Montag, 17. Februar 2014

W394II: Sonntags zum Handball nach Tanger

-------- Renaissance Sportif Tanger (نادي النهدة طنجة) --------
.................................. 22:31 (13:18) ......................................
Renaissance Sportive Berkane (نادي النهضة الرياضية البركانية)
Datum: Sonntag, 16. Februar 2012 – Anwurf: 12.00
Wettbewerb: Ligue Excellence du Handball, Poule Nord [بطولة المغربية لكرة اليد القسم الممتاز] (Marokkanische Superliga Nord, d.h. Nordstaffel der 1. Marokkanischen Handballliga; Halbprofiliga)
Ergebnis: 22-31 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 13-18
Tore: k.A.
Siebenmeterquote: RST 80% (4 von 5); RSB 80% (4 von 5)
Gelbe Karten: RST 3, RSB 2
Zwei-Minuten-Strafen: RST = 12 Minuten; RSB = 12 Minuten
Platzverweise: keine
Spielort: Salle Omnisport Tanger-Dradeb, ex Oued Yahoud [قاعة الدرادب او الوادي اليهود] (Kap. 600 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 200 (davon ca. 4 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,5/10 (Sehr gutes Handballspiel, das leider zu früh entschieden wurde)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Handball: Nahda Tanger v Nahda Berkane 
b) Tanger Old Town and Hercules Grotto 

Sonntag ging es kurzfristig doch mal wieder nach Norden: dieses Mal schaffte ich es endlich nach Tanger zum Handball, wobei eher die Stadtbesichtigung im Vordergrund stand, da es sich nur um ein Spiel des kleineren Erstligisten Nahda Tanger handelte.

Es ging schon kurz nach 5 Uhr mit Khadija, Driss, Rita und Zaki los. Die Anfahrt erfolgte komplett über Landstraßen: über Jorf Melha, Ouezzane, die extrem beschädigte Querverbindung nach Arbaoua, El-Aouamra – dort stieg noch Fayza zu; sechs Leute in einem Fünfsitzer sind ja kein Problem in Marokko, zumal sie ohnehin viel zu wenig frei bekommt – sowie Larache und Asilah.  
Die Sporthalle befindet sich in einem Dreieck zwischen dem alten Fußballstadion Marchane (500m), in dem leider derzeit kein Wettkampfbetrieb stattfindet, und der Altstadt (600m). Früher hieß sie Qa‘ah Oued Yahoud (Judentaler Sportsaal) nun heißt sie nach der neuen Siedlung Dradeb: Qa’ah Moughata Dradeb. In keinem anderen arabischen Land (OK, evtl. teilweise noch in anderen Maghreb-Staaten, aber auch da habe ich immer andere Lehnübersetzungen gelesen) sagt man Qa’ah Moughata (= abgedeckter Saal) – denn niemand versucht das „Salle Couverte“ der Franzosen so Wort für Wort zu übersetzen. Das in Algerien dauernd verwendete „Qa’ah Riyadhiya Mutanawi’ah“ ist allerdings auch sehr Französisch: „Salle du Omnisports“. Ungebildete Marokkaner können deshalb übrigens nichts mit dem arabischen Standard-Begriff „Sala Riyadhiya“ (Sporthalle, von Englisch „sports hall“) anfangen…

Wie auch immer: die Sporthalle ist relativ klein, hat nur eine Tribüne (fünf Reihen flache Schalensitze in grün und gelb) aber eine ordentliche Konstruktion – und war schlecht besucht, wobei ich eigentlich mit noch weniger als den knapp 200 gerechnet hätte. Ich zeige ja immer gerne, wie es bei interessanteren Ansetzungen als dieser zugeht: also einfach mal um die Ecke bei Tihad Tanger, die leider schon Samstagabend spielten, zuschauen, wie es dort zumindest ab und an bei den wichtigen Spielen abgeht; http://www.youtube.com/watch?v=YweTyt7FNJQ

Eigentlich war auch dieses Spiel heute recht wichtig: schließlich war der amtierende Meister aus Berkane zu Gast und das merkte man auch: selbst Driss, der interessanterweise viel weniger Interesse und Ahnung vom Sport als seine Frau Khadija (sie spielte auch früher im Verein Basketball) hat, gefiel das Spiel. Berkane lag allerdings nach dem 1:1 nach 2 Minuten ununterbrochen vorne, was im Laufe der zweiten Halbzeit dem Spielniveau einen leichten Abbruch tat, da sie nur noch das Nötige machten um Tanger auf Distanz zu halten. Teilweise wurde auch recht heftig eingestiegen – besonders dann, wenn lange Bälle einen Konter einleiten sollten, was zumindest bei Tanger regelmäßig daneben ging, und in heftigen Bodenkämpfen um den Ball endete. Einmal bekam der Gästetorwart zu Unrecht zwei Minuten, da ein Tanger-Stürmer beim Torwurf mit dem Kinn voraus in seine Fußabwehr lief.

Der Neun-Tore-Sieg war absehbar und verdient, da selbst in den chaotischen Spielphasen mit zwei Mann Überzahl für Tanger der Gast ohne zu Wackeln durchspielte. Das starke Auftreten von Nahda Berkane mit souveränen Tempogegenstößen, wuchtigen Würfen vorm Kreis und einer sehr starken Torhüterleistung war ausschlaggebend für das 22:31 – nicht die ein oder anderen Schwäche bei Renaissance Tanger. Beide Teams spielten klar besser als Maghreb Fès und Hilal Nador am Vortag!

Der erwähnte Schlussmann ist übrigens ein schwarzafrikanischer Profi, weswegen es nach einer Weile Diskussionen zur politisch korrekten Bezeichnung des Gästetorwarts zwischen meinen beiden Sitznachbarn gab:
Faiza [applaudiert nach einer starken Parade]: Super, der Torwart!
Zaki [applaudiert auch]: Yo, echt topp wie der Bimbo (âzî) hält!
Faiza: Was hast du grad gesagt?
Zaki: Der hält echt topp, Tante!
Faiza: OK, da hast du Recht. Aber keine Schimpfworte, ja?!
Zaki: Wieso? Ich hab keinen beschimpft!
Fayza: Du hast „âzî“ gesagt. Eine Schande ist das!
Zaki: Ich hab ihn gelobt – das war nur ne ganz normale Beschreibung dass der halt schwarz ist...
Fayza: Verstehe ich ja, aber wieso sagst du nicht „Schwarzer“ (aswad) oder „Afrikaner“ (ifriqy)?!
Zaki: Weil Bimbo (âzî) lustiger klingt…
In Sachen Besichtigung hatten wir dann vier Programmpunkte. Vorm ersten Punkt, der Altstadt, konnte ich mir gerade noch verkneifen einen im Einsatzwagen rumlümmelnden Soldaten der Hilfskräfte (zwischen THW und Polizei im Aufgabenbereich, rekrutiert mit Vorliebe den letzten ungebildeten Abschaum) zu fotografieren, der eine arabische Übersetzung von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ mit auffälligem Hakenkreuz-Cover las…

Die Altstadt ist nicht all zu groß und von spanischen Bauten aus dem frühen 20. Jahrhundert durchsetzt. Es gibt auch noch Stadtmauern und eine Festung oberhalb des modernen Hafen. In der Altstadt liegen mehrere, teils sehr schön gekachelte Moscheen und auch einige europäische Kirchen (spanisch, englisch etc.) die entsprechend aussehen wie direkt aus den Herkunftsländern ihrer Gemeinden nach Tanger umgesetzt. Besonderheiten scheint es in Sachen Architektur in der Tanger Medina aber nicht zu geben.

Das Mittagessen in der Altstadt war unter aller Sau: es wird massiv konkurriert und betrogen unter den Restaurantbesitzern; der dumme Hurensohn bei dem wir waren, berechnete Driss die Flasche Leitungswasser und das Brot (normalerweise beides gratis) und den einen Salat doppelt. Aus den 160 Dirham wurden schnell 140 – wobei das natürlich immer noch zu hoch war, da er nur den dreisten Betrug mit dem bewusst doppelt abgerechneten Salat zurücknahm, da ihn Fayzas Schlagfertigkeit beeindruckte. Da er als älterer Mann nicht von einer jungen Frau zurechtgewiesen werden will, dass er richtig rechnen und nicht den Preis in die Höhe treiben solle, baute er sich auf dass er die Rechnung noch mal durchsieht aber sie was erleben könne wenn sie sich ohne Grund beschwert hätte – woraufhin sie nur meinte: „Drohst du mir? Meinst du ich habe Angst vor dir, weil du ein Mann bist? Ich fürchte nur Gott und sonst nichts!“ – So ein Spruch mag zwar aus der Zeit gefallen klingen wenn man ihn ins Deutsche übersetzt, aber im arabischen Raum hat der ein ganz anderes Gewicht…

Danach fuhren wir durch schöne Klippenlandschaft am Atlantik (Cap Spartel) zur Herkuleshöhle, die direkt am Meer liegt aber für 5 Dirham Eintritt etwas zu überlaufen ist. Die römischen Ruinen von Cotta (nicht viel mehr als niedrige Mauerreste) befinden sich mittlerweile auf dem Gelände des Königspalastes und sind deshalb nicht mehr zu besichtigen. Mal wieder eine Schwachsinnsaktion des fetten marokkanischen Monarchen.

In Larache schloss sich der Kreis der Rundfahrt und wir tranken noch günstig Kaffee, wobei es Fayza auch in diesem Café verstand, sich beim Besitzer unbeliebt zu machen: erst war es nur eine Katze die bettelte und der Gast am Nachbartisch mit seinem Fischgericht war gegangen, sodass die sehr tierliebe Fayza nicht anders konnte, als ein paar Reste unter den Tisch zu werfen. Nach drei Minuten waren da allerdings 3 Katzen anzutreffen und nach einer weiteren Handvoll Fischresten schnurrten gleich mal 6 Katzenviecher um sie herum…

Die Rückfahrt erfolgte über die schnellere Strecke Bel Ksiri/ Sidi Kacem (wo ich aber normalerweise zwei bis drei Mal an den Checkpoints angehalten werde wenn ich alleine unterwegs bin, doch heute nicht einmal stoppen musste da ja vier Marokkaner mit mir mitfuhren) sodass wir schon 22.15 wieder zurück in Fès waren.  
Statistik:
- Grounds: 1.074 (heute 1; diese Saison: 103 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.986 (heute 1; diese Saison: 130)
- Tageskilometer: 650 (650km Auto)
- Saisonkilometer: 36.010 (34.880 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: - [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 394

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