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Dienstag, 3. Juni 2014

W409III-IV: Von den üblichen Planungspannen und Schiebereien in Tschechien, sowie dem langsam verfallenden Chemnitzer Sportforum

Chemnitzer Fußball Club II ......................................... 1
FC Carl Zeiss Jena II .................................................... 0
- Datum: Sonntag, 1. Juni 2014 – Anstoß: 14.00
- Wettbewerb: NOFV-Oberliga Nordost-Süd (5. Liga, 2. Halbprofiliga)
- Ergebnis: 1-0 nach 92 Min. (45/47) – Halbzeit: 0-0
- Tor: 1-0 46. Tim Hunger
- Verwarnungen: Felix Engert (CFC II); Tim Cellarius (FC CZ II)
- Platzverweise: Jenas Andre Schmidt (83. wg. grobem Foulspiel)
- Spielort: Stadion im Sportforum Chemnitz (Kap. 19.220, davon 9.220 Sitzplätze, davon freigegeben: 3.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 100 (davon 75 zahlende und keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Viel Bewegung, etliche Torszenen – aber auch einiger Leerlauf)

BSC Rapid Chemnitz II ................................................ 1
TSV Industrieverband Fahrzeugbau Chemnitz ......... 1
- Datum: Sonntag, 1. Juni 2014 – Anstoß: 10.30
- Wettbewerb: Kreisoberliga Chemnitz (8. Liga, 3. Amateurliga)
- Ergebnis: 1-1 nach 92 Min. (45/47) – Halbzeit: 0-0
- Tore: 0-1 60. Francesco Karnapp, 1-1 89. Philipp Koch
- Vergebener Elfmeter: IFAs Patrick Weiß schießt Foulelfmeter an die Latte (30. Min.)
- Verwarnungen: Felix Schneider, Philipp Koch (Rapid II); Rony Seeliger (IFA)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Sportanlage Irkutsker Straße, Platz 3/ Rasennebenplatz (Kap. 720, davon 20 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 90 (davon 60 zahlende und ca. 30 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 8,0/10 (Hervorragendes Spiel, das allerdings vom Gast dominiert wurde, weswegen das Resultat sehr ungerecht war)

Tělovýchovná Jednota Krupka .................................... 2
FK Chmel Blšany ........................................................... 1
- Datum: Samstag, 31. Mai 2014 – Anstoß: 17.00
- Wettbewerb: Krajský přebor Ústecký kraj (5. tschechische Liga, 1. Amateurliga; Bezirksliga Aussig/ Elbe)
- Ergebnis: 2-1 nach 90 Min. (45/45) – Halbzeit: 0-1
- Tore: 0-1 28. Lukáš Prückner, 1-1 60. Domenik Valenta, 2-1 86. Domenik Valenta („Foul”elfmeter)
- Vergebener Elfmeter: Blšanys Milan Matějka wehrt „Foul”elfmeter von Krupkas Nr. 10 ab (50. Min.)
- Verwarnungen: Domenik Valenta, Nr. 13 (Krupka); 2x Lukáš Prückner, Milan Matějka, Nr. 3, 4, 10, 16, 17 (Blšany)
- Platzverweise: Blšanys Lukáš Prückner (85. Min. Gelb-Rot; angebliches Foul + Unsportliches Verhalten)
- Spielort: Městský stadion Krupka, Städtisches Stadion Graupen (Kap. 6.700, davon 1.700 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 80 (davon 70 Zahlende und ca. 5 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Eigentlich ein gutes Spiel, v.a. in Hälfte zwei – FK Chmel aber leider völlig in die Defensive gedrängt und dann auch noch benachteiligt)

1. Fotbalový Club Dubí ................................................. 1
TJ Sokol Domoušice ...................................................... 3
- Datum: Samstag, 31. Mai 2014 – Anstoß: 15.00
- Wettbewerb: I.A třída Ústecký kraj – skupina B (6. tschechische Liga, 2. Amateurliga; Bezirksklasse Aussig/ Elbe, Gruppe B)
- Ergebnis: 1-3 nach 97 Min. (46/51) – Halbzeit: 1-1
- Tore: 1-0 9. (11), 1-1 34. (Nr. 8), 1-2 73. (Nr. 11), 1-3 93. (Nr. 8)
- Verwarnungen: Nr. 2, 3, 5, 10, 11, 13 (Dubí); 2x Nr. 10, Nr. 2, 5 (Domoušice)
- Platzverweise: Nr. 10 von Domoušice (85. Min. wg. Foul + Meckern)
- Spielort: Stadion SK Dubí, Rudolfová hut’ (Kap. 1.200, davon 500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 50 (davon ca. 4 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Technisch sehr gutes Spiel mit etlichen tollen Torszenen)

Starší žačky turnaj narodní hazené v Chomutové (U17-Mädchen-Turnier im Cesky Hazena in Komutau)
- Datum: Samstag, 31. Mai 2014 – Beginn: 8.00
- Wettbewerb: Krajsky přebor starší žačky Ustecky kraj (1. Spielklasse im Bereich der weiblichen Jugend)
- Ergebnisse: SK NH Louka 9:15 SK Chomutov NH, Baník Most NH A 12:8 TJ Šroubárna Žatec, KNH Litvínov 11:1 Baník Most NH B, TJ Šroubárna Žatec 15:12 SK Chomutov, Baník Most NH A 15:9 SK HN Louka, Spiele 6-10 unklar
- Strafen: keine?
- Spielort: Hřiště Cihlářská, Sportplatz Ziegeleistraße (Chomutov, Kap. 600, davon 500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 5 bis 10
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Weitestgehend unterhaltsame Spiele in einer interessanten Sportart)  
Photos with English Commentary:
a) Only in Czech Republic: Bohemian Handball; U17 Girls’ Division of Ustí District, Tournament in Chomutov with SK Chomutov, Baník Most etc.
b) Czech Amateur Football, 2nd Division: 1. FC Ustí lost to TJ Sokol Domousice
c) Czech Amateur Football, 1st Division: TJ Krupka defeat FK Chmel Blsany
d) Teplice Region: Krupka Castle Ruins, Osek Castle Ruin, Bílina Old Town, and Doubravka Castle 
e) German Amateur Football, Chemnitz Region: Rapid Reserves draw with TSV IFA
f) German 5th League, NOFV Oberliga: Chemnitzer FC Reserves v Carl Zeiss Jena Reserves

Es geht in Richtung Sommer und somit auch Saisonende – und deshalb wollten wir die Gelegenheit nutzen, die dieses Wochenende bot, um mal wieder nach Tschechien zu fahren. Die Tschechische Republik ist zusammen mit Marokko das Land, in dem ich nach Deutschland die meisten Sportveranstaltungen gesehen habe. Die erste Sportveranstaltung, die wir heute sehen wollten, erfreut sich auch in Marokko großer Beliebtheit – doch da sie in Tschechien völlig idiotisch organisiert wird, landeten wir bei einer anderen Veranstaltung, die es weder in Marokko noch in Deutschland, sondern einfach nur in Tschechien gibt…

Punkt 8 Uhr standen wir auf dem von Plattenbauten und Bäumen umrahmten Kleinstadion in der Ulica Cihlářská in Chomutov: die fünfreihige Tribüne mit ihren maroden Holzbänken wie leergefegt, vorm Sportlerheim lungern ein paar Erwachsene herum und auf dem Tartanbelag sind die Handballtore (die v.a. für Futsal bzw. Fünf-gegen-Fünf-Fußball – also das, was wir hier eigentlich sehen wollten – genutzt werden) zur Seite gestellt und die charakteristischen, nur 1,90m breiten aber 2,10m hohen Tore für Narodní hazená, einer tschechischen Handballvariante die aus den Turnerspielen hervorging, aufgestellt.

Wo und wann und ob überhaupt dieses 5-vs-5 Turnier dieser beschissenen Chomutover Futsal-Liga stattfand, weiß ich nicht. Dort, wo und wann es angesetzt war, definitiv nicht… Denn in der beschaulichen Sportanlage spielten die U15-Mädchen des Bezirks Usti böhmischen Handball. Im Männerbereich ist das Spiel natürlich attraktiver – wie ich schon zwei Mal in den letzten Jahren verfolgen konnte – aber auch hier waren die Wurf- und Passtechnik sowie die Treffer schön anzusehen und nicht zuletzt auch wieder die Vielseitigkeit der Spielfläche faszinierend; drei Spiele dieser Sportart habe ich gesehen – eines auf Kunstrasen, eines auf Beton (!) und dieses jetzt auf Tartan…

Also eigentlich war es ja kein Spiel, sondern ein Turnier, bei dem es um Punkte für die Meisterschaft ging und jedes der sechs teilnehmenden Teams zwei bis drei Spiele absolvierte, die jeweils 2x15 Minuten dauerten und von einem kompetent wirkenden Referee geleitet wurden.

Das erste Spiel fand zwischen SK NH Louka und dem SK Chomutov NH statt. Der Gastgeber lag stets in Führung, doch zog erst nach der Pause weg und konnte somit mit 9:15 gewinnen. Baník Most NH A besiegte dann TJ Šroubárna Žatec 12:8, wobei das Duell hätte deutlicher ausfallen müssen, da Most völlig überlegen war und nur nach dem Seitenwechsel den Sarzern viele Räume ließ, sodass sie noch auf vier Treffer Rückstand aufholen konnten. Danach fegte KNH Litvínov Baník Most B mit 11:1 von der Platte – das Ergebnis sagt ja wohl alles über die Einseitigkeit dieses Spiels aus... Spiel Nr. 4 bestritten Žatec und SK Chomutov – es sollte das beste sein, das wir sahen, denn die Partie war eng und lange offen. Sarz gewann am Ende mit 15:12. Nach der fünften Partie gingen wir, da es dort eine Pause gab. In dieser Begegnung sahen wir einen weiteren überzeugenden Sieg der Mannschaft von Baník Most A, diesmal ein 15:9 gegen Louka. Bei den unterlegenen musste man sich v.a. über die Verteidung wundern, wo ein Mädchen um die 14 bei 1,50m mit vllt. 40kg die Jüngste auf dem Platz (9? 1m? 30kg?) klar überragte und richtig schwach gegen die etwa gleichalte und gleichgroße, aber locker 80kg wiegende dritte Verteidigerin aussah: also gut, dass die beiden nie zusammenprallten...  
Wir verließen das ganz ansehnliche Turnier nach dem fünften Spiel, gingen in Most Mittagessen und schauten uns kurz entschlossen die Altstadt von Bílina (sieht wie überall in Böhmen aus…) an und fuhren zur interessanten Burg von Teplice, Doubravka, hoch. Hrad Doubravka steht auf mittelalterlichen Mauern, ist aber eine wilde historistische Mischung aus Schloss und Burg mit teils ruinösen Mauern und teils bewohnbaren Palas-Trakten und Wohntürmen.

In Dubí gab es mal wieder das übliche Ansetzungschaos: gestern Nacht fiel den Gehirnamputierten mal ein, das Spiel vom Sportplatz des 1. FC in das Stadion von SK zu verlegen. Dass die Anlage, die auch als Rudolfova hut‘ (Rudolfshütte) bekannt ist, sehr viel sehenswerter ist als die FC-Baude, ist purer Zufall. Solche kurzfristigen Verlegungen haben es ja meist an sich, dass sie vom attraktiven Hauptplatz auf den beschissenen Nebenplatz versetzt werden…

Hier war es aber ganz anders. Bei freiem Eintritt ging es durch den verbauten Eingang, rechter Hand das Sportlerheim mit Terrasse, linker Hand die Tribüne mit vier bis sechs Reihen Holzbänke und Wellblechüberdachung über die eine Hälfte. Die anderen Seiten sind zwar ausbautenlos, aber hinter dem Tor steht eine schicke Villa und die Gegenseite ist mit einer auffälligen Betonmauer die noch ein sozialistischer Spruch ziert, begrenzt. Sogar die Nachbarschaft des Stadions ist besser als jene um den FC-Platz herum: die meisten Roma von Dubí wohnen nämlich um den Sportplatz herum in den übelsten Altbauten, während die Nachbarschaft vom SK-Stadion doch eher Mittelschicht ist.

Technisch bewegte sich das Sechsligaspiel auf sehr gutem Niveau. Das Spiel wurde engagiert geführt, doch der kleinliche Schiri warf mit Karten um sich, die fast alle für Meckern verteilt wurden. Es gab auch tolle Torszenen, insbesondere Domoušice vergab mehrere Chancen in der Anfangsphase, doch Dubí konterte sie zum 1:0 aus. Erst kurz vor der Pause erzielte Domoušice auf gleiche Art den Ausgleich.

Im Laufe der zweiten Halbzeit sah die sehr gleichwertige Partie dann mit einem der vielen guten Angriffe die Gästeführung. In der Nachspielzeit zeigte der Gästeschlussmann erstmal drei Glanzparaden und dann setzte sein Team noch mit dem zweiten Konter der Nachspielzeit einen drauf zum 1:3 Endstand.  
Zum Anstoß schafften wir es ins benachbarte Krupka. Im Städtischen Stadion hatten wir bereits ein Spiel gesehen, doch heute sollte es noch interessanter werden als in der letzten Saison bei diesem Jugendspiel, denn der Tabellenführer Krupka spielte gegen den Fünften aus Blšany!

TJ Krupka will wohl unbedingt aufsteigen – zumindest haben sie dem Schiedsrichtergespann wohl einen Teil der Aufstiegsprämie zugesichert. Der Spast an der Pfeife verwarnte fast jeden Spieler von Blšany – bis auf zwei Mal unberechtigt. Krupka spielte druckvoll, aber erfolglos und unansehnlich. Blšany stellte sich nur hinten rein, traf dann aber durch ihren besten Mann Prückner mit einem ins lange Eck gesetzten Konter zum 0:1.

Nach der Pause das gleiche Bild, also musste bei so viel Unfähigkeit der Graupner die schwarze (oder viel mehr heute: blaue) Sau nachhelfen. Ein Krupka-Stürmer lässt sich über den FK Chmel-Torwart fallen, dieser sieht Gelb und wehrt den Elfmeter ab! Einige Minuten später fiel jedoch im sechsten Nachschuss mit wildem Gestocher aus 50cm Entfernung der natürlich verdiente Ausgleich. In der Schlussphase ging es hoch her: noch eine Schwalbe, noch ein Elfmeter, Prückner schieß den Ball vom Punkt in die andere Richtung, gelb-rot, einige Schimpfworte fallen… diesmal wurde der Elfer halbhoch direkt neben den Pfosten zum 2:1 eingenetzt. Das war der billiger Siegtreffer wobei nicht mal eine Minute nachgespielt wurde, obwohl aufgrund mehrerer Verletzungspausen und zweier Elfmeter selbst fünf Minuten noch knapp bemessen gewesen wären.  
Nach dem Spiel fuhren wir in die Innenstadt, die sich als Straßendorf den Berg hochzieht und von einer Burgruine überragt wird. Auch mehrere Kirchen und Villen sowie der Blick nach Teplice machen etwas daher.

Die Burgruine Kyšperk (Geiersberg) liegt einige Kilometer außerhalb Krupkas auf einem Bergkamm im Wald. Die Mauerreste sind recht ansehnlich und die Landschaft sehr schön – allerdings sieht man durch den Baumbestand nicht sonderlich weit.

Ich hatte noch am Vortag für ein Autocamp am See von Pišt‘any reserviert, doch das Dreckteil hatte schon zu, obwohl noch fast eine Stunde lang Eincheckzeit war und keiner zu erreichen. Wo sonst ist Service so beschissen und unbekannt wie in CZ?! Wir fuhren einfach weiter und kamen im Motorest Velemin zusammen für 30€ in einem richtig guten Zimmer unter. ******-******-******-******-******-******-******  
Nach Chemnitz kamen wir am nächsten Morgen zügig und ohne Probleme. Dort steuerten wir die Sportanlage in der Irkutsker Straße an, wo natürlich nicht wie angesetzt auf dem Hauptplatz gekickt wurde, sondern auf dem Nebenplatz, der allerdings trotz geringerem Ausbau eher sehenswerter als der sterile Hauptplatz mit kleiner Betontribüne ist. Der Rasenplatz 3 ist auf einer Seite völlig offen zum Hartplatz und dem Hauptstadion hin, ansonsten von Bäumen umgeben. Auf zwei Seiten Graswall, auf dem getreppten Graswall der Längsseite zwischen zwei Bäumen eine kleine Tribüne aus Wellblechüberdachung und zwei Holzbänken.

Der Gast vom TSV Industrieverband Fahrzeugbau (IFA) Chemnitz ist noch hinter Post Chemnitz an der Tabellenführung dran, während der Gastgeber Rapid Chemnitz II, noch in Abstiegsgefahr ist, da sie nur einen Punkt vor Rabenstein II und dem 13. Platz liegen. So sah es auch aus, denn für die 2,50€ Eintritt bekam man ein von der IFA völlig überlegen geführtes Spiel geboten. Rapid ließen sie kaum zum Zuge kommen. Die Abwehr und v.a. der Torwart spielten jedoch eine hervorragende Partie. Einen Fehler beging die Rapid-Abwehr jedoch, sodass IFA einen Elfmeter zugesprochen bekam: dieser wurde allerdings spektakulär an die Latte gedonnert.

Erst in der Mitte der zweiten Halbzeit gelang es den IFA-Kickern, die Abwehr zu knacken: eine tolle Kombination die mit Fußreinhalten im Fünfmeterraum erfolgreich abgeschlossen wurde. Mit dem dritten oder vierten Angriff gelang es Rapid in der Schlussphase jedoch eine Ecke per Kopf zum völlig unverdienten 1:1 Endstand zu verwandeln – mit diesem sehr glücklichen Punktgewinn rückt Rapid II einen weiteren Punkt von den Abstiegsplätzen weg und IFA dürfte jetzt die letzte Chance auf dem Aufstieg verspielt haben.  
Nach diesem hervorragenden Spiel ging es zum Sportforum, wo sich mehrere Sporthallen, eine Schwimmhalle, ein halbes Dutzend Fußballplätze (Rasen, Kunstrasen, Hartplatz), eine befahrbare Radrennbahn mit verfallenen Stehrängen und schließlich auch ein Stadion für fast 20.000 Zuschauer befinden. Die herrliche Anlage aus den 1920er, die unter den Nationalsozialisten ihren heutigen Ausbau mit Marathontor + Uhrturm, überdachter doppelrängiger Haupttribüne (die wurde allerdings in der DDR, als die Anlage nach Ernst Thälmann benannt war, samt Sprecherturm verändert), Holzbänke bestückter Gegengerade und den massiven Stehrängen im Hintertorbereich und seitlich der Haupttribüne, erhielt. In diesem herrlichen Stadion spielen einige Jugendmannschaften, teilweise die Frauen und fast immer die Zweite Mannschaft (U23) des Chemnitzer FC. Die sind in der Oberliga 7. und der heutige Gegner aus Jena (Carl Zeiss II) 10. also eine sinnlosere Partie hätte man sich nicht aussuchen können…

Die durchschnittlichen Oberligapreise (6€, weitreichende Ermäßigungen 4€) lohnten nicht nur wegen der tollen Sportanlage. Durch die offensiv eingestellten Chemnitzer war die Partie viel sehenswerter als erwartet. Jena zeigte zwar fast gar nichts, aber Chemnitz kam regelmäßig vors Tor und zog das Tempo schön an. Bis zur Pause blieb es jedoch 0:0. Direkt nach Wiederbeginn zimmerte ein Chemnitzer den Ball ins lange Eck zum goldenen Treffer. Danach hatten sie noch einen Lattenknaller und drei, vier Großchancen. Kurz vor Schluss noch eine rote Karte gegen Jena (nicht falsch, aber man kann es auch bei Gelb belassen – Bein war ja nicht gebrochen und der Gefoulte konnte auch ohne Behandlung weiterspielen…) und das war es dann.

Das Publikum war übrigens ganz angenehm für Chemnitzer Verhältnisse, da nicht die üblichen Galgenvögel aus der Neonaziszene wie bei vielen der Chemnitzer Amateurklubs und sehr massiv bei der Ersten vom CFC auffielen. Aber leider gab es keine Stimmung und von den vielen Frauen selten Sachverstand und nie Unterstützung für die Mannschaft sondern nur Interesse an dem jeweiligen Spieler, der als Mann/ Freund/ Bruder der Grund ihres Kommens war, festzustellen. Stimmung gab es gar keine – also als Gastmannschaft muss man nur drei, vier Stimmgewaltige mitbringen und schon rockt man das Sportforum…

Über die A73, die Bundesstraße und die A38 ging es nach dem Spiel schnell wieder nach Merseburg, da wir in Sachen Sightseeing die Gegend von Chemnitz schon zu gut kennen. Insgesamt also wieder eine gelungene Wochenendtour.  
Statistik:
- Grounds: 1.124 (Samstag: 2 neue, Sonntag: 2 neue; diese Saison: 153 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.067 (Samstag: 3 neue, Sonntag: 2 neue; diese Saison: 211)
- Tageskilometer: 590 (Samstag: 330km Auto, Sonntag: 260km Auto)
- Saisonkilometer: 59.860 (57.870 Auto/ 1.810 Fahrrad/ 160 Schiff, Fähre/ 20 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 60 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 409

Sonntag, 16. Juni 2013

W359II: Saisonabschluss in Tschechien

Atletický Fotbalový Klub LoKo Chomutov ------------- 3
Fotbalový Klub Chmel Blšany ------------------------------ 2
- Datum: Freitag, 14. Juni 2013 – Anstoß: 18.00
- Wettbewerb: Krajský přebor, Ústecký kraj (5. tschechische Fußballliga, 1. Amateurliga)
- Ergebnis: 3-2 nach 90 Min. (45/45) – Halbzeit: 2-0
- Tore: 1-0 3. Kadlec, 2-0 42. Vondráček, 3-0 48. Kubánek (Foulelfmeter), 3-1 73. Vlastní, 3-2 80. Macek
- Verwarnungen: 1x Chomutov, 1x Blšany
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stadion AFK LoKo (Kap. 2.200, davon 200 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 150 (davon Gästefans: ca. 15)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Sehr gute erste Hälfte, zweite Halbzeit dann mit großem Durchhänger und erst ab dem zweiten Treffer von Blšany wieder sehenswert) DSC07239  AFK LoKo Chomutov Photos with English Commentary:
Amateur Football Top Tier in Czech Republic: AFK LoKo Chomutov v FK Chmel Blšany
Sightseeing: Czech Republic; Červeny Hradek, Jirkov, Šumburk, and Erzgebirge Mountain Region: Lengefeld, Rauenstein
Sightseeing: Chomutov Old Town and Klasterec Old Town

Zum letzten Spieltag der tschechischen Amateurebene wollten wir doch noch mal ein Spiel vom FK Chmel Blšany sehen. So verzichteten wir auf die Alten Herren von Leuna, da genau zeitgleich in 200km Entfernung das Spiel zwischen LoKo Chomutov, der Fusionsmannschaft aus Severočeská konstruktiva (SČKO) Chomutov [d.h. Nordböhmische BSG Aufbau] und TJ Lokomotiva Chomutov [also TV Lok Komotau], und dem FK Chmel Blšany [FC Hopfen Flöhau] stattfand.

Wir fuhren über Lengefeld, wo wir das historische Kalkwerk und das Burgschloss Rauenstein jeweils von außen besichtigten, und Deutscheinsiedel sowie eine uns noch unbekannte tschechische Nebenstraße nach Most. Erstmal im Motorest entspannt essen. Die Preise scheinen etwas gestiegen zu sein, doch liegen immer noch klar unter deutschen Verhältnissen. Heute war auch mal ein kompetenter und freundlicher Kellner da, was in Tschechien ganz selten ist.
Ein Abstecher zum Barockschloss Červeny Hradek in dessen Innenhof gerade ein kostenloses Rockkonzert stattfand und eine kurze Innenstadtbesichtigung von Jirkov später, und schon suchten wir in der Plattenbausiedlung in der Březenecka nach dem Eingang zum Stadion vom AFK LoKo... DSC07229  AFK LoKo Chomutov v FK Chmel Blsany Der erste Weg führte ins Gebüsch hinterm Tor, der zweite an den Tennisanlagen vorbei auf die ausbautenlose Gegenseite neben die Spielerbänke. Keine Kasse in Sicht, aber auch kein Durchkommen auf die Tribüne da die Ostkurve völlig zugewuchert ist. Also mal hinterm Tor im Innenraum entlang, an der Eckfahne vorbei auf die sechsreihige Steintribüne. So in ein Stadion zu gehen, kann man sich in Deutschland oberhalb der Kreisliga nicht erlauben...
Die Tribüne ist oben mit ein bis zwei unregelmäßigen Reihen von blau-weißen Schalensitzen bestückt. Noch ein Stück höher stehen einige Bänke. Auch am auf die Tribüne gebauten Sportlerheim mit der netten Terrasse gab es keine Kasse, sodass wir erst komplett am hohen Graswall hinterm Südtor, auf dem übrigens die kleine Anzeigetafel steht, entlang mussten. Dann hatten wir also den Haupteingang gefunden...

Zugegebenermaßen bin ich nicht scharf aufs Eintritt zahlen und aufgrund der in Deutschland oft perversen Eintrittspreise, ins relative Verhältnis gesetzt selbst oft in den unteren Amateurligen, bin ich schnell bei der Hand den Gastgeber um den Eintritt zu prellen. Aber in der 1. tschechischen Amateurliga ist man immer schon für 40 Kronen (ca. 1,60€ dabei). Bei LoKo wollten die Jungs an der Kasse sogar nur 20Kč (0,80€)! Die Eintrittspreise bei Sport- und Kulturveranstaltungen sind zum Glück nur in Prag auf mittel- und westeuropäischen Stand gebracht worden und ansonsten nicht an die steigenden Lebenshaltungskosten angepasst!

Lokomotiva Konstruktiva ist 4. und Blšany 6., da ihnen 6 Punkte abgezogen wurden (warum auch immer - so was erklärt der korrupte Verband ja nicht), sonst wären sie auf Rang 3. Sieht man sich Ergebnisse von Blšany an – z.B. Hinspielsieg gegen Dĕčin 10:1, Rückspielniederlage dort 0:8 - fragt man sich, wie oft dort Spiele verschoben werden. Aber egal, es entwickelte sich eine richtig gute erste Hälfte. Das Spiel war schnell und offensiv geführt, beide Teams zeigten guten Einsatz und starke technische Fertigkeiten.

Allerdings verschlief der Gast leider den Beginn, sodass Chomutov schon nach drei Minuten mit einem Kopfball in Führung gehen konnte. Ab der 15. Minute wurde das Spiel nach Dauerdruck von Chomutov sehr ausgeglichen, doch FK Chmel war im Angriff zu harmlos. Kurz vor der Pause vergeigte es dann die Abwehr – der Ball wurde am Torwart vorbeigespitzelt zum 2:0.

Nach dem Seitenwechsel gleich der nächste Aussetzer vom FKCB: Foul im Strafraum und Chomutov verwandelt, obwohl der Torwart noch die Finger an den Ball bekommt. Danach machte LoKo gar nichts mehr fürs Spiel und lies Blšany nach einer Weile kommen. Erst 15 Minuten vor dem Ende konnten sie ein Tor erzielen. Ein Strohfeuer dachten wir, doch nach dem 3:2 in der 80. kam Hoffnung für den Gästeanhang auf. Das Arschloch mit der Pfeife tat dann aber sein Bestes, damit es beim 3:2 bleibt: falsche Abseitsentscheidungen gab es in der ersten Hälfte so wie so, im Zweifel wurde der Heimelf ein Foul durchgehen gelassen – dem Gast aber nicht, und nun pfiff der Spast trotz minutenlangen Zeitschindens von LoKo pünktlich ab. DSC07197  AFK LoKo Chomutov v FK Chmel Blsany Nachdem wir feststellen konnten, das auch in Tschechien Unterschichtenkinder Kevin heißen – dem Rom wurde freundlicherweise nicht „ey Zigeuner“ hinterher gerufen, aber dauernd sollte er irgendwas machen, was mit „ey, Keviné“ (é = Vokativsuffix) eingeleitet wurde – mussten wir noch eine Burgruine besichtigen. Eine Tschechienfahrt ohne Besichtung von mindestens einer Burgruine pro Tag gibt es eigentlich nie bei uns... Jedenfalls fiel die Wahl auf die 20km entfernte Šumburk bei Klášterec nad Ohří.

Man muss aus Richtung Chomutov 2km hinterm Ortsende von K.n.O. rechts hinter der Brücke in Richtung Jesen und dann gleich rechts über die Brücke in den löchrigen Feldweg. Der führt dann mitten durch einen barocken Gutshof, dessen Ruinen wir zuerst anschauten. Noch 200m kann man fahren, dann kommt ein Abzweig rauf auf den Berg, der für ein Auto zu schmal ist. Der Aufstieg zur Burg ist steil durch den dichten Wald, aber nur 600m lang. Auf dem Weg begegnete uns nur ein Waschbär, oben auf der Burg Šumburk boten uns kampierende tschechische Burgenfans Bier an. Die Šumburk ist bei den Burgfreunden als landschaftlich sehr spektakuläre (ringsherum bewaldete Bergkegel) und baulich ansprechende (zerklüftete schwarze Vulkansteinmauern gotischer Bauart) Burganlage besonders beliebt. Die Szene der tschechischen Burgenfreunde finde ich im übrigen sehr interessant, da sie sich nicht nur viel professioneller im Internet präsentieren, als ihre deutschen oder österreichischen usw. Gesinnungsgenossen (siehe hrady.cz), sondern auch viel aktiver sind. Wenn ich einmal an einem Tag nach Tschechien fahren würde, an dem es keine Sportveranstaltung gibt, kann ich mir auch gut vorstellen mit Fahrrad oder wandernd (die meisten der Burgfreunde wandern) von Burg zu Burg zu ziehen und in der letzten, die ich mit Einbruch der Dunkelheit erreiche zu kampieren. Warum pennen deutsche Burgenfreunde eigentlich nie bei Lagerfeuer im Schlafsack im Hof einer deutschen Burgruine?

Wir pennten aber auch heute natürlich im heeme im Bett, was etwas später erreicht wurde als geplant: in Vejprty war die Brücke über die Grenze gesperrt, was die dummen Schweine natürlich nicht in vorher liegenden Orten ankündigen können und auf dem Weg von Oberwiesenthal nach Chemnitz waren nur Baustellen und Umleitungen.
Kurz nach Mitternacht hielten wir dann noch auf dem Standstreifen der Bundesstraße um Schloss und Kirche Burgwerben in angestrahltem Zustand zu fotografieren... DSC07277 Sumburk. Statistik:
- Grounds: 942 (heute 1 neuer; diese Saison: 174 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.822 (heute 1, diese Saison: 245)
- Tageskilometer: 490 (490km Auto)
- Saisonkilometer: 54.950 (44.810 Auto/ 6.500 Flugzeug/ 3.440 Fahrrad/ 210 Bahn, Bus, Tram/ 90 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 105 [letzte Serie: 6, Rekord: 141]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 359

Mittwoch, 12. Oktober 2011

W271II-IV: Ein Wochenende in Prag – Tschechien-Groundhopping in drei Teilen

Fotoalben (Sport):
b) Shotokan Karate Cup in Kostelec n/O (Jugend-Turnier, Kata & Kumite)
e) SPARTA PRAG - SLAVIA PRAG (FRAUENFUßBALLDERBY IM GRÖßTEN STADION DER WELT: STRAHOV)

Fotoalben (Sehenswürdigkeiten):

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* * * Teil I: Der teuerste Club der Liga ist mal wieder nicht der beste * * *

HC Slavia Praha 1:2 HC Dynamo „ČSOB Pojišťovna“ Pardubice
Datum: Freitag, 7. Oktober 2011 – Anbully: 18.15
Übersetzung: HC Slawen Prag - HC „Staatliche Postbank“ Pardubitz
Wettbewerb: sogenannte „Tipsport“ Extra Liga Hokej (1. Tschechische Profi-Eishockeyliga)
Ergebnis: 1:2 nach 60 Min. (3x20) – Drittel: 0:1, 1:1, 0:0
Tore: 0-1 11.39 Martin Bartek, 0-2 23.18 Tomáš Zohorna, 1-2 30.29 Petr Kuboš
Strafzeiten: Jakub Šulc 4, Vladimír Růžička 2, Tomáš Hertl 2, Jiří Vašíček 2, Bankstrafe 2 (Slavia = 12 Minuten); Jan Kolář 2, Václav Benák 2, Jakub Nakládal 2 (Pardubice = 6 Minuten)
Spielort: sogenannte „O2 arena“ (Kap. 17.360 Sitzplätze, davon heute ca. 11.000 freigegeben)
Zuschauer: 4.486 (darunter ca. 500 Gästefans)
Unterhaltungswert: 6,5/10 (Für die tschechische Liga war das nur Mittelmaß, da dem Spiel etwas an Tempo fehlte – dafür fehlte es aber nicht an Spannung, auch wenn Slavia bis zur 45. weitestgehend abgemeldet war)
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Photos and English version:
a) Slavia Prague v Dynamo Pardubice (Czech Hockey League)
c) BOTANICAL GARDEN OF PRAGUE (BOTANICKA ZAHRADA)

Freitag frühs ging es zum Abschluss der vorlesungsfreien Zeit noch einmal in die Tschechische Republik. Erste Besichtigungen unternahmen wir in Doksany – dort gibt es ein Kloster, dessen Vorbauten zwar verfallen sind, aber dessen barocke Kirche sehr gut restauriert wurde – und dann in Veltrusy: dort ist ein Schloss mit einem riesigen Landschaftspark (ohne größere Highlights allerdings) recht sehenswert. Das war’s dann auch schon mit architektonischen Sehenswürdigkeiten heute, da wir alle anderen architektonischen Sights auf dem Weg nach Prag schon kennen und die Hauptstadt schließlich bis auf einige Sportanlagen und den botanischen Garten nichts wichtiges Unbekanntes mehr für uns bereithält. Ebendiesen botanischen Garten besuchten wir aber auch und wurden in unseren Erwartungen noch übertroffen: für sehr hohe 120 Kronen (=5€, aber Studenten zahlen bei Vorlage des ISIC nur die Hälfte) bekommt man in einem großen Gewächshauskomplex und einer riesigen Freilandanlage nach Themen gestaffelt zehntausende Pflanzen gezeigt. Einige der Pflanzen hatte ich noch nie gesehen und etliche der mir bekannten Arten waren hier besonders schöne Exemplare: so u.a. eine blühende Madagaskarpalme und verzwirbelte Ulmen-Bonsai. Also der botanische Garten in Prag kann problemlos mit den noch teureren deutschen Spitzen-Gärten wie Berlin und Frankfurt mithalten bzw. diese sogar nach an Schönheit der Pflanzen und deren Präsentierung überbieten. Schon allein der „Fata Morgana“ genannte Gewächshauskomplex ist ein echter Knaller und danach kommen gleich ein japanischer Garten, den ich in solcher Korrektheit noch nie in Deutschland gesehen habe, sowie südamerikanische Halbwüstenlandschaften.
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Wir checkten noch ins „Brillant“ in der Prosecka ein (30€ pro Doppelzimmer und Nacht + Frühstück ist extrem niedrig für Prag und auch nach dem zweiten Besuch in diesem Hotel kann ich die einfache aber gute Unterkunft nur empfehlen!), aßen in Kobylisi bei einem Chinesen (das war das erste Mal, dass wir in Tschechien mal nicht böhmisch aßen, aber außer Trinklokalen (Pivnica) gab es da nichts anderes und gut sowie preisgünstig war es auch) und gingen schließlich vom Hotel aus die anderthalb Kilometer zur sogenannten O2-World, der größten Mehrzweckhalle Tschechiens.

Heute war dort Eishockey: knapp 5.000 Zuschauer verloren sich auf 17.360 Sitzplätzen von denen die besten (die günstigen im Oberrang) auch noch gesperrt waren. Asoziale 180 Kronen (7,50€!) wurden für eine mittelmäßige Karte auf Torhöhe verlangt. Wahnsinn! Kein Verein der EHL – nicht mal Sparta – ist so krank überteuert wie diese größenwahnsinnigen Arschkrampen von Slavia! Dabei sind die nicht mehr als spielerisches Mittelmaß! Die Halle ist auch noch ziemlicher Dreck: von außen rechts eindrucksvoll aber von Innen eine von O2 verbesserte, aber eben merklich von Saskia dahingekackte, herkömmliche 0815-Scheiße. Die O2-World in Berlin ist farblich schöner gelungen und architektonisch weit höherwertiger, obwohl sie etwas weniger Plätze hat (bei Eishockeyspielen sind es 14.200). Die Sitze wie auch die Tribünenkonstruktionen sind in der Prager O2-Arena einfach nur minderwertiger Dreck. Da sieht man, warum in so vielen Ländern Deutschland für Ingenieurstechnik berühmt ist und nicht etwa Tschechien...

Dafür, dass die Halle schwach gefüllt war – gut: parallel spielte ja auch die tschechische Fußball-N11 gegen Spanien im Stadion von Sparta und verlor leider: in Tschechien gibt es halt ein Überangebot an Sport – war die Stimmung ganz ordentlich. Hinter den Toren feierten Gruppen von jeweils etwa 400 Zuschauern ihre Teams ausdauernd ab. Erstaunlich war die Zahl der Gästefans, bei denen wir gelandet waren, da ich an der Kasse nicht richtig aufgepasst hatte – wollte ja eigentlich auch Karten für den Oberrang, aber der war ja gesperrt, da mal wieder keine fünfstellige Zuschauerzahl zu erwarten gewesen war: so was gibt es bei den „Slawen“ nur in den Play-offs und gegen die „Spartaner“ – die bei rund 500 lag. Die machten auch richtig guten Support, wobei sie außer einer Überziehfahne keine optischen Sachen zeigten wie die Heimfans, die noch zur Überziehfahne ein paar Bänder, Flaggen und Transparente entrollten.

Das Spiel sah in den ersten fünf Minuten keine Torgelegenheit, doch nahm zusehends an Fahrt auf. Das erste Drittel wurde klar von Pardubice bestimmt, die selbst in Unterzahl noch Druck auf die Heimmannschaft ausübten. Völlig verdient erzielten sie auch den ersten Treffer der Partie. Ein Schlagschuss ins lange Eck war dann der zweite Treffer, den die Gäste dann im zweiten Drittel bejubeln konnten. In diesem Spielabschnitt gab es auch die besten Szenen – so auch den strammen Schuss unter die Latte zum 1:2. Erst im dritten Drittel zeigte Slavia mal richtig was: sie gingen richtig auf die Scheibe und setzten Pardubice enorm unter Druck. Da sie erst im letzten Drittel mit ordentlichem Spielen anfingen, kann man den Auswärtssieg aber nur als verdient bezeichnen. Dynamo Pardubice – jetzt ČSOB Pojišťovna Pardubice, letzte Saison Eaton Pardubice, davor Moeller Pardubice, davor was weiß ich Pardubice... – gönne ich diesen Sieg absolut. Wenn man als Hauptstadtclub schon so großkotzig daherkommt wie Slavia, kann man auch mal mehr als 15 Minuten Spitzeneishockey spielen.

Von der Halle bis zum Hotel waren es dann knapp 20 Minuten Bergaufmarsch, u.a. an einer Sommerrodelbahn, die gerade ein Nachtrodeln unter Flutlicht veranstaltete, vorbei.
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Statistik:
Grounds: 644 (heute 1 neue; diese Saison: 52 neue)
Sportveranstaltungen: 1.375 (heute 1, diese Saison: 61)
Tageskilometer: 330 (330 Auto)
Saisonkilometer: 10.280 (8.840 Auto/ 1.440 Fahrrad/ 0 Flugzeug/ 0 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 93
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 271

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* * * Teil II: Karate in Kostelec und Torflut in Týniště * * *

Shotokan Cup Kostelec nad Orlicí :
Internationales Turnier im Shotokan-Karate in Adlerkosteletz
Datum: Samstag, 8. Oktober 2011 – Beginn: 9.00
Wettkampfklassen: Jugend männlich/ weiblich, Senioren (jeweils Kata/ Kumite), Qualifikation zur tschechischen Meisterschaft 
Sieger: werden nachgetragen
Austragungsort: Sportovní hala vyšší odborné školy (Sporthalle der Berufsoberschule/ Kap. 150 Stehplätze)
Zuschauer: ca. 200
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Echt gutes Turnier, auch wenn die Organisation zu wünschen übrig ließ)

SK Týniště nad Orlicí 7:2 TJ Slovan Broumov
Datum: Samstag, 10. Oktober 2011 – Anstoß: 16.00
Übersetzung: SC Tinischt am Adler – TV Slawen Braunau
Wettbewerb: sogenannte „VOTROK“ Krajský přebor královéhradecký kraj (Bezirksliga Königgrätz/ 5. tschechische Fußballliga, 1. Amateurliga)
Ergebnis: 7:2 nach 90 Min. (45/45) – Halbzeit: 4:2
Tore: 1-0 8. Merganc, 1-1 19. Pohl, 1-2 21. Hušek, 2-2 22. R. Schod, 3-2 25. Vydarený (Foulelfmeter), 4-2 32. R. Schod, 5-2 54. Merganc, 6-2 76. Jedličká, 7-2 90. Novák
Verwarnungen: 3x Týniště; 1x Broumov
Platzverweise: keine
Spielort: Stadion Olšina (Stadion Olschina-Straße/ Kap. 1.200, davon 200 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 200 (Gästefans: ca. 1)
Unterhaltungswert: 9,0/10 (Wirklich geniales Spiel mit Offensivfeuerwerk und bestem Einsatz)
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Photos and English version:
b) SK Týniště nad Orlicí crush TJ Slovan Broumov 7:2 (Czech Amateur Football Top Flight)

Samstag ging es mal wieder um 7 los. Das Frühstück im Hotel war gut, das Wetter nicht, aber die Besichtigungen ließen einen das nasskalte Herbstwetter vergessen. Erst einmal haben wir den Marktplatz und das Schloss von Poděbrady angeguckt, dann hielten wir in Chlumec nad Citlinou für ein paar Fotos des sehr ansehnlichen und von einem schönen Garten umgebenen Barockschlosses. Die nächste Station war dann auch schon Hradec Králové. Wenn man in den Ort rein fährt, sieht es fürchterlich aus: minderwertige und verrottete Architektur überwiegt. Doch hat man den Stadtkern erreicht, bekommt man sehr schönen böhmischen Barock und Renaissance zu sehen. Častolovice ist ein sehr schönes, barockes Schloss mit eindrucksvollem Innenhof und tollem Landschaftspark. Der Nachbarort Kostelec nad Orlicí hat nur eine bessere Villa als Barockschloss zu bieten, aber hier waren wir ja auch wegen Sport gekommen.

Die Informationspolitik im Internet war zwar äußerst unprofessionell und die Organisation insbesondere für Zuschauer mangelhaft (viel zu wenige Plätze, viel zu kleine Halle, kaum ausreichende Kapazitäten für die Sportler), aber trotzdem war es sehr lohnend das Qualifikationsturnier zur tschechischen Meisterschaft im Shotokan-Karate anzuschauen. Wir kamen als die Finals im Kata – das ist der Kampf mit dem imaginären Gegner: ein Kämpfer oder eine Gruppen von Kämpfern führt eine choreographierte Darbietung, in der diverse Techniken präsentiert werden, vor – liefen, in die kleine Schulsporthalle. Die Halle ist ein sanierter sozialistischer Bau in Kastenform.
Interessanter als das an Sporttanzen erinnernde Kata ist der Kumite-Wettbewerb, wo sich zwei Kämpfer gegenüber stehen und nach Trefferpunkten die Fäuste fliegen lassen und auch ordentliche Tritttechniken ausführen. Allerdings wird beim Shotokan nicht volle Kanne durchgezogen – schon gar nicht bei den Junioren, die das Hauptstarterfeld ausmachten. Wem Shotokan da zu lasch ist, muss Kyokushin gucken – oder gleich das verwandte Taekwondo.

Die Kata-Darbietungen lassen sich nicht wirklich weiter beschreiben und dem, der zum ersten Mal Kumite sieht, fehlen da auch etwas die Worte – hat aber klare Ähnlichkeiten mit Kickboxen – sodass ich nur zwei recht interessante Szenen an dieser Stelle beschreibe: zwei etwa 12jährige Jungs treten gegeneinander an, der eine stößt den anderen mit Faust- und Beinarbeit auf die Matte und deutet dann einen Schlag von oben auf den Kopf nur an (bei manchen Kampfsportarten hätte der voll durchzerren dürfen) – und dann war auch noch ein sehr guter Mädchen-Kampf von zwei 14-, 15jährigen Kämpferinnen: die eine setzte mehrere gute aber auch ein paar unsaubere Aktionen und lag in Führung bis 20 Sekunden vor Schluss, die Gegnerin schien unterlegen da sie schmerzverzerrt nach mehreren Tritten vor die Brust und einem, der bestenfalls 10cm unterm Bauchnabel landete, angeschlagen auf der Matte stand, doch sie setzte noch die entscheidenden, überlegten Tritt- und Schlagtechniken um einen Sieg zu erzielen. Mit Weinen fing sie erst an, als sie dem Trainer nach dem Kampf erklärte wo es weh tut...
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Wir verließen die Halle nach über drei Stunden um 15.20 und waren dann 15.45 in Týniště nad Orlicí, einem ziemlich gesichtslosen Nest, wo es aber immerhin ein schönes Stadion gibt. Das liegt recht idyllisch am Waldrand und hat vor allem eine herrliche Holztribüne – man sitzt da drei Meter überm Spielfeld und vier Reihen Holzbänke in nicht gerade bundesligatauglichen Zustand laden zum Zugucken ein – zu bieten.

Der einheimische Verein SK Týniště nad Orlicí ist in der höchsten Amateurspielklasse, der krajský přebor (also Bezirksliga), Tabellenzweiter. Für den Gastverein aus Broumov an der Grenze zu Polen, sieht es nicht so gut aus: hinteres Mittelfeld. Broumov wurde früher übrigens manchmal fälschlich als Geburtsort Adolf Hitlers angesehen: die deutsche Namensversion ist nämlich Braunau, sodass es Verwechslungen mit Braunau am Inn gab...

Der einzige Gästefans sah dann auch keineswegs aus wie Hitler, sondern eher wie Karl Marx: ein Rauschebart, allerdings einer der lauten, versoffenen Art – so einer sorgt immer für beste Unterhaltung am Spielfeldrand. Man guckte allerdings kaum an den Spielfeldrand, da auf dem nassen Grün so richtig die Post abging. Von der ersten Minute an lieferten sich Týniště nad Orlicí und Broumov einen extrem offensiven Schlagabtausch mit einigen schönen und fast immer sauberen Zweikämpfen, aber vor allem hervorragenden Torszenen. Ein Schuss aus 15 Metern ins lange Eck sicherte dem Favoriten bereits nach acht Minuten die Führung. Doch innerhalb von zweieinhalb Minuten gingen die Gäste in Führung. Das 1:2 wurde auch nur durch einen haarsträubenden Abwehrfehler von Týniště n/O möglich. Diese ließen sich aber nicht lange Zeit, gingen sofort wieder in die Offensive über und erzielten den Ausgleich. Nur drei Minuten später holten sie einen Elfer raus und gingen so wieder in Führung. Das 4:2 ließ auch nur weitere acht Minuten auf sich warten: dabei ging ein Stürmer im Strafraum dazwischen, als ein Verteidiger den Ball nicht schnell genug wegbekam - so konnte der Torwart mit einer Bogenlampe überrumpelt werden.

Nach der Pause war SK Týniště die deutlich bessere Mannschaft, die in einem weiterhin hervorragenden Spiel noch drei weitere Tore draufgab. 7:2 war der eindrucksvoll hohe Endstand.

Für Essen sorgten wir dann in einem der Motorests der Gegend: das in Týniště nad Orlicí selbst ist eine schöne Holzhütte mit Motel und bietet echt gutes Essen an. Als Suppe des Tages gab es übrigens eine berüchtigte Kuttelsuppe mit viel Knoblauch...
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Statistik:
Grounds: 646 (heute 2 neue; diese Saison: 52 neue)
Sportveranstaltungen: 1.378 (heute 2, diese Saison: 64)
Tageskilometer: 270 (270 Auto)
Saisonkilometer: 10.550 (9.110 Auto/ 1.440 Fahrrad/ 0 Flugzeug/ 0 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 94
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 271

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* * * Teil II: Meteore schlagen im Tor von Blšany ein + Frauenfußball im größten Stadion der Welt + Sparta siegt im Penalty-Schießen * * *

FK Meteor Praha VIII 5:0 FK Chmel Blšany
Datum: Sonntag, 9. Oktober 2011 – Anstoß: 10.15
Übersetzung: FC Meteor Prag/ 8. Bezirk – FC Hopfen Flöhau
Wettbewerb: Divize B (4. tschechische Fußballliga, 2. Halbprofiliga)
Ergebnis: 5:0 nach 90 Min. (45/45) – Halbzeit: 1:0
Tore: 1-0 25. Fíček, 2-0 65. Fíček, 3-0 67. Jelínek, 4-0 77. Fíček, 5-0 79. Jelínek
Verwarnungen: Štefan (Meteor); Jelínek, Zinhasovič, Siegl st. (Chmel)
Platzverweise: keine
Spielort: areál Libeň, hlavní stadión FK Meteor Praha VIII (Sportanlage Prag-Lieben, Hauptplatz/ Kap. 3.500, davon 500 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 150 (davon zahlende: 135, Gästefans: ca. 15)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (In der ersten Hälfte war Chmel gut und Meteor trotz eines Treffers schwach - in der zweiten Meteor klar besser und Chmel ganz schwach)

AC Sparta Praha (ženy) 1:1 FK Slavia Praha (ženy)
Datum: Sonntag, 9. Oktober 2011 – Anstoß: 14.00
Übersetzung: AC Sparta Prag/ Frauen – FC Slawen Prag (Frauen)
Wettbewerb: I. liga žen (1. tschechische Frauenfußballliga)
Ergebnis: 1:1 nach 94 Min. (46/48) – Halbzeit: 0:1
Tore: 0-1 2. Petra Divišova, 1-1 70. Irena Martínková
Verwarnungen: Irena Martínková, Petra Vyštejnová, Karolína Nováková, Lucia Ondrušová (Sparta); Andea Budošová, Lucie Voňková, Adéla Odehnálová, Aneta Kulichová (Slavia)
Platzverweise: keine
Spielort: Velký strahovský stadion, hřiště 1 (Großes Strahov-Stadion, Platz 1/ Kapazität des Gesamtstadions: 200.000 [150.000 Sitz- und 50.000 Stehplätze], davon freigegeben: 40.000 Stehplätze, davon entfallen auf Platz 1: 5.000 Stehplätze + 15.000 gesperrte Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 400 (davon Sparta: ca. 300, Slavia: ca. 100)
Unterhaltungswert: 6,5/10 (Wirklich gutes, athletisches und kämpferisch geführtes Spiel – allerdings mit zu wenigen Torszenen)

HC Sparta Praha 3:2 HC Oceláři Třinec
Datum: Freitag, 7. Oktober 2011 – Anbully: 17.00
Übersetzung: EHC Sparta Prag – HC Stahlwerker Trzynietz
Wettbewerb: sogenannte „Tipsport“ Extra Liga Hokej (1. Tschechische Profi-Eishockeyliga)
Ergebnis: 3:2 nach 65 Min. + Penalty-Schießen – Drittel: 1:1, 1:0, 0:1; Verlängerung: 0:0, Penalties: 2:0
Tore: 1-0 9.13 Michal Broš, 1-1 18.50 Stanislav Hudec, 2-1 32.14 Tomáš Rachůnek, 2-2 57.18 Jan Peterek; 3-2 Michal Broš (1. Penalty), 4-2 Petr Ton (2. Penalty)
Vergebener Penalty im Spiel: 17.16 Alex Foster (Sparta) scheitert an Peter Hamerlík (Třinec-Torwart)
Strafzeiten: Alex Foster 2, Troy Milam 2, Michal Sersen 2, Dominik Pacovský 2, Jan Hanzlík 2, Petr Tenkrát 2, Jiří Kučný 2, Jaroslav Kasík 2 (Sparta = 16 Minuten); Lukáš Zíb 10, Bryan McGregor 4, Martin Adamský 4, Patrik Valčák 2, Jan Peterek 2, Josef Hrabal 2, Rostislav Marosz 2, Jiří Polanský 2, Martin Lojek 2, Petr Hořava 2 (Třinec = 32 Minuten)
Spielort: Sportovní hala Sparty/ sog. Tesla „Arena“ (Kap. 13.995 Sitzplätze, davon heute geöffnet: ca. 9.000)
Zuschauer: 3.707 (darunter ca. 80 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes und vor allem spannendes Spiel)
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Photos and English version:
a) Meteor Praha VIII v FK Chmel Blšany (Czech Regional Football Division)
b) SPARTA PRAGUE v SLAVIA PRAGUE (WOMEN’S FOOTBALL DERBY AT WORLD’S LARGEST STADIUM [STRAHOV])
c) Sparta Prague v Oceláři Třinec (Top Flight in Czech Ice Hockey)

Am Sonntag waren wir diesmal nur mit Sport gucken beschäftigt. Los ging es im 8. Stadtbezirk beim 10.15-Spiel der Divize B, der vierten tschechischen Fußballliga. Aufgrund der üblichen Konkurse und Neuordnungen, die das tschechische Ligensystem recht unübersichtlich machen, ist auch der 3. der Amateurliga krajský přebor Ustecký kraj, also unser FK Chmel Blšany, in diese halbprofessionelle, mit der deutschen Oberliga vergleichbaren Liga, aufgestiegen. Dass sie besser das Aufstiegsrecht zurückgegeben hätten, sah man heute besonders deutlich.

Beide standen hinten drin: Blšany hatte erst drei Unentschieden in acht Spielen erreicht und war somit Letzter und knapp davor, als 13. von 16, Meteor Praha mit zwei Siegen. Interessanterweise spielte die ersten 45 Minuten nur Blšany, doch die wenigen guten Chancen die sie hatten vergaben sie und die übrigen Angriffe hatten vor allem aus unzulänglicher Schusstechnik keinen Erfolg. Mit einem billigen Konter traf Meteor das erste Mal noch vor der Pause.
Die zweiten 45 Minuten sahen ganz anders aus: Blšany kam kaum noch vor den Kasten des Gegners, während der Gastgeber nun das Tor belagerte. Meistens geschah das ziemlich stümperhaft, aber vor allem der Neuner Fíček (er hatte bereits das 1:0 erzielt), zeigte etliche gute Szenen und traf drei Mal. Das beste Tor war allerdings das 3:0 – ein Heber über den herauseilenden Klíma, der nichts zu den Gegentoren konnte und sich auch bei 5:0 nicht nehmen ließ den Ball bis fast an den Mittelkreis um zwei Gegner herum zu führen – während der dritte Treffer des besten Prager Meteors aus Abseitsposition erzielt wurde. Das 5:0 war schon etwas zu hoch, aber zeigte nur, dass Blšany leider völlig überfordert ist mit dieser 4. Liga. Nachdem aber fast alle Abstiege nur durch Zwangsrelegationen und Lizenzentzüge, die wie so oft in Osteuropa rechtlichen Grundlagen entbehren und mitunter aus reiner Willkür verhängt werden, da sich Vereinsleute auf der einen mit Verbandsangehörigen auf der anderen Seite überworfen haben, wird dieser Abstieg des FK Chmel mal ein sportlicher sein. Aber wenn sie doch noch das Wunder schaffen sollten und mit ein paar Siegen die erforderlichen drei Mannschaften hinter sich lassen sollten, dann wird man schon eine Woche nach dem letzten Spieltag einen Grund finden, dass sie trotzdem absteigen müssen – wie beim letzten Abstieg aus der Divize vor drei Jahren.

Das Beste an dem sinnlosen Aufstieg der Hopfenkicker war natürlich, dass wir einen Grund hatten, ein Spiel bei Meteor zu gucken. Deren Stadion ist wirklich klasse: auf der einen Seite ein hoher Graswall mit Pappeln, hinter dem einen Tor verrottete Wirtschaftsgebäude und eine uralte Anzeigetafel mit 45-Minuten-Uhr, hinter dem anderen Tor eine enge Stehtribüne mit brüchigen Betonstufen und auf der zweiten Längsseite der Knaller: eine große, teilweise grün-weiß gestrichene Holztribüne mit Überdachung, 500 Sitzplätzen die in drei Blöcken unterteilt in Form von Holzbänken zu finden sind, und dahinter 1.500 Stehplätzen (ebenfalls alles Holzplanken) und einer Sprecherkabine.
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Wir fuhren dann erstmal zur Eissporthalle von Sparta Praha, der sogenannten Tesla-Arena, die am Messegelände liegt. Die Messe hat einige sehr interessante historistische Gebäude, die teilweise sogar Renaissance nachstellen, was sehr selten ist für den Historismus. An der Halle holten wir erstmal nur Karten. Übrigens deutlich billiger als bei Slavia, obwohl die Halle besser und die Mannschaft meist stärker ist. Auch Studentenermäßigung gab es (nur mit ISIC, aber den sollte ein viel reisender Student eh haben!), wobei man auch sagen muss, dass die Karten immer noch überdurchschnittlich teuer waren.

Eishockey war am Abend, erstmal guckten wir noch ein weiteres Fußballspiel. Das fand in einem noch krasseren Stadion statt: das Velký Strahovský ist mit 200.000 Plätzen das größte der Welt. Ja! Zweihunderttausend! Allerdings sind heutzutage nur noch 40.000 Stehplätze im Unterrang auf der einen Seite vor den Plätzen 1, 2 und 3 freigegeben. Aber die massiven Steinstufen die sich vor noch massiveren, teilweise überdachten Sitzplätzen – verrottete Holzbänke sind das – befinden, machen schon etwas daher. Das Stadion hat nicht nur einen Platz. Vor allem ist die Grundfläche riesig - die Tribünen sind ja nicht so wahnsinnig hoch - sodass neben einer modern gebauten, zweistöckigen Geschäftsstelle von Sparta noch sechs Großfeld- und zwei Kleinfeldplätze hinein passen. Die meisten Spiele finden in diesem verrotten aber sehr eindrucksvollen Stadion auf Platz 1 statt. Neben Jugendfußball kann man auch Frauenfußball sehen.

Die mit Abstand besten tschechischen Frauenfußballmannschaften – beide sind in dieser Saison mit 5 Siegen und sehr deutlichen Torverhältnissen an die Tabellenspitze gestartet und haben eigentlich keine Konkurrenz in der Liga – sind Sparta und Slavia Prag. Die Frauennationalmannschaft ist international bestenfalls Mittelmaß und besteht fast nur aus Spielerinnen dieser beiden Vereinen. In Sachen Frauensport ist Tschechien ohnehin ein Entwicklungsland: bei einer Statistik wie > 1. Liga; Sparta gegen Plzeň 11:0 vor 50 Zuschauern < braucht ich ja eigentlich nicht weiter auszuführen, wieso ich das so schreibe. Ich muss nur noch mal darauf hinweisen, dass während im Männersport Tschechien im Eishockey Weltklasse, im Fußball sehr stark, im Handball gut usw. ist, im Frauensport fast nirgendwo auch nur international zweit- oder drittklassige Leistungen gebracht werden – und das bei dem niedrigeren Konkurrenzdruck in fast jedem Frauensport. Heute gab es übrigens einen weit überdurchschnittlichen Besuch: die Rekordzahl von 400 Zuschauern liegt zwar immer noch unter dem Durchschnitt der Frauenfußballbundesliga, aber war bisher die höchste in der ganzen Saison. Ganz, ganz selten kommen zu meisterschaftsentscheidenden Spielen oder Pokalfinals mal 1.000 oder 1.200 Zuschauer. Dabei sind die Fußballerinnen noch jene Sportlerinnen, die den meisten Zuschauerzuspruch erhalten. Das zeigt aber wiederum nur, dass Tschechinnen recht desinteressiert am Sport sein müssen – auch wenn in unserem östlichen Nachbarland die Meinung noch deutlich verbreiteter ist, dass so Körperertüchtigung wie Fußball oder Kampfsport nicht damenhaft ist, weswegen von Männern kaum Unterstützung kommt – wenn man auch bedenkt, dass von den 400 Zuschauern etwa 300 Männer waren. Bei einem Männerfußballspiel wären dieses Verhältnis auch so ausgefallen. Erstaunlich war es aber, dass man in dieser Liga ein so gutes Spiel sah. Auch wenn die eigentlich in ihrer eigenen Liga spielen, aber gegeneinander muss man erstmal was Ordentliches zeigen. Der Start war schon furios: eine Spielerin von Slavia kämpfte sich durch die Abwehr, grätschte den Ball an der Torhüterin vorbei und netzte so zum 0:1 ein. Kämpfen ist dann auch das richtige Stichwort: grob gefoult wurde zwar nicht und die Schiedsrichterin pfiff viel zu kleinlich – aber das ist natürlich oft ein Problem im Frauenfußball, egal ob in Tschechien, Deutschland oder sonstwo: einige Spielerinnen haben schon echt hohes Niveau erreicht, aber eigentlich kann man nur Männer pfeifen lassen, da es nicht zum aushalten ist, was weibliche Schiedsrichter für eine Scheiße verzapfen (und manche von den Quotenfrauen dürfen sogar Männerspieler pfeifen; Mann, Mann, Mann...) – aber um den Ball gekämpft wurde echt ordentlich. Viele der Spielerinnen waren auch ziemlich athletisch. Wenn da mal der Gegner und nicht der Ball getroffen wurde, fing die Gegnerin nicht gleich an zu flennen, wie ich das in Deutschland unterhalb der Bundesliga mehrfach gesehen habe: da wurde einfach wieder aufgestanden. Das Spiel war insgesamt sehr ausgeglichen, mit etwas wenigen Torszenen. Eine Torszene hätte zum Elfmeter für Slavia führen müssen, aber das Schiedsrichterinnengespannin war ja wie gesagt schwach. Doch ein zweites Tor sollte es trotzdem geben: Angriff Sparta, Abwehrfehler, Torwartfehler, Torhüterin ausgespielt und locker eingeschoben zum Ausgleich. Bei den beiden Toren sah man aber auch woran es haperte: bis auf ganz wenige feuerten selbst bei diesen „Topp“-Mannschaft die Spielerinnen Schüsse ab, die ich manchmal schon bei D-Jugendlichen besser gesehen habe. Und die Spielerinnen, die mehr Kraft haben – eine athletische Spartanerin zum Beispiel: so stramm wie die Nr. 6 schießen auch viele männliche Amateurfußballer nicht – schießen dann zu unplatziert. Wahrscheinlich werden in der Liga generell über 90% der Tore per Abstauber und Schuss aus weniger als 10 Metern erzielt... IMG_4182
Dann ging es in die Tesla-Arena. Da musste man dann erstmal asoziale 100Kronen (4,25€) Parkgebühr entrichten. Die Halle lohnt aber absolut den Besuch: tolles Tonnengewölbe, innen ziemlich quadratische Tribünenanordnung, diese steigen steil an und sind auf den Längsseiten noch in Logen unterteilt und mit Metall- und Kunststoffbänken bestückt. Nur wenige moderne Schalensitze sind in manchen, besonders teueren Sektoren angebracht. Auf den Plätzen im unteren Tribünenbereich stören die Plexiglasscheiben. Dafür sind die Fangnetz sehr knapp und nur hinterm Tor.

Stimmung kam übrigens nur von einer handvoll Gästeanhänger – u.a. auch einem Prager Oceláři-Fanclub – und dem einen halben Hintertorblock, wo sich mal 200 sangeslustige Spartaner eingefunden hatten. Apropos Spartaner: die Sparta-Leute benennen sich ja selbst nach den Spartanern, sodass es auch wenig wundert, dass auf solche antike Völker wie Spartaner und Römer in der Halle angespielt wurde: ein Gladiator als Maskottchen und zum Einmarsch der Mannschaften ein Video in dem Szenen aus „300“ („This is Sparta“ usw.) mit Eishockeyszenen vermischt werden. Außerdem gibt es auch beim Anzeigen von Strafen Sparta-Eishockey-Sketche auf dem Videowürfel: ein Schwertkämpfer diskutiert aufgerecht mit einem Eishockey-Schiri, der pfeift und zeigt zwei Minuten wegen hohen Stocks an; dann sieht man den Gegner des Schwertkämpfers – ein Gladiator mit Zwei-Meter-Dreizack – der auf die Strafbank muss.

Das Spiel von Sparta gegen die „Stahlwerker“ aus Třinec fing gut an. Sparta ging in einem flotten Duell ziemlich schnell in Führung. Das erste Drittel war aber weitestgehend ausgeglichen, sodass es nicht verwunderte, dass Třinec bald den Ausgleich erzielte. Im zweiten Drittel war Sparta überlegen – allerdings sprang dabei wieder nur ein Tor heraus. Schließlich kam es wie es kommen musste: Třinec glich kurz vor der Schlusssirene noch mal aus. Die Verlängerung war sinnlos, sodass es im Penaltyschießen um den zweiten Punkt ging. Sparta eröffnete den Zweikampf Schütze gegen Torwart und ging in Führung. Spartas Torwart Pöpperle parierte. Dann traf Sparta noch einmal und Pöpperle hielt wieder. So wurde Sparta ein 3:2 gutgeschrieben.

Über tschechische Landstraßen und deutsche Autobahnen brauchten wir für über 300km fast vier Stunden.
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Statistik:
Grounds: 649 (heute 3 neue; diese Saison: 55 neue)
Sportveranstaltungen: 1.381 (heute 3, diese Saison: 67)
Tageskilometer: 310 (310 Auto)
Saisonkilometer: 10.860 (9.420 Auto/ 1.440 Fahrrad/ 0 Flugzeug/ 0 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 96
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 271