Posts mit dem Label Ceska Hazena werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ceska Hazena werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 1. Juli 2014

W413III: Seltene Sportarten, Teil 2; Böhmen gegen Mähren im tschechischen Feldhandball

Čechy / Böhmen ............................................................ 15
Morava / Mähren .......................................................... 11
- Datum: Sonntag, 29. Juni 2014 – Anwurf: 11.15
- Wettbewerb: Mezizemské utkání Čechy – Morava (Vergleichswettkampf im Böhmischen Handball – Nardodní hazená – zwischen den Auswahlmannschaften von Böhmen und Mähren)
- Ergebnis: 15-11 nach mehr als 60 Min. (30+/30+) – Halbzeit: 6-4
- Tore: Marek Nachtman 4x, Pavel Titl 3x, Lukáš Šilhánek 3x, Ladislav Beneda 2x, Marek Gabriel 1x, Pavel Sedlák 1x, Jiří Pešek 1x (Böhmen); Tomáš Ulrych 5x, Marek Michalus 2x, Jan Petr 1x, Vojtěch Beneš 1x, Martin Šafář 1x, Jiří Tománek 1x (Mähren)
- Gelbe Karten: 2x Nr. 8, 9, 15, 1x Nr. 3 (Böhmen); 2x Nr. 5, 1x Nr. 12 (Mähren)
- Rote Karten: Böhmens Nr. 8, 9 und 15 wegen wiederholter Foulspiele und Mährens Nr. 5 wegen Fouls und Unsportlichen Verhaltens
- Spielort: Sportvoný áreal Pohřebačka (Opatovice nad Labem, Kap. 500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 650
- Unterhaltungswert: 8,0/10 (Hervorragendes und packendes Handballspiel)

Čechy (ženy) / Böhmen (Frauen) .............................. 12
Morava (ženy) / Mähren (Frauen) ............................ 12
- Datum: Sonntag, 29. Juni 2014 – Anwurf: 9.30
- Wettbewerb: Mezizemské utkání žen Čechy – Morava (Vergleichswettkampf im Böhmischen Handball – Nardodní hazená – zwischen den Auswahlmannschaften der Frauen von Böhmen und Mähren)
- Ergebnis: 12-12 nach ca. 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 6-7
- Tore: Petra Bendová 8x, Ivana Jindřichová 2x, Jitka Živná 2x (Böhmen); Pavla Jurtíková 7x, Jana Pavlíková 3x, Kateřina Strnišťová 1x, Klára Benešová 1x (Mähren)
- Gelbe Karten: Nr. 9 (Böhmen); Nr. 5, 11 (Mähren)
- Rote Karten: keine
- Spielort: Sportvoný áreal Pohřebačka (Opatovice nad Labem, Kap. 500 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 500
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Sehr gutes und intensives Spiel der Frauen)  
a) Bohemia v Moravia in the Czech Version of Handball (played in Opatovice nad Labem)
b) North-Eastern Bohemia: Hradec Kralove, Opočno, Nové Město nad Metuji, Slavoňov, Josefov, Kuks, Dvůr Králové, Studenec, Jilemnice

Von Libuň aus fuhren wir gleich am Morgen mit einer Frühstückspause nach Opatovice nad Labem bzw. dem dahin eingemeindeten Dorf Pohřebačka. Schon kurz nach 9 Uhr war richtig Betrieb auf dem Areal. Dieses umfasst einen Tartanplatz mit Bänken und Fangnetzen hinter den Toren, einem Sportlerheim mit Pressebalkon und gegenüber zwei dreireihige, überdachte Steintribünen mit Holzbänken. Bei den meisten Spielen im böhmischen Feldhandball (narodni hazena) ist die Zuschauerkapazität von 500 sehr übertrieben, doch heute wurde es richtig eng, denn der Saisonhöhepunkt stand an!

Die Vergleichswettkämpfe zwischen Auswahlmannschaften der beiden Landesteile der Tschechischen Republik – Böhmen und Mähren – sind der Saisonabschluss eines solchen Handballjahres. Das ganze Wochenende über bestreiten die Männer-, Frauen- und Jugendauswahlen Testspiele gegen regionale Mannschaften und treten dann am Sonntag vor mehreren Hundert Zuschauern gegeneinander an.  
Nachdem die Nationalhymne live gesungen wurde, lieferten die Frauen ein gutes, intensives Match ab. Mähren hatte andauernd die Nase vorn. Bis kurz vorm Ende führte Mähren stets mit ein oder zwei Treffern, doch Böhmen erkämpfte sich dann den Ausgleich. Es gab keine Entscheidung durch Verlängerung oder Siebenmeterwerfen, sondern es wurde gleich das Männerspiel angepfiffen.

Der Vergleichskampf bei den Männern regte immer mal zu Stimmung auf den mittlerweile überfüllten Rängen an. Es gab harte Zweikämpfe, starke Verteidigungsarbeit, tolle Torwürfe, Paraden der Keeper und nach strittigen Szenen auch ordentliche Pöbeleien…

Als das Spiel für die merklich besseren Böhmen entschieden schien, gab es mehrere Platzverweise für Böhmen. In Überzahlspiel kam Mähren noch einmal zum Ausgleich, doch Böhmen traf auch in Unterzahl immer wieder und zog dann bei Gleichzahl davon. Mitte der zweiten Hälfte gab es nun auch Platzverweise für Mähren. Ein mährischer Spieler erlitt auf der Bank einen Kollaps und musste ins Krankenhaus transportiert werden, was das Spiel um 25 Minuten verzögerte. Nach der Unterbrechung gab es noch den genitalen Versuch des 5ers von Mähren, trotz Platzverweis noch mal auf dem Feld einzugreifen, doch der Schiri gab gleich den zweiten roten Karton für die Nr. 5 und Böhmen brachte nun eine Vier-Tore-Führung locker über die Zeit…  
Das ganze Wochenende hatten wir keine Besichtigungen gemacht, aber jetzt in einer uns noch wenig bekannten Ecke – nördlich von Hradec Králové waren wir noch gar nicht – Tschechiens, mussten noch ein paar Stunden mit Schlössern und anderen historischen Bauten verbracht werden. Wir mussten allerdings feststellen, dass in dieser eher strukturschwachen Ecke die Beschilderung scheiße und Landschaft wie auch Bausubstanz – letzterer fehlte es v.a. an den sonst so verbreiteten gotischen Burgen – allenfalls durchschnittlich für tschechische Verhältnisse sind. Aber daran darf man sich nicht zu lange aufhalten, denn selbst die miesesten Ecken Tschechiens sind mit ihrer reichhaltigen historischen Architektur immer noch sehenswerter als die schönsten Ecke mancher anderer Länder…

In Opočno gab es gleich eine der beiden ungewöhnlichen Sehenswürdigkeiten dieser Landesecke zu sehen: ein Schloss in italienischem Renaissancestil mit mehrstöckigem Arkaden-Innenhof. In Nové Město nad Metuji liegt die Altstadt mit dem Schloss, das u.a. mit einer kuriosen Lilliput-Figuren-Sammlung und einer Holzbrücke, die den oberen Schlossgarten mit dem unteren Schlossgarten verbindet, aufwarten kann, auf einem Berg. Eine schöne Holzkirche aus dem 16. Jahrhundert in Slavoňov nahe der polnischen Grenze ist die zweite ungewöhnliche Sehenswürdigkeit – sonst gibt es solche Kirchen eben fast nur in Polen und nicht auf der tschechischen Seite.

Josefov ist auch sehr interessant. Der Ortsteil von Jaroměř ist eine verfallene Festungsstadt mit massiven Bauten aus dem 17./ 18. Jahrhundert und extrem vielen Roma die in den verfallenen Kasernen leben. Im Vergleich zu ihren tschechischen Nachbarn sehen die meisten Roma-Familie aber übrigens gar nicht so asozial aus: die Slawen liefen unheimlich verranzt und dreckig, oft auch noch saufend und rauchend durch die Gegend. Insgesamt ist Josefov aber eine der übelsten Ecken Tschechiens. Einen sehr guten Artikel zur Problematik in Josefov gibt es wie immer auf Radio Prag, wo neutral und treffend erklärt wird, dass die Misere der Roma von den slawischen Tschechen (Privatpersonen wie Behörden und Politiker) wie auch den Roma selbst ausgeht und warum tschechische Geschäftsleute das größte Problem der Ortschaft mit einer Arbeitslosenquote, die ich in einer andere Quelle einmal mit über 50% angegeben gesehen habe, sind…

In Kuks gibt es ein barockes Krankenhaus mit enormen Ausmaßen und schlossartigem Charakter. Derzeit befindet es sich aber wie auch die historische Brücke, die es mit dem eigentlich Dorf Kuks verbindet, in kompletter Restaurierung. Dvůr Králové hat nur einzelne historische Gebäude wie einen Stadtturm und zwei Kirchen zu bieten. In Studenec guckten wir noch um das verfallene Schloss, das als Hotel herabgewirtschaftet wurde, herum. Den letzten Besichtigungsstopp legten wir in Jilemnice mit seinem schönen Altstadtkern mit zwei Kirchen und dem auf zwei Gebäuden verteilten barocken Schloss ein. Wir fuhren über Zgorzelec zurück nach Merseburg, wo wir noch zur Verlängerung des WM-Spiels zwischen Costa Rica und Griechenland ankamen…  
Statistik:
- Grounds: 1.136 (heute 1 neuer; diese Saison: 165 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.088 (heute 2; diese Saison: 232)
- Tageskilometer: 590 (590km Auto)
- Saisonkilometer: 64.120 (61.760 Auto/ 2.090 Fahrrad/ 160 Schiff, Fähre/ 110 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 78 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 413

Dienstag, 3. Juni 2014

W409III-IV: Von den üblichen Planungspannen und Schiebereien in Tschechien, sowie dem langsam verfallenden Chemnitzer Sportforum

Chemnitzer Fußball Club II ......................................... 1
FC Carl Zeiss Jena II .................................................... 0
- Datum: Sonntag, 1. Juni 2014 – Anstoß: 14.00
- Wettbewerb: NOFV-Oberliga Nordost-Süd (5. Liga, 2. Halbprofiliga)
- Ergebnis: 1-0 nach 92 Min. (45/47) – Halbzeit: 0-0
- Tor: 1-0 46. Tim Hunger
- Verwarnungen: Felix Engert (CFC II); Tim Cellarius (FC CZ II)
- Platzverweise: Jenas Andre Schmidt (83. wg. grobem Foulspiel)
- Spielort: Stadion im Sportforum Chemnitz (Kap. 19.220, davon 9.220 Sitzplätze, davon freigegeben: 3.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 100 (davon 75 zahlende und keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Viel Bewegung, etliche Torszenen – aber auch einiger Leerlauf)

BSC Rapid Chemnitz II ................................................ 1
TSV Industrieverband Fahrzeugbau Chemnitz ......... 1
- Datum: Sonntag, 1. Juni 2014 – Anstoß: 10.30
- Wettbewerb: Kreisoberliga Chemnitz (8. Liga, 3. Amateurliga)
- Ergebnis: 1-1 nach 92 Min. (45/47) – Halbzeit: 0-0
- Tore: 0-1 60. Francesco Karnapp, 1-1 89. Philipp Koch
- Vergebener Elfmeter: IFAs Patrick Weiß schießt Foulelfmeter an die Latte (30. Min.)
- Verwarnungen: Felix Schneider, Philipp Koch (Rapid II); Rony Seeliger (IFA)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Sportanlage Irkutsker Straße, Platz 3/ Rasennebenplatz (Kap. 720, davon 20 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 90 (davon 60 zahlende und ca. 30 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 8,0/10 (Hervorragendes Spiel, das allerdings vom Gast dominiert wurde, weswegen das Resultat sehr ungerecht war)

Tělovýchovná Jednota Krupka .................................... 2
FK Chmel Blšany ........................................................... 1
- Datum: Samstag, 31. Mai 2014 – Anstoß: 17.00
- Wettbewerb: Krajský přebor Ústecký kraj (5. tschechische Liga, 1. Amateurliga; Bezirksliga Aussig/ Elbe)
- Ergebnis: 2-1 nach 90 Min. (45/45) – Halbzeit: 0-1
- Tore: 0-1 28. Lukáš Prückner, 1-1 60. Domenik Valenta, 2-1 86. Domenik Valenta („Foul”elfmeter)
- Vergebener Elfmeter: Blšanys Milan Matějka wehrt „Foul”elfmeter von Krupkas Nr. 10 ab (50. Min.)
- Verwarnungen: Domenik Valenta, Nr. 13 (Krupka); 2x Lukáš Prückner, Milan Matějka, Nr. 3, 4, 10, 16, 17 (Blšany)
- Platzverweise: Blšanys Lukáš Prückner (85. Min. Gelb-Rot; angebliches Foul + Unsportliches Verhalten)
- Spielort: Městský stadion Krupka, Städtisches Stadion Graupen (Kap. 6.700, davon 1.700 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 80 (davon 70 Zahlende und ca. 5 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Eigentlich ein gutes Spiel, v.a. in Hälfte zwei – FK Chmel aber leider völlig in die Defensive gedrängt und dann auch noch benachteiligt)

1. Fotbalový Club Dubí ................................................. 1
TJ Sokol Domoušice ...................................................... 3
- Datum: Samstag, 31. Mai 2014 – Anstoß: 15.00
- Wettbewerb: I.A třída Ústecký kraj – skupina B (6. tschechische Liga, 2. Amateurliga; Bezirksklasse Aussig/ Elbe, Gruppe B)
- Ergebnis: 1-3 nach 97 Min. (46/51) – Halbzeit: 1-1
- Tore: 1-0 9. (11), 1-1 34. (Nr. 8), 1-2 73. (Nr. 11), 1-3 93. (Nr. 8)
- Verwarnungen: Nr. 2, 3, 5, 10, 11, 13 (Dubí); 2x Nr. 10, Nr. 2, 5 (Domoušice)
- Platzverweise: Nr. 10 von Domoušice (85. Min. wg. Foul + Meckern)
- Spielort: Stadion SK Dubí, Rudolfová hut’ (Kap. 1.200, davon 500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 50 (davon ca. 4 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Technisch sehr gutes Spiel mit etlichen tollen Torszenen)

Starší žačky turnaj narodní hazené v Chomutové (U17-Mädchen-Turnier im Cesky Hazena in Komutau)
- Datum: Samstag, 31. Mai 2014 – Beginn: 8.00
- Wettbewerb: Krajsky přebor starší žačky Ustecky kraj (1. Spielklasse im Bereich der weiblichen Jugend)
- Ergebnisse: SK NH Louka 9:15 SK Chomutov NH, Baník Most NH A 12:8 TJ Šroubárna Žatec, KNH Litvínov 11:1 Baník Most NH B, TJ Šroubárna Žatec 15:12 SK Chomutov, Baník Most NH A 15:9 SK HN Louka, Spiele 6-10 unklar
- Strafen: keine?
- Spielort: Hřiště Cihlářská, Sportplatz Ziegeleistraße (Chomutov, Kap. 600, davon 500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 5 bis 10
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Weitestgehend unterhaltsame Spiele in einer interessanten Sportart)  
Photos with English Commentary:
a) Only in Czech Republic: Bohemian Handball; U17 Girls’ Division of Ustí District, Tournament in Chomutov with SK Chomutov, Baník Most etc.
b) Czech Amateur Football, 2nd Division: 1. FC Ustí lost to TJ Sokol Domousice
c) Czech Amateur Football, 1st Division: TJ Krupka defeat FK Chmel Blsany
d) Teplice Region: Krupka Castle Ruins, Osek Castle Ruin, Bílina Old Town, and Doubravka Castle 
e) German Amateur Football, Chemnitz Region: Rapid Reserves draw with TSV IFA
f) German 5th League, NOFV Oberliga: Chemnitzer FC Reserves v Carl Zeiss Jena Reserves

Es geht in Richtung Sommer und somit auch Saisonende – und deshalb wollten wir die Gelegenheit nutzen, die dieses Wochenende bot, um mal wieder nach Tschechien zu fahren. Die Tschechische Republik ist zusammen mit Marokko das Land, in dem ich nach Deutschland die meisten Sportveranstaltungen gesehen habe. Die erste Sportveranstaltung, die wir heute sehen wollten, erfreut sich auch in Marokko großer Beliebtheit – doch da sie in Tschechien völlig idiotisch organisiert wird, landeten wir bei einer anderen Veranstaltung, die es weder in Marokko noch in Deutschland, sondern einfach nur in Tschechien gibt…

Punkt 8 Uhr standen wir auf dem von Plattenbauten und Bäumen umrahmten Kleinstadion in der Ulica Cihlářská in Chomutov: die fünfreihige Tribüne mit ihren maroden Holzbänken wie leergefegt, vorm Sportlerheim lungern ein paar Erwachsene herum und auf dem Tartanbelag sind die Handballtore (die v.a. für Futsal bzw. Fünf-gegen-Fünf-Fußball – also das, was wir hier eigentlich sehen wollten – genutzt werden) zur Seite gestellt und die charakteristischen, nur 1,90m breiten aber 2,10m hohen Tore für Narodní hazená, einer tschechischen Handballvariante die aus den Turnerspielen hervorging, aufgestellt.

Wo und wann und ob überhaupt dieses 5-vs-5 Turnier dieser beschissenen Chomutover Futsal-Liga stattfand, weiß ich nicht. Dort, wo und wann es angesetzt war, definitiv nicht… Denn in der beschaulichen Sportanlage spielten die U15-Mädchen des Bezirks Usti böhmischen Handball. Im Männerbereich ist das Spiel natürlich attraktiver – wie ich schon zwei Mal in den letzten Jahren verfolgen konnte – aber auch hier waren die Wurf- und Passtechnik sowie die Treffer schön anzusehen und nicht zuletzt auch wieder die Vielseitigkeit der Spielfläche faszinierend; drei Spiele dieser Sportart habe ich gesehen – eines auf Kunstrasen, eines auf Beton (!) und dieses jetzt auf Tartan…

Also eigentlich war es ja kein Spiel, sondern ein Turnier, bei dem es um Punkte für die Meisterschaft ging und jedes der sechs teilnehmenden Teams zwei bis drei Spiele absolvierte, die jeweils 2x15 Minuten dauerten und von einem kompetent wirkenden Referee geleitet wurden.

Das erste Spiel fand zwischen SK NH Louka und dem SK Chomutov NH statt. Der Gastgeber lag stets in Führung, doch zog erst nach der Pause weg und konnte somit mit 9:15 gewinnen. Baník Most NH A besiegte dann TJ Šroubárna Žatec 12:8, wobei das Duell hätte deutlicher ausfallen müssen, da Most völlig überlegen war und nur nach dem Seitenwechsel den Sarzern viele Räume ließ, sodass sie noch auf vier Treffer Rückstand aufholen konnten. Danach fegte KNH Litvínov Baník Most B mit 11:1 von der Platte – das Ergebnis sagt ja wohl alles über die Einseitigkeit dieses Spiels aus... Spiel Nr. 4 bestritten Žatec und SK Chomutov – es sollte das beste sein, das wir sahen, denn die Partie war eng und lange offen. Sarz gewann am Ende mit 15:12. Nach der fünften Partie gingen wir, da es dort eine Pause gab. In dieser Begegnung sahen wir einen weiteren überzeugenden Sieg der Mannschaft von Baník Most A, diesmal ein 15:9 gegen Louka. Bei den unterlegenen musste man sich v.a. über die Verteidung wundern, wo ein Mädchen um die 14 bei 1,50m mit vllt. 40kg die Jüngste auf dem Platz (9? 1m? 30kg?) klar überragte und richtig schwach gegen die etwa gleichalte und gleichgroße, aber locker 80kg wiegende dritte Verteidigerin aussah: also gut, dass die beiden nie zusammenprallten...  
Wir verließen das ganz ansehnliche Turnier nach dem fünften Spiel, gingen in Most Mittagessen und schauten uns kurz entschlossen die Altstadt von Bílina (sieht wie überall in Böhmen aus…) an und fuhren zur interessanten Burg von Teplice, Doubravka, hoch. Hrad Doubravka steht auf mittelalterlichen Mauern, ist aber eine wilde historistische Mischung aus Schloss und Burg mit teils ruinösen Mauern und teils bewohnbaren Palas-Trakten und Wohntürmen.

In Dubí gab es mal wieder das übliche Ansetzungschaos: gestern Nacht fiel den Gehirnamputierten mal ein, das Spiel vom Sportplatz des 1. FC in das Stadion von SK zu verlegen. Dass die Anlage, die auch als Rudolfova hut‘ (Rudolfshütte) bekannt ist, sehr viel sehenswerter ist als die FC-Baude, ist purer Zufall. Solche kurzfristigen Verlegungen haben es ja meist an sich, dass sie vom attraktiven Hauptplatz auf den beschissenen Nebenplatz versetzt werden…

Hier war es aber ganz anders. Bei freiem Eintritt ging es durch den verbauten Eingang, rechter Hand das Sportlerheim mit Terrasse, linker Hand die Tribüne mit vier bis sechs Reihen Holzbänke und Wellblechüberdachung über die eine Hälfte. Die anderen Seiten sind zwar ausbautenlos, aber hinter dem Tor steht eine schicke Villa und die Gegenseite ist mit einer auffälligen Betonmauer die noch ein sozialistischer Spruch ziert, begrenzt. Sogar die Nachbarschaft des Stadions ist besser als jene um den FC-Platz herum: die meisten Roma von Dubí wohnen nämlich um den Sportplatz herum in den übelsten Altbauten, während die Nachbarschaft vom SK-Stadion doch eher Mittelschicht ist.

Technisch bewegte sich das Sechsligaspiel auf sehr gutem Niveau. Das Spiel wurde engagiert geführt, doch der kleinliche Schiri warf mit Karten um sich, die fast alle für Meckern verteilt wurden. Es gab auch tolle Torszenen, insbesondere Domoušice vergab mehrere Chancen in der Anfangsphase, doch Dubí konterte sie zum 1:0 aus. Erst kurz vor der Pause erzielte Domoušice auf gleiche Art den Ausgleich.

Im Laufe der zweiten Halbzeit sah die sehr gleichwertige Partie dann mit einem der vielen guten Angriffe die Gästeführung. In der Nachspielzeit zeigte der Gästeschlussmann erstmal drei Glanzparaden und dann setzte sein Team noch mit dem zweiten Konter der Nachspielzeit einen drauf zum 1:3 Endstand.  
Zum Anstoß schafften wir es ins benachbarte Krupka. Im Städtischen Stadion hatten wir bereits ein Spiel gesehen, doch heute sollte es noch interessanter werden als in der letzten Saison bei diesem Jugendspiel, denn der Tabellenführer Krupka spielte gegen den Fünften aus Blšany!

TJ Krupka will wohl unbedingt aufsteigen – zumindest haben sie dem Schiedsrichtergespann wohl einen Teil der Aufstiegsprämie zugesichert. Der Spast an der Pfeife verwarnte fast jeden Spieler von Blšany – bis auf zwei Mal unberechtigt. Krupka spielte druckvoll, aber erfolglos und unansehnlich. Blšany stellte sich nur hinten rein, traf dann aber durch ihren besten Mann Prückner mit einem ins lange Eck gesetzten Konter zum 0:1.

Nach der Pause das gleiche Bild, also musste bei so viel Unfähigkeit der Graupner die schwarze (oder viel mehr heute: blaue) Sau nachhelfen. Ein Krupka-Stürmer lässt sich über den FK Chmel-Torwart fallen, dieser sieht Gelb und wehrt den Elfmeter ab! Einige Minuten später fiel jedoch im sechsten Nachschuss mit wildem Gestocher aus 50cm Entfernung der natürlich verdiente Ausgleich. In der Schlussphase ging es hoch her: noch eine Schwalbe, noch ein Elfmeter, Prückner schieß den Ball vom Punkt in die andere Richtung, gelb-rot, einige Schimpfworte fallen… diesmal wurde der Elfer halbhoch direkt neben den Pfosten zum 2:1 eingenetzt. Das war der billiger Siegtreffer wobei nicht mal eine Minute nachgespielt wurde, obwohl aufgrund mehrerer Verletzungspausen und zweier Elfmeter selbst fünf Minuten noch knapp bemessen gewesen wären.  
Nach dem Spiel fuhren wir in die Innenstadt, die sich als Straßendorf den Berg hochzieht und von einer Burgruine überragt wird. Auch mehrere Kirchen und Villen sowie der Blick nach Teplice machen etwas daher.

Die Burgruine Kyšperk (Geiersberg) liegt einige Kilometer außerhalb Krupkas auf einem Bergkamm im Wald. Die Mauerreste sind recht ansehnlich und die Landschaft sehr schön – allerdings sieht man durch den Baumbestand nicht sonderlich weit.

Ich hatte noch am Vortag für ein Autocamp am See von Pišt‘any reserviert, doch das Dreckteil hatte schon zu, obwohl noch fast eine Stunde lang Eincheckzeit war und keiner zu erreichen. Wo sonst ist Service so beschissen und unbekannt wie in CZ?! Wir fuhren einfach weiter und kamen im Motorest Velemin zusammen für 30€ in einem richtig guten Zimmer unter. ******-******-******-******-******-******-******  
Nach Chemnitz kamen wir am nächsten Morgen zügig und ohne Probleme. Dort steuerten wir die Sportanlage in der Irkutsker Straße an, wo natürlich nicht wie angesetzt auf dem Hauptplatz gekickt wurde, sondern auf dem Nebenplatz, der allerdings trotz geringerem Ausbau eher sehenswerter als der sterile Hauptplatz mit kleiner Betontribüne ist. Der Rasenplatz 3 ist auf einer Seite völlig offen zum Hartplatz und dem Hauptstadion hin, ansonsten von Bäumen umgeben. Auf zwei Seiten Graswall, auf dem getreppten Graswall der Längsseite zwischen zwei Bäumen eine kleine Tribüne aus Wellblechüberdachung und zwei Holzbänken.

Der Gast vom TSV Industrieverband Fahrzeugbau (IFA) Chemnitz ist noch hinter Post Chemnitz an der Tabellenführung dran, während der Gastgeber Rapid Chemnitz II, noch in Abstiegsgefahr ist, da sie nur einen Punkt vor Rabenstein II und dem 13. Platz liegen. So sah es auch aus, denn für die 2,50€ Eintritt bekam man ein von der IFA völlig überlegen geführtes Spiel geboten. Rapid ließen sie kaum zum Zuge kommen. Die Abwehr und v.a. der Torwart spielten jedoch eine hervorragende Partie. Einen Fehler beging die Rapid-Abwehr jedoch, sodass IFA einen Elfmeter zugesprochen bekam: dieser wurde allerdings spektakulär an die Latte gedonnert.

Erst in der Mitte der zweiten Halbzeit gelang es den IFA-Kickern, die Abwehr zu knacken: eine tolle Kombination die mit Fußreinhalten im Fünfmeterraum erfolgreich abgeschlossen wurde. Mit dem dritten oder vierten Angriff gelang es Rapid in der Schlussphase jedoch eine Ecke per Kopf zum völlig unverdienten 1:1 Endstand zu verwandeln – mit diesem sehr glücklichen Punktgewinn rückt Rapid II einen weiteren Punkt von den Abstiegsplätzen weg und IFA dürfte jetzt die letzte Chance auf dem Aufstieg verspielt haben.  
Nach diesem hervorragenden Spiel ging es zum Sportforum, wo sich mehrere Sporthallen, eine Schwimmhalle, ein halbes Dutzend Fußballplätze (Rasen, Kunstrasen, Hartplatz), eine befahrbare Radrennbahn mit verfallenen Stehrängen und schließlich auch ein Stadion für fast 20.000 Zuschauer befinden. Die herrliche Anlage aus den 1920er, die unter den Nationalsozialisten ihren heutigen Ausbau mit Marathontor + Uhrturm, überdachter doppelrängiger Haupttribüne (die wurde allerdings in der DDR, als die Anlage nach Ernst Thälmann benannt war, samt Sprecherturm verändert), Holzbänke bestückter Gegengerade und den massiven Stehrängen im Hintertorbereich und seitlich der Haupttribüne, erhielt. In diesem herrlichen Stadion spielen einige Jugendmannschaften, teilweise die Frauen und fast immer die Zweite Mannschaft (U23) des Chemnitzer FC. Die sind in der Oberliga 7. und der heutige Gegner aus Jena (Carl Zeiss II) 10. also eine sinnlosere Partie hätte man sich nicht aussuchen können…

Die durchschnittlichen Oberligapreise (6€, weitreichende Ermäßigungen 4€) lohnten nicht nur wegen der tollen Sportanlage. Durch die offensiv eingestellten Chemnitzer war die Partie viel sehenswerter als erwartet. Jena zeigte zwar fast gar nichts, aber Chemnitz kam regelmäßig vors Tor und zog das Tempo schön an. Bis zur Pause blieb es jedoch 0:0. Direkt nach Wiederbeginn zimmerte ein Chemnitzer den Ball ins lange Eck zum goldenen Treffer. Danach hatten sie noch einen Lattenknaller und drei, vier Großchancen. Kurz vor Schluss noch eine rote Karte gegen Jena (nicht falsch, aber man kann es auch bei Gelb belassen – Bein war ja nicht gebrochen und der Gefoulte konnte auch ohne Behandlung weiterspielen…) und das war es dann.

Das Publikum war übrigens ganz angenehm für Chemnitzer Verhältnisse, da nicht die üblichen Galgenvögel aus der Neonaziszene wie bei vielen der Chemnitzer Amateurklubs und sehr massiv bei der Ersten vom CFC auffielen. Aber leider gab es keine Stimmung und von den vielen Frauen selten Sachverstand und nie Unterstützung für die Mannschaft sondern nur Interesse an dem jeweiligen Spieler, der als Mann/ Freund/ Bruder der Grund ihres Kommens war, festzustellen. Stimmung gab es gar keine – also als Gastmannschaft muss man nur drei, vier Stimmgewaltige mitbringen und schon rockt man das Sportforum…

Über die A73, die Bundesstraße und die A38 ging es nach dem Spiel schnell wieder nach Merseburg, da wir in Sachen Sightseeing die Gegend von Chemnitz schon zu gut kennen. Insgesamt also wieder eine gelungene Wochenendtour.  
Statistik:
- Grounds: 1.124 (Samstag: 2 neue, Sonntag: 2 neue; diese Saison: 153 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.067 (Samstag: 3 neue, Sonntag: 2 neue; diese Saison: 211)
- Tageskilometer: 590 (Samstag: 330km Auto, Sonntag: 260km Auto)
- Saisonkilometer: 59.860 (57.870 Auto/ 1.810 Fahrrad/ 160 Schiff, Fähre/ 20 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 60 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 409

Montag, 18. Oktober 2010

W220II: Blšany wieder erfolgreich, die böhmische Art Handball zu spielen und ein Besuch beim Bayern München der Tschechischen Republik

SK „Mondi“ Štĕtí 1:3 FK Chmel Blšany
Datum: Samstag 16. Oktober 2010 – Anstoß 10.15
Übersetzung: SC „Mondi“ Wegstädtl gegen FC Hopfen Flöhau
Liga: „Fincentrum“ Krajský přebor, Ústecký kraj (Bezirksliga Aussig, 5. tschechische Fußballliga, 1. Amateurliga)
Ergebnis: 1:3 nach 96 Min. (48/48) – Halbzeit: 0:1
Tore: 0:1 38. Stracený, 0:2 70. Čičcek, 1:2 73. Peterka (Elfmeter), 1:3 80. Stracený
Verwarnungen: Nr. 4, Nr. 7 (Štĕtí); Novák, Kolonin, Siegel sen. (FK Chmel)
Platzverweise: keine
Sportanlage: Městský Stadion Štětí - hřištĕ 2/ Stadtstadion Wegstädtl - Platz 2 (Kap. 1.200 davon 24 Sitzplätze)
Zuschauer: 150 zahlende, insgesamt ca. 200 (davon 2 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes Spiel beider Mannschaften)
IMG_8125
Photos and English version:
1)
SK Mondi Steti 1-3 FK Chmel Blsany (Krajsky prebor)
2)
Palaces of Libochovice, Budyne n. O., Roudnice n. L. & Melnik

Der Tag begann mit einem Frühstück, wie wir es oft in Tschechien essen: Baguettes an der Tanke. Bei der Benzina in Litvínov funktioniert zwar meistens vieles nicht – so ging bei einem Tschechen neben uns die Tankuhr nicht, der Kaffeeautomat war defekt und mit Karte konnte man auch nicht zahlen – aber dafür ist die Chance hier den freundlichen jungen Mitarbeiter zu treffen sehr hoch. Einer der so engagiert arbeitet, ist in Tschechien im Dienstleistungssektor absolute Mangelware.

Von Litvínov aus ging es über Libochovice, wo sich ein ganz ansehnliches Barockschloss am Markplatz befindet, das einen schönen Arkadeninnenhof und einen größeren Park mit Buchsbaumhecken hat, weiter nach Budynĕ nad Ohří. Dort ist eine komplett restaurierte oder rekonstruierte Wasserburg zu sehen; ein sehr eindrucksvoller Bau mit starken Mauern am Wehrgraben und Innen eben diesem geschlossenen Bau mit einem auffälligen Turm.

Nach Überquerung der Elbe erreichten wir die nicht besonders attraktive Industriestadt Štětí. Wir fuhren zügig zum am Süd-Ende der Stadt gelegenen Stadtstadion. Das eigentliche Stadion wird nicht mehr für Wettkämpfe genutzt, da auf der Tribüne die Sitzbänke angegammelt oder zertrümmert sind. Allerdings habe ich schon Spiele höherer Spielklassen in heruntergekommeneren Sportstätten gesehen... Gespielt wird auf dem Platz direkt daneben, der auf einer Seite drei Betonstufen aufweisen kann. Auf der obersten Stufe stehen an dem einen Ende vier Bänke. Gegenüber ist kein Ausbau außer einem Gerüst für einen Kameramann. Am Auffälligsten ist der Sprecherturm mit seiner komischen achteckigen Form.

Der SK Mondi Štětí ist einer der Vereine, der auf sinnlose und dumme Sponsorennamenzusätze hört. Zu diesem Problem habe ich mich noch weiter unten im Bericht vom Spiel zwischen Sparta und Liberec geäußert. Das Industriegebiet des international vertretenen britisch-österreichischen Papier- und Verpackungsmaterialienkonzerns ist in Štětí auch schwer übersehbar wenn man von Westen aus kommend über die kuriose Eisenbahn- und Auto-Brücke fährt.

Warum wir – obwohl wir wussten, dass nicht auf dem Hauptplatz gespielt wird – gerade nach Štětí fuhren, war die Ansetzung: denn unser tschechischer Lieblingsklub – FK Chmel Blšany – trat dort an. Der Gastgeber und die Hopfenkicker sind dabei punktgleich (15 Zähler, d.h. 6 weniger als Tabellenführer Louny) und als gleich stark einzuschätzen. Nach einer ersten Druckphase der Gastgeber tat sich Blšany allerdings schnell als die technisch bessere, beweglichere und torgefährlichere Mannschaft hervor. Allerdings dauerte es bis kurz vor dem Halbzeitpfiff, ehe nach Stracenýs starkem Flachschuss aus vollem Lauf ins Eck zwei der 200 Zuschauer jubeln konnten. Während die Heimfans hauptsächlich durch pöbeln auffielen, fielen die Gäste durch Abwesenheit auf. Nur mein Vater und ich unterstützten den „FC Hopfen“, was Kapitän Siegl Senior auch zur Kenntnis nahm.

In der zweiten Halbzeit war anfangs wieder der Gastgeber stärker, doch nutzte seine Chancen nicht und produzierte einen üblen Abwehrfehler – Fehlpass vorm eigenen Sechzehner, den sich Čiček erlief – wodurch Blšany mit 0:2 in Führung ging. Der Schiri war eine ziemliche Flitzpiepe und hatte nicht nur mit Einwurf-, Eckball- und Abstoßentscheidungen so seine Probleme, sondern auch mit dem Einschätzen von Fouls. So gab es einen fragwürdigen Elfmeter, den Peterka gegen Blšanys Ersatztorwart Krabec, der den gesperrten Klíma ansonsten prima vertrat, verwandelte. Allerdings dauerte es nicht lange, ehe der Gast aus dem 900-Einwohner-Dorf seinen dritten Treffer markierte: erneut zieht Stracený von der Strafraumgrenze aus ab und trifft Klasse ins Netz. 1:3 war der Endstand.
IMG_8138
Wir fuhren dann nach Roudnice nad Labem zurück, wo wir uns noch das in Renovierung befindliche Lobkowitz-Schloss von außen anguckten, auf dem sehr ansehnlichen Markplatz herumliefen und uns wunderten, warum der kleine Platz zwischen Markt und Wachturm (und auch ebenjener, heute als Aussichtsturm benutzte Wehrbau) in so viel besseren Zustand als die Kirchen sind.

Weiter ging es nach Mĕlnik. Dort darf man sich nicht von der Hässlichkeit des neueren Bereiches der Stadt abschrecken lassen: an der Spitze des Berges oberhalb der Elbe – von Westen aus ein gutes Panorama – befinden sich ein paar sehr schöne Häuser, eine auffällige Kirche und direkt daneben ein bekanntes und auch sehenswertes Schloss. Ansonsten kann man die Altstadt auch statt über die Treppe durch den Weinberg mit ein paar Schritten durch das Prager Tor – der Wehrbau wird derzeit restauriert – betreten. Insgesamt muss ich aber sagen, dass dieser Ort enorm überschätzt wird. Mĕlnik ist keine romantisch-schöne Stadt an der Elbe, sondern ein mieses Kaff bei Prag, das immerhin ein ganz nettes Schloss und ein paar andere alte Häuser, die aber in dieser Form jeder halbwegs zivilisierte tschechische Ort hat, bieten kann.
IMG_8094
TJ Avia Čakovice (ženy A) 37:20 TJ Stará Hut’ (ženy B)
Datum: Samstag 16. Oktober 2010 – Anwurf 14.20
Übersetzung: TV Avia (?) Prag-Čakovice (Frauen I) gegen TV Alte Hütte (Frauen II)
Liga: 2. liga ženy, Národní házená (2. Liga Frauen, Česká házená bzw. „Böhmisches Wurfspiel/ Handballspiel“)
Ergebnis: 37:20 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 20:9
Tore: Spielernamen unbekannt
Verwarnungen: keine (?)
Platzverweise: keine
Sportanlage: Areál TJ Čakovice, hřiště národní házená/ Vereinsgelände TV Prag- Čakovice, Handballplatz (Kap. 300, davon 125 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 15 (keine Gästefans)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Ganz flottes Spiel mit den in der Klasse sicher üblichen Mängeln)

TJ „Avia” Čakovice 17:18 TJ Sokol Opatovice nad Labem
Datum: Samstag 16. Oktober 2010 – Anwurf 16.30
Übersetzung: TV Avia (?) Prag-Čakovice gegen TV Falke Opatowitz/ Elbe
Liga: 1. liga muži, Národní házená (1. Liga Männer, Česká házená bzw. „Böhmisches Wurfspiel/ Handballspiel“)
Ergebnis: 17:18 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 6:9
Tore: Spielernamen unbekannt
Verwarnungen: bis zur Pause keine
Platzverweise: bis zur Pause keine
Sportanlage: Areál TJ Čakovice, hřiště národní házená/ Vereinsgelände TV Prag- Čakovice, Handballplatz (Kap. 300, davon 125 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 40 (davon vllt. 3 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Interessante Art Handball zu spielen... da ich den Sport nach EHF-Regeln gut genug kenne und dieses Spiel doch dem üblichen Handballspiel sehr ähnelt, kann ich hier von einem guten Spiel reden)
IMG_8252
Photos and English version:
Narodni Hazena (Bohemian Handball):
TJ Avia Cakovice (Prague)

Durch Zufall erfuhr ich im Internet von der ausschließlich in Tschechien verbreiteten, 1905 als eine Version des Handballspiels entwickelten Sportart Česká házená. Man belässt es meist bei diesem Namen, wobei die Tschechen ihr als „Böhmisches Handball“ oder „Tschechisches Wurfspiel“ zu übersetzendes Feldhandballspiel als Národní házená bezeichnen. Das heißt dann so viel wie „Staatliches Handball“ oder „Nationales Wurfspiel“. Mittlerweile ist das die 44. Sportart, die wir live kennengelernt haben. Im Gegensatz zum in Deutschland aus der Mode gekommenen und nur selten als modernen Verschnitt aufgeführten Feldhandball – Fußballfeld und -tore bedeuteten lange Laufwege wenige Treffer und geringere Attraktivität, da Handball in seiner jetzt international üblichen Form (in einer Halle auf einer Spielfläche von einem Bruchteil jener eines Fußballfeldes; ja, ein Handballfeld ist kaum größer als ein Strafraum eines Fußballplatzes) von den harten Zweikämpfen auf engem Raum und dem schnellen Hin- und Her zwischen den nur 40m auseinander stehenden Toren lebt – ist diese Art des Feldhandballspiels ziemlich sehenswert. Das Spielfeld beim Národní házená ist kaum größer als in der Halle, die Tore sind recht kurios (höher als breit: 2 x 2,40m) und der Belag reicht auch von Kunstrasen über Asche bis Beton.

Der Gastgeber Avia Čakovice, aus einem Vorort von Prag, spielt auf Kunstrasen und hat noch diverse andere Sportarten – es lief gerade ein Fußballtennis-Turnier; das Fußballstadion wäre auch spielbereit gewesen – im Angebot. Die tschechische Art des Handballs ist dort aber besonders ausgeprägt und als wir um kurz vor 15.00 dort aufkreuzten, waren die Frauen von Avia Čakovice in ihrem Spiel gegen die Reserve von TJ Stará Hut’ gerade noch in der Halbzeitpause. Es stand bereits 20:9, was in einigen Spielen der Endstand nach 60 und nicht der Zwischenstand nach 30 Minuten ist, wobei vor allem durch die beiden überforderten Torhüterinnen – der Gast wechselte zwar auch mal die Torfrau, doch auch die dritte Torhüterin war eine Katastrophe – noch mal so viele Tore in Halbzeit zwei fallen sollten. Was der Gastgeber zeigte, war auch immer wieder sehenswert: locker am Kreis kombinieren und dann mal beherzt aufs Tor geworfen. So siegten sie mit 37:20. Die Kleidung beider Teams passte übrigens zur Spielweise: die Gastgeber hatten richtige Trikots in blau-weiß mit Namen drauf – die Gäste schlabbernde T-Shirts und Hosen ohne jeden Aufdruck außer einer Nummer.

Um 16 Uhr sollten eigentlich der 11. von 12 gegen den 5. der ersten Männerliga auf dem schönen kleinen Platz, der auf beiden Längsseiten je zwei vierreihige Tribünen – die zwei auf der einen Seite sind blaue Schalensitze auf Betonstufen, die zwei auf der anderen komische Metall- und Holzkonstruktionen – und drumherum einige Nadelbäume hat, spielen. Leider kam das Arschloch von Schiedsrichter nicht. Bis man für diesen Vollpfosten Ersatz hatte, war eine halbe Stunde rum. In dieser halben Stunde sollte eigentlich schon die ganze erste Hälfte gespielt sein. Die begann nun 16.30 mit einigen schönen Spielszenen, harten Zweikämpfen – ob die bei den Teams, die noch auf Betonplätzen spielen, auch so die Gegner zu Boden reißen? – guten Treffern und starker Verteidigungsarbeit. Obwohl die Zuschauerzahl katastrophal war – durchschnittliche Zahlen liegen bei 120 und nicht 40 wie hier, Spitzenzahlen sind bei 500 Leuten – kamen auch gute Emotionen auf: Gästespieler wurden nach Fouls lautstark als „Arschloch“ und „Fotze“ beschimpft, die eigene Mannschaft auch immer wieder mit „Macht ein Tor“ und „Vorwärts“ Rufen angefeuert.

Wir mussten wegen der Verzögerung durch den Penner von Schiri leider schon nach dem Pausenpfiff gehen um den sportlichen Höhepunkt des Tages nicht zu verpassen. Bei nächster Gelegenheit werden wir aber wieder so ein Feldhandballspiel in Tschechien wahr nehmen – und dann auch mal 60 Minuten ein Spiel und nicht zwei Spiele nur zur Hälfte!
IMG_8281
AC Sparta Praha 0:2 FK Teplice
Datum: Samstag 16. Oktober 2010 – Anstoß 18.20
Übersetzung: AC Sparta Prag gegen FC Teplitz-Schönau
Liga: 1. „Gambrinus“ liga (1. tschechische Profifußballliga)
Ergebnis: 0:2 nach 92 Min. (45/47) – Halbzeit: 0:1
Tore: 0:1 31. Aidin Mahmutovič, 0:2 66. Aidin Mahmutovič
Verwarnungen: Erich Brabec (Sparta); Vlastimil Vidlička, Tomáš Vondrášek, Antonín Rosa, Aidin Mahmutovič (Teplice)
Platzverweise: keine
Sportanlage: sogenannte Generali „Arena“, früher Stadion letná (Kap. 20.854 Sitzplätze)
Zuschauer: 6.942 (davon ca. 30 Gästefans)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Durchschnittliches Spiel)
IMG_8311
Photos and English version:
1st:
Sparta Praha 0:2 FK Teplice (1. Liga)
2nd: Older Pictures from Prague:
a)
February 2010, b) 2005 and 2007

Ziemlich problemlos steuerte ich – mit meinem Stadtplan lesenden Vater als Navigationsgerät – den Wagen durch halb Prag bis auf den Parkplatz gegenüber des Stadions Letná. Für 50 Kronen (etwas mehr als 2€) darf man dort unbegrenzt parken. Die Karten fürs Spiel holten wir uns natürlich nicht bei dem alten Sack, der unter der Hand damit handeln wollte, sondern an einer der Kassen. Wir bekamen Karten im mittleren Preissegment für 240 Kronen (10€) pro Stück: noch nie haben wir in Tschechien so viel Geld für eine einzige Sportveranstaltung ausgegeben!

Dass die Kommerzialisierung auch vor der Tschechischen Republik nicht halt macht, ist klar. Dass es seit Jahren schon Erscheinungen wie das Verkaufen von Lizenzen und mitunter auch das damit verbundene Verschieben von Spielorten oder das Umbenennen der Vereine – je nach dem wer gerade sponsort – gibt, ist dem Fan bekannt. Wer wie mein Lieblingsklub – FK Chmel Blšany – nur vier Umbenennungen (von Sokol Blšany (1946) zu TJ Sokol Blšany, dann TJ JZD Blšany und SK Chmel Blšany, 1992 schließlich FK Chmel Blšany) erfahren hat, ist noch echt gut dabei. Der Kultklub Bohemians 1905, der auch immer gern auf Gegen-den-modernen-Fußball macht, wechselte z.B. 11 Mal den Namen. Auch Sparta hieß lange nicht „Sparta“, denn 1893 hießen sie noch AC Královské Vinohrady, ein Jahr später AC Sparta, nach dem zweiten Weltkrieg benannten sie sich in fünf Jahren vier Mal um tragen erst seit 1965 wieder konstant den Namen „Sparta“ in unterschiedlichen Formen. 2003 war die letzte der neun Umbenennungen. Was ein typischeres Anzeichen für übertriebene kommerzielle Interessen diverser Subjekte im tschechischen Sport ist, ist die Menge von Sportanlagen (Generali-Arena ist nur eine von Dutzenden), Ligen (Fincentrum Krajský přebor ist auch nur eine von Dutzenden) und selbst Vereinen (FK BAUMIT Jablonec oder SK Mondi Štětí sind nur zwei von Dutzenden) die nach mehr oder weniger sinnvollen Sponsoren, die in vielen Fällen den Verein schon nach wenigen Jahren nicht mehr unterstützen können/ wollen und ihn so mitunter in den Ruin treiben aber zumindest in mehrschichtige Schwierigkeiten bringen, benannt sind. Aber als deutscher Fan muss man da zuerst vor der eigenen Bude kehren, wenn man sich den SSV Markranstädt/ Rasenball/ Redbull Leipzig, Sparkassen/ Baufirmen/ Energieunternehmen Sponsorennamen-Amateurligen in vielen Bundesländern, die ganzen Brauerei-Landespokale oder LR-Kosmetik Ahlen anguckt.

Was man sich bei der Fußball AG Athletik Club Sparta Prag aber mal vor Augen halten muss, ist das asoziale Preisniveau der Eintrittskarten. Außer Slavia habe ich noch keinen Club gefunden, der derart hohe Preise (ist ja wie in der 3. Bundesliga bei uns!) verlangt. Sicher ist das Einkommen der Tschechen bis auf 75% vom Deutschen Einkommen gestiegen, klar sind die Preise mindestens genauso gestiegen, doch liegen sie in vielen Bereichen weiterhin unter den deutschen Preisen und sind auch für Einheimische meist fair. Gerade Sport ist sehr erschwinglich: vergleicht man mal z.B. mit den kranken Preisen die in Polen verlangt werden (Fußballkarten für die erste Liga erst ab 6€, Basketball ab 8€) wird man über Eintrittskartenpreise für 3€ bis 4€ für ordentliche Sitzplätze in Fußballstadien und Eishockeyhallen erstaunt sein. Aber bei den größenwahnsinnigen Hauptstädtern fängt die Preisspanne da an, wo sie bei den meisten anderen Vereinen aufhört oder gar nicht erst hinkommt: die billigste Sparta-Karte kostet 130 Kronen (5,50€) und die teuerste 435kc/ 18€. Dauerkarten sind zwischen 37€ und 169€ angesiedelt. Für die Verhältnisse in anderen Teilen Tschechiens wie gesagt saumäßig überteuert.
IMG_8327
Als wir das Stadion nach sehr laschen Kontrollen über den Ost-Eingang betraten, wurden wir den ersten Eindruck von Fotos im Internet und Außenansichten nicht los: eine 0815-„Arena“, die in Premier League, Bundesliga oder wo auch immer dieser langweilige Baustil gepflegt wird, überall gleich aussieht. Abwechslung bieten in der 1. tschechischen Liga ohnehin nur noch wenige Stadien: geschmackvoll modernisiert wurden zum Beispiel die Spielstätten in Brno und Olomouc, architektonisch nicht doll aber gut in die Landschaft eingepasst ist das Stadion von Slovan Liberec, doch wirklich interessant sind nur die älteren Anlagen von Hradec Králové und natürlich Bohemians Praha. Letztere sind zwar in Sachen Eintrittspreise auch schon bei 6-12€, aber haben ein viel besseres und schöneres Stadion als Stadtrivale Sparta. Die von der Generali-Versicherung namentlich verunzierte Anlage ist nämlich ein stellenweise verbauter Allseater, der auf seltsamen Stahlträgerkonstruktionen am Rande des eigentlichen Stadions die Imbissbuden und ähnliches unterbringt und auf ebenso komischen Stahlträgerkonstruktionen oberhalb des Mittelteils der Haupttribüne Presseplätze angebracht hat. Der obere Teil der Haupttribüne ist teilweise durch Balken verbaut, die Hintertorseiten ragen auch noch seitlich rein, der Vorbereich ist kahlster, hässlichster Beton und außer einem „Sparta“-Schriftzug findet sich auch nichts Auffälliges an den Sitzen.

Apropos Schriftzüge: wenn man an der Stadionmauer die Keltenkreuze und Sparta-Graffiti mit dem „S“ in Runenschrift sieht, weiß man was für asoziale Gestalten mitunter anzutreffen sind. Allerdings hört man bei Sparta auf den Tribünen auch Deutsch, Englisch, Vietnamesisch und Türkisch ohne dass sich diese Leute fürchten müssten, von den eigenen Mit-Fans angegangen zu werden. Für den Rekordmeister ist es aber trotzdem ärgerlich, dass sich auch solche rechtsradikalen Spaste bei ihm einfinden – und das in dreistelligen Zahlen.
Die heutige Zuschauerzahl war mit knapp 7.000 nicht so doll, aber besser als bei den anderen Gambrinus-Ligisten. Die Stimmung war auch bis in die zweite Hälfte hinein für die tschechischen (insbesondere böhmischen) Verhältnisse wirklich gut, da bei den Wechselanfeuerungen zwischen Hintertorbereich und Gegentribüne so viele mitgingen, dass es richtig laut wurde. Emotionen ist man ja in Tschechien gar nicht gewohnt. Höchstens noch von den mitunter ziemlich derb und aggressiv – aber eben auch stimmungsvoll – auftretenden Prager und Mährischen Fans. Ansonsten waren natürlich nur die Ultras anfeuerungsmäßig in Aktion. Alles aber bekannte Melodien und 0815-Texte. Die Gästefans waren kaum zu hören und erst recht nicht so einfallsreich. Die Jungs aus Teplice waren aber auch zahlenmäßig sehr wenige.

Das heutige Spiel war eine Spitzenbegegnung zwischen dem nach einem schlechten Start mittlerweile auf Platz 2 stehenden Rekordmeister (19 tschechoslowakische und 13 tschechische Meistertitel und zahlreiche Pokalsiege) Sparta und dem ebenso schlecht gestarteten aber jetzt auf dem 5. Platz stehenden FK Teplice, der in seiner Vereinsgeschichte drei Pokale gewann. Tabellenführer ist derzeit aber Viktoria Plzeň, was deren erste Meisterschaft wäre. Im Übrigen fallen noch die schlechte Platzierung (13. von 16) von Slavia Praha, die sonst fast so erfolgreich wie Sparta sind, und die gerade einmal drei Siege des Vereins aus Brünn, dem derzeitigen Tabellenletzten auf. Richtig übel fällt aber auf, dass der 1. FC Brno nun „FC Zbrojovka Brno“ heißt: Zbrojovka war zwar schon 1948 bis 1956 Namensbestandteil, somit also eine Rückbenennung, aber das der Industriebetrieb Česká Zbrojovka den Klub sponsort und den Namen gekauft hat ist eine Verhöhnung des Sports und in vielen europäischen Ländern aufgrund der Unvereinbarkeit mit dem sportlichen Fairplay gar nicht möglich; denn die auch noch stark auf Kundschaft aus den USA orientierte Česká Zbrojovka ist ein Waffen- und Rüstungsbetrieb. So ein Sponsor ist wirklich unpassend für Sportvereine!

Zurück nach Prag, wo die beiden Teams dem Spitzenspiel im positiven Sinne nicht ganz gerecht wurden. Das Spiel war zwar nicht schlecht, hatte aber den ein oder anderen Durchhänger. Über Geschwindigkeit und technische Fertigkeiten konnte man sich zwar nicht beklagen, aber dass die aktivere Mannschaft, Sparta, so derartig dilettantisch vorm Tor agiert, war nicht so toll. So traf Teplice mit einem Glückstreffer, d.h. einem von einem Sparta-Spieler enorm abgefälschten Ball, vor der Pause zum 0:1. Aber egal: Hauptsache kein torloses Unentschieden!
Nach der Pause war wieder das gleiche Bild wie zuvor zu sehen: Teplice zeigte die ein oder andere Attacke, was jedoch selten gefährlich war und auch alles in allem nicht so aktiv aussah wie bei Sparta. Das Tor erzielte aber wieder der Gast: diesmal auch ein schöner Kopfball und kein Murmeltor. Der Endstand betrug somit 0:2.
IMG_8380
Nach dem Spiel brauchten wir eine ganze Stunde um zum Hotel zu kommen: selbst mit Stadtplan ist Prag ziemlich unübersichtlich. Gut, dass wir nicht zum ersten Mal dort sind. Als Mehrfachfahrer kann ich nur sagen: wer eine schönere Hauptstadt zu kennen meint, der soll sie mir mal zeigen. So eine herausragend schöne und geschlossene sowie flächenmäßig große Altstadt gibt es kein zweites Mal! Wer Prag nicht gesehen hat ist reisetechnisch nicht mehr als eine Flachzange und kann nicht behaupten, viel von der Welt gesehen zu haben.

Zum Hotel muss man sagen, dass das „Easy Journey“ zwar nicht so einfach zu finden ist, da es in der Straße Plzenska kaum erkenntlich in Hausnummer 22 untergebracht ist, aber für 30€ das Doppelzimmer (kann man wohl auch mit bis zu fünf Leuten belegen) einen fairen Preis macht. Die Zimmer sind einfache, aber saubere und geräumige Buden mit Bad. Auch der Hotelier ist völlig O.K. Beim ihm bezahlt man gleich in bar.

Zum Abschluss des Tages mussten wir noch mal zur Tanke, da das der einzige Ort im zwei Kilometer Umkreis vom Hotel war, der etwas zu essen zu bieten hatte. Dort wurde man dann mal wieder von der Sorte Bedienstete bedient, die in der Tschechischen Republik ein echtes Problem darstellen. Wer etwas von „Servicewüste Deutschland“ faselt, soll sich mal in Tschechien umgucken. Da ist man in Deutschland so was von meilenweit voraus, was Umgang mit Kunden und unter den Mitarbeitern angeht, dass es auch Tschechen mitunter peinlich ist, wie schlecht ihre Kellner, Tankstellenmitarbeiter, Supermarktkassierer etc. sind. Diese Saubande ist so derartig unfreundlich, arrogant und unmotiviert, dass man die eigentlich nur fragen kann: „Wollt ihr Wichser eigentlich was verkaufen oder soll ich wieder gehen?“

Allerdings sollte man sich weder von der oft kühlen Art der Einheimischen, noch der erschreckenden Defizite im Dienstleistungssektor abschrecken lassen. Die ab und an anzutreffenden herzlichen und höflichen Einheimischen zum einen und vor allem die enorme Dichte an Sehenswürdigkeiten auf annehmbarer, hoher und höchster Qualität machen das wieder um ein Vielfaches wett. Auch wenn ich mindestens ein Land – nämlich Syrien – noch mehr schätze und als Reiseziel auch noch mehr empfehlen kann: Tschechien ist so sehenswert, dass kein Weg dran vorbei führt – denn wo gibt es sonst so viele herrliche Burgruinen, tolle Schlösser und Paläste oder altmodische Sportanlagen auf so engem Raum?!
DSC00617
Statistik:
Ground Nr. 484 (drei neue Grounds; diese Saison: 34 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 1.156 - 1.159 (diese Saison: 47)
Tageskilometer: 210 (Auto)
Saisonkilometer: 10.780 (7.480 Auto/ 1.440 Fahrrad/ 850 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 71
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 220