Freitag, 1. Mai 2009

WE144II: Felder, Feldsteinkirchen und Fußball in der Altmark

1. FC Lok Stendal 2:3 VfL Halle 96
Freitag, 1. Mai 2009 - Anstoßzeit 14.00
Verbandsliga Sachsen-Anhalt (6. Liga, 2. Amateurliga)
Ergebnis: 2:3 nach 93 Min. (46/47) - Halbzeit 1:1
Tore: 0-1 18. Ströhl, 1-1 45. Fernando, 1-2 53. Kramer, 1-3 68. Braun, 2-3 75. Renato
Verwarnungen: je 2 pro Mannschaft
Platzverweise: keine
Stadion: Stadion am Hölzchen (Kap. 6.000, davon 1.000 Sitzplätze)
Zuschauer: 483 (davon 20 Gäste)
Spielqualität: 8,0/10 (sehr gut)

Bei sehr gutem Wetter und nicht zu hohen Temperaturen - und glücklicherweise auch nicht mit zu vollen oder zu späten Zügen - ging es für uns beide nach Stendal. Da wir die Stadt von einem Tagesausflug schon kannten, fuhren wir eine 45km-Runde über diverse kleine Ortschaften westlich von Stendal. Über Gohre, wo es eine kleine Feldsteinkirche gibt, nach Insel, wo es eine größere Feldsteinkirche zu sehen gibt, nach Möringen, wo wir den ersten etwas längeren Stopp einlegten, da die dortige Feldsteinkirche geöffnet war. Es kontrastierten mittelalterliche Balken mit kaum 100 Jahre alten Wandmalereien.
Weiter über Klein-Möringen und Steinfeld, wo sich ein Hünengrab - der Banause würde es einen „Haufen Steine“ nennen - befindet nach Schönfeld, was allerdings auch nur ein Ortsteil von Steinfeld ist. Ein bisschen größenwahnsinnig sind die dort aber wohl schon: Gutshof, Schloss und zwei Kirchen. Ersteres ordentlich von einem dort lebenden Privatmann in Schuss gehalten, Punkt zwei zwar toll restauriert, aber nicht mehr als Hotel und Restaurant benutzt, da (was haben die Besitzer auch erwartet) nicht rentabel, und bei den beiden letzteren muss man sagen, dass die eine nicht regelmäßig und die andere wegen Einsturzgefahr gar nicht mehr geöffnet ist. Die größere Kirche wirkt auch wirklich überdimensioniert, wenn man bedenkt, dass im 5km Umkreis der Kirche keine 500 Leute wohnen.
Zurück nach Stendal ging es über Uenglingen, was noch eine Feldsteinkirche zu bieten hat. Am Uenglinger Tor in Stendal vorbei, fuhren wir noch die zwei größten Kirchen Stendals an und besichtigten sie auch von Innen.
Dann ging es zum Stadion. Das Stadion am Hölzchen ist zwar keineswegs herausragend in der Architektur, da doch ein 2005er Neubau, aber es ist immerhin schön eng gebaut und wenn schon neu, dann wenigstens Schalensitze, wie es das Hölzchen vorm klotzigen Sanitärbau hat! Das Spiel der Verbandsliga - Abstiegskandidat gegen Spitzenreiter - ging erstaunlich spektakulär los. Vor allem Stendals Brasilianer legten sich gut ins Zeug. Abschluss war zwar mäßig, Technik und Laufpensum aber sehr gut. Für guten Abschluss sorgten aber auch die deutschen Stendalspieler nicht. Dafür sorgten nur die Gästespieler, die - weit weniger Feldanteile, deutlich weniger Chancen - glücklich zum 0:1 kamen, das ganz kurz vor der Pause durch einen der vier Brasilianer egalisiert wurde.
Nach der Pause war weiter der im hinteren Mittelfeld herum gurkende Altmarkverein Stendal überlegen, doch nach und nach erspielte sich Halle einige Chancen, die zu zwei Toren führten. Nach dem 1:3 setzte vermehrt das Auf-Zeit-Spielen ein, wobei sich besonders der Torwart dabei hervortat. Auch der Gästetrainer tat sich hervor, in dem er immer wieder grundlos über Stendaler Spieler motzte. Auch stark: der Betreuer, der den Ball nachdem dieser ins Aus ging, festhielt und sich weigerte, ihn einem Stendaler Spieler auszuhändigen.
Diese Szene gab es dann kurz nach dem 2:3 Anschlusstreffer.
Vom Spielniveau her - vor allem in der ersten Hälfte - war es wirklich erstaunlich gut. Halle 96 war gar nicht so schlecht - will auch sein, wenn man Tabellenführer ist - aber Lok war wirklich erstaunlich gut! Über das gesamte Spiel gesehen sogar besser, sodass man von einem sehr glücklichen Sieg der Gäste sprechen muss.
Auf den vorhin angesprochenen Schalensitzen fanden sich die meisten der knapp 500 Heimfans, alle der mindestens 20 Gästefans und auch wir beiden Neutrale ein. Unseren Platz hatten wir - nach Kosten der guten Buletten und Rostbratwürste - dann auf die Seite verlegt, wo wir die halleschen Fans beim Fahnenwedeln und Konfettiwerfen so wie zeitweiligem Anfeuern beobachten konnten und gleichzeitig mitbekamen, wenn der Heimfanblock gegenüber oder die Rentner in unserem Block Stimmung machten, was zumeist auf dem Niveau „ey der scheiß Schiri, der Penner!“ oder (zu einem 96-Spieler wegen deren Spielort Stadion am Zoo): „im Zoo wärst du ne Attraktion, du Affe!“ ablief. Ab und an skandierte man aber auch mal für die Mannschaft: „L-O-K!“ oder andere einfache Sprechchöre, die nicht mit denen der Hallenser mithalten konnten. Auf alle Fälle war aber mehr los, als bei den meisten anderen Verbandsligaspielen, die ich bisher erlebt habe.
Mehr los war auch nach dem Ende der Partei, aber man hätte den Gästen auch freundlicher nahe legen können, dass man nach einem so glücklichen Sieg nicht noch fünf Minuten feiern muss im fremden Stadion - eine Praxis, die umgekehrt von der Fanseite des VfL Halle kritisiert wird (Romonta-Spiel letzte Saison). Zurück nach Stendal: dass da zwei Zuschauer über die Absperrung stiegen und den Trainer sowie den Torwart bepöbelten und schubsten, muss nun nicht sein. Als der Zeitschinder von Torwart allerdings noch ins Publikum gestikulierte, mischte ich mich mal wieder pöbelnd in die allgemeine Streiterei ein. Man will ja nicht in den Verdacht kommen, von der Gastmannschaft zu sein.
Wir bewegten uns, nachdem die Ordner dazwischen gingen, um noch den Zug zu erreichen, zum Bahnhof. Auch auf der Rückfahrt nach Merseburg waren alle Züge pünktlich und nicht zu voll.
Als Abschluss sei hier erwähnt, dass es Beschwerden der Gästefans gab, dass sie nach Abpfiff bedroht bzw. belagert, aber jedenfalls knapp 30 Minuten an der Abreise gehindert worden seien. Wenn man sich aber das Niveau der Quelle www.halle96.d
e anschaut, mag man derlei Vorgänge - zumindest die Darstellung: Stendal 100% böse, Halle 100% anständig - in Zweifel ziehen.
Zitate aus dem Liveticker:
„Stendaler Publikum unter aller Sau. Vom Rentner bis zum Fan der Gegengerade. Niveau von nem trockenen Toast.“
Der Toastbrotkopf war wohl noch nie beim Fußball. Also nur, weil mal ein bisschen derber das Spielgeschehen kommentiert wird, muss man noch nicht so ein Theater machen.
„Schiedsrichter ist sowieso gekauft.“
Klingt zwar nach Ironie, ist aber anscheinend keine. Die Stendaler regten sich auch oft zu Unrecht über den Kerl auf, taten Hallenser wohl auch. Ein paar wenige fragwürdige Entscheidungen gab es ja - aber schlecht war der Schiri nicht!
„Stendals 6er wird ruppig... Noch 3 Minuten [...] Es wird heiß am Spielfeldrand... Der 6er dreht völlig frei...“
Das war emotionales Fußballspielen. Da scheint einer sonst nur zum Tischtennis zu gehen... Zumal der 96-Betreuer mit dem Sperren des Balles den Streit angezettelt hat!
„Ich mach das nich gern, aber das Publikum hier ist echt das Allerletzte“
Und ich mach das auch nicht gern, aber euer Liveticker ist das Allerletzte.

Statistik:
Ground Nr. 304 (neuer Ground; diese Saison: 74 neue)
Sportveranstaltung Nr. 796 (diese Saison: 163)
Tageskilometer: 415 (360 Zug, 55 Fahrrad)
Saisonkilometer: 23.520 (12.810 Auto/ 4.030 Bahn/ 3.820 Fahrrad/ 2.960 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 5
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 144

Fotos unter:
Sightseeing:
http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/BITTE%20HIER%20WEITER%20-%20FOTOS%20AB%2022-03-2009/090501a%20Altmark%20-%20Stendal_Uenglingen_Insel%20ua/
Spiel:
http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/BITTE%20HIER%20WEITER%20-%20FOTOS%20AB%2022-03-2009/090501b%20Lok%20Altmark%20Stendal%202-3%20VfL%20Halle%2096/

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