Montag, 30. September 2013

W374VII: Gottesdienst und andere Sonntagsbeschäftigungen in Fés

كنيسة انكليسية بفاس Photos with English and Arabic Commentary:
Fès: Church Service, the “American” Riad and the Old Town in Evening Light

Diesen Sonntag guckte ich mal keinen Sport, da noch ein paar Sachen zu erledigen waren und ich nach dem Frühstück auch eingeladen war, den internationalen Gottesdienst in der kleinen anglikanischen Kirche – ein gesichtsloser Betonbau mit einem Kreuz überm Eingang und Bänken für gut 100 Leute, in der Nähe vom „Place de la Resistance (Saha al-Muqawama)“ zwischen dem Hotel Barceló und dem McDonald’s Lafiat gelegen – zu besuchen. Jim und seine Frau Patty sind zwar sehr gläubig aber jetzt nicht so engagiert für die Gemeinde, gaben nicht mal was in die Kollekte, aber gehen doch sehr regelmäßig hin und stellten mir gleich ein paar Leute vor. Einer der vielen Koreaner besucht demnächst auch dasselbe Sprachinstitut wie ich. Außer Koreanern und Amis waren auch Schwarzafrikaner, Mexikaner, Russen und zwei Marokkaner zugegen. Die fast 100 Gottesdienstbesucher gingen nach amerikanischer Manier viel mit: das war eher ein Popkonzert, da der mexikanische Pfarrer, der Spanisch und Englisch predigte, mit drei Musikern auf der Bühne ähm vorm Altar stand. Gitarre und Schlagzeug statt Orgel – poppiges, eindringliches Singen statt Psalmen lesen. Wie üblich bei Pfarrern aus diesem Kulturkreis erklärte er Bibelgleichnisse im zeitgenössischen Kontext auf dem Niveau eines Fernsehentertainers.

Nach dem Mittagessen bekamen wir es auch noch auf die Reihe, meine neue Sim-Card von Maroc Telecom mithilfe der freundlichen jungen Frau im Laden um die Ecke zum Funktionieren zu bringen.

Dass Jim mir eigentlich über seine Connections sein altes Fahrrad besorgen wollte, ging dann über die Fotosession „Fès im Abendlicht von den Meriniden-Gräbern aus gesehen“ etwas unter. Bei diesem kurzen Ausflug stolperte ich in den Platzwart vom Saadienne, der meinte, ich solle doch nächstes Wochenende nach El Jadida fahren und dort zum Spiel von Maghreb Fès kommen. Unglaublich: da gibt es eine Million Einwohner in Fès und man kennt erstmal nur eine Handvoll Leute und schon stolpert man über einen flüchtigen Bekannten, der gleich die Wochenendplanung vorweg nimmt. Denn außer Fußball gibt es dort auch ein internationales Reitturnier vom 4.-6.10. Und auch wenn ich kein großer Pferdesportfan bin (Polo wird dort leider gerade nicht gespielt, das ist eher in Rabat verbreitet) – auf der traditionsreichen Anlage von El Jadida lass ich mir das nicht entgehen… منظر على المدينة عطيقة بفاس Statistik:
- Tageskilometer: 10 (10km Taxi)
- Saisonkilometer: 14.150 (13.340 Auto/ 760 Fahrrad/ 40 Flugzeug/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Schiff, Fähre)

W374VI: Ein ruhiger Samstag in Fès

Maghreb Association Sportive de Fès (Espoirs)
----------------- (المغرب الرياضي الفاسي) -----------------
................................... 1:0 .....................................
----- Association Sportive de Salé (Espoirs) ----
--------------- (الجمعية الرياضية السلاوية) ---------------
- Datum: Samstag, 28. September 2013 – Anstoß: 12.00
- Wettbewerb: Elite 1 Espoirs (1. U23-Liga Marokkos)
- Ergebnis: 1-0 nach 96 Min. (47/49) – Halbzeit: 0-0
- Tor: 1-0 88. (Nr. 6)
- Verwarnungen: Nr. 10 (MAS); Nr. 7, 8, 9, 19 (ASS)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Terrain Saadienne, Stade 1 [ملعب الاول - المركب الرياضي السعديين] (Kap. 800 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 120 (davon ca. 5 Gäste)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Schnelles Spiel beider Mannschaften, aber fehlerbehaftet und dürftiger Torabschluss) المغرب الرياضي الفاسي تحت٢٣ و الجمعية الرياضية السلاوية تحت٢٣ Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan Under-23 League: Maghreb Fès defeat AS Salé
b) Fès Old Town: Ancient Medina of Fès El-Bali

Am Samstag unternahmen wir nicht so viel in Fès. Um 10 Uhr checkten wir nach dem Frühstück aus und guckten erstmal ins benachbarte Stadion Hussain II, was ein wirklich schöner Bau ist, doch weder da noch in der angrenzenden Sporthalle 11 Janvier war Wettkampfbetrieb, sondern nur Training. Gegenüber auf dem Terrain Saadienne, das nach der Dynastie der Saadier, die 1549-1664 Marokko und Teile Malis und Algeriens beherrschte, heißt, sah es etwas besser aus. Die Anlagen sind allerdings größtenteils heruntergekommen: die schön gekachelte Eingänge und die stilvoll auf mittelalterlich getrimmten Zinnenmauern sind angefressen, einige Plätze sind staubiger Lehm mit Unkraut drauf, die Kunstrasenplätze sind gesichtslos. Platz 1 ist ein ausbautenloser Kunstrasen – und genau dorthin schickte uns der Platzwart.

Von einem der Trainer wurden wir freundlich gegrüßt, ehe er übers Feld tobte um ein Trainingsspiel der U17 von Maghreb Fès zu coachen. Die Erste Mannschaft siegte locker 3:0 in 30 Minuten gegen die Zweite Elf.

Dann beobachteten über 100 Leute ein Spiel der U23-Liga (es gibt noch eine Reserveliga ohne diese Altersbeschränkung, aber bei diesen U23-Teams handelt es sich um die Reserven der Profiteams) zwischen Maghreb AS Fès und AS Salé. MAS Espoirs machte es besser als die I. Mannschaft am Vortag, die 0:2 verlor. Allerdings wurden zu viele Chancen versiebt und zu viele technische Fehler begangen, ehe endlich ein Ball zum 1:0 kurz vor dem Abpfiff ins Tor segelte. AS Salé pöbelte nach Abpfiff noch etwas rum, sodass die Polizeistreife mal einige Leute zusammenschiss, die sich da am wüsten Beschimpfen beteiligten. المغرب الرياضي الفاسي تحت٢٣ و الجمعية الرياضية السلاوية تحت٢٣ Da auf den anderen Plätzen, wenn überhaupt richtige Mannschaften und nicht nur einzelne Bolzplatzkicker spielten, nur trainiert wurde, wurde der alte Groundhopper gleich zum Dorfflughafen Fès-Saïss rausgefahren (lächerliches Mini-Terminal, kaum Service aber teuer – passt zur scheiß Ryan Air mit der mein Vater zum absolut bekackten Flugplatz „Frankfurt“/ Hahn geflogen wurde), wo sich unsere Wege für die nächsten fünf Monate trennten. Für meine allwochenendlichen Groundhoppingtouren werde ich aber sicher auch einheimische, also marokkanische Begleitung finden…

Erstmal war nur eine Sache schwer zu finden, nämlich das Institut an dem ich die nächsten Monate meine Arabischkenntnisse verbessern will. Aber da viele Marokkaner hilfsbereit sind, war es nicht schwer, jemanden aufzutreiben, der zwar nicht die Adresse kannte, aber dafür das Problem, dass man mit einer ausländischen Handy-Karte keine einheimische Nummer anrufen kann. Also sprach ich einfach einen seriös aussehenden jungen Mann an, der vor einer Autowerkstatt auf seinen Wagen wartete, der gleich unaufgefordert sein Handy rausholte und beim DMG Arabophon anrief und sich den Weg beschreiben ließ, die 200m ging er natürlich noch mit und wartete, sich mit mir über mein Studium unterhaltend, bis der Lehrer Abdelhadi erschien, der mir das Institut zeigte und sich dann zu mir ins Auto stieg und mich durch den normal dichten Verkehr nach Batha, einem Stadtteil im Süden der Altstadt leitete.

Wir steuerten dort das spektakuläre Haus eines amerikanischen Ehepaares an, das ein historistisches Riad (im Mittelalter ein großes Wohnhaus mit Innenhof, viele dieser Häuser wurden um 1900 wieder neu errichtet im gleichen Stil) betreibt. Jim leitet u.a. das Homestay-Program des Institutes und nimmt mich aber, bis wieder ein Platz in einer marokkanischen Familie frei ist, bei sich auf. Beim gemeinsamen Abendessen konnten wir uns wirklich gut unterhalten. مدينة العطيقة بفاس Statistik:
- Grounds: 1.020 (1 neuer; diese Saison: 49 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.918 (heute 1, diese Saison: 62)
- Tageskilometer: 40 (40km Auto)
- Saisonkilometer: 15.970 (15.170 Auto/ 760 Fahrrad/ 40 Flugzeug/ 0 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 4 [letzte Serie: 178, Rekordserie: 178; davor 141, 106, 101 bzw. 88]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 374

W374V: Kaum zieh ich nach Fès, schon kassiert Maghreb AS die erste Saisonniederlage...

Maghreb Association Sportive de Fès
---------- (المغرب الرياضي الفاسي) -----------
............................ 0:2 ............................
----- Association Sportive de Salé -----
--------- (الجمعية الرياضية السلاوية) ----------
- Datum: Freitag, 27. September 2013 – Anstoß: 20.00
- Wettbewerb: Botola 1/ Groupement National de Football [ الاحترافية البطولة الوطنية] (Nationale Profifußball-Meisterschaft = 1. marokkanische Profiliga)
- Ergebnis: 0-2 nach 95 Min. (47/48) – Halbzeit: 0-1
- Tore: 0-1 28. Karouita, 0-2 87. El Kanaoui
- Vergebener Elfmeter: 3. Min. Ayatti von Maghreb Fés schieß am Tor vorbei
- Verwarnungen: NN
- Platzverweise: keine
- Spielort: Complexe sportif de Fès [المركب الرياضي لفاس] (Kap. 45.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 5.000 (davon ca. 150 Gäste)
- Unterhaltungswert: 5,5/10 (Maghreb Fès versagte völlig – von Gegentoren bis zu verschossenen Elfern – und Salé tat das Nötigste souverän zum Sieg) المركب الرياضي بفاس Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan Professional Football League: Maghreb Fès lt. AS Salé
b) Fès Old Town (World Heritage Side)

Video:
Salè open the scoring + Supporters of both sides chanting

Freitagvormittag guckten wir uns in meiner neuen Heimat (für die nächsten fünf Monate) um. Die Altstadt ist Weltkulturerbe und es gibt keine größere arabische mittelalterliche Altstadt (weder in Marokko, noch einem anderen Land). Im Übrigen gibt es auch kein größeres autofreies Stadtgebiet weltweit – bei den teilweise nur 50cm schmalen Gassen wird selbst mit Mopeds kaum gefahren. Dafür wird aber geschäftig durch die Gassen gelaufen, in den Moscheen gebetet, mit Eseln Transportmaßnahmen unternommen und der ein oder andere Tourist angequatscht. Das Durchgreifen der in Fés wohl sehr harten Polizei scheint sich aber zugunsten der Touris auszuwirken: wirklich belästigt wurde man nicht in der Altstadt, am Rande bzw. oberhalb der beeindruckenden Stadtmauern, an den Ruinen der Meriniden-Grabmale und der Nordfestung waren die Leute sogar besonders freundlich, obwohl man klar sagte, dass man nichts kaufen wolle. Einer riet uns sogar noch auf Deutsch, die Stadt ohne Führer zu besichtigen, da diese nicht ehrlich seien.

Entgegen der Behauptungen der Guides ist es auch gar nicht so schwer sich in der Altstadt zurechtzufinden: die Beschilderung ist mittlerweile ziemlich gut. Nach vier Stunden Besichtigung mussten wir als Fazit allerdings ziehen, dass sich die Altstadt von Fès zwar sehr lohnt, aber da wir den Baustil der Moscheen und Privathäuser sowie der Stadtmauern schon aus dutzenden anderen Städten kennen, klar sagen muss, dass außer der schieren Größe nicht so viel Besonderes in der Medina von Fès auszumachen ist. Historisch bedeutendster Platz ist die Moschee Qayrawiyin, die 859 von der reichen Kaufmannstochter Fatima al-Fihri aus dem tunesischen geistigen Zentrum Kairouane (Qayrawiyin) gestiftet wurde und seither auch als Bildungsstätte fungierte. Da diese Bildungsstätte (Madrasa, Medresse) nicht nur religiöse Bildung sondern auch Mathematik u.a. vermittelte und schriftliche Abschlüsse nach Prüfungen verteilte, muss sie als erste Universität der Welt (gut 200 Jahre älter als die ältesten europäischen) bezeichnet werden. In ununterbrochener Nachfolge fungiert die Universität Qayrawiyin, die heute natürlich auch Nicht-Muslimen geöffnet ist und seit Jahrzehnten ein breites Fächerspektrum wie jede richtige europäische oder neuere arabische Uni auch, anbietet.

Architektonisch gesehen findet man solche Städte wie Fès allerdings überall in der arabischen Welt – nur halt meistens kleiner… مدينة العطيقة بفاس Nach einem Stopp im Hotel und Einkaufen in einem der typischen kleinen Läden (der Junge des Besitzerehepaares bediente und musste unbedingt seine guten Englischkenntnisse präsentieren – als die Schwester noch hereinkam, erklärte sie mir voller Freude auf gutem Deutsch, dass sie in der Oberschule meine Sprache lernt) fuhren wir zum Stadion. Dort am äußersten Südostrand ist die Infrastruktur sehr dürftig, also noch einmal stadteinwärts die Route de Sefrou gefahren und das nächstbeste Restaurant angesteuert: das Poissons Mér Médiéranier wirkte etwas deplatziert, denn zu gemäßigten Preisen (Hauptgerichte 3 bis 6€, einzelne Spezialitäten um die 10€, Getränke 1€) und guter Essensqualität kamen massenhaft Fliegen auf die ansonsten sauberen Tische, die allerdings nahe an der stark befahrenen Straße standen. Und trotz allem Fernfahrerambiente trugen die ausgesprochen freundlichen Bediensteten ganz ordentliche Anzüge…

Am Stadion ging es ziemlich rund. Geparkt wurde einfach kostenfrei in halbfertigen Nebenstraßen, kaum an der Kasse gab es erste Streitigkeiten zwischen Jugendlichen und Polizisten, die aber zu uns alle ausgesprochen freundlich waren. Am Einlass wurden wir einfach durch die Hektik durchgewunken und auf die Tribüne geleitet. 4,60€ kostete die Karte umgerechnet. Eigentlich wollte ich Pelouse für 2,60€ - aber ich akzeptierte halt diesmal noch das Angebot des Kassenwartes, nicht zu den Chaoten zu gehen. In der Kurve ging es ja erst recht rund. Auch hier wieder viel schöner Gesang und Gehüpfe sowie Einsatz von Feuerwerkskörpern. Die 150 Gästefans standen dem nur in der Lautstärke nach. Übrigens ging es auch auf der Haupttribüne nicht überall so gesittet zu. Ein Jugendlicher konnte die letzten 5 Minuten zwischen drei Polizisten zugucken – für den Flaschenwurf hätten die den in anderen Ländern aber nicht bis zum Abpfiff gucken lassen und dann nur verscheucht… – und die Emotionen von jung und alt waren schon nicht schlecht… Teilweise gingen sogar jugendliche Mädchen richtig mit, wobei die Dickste mal wieder die Lauteste und Durchsetzungsfähigste war – wenn der kleinere Kumpel Scheiße rumkrakeelte, bekam der eins mit der Plasteflasche auf den gestylten Nischel…

Wer heute nur Scheiße ablieferte, war die Mannschaft von Maghreb Fès. Also dass die mit 7 Punkten Zweiter sind und Salé noch keinen Sieg geholt hatte, war in keiner Phase zu merken. Maghreb spielte wie ein Absteiger und ließ selbst einen Foulelfmeter (nicht korrekt da knapp außerhalb und nach nur drei Minuten Spielzeit verhängt) und andere große Chancen aus. Salé tat das Nötigste um zu gewinnen: nach hartem Durchsetzen ein haltbarer Weitschuss zum 0:1 (siehe Video oben!) und in der Schlussphase, nach einer Glanztat eines Verteidigers der für den desorientierten Torwart noch vor der Linie per Kopf klärte, schoben die Piraten vom Bouregreg-Fluss noch zum 0:2 ein. Die Gästekurve feierte, während der Heimanhang schon seit der Halbzeitpause Rennereien und Tumulte mit der Polizei austrug, was sich nun nur noch verstärkte.

Nach Spielschluss stellten wir noch fest, dass die Scheißhäuser auch für ein marokkanisches Stadion in extrem schlechten Zustand sind, da diese enorme Vandalismusschäden haben, und kamen recht zügig und ohne größere Umwege (nur eine Abzweigung zu weit nach Norden) zum Hotel. المغرب الرياضي الفاسي والجمعية الرياضية السلاوية Statistik:
- Grounds: 1.019 (1 neuer; diese Saison: 48 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.917 (heute 1, diese Saison: 61)
- Tageskilometer: 50 (50km Auto)
- Saisonkilometer: 15.930 (15.130 Auto/ 760 Fahrrad/ 40 Flugzeug/ 0 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 3 [letzte Serie: 178, Rekordserie: 178; davor 141, 106, 101 bzw. 88]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 374

W374IV: Im Raum Meknès-Fès – Römische Ruinen und endlose Stadtmauern

سور المكناس Photos with English and Arabic Commentary:
Meknès Region: Meknès City Walls, VOLUBILIS ROMAN RUINS, Moulay Idriss Old Town, Zerhoun Mountain Range

In Meknès ging es dann doch etwas touristischer zu als bisher auf der Reise: die Königsstadt (Rabat, Marrakesch und Fès sind die anderen drei Königsstädte Marokkos) ist doch recht gut besucht von Touris und entsprechend wimmelt es von Leuten wie dem „Look Sir, my horses! I take you round da city with my chaise“-Kutscher oder dem „Monsieur, Monsieur! Guide officiel, nice price!”-Mann… Von den vier Königsstädten ist Meknès aber die unattraktivste, da innerhalb der gewaltigen Stadtmauern vieles verfallen ist und recht primitiv gebaut wurde. Enorm ist natürlich der Königspalast mit Golfanlage und die schiere Länge der dicken, hohen, braungelben Lehmmauern: 24km sind es wohl an verschachteltem Befestigungswerk!

Volubilis, 20km nördlich in den Hügeln, ist die deutlich interessantere Sehenswürdigkeit. Die römische Ruinenstadt ist so groß, dass man locker 90 Minuten darin herumlaufen kann, um die teilweise noch gut erhaltenen Mauern und v.a. die vielen restaurierten Mosaike zu begutachten. Nach der Besichtigung kann man gut und günstig landestypisch essen im angrenzenden Restaurant. Man sitzt draußen unter einem Wellblechdach und wird immer wieder von Katzen oder gar Affen um Essen angebettelt, die der prollige Besitzer aber immer schnell wegscheucht oder von Schulmädchen zum Streicheln weggelockt werden...

Das benachbarte Moulay Idriss ist die älteste Stadt Marokkos, aber so klein sie auch ist, so unübersichtlich ist sie. Es gibt kaum noch ältere Bebauung, aber drei bedeutende Moscheen die teilweise um die 700 Jahre alt sind. Für 50 Dh. wird man von jugendlichen Schülern zu guten Fotoplätze geführt, die während der Hof- und Mittagspausen (!) sich als Touristenführer inoffiziell betätigen.

Wir versuchten noch die Ruinen der Portugiesenfestung Kasbah Nesrani östlich von M. Idriss zu finden, aber die von Erdrutschen und Verkehr beschädigten, engen, abenteuerlichen Bergstraßen sind natürlich nicht richtig beschildert und in der mittelmäßigen Michelin-Karte nicht richtig verzeichnet. Die Ruinen werde ich mal in den nächsten Wochen mit Satellitenbildern suchen.

Heute ging es natürlich noch nach Fès wo ich die nächsten fünf Monate leben werde um Arabisch-Sprachkurse zu besuchen. Der Anfang wirkte nicht besonders einladend: schon im rein funktionalen Westteil der Neuen Stadt nervte uns ein Moped-Guide, der erschreckend gut Deutsch sprach. Was hat der eigentlich falsch gemacht, dass der so einen scheiß illegalen Job machen muss?! Es dämmerte, also blieben wir gleich im leicht luxuriös wirkenden Ibis-Komplex. Das Abendessen war dem Mittagessen übrigens sehr ähnlich, aber doppelt so teuer, da doch etwas gehobener…
Zu meiner neuen (temporären) Heimat morgen mehr! الاثار الروماني في وليلي Statistik:
- Tageskilometer: 150 (150km Auto)
- Saisonkilometer: 14.140 (13.340 Auto/ 760 Fahrrad/ 40 Flugzeug/ 0 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)

W374III: Dekadentes Hauptstadtleben – Zoobesuch, italienisches Essen, Frankophonie und 100 Dirham für die Haupttribüne

Fath Union Sport de Rabat
(اتحاد الفتح الرياضي الرباطي)
0:2
Raja Club Athletic Casablanca
( نادي الرجاء الرياضي البيضاوي )
- Datum: Mittwoch, 25. September 2013 – Anstoß: 19.00
- Wettbewerb: Coupe du Trône [كأس العرش] (Pokal des Thrones; Achtelfinale des Pokals des marokkanischen Fußballverbandes, beide Teams GNEF Botola 1 = 1. marokkanische Profiliga)
- Ergebnis: 0-2 nach 96 Min. (47/49) – Halbzeit: 0-1
- Tore: 0-1 35. Moutaouali, 0-2 55. Moutaouali (Foulelfmeter)
- Verwarnungen: Batna, Issa Moussa, Abu az-Zahr (Fath); Coco, Moutaouali, Oualhaj, al-Hafizi (Raja)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Moulay Abdellah [المجمع الرياضي الامير مولاي عبد الله] (Kap. 52.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 3.500 (davon ca. 2.500 Gäste)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Hohes Spielniveau und trotz geringer Zuschauerzahl prima Stimmung!) اتحاد الفتح الرياضي الرباطي و الرجاء البيضاوي الرياضي - كاس العرش Photos with English and Arabic Commentary:
a) Quarterfinal of the Morrocan Football Cup: Fath Rabat v Raja Casablanca at Prince Moulay Abdellah Stadium
b) Rif Mountain Range: Chefchaouen Old Town
c) Rabat Zoo: One of the Most Modern Zoological Gardens outside the Western World
d) Rabat Old Town: Pictures of the Capital taken in 2011

Videos:
a) Raja Supporters Drown Out Stadium Announcer before the Match
b) Raja Supporters Singing during the Match

Wir hatten in Chefchaouen etwas zu teuer übernachtet und den Beschreibungen des Reiseführers nach zu urteilen, erwartete uns eine herrlich gelegene und architektonisch schöne, aber touristisch geprägte Stadt. Das erste stimmte, denn das Besondere an Chefchaouen sind die zerklüftete Landschaft auf 2.000m Höhe und dass alle Häuser in blau und weiß getüncht sind, zumeist aufs Mittelalter zurückgehen und eine architektonische Einheit bilden. Um den zentralen Teil der Stadt sind gelbbraune Mauern gezogen, teilweise mit Zinnen und Wehrtürmen. Auch eine etwas verfallene Festung (Kasbah) gibt es. Unterhalb des Hotels gegenüber befindet sich übrigens das Stadion, am nächsten Stadttor noch ein Kleinfeldplatz und diverse Brunnen, die einen Bergbach speisen, in dem Frauen aus einfachen Familien ihre Wäsche waschen. Die Stadt gilt übrigens als enorm wasserreich.

Das mit dem touristischen sollte sich hingegen als übertrieben herausstellen: Während wir durch die engen Gassen der auf den Berg gebauten Kleinstadt gingen, quatschte uns kaum einer an und wenn dann höflich und nur einmal – teilweise wurde man auch ohne jeden Geschäftsgedanken gegrüßt. Auch eine Behauptung, die ich häufig (auch von sehr kompetenten Leuten) gehört habe, muss ich nach dem Besuch in Chefchaouen in Zweifel ziehen: Angeblich schauen streng religiöse Musliminnen keinem fremden Mann direkt ins Gesicht und verhalten sich in den seltenen Fällen, in denen sie Dienstleistungen erbringen, entsprechend kühl – doch als ich in einen Bäckerladen ging, aus dem Koranrezitationen aus dem Radio tönten, und sehr gute, teilweise fleischgefüllte Teigwaren zum Frühstück einkaufte, war die junge Frau mit Kopftuch ausgesprochen freundlich und lächelte mich dauernd direkt an. Wie schon die ganze Zeit alle anderen in Chefchaouen, nervte sie mich keineswegs mit Französisch, sondern machte alles auf Arabisch aus, obwohl auch Spanisch gegangen wäre – denn Spanisch und danach Englisch sind in dieser Region Marokkos die verbreitetsten Fremdsprachen. شفشاون: مدينة القديمة Französisch wurde erst in Rabat gesprochen – ist ja auch die Hauptstadt, was man an den Preisen merkte. Wir kennen die Altstadt ja schon und da wir eh weit draußen Richtung Temara zum Fußball im Stade Moulay Abdellah wollten, besuchten wir den Zoo. Dieser ist seit Ende 2011 eröffnet und ersetzt nun den alten vergammelten Zoo in Temara. Wie ich es von Marokko erwarte, hat er absolut europäisches Niveau. Beim Aufbau behilflich war schließlich der Zoo München-Hollabrunn. Für grenzwertige 40Dh. (3,75€) – wenn der Zoo voll in Betrieb ist, sollen es 50Dh. werden – kann man diverse Tiere aus allen Teilen der Welt in modernen, weitläufigen Anlagen beobachten.

Leider sind derzeit nur 75% der Anlagen belegt und einige spektakuläre Gehege wie das für Flusspferde und jenes für Nashörner sind noch leer und im Aufbau. Ohnehin ist vieles im Zoo noch im Aufbau, aber es gibt schon tolle Gehege für Erdmännchen, Elefanten, Büffel und Gazellen, und ordentliche Vogelvolieren (eine auch begehbar) und Affenfreianlagen. Dass ein marokkanischer Zoo allerdings noch keine Berberaffen angeschafft hat, sondern nur Lemuren und Schimpansen ist aber irgendwie bescheuert…

Die Preise für das italienische Essen am Rande des Zoos und die Imbisse im Zoo waren ebenfalls bescheuert: wie in Deutschland, ey! حديقة الحيوان في الرباط Mit teurer Hauptstädtervergnügung ging es gleich nebenan weiter. Wir hatten uns am falschen Eingang aufgestellt und mussten dann Karten für die Ehrentribüne zu je 100 Dh. (9,50€) nehmen – da die Karten für die Gegenseite (50 Dh.) und die Kurve (20 Dh.) an den anderen Ausgänge verkauft wurden, wäre die Alternative die Loge für den doppelten Preis gewesen!!!

Egal – ab ins riesige Stadion das nach Kronprinz Abdellah, dem 1983 schon früh verstorbenen Sohn des bekannten Königs Mohamed V (nach dem das größte Stadion in Casablanca heißt), benannt ist! Etwa 54.000 blaue und graue Schalensitze bietet das weitläufige Fußball- und Leichtathletikstadion. Nur die eine Längsseite ist überdacht (normal in arabischen Ländern, wobei der Mittelsektor noch mal architektonisch ausgefeilter ist mit Logen und Sprecherkabinen). Die Gegentribüne ziert hinter der letzten Reihe eine kuriose Konstruktion für Flutlicht. Hinter den Toren sind die üblichen Sitzplatzkurven mit vielen zertretenen und herausgerissenen Sitzschalen und einer modernen aber nicht computeranimierten Anzeigetafel.

Echt dekadent war die Stadionmusik: Chill Out. Chill Out! Das kann man bei einer Massenschlägerei zur Beruhigung einspielen, aber so eine Fahrstuhlmusik vorm Fußball – das darf doch nicht wahr sein!! Solche Musik hört der richtige marokkanische Fan: Palabra Grande (Eigenproduktion der Ultras, mit Text in Darija-Arabisch, Spanisch und Französisch)! Aber Fath Union (Fath = Triumph, Sieg) ist ein typischer Oberschichtenclub: zahlungskräftige aber wenig zahlreiche Fans. Demgegenüber der Proletenverein Raja Dar al-Bayda (= Hoffnung Weißes Haus) mit hunderttausenden von Fans, von denen immerhin 2.500 heute die anderthalbstündige Fahrt gen Hauptstadt auf sich nahmen und geniale Stimmung machten. Schon vor dem Anpfiff sangen sie die 1.000 Heinis von Fath nieder und nicht nur die 1.000 Ultras und Chaoten in der Kurve, auch die bessersituierten Rajawy auf der Haupttribüne gingen herrlich mit. Einige Meter vor mir sprangen zwei jugendliche Mädchen immer wieder mit ihren Fahnen und Trikots vor der Fernsehkamera auf den Sitzen herum, gut gekleidete Männer trommelten auf die Sitzschalen und hinter mir trat ein auffällig gestylter Oberschichtenlümmel nach dem 0:2 vor Freude einen Sitz aus der Verankerung, entschuldigte sich aber gleich und baute ihn wieder rein... Alles ganz stressfrei trotz vieler Sicherheitskräfte! Auch die Pyroeinlage der Ultras zog nichts nach sich und dass die Rajawy Dauersupport mit vielen Hüpfeinlagen und herrlichen melodischen Gesängen machten, schien allen gut zu gefallen.

Der Spielverlauf gefiel natürlich nur den Gästefans, denn nachdem Fath erst da Spiel bestimmte, ging Raja mit einem perfekten Konter in Führung und riss das Spiel an sich. Das vor allem in der zweiten Halbzeit auf technisch wie spielerisch sehr gutem Niveau ausgetragene Spiel wurde dann nach der Pause von Raja stark bestimmt. Nach einem Foul im Strafraum gab es Elfmeter und der 5er namens Moutaouali (متولي), dessen Name eigentlich „Amtsträger“ heißt, netzte sicher ein. Ist wohl der Torschütze vom Dienst…

Nach diesem wirklich guten Spiel verfuhren wir uns etwas auf dem Weg nach Meknès, kamen aber vor Mitternacht noch im IBIS an. اتحاد الفتح الرياضي الرباطي و الرجاء البيضاوي الرياضي - كاس العرش Statistik:
- Grounds: 1.018 (1 neuer; diese Saison: 47 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.916 (heute 1, diese Saison: 60)
- Tageskilometer: 480 (480km Auto)
- Saisonkilometer: 13.990 (13.190 Auto/ 760 Fahrrad/ 40 Flugzeug/ 0 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 2 [letzte Serie: 178, Rekordserie: 178; davor 141, 106, 101 bzw. 88]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 374

W374II: Per Auto nach Marokko

الله، الوطن، الملك Photos with English and Arabic Commentary:
Morocco:
a) Northern Cape from Tangier to Tetouan: Ksar Sghir
b) Rif Mountain Range: Chefchaouen

Um 7 aufstehen, frühstücken, auschecken, 8 Uhr in der Garage das Auto abholen, nicht nach Granada fahren, gleich nach Algeciras zum Hafen durch, das Hotel (für 27€ vorgebucht) verfallen lassen, die Tickets ausdrucken und auf die scheiß Fähre drauf. Das ging ja gerade noch mal gut! Aber so ein Dreck mit diesen scheiß Asi-Fähren, die für eine lächerliche 40km-Überfahrt mit einem Fahrzeug plus zwei Passagieren gleich mal 144€ wollen, die Buchung nicht mal korrekt bearbeiten und dann auch noch die Frechheit besitzen eine Fahrtzeit von 30 Minuten anzugeben. Die Verspätung war 30 Minuten, die Fahrtzeit 90. Bis wir durch den Zoll auf marokkanischer Seite waren, war es schon längst 14 Uhr durch.

Und beim Zoll ging es auch nur so gut, da einige der Marokkaner gut gelaunt waren und sich nicht so gehirnamputiert aufführten wie die spanischen Faschisten-Grenzer in den besetzten Gebieten Ceuta und Melilla. Warum ich keine Versicherung lösen musste, war mir allerdings schleierhaft: aber solange ich keinen Totalschaden baue, ist alles auch mit Grüner Karte ohne Marokkostempel und Barzahlung machbar... Am freundlichsten war ein Marokkaner, der eigentlich was Besseres werden wollte, aber nach einem Ingenieursstudium nichts Passenderes als den Zollbeamtenposten bekam. Er hatte zwei Jahre Deutsch in Halle gelernt – schon der zweite Marokkaner den ich treffe, der an der Uni wo ich Arabisch lerne, Deutsch gelernt hat… القصر الصغير Meine Arabischkenntnisse konnte ich heute erstaunlich gut anwenden. Wer behauptet denn immer, dass man mehr Französisch in Marokko spräche und gar nicht Arabisch bräuchte? Der Opa, der uns durch die Ruinen der Festungsstadt Ksar Sghir (= Kleines Schloss, eine schön am Meer gelegene, von Nadelbäumen gesäumte Festung mit römischen, arabischen und portugiesischen Mauern) führte, konnte keine Fremdsprachen, sodass ich für meinen Vater dauernd übersetzen musste. Auch beim sehr guten und preiswerten Restaurant gegenüber kam Arabisch gut an und keiner wagte es, einfach ins Französische zu wechseln – ich brauchte nicht mal darauf zu bestehen in diesem arabischen Land die richtige Sprache zu benutzen, anstatt der Besatzersprache.

Wenn nicht Arabisch, unterhalte ich mich eh nur Englisch in Marokko. Das bringt mich übrigens wieder zur überschätzten Benutzbarkeit von Französisch, denn der junge Polizist in Chefchaouen sprach nur schlecht Französisch und wechselte gleich ins Englische, um uns klar zu machen, dass wir demnächst mal die Glühbirne vorne rechts austauschen sollten… Im Hotel ging es gleich weiter: der Hotelier wollte erst in Spanisch (seine einzige Fremdsprache!) kommunizieren, doch wechselte mit Freude in seine Muttersprache. Er riss sich sogar zusammen und ließ den Worten noch ein paar Vokale – also nicht so schlimm wie sonst oft mit dem Dialekt in Marokko.

Was beim Hotel nur störte, war der Punkte, dass man für das abgewohnte Zimmer immer noch 250 Dh. (23,50€) abdrücken musste. In weniger überlaufenen marokkanischen Städte hätte es keine 20€ gekostet. Aber zu Chefchaouen, dessen Name übrigens „Guck dir die Berggipfel an“ bedeutet, morgen mehr… جبال الريف, إقليم شفشاون Statistik:
- Tageskilometer: 480 (440km Auto, 40km Fähre)
- Saisonkilometer: 13.510 (13.710 Auto/ 760 Fahrrad/ 40 Flugzeug/ 0 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)

Samstag, 28. September 2013

W374I: Die berühmte Alhambra in Granada und ein Schreck am Abend

Jerez de la Frontera Photos with English Commentary:
Andalusia, Southern Spain: Jerez de la Frontera and Granada (Alhambra)

Nach dem Aufstehen besichtigten wir endlich mal die Altstadt von Jerez de la Frontera, die eine gewaltige Kathedrale mit Campanile mit Anbau und auch eine ordentliche arabische Burg (alcazar) zu bieten hat.

Nach dem Frühstück ging es weiter nach Granada, das eine durchschnittliche südspanische Provinzstadt mit ein paar schicken barocken aber allenfalls durchschnittlichen Kirchen inmitten toller Berglandschaften wäre, gäbe es nicht die gewaltige arabische Burg namens Alhambra hoch oben über der Altstadt… Die Spanier haben bei der Namensgebung das arabische al-Ħamra´ verhunzt, was „Die Rote (Burg)“ heißt, wahrscheinlich eher weil der Erbauer bzw. Auftraggeber den Beinamen al-Aħmar (Der Rote) trug, als wegen der Farbe der gewaltigen Mauern. Die 13,40€ Eintritt (unbedingt vorher per Internet buchen!!!) sind jedenfalls gut angelegt: die Anlage ist trotz einiger späterer Veränderungen insbesondere durch den Naziri-Palast eines der spektakulärstes Beispiele der hervorragenden mittelalterlichen arabischen Baukunst überhaupt! Granada Eine Terrasse mit Blick zu dieser herrlichen, nachts im Gegensatz zu allen anderen Gebäuden der Stadt auch angeleuchteten Zitadelle, bot unser Hotel, dass wir für 21€ mit Frühstück bezogen. Das Duqueza Plaza sollte man unbedingt über Internet buchen oder gleich was Besseres nehmen, denn die an sich sympathischen und englischsprachigen Besitzer gehören zu der in Spanien unter Hoteliers weit verbreiteten Gattung der Abzocker, die Gästen ohne Buchung das zweieinhalbfache (!) des Internetpreises abverlangen. Mal abgesehen davon, dass die Zimmer winzig, schlecht und abgewohnt sind – immerhin gibt es Frühstück und zügiges Internet im Zimmer, was in Spanien (trotz großkotziger Versprechungen und Behauptungen der Hotels) die Ausnahme ist.

Apropos Internet: abends im Hotel stellten wir fest, dass unsere Fähre nach Marokko doch tatsächlich schon morgen geht! Diese beschissene Dreckswebsite von dieser asozialen Fährgesellschaft „FRS“ hatte meinen ursprünglichen Termin (24.9.) im Formular beibehalten, obwohl ich den Vorgang abgebrochen und als neuen Termin 25.9. eingegeben hatte. Gut, dass wir so flexibel sind und am nächsten Morgen gleich nach Algeciras fahren konnten. Wieder mal ein prima Beispiel, warum mich diese Flug- und Fährgesellschaften ankotzen und ich lieber mit dem Auto (ohne Fährverbindungen) verreise!

PS: Mittlerweile am "Endziel" Fès in Marokko angekommen. Berichte von den ersten Spielen in Marokko und allen Besichtigungen und Erlebnissen irgendwann bis ca. 3.10.!!! Granada Statistik:
- Tageskilometer: 310 (310km Auto)
- Saisonkilometer: 13.030 (13.270 Auto/ 760 Fahrrad/ 0 Flugzeug/ 0 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)

W373VII: 190 Minuten Fußball, dafür zu zweit 90€ bezahlt – und dann fallen genau 2 Tore und nach 178 Spielen gibt es auch erstmals wieder ein 0:0!

Real Betis Balompié (Sevilla) ------------------------------ 0
Granada Club de Fútbol ----------------------------------- 0
- Datum: Samstag, 21. September 2013 – Anstoß: 12.00
- Wettbewerb: Primera División (sogenannte „Liga BBVA“, 1. Spanische Profifußballliga)
- Ergebnis: 0-0 nach 93 Min. (46/47) – Halbzeit: 0-0
- Tore: keine, nicht mal irreguläre
- Verwarnungen: Nacho, Javi Chica, Paulão, Antonio Amaya (Betis); Recio (Granada)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Estadio Benito Villamarín (Kap. 56.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 34.000 (davon ca. 100 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 3,0/10 (Dürftig, was man in dieser völlig überschätzen Liga geboten bekommt!)

Club Deportivo San Fernando ---------------------------- 0
Lucena Club de Fútbol ------------------------------------- 2
- Datum: Samstag, 21. September 2013 – Anstoß: 17.00
- Wettbewerb: Segunda B (3. Spanische Liga, Halbprofiliga)
- Ergebnis: 0-2 nach 94 Min. (46/48) – Halbzeit: 0-0
- Tore: 0-1 55. Pepe Díaz, 0-2 70. Pepe Díaz
- Verschossener Elfmeter: Lucenas Torwart hält Foulelfmeter in der 35. Min.
- Verwarnungen: Paco Borrego, Juanje, Ocaňa, Cristian Terán (San Fernando); Obregón (Lucena)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Estadio Iberoamericano 2010 (Kap. 8.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 1.500 (davon ca. 40 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Mittelmäßiges Spiel) Real Betis inchada marching in Photos with English Commentary:
a) Primera Division: Betis Sevilla v CF Granada (goalless)
b) Segunda B (Third Level): San Fernando v Lucena CF
c) Sightseeing: Cádiz old town and fortification

Sonntagvormittag ist in Spanien nicht viel los: kaum Leute auf der Straße, wie in Deutschland auch alle Läden zu – nur auf der Autobahnraststätte bekommt man Frühstück. Wir fuhren nach Sevilla, denn Freitag hatten wir Karten für das Spiel von Betis gegen Granada besorgt. In Stadionnähe ließ sich nach kurzer Suche ein kostenfreier Parkplatz finden. Die mit 30€ für unsere Verhältnisse sehr teuren und für die Primera Division preisgünstigen Karten boten eine prima Sicht aus dem Oberrang der Hintertorkurve auf das Feld. Links von uns war der schwach gefüllte und wenig stimmgewaltige Gästesektor von Granada. Spanier sind leider wenig reisefreudig – aber so lahmarschig und unsicher wie die oft fahren ist es wohl auch besser so…

Um uns herum war bessere Stimmung durch die Sevillanos, die immer wieder Gesänge anstimmten. Die Hälfte war allerdings nur auf dem Niveau „Puta Granadá, Puta Granadá“ – und „Puta“ hat nichts mit Geflügel zu tun sondern mit dem angeblichen Beruf der Mütter der Granada-Fans… Was mir aber insgesamt beim Umfeld der Primera Division besser gefiel als in der Bundesliga war der geringere Sicherheitswahn: hier kontrollierten keine Neonazi-Schlägertypen (die alteingesessenen Ibero-Faschisten sind aber in Form der Guarda Civíl/ Polizei vor Ort), sondern seriöse Sicherheitskräfte, jeder darf eine 0,5l-Flasche ohne Verschluss mit reinnehmen (wird immer wieder an den Waschbecken aufgefüllt), keinen interessiert wenn man eine Kamera dabei hat und labert dann blöd was daher, dass man die Bilder nicht ins Internet stellen darf. Insgesamt scheinen auch weniger Modefans da zu sein als in Deutschland, dafür aber mehr einfallsreiche: eine sehr schöne Sache sind die traditionellen Hinchadas (sehr häufig in Südamerika), wo Fans mit Blasinstrumenten Lieder und Rhythmen spielen und so auf die Tribüne marschieren.

Was mir aber gar nicht gefiel war das Niveau des Spiels: verbissenes Mittelfeldgeplänkel, kaum Torchancen, schlechte Schüsse. Spanischen Fußball fand ich ja schon immer scheiße - v.a. die Nationalelf spielt zum Kotzen wenn auch leider erfolgreich - aber was die beiden Teams da zeigten war ja wirklich das letzte und kommt in der Bundesliga eigentlich nie vor. Die ganze Primera Division scheint doch erheblich überschätzt, denn Granada hatte in der zweiten Hälfte nicht eine Torchance und wusste mit billigem Hintenreinstellen die unfähigen Sevilla-Spaste am Torerfolg zu hindern. Zwei Mal extrem knapp mit Pfostenstreifer, OK – aber als völlig überbezahlter Profi muss man den zur Freude der Zuschauer zu den Treffern 1:0 und 2:0 versenken. Da die scheiß Sevillaner dazu aber zu blöd waren und Granada so wie so den letzten Dreck zeigte, blieb es beim torlosen Unentschieden und die Statistik vermerkt ein erstes 0:0 in diesem Jahr nach zuletzt 178 Spielen in Folge mit mindestens einem Treffer (seit November 2012). Estadio Benito Villamarín, home of Real Betis Balompie (Sevilla) Wir hielten noch an einer Raststätte vor Jerez de la Frontera wo es gute aber zu teure Tapas gab, und fuhren nach San Fernando durch. In der Nähe von Cádiz an einer Lagune gelegen, findet man dort in einem Gewerbegebiet mit Carrefour, Burgerking und Baumärkten ein interessantes Stadion, dass nach den iberoamerikanischen Ausstellungen benannt wurde. 2010 war die dann wohl dort, wobei das Stadion nicht so neu aussieht, wie der Name suggeriert. Es ist aber sehr schön gestaltet mit pseudo-maurischen Außenmauern die im starken Kontrast zur futuristischen Dachkonstruktion der blau-weißen Haupttribüne stehen. Die Gegentribüne mit den Hintertorkurven ist mit zu kleinen, unregelmäßig bunten Sitzen bestückt. Die Anzeigetafel war dann wohl beim Carrefour im Sonderangebot…

Kein Sonderangebot waren die Karten für die Drittligapartie: wie in Deutschland oder eher noch schlimmer: 15 bis 20€. Wir nahmen die billigeren und hockten uns zwischen Rentner, Kinder und blühende Hibiskussträucher in den Schatten der braunen Mauern hinter die letzte Reihe der Kurve. Stimmung gab es übrigens kaum: nur zwei Dutzend harte Fans mit Oberkörperfrei und blau-weißen Flaggen und ein paar Leute auf der Haupttribüne gingen gut mit.

Auf dem Feld war richtig was los, aber San Fernando war unheimlich unfähig: machten das Spiel, aber keine Tore. Nicht einmal ein Handelfmeter wurde verwandelt! Der Torwart hielt den flach links von der Mitte geschossenen Ball sogar fest!! Erst nach der Pause fielen Tore: Lucena mit der dritten Torchance (der neun für die Heimelf gegenüberstanden) zum 1:0 – klasse Weitschuss in den Winkel! Und bald darauf fiel das entscheidende 2:0, das eine Wende im Spiel brachte, denn Lucena verteidigte das 2:0 jetzt statt mit Hintenreinstellen mit guter Offensivarbeit. Estadio Iberoamericana 2010, home of CD San Fernando In Anbetracht der Eintrittspreise verzichteten wir auf das 19h-Spiel von Cádiz, das schon über 10 Minuten lief, und besichtigten nur die Stadt. Diese ist auf eine Landzunge gebaut und massiv befestigt. Die Festungsmauern ziehen sich 6,5km lang, wirklich sehenswert sind aber nur die Portale am Ende zur Stadt hin und die Festungen an der Meeresfront. Dazwischen gibt es aber auch einige schöne Kirchen und Privathäuser. In der Nähe der einen Festung aßen wir gut aber recht teuer typisch einheimische Kost. Cádiz, sunset Statistik:
- Grounds: 1.017 (2 neue; diese Saison: 46 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.915 (heute 2, diese Saison: 59)
- Tageskilometer: 290 (290km Auto)
- Saisonkilometer: 13.720 (12.960 Auto/ 760 Fahrrad/ 0 Flugzeug/ 0 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 1 [letzte Serie: 178, Rekordserie: 178; davor 141, 106, 101 bzw. 88]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 373

Freitag, 27. September 2013

W373VI: Nun auch der Länderpunkt Spanien – Jugendfußball und 1. Liga Handball in andalusischen Provinzstädten

Balonmano „Angel Ximenez” Puente Genil ---------- 23
Club BM „Juan Ferso Grupo Fegar“ Gijon ---------- 23
- Datum: Samstag, 21. September 2013 – Anwurf: 18.30
- Wettbewerb: Liga Asobal (1. Spanische Profi-Handballliga)
- Ergebnis: 23-23 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 12-11
- Tore: Guillermo de la Sierra Fernández 6, Ignacio Moya Florido 4, Jorge Sánchez Simón 3, José Cuenca Cano 3, Stanislav Demovic 2, Miguel Angel Olea Gutierrez 1, Francisco Morales Cubero 1, Francisco Muňoz Bandera 1, Pedro Fuente Sánchez-Migallón 1, Mario Porras Michán 1 (P. Genil); Amir Cakic 5, Alejandro Costoya Rodríguez 5, David Pellitero Montes 3, Ángel Paraja Ramos 3, Adrián Fernández Celmente 2, Santiago Abel Acetti Falcone 2, Pablo Fernández García 1, Abel Serdio Guntín 1, Pedro Emanuel Correia Ferreira Da Maia 1 (Gijon)
- Gelbe Karten: Miguel Angel Olea Gutierrez, Stanislav Demovic (P. Genil); Máximo Cancio Casas, Amir Cakic, Alejandro Costoya Rodríguez (Gijon)
- Zwei-Minuten-Strafen: 2x Pedro Fuente Sánchez-Migallón, Guillermo de la Sierra Fernández, Mario Porras Michán (P. Genil = 8 Minuten); Ignacio Huerta Pire, Abel Serdio Guntín, Miguel Paraja Ramos (Gijon = 6 Minuten)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Pabellon Comunal Alcalde Miguel Solas (Stadtsporthalle Bürgermeister M. Solas, Kap. 750 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 750 (darunter 700 zahlende und keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 8,0/10 (Sehr spannendes und gutes Handballspiel)

Club Atlético Antoniano de Lebrija (Infantil) ------- 11
Club Fútbol Ciudad de Morón de la Frontera (Inf.) - 0
- Datum: Samstag, 21. September 2013 – Anstoß: 12.00
- Wettbewerb: Primiera Provincial Infantil Grupo 1 (3. Spielklasse der U-15 in Spanien, Bereich Andalusien/ Landkreis Sevilla)
- Ergebnis: 11-0 nach 82 Min. (39/43) – Halbzeit: 2-0
- Tore: 1-0 3. (9), 2-0 30. (11), 3-0 48. (11), 4-0 50. (10, Foulelfmeter), 5-0 54. (8), 6-0 56. (8), 7-0 61. (11), 8-0 66. (10), 9-0 68. (10), 10-0 73. (7), 11-0 80. (2, Eigentor)
- Verwarnungen: 3 (Morón)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Campo Comunal de Lebrija (Städtisches Sportfeld, Kap. 1.600, davon 400 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 115 (davon ca. 10 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Die Gäste waren völlig überfordert mit dem ganz hervorragenden Spiel der Heimelf!)

Club Atlético Antoniano de Lebrija (Cadete) ---------- 2
Escuela de Futbol Sevilla Este (Cadete) ----------------- 1
- Datum: Samstag, 21. September 2013 – Anstoß: 10.00
- Wettbewerb: Preferente Andaluza (2. Spielklasse der U-17 in Spanien, Bereich Andalusien)
- Ergebnis: 2-1 nach 93 Min. (44/49) – Halbzeit: 1-0
- Tore: 1-0 (?), 2-0 62. (11), 2-1 77. (5, Foulelfmeter)
- Verwarnungen: NN, 16 (Lebrija); 5 (Sevilla)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Campo Comunal de Lebrija (Städtisches Sportfeld, Kap. 1.600, davon 400 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 70 (davon ca. 15 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Wirklich gutes und zum Ende hin packendes Juniorenspiel) Campo Municipal de Lebrija Photos with English Commentary:
a) Under-Aged Football in Lebrija: U17 of Antoniano de Lebrija defeat Sevilla-Este, U15 defeat Ciudad de Morón
b) Spain Professional Handball League: Puente Genil v Gijon
c) Arabic Architecture and Deserted Landscape of Andalusia: Lebrija, Cidudad de Morón, Torres de Aguila y Alcaz, and Osuna at night

Nun sollte auch der Länderpunkt Spanien fallen. Den tun alle Groundhopper als einfach ab – aber finde mal ein Spiel am Samstagvormittag. Samstagabend – klar: aber da war Handball geplant, also musste Jugendfußball in der Provinz her. In Lebrija, einer architektonisch wieder einmal sehr an arabische Städte erinnernden Landstadt inmitten versalzener und von verfallenen Gehöften (Fincas oder Haziendas) gesäumten geröllreicher aber nährstoffarmer und hügeliger Feldlandschaften, steht - schwer zu finden in den engen Altstadtgassen - ein hoch ummauertes aber sehr schickes Stadion. Die eine Längsseite ist ausbautenlos, hinter dem einen Tor befinden sich die Kabinen und hinter dem anderen eine abgetreppte Stehtribüne. Highlight ist die höher gelegene Längsseite von der aus man auf grünen Schalensitzen oder weißen Steinstufen dem Treiben auf dem hochwertigen Kunstrasen zuschauen kann. Es gibt auch ein Dach, eine Sprecherkabine, Imbissstände und Sanitäreinrichtungen. Auffällig an diesem schönen Stadion sind auch die auf den hinteren Bereich der Tribüne gepflanzten Palmen, das große Eingangstor mit Schriftzug und das Panorama, das sich hinter der Haupttribüne aufbaut: ein Kirchturm im „Giralda“-Stil, eine Burgruine, Stadtmauern, ein Kloster und die typischen Häuser mit flachem oder nur leicht ansteigenden Dach.

Für einen Euro Eintritt gab es heute höherklassigen Jugendfußball von Antoniano de Lebrija zu sehen. Die U17 gewann trotz ewig langer Nachspielzeit und einem unglücklichen Elfmeter in der Schlussphase mit 2:1. Das erste Tor hatten wir leider schon verpasst, da wir den Ground erst in der 15. Minute erreichten, aber das Spiel war so gut und schnell und sah so viele Torszenen und wenigstens noch zwei weitere Treffer, dass man sich nicht zu sehr ärgern musste. Die Szene des Spiels war sicher das 2:0, als sich ein kleiner Kicker von Lebrija gegen drei durchsetzt, den Ball nach innen flach aus 12m und spitzem Winkel herein schlägt, dieser von einem Spieler von Sevilla Este (Ost-Sevilla) ins eigene Tor gelenkt wird und der Passgeber sich von allen feiern lässt, auf die Tribüne rennt und seine dauerschreienden Fans (Mutti und Omi) umarmt…

Das zweite Spiel fing erst auf gleichem Niveau an, doch nachdem die U15 gegen die C-Jugend aus Morón de la Frontera („Maurenstadt an der Grenze“) mit 2:0 in Führung gegangen war, kamen die Gäste gar nicht mehr klar. Lebrija überrannte die Gegner völlig und zauberte vorm und im Strafraum, dass es herrlich anzusehen war. 11:0 hieß es am Ende in einem sehr unterhaltsamen Spiel, von dem wir ab und an von der Dorfjugend abgelenkt wurden – Erwachsene nehmen in Spanien eigentlich nie Notiz von Ausländern, selten mal im Süden, aber bei Kindern im Süden ist das eher mal der Fall, dass sie die Herkunft und die Lieblingsmannschaft und so was wissen wollen. Torre del Aguila, Arab castle ruin Das Sehenswürdigkeitenprogramm fiel diesmal relativ knapp aus. In Lebrija schauten wir uns natürlich noch in der bereits oben beschriebenen Altstadt um.

Kurzentschlossen, da nicht in der Karte verzeichnet, hielten wir in der Nähe von Las Cabezas de San Juan (der Ort heißt: „die Köpfe [Plural!] des Heiligen Johannes“ – wie viele von den Reliquien haben die denen denn angedreht?!) an einer verfallenen arabischen Burg. Vom quadratisch auf einen kahlen Hügel gebauten Torre Alcaz stehen noch drei Turmstümpfe und ein recht hoher Turm, die Hazienda davor ist auch verfallen.

In El Palmar del Troya gibt es einen kuriosen Kloster-Neubau der noch nicht fertig gestellt ist – wenn da plötzlich minarettartig schlanke Kirchtürme aus Palmenhainen in der desertifizierten Landschaft auftauchen, wähnt man sich in der Golfregion…

In der Nähe gibt es noch Torre del Águila, eine arabische Burgruine in interessanter Steppenlandschaft, von der eigentlich nur noch der Turm steht, der aber sehr gelungen ist. Von dort wollten wir uns mit der dürftigen Karte über die unbefestigten Wege nach Morón durchschlagen, aber wir verloren doch Zeit mit einem Umweg nach Nordwesten, da man mit dem Marco-Polo-Atlas in so einer Situation nicht navigieren kann.

Endlich in Morón de la Frontera angekommen besuchten wir die arabische Burg, die auf einem Hügel am Stadtrand verfällt und teilweise von Funkeinrichtungen verschandelt wird. Von dort oben sieht man die Kirchen des „Maurenstädtchens“.

Wir fuhren dann noch auf der mautfreien Autobahn an Osuna vorbei, dass wir kurz auf dem Rückweg im Dunkeln (zwei der der sehenswerten Gebäude sind angestrahlt: die Uni (also das Schloss) und die Kirche, die Burgruine halt nicht) besichtigten. Pabellón Alcalde Miguel Salas, home of Puente Genil handball teams In Puente Genil kamen wir recht schnell zur Sporthalle, wo man für nur 10€ Karten für die 1. Profihandballliga erstehen konnte. Deutlich niedriger als in der 1. Bundesliga, obwohl die Liga Asobal nicht unbedingt schwächer ist: Spanien ist aber keine so extrem hochgepuschte Söldnerliga wie die HBL. Die Halle sieht auch eher amateurhaft aus: eine steile Obertribüne aus Beton mit grünen lehnenlosen Sitzen, gegenüber eine Behelfstribüne (so auch hinter dem einen Tor) für die restlichen Karten (die meisten Tribünenplätze sind mit Dauerkarten belegt) und über alldem ein Wellblechdach…

Der Support war auch eher besser als in der Bundesliga, wobei bei all dem begeisterten Dabeisein die koordinierte Stimmung verloren ging: viel Getöse auf den Tribünen und Gebrüll aber so gut wie keine richtigen Anfeuerungen. Aber wenigstens nicht das monotone Geklatsche und Getrommle wie fast immer beim deutschen Handball…

Das Spiel lud auch sehr zum mitgehen ein, da bis zuletzt nicht vorherzusehen war, wie es ausgehen sollte. Mit mehr als zwei Toren führte niemals jemand. Die Heimmannschaft führte häufiger als der Gast aus Gijon (1.700km hin und zurück, Gästefans Fehlanzeige aber das ist eh schwach in Spanien: selbst beim Fußball gibt es kaum Gastsupport, Allesfahrer oder Groundhopping und selbst bei nur 100km Anfahrtsweg kommen selten richtige Gästemobs). Aber der Gast kam immer wieder zurück und schien das Spiel in der Schlussphase zu drehen, ehe Puente Genil mit herrlichen Toren ins lange Eck ausglich und in der Schlusssekunde nur noch mit einem Foul am Torwurf (der vielleicht zum 24:23 reingegangen wäre) gehindert wurde, was – da es ungeahndet blieb – zu einer ordentlichen Pöbelei zum Spielende führte...

Wir besichtigten wie gesagt noch Osuna in der Dunkelheit, kehrten in eine gute Tapas-Bar an der Autobahn gen Sevilla ein (man sollte zuerst zwei Tapas und ein Getränk bestellen, die meist ja 1,80€ kosten – nachordern kann man immer noch, bei größerem Hunger reichen die kleinen Schalen nämlich nicht und man braucht drei oder vier) und brauchten dann ewig um in Jerez d.l.F. zum Hotel zurückzufinden. Puente Genil v Gijon, Spanish Asobal Handball League Statistik:
- Grounds: 1.015 (2 neue; diese Saison: 44 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.913 (heute 3, diese Saison: 57)
- Tageskilometer: 450 (450km Auto)
- Saisonkilometer: 13.430 (12.670 Auto/ 760 Fahrrad/ 0 Flugzeug/ 0 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 178 [letzte Serie: 6, Rekordserie: diese; davor 141, 106, 101 bzw. 88]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 373