Mittwoch, 31. Dezember 2008

Samstag, 27.12.08: Der nördlichste Punkt Afrikas und ein Spiel der Arabischen Championsleague

http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/081227a%20Bizerte%20-%20Noerdlichster%20Punkt%20Afrikas/

http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/081227b%20Utica%20-%20Roemische%20Mauern%20und%20Mosaike/

http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/081227c%20ESPERANCE%206-1%20AL-HILAL%20AL-HODAYDA/

Wieder einmal ersetzte der Ruf zum Morgengebet den Wecker. Frühstück gab es keines im Hotel, also fuhren wir gleich an die Küste, in deren Hinterland sich dichter Nebel gebildet hatte. Am Kap sah es dann besser aus. Zwischen Cap H’mam und Cap Angela liegt der nördlichste Punkt des afrikanischen Festlandes in wirklich schöner Landschaft; Steilküsten, Sandstrände und grüne Berge. Wir fuhren dann die engen Straßen entlang wieder in die Innenstadt von Bizerte und kauften uns wirklich gute Croissants und Rosinenschnecken, die zusammen mit Apfelsinen und Mandarinen unser Frühstück bildeten. Den Hafen und die Festung entlang ging es zum Auto und dann zügig nach Utica.
Utica, bzw. Utique, war von allen tunesischen Ruinenstädten, noch hinter Musti, die unspektakulärste. So wirklich empfehlen kann ich die Mauerüberreste mit nervigen Guides, aber auch immerhin einigen wirklich schönen Mosaiken von bis zu 2.800 Jahren Alter und als Highlight einem irgendwie etwas unecht wirkenden menschlichen Skelett in der punischen Necropolis, nicht.
Das Museum, was im Preis inbegriffen war, schenkten wir uns. Wir sorgten dafür, auf dem schnellsten Weg nach Tunis zu kommen, wo wir gleich zur Geschäftsstelle von Espérance fuhren und uns Karten fürs Championsleague Spiel besorgten. 7,50€ für einen Tribünenplatz im Stade Radés ist wirklich nicht viel. 50m weg vom Kartenschalter hatte sich ein älterer Mann seinen Imbisstand, der mit Fotos von Espérance Fans und Spielern ausgeschmückt war, aufgebaut. Wir holten uns ein paar Baguettes mit Käse und scharfer Paprikasoße zu je 0,35€. Bei der Gelegenheit kaufte ich gleich ein 30x20cm großes Foto vom tunesischen Nationalspieler Dos Santos, wie er zu Zeiten bei Espérance vor der überfüllten Virage (Fankurve) jubelt. Eine weitere Collage bekam ich sogar geschenkt, da der Mann hoch erfreut über den Besuch der deutschen „Espérantistes“ war.
Nun noch schnell zum Hotel Tej und die dort zwei Tage zuvor vergessene Jacke samt Portemonnaie inklusive Studentenausweis, Führerschein etc. abholen - erfreulicherweise sind die Leute vom Zimmerservice wirklich ehrlich und aufmerksam - und dann zügig zum Stadion. Das eigentlich von Espérance (Taraji) und Club Africain (Nady Al-Afriky) genutzte Stade Menzah ist nicht für internationale Spiele ausgelegt, sodass das Championsleague Spiel zwischen Taraji Tunisiy und Al-Hilal As-Sahely Al-Hodayda, aus der jemenitischen Hafenstadt Al-Hodayda, im Stade de 7 November 1987, also dem Stade de Radés ausgetragen wurde. Das Hinspiel wurde schon nicht bei Al-Hodayda ausgetragen, sondern im 150km entfernten Sana, der Hauptstadt des ärmsten Landes der arabischen Halbinsel.

Espérance Sportive de Tunis 6:1 Al-Hilal As-Sahely Al-Hodayda
الهلال الساحلي الحديدة 6:1 الترجي الرياضي التونسي
Samstag, 27.Dezember 2008 - Anstoßzeit 14.00
Achtelfinale Arab Championsleague (دوري أبطا ل العرب)
Ergebnis: 6:1 nach 94 Min. (46/48) - Halbzeit 2:1, Hinspiel 2:1 (= 8:2)
Tore: 1:0 4. Khelil Chammam, 2:0 30. Henri Bienvenu, 2:1 33. Aboud As-Safa, 3:1 66. Wadi Tayyib, 4:1 75. Larbi Jabeur, 5:1 77. Henri Bienvenu, 6:1 84. Wajdi Bouassi
Verwarnungen: 1:1
Platzverweise: keine
Stadion: Stade 7 Novembre 1987 Radés (Kap. 60.000 überdachte Sitzplätze)
Zuschauer: 10.000 (20 Gästefans)
Ground Nr. 272 (diese Saison: 42 neue)
Sportveranstaltung Nr. 722 (diese Saison: 89)
Tageskilometer: 360 (Auto)
Saisonkilometer: 14.120; 7.770 Auto/ 2.590 Bahn/ 2.280 Rad/ 1.480 Flugzeug
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 1
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 126
Spielqualität: 9,5/10 (Hervorragend!!!)
Tagesunterhaltungswert: 7,0/10 (hoch)

Wir verfuhren uns etwas auf dem Weg dahin, doch als wir nach der Feststellung „scheiße, das war mindestens eine Ausfahrt zu früh“ von der Stadtautobahn gefahren waren, kurz entschlossen wieder durch einen gesperrten Weg und via einer Tankstelle auf die Stadtautobahn auffuhren, sahen wir auf der linken Spur einen Pick-up, der mit 12 Personen auf der Ladefläche und drei besetzten Kabinensitzen warnblinkend und wild hupend herumfuhr. Die Leute hatten gelb-rote Flaggen dabei und feierten Taraji Tunis ab. Also einfach mal von der dritten auf die erste Spur rüber gezogen und dran gehängt. In der Abfahrt zum Stadion kippte der Lieferwagen dann fast um, da die Fans auf der rechten Seite heftiger hüpften als die auf der linken Seite der Ladefläche, doch diese Szene ging dann doch genauso gut wie unsere Parkplatzsuche. Viele freie Stellflächen. Das Sportgelände von Radés ist wirklich toppmodern und braucht sich vor diesen ganzen Bundesliga,,arenen“ nicht zu verstecken. In der Schüssel nach Passieren der Kontrollen, d.h. die Sicherheitskräfte haben mal wieder nach Gesichtskontrolle kontrolliert kontrolliert: Touristen wurden gar nicht abgesucht, verstärkte sich dann der Eindruck, dass die Hütte wirklich sehr modern ist: es gibt nur Sitzplätze, diese sind alle überdacht, die Platzwahl ist aber kaum eingeschränkt, da recht wenige Fans ins Stadion kamen, was nicht zuletzt mit der sportlich weniger hohen Attraktivität der arabischen Meisterliga zu tun hat. Da spielen zwar nur Spitzenmannschaften aber meist nicht die Landesmeister - der jemenitische Verein „Halbmond der Küste“ war da eher die Ausnahme - und so ist es für viele interessanter, den Club in der tunesischen Liga bzw. der afrikanischen Championsleague anzuschauen, denn die arabische existiert nur zusätzlich zur afrikanischen bzw. asiatischen.
Aber auch die nur etwa 10.000 Zuschauer, von denen schräg hinter uns in der Loge auch die 20 mitgereisten Jemeniten erwähnt werden müssen, die übrigens jeder Tunesierin hinterher pfiffen, was bei diesen nur für müdes Lächeln sorgte - die stehen mehr auf blonde Europäer, nicht auf primitive, qat-kauende Südaraber -, machten gut Stimmung. Vor allem als kurz nach Anpfiff gleich das 1:0 für Taraji fiel - erzielt mit einem wunderbaren Freistoß unter die Querlatte - und ein Blocksturm auf den Oberrang der Virage einsetzte. Die Polizei verhinderte es allerdings keineswegs, dass tausende Fans in den Oberrang der Kurve strömten, der eigentlich gesperrt war.
Es dauerte dann eine ganze Weile, ehe das 2:0 fiel. Obwohl das Spiel sehr einseitig war, war es wirklich gut. Wie immer bei Spielen in der arabischen Welt: tolle Zweikämpfe, die man in Europa oft wegen Foulspiels abpfeifen würde, und starke Technik. Kurz nach dem 2:0 erzielten die Gäste aus dem Jemen allerdings mit einer schönen Bogenlampe den Anschlusstreffer.
2:1 war der Pausenstand. In selbiger Pause verabschiedete sich dann einer meiner Kameraakkus. Alt, hunderte von Malen wieder aufgeladen, schon deutlich an Kapazität eingebüßt und nun ziemlich warm geworden. Als ich ihn aus der Kamera herausholte, war er am auslaufen, sodass ich ihn - ganz die feine tunesische Art - ein paar Reihe nach vorne schoss. Gestört hat es mal wieder keinen...
Nach der Pause begann Al-Hilal As-Sahely ziemlich Druck zu machen, doch Taraji glänzte mit unglaublich gutem, technisch wirklich hervorragendem Fußball. Nach und nach spielten sie die Mannschaft aus Al-Hodayda regelrecht schwindlig, was zu vier weiteren Toren führte. Es hätte auch noch locker mindestens ein weiteres fallen können. Zwei Freistöße von Al-Hilal waren wirklich gefährlich knapp über die Latte des Tores der Heimmannschaft gegangen und eine Szene war ein klarer Elfmeter für Taraji. Die Tunesier bekamen diesen auch vom Schiedsrichter zugesprochen, doch nachdem er auf den Punkt zeigte, suchten die Spieler der Jemeniten Streit und ein maximal 16jähriger Espérance Fan stürmte den Platz. Drei Spieler der Gelb-Roten schickten ihn freundlich zurück, während Al-Hilal As-Sahely die Spielleiter bedrängte. Der Serienmeister aus Tunis reagierte aber wirklich sehr professionell, als der Blindgänger in Schwarz auf Schiedsrichterball an der Strafraumgrenze entschied. Also was sollte das bitte??? Wie kann man so einen klaren Elfmeter nur zurücknehmen?!
Dass der Platzsturm des Jungen nicht ganz ohne Folgen bleiben sollte, war klar. Als die Polizei ihn verhaftete gab es eine ziemliche Rennerei und die Polizei wurde am Ausgang mit Gegenständen beworfen, doch die Szene beruhigte sich schnell wieder. Schließlich war Espérance de Tunis klar auf der Siegerstraße. 6:1 war der vielleicht doch etwas zu hoch ausgefallene Endstand des Spiels. Respekt, dieses Spiel hatte wirklich gute Qualität!!!
Hinterher fuhren wir den Wagen gen Süden, gen Monastir, wo wir eine Ausfahrt zu spät abfuhren, da die Bauarbeiter in ganzen vier Tagen einen mehreren Kilometer umfassenden Bauabschnitt fertig bekommen haben. Also bis die Autobahn bis zur tunesisch-libyschen Grenze durchgebaut ist, kann es nicht mehr so lange dauern.
In Monastir wurde wieder einmal hervorragend gegessen und dann das beste Hotel der ganzen Reise aufgesucht. Es sollte auch die letzte Übernachtung sein, also konnte man sich ausnahmsweise ein 3-Sterne-Hotel zu fast 40€ pro Nacht im Doppelzimmer mit Frühstück leisten. Hotel Cristal Monastir machte auf jeden Fall einen wirklich guten Eindruck auf uns, obwohl wir den Eindruck nicht loswurden, die einzigen Gäste in der Nacht gewesen zu sein...

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