Sonntag, 24. Mai 2009

WE147IV: Abstiegsduell im Ilmtal: Zottelstedt gegen Bad Sulza

FSV Ilmtal Zottelstedt 3:2 SG Medizin Bad Sulza
Sonntag, 24. Mai 2009 - Anstoßzeit 15.00
Kreisliga Weimarer Land (9. Liga, 4. Amateurliga)
Ergebnis: 3:2 nach 95 Min. (47/48) - Halbzeit 2:0
Tore: 1-0 22. Minute, 2-0 32. Minute, 2-1 49. Minute, 3-1 62. Minute, 3-2 87. Minute
Verwarnungen: Zottelstedt 3, Bad Sulza 1
Platzverweise: keine
Sportplatz: Zottelstedt (Kap. 1.000)
Zuschauer: 120 (20 Gästefans)
Spielqualität: 5,0/10 (Durchschnitt)
Tagesunterhaltungswert: 7,0/10 (gut)

Mal wieder Hopping mit dem Hopperticket: für 6€ ging es die 46km nach Bad Sulza in Thüringen. Ohne Verspätungen oder sonstige Ärgernisse. Mit den Fahrrädern fuhren wir dann eine große Runde via Auerstedt, bekannt durch die Schlacht zwischen napoleonischen und preußischen Truppen Anfang des 19. Jahrhunderts, wo wir den Gutshof und die Kirche besichtigten, über Reisdorf, Neustedt, Gebstedt, Nirmsdorf, Willerstedt, Oberreißen, Pfiffelbach und Wersdorf - in einigen der Orte gibt es ganz ansehnliche aber meist verschlossene Dorfkirchen - nach Niederroßla, wo man auch mit dem Fahrrad so schnell wie mit dem Auto in den Ort brettern kann (55 km/h). Als wir das letzte Mal dort waren (allerdings mit dem Auto) hatten wir die Burg besichtigt, die sich jetzt in einem etwas besseren Zustand, aber immer noch (also somit seit 13 Monaten) in Renovierung befindet. Übersehen hatten wir damals die nach der Kirche dritte Sehenswürdigkeit: die Elefantenstatue. Was eine Elefantenstatue in einem thüringischen Dorf zu suchen hat? Wikipedia - was sonst? - gibt Aufschluss unter http://de.wikipedia.org/wiki/Miss_Baba_(Elefant)
„Miss Baba († 1857) war eine indische Elefantenkuh, die Mitte des 19. Jahrhunderts von einer Wandermenagerie im Besitz einer Familie Kreutzberg durch Mitteldeutschland getrieben und zur Schau gestellt wurde. ... Am 13. Februar 1857 kam die Menagerie nach Niederroßla an der Ilm, wo gastiert wurde und auch Vorführungen stattfanden. Der Elefant war während dieser Zeit im Stall einer Witwe Burckhardt untergebracht, in dem außerdem hinter einer Trennwand eine größere Menge Runkelrüben eingelagert war. In der Nacht zum 15. Februar drückte der Elefant unbemerkt die Trennwand ein und fraß die Rüben, die zu dieser Jahreszeit eiskalt bzw. gefroren waren. ... Der Elefant, der die kalten, zuckerhaltigen Rüben gefressen hatte, bekam Koliken und sein Gesundheitszustand verschlechterte sich zunehmend, so dass die Reise nicht zügig vonstatten gehen konnte. Unweit der Flurgrenze von Niederroßla brach der Elefant im Wagen zusammen, worauf der Wagen zu seiner Erleichterung abgebaut (Kreutzberg-Variante) oder vom Elefanten selbst zertrümmert wurde (Dorfbewohner-Variante). Zahlreiche Schaulustige fanden sich ein, darunter angetrunkene Mitglieder des örtlichen Gesangsvereins, die von einer Probe kamen und die den Elefanten geärgert und gepiesackt haben sollen. ... Nach dem Erscheinen von Mitgliedern des Gemeinderates kam ein weiterer Streitfall auf, denn sollte das Tier auf Niederroßlaer Flur verbleiben, sah die Rechtslage vor, dass die Gemeinde ihn auf Gemeinschaftskosten versorgen und pflegen musste. Sollte er verenden, musste der gewichtige Kadaver auf Gemeinschaftskosten beseitigt werden. Der Streit heizte die Menge weiter an, es kam zu Tumulten, in deren Verlauf der Gesangsverein das kranke Tier mit Stöcken und Stangen über die Grenze zu treiben versuchte. Auf der steiler werdenden Straße nach Wersdorf verendete der Elefant auf bislang umstrittene Weise, jedoch wenige Meter vor der Grenze.“
Alle 25 Jahre steigt in Niederroßla das Elefantenfest. Das letzte war 2007, das nächste somit 2032.

Danach ging es für uns nach Zottelstedt, wobei der Anstieg von Niederroßla heraus erst immer steiler wird, um dann in einem kräftigen Gefälle in den Ort Zottelstedt, der zur Stadt Apolda gehört, zu führen. In Zottelstedt guckten wir zuerst an der Kirche, dann am Seierturm (ein Uhrturm und ehemaliger Gerichtsort) und danach am Fußballplatz vorbei. Dort trafen wir dann einen Bekannten von meinem Vater. Dieser ist nicht nur Bibliotheksdirektor an der Jenaer Uni, sondern auch Präsident und Jugendübungsleiter des FSV Ilmtal Zottelstedt.
Von dessen Vereinsfreunden wurden wir auch gleich freundlich empfangen und auf die Frage, ob man die 2.Liga-Spielstände wüsste, wurde gleich mal der Teletext angeworfen.
Bald darauf ging auch das Spiel der Kreisliga los, in dem es für beide Mannschaften - Ilmtal Zottelstedt ebenso wie Medizin Bad Sulza - um alles ging. Wenn Zottelstedt verlieren würde, wären sie schon abgestiegen, bei Unentschieden so gut wie, aber bei einem Sieg wären sie bis auf 4 Punkte heran an Bad Sulza, die den ersten Nichtabstiegsplatz inne haben - und Zottelstedt mit einem Spiel in der Hinterhand. Zottelstedt stieg übrigens erst in der Vorsaison von der 1.Kreisklasse in die Kreisliga auf und spielt nach Auflösung ihrer A-Jugend mit fast ausschließlich 19- und 20jährigen.
Dass beide Mannschaften gegen den Abstieg kämpften, merkte man in den ersten 20 Minuten deshalb, weil das Spiel einfach nur schlecht war. Es gab ein paar Angriffe auf beiden Seiten, doch Bad Sulza semmelte immer Meter weit vorbei und Zottelstedt traf maximal die Latte. Nach 22 Minuten - ich hatte gerade leckere, extra-lange Bratwürste geholt - spielte dann ein Zottelstedter den Torwart aus und schob zum 1:0 ein. Stark gemacht! Zehn Minuten später wurde nachgelegt.
Nach der Pause - wir hatten uns mittlerweile noch mal Würstchen geholt, die Bundesligaendstände gesehen und kauften nun einen Schal des FSV Ilmtal Zottelstedt (ja, dieser Kreisligist verkauft Fanartikel! 10€ der Schal) - dann ein Weitschuss von Bad Sulza. Der Aufsetzer wird vom Torwart unterlaufen. 2:1.
Doch die Hausherren legen nach. Ein schöner Hammer aus geringer Entfernung unter die Latte. 3:1!
Kurz vor Schluss dann nur noch die Gastmannschaft am Drücker. Erwatungsgemäß fällt das 3:2. Es wird noch einmal eng und etwas härter. Aggressionen bleiben aber aus.
Ein verdienter 3:2-Sieg der Zottelstedter steht am Ende zu Buche. Vielleicht schaffen sie ja doch noch den Klassenerhalt! Den jungen Spielern wäre es genauso zu gönnen, wie den 120 Zuschauer, zumindest den rund 100 aus Zottelstedt, die auch erstaunlich jung (fast nur Freunde und Freundinnen der Spieler) waren. Aber die Stimmungskanonen waren wieder einmal die Rentner, die Schiedsrichterentscheidungen und andere Spielszenen kommentierten: „Na das kann doch wo nich sein, duuuuu! Wo wa denn das Abseits?!“
Weiter ging es nach dem Spiel via Wickerstedt, wo es einen sehr schönen Fußballplatz gibt (nächste Saison auf jeden Fall ein Ziel), nach Eberstedt. Dort gibt es zwar keinen Fußballplatz, aber im Nachbarort Niedertrebra wird gespielt (der Platz ist auch gut sichtbar von Eberstedt aus über die Ilm) und es gibt eine vor allem innen herausragende Kirche zu besichtigen. Diese ist regelmäßig geöffnet und weis mit dreistöckiger Empore, sehr schönem Altarraum und hoher Decke zu beeindrucken.
Schließlich kamen wir wieder in Bad Sulza an. Da noch genug Zeit war, fuhren wir noch die wenigen Kilometer bis Großheringen und stiegen dort in den überfüllten Zug ein.

Statistik:
Ground Nr. 315 (neuer Ground; diese Saison: 85 neue)
Sportveranstaltung Nr. 810 (diese Saison: 177)
Tageskilometer: 145 (55 Rad, 90 Bahn)
Saisonkilometer: 24.560 (12.810 Auto/ 4.400 Öffentliche Verkehrsmittel/ 4.390 Fahrrad/ 2.960 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 18
Anzahl der Wochen seit der letzten Woche ohne Sportveranstaltung (1.8.-6.8. 2006): 147

Fotos unter:
Dorfkirchen usw.

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