Sonntag, 14. Juni 2009

WE150II: Eine Mannschaft aus einem abgebaggerten Ort und Leunas vergessene Trikots

SV Empor Gröben 1:0 SV Großgrimma III
Samstag, 13. Juni 2009 - Anstoßzeit 13.00
1. Kreisklasse Weißenfels (11. Liga, 7. Amateurliga)
Ergebnis: 1:0 nach 95 Min. (48/47) - Halbzeit 1:0
Tor: 30. Ali
Verwarnungen: je eine
Platzverweise: keine
Sportplatz: Gröben (Kap. 1.000)
Zuschauer: 50 (3 Gästefans)
Spielqualität: 6,5/10 (unterhaltsam)

SV Großgrimma 0:1 TSV Leuna
Samstag, 13. Juni 2009 - Anstoßzeit 15.35
Landesklasse Staffel 9 (8. Liga, 4. Amateurliga)
Ergebnis: 0:1 nach 94 Min. (45/49) - Halbzeit 0:1
Tor: 36. Prorok
Verwarnungen: Großgrimma 3, Leuna 4 (Motz, Degner, Arndt, Schimpf)
Platzverweise: Schimpf (gelb-rot)
Stadion: Sportstätte Großgrimma (Kap. 1.000)
Zuschauer: 100 (20 Gästefans)
Spielqualität: 5,0/10 (durchschnittlich)

Es stand mal wieder eine längere Radtour an, diesmal in den Kreis Weißenfels, wo unser erstes Ziel der kleine Ort Gröben war. Dort spielte Empor Gröben um 13.00 ein Spiel der 1. Kreisklasse gegen die dritte Mannschaft des SV Großgrimma aus. Zum Gastverein gleich mehr.
Das Spiel war für Kreisklasse wirklich flott. Großgrimma sah zwar kaum einen Stich, doch dafür drückte Gröben kräftig aufs Tor. Es dauerte dann aber aufgrund der schwachen Chancenverwertung bis zur 30. Minute, ehe Ali, der spielerisch beste Spieler des Spiels, den Ball über die Torlinie schob. Er war bis zur Einwechslung eines Landsmannes in der zweiten Halbzeit der einzige Zuwanderer. Eine Anhängerin von ihm brachte mit ihrem Kopftuch Farbe auf die Betreuerbank, während der Trainer mit seinem tollen Dialekt Stimmung brachte: „Määäänsch, duuu! Das kann doch wo nech sein! Diehsä Schongsänverwäärdung!“ Die Chancenverwertung war aber in der Tat unter aller Sau. Unter aller Sau war auch der Preis von 1,20€ für die mickrigen Fischbrötchen. Aber 1€ für 0,5l Cola war niedrig.
Zurück zur Chancenverwertung: vor allem in der zweiten Halbzeit, war der dilettantische Abschluss von Gröben - Großgrimma sollte bis zum Abpfiff nur sehr wenige Torschüsse abgeben - erschreckend. Die beiden versoffenen Randerscheinungen meckerten zwar immer wieder über Ali, der einige Anzeichen einer Stürmerdiva zeigte - am Besten: als er den Kapitän wegen einer vergebenen Chance anmeckert, meint dieser „fass dir an die eigne Nase!“ woraufhin Ali sich, eine Grimasse schneidend, über die Nase strich - aber er war nach wie vor der positiv auffälligste und torgefährlichste im Spiel. Die meisten anderen mühten sich zwar redlich, doch Torgefahr kam von ihnen kaum.
Nach dem verdienten 1:0 Sieg für Gröben - ein Lob im Übrigen auch an den sicheren Schiedsrichter! - fuhren wir von Rückenwind getrieben ins 6km entfernte Hohenmölsen. Am Südhang ist die Sportstätte von SV Großgrimma, einem Verein aus einer Geisterstadt oder Wüstung, die 5km entfernt liegt und in wenigen Jahren abgebaggert werden soll. Vor wenigen Jahren wurde sie schon so gut wie entvölkert. Ein Haus ist noch bewohnt, doch zum Ort am Ende noch etwas mehr.

Nun erstmal zum Spiel: wir hätten uns nicht so beeilen müssen, denn um 15 Uhr begann das Spiel dann doch nicht. TSV Leuna hatte schlicht und ergreifend die Tasche mit dem Trikotsatz vergessen, die Wolle unter lockerer Auslegung der Verkehrsregeln dann aus dem 30km entfernten Leuna holte. Das Spiel begann somit mit einer 35minütigen Verspätung und es dauerte auch etwa 35 Minuten ehe Leuna - sie hatten sich auch schon deutlich mehr Chancen und Spielanteile erarbeitet gehabt - das erste Tor der Partie erzielte. Prorok ging, trotzdem der Torwart mit gestrecktem Bein angeflogen kam, zum Ball und schoss ihn aus acht Metern über die Linie. Der Torwart wurde minutenlang behandelt, da er sich bei der Aktion glücklicherweise nur selbst verletzte. Auf Seiten der Heimfans sah man die Situation naturgemäß anders, wo man ein rotwürdiges Foul am Torwart gesehen haben wollte. Aber diesmal lief wenigstens kein dussliger Rentner aufs Feld, um den Verletzten zu behandeln, wie einige Minuten zuvor, als ein Großgrimmaer nach einem Zweikampf auf die Schulter fiel und sich verletzte.
Der Treffer wurde zum Glück - entgegen den Befürchtungen einiger mitgereister Leunaer - nicht annulliert, der Schiri sollte erst zum Schluss negativ auffallen.
In der Pause holten wir uns noch etwas zu Essen auf der wirklich schönen Terrasse des Sportlerheims des kleinen Stadions. 1,30€ für eine zugegeben gute Bratwurst sind ja schon recht hoch, aber 2€ für 0,5l Cola sind echt nur noch Abzocke!
In der zweiten Halbzeit wurde das mittelmäßige Spiel nicht unbedingt besser, nur etwas härter. Der Schiedsrichter pfiff dann ab der 80. Minute richtig schlecht, was man ihm bis dato nicht hatte vorwerfen können. Allerdings hat auch der greise Linienrichter seinen Anteil daran, der bei jeder entscheidungswürdigen Situation daneben lag. Die Fahne bei der Notbremse im Strafraum unten zu lassen - es hätte Elfmeter für Leuna geben müssen - war wirklich daneben. Zum Ende hin wurde es noch echt packend, da Matti Schimpf wegen einer Lächerlichkeit die Ampelkarte bekam - der Gästefan, der bei dieser Szene am lautesten wurde, sitzt übrigens derzeit eine völlig übertriebene 9-Spiele-Sperre wegen einer verbalen Entgleisung nach einer solchen gelb-roten Karte ab - und Großgrimma dann noch sehr stark auf den Ausgleich drängte. Verdientermaßen trafen sie einmal die Latte, was den Heimanhang
zu einem kollektiven Aufschrei bewegte.
Leuna hat also verdient ihr letztes Saisonspiel gewonnen; das letzte Spiel einer guten, auf dem 3. Platz abgeschlossenen Saison.
Wir verabschiedeten uns dann von einigen der Sieger bis zum nächsten interessanten Testspiel, d.h. wahrscheinlich einem Match gegen den Halleschen FC in sieben Wochen, und fuhren durch Hohenmölsen, einer stinklangweiligen Landstadt mit ganz wenigen sehenswerten Häusern, nach Großgrimma.

Der Abzweig ist für den Ortsunkundigen übrigens nicht zu finden: von Hohenmölsen kommend muss man jedenfalls die B176 vor der Gabelung Richtung Deumen und Wuschlaub nach rechts verlassen. Geradeaus ist eine Sackgasse und rechts eine Kopfsteinpflasterstraße. Statt dem Ortseingangsschild sieht man ein Warnschild, dahinter dann zur linken Hand eine Pappelreihung, an der man den ehemaligen Fußballplatz des SV Großgrimma erkennt, und zur rechten das Feuerwehrhaus. Außer dem steht von Großgrimma nur noch ein Trafohaus. Vom Ortsteil Grunau steht noch ein Gehöft, dass auch noch teilbewohnt ist und im Ortsteil Bösau sieht man noch ein paar Grundmauern. Fährt man noch weiter, sieht man eine Brücke, die mit soldatenfeindlichen Parolen beschmiert ist, da die Bundeswehr die Häuserruinen im Jahre 2006 als Übungsplatz missbrauchte. Irgendwann hört die Straße dann auf und man steht am Tagebau.
Dort kehrten wir um, fuhren bis Hohenmölsen zurück und hatten in Merseburg angekommen dann 90km auf dem Fahrradcomputer stehen.

Statistik:
Ground Nr. 324 (zwei neue Grounds; diese Saison: 94 neue)
Sportveranstaltung Nr. 825 (diese Saison: 192)
Tageskilometer: 90 (Rad)
Saisonkilometer: 25.720 (12.810 Auto; 5.070 Öffentliche Verkehrsmittel; 4.880 Fahrrad; 2.960 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 30
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 150

Fotos unter:


Empor Gröben - Großgrimma III

Großgrimma - TSV Leuna 1919

Großgrimma, Hohenmölsen ua.



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