Mittwoch, 31. Dezember 2008

Sonntag, 21.12.08: Tunesiens bekannteste Ruinen, ein Ort in Blau und Weiß und das beste 0:0 was ich je gesehen habe

http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/081221a%20Karthago%20-%20Tunesiens%20bekannteste%20Ruinen/

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Pünktlich zum Frühstück um 7.00 saßen wir im Speisesaal des Hotels. Eine Stunde später in der Metro; in Tunis eine Art S-Bahn, keineswegs eine U-Bahn. In Carthage-Byrsa stiegen wir aus und gingen, beeindruckt von den Villen des bei Tunis gelegenen Ortes Karthago auf den Hügel von Byrsa hinauf. Vor der verschlossenen Kathedrale kam uns eine typisch arabische Schulklasse entgegen, die natürlich auch ins Museum von Karthago wollte: „Hello! Bon jour monsieur!“ Besonders die Mädchen waren sehr darauf aus den „Deutscher“ anzusprechen. Am lustigsten war natürlich die etwa 14jährige Kleine mit dem rosa Kopftuch - eine der wenigen verschleierten - die mich mit: „Hi! Habibiy (mein Geliebter)“ ansprach.
Es gibt im Freilichtbereich des Museum kaum sichtbare Strukturen, sondern vielmehr nur frei herumstehende Säulen und Figuren. Im Innenbereich gibt es Mosaike, Ampullen, Teller und andere Gebrauchsgegenstände aus der Zeit der Römer und Byzantiner sowie tolle Führer, die solche Sätze bilden wie „Here is a mosaique von El Weingott. The Weingott, na*am?“ So eine Mischung aus Französisch, Englisch, Arabisch und Deutsch ist allerdings recht gut zu verstehen und lustig natürlich auch.
Die 8 Dinar (4,15€) teuren Karten gelten natürlich nicht nur für das Museum sondern auch für die 7 anderen römischen Orte in Karthago, die Eintritt kosten. Auch noch einige kleinere Überbleibsel finden sich zwischen den meist sehr teuer aussehenden modernen Privathäusern. Das interessanteste von den nicht zu besichtigenden Gebäuden ist das Aquädukt. Nach diesem gingen wir zum Theater, das mittelgroß und ganz interessant aber weder besonders schön noch besonders bedeutsam ist, und dann zu den römischen Villen. Von da ab wurde es immer besser, denn die römischen Villen, nahe einer großen modernen Moschee in Sichtweite der Kathedrale gelegen, sind zwar zerfallen aber in wirklich schöner Lage platziert und nicht so verfallen, als dass man nicht etwas erkennen könnte. Highlights waren ein Tempel im Villengelände, der samt Mosaiken rekonstruiert wurde und die römische Kopfsteinpflasterstraße.
Der nächste Punkt war dann der interessanteste. Die enorm großen Thermen, mit teilweise 10m hohen Säulen, bizarren Mauerresten, einem schönen Palmengarten am Rande und Meerblick. Die Thermen sind zwar auch nicht unbedingt hervorragend erhalten, aber wirklich spektakulär ob der Größe der Mauern und der Weitläufigkeit des Geländes. Noch weitläufiger ist die Präsidentenvilla mit angrenzendem Park. Die darf aber auf keinen Fall fotografiert oder gefilmt werden. Das Schild an der Reling am Meer an den Thermen sollte ernst genommen werden.
Als wir gen Sidi Bou Said die Hauptstraße entlangliefen, wollte ich erst gar nicht auf den Mann hören, der uns mit „Monsieur“ anredete, da ich dachte: „Wieder so ein Vollpfosten, der einem was aufschwatzen will“, doch er bat uns nur, die andere Straßenseite zu benutzen, da wir gerade auf der Seite des Präsidentenpalastes liefen. Ein eindrucksvolles Gelände mit schwer bewaffneten Patrouillen davor.
Sidi Bou Said ist auf ganz andere Art eindrucksvoll. Blitzblanke weiße Häuser mit blauen Verzierungen. Im Künstlerdorf scheint wirklich jedes Haus weiß zu sein und blaue Balkone, Fensterläden und Türen zu haben. Wir setzten uns ins nächstbeste Restaurant und aßen Merguez (so eine Art tunesische Hammelbratwurst) mit Gemüse und Fladenbrot für 1,80€ - OK! Interessant am Laden: 1. der Laden wurde nach einer Weile von einer anderen Schülergruppe gestürmt; die Zahl der Gäste vergrößerte sich somit von 5 auf 25, und 2. fünf Meter weg patrouillierte ein Bulle mit einem Maschinengewehr; eine Nobelsiedlung wurde so gesichert.
Es waren auffällig viele Touristen unterwegs. Diesmal hängten sich also keine niedlichen Mädchen an mich, sondern nervige Händler „Have a look! Nice price! Ganz billisch! Wollen nur mal schauen?!“
Nachdem wir die Klippen oberhalb des Hafens und den Dorfkern mit dem Mittelpunkt Moschee gesehen hatten, mussten wir anerkennend feststellen: ein architektonisch und landschaftlich wunderschöner Ort!
Auch wenn man dort länger bleiben könnte, nahmen wir uns in Anbetracht der Uhrzeit (13.13) ein Taxi. Der Knallkopf baute gleich nach 1km einen Auffahrunfall, der aber innerhalb von 2 Minuten geklärt wurde, da nur je eine leichte Beule an jedem der beiden Wagen zurückblieb. Wir ließen uns die 4km zum Stadion nach La Marsa bringen. 2 Dinar, 1.05€ - guter Preis!

Avenir sportive de la Marsa 0:0 El Gawafel sportives de Gafsa
القوافل الرياضية بڨفصة 0:0 المستقبل الرياضي بالمرسى
Sonntag, 21.Dezember 2008 - Anstoßzeit 14.30
Ligue 1 (1. tunesische Liga)
Ergebnis: 0:0 nach 94 Min. (46/48) - Halbzeit 0:0
Tore: keine
Verwarnungen: 1:3 + 2 gelbe zu gelb-rot
Platzverweise: Gelb-Rot für einen von Gafsa (Meckern und Foul)
Stadion: Stade Chitioui (Kap. 6.000 unüberdachte Sitzplätze)
Zuschauer: 700 (80 Gästefans)
Ground Nr. 271 (diese Saison: 41 neue)
Sportveranstaltung Nr. 721 (diese Saison: 88)
Tageskilometer: 30 mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Saisonkilometer: 12.130 (5.780 Auto/ 2.590 Bahn/ 2.280 Rad/ 1.480 Flugzeug)
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 125
Spielqualität: 6,0/10 (gut und sehenswert, aber keine Tore)
Tagesunterhaltungswert: 8,0/10 (sehr hoch)

6 Dinar war dann der Preis für eine Karte, wobei freie Platzwahl herrschte und die Karten an einem in der Stadionmauer eingelassenen Häuschen, dessen Schalterfenster in nur 1m Höhe angebracht war, geholt werden mussten. Die Kontrolle fand nicht wirklich statt, da wir als Touristen einfach durchgelassen wurden. Die beiden mit Banner aufhängen beschäftigten Ultras von Al-Mustaqbal, also Avenir bzw. Zukunft, aus La Marsa erkannten auch sofort die ungewöhnlichen Gäste und begrüßten uns auf Deutsch „Willkommen in Tunesien.“ Eine Hundertschaft Polizei stand auch schon bereit. Völlig unverständlich, aber der Polizeistaat Tunesien musste seinem Namen wieder mal alle Ehre machen... Aber auch diese hielten uns nicht vom Betreten des Gästesektors ab. Da die Vereine beide die gleichen Farben haben, also grün und gelb, fiel uns nicht gleich auf, dass die fünf jungen Männer auf der Gegentribüne aus Gafsa angereist waren und nicht aus La Marsa kamen. Aber es war uns sowieso relativ egal, wer hier gewinnt, wobei La Marsa aufgrund seines genialen Wappens - ein Fußballspielendes und Trikottragendes Dromedar - gewisse Sympathien genießt.
Das Stadion ist auch ganz cool. Um die Ecke liegen ein paar Villen, doch im Bereich des Stadions fängt die etwas heruntergekommenere Bebauung an. Die Nebenplätze sind staubig, der Hauptplatz in annehmbarem Zustand. Hinter dem Tor gibt es nur Zäune, die Haupttribüne ist nur halb so groß wie die Gegentribüne und beide sind klotzige Betonkonstruktionen, wobei die Gegentribüne mit einer welligen Mauer, die dem Baustil alter arabischer Befestigungsmauern nachempfunden ist, glänzen kann.
Es gab zwar keinen Stadionsprecher, aber per Lautsprecher wurde moderne tunesische Musik, libanesischer Pop, ägyptische Schnulzen und syrische Klassik - George Wassouf natürlich - eingespielt. Rechtzeitig zu Beginn machten die Fans ihre eigene Musik. Trommeln, Tamburine und Flöten kamen zum Einsatz und dafür, dass in dem 6.000er Stadion gerade einmal 700 Leute herumsaßen und standen (großer Respekt übrigens an die 80 Leute aus Gafsa; 6 Stunden Auto-, 8 Stunden Bahn- oder 9 Stunden Busfahrt für so ein Spiel des Tabellenletzten beim Neunten von 14), herrschte ganz gute und wirklich authentisch arabische Stimmung. Einige Zuschauer tanzten sogar immer wieder nach dem Klatsch-, Trommel- und Flötenrhythmus.
Das Spiel war schnell, hart und sehenswert. Immer wieder katastrophale Fehlpässe und lächerlichst vergebene Torchancen, doch eben auch vor allem tolle Zweikämpfe, Kopfballduelle und Laufduelle.
Die Spieler gaben wirklich alles. Emotionen gab es auch (besonders als der eine schwarzafrikanische Gästespieler vom Feld gestellt wurde: „Laaaaaa! (Nein!)“ schreien, auf den Boden fallen lassen und sich unter Tränen von zwei Mitspieler und dem Trainer vom Feld schieben lassen). Dass es am Ende immer noch 0:0 stand, konnte man nicht so recht verstehen. Wirklich ärgerlich, dass es hier kein 1:1 oder so gab, da es wirklich ein sehenswertes Spiel war. Einige Zuschauer waren auch recht sauer und warfen mit Flaschen und bedrohten die Gästespieler, die kurz zuvor, also sofort nach Abpfiff, auch schon von La Marsa Spielern angegangen wurden, wobei für die Gäste der Punktgewinn positiv zu vermerken war. Ein Sieg wäre ihnen natürlich lieber gewesen - das wird wohl auch der Grund gewesen sein, warum einige der Gawafel Fans im Tribünengang mit der Polizei rauften und versuchten, vom Parkplatz auf die Seite der Avenir Fans zu kommen - aber dafür waren sie einfach zu unbedarft. Als wir gingen war es schon wieder ruhig geworden - wir guckten mal lieber nicht auf die andere Seite des Stadions, ob die Al-Mustaqbal Fans randalierten - und so konnten wir uns locker gen Metrostation aufmachen. Die S-Bahn war 12 Minuten zu spät, aber egal. Wir kamen ja noch rechtzeitig zum Shauwarma essen in Hotelnähe an. Während ich noch die Fotos auf den Laptop zog, holte mein Vater den Mietwagen, der über Nacht in Hotelnähe abgestellt wurde, um am nächsten Tag gleich gen Süden loszufahren.

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