Mittwoch, 31. Dezember 2008

Montag, 29.12.08: Abreise und Zusammenfassung

Fotospezial 1; Nordtunesische Landschaften:
http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/081229b%20LANDSCHAFTEN%20NORDTUNESIENS/

Fotospezial 2; Straßenverkehr in Tunesien:
http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/081229a%20AUF%20DEN%20STRASSEN%20TUNESIENS/

Nachdem wir gegen 22.00 Uhr den Mietwagen voll getankt abgegeben haben - diese Hurensöhne von Hertz Tunis wollten den natürlich voll getankt wieder haben, obwohl sie ihn uns mit einem zu 90% entleerten Tank übergeben hatten - dieser korrupte Vermieter muss das Benzin abgezapft und verkauft haben -, aber der Nebensaisonrabatt war bei einem Mietpreis von 254€ für eine Woche mit 97€ so stark, dass diese Unverschämtheit auch nicht weiter störte.
Etwas störend war natürlich die sechsstündige Wartezeit auf den 4 Uhr 20 Flug, auf dem besonders störend die affigen, deutschen Prolls in der Reihe hinter uns auffielen. Fünfköpfige Familie, arroganter pubertärer Sohn, schreiendes Kleinkind, Kotzbrocken von Vater, nur am dumm rumlabern und die fünf haben doch als einzige nicht geschnallt, dass das Klatschen nach der Landung überhaupt nicht mehr üblich ist... So stellt man sich Pauschaltouristen vor, von denen es zum Glück fast gar keine zu den von uns besuchten Sehenswürdigkeiten geschafft hatten. Aber so gab es vor der Rückkehr nach Deutschland schon mal den ersten Vorgeschmack, welche Vorteile es hat, sich als Deutscher in Tunesien aufzuhalten. Man wird nämlich zum Glück nicht von vorneherein als hohlköpfiger Pauschaltourist angesehen, sondern von vielen erst einmal als willkommener Gast.
Schon eine halbe Stunde nach dem Start mit dem One-Way-Mietwagen nach Merseburg zeigte sich auch: die Deutschen können nicht einmal besser Autofahren, als die Tunesier. Was wir in 2.500km Tunesien nicht erlebt hatten, hatten wir nach 50km in Deutschland: ein schwerer Unfall, der die Autobahn von drei auf eine Spur verengte. Wir kamen zum Glück unfallfrei wieder nach Merseburg zurück.

Im Folgenden werde ich zu einer Zusammenfassung kommen. Zwei Themen klangen eben schon an. Der Verkehr in Tunesien ist chaotisch ohne Ende: überfüllte Fahrzeuge (sieben Leute in einem Renault Clio oder 15 Leute auf der Ladefläche eines Pick-up), überholen und hupen immer - bremsen nur im Notfall, Fußgängerüberwege und Kreisverkehre sind zum Parken da, in letzteren hat stets der größere Wagen Vorfahrt, Auffahrunfälle mit Blechschäden sind im Stadtverkehr, in dem man sich nur hupend bei zwei Spuren zu dritt nebeneinander vorbei schiebt, sehr häufig. Ansonsten habe ich von den laut irgendeiner Reisewebsite „extrem häufigen Unfällen“ rein gar nichts bemerkt, genauso wenig wie von den „sehr strengen tunesischen Zollbehörden“ - die deutschen waren strenger und natürlich unfreundlicher. Ohnehin war erstaunlich, wie freundlich die „Shurta“, die auch als „Bolis“ bezeichnet wird, zu Ausländern war. Schikaniert wurden nur Einheimische. Selbst die Fußballordner haben einen handschläglich begrüßt - dass will ich mal in Deutschland erleben, einem Land wo auch jeder Tourist beim Fußball ein potentieller Verbrecher ist (dass der durchschnittliche tunesische Fan noch um einiges gewaltbereiter ist, als der deutsche Fan, brauche ich glaube ich nicht erwähnen) - und die Polizei ließ einen bei jeder Verkehrskontrolle, nachdem sie die Herkunft festgestellt hatten, weiter fahren. Wobei auch die Einheimischen genauso wie wir vor den Augen der Polizei gegen die Einbahnstraße oder mit 80 durch die auf 30km/h beschränkte Baustelle fahren durften.
Ein weiteres Thema ist der Tourismus in Tunesien: man sollte sich bloß nicht von Kellnern in ein Restaurant oder von Leuten zu einer geführten Tour locken lassen. Ein Restaurant, dass Kunden locken nötig hat, ist schlecht ausgelastet und überteuert, und die Preise für Touren sind (hinterher) maßlos! Auch bei Souvenirs sind diese unverschämt. Empfohlen sind Souqs wie Sfax (kann ich auch sehr empfehlen) oder Gafsa, auf denen man auch nicht dumm angelabert wird (solange man nicht das „falsche“ Fußballtrikot trägt wie ich in Sfax einmal), wie in Tunis, Kairouane oder Bizerte. Vorsicht vor allem in Tunis und Kairouane, wo es leider einige Leute gibt, die nur auf das Geld der Touristen aus sind. Aber selbst da sollte man auf jeden Fall zurückgrüßen, wenn „Welcome to Tunisia“ oder „Guten Morgen, Monsieur“ oder so etwas gesagt wird, denn überall gibt es Leute (junge wie alte) die einen Fremden aus Anstand und Höflichkeit grüßen. Diese wollen weder geführte Touren leiten noch Andenken verramschen. Störend ist aber übrigens auch, dass fast alle Ruinenstädte gesichert sind und nur gegen teils sehr hohen Eintritt (bis zu 4,50€ pro Person und dann immer 0,50€ Fotografiergebühr) zu besichtigen sind.
Vom traditionellen Leben hat man zwar auch etwas mitbekommen, doch in den mittleren und großen Städten laufen zumindest die jüngeren Generationen sehr westlich-modern umher und moderne Kleidung ist auch, wenn eine Frau zu Jeans und Bluse ein Kopftuch trägt. Viele trugen allerdings nicht einmal eines, obwohl knapp 99% der Tunesier Muslime sind - ob gläubig oder nur Karteileiche, spielt hier keine Rolle. Also wer etwas davon labert, seine Tunesienreise sei ein „Kulturschock“ gewesen, kann nur aus einem Dorf im bayrischen Wald oder einer Kleinstadt an der Mecklenburgischen Seenplatte stammen. Also jeder Besuch in Berlin-Neukölln oder Offenbach bei Frankfurt/ Main ist „kulturell schockierender“.
Noch weniger mitbekommen hat man etwas von dem „Aufschrei in der gesamten Arabischen Welt“ über die Angriffe Israels auf den Gazastreifen. Demonstrationen gab es keine und in den Nachrichten wurde auch nicht aufhetzend darüber berichtet, was man den Medien aber nicht hätte verdenken können.

Um einmal zu den von uns besuchten Orten zu kommen, von denen sich fast alle gelohnt haben: die Altstadt von Tunis ist sehr sehenswert, wenn auch (NOCH) dreckiger als andere - wer ein Problem mit Staub und Dreck hat, sollte sowieso lieber im klinisch reinen Deutschland bleiben; Nordafrika ist nichts für kälteempfindliche Stauballergiker - nur sollte man vor den Guides aufpassen, die dort besonders unverschämt sind. 3,5/5 Sternen für Tunis. Sousse ist noch eine ganze Spur schöner als Tunis und die Leute sind auch noch hilfsbereiter und weniger aufdringlich. 4/5 für Sousse. Karthago hat ein halbwegs lohnendes Museum, ein mittelmäßiges Theater, ein eindrucksvolles Aquädukt, herausragende Thermen und schöne Parks zu bieten. Lohnt sich auf jeden Fall sehr, wobei man am besten auf dem Hügel Byrsa bei der Kathedrale anfängt, da das Museum eigentlich mehr zum Aufwärmen ist. 4,5/5 für Karthago. Absolut malerisch in wunderbarer Landschaft gelegen mit den grell-weißen Häusern mit den blauen Akzentuierungen (blaue Fensterläden, Balkone, Türrahmen etc.) ein tolles Postkartenmotiv, ist Sidi Bou Said. 4/5 für Sidi Bou Said. Kairouane ist ein Touristenort mit höchst interessanten historischen Bauten. So aufdringlich wie hier sind Guides und Händler allerdings nirgendwo! Ein „Ksssssssssss Khalas!“ hilft da aber oft, auch wenn es eigentlich wegen des „Schlangenzischens“ sehr unhöflich ist. Aber „ibn ush-sharmuta“ wäre unhöflicher, obgleich ebenfalls bei so manchem Touristenfänger angebracht. Die sandfarbene Stadtmauer, die Sidi Oqba Moschee (Eintritt lohnt sich aber sicherlich nicht) und die Wasserversorgung der Aghlebiden sind wirklich ansehnlich. Letztere am besten gleich durchs Westtor betreten; ist ein kostenloser öffentlicher Park. 3/5 für Kairouane. Mahdia ist ein wirklich schöner, kleinerer Ort auf einer Landzunge. Eine ordentliche Festung, ein paar historische Hafenmauern, ein Leuchtturm und schöne Landschaft. Alles sehenswerte ballt sich am Kap Afrika. Ziemlich wenig alles in allem, die Bewertung von lexorient, als wohl schönste Stadt Tunesiens ist auch unverständlich, aber der Ort ist schon schön. 3/5 für Mahdia. El Djem ist das Amphitheater schlecht hin. Eigentlich braucht man da gar nicht nach Rom zu fahren. El Jem ist eh billiger... Also wirklich sehr eindrucksvoll und deshalb geteilter 1. Platz bei den Römerruinen: 5/5 für El Jem. Der 1. Platz in dieser Kategorie teilt sich El Jem mit Dougga, was aufgrund seiner Ausdehnung, seines Theaters und seines Kapitols genauso hoch veranschlagt werden muss. 5/5 für Dougga. Sfax ist eine recht funktionale aber sehr chaotische Stadt, zweitgrößte Stadt des Landes, wirtschaftliches und bildungstechnisches Zentrum. Es gibt nicht viel altes und sehenswertes, aber die Stadtmauer ist höchst beeindruckend. Die Leute sind hier besonders freundlich und wenig aufdringlich. 3/5 für Sfax. Gafsa hat eine ganz nette Festung und eine etwas struppige Oase, und vor allem tolle, wenn auch beinahe gänzlich vegetationslose Berge um sich herum. Die Leute sind auch erfreulich höflich und unaufdringlich. 3/5 wegen der tollen Landschaft für Gafsa. Sbeitla ist fast so hoch zu veranschlagen wie Dougga; das Kapitol ist noch größer, der Rest der Anlage allerdings nicht. Alles in allem aber eine der Top-5 Ruinenstädten, eigentlich noch knapp vor Karthago. 4,5/5 für Sbeitla. Cillium ist keine Topp-Ruinenstadt, genauso wenig, wie Kasserine eine topp moderne Stadt ist. Der Erhaltungszustand ist schlecht, aber man bekommt einen Eindruck, wie Archäologen arbeiten müssen. Wenigstens ist der Eintritt frei. Wenn ein Hirte was will, einfach: „inta madshnun?“ fragen... 2/5 für Cillium. Das Tableau de Jugurtha ist landschaftlich eindrucksvoll ohnegleichen, doch die Überreste der Festung sind - bis auf die Kirche - schwach. Die Moschee auf dem Felsplateau ist aber ganz interessant, wenn auch unzugänglich. Wenn die Hunde vom Schäfer kommen: Stein aufheben, bei Bedarf auch nach den Tieren werfen. Ist so Sitte... 4,5/5 für Tableau de Jugurtha. Musti ist zwar nahe bei Dougga gelegen, aber nicht annähernd so eindrucksvoll. Aber ein paar Details der Gebäude lohnen sich wirklich. 2,5/5 für Musti. Anbei: Agbia kann man vergessen, da noch von irgendwelchem Pack bewohnt. Daher: keine Wertung. Die byzantinischen und römischen Ruinen von Thiganica machen aber wirklich etwas daher. Leider aber etwas schlecht erhalten, dafür sehr anständiger, bescheidener und unaufdringlicher Wächter. 3/5 für Thiganica. In Zaghouane befinden sich die Ruinen in einem öffentlichen Park. Es ist wenig übrig aber vor einer landschaftlich schönen Kulisse, die allerdings nicht annährend an das Tableau de Jugurtha heran kommt. 2/5 für Zaghouane. Thuburbo Majus ist herrlich weitläufig - merkt bestimmt keiner, - genauso wenig wie in Dougga - wenn man hinten herum ohne Eintritt zu zahlen hineingeht. Die Mosaike sind etwas aufwendig abgesperrt, aber ansonsten sehr schön zu besichtigen. 3/5 für Thuburbo Majus. Das Hadrians Aquädukt ist ein tolles Beispiel für Römische Sanitärbaukunst... Ebenfalls 3/5 für das Hadrians Aquädukt. Ghar El Melh ist das mediterrane Touristennest schlechthin. Im Winter kommt zum Glück keine Sau, doch bekommt man dann kein Essen und die Festungen sind geschlossen. Trotzdem ein sehr schönes Dorf. 3/5 für Ghar El-Melh, die Satzgrotte. Bizerte hat am Rande schöne Landschaft zu bieten, eine geographisch interessante Lage aufzuweisen und ein bisschen Altstadt. Aber alles in allem nur 2,5/5 für Bizerte. Utica war dann die am wenigsten lohnende Sehenswürdigkeit. Unfreundliche Leute, ein paar Mosaike, ein Skelett und minimale Mauerreste für unverschämte 4+1 Dinar pro Person + Kamera. Trinkgeld für den Kasper, der die Mosaike, die mit Holzplatten vor der Sonne geschützt werden, aufdeckt, nicht vergessen... Wenn er wieder mehr als 3 Dinar will: „inta madschnun?“ 1,5/5 für Utica. Monastir hat mir von allen mittelalterlichen und modernen Städten am besten gefallen. Vor allem das Wehrkloster (Ribat) ist ein Muss, die Meerlage sehr schön, das Mausoleum des berühmtesten Sohn dieser Stadt, also dem verstorbenen Präsidenten Habib Bourgiba, sehr sehenswert und sogar kostenlos, die nach selbigem Staatschef benannte Moschee ebenfalls ein Besuch wert und auch der Souq mit der geschlossenen Stadtmauer ist sehr schön. Die Leute sind eigentlich alle höflich und hilfsbereit, aber selbst Französisch hapert bei denen manchmal. Was Arabisch angeht, sprechen die auch nur diesen Dialekt und Englisch und Deutsch ist meist nur im Sinne von „Guten Tag, Willkommen - Hello, Sir. How are you?“ vorhanden. Oder auch „Sieg!“ auf den Tribünen beim örtlichen Profifußballverein. Dafür bekommt man billig hervorragende Hotels in der Nebensaison und bei Betreten mancher Restaurants mit einem tunesischen Fußballtrikot gratis Vorspeise und Tee. Also 5/5 für Monastir.
Apropos Fußball: Selbst der Besuch des Spiels in La Marsa war lohnend. Monastir war sehr cool und Tunis und Sousse waren echt Hammer! Also wer sich für Fußball interessiert und einen Tunesienurlaub vorbereitet: nutzt die Chance, eine Liga zu sehen, in der die Stadien noch nach Personen aus Sport und Politik heißen und nicht nach Banken oder Waschmittelherstellern, man von Sicherheitskräften noch respektvoll behandelt wird, selbst mit den wildesten Fans noch gut auskommt und auch sonstige Kommerzialisierungserscheinungen und Probleme des modernen Fußballs (Randale mal ausgenommen; wer Action haben will, nur die richtigen Spiele aussuchen und sich ins Getümmel stürzen!) noch gar nicht angekommen sind. Und trotzdem erlebt man Mannschaften, die hervorragende Technik besitzen und begeisternde Spiele abliefern können.

Die Tabelle der Sehenswürdigkeiten:
1. El Jem *****
1. Dougga *****
3. Monastir *****
4. Sbeitla *****
5. Tableau de Jugurtha *****
6. Karthago ****
7. Sousse ****
8. Sidi Bou Said ****
9. Tunis ****
10. Mahdia ***
11. Thuburbo Majus ***
12. Thiganica ***
13. Kairouane ***
14. Sfax ***
15. Gafsa ***
16. Ghar El-Melh **
17. Hadrians Aquädukt **
18. Bizerte **
19. Musti *
20. Zaghouane *-
20. Cillium *-
22. Utica -

Noch ein Nachtrag zu meinem Vorbereitungsmaterial:

Am Hilfreichsten war die Website http://lexicorient.com/e.o/tunisia.htm , die sehr viele und hilfreiche Informationen zum Land und seinen wichtigsten und auch nicht ganz so wichtigen Sehenswürdigkeiten bietet. 7,5/10 Punkten

Die Sehenswürdigkeiten findet man dann u. a. auf der Karte vom Marco Polo Verlag "Tunesien. Tunisia. Tunisie". Die Karte ist zwar besser, als die meisten Reise- und Sprachführer dieses meines Erachtens fast durchweg unzulängliche und maximal mittelmäßige Bücher anbietenden Verlages, aber 1 : 800.000 ist nur ein ausreichender Maßstab. Allerdings sind die touristischen Markierungen: landschaftliche schöne Straßen und sehenswerte Städte: 5,0/10.

Drittens, habe ich für 5€ den Bildband "Tunesien. Kulturlandschaft zwischen Meer und Wüste" von Dollhopf und Neumann (Flechsig Verlag) gekauft, der er in Bamberg von einer Buchhandlung auf der Straße angeboten wurde. 5€ sind gerade noch O.K., aber die ursprünglichen 12,95€ eine Frechheit: kaum Fakten, keine Informationen für eine Reise, nur etliche Bilder, die aber oftmals von schlechterer Qualität sind, als die, die ich fotografiert habe. 2,0/10.


In Tunesien zurückgelegte Kilometer: 2.460 per Auto, 350 mit öffentlichen Verkehrsmittel (2.960 Flug nach Tunesien)

Anzahl der Saisonkilometer derzeit: 16.300 (8.470 Auto/ 2.960 Flugzeug/ 2.590 Bahn/ 2.280 Fahrrad)!

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