Montag, 1. Juni 2009

WE149 I: Feiertagsfahrt in den Raum Weimar: von nervigen Ausflüglern und cholerischen Fußballpräsidenten

SV 70 Tonndorf 2:1 FC Empor Weimar II
Montag, 1. Juni 2009 - Anstoßzeit 15.00
Kreisliga Weimarer Land (9. Liga, 5. Amateurliga)
Ergebnis: 2:1 nach 91 Min. (45/46) - Halbzeit 1:0
Tore: 1:0 13. (Nr. 7), 1:1 56. Elfmeter (Nr. 10), 2:1 60. (Nr. 10)
Verwarnungen: 1x Tonndorf, 4x Weimar
Platzverweise: keine
Sportplatz: Schlossberg Stadion (Kap. 1.000)
Zuschauer: 50 (10 Gästefans)
Spielqualität: 7,0/10 (Gutes Spiel)
Sightseeingtour: 5,0/10 (Nichts Besonderes)

Montagsspiel in der Kreisliga. Natürlich war das nur aufgrund des Pfingstmontags möglich und derlei Spiele waren selbst an dem Tag rar. Doch im thüringischen Tonndorf, auf halbem Wege zwischen Erfurt und Weimar, gab es ein solches Spiel.
Die Anreise gestaltete sich noch schlimmer als befürchtet. Während der Zug, der uns von Merseburg nach Weimar brachte, fast völlig leer war, stürmten alle Langschläfer von jungen Eltern samt Kleinkindern den Zug Weimar - Kranichfeld. Wenn man da vor der Endstelle - wir z.B. in Bad Berka - aussteigen wollte, musste man schon zügig die Räder kreuz und quer schieben oder gar werfen. Da weis man nicht, über wen man sich als sportlicher Fahrer mehr ärgern soll: die scheiß Bahn, die bei einer überfrequentierten Strecke nur einen Schienenbus einsetzt, oder diese Sorte Radfahrer, die nur mit dem Rad unterwegs sind, weil es ja viel umweltschonender ist, und dann auch noch die Radwege zu viert nebeneinander schleichend verstopfen.
Das nächste, worüber wir uns dann ärgern konnten war die hässliche „Stadt“ Bad Berka mit ihren schlechten Beschilderungen. In dem Kaff gibt es eigentlich nichts zu sehen. Und wie wir bald noch verstärkt feststellen mussten, ist die Beschilderung in der ganzen Gegend südlich von Weimar auf einem Niveau, das man sonst vielleicht im Nahen Osten vorfindet. Die Straßen sind übrigens auch so, wie man sie sonst nur im hintersten Nordost-Syrien findet. Mit dem Fahrrad natürlich zum Kotzen, so was macht nur mit dem Auto Spaß!
Was mit dem Auto nicht unbedingt Spaß macht, ist die Brücke in Buchfart, die unser nächster Punkt war. Eine überdachte, mittelalterliche Holzbrücke ist noch vor der Kirche und der Höhlenburg, die wir ein anderes Mal besuchen werden, die Hauptsehenswürdigkeit des kleinen Ortes. Dort quetschten sich Sonntagsfahrer und verhinderte Raser zusammen mit Motorradfahrern hindurch, die sich durch absichtliches Aufheulen lassen des Motors im Brückenkörper und ähnlichem Schwachsinn hervortaten. Bei gutem Wetter kommen diese zum Fahrradfahren zu schwachen und zum Auto fahren zu blöden leider jedes Wochenende heraus. Für Auto- wie Radfahrer eine echte Plage.
Weiter ging es durch wenig sehenswerte Käffer, die ab und an mal eine schöne Kirche vorweisen konnten - Oettern und Mechelroda seien hier genannt - über katastrophal heruntergekommene Straßen - die Weimarer Kreisverwaltung hat echt nur Geld in die Stadt Weimar gepumpt, die umliegenden Orte und deren Infrastruktur hemmungslos vernachlässigt, obwohl Ausflügler- und Touristenhorden vor allem sommers diese Gegend mit ihrem Besuch „beehren“ - nach Blankenhain. Eine hässliche Kleinstadt mit schönem Kern. Der schönste Teil des Kerns ist natürlich das hervorragend sanierte Schloss. Nach kurzem Herumlaufen im Innenhof fuhren wir mit einem Abstecher nach Krakendorf - eigentlich nur des Namens wegen, eine schöne Kirche haben die da übrigens! - nach Tannroda. Dort gibt es eine Burg, deren Bergfried hervorragend restauriert, deren Unterburg als Ferienheim benutz wird und deren Oberburg fast völlig verfallen ist. Die danebenliegende Kirche sah auch ganz interessant aus, aber diese war genauso geschlossen, wie der Bergfried. Ein Armutszeugnis für diesen Kreis, dass man die Kirchen und gesicherten Burgen nicht regelmäßig besichtigen kann. Touristisch ist die Gegend eigentlich das Letzte. Unverständlich, wie viele Leute da trotzdem herumgurken.
Der nächste Ort, wo ich etwas fotografierte, war München. Nein, nicht die bayrische Landeshauptstadt, ein Ortsteil von Bad Berka heißt so. Horden von Ausflüglern fielen im dortigen Gasthof ein. Fotografiert habe ich übrigens nur das Ortsschild.
In Tonndorf sparten wir uns den Weg zum Schloss hoch - da es in Privatbesitz ist, kann man eh nur ans Tor - und fuhren über die Kirche gleich zum Fußballplatz. War ja dann auch nur noch eine Viertelstunde bis Anpfiff, weswegen wir gleich schon mal Fischbrötchen und Brause im Sportplatzkiosk abfassten.
Somit also zurück zum Ausgangspunkt: Montagsspiel! Dieses ging auch gleich besser los, als so manches 2. Bundesliga-Montagsspiel, was beim Deutschen Werbe Fernsehen während der Dauerwerbe- und Pokersendungen zwischenzeitlich übertragen wird. Nach mehreren vergebenen Chancen erzielte Tonndorf das 1:0. Empor Weimar fiel nur durch zwei Sachen auf: Die Spieler damit, die schnell kombinierenden Tonndorfer zu foulen und der Präsident fiel auf, weil er andauernd am meckern war. Und auf welchem Niveau! Selbst die Zuschauer nahmen sich so was nicht heraus, dauernd - auch völlig unangebracht - über den Schiedsrichter zu meckern. Echt tolles Aushängeschild für den Verein Empor, wenn der unsympathische Schreihals bei Kreisligaspielen der 2. Mannschaft am Spielfeldrand herumsteht und motzt.
In der Halbzeit schiss der cholerische Präsident dann noch die Spieler zusammen, von wegen es sei zum Kotzen, dass sie am Vorabend noch saufen würden und dann am nächsten Tag ihren Klassenerhalt aufs Spiel setzten. „Das ist doch eine Frechheit, was ihr da vorne anbietet!“ bekamen sie - das mal ausnahmsweise nicht zu Unrecht - zu hören aufgrund ihrer wenigen Chancen, die sie dann auch noch kläglich vergaben.
Wie auch immer, den Rest der Halbzeit nutzte ich zum Essen der 2€ teuren, aber auch sehr langen und guten Bockwürste.
In der zweiten Halbzeit wurde es dann besser aus Sicht der Gäste. Jetzt hatte auch Empor gute Chancen. Nach 11 Minuten bekamen sie dann als Belohnung einen Elfmeter vom bis dato sicheren Schiedsrichter geschenkt, der sicher verwandelt wurde. Doch nur vier Minuten später spielte ein Tonndorfer einen Freistoß genial um die Abwehrmauer, die im übrigen sicherlich nicht mehr als 6,50m vom Freistoßpunkt entfernt stand und nicht 9,15m, sodass die Hausherren gleich wieder in Führung gingen.
Diese Führung hielten sie bis zum Abpfiff und zwar keineswegs durch Ergebnisverwaltung, sondern mit offensivem, schönen Fußball, der leider an der Chancenverwertung zu wünschen übrig ließ. Empor erzielte in der 89. dann fast noch den Ausgleich, aber wie gesagt: 2-1 war dann der Endstand.
Wir improvisierten dann auf dem Rückweg, da wir in Tonndorf ein Hinweisschild nach Erfurt sahen. Anstatt nach Kranichfeld, dort in den Schienenbus und mit Umsteigen in Weimar nach Merseburg, fuhren wir nach Erfurt, stiegen dort - gerade noch rechtzeitig ankommend - in den Zug und kamen von dort mit Fahrräder umpacken in Weimar ohne Umstieg nach Merseburg. Räder umpacken übrigens deshalb, da uns der Schaffner auf eine Plattform schickte, da die beiden Fahrradabteile zu voll waren. In Weimar schickte er uns dann ins Abteil, da viele ausgestiegen waren. In Naumburg wurde der Zug dann natürlich wieder voll zugestellt von Schönwetterradlern. Aber der ausgesprochen sinnvoll und locker handelnde Schaffner hielt immerhin die Deppen mit großen Rucksäcken davon ab, ins Fahrradabteil zu rammeln. Gestört hat er sich auch weder an Fahrrädern in Gängen, noch an Gepäck auf dem Boden. Wirklich selten, dass man mal cooles und freundliches Personal bei diesem scheiß Unternehmen hat.
In Merseburg kamen wir dann gerade so raus aus dem überfüllten und zugestellten Abteil. Typisch Feiertag eben!
Statistik:
Ground Nr. 317 (neuer Ground; diese Saison: 87 neue)
Sportveranstaltung Nr. 816 (diese Saison: 183)
Tageskilometer: 255 (180 Bahn, 65 Rad)
Saisonkilometer: 25.250 (12.810 Auto; 4.860 Öffentliche Verkehrsmittel; 4.620 Fahrrad; 2.960 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 23
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 149

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