Donnerstag, 13. März 2014

W397VII-W398I: Mauretanien 7-8; Oasen, Tafelberge, Felszeichnungen und Karawanenstädte im Adrar

 
Photos with English and Arabic Commentary:
ADRAR RERGION: TERJIT, ATAR, CHINGUETTI, AZOUGUI

Von der Hauptstadt Nouakchott ins nördliche Zentral-Mauretanien, die Region Adrar, sind es nur 5, 6 Stunden über gute, einsame, Asphaltstrecken. Bis Akjoujt, eine Erzbergbausiedlung, kommt 200km lang kein richtiger Ort: nur dornenbewehrte Bäume und Büsche stehen in der Sand- und Felswüste rechts und links der Straße. Danach quert man einen Pass namens Amatil, auf dem ein Denkmal zum anti-französischen Widerstand steht. Ab diesem Punkt ist man richtig im Adrar-Massiv mit seinen dunklen, über hellen Dünen aufragenden, Tafelbergen angekommen.

Die regionale Hauptstadt heißt Atar, doch der vielleicht schönste Platz ist 45km südöstlich gelegen: 35km vor dem Ortseingang zweigt eine Schotterpiste, teils mit sandigen Stellen und nackten Felsen, die sich allerdings im Neubau (wohl sogar Asphaltierung) befindet, ab. Diese führt in ein Rundhüttendorf namens Terjit, das in einer Felsenschlucht mit sandigem Boden und warmen Quellen in einer Palmenoase liegt. In dieser Oase wird im struppigen, vorderen Bereich Nippes verkauft und im saftig grünen hinteren Bereich 1.000 UM (2,50€) Eintritt erhoben. Der ist zwar unverschämt hoch, aber sehr lohnend, da man in den geschichteten Bergen herumklettern und zwischen den Palmen im Schatten spazieren kann. Wir trafen hier auf eine Gruppe griechischer und slowenischer Sahara-Touristen, die von einem sehr freundlichen und perfekt Deutsch sprechenden Slowenen geführt wurde, der Offroad-Touren organisiert.

Wieder zurück auf die Asphaltstrecke und nach Atar, wo wir bei Einbruch der Dunkelheit an die Polizeikontrolle kamen. Der ausgesprochen freundliche Beamte holte sein Handy raus und rief extra bei seinem Kumpel Justus Buma an, einem Niederländer der mit seiner deutschen Frau Cora das „Bab Sahara“ führt. Das ist viel mehr als nur ein schöner Campingplatz, auf dem man mit Wohnmobilen (es gibt tatsächlich ein paar deutsche und französische Camper, die nach Mauretanien reisen!) stehen und in Zelten oder Rundhütten schlafen kann: das ist eine Institution im Ort! Nicht nur bei Touristen ist das Bab Sahara aufgrund des ungewöhnlich guten Preis-Leistungs-Verhältnisses (Übernachtung ab 5€ p.P. im Miet-Zelt) beliebt, sondern auch bei Einheimischen aufgrund der sozialen Projekte (Schulbildung, Umweltschutz) in denen sich die beiden engagieren.  
Am nächsten Morgen kürzten wir das Programm etwas und fuhren nur nach Chinguetti. Da wir mit dem eigenen Auto fuhren, sparten wir den spektakulären Amogjar-Pass aus und fuhren über den landschaftlich schönen aber aufgrund der Asphaltierung sehr einfach zu fahrenden Ebrou-Pass. Davor und danach ist allerdings nach wie vor nur Schotterpiste, die letzten 10km nach Chinguetti sind auch schlecht da sehr wellig und uneben. Auf halbem Weg besichtigten wir aber erstmal die 5.000 Jahre alten Felszeichnungen von Agrou, die Rinder, Giraffen, Elefanten und Löwen zeigen – bis auf Rinder sind diese Tiere alle aus Mauretanien verdrängt worden.

Chinguetti ist die (nach welchen Kriterien auch immer) siebtheilige Stadt des Islam, doch verglichen mit Städten wie Mekka, Medina, Jerusalem und Damaskus (könnte man als die Top 4 bezeichenn) ist Chinguetti das letzten Kaff. Die Neustadt ist ordentlich modernisiert aber klein, die Altstadt verfallen und versandet. Natürlich ist letztere interessanter: Bruchstein- und Lehmhäuser, teilweise 1.000 Jahre alt. Die Karawanenstadt war im Mittelalter mal sehr bedeutsam, für seine Bibliotheken (heute ein erbärmlicher Schatten ihrer selbst, nur die historische Handschriftensammlung taugt etwas) bekannt, eine religiöse Kultstätte (die von Ruinen umgebene und v.a. aus Bruchstein gefertigte Moschee mit dem markanten Minarett ist der einzige wirklich schöne Bau im ganzen Ort) und eine stark besiedelte Oase mit gelehrsamen Menschen. Heute sind die Menschen dort eher geschäftstüchtig: so aufdringlich wie in Atar und Chinguetti sind sonst nur marokkanische Berber, aber immerhin sind die Mauren höflicher. Es ist allerdings schon gut, die nach Geschenken wie Stiften bettelnden Kinder auf Arabisch anschnauzen zu können, dass man nicht ihr Onkel sei, der ihnen einfach so etwas verschenkt und dass sie die Stifte nicht brauchen, da sie ohnehin die Schule dauernd schwänzen. Letzteres ist leider die reine Wahrheit und kein flotter Spruch – ersteres ist aber besonders schockierend für die Kinder, wenn ein Ausländer ihnen auf ordentlichem Arabisch klar macht, dass sie (bei allem Verständnis für Arme) überhaupt kein Recht haben, Geschenke zu erbetteln. Am lästigsten sind aber übrigens nicht die Kinder sondern die erwachsenen Frauen, die einen Nippes andrehen wollen: im Gegensatz zu fast allen anderen arabischen Ländern treten maurische Frauen nicht nur selbstbewusst sondern mitunter unverschämt und belästigend auf – dass sie völlig frei geschäftstätig sind, ist dann in Städten wie Chinguetti die Schattenseite der Emanzipation. Kennt man Marokko, findet man es schade, dass in Mauretanien die Männer so zurückhaltend sind und nur die Frauen so dreist ihre Angebote an den Touristen bringen wollen – denn umgekehrt wie in Marokko, fällt es leichter in aggressivem Tonfall das Angebot auszuschlagen, da man einen unsympathischen, hackfressigen Marokkaner viel lieber anschnauzt, als eine dauerlabernde aber freundlich lächelnde Mauretanierin…

Auf dem Rückweg fuhren wir noch in Atar weiter nach Azougui. Das ist eine weitere Oase, die historisch viel bedeutender als Terjit ist, da es sich um die Wiege der Almoraviden (Mourabitounes) handelt, doch mangels historischer Bauten und auch vergleichsweise weniger spektakulärer Landschaft, steht sie klar hinter Terjit zurück. Die baugleichen Rundhütten sind sehr viel weiter im sandigen und von Tafelbergen begrenzten Tal verteilt als in Terjit und die Berge sind auch viel weiter auseinander in Azougui.

Nachdem es am Vorabend Kamelfleisch-Tajine auf dem Campingplatz gab, gab es Baguette mit Marmelade zum Frühstück. Dann begannen wir unsere Rückreise nach Deutschland, die im oben [demnächst!] folgenden Bericht beschrieben wird.  
Statistik:
- Tageskilometer: 680 (So: 480km Auto, Mo: 200km Auto)
- Saisonkilometer: 43.160 (42.030 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)

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