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Sonntag, 2. Juni 2013

W357III: Spielausfallseuche im Juni – ganz neue Abgründe des deutschen Amateurfußballs tun sich auf

Tělovýchovná Jednota Krupka (Sž) ------------------------- 4
FK Tatran Kadaň (Sž) ------------------------------------------ 0
- Datum: Samstag, 1. Juni 2013 – Anstoß: 10.00
- Wettbewerb: Krajský přebor starších žáků, Ústecký kraj (4. tschechische U15-Liga, C-Junioren Bezirksliga Aussig/ Elbe)
- Ergebnis: 4-0 nach 73 Min. (37/36) – Halbzeit: 3-0
- Tore: 1-0 5. (?), 2-0 30. (7), 3-0 36. (10, Foulelfmeter), 4-0 68. (7)
- Verwarnungen: Nr. 10 (Krupka); 2x Nr. 7, Nr. 4, 8, 10 (Kadan)
- Platzverweise: Nr. 7 von Krupka (31. Min., gelb-rot nach wiederholtem Foulspiel)
- Spielort: Městský stadion Krupka, Städtisches Stadion Graupen (Kap. 6.700, davon 1.700 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 35 (davon Gästefans: ca. 5)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes, teilweise sehr hart geführtes Spiel bei schwierigen Bodenverhältnissen)

Sportverein Königstein -:- SV Aufbau Pirna-Copitz
- Datum: Samstag, 1. Juni 2013 – Anstoß: --.--
- Wettbewerb: 2. Kreisklasse Sächsische Schweiz/ Osterzgebirge, Staffel Ost (11. und unterste Spielklasse, 6. Amateurliga)
- Ergebnis: Vom Kreisverband auf 15.6. verlegt

Hohnsteiner SV -:- Einh. Bahratal-Berggießhübel II
- Datum: Samstag, 1. Juni 2013 – Anstoß: --.--
- Wettbewerb: 1. Kreisklasse Sächsische Schweiz/ Osterzgebirge, Staffel Ost (10. Spielklasse, 5. Amateurliga)
- Ergebnis: Gast nicht angetreten, 3-0 Wertung für Hohnstein

FSV 1924 Bad Schandau -------------------------------------- 1
Sportverein Struppen ------------------------------------------ 2
- Datum: Samstag, 1. Juni 2013 – Anstoß: 15.00
- Wettbewerb: Kreisliga Sächsische Schweiz/ Osterzgebirge, Staffel Ost (9. Spielklasse, 4. Amateurliga)
- Ergebnis: 1-2 nach 95 Min. (47/48) – Halbzeit: 1-2
- Tore: 0-1 27. Thomas Hähnel, 1-1 74. Kevin Huß, 1-2 75. Christoph Rebisch
- Vergebener Strafstoß: 56. Schandau-Torhüter Stefan Näther wehrt Handelfmeter von Sebastian Müller ab - Verwarnungen: Sascha Springer (Struppen)
- Platzverweise: Sven Herzog von Bad Schandau (56. Min., wegen absichtlichen Handspiels auf der Torlinie)
- Spielort: Sportplatz an der Carolabrücke (Rathmannsdorf; Kap. 236, davon 36 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 45 (davon 40 zählende, keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Ganz gutes und spannendes Spiel)
 DSC06074: TJ Krupka v Tatran Kadaň (Under-15 District League). 
Photos with English Commentary:

Dauerregen, Behinderungen auf der Autobahn, falsche Beschilderungen – fing mal wieder gut an, der Samstag... Mit dem guten Hyundai-Allrad-Mietwagen standen wir dann jedenfalls in der 13. Spielminute einer C-Jugendpartie im Stadion des grenznahen Ortes Krupka, dem früheren Graupen, das wir wegen seiner beiden Burganlagen kennen. Das dortige Stadion wurde mir mal empfohlen und da ich um ein um 13h angesetztes Spiel von Königstein herum eine gute Tour legen wollte – wohl wissend, dass in dieser Kackliga andauernd Termine verschoben werden – war die 10 Uhr Ansetzung ideal.

Das Městský stadion hat eine eindrucksvolle, überdachte Tribüne mit neun Reihen erneuerter, Holz beschlagener Steinbänke. Solche Bänke befinden sich auch noch rechts und links der Überdachung in abgegrenzten Sektoren. Um den Platz herum laufen recht hohe Stehränge, die teilweise etwas heruntergetreten und bröcklig – an einigen wenigen Stellen sogar von Bäumen bewachsen – sind. Oberhalb des Hauptplatzes befindet sich noch ein kleines Stadion mit Kunstrasen und zwei winzigen Holztribüne, daneben eine Sporthalle, eine Schwimmhalle, Tennisplätze und auch eine Rollerballspielfläche. Also eine wirklich schöne Anlage dort in Krupka!

Als wir kamen, stand es schon 1:0 für Krupka. Zum Glück war die Anzeigetafel an, sonst hätte man Fragen müssen, was in Tschechien mitunter selbst bei Fragen auf Tschechisch zu keinem Ergebnis führt, da man nicht mit Ausländern kommunizieren will – die Penner am Tribüneneingang haben nicht mal meine klar verständliche Begrüßung erwidert, aber der Menschenschlag in den meisten Orten in Tschechien ist halt einfach widerlich.
Dafür war das Spiel – in dem mal wieder sehr sehenswerten Stadion – wie oftmals in Tschechien erfreulich gut. Bei Dauerregen und viel Wasser auf dem Platz – in Deutschland hätte man die Jugendlichen auf den Kunstrasen geschickt oder gleich nach Hause, aber man sieht da nur, wie verblödet und verzärtelt unsere Spieler und v.a. Offiziellen geworden sind – wurden viel Kampf und gute Torszenen geboten. Was nicht immer so gut war, waren Körperbeherrschung und Disziplin – OK, starších žáků ist ja auch die U15, also C-Jugend... Beide Punkte fielen beim gastgebenden TJ Krupka (Turnverein Graupen) viel weniger auf, als beim Gast aus Kadaň (Kaaden), dessen Vereinsname Tatran auf die slowakische Motorrollermarke zurückgeht.

Obwohl Krupka in der C-Jugendbezirksliga Ústí abgeschlagen Letzter ist, während Kadaň auf Platz 5 von 14 steht, war Krupka die bessere und aktivere Mannschaft. Bei Kadaň passierten einige Pannen, Krupa rutschte fast nie auf dem Platz aus und spielte wenige Fehlpässe. Krupka zog entsprechend auf 3:0 davon. Das ärgerte einige Gästespieler so sehr, dass sie hemmungslos reinholzten. Nachdem zwei Spieler von Krupka verletzt raus mussten, wurde einer von Kadaň mit gelb-rot vom Platz geschickt. Der Vater des zuletzt kaputtgetretenen Spielers pöbelte dann mal den Foulenden und den Trainer der Gäste an – da waren mal Emotionen! Ganz selten so was Erfrischendes bei den lahmarschigen Tschechen!

In der zweiten Halbzeit ging es deutlich vernünftiger zu, allerdings passierte auch weniger vor den Toren. Kadaň gelang nicht mal ein einziger Treffer, während nach und nach die ungewöhnlichen Spieler der Gäste ausgewechselt wurden – es gibt so wenig Frauenfußball in Tschechien, dass Mädchen dort bis zur B-Jugend mit den Jungen mitspielen und dann zu den Frauenteams wechseln und natürlich auch kaum Afrikaner, sodass die zwei Mädchen und der eine Schwarze sich gewissermaßen vom Rasen abhoben – gelang Krupka noch mit einem ihrer Konterangriffe das 4:0, dass die gute Leistung des Tabellenletzten noch richtig krönte.
 DSC06041: Městský stadion Krupka, home of TJ Krupka. 
In Petrovice einzukaufen stellte sich als ziemlicher Akt heraus: der Supermarkt „TravelFree“ ist zwar gut sortiert und preisleistungsmäßig gut, aber völlig von Deutschen überlaufen. 20 Minuten anstehen an der Kasse, obwohl alle fünf Kassen offen waren! Passend zum „TravelFree“-Werbespruch: „Preise hart an der Grenze“, halt...
Durch schlecht ausgeschilderte Umleitungen kamen wir erst 15.20 am herrlichen Sportplatz in Pfaffendorf, der Heimstätte des SV Königstein an. Wie zu befürchten war, wurde dort nicht gespielt. Bis am Morgen noch angesetzt, hatte der Kreisverband es zur Mittagszeit auf den 15.6. verlegt. Wie alle anderen Partien der Staffel auch. Ohne erkennbaren Grund. Dauerregen ist kein Grund, denn trotz Pfützen war der Platz bespielbar – fragt mal die polnischen Junioren in Szczecin, die bei bis zu 20cm tiefen Pfützen auf dem Hartplatz ein Ligaspiel gemacht haben oder ebenjene Spieler in Krupka von heute früh! Mit seinem Grasbüschel bewachsenen Sand hat der Platz in Pfaffendorf ohnehin die schlechteste Oberfläche des ganzen Kreises oder vielleicht auch ganz Sachsens...

Also erstmal was Essen und dann nach Hohnstein weiter. Dort erwarteten uns ein gepflegter Platz, der nicht mal matschig war und eine kleine, gepflegte Tribüne mit winzigem Holzdach – und ein paar blöd aus der Wäsche glotzende Hohnsteiner, die im Sportlerheim abhingen, da der Gegner von Bahratal-Berggießhübel kurz zuvor seine Absage mitgeteilt hatte. Also 3:0 Wertung gegen die scheiß Einheit II.
 DSC06114: Sportplatz Pfaffendorf, home of SV Königstein. 
Eigentlich wollte ich nur noch ein paar Burgen angucken, aber in Bad Schandau war ja auch ein Spiel angesetzt und da die im Nachbardorf Rathmannsdorf auf Kunstrasen kicken, gab ich diesem scheiß Kreisverband noch die letzte Chance, mir wenigstens ein einziges Spiel zu zeigen. Und das lohnte sich auch: der Kunstrasenplatz in Rathmannsdorf ist zwar an sich scheiße, das Sportlerheim daneben aber ganz nett gemacht und vor allem die Landschaft drum herum schön! Für nur 1,50€ bekamen wir dann ein Kreisliga A Spiel zwischen dem Vorletzten und dem Letzten, der die allerletzte Chance noch die Klasse zu halten wahren wollte, zu sehen.

Der SV Struppen war beim FSV 1924 Bad Schandau zu Gast und die ca. 40 unter dem Vordach des Sportlerheims oder im Regen auf der einzigen freigegebenen Seite des Sportplatzes stehenden Zuschauer bekamen bis zur Pause deutlich mehr vom Gast geboten. Kurz nachdem ihnen ein klarer Foulelfmeter verwährt wurde, hämmerte ein Spieler, der wie der Torwart unserer Leunaer Altherrenmannschaft heißt, den Ball unhaltbar aus 15m in den langen Winkel.
Nach der Pause hatte das Spiel auch mal einen Durchhänger, doch als Bad Schandau besser wurde, fingen sie sich einen Konter ein und eine Reihe von Ecken, deren letzte schließlich nur mit einem Handspiel auf der Linie vom Passieren der Torlinie abgehalten wurde. Rot, Elfmeter, halbhoch – gehalten. Weiter 0:1 also. Nun nutzte Bad Schandau auch mal eine der nicht wenigen Torchancen, drückte einen durchgerutschten Ball zum Ausgleich über die Linie. Doch im Gegenzug ein Treffer aus abseitsverdächtiger Position zum 1:2.

Nicht unbedingt ein verdienter Sieg für Struppen, aber sie haben weit mehr gezeigt, als von einem Absteiger zu erwarten war. Dass sie noch die Klasse halten, werden sie aber wohl selber kaum glauben... 
DSC06165: FSV Bad Schandau v SV Struppen 
Wir fuhren noch mal nach Hohnstein zurück und besichtigten dort die schöne, auf einem hohen Stein (na ja, warum sollte der Ort sonst so heißen?) thronende Burg oberhalb des Dorfkerns. Von dort ging es weiter nach Radeberg, wo uns nicht die Brauerei, sondern nur das Burgschloss Klippenstein – ein schöner, etwas verschachtelter Bau, der aber nicht wirklich auf Klippen steht – interessierte.

Aus der unbeschreiblichen Dummheit der deutschen Amateurfußballverbände und -vereine machten wir auf dieser Tour also noch das Beste – aus dem unbeschreiblich hässlichen Wetter natürlich so wie so.
 DSC06195 
Statistik:
- Grounds: 934 (heute 2 neue; diese Saison: 166 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.811 (heute 2, diese Saison: 234)
- Tageskilometer: 500 (500 Auto)
- Saisonkilometer: 53.360 (43.390 Auto/ 6.500 Flugzeug/ 3.270 Fahrrad/ 210 Bahn, Bus, Tram/ 90 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 94 [Letzte Serie: 6, Rekord: 141]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 357

Montag, 7. Januar 2013

W336II: Viel Show, wenig Niveau – Freiluft-Eishockey in Nürnberg

“Thomas Sabo” Ice Tigers Nürnberg ------------------ 4
Eisbären Berlin --------------------------------------------- 3
Datum: Samstag, 5. Januar 2013 – Anbully: 16.30
Wettbewerb: Deutsche Eishockey Liga (1. Profi-Eishockeyliga)
Ergebnis: 4-3 nach 60 Min. (3x20) – Drittelergebnisse: 0-0, 1-1, 3-2
Tore: 1-0 33. James, 1-1 40. Busch, 2-1 43. Schüle, 2-2 43. Rankel, 3-2 47. Reimer, 4-2 54. Jaspers, 4-3 60. Mulock
Strafminuten: Reimer 2, James 2, Chouinard 2 (Nürnberg = 6 Minuten); Sharrow 2, Mulock 2, Hördler 2 (Berlin = 6 Minuten)
Spielort: Frankenstadion bzw. sogenanntes „Stadion Nürnberg“ (Kap. 50.000, davon 44.308 Sitzplätze)
Zuschauer: „50.000 ausverkauft“ gemeldet (real ca. 48.000, davon ca. 6.000 Gästefans)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Gutes 3. Drittel nach zwei sehr schwachen Spielabschnitten - übertriebenes und eher durchwachsenes Showprogramm - erwartungsgemäß durchwachsene Stimmung)
DSC01528 Photos with English Commentary:

Nachdem wir ein Jahr lang kein Spiel der Eisbären gesehen hatten, wollten wir im Zusammenhang mit einem Europa-Rekord gleich unser erstes Auswärtsspiel des Berliner Eishockeyclubs sehen. Die Skepsis meinerseits bezüglich eines solchen „Events“ sollte sich als noch zu zurückhaltend erweisen, da ich nicht mit der schlechten Leistung beider Teams, insbesondere der der Eisbären gerechnet hatte, sodass es 40 Minuten Eishockey des untersten professionellen Niveaus zu sehen gab und erst dann das zu erwarten gute Spiel.

Für schweinisch teure 29,50€ (die Ermäßigung von 3,50€ war schon lächerlich zu nennen) pro Karte in der Ecke des Oberranges – ein Preis, der mit der Nachfrage von Eventfans und nicht mit dem tatsächlichen Kostenaufwand der Veranstaltung im Zusammenhang zu stehen schien – bestellten wir natürlich schon Wochen vorher unseren Zugang zu diesem gehypten Event.

Schon über zwei Stunden vor dem eigentlichen Spiel gab es Eishockey zu sehen: zwei Altherrenmannschaften, ein Team von Lorenz Funk und das andere von Peter John Lee geleitet, traten gegeneinander an. Dass das ansehnliche Resultat von 4:4 dem sportlichen Zufall geschuldet war, glaubten auch nur die wenig erfahrenen Eishockeyfans. Aber immerhin hat es sich gelohnt, bei diesem Spiel ehemaliger Topakteure des deutschen Eishockeys zuzusehen.

Lohnend zuzuhören war es bei der Darbietung von „BossHoss“, die sehr gute Rockmusik einspielten und sogar [Conny mal den Text in den ~ nicht mitlesen ;-)] ~ eines der beschissensten international bekannten Lieder nach „One Day“ von Avidan welches das beschissenste überhaupt ist, das je geschrieben wurde: Hey Ya von OutKast ~ in eine gut hörbare Form brachten. Die andere Band, „Boots“, wirkte unprofessionell, kam nicht gut rüber und fiel gegenüber „BossHoss“ massiv ab. Noch nervender für die Ohren als „Boots“ waren nur der Sprecher und die Sprecherin, die meinten nach Vorbild US-amerikanischer Moderatoren herumplärren zu müssen. Die Stimmung hat das nicht wirklich angeheizt, da die Fans, die wirklich Stimmung gemacht haben, keine Aufforderungen solcher lächerlicher Clowns brauchen.

Erwartungsgemäß waren die eben erwähnten Eishockeyfans in der absoluten Minderheit. Es war erschreckend, dass außer einem großen Teil der etwa 6000 Berliner nur etwa 1000 Nürnberger Stimmung machten. Teilweise waren selbst diese 1000 Eishockeyfans völlig leise. Vielleicht auch resigniert, da die anderen knapp 40000 die auf ihrer Seite waren, nur LaOla und Klatschpappen unter „Stimmung“ verstanden. Erst beim „Oh wie ist das schön“ kurz vor Schluss sangen ein paar Leute mehr mit. Aber so ist das halt bei einem solchen „Event“ bei dem der Sport nur den Rahmen für Show bietet: die Hälfte des Publikums war noch nie bei diesem Sport und ein Viertel ist es nur selten und kann sich dann entsprechend doch nicht so mit den Teams identifizieren.

Was die größte Choreo im europäischen Eishockey anging, kann man immerhin festhalten, dass sie so misslungen nicht war. Schade, dass bei den rot-weiß-blauen Ponchos der Berliner solche Lücken klafften – siehe Bild von der Eisbären-Website http://www.eisbaeren.de/meldungen/winter-game-knapp-verloren/ – aber nach den ganzen Erklärungen des Clowns zu den weißen Klatschpappen, klappte immerhin das hochhalten dieser Dinger gut. Die Glitzerfahnen der Nürnberg Fans wirkten auch ganz ordentlich. DSC01601 Die Anfeuerungen während des Spiels ebbten auch in den Blöcken der eingefleischten Fans bald ab, wobei sie im Gästesektor nie ganz versiegten. Dass die Stimmung auch unter den Besuchern, die vor Betreten des Stadions wussten, dass beim Eishockey eine Scheibe mit Schlägern geschossen und kein Ball mit Füßen getreten wird, zunehmend verhalten erschien, hatte mit der Qualität des Spiels beider Teams zu tun.

Man kann einige Ausreden finden von wegen stumpfes Eis oder störender Regen, aber de facto waren beide Teams einfach schwach. Die ersten 20 Minuten sahen ein hin und her plätscherndes Spiel mit vereinzelten Torschüssen, die aber kaum einmal vom Goalie vereitelt werden mussten, da diese meist den Kasten verfehlten. So ging es folgerichtig 0:0 in die Pause. Eine Schande, dieser Hype um so ein Gegurke!

Das zweite Drittel war eigentlich noch schlechter, obwohl BossHoss mit dem zweiten Auftritt noch mal die Stimmung etwas anhob. Endlich fielen auch mal Tore. Die Nürnberger hatten sich merklich mehr Chancen erspielt – was bei so einer schwachen Leistung des Gegners auch nicht weiter schwer ist, der hinten dauernd alles offen ließ, sodass die Eistiger Konter fuhren – und kamen auch zum erlösenden 1:0 nach mehr als der Hälfte der Spielzeit. Die erste wirkliche gute Aktion des ganzen Spiels war der hervorragende Schlagschuss von Busch, Sekunden vor Ende des zweiten Drittels, zum Augleich.

Nach dem zweiten Auftritt von „Boots“, der noch schlechter war als der erste – wieso haben die eigentlich das „Sweet Caroline“ für diesen lächerlichen Chor gesungen?! – wurde plötzlich an den tollen Treffer von Busch angeknüpft. Die Nürnberger gingen wieder in Führung und konnten in einem offenen Schlagabtausch nach erneutem Ausgleich der Berliner das Spiel mit zwei weiteren Treffern für sich entscheiden. Nach dem erst per Videobeweis ersichtlichen Treffer zum 4:3 vergab Berlin noch die letzte Chance und zeigte sich als fairer Verlierer. Insgesamt nur 12 Strafminuten von den strengen Schiris (für beide Teams zusammen): für die DEL extrem fair!
DSC01633 Was als Fazit bleibt, ist dass die Überschrift auf der Website der Ice Tigers „Mega-Event mit zufriedenen Gesichtern“ sehr vielsagend ist. Allerdings versteht nur der Fan, der sich ganz gut oder sehr gut mit Eishockey auskennt, was hinter so einer Zeile – vom Autor sicher nicht beabsichtigt – wirklich steckt: Da BossHoss trotz ihrer Deutschkenntnisse dauernd beim albernen Ami-Englisch blieben, ein passendes Zitat im britischen Englisch gegen diese Ice-Tigers-Überschrift: „much ado about nothing“.

Ein bis auf das letzte Drittel schwaches Spiel, eine durchwachsene Show, allenfalls mittelmäßige Stimmung und ein alberner Hype um ein Showevent bei dem der Sport schon fast in den Hintergrund rückt und von den meisten Zuschauern nur besucht wurde, um mal Teil eines „coolen Mega-Events“ zu seien, ohne wirklich Interesse am Eishockey zu haben oder Interesse jemals in eine Eissporthalle zu einem Spiel der DEL oder anderer Ligen zu gehen. Das ganze natürlich für horrende Preise und penetrante Werbung: Mehr als 26,50€ bzw. 29€ haben wir beide nur mal für sehr gute Plätze in der Mitte der Haupttribüne des Wellblechpalastes für Eisbären gegen Hannover Scorpions bezahlt, mehr Werbung als von Schmuckunternehmer (also quasi „Großjuwelier“) Thomas Sabo, der den bankrotten und v.a. von Bionorica (Stichwort: Sinupret) herab gewirtschafteten Club übernahm um so neben einer guten Tat für das Nürnberger Eishockey auch eine gute Tat für seine Werbemöglichkeiten zu tun, habe ich auch noch nicht gesehen. Mich wundert, dass neben einigen mehrminütigen Werbeeinblendungen und unübersehbaren Bannern, nur der ganze Club, die „Thomas Sabo“ Ice Tigers und die „Thomas Sabo“ Eiscrew (lächerliche Cheerleader) von ihm benannt wurden. Mensch Thomas! Da fehlen die „Thomas Sabo-Eismaschine“ und der „Thomas Sabo-Familienblock“! Und was ist mit dem „Thomas Sabo-Bully“ oder dem „Thomas Sabo-Plexiglas“? Die berühmte Thomas Sabo-Eckfahne gibt es ja beim Eishockey leider nicht, obwohl die Nutella sicherlich gerne mal einführen würde, um Manni Breuckmann zu ärgern...

Wie den Bildern zu entnehmen ist, hat sich bald mehr als der Besuch des Spiels der Besuch der Stadt Nürnberg gelohnt. Mal abgesehen vom architektonisch wie historisch interessanten Reichsparteitagsgelände mit dem Zeppelinfeld (ob ich mir dort nicht doch mal noch ein Spiel dieser beschissenen Sportart „American Football“ angucke?) gibt es auch in der Altstadt Interessantes zu sehen. Eine tolle Burganlage, mehrere sehenswerte Kirchen (besonders St. Sebaldus), imposante Brückenbauten und vereinzelte Fachwerkhäuser machen Nürnberg zu einer der schöneren Städte Deutschlands, wobei es aufgrund der sichtbaren Kriegszerstörungen (heute freilich nur noch anhand der Bausünden und primitiven Betonersatzbauten erkennbar) nicht für einen Platz unter den sehenswertesten 20 deutschen Städten reicht... DSC01478 Statistik:
Grounds: 842 (heute 1 neuer; diese Saison: 74 neue)
Sportveranstaltungen: 1.686 (heute 1, diese Saison: 109)
Tageskilometer: 570 (570km Auto)
Saisonkilometer: 25.850 (24.260 Auto/ 1.460 Fahrrad/ 80 Schiff, Fähre/ 50 Bahn, Bus, Tram/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 12 [Letzte Serie: 6, Rekord: 141]
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 336

Donnerstag, 13. Dezember 2012

W333I: Hauptsache Zwei Punkte – Aber Ein „Peinlicher” Sieg War Es Schon...

Chemie Volley Mitteldeutschland (Leuna) ------------ 3
„Zurich Team” VC Olympia 93 Berlin ----------------- 2
Datum: Mittwoch, 12. Dezember 2012 – Beginn: 19.30
Wettbewerb: 1. Volleyballbundesliga (Halbprofiliga)
Ergebnis: 3-2 nach 125 Min.
Satzergebnisse: 25:22, 26:28, 23:25, 25:19, 15:12 (= 114:106)
Spielort: Jahrhunderthalle Spergau (Kap. 1.700 Sitzplätze)
Zuschauer: Gemeldet; 295 – Tatsächliche Zahl; ca. 170 – Davon Gästefans: 0
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Spannendes und unterhaltsames Spiel, aber eine erbärmliche Leistung der Heimmannschaft)
IMG_5600 Photos with English Commentary:

Von Leuten, die sich nicht so mit Sport beschäftigen oder nur sehr einseitig mit ein, zwei Sportarten, bekommt man bei mancher Sportveranstaltung oder zu manchem Spielbericht teilweise die tollsten Fragen gestellt. So was wie: „Wie steht’s denn?“ – „1:1“ – „Äh, OK… Für wen?“ … Aber Gar nicht so doof war die Frage einer Mitschülerin, die mich vor einigen Jahren mal gefragt hat, ob es auch Siege gibt, über die man sich ärgern muss als Anhänger der Siegerseite. Vor dieser Frage hatte ich erst ein, zwei – zwischen der Fragestellung und heute aber mittlerweile eine ganze Reihe solcher Siege gesehen. So auch heute, als in der 1. Volleyballbundesliga der mit 6 Pluspunkten auf dem 8. Rang stehende CVM aus dem Leunaer Ortsteil Spergau auf den sieglosen Tabellenletzten VCO Berlin traf. Man sollte zwar bei dieser Fragestellung nicht die sogenannten nutzlosen Siege wie ein 2:1 nach einer Hinspielniederlage von 1:3 in einem Fußballpokalwettbewerb oder ein Sieg, der trotzdem den Abstieg bedeutet, da die einen Punkt vor dem Sieger stehende Mannschaft zeitgleich auch gewinnen konnte – vergessen, aber in erster Linie sind die „ärgerlichen“ Siege jene, bei denen man sich blamiert, da man trotz schlechter Leistung gewinnt oder einen völlig unterlegenen Gegner auf die leichte Schulter nimmt und entsprechend ins Schwimmen gerät. Diese Siege kann man dann auch getrost als „peinlich“ abstempeln.

Da ich es mit der Bundesligamannschaft aus Sachsen-Anhalt halte, freute ich mich zwar über die beiden Pluspunkte, doch ärgerte mich in erster Linie darüber, wie peinlich diese zustande kamen. Nämlich in einem spannenden und unterhaltsamen, aber weder spielerisch sonderlich guten, noch von CVM auch nur ansatzweise überzeugend geführten Spiel. Wenn man gegen den Berliner VCO – das ist die deutsche Olympiamannschaft, die sich außer Konkurrenz (also ohne den Druck absteigen zu können) von den Bundesligisten zu Übungszwecken abschießen lassen darf, wobei sie natürlich nicht als Aufbaugegner für die Profi- und Halbprofiteams gedacht sind, sondern die Mannschaft selbst soll außerhalb der Länderspiele Übung im gemeinsamen Zusammenspiel haben – nur 3:2 gewinnt, dann ist das einfach lächerlich. Diese Olympiamannschaften im Ligenspielbetrieb sind natürlich keine so blöde Idee: Die Methode ist in manchen Ländern selbst im Fußball normal, wobei in den wenigstens Fällen eine solche Olympiaauswahl derartig unfähig ist, auf Augenhöhe mitzuspielen, wie es der VCO im deutschen Volleyball ist. Doch peinlich war für die Spergauer bereits das Hinspiel, da sie auch in Berlin zum Saisonauftakt ganze fünf Sätze benötigten, um die U19-Mannschaft zu besiegen. Nur zwei weitere Satzgewinne gelangen den Berlinern in 8 weiteren Spielen – immerhin besser als ihr Pendant in der Frauenliga, das in den 9 Spielen nicht einen einzigen Satz gewann, sodass die Spiele der VCO-Frauen auch selten mehr als 65 Minuten dauern. IMG_5620 Dieses Spiel heute dauerte dann unglaubliche 125 Minuten und fünf Sätze. Zwischenzeitlich sah es sogar nach einem Gästesieg aus, da die Profis und Halbprofis reihenweise Fehler produzierten und die Jugendlichen frei aufspielen ließen. Satz eins wurde mit Hängen und Würgen gewonnen. Satz zwei durch peinliche Fehler der Mannschaft und einzelne Fehlentscheidungen der Schiedsrichter, die alle zugunsten der Berliner ausfielen, verloren. Satz drei war eine unfassbar peinliche Vorführung der Profi- und Halbprofimannschaft, wobei insbesondere die US-amerikanischen Profispieler unterirdisch die Bälle durch die Gegend hauten, sodass VCO mit 23:25 gewann. Der vierte Satz war phasenweise stark vom CVM mit präzisen Aufschlägen und starken Ballwechseln beachtlicher Länge, die die Sachsen-Anhalter für sich entschieden, geprägt, was einen Tiebreak nötig werden ließ. Dieser war durch Fehler und Durchhänger noch einmal eng geworden, nachdem CVM mit bis zu 6 Punkten führte, was aber auch an der Undiszipliniertheit der Gastmannschaft lag. Von den Jungs sind wohl noch einige nicht aus der Pubertät heraus, und meinen, dauernd die Schiedsrichter zulabern zu müssen. Diesen einen Strafpunkt im Tiebreak hätten die schon spätestens Mitte des vierten Satzes bekommen müssen. Über Schiedsrichterentscheidungen brauchten die Olympioniken sich nie aufzuregen bei einem Hauptschiedsrichter, der aus Berlin kam. Ich dachte, ich sehe nicht richtig, als ich die Ansetzung gelesen habe – das ist ja wie beim Handballverband Sachsen-Anhalt...

Wofür ich dann aber Verständnis hatte, war das Vollmaulen des hyperaktiven Hallensprechers. Der geht mir so wie so mit jedem Spiel mehr auf den Sack, weil er mit seiner dauernden hysterischen Rumplärrerei und scheiß Musikeinspielerei jegliche Stimmung auf den Rängen tötet. Wer mal hören will, wie schön Stimmung beim Volleyball seien kann, wenn man nicht alle 10 Sekunden Musikeinspielungen und Geplärre hat, kann ja mal dieses Video aus Griechenland anschauen. Und wenn man nicht auf Show verzichten will, kann man es auch so machen wie in Marokko: Volleyballvideo Tanger.
Jedenfalls: Schlimm war die Bemerkung des Sprechers nach Spielschluss; da wird keine Zuschauerzahl genannt, nicht auf die Spieldauer eingegangen und auch keine anderen spielstatistischen Daten genannt, sondern von einem „Weihnachtsgeschenk“ an die Berliner in Form der beiden Sätze gefaselt. Der VCO hat zwar vor allem durch die fast durchweg schlechte Leistung des Gastgebers und nicht durch eigene Spitzenleistungen die zwei Sätze geholt, aber unsportliche Bemerkungen wie diese hat ein Hallensprecher generell zu unterlassen. Leider ist es aber bei einigen Sportarten in Deutschland beliebter, anstelle eines seriösen Mannes oder einer seriösen Frau, einen dauerkrakeelenden Clown ans Mikro zu setzen. IMG_5655 Statistik:
Grounds: 833 (heute kein neuer; diese Saison: 65 neue)
Sportveranstaltungen: 1.673 (heute 1, diese Saison: 96)
Tageskilometer: 20 (20 Auto)
Saisonkilometer: 22.370 (20.730 Auto/ 1.410 Fahrrad/ 80 Schiff, Fähre/ 50 Bahn, Bus, Tram/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 12 [Letzte Serie: 6, Rekord: 141]
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 333

Sonntag, 9. Dezember 2012

W332II-III: Handballwochenende im Westen

* Teil 1: Ein Sieg mit einem Tor nach langem Rückstand, zwei Freiwürfe in der Schlusssekunde und Tumulte nach Spielende – das nenn ich mal Handball! *

HSG Hanau (TV Kesselstadt/ Turnerschaft Steinheim) 32
Turnverein 1861 Gelnhausen -------------------------------- 31
Datum: Freitag, 7. Dezember 2012 – Anwurf: 20.15
Wettbewerb: Oberliga Hessen (4. Handballliga, 1. Amateurliga)
Ergebnis: 32-31 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 17-19
Tore: k.A. (Hanau); k.A. (Gelnhausen)
Gelbe Karten: k.A. (Hanau); k.A. (Gelnhausen)
Zwei-Minuten-Strafen: k.A. (Hanau = ? Minuten); k.A. (Gelnhausen = ? Minuten)
Platzverweise: keine
Spielort: Sporthalle der Otto-Hahn-Schule Hanau-Kesselstadt (Kap. 400 Sitzplätze)
Zuschauer: mind. 300 (davon ca. 50 Gästefans)
Unterhaltungswert: 8,0/10 (Sehr spannendes, gutklassiges und emotionales Spiel, das aber einen eher unverdienten Sieger hatte)
IMG_5288 Photos with English Commentary:
Handball in Hesse: HSG Hanau v TV Gelnhausen 

Da mein Vater ein Klassentreffen in Frankfurt wahrnahm, - und anvisierte Fußballspiele am Samstag abgesagt wurden - gab es ein reines Handballwochenende am Freitag 7.12. und Samstag 8.12. in Westdeutschland. Dabei machte ein Spiel der Oberliga Hessen für mich den Anfang. Ich war erstaunt, wie einfach doch die Halle zu finden war – mein Vater war ja bei seinen alten Schulfreunden und ich kannte mich gar nicht aus in der Gegend – sodass die Zeit vorm Spiel noch reichte, um sich mal das barocke Hanauer Schloss anzugucken. Fachwerk gibt es übrigens auch zu sehen dort, aber es war natürlich nur Weniges angestrahlt an diesem verschneiten Winterabend, sodass ich nicht so genau sagen kann, wie sehenswert die östlich von Frankfurt liegende 90.000-Einwohner-Stadt wirklich ist. 

Die Sporthalle der nach dem Physiker benannten Gesamtschule ist jedenfalls nicht uninteressant. Über den mäßigen baulichen Zustand war ich überrascht: schlechte Beleuchtung, eine etwas abgenutzte Tribüne mit Kunststoffauslegung und Holzbänken direkt am Spielfeldrand, nur teilweise funktionierende Uhren und eine mickrige Anzeigetafel, die keine Strafen anzeigte, dann Backsteinwände und Kunststofftäfelung in der Decke mit darin eingelassenen Neonröhren – man kann erahnen, wie wenig in den Breitensport in Hessen fließt. Wenn man dort ein Spiel des viertklassigen Zusammenschlusses des Turnverein Kesselstadt und der Turnerschaft Steinheim, der unter dem Namen HSG Hanau läuft, besuchen will, fließt allerdings relativ viel Eintrittsgeld: 8€ und ermäßigt (Schüler, Studenten u.a.) 5€. Für einen an die MOL-Eintrittspreise Gewöhnten wirkt das richtig krank: dort sind 5€ der Durchschnitt bei regulären Karten und 3€ bei ermäßigten Karten. So viel zahlt man im Osten sonst für 3. oder 2. Liga. Und dabei gibt es sogar noch teurere Vereine in der Hessen-OL, als die HSG! Denen geht es doch echt zu gut, da drüben… Ein solcher noch teurerer Club ist der Aufstiegsanwärter TV Gelnhausen, der heute in der Sporthalle OHS gastierte. Der durch Bankrott so weit unten gelandete TV Wallau ist allerdings ungeschlagen vorne und Gelnhausen dürfte die Wallauer auch kaum noch einholen können. 

Doch die Busladung Fans feuerte die über weite Strecken des Spiels bessere und dementsprechend in Front liegende Mannschaft ausdauernd an. Noch ausdauernder, als es die Hanauer mit ihrer kampfstarken Truppe taten, die die Favoriten nie davonziehen ließen. In einem wirklich sehr guten, da auf hohem technischen Niveau befindlichen Spiel mit sehr vielen Torszenen, schien bereits nach 10 Minuten, als Gelnhausen mit vier Toren führte, eine Richtung des Spielverlaufes vorgegeben. Doch Hanau kämpfte sich immer wieder heran. Zwei Tore zurück, ein Tor zurück, Ausgleich, ein Tor zurück, Ausgleich, zwei Tore zurück, Ausgleich, und so weiter… 

Bei Pause stand es 17:19, was allerdings auch mehreren Fehlentscheidungen des Dotzheimer Schiri-Gespannens geschuldet war. Eigentlich hätte es 15:19 stehen müssen. Auch in der zweiten Hälfte trafen die Unparteiischen mehrere Fehlentscheidungen. Es waren insgesamt wenige falsche Pfiffe – zumindest deutlich weniger, als die Gästefans es ihnen vorwarfen – doch diese wenigen reichten aus, um dem Spiel einen entscheidenden Drall zu geben. Die kampfstarken Hanauer gaben sich nie auf, sodass es ein wirklich enges Spiel war – und wenn man zwei, drei unberechtigte Zeitstrafen gegen Gelnhausen und zwei irreguläre Hanauer Tore gibt, dann ist das schon spielentscheidend. So kam es, dass Hanau mit 32:31 bei 59.15 in Führung ging. In hektischen und umkämpften Spielzügen holte Gelnhausen bei 59.59 einen Freiwurf vorm Wurfkreis heraus, der in die Mauer gezimmert wurde. Mehrere Zuschauer liefen schon jubelnd aufs Feld. Wenigstens haben die nicht den Siebenmeterpunkt ausgegraben…
Die Mauer hatte sich zu früh bewegt; also zwei Minuten gegen den einen Hanauer und noch mal die ganze Scheiße. Leider ging auch beim zweiten Mal der Ball in die ausgestreckten Arme der in der Mauer stehenden Hanauer. Aber eigentlich wäre auch dieser eine Punkt noch zu wenig gewesen für Gelnhausen. Seltsam, dass nach einem unverdienten Sieger beim Frauenhandball am letzten Sonntag nun bereits am Freitag eine zweite Mannschaft das Prädikat „Unverdienter Sieger dank Dusel und Schiris“ erhalten muss. Gibt es beim Handball ja selten… 

 Emotionen gibt es ja beim Handball leider auch mittlerweile recht selten, sodass man die Szenen der Schlussphase und der ersten Minuten nach dem Abpfiff als ungewöhnlich bezeichnen muss: Erst flog ein Programmheft aus dem Gästeblock aufs Feld, was zum einen eine hysterische und überzogene Durchsage des Hanauer Hallensprechers und zum anderen Pöbeleien eines Ordners der Sorte „gib dem dümmsten Großmaul die Binde“ nach sich zog. Kaum war das geklärt, war das Spiel auch schon vorbei. Und während Hanau jubelte, gab es wohl ein paar (bei dem Spielverlauf absolut nachvollziehbare) Beleidigungen von Gelnhäuser Spielern. Allerdings sind auch die derbsten Beleidigungen kein Grund als Siegermannschaft so aufzutreten, wie Hanau es dann tat: wie auf dem hinterletzten Dorf zettelten einzelne Spieler und Offizielle der Hanauer ein Handgemenge an. Über was hatten die sich eigentlich zu beschweren? Wenn man so gewinnt, feiert man mal kurz und überhört Sprüche der Gegner – aber macht nicht so ein Theater. Den beklopptesten Spieler musste man gewaltsam in die Kabine zerren und auch manche der aufs Feld gestürmten Zuschauer wollten die Schlichtungsversuche der mehrheitlich vernünftigen Zuschauer stören. Als Neutraler konnte ich mir die Szenen natürlich ruhig und belustigt ansehen. Es kam ja auch niemand zu Schaden. Aber als Gelnhäuser hätte ich noch Stress gemacht… IMG_5307 Statistik für Freitag 7.12.:
Grounds: 831 (heute 1 neuer; diese Saison: 63 neue)
Sportveranstaltungen: 1.670 (heute 1, diese Saison: 93)
Tageskilometer: 440 (440 Auto)
Saisonkilometer: 21.560 (19.920 Auto/ 1.410 Fahrrad/ 80 Schiff, Fähre/ 50 Bahn, Bus, Tram/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 12 [Letzte Serie: 6, Rekord: 141]
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 332

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* Teil 2: Handball im Keller beim FC Köln und Magdeburg schießt Gummersbach mit 13 Toren Unterschied ab *

1. Fußball-Club Köln 01/07 ------------------------------ 36
Handball-/ Gymnastik-Verein 1998 Hürth-Gleuel II 26
Datum: Samstag, 8. Dezember 2012 – Anwurf: 15.00
Wettbewerb: 1. Kreisklasse Köln/ Rheinberg (8. Handballliga, 5. Amateurliga)
Ergebnis: 36-26 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 17-12
Torfolge: ?-?, 3-1, 3-2, 4-2, 4-3, 8-3, 8-5, 9-5, 9-6, 12-6, 12-9, 16-9(!), 16-12, 17-12// 21-12(!), 21-13, 23-13, 23-14, 24-14, 24-17, 27-17, 28-17, 28-19, 29-19, 29-20, 30-20, 30-21, 33-21, 33-22, 34-22, 34-23, 36-23(!), 36-26
Gelbe Karten: Nr. 5, Nr. 9 (FCK); keine (HGV)
Zwei-Minuten-Strafen: keine (FCK = 0 Minuten); keine (HGV = 0 Minuten)
Platzverweise: Nr. 11 von HGV (25. Min., angeblich grobes Foulspiel)
Spielort: Sporthalle der Europaschule (Kap. 400, davon 300 Sitzplätze)
Zuschauer: 11 (2 Gästefans, 2 Neutrale und 7 FCK-Anhänger)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Gutes Spiel der unteren Amateurebene)

VfL Gummersbach von 1861 --------------------------- 24
SC Magdeburg -------------------------------------------- 37
Datum: Samstag, 8. Dezember 2012 – Anwurf: 19.00
Wettbewerb: 1. Handballbundesliga bzw. sogenannte „DKB HBL“ (1. Profihandballliga)
Ergebnis: 24-37 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 10-20
Tore: Adrian Pfahl 7, Robin Teppich 4, Dennis Krause 4, Goran Sprem 3, Tobias Schroeter 2, Michal Kopco 1, Barna Putics 1, Jörg Lützelberger 1, Jan-Lars Gaubatz 1 (Gummersbach); Yves Grafenhorst 8, Tim Hornke 6, Fabian van Olphen 5, Andreas Rojewski 5, Robert Weber 5, Moritz Schäpsmeier 3, Philipp Weber 3, Bartosz Jurecki 1, Stian Tönnesen 1 (Magdeburg)
Torfolge: 1-0, 1-1, 2-1, 2-4, 3-4, 3-9(!), 4-9, 4-10, 6-10, 6-14, 8-14, 8-17, 9-17, 9-19, 10-19, 10-20// 10-22(!), 11-22, 11-25, 12-25, 12-26, 13-26, 13-27, 14-27, 14-29, 16-29, 16-32 (!!!), 20-32(!), 20-33, 22-33, 22-35, 24-35, 24-37 Sieben-Meter-Quote: VfL 1 von 2 (50%) – SCM 2 von 3 (67%) Gelbe Karten: Michal Kopco, Jörg Lützelberger (Gummersbach); Bennet Wiegert, Stian Tönnesen, Robert Weber (Magdeburg)
Zwei-Minuten-Strafen: Michal Kopco 2x, Dennis Krause (Gummersbach = 6 Minuten); Robert Weber, Andreas Rojewski (Magdeburg = 4 Minuten)
Platzverweise: keine
Spielort: Eugen-Haas-Halle (Kap. 2.105, davon 2.005 Sitzplätze)
Zuschauer: mit 2.105 als ausverkauft gemeldet (real max. 1.950, davon ca. 100 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,5/10 (Ganz hervorragende Leistung des SCM in einem sehenswerten Spiel!)
IMG_5353 Photos with English Commentary:

Nach dem Frühstück im Frankfurter ETAP besichtigten wir die Burgruine Frankenstein, die natürlich nicht nach der Horrorfigur heißt. Die Anlage ist recht gut erhalten, auf einem bewaldeten Berg gelegen, wobei nur einer der beiden Türme begehbar ist. Einen weiteren Besichtigungsstopp legten wir in Limburg an der Lahn ein. Dort gibt es herrliche Fachwerkgebäude und einen sehr sehenswerten Dom. Definitiv eine der schönsten Städte Hessens (oder vielleicht auch die schönste?) aufgrund der geschlossenen Altstadt, die auch landschaftlich schön liegt, dieses Limburg! 

Das Handballspiel in Köln, das nur als Ersatz für ein natürlich ausgefallenes Fußballspiel von Viktoria Köln – es lagen 5cm Schnee, was ja hierzulande als eine Gefahr für Leib und Leben eingestuft wird – fungierte. Allerdings war es doch recht lohnend, da es in einer der kuriosesten Sporthallen, die ich je gesehen habe, stattfand. 

Diese Halle war allerdings gar nicht so leicht zu finden, denn wer bei der Sporthalle der Europaschule auf dem Schulgelände der gleichnamigen Bildungseinrichtung im Süden Kölns einen Anbau oder ein separates Gebäude auf dem Schulgelände erwartet, liegt falsch. Zusammen mit einem Gästefan schafften wir es aber, bis zur 5. Spielminute nach 15 Minuten rumsuchen die Halle zu finden, die sich im zweiten Kellergeschoss des Schulbaus befindet. Ja: im Kellergeschoss. Richtig unter der Erde! Also in Leipzig ist mir ja schon eine Fecht- und Volleyballhalle im dritten Obergeschoss einer Jugendstilvilla untergekommen, was freilich der absolute Knaller ist (Sporthalle Leplaystraße) – doch das war auch nicht schlecht hier! Leider fanden sich auf der fünfreihigen, schwarzen, nach vorne hin trotz einer kleinen Kante zum Feld hin nicht gesicherten Tribüne nur etwa 10 Leute ein. Dabei war nur der mit uns gekommene Mann für die Gastmannschaft. Und OK: das Baby des einen Hürther Spielers kann man auch zu den Gästefans zählen. Doch auch für die Kölner waren gerade einmal 7 Leute. Wenn ich das mal mit Chemie Leipzig vergleiche, die ja auch eine viel bekanntere Fußballabteilung haben – da sind bei der Handballabteilung aber nicht nur 7 sondern locker 70 Zuschauer zugegen; und das noch ein paar Ligen tiefer! 

So war es unheimlich ruhig in der Halle und die Diszipliniertheit der Spieler trug auch zu der stillen Atmosphäre bei. Die Akteure waren ja schon zu diszipliniert – da können ja keine gesunden Emotionen aufkommen! Bei der unberechtigten roten Karte gegen Hürth hätte es bei normalen Mannschaften ziemliches Geschrei gegeben. Der Unparteiische hatte nämlich den Schulterstoß eines Hürthers, der zu einem leichten Sturz eines Kölners, der aber auch ohne Rücksicht zum Torwurf mit der Brust nach vorne in den Gegner ging, der ihn zu Fall brachte, als grobes Foul gewertet. Ansonsten pfiff er aber sehr gut – und im Übrigen alleine, was es in Sachsen-Anhalt oberhalb der E-Jugend nie gibt. Es gab aber auch nur einen Zeitnehmer, der dem gechillt übers Feld trabenden Referee unterstützte bzw. die nicht übermäßig gut funktionierende Anzeigetafel bediente. Der Hürther Fan hatte uns von den Personalsorgen seines Teams erzählt, was sich auch auf dem Feld zeigte. Das Spiel war wirklich nicht schlecht und konnte mit vielen strammen Torwürfen, starken Torhüterparaden, zackigen Tempogegenstößen der Kölner und anderem mehr aufwarten. Mit Spannung konnte es allerdings nicht dienen, denn der FCK zog schon von der Pause mit fünf und nach der Pause mit bis zu 13 Treffern davon. Am Ende war der 10-Tore-Sieg auch angemessen. IMG_5461 Wir sahen zu, gleich nach Gummersbach weiter zu fahren. Dort in der hässlichen Kleinstadt im Bergischen Land spielt der VfL in einer Halle, die für die Bundesliga eigentlich eine Lachnummer ist, aber deshalb ja gerade so interessant. Mitten im Ort gelegen, kaum Parkplätze drum herum, bis auf die neue Längstribüne ziemlich veraltet, außerdem teilweise verbaut und vor allem ziemlich eng und klein. Nur 2.105 Zuschauer dürfen in die Halle und die können sich dann auf eine neue siebenreihige 0815-Tribüne mit Schalensitzen aber ohne jegliche Sichtbeeinträchtigungen, eine Hintertortribüne mit Holzbänken und störendem aber nötigem Fangnetz oder die steile, hohe Haupttribüne mit Holzbänken und einigen Sichtbehinderungen durch Absperrungen zum Spielfeld hin setzen. Diese interessante Halle wird aber leider noch im Laufe der Saison durch ein neue abgelöst werden, da diese Halle dann zwar für die II. Mannschaft oder die Jugend noch reicht, aber für die Bundesliga ja nun auch weniger streng betrachtet beim besten Willen nicht ausreichend ist. 

Ausverkauf war die Eugen-Haas-Halle zwar nicht wirklich, aber doch sehr voll, sodass die knapp 100 SCM-Fans anfangs kaum zu hören waren, was sich ab der 33. – in der auch der Letzte die Hoffnung auf ein Comeback der Gummersbacher aufgab – allerdings änderte. Denn zu feiern hatte nur der Anhang aus Magdeburg, in Anbetracht der Tatsache, dass sie außer nach einer und nach drei Minuten beim 1:0 bzw. 2:1 für den VfL nie zurücklagen und nach dem 2:2 in der dritten Minute auch nur noch in Führung lagen. Und das mit bis zu 16 Toren! Gummersbach wurde regelrecht vorgeführt, doch es war nicht nur die Schwäche des VfLs mit seinen Fehlpässen und Fehlwürfen, sondern in erster Linie die hervorragende Leistung des SCM, die zu diesem tollen Ergebnis von 24:37 führte! Wahnsinn, was da für Spielzüge funktionierten: vom Torwart quer durch die Halle an den Wurfkreis gebracht und im Sprung ins Tor gezimmert – am Kreis im Sprung zugespielt und vollendet oder per Rückhand durch den Kreis auf Außen und dann mit einem Aufsetzer mit ordentlich Spin ins lange Eck; einfach genial! Die Rückfahrt zog sich dann natürlich etwas, aber der SCM-Fanbus war sicherlich noch erheblich später zurück in der sachsen-anhaltischen Hauptstadt als wir in der Hauptstadt des sachsen-anhaltischen Saalekreises… IMG_5473 Statistik für Samstag 8.12.:
Grounds: 833 (heute 2 neue; diese Saison: 65 neue)
Sportveranstaltungen: 1.672 (heute 2, diese Saison: 95)
Tageskilometer: 790 (790 Auto)
Saisonkilometer: 22.350 (20.710 Auto/ 1.410 Fahrrad/ 80 Schiff, Fähre/ 50 Bahn, Bus, Tram/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 12 [Letzte Serie: 6, Rekord: 141]
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 332

Montag, 24. Oktober 2011

W273III: Erst zu früh gefreut und dann doch die Meisterschaft gefeiert

MSC Puma Kuppenheim 7:8 (n.E.) SV Bergfried Leverkusen
Datum: Sonntag, 23. Oktober 2011 – Anstoß: 15.00
Wettbewerb: Finale der 1. Motoball-Bundesliga
Ergebnis: 7:8 nach 102 Minuten + Elfmeterschießen (4x20 Min. reguläre Spielzeit + 2 Min. Nachspielzeit + 2x10 Min. Verlängerung)
Viertelergebnisse: 2:1, 0:1, 1:1, 1:1/ Verlängerung: 2:1, 0:1/ Elfmeterschießen: 1:2 (nach je 3 Schützen)
Tore: 1-0 8. Th. Schmitt, 2-0 16. Kaczynska, 2-1 17. Sinn, 2-2 27. Sinn (Überzahl), 2-3 52. Häfner, 3-3 56. Walz, 3-4 81. Loskand, 4-4 82. Th. Schmitt (Unterzahl)
Verlängerung: 5-4 82. Kaczynska (Unterzahl), 5-5 85. Sinn (Überzahl), 6-5 89. Th. Schmitt (11m, Unterzahl), 6-6 96. Loskand (Überzahl)
Elfmeterschießen: 6-7 Häfner, 7-7 Th. Schmitt, 7-8 Loskand, Pottoff hält gegen H. Schmitt, Schettler hält gegen Sinn, Pottoff hält gegen Kaczynska
Vergebene Strafstöße im Spiel: 29. Potthoff (Torwart-Leverkusen) wehrt 16m von Th. Schmitt ab; 71. Kaczynska (Puma) schießt 11m daneben
Grüne Karten (2 Minuten): 1x Walz (Puma); 2x Häfner, 1x Loskand, 1x Sinn (SVB)
Gelbe Karten (5 Minuten): 2x Fr. Schmitt, 1x Walz (Puma)
Rote Karten (Platzverweise): 76. Fr. Schmitt (Puma, 2x gelb, d.h. wiederholt grober Regelverstoß)
Spielort: Motoball „Arena“ am Hardtsee, Ubstadt-Weiher (Kap. 3.048, davon 48 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 3.000 (darunter ca. 2.000 für Kuppenheim und mind. 100 für Leverkusen)
Unterhaltungswert: 7,5/10 (Kam zwar lahm in die Gänge, dann aber an Ausgeglichenheit, Spannung und Dramatik kaum zu überbieten)
Photos and English version:

Der souveräne Sieger der Südstaffel – Puma Kuppenheim – und der noch souveränere, aber Aufgrund der Überlegenheit der Baden-Württembergischen Mannschaften aus der Südstaffel als Außenseiter ins Play-off Finale gehende Sieger der Nordstaffel – SVB Leverkusen – trafen in Ubstadt-Weiher bei Karlsruhe aufeinander. Bevor wir uns dieses Duell der beiden besten Motoballmannschaften Deutschlands ansahen, guckten wir uns auch noch die „Fächerstadt“ Karlsruhe an, die zwar fast nur gesichtslose Betonarchitektur vorweisen kann, aber diese immerhin in den historischen Straßenzügen die fächerförmig vom barocken Prunkschloss aus verlaufen. Deshalb ja auch Fächerstadt. Und da dieses Schloss mit seinem Garten auch so ein spektakulärer Bau ist, kann man sich Karlsruhe ruhig mal angucken.

Was ich die Saison an Motoball gesehen habe war ja sehr durchwachsen: Halle hat erst völlig überforderte Anfänger aus Seelze mit 10:1 in einem sehr schönen Spiel abgeschossen, dann habe ich das Spiel der Hallenser gegen Leverkusen gesehen – der Tabellenführer spielte arrogant und schlecht und gewann äußerst glücklich 1:2 – und das letzte Spiel war auch das Letzte in Sachen Niveau der Hallenser, die mit ihrem saudummen Verhalten in Kierspe einen Spielabbruch hinkriegten. Der nicht funktionierenden Sportgerichtsbarkeit im deutschen Motoball – Motoball ist so ziemlich die einzige Sportart hierzulande, in der man sich de facto daneben benehmen kann wie man will – kann Halle danken, dass selbst Tätlichkeiten gegen die Schiedsrichter keine Konsequenzen nach sich ziehen.

Heute hatte das Spiel natürlich ein ganz anderes Niveau und die Disziplin der Spieler beider Teams war schon erstaunlich. Zudem ist die Sportanlage mal ein richtiges Stadion: vier Reihen Betonstufen auf jeder Längsseite, die eine Hintertorseite ausbautenlos, hinter der anderen ein steiler und teils mit Bäumen bewachsener Graswall, ein auffälliger Sprecherturm, eine schlecht lesbare aber formschöne Anzeigetafel und ganz besonders formschöne Flutlichtmasten. Die mickrige VIP-Tribüne (48 rote und blaue Schalensitze, davor etwas Begrünung) hinter der vierten Reihe der einen Stehtribüne sieht auch ganz in Ordnung aus. Der Platz ist allerdings ziemlich eng, was der Geschwindigkeit des Motoballspiels selten gut tun kann, und eine Betonspielfläche. Der Torraum ist übrigens mit Hartgummiverbundpflaster oder so was ausgelegt.
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Dafür, dass man sich die beiden Besten in diesem vielleicht größten Motoball-Stadion Deutschlands ansehen durfte, musste man allerdings auch so viel Eintritt bezahlen, wie man sonst bei zwei oder drei Motoballspielen lässt: 12€ normal und für Studenten, Schüler, Rentner etc. immer noch 8€. Da es allerdings das Finale war, was mit höherem organisatorischem Aufwand daherkommt und sowieso mehr Brisanz als ein normales Ligaspiel hat, sind diese Preise zwar grenzwertig aber noch akzeptabel. Ob man aber unbedingt die dörfliche Folklore vor dem Anpfiff hochleben lassen muss und einen Fanfarenzug da eine Viertelstunde lang rumtröten und -trommeln lassen muss... Na ja: das hat auch Einheimischen neben mir nicht so gefallen. Hinter uns hatten sich übrigens auch die neben uns weitgereistesten Fans eingefunden: Niederländer aus Budel. Unser Dacia mit „SK“-Kennzeichen fiel vielen doch auf, auf dem Parkplatz, da man von einem Baden aus dieser Gegend (Kuppenheim liegt ja z.B. bei Rastatt im Bezirk Karlsruhe) ja auch kaum Verlangen kann, so ein abartiges Kennzeichen wie SK zu kennen – so was wird ja nur noch von den bayrischen Dorfkennzeichen wie „DGF“, „TIR“ (so eine Kennung tragen in einigen Ländern LKWs) oder „AIC“ getoppt.

Die erste Phase des Spiels über hatte man ja auch schon Zweifel, was an diesem Finale so toll sein sollte. Ein technisch gutes, aber langsames und Torszenenarmes, also kaum durchschnittliches Spiel entwickelte sich. Der Favorit aus der Gegend, der auch logischerweise bei dieser bescheuerten Ansetzung (statt das Finale auch Hin- und Rückspiel auszutragen: Nein, man sucht den Kick dadurch, es in einem Spiel auf einem angeblich „neutralen“ Platz auszutragen) die klare Mehrheit der Fans stellte, während Leverkusen nur eine niedrige dreistellige Zahl an Fans mitbrachte, ging schnell in Führung. Kuppenheim schnürte Leverkusen ab der 10. Minute völlig ein und ging schnell mit zwei Toren in Front – das 2:0 war ein genialer direkter Freistoß in den Winkel! Aber bis zur ersten Pause kamen die Rheinländer doch noch auf ein Tor heran.

Dass Leverkusen gezwungen war etwas zu tun, tat dem Spiel sehr gut. Sonst spielen die Pfeifen nämlich nur defensiv und verzögern das Spiel. So wie sie es dann auch taten, als sie zwei weitere Tore prima herausgespielt hatten. Es stand zu befürchten, dass sie nun 25 Minuten den Ball hin und her fahren würden, doch Kuppenheim schoss den Ausgleich, was dem Spiel noch besser tat. Allerdings wurde es nun etwas hektisch und ein Kuppenheimer musste wegen wiederholten groben Regelverstoßes vom Feld. Leverkusen hatte also 14 Minuten lang Zeit, um mit 4 gegen 3 Feldspieler den Titel einzufahren. Erst Sekunden nach dem regulären Ende gelang es ihnen durch ein ganz billiges Tor. Na ja: fast... Denn als die Leverkusener schon ausgelassen jubelten, die Betreuer und erste Fans aufs Feld liefen, zeigten die Schiedsrichter, die zum Ende der Partie immer mehr die Übersicht verloren und eigentlich ihre Gesten nach zu Urteilen schon abgepfiffen hatten, an, dass es noch weiter gehen musste. Allerdings war auch die angezeigte Nachspielzeit noch gar nicht abgelaufen, insofern die Entscheidung also korrekt. Das Spiel wurde auch wieder aufgenommen und was passierte dann Sekunden vor dem Ende? Richtig! Kuppenheim glich in Unterzahl mit einem überlegten Schuss aus. Wahnsinn!
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Die Verlängerung musste her und da es hier 20 weitere Minuten Überzahl für Leverkusen hieß, war es schon streckenweise eine Blamage für die Rheinländer, dass sie nicht besser als die Baden spielten. So ging Puma sogar schnell in Führung und konnte nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich per Strafstoß treffen. Der erneute Ausgleich für Leverkusen ist auch dem Umstand geschuldet gewesen, dass zwei fällige Zeitstrafen gegen den SV Bergfried nicht ausgesprochen wurden. Also warum sich da die Nord-Kölner überhaupt beschwerten, wenn mal gegen sie gepfiffen wurde, war bei ihrem Glück bei diesem Spiel im Prinzip nicht nachvollziehbar.

Schließlich musste also das Elfmeterschießen, dass statt wie beim Fußball mit mindestens fünf aufgrund der Mannschaftsstärke nur mit mindestens drei Schützen ausgetragen wird, zur Entscheidungsfindung her. Mittlerweile waren seit dem Anstoß 2 Stunden und 45 Minuten vergangen und die meisten Fans so wie wir auch schon 4 Stunden im Stadion am Hardtsee.

Leverkusens wie auch Kuppenheims erste Schützen verwandelten sicher. Dann verlud Leverkusens zweiter Schütze den Puma im Tor zum 7:8. Der nächste Kuppenheimer scheiterte am wie immer sehr starken Leverkusener Torwart. Der nächste SVB-Spieler traf allerdings nur die Latte, nachdem der ebenfalls sehr starke Kuppenheimer Torwart die Hände an den Ball bekam. Allerdings versagte auch der dritte Bade, sodass die Leverkusener dann doch noch den erst zu früh bejubelten Meistertitel feiern konnten. Also von wegen „Vizekusen“ – die Randkölner können auch mal einen Meistertitel gewinnen!
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Statistik:
Grounds: 654 (heute 1 neuer; diese Saison: 60 neue)
Sportveranstaltungen: 1.387 (heute 1, diese Saison: 73)
Tageskilometer: 1.030 (1.030 Auto)
Saisonkilometer: 12.280 (10.610 Auto/ 1.670 Fahrrad/ 0 Flugzeug/ 0 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 101
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 273