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Mittwoch, 8. Februar 2012

W288II: Eishockey in Tschechien – die Stahlwerker aus Mährisch-Schlesien besiegen die Chemiewerker aus Nordwest-Böhmen

HC Oceláři Třinec 6:4 HC „Verva“ Litvínov
Datum: Sonntag, 5. Februar 2012 – Anbully: 17.00
Wettbewerb: sogenannte „Tipsport“ Extraliga hokej (1. tschechische Profi-Eishockeyliga)
Ergebnis: 6:4 nach 60 Min. (3x20) – Drittel: 4:0, 1:1, 1:3
Tore: 1-0 2.22 David Ostřížek, 2-0 2.48 Václav Varaďja, 3-0 9.49 Jan Peterek (Powerplay), 4-0 11.56 Jiří Polanský (Powerplay); 4-1 23.40 Pavel Smolka, 5-1 36.18 David Květoň; 5-2 52.58 Richard Jareš, 5-3 54.55 František Gerhát, 5-4 59.02 Martin Ručinský (Powerplay, da Torwart vom Eis), 6-4 59.53 Martin Lojek (Empty Net)
Zeitstrafen: 2x Lukáš Zíb, Václav Varaďja, Radek Bonk, Andrej Novotný, Jiří Polanský, Bankstrafe da Wechselfehler (Třinec = 14 Minuten); Viktor Hübl, Pavel Smolka, Matěj Stříteský, Juraj Majdan, Martin Ručinský, Bankstrafe da Wechselfehler (Litvínov = 12 Minuten)
Spielort: Třinecký Zimní Stadion, sogenannte Werk „aréna“ (Kap. 5.200, davon 3.700 Sitzplätze)
Zuschauer: 3.049 (davon ca. 15 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Das Spiel schien nach 12 Minuten entschieden, doch Litvínov kämpfte sich in einem immer besser werdenden Spiel noch mal heran)
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Photos and English Version:

Der Uni-freie Montag lud zu einer zweitägigen Kurzreise nach Tschechien und Polen ein. Am Sonntag um fünf brachen wir zu dritt auf und durchquerten – da diese Route etwas kürzer ist als jene über Prag, die auch noch Maut kostet – erstmal fast ganz Schlesien. Nach knapp 400km Polen – von denen einige dutzend dank des völlig unfähigen polnischen Winterdienstes eher rutschend als fahrend zurück gelegt werden mussten – fuhren wir nach Tschechien rein. 10km hinter der Grenze befindet sich die drittgrößte Stadt des Landes und das Zentrum Mährisch-Schlesiens: Ostrava. Die Stadt ist ein Konglomerat von industrialisierten Dörfern, doch während die Struktur sehr ans Ruhrgebiet erinnert, fällt die Bebauung doch etwas positiver auf. Das ist schon wieder richtig sehenswert, wie kurios zusammengewürfelt die Gebäude und Straßenzüge Ostravas sind: in einer Straße stehen Neobarock, Jugendstil, 1920er-Jahre Betonbauten, 1960er Plattenbauten und 2000er Glasfassaden nebeneinander. Ein planerischer Grundriss ist übrigens nirgendwo zu erkennen: hier wurde ohne Sinn und Verstand drauflos gebaut! Zwei Sehenswürdigkeiten am Rande der Stadt sind historisch wertvoll: eine teilweise rekonstruierte Burgruine und eine für die Beskiden nicht untypische Holzkirche. Keine Stabkirche wie in Norwegen oder Rumänien, aber auch eine sehr interessante Bauweise!
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15km weiter östlich befindet sich eine richtig graue, gesichtslose Industriestadt: Třinec. Graue Kirchen, graue Plattenbauten, graue Einfamilienhäuser und weißer Rauch der über die grauen Straßenzüge am Stahlwerk zieht. Nette Atmosphäre, vor allem an so einem beschissenen Wintertag mit 12 Grad unter Null, wie heute...
Wir fuhren dort natürlich nur zum Eishockeygucken hin: HC Litvínov spielte da schließlich! Für die Nordwestböhmen ist das die weiteste Auswärtsfahrt, sodass es nicht verwunderte, dass nur 12 andere in schwarz-gelb (diesmal auch keine anderen deutschen Fans) den Weg ins tschechisch-polnisch-slowakische Grenzgebiet zu den Oceláři (Stahlwerker) nach Třinec fanden. Viel leiser als das Heimpublikum, dass nur ab und an mit einem Wechselgesang zwischen Hintertorsektor (Stehplatzbereich) und dem Rest der Halle glänzen konnte, waren die 12 allerdings auch nicht.

Die Halle, die sich „Werk aréna“ nennt und direkt neben dem modernisierten Fußballstadion in Sichtweite der Schlote des Stahlwerkes steht, ist ganz ansehnlich: eine Hintertorseite hat Betonstehstufen, die andere alte Kunststoffklappbänke in rot – die beiden Längsseiten sind mit diesen alten Klappbänken in braun-gelb bestückt. Gästefans sind in Block B untergebracht, neben dem sich eine nicht mehr funktionierende Anzeigetafel befindet. Sektor A ist die Hauptseite mit einer verglasten Loge dahinter. Die einzigen Sektoren, in denen man keine Sichteinschränkungen durchs Fangnetz (aber bis hoch in Reihe 6 oder 7 durchs Plexiglas) hat, sind A und E die auch immerhin 130 Kronen (5,60€) kosten. Für überzogene 120 Kronen gibt es hinterm Tor die Plätze – außer für Heimfans im Stehplatzbereich: da sind es nur 80 Kronen für einen Stehplatz.
Wegen zurückgegangener Zuschauerzahlen und enttäuschender Leistungen hauten die Stahlwerker aber heute die Eintrittskarten zu symbolischen Preisen von 10 Kronen (0,40€ für einen Stehplatz) und 20 Kronen (Sitzplatz) raus. Was ein Preisnachlass!

Die Leistung der Oceláři war heute auch alles andere als enttäuschend: einen Wahnsinnsstart legten die da hin: Doppelschlag in der dritten Spielminute, bis zur 12. stand es schon 4:0. Erst im zweiten Drittel kam der völlig überforderte Gast zu guten Gelegenheiten, von denen sie eine verwandelten. Ein starker Schlagschuss halbhoch ins lange Eck sorgte aber für den alten Vier-Tore-Vorsprung. Im letzten Drittel wurde es aber richtig spannend: Litvínov spielte endlich richtig gut Eishockey und setzte die kaum nachlassenden Třinecer nun richtig unter Druck: drei Tore in Folge bis zur Schlussminute und nun Powerplay ohne Torwart. Diese Empty-Net-Situation sollte allerdings – wie so oft – zum Verhängnis werden: die aufgerückte Verteidigung konnte den über die Bande aufs Tor gebrachten Weitschuss nicht mehr klären. 6:4 also am Ende dieser schließlich doch noch mal spannenden und wirklich guten Partie!
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Wir fuhren dann noch mal über die Grenze nach Polen, um in Cieszyn zu übernachten. Das war nämlich einige Euros billiger als in Tschechien. Ein Dreibettzimmer im Hotel „Gambit“ kostete uns nur 39€; Frühstück pro Person: 4,50€ - Parkplatz und Internet gratis. In Tschechien lagen die Angebote alle bei knapp 50€ ohne Frühstück. Auch Benzin war wieder deutlich günstiger als in Tschechien: 1,38€ gegen 1,46€ (Diesel 1,40€ gegen 1,44€). Auffällig war in Cieszyn übrigens noch, wie außer slawischen Dialekten und Sprachen keine anderen gesprochen wurden. Polnisch und Tschechisch sind da kaum auseinander zu halten, da man Schlesisch slawischer Ausprägung (sogenanntes „Schlonsakisch“) spricht, was so eine Mischung aus beidem ist: man schreibt „Schlesien“ z.B. statt wie in Polnisch „Śląsk“ im Schlesischen „Šlonsk“. Beides spricht sich „Schlonsk“. Tschechisch wäre es „Sleszka“. Auch in Třinec fiel dieser Dialekt auf: der Ortsname wurde weicher als normal in Tschechien ausgesprochen (also ziemlich polnisch) und ein Spieler trug den Namen „Bonk“ statt wie es in Polen wäre „Bąk“. Verständigungsprobleme gibt es für Slawischsprecher allerdings nicht: die meisten slawischen Sprachen (so auch Russisch, Polnisch und Tschechisch untereinander) sind so ähnlich, dass eine Verständigung nur unter sehr ungebildeten Menschen und Kindern nicht gut funktioniert.

Statistik:
Grounds: 698 (heute 1 neuer; diese Saison: 104 neue)
Sportveranstaltungen: 1.459 (heute 1, diese Saison: 145)
Tageskilometer: 720 (720 Auto)
Saisonkilometer: 28.510 (19.960 Auto/ 6.600 Flugzeug/ 1.940 Fahrrad/ 10 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 30
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 288

Mittwoch, 5. Januar 2011

W232II: Die Kometen von Brno und ihre runde Halle

HC Kometa Brno 2:3 HC Plzeň 1929
Dienstag 4. Januar 2011 – Anbully 18.00
Übersetzung: HC Komet Brünn – HC Pilsen 1929
Liga: „Tipsport“ Extraliga (1. tschechische Profi-Eishockey-Liga)
Ergebnis: 2:3 nach 60 Min. – Drittel: 1:1, 1:0, 0:2
Tore: 1-0 0.23 Radim Hruška, 1-1 19.26 Radek Duda, 2-1 24.42 Marek Kvapil, 2-2 44.02 Radek Duda, 2-3 47.35 Martin Straka
Zeitstrafen in Minuten: Jaroslav Svoboda 2+2, Radek Procházka 2, Marek Kvapil 2, Roman Erat 2 (Brno: 10 Minuten); Nicolas St. Pierre 4, Jan Kovář 2, Radek Duda 2, Jaroslav Modrý 2, Bankstrafe 2 (Plzeň: 12 Minuten)
Halle: Hala Rondo (Kap. 7.200, davon 4.200 Sitzplätze)
Zuschauer: 6.823 (davon ca. 25 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,5/10 (Schnelles und technisch sowie in Torszenen starkes Spiel)
Sightseeing: 6,5/10 (Burg Kámen lohnt auch eine Außenbesichtigung sehr, Pelhřímovs Altstadt ist auf jeden Fall einen Besuch wert, aber Brno ist – trotz ein paar sehenswerter Plätze – so ziemlich die hässlichste Stadt in ganz Tschechien!)
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Photos and English version:
Kámen Castle & Pelhřimov Old Town
Brno - Second Largest City in Czechia
Ice Hockey: Kometa Brno 3-2 HC Plzeň

In Bechyně bekamen wir vom sehr gut deutsch sprechenden Hotelchef des „Panská“ ein mittelmäßiges Frühstück serviert – nicht, dass es schlecht war, aber wieso man in Tschechien nur mittelmäßiges Frühstück, aber hervorragende warme Küche bekommt, ist mir ein Rätsel – und fuhren mit dem Ziel irgendwann in den nächsten Jahren für bessere Fotos der Stadt bei besserem Wetter noch mal zurück zukommen, über Kámen nach Pelhřimov. In Kámen gibt es eine schöne Burg, die einen mittelalterlichen Teil mit massiver Schildmauer und einen neueren, größeren, frühbarocken oder so, Teil hat. Die ganze Anlage ist in einem hervorragenden Zustand und in einem durch ein massives Tor zu betretenden, felsigen Park gelegen. Das Museum war geschlossen, was uns allerdings egal war. Wir wollten so wie so recht zügig weiter nach Pelhřimov, was in Deutsch als „Pilgrams“ bekannt ist. Dort gibt es ein besonders schönes, wenn auch nicht sehr großes Exemplar einer böhmischen Altstadt mit vielen Barock- und Renaissancebauten. Die Kirche des Heiligen Bartholomäus ist ein sehr schöner Barockbau, in dem man auch Fotos machen darf: als Motiv lohnt sich vor allem der reich verzierte Altar.

In Brno gibt es auch etliche Fotomotive – so z.B. die Kathedrale von außen, wenige der zwischen der Kathedrale und der Festung gelegenen Bürgerhäuser, ebendiese kahle Festung Špilberk, und drei Plätze (der eine unterhalb der Kathedrale, der andere bei der ehemaligen Klosterkirche und der dritte bei den Verwaltungsgebäuden in der Nähe der Kathedrale) – allerdings sollte man auch mal den Orten Beachtung schenken, die man besser nicht fotografiert: die von Roma geführten, vergammelten Ramschläden, die teils in abbruchreifen Häusern, teils in Bretterbuden untergebracht sind und meist in Bahnhofsnähe liegen, dazwischen die Obdachlosen, die in schmutzigen Decken auf den noch schmutzigeren Steinstufen pennen – ab und an wird man auch mal von Tschechen oder Roma, die entweder gar nicht aussehen als hätten sie es nötig oder auch völlig zerzaust und zerfressen von Alkohol erscheinen, angebettelt. Ohnehin reiht sich in Brno ein Problemviertel an das das nächste: abgewohnte Häuser, Verfall, bewohnte Ruinen – dazwischen ebendiese heruntergekommenen Gestalten. Insgesamt kann ich vom Niveau der Sehenswürdigkeiten und der Hotels diese Stadt niemandem empfehlen – das Niveau der Sportmannschaften und -anlagen im Fußball und Eishockey ist aber so gut, dass ich unter diesen Gesichtspunkten einen Besuch empfehlen kann.
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Beim Eishockey in der zweitgrößten Stadt Tschechiens fällt auch wieder auf, was unter dem Publikum für Gestalten aufkreuzen: da mag zwar auch unser freundlicher Sitznachbar sein, der sich mit uns in ein paar Brocken Deutsch verständigt – aber da sind auch die nach Alkohol stinkenden Asozialen mit verfilzten Haaren und abgetragenen Klamotten, bei denen man sich wundert, dass sie überhaupt die teueren Karten bezahlen können oder die in Thor-Steinar-Klamotten gekleideten Neonazis. Brno hat aber insgesamt gesehen die stimmungsmäßig beste Szene der ganzen Tschechischen Republik. Zwei Überziehfahnen wie heute sind bei denen das Standardintro – Papptafelchoreos und anderes gibt es bei wichtigeren Spielen zu sehen; die Anfeuerungen sind sehr ausdauernd und werden teilweise auch von den Sitzplätzen und nicht nur den beiden Stehplatzblöcken getragen. Hier im Osten Europas (während Böhmen zu Mitteleuropa gezählt werden Muss, ist jede andere Einteilung Mährens außer zu Osteuropa absoluter Schwachsinn) sind die Zuschauer auch aggressiver als im Zentrum, zu dem auch zwei Drittel Tschechiens gehören, so ja auch eine der wichtigen böhmischen Großstädte wie Plzeň; von da kamen heute gut 25 Leute, die auch ab und an mit Anfeuerungen zu hören waren.

Nicht nur die Atmosphäre auf den Rängen, sondern auch die Sportstätte als architektonisches Denkmal und das Spiel als hochwertiges Duell lohnten das Kommen. Die Halle ist ein regelmäßig runder Bau – daher Rondo – der aber im Gegensatz zu den für Hand-, Volley-, Basketball usw. genutzten, ähnlichen Sporthallen in Tripolis (Libyen) und Tunis keine runden Tribünen hat. Die beiden anderen Hallen haben nämlich auch ganz runde Tribünen, sodass man in der Mitte relativ weit entfernt vom Feld sitzt, doch der Brünner Rondo wurde innen modernisiert und zwei mit sehr einfachen Plasteschalensitzen ausgestattete Längstribünen lassen nehmen nicht mehr die Rundform der Hallenwände und Deckenelemente auf. Hinter den Toren – dort sind die Stehplätze – ist die Rundung auch nicht mehr so stark erkennbar. Ein Blick zur Decke mit den seltsamen Dämmungselementen und den kreisförmig angeordneten Wartungstreppen ist aber interessant; die Hallendecke ist auch das erste, was Gästefans als Erinnerungsbild abfotografieren.

Das Spiel war von Beginn an schnell – die Brünner Mannschaft spielt auch oft relativ aggressiv, sodass viel Fahrt ins Spiel kommt – und schon mit dem ersten Angriff hob die Heimmannschaft die Stimmung in der Halle ernorm an, da sie den Puck gleich im Tor unterbrachten. Etliche Chancen vor allem für Brno später, lag der Puck dann aber auch mal im Tor der Kometen, die trotz Überlegenheit den Ausgleich hinnehmen mussten. Die Gäste wurden nach der Pause stärker, doch weiterhin war Brno die etwas bessere zweier wirklich guter Mannschaften. So kam Brno auch zur erneuten Führung. Im dritten Drittel legte Pilsen aber derartig zu, dass Brno fast nur noch am Verteidigen war und zwei Tore hinnehmen musste. Am Ende siegten also die Gäste mit 2:3 Toren.

Da wir schon am frühen Nachmittag sehr gut in Brno essen gehen konnten (das Švejk in der Nähe der Uni hat gute, moderne tschechische Küche zu angemessenen Preisen; in Deutschland würde man locker 50 bis 100% mehr bezahlen für so gute Sachen) fuhren wir ohne nennenswerte Verzögerungen gleich nach dem Spiel zurück nach Merseburg, wo wir nach etwas mehr als 6 Stunden Fahrt (30 Minuten Pause inklusive) kurz vor 2 Uhr ankamen.
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Zusammengefasst gesagt lohnt sich zwar keine Stadtbesichtigung Brnos, aber ein unter sportliche Aspekte gestellter Besuch der Stadt (für ordentliche Sehenswürdigkeiten kann man ja im Umland bis Olomouc herumfahren). Man sollte allerdings bei einer mehrtätigen Tour Brno nicht als Ausgangspunkt, sondern als ein Tagesausflugsziel z.B. von Olomouc oder Zlín nehmen, da die Hotellerie in Brno sauteuer und unseriös ist. Der Besuch beim Erstliga-Fußball ist schon lohnend, aber beim Erstligisten im Eishockey, ebendiesem HC Kometa, ist aufgrund der Spielqualität, der Halle und der Stimmung, lohnt ein Besuch noch mehr. Dass der Club nur durch Lizenzkauferei in der höchsten Spielklasse spielt ist war scheiße, aber tut der Fanatmosphäre und dem spielerischen Niveau keinen Abbruch.

Statistik:
Ground Nr. 511 (ein neuer Ground; diese Saison: 61 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.202 (diese Saison: 89)
Tageskilometer: 710 (Auto)
Saisonkilometer: 17.270 (12.070 Auto/ 2.290 Bahn, Bus, Tram/ 2.110 Fahrrad/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 83
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 232

Dienstag, 28. Dezember 2010

W230III: Teil 2 der Tour durch Mähren; Burgruinen, Plattenbauten, ein moderner Zoo und eine klare Niederlage für Litvínov

HC „PSG“ Zlín 7:2 HC „Benzina“ Litvínov
Sonntag 26. Dezember 2010 – Anbully 17.00
Übersetzung: HC „PSG“ Zlin/ Gottwaldov gegen HC „Benzina“ Oberleutensdorf
Liga: „Tipsport“ Extraliga (1. tschechische Profi-Eishockey-Liga)
Ergebnis: 7:2 nach 60 Min. – Drittel: 5:1, 1:0, 1:1
Tore: 1-0 5.57 Grof, 2-0 7.16 Linhart, 3-0 10.17 Galvas (PP1), 3-1 12.09 Švarný (PP1), 4-1 14.29 Balaštík (PP1), 5-1 15.24 Sýkora, 6-1 22.42 Sýkora, 7-1 45.02 Balaštík, 7-2 50.53 Jenáček Zeitstrafen: Čech 2, Švrček 2, Sýkora 2, Köhler 2 (Zlín: 8 Minuten); Vopat 4, Trávniček 2, Kubát 2, Rindoš 2, Švarný 2 (Litvínov: 12 Minuten)
Vergebener Penalty: Hübl (Litvínov) hält Penalty von Valenta (Zlín)
Halle: Zimní stadion Luďka Čajky/ Eisstadion Luděk Čajka (Kap. 6.975, davon 4.525 Sitzplätze)
Zuschauer: 4.813 (davon ca. 50 Gästefans)
Unterhaltungswert: 6,5/10 (Rasantes erstes Drittel, danach deutlicher Leistungsabfall von Zlín und allgemein schwächeres Spiel, aber alles in allem noch sehenswert)
Sightseeing: 7,0/10 (Echt gelungene Tour!)
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Photos and English version:
Kroměříž Old Town
Zlín Zoo, City Centre and Castles
HC Zlín vs. HC Litvínov (Extraliga Ice Hockey)

Von Olomouc brauchen wir bereits kurz vor 8.00 auf gen Süden, nach Kroměříž. Die Altstadt des früheren Kremsier ist Weltkulturerbe der UNESCO. Wenn man manche Nicht-Welterbe-Altstädte Böhmens und sogar Mährens mit dieser Durchschnitts-Altstadt vergleicht, fragt man sich warum. Aber diese UNESCO-Titel werden doch sowieso teilweise willkürlich verteilt. Jedenfalls hat fast jede zweite Kleinstadt in Tschechien Barock-, Renaissance und Jugendstilhäuser in dem Zustand zu bieten. Ein Schloss, ein Stadttor und ein Rathaus mit davor befindlichem Markplatz auf dem eine Pestsäule steht ist ebenso regelrecht Standard. Das ganze mag zwar in Kroměříž zu den schöneren Exemplaren gehören, aber herausragend ist das nicht. Und auch in der Größe nicht sonderlich beeindruckend, da einzig das Schloss überdurchschnittlich groß ist: vielleicht mag der Park etwas Besonderes sein, aber so herausragend kann der nicht sein für so einen Titel. Aber solange nur Kroměříž und nicht Zlín Welterbe wird, reg ich mich nicht auf.

Zlín wird gerne als die „Perle des Funktionalismus“ – also der Bauepoche der 1920er Jahre – oder „Modellstadt der Moderne“ gelobt. Der Laie wird sie eher als „zu groß geratenes Straßendorf mit minderwertiger Plattenbau- und 20er-Jahre-Betonklotz-Architektur“ bezeichnen. Wenn man sich die Ausdehnung Zlíns – schmal entlang einer großen Straße in einem Tal – anschaut, wäre Punkt 1 (Straßendorf) erfüllt. Die Wohnqualität der 1920er Betonklötze mag ganz gut sein, da sie ihr (einziges?) Anliegen - praktische Funktionalität - erreichen, aber etwas anderes als gesichtslose Betonklötze sind das beim besten Willen und weitreichendsten architektonischen Verständnis nicht. Bauhaus und Bruno Taut wandeln schon an der Grenze zwischen „praktisch und formschön“ und „praktisch, aber Augenkrebsgefahr“, aber ein Blick aufs Zlíns Rathausplatz genügt, um dieser Stadt jegliche Attraktivität abzusprechen. Einzig lohnend sind Ziele im Stadtumland, da selbst die als Sehenswürdigkeiten der Stadt verzeichneten Kirchen und das Schloss (eine größere Villa) bei Weitem nicht einmal Durchschnitt für ihre Architekturform sind.

Diese Sights im direkten Stadtumland sind das Burgschloss auf dem Berg von Malenovice, einem westlichen Vorort der Stadt und die sehenswertere gotische Burgruine Lukov im Norden Zlíns. Diese ist eine der größten in Mähren. Der Mauerverlauf zur besten Zeit ist komplett nachvollziehbar, aber nur der Torturm ist richtig gut erhalten. Dafür liegt die Ruine von Lukov schön auf einem bewaldeten Berg. Vom Parkplatz aus läuft man etwas über 1km mäßig steil bergauf.

Dass wir vor den Sportevents viele Burgen besichtigen ist dem Leser ja bekannt, aber ab und zu darf es auch mal eine andere Sehenswürdigkeit sein: denn ebenfalls nördlich der Stadt liegt der Zoo in Lešná. Der ist sehr modern und beherbergt eine hohe dreistellige Zahl von Tieren aus über 200 Tierarten. Da gab es sogar ein paar seltsame Tiere, die ich vorher noch gar nicht gesehen habe: so vor allem die Greifstachler, welche so etwas wie auf Bäume kletternde Stachelschweine sind. Ansonsten sind natürlich die üblichen Verdächtigen, die in jedem größeren Zoo auftauchen, wie Lemuren, Tiger (hier: sibirische), (afrikanische) Elefanten, Gorillas und baktrische Kamele zugange. Auffällig waren sonst nur das Vorhandensein vieler Geier, deren Gehege man sogar begehen konnte, und die moderne und kunstvolle Gestaltung vieler Anlagen und Pavillons, die alle nach Kontinenten (Australien – dazu Krokodile, Kängurus (darunter ein Albino), Emus etc., dann Afrika mit Elefanten, Löwen, Nashörnern usw. bis man alle Kontinente durchhat) sortiert sind. Die Außenanlagen waren bei fünf Grad unter Null natürlich relativ leer (auch Besucher waren nicht viele da), aber dafür war in den Häusern was los – besonders interessant sind das im weitläufigen Landschaftsgarten, in dem der Zoo liegt, befindliche historistische Schloss mit sehr schöner Fassade, das im Keller ein Terrarium mit Alligatoren und Waranen beinhaltet, und das topp-moderne Tropenhaus mit meterhohen Pflanzen und freilaufenden kleinen Affen. Verglichen mit dem letzten Zoobesuch außerhalb Deutschlands, im August in Chorzów (Polen), muss ich Zlíns Zoo allerdings eine geringere Attraktivität gegenüber jenem in Chorzów bescheinigen, da zwar die Anlagen moderner sind und die Landschaft schöner, die Zahl der Tiere aber geringer und die Qualität der Beleuchtung in den Häusern erheblich schlechter ist als in Chorzów. Ebenfalls ein klarer Pluspunkt für den bekannten polnischen Zoo: ein weitaus größeres Aquarium und größeres Vogelhaus.

Wir checkten noch im Hotel Ondráš ein, das einige Zimmer anständiger Größe im ersten Stock eines außen recht mies aussehenden Plattenbaus für umgerechnet 35€ pro Nacht (DZ, Frühstück 4€ extra, bewachtes Parken vorm Haus ebenfalls 4€) anbietet. Das Flair der ČSSR ist sozusagen greifbar in diesem Hotel – es ist aus guten Gründen so ziemlich das billigste in der Stadt – aber es ist weder heruntergekommen, noch unsauber oder fällt durch schlechten Service auf. Sogar die PVC-Fußböden sind durch bessere Kunststoffe ersetzt worden.
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Nun ging es zum Eishockey. Die Halle befindet sich hinter dem Hotel „Moskva“ südlich der Durchgangsstraße und ist nach einem früheren Spieler Zlíns benannt: Zimní stadion Luďka Čajky. Von außen ahmt der Bau eine Backsteinfassade nach und auch innen sieht er etwas älter aus: so gibt es etliche Holzbänke und nur in der Mitte gepolsterte Klappsitze. Eindrucksvoll sind die Stahlträgerkonstruktionen hinter den Stehplätzen der Heimfans und vor allem die Logen über dem Gästesektor: die oberste Loge ist bis unters Dach gebaut und nur ein blechverkleidete Metallbrüstung trennt einen vom direkten Weg 15m nach unten. Die Gesamtkapazität liegt bei 6975.

Der HC „PSG“ Zlín, der allein in den letzten fünf Jahren schon drei Mal den Namen gewechselt hat und nun nach einer großen Baufirma (PSG) heißt, ist als 3. noch im Meisterschaftsrennen und so gut wie in den Play-offs, während unser HC Litvínov im hinteren Mittelfeld herumgurkt. Der Platz 10 erklärt sich zuallererst aus der schlechten Auswärtsbilanz der Oberleutensdorfer, die nur 2 Siege und 2 Siege nach Penaltyschießen bei einem Torverhältnis von 36:67 in 15 Auswärtsspielen aufweisen können. Zuhause haben sie 11 der 17 Spiele gewonnen, Zlín hingegen nur 10 (davon nur 8 in der regulären Spielzeit) von 18. Aber eines der 8 war ein 10:2 gegen Litvínov in der ersten Runde. Und das Heimspiel haben die Schwarz-Gelben auch noch verloren: 2-4. Nun also das zweite Duell Zlín gegen Litvínov, d.h. die dritte Runde der vier Hauptrunden ist schon im vollen Gange.

Die Hausherren spielten im ersten Spielabschnitt richtig schnelles und schönes Eishockey und nahmen die Gäste auseinander. Die Stimmung rechts von uns klang so prima, wie die „Bären-Hotdogs“ vor der Halle (eine fette tschechische Bratwurst mit Ketchup wird in ein Baguette gesteckt und mit einer Peperoni und Weißkraut belegt) geschmeckt haben. Zu Beginn des Viertels hörte man noch die mehr als 40 Leute im Gästesektor ab und an, doch nach dem 3:0 verging ihnen die Stimmung. Das 3:1 – ein toller Schlagschuss von der blauen Linie – ließ nicht wirklich Hoffnung aufkommen. Schnell stand es 5:1 und die Zuschauer forderten schon „déset“ = „zehn (Tore)“.

Das zweite Drittel wurde von Zlín zwar nach wie vor dominiert, doch bei weitem nicht so rasant und sehenswert, wie in den ersten 20 Minuten. Es verwunderte also nicht, dass es nur zum 6:1 reichte. Ab und an ließ Litvínov auch noch mal ihre sonst besser sichtbare Klasse aufblitzen: so beim zweiten Treffer des Tages und vor allem beim Abwehrverhalten in doppelter Unterzahl (zwei Spieler waren gleichzeitig wegen zweier in Sekundenabständen ausgeführter Checks auf die Strafbank geschickt worden), wobei sie in den zwei Minuten keinen Treffer Zlíns zuließen und einen Konter nur knapp vergaben. Am Ende war das 7:2 zwar äußerst ärgerlich, da es eine peinlich hohe Klatsche war, aber man konnte bei dem ersten Drittel schon froh sein, dass das Spiel 7:2 und nicht 17:2 oder auch nur 10:2 ausging.
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Statistik:
Ground Nr. 508 (ein neuer Ground; diese Saison: 57 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.196 (diese Saison: 83)
Tageskilometer: 120 (Auto)
Saisonkilometer: 14.380 (9.180 Auto/ 2.290 Bahn, Bus, Tram/ 2.110 Fahrrad/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 83
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 230

Montag, 18. Oktober 2010

W220III: Nach dem böhmischen Handball nun auch normales Handball in Tschechien – und: Niederlage in der Verlängerung für Litvínov

HC Dukla Praha 24:26 TJ Cement Hranice
Datum: Sonntag 17. Oktober 2010 – Anwurf 10.30
Übersetzung: HV Dukla Prag gegen TV Zement Mährisch-Weißkirchen
Liga: „ŻUBR“ Extraliga (1. tschechische Profihandballliga)
Ergebnis: 24:26 nach 60 Min. – Halbzeit: 12:14
Tore: Štĕpán Krupa 5, Jan Landa 5, Radek Horák 5, Zdenĕk Polášek 3, Milan Kotrč 2, Martin Lehocký 2, Jakub Kastner 1, David Šůstek 1 (Dukla); Zdenĕk Čadra 7, Michal Indrák 6, Tomáš Galus 5, Radek Bajgar 3, Tomáš Bednařík 3, Tomáš Pavlíček 1, Lukáš Weintritt 1 (Cement)
Verwarnungen: Jan Landa, Radek Horák, Jakub Kastner (Dukla); Tomáš Pavlíček, Zdenĕk Čadra, Jakub Šíra (Cement)
Zeitstrafen: Martin Lehocký 4 min., Zdenĕk Polášek 2 min. (Dukla); Tomáš Pavlíček 4 min., Radim Brož 4 min., Zdenĕk Čadra 2 min., Michal Indrák 2 min., Lukáš Weintritt 2 min. (Cement)
Platzverweise: keine
Halle: Sportovní hala Sparty Praha (Kap. 1.130 Sitzplätze)
Zuschauer: 110 (davon ca. 10 Gästefans)
Unterhaltungswert: 8,5/10 (Sehr gutes Spiel mit einigen richtig genialen Szenen: eine Schande, dass nur so wenige Leute zuguckten!)
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Photos and English version:
Dukla Praha 24-26 Cement Hranice (Handball Extraliga)
Additional photos: Pictures from Prague;
a)
February 2010, b) 2005 and 2007
Sightseeing 17th October 2010:
Jestřebí castle and Zákupy palace

Im “Easy Journey” wird das Frühstück sogar aufs Zimmer gebracht. Und kaum hatten wir gefrühstückt, schon fuhren wir zur ersten Sportveranstaltung: in einer Plattenbausiedlung in Praha 9 befindet sich die Sporthalle von Sparta Praha, in der vor allem die Handballspiele von Dukla interessant sind. Der (zu ČSSR-Zeiten) Militärsportverein Dukla heißt nach dem Duklapass, einem Karpatenpass zwischen Slowakei und Polen, der insbesondere in den beiden Weltkriegen als strategischer Weg nach Wien hart umkämpft war. Der Rekordmeister Dukla ist derzeit 6. von 12 und der Gegner aus Hranice bei Olomouc, der vom ortsansässigen Zementwerk gesponsert wird, Dritter. Dukla hat seit 11 Jahren keinen Meistertitel mehr geholt, doch zuvor zwischen 1953 und 1999 30 Meistertitel gewonnen.

Da Dukla ein sehr bekannter Club ist und die Paarung eigentlich ein Spitzenspiel, vorwunderte es doch, dass sich bei einem Spiel der höchsten tschechischen Spielklasse, die zu den Top-15 oder Top-20 der Welt gehört (so auch die Nationalmannschaft Tschechiens), nur etwas mehr als 100 Leute in der modernen, sehr regelmäßig gebauten Halle, die für 1.130 Leute Platz bietet, verloren. Der Support war absolut amateurhaft: Zwischenrufe und ein paar Tröten. Eine Frau schleppte sogar ihren ausgesprochen dämlich aussehenden Pudel mit auf die Tribüne. In keinem Verhältnis zum amateurhaften Umfeld stand das Medieninteresse: außer mir fotografierten nur Presseleute – gleich drei – und zudem übertrug ein tschechischer Fernsehsender das Spiel live, wozu auch acht Kameras aufgebaut waren.

Ich hatte schon Zweifel am Profistatus der Liga, doch nach fünf Minuten Spiel waren diese verflogen. Bei allem Respekt für Amateursportler wie Handballamateure, aber so Aktionen wie in diesem Spiel gezeigt wurden, erfordern schon sehr häufiges Training und viel Talent. Das enge Spiel wurde von den Gästen nach der Pause, als sie mit bis zu fünf Toren führten, entschieden. Die Begegnung war schnell, technisch völlig in Ordnung und von den Torszenen her richtig Klasse. Der genialste Treffer war dabei ein Zuspiel des Torwarts von Dukla quer übers ganze Feld, den ein Mitspieler am Wurfkreis aus der Luft griff und direkt aufs Tor unter die Latte donnerte. Herrlich!

Nach dem Spiel räumten die Spieler der Heimmannschaft die Werbebanden weg und die Halle auf. Das will ich mal in der Handballbundesliga sehen! Wo man in Deutschland für 1,70€ (40 Kronen) Handball gucken kann, will ich ja auch mal sehen. Nur in Großkorbetha zur Kreisliga oder Bezirksklasse war ich mal mit 1€ noch günstiger dabei...
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Wir machten uns nach Norden auf, da Litvínov ein Spiel in Liberec zu bestreiten hatte und wir diese Halle noch nicht kannten. Was wir uns noch auf dem Weg dahin abguckten, waren die Burg von Jestřebí – dort wird man auf in perfektem Deutsch verfassten Infotafeln über die Geschichte der kaum erhaltenen Burg informiert, deren Burgfels aber sehr spektakulär ist – und die Kleinstadt Zákupy, wo es einige interessante Holzhäuser, eine auffällige Kirche (zweite Hälfte 19. Jhdt.), ein klassizistisches Rathaus und ein tolles Barockschloss mit etwas vergammeltem Garten, aber zwei schönen Innenhöfen und einem Bärengehege gibt.
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Bílí Tygři Liberec 3:2 n. V. HC „Benzina” Litvínov
Sonntag 17. Oktober 2010 – Anbully 17.00
Übersetzung: Weiße Tiger Reichenberg gegen HC „Benzina“ Oberleutensdorf
Liga: „Tipsport“ Extraliga (1. tschechische Profi-Eishockey-Liga)
Ergebnis: 3:2 nach 64:14 Min. – Drittel: 2:0, 0:1, 0:1/ 1:0
Tore: 1:0 11:55 Jaroslav Kudrna, 2:0 12:21 Tomáš Klimenta, 2:1 21:22 Martin Jenáček, 2:2 53:42 František Lukeš, 3:2 64:14 (Minute 4:14 der Verlängerung) Lukáš Derner
Zeitstrafen: Tomáš Vak, Ctibor Jech, Antonín Dušek, Jaroslav Kudrna, Marek Trončinský, Jan Víšek, Miloslav Hořava je 2 Minuten (Liberec); František Lukeš, Michal Travníček, Ivan Švarný, Karel Kubát, Richard Jareš und noch einer je 2 Minuten (Litvínov)
Halle: sogenannte Tipsport „Arena“ (Kap. 7.500, davon 7.300 Sitzplätze)
Zuschauer: 4.715 (davon ca. 100 Gästefans)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Kein schlechtes Spiel, aber mehr als Durchschnitt wohl kaum)
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Photos and English version:
Bili Tygri Liberec 3:2 (OT) HC Litvinov (Extraliga hokej)

Wenn ich bedenke, wie genial diese Paarung Ende 2007 war, als Litvínov 7:6 nach Verlängerung gewann: das war das beste Eishockeyspiel (10/10 Punkte) das ich je gesehen habe! Diesmal also unter den Vorzeichen, dass Litvínov auf Platz 11 von 14 und Liberec auf Platz 8 stand, ein Spiel in der Stadt der Weißen Tiger. Die gibt es da natürlich nur im Zoo zu sehen, wobei der für ebendiese Tiger bekannt ist – auch wenn es da weit mehr gibt als nur Tiger und der Zoo einen Besuch wert sein dürfte; vielleicht mal, wenn ich nach Liberec zum Fußballgucken fahre – und wohl auch deshalb der Verein sich Bílí Tygři nennt.

Auch diesmal war das Spiel recht ansehnlich, auch wenn es nicht die packende Action und extrem hohe Geschwindigkeit wie das eine Spiel 2007 hatte. Liberec ging in der Mitte des ersten Drittels nicht unverdient durch einen Doppelschlag in Führung. Danach war Litvínov leider richtig abgemeldet, kassierte aber zum Glück keine weiteren Tore. Nach der ersten Pause schafften sie sogar schnell den Anschlusstreffer. In einem mittlerweile ausgeglichenen Spiel erzielte der Gast aus der Industriestadt unweit der deutschen Grenze auch sechs Minuten vor dem Ende den Ausgleich, der eine Verlängerung nötig machte. Find ich zwar Schwachsinn, wenn man nicht Pokal oder Meisterrunde oder so was spielt, da zwanghaft einen Sieger herausfinden zu müssen, aber so ist eben der US-Sport: es gibt nur Sieger und Verlierer, quasi Schwarz und Weiß, Held und Versager, populär und uninteressant. Der Sieger hieß dann leider Liberec, da sie mit Glück den Puck durch Petr Franĕk seine Schoner schoben.

Was bei den Weißen Tigern leider auch sehr US-mäßig war, war der billige Hallenbaustil Marke Konservendose, dazu die äußerst billigen Tribünen – da gab es hinterm Tor sogar richtige Spalten im Boden – die extrem dummen Werbeblöcke, das ständige Herumspielen an der Hallenbeleuchtung während des Spiels und die lahme Stimmung. Ganz zu schweigen von den asozial hohen Kartenpreisen. Für Eishockey habe ich in Tschechien noch nie 7€ ausgegeben – und dann war auch noch das scheiß Fangnetz störend beim Fotografieren! Aber wenigstens waren wir im Gästesektor, wo ein Teil der 100 Leute auch sehr ausdauernd anfeuerte, wo wir uns natürlich anschlossen. Bei den einfachen und wenig ausgefeilten Anfeuerungen beim tschechischen Sport ist das auch nicht so schwer: Mehr als 20 Worte muss man sich nicht merken.

Wir schafften es dann nach einigen Minuten vom Parkplatz, auf dem man mal die ausländischen Nummern zählen und zuordnen konnte – da gab es fast 10 deutsche Autos, von denen sich zwei Drittel auf Liberec- und ein Drittel auf Litvínov-Anhänger verteilte, und zudem auch einen Slowaken und einen Polen – runterzukommen und kamen noch vor Mitternacht in Merseburg an.

Ein Fazit:
Nach dieser doch sehr gelungenen Fahrt muss ich - da es vielleicht in vorherigen Berichten zu Tschechientouren noch nicht so deutlich rüber gekommen ist - an dieser Stelle noch das Fazit ziehen, dass man sich weder von der oft kühlen Art der Einheimischen, noch der erschreckenden Defizite im Dienstleistungssektor abschrecken lassen sollte und die hin und wieder anzutreffenden herzlichen und höflichen Einheimischen zum einen und vor allem die enorme Dichte an Sehenswürdigkeiten auf hoher und höchster Qualität stärker beachten sollte. Auch wenn ich mindestens ein Land – nämlich Syrien – noch mehr schätze und als Reiseziel auch noch mehr empfehlen kann: Tschechien ist so sehenswert, dass kein Weg dran vorbei führt – denn wo gibt es sonst so viele herrliche Burgruinen, tolle Schlösser und Paläste oder altmodische Sportanlagen auf so engem Raum?!
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Statistik:
Ground Nr. 486 (zwei neue Grounds; diese Saison: 36 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 1.161 und 1.162 (diese Saison: 49)
Tageskilometer: 480 (Auto)
Saisonkilometer: 11.260 (8.170 Auto/ 1.440 Fahrrad/ 850 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 71
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 220

W220I: Mal wieder zum Eishockey in Litvínov - Überraschender Sieg über den Tabellenführer

HC „Benzina” Litvínov 3:1 HC „Mountfield“ České Budĕjovice
Datum: Freitag 15. Oktober 2010 – Anbully 17.30
Übersetzung: HC „Benzina“ Oberleutensdorf gegen HC Böhmisch Budweis
Liga: „Tipsport“ Extraliga (1. tschechische Profieishockeyliga)
Ergebnis: 3:1 nach 60 Min. – Drittel: 0:0, 2:1, 1:0
Tore: 1:0 27:05 Jaroslav Kracík, 2:0 30:54 Petr Jánský, 2:1 37:35 Jan Snopek (Powerplay, +1), 3:1 41:52 Vojtĕch Kubinčák
Zeitstrafen Litvínov: Petr Jánský (4 min), Karel Kubát (2 min), Radim Skurovec (2 min), Viktor Hübl (2 min), Juraj Majdan (2 min)
Zeitstrafen České Budĕjovice: Jan Snopek (4 min), Jakub Šulc (4 min), Rostislav Martynek (2 min), Stanislav Dietz (2 min), Roman Pšurný (2 min), Tomáš Mertl (2 min), Milan Gulaš (2 min)
Halle: Zimní Stadion Ivana Hlinky/ Eisstadion Ivan Hlinka (Kap. 7.000 davon 2.000 Sitzplätze)
Zuschauer: 4.128 (davon ca. 50 Gästefans)
Unterhaltungswert: 6,5/10 (Ziemlich gutes Niveau, aber kein Knallerspiel: am wichtigsten war der Sieg von Litvínov)
Sightseeing: 7,0/10 (Drei landschaftlich sehr schön gelegene Burgen)
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Photos and English version:
Castles and Churches in Bohemia’s Beautiful Landscape:
Kostomlaty, Milesov, Dekovka
Ice Hockey Match:
Benzina Litvínov Defeats HC České Budĕjovice!

Als Geburtstagsgeschenk für meinen Vater ging es für ein Wochenende in die Tschechische Republik. Da das Semester gerade erst begonnen hatte, war auch genug Zeit. Zudem habe ich dieses Semester das, was der Freitag mit seinem Namen so fälschlich zu versprechen scheint: frei. So fuhren wir auch schon kurz vor 10 Uhr, nachdem der Mietwagen freigegeben war, los.

Unser erster Punkt war ein Dorf namens Kostomlaty pod Milešovkou, das östlich von Litvínov zwischen Teplice und Litomĕřice liegt. Aus Richtung Teplice in den Ort fahrend, nahmen wir hinter der mit Leitplanken flankierten Engstelle links die extrem schmale Sukovka-Straße, die den Berg hoch führend, flankiert mit der üblichen Bebauung in böhmischen Dörfern – einfache Steinbauten, bröcklig getüncht, darauf Blechdächer – auf einer Koppel endet. Dann folgten wir dem grünen Wanderweg, der steil und von Bäumen geschützt zur Burgruine Kostomlaty (Hrad Kostomlaty oder Sukoslav) führt. Diese ist derzeit eine einzige Baustelle und die gotischen Mauern mit dem großen Portal und den zwei Bergfrieden sind auch nur eingeschränkt zugänglich. Die Sicht auf den Ort ist trotzdem schön, wobei der Ort selbst dann nur noch einen ganz interessanten Bereich zu bieten hat: die Schule in einem Kloster- oder Schlossbau, daneben die Kirche, deren deutschsprachige Steinplatte mit der Kreuzigungsszene ebenso wie die Turmhaube mit Uhr auffällt.

Weiter nach Milešov, wo oberhalb des Löschteiches mit dem seltsamen Steinhaus ein ganz ansehnliches Barockschloss thront. Der Garten ist etwas verwildert und der dazugehörige Pavillon ist verfallen, doch der Kernbereich ist in einem ziemlich guten Zustand. Dort ist ein Altenheim untergebracht. Am Ortsrand findet sich noch eine ganz interessante Kirche.

Über immer enger werdende Nebenstraße fuhren wir dann noch nach Dĕkovka, wo sich eine auf einem Felsbrocken thronende, aber sehr kleine gotische Burgruine namens Hrádek oder Oltářík befindet, die gerade jetzt im Herbst einen herrlichen Blick auf die bunten Wälder und die Vulkankegel dieser Region Böhmens – die längst erloschen sind freilich – freigibt, ehe wir nach Litvínov weiterfuhren.
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Der Besuch in der nach Ivan Hlinka benannten Eishalle war wie immer lohnend, wobei uns diesmal die gestiegene Anzahl der Imbissstände auffiel. Dort kann man gut essen zu ganz günstigen Preisen. Mittlerweile erhält man dort die Spielprogramme auch gratis; in denen stehen schon mal sehr kuriose Ergebnisse, wie das des einen Amateurspiels, dass Litvínovs III. Mannschaft mit 11:23 gewann. Andere Preise sind eher gestiegen: mittlerweile kostet sogar Benzin fast so viel wie in Deutschland und Diesel war ohnehin schon länger nicht mehr billiger. Die Eintrittskartenpreise in Litvínov sind ebenso gestiegen (aber 80 Kronen sind immer noch nur 3,50€ – und vorher waren es halt 70 Kronen) wie die Hotelpreise. Das Hotel in der Eissporthalle kann ich aber trotzdem sehr empfehlen, da die ausreichend großen Zimmer im dritten Stock der Eissporthalle – manche wohl auch mit Blick in selbige; wir hatten die mit Balkon – sehr ordentlich sind und nur 600 Kr. (25€) kosten.

HC Benzina Litvínov, vor dem Spiel auf einem Play-out Platz (12. von 14) liegend, traf heute auf Čéské Budĕjovice, seines Zeichens Tabellenführer. Vom Spitzenreiter war aber gar nicht so viel zu sehen, denn Litvínov hielt in der Abwehr den Angriffen der Gäste souverän stand und attackierte seinerseits das Tor in regelmäßigen Abständen. Allerdings dauerte es bis ins zweite Drittel hinein, ehe mal ein Tor fiel. Kracík und Jánský erzielten dann aber auch innerhalb von drei Minuten die beiden ersten Treffer für den Gastgeber. In einem wirklich sauberen und disziplinierten Spiel hatten die Schiedsrichter überraschenderweise einige Schwierigkeiten mit der Regelauslegung. So führte auch eine sinnlose und unberechtigte Herausstellung gegen Litvínov zum einzigen Tor der Gäste. Die 50 Gästefans feierten trotzdem tapfer, selbst als Litvínov mit dem 3:1 im Schussdrittel die Entscheidung gelang. Die beiden Fangruppen schienen sich ohnehin gut zu verstehen, da sich gegenseitig und auch beiden Mannschaften Applaus gespendet wurde, nachdem sie nach Abpfiff des guten Spiels durch die Halle fuhren.

Wir brauchten dann nur die Treppe in der Eishalle, die übrigens die schönste Eishalle ist, die ich kenne, hoch zu gehen: so nah hatten wir es nach einem Spiel noch nie zum Übernachtungsort. Wie gesagt kann ich dieses Hotel in der Eishalle generell empfehlen – auch wenn kein Spiel ist und man nur eine günstige Übernachtung in der Gegend braucht. Einzig störend kann die Hellhörigkeit sein: da braucht man nur mal am einen Ende des Ganges (Zimmer 1) zu rülpsen und auch der letzte in Zimmer 23 hört das – oder man muss sich mal über das Nachbarzimmer ärgern, wenn so ein Spacken wie der in Zimmer 3 (wir waren in der 1) schnarcht, hört man das definitiv durch die hauchdünne Wand. Aber dafür sind die Einrichtung, das Bad und die Lage in Verbindung mit dem Preis richtig gut.
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Statistik:
Ground Nr. 481 (kein neuer Ground; diese Saison: 31 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.155 (diese Saison: 43)
Tageskilometer: 310 (Auto)
Saisonkilometer: 10.570 (7.480 Auto/ 1.440 Fahrrad/ 850 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 69
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 222

Donnerstag, 31. Dezember 2009

W179I: Burgen in Krupka und Osek, HC Litvínov – Sparta Praha (1. Eishockeyliga)

HC „Benzina“ Litvínov 2:1 HC Sparta Praha
Dienstag, 29. Dezember 2009 - Anbully 17.30
„O2“ Extraliga Hokej (1. tschechische Profi-Eishockeyliga)
Ergebnis: 2:1 nach 60 Min. – Drittelstände: 0:1, 0:0, 2:0
Tore: 0:1 3:04 Ton, 1:1 44:12 Kubinčák, 2:1 59:36 Reichel
Strafminuten: Litvínov 16, Sparta 34 (davon Bolf 2+10 und Hanzlík Spieldauerdisziplinarstrafe; beide Sparta)
Spielort: Zimní Stadion Ivana Hlinky (Kap. 7.000, davon 2.000 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 6.800 (davon ca. 60 Gästefans, ausverkauft mit offiziell 7.000)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gut und sehr spannend)
Sightseeing: 8,0/10 (Sehr sehenswert und unterhaltsam)
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Photos and English version:
THE CASTLES and The Ice Hockey Match!

Kurz vor dem Jahreswechsel sollte es für uns noch einmal in die Tschechische Republik gehen – und nein: wir haben weder Böller, noch Vogelschreckmunition oder in Saftflaschen getarnten Becherovka mitgenommen...
Um 9 Uhr stand der Mietwagen bereit und schon kurz nach 11 waren wir im tschechischen Krupka (früher Graupen). Dort gibt es gleich zwei Burgen zu sehen: die eine, die Rosenburg oder Hrad Krupka, steht im Hauptort, der sich spektakulär an einer steil den Berg hoch laufenden Straße aufreiht, und ist schlecht erhalten. Um 1330 ließ König Václav II. diese Burg errichten, damit sie drei Jahrhunderte später verlassen wurde. Heute finden sich dort nur noch ein Turmstumpf, ein noch niedrigeres Gebäude mit Erker, ein restaurierter aber noch nicht begehbarer Wachturm und das Eingangsportal. Der Blick auf den Ort und seine anderen Ortsteile, die aus diesem Dorf eine kleine Stadt machen, ist aber gut.

Sehenswerter ist jedoch die im östlichsten Stadtteil gelegene Burg Geiersberg. Hrad Kýšperk in Krupka-Unčín ist nach über einem Kilometer Fußweg auf schönen Waldwegen – die jetzt im Winter natürlich alle vereist waren – an einem Sturzbach entlang zu finden. In zerklüfteten Felsgebieten erheben sich dann einige Mauerreste – vor allem ein ziemlich großer, aber halb zerfallener Turm und die Reste vom Palas stechen heraus – unter dichten Bäumen. Klasse ist der Mauerrest, der noch ein Fenster gut erkennen lässt, das unten bis zum Erdboden reicht. Vor allem, wenn die Anlage so glatt ist wie an diesem 29. Dezember, sollte man dort nicht zu nah ran gehen, da der abschüssige Hang einen direkt durch das Fenster rutschen lassen kann, wo nach 5 bis 10 Metern bogenförmigem Freiflug an einem Baum Endstation sein dürfte… Auch nicht ungefährlich ist das Herumsteigen auf dem Palas. Aber wenn die beiden Mauerwege zu schmal werden, sollte man schon wissen, wo man wieder umdreht. Im Palas selbst, sind auch noch zwei tiefer gelegene Geschosse mit Taschenlampen zugänglich.
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Wir fuhren am Stadion von TJ Krupka (Tabellenführer in der I.A třída (Ústecký kraj), der 6. Liga also – die Frauen spielen übrigens 2. Liga) und einer Kirchenruine mit genutztem Friedhof direkt an der Landstraße vorbei und via Teplice nach Osek. Dort gibt es ein schönes Kloster, ein ganz nettes Stadion (Banik Osek) und schließlich eine sehr sehenswerte Burgruine: die Riesenburg (Rýzmburk). Als Deutscher versteht man natürlich das Verbotsschild vor der Burg bzw. neben der ziemlich asozial aussehenden Hütte mit dem Metallschrott davor nicht, sodass man die Burg einfach betritt. Da dort immer mal ein Köter unangeleint herumläuft, sollte man sich auf dem Weg zur Burg mit Steinen bewaffnen.
In der Burg selbst sind noch drei Türme – einer mit Schutt verfüllt, die beiden anderen ebenirdisch begehbar (die Zwischendecken und Überdachungen fehlen völlig) – und zwei Reihen Ringmauern gut erhalten. Die Burg ist ziemlich verwinkelt und vor allem bei Schneeglätte ziemlich gefährlich zu besichtigen. Besonders die 30cm schmale Treppe zum Hauptturm, die man bei einem Ausrutscher sechs oder sieben Meter über dem Erdgeschoss verlässt. Aber alles in allem eine sehr sehenswerte, da enorm große und mit spät-romanischen Elementen durchsetzte gotische Burgruine, die auf einem Felsen oberhalb eines Baches thront.
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Weiter nach Litvínov. Dort fuhren wir zum Eisstadion, holten Stehplatzkarten für drei Euro und ähnlich billiges Essen. Dann spielten in der ersten Eishockeyliga HC Litvínov (11.) und Sparta Praha (8. von 14). Die Gäste gingen vor offiziell 7.000 Zuschauern (einige Dauerkartenplätze waren nicht genutzt, aber ansonsten war die Bude natürlich ausverkauft) schnell mit 0:1 in Führung, da Petr Ton total freistand, als er den Puck in die Bude hämmerte. Danach hielten allerdings beide Torhüter so gut, bzw. foulte Sparta soviel taktisch, dass die Tore wie vernagelt wirkten. Bis ins dritte Drittel hinein, stand es 0:1, ehe endlich Voijtěch Kubinčák den Ausgleich erzielte. Litvínov war schon seit dem zweiten Drittel deutlich aktiver und erzielte aber erst eine halbe Minute vor dem Spielende das hochverdiente 2:1. Das zweite Urgestein, Robert Reichel, traf.

Interessant waren diesmal auch die Fans. Mehr Stimmung als sonst war zwar auch nicht, da immer nur ein paar Sparta Fans und vor allem der Mittelblock Nord mit den Ultras Litvínov lärmten und anfeuerten und die anderen Stehplätze – die Sitzplatz-Langweiler ja noch weniger – nur ab und an pfiffen, aber diesmal waren die deutschen Fans gleich mit zwei Bussen angereist. Da waren mehr deutsche Fans aus dem angrenzenden Erzgebirge, als Gästefans aus Prag da.

Eigentlich wollten wir dann noch in Most essen, aber das scheiß Švejk hatte keine warme Küche mehr. Um 21 Uhr! Muss man sich mal überlegen! Aber typisch: zu Zeiten, wo in anderen Ländern erst mit Essen angefangen wird, ist in der Tschechischen Republik schon Feierabend. Dann mussten wir halt mit schlechterem aber doppelt so teurem deutschen Essen in Osterfeld vorlieb nehmen. Über kaum geräumte Autobahnen, waren wir dann nach vier Stunden Fahrt (bei normaler Witterung dauert es nur zweieinhalb) wieder in Merseburg.

Auf jeden Fall war es die lohnendste und gelungenste der letzten vier, fünf Fahrten in die Tschechische Republik.
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Statistik:
Ground Nr. 382 (kein neuer Ground; diese Saison: 51 neue)
Sportveranstaltung Nr. 935 (diese Saison: 77)
Tageskilometer: 500 (Auto)
Saisonkilometer: 14.820 (12.120 Auto/ 1.750 Fahrrad/ 950 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 45
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 179

Sonntag, 15. November 2009

WE172II: FK Litoměřice – FK SIAD Souš, FK ŘEZUZ Děčín – Sokol Brozany und HC Slovan Ústečtí Lvi – Hockey Club Tábor

FK Litoměřice 3:0 FK SIAD Souš
Samstag, 14. November 2009 - Anstoßzeit 10.15
Krajský přebor Ústéckeho kraje (5. Liga, 1. Amateurliga)
Ergebnis: 3:0 nach 91 Min. (45/46) - Halbzeit 0:0
Tore: 1:0 64. Nr. 7, 2:0 80. Nr. 7, 3:0 84. Nr. 10
Verwarnungen: Nr. 5 und 9 (FKL), Nr. 7, 8 und 10 (FKSS)/ Platzverweise: keine
Spielort: Stadion FK Litoměřice (Kap. 4.000, davon 3.000 überdachte Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 200 (davon ca. 10 Gästefans)
Unterhaltungswert: 3,0/10 (Dilettantisches Gekicke mit ein paar guten Torszenen und Treffern)
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Photos and English version: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157622810040076/

Der Tabellenletzte gegen den Tabellenneunten war die nächste Paarung in der Bezirksliga Aussig. Wir besichtigten allerdings erst einmal ein paar kleine Sehenswürdigkeiten auf dem Weg nach Litoměřice (früher Leitmeritz). Der erste Punkt war die Burg- und Schlossanlage Skalka in einem 100-Einwohner-Kaff namens Vlastislav, das man erreicht wenn man die Landstraße von Žatec nach Litoměřice kurz vor letzt genanntem Ort verlässt. Vorher sollte man das Elend in Břvany beachten, wo barocke Bürgerhäuser ebenso vergammeln wie ein riesiger Gutshof. Wenn es auch noch neblig ist, wirkt die Szenerie mit verfallenen Häusern und Autowracks am Straßenrand noch trister, als bei Sonnenschein. In Libčeves gibt es dann noch ein völlig verfallenes und nicht zur Besichtigung freigegebenes Schloss. Also zurück zu Vlastislav. Der erste Felskegel im Ort trägt ein paar minimale Mauerreste aus dem 14. Jhdt., der zweite immerhin einen sanierten Bergfried aus derselben Zeit und ein paar Grundmauern auf ungesicherten Felsen. Davor befindet sich das Barockschloss, was nicht regelmäßig zu besichtigen ist. Über enge Nebenstraßen fuhren wir nach Boreč, wo wir nur durch Zufall vorbei kamen. Dort verfällt ein Barockschloss mit schönem Arkadeninnenhof vor sich hin, der Tempel ist auch ganz interessant und ein echtes Highlight ist die Autosammlung von einem der Einwohner: Citroen „Ente“, zwei Londoner Doppelstockbusse und ein englisches Polizeiauto. Interessant ist es auch, wie schnell ein unangeleint herumlaufender Köter, von denen es in dem Wehrdorf Boreč viele gibt, sich verpisst, wenn man einen Stein aufhebt. Man braucht ihn nicht mal schmeißen… Schließlich guckten wir uns noch die Straßenzüge von Lovosice an, wo es neo-barocke und Gründerzeithäuser gibt. Und einen 1. Liga Handballverein, neben diversen unterklassigen Sportarten.

Der FK Lovosice spielt z.B. auch in dieser Krajský přebor Ústéckeho kraje, die wir dann zum zweiten Mal in zwei Tagen in Litoměřice sahen.
Das Spiel fand in einem sehr schönen, aber verkleinerten Stadion statt. Es steht nur noch die überdachte Tribüne mit tollen Kunststoffbänken – für die VIPs gibt es Holzbänke in von der Tribüne leicht abgesetzten Boxen – und ein kleiner Teil der Stehränge. Der Rest von denen überwuchert oder wurde schon abgerissen. Der hässliche Kaufland stört das Hintergrundbild, wenn man auf der Tribüne sitzt, und bietet auch viel Platz für Zaungäste, von denen sich auch acht dauerhaft positioniert hatten. Die anderen 200 Zuschauer waren das übliche tschechische Publikum auf solchen Plätzen – ein paar Schülerinnen und Schüler, ein paar jüngere Männer und Frauen und etliche Rentner sowie die lustigste Spezies: die mittel alten Männer mit verfilzten schulterlangen Haaren und dichtem Oberlippenbart. Bei 12-, 14-, 16- oder 17-Uhr Spielen trinken sie immer reichlich Pivo zu fettigen Klobasa, doch bei den legendären 10.15 Spielen gibt es immer kein Catering… Stimmung gibt es weder 10.15 noch 14 usw. Uhr. Nur vereinzelte Zurufe und Kommentare.

Dass der Tabellenletzte in orange spielte, war nicht zu merken, denn der blau gekleidete Mittelfeldtrupp aus Most – Souš ist ein Stadtteil des früheren Brüx – zeigte eine bemerkenswert schlechte Vorstellung. Man merkte, dass sie treffen wollten, doch wie sie vor den Ball traten, war eines Bezirksligisten wirklich nicht würdig. Absolutes Highlight: der Blindfisch, der 15 m mittig vorm Tor den Ball völlig überhetzt Volley nimmt und ihn 30 Meter neben das Tor semmelt. Da auch die paar guten Situationen entschärft wurde, stand es zur Pause 0:0.

In der zweiten Hälfte wurde das Spiel etwas besser. Jetzt kamen beide Mannschaften dem Tor gefährlicher nahe. Doch bis der Knoten platzte, brauchte es einen guten Spielzug, den die wieder einmal unangemessen agierenden Schiedsrichterassistenten nicht kaputt winken konnten. Der kam erst in der 64. Minute. Die endgültige Endscheidung fiel in der 80., wobei kurz darauf der Passgeber, der augenscheinlich höchstens 16 Jahre alt war, völlig sinnfrei ausgewechselt wurde (man hatte ihn erst in Hälfte zwei eingewechselt) und noch ein paar Minuten später, das 3:0 fiel. Also ein völlig überraschender Sieg für FK Litoměřice (FC Leitmeritz) gegen FK SIAD Souš, das den Firmennamen „Società Italiana Acetilene e Derivati“ im Vereinsnamen trägt und am besten mit FC „Italienische Gesellschaft für Acetylen und seine Derivate“ Tschausch (wobei der alte Ort Tschausch nur teilweise mit Souš übereinstimmt, da ein Großteil durch den Tagebau geschluckt wurde) wiedergibt. Aber die Langform des Firmennamens hat in keiner Tabelle und in keinem Ansetzungsheft platz…
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FK ŘEZUZ Děčín 3:5 Sokol Brozany
Samstag, 14. November 2009 - Anstoßzeit 14.00
Divize B (4. Liga, Halbprofi- und Amateurliga)
Ergebnis: 3:5 nach 92 Min. (45/47) - Halbzeit 2:2
Tore: 1:0 3. Nr. ?, 2:0 30. Nr. 2, 2:1 35. Nr. 5, 2:2 42. Nr. 6, 3:2 66. Nr. 4, 3:3 75. Nr. 10, 3:4 77. Nr. 5 (Foulelfmeter), 3:5 85. Nr. 6
Verwarnungen: Nr. 8 und 9 (Děčín), Nr. 7, 8 und 10 (Brozany)/ Platzverweise: keine
Spielort: Stadion FK ŘEZUZ Děčín (Kap. 1.500, davon 300 überdachte Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 100 (davon ca. 5 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Übelster Durchhänger in Hälfte zwei, aber ansonsten flott und torreich!)

Photos and English version: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157622810176294/

Wir besichtigten noch die Altstadt von Litoměřice, die wegen ihrer Geschlossenheit der barocken Bebauung und der schönen Hanglage wirklich sehenswert ist. Nachdem die Kirchen, Bürgerhäuser und monumentalen Prachtbauten wie die Stadtverwaltung und die Hauptpost auf uns gewirkt hatten, ging es zügig weiter nach Děčín. Die Tetschener Kreispolizei fand mich allerdings zu zügig in Benešov… Da gibt es schon so wenige Kontrollen (auf 1.000 Kilometer Landstraße haben wir bei den letzten Fahrten drei Polizeikontrollen gesehen, von denen zwei gut sichtbar waren, dass man halt mal innerorts von 70 auf 50 abgebremst hat), sodass man ohne Sorge wie die Einheimischen fahren kann, aber dann muss man ab und an doch mal Strafe zahlen. Es vergingen auch keine zwei Minuten, ehe von der mittelmäßig befahrenen Straße ein Tscheche wegen zu hoher Geschwindigkeit heraus gewunken wurde. Wenigstens weiß man bei den Kontrollen innerorts, dass man keine Kriminellen vor sich hat. Höchstens Korrupte, aber die werden auch immer weniger. Meist sind die tschechischen Polizisten sachlich und O.K. Aber auf einer einsamen Landstraße sollte man doch lieber durchfahren – zumindest niemals aussteigen!-, wenn Uniformierte mit einem Kleintransport in einem Waldweg stehen und einer die Kelle raus hält. So was ist nicht selten eine Falle, sodass man Geld oder gar das Auto an verkleidete Verbrecher los wird.

Hätte ich mich überall an die Geschwindigkeitsbeschränkungen gehalten, wären wir in Děčín um 14.20 angekommen. Hätte ich mich nur in Benešov zusammengerissen bzw. hätte da keiner unangekündigt (meist stehen ja freundlicherweise Schilder „POZOR RADAR“) kontrolliert, wären wir um 13.50 da gewesen. So kamen wir um 13.05 an den schönen weißen Torbogen. Ob das Stadion mal größer war? Die geschwungene Einfassung vor der kleinen Tribüne, die mit Straßenbahnsitzen, Wellblech und hinter einer Holztäfelung sogar mit VIP-Sitzen (also gepolsterte Holzklappsitze) eine der schönste Tribünen, die ich je gesehen habe, ist, macht jedenfalls diesen Eindruck. Ganz lustig sind auch die beiden kleinen Stehtribünen aus Stahl und Metall. Alle Tribünen und Stehplätze waren heute schlecht ausgelastet. Sonst kommen auch mal drei- oder fünfmal so viele Zuschauer, aber gegen Brozany wollten nur 100 Leute zusehen, von denen einige genauso wie wir noch nicht im Stadion waren, als das 1:0 fiel. Egal, erstmal scharf gewürzte, hervorragende Klobasa – deutsche Stadionwurst ist echt nur Schund dagegen – gegessen, dann auf die oben beschriebene Tribüne gesetzt.

Nach dem 1:0 für ŘEZUZ Děčín, die sicherlich nicht nach den ähnlich heißenden Affen benannt wurden, spielte allerdings fast nur Brozany, die jedoch sehr wohl nach Tieren – nämlich Sokol, also Falke – benannt wurden, aufs Tor. Trotzdem traf Děčín erneut, ehe in den letzten 10 Minuten vor der Pause, Sokol zweimal traf. Einmal auch durch den besten der drei Schwarzafrikaner, deren Anhänger übrigens den Ausländeranteil bei den Gästefans auf 60% brachten.

Nach der Pause hatte das Spiel einen schlimmen Durchhänger, den Děčín allerdings mit einem Treffer durchbrach, ehe Brozany noch einmal aufdrehte, ausglich, stärker drückte, einen Elfmeter zugesprochen bekam, diesen verwandelte und schließlich noch einen Konterversuch geschickt unterband, was dann zum 3:5 führte.
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HC Ústečtí Lvi 3:2 Hockey Club Tábor
Samstag, 14. November 2009 - Anbully 18.00
1. Liga (2. Liga, Profi- und Halbprofiliga)
Ergebnis: 3:2 nach 60 Min. – Drittelstände: 1:1, 0:1, 2:0
Tore: 1-0 9:24 Šagát, 1-1 19:34 Nederost, 1-2 21:58 Červený, 2-2 47:20 Sklenička, 3-2 52:22 Heřman
Strafminuten: 14 zu 24 (darunter 10 Minuten für Tábors Štrba)
Spielort: Zimní Stadion Ústí nad Labem (Zlatopramen Arena; 6.500, davon 6.000 Sitzplätze)
Zuschauer: 2.260 (keine Gästefans)
Unterhaltungswert: 2,5/10 (Schlechtestes Eishockeyspiel, was ich in der Tschechischen Republik je gesehen habe)

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Nachdem wir das spektakulär auf einem Felsen über der Elbe thronende Tetschener Schloss im Innenhof besichtigt hatten, fuhren wir nach Ústí nad Labem weiter. Dort suchten wir eine Weile nach der Eishalle, in der sich dann über 2.000 Leute beim Eishockey verlustierten. Zum zweiten Mal sah ich die zweite Liga, doch während ich vom ersten Spiel dieser Liga sehr angetan war und Chomutov wie Brno hohe Spielqualität anrechnen konnte, kann ich Ústí und Tábor nichts anrechnen. War zwar ein enges und ausgeglichenes Spiel, aber nicht spannend, da es aufgrund enorm vieler Fehler und langsamer Spielweise einfach nur langweilig war. Das war nicht viel besser, als das unbedarfte Puckschubsen der Saalebulls Halle. Also für die tschechischen Verhältnisse war das Spiel vom Abschluss vorm Tor übers Powerplay bis zum Zweikampfverhalten einfach große Scheiße! Dass der Tabellenführer da gespielt hat, war kaum zu glauben, denn Tábor als 11. von 16 war nicht viel schlechter. Kein Wunder also, dass der Aufsteiger in die höchste Spielklasse, die Extraliga, oft gleich wieder absteigt.

Das Eishockeyspiel war der unerwartete Tiefpunkt der Fahrt – wenn man mal von der teuren Ortsdurchfahrt absieht – die ohnehin nicht so der Knaller war. Die meisten Touren nach CZ waren vom Sightseeing her besser, als diese. Wenigstens waren die Stadien cool und zwei der drei Fußballspiele gut. Dass Blšany gewonnen hatte, war mit das Wichtigste, aber die Qualität der Burgbesichtigungen ließ doch sehr zu wünschen übrig. Ganz zu schweigen, wie gesagt, die Qualität des Eishockeys.
Nun ja. Die letzte Auslandsfahrt 2009 soll am 29.12. stattfinden. Ein Tagesausflug zum Eishockey nach Litvínov – da war’s immer wenigstens halbwegs gut, teilweise sogar absolut genial! – der mit ein paar Burgen garniert wird, die eigentlich recht sehenswert sein sollen.

Photos and English version Sightseeing: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157622685540111/
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Statistik:
Ground Nr. 373-375 (drei neue Grounds; diese Saison: 44 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 918-920 (diese Saison: 62)
Tageskilometer: 400 (Auto)
Saisonkilometer: 13.420 (11.620 Auto/ 1.410 Fahrrad/ 390 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 40
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 172

Dienstag, 6. Oktober 2009

WE166II: In der Provinz zwischen Karlsbad und Pilsen; Burgen, Fußball und Eishockey

SK Toužim d 2:5* FC Viktoria Mariánské Lázně d
Sonntag, 04. Oktober 2009 - Anstoßzeit 13.00
Karlovarský kraj: Krajský přebor dorostu (4. Liga der U-18)
Ergebnis: 2:5 nach 90 Min. (45/45) - Halbzeit 2:1
* Auch als 2:4 (2:1) gemeldet
Tore: 1-0 David Drabík, 1-1 Tomáš Kabelák, 2-1 Jan Paluch, 2-2 Robert Csekés, 2-3 Tomáš Kabelák, 2-4 Filip Drahorád, 2-5 (?)
Verwarnungen: keine
Platzverweise: keine
Spielort: Stadion SK Toužim (Kap. 700, davon 100 Sitzplätze)
Zuschauer: 40 (davon 10 Gästefans)
Unterhaltungswert: 5,5/10 (Besserer Durchschnitt)

HC Plzeň 1929 4:5 HC „Benzina“ Litvínov
Sonntag, 04. Oktober 2009 - Anbully 17.30
Extra Liga Hokej (1. tschechische Eishockeyliga; Profiliga)
Ergebnis: 4:5 nach 60 Min. – Drittelstände: 2:4, 2:0, 0:1
Tore: 1-0 0:10 Bomersback, 1-1 0:31 Černý, 1-2 2:17 Lukeš, 1-3 5:14 Jánský, 2-3 15:58 Straka, 2-4 16:27 Majdan, 3-4 32:31 Vlasák, 4-4 39:57 Vlasák, 4-5 42:46 Lukeš
Strafminuten: 35-24 (davon Mezei (Plzeň) 5 + 20)
Spielort: ČEZ „Aréna“ (Kap. 8.420, davon 5.420 Sitzplätze)
Zuschauer: 5.881 (davon 250 Gästefans)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Lebte nach ausgesprochen gutem 1. Drittel nur noch von der Spannung)
Sightseeing: 7,0/10 (Schön!)
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Der dritte Tag der Tour war der letzte Tag vor Beginn des 3. Semesters. Jetzt wurde wieder ungehemmt meine Groundhopping-Linie, speziell für Touren im Ausland, konkret der Tschechischen Republik, typisch, durchgezogen: erst ein paar Burgen besichtigen, dann zum Fußball, dann noch zum Eishockey.

Punkt eins war die bekannte Burg Ellbogen, die unweit von Karlovy Vary in der Landstadt Loket liegt. Loket, also Ellbogen, heißt deshalb so, weil die Ohře (Eger) einen derartigen Bogen um den Burgberg, der zentral im Ort liegt, macht. Der Berg ist komplett befestigt und von alter Architektur zugebaut. Sehr schön anzusehen, das meiste ist auch renoviert, nur am Rande stehen ein paar unpassende moderne Bauten.
Die Burg selbst ist eine der Anlagen, die über 8 von 10 Punkten (8,3) von mir bekam; irgendwas fehlt, aber der Baukörper ist geschlossen und liegt schön in der Landschaft. Auch das Museum war ganz gut: die Exponate umfassen Porzellan, Waffen, Rüstungen, Möbel und schließlich, im Keller, diverse Puppen zur Verdeutlichung mittelalterlicher Folterpraktiken. Wirkte zwar vom Äußeren der Puppen her, auch mit dem im Hintergrund laufenden Tonband, was das Stöhnen Gefolterter und die Werkzeuge der Folterknechte abspielte, etwas albern, veranschaulichte aber die gängigen Methoden wie Strecken, Radebrechen oder das Schinden der Haut mit glühenden Eisen und Zangen.
Der Blick vom Turm war durch die baulichen Gegebenheiten etwas eingeschränkt, aber der Überblick über das Tal von Loket war gut. Im Inneren der Burggebäude wurde übrigens alles auf besten Stand gebracht, sodass man die Burg problemlos und völlig sicher besichtigen kann. Wie in Deutschland üblich – man merkte doch, dass unser Land nicht weit weg war: denn auch alle Beschriftungen von Exponaten waren in ordentlichem Deutsch, dazu Tschechisch und Englisch.
Wer immer noch meint, sein Auto sei in der Tschechischen Republik nicht sicher, dem sei gesagt, dass ich vergessen habe, nach dem Einweisen beim Einparken das Fenster hoch zulassen, sodass jeder die eine Jacke aus dem Auto hätte holen können. Niemand hat es getan.
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Weiter ging es – noch mal über die Schnellstraße an Karlovy Vary vorbei – nach Andĕlská Hora. Dort steht hinter der Kirche eine mittelalterliche Burgruine auf einem markanten Felsen. Die Mauern sind nicht besonders gut erhalten, aber der Blick von oben ist sehr lohnend. Gesichert ist die Anlage nur teilweise. Dafür wurde eine Antenne in die Reste des Bergfrieds gebaut. Der Palas ist noch stärker verfallen, als in Egerberk (siehe Freitag). Fast die ganze Besichtigung über verfolgte uns eine Katze, wie in manchen anderen Anlagen die so genannten „Guides“. Die schien allerdings nicht zu streunen, so gepflegt wie die aussah, aber die Nähe der Burgbesucher hat sie trotzdem dauernd gesucht.

Wir hielten noch in Bečov, wo es ein Burgschloss gibt. Dort war Mittagspause, aber die Zeit war ohnehin anders verplant. Nachdem wir etwas durch den recht ansehnlichen Ort gelaufen waren und an ebendiesem, von zwei Stilen: Barock und Renaissance, geprägten Burgschloss vorbeigekommen waren, fuhren wir weiter. Wir wollten nach Toužim, bogen aber zuerst falsch ab, sodass wir tolle Nebenstraßen, die zwischen Bäumen und Felsen hindurch führten – zwei Autos passten da nicht aneinander vorbei – entlang fuhren. Als es über Felder uns Wiesen ging, war der Ort Toužim nicht weit. Dort war dann Fußball angesagt.
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Am Samstag fand sich nichts Besseres, als ein Spiel der Dorostu auf Bezirksebene, der Jugendklasse, die in Deutschland in A- und B-Jugend aufgeteilt wäre. Aber das Spiel war gar nicht schlecht und auch das Stadion war ganz lustig. Zwischen Industrieanlagen gelegen und mit wackliger Sitztribüne, überdacht von einem Vordach eines Plattenbaus, versehen, daneben eine abgewrackte Sporthalle und eine moderner Bolz- sowie uralter Hartplatz. Letzterer hatte als Belag sogar noch schwarze Asche, die vom böigen Wind immer wieder verwirbelt wurde.
Das Spiel fand auf dem Hauptplatz, ein ordentlicher Rasen, statt und während die Gäste aus Marienbad, also Mariánské Lázně mehr Druck machten, erzielte Toužim mehr Tore. Allerdings nur bis zur Pause, wo ein schmeichelhaftes 2:1 zu Buche stand.
Nach der Pause legten die Gäste gehörig zu und erzielten nach und nach drei oder vier Tore – bei fotbal.cz ist das Spiel als 2:4 gemeldet; das eine Tor schien doch nicht gezählt zu haben. Der Sieg war aber auf jeden Fall auch in der Höhe verdient. Alles in allem eine ganz ordentliche Partie mit ein paar verwarnungswürdigen Fouls und ein paar schönen Toren, aber zu wenigen Zweikämpfen.

Nach dem Spiel schauten wir noch am Schloss- und Burgareal Toužim vorbei, was fürchterlich verfallen ist. Dort wurden ältere Gebäude im 18. Jahrhundert erneuert und – ich habe keine Informationen gefunden, ist aber sehr zu vermuten – nach dem 2. Weltkrieg, nachdem ihre Besitzer vertrieben (Deutsche) oder enteignet (Deutsche oder Tschechen) wurden, sich selbst überlassen. Aber irgendwie sind da einzelne Gebäudeteile in den letzten fünf Jahren mehr oder weniger planlos saniert wurden, was bizarr wirkt. Da ist ein Teil einer Toreinfahrt verputzt und gestrichen, ein Teil eines Nebengebäudes ebenfalls und drum herum alles im Arsch.
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Weiter ging es nach Plzeň, wo wir erst Karten holten (160 Kronen, also 6€: extrem teuer für tschechisches Eishockey!) und dann nach Essen suchten. Pizzeria zu, Chinese zu, zwei Tschechen zu, der fünfte Laden dann endlich offen und erstens richtig billig (zu dritt nur 16€ gezahlt) und zweitens richtig gut. Zum Beispiel das mit Schimmelkäse und Schinken gefüllte Schnitzel mit schweren, kräuterdurchwirkten Wiener Knödeln und Salat.

Wir guckten zum zweiten Mal in der eindrucksvollen und äußerst modernen „Arena“ von Plzeň, weil mein Vater an seinem Geburtstag ein Spiel von Chemopetrol – jetzt eigentlich Benzina, einer Tochter der Orlen, die wiederum mit Chemopetrol zusammenhängt: so feuert aber keiner an – Litvínov sehen wollte. Kurz nach Weihnachten 2007 hatten wir schon einmal diese Begegnung gesehen. Litvínov siegte 3:6.
Auch diesmal siegten die Jungs aus Leutensdorf, die allerdings schlimm schwächeln diese Saison, und machten meinem Vater somit ein prima Geburtstagsgeschenk.
Nur das erste Drittel war gut. Außerordentlich gut sogar: gleich vom Anbully weg erzielte HC Plzeň 1929 das 1:0, doch nur wenige Sekunden später glich Litvínov aus und drehte in furiosen Minuten auf 1:3 auf. Der Anschlusstreffer erfolgte erst zum Ende des ersten Drittels hin und wurde von den Gästen mit einem erneuten Tor beantwortet.
Im zweiten Drittel zeigte sich Plzeň 1929, die Indianer, von seiner schlechten Seite. Zwar stolperten sie zwei Tore rein – jeweils in Überzahl nach sinnlosen Herausstellungen – doch konzentrierten sie sich auf unsaubere Spielweise um den Gegner einzuschüchtern. Das zweite Drittel war das schlechteste Eishockey, was ich jemals in der Tschechischen Republik gesehen habe. Das war ja nicht besser als ein mittelmäßiges Saalebulls Spiel in Halle!
Im dritten Drittel fuhr Plzeň dieselbe Schiene, doch wurde endlich für ihr mutwilliges Verletzen von Gegenspielern bestraft. Nicht nur mit 20 Minuten-Strafe und 5 Minuten Unterzahl, sondern auch mit dem 4:5, was die Entscheidung sein sollte.

Zwar kein gutes Spiel, aber wenigstens ein Sieg für HC Chemopetrol Litvínov. Auch war die Stimmung besser, als bei den meisten tschechischen Sportvereinen. Zwei Blockfahnen, viele Schals und mitunter echt laute Zuschauer. Wir hatten uns geschickt im Sitzplatzbereich neben dem vollen Gästesektor platziert, sodass wir ihren Dauersupport gut mitbekamen und ab und an einstimmen konnten. Neben uns saßen übrigens mehrere andere deutsche Litvínov Fans.
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Durch die Nacht ging es über die tschechischen Landstraßen nach Reitzenhain und ab Chemnitz über die Autobahn zurück nach Merseburg. Eine insgesamt wieder einmal wirklich lohnende Fahrt. Die beste Besichtigung war Loket, die beste Sportveranstaltung das Spiel von HC Most gegen Klatovy.
Von unseren neun Nachbarländern halte ich die Tschechische Republik nach wie vor für eines der beiden interessantesten Länder – ob nun in punkto Sport oder in punkto Burgen. Das andere der beiden ist Polen, wobei dort Sport generell viel stimmungsvoller ist, die Stadien genauso interessant und die Spiele genauso mittelmäßig, außer Eishockey – das ist schlechter als in CZ, wo es hervorragend ist – und Futsal und Speedway – das ist jeweils besser in Polen, wo es Weltspitze ist, sind. Dafür sind wiederum die tschechischen Burgen, ohnehin ist es das Burgenland Nummer 1 in der Welt – nach Qualität und Quantität bzw. Dichte –, noch vor Deutschland, England, Wales, Syrien, Jordanien, Libanon, Frankreich oder Italien, die sehenswerteren gegenüber Polens Burgen und Schlössern. Man sollte auch Lieblingsnachbarland Nr. 3 nicht vergessen: Luxemburg. Wobei die Burgen dort mitunter klar interessanter sind, als die Stadien und Fußballspiele.
Ein geringer Unterschied ist zwischen Polen und Tschechien im Allgemeinen aber doch zu merken: in Polen gibt es gar keine touristenüberlaufenen Ecken wie Karlovy Vary oder Karlštejn, oft sind die Leute in Polen etwas freundlicher und der Service in Restaurants ist auch nicht so schlecht, wobei die böhmische Küche um Längen besser ist, als die polnische.
Es bleibt also dabei: die Tschechische Republik kann mit Burgen, Eishockey, Fußball (dort auch gerade die Austragungsorte) und einheimischem Essen wirklich glänzen.

Statistik:
Ground Nr. 361 (ein neuer Ground; diese Saison: 30 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 897 (diese Saison: 39)
Tageskilometer: 500 (Auto)
Saisonkilometer: 11.800 (10.920 Auto/ 890 Fahrrad/ 90 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 22
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 166

Photos and English version:
Castles - Football - Ice hockey.

WE166I: Ein tschechisches Neuschwanstein und Eishockey in der Planstadt Most

HC Baník Most 5:0 SHC „Maso Brejcha“ Klatovy
Samstag, 03. Oktober 2009 - Anbully 17.30
2. Liga Hokej (3. tschechische Eishockeyliga; Halbprofiliga)
Ergebnis: 5:0 nach 60 Min. – Drittelstände: 1:0, 2:0, 2:0
Tore: 1-0 12. Vrtek, 2-0 21. Přeučil, 3-0 36. Salač, 4-0 43. Novák, 5-0 50. Havlůj
Strafminuten: 6-30 (darunter 10 Min. für Maxa und 10 + Spieldauer für Pavlis; beide Klatovy) Spielort: Zimní Stadion Most (Kap. 2.646 Sitzplätze)
Zuschauer: 200 (davon 5 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gut)
Sightseeing: 7,5/10 (Gut bis Sehr Gut)

Am nächsten Tag – bis die im U Hada endlich mal das Frühstück auf dem Tisch stehen hatten, dauerte aber ewig: aber Hauptsache angeben, dass man schon ab 6:30 Uhr frühstücken könne – wurde erst der Thomas in Oberwiesenthal abgeholt und dann zügig gen Burg Karlštejn, teilweise als tschechisches Neuschwanstein bezeichnet, gesteuert. Dabei machte ich mich bei allen Insassen mit Aktionen, wie mit 90 km/h über einen Bahnübergang zu fahren – war ja zugelassen -, sodass alle Mitfahrer durchgeschaukelt wurden oder die unebenen und welligen Straßen so schnell entlang zu fahren, dass immer wieder ein Fluggefühl vermittelt wurde, beliebt.

Natürlich kamen wir dann sicher am Parkplatz der Burg Karlštejn an. Erst noch im Restaurant am Parkplatz essen: gutes böhmisches Essen, aber ziemlich wenig, doch Preis-Leistung stimmte. Wir nahmen dann einen der Shuttle-Busse. Das war allerdings der Lauffaulheit eines Gruppenmitgliedes geschuldet, normalerweise hätte ich dem Busfahrer, also dem aufdringlichen Zuhältertyp, klar gemacht, dass er sich verpissen solle, und wäre die 2km steil den Wanderweg hoch gelaufen. Kann ich auch jedem empfehlen, der noch ohne Rollstuhl oder Gehhilfe klar kommt. Lohnt sich absolut nicht, die (in eine Richtung) zu entrichtenden 100 Kronen (3,50€) zu zahlen.
Auch der Eintritt in die Burg ist völlig überhöht. Neuschwanstein, was allerdings ein völlig unechtes, kitschiges und schon lächerlich Pappmaschee- oder Disney-Filmkulissen-artig wirkendes Kunstgebilde ist, kostet weniger Eintritt als diese hochmittelalterliche Burganlage, die historistisch völlig überformt wurde. Wer sich mit Burgen etwas auskennt, bemerkt sofort einige Verfälschungen, aber die Anlage liegt so spektakulär und die Qualität des Historismus ist so hoch – was bei dieser Bauepoche wirklich selten ist, dass man von Qualität reden kann – dass sich ein Besuch der Burg lohnt. Wer nur Fotos machen will und keinen Bock auf eine geführte Tour durch ein Museum mit guten Exponaten des böhmischen Mittelalters hat, wo er ohnehin nichts fotografieren darf, der sollte ebenfalls hoch steigen aber sich nur auf den unentgeltlich zu besuchenden Teil: den Vorhof, sowie den Brunnenturm, verlegen. Das Museum lohnt wirklich nicht für 8,50€ zu besuchen, da das Highlight; die Burgkapelle, aus Sicherheitsgründen nur mit aufwändigen und seltenen Spezialführungen, die noch einmal 8€ extra kosten, zu besuchen ist.
Wir nahmen übrigens an der englischsprachigen Führung – an der Reiseleitung gab es nichts auszusetzen – teil, da uns das saumäßige Deutsch auf der Burg-Website [LINK http://www.hradkarlstejn.cz/] abschreckte.

Wir fuhren wieder den Weg durch Křivoklát zurück, wo mein Vater lässig die Straße zuparkte, damit ich noch ein paar Fotos der Burg machen konnte, die ebenfalls eine äußerst sehenswerte Anlage in schöner Lage ist. Diese Burg ist auch authentischer, als die Touristenfalle Karlštejn. Auch ist der Ort ordentlich und halbwegs gepflegt und nicht mit Ramschläden gesäumt – in Karlštejn gibt es ja von erzgebirgischer Volkskunst über Schlagringe und Butterflymesser bis hin zu SS-Uniformen eine große Auswahl an dummem Zeug zu kaufen.
Weiter ging es von Křivoklát nach Most – tolle Ausschilderungen der Umleitungen übrigens: die widersprachen sich auch das ein oder andere Mal – wo wir ohne viel Aufhebens durch die Plattenbauschluchten fuhren und hinter dem Fußballstadion vor der Eishalle parkten.
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Für eine Partie der 3. Liga, der Halbprofiliga also, mussten wir nur 1,50€ Eintritt für Sitzplätze zahlen. Die Halle war aber erstaunlich kalt, was allerdings auch nicht weiter verwundert, bei kaum 10% Auslastung. Wir legten, da vom Halbprofistatus vergleichbar, die 3. deutsche Liga zugrunde und kamen schon nach dem ersten Drittel zum Urteil, dass man in der Tschechischen Republik neben Burgen besichtigen, böhmisch essen gehen und Fußball in alten Stadien gucken, auch Eishockey sehen sollte. Selbst die 3. Liga ist hier wirklich gut. Besser als tschechischer Fußball. Im Übrigen war die Eishalle topp modern, wobei ich das nicht einmal positiv verbuchen will.
Was das Spiel anging, so war auch Thomas, für den es das erste Eishockeyspiel überhaupt war, angetan. Denn es wurde schnell, weitestgehend sauber, aber teils spektakulär und hart gespielt. Gute Torhüter verhinderten eine hohe Anzahl von Toren, doch die Moster machten ihre Überlegenheit nach und nach deutlich. Die Gäste aus Klatovy, dessen Wappen aus irgendwelchen Gründen ein zotteliges Rindvieh „ziert“, steckten zwar nie auf und waren auch nicht schlecht, aber bei weitem nicht so druckvoll und wendig vor dem Tor, wie Baník Most. Der Support war typisch tschechisch: ein paar Trommler und ganz wenige Schreihälse, sonst absolut tote Hose.
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Gutes, aber nicht sehr gutes Essen gab es dann im ganz nahe der Halle gelegenen „Švejk“ wobei ich mich wieder für die Spezialität des Hauses; einen gemischten Fleischteller (Enten-, Schweine- und Rindfleisch) mit Rot- und Weißkraut sowie drei Sorten Knödel, entschied. Noch empfehlenswerter: Schnitzelrollen mit Würstchen und Schimmelkäse, dazu Salat – klingt komisch, schmeckt toll!
Thomas noch schell in Oberwiesenthal abgeliefert, dann selbst nach Žatec. In der Stadt, wo das Bier zu Hause ist, sollten wir noch eine Nacht verbringen, ehe der letzte Tag der Ferien einen mittelmäßigen Abschluss liefern sollte.
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Statistik:
Ground Nr. 360 (ein neuer Ground; diese Saison: 29 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 895 (diese Saison: 37)
Tageskilometer: 520 (Auto)
Saisonkilometer: 11.300 (10.420 Auto/ 890 Fahrrad/ 90 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 21
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 166

Photos and English version:
Castles and Ice hockey.