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Montag, 21. Juni 2010

W203I: Ein Samstag in Böhmen – Sportliche Kultur in drei Teilen

Teil I: Zur Eröffnung ein erwarteter Sieg von Arsenal

FK Arsenal Česká Lípa 3:1 SK Motorlet Praha
FC Arsenal Böhmisch Leipa – SC Motorlet Prag
Samstag, 19. Juni 2010 – Anstoß 10.30
Česká fotbalová liga (ČFL, 3. tschechische Fußballliga, 1. Halbprofiliga)
Ergebnis: 3:1 nach 92 Min. (46/46) – Halbzeit 2:0
Tore: 1:0 30. Zeman, 2:0 45. Štálík, 2:1 75. Hoareau, 3:1 89. Breite
Verwarnungen: keine
Platzverweise: keine
Spielort: Mĕstský Stadion u Ploučnice (Städtisches Stadion am [Fluss] Polzen; Kap. 5.000, davon 600 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 300 (davon ca. 10 Gästefans/ offiziell: 230)
Unterhaltungswert: 6,5/10 (In sehr guter erster Halbzeit noch flotter, als in ordentlicher zweiter HZ)
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Photos and English Version:
Arsenal Ceska Lipa vs Motorlet Prague

Die in der Größe mit Merseburg vergleichbare nordostböhmische Mittelstadt Česká Lípa erreichten wir drei nach nur drei Stunden Fahrt über mehr oder weniger gute deutsche Autobahnen und gute tschechische Landstraßen, die oft enorm kurvenreich waren. Selbst wenn man die Strecken mit 110 statt 90 fährt, ist es nur eine Frage von wenigen Minuten, bis man einen der eiligen Einheimischen dicht an der Stoßstange hat. Gefährdet war man aber an keiner Stelle und die beste Aktion kam auch von mir: ich halte an, da gerade ein Fahrzeug mit sperrigem Anhänger in ein Grundstück in einem Dorf kurz vor Česká Lípa reinrangiert, und vergesse – nachdem das Manöver beendet ist und ich weiter gewunken werde – dass ich noch im dritten Gang bin. Doch der Ford Kombi fährt tatsächlich – aufheulend und stotternd zwar, aber erfolgreich – im dritten Gang an. Mit der Motortechnik und -flexibilität von vor fünf bis zehn Jahren noch undenkbar.

Die enge Zufahrt zum Stadion endet auf einem kostenlosen Parkplatz, an dem ein freundlicher Mann kassiert, der von uns beiden Männern je 40 Kronen (wirklich niedrige 1,60€) und von Anja mit der Begründung „Frauen nix zahlen“ gar nichts verlangte. Die offizielle Zuschauerzahl wurde schon allein durch den Frauenanteil im Stadion zu niedrig. Uns erwartete nicht gerade ein Spitzenspiel im Stadtstadion, das mit 5.000 Plätzen recht groß für die Spielklasse ist und zum Teil renoviert wurde. Die Haupttribüne hat neue, in frischem blau und gelb gehaltene Metallsitze, unter einem sanierten Holz- und Metalldach. Auch die Stufen sind in hervorragendem Zustand, ebenso die Tartanbahn. Konträr dazu die rissige Gegentribüne mit dem komischen Spielertunnel, über dem sich eine Holzhütte von VIP-Tribüne befindet, und das Gebäude mit der Anzeigetafel und Stadionuhr (eines der raren 45-Minuten-Exemplare). Der Nebenplatz übrigens hat eine 100 Meter lange Wellblechüberdachung, die schlimmer aussieht, als am Busbahnhof.

Česká Lípa, die Arsenal – ob nun in Anlehnung an den Londoner Klub oder nicht, weiß ich nicht – benannten aus dem ehemaligen Böhmisch Leipa (Leipa ist jedoch nur eine verschliffene Form vom tschechischen Wort für Linde: die Linde (lípa) ist der Nationalbaum), belegten einen mäßigen 14. Platz, der immerhin den Klassenerhalt sicherte. Die Chance auf Platz 13 war noch vorhanden. Der Gegner Motorlet – ein Prager Klub, der selbst für tschechische Verhältnisse oft umbenannt wurde: 10x; aber sie sind schon seit 10 Jahren wieder (zuvor schon einmal 40 Jahre lang) nach dem Hersteller von Flugzeugantrieben benannt – war bereits in die Divize (4. Liga, 2. Halbprofiliga) abgestiegen.

Wen jetzt die Bezeichnungen mit den Halbprofiligen wundern, dem sei gesagt, dass zwar bei Wikipedia behauptet wird, alle Ligen ab ČFL seien; deutsche Version: „Amateurligen“ bzw. tschechische Version: „neprofesionální“ (Letzteres schließt ja mein „halbprofessionell“ nicht aus), aber man muss schließlich immer ein Zwischending zwischen dem reinen Profitum (Spieler verdient einzig mit Fußball Geld) und dem Amateursport (maximal Prämienzahlungen, die nicht für Lebensunterhalt ausreichen) ausmachen und während es ab der Krajský přebor nie Lizenzentzüge zu vermelden gab, trat dieses Problem eben bis in die 4. Liga hinunter immer wieder auf, da in der 3. und 4. Liga doch erhebliche Finanzmittel, die z. T. auch als Spielergehälter, die ein guter Zuverdienst, aber eben keine Lebensgrundlage sind, fließen. Außerdem ist auch das Vorhandensein ausländischer Spieler bis in die Divize – aber nicht darunter – ein klares Indiz für den nicht-amateurhaften Charakter dieser Spielklassen.
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Wie dem auch sei; ob Profis, Halbprofis oder Amateure: die Spieler beider Mannschaften, insbesondere jedoch der Heimmannschaft, legten gut los und belagerten Strafraum und Tor. Motorlet traf einmal aus Abseitsposition, was zu Recht aberkannt wurde. Manch ein Spieler der Heimmannschaft vergab mehrere sichere Torchancen hintereinander. Die Zweikämpfe waren stets fair und selten mit Fouls garniert. Die Geschwindigkeit war hoch. Es war also ein gutes Spiel, das nach einer halben Stunde auch die wichtigste Zutat liefern konnte: ein Tor. Der darauf folgende Torjubel der Heimmannschaft war natürlich genial: unter einfallsreichen Schlachtgesängen der 20 bis 30 aktiven Heimfans, die aber über weite Phasen des Spiels kaum anfeuerten, nahm der Torschütze den Ball und rollte ihn auf die neun dicht nebeneinander stehenden Mitspieler zu, die nach der Berührung mit dem Ball umfielen. Alle Neune!

Česká Lípa legte vor der Pause noch zum 2:0 nach. In der Pause wurde einiges verlost – unter anderem eine Dauerkarte aber auch Freibier und gratis Würste. Aber wie manche bei einem Vormittagsspiel schon fettige Klobasa futtern, die da für zum Eintritt unverhältnismäßig wirkende 1,60€ angeboten wurden?! Wir aßen da lieber die Baguettes vom Supermarkt... Nach der Pause ließ das Spiel etwas nach, doch schwach war es nie. Motorlet kam durch einen französischen Spieler auch mal endlich zu einem Torerfolg, doch weitere Chancen vergaben sie nur kläglich. In der Schlussphase erzielte Česká Lípa noch einen herrlichen Treffer zum 3:1. Mein Tipp kurz vor Anpfiff zum Spielausgang war mal wieder ein Volltreffer. Das erreichte Ziel Klassenerhalt (13. Platz) wurde von Arsenal-Fans und -Spielern mit Abklatschen und Kollektivjubel gefeiert.

Teil II: Eine der schönsten Burgen Tschechiens
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Photos and English Version:
BEZDEZ CASTLE AND HELFENBURK CASTLE

Wir fuhren weiter ins nahe Bezdĕz, wo sich auf dem Grat eines herrlichen Bergkegels, eine fantastische Burganlage breit macht. Der Parkplatz 700m unter der Burg kostete mit 1,60€ genauso viel wie der Burgeintritt für Studenten (sonst regulär 2,20€). Bei touristisch erschlossenen Burgen leider mittlerweile üblich. Der Fußweg (dem Pfeil rechts folgen!) führt spektakulär als Baum bestandener Aufstieg mit ausgewaschenen Steinen bis zum Haupttor. Daneben steht der Wachturm und eine ganz schmale Mauer mit Zinnen führt zur Hauptburg. Die kostet dann Eintritt, wofür man auch die schöne und hervorragend erhaltene Burgkirche, diverse andere Räume und den Hauptturm – in allen Gebäudeteilen findet man enorm gut erhaltene gotische Deckenmuster mit Schlusssteinen und kunstvollen Bögen – zu sehen bekommt. Der Rundblick vom Bergfried ist hervorragend!

Weiter ging es über Úštĕk, wo sich in der Nähe die Helfenburk in einer bewaldeten Schlucht – ja, in der Schlucht; ja, das ist eine komische Lage für eine Burg – befindet. Der Wanderweg ist mindestens 3,5km lang, was einfach zu zeitaufwendig war. Wir verschoben die Besichtigung und begnügten uns mit dem Blick von der einen Schluchtseite auf die Anlage. Im Oktober diesen Jahres sollte das nachgeholt werden.
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Teil 3: Erfolgreicher Saisonabschluss für den FK Chmel

TJ Střekov 2:5 FK Chmel Blšany
TV Schreckenstein – FC Hopfen Flöhau
Samstag, 19. Juni 2010 – Anstoß 17.00
Krajský přebor Ústecký kraj (Bezirksliga Aussig, 5. tschechische Fußballliga, 1. Amateurliga)
Ergebnis: 2:5 nach 90 Min. (46/44) – Halbzeit 2:2
Tore: 0:1 8. Brodecký, 1:1 18. Vošahlík, 1:2 23. Brodecký, 2:2 28. Novotný (Elfmeter), 2:3 60. Pavel Červenka, 2:4 76. Josef Nĕmec, 2:5 83. Josef Galbavý
Besondere Vorkommnisse: 80. Minute; Torwart von Střekov hält Foulelfmeter von Josef Nĕmec
Verwarnungen: Nr. 3, Nr. 14, Nr. 2 (TJS), Jan Klíma, Nr. 2, Nr. 4, Josef Galbavý, Nr. 11 (FKCB)
Platzverweise: keine
Spielort: Fotbalové hřiště TJ Střekov (Fußballplatz TV Schreckenstein; Kap. 1.080, davon 80 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 90 (davon 4 Gästefans, offiziell: 100)
Unterhaltungswert: 9,0/10 (Feinster Amateurfußball!)
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Photos and English Version:
TJ STREKOV vs FK CHMEL BLSANY

Der Sportplatz in Střekov, einem Stadtteil von Ústí nad Labem, ist eine der schönsten Sportanlagen, die ich je gesehen habe. Auch meiner nicht Groundhopping-erfahrenen Mitfahrerin gefiel der Platz sehr. Architektonisch zwar nicht der Bringer: eine Fernsehtribüne auf dem hohen Graswall der Gegenseite, auf drei Seiten Gärten direkt hinterm Platz und auf der vierten ein kleines Gebäude für Kabinen usw. vor dem sich auch eine zweireihige überdachte Tribüne mit Holzbänken befindet. Doch die landschaftliche Lage ist wunderschön: direkt an der Elbe, doch mehrere Meter höher am Berg gelegen, steile Berge hinter dem Graswall, spektakuläre Felsen, die zur Elbe hin abbrechen in direkter Nähe auf dem gegenüberliegenden Ufer. Alles dicht bewaldet. Und die Burgruine Střekov in Sichtweite. Fantastisch!

Das TJ (auch: Tj) steht für „Tělovýchovná jednota“, was „Turnverein“ bedeutet. Mehr weiß ich leider mangels zugänglicher Informationen nicht über den Klub. Die Hintergründe zu Blšany kann man problemlos in meinem Blog finden. Gespielt wurde eine Partie des Abschlussspieltages der am ehesten mit der Bezirks- oder Landesliga vergleichbaren Krajský přebor, die ich hier als höchste Amateurliga bezeichne (s. Teil I).

Das Hinspiel war das mit Abstand torärmste Spiel von Blšany in dieser Saison: sie gewannen – hoch verdient da klar überlegen – mit 1:0. Der Zufall wollte es, dass wir auch zum Rückspiel zugegen waren, nachdem wir bereits das Hinspiel sahen (Bericht hier!). Da FK Chmel derzeit völlig unberechenbar ist, gab ich zwei Tipps ab: 5-1 und 2-8. Ich erwartete jedenfalls richtigerweise ein überschreiten der ohnehin schon tollen durchschnittlichen Trefferzahl pro Partie, die in Spielen von Blšany bei fünf Toren pro Spiel liegt. Siege von 8:4 und 7:2, Niederlagen von 4:0 und 5:0, erst eine 0:5 Niederlage, dann nächste Woche ein 10:0 Sieg gegen eine Mannschaft, gegen die man im Hinspiel noch 2:1 verlor und andere unberechenbare Resultate ließen die Tabellensituation Střekov = 11. von 16 und Blšany = 3. alles andere als spielverlaufsrelevant aussehen. Der Staffelsieger SK Roudnice nad Labem (es steigt nur einer auf) ist längst enteilt, sodass Blšany höchsten einen starken zweiten Platz einholen kann.
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Das Spiel war von der ersten Minute an feinster Amateurfußball mit engagierten Zweikämpfen, guten Laufduellen, technischen Feinheiten bei Blšany, Fehlern auf beiden Seiten aber noch viel mehr Torgelegenheiten. Nach acht Minuten kam ein Volleyschussabpraller durch den Schreckensteiner Strafraum gesegelt und ein Gästespieler verwertete ihn. Der Ausgleich war nicht unverdient, aber Blšany reagierte rechtzeitig mit viel Druck und brachte schon nach weniger als einer halben Stunde den Ball zum zweiten Mal über die Linie. Ein ungeschicktes Einsteigen sorgte für einen Elfmeter für die Heimmannschaft, der souverän verwandelt wurde. Kurz vor der Pause noch ein Aufreger, da der eine Linienrichter nicht auf Ballhöhe war, dadurch das Abseits von Střekov übersah und dann – da der Ball nur vom wie immer souveränen Torwart Klíma knapp zur Ecke gelenkt wurde – den Unmut mehrerer FK Chmel-Spieler auf sich zog. Vor allem Klíma belappte die Nachtjacke an der Linie und bekam gelb.

Nach 46 Minuten 2:2. Nach der Pause kam dann der vierte Gästefan in unseren „Fanblock“. Der Altenberger, den wir schon mehrfach in Blšany getroffen hatten, bleibt dem Verein natürlich auch treu. Die Leute im Ort und der Umgebung, die zu dreistelligen Zahlen zu Heimspielen kommen, sind sicherlich nicht so arm, dass sie nicht nach Střekov fahren können, doch irgendwie waren wir vier die Einzigen, was lustig und erschreckend zu gleich war, dass es nur deutsche Gästefans gab. Wir konnten uns dann gemeinsam über drei weitere Tore von Blšany, von denen Galbavýs Schuss ins Dreieck das genialste seit langem war – Galbavý ist auch mit der beste Spieler beim FK Chmel – freuen und kamen in Aufregung beim verschossenen Elfmeter von Nĕmec und dem Chaos im Strafraum von Blšany kurz nach dem 2:4: da spielt der Klíma einen Gegenspieler und einen eigenen Mitspieler im eigenen Strafraum aus, verliert den Ball jedoch an der Grenze im spitzen Winkel zum Tor an einen anderen Gegenspieler, der in die Mitte flankt; auf der Linie abgewehrt, Nachschuss wehrt Klíma ab, nächster Nachschuss wird an die Strafraumgrenze hinaus geköpft und von da Volley an die Latte gesemmelt.

Ein wirklich geniales Spiel; Střekov mit einer guten Leistung und Blšany mit einem hervorragenden Spiel. Mal sehen wie die nächste Saison wird bei dem Spielerchaos, was dort oft herrscht. Die beiden einzigen verbliebenen Jugendteams erzielten zwar auf Bezirksebene gute Ergebnisse (2. bzw. 4. von 10), doch die U-12 und U-10 können natürlich noch keine Spieler abstellen. Die B-Mannschaft ist ja mittlerweile aufgelöst.

Die siegreiche Gästemannschaft feierte jedenfalls mit ihren deutschen Fans den Sieg und Siegl Senior, ein ehemaliger Nationalspieler der Tschechischen wie auch Tschechoslowakischen Republik, bat uns aufs Feld für ein paar Fotos mit der Mannschaft. Gut, dass der sympathische Mannschaftskapitän auch Deutsch kann, da die Tschechischkenntnisse von uns doch sehr begrenzt sind.

Zum Abschluss fuhren wir drei kurz zur Burgruine hoch, wo uns der mittlerweile zehnte oder fünfzehnte Tscheche darauf aufmerksam machte, dass unter der Stoßstange eine Kunststoffverkleidung herabhing, die wir reparieren lassen sollten. Da sind doch viele enorm hilfsbereit! Ein hervorragendes Essen bekamen wir dann noch im „Gasthof zur Linde“ geliefert: Putenschnitzel mit Spargel im Schinkenmantel und Käse überbacken, dazu Krautsalat und Knödel.
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Alles in Allem ein typischer Samstag in der Tschechischen Republik!

Statistik:
Ground Nr. 436 (zwei neue Grounds; diese Saison: 105 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.021 (diese Saison: 163)
Tageskilometer: 600 (Auto)
Saisonkilometer: 35.590 (22.580 Auto/ 6.000 Flugzeug/ 3.740 Fahrrad/ 3.270 Bus, Bahn, Tram/ weniger als 10 Schiff)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 15
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 203

Sonntag, 15. November 2009

WE172II: FK Litoměřice – FK SIAD Souš, FK ŘEZUZ Děčín – Sokol Brozany und HC Slovan Ústečtí Lvi – Hockey Club Tábor

FK Litoměřice 3:0 FK SIAD Souš
Samstag, 14. November 2009 - Anstoßzeit 10.15
Krajský přebor Ústéckeho kraje (5. Liga, 1. Amateurliga)
Ergebnis: 3:0 nach 91 Min. (45/46) - Halbzeit 0:0
Tore: 1:0 64. Nr. 7, 2:0 80. Nr. 7, 3:0 84. Nr. 10
Verwarnungen: Nr. 5 und 9 (FKL), Nr. 7, 8 und 10 (FKSS)/ Platzverweise: keine
Spielort: Stadion FK Litoměřice (Kap. 4.000, davon 3.000 überdachte Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 200 (davon ca. 10 Gästefans)
Unterhaltungswert: 3,0/10 (Dilettantisches Gekicke mit ein paar guten Torszenen und Treffern)
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Photos and English version: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157622810040076/

Der Tabellenletzte gegen den Tabellenneunten war die nächste Paarung in der Bezirksliga Aussig. Wir besichtigten allerdings erst einmal ein paar kleine Sehenswürdigkeiten auf dem Weg nach Litoměřice (früher Leitmeritz). Der erste Punkt war die Burg- und Schlossanlage Skalka in einem 100-Einwohner-Kaff namens Vlastislav, das man erreicht wenn man die Landstraße von Žatec nach Litoměřice kurz vor letzt genanntem Ort verlässt. Vorher sollte man das Elend in Břvany beachten, wo barocke Bürgerhäuser ebenso vergammeln wie ein riesiger Gutshof. Wenn es auch noch neblig ist, wirkt die Szenerie mit verfallenen Häusern und Autowracks am Straßenrand noch trister, als bei Sonnenschein. In Libčeves gibt es dann noch ein völlig verfallenes und nicht zur Besichtigung freigegebenes Schloss. Also zurück zu Vlastislav. Der erste Felskegel im Ort trägt ein paar minimale Mauerreste aus dem 14. Jhdt., der zweite immerhin einen sanierten Bergfried aus derselben Zeit und ein paar Grundmauern auf ungesicherten Felsen. Davor befindet sich das Barockschloss, was nicht regelmäßig zu besichtigen ist. Über enge Nebenstraßen fuhren wir nach Boreč, wo wir nur durch Zufall vorbei kamen. Dort verfällt ein Barockschloss mit schönem Arkadeninnenhof vor sich hin, der Tempel ist auch ganz interessant und ein echtes Highlight ist die Autosammlung von einem der Einwohner: Citroen „Ente“, zwei Londoner Doppelstockbusse und ein englisches Polizeiauto. Interessant ist es auch, wie schnell ein unangeleint herumlaufender Köter, von denen es in dem Wehrdorf Boreč viele gibt, sich verpisst, wenn man einen Stein aufhebt. Man braucht ihn nicht mal schmeißen… Schließlich guckten wir uns noch die Straßenzüge von Lovosice an, wo es neo-barocke und Gründerzeithäuser gibt. Und einen 1. Liga Handballverein, neben diversen unterklassigen Sportarten.

Der FK Lovosice spielt z.B. auch in dieser Krajský přebor Ústéckeho kraje, die wir dann zum zweiten Mal in zwei Tagen in Litoměřice sahen.
Das Spiel fand in einem sehr schönen, aber verkleinerten Stadion statt. Es steht nur noch die überdachte Tribüne mit tollen Kunststoffbänken – für die VIPs gibt es Holzbänke in von der Tribüne leicht abgesetzten Boxen – und ein kleiner Teil der Stehränge. Der Rest von denen überwuchert oder wurde schon abgerissen. Der hässliche Kaufland stört das Hintergrundbild, wenn man auf der Tribüne sitzt, und bietet auch viel Platz für Zaungäste, von denen sich auch acht dauerhaft positioniert hatten. Die anderen 200 Zuschauer waren das übliche tschechische Publikum auf solchen Plätzen – ein paar Schülerinnen und Schüler, ein paar jüngere Männer und Frauen und etliche Rentner sowie die lustigste Spezies: die mittel alten Männer mit verfilzten schulterlangen Haaren und dichtem Oberlippenbart. Bei 12-, 14-, 16- oder 17-Uhr Spielen trinken sie immer reichlich Pivo zu fettigen Klobasa, doch bei den legendären 10.15 Spielen gibt es immer kein Catering… Stimmung gibt es weder 10.15 noch 14 usw. Uhr. Nur vereinzelte Zurufe und Kommentare.

Dass der Tabellenletzte in orange spielte, war nicht zu merken, denn der blau gekleidete Mittelfeldtrupp aus Most – Souš ist ein Stadtteil des früheren Brüx – zeigte eine bemerkenswert schlechte Vorstellung. Man merkte, dass sie treffen wollten, doch wie sie vor den Ball traten, war eines Bezirksligisten wirklich nicht würdig. Absolutes Highlight: der Blindfisch, der 15 m mittig vorm Tor den Ball völlig überhetzt Volley nimmt und ihn 30 Meter neben das Tor semmelt. Da auch die paar guten Situationen entschärft wurde, stand es zur Pause 0:0.

In der zweiten Hälfte wurde das Spiel etwas besser. Jetzt kamen beide Mannschaften dem Tor gefährlicher nahe. Doch bis der Knoten platzte, brauchte es einen guten Spielzug, den die wieder einmal unangemessen agierenden Schiedsrichterassistenten nicht kaputt winken konnten. Der kam erst in der 64. Minute. Die endgültige Endscheidung fiel in der 80., wobei kurz darauf der Passgeber, der augenscheinlich höchstens 16 Jahre alt war, völlig sinnfrei ausgewechselt wurde (man hatte ihn erst in Hälfte zwei eingewechselt) und noch ein paar Minuten später, das 3:0 fiel. Also ein völlig überraschender Sieg für FK Litoměřice (FC Leitmeritz) gegen FK SIAD Souš, das den Firmennamen „Società Italiana Acetilene e Derivati“ im Vereinsnamen trägt und am besten mit FC „Italienische Gesellschaft für Acetylen und seine Derivate“ Tschausch (wobei der alte Ort Tschausch nur teilweise mit Souš übereinstimmt, da ein Großteil durch den Tagebau geschluckt wurde) wiedergibt. Aber die Langform des Firmennamens hat in keiner Tabelle und in keinem Ansetzungsheft platz…
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FK ŘEZUZ Děčín 3:5 Sokol Brozany
Samstag, 14. November 2009 - Anstoßzeit 14.00
Divize B (4. Liga, Halbprofi- und Amateurliga)
Ergebnis: 3:5 nach 92 Min. (45/47) - Halbzeit 2:2
Tore: 1:0 3. Nr. ?, 2:0 30. Nr. 2, 2:1 35. Nr. 5, 2:2 42. Nr. 6, 3:2 66. Nr. 4, 3:3 75. Nr. 10, 3:4 77. Nr. 5 (Foulelfmeter), 3:5 85. Nr. 6
Verwarnungen: Nr. 8 und 9 (Děčín), Nr. 7, 8 und 10 (Brozany)/ Platzverweise: keine
Spielort: Stadion FK ŘEZUZ Děčín (Kap. 1.500, davon 300 überdachte Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 100 (davon ca. 5 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Übelster Durchhänger in Hälfte zwei, aber ansonsten flott und torreich!)

Photos and English version: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157622810176294/

Wir besichtigten noch die Altstadt von Litoměřice, die wegen ihrer Geschlossenheit der barocken Bebauung und der schönen Hanglage wirklich sehenswert ist. Nachdem die Kirchen, Bürgerhäuser und monumentalen Prachtbauten wie die Stadtverwaltung und die Hauptpost auf uns gewirkt hatten, ging es zügig weiter nach Děčín. Die Tetschener Kreispolizei fand mich allerdings zu zügig in Benešov… Da gibt es schon so wenige Kontrollen (auf 1.000 Kilometer Landstraße haben wir bei den letzten Fahrten drei Polizeikontrollen gesehen, von denen zwei gut sichtbar waren, dass man halt mal innerorts von 70 auf 50 abgebremst hat), sodass man ohne Sorge wie die Einheimischen fahren kann, aber dann muss man ab und an doch mal Strafe zahlen. Es vergingen auch keine zwei Minuten, ehe von der mittelmäßig befahrenen Straße ein Tscheche wegen zu hoher Geschwindigkeit heraus gewunken wurde. Wenigstens weiß man bei den Kontrollen innerorts, dass man keine Kriminellen vor sich hat. Höchstens Korrupte, aber die werden auch immer weniger. Meist sind die tschechischen Polizisten sachlich und O.K. Aber auf einer einsamen Landstraße sollte man doch lieber durchfahren – zumindest niemals aussteigen!-, wenn Uniformierte mit einem Kleintransport in einem Waldweg stehen und einer die Kelle raus hält. So was ist nicht selten eine Falle, sodass man Geld oder gar das Auto an verkleidete Verbrecher los wird.

Hätte ich mich überall an die Geschwindigkeitsbeschränkungen gehalten, wären wir in Děčín um 14.20 angekommen. Hätte ich mich nur in Benešov zusammengerissen bzw. hätte da keiner unangekündigt (meist stehen ja freundlicherweise Schilder „POZOR RADAR“) kontrolliert, wären wir um 13.50 da gewesen. So kamen wir um 13.05 an den schönen weißen Torbogen. Ob das Stadion mal größer war? Die geschwungene Einfassung vor der kleinen Tribüne, die mit Straßenbahnsitzen, Wellblech und hinter einer Holztäfelung sogar mit VIP-Sitzen (also gepolsterte Holzklappsitze) eine der schönste Tribünen, die ich je gesehen habe, ist, macht jedenfalls diesen Eindruck. Ganz lustig sind auch die beiden kleinen Stehtribünen aus Stahl und Metall. Alle Tribünen und Stehplätze waren heute schlecht ausgelastet. Sonst kommen auch mal drei- oder fünfmal so viele Zuschauer, aber gegen Brozany wollten nur 100 Leute zusehen, von denen einige genauso wie wir noch nicht im Stadion waren, als das 1:0 fiel. Egal, erstmal scharf gewürzte, hervorragende Klobasa – deutsche Stadionwurst ist echt nur Schund dagegen – gegessen, dann auf die oben beschriebene Tribüne gesetzt.

Nach dem 1:0 für ŘEZUZ Děčín, die sicherlich nicht nach den ähnlich heißenden Affen benannt wurden, spielte allerdings fast nur Brozany, die jedoch sehr wohl nach Tieren – nämlich Sokol, also Falke – benannt wurden, aufs Tor. Trotzdem traf Děčín erneut, ehe in den letzten 10 Minuten vor der Pause, Sokol zweimal traf. Einmal auch durch den besten der drei Schwarzafrikaner, deren Anhänger übrigens den Ausländeranteil bei den Gästefans auf 60% brachten.

Nach der Pause hatte das Spiel einen schlimmen Durchhänger, den Děčín allerdings mit einem Treffer durchbrach, ehe Brozany noch einmal aufdrehte, ausglich, stärker drückte, einen Elfmeter zugesprochen bekam, diesen verwandelte und schließlich noch einen Konterversuch geschickt unterband, was dann zum 3:5 führte.
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HC Ústečtí Lvi 3:2 Hockey Club Tábor
Samstag, 14. November 2009 - Anbully 18.00
1. Liga (2. Liga, Profi- und Halbprofiliga)
Ergebnis: 3:2 nach 60 Min. – Drittelstände: 1:1, 0:1, 2:0
Tore: 1-0 9:24 Šagát, 1-1 19:34 Nederost, 1-2 21:58 Červený, 2-2 47:20 Sklenička, 3-2 52:22 Heřman
Strafminuten: 14 zu 24 (darunter 10 Minuten für Tábors Štrba)
Spielort: Zimní Stadion Ústí nad Labem (Zlatopramen Arena; 6.500, davon 6.000 Sitzplätze)
Zuschauer: 2.260 (keine Gästefans)
Unterhaltungswert: 2,5/10 (Schlechtestes Eishockeyspiel, was ich in der Tschechischen Republik je gesehen habe)

Photos and English version: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157622810328050/

Nachdem wir das spektakulär auf einem Felsen über der Elbe thronende Tetschener Schloss im Innenhof besichtigt hatten, fuhren wir nach Ústí nad Labem weiter. Dort suchten wir eine Weile nach der Eishalle, in der sich dann über 2.000 Leute beim Eishockey verlustierten. Zum zweiten Mal sah ich die zweite Liga, doch während ich vom ersten Spiel dieser Liga sehr angetan war und Chomutov wie Brno hohe Spielqualität anrechnen konnte, kann ich Ústí und Tábor nichts anrechnen. War zwar ein enges und ausgeglichenes Spiel, aber nicht spannend, da es aufgrund enorm vieler Fehler und langsamer Spielweise einfach nur langweilig war. Das war nicht viel besser, als das unbedarfte Puckschubsen der Saalebulls Halle. Also für die tschechischen Verhältnisse war das Spiel vom Abschluss vorm Tor übers Powerplay bis zum Zweikampfverhalten einfach große Scheiße! Dass der Tabellenführer da gespielt hat, war kaum zu glauben, denn Tábor als 11. von 16 war nicht viel schlechter. Kein Wunder also, dass der Aufsteiger in die höchste Spielklasse, die Extraliga, oft gleich wieder absteigt.

Das Eishockeyspiel war der unerwartete Tiefpunkt der Fahrt – wenn man mal von der teuren Ortsdurchfahrt absieht – die ohnehin nicht so der Knaller war. Die meisten Touren nach CZ waren vom Sightseeing her besser, als diese. Wenigstens waren die Stadien cool und zwei der drei Fußballspiele gut. Dass Blšany gewonnen hatte, war mit das Wichtigste, aber die Qualität der Burgbesichtigungen ließ doch sehr zu wünschen übrig. Ganz zu schweigen, wie gesagt, die Qualität des Eishockeys.
Nun ja. Die letzte Auslandsfahrt 2009 soll am 29.12. stattfinden. Ein Tagesausflug zum Eishockey nach Litvínov – da war’s immer wenigstens halbwegs gut, teilweise sogar absolut genial! – der mit ein paar Burgen garniert wird, die eigentlich recht sehenswert sein sollen.

Photos and English version Sightseeing: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157622685540111/
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Statistik:
Ground Nr. 373-375 (drei neue Grounds; diese Saison: 44 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 918-920 (diese Saison: 62)
Tageskilometer: 400 (Auto)
Saisonkilometer: 13.420 (11.620 Auto/ 1.410 Fahrrad/ 390 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 40
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 172

WE172I: Das mit Abstand torärmste Spiel der Hopfenkicker

FK Chmel Blšany 1:0 TJ Střekov
Freitag, 13. November 2009 - Anstoßzeit 19.00
Krajský přebor Ústéckeho kraje (5. Liga, 1. Amateurliga)
Ergebnis: 1:0 nach 92 Min. (45/47) - Halbzeit 0:0
Tor: 1:0 70. Galbavý
Verwarnungen: Gruber, Lancz (Blšany), Jouza, Vosyka (Střekov)/ Platzverweise: keine
Spielort: Stadion FK Chmel Blšany (Kap. 3.000, davon 2.300 Sitzplätze)
Zuschauer: 148 (davon ca. 30 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gut und spannend obwohl einseitig)
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Photos and English version: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157622809587132/

Ein Freitagnachmittag in der Bierstadt Žatec: in die flüssig fließenden Autoschlangen reiht sich auch ein schwarzer Ford-Kombi mit deutschem Mietwagenkennzeichen ein. Wie immer, wenn der Fahrer im früheren Saaz ist, stellt er sich vors Hotel „u Hada“. Diesmal bekommen die zwei Insassen Gesellschaft von einem alten Herrn aus Vejprty, der einfach Mal mit deutschen Gästen reden will und den Merseburgern von seiner Zeit in der deutschen Schule und Auto- und Schwerindustrie erzählt und auch bald auf den FK Chmel Blšany zu sprechen kommt, wo sein Enkel gespielt hat und er auch mit dem verstorbenen Präsidenten und Mäzen Chvalovský bekannt war.

Unser tschechischer Verein hat es dank diverser einflussreicher Leute, die ein Problem mit dem Verein oder auch bestimmten Personen des Clubs haben, mittlerweile bis in die höchste Amateurliga zurückgeschafft – über die beiden Profiligen Gambrinus Liga (sportlicher Abstieg) und Druhá Liga (Lizenzentzug) und die beiden semi-professionellen Ligen ČFL (sportlicher Abstieg – auch durch Benachteiligungen) und Divize (unbegründeter Punktabzug, der an den Betrug an Stahl Eisenhüttenstadt in der DDR erinnert). Man muss also nur noch vier Zwangsrelegationen verhängen – nach dieser Saison müsste man Blšany auffällig viele Punkte abziehen (und nicht nur drei Punkte nach dem vorletzten Spieltag wie letzte Saison) – damit Blšany wieder in der untersten Spielklasse (III.třída) ankommt, von wo aus sie ihre Erfolgsgeschichte mit jungen tschechischen Spielern (aus der Umgebung oder dem nahen Prag) und der Unterstützung eines ortsansässigen Sponsors starteten, wobei diese zwar gerne kritisiert wird, aber leider ein generelles Problem des Profisports ist und in der Tschechischen Republik bei keinem Verein, nicht einmal dem St.Pauli-Pendant Bohemians 1905, anders: der Hauptsponsor hat sehr viel Macht, sodass man die ganzen tschechischen „Fotbal a.s.“-Dinger, die auch alle schon x-mal umbenannt wurden, ganz gut mit z.B. dem VW-Engagement beim VfL Wolfsburg vergleichen kann - „nur“ mit dem Unterschied, dass z.B. Blšany in allen 10 Jahren Gambrinus Liga nicht annähernd den Etat Wolfsburgs von einer einzigen Bundesligasaison hatte, von dem selbst Sparta oder Slavia auch nur träumen können. Während ukrainische und russische Klubs schon wie Hoffenheim von einem Superreichen gehalten werden, ist man in unserem Nachbarland zum Glück noch nicht so weit gegangen.
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In der Gegenwart sieht es so aus, dass die Jugendarbeit teilweise unter den undurchsichtigen Machenschaften der Verbände gelitten hat (nur die U-10 erzielt gute Ergebnisse, es gibt auffällig weniger Teams als vor vier Jahren und weniger Anteile an Spielgemeinschaften mit Žatec), Zuschauer kommen fast nur noch aus dem Dorf selber (meist nur etwas über 100 aller Altersklassen), aber Blšanys Ergebnisse in der Krajský přebor sind teilweise wirklich genial: am vorigen Wochenende verloren sie 2:1 in Proboštov, was das torärmste Spiel war, während ein 8:4 Sieg gegen SIAD Souš das torreichste war. Ein Spieltag vor Ende der Halbserie, d.h. mit 14 absolvierten Partien, steht Blšany mit 22 Punkten auf Platz 5 und hat ganze 44:28 Tore, was einen Toreschnitt von 5,14 Toren pro Spiel bedeutet.

Nachdem wir im Motorest gegessen hatten und etwas über das weitläufige Gelände liefen um das illuminierte Stadion vom Hügel aus zu fotografieren, zahlten wir die 1,20€ teuren Karten, bekamen von Sportdirektor Trnka eine Kopie des Spielberichtsbogen zugesteckt und setzten uns in eine der vorderen Reihen. Bald bekamen die Zuschauer auch ein flottes Spiel zwischen FK Chmel Blšany (FC Hopfen Flöhau) und TJ Střekov (TV Schreckenstein) geboten, was schnell als extrem einseitig zu charakterisieren war. Střekov war auch nur 13. von 16, also knapp vor einem Abstiegsplatz, aber nur sechs Punkte hinter dem FK Chmel, doch so einseitig hätte das Spiel nicht sein müssen. Die Schreckensteiner mauerten nur und versagten dann bei ihren wenigen Konterversuchen meist schon am Strafraum. Blšany Torwart Klíma veralberte auch immer wieder die Gästespieler aus dem Vorort von Ústí nad Labem, in dem er die Bälle aufreizend lange am Fuß hielt und dann unter Rumkaspern an einen Teamkameraden weitergab. Leider war Blšany im Sturm eine Katastrophe – vor allem Čižek spielte großen Mist: er verschoss sogar einen Elfmeter kläglichst – sodass es lange 0:0 stand. Dann erzielte Galbavý in der 65. endlich einen Treffer, doch der Linienrichter hatte etwas dagegen – will ja mal keine Verdächtigungen anbringen, aber der junge Mann grüßte vorm Spiel Gästefans auf der Tribüne… – was völlig an den Haaren herbeigezogen war. Fünf Minuten später wusste der Linienrichter keinen Grund zum Aberkennen des goldenen Tores des Abends, was nicht nur völlig und absolut und total verdient war, sondern auch von demselben Spieler, dem zuvor das Tor geklaut wurde, erzielt wurde. Auch nach dem 1:0 kam der Gast von der Elbe kaum über die eigene Hälfte hinaus, wobei sie in der Schlussminute ihre gefährlichste Chance – ein Meter am Tor vorbei geschossen – vergaben. Selten so eine miese Chancenverwertung gesehen, wie die der Flöhauer Hopfenkicker, wobei teilweise auch Pech, wie bei den Lattentreffern dabei war. 5:0 wäre eigentlich das Mindeste gewesen. Aber egal – Hauptsache wieder ein Sieg!
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Statistik:
Ground Nr. 372 (kein neuer Ground; diese Saison: 41 neue)
Sportveranstaltung Nr. 917 (diese Saison: 59)
Tageskilometer: 300 (Auto)
Saisonkilometer: 13.020 (11.220 Auto/ 1.410 Fahrrad/ 390 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 38
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 172