Freitag, 9. Oktober 2015

W480III: Pokal am Pulverwaldt

TuS Erndtebrück 1895 .................................. 0
SG Wattenscheid 1909 …............................... 1
- Datum: Donnerstag, 8. Oktober 2015 – Beginn: 19.15
- Wettbewerb: Verbandspokal Westfalen, sogenannter „Krombacher Verbandspokal“ (beide Teams Regionalliga West, 4. Liga, 1. Halbprofiliga)
- Ergebnis: 0-1 nach 94 Min. (45/49) – Halbzeit: 0-0
- Tor: 0-1 80. Christ Kasela Mbona
- Verwarnungen: Philipp Böhmer, Luigi Campagna (Erndtebrück); Eren Taskin?, Maurice Rene Haar, Christopher Braun, Ivan Benkovic (Wattenscheid)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Pulverwaldkampfbahn (Kap. 1.500, davon 300 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 300 (davon 194 zahlende und ca. 40 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Ausgeglichenes, spannendes, aber nicht gerade herausragendes Pokalspiel) Cup of Westphalia: TuS Erndtebrück 0:1 SG Wattenscheid 09 Photos with English Commentary:
a) Westphalia Football Cup: TuS Erndtebrück 1895 was eliminated by SG Wattenscheid 09
b) Siegerland Region: Freudenberg Old Town, Kreuztal Junkernhees Palace, Ginsburg Castle

Dieser Donnerstag hielt etliche Pokalpaarungen in Westfalen parat. Am interessantesten vom Ground her war das recht abgelegene Erndtebrück, die auch als Regionalligist gegen Ligakonkurrent Wattenscheid die höchstklassigste Partie versprachen. Der Plan von meinem Kumpel und mir, da mit unseren Studententickets per Zug hinzufahren, zerschlug sich schnell: nach 19 Uhr fährt von diesem Kack-Haltepunkt kein Zug mehr ab…

Also ab ins Auto und erstmal nach Freudenberg. Dort stehen im Ortskern Fachwerkhäuser in Reih und Glied. Am interessantesten ist aber die darüber thronende barocke Kirche, die aus einer Schlossruine entstand – daher der seltsam geformte Turm – und innen sehr schön gestaltet ist. Wie das weiter drin im Siegerland gelegene Schloss Junkernhees von Innen aussieht, würde ich ja gerne wissen: von außen ist es ein seltsam verbauter, aber sehr schön anzusehender Fachwerk-Schiefer-Bau, der sich aber in einem mäßigen Zustand befindet. Noch abgelegener ist dann die Burg Ginsburg, die man am Ende nur noch über Schotterwege erreicht. Dort befindet sich zwei neuere Gebäude und etliche historische Grundmauern. Der gewaltige Bergfried ist nachgebaut und das auch noch schlecht und in unpassender Farbe. Freudenberg In Erndtebrück interessierte dann das Stadion. Ein landschaftlich toll gelegener Ground: das eher gesichtslose Dorf auf zwei Seiten, ansonsten gleich ein steiler Hang und Nadelbäume, unterhalb ein Bach. Durch die Hanglage kann man auch Eintritt sparen, aber 9€ sind Regionalliga-Durchschnitt und Studenten, Rentner u.a. bekommen starke Ermäßigungen (5€). Außerdem hat man für den Eintrittspreis Zugangsrecht zur überdachten Tribüne, die drei Reihen Holzbänke und dahinter einen Stehplatzbereich hat. Hinter dem einen Tor befinden sich eine Gaststätte, die Sporthalle und Vereinsräume, hinter dem gegenüberliegenden steht der Gästesektor, der notdürftig für die Regionalliga angebaut wurde (mieser Stehplatzkäfig). Auf der anderen Längsseite geht es steil auf den Parkplatz ins Bachtal runter.

Zwar war ziemlicher Auftrieb in Grün, aber da meinte man wohl genau einen Polizisten pro Fan im Gästesektor aufstellen zu müssen. Die anderen 20 Gästefans machten sich auf der Tribüne breit, obwohl sie da eigentlich nicht hin sollten. Einer meinte dann auch, weil er wohl eine Pressekarte hatte, sich wie zuhause benehmen zu müssen und wurde dann prompt von einem besoffenen Dorfdepp aus Erndtebrück angepöbelt. Recht so, wenn einer so einen Scheiß labert – und das auch noch als Gästefan – doch der Erndtebrücker sollte sich auch mal fragen, was der bei sicherlich 1 bis 1,5 Promille noch vom Spiel mitkriegt… Ein Kollege von ihm war vorm Spiel auch noch so intelligent, sich als Handyglotzer zu outen: einige Leute scheint es echt zu interessieren, ob andere gerade mit ihrem Smartphone anzügliche SMS abschicken, vielleicht ist es bei vielen auch nur Angewohnheit auf den nächstgelegenen Bildschirm zu glotzten, wenn das eigene Handy in der Hose ist – aber es stellte sich als nicht schlecht heraus, das Video vom Batalion 13 der Freien Syrischen Armee aufgerufen zu haben, das ein syrischer Freund auf Facebook geteilt hatte: wenn die Verteidiger eines neuen, freien Syriens mit Panzerabwehrlenkwaffen amerikanischer Herstellung eine Bodenoffensive der sogenannten Syrisch-„Arabischen“ Armee und verbündeter russischer Kolonialisten stoppen, indem sie mit einigen TOWs einen Panzer nach dem anderen zerschießen und danach noch zwei russischer Hubschrauber samt Fassbomben-abwerfender Kreml-Terroristen vom Himmel holen, kommt nicht nur Freude auf, sondern man sorgt dafür, dass der Handyglotzer befremdet ein ganzes Stück weg rückt…

Unter absolut miesem Flutlicht begann das Spiel 15 Minuten später, da Wattenscheid in Stau geraten war. So spielten die Favoriten auch: in einer mäßigen ersten Hälfte war Erndtebrück die besserer Mannschaft und hatte mehr Chancen, Wattenscheid ließ nur selten aufblitzen, dass sie die athletisch wie auch technisch überlegene Mannschaft sind. Erst im Laufe der deutlich besseren zweiten Halbzeit zeigten sie mehr, doch bis zur 80. Minute war ein Lattenknaller ihre beste Szene in einem absolut ausgeglichenen Spiel. Dann schoss ein Wattenscheider den Ball unters Tordach, nachdem ihm dieser als Abpraller vor die Beine fiel. Es sollte der einzige Treffer an diesem regnerischen Abend bleiben. So ein richtiger Pokalfight kam trotz einzelner harter Aktionen – Wattenscheid bekam dabei mehr gelbe Karten als Erndtebrück zu sehen – dann aber doch nicht auf. Der Sieg von Wattenscheid war glanzlos, aber nicht völlig unverdient. Vor allem aber hielt Erndtebrück, als Vorletzter in der Regionalliga einer der Topp-Abstiegskandidaten, viel besser mit als gedacht! Cup of Westphalia: TuS Erndtebrück 0:1 SG Wattenscheid 09 Statistik:
- Grounds: 1.471 (1 neuer; diese Saison: 56 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.502 (1; diese Saison: 68)
- Tageskilometer: 230 (230km Auto)
- Saisonkilometer: 20.610 (11.660 Auto, davon 4.630 Mietwagen/ 6.620 Flugzeug/ 1.740 Bus, Bahn, Straßenbahn/ 810 Fahrrad/ 0 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 62 [letzte Serie: 93, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 480.

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