masten ein gutes und schnelles Spiel war. Es fehlten die Tore, für die es auf beiden Seiten aber die ein oder andere Gelegenheit gab. Hier merkte man, dass sich mit dem TSV Leuna und dem BSV Ammendorf zwei Spitzenmannschaften des Altherrenfußballs der Region gegenüberstanden.

In Hälfte zwei hatte Leuna zuerst mehr Spielanteile und Chancen, wobei zwei Eckstöße von Göcht besonders hervorzuheben sind. Beide kamen scharf aufs Ammendorfer Tor und während den einen ein Gästespieler fast ist eigene Tor köpfte – er flog dann aber knapp am langen Torwinkel vorbei – köpfte Liebigt den zweiten per Aufsetzer ins Netz. Die 1:0 Führung sollte bis zur 65. (also 5 Minuten vor Ende der Partie) halten. Da glänzte dann der 11er von Ammendorf, indem er nach mehreren vergebenen Chancen den Ausgleich nach einem Freistoß, drei Minuten später die Führung und eine weitere Minute später sogar das 1:3 erzielte.

Alles in Allem fiel die Schnelligkeit, die über weite Phasen des Spiels unterhaltsam war, auf. Auch der kämpferische Leistung Leunas, die gegen den überlegenen Gegner bis kurz vor Schluss prima mithielten, ist erwähnenswert.
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Statistik:
Ground Nr. 489 (kein neuer Ground; diese Saison: 39 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.166 (diese Saison: 53)
Tageskilometer: 10 (Rad)
Saisonkilometer: 11.520 (8.170 Auto/ 1.550 Fahrrad/ 1.000 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 74
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 222

Montag, 25. Oktober 2010

W221II: Zweimal Ärger über die beiden Gastmannschaften, aber von einem misslungenen Tag kann keine Rede sein

SV 90 Gimritz [3:0] LSG Lieskau 1920 II
Lieskau II nicht angetreten (kein Grund angegeben)
Wertung von 3:0 für Gimritz (Bestätigung ausstehend)

LSG 67 Ostrau II 2:3 1. SV Sennewitz II
Datum: Sonntag 24. Oktober 2010 – Anstoß 15.00
Liga: 2. Kreisklasse Saalekreis, Staffel 2 (12. Liga, 7. Amateurliga)
Ergebnis: 2:3 nach 94 (46/ 48) Min. – Halbzeit: 2:2
Tore: 0:1 5. Nr. ?, 1:1 25. Nr. 11, 1:2 38. Nr. 2, 2:2 40. Nr. 10, 2:3 86. Nr. 2?
Verwarnungen: 1x LSG, 2x 1.SV
Platzverweise: keine
Sportanlage: Sportplatz Ostrau, Platz I (Kap. 1.000, davon 50 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 45 (davon ca. 5 Gästefans)
Unterhaltungswert: 4,5/10 (Ordentliches Spiel mit Durchhänger in Hälfte zwei und unverdientem Sieger)
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Photos and English version:
Reserves:
LSG Ostrau vs. SV Sennewitz (+ Ostrau Castle)

Nachdem ich mich von meiner Freundin und ihrer Familie in Staßfurt verabschiedet hatte, fuhr ich per Zug über Sandersleben nach Könnern. Gegen den extremen Südwestwind – teilweise kam der von der Seite, aber solche Böen sind auch von der Seite nicht feierlich: wenn, dann bitte in den Rücken... – ging es weiter mit dem Rad nach Gimritz. Der Fußballplatz ist einfach herrlich! Ähnlich schön wie der in Střekov in Tschechien (siehe entsprechenden Bericht in der Berichtsammlung „Groundhopping Tschechische Republik/ Polen“). Dort traf ich mich auch mit meinem aus Merseburg gekommenen Vater. Leider standen sich die Gimritzer auf der hoch über dem Platz auf dem Hang thronenden Terrasse des Sportlerheims die Beine in den Bauch: die Reserve von LSG Lieskau kam einfach nicht. Was ist das eigentlich für ein Verein? Eine gute Landesklassemannschaft, viele akzeptabel spielende Jugendteams und so eine Reserve?! Das käme bei Leuna nie in die Tüte, dass unsere Zweite irgendwo unentschuldigt nicht antritt. Aber Lieskau hat ja nicht einmal angerufen. Kurzfristige Absagen (d.h. weniger als 24 Stunden vorher) sind so wie so scheiße, aber nicht mal bis zum geplanten Anstoßzeitpunkt Bescheid zu geben – noch nach 14 Uhr lungerte auch der Schiri, nicht wissend, ob noch ein Gegner kommt, herum – ist ja richtiggehend asozial!

Wir verschoben den Besuch in Gimritz, den ich nach bloßem Angucken des Platzes wärmstens empfehlen kann, auf einen Zeitpunkt in März, April oder Mai und fuhren nach Ostrau weiter. Zum Glück spielte die LSG erst 15 Uhr. Deren Platz ist zwar nicht halb so schön – eigentlich sind es zwei so gut wie identische Plätze mit recht dichtem Baumbestand drum herum, ein paar Holzbänken hinter der Metallreling, Toren mit eckigem Gebälk, zwei einfachen Wechselbänken und einem Sozialtrakt zwischen beiden Plätzen, sodass eine Unterscheidung mit Haupt- und Nebenplatz schwer fällt: ich habe den weiter westlich gelegenen Platz als Platz I bezeichnet – und wir hatten auch schon die Führung für Sennewitz II, da wir erst zur 7. Spielminute erscheinen konnten, verpasst, aber Hauptsache es gab ein Spiel!

Beide Teams lieferten in Hälfte eins auch ein Abwechslungsreiches und auf beiden Seiten aktives Spiel ab. Ostrau hatte etwas mehr Torgelegenheiten und kam nach einem Querschläger in der Gästeabwehr zum Ausgleich. Ein Freistoß aus gut 40 Metern senkte sich über den Ostrauer Torwart zur erneuten Führung ins Netz, ehe ein Akteur der Ostrauer Reserve zwei Verteidiger ausspielte und aus Nahdistanz den Ball überlegt über den Torhüter hob, die Unterkante der Latte traf und der Ball zum 2:2 ins Netz sprang.

Die zweite Halbzeit war nicht mehr so gut, da die spielerischen Fähigkeiten und Aktivitäten beiderseits nachließen und Ostrau ihre Chancen kläglich vergab. Sennewitz kam kaum zu Tormöglichkeiten, doch der zum Ende hin völlig unsicher werdende Schiri, die fast nur noch auf Zuruf – da waren die Gäste unsportlicherweise ziemlich aktiv drin – entschied, verhängte im Mittelfeld den lächerlichsten Freistoß den ich je gesehen habe, den Sennewitz zum 2:3 ausnutzte. Respekt, den Ball aus der Entfernung an die Latte zu zimmern und natürlich war auch das Nachhaken gut – der Ball landete erst im zweiten Nachschuss im Netz – aber besonders toll fühlen und dann Bemerkungen wie „Da seht ihr mal wie schlecht die [Ostrau] sind“ machen, muss man da wirklich nicht, wenn man durch ein Freistoßgeschenk zum Sieg kommt.

Die Sennewitzer hatten übrigens ein echtes Amateurfußball-Original in ihren Reihen: das Original stand allerdings nicht auf dem Platz sondern am Spielfeldrand und schien kurz vor einem Herzinfarkt zu stehen. Was der Trainer da tobte, fluchte und die eigene Mannschaft zusammenschiss – selbst wenn kein Grund dazu bestand – war unterhaltsam, aber mit der Zeit kaum noch feierlich. Also bei dem Choleriker würde ich nie in der Mannschaft spielen wollen. Das einzig vernünftige, was dieser Schreihals gemacht hat, war es zu unterlassen den Schiri oder Gegenspieler so zu behandeln wie seine eigene Elf.

Etwas verwunderlich war es dann doch, dass das Spiel der 2. Kreisklasse Saalekreis nicht so unterhaltsam und gut wie jenes der gleichen Klasse im Salzland (siehe Bericht vom Vortag) war. Sonst ist das immer umgekehrt! Aber dafür wollte man in Ostrau auch keine 2€ Eintritt wie in Schneidlingen. Aber freier Eintritt muss auch nicht sein. 1€ hätte ich denen ohne böse Bemerkungen gerne gegeben. Vor allem wäre ein bisschen Essenverkauf günstig gewesen. So mussten wir bis zum Bahnhof in Halle auf Essen warten. Auf Catering sollte man sich in den Klassen auf Kreisebene so wie so mehr konzentrieren, als darauf, die Eintrittspreise in immer bescheuertere Höhen zu schrauben: hab was von westdeutschen Kreisligaspielen mit 5€ Eintritt gelesen – und 2€ für Kreisklasse sind ebenfalls frech. Gut organisierte Vereine wie Ilmtal Zottelstedt (Kreisklasse Weimarer Land) haben sogar etwas Geld durch den Verkauf günstig hergestellter Fanartikel einnehmen können.
Nun denn: über Stumsdorf, wo wir die ganz ansehnliche Kirche begutachteten, ehe wir in den Zug nach Halle stiegen, fuhren wir nach Halle und weiter nach Merseburg.
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Statistik:
Ground Nr. 489 (ein neuer Ground; diese Saison: 39 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.165 (diese Saison: 52)
Tageskilometer: 140 (60 Rad, 80 Bahn)
Saisonkilometer: 11.510 (8.170 Auto/ 1.540 Fahrrad/ 1.000 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 73
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 221

W221I: Handball in Staßfurt und Fußball in Schneidlingen

SV Fortuna Schneidlingen II 2:1 SV Wacker 09 Westeregeln II
Datum: Samstag 23. Oktober 2010, Anstoß: 13.00
Liga: 2. Kreisklasse Salzland, Staffel 3 (12. Liga, 7. und unterste Amateurliga)
Ergebnis: 2:1 nach 92 Minuten (45/47), Halbzeit: 0:0
Tore: 0:1 72. Nr. 10, 1:1 80. Nr. 6, 2:1 85. Nr. 5
Verwarnungen: 1x Wacker
Platzverweise: keine
Sportanlage: Sportplatz Schneidlingen, Platz II (Kap.: 1.000 Stehplätze)
Zuschauer: ca. 40 (davon ca. 10 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (1. Halbzeit Mittelmaß, 2. Halbzeit topp!)

HV Rot-Weiß Staßfurt 32:36 LSV Ziegelheim
Datum: Samstag 23. Oktober 2010, Anwurf: 16.30
Liga: Mitteldeutsche Oberliga (4. Liga, 1. Amateurliga)
Ergebnis: 32:36 nach 60 Minuten, Halbzeit: 13:18
Tore: Retting 12, Scholz 6, Jacobi 3, Bruchno 3, Lingk 3, Stolze 3, Richter 1, Schröder 1 (Staßfurt); Moritz 10, D. Heinig 9, Kley 8, Dr. Reusch 2, A. Heinig 4, Wunderlich 3 (Ziegelheim)
Zeitstrafen: Bruchnow 6, Jakobi 2, Roch 2 (Staßfurt), A. Heinig 2, D. Heinig 2, Bluding 2 (Ziegelheim)
Platzverweise: Bruchnow (Staßfurt, 44. Minute, 3. Zeitstrafe)
Sportanlage: Paul-Merkewitz-Sporthalle (Kap.: 500 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 275 (davon ca. 50 Gästefans)
Unterhaltungswert: 6,5/10 (Staßfurt zw. 15. und 30. eingebrochen, ansonsten gleichwertiges Spiel auf ordentlichem Niveau)
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Photos and English version:
Amateur Football (Reserve Teams):
Fortuna Schneidlingen def. Wacker Westeregeln (+ Schneidlingen Castle)
Amateur Handball Top Flight:
HV Rot-Weiß Staßfurt lt. LSV Ziegelheim

An diesem Wochenende fuhr ich mit meiner Freundin in die Salzstadt Staßfurt, ihre Heimatstadt. Samstag standen neben Verwandtenbesuch auch zwei Sportveranstaltungen auf dem Programm.

Die erste davon wurde in Schneidlingen, einem 1.300 Einwohner zählenden Dorf, das mittlerweile ein Ortsteil von Hecklingen ist und rund 12km nordwestlich von Staßfurt liegt, ausgetragen. Dort schauten wir uns zuerst das Wasserschloss an, was zwar einen schön sanierten Turm hat, aber außer dem weißen Bergfried mit dem Wappenschild inmitten des Innenhofs ist alles grau, hat vernagelte Fenster und ist absolut renovierungsbedürftig. Da mangelt es aber einfach am Geld. Die Kirche hat aber immerhin eine kürzlich sanierte Turmhaube und ist sonst durch den Baustil auch die zweite Sehenswürdigkeit im Dorf.

Der Sportplatz ist eine ganz nette Anlage, die aus Haupt- und Nebenplatz besteht. Ersterer wird durch ein Tor mit dem gusseisernen Vereinsschriftzug betreten: dort hat man Umkleiden, Vereinsheim und einen mit einer Metallreling umfriedeten und mit Bäumen umstellten Platz. Der Nebenplatz ist ebenfalls dicht mit Bäumen umstanden. Die meisten davon sind Pappeln, die bald reif zum Fällen sein dürften. Vor allem die Torräume sind uneben, doch das gehört zu einem richtigen Kreisklasse-Dorffußballplatz dazu.

Auf dem mit Laub bedeckten Rasen spielten Fortuna Schneidlingens Reserve – die sind 6. von 12 mit 13 Punkten – und die Reserve von Wacker Westeregeln. Der Gast ist als 3. mit 20 Punkten nur 4 Punkte hinter dem Spitzenreiter (einziger Aufstiegsplatz!) 1. FC Aschersleben II. Das Spiel begann mit einer Schweigeminute für den am letzten Spieltag mit erst 21 Jahren an Herzversagen verstorbenen Spieler des VfB Glöthe. Die erste Halbzeit war durch die Anzahl vergebener Chancen – besonders der Gastgeber versemmelte etliche Dinger – und starken Zweikämpfe recht ansehnlich und auf durchschnittlichem Amateurniveau. Besser jedoch war Hälfte zwei. Dort dauerte es zwar eine Weile ehe jemand traf und dann auch noch die klar schwächeren Gäste aus Westeregeln. Die hatten zwar zuvor einmal einen Unterkantelattentreffer, aber dieses aus einem Abwehrfehler resultierende Führungstor war wirklich nicht besonders hervorhebenswert. Ganz anders der Ausgleich: 80 Minuten lang gab es nur schwache Freistöße, doch dann traf der Sechser von Schneidlingen aus 20 Metern vom linken Strafraumeck in den rechten Winkel. Herrlich! Auch das völlig verdiente 2:1 war ein klasse Treffer, der durch einen Heber aus 25 Metern über den Torwart fiel. Ein wirklich sehenswertes und spannendes Spiel ging mit einer vergebenen Doppelchance der Westeregelner zu Ende und fand so einen verdienten Sieger.
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Das war das erste gute Fußballspiel im Salzlandkreis, das ich gesehen habe. Wieso man dafür aber 2€ zahlen soll – habe ich bisher noch nie für diese Spielklasse – ist mir aber schleierhaft. Da eine räumliche Trennung zum Hauptspiel um 14 Uhr auf Platz I erfolgen sollte, ist das einfache eine Frechheit, da schon den Eintritt fürs Hauptspiel zu verlangen. Im Übrigen ist ja das Spielniveau sonst nicht so gut wie in Burgenland- oder Saalekreis sowie Leipziger Land oder Halle. Was mir außer dem Spielniveau – was ja jetzt auffällig gut war – außerdem nie gefallen hat im Salzlandkreis, waren die schlechten Radwege. Mich wunderte es wirklich nicht, dass ich gerade auf dem Weg von Löderburg nach Staßfurt einen Platten in den einen der guten Reifen gefahren habe. Die Wege sind richtig schlecht: viele der asphaltierten Straße extrem stark von Autos befahren und 90% der Radwege schlecht geschottert oder unbefestigt und der Rest zwar asphaltiert, aber so von dummen Fußgängern, die nicht auf andere Verkehrsteilnehmer eingestellt sind, frequentiert, dass man wirklich über die Schulbildung in dieser Gegend ins Lästern kommt. Also so viele Leute wie einem da im Weg rumstanden, habe ich sonst nur in Kopenhagen erlebt - und auf das dänische Niveau muss man sich wirklich nicht begeben...

Mit einem Kilometer schieben kam ich trotzdem noch klar vor Anwurf des Handballspiels der mitteldeutschen Liga, der höchsten Amateurhandballliga, an. Der HV Rot-Weiß Staßfurt ist ein noch junger Verein, doch er hat einen großen Vorgänger. Er ist der Nachfolger von Concordia Staßfurt, deren Handballabteilung am Halbprofibetrieb bankrott gegangen ist und aufgelöst wurde. Das zog auch die restlichen Abteilungen wie Kampfsport, Hockey u.a. in Mitleidenschaft, sodass sie sich auf andere Vereine der Umgebung wie Lok Güsten oder TSV Neundorf verteilen. Die Handballabteilung hielt sich als Neugründung aber glücklicherweise wenigstens im oberen Amateurbereich, auch wenn sie leider ein Abstiegskandidat in der höchsten Amateurspielklasse sind. Für sachsen-anhaltische Vereine ist diese Spielklasse die „Oberliga Mitteldeutschland“, geordnet nach der verqueren politischen Definition von „Mitteldeutschland“, wo neben Thüringen und Sachsen-Anhalt auch Sachsen dazu zählt: wo ist dann eigentlich Ostdeutschland? Böhmen und Schlesien?
Da ich mich noch nicht so eingehend darüber informiert habe, verzichte ich auf Bemerkungen zur Ligenneuordnung, außer: musst ihr Handballfunktionäre unbedingt die Fußballfunktionäre nachmachen?
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In Staßfurt war heute der Landsportverein Ziegelheim, der aus dem ostthüringischen Wieratal – zwischen Altenburg und Zwickau gelegen – in den Salzlandkreis hochfuhr, zugast. Beide Teams waren nicht ideal gestartet, aber mit zwei Siegen + drei Niederlagen (HV) bzw. einem Sieg, einem Unentschieden und drei Niederlagen (LSV) besser als Naumburg, die ihrer Rolle als Abstiegskandidat Nummer 1 mit fünf Niederlagen in Serie alle Ehre machen. Die Leipziger Verkehrsbetriebe führen übrigens mit hervorragenden fünf Siegen und 165:137 Toren

Die Halle kann ich für Groundhopper, die denken, alle Sporthallen sähen gleich aus, empfehlen. Natürlich sind Fußballstadien oder andere vergleichbare Sportstätten (Rugbystadien, Cricketovale) abwechslungsreicher, aber auch manch eine Sporthalle ist mehr als nur ein gesichtsloser Kasten mit den immergleichen Bänken. Die Paul-Merkewitz-Sporthalle, nach einem Staßfurter Sportorganisator benannt, ist ein 1952 umgebauter Salzspeicher (von anderen habe ich etwas von Markthalle gehört), der mich sehr an die ehemalige Markthalle und jetzt seit Jahrzehnten schon vom SC Magdeburg für die Reservemannschaft und Jugendteams, aber auch von Basketballern und anderen Sportlern genutzte Hermann-Gieseler-Sporthalle. Diese ist die einzige Sporthalle, die von mir 10 Wertungspunkte bekommen hat. Dass die Staßfurter Halle nur 6,5 Punkte erhält, hängt damit zusammen, dass a) sie baulich nicht geschlossen ist, wie die in Magdeburg: die Hintertortribüne ist nicht im selben Baustil wie die Längsseiten: dort sind auch nur so moderne Bänke, aber wenigstens ordentlich eingepasst worden und b) die Sicht eine Katastrophe ist: und zwar auf fast allen Plätzen. Entweder sitzt man zu tief, hat aber wenigstens kein Netz und keine Balken vorm Nischel (die jeweils ersten Reihen der Längsseiten) oder man befindet sich auf besserer Höhe, jedoch unter einer mit Balken und Leitern verbauten Längstribüne oder man sitzt auf guter Höhe aber ist recht weit weg vom Feld und hat ein störendes Netz im Blick (Hintertortribüne). Schlimm ist aber vor allem, dass man dann 5€ - andererseits sind für Studenten, Schüler usw. großzügige Ermäßigungen drin: ich zahlte nur 2,50€ - zahlen muss. Leider ist der Preis aber auch mittlerweile Standard in der Liga: als Staßfurt in den letzten Saisons noch die jetzt Sachsen-Anhalt-Liga (5. Liga, 2. Amateurliga) spielenden Spergauer und Franklebener als Gegner hatte, galten 5€ Eintritt noch als unverschämt hoch, da die beiden genannten z.B. nur 3€ verlangten.
Trotz aller Mängel ist das eine sehr sehenswerte Halle, deren Besuch lohnt!

Das Spiel lohnte ebenfalls das Kommen, wobei der HV Rot-Weiß leider nach 15 guten Minuten einbrach und die Ziegelheimer mit bis zur sechs Toren davon zogen. Der Thüringer Gast gewann das Spiel durch die starke zweite Hälfte der ersten Halbzeit und durch ihr konstant gutes Spiel in der zweiten Halbzeit, in der sie Staßfurt nach bis zu neun Toren Vorsprung erst kurz vor Schluss etwas aufholen ließen. Auf beiden Seiten gab es schöne Tore zu sehen, wobei der Staßfurter Angriff mit jenem von Ziegelheim nicht mithalten konnte. Es ist auch bedenklich, wenn ein einziger Spieler mehr als ein Drittel der Tore wirft, wie das Staßfurts Retting fertig brachte.

Die Zuschauerkulisse war gar nicht schlecht. Die Heimfans klatschten und trommelten zwar sehr monoton aber wenigstens ausdauernd – ab und an gab es auch mal Zwischenrufe oder es wurde tobend aufgesprungen – und auch in den Schwächephasen ihres Teams machten sie Lärm. Doch besser war eindeutig der erstaunlich zahlreiche Gästeanhang: 50 Leute, einige mit Schals, ein Banner und mehrere Trommeln dabei und dann wirklich ausdauernd am anfeuern und dann teilweise auch noch mit Sprechchören. Ich sollte mal in den nächsten Monaten ein Heimspiel von denen besuchen...
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Statistik:
Ground Nr. 488 (zwei neue Grounds; diese Saison: 38 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 1.163 und 1.164 (diese Saison: 51)
Tageskilometer: Freitag 70km Rad, heute 40km Fahrrad
Saisonkilometer: 11.370 (8.170 Auto/ 1.480 Fahrrad/ 920 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 72
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 221

Montag, 18. Oktober 2010

W220III: Nach dem böhmischen Handball nun auch normales Handball in Tschechien – und: Niederlage in der Verlängerung für Litvínov

HC Dukla Praha 24:26 TJ Cement Hranice
Datum: Sonntag 17. Oktober 2010 – Anwurf 10.30
Übersetzung: HV Dukla Prag gegen TV Zement Mährisch-Weißkirchen
Liga: „ŻUBR“ Extraliga (1. tschechische Profihandballliga)
Ergebnis: 24:26 nach 60 Min. – Halbzeit: 12:14
Tore: Štĕpán Krupa 5, Jan Landa 5, Radek Horák 5, Zdenĕk Polášek 3, Milan Kotrč 2, Martin Lehocký 2, Jakub Kastner 1, David Šůstek 1 (Dukla); Zdenĕk Čadra 7, Michal Indrák 6, Tomáš Galus 5, Radek Bajgar 3, Tomáš Bednařík 3, Tomáš Pavlíček 1, Lukáš Weintritt 1 (Cement)
Verwarnungen: Jan Landa, Radek Horák, Jakub Kastner (Dukla); Tomáš Pavlíček, Zdenĕk Čadra, Jakub Šíra (Cement)
Zeitstrafen: Martin Lehocký 4 min., Zdenĕk Polášek 2 min. (Dukla); Tomáš Pavlíček 4 min., Radim Brož 4 min., Zdenĕk Čadra 2 min., Michal Indrák 2 min., Lukáš Weintritt 2 min. (Cement)
Platzverweise: keine
Halle: Sportovní hala Sparty Praha (Kap. 1.130 Sitzplätze)
Zuschauer: 110 (davon ca. 10 Gästefans)
Unterhaltungswert: 8,5/10 (Sehr gutes Spiel mit einigen richtig genialen Szenen: eine Schande, dass nur so wenige Leute zuguckten!)
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Photos and English version:
Dukla Praha 24-26 Cement Hranice (Handball Extraliga)
Additional photos: Pictures from Prague;
a)
February 2010, b) 2005 and 2007
Sightseeing 17th October 2010:
Jestřebí castle and Zákupy palace

Im “Easy Journey” wird das Frühstück sogar aufs Zimmer gebracht. Und kaum hatten wir gefrühstückt, schon fuhren wir zur ersten Sportveranstaltung: in einer Plattenbausiedlung in Praha 9 befindet sich die Sporthalle von Sparta Praha, in der vor allem die Handballspiele von Dukla interessant sind. Der (zu ČSSR-Zeiten) Militärsportverein Dukla heißt nach dem Duklapass, einem Karpatenpass zwischen Slowakei und Polen, der insbesondere in den beiden Weltkriegen als strategischer Weg nach Wien hart umkämpft war. Der Rekordmeister Dukla ist derzeit 6. von 12 und der Gegner aus Hranice bei Olomouc, der vom ortsansässigen Zementwerk gesponsert wird, Dritter. Dukla hat seit 11 Jahren keinen Meistertitel mehr geholt, doch zuvor zwischen 1953 und 1999 30 Meistertitel gewonnen.

Da Dukla ein sehr bekannter Club ist und die Paarung eigentlich ein Spitzenspiel, vorwunderte es doch, dass sich bei einem Spiel der höchsten tschechischen Spielklasse, die zu den Top-15 oder Top-20 der Welt gehört (so auch die Nationalmannschaft Tschechiens), nur etwas mehr als 100 Leute in der modernen, sehr regelmäßig gebauten Halle, die für 1.130 Leute Platz bietet, verloren. Der Support war absolut amateurhaft: Zwischenrufe und ein paar Tröten. Eine Frau schleppte sogar ihren ausgesprochen dämlich aussehenden Pudel mit auf die Tribüne. In keinem Verhältnis zum amateurhaften Umfeld stand das Medieninteresse: außer mir fotografierten nur Presseleute – gleich drei – und zudem übertrug ein tschechischer Fernsehsender das Spiel live, wozu auch acht Kameras aufgebaut waren.

Ich hatte schon Zweifel am Profistatus der Liga, doch nach fünf Minuten Spiel waren diese verflogen. Bei allem Respekt für Amateursportler wie Handballamateure, aber so Aktionen wie in diesem Spiel gezeigt wurden, erfordern schon sehr häufiges Training und viel Talent. Das enge Spiel wurde von den Gästen nach der Pause, als sie mit bis zu fünf Toren führten, entschieden. Die Begegnung war schnell, technisch völlig in Ordnung und von den Torszenen her richtig Klasse. Der genialste Treffer war dabei ein Zuspiel des Torwarts von Dukla quer übers ganze Feld, den ein Mitspieler am Wurfkreis aus der Luft griff und direkt aufs Tor unter die Latte donnerte. Herrlich!

Nach dem Spiel räumten die Spieler der Heimmannschaft die Werbebanden weg und die Halle auf. Das will ich mal in der Handballbundesliga sehen! Wo man in Deutschland für 1,70€ (40 Kronen) Handball gucken kann, will ich ja auch mal sehen. Nur in Großkorbetha zur Kreisliga oder Bezirksklasse war ich mal mit 1€ noch günstiger dabei...
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Wir machten uns nach Norden auf, da Litvínov ein Spiel in Liberec zu bestreiten hatte und wir diese Halle noch nicht kannten. Was wir uns noch auf dem Weg dahin abguckten, waren die Burg von Jestřebí – dort wird man auf in perfektem Deutsch verfassten Infotafeln über die Geschichte der kaum erhaltenen Burg informiert, deren Burgfels aber sehr spektakulär ist – und die Kleinstadt Zákupy, wo es einige interessante Holzhäuser, eine auffällige Kirche (zweite Hälfte 19. Jhdt.), ein klassizistisches Rathaus und ein tolles Barockschloss mit etwas vergammeltem Garten, aber zwei schönen Innenhöfen und einem Bärengehege gibt.
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Bílí Tygři Liberec 3:2 n. V. HC „Benzina” Litvínov
Sonntag 17. Oktober 2010 – Anbully 17.00
Übersetzung: Weiße Tiger Reichenberg gegen HC „Benzina“ Oberleutensdorf
Liga: „Tipsport“ Extraliga (1. tschechische Profi-Eishockey-Liga)
Ergebnis: 3:2 nach 64:14 Min. – Drittel: 2:0, 0:1, 0:1/ 1:0
Tore: 1:0 11:55 Jaroslav Kudrna, 2:0 12:21 Tomáš Klimenta, 2:1 21:22 Martin Jenáček, 2:2 53:42 František Lukeš, 3:2 64:14 (Minute 4:14 der Verlängerung) Lukáš Derner
Zeitstrafen: Tomáš Vak, Ctibor Jech, Antonín Dušek, Jaroslav Kudrna, Marek Trončinský, Jan Víšek, Miloslav Hořava je 2 Minuten (Liberec); František Lukeš, Michal Travníček, Ivan Švarný, Karel Kubát, Richard Jareš und noch einer je 2 Minuten (Litvínov)
Halle: sogenannte Tipsport „Arena“ (Kap. 7.500, davon 7.300 Sitzplätze)
Zuschauer: 4.715 (davon ca. 100 Gästefans)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Kein schlechtes Spiel, aber mehr als Durchschnitt wohl kaum)
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Photos and English version:
Bili Tygri Liberec 3:2 (OT) HC Litvinov (Extraliga hokej)

Wenn ich bedenke, wie genial diese Paarung Ende 2007 war, als Litvínov 7:6 nach Verlängerung gewann: das war das beste Eishockeyspiel (10/10 Punkte) das ich je gesehen habe! Diesmal also unter den Vorzeichen, dass Litvínov auf Platz 11 von 14 und Liberec auf Platz 8 stand, ein Spiel in der Stadt der Weißen Tiger. Die gibt es da natürlich nur im Zoo zu sehen, wobei der für ebendiese Tiger bekannt ist – auch wenn es da weit mehr gibt als nur Tiger und der Zoo einen Besuch wert sein dürfte; vielleicht mal, wenn ich nach Liberec zum Fußballgucken fahre – und wohl auch deshalb der Verein sich Bílí Tygři nennt.

Auch diesmal war das Spiel recht ansehnlich, auch wenn es nicht die packende Action und extrem hohe Geschwindigkeit wie das eine Spiel 2007 hatte. Liberec ging in der Mitte des ersten Drittels nicht unverdient durch einen Doppelschlag in Führung. Danach war Litvínov leider richtig abgemeldet, kassierte aber zum Glück keine weiteren Tore. Nach der ersten Pause schafften sie sogar schnell den Anschlusstreffer. In einem mittlerweile ausgeglichenen Spiel erzielte der Gast aus der Industriestadt unweit der deutschen Grenze auch sechs Minuten vor dem Ende den Ausgleich, der eine Verlängerung nötig machte. Find ich zwar Schwachsinn, wenn man nicht Pokal oder Meisterrunde oder so was spielt, da zwanghaft einen Sieger herausfinden zu müssen, aber so ist eben der US-Sport: es gibt nur Sieger und Verlierer, quasi Schwarz und Weiß, Held und Versager, populär und uninteressant. Der Sieger hieß dann leider Liberec, da sie mit Glück den Puck durch Petr Franĕk seine Schoner schoben.

Was bei den Weißen Tigern leider auch sehr US-mäßig war, war der billige Hallenbaustil Marke Konservendose, dazu die äußerst billigen Tribünen – da gab es hinterm Tor sogar richtige Spalten im Boden – die extrem dummen Werbeblöcke, das ständige Herumspielen an der Hallenbeleuchtung während des Spiels und die lahme Stimmung. Ganz zu schweigen von den asozial hohen Kartenpreisen. Für Eishockey habe ich in Tschechien noch nie 7€ ausgegeben – und dann war auch noch das scheiß Fangnetz störend beim Fotografieren! Aber wenigstens waren wir im Gästesektor, wo ein Teil der 100 Leute auch sehr ausdauernd anfeuerte, wo wir uns natürlich anschlossen. Bei den einfachen und wenig ausgefeilten Anfeuerungen beim tschechischen Sport ist das auch nicht so schwer: Mehr als 20 Worte muss man sich nicht merken.

Wir schafften es dann nach einigen Minuten vom Parkplatz, auf dem man mal die ausländischen Nummern zählen und zuordnen konnte – da gab es fast 10 deutsche Autos, von denen sich zwei Drittel auf Liberec- und ein Drittel auf Litvínov-Anhänger verteilte, und zudem auch einen Slowaken und einen Polen – runterzukommen und kamen noch vor Mitternacht in Merseburg an.

Ein Fazit:
Nach dieser doch sehr gelungenen Fahrt muss ich - da es vielleicht in vorherigen Berichten zu Tschechientouren noch nicht so deutlich rüber gekommen ist - an dieser Stelle noch das Fazit ziehen, dass man sich weder von der oft kühlen Art der Einheimischen, noch der erschreckenden Defizite im Dienstleistungssektor abschrecken lassen sollte und die hin und wieder anzutreffenden herzlichen und höflichen Einheimischen zum einen und vor allem die enorme Dichte an Sehenswürdigkeiten auf hoher und höchster Qualität stärker beachten sollte. Auch wenn ich mindestens ein Land – nämlich Syrien – noch mehr schätze und als Reiseziel auch noch mehr empfehlen kann: Tschechien ist so sehenswert, dass kein Weg dran vorbei führt – denn wo gibt es sonst so viele herrliche Burgruinen, tolle Schlösser und Paläste oder altmodische Sportanlagen auf so engem Raum?!
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Statistik:
Ground Nr. 486 (zwei neue Grounds; diese Saison: 36 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 1.161 und 1.162 (diese Saison: 49)
Tageskilometer: 480 (Auto)
Saisonkilometer: 11.260 (8.170 Auto/ 1.440 Fahrrad/ 850 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 71
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 220

W220II: Blšany wieder erfolgreich, die böhmische Art Handball zu spielen und ein Besuch beim Bayern München der Tschechischen Republik

SK „Mondi“ Štĕtí 1:3 FK Chmel Blšany
Datum: Samstag 16. Oktober 2010 – Anstoß 10.15
Übersetzung: SC „Mondi“ Wegstädtl gegen FC Hopfen Flöhau
Liga: „Fincentrum“ Krajský přebor, Ústecký kraj (Bezirksliga Aussig, 5. tschechische Fußballliga, 1. Amateurliga)
Ergebnis: 1:3 nach 96 Min. (48/48) – Halbzeit: 0:1
Tore: 0:1 38. Stracený, 0:2 70. Čičcek, 1:2 73. Peterka (Elfmeter), 1:3 80. Stracený
Verwarnungen: Nr. 4, Nr. 7 (Štĕtí); Novák, Kolonin, Siegel sen. (FK Chmel)
Platzverweise: keine
Sportanlage: Městský Stadion Štětí - hřištĕ 2/ Stadtstadion Wegstädtl - Platz 2 (Kap. 1.200 davon 24 Sitzplätze)
Zuschauer: 150 zahlende, insgesamt ca. 200 (davon 2 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes Spiel beider Mannschaften)
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Photos and English version:
1)
SK Mondi Steti 1-3 FK Chmel Blsany (Krajsky prebor)
2)
Palaces of Libochovice, Budyne n. O., Roudnice n. L. & Melnik

Der Tag begann mit einem Frühstück, wie wir es oft in Tschechien essen: Baguettes an der Tanke. Bei der Benzina in Litvínov funktioniert zwar meistens vieles nicht – so ging bei einem Tschechen neben uns die Tankuhr nicht, der Kaffeeautomat war defekt und mit Karte konnte man auch nicht zahlen – aber dafür ist die Chance hier den freundlichen jungen Mitarbeiter zu treffen sehr hoch. Einer der so engagiert arbeitet, ist in Tschechien im Dienstleistungssektor absolute Mangelware.

Von Litvínov aus ging es über Libochovice, wo sich ein ganz ansehnliches Barockschloss am Markplatz befindet, das einen schönen Arkadeninnenhof und einen größeren Park mit Buchsbaumhecken hat, weiter nach Budynĕ nad Ohří. Dort ist eine komplett restaurierte oder rekonstruierte Wasserburg zu sehen; ein sehr eindrucksvoller Bau mit starken Mauern am Wehrgraben und Innen eben diesem geschlossenen Bau mit einem auffälligen Turm.

Nach Überquerung der Elbe erreichten wir die nicht besonders attraktive Industriestadt Štětí. Wir fuhren zügig zum am Süd-Ende der Stadt gelegenen Stadtstadion. Das eigentliche Stadion wird nicht mehr für Wettkämpfe genutzt, da auf der Tribüne die Sitzbänke angegammelt oder zertrümmert sind. Allerdings habe ich schon Spiele höherer Spielklassen in heruntergekommeneren Sportstätten gesehen... Gespielt wird auf dem Platz direkt daneben, der auf einer Seite drei Betonstufen aufweisen kann. Auf der obersten Stufe stehen an dem einen Ende vier Bänke. Gegenüber ist kein Ausbau außer einem Gerüst für einen Kameramann. Am Auffälligsten ist der Sprecherturm mit seiner komischen achteckigen Form.

Der SK Mondi Štětí ist einer der Vereine, der auf sinnlose und dumme Sponsorennamenzusätze hört. Zu diesem Problem habe ich mich noch weiter unten im Bericht vom Spiel zwischen Sparta und Liberec geäußert. Das Industriegebiet des international vertretenen britisch-österreichischen Papier- und Verpackungsmaterialienkonzerns ist in Štětí auch schwer übersehbar wenn man von Westen aus kommend über die kuriose Eisenbahn- und Auto-Brücke fährt.

Warum wir – obwohl wir wussten, dass nicht auf dem Hauptplatz gespielt wird – gerade nach Štětí fuhren, war die Ansetzung: denn unser tschechischer Lieblingsklub – FK Chmel Blšany – trat dort an. Der Gastgeber und die Hopfenkicker sind dabei punktgleich (15 Zähler, d.h. 6 weniger als Tabellenführer Louny) und als gleich stark einzuschätzen. Nach einer ersten Druckphase der Gastgeber tat sich Blšany allerdings schnell als die technisch bessere, beweglichere und torgefährlichere Mannschaft hervor. Allerdings dauerte es bis kurz vor dem Halbzeitpfiff, ehe nach Stracenýs starkem Flachschuss aus vollem Lauf ins Eck zwei der 200 Zuschauer jubeln konnten. Während die Heimfans hauptsächlich durch pöbeln auffielen, fielen die Gäste durch Abwesenheit auf. Nur mein Vater und ich unterstützten den „FC Hopfen“, was Kapitän Siegl Senior auch zur Kenntnis nahm.

In der zweiten Halbzeit war anfangs wieder der Gastgeber stärker, doch nutzte seine Chancen nicht und produzierte einen üblen Abwehrfehler – Fehlpass vorm eigenen Sechzehner, den sich Čiček erlief – wodurch Blšany mit 0:2 in Führung ging. Der Schiri war eine ziemliche Flitzpiepe und hatte nicht nur mit Einwurf-, Eckball- und Abstoßentscheidungen so seine Probleme, sondern auch mit dem Einschätzen von Fouls. So gab es einen fragwürdigen Elfmeter, den Peterka gegen Blšanys Ersatztorwart Krabec, der den gesperrten Klíma ansonsten prima vertrat, verwandelte. Allerdings dauerte es nicht lange, ehe der Gast aus dem 900-Einwohner-Dorf seinen dritten Treffer markierte: erneut zieht Stracený von der Strafraumgrenze aus ab und trifft Klasse ins Netz. 1:3 war der Endstand.
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Wir fuhren dann nach Roudnice nad Labem zurück, wo wir uns noch das in Renovierung befindliche Lobkowitz-Schloss von außen anguckten, auf dem sehr ansehnlichen Markplatz herumliefen und uns wunderten, warum der kleine Platz zwischen Markt und Wachturm (und auch ebenjener, heute als Aussichtsturm benutzte Wehrbau) in so viel besseren Zustand als die Kirchen sind.

Weiter ging es nach Mĕlnik. Dort darf man sich nicht von der Hässlichkeit des neueren Bereiches der Stadt abschrecken lassen: an der Spitze des Berges oberhalb der Elbe – von Westen aus ein gutes Panorama – befinden sich ein paar sehr schöne Häuser, eine auffällige Kirche und direkt daneben ein bekanntes und auch sehenswertes Schloss. Ansonsten kann man die Altstadt auch statt über die Treppe durch den Weinberg mit ein paar Schritten durch das Prager Tor – der Wehrbau wird derzeit restauriert – betreten. Insgesamt muss ich aber sagen, dass dieser Ort enorm überschätzt wird. Mĕlnik ist keine romantisch-schöne Stadt an der Elbe, sondern ein mieses Kaff bei Prag, das immerhin ein ganz nettes Schloss und ein paar andere alte Häuser, die aber in dieser Form jeder halbwegs zivilisierte tschechische Ort hat, bieten kann.
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TJ Avia Čakovice (ženy A) 37:20 TJ Stará Hut’ (ženy B)
Datum: Samstag 16. Oktober 2010 – Anwurf 14.20
Übersetzung: TV Avia (?) Prag-Čakovice (Frauen I) gegen TV Alte Hütte (Frauen II)
Liga: 2. liga ženy, Národní házená (2. Liga Frauen, Česká házená bzw. „Böhmisches Wurfspiel/ Handballspiel“)
Ergebnis: 37:20 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 20:9
Tore: Spielernamen unbekannt
Verwarnungen: keine (?)
Platzverweise: keine
Sportanlage: Areál TJ Čakovice, hřiště národní házená/ Vereinsgelände TV Prag- Čakovice, Handballplatz (Kap. 300, davon 125 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 15 (keine Gästefans)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Ganz flottes Spiel mit den in der Klasse sicher üblichen Mängeln)

TJ „Avia” Čakovice 17:18 TJ Sokol Opatovice nad Labem
Datum: Samstag 16. Oktober 2010 – Anwurf 16.30
Übersetzung: TV Avia (?) Prag-Čakovice gegen TV Falke Opatowitz/ Elbe
Liga: 1. liga muži, Národní házená (1. Liga Männer, Česká házená bzw. „Böhmisches Wurfspiel/ Handballspiel“)
Ergebnis: 17:18 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 6:9
Tore: Spielernamen unbekannt
Verwarnungen: bis zur Pause keine
Platzverweise: bis zur Pause keine
Sportanlage: Areál TJ Čakovice, hřiště národní házená/ Vereinsgelände TV Prag- Čakovice, Handballplatz (Kap. 300, davon 125 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 40 (davon vllt. 3 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Interessante Art Handball zu spielen... da ich den Sport nach EHF-Regeln gut genug kenne und dieses Spiel doch dem üblichen Handballspiel sehr ähnelt, kann ich hier von einem guten Spiel reden)
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Photos and English version:
Narodni Hazena (Bohemian Handball):
TJ Avia Cakovice (Prague)

Durch Zufall erfuhr ich im Internet von der ausschließlich in Tschechien verbreiteten, 1905 als eine Version des Handballspiels entwickelten Sportart Česká házená. Man belässt es meist bei diesem Namen, wobei die Tschechen ihr als „Böhmisches Handball“ oder „Tschechisches Wurfspiel“ zu übersetzendes Feldhandballspiel als Národní házená bezeichnen. Das heißt dann so viel wie „Staatliches Handball“ oder „Nationales Wurfspiel“. Mittlerweile ist das die 44. Sportart, die wir live kennengelernt haben. Im Gegensatz zum in Deutschland aus der Mode gekommenen und nur selten als modernen Verschnitt aufgeführten Feldhandball – Fußballfeld und -tore bedeuteten lange Laufwege wenige Treffer und geringere Attraktivität, da Handball in seiner jetzt international üblichen Form (in einer Halle auf einer Spielfläche von einem Bruchteil jener eines Fußballfeldes; ja, ein Handballfeld ist kaum größer als ein Strafraum eines Fußballplatzes) von den harten Zweikämpfen auf engem Raum und dem schnellen Hin- und Her zwischen den nur 40m auseinander stehenden Toren lebt – ist diese Art des Feldhandballspiels ziemlich sehenswert. Das Spielfeld beim Národní házená ist kaum größer als in der Halle, die Tore sind recht kurios (höher als breit: 2 x 2,40m) und der Belag reicht auch von Kunstrasen über Asche bis Beton.

Der Gastgeber Avia Čakovice, aus einem Vorort von Prag, spielt auf Kunstrasen und hat noch diverse andere Sportarten – es lief gerade ein Fußballtennis-Turnier; das Fußballstadion wäre auch spielbereit gewesen – im Angebot. Die tschechische Art des Handballs ist dort aber besonders ausgeprägt und als wir um kurz vor 15.00 dort aufkreuzten, waren die Frauen von Avia Čakovice in ihrem Spiel gegen die Reserve von TJ Stará Hut’ gerade noch in der Halbzeitpause. Es stand bereits 20:9, was in einigen Spielen der Endstand nach 60 und nicht der Zwischenstand nach 30 Minuten ist, wobei vor allem durch die beiden überforderten Torhüterinnen – der Gast wechselte zwar auch mal die Torfrau, doch auch die dritte Torhüterin war eine Katastrophe – noch mal so viele Tore in Halbzeit zwei fallen sollten. Was der Gastgeber zeigte, war auch immer wieder sehenswert: locker am Kreis kombinieren und dann mal beherzt aufs Tor geworfen. So siegten sie mit 37:20. Die Kleidung beider Teams passte übrigens zur Spielweise: die Gastgeber hatten richtige Trikots in blau-weiß mit Namen drauf – die Gäste schlabbernde T-Shirts und Hosen ohne jeden Aufdruck außer einer Nummer.

Um 16 Uhr sollten eigentlich der 11. von 12 gegen den 5. der ersten Männerliga auf dem schönen kleinen Platz, der auf beiden Längsseiten je zwei vierreihige Tribünen – die zwei auf der einen Seite sind blaue Schalensitze auf Betonstufen, die zwei auf der anderen komische Metall- und Holzkonstruktionen – und drumherum einige Nadelbäume hat, spielen. Leider kam das Arschloch von Schiedsrichter nicht. Bis man für diesen Vollpfosten Ersatz hatte, war eine halbe Stunde rum. In dieser halben Stunde sollte eigentlich schon die ganze erste Hälfte gespielt sein. Die begann nun 16.30 mit einigen schönen Spielszenen, harten Zweikämpfen – ob die bei den Teams, die noch auf Betonplätzen spielen, auch so die Gegner zu Boden reißen? – guten Treffern und starker Verteidigungsarbeit. Obwohl die Zuschauerzahl katastrophal war – durchschnittliche Zahlen liegen bei 120 und nicht 40 wie hier, Spitzenzahlen sind bei 500 Leuten – kamen auch gute Emotionen auf: Gästespieler wurden nach Fouls lautstark als „Arschloch“ und „Fotze“ beschimpft, die eigene Mannschaft auch immer wieder mit „Macht ein Tor“ und „Vorwärts“ Rufen angefeuert.

Wir mussten wegen der Verzögerung durch den Penner von Schiri leider schon nach dem Pausenpfiff gehen um den sportlichen Höhepunkt des Tages nicht zu verpassen. Bei nächster Gelegenheit werden wir aber wieder so ein Feldhandballspiel in Tschechien wahr nehmen – und dann auch mal 60 Minuten ein Spiel und nicht zwei Spiele nur zur Hälfte!
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AC Sparta Praha 0:2 FK Teplice
Datum: Samstag 16. Oktober 2010 – Anstoß 18.20
Übersetzung: AC Sparta Prag gegen FC Teplitz-Schönau
Liga: 1. „Gambrinus“ liga (1. tschechische Profifußballliga)
Ergebnis: 0:2 nach 92 Min. (45/47) – Halbzeit: 0:1
Tore: 0:1 31. Aidin Mahmutovič, 0:2 66. Aidin Mahmutovič
Verwarnungen: Erich Brabec (Sparta); Vlastimil Vidlička, Tomáš Vondrášek, Antonín Rosa, Aidin Mahmutovič (Teplice)
Platzverweise: keine
Sportanlage: sogenannte Generali „Arena“, früher Stadion letná (Kap. 20.854 Sitzplätze)
Zuschauer: 6.942 (davon ca. 30 Gästefans)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Durchschnittliches Spiel)
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Photos and English version:
1st:
Sparta Praha 0:2 FK Teplice (1. Liga)
2nd: Older Pictures from Prague:
a)
February 2010, b) 2005 and 2007

Ziemlich problemlos steuerte ich – mit meinem Stadtplan lesenden Vater als Navigationsgerät – den Wagen durch halb Prag bis auf den Parkplatz gegenüber des Stadions Letná. Für 50 Kronen (etwas mehr als 2€) darf man dort unbegrenzt parken. Die Karten fürs Spiel holten wir uns natürlich nicht bei dem alten Sack, der unter der Hand damit handeln wollte, sondern an einer der Kassen. Wir bekamen Karten im mittleren Preissegment für 240 Kronen (10€) pro Stück: noch nie haben wir in Tschechien so viel Geld für eine einzige Sportveranstaltung ausgegeben!

Dass die Kommerzialisierung auch vor der Tschechischen Republik nicht halt macht, ist klar. Dass es seit Jahren schon Erscheinungen wie das Verkaufen von Lizenzen und mitunter auch das damit verbundene Verschieben von Spielorten oder das Umbenennen der Vereine – je nach dem wer gerade sponsort – gibt, ist dem Fan bekannt. Wer wie mein Lieblingsklub – FK Chmel Blšany – nur vier Umbenennungen (von Sokol Blšany (1946) zu TJ Sokol Blšany, dann TJ JZD Blšany und SK Chmel Blšany, 1992 schließlich FK Chmel Blšany) erfahren hat, ist noch echt gut dabei. Der Kultklub Bohemians 1905, der auch immer gern auf Gegen-den-modernen-Fußball macht, wechselte z.B. 11 Mal den Namen. Auch Sparta hieß lange nicht „Sparta“, denn 1893 hießen sie noch AC Královské Vinohrady, ein Jahr später AC Sparta, nach dem zweiten Weltkrieg benannten sie sich in fünf Jahren vier Mal um tragen erst seit 1965 wieder konstant den Namen „Sparta“ in unterschiedlichen Formen. 2003 war die letzte der neun Umbenennungen. Was ein typischeres Anzeichen für übertriebene kommerzielle Interessen diverser Subjekte im tschechischen Sport ist, ist die Menge von Sportanlagen (Generali-Arena ist nur eine von Dutzenden), Ligen (Fincentrum Krajský přebor ist auch nur eine von Dutzenden) und selbst Vereinen (FK BAUMIT Jablonec oder SK Mondi Štětí sind nur zwei von Dutzenden) die nach mehr oder weniger sinnvollen Sponsoren, die in vielen Fällen den Verein schon nach wenigen Jahren nicht mehr unterstützen können/ wollen und ihn so mitunter in den Ruin treiben aber zumindest in mehrschichtige Schwierigkeiten bringen, benannt sind. Aber als deutscher Fan muss man da zuerst vor der eigenen Bude kehren, wenn man sich den SSV Markranstädt/ Rasenball/ Redbull Leipzig, Sparkassen/ Baufirmen/ Energieunternehmen Sponsorennamen-Amateurligen in vielen Bundesländern, die ganzen Brauerei-Landespokale oder LR-Kosmetik Ahlen anguckt.

Was man sich bei der Fußball AG Athletik Club Sparta Prag aber mal vor Augen halten muss, ist das asoziale Preisniveau der Eintrittskarten. Außer Slavia habe ich noch keinen Club gefunden, der derart hohe Preise (ist ja wie in der 3. Bundesliga bei uns!) verlangt. Sicher ist das Einkommen der Tschechen bis auf 75% vom Deutschen Einkommen gestiegen, klar sind die Preise mindestens genauso gestiegen, doch liegen sie in vielen Bereichen weiterhin unter den deutschen Preisen und sind auch für Einheimische meist fair. Gerade Sport ist sehr erschwinglich: vergleicht man mal z.B. mit den kranken Preisen die in Polen verlangt werden (Fußballkarten für die erste Liga erst ab 6€, Basketball ab 8€) wird man über Eintrittskartenpreise für 3€ bis 4€ für ordentliche Sitzplätze in Fußballstadien und Eishockeyhallen erstaunt sein. Aber bei den größenwahnsinnigen Hauptstädtern fängt die Preisspanne da an, wo sie bei den meisten anderen Vereinen aufhört oder gar nicht erst hinkommt: die billigste Sparta-Karte kostet 130 Kronen (5,50€) und die teuerste 435kc/ 18€. Dauerkarten sind zwischen 37€ und 169€ angesiedelt. Für die Verhältnisse in anderen Teilen Tschechiens wie gesagt saumäßig überteuert.
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Als wir das Stadion nach sehr laschen Kontrollen über den Ost-Eingang betraten, wurden wir den ersten Eindruck von Fotos im Internet und Außenansichten nicht los: eine 0815-„Arena“, die in Premier League, Bundesliga oder wo auch immer dieser langweilige Baustil gepflegt wird, überall gleich aussieht. Abwechslung bieten in der 1. tschechischen Liga ohnehin nur noch wenige Stadien: geschmackvoll modernisiert wurden zum Beispiel die Spielstätten in Brno und Olomouc, architektonisch nicht doll aber gut in die Landschaft eingepasst ist das Stadion von Slovan Liberec, doch wirklich interessant sind nur die älteren Anlagen von Hradec Králové und natürlich Bohemians Praha. Letztere sind zwar in Sachen Eintrittspreise auch schon bei 6-12€, aber haben ein viel besseres und schöneres Stadion als Stadtrivale Sparta. Die von der Generali-Versicherung namentlich verunzierte Anlage ist nämlich ein stellenweise verbauter Allseater, der auf seltsamen Stahlträgerkonstruktionen am Rande des eigentlichen Stadions die Imbissbuden und ähnliches unterbringt und auf ebenso komischen Stahlträgerkonstruktionen oberhalb des Mittelteils der Haupttribüne Presseplätze angebracht hat. Der obere Teil der Haupttribüne ist teilweise durch Balken verbaut, die Hintertorseiten ragen auch noch seitlich rein, der Vorbereich ist kahlster, hässlichster Beton und außer einem „Sparta“-Schriftzug findet sich auch nichts Auffälliges an den Sitzen.

Apropos Schriftzüge: wenn man an der Stadionmauer die Keltenkreuze und Sparta-Graffiti mit dem „S“ in Runenschrift sieht, weiß man was für asoziale Gestalten mitunter anzutreffen sind. Allerdings hört man bei Sparta auf den Tribünen auch Deutsch, Englisch, Vietnamesisch und Türkisch ohne dass sich diese Leute fürchten müssten, von den eigenen Mit-Fans angegangen zu werden. Für den Rekordmeister ist es aber trotzdem ärgerlich, dass sich auch solche rechtsradikalen Spaste bei ihm einfinden – und das in dreistelligen Zahlen.
Die heutige Zuschauerzahl war mit knapp 7.000 nicht so doll, aber besser als bei den anderen Gambrinus-Ligisten. Die Stimmung war auch bis in die zweite Hälfte hinein für die tschechischen (insbesondere böhmischen) Verhältnisse wirklich gut, da bei den Wechselanfeuerungen zwischen Hintertorbereich und Gegentribüne so viele mitgingen, dass es richtig laut wurde. Emotionen ist man ja in Tschechien gar nicht gewohnt. Höchstens noch von den mitunter ziemlich derb und aggressiv – aber eben auch stimmungsvoll – auftretenden Prager und Mährischen Fans. Ansonsten waren natürlich nur die Ultras anfeuerungsmäßig in Aktion. Alles aber bekannte Melodien und 0815-Texte. Die Gästefans waren kaum zu hören und erst recht nicht so einfallsreich. Die Jungs aus Teplice waren aber auch zahlenmäßig sehr wenige.

Das heutige Spiel war eine Spitzenbegegnung zwischen dem nach einem schlechten Start mittlerweile auf Platz 2 stehenden Rekordmeister (19 tschechoslowakische und 13 tschechische Meistertitel und zahlreiche Pokalsiege) Sparta und dem ebenso schlecht gestarteten aber jetzt auf dem 5. Platz stehenden FK Teplice, der in seiner Vereinsgeschichte drei Pokale gewann. Tabellenführer ist derzeit aber Viktoria Plzeň, was deren erste Meisterschaft wäre. Im Übrigen fallen noch die schlechte Platzierung (13. von 16) von Slavia Praha, die sonst fast so erfolgreich wie Sparta sind, und die gerade einmal drei Siege des Vereins aus Brünn, dem derzeitigen Tabellenletzten auf. Richtig übel fällt aber auf, dass der 1. FC Brno nun „FC Zbrojovka Brno“ heißt: Zbrojovka war zwar schon 1948 bis 1956 Namensbestandteil, somit also eine Rückbenennung, aber das der Industriebetrieb Česká Zbrojovka den Klub sponsort und den Namen gekauft hat ist eine Verhöhnung des Sports und in vielen europäischen Ländern aufgrund der Unvereinbarkeit mit dem sportlichen Fairplay gar nicht möglich; denn die auch noch stark auf Kundschaft aus den USA orientierte Česká Zbrojovka ist ein Waffen- und Rüstungsbetrieb. So ein Sponsor ist wirklich unpassend für Sportvereine!

Zurück nach Prag, wo die beiden Teams dem Spitzenspiel im positiven Sinne nicht ganz gerecht wurden. Das Spiel war zwar nicht schlecht, hatte aber den ein oder anderen Durchhänger. Über Geschwindigkeit und technische Fertigkeiten konnte man sich zwar nicht beklagen, aber dass die aktivere Mannschaft, Sparta, so derartig dilettantisch vorm Tor agiert, war nicht so toll. So traf Teplice mit einem Glückstreffer, d.h. einem von einem Sparta-Spieler enorm abgefälschten Ball, vor der Pause zum 0:1. Aber egal: Hauptsache kein torloses Unentschieden!
Nach der Pause war wieder das gleiche Bild wie zuvor zu sehen: Teplice zeigte die ein oder andere Attacke, was jedoch selten gefährlich war und auch alles in allem nicht so aktiv aussah wie bei Sparta. Das Tor erzielte aber wieder der Gast: diesmal auch ein schöner Kopfball und kein Murmeltor. Der Endstand betrug somit 0:2.
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Nach dem Spiel brauchten wir eine ganze Stunde um zum Hotel zu kommen: selbst mit Stadtplan ist Prag ziemlich unübersichtlich. Gut, dass wir nicht zum ersten Mal dort sind. Als Mehrfachfahrer kann ich nur sagen: wer eine schönere Hauptstadt zu kennen meint, der soll sie mir mal zeigen. So eine herausragend schöne und geschlossene sowie flächenmäßig große Altstadt gibt es kein zweites Mal! Wer Prag nicht gesehen hat ist reisetechnisch nicht mehr als eine Flachzange und kann nicht behaupten, viel von der Welt gesehen zu haben.

Zum Hotel muss man sagen, dass das „Easy Journey“ zwar nicht so einfach zu finden ist, da es in der Straße Plzenska kaum erkenntlich in Hausnummer 22 untergebracht ist, aber für 30€ das Doppelzimmer (kann man wohl auch mit bis zu fünf Leuten belegen) einen fairen Preis macht. Die Zimmer sind einfache, aber saubere und geräumige Buden mit Bad. Auch der Hotelier ist völlig O.K. Beim ihm bezahlt man gleich in bar.

Zum Abschluss des Tages mussten wir noch mal zur Tanke, da das der einzige Ort im zwei Kilometer Umkreis vom Hotel war, der etwas zu essen zu bieten hatte. Dort wurde man dann mal wieder von der Sorte Bedienstete bedient, die in der Tschechischen Republik ein echtes Problem darstellen. Wer etwas von „Servicewüste Deutschland“ faselt, soll sich mal in Tschechien umgucken. Da ist man in Deutschland so was von meilenweit voraus, was Umgang mit Kunden und unter den Mitarbeitern angeht, dass es auch Tschechen mitunter peinlich ist, wie schlecht ihre Kellner, Tankstellenmitarbeiter, Supermarktkassierer etc. sind. Diese Saubande ist so derartig unfreundlich, arrogant und unmotiviert, dass man die eigentlich nur fragen kann: „Wollt ihr Wichser eigentlich was verkaufen oder soll ich wieder gehen?“

Allerdings sollte man sich weder von der oft kühlen Art der Einheimischen, noch der erschreckenden Defizite im Dienstleistungssektor abschrecken lassen. Die ab und an anzutreffenden herzlichen und höflichen Einheimischen zum einen und vor allem die enorme Dichte an Sehenswürdigkeiten auf annehmbarer, hoher und höchster Qualität machen das wieder um ein Vielfaches wett. Auch wenn ich mindestens ein Land – nämlich Syrien – noch mehr schätze und als Reiseziel auch noch mehr empfehlen kann: Tschechien ist so sehenswert, dass kein Weg dran vorbei führt – denn wo gibt es sonst so viele herrliche Burgruinen, tolle Schlösser und Paläste oder altmodische Sportanlagen auf so engem Raum?!
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Statistik:
Ground Nr. 484 (drei neue Grounds; diese Saison: 34 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 1.156 - 1.159 (diese Saison: 47)
Tageskilometer: 210 (Auto)
Saisonkilometer: 10.780 (7.480 Auto/ 1.440 Fahrrad/ 850 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 71
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 220

W220I: Mal wieder zum Eishockey in Litvínov - Überraschender Sieg über den Tabellenführer

HC „Benzina” Litvínov 3:1 HC „Mountfield“ České Budĕjovice
Datum: Freitag 15. Oktober 2010 – Anbully 17.30
Übersetzung: HC „Benzina“ Oberleutensdorf gegen HC Böhmisch Budweis
Liga: „Tipsport“ Extraliga (1. tschechische Profieishockeyliga)
Ergebnis: 3:1 nach 60 Min. – Drittel: 0:0, 2:1, 1:0
Tore: 1:0 27:05 Jaroslav Kracík, 2:0 30:54 Petr Jánský, 2:1 37:35 Jan Snopek (Powerplay, +1), 3:1 41:52 Vojtĕch Kubinčák
Zeitstrafen Litvínov: Petr Jánský (4 min), Karel Kubát (2 min), Radim Skurovec (2 min), Viktor Hübl (2 min), Juraj Majdan (2 min)
Zeitstrafen České Budĕjovice: Jan Snopek (4 min), Jakub Šulc (4 min), Rostislav Martynek (2 min), Stanislav Dietz (2 min), Roman Pšurný (2 min), Tomáš Mertl (2 min), Milan Gulaš (2 min)
Halle: Zimní Stadion Ivana Hlinky/ Eisstadion Ivan Hlinka (Kap. 7.000 davon 2.000 Sitzplätze)
Zuschauer: 4.128 (davon ca. 50 Gästefans)
Unterhaltungswert: 6,5/10 (Ziemlich gutes Niveau, aber kein Knallerspiel: am wichtigsten war der Sieg von Litvínov)
Sightseeing: 7,0/10 (Drei landschaftlich sehr schön gelegene Burgen)
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Photos and English version:
Castles and Churches in Bohemia’s Beautiful Landscape:
Kostomlaty, Milesov, Dekovka
Ice Hockey Match:
Benzina Litvínov Defeats HC České Budĕjovice!

Als Geburtstagsgeschenk für meinen Vater ging es für ein Wochenende in die Tschechische Republik. Da das Semester gerade erst begonnen hatte, war auch genug Zeit. Zudem habe ich dieses Semester das, was der Freitag mit seinem Namen so fälschlich zu versprechen scheint: frei. So fuhren wir auch schon kurz vor 10 Uhr, nachdem der Mietwagen freigegeben war, los.

Unser erster Punkt war ein Dorf namens Kostomlaty pod Milešovkou, das östlich von Litvínov zwischen Teplice und Litomĕřice liegt. Aus Richtung Teplice in den Ort fahrend, nahmen wir hinter der mit Leitplanken flankierten Engstelle links die extrem schmale Sukovka-Straße, die den Berg hoch führend, flankiert mit der üblichen Bebauung in böhmischen Dörfern – einfache Steinbauten, bröcklig getüncht, darauf Blechdächer – auf einer Koppel endet. Dann folgten wir dem grünen Wanderweg, der steil und von Bäumen geschützt zur Burgruine Kostomlaty (Hrad Kostomlaty oder Sukoslav) führt. Diese ist derzeit eine einzige Baustelle und die gotischen Mauern mit dem großen Portal und den zwei Bergfrieden sind auch nur eingeschränkt zugänglich. Die Sicht auf den Ort ist trotzdem schön, wobei der Ort selbst dann nur noch einen ganz interessanten Bereich zu bieten hat: die Schule in einem Kloster- oder Schlossbau, daneben die Kirche, deren deutschsprachige Steinplatte mit der Kreuzigungsszene ebenso wie die Turmhaube mit Uhr auffällt.

Weiter nach Milešov, wo oberhalb des Löschteiches mit dem seltsamen Steinhaus ein ganz ansehnliches Barockschloss thront. Der Garten ist etwas verwildert und der dazugehörige Pavillon ist verfallen, doch der Kernbereich ist in einem ziemlich guten Zustand. Dort ist ein Altenheim untergebracht. Am Ortsrand findet sich noch eine ganz interessante Kirche.

Über immer enger werdende Nebenstraße fuhren wir dann noch nach Dĕkovka, wo sich eine auf einem Felsbrocken thronende, aber sehr kleine gotische Burgruine namens Hrádek oder Oltářík befindet, die gerade jetzt im Herbst einen herrlichen Blick auf die bunten Wälder und die Vulkankegel dieser Region Böhmens – die längst erloschen sind freilich – freigibt, ehe wir nach Litvínov weiterfuhren.
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Der Besuch in der nach Ivan Hlinka benannten Eishalle war wie immer lohnend, wobei uns diesmal die gestiegene Anzahl der Imbissstände auffiel. Dort kann man gut essen zu ganz günstigen Preisen. Mittlerweile erhält man dort die Spielprogramme auch gratis; in denen stehen schon mal sehr kuriose Ergebnisse, wie das des einen Amateurspiels, dass Litvínovs III. Mannschaft mit 11:23 gewann. Andere Preise sind eher gestiegen: mittlerweile kostet sogar Benzin fast so viel wie in Deutschland und Diesel war ohnehin schon länger nicht mehr billiger. Die Eintrittskartenpreise in Litvínov sind ebenso gestiegen (aber 80 Kronen sind immer noch nur 3,50€ – und vorher waren es halt 70 Kronen) wie die Hotelpreise. Das Hotel in der Eissporthalle kann ich aber trotzdem sehr empfehlen, da die ausreichend großen Zimmer im dritten Stock der Eissporthalle – manche wohl auch mit Blick in selbige; wir hatten die mit Balkon – sehr ordentlich sind und nur 600 Kr. (25€) kosten.

HC Benzina Litvínov, vor dem Spiel auf einem Play-out Platz (12. von 14) liegend, traf heute auf Čéské Budĕjovice, seines Zeichens Tabellenführer. Vom Spitzenreiter war aber gar nicht so viel zu sehen, denn Litvínov hielt in der Abwehr den Angriffen der Gäste souverän stand und attackierte seinerseits das Tor in regelmäßigen Abständen. Allerdings dauerte es bis ins zweite Drittel hinein, ehe mal ein Tor fiel. Kracík und Jánský erzielten dann aber auch innerhalb von drei Minuten die beiden ersten Treffer für den Gastgeber. In einem wirklich sauberen und disziplinierten Spiel hatten die Schiedsrichter überraschenderweise einige Schwierigkeiten mit der Regelauslegung. So führte auch eine sinnlose und unberechtigte Herausstellung gegen Litvínov zum einzigen Tor der Gäste. Die 50 Gästefans feierten trotzdem tapfer, selbst als Litvínov mit dem 3:1 im Schussdrittel die Entscheidung gelang. Die beiden Fangruppen schienen sich ohnehin gut zu verstehen, da sich gegenseitig und auch beiden Mannschaften Applaus gespendet wurde, nachdem sie nach Abpfiff des guten Spiels durch die Halle fuhren.

Wir brauchten dann nur die Treppe in der Eishalle, die übrigens die schönste Eishalle ist, die ich kenne, hoch zu gehen: so nah hatten wir es nach einem Spiel noch nie zum Übernachtungsort. Wie gesagt kann ich dieses Hotel in der Eishalle generell empfehlen – auch wenn kein Spiel ist und man nur eine günstige Übernachtung in der Gegend braucht. Einzig störend kann die Hellhörigkeit sein: da braucht man nur mal am einen Ende des Ganges (Zimmer 1) zu rülpsen und auch der letzte in Zimmer 23 hört das – oder man muss sich mal über das Nachbarzimmer ärgern, wenn so ein Spacken wie der in Zimmer 3 (wir waren in der 1) schnarcht, hört man das definitiv durch die hauchdünne Wand. Aber dafür sind die Einrichtung, das Bad und die Lage in Verbindung mit dem Preis richtig gut.
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Statistik:
Ground Nr. 481 (kein neuer Ground; diese Saison: 31 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.155 (diese Saison: 43)
Tageskilometer: 310 (Auto)
Saisonkilometer: 10.570 (7.480 Auto/ 1.440 Fahrrad/ 850 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 69
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 222

Sonntag, 10. Oktober 2010

W219II: Was war der einzige Spielausfall in der Staffel? Richtig: unser Spiel! Aber dafür gab’s im 14-Uhr-Spiel den Ausgleich in der Nachspielzeit

SV Sietzsch C x:x SV Tura 90 Beesenstedt C
Sonntag 10. Oktober 2010 – Anstoß 10.00
Liga: C-Junioren Kreisklasse Saalekreis (4. Liga der 12-14jährigen = unterste Spielklasse)
Ergebnis: Ausfall wegen (k.A.)

SV 1970 Röglitz 1:1 LSG Kütten II
Sonntag 10. Oktober 2010 – Anstoß 14.00
Liga: 3. Kreisklasse Saalekreis, Staffel 3 (13. Liga, 7. Amateurliga = unterste Spielklasse)
Ergebnis: 1:1 nach 96 Min. (48/48) – Halbzeit 0:1
Tore: 0:1 24. Nr. 7 LSG, 1:1 91. Nr. 7 SVR
Verwarnungen: 2x LSG
Platzverweise: keine
Spielort: Sportplatz Röglitz (Kap. 700 Stehplätze)
Zuschauer: ca. 35 (davon ca. 5 Gästefans)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Ganz O.K. für die Klasse)
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Photos and English version:
SV 1970 Röglitz 1-1 LSG Kütten Reserve

Um einen weiteren Saalekreisground abhaken und hier für die interessierten Amateurfußballfans vorstellen zu können – in diesem Falle der vom SV Sietzsch genutzte Sportplatz Lohnsdorf – wollten wir eigentlich um 10 Uhr ein C-Junioren Spiel dort sehen. Wir hatten in dieser Saison bereits zwei Spiele (eines nur zur Hälfte und das war katastrophal schlecht – das andere jedoch komplett und überrascht über die Stärke beider Teams) dieser Klasse gesehen und bisher gab es auch in dieser Klasse erst zwei Ausfälle in mehr als 60 Spielen, doch welches Spiel kam heute – sicherlich durch Absage am gleichen Tag wegen Spielermangels – nicht zustande: genau, Sietzsch gegen Beesenstedt. Also fuhren wir weiter und verlegten den Groundpunkt Sietzsch auf einen Termin im November; da aber natürlich die Herrenmannschaft.

Nach einer Esspause im Sportlerheim Raßnitz fuhren wir nach Röglitz, einem kaum mehr als 300 Einwohner zählenden Dorf auf einer Anhöhe, oberhalb des Flussbetts der Luppe und der umliegenden Aue mit ihren Feldern und kleinen Waldstücken, das mit auffällig gepflegten Häusern und einer schönen, in kräftigem Gelb gestrichenen Kirche aufwarten kann, um ein Spiel der untersten Spielklasse zu sehen.
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Den SV 1970 Röglitz kannte ich noch als reinen Freizeitverein (Link zum Bericht Röglitz – Döllnitz AH) und mein Vater hatte den erst in diesem Jahr erstmalig zum Spielbetrieb hinzu gestoßenen Club bisher noch gar nicht spielen sehen. Der nicht uninteressante Platz – er ist recht eng und liegt schön am Rande des Berghangs bzw. hinter der Kurve der Hauptstraße nach Großkugel und Raßnitz hinter dem Teich; zudem ist er von ein paar Ahornbäumen und Pappeln flankiert – war also nur einer der Gründe, wieso wir dieses Nachholspiel besuchten. Nachgeholt werden musste es übrigens nur, weil man sich beim Verband in Magdeburg nicht mit dem Ausstellen Spielerpässen der Röglitzer beeilt hatte.

Was die Tabellensituation angeht, so ist Röglitz als Vierter (4 Siege, 2 Niederlagen) klar favorisiert gegen den Vorletzten (d.h. Neunten) aus Kütten (das ist aber auch nur die Reservemannschaft), der nur zwei Siege bei vier Niederlagen hat. Am Spieltag zuvor zeigte Röglitz mit einem 2:1 mal wieder, wie torarm ihre Spiele leider sind: 17 Tore in 6 Spielen = 2,8/ Partie, d.h. die geringste Torquote in der Staffel 3 und wohl auch der ganzen 3. Kreisklasse. Bei Kütten kamen die üblichen fast doppelt so hohen Ergebnisse zustande (5,2/ Spiel).

Auch diesmal wurde es kein Torfestival, wobei man auch nicht von einem langweiligen Spiel reden konnte. Beide Mannschaften spielten die ganze Spielzeit über ziemlich flott hin und her, es gab etliche Chancen auf beiden Seiten und nach 24 Minuten traf der Gast aus Kütten auch mit einem Freistoß, der als Aufsetzer im Eck landete. In der zweiten Halbzeit war es weiterhin das flotte und weitestgehend saubere Spiel mit der in dieser Spielklasse üblichen Anzahl an Fehlern (Fehlpässe, Ballverstolpern, unbeabsichtigte Rempler und Handspiele). Einen weiteren Treffer gab es aber erst in der Nachspielzeit, wobei der Ausgleich für Röglitz zwar aus abseitsverdächtiger Position erzielt wurde, ich aber erstens hervorheben muss, dass Röglitz gleichwertig war und deshalb den Ausgleichstreffer verdient hatte und zweitens der Schiri auch völlig richtig mit der Linie lag, im Zweifel das Spiel einfach laufen zu lassen; ob nun vielleicht Hand oder Abseits vorlag oder nicht: wenn man in der Klasse dauernd pfeift, stört man das Spiel enorm!
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Statistik:
Ground Nr. 481 (kein neuer Ground; diese Saison: 31 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.154 (diese Saison: 42)
Tageskilometer: 30 (Fahrrad)
Saisonkilometer: 10.260 (7.170 Auto/ 1.440 Fahrrad/ 850 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 69
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 219