Montag, 31. März 2014

W400IV: Schnelle Entscheidungen in Hettstedt und beim Derby im Gonnatal

TSV Kickers 1966 Gonnatal (Pölsfeld) ....................... 2
Verein für Bewegungsspiele 1906 Sangerhausen II ... 4
- Datum: Sonntag, 30. März 2014 – Anstoß: 15.00
- Wettbewerb: Kreisoberliga Mansfeld-Südharz (9. Spielklasse, 4. Amateurliga)
- Ergebnis: 2-4 nach 93 Min. (47/46) – Halbzeit: 1-3
- Tore: 0-1 1. Kevin-Eugenio Schäffner, 0-2 9. Martin Rösler, 0-3 20. Robert Knopp, 1-3 40. Sebastian Mogk, 2-3 85. Kevin Lenzewski, 2-4 87. David-Ben Leistikow
- Verwarnungen: Christian Rausch, Andre Heuert (Gonnatal); Lucas Töpfer, Ben-David Leistikow (Sangerhausen)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Sportplatz Pölsfeld (Kap. 800, davon 100 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 200 (davon 187 Zahlende und ca. 50 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes und unterhaltsames Spiel)

Fußball-Sport-Verein Hettstedt 1967 C II .......... 1
Verein für Rasensport Roßla C ............................ 4
- Datum: Sonntag, 30. März 2014 – Anstoß: 10.00
- Wettbewerb: C-Junioren Kreisliga Mansfeld-Südharz (4. und unterste Spielklasse der U15)
- Ergebnis: 1-4 nach 72 Min. (36/36) – Halbzeit: 0-4
- Tore: 0-1 10. Tim Heise, 0-2 18. Fabian Baumbach, 0-3 23. Tim Heise, 0-4 27. Janne Becker, 1-4 60. Stefan Fuchs
- Verwarnungen: Hannes Schulz (Roßla)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Sportpark am Walzwerkhölzchen Hettstedt (Kap. 2.600, davon 100 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 25 (davon ca. 10 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Mittelmäßiges Spiel, das vom überlegenen Gast diktiert wurde)  
Photos with English Commentary:
a) Under-Aged Football: FSV Hettstedt U15 Reserves v VfR Roßla U15
b) Amateur Football in Pölsfeld: Kickers Gonnatal v VfB Sangerhausen Reserves
c) Churches and Palaces in Mansfeld Region: Hackpfüffel, Hettstedt, Gonnatal (Obersdorf, Pölsfeld) 

Im dichten Nebel fuhren wir bis Siersleben, wo sich dieser plötzlich lichtete. Die wenigen Kilometer von dort zum Stadion am Hölzchen von Hettstedt waren dann einfach zurückzulegen: der auch in Hettstedt nur noch leichte Nebel beeinträchtigte den Beginn der U15-Partie in keiner Weise. Nur für den Alten Groundhopper war die schöne alte Anlage des FSV Hettstedt ein neuer Ground – ich hatte hier schon mal die Männer in einem Testspiel gesehen.

Diesmal zu Gast war der VfR Roßla. Zu Beginn war der VfR völlig überlegen und erzielte schnell mit einem 0:4 die Entscheidung. Nach der Pause lief nach vorne nicht mehr so viel bei Roßla, Hettstedt kam nun mit einem schönem Treffer auf 1:4 heran, vergab aber als passenden Schlusspunkt auf diese für den FSV völlig danebengegangene Partie einen Elfmeter. Dieser war aber ohnehin eine Lachnummer: der ansonsten gute und sichere Schiedsrichter wollte ein Handspiel gesehen haben – bei einem unkontrolliert nach einem Pressschlag gegen die Schulter springenden Ball…

Auf dem Weg nach Sangerhausen fuhren wir über Friesdorf – die Kirche dort ist für die armenische Gemeinde von Interesse, da ihr „Anwalt gegen die Osmanen“, Johannes Lepsius, hier seinen ersten Job hatte – und von dort über unbefestigte Waldwege nach Piskaborn und schließlich noch bis Hackpfüffel: schöner Ortsname, netter Sportplatz (leider schon länger kein Spielbetrieb) und ein ansehnliches Gehöft mit restauriertem Haupthaus und einer teilgenutzten Kirche, die zu einem Drittel ruinös ist.  
In Sangerhausen hatten, bis auf einen Döner und einen Griechen, die meisten Fressschuppen geschlossen – hätten wir von dem Gonnataler Sportlerheim gewusst, wären wir wahrscheinlich gleich dort Essen gegangen. Gonnatal ist übrigens kein Ortsname, sondern nur ein Vereinsname der sich auf den Namen eines Bachtals nördlich von Sangerhausen, an dem mehrere Dörfer (Gonna, Obersdorf, Pölsfeld etc.) liegen, bezieht. In Pölsfeld gibt es neben einer durchschnittlichen Dorfkirche, einem Jugendclub mit DDR-Fahne und einigen unglaublich doof rumglotzenden Kackbratzen, auch einen sehr schönen Sportplatz.

Bei Facebook wurde einem ein Besuch dieser Sportanlage am heutigen 30. März nahegelegt:
„Leute! Sonntag 19 Grad und Sonne, kommt vorbei auf ein nettes Derby bei nem schönen Stück Fleesch und ner Hülse auf Kralle...“
Tatsächlich kamen immerhin 200 Leute, davon aber auch einige aus Sangerhausen und benachbarten Orten (Emseloh, Brücken, sogar aus dem Burgenlandkreis: der, der die Feuerwehrzufahrt zugeparkt hatte und deshalb ausgerufen wurde, hatte es auch nicht näher als wir aus dem Saalekreis) – und Stimmung gab es trotzdem keine...

Dafür liegt der Platz landschaftlich wirklich sehr schön in einem engen Bachtal das von hohen Hügelzügen begrenzt wird. Auch von den Hängen hat man gute Sicht um die überzogenen 2,50€ Eintritt zu sparen, doch am besten sieht man von den Sitzbänken auf der drei Meter oberhalb des Feldes verlaufenden Hangkante. Hinter dem einen Tor befinden sich ein sehr gut aussehendes Sportlerheim mit überdachter Terrasse und ein Bolzplatz mit Tartanbelag und Kleinfeldtoren. Hinter dem anderen Tor sind nur Felder und nach einigen Metern fängt die Bebauung an.

Das Spiel war von Beginn an zugunsten der Gäste gelaufen: nach 30 Sekunden spielte einer die gesamte Abwehr und den Torwart zur Führung aus, nach nicht einmal 10 Minuten das haltbare 0:2 aus ziemlicher Distanz. Erst nach dem ebenfalls wirklich haltbaren 0:3 kam Gonnatal ins Spiel, doch die Chancen wurden reihenweise liegen gelassen. Erst kurz vor der Pause bekamen sie den Ball zum 1:3 im Kasten unter und in der Schlussphase schließlich, nach einem von starken Zweikämpfen und Chancen auf beiden Seiten geprägten Spiel, gelang das 2:3 per Freistoß an den Innenpfosten. Postwendend jedoch der Konter zum 2:4, dem einzigen Treffer an dem der sehr schwache Heimtorwart (sicherlich der Ersatzmann: drei Mal konnte er auch nur mit großer Mühe ein Murmeltor verhindern) gar nichts zu tun hatte. Danach noch ein weiterer Treffer für Gonnatal, doch nach Hackenschuss an den Pfosten stand der Mitspieler der einschoss im Abseits. 2:4 also der zu hoch ausgefallene Endstand! Dass Sangerhausen überhaupt gewann, war auch zum einen ziemliches Glück und nur zum anderen der verpennte Start der Heimelf der so konsequent vom VfB II genutzt wurde.

Der Unparteiische, Sportfreund Große, überzeugte mit einer sehr sicheren Leistung – auch seine Assistenten waren souverän. Das sahen einige Heimfans natürlich anders, aber an flotten Sprüchen gab es heute ohnehin viel zu hören:
Gonnataler Fan: „Ihr könnt nücht!“
Sangerhäuser Spieler: „Es steht noch 3:1…“
Gonnataler Fan: „Ihr könnt trotzdem nücht“
Anderer Sangerhäuser Spieler: „Ja, ja… deine Mudda is dein Vadda“
Gonnataler Spieler zu Sangerhäuser Spieler: „Ey, das hat doch kein Niveau, ey!“  
Statistik:
- Grounds: 1.092 (heute: 1 neuer; diese Saison: 121 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.012 (heute: 2; diese Saison: 156)
- Tageskilometer: 230 (230km Auto)
- Saisonkilometer: 51.360 (50.100 Auto/ 1.170 Fahrrad/ 80 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 9 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 400

W400III: Knappe Niederlage in Reußen (TSV) und erwartetes Ausscheiden aus den Play-Offs (CVM)

Chemie Volley Mitteldeutschland (Leuna-Spergau) 0
Berlin „Recycling Volleys” (SC Charlottenburg) .... 3
- Datum: Samstag, 29. März 2014 – Beginn: 19.30
- Wettbewerb: 1. Volleyball-Bundesliga (1. deutsche Volleyballliga, Profi-/ Halbprofiliga)
- Ergebnis: 0-3 nach Sätzen
- Satzresultate: 21-25, 20-25, 11-25
- Spielzeit: 65 (23, 22, 20) Minuten
- Besondere Vorkommnisse: Verwarnung (Gelbe Karte) wegen Reklamierens für CVM
- Spielort: Jahrhunderthalle Spergau (Kap. 1.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 800 (davon ca. 40 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Bis auf den extrem einseitigen dritten Satz zeigten beide Teams gutes Volleyball)

Sport-Gemeinschaft Reußen 1:0 TSV Leuna 1919
- Datum: Samstag, 29. März 2014 – Anstoß: 15.00
- Wettbewerb: Landesklasse Sachsen-Anhalt, Staffel 6 (8. Spielklasse, 3. Amateurliga)
- Ergebnis: 1-0 nach 95 Min. (47/48) – Halbzeit: 1-0
- Tor: 1-0 14. Thomas Spors
- Verwarnungen: Thomas Spors, Thomas Dietsch (Reußen); 2x Michael Stützer, Stefan Motz, Nino Hammerschmidt, Marius Meier
- Platzverweise: 85. Leunas Michael Stützer (wiederholtes Foulspiel)
- Spielort: Sportplatz Reußen (Kap. 700, davon 50 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 75 (davon angeblich nur 36 Zahlende, Gästefans: ca. 15)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Eher mittelmäßiges aber bis zum Ende wirklich spannendes Spiel)  
Photos with English Commentary:
Amateur Football: SG Reußen defeat TSV Leuna 1-0
Volleyball Top-Flight: CV Mitteldeutschland v Berlin RV

In meiner sechsmonatigen Abwesenheit hat sich im Saalekreisfußball nicht allzu viel getan: Leunas Zweite hält sich gut in der Kreisliga, die Jugend (F und E) gewinnt die Mehrheit ihrer Spiele, die Frauen ganz im Gegenteil, die Erste Mannschaft ist immer für ein tolles Spiel (3:1 gegen VfL Halle) oder auch eine blamable Leistung (Niederlage bei Seeben) gut. Günthersdorf kämpft weiterhin zusammen mit u.a. der Reserve von Merseburg 99 um den Aufstieg in die Liga von Leuna, Mannschaften wie Teutschenthal, Gimritz und Knapendorf spielen leider so schwach wie eh und je und während Buna Schkopau endlich aus dem Spielbetrieb genommen wurde, sind die Großgräfendorfer Schlägertypen (obwohl diesmal ein Schiri umgeboxt wurde und nicht „nur“ ein Gegenspieler) immer noch dabei. Ungewöhnlich ist nur, wie gut sich SG Reußen gemacht hat; die sind erstmals wieder in der Spitzengruppe der Landesklasse zu finden, auch wenn der Rückstand auf Platz 1 und den 1. FC Zeitz aussichtslos ist.

Unter diesen Voraussetzungen war nicht zu viel zu erwarten, als wir in das sehr hässliche und öde Dorf bei Landsberg nach einer unerwartet flotten Radtour einfuhren. Erstmal den gut sortierten Imbissstand belagert, was andere Leunaer auch machten da die Spieler auch ewig auf Einlass in eine der beiden Kabinen warten mussten, und dann einen der begehrten 50 Sitzplätze gesichert…

Der idyllische Dorfacker ließ ein ganz ordentliches Spiel zu: durch die geringen Maße ging es flott hin und her zwischen den Toren – und wenn der Ball mal versprang, konnte man es schön auf die Unebenheit des Platzes schieben. Was man nicht auf die Unebenheiten schieben konnte, waren Fehler wie jener Ballverlust von Carsten Arndt, der zum 1:0 für Reußen führte: der Stürmer nahm ihm den Ball einfach 20 Meter vorm Kasten ab und schob ihn ins lange Eck.

In der Folgezeit gab es Chancen auf beiden Seiten, die spektakulär oder kläglich, knapp oder deutlich vergeben wurden. Es ging also mit 1:0 in die Pause. Leider sollte das auch unerwartet der Endstand bleiben, da Reußen nach dem Seitenwechsel mit Ergebnisverwalten anfing: Leuna war unfähig den Ball im Tor unterzubringen und Reußen zeigte sich nicht gerade in Form einer Spitzenmannschaft; denn eine Spitzenmannschaft kontert dann erfolgreicher.

Dass es nicht zu einem deutlicheren Sieg der Reußener kam, ist dem wohl heute besten Spieler, Torwart Ronny Goloiuch, zu verdanken gewesen: mit mehreren Glanzparaden verhinderte er weitere Gegentreffer. Auf andere Art auffällig war leider Michael Stützer, der mehrfach übertrieben einstieg, bereits nach einer Viertelstunde die erste gelbe Karte der Partie sah und aus mir unerfindlichen Gründen bis zur 85. durchspielen durfte. Dann war mit Gelb-Rot Ende Gelände. Drei Spieler auf der Wechselbank, zwei Spieler auch eingewechselt – aber statt gegen den trotz Vorbelastung drei Mal grenzwertig einsteigenden Stützer, werden Shoshi und Meier gegen den halbwegs ordentlich spielenden Hähnel und den wirklich solide auftretenden Franz Motz eingewechselt. So Entscheidungen muss man nicht verstehen…

Entscheidungen, die man verstehen muss, waren heute jene vom Sportfreund Michael Kopp von Elbe Aken: der machte einen sehr souveränen und sicheren Eindruck. Nur seine Assistenten, insbesondere der jüngere Linienrichter, winkten mehrfach offensichtlich falsch Abseits und sinnlos Foul.  
Kurz nach Abpfiff fuhren wir auch schon wieder zurück nach Süden, doch an Merseburg vorbei und über Bad Dürrenberg nach Spergau. Der Verein heißt zwar nicht mehr VC Bad Dürrenberg/ Spergau, sondern schon eine ganze Weile Chemie Volley Mitteldeutschland, was ein wirklich mehr als zweifelhafter Marketing,,gag“ ist, aber Volleyball kann man sich trotzdem nach wie vor auf höchster Ebene angucken. Aufgrund der kranken Lizenzauflagen der DVL aber möglicherweise nicht mehr lange.

Zum Ende dieser Saison waren noch einmal die Titelverteidiger von der Berliner Müllabfuhr – der Marketingname ist natürlich noch kranker: Berlin Recycling Volleys statt SC Charlottenburg, unglaublich was sich manche Nicht-Sportler in den Chefetagen da einfallen lassen – zu Gast. Ich war zum ersten Mal in dieser Saison zu Gast, was erfreut zur Kenntnis genommen wurde im VIP-Raum.

Leider war es für diese Saison auch das letzte Mal, denn erwartungsgemäß hieß es nach einer reichlichen Stunde ansehnlichen Volleyballs 0:3 für Berlin und somit 0:2 in der Best-of-Three Serie des Viertelfinals der Meisterrunde. War bei einigen Spielen der Volleyballbundesliga das Buffet des Skyhotels Merseburg so ziemlich das Beste, konnte man das heute trotz wirklich hervorragendem Buffet nicht sagen: in den ersten beiden Sätzen spielten die Spergauer, die aufgrund der somalischen Zustände auf der Saale oder warum auch immer auch als „Pirates“ bezeichnet werden, richtig gutes Volleyball. Dass sie auf Augenhöhe waren, konnte man zwar nicht sagen – Berlin machte halt das Nötige um einen soliden Satzgewinn verbuchen zu können – aber was es für Schmetterbälle und teilweise sogar Finten zu sehen gab… das war schon fast auf dem Niveau der Charlottenburger!

Der dritte Satz war denn einfach nur eine Demontage, die einen standesgemäßen Sieg der diesmal in schwarzen statt in müllabfuhrfarbenen Trikots spielenden Berliner festigte. Auch wenn viele der Spiele der Jungs aus dem Leunaer Ortsteil Spergau eher enttäuschend verliefen, ist es doch sehr zu hoffen, dass dieser Verein weiterhin als Erstligist die Sportlandschaft von Ostdeutschland (aus politischen Gründen auch als „Mittel“deutschland bezeichnet), speziell die ansonsten eher dürftige Sportlandschaft Sachsen-Anhalts und ins Besondere die sehr dürftige Sportlandschaft des Saalekreises, bereichern würde!  
Statistik:
- Grounds: 1.091 (heute: kein neuer; diese Saison: 120 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.010 (heute: 2; diese Saison: 154)
- Tageskilometer: 70 (70km Fahrrad)
- Saisonkilometer: 51.130 (49.870 Auto/ 1.170 Fahrrad/ 80 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 7 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 400

W400II: Unentschieden und Abbruch beim ersten Saisonspiel der Alten Herren

TSV Leuna 1919 AH 2:2 VfB IMO Merseburg AH
- Datum: Freitag, 28. März 2014 – Anstoß: 18.00
- Wettbewerb: Freundschaftsspiel Alte Herren
- Ergebnis: Spielabbruch aufgrund von Sehproblemen des Schiedsrichters beim Stand von 2-2 nach 58 Min. (35/23) – Halbzeit: 2-1
- Tore: 1-0 12. Mario Melchior, 2-0 23. Carsten Franke, 2-1 27. Nr. 2 (Handelfmeter), 2-2 48. Nr. 6
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Sportstätte der Jugend (Kap. 1.000, davon 15 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 10 (davon ca. 2 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Gutes Spiel, das Leuna bei diesem Chancenverhältnis aber hätte gewinnen müssen)  
Photos with English Commentary:
Veterans‘ Friendly Match: TSV Leuna v IMO Merseburg

Das erste Spiel nach meiner Rückkunft vom Auslandssemester sollte natürlich eines einer Leunaer Mannschaft sein. Am Freitag spielten die Alten Herren ihr erstes Spiel der Saison 2014. Nach durchwachsenen Resultaten in der Halle und einem respektablen 3:3 auf dem Feld gegen eine Leipziger Wettkampfmannschaft ging es gegen einen altbekannten Gegner, die I. Altherrenmannschaft des VfB IMO Merseburg. Aufgrund von Bauarbeiten (u.a. an der Tartanbahn) wollte man wohl das Stadion des Friedens generell schonen. So wurde das Spiel nicht auf dem Kunstrasen, sondern auf der Sportstätte der Jugend ausgetragen.

Das Spiel fing gemächlich an, doch nach Mario Melchiors geschicktem Schuss ins lange Eck hieß es 1:0. Leuna war die aktivere Mannschaft und hatte deutlich mehr Chancen, auch wenn Torhüter Hähnel nicht beschäftigungslos blieb. Mitte der ersten Hälfte netzte Franke aus dem Lauf und flach ins lange Eck zum 2:0 ein. Kurz darauf gab es jedoch einen Handelfmeter, der hoch ins Eck und für den Leunaer Torwart unhaltbar - in der richtigen Ecke war er aber sogar - verwandelt wurde.

Auch nach dem Seitenwechsel blieb Leuna die torgefährlichere Truppe: das Problem war aber, die Torgefahr in Tore umzuwandeln. Das sollte kein drittes Mal gelingen, während die IMO ihre nicht unbedingt zahlreichen Chancen besser nutzte. Nach knapp 50 Minuten stand es 2:2. Nach knapp 60 Minuten ging unserem Schiedsrichter dann das schlechte Licht dermaßen auf die Nerven, dass er das Spiel mit den Worten „ich seh die Dunklen nicht mehr“ beendete. Die Lampen blenden halt und werfen ungleichmäßige Schatten auf den grünen Platz, sodass Spieler mit dunklen Trikots schlecht zu erkennen sind.  
Statistik:
- Grounds: 1.091 (heute: kein neuer; diese Saison: 120 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.008 (heute: 1; diese Saison: 152)
- Tageskilometer: 20 (20km Fahrrad)
- Saisonkilometer: 51.060 (49.870 Auto/ 1.100 Fahrrad/ 80 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 6 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 400

Mittwoch, 26. März 2014

Nach den sehr lohnenden Erfahrungen des fast sechsmonatigen Studien-Aufenthaltes in Marokko gibt es natürlich ohne Ende Bilder.
Die meisten finden sich in Alben der Nordafrika-Sammlung auf meinem Flickr-Account http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/collections/72157628677999313/

Ansonsten sind auch sicher die Bilder von der iberischen Halbinsel interessant http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/collections/72157635495671413/

Lust, mich noch groß über den Aufenthalt auszulassen habe ich nicht – durch runterscrollen und/ oder klicken auf „Ältere Posts“ kann alles nachgelesen werden. Ansonsten natürlich die Lister aller Spiele aufrufen und die roten Hervorhebungen beachten!

Hervorhebungen gibt es in dieser Liste demnächst nur noch in blau und grün, ansonsten wird sie wieder weniger farbig, wenn bis Juni eigentlich nur noch Grounds zwischen Leuna, Mansfeld, Brandenburg und Karlsruhe anstehen…

W399VII: Von Andorra über Frankreich zurück nach Merseburg; Der Bolzplatz im Nationalstadion in Andorra und Internationales Rugby im Katalanischen Perpignan

Catalans Dragons (Perpignan) 30:14 Huddersfield Giants
- Datum: Samstag, 22. März 2014 – Kick-Off: 18.30
- Wettbewerb: Super Rugby League (Professionelle Englische 13er-Rugby-Liga)
- Ergebnis: 30-14 nach 80 Min. (40/40) – Halbzeit: 14-0
- Tries (Versuche, d.h. 4 Punkte): Louis Anderson 2x, Zeb Taia, Morgan Escare, Elliot Whitehead (Perpignan); Scott Grix, Brett Ferres, Jodie Broughton (Huddersfield)
- Kicks (Schüsse, d.h. 2 Punkte): Thomas Bosc 5x (Perpignan); Danny Brough (Huddersfield)
- Strafen: keine
- Spielort: Stade Gilbert Brutus (Kap. 11.500, davon 9.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 7.000 (davon 6.600 zahlende und ca. 20 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 8,0/10 (Sehr gutes Spiel mit überraschendem Ausgang)

Futból Feminí Andorra 0:1 FC Encamp Feminí B
- Datum: Samstag, 22. März 2014 – Anstoß: 12.00
- Wettbewerb: Lliga Feminí Base (Fünf-gegen-Fünf Frauenliga Andorras)
- Ergebnis: 0-1 nach 45 Min. (3x15) – Drittelergebnisse: 0-0, 0-0, 0-1
- Tor: 0-1 33. Claudia Cerda Cassi
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Mini Camp Estadi Comunal [Andorra la Vella] (Kap. 2.000, davon 1.300 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 11 (mehrheitlich für Encamp)
- Unterhaltungswert: 1,5/10 (Schönes Tor aber ansonsten grauenhaftes Niveau wie nicht einmal im Saalekreis...)

Comú d’Escaldes-Engordany CF (Alevín) ............... 4
Unió Esportiva Sant Julià de Lloria (Alevín) ........... 5
- Datum: Samstag, 22. März 2014 – Anstoß: 9.30
- Wettbewerb: Lliga Aleví Primera Divisió (1. D-Junioren-Liga Andorras)
- Ergebnis: 4-5 nach 60 Min. (3x20) – Drittelergebnisse: 1-1, 2-2, 1-2
- Tore: 0-1 7. Iker Rodriguez Torra, 1-1 13. Ian Gonzalez Bumedien, 1-2 31. Marco Inacio da Silva Machado, 2-2 35. Ian Gonzalez Bumedien, 2-3 37. Adria Blat Vidal, 3-3 38. Miquel Lopez Escoriza, 4-3 41. Joan Inez Bellido (Strafstoß), 4-4 44. Marco Inacio da Silva Machado, 4-5 54. Marco Inacio da Silva Machado
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Camp Prat del Roure [Engordany] (Kap. 500, davon 100 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 30 (je ca. 15 für beide Teams)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Sehr gutes und spannendes U13-Spiel)  
Photos with English Commentary:
a) Rugby League: Catalans Dragons Perpignan v Huddersfield Giants
b) Andorran Women’s Football: FF Andorra v FC Encamp Reserves
c) Andorran Under-13 Football: Comú d‘Escaldes v Sant Julia
e) Roman Sites in France: Nimes and Orange
f) Principality of Andorra: Mountains and Churches

Der morgendliche Blick aus dem Fenster zeigte Schneetreiben und dichten Nebel in Pas de la Casa. Mit unseren Sommerreifen kamen wir aber ohne Schwierigkeiten über den leicht verschneiten 2.400m hohen Pass ins Tal nach Engordany zum D-Jugendspiel zwischen Comú d’Escaldes-Engordany CF (der Gemeindesportverein ist Tabellenführer der 1. U13-Liga gewesen) und Unió Esportiva Sant Julià de Lória. Das Kleinfeldstadion mit seinen zwei zusammengepfriemelten Tribünen ist zwischen Parkhäusern, Einkaufszentren und Bankgebäuden eingeklemmt. Wir guckten dem flotten Treiben größtenteils von der Dachterrasse des Einkaufszentrums mit Restaurants und Sporthalle, Prat del Roure, zu. Escaldes und Sant Julia lieferten ein sehr spannendes und sehr ausgeglichenes Match ab: einer ging in Führung, der andere glich stets aus. Am Ende wurde es allerdings ein sehr glückliches 4:5 für Sant Julia was einen Wechsel an der Tabellenspitze bedeutet.

Nachdem wir eine Weile auf dem öffentlichen Sportplatz zwischen Prat del Roure und Prat Gran bolzten, fuhren wir weiter zur Frauenliga im Nationalstadion. Die Frauenliga hat sieben Teams und es wird nur 5 gegen 5 gespielt. Somit wurde die Partie auf dem Nebenplatz ausgetragen: dem innerhalb des Stadions, zwischen Leichtathletik-Laufbahn und Tor des Fußballfeldes gelegenen Kunstrasen-Bolzplatz mit Handballtoren. Es wurde allerdings nach normalen Fußballregeln und nicht mit Futsal-Reglement gespielt. Wie schwach Frauenfußball in Andorra ist, war an diesem Spiel zwischen Futbol Femení Andorra la Vella (5.) und FC Encamp B (2.) gut zu messen: kein Passspiel über zwei Stationen, kein platzierter Schuss, lauter Kullerbälle, unkoordiniertes über den Ball Schlagen, Ball aus der Hand Fallen der Torhüterinnen… Die Frauen und Mädchen – teilweise spielten da schon Zehnjährige mit – konnten eigentlich durchweg überhaupt nicht Fußball spielen. Bis auf den schönen goldenen Treffer in den Winkel von Encamp II war das noch schlimmer als Frauenkreisklasse Saalekreis!  
Weiter ging es durch die beiden über sechs Euro Maut kostenden Tunnel unter den im Nebel hängenden Pässen Pas de la Casa und Puymorens hindurch. Es waren noch zwei kurze Besichtigungen, erstmal der Burgruine Carol und dann der Festungsstadt Villefranche de Confluent, drin. Wir erreichten nach einer lästigen Zollkontrolle die uns und andere minutenlang und ohne erkennbaren Sinn ausfragte zu Fahrtrichtung und Wareneinkäufen (anstatt dass die den Wagen kontrollieren, stellen die Fragen die sie nicht mal was angehen: von wegen, was man in Marokko gemacht hat), Perpignan. Die Stadt ist unglaublich dreckig – ausschließlich übrigens durch die Katalanen und Franzosen mit ihren scheiß Kötern – und überschätzt. Perpignan ist nicht mal so schön gelegen wie andere Städte in Südwest-Frankreich, hat nur eine dürftige Festung und ein paar ältere Häuser zu bieten – aber immerhin ist sie eine echte Rugby-Stadt!

Gleich am Ortseingang ist das kleinere Stadion – für 13er-Rugby bei den Dragons – in derselben Straße stadteinwärts steht ein doppelt so großes fürs 15er-Rugby. In Perpignan ist immer „Union oder League“ die Frage: wir sahen zum ersten Mal League (also mit 13 Spielern pro Team) im erstgenannten Stade Brutus, das auf drei Seiten mit Tribünen mit roten und gelben Sitzen versehen ist. Die Catalans Dragons spielen als einzige französische Mannschaft in der professionellen englischen Super-League mit. Die aus dem nördlichen Mittel-England (West Yorkshire) stammenden Huddersfield Giants waren heute zu Gast.

Bei der Farbgebung des Stadions war es schon zu befürchten: die gehirnamputierten katalonischen Separatistenschweine spielten vor dem Kick-Off ihre live gesungene Hymne ab. Auch die Anfeuerungen waren nur z.T. auf Französisch, sonst im spanischen Dialekt „Katalanisch“. Ansonsten war es die größte Kulisse, die wir je bei einem Rugbyspiel gesehen haben – und um die Ecke waren fast doppelt so viele zum intelligenterweise zeitgleich ausgetragenen 15er-Rugby gekommen! Es wurde auch ab und an mit Sprechchören angefeuert und normaler Lärm wie Pfeifen und Dazwischenrufen veranstaltet.

Der Spielverlauf war wie erwartet klar, allerdings unerwarteterweise zugunsten der Heimmannschaft: die hatte fünf Niederlagen und 0 Punkte, Huddersfield drei Siege und zwei Niederlagen. Von Anfang an spielte aber Perpignan konzentrierter, absolut sicher in den Pässen und aggressiver aufs Malfeld zu. Drei Versuche konnten sie so legen. Der Vorsprung von 14:0 bei Pause war noch einzuholen, doch nur wenige Minuten nach Wiederbeginn schafften die Katalanen einen tollen Sprint für den vierten Try. Erst in der Schlussphase konnten auch die Engländer Punkte machen: mehr als drei Versuche und eine Erhöhung (Conversion) waren aber nicht drin, sodass es am Ende 30:14 hieß.
Das Spiel war durch die Regelabwandlungen schneller als 15er-Rugby, eine sinnlose Regelabänderung ist allerdings die Punktezählung 4, 2, 1 (statt 5, 3, 2).

Nach kurzem Essen bei Meckens ging es zum F1, wo zwei Streifenwagen vor der Tür standen. Ein besoffener Gast hatte randaliert – den Rest der Nacht blieb es allerdings ruhig…  
Sonntag gab mal keinen Sport: das Programm war stark ausgedünnt, da die Kommunalwahlen anstanden und gerade in Südfrankreich brauchten die Franzacken Zeit um die faschistische Front National mit bis zu 45% zu unterstützen. An der Rechtsextremenhochburg Nr. 1, Béziers, fuhren wir aber nur vorbei. Wir hatten auf Sport auch v.a. wegen der Besichtigung des Amphitheaters von Nimes und des römischen Theaters von Orange verzichtete. Das endlos gehypte Nimes war eher enttäuschend, da die Veranstaltungsarena (für Stierkämpfe, Musikfestivals und Theater genutzt) innen sehr überformt ist von neueren und älteren Holzbänken und Gerüsten – und diesen unsachgemäß restaurierten Bau kann man nur für Wucherpreise von 9€ besichtigen. Auch in Orange wurden Wucherpreise (9,50€) verlangt, aber man bekommt dafür wenigstens ein Theater mit ungewöhnlicher Fassade, spektakulären Stufen die halbwegs originalgetreu aufgemauert wurden und ein gut sortiertes Museum zu römischer und späterer regionaler Kunst zu sehen. Die Altstadt von Orange ist auch nicht so uninteressant, da dort auch noch ein römischer Triumphbogen in einem Kreisverkehr steht.

Wir machten uns auf die Piste nach Besancon. An der Raststätte wie üblich nur dreckige Hocktoiletten – selbst in Marokko gibt es das nur noch selten an den alten und schlechten Rasthöfen – und in Besancon fanden wir nur eine geöffnete Tankstelle – völlig versifft und es funktionierte nur eine Zapfsäule. Im F1 waren die Klos teils zugeschissen, Handtücher gab es keine – drumherum standen abgewohnte Häuser und kiffende Jugendliche. Wo wir waren? Natürlich in Frankreich! Denn die großkotzige Grand Nation ist bei Weitem nicht nur protziger Barock und edle Küche…  
Am nächsten Tag hatten wir uns auch ein kleines Besichtigungsprogramm zusammengestellt: mit Staufen hatten wir natürlich gleich das beste Negativbeispiel für eine deutsche Stadt herausgesucht; durch Pfusch beim Bau einer Erdwärmeanlage ist die Altstadt einsturzgefährdet – so was kann doch nur in Deutschland (speziell in Baden-Württemberg) oder der Schweiz passieren! Zu viel Seitenbacher Körnerfraß schadet wohl doch dem Gehirn…

Kurzfristig entschieden wir uns um und legten die Route statt durch den verschneiten Schwarzwald über Freiburg (wir besichtigten das sehenswerte Münster, ansonsten ist die Altstadt leider uninteressant, und gingen gut chinesisch Essen) und das nördlich davon gelegene ländliche Gebiet Freiamt. Dort gibt es eine sehr schöne Burgruine, die Hochburg, die frei zugänglich auf einem der charakteristischen und teils mit Weinstöcken bewirtschafteten Hügel liegt; eine frühgotische Kapelle als Rest des Klosters in Tennenbach; eine schöne, authentische Burgruine in Landeck im selben Baustil wie die Hochburg; und die Kleinstadt Emmendingen wo wir die barocke Altstadt anguckten – die ist klein, nicht herausragend, aber ganz lohnend.

Es folgte das übliche Verkehrschaos im Raum Karlsruhe, von da an ging es zügig mit Zwischenhalt an einem Autohof für Burgerking – sonst kann man ja nicht zu bezahlbaren Preisen an Autobahnen essen – nach Merseburg zurück, wo wir 0.15 Uhr ankamen.  
Statistik:
- Grounds: 1.091 (Samstag: 3; diese Saison: 120 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.007 (Samstag: 3; diese Saison: 151)
- Tageskilometer: 1.880 (Samstag: 230km Auto, Sonntag: 760km Auto, Montag: 890km Auto)
- Saisonkilometer: 51.040 (49.870 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 80 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 5 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 399

W399IV-VI: Do, Fr von Gibraltar nach Andorra: Cordoba und Barcelona


Photos with English Commentary:
a) Córdoba
b) Barcelona
c) Andorra

Vormittags brachen wir gen Córdoba auf, das wir aufgrund seiner arabischen Baukunst besichtigten. Die arabische Festung sahen wir uns aber nur von außen an, die Kathedrale bzw. Ex-Moschee war die einzige Innenbesichtigung. Dieser eindrucksvolle historische Bau ist seine 8€ Eintritt aber auch Wert. Nach einem kurzen Rundgang durch die engen Altstadtgassen starteten wir gen Norden. Abends fanden wir auf der Landstraße nach Barcelona in Santa Magdalena de Pulpis das Motel Casa Vicente für 30€ das Doppelzimmer. Es ist in Spanien eine empfehlenswerte Taktik diese preisgünstigen Herbergen an den Nationalstraßen aufzusuchen: Preis-Leistung ist meistens topp!

Am Freitag besichtigten wir in Barcelona die wichtigsten Sehenswürdigkeiten: die Stadt ist kurios und interressant aber nicht unbedingt schön. So großkotzig wie die Architektur dort ist, passt sie zur Selbstüberschätzung der Katalanen. Widerlich, wie überall die separatistischen Fahnen in rot und gelb wehten und teils auch noch manipulierte Nummernschilder (CAT statt E unter dem Europa-Sternensymbol) zu finden waren.

Wir fuhren gen Andorra über Bellver de Cerdany und Martinet, zwei ganz netten Pyrenäendörfern, sowie Alás, wo es ein kleines Fußballstadion gibt, das v.a. vom andorranischen Verband als Ausweichplatz genutzt wird (wenn die drei Stadien auf andorranischem Staatsgebiet mit Ligaspielen belegt sind, wird halt dort gekickt). Vorm Passieren der Grenze besichtigten wir noch Burg und Kathedrale von Seu de Urgell.

In Andorra gingen wir in Engordany an der Hauptstraße gut aber nicht gerade preisgünstig Essen und suchten in Pas de la Casa die Unterkunft auf. Leider war kein Bolzen mehr drin auf dem Kunstrasenplatz: wer im Winter Fußball in Pas de la Casa spielen will, muss in die Sporthalle (und die hatte schon zu) da der Bolzplatz meterhoch eingeschneit ist bis ca. Anfang Mai…  
Statistik:
- Tageskilometer: 1.460 (Donnerstag: 940km Auto, Freitag: 520km Auto)
- Saisonkilometer: 49.140 (47.990 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 80 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)

W399III: Besuch beim neuen UEFA-Mitglied; Felsen, Affen und zwei Nationalmannschaften

FC Olympique 13 (Gibraltar) .............................. 2 (0)
FC Magpies (Gibraltar) ........................................ 2 (1)
- Datum: Mittwoch, 19. März 2014 – Anstoß: 20.00
- Wettbewerb: Gibraltarian Second Division (d.h. 2. und unterste gibraltarische Fußballliga, 2. Amateurliga)
- Ergebnis: 2-2 nach 98 Min. (47/51) – Halbzeit: 0-1
- Tore: 0-1 21. (10), 0-2 66. (10), 1-2 73. (11), 2-2 82. (NN)
- Vergebener Elfmeter: Magpies-TW wehrt Handelfmeter von Olympiques Nr. 9 ab (34. Min.)
- Verwarnungen: Nr. 3, 9, 10, 12 (Olympique); 9, 10, 16, Wechselspieler (Magpies)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Victoria’s Stadium (Kap. 4.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 25 (darunter ca. 9 Olympique und 7 Magpies)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Erfreulich hohes Niveau: guter Amateurfußball, spannender Spielverlauf)

Gibraltar Women’s Selection .............................. 3 (1)
Gibraltar Special Olympics Side ......................... 1 (0)
- Datum: Mittwoch, 19. März 2014 – Anstoß: 18.15
- Wettbewerb: Freundschaftsspiel unter Organisation der Gibraltar Football Association (GFA)
- Ergebnis: 3-1 nach 80 Min. (40/40) – Halbzeit: 1-0
- Tore: 1-0 21. NN, 2-0 47. NN, 3-0 57. NN, 3-1 63. Nr. 14
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Victoria’s Stadium (Kap. 4.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 25
- Unterhaltungswert: 4,5/10 (Mehr kann man nicht erwarten bei so einer komischen Ansetzung)  
Photos with English Commentary:
a) Gibraltarian Second Division: FC Olympique 13 v Magpies, and Friendly Match: GFA Women’s XI v Special Olympics Gibraltar
b) Sightseeing GIBRALTAR: Upper Rock Nature Reserve, Europa Point, Town Centre

Zwergstaaten sind in erster Linie ein zweifelhaftes europäisches Phänomen – doch wäre Europa nicht politisch so unheimlich kleinteilig, könnte man nicht so viele Länderpunkte machen! Zusatzländerpunkte gibt es auch nicht zu knapp, also solche Länder oder Gebiete, die einen eigenen Verband haben und eine eigene Liga (Monaco fällt dabei raus) sowie eigene Sportstätten (Vatikan fällt da heraus) aber nicht in der FIFA Mitglied sind. Ob sie in der UEFA Mitglied sind wie Gibraltar oder auch nicht (wie Nord-Zypern oder Gozo) spielt dabei keine Rolle. Unser heutiger neuer Länderpunkt, Gibraltar, könnte aber bald ein vollwertiger werden: die Iberofaschisten vom spanischen Verband sind kein erstzunehmender Hinderungsgrund für die Aufnahme des Staates, der aus einem Berg auf einer Landzunge und ein paar Häusern für seine 30.000 Einwohner drumherum, besteht…

Wir ließen das Auto in La Línea am Hotel stehen und liefen die 1,5km zur Grenze. Dort zeigt man nur kurz seinen Pass vor – erst bei den Spaniern, dann bei den Briten bzw. Gibraltarern – und läuft dann zur Wechselstube wo man Gibraltarische Pfund (keine britischen Pfund, aber der Kurs ist der gleiche) erhält. Ein paar Schritte weiter kreuzt man die Rollbahn des Flughafens. Kommt ein Flugzeug bildet sich ein Stau, da alle fünfzehn Minuten auf die Ankunft des Fliegers warten müssen: keiner kommt raus oder rein, da die Rollbahn quer von West nach Ost über die Landzunge gelegt ist. Direkt an der Rollbahn liegt auch der Sportkomplex von Gibraltar – doch dazu unten mehr.

Wir liefen erst einmal durch die in Sachen Architektur ausnahmslos britisch geprägte Innenstadt, die sich auf der Westseite der Halbinsel/ des Staates/ der Stadt erstreckt. Die Häuser sind nicht übermäßig sehenswert, sehr schön ist aber der botanische Garten. Weiter ging es zum Europapoint, der Landzunge mit saudischer Moschee für die Marokkaner von Gibraltar und dem alten Cricketplatz. Danach gingen wir zu Fuß hoch zum Nationalpark Upper Rock, der gut 15€ Eintritt kostet: der Weg ist sehr steil und eng, die Landschaft ist spektakulär. Der Felsen von Gibraltar ist weiß und stark bewaldet, wobei der oberste Punkt leider in den Wolken hing. Einen Blick auf den Ort und die fast unbesiedelte Ostseite erlaubte er trotzdem. Besonders innerhalb des Naturparks gammeln viele Berberaffen rum.

Eine der Sehenswürdigkeiten, die die Preise so in die Höhe treibt, ist die St. Michaels Höhle mit tollen Gesteinsformationen und Lichtspiel. Die Militäreinrichtungen auf dem Berg sind zumeist historisch und zu besichtigen, so z.B. mehrere Tunnelsysteme. Es gibt auch eine arabische Festung, die aber nur im Turmbereich begehbar ist. Der Abstieg von der Burg erfolgt zwischen maroden Häusern – das ist aber so typisch britisch wie Burgen, botanische Gärten, Sportstätten jeglicher Art und die halbwegs genießbare aber schwer verdauliche Küche wie in dem Lokal am Busbahnhof, das wir aufsuchten. Old English Sausages und British Breakfast (served all day long), sollte sich in der Nacht als schlechte Wahl herausstellen: unglaublich, aber ich habe mich im Zeitraum von sechs Monaten nicht einmal schlecht gefühlt nach Essen in Marokko und Mauretanien, aber der britische Fraß in Gibraltar war einfach zu schwer, fett und alkoholhaltig (Biersoße auf dem Kartoffelbrei, hackt’s?!)  
Auf dem Weg zum Stadion kaufte ich noch ein Trikot der Nationalelf von Gibraltar für nicht einmal 25€. Der besagte Sportkomplex besteht aus dem Victoria Stadium, einen für Fußball und Cricket genutzten All-Seater mit drei Tribünen auf den Längsseiten – absolute 0815-Standard-Anlage mit Kunstrasen und lächerlicher Mini-Anzeigetafel, aber dafür Blick aufs Rollfeld und zum Felsen – und außerdem einem Hockeystadion mit Tribüne und drei ausbautenlosen Nebenplätzen für Fußball u.a. – ebenfalls alles Kunstrasen – sowie drei unterschiedlich großen Sporthallen. In der mittleren Sporthalle unter der Fußballtribüne wurde Korfball (eine Art Basketball, aber durch Regeländerungen recht statisch und v.a. ist es schwieriger zu treffen, da kein Brett hinterm Korb hängt) gespielt.

Im Fußballstadion gab es nach einem einseitigen C-Jugendspiel ein ebenso einseitiges Freundschaftsspiel zweier Nationalteams zu sehen. Die Frauennationalelf Gibraltars spielte gegen die Behindertensportler Gibraltars. Das heißt freundlich ausgedrückt „Special Olympics Team“ und das besteht aus Taubstummen, Sehbehinderten (nicht blind, aber schwere Sehstörungen) und geistig Minderbemittelten. Selbst so eine schwache Frauenelf wie die gibraltarische gewinnt natürlich gegen Behindertensportler, aber einfach war es nicht. Nach reingewürgter Führung wurde es erst in der zweiten Hälfte deutlicher, wobei das beste Tor durch die Nr. 14 von den Behindertensportlern erzielt: volle Hütte aus 20m in den Winkel zum 3:1 Ehrentreffer.

Das Spiel, was wir eigentlich sehen wollten, war dann das im Anschluss angepfiffene Zweitligaspiel zwischen Olympique und Magpies. Nachdem wir eine Weile mit einem schräg hinter uns sitzenden verletzten Magpies-Spieler gequatscht hatten, ging dessen Team in Führung. Bei Olympique lief es nicht gut: sogar ein Elfer wurde verschossen. Magpies baute nach der Pause die Führung auf 0:2 aus, doch ließ Olympique dann Räume für Konter die zum 1:2 führten und kassierte mit einem Volleyschuss zum Ende dieser sehenswerten Partie hin sogar den Ausgleich zum 2:2.

Wir gingen noch mal kurz zum Korfball in die Halle zurück – diese Sportart werden wir sicherlich mal irgendwo in Deutschland besuchen: das fast identische Korbball wird v.a. in Niedersachsen viel gespielt und ein deutsches Spitzenteam im Korfball ist nach wie vor der Schweriner KB – und liefen dann über die Grenze. Insgesamt legten wir heute etwa 20km zu Fuß zurück.  
Statistik:
- Grounds: 1.088 (heute: 1; diese Saison: 117 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.004 (heute: 2; diese Saison: 148)
- Tageskilometer: 20km zu Fuß, zählt nicht in die Statistik (-)
- Saisonkilometer: 47.680 (46.530 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 80 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 3 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 399

W398II-399II: Über Marokko zurück nach Europa; Lohnender Umweg über Tafraoute und Taroudant, die Futsal-Falken von Agadir und Hitziges „Beach Soccer Match“ in Lella Mimouna

Association Amal Lella Mimouna (جمعية أمل للا ميمونة)
..................................... 1:3 (1:1) ...................................
Union Nasr Sportive Rabat (اتحاد النصر الرياضي الرباطي)
- Datum: Sonntag, 16. März 2014 – Anstoß: 14.40
- Wettbewerb: Senior 3 Division, Ligue Excellence du Gharb de Football [دوري الهواة القسم الثالث - عصبة الغرب] (Westmarokkanische Bezirksoberliga = 5. Marokkanische Liga, 3. Amateurebene)
- Ergebnis: 1-3 nach 95 Min. (43/52) – Halbzeit: 1-1
- Tore: 1-0 23. 19, 1-1 38. 5, 1-2 65. 2, 1-3 81. 2
- Verwarnungen: 2x Nr. 2, Nr. 11, 18, NN (AALM); Nr. 22-TW (UNSR)
- Platzverweise: 85. Nr. 2 AALM Foul, unsportliches Verhalten
- Spielort: Stade Municipal Lella Mimouna [الملعب البلدي بللاميمونة] (Kap. 1.500, davon 600 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 200 (davon ca. 10 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Wirklich schwierige Platzverhältnisse, trotzdem ein ansehnliches Spiel und Emotionen gab es auch noch!)

Rabita de Casablanca (الرابطة الرياضية البيضاوية)
........................... 32:29 (15:9) ............................
---------- Wydad Smara (وداد السمارة) -------------
Datum: Samstag, 15. März 2012 – Anwurf: 19.30
Wettbewerb: Ligue Excellence du Handball, Poule Sud [بطولة المغربية لكرة اليد القسم الممتاز] (Marokkanische Superliga Süd, d.h. Südstaffel der 1. Marokkanischen Handballliga; Halbprofiliga)
Ergebnis: 32-29 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 15-9
Tore: k.A.
Siebenmeterquote: RDB 100% (1 von 1); WS 0% (0 von 2)
Gelbe Karten: k.A.
Zwei-Minuten-Strafen: RDB = 14 Minuten; WS = 6 Minuten
Platzverweise: Nr. 11 in 23., 59. Nr. 77 (RDB); 10. Nr. 10 (WS)
Spielort: Salle du Sport, Complexe Mohamed V [مركب محمد الخامس - القاعة الرياضية] (Kap. 6.000 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 200 (ca. 10 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes Spiel, das durch die unstete Leistung der Gäste leider zu früh entschieden wurde)

Renaissance Khemis de Zemamra (نهضة خميس الزمامرة)
.................................. 0:0 (0:0) ........................................
--------- Fath Sidi Bennour 1957 (فتح سيدي بنور) ---------
- Datum: Samstag, 15. März 2014 – Anstoß: 15.00
- Wettbewerb: GNF Amateur 1, Groupe Sud [بطولة القسم الوطني الأول هواة - شطر الجنوب] (d.h. 3. Marokkanische Fußballliga, 1. Amateurliga)
- Ergebnis: 0-0 nach 98 Min. (48/50) – Halbzeit: 0-0
- Tore: keines
- Verwarnungen: Nr. 2, 20, NN (CRKZ); Nr. 9, 15 (FSB)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Municipal Khemiss des Zemamra [الملعب البلدي بخميس الزمامرة] (Kap. 2.000, davon 1.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 1.500 (davon ca. 200 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 3,0/10 (Ganz schwaches Gekicke, wenigstens gute Stimmung)

---- AS Falcons Agadir (صقر اكادير) -----
......................... 6:2 (1:0) .......................
Etoile Madagh Berkane (نجم مداغ بركان)
- Datum: Freitag, 14. März 2014 – Anstoß: 19.30
- Wettbewerb: Championnat National du Futsal, Division 1 [بطولة الوطنية القسم الاول لكرة القدم داخل القاعة] (d.h. 1. Marokkanische Futsal-Liga)
- Ergebnis: 6-2 nach 40 Min. (20/20) – Halbzeit: 1-0
- Tore: 1-0 11. (Nr. 8 mit 10m), 2-0 22. 7, 3-0 32. 5m e,pty 4-0 34. 10, 5-0 34. 10, 6-0 34. 10, 6-1 38. 13 10m, 6-2 40. 5
- Gelbe Karten: 6, 11 (Agadir); 13 (Berkane)
- Rote Karten: Trainer von Berkane (15. Min., wg. Schiedsrichterbeleidigung)
- Spielort: Salle Couverte de Inbiaate [قاعة المغاطة الانبعاث] (Kap. 2.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 100 (darunter ca. 5 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Zwar recht einseitig, aber wirklich gut und phasenweise kurios)  
Photos with English and Arabic Commentary:
Sports Events:
a) Futsal Top Tier: Falcons Agadir v Madagh/ Berkane
b) 3rd Division Derby: Khemis des Zemamra v Sidi Bennour
c) Handball Top Level: Rabita Casablanca v Widad Smara
d) 5th Division “Beach Soccer”: Amal Lella Mimouna v Nasr Union Rabat

Places of Interest:
e) Nouakchott & Nouadhibou, and ADRAR MOUNTAINS 
f) Moroccan/ Western Sahara 
g) Tiznit, Tafraoute, Taroudant 
h) Es-Saouira Old Town 
i) Moulay Bousselham, Bouhachem, Tetouan
j) CEUTA: Spanish Exclave

Video:
Moroccan Musicians Supporting Rabita Casablanca Handball Team

Am Dienstag begann die eigentliche Rückreise nach meinem Auslandssemester. Wir legten auf dem ersten Teilstück nach Deutschland die enorme Strecke vom zentralmauretanischen Atar ins westmauretanische Nouadhibou nahe der marokkanischen Grenze zurück. Man muss erst einmal über 5 Stunden nach Nouakchott zurück fahren (d.h. nach Südwesten; in der Hauptstadt aßen wir noch mal sehr gut beim Italiener „Tafarit“ am Olympiastadion) und dann nach Norden 5,5 Stunden bis zur Grenze Boulanouar zurücklegen. Da wir dort die Herberge nicht fanden, fuhren wir auch noch die knappe Stunde auf die Landzunge nach Nouadhibou raus und übernachteten wieder im Camping Baie du Levrier. Man kann übrigens mittlerweile auch direkt an der Grenze in einer Herberge übernachten (natürlich nur auf der mauretanischen Seite, in Marokko sind die noch nicht auf so eine gute Idee gekommen).

Mittwoch ging es nach dem Frühstück im „Plein Lune“ zügig zur Grenze. Die Passstempelung, die Unterschrift unter das Fahrzeugdokument und die Fahrzeugkontrolle dauerten nur 30 Minuten. Nach der beschwerlichen Fahrt durchs Niemandsland dauerte es bei den Marokkanern natürlich eine volle Stunde, ehe wir alle Stempel und Papiere (bis auf die Versicherung mal wieder) geholt hatten. Wir waren trotzdem noch früh in Dakhla, nachdem wir eine Polizeikontrolle mit einem gut Deutsch sprechenden aber entsprechend hyperkorrekten Polizisten passiert hatten; fragt der doch noch nach dem Warndreieck: Mann, Mann, Mann…
Dort steuerten wir noch vor dem Hotel „Touareg Palace“, das wir ein zweites Mal bezogen, einen Reifenhändler an. Die beiden an der Karkasse beschädigten 800-Dirham-Reifen wurden gegen welche für 750 Dirham ausgetauscht. Mal schauen, ob die besser halten, wie der sehr freundliche Händler mit viel Klopfen und Drücken auf die in der Tat sehr robusten Reifen meinte…

Auch über den Donnerstag gibt es nicht viel zu berichten, denn die Strecke war bekannt. Nur in Laâyoune verfuhren wir uns erst kurz, sodass wir die Kirche von außen sehen konnten, und hatten dann etwas Stress an der einen Kontrolle: ein intelligenter Polizist merkte nämlich dass unsere Versicherung gar nicht gültig ist. Der bestellte mich aber einfach ins Büro, quatschte ein bisschen, schenkte mir Tee ein und ließ sich 100 Dirham (9,30€) geben.
Dann ging es über Sidi Akhfennir, wo wir in einer Fernfahrerkaschemme für zusammen nur 3,50€ Tajine aßen und Tee tranken. Übernachten wollten wir eigentlich in Guelmim, doch die Hotels waren zu teuer und der Hotelier in dem einen, in das wir hineingingen, machte keine Anstalten von den 450 Dirham runter zu gehen. Also fuhren wir noch die zwei Stunden nach Tiznit weiter, wo wir schnell das Hotel Riad fanden, dass mit nur 200 Dirham für die gebotene Qualität sehr günstig ist. Der freundliche Hotelier musste aber natürlich vom Parkwächter aus dem Bett geklingelt werden: es war halt schon 1.45 Uhr…  
Freitag schließlich verließen wir die direkte Route: Tiznit hatten wir schon auf dem Hinweg gesehen, also gleich weiter nach Tafraoute, wo es tolle Felsformationen und eine recht gepflegte und moderne Innenstadt zu sehen gibt. Es fiel auf, dass die Dörfer im Landkreis Tafraoute ebenso gepflegt wie die Kreishauptstadt daherkamen. Für Berberdörfer extrem ungewöhnlich: wie der Kreis Tafraoute so ein Niveau erreichen konnte, ist mir schleierhaft.

Sehr schön sind dann im weitaus weniger ordentlich erscheinenden Nachbarkreis Tafraoute die befestigten Gehöfte auf den flachen, tischartigen Felsen (arabisch Kasbah, berberisch Igherm), vor allem auf dem Weg nach Ait Baha. Dort geht es übrigens nur auf extrem engen Straßen hin: ohne Leitplanke obwohl es so eng ist, dass kaum zwei Autos aneinander vorbeipassen, am Rande der Schlucht entlang. Bauarbeiten gab es auch noch: sinnvollerweise wird die Straße verbreitert…

In Taroudante waren nicht ganz so viele Camper unterwegs wie in Tafraoute, doch mehr Geschäftemacher. Wir stießen aber gleich auf den freundlichen Schlepper Ibrahim, der hervorragendes Hocharabisch spricht, und gingen mit ihm durch die sehenswerte ummauerte Altstadt. Die Mauern sind insgesamt über 8km lang, hinzu kommen noch die Mauern der Festung am Rande der Altstadt, und das Highlight des Ortes. Ibrahim kassierte immerhin die Provision im ordentlichen Restaurant am Gaukler-Platz: mit Blick auf Folkloremusiker, Spielmänner, Bettler und Schuhputzer gab es sehr gutes Essen zu mittelmäßigen Preisen. In die nette Argan-Kooperative seiner Schwester ließen wir uns auch noch führen, wobei wir dort mit Ausreden die Führung abkürzten, wobei er für selbige am Ende gar kein Geld einstreichen wollte.

Wie auch immer: wir kamen in Agadir fast 10 Minuten zu spät zum Salle Inbiaate, dem direkt neben dem alten Stadion Inbiaate gelegenen, gut 3.000 Zuschauern auf zumeist einfachen Sitzen Platz bietenden, größten Sporthalle der Stadt Agadir an. Die Farbgebung mit blau und rot ist gut gelungen, der Sprecherturm ist schön halbrund gehalten.

Es gab ein Spiel der landesweiten 1. Futsal-Liga zu sehen: die Gastmannschaft aus dem Nordosten des Landes kommt aus Madagh und Berkane; das sind zwei Orte die eine Spielgemeinschaft in dieser halbprofessionellen Liga bilden und insgesamt hatten die Jungs einen Anfahrtsweg von 1.200km. Es lief dann auf dem Feld nicht gut für sie und nach der schnellen Führung für die Falken (Falcons oder Souqour) gab es auch einen Platzverweis für den pöbelnden Trainer, der von einem der Streifenpolizisten nach oben geschickt wurde.

Nach der Pause ging ein Schuss zum 2:0 ins lange Eck und Berkane versucht es mit fliegendem Torwart, was aber nur zu einem Empty-Net und einem Hattrick des Zehners innerhalb von nur 60 Sekunden führte. Erst in der Schlussphase gelangen den Gästen zwei Treffer, sodass am Ende ein deutliches aber nicht zu deutliches 6:2 stand.

Das wirklich gute Spiel suchten leider nur wenige Zuschauer auf, wobei unter den 100 Leuten auffällig viele, insbesondere die Frauen, in klassischen, südmarokkanischen Klamotten gekleidet waren. Auch interessant war die Festtagsband (diese Festtagsbands spielen regionaltypische Folklore auf Hochzeiten, Feiertagszeremonien, Jubiläen etc.), die nach dem Match aufspielte: diese Band war für die Siegerehrung einer erfolgreichen Jugendmannschaft – bei der D-Jugend oder was das war, war auch ein Mädchen dabei – bestellt worden. Als dann zwei Altherrenteams begannen sich aufzuwärmen, gingen wir aus Zeitgründen aber aus der Halle, da wir noch nach Essaouira wollten.

Der sehr aufdringliche und dämliche Parkwächter bekam von mir 6 Dirham mit dem korrekten Hinweis, dass er keine 10 von mir verlangen soll, da Marokkaner selten mehr als 3 entrichten für so eine Parkzeit…Dann ging es schnell auf die Piste, wir fanden aber keine Hotels in Chichaoua oder an der Bundesstraße nach Essaouira, sodass wir in die Stadt einfuhren, aber dort noch 45 Minuten suchen mussten, ehe wir einen rausklingeln konnten. Für 300 Dirham bekamen wir aber ein sehr gutes Zimmer, das normal 400 gekostet hätte.  
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Samstag standen wir entsprechend später auf und verbrachten nur eine Stunde mit der Stadtbesichtigung von Essaouira. In einer Stunde hat man auch das Wichtigste dieser sehr schönen Stadt gesehen: architektonisch und von der landschaftlichen Lage her ist Essaouira wirklich eine der schönsten Städte Marokkos. Im Vergleich zu meinem ersten Besuch im Oktober zur Zeit des Opferfestes gab es jetzt nur leider mehr Touristen, auch viele Trottel mit kurzen Hosen und Kötern, und durch diese Arschlöcher – zumeist natürlich Franzosen – auch leider höhere Preise (Parken war beim letzten Besuch 2 Dirham die Stunde, jetzt 5) und mehr Geschäftemacherei und Anquatschen – auch in dummer Art und Weise.

Wir fuhren die Hauptstrecke nach Khemiss Zemamra weiter, einer Landstadt im unattraktiven wie auch unbekannten Landkreis Sidi Bennour, der sehr durch Landwirtschaft geprägt ist. Die ordentliche Ortsdurchfahrt wusste schon zu beeindrucken, da in dieser Gegend die Orte oft viel ärmlicher sind. Aber wirklich eindrucksvoll war, dass das Stadion zum Kreisderby Sidi Bennour schon 30 Minuten vorher richtig voll war. Dass das Kreisderby ein großes Ereignis ist, kann man auch in diesem Video sehen, mit dem der Gastgeber wirbt: http://www.adrare.net/sport/clubs/crkz.htm

Das Stadion ist schon fast ein bisschen zu klein für dieses Spiel, da die zwei zehnreihigen Betontribünen etwas eng bemessen sind, der Graswall am Rande der linken Betontribüne nur eine Notlösung ist und man ansonsten direkt am hohen Maschendrahtzaun herumstehen muss. Letzteres machten wir dann auch, direkt schräg hinter dem einen Tor um genauer zu sein, da wir zum einen gute Sicht auf den mit Kassenrollen werfenden und dauernd singenden Heimblock haben wollten und zum anderen, da die rivalisierenden Fans von Sidi Bennour auf der ausbautenlosen Gegenseite mit der Polizei stritten und uns der Hauptkommissar, der besonders freundlich war und uns noch nach dem Abpfiff handschläglich verabschiedete, mit der Bemerkung „letztes Mal haben die Gästefans Steine geworfen, stellt euch mal besser hinter das Tor unter die Bäume“ weiterleitete…

Richtig hitzig wurde es aber leider nicht: das Spiel auf dem holprigen, sandigen Lehmplatz war ausgesprochen unattraktiv. Zwei Treffer ans Gehäuse durch die Heimelf waren zu verzeichnen – traurig, dass sowas mit um den Aufstieg mitspielt. Der Abstiegskandidat Sidi Bennour war mit dem 0:0 zufrieden.

Das Handballspiel war da um Klassen besser: nach zügiger Landstraßen- und schneller Autobahnfahrt erreichten wir durch zu spätes Abbiegen in der Stadt zwar erst zur dritten Minute die Sporthalle hinterm Stadion Mohamed V, aber verpasst hatten wir kaum etwas. Die riesige leere ovale Halle war leider sehr schlecht gefüllt, nur 20% der Deckenlampen waren eingeschaltet, die Tribünenlampen und die Klobeleuchtung abgestellt. Es spielte halt nur der weniger bedeutsame Erstligist Rabita. Dafür wurde die wurfstarke Sieben mit einer klassischen Band mit Trommeln, scheppernden Blechklappern und Flöten bei jedem ihrer Angriffe unterstützt. Die Heimmannschaft zog schnell davon, Widad Smara aus den Tiefen der Westsahara zeigte nur phasenweise sein Können (schließlich sind sie Vizemeister). Nach der Pause gerieten sie mit bis zu 10 Toren in Rückstand, holten am Ende aber noch ein bisschen auf. Das 32:29 war ein verdientes Resultat für Rabita Casablanca. Die Schiris warfen übrigens leider mit überzogenen Karten und Strafen um sich, sodass am Ende drei rote Karten zu zählen waren, die auch recht heftig diskutiert wurden.

Zum mittlerweile dritten Mal steuerte ich das Hotel Cluny an, dass sehr praktisch an der Ausfallstraße aber trotzdem nahe zum Stadtzentrum hin und in Laufweite zum Sportkomplex Mohamed V liegt.  
Die Zeit war zu knapp, um noch meiner Gastfamilie in Fès einen abschließenden Besuch abzustatten, doch Fayza hatte Freizeit – als ich ihr schrieb, dass wir kommen, meinte sie einfach zur Chefin, dass ihre Schwester mit der deutschen Verwandtschaft käme und sie sooooo erschöpft sei vom vielen Arbeiten (OK, bei der 70-Stunden-Woche war wenigstens Letzteres nicht gelogen) sodass sie bis zur Spätschicht frei bekam – und wir konnten uns damit am späten Sonntagvormittag in Larache treffen. Sie lud uns auf zwei große Teller Garnelen, Scholle und Calamaris in eines dieser Restaurants ein, wo man Fleisch oder Fisch auf dem benachbarten Markt einkauft und sich im Restaurant gegen Gebühr zubereiten lässt und Getränke dazu bestellt.

Wir hatten alles Mögliche an Paarungen überlegt und fuhren am Ende mit einem Abstecher nach Moulay Bousselham, wo es besonders schönen Sandstrand mit einer Meeresbucht und Heiligengräbern gibt, nach Lella Mimouna. Das ist ein Kaff mit Wochenmarkt und hässlichen, einfachen Häusern an staubigen und dreckigen Straßen, aber immerhin in grüner und angenehmer Landschaft. Während Fayza schon etwas drängelte, wie wir eigentlich das Spiel erreichen wollen, wenn wir nur 15 Minuten vor Anstoß in Moulay Bousselham losfahren, kalkulierte ich schon ganz cool die Verspätung durch die ganzen Vorspiele im Jugendbereich ein: die war sogar so groß, da ab 8 Uhr lauter aufeinander folgende Spiele angesetzt waren, dass um 14.10 noch das A-Jugend-Match lief und erst mit 40 Minuten Verspätung die Männer anfingen.

Wir wurden für Gästefans gehalten, da in Rabat immer auch Frauen im Stadion anzutreffen und Ausländer im Stadtbild präsent sind, während in einem Kaff wie Lella Mimouna schon mal jemand laut raushauen muss „gugg ma, die da is mit nem Weißen („gauri“ hat eher das Niveau „Bleichgesicht“) da“. So einen verärgerten Gesichtsausduck wie nach dieser Bemerkung hab ich bei Fayza aber auch selten gesehen…

Das Stadion kann mit zwei sechsreihigen Betontribünen und einem dazwischenliegenden, großem Eingangstor aufwarten. Drei Seiten sind ausbautenlos, aber locker mit Bäumen bestanden. Das eigentlich Besondere an diesem Stadtstadion von Lella Mimouna ist jedoch der Sandplatz. Da wächst kein Grashalm, doch mit Hartplatz oder Lehmplatz hat das nichts zu tun: das ist ein richtiger Strand! Dass Spieler so tief einsinken wie hier und der Ball so wenig springt, habe ich selbst bei den sandigen Lehmplätzen von Zemamra oder Sidi Slimane nicht so gesehen!

Trotz dieser extremen Platzverhältnisse lieferten die Spieler aber den besten Beweis ab, dass die Spielfläche nebensächlich ist: es wurde ein wirklich ansehnliches Spiel auf dem Sand – besser als etliche Spiele in höheren marokkanischen Ligen auf Kunstrasen! Die Führung wurde natürlich durch einen Weitschuss erzielt, doch interessant war, wie Nasr Rabat als Aufstiegskandidat in Liga 4 dann doch - nachdem sie anfänglich völlig hinten rein gedrängt waren - mit dem Platz zurechtkamen und das Spiel an sich rissen. Der Anfang vom Ende für Amal Lella Mimouna war der vergeigte Elfer in der 29. Spielminute, als der 13er knapp rechts am Kasten vorbei schießt. Kurz vor der Pause erzielte Nasr den Ausgleich: mit einem Kopfball stieß der Stürmer den Ball aus den Händen des Torwarts, da dieser mit seinen kurzen Armen nur die hoch aufs Tor geflogene Pille zwischen den Fingerspitzen halten konnte. Fayzas Bemerkung war mal wieder sehr treffend: „Warum ist einer, der kaum so groß ist wie ich, Torwart?“ – und sie ist ca. 1,70m…

Nach der Pause gab Amal Lella Mimouna das Spiel dann völlig aus der Hand: ein Konter führt zur Führung der Hauptstädter, ein herrlicher Weitschuss aus 30m geht als Bogenlampe über den Schlussmann zum 1:3, es folgt noch ein Abseitstreffer eine Minute nach dem 1:3 und nach einem Foul setzt es in der Schlussphase der immer härter werdenden Partie eine gelb-rote Karte für einen meckernden Spieler von Lella Mimouna. Die Jungs hingen ziemlich die Dorfprolls raus: Rudelbildung, Pöbeleien, Drohungen, einige Jugendliche hinter dem Tor drohten mit Platzsturm und Schlägerei – doch als die Polizeistreife aufs Feld lief, waren die schon wieder hinterm Zaun. Wie üblich bei dem Kindergarten in marokkanischen Stadien…

Die Spieler waren aber nicht so schnell zu beruhigen und die Situation blieb minutenlang aggressiv. Ich bin ja ähnlich wie Hamza, der bei einer unserer Fahrten in den Kurort Moulay Yacoub beim Anblick einer Keilerei unter Jugendlichen stehen blieb und Khadijas Aufforderung weiterzugehen mit der Bemerkung „ich will sehen wie die Spinner sich kloppen, ist doch lustig“ ausschlug. Als mich Fayza also zum Gehen drängte, meinte ich genau das Gleiche zu ihr – aber sie fand die Tumulte auf dem Platz nicht so lustig und meinte, dass sie beim Fußball und nicht bei Schlägereien zugucken will. Wahrscheinlich hat sie nicht trotz, sondern gerade weil sie jahrelang Kampfkunst betrieben hat, so eine Abneigung gegen regelloses Kräftemessen wie Stadionschlägereien… Ich brachte sie also unter den üblichen neugierigen bis aufdringlichen Blicken der ungebildeten Dorfbewohner zum Auto, ging dann gleich wieder rein und schaute mit meinem Vater die nach einigen Minuten Unterbrechung beginnende Schlussphase an. Es fielen keine Tore mehr und Tumulte gab es auch keine weiteren…

Wir fuhren über Mechra Bel Ksiri zu den römischen Ruinen von Banasa, was ich beiden empfohlen hatte. Eigentlich war schon geschlossen, aber der Hintereingang ist nie richtig verriegelt, sodass auch nach den Besuchszeiten noch die Dorfbewohner die ansehnlichen 1.700 Jahre alten Ruinen besuchen.

Wir brachten Fayza noch gerade zum Abendgebet (nach diesem beginnt die Nachtschicht zu der sie aufkreuzen sollte) nach El-Aouamra zurück und versprachen uns gegenseitige Besuche, was für uns in Richtung Marokko natürlich erheblich einfacher ist (nächstes Jahr zur Afrikameisterschaft z.B.) als für sie nach Deutschland.

In Larache beim Kifteh-Essen am späten Abend trafen wir allerdings auf einen Marokkaner der schon oft in Deutschland war: der Alte war sehr freundlich und sprach in gutem Deutsch ohne jeden Geschäftsgedanken über seine in Osnabrück wohnende Verwandtschaft und die langen Fahrten nach Deutschland. Solche Erlebnisse waren leider im Vergleich zu Algerien oder Syrien viel zu selten während meiner Zeit in Marokko.  
Wir hatten günstig im Hotel Cervantes in Larache übernachtet und am Montag die späte Abfahrt nach Rundgang und Frühstück in Larache schon eingeplant. Diese sehr sehenswerte Stadt verließen wir nach der Besichtigung von Lixus, der am Rande des Ortes auf einem Berg liegenden römischen Ruinenstätte. Dort erinnerte sich der Aufseher mit Blick auf den roten Dacia mit Saalekreis-Nummer tatsächlich noch an mich! Er: „Hey, alles klar mein Freund? Du bist doch der Deutsche mit der marokkanischen Frau!“ Ich: „Ähhhmmm, ja genau! “ Im Dezember war ich nämlich schon mal in Lixus, aber mit Fayza und der Aufseher fragte sie blöd und direkt mit Blick auf uns beide ob sie Marokkanerin sei, weswegen sie mich als ihren Ehemann ausgab…

Wir fuhren weiter gen Nordosten, besichtigten den Cromlech von Mzoura (den neolithischen Steinkreis) nur von außen und fuhren in den Bouhachem Nationalpark ein. Dort bogen wir zu früh ab und fuhren nach Süden, aber zwischen Ksar Kbir und Chefchaouen nahmen wir einfach wieder die Strecke nach Norden gen Souk Khemis de Beni Arous in der Mitte des Gebirgszuges. Dort gab es gut und ganz günstig Kiftah (Hackfleisch) – das einfache Restaurant an der Hauptstraße hatte ein lustiges Schild „Gras rauchen verboten“ aufgehängt. Dann ging es durch immer schöner werdende bewaldete Berglandschaft fahrend, rechts ab: das spanische Fort an der Wegekreuzung – die drei Wege führen nach Larache, Chefchaouen bzw. Tetouan – angeguckt und dann den letztgenannten, teils eng an Schluchten vorbeiführenden Weg genommen. In Tetouan guckten wir nur Thamuda, die Grundmauern eines römischen Kastells, an und fuhren zum spanischen Palast, einem riesigen verfallenen Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, rauf.

Zur Übernachtung fuhren wir nach Fnideq, wo wir an der Corniche zwischen der Moschee und der spanischen Festung ein Zwei-Sterne-Hotel für 300 Dh. (28,50€) die Nacht bekamen.  
Dienstag verließen wir das ganz ansehnliche Küstenstädtchen, das von sozialen Problemen erstickt zu werden droht – so präsent und aufdringlich sind die Bettler kaum irgendwo in Marokko – gen Ceuta. Wir kamen leider zu so einer blöden Zeit an, dass wir fast zwei Stunden in der Schlange am Grenzzaun standen. Belästigungen durch Arbeitslose, die sich mit dem Verkauf von Ein- bzw. Ausreisezetteln, die an den Passkontrollstellen kostenfrei ausliegen, etwas verdienen wollen, inklusive. Schlecht gelaunt sagte ich nur jedes Mal auf Arabisch „die gibt’s auch kostenlos“. Als der insgesamt fünfte Verkäufer dann trotzdem noch weiterlaberte, wurde ich mal deutlich, dass er ein Gauner ist und sich verpissen soll, woraufhin er genervt über so marokkanisch wirkende Unfreundlichkeit abzog, während ein sechster Verkäufer (der das Ganze mitgehört hatte) plötzlich einfach nur das Gespräch mit mir suchte. Natürlich versuchte er über die Schiene, wo ich so gut Arabisch gelernt hätte und wo in Fès ich gewohnt habe, doch noch irgendeinen Vorteil von mir zu haben, aber als ich nach dem sehr freundlichen Gespräch nur meinte, dass wir die Zettel noch von der letzten Einreise in ausreichender Zahl haben, wünschte er nur noch eine gute Reise und dass ich einen guten Job finden möge.

Auffällig war zum Abschluss meines Marokkoaufenthalts leider wieder, dass so tolle und angenehme Menschen wie die aus meiner Gastfamilie in diesem Land eher die Ausnahme sind. Denn die Drängler an der Grenze waren ausschließlich Marokkaner und auch in Ceuta waren es nur Marokkaner, die einem inoffizielle Geschäfte anboten oder die Wege zumüllten. Genau aus diesem Grund meinte auch mal meine marokkanische Lehrerin, dass Ceuta (Sebta) zwar 100% marokkanisches Territorium sei, Marokko aber weder von den Staatsfinanzen noch vom sozialen Gefüge her in der Lage wäre, Ceuta und Melilla erfolgreich zu führen. Die West-Sahara ist ja gut geführt – die Städte sind modern und sauber, ein Problem sind nur die alten Fischersiedlungen und dass neue Ortschaften ewig nicht bezogen werden trotz hohem Lebensstandard – aber die beiden Exklaven-Orte noch dazu wäre im Moment einfach zu viel.

Nach einer Rundfahrt über die Festungen und einem Rundgang durch die Innenstadt – wir besichtigten auch die arabischen Bäder, die ich beim ersten Besuch nicht gefunden hatte – machten wir beim Lidl einen Großeinkauf und befüllten den Tank unseres Dacias bei der Cepsa am Hafen mit Super Plus 98, das mit 1,16€ genau 35 Cent unter dem Durchschnittspreis auf dem Festland liegt. Dann richteten wir uns schon auf lange Wartezeiten ein, doch am Fährbüro angelangt bekamen wir noch für die 18-Uhr-Fähre Karten: mit 159€ auch nicht nennenswert teurer als bei der unsicheren Onlinereservierung.

Ausnahmsweise war der Kahn auch pünktlich, sodass wir 19.15 aus dem Hafen von Algeciras rollten und gegen 20 Uhr das Hotel in La Línea de la Concepción gefunden hatten. Die Herberge „La Esteponera“ ist ganz nett und preisgünstig (24€ für ordentliche Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad). Hier übernachteten wir aufgrund eines kuriosen Zusatzländerpunktes gleich zwei Mal. Mehr dazu im oben folgenden Bericht!  
Statistik:
- Grounds: 1.087 (Freitag: 1, Samstag: 2, Sonntag: 1; diese Saison: 116 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.002 (Freitag: 1, Samstag: 2, Sonntag: 1; diese Saison: 146)
- Tageskilometer: 4.570 (Di: 920km Auto, Mi: 450km Auto, Do: 1.100km Auto, Fr: 670km Auto, Sa: 370km Auto, So: 590km Auto, Mo: 310km Auto, Di: 90km Auto, 40km Fähre)
- Saisonkilometer: 47.680 (46.530 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 80 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 1 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 398