Montag, 17. Februar 2014

W394I: Deutlicher hätten die Hinweise auf die Sportkrise in Fès nicht sein können; offensichtliche Verschieberei beim Fußballderby und Unfähigkeit beim Handball

Maghreb Association Sportive de Fès (المغرب الفاسي)
................................... 0:0 (0:0) ...................................
-- Wydad Athletic de Fès (نادي الوداد الرياضي الفاسي) --
- Datum: Samstag, 15. Februar 2014 – Anstoß: 15.00
- Wettbewerb: GNF Botola 1 [لبطولة الوطنية الاحترافية] (= 1. Marokkanische Liga; Profifußballiga)
- Ergebnis: 0-0 nach 94 Min. (46/48) – Halbzeit: 0-0
- Tore: Entsprechend der Wettquoten
- Verwarnungen: 2x Nr. 6, Nr. 3, Nr. 9 (MAS); Nr. 4, Nr. 5, Nr. 80 (WAF)
- Platzverweise: Nr. 6 von MAS (55. wg. wdh. Fouls)
- Spielort: Complexe sportif de Fès [لفاس الرياضي المركب] (Kap. 45.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 5.000 (in etwa 4.750 zu 250 für Maghreb Fès)
- Unterhaltungswert: 1,0/10 (Wurde bereits kurz nach Abpfiff als beschissenstes Derbyspiel aller Zeiten zwischen diesen beiden Teams bezeichnet…)

Maghreb Association Sportive de Fès (المغرب الفاسي)
.................................. 21:31 (7:14) ..............................
---------------- Hilal Nador (هلال الناضور) ----------------
Datum: Samstag, 15. Februar 2012 – Anwurf: 17.00
Wettbewerb: Ligue Excellence du Handball, Poule Nord [طولةب المغربية لكرة اليد القسم الممتاز] (Marokkanische Superliga Nord, d.h. Nordstaffel der 1. Marokkanischen Handballliga; Halbprofiliga)
Ergebnis: 21-31 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 7-14
Tore: k.A.
Siebenmeterquote: MAS 0% (0 von 2); HAN 100% (2 von 2)
Gelbe Karten: k.A. (MAS); mindestens Nr. 8 und Bank (HAN)
Zwei-Minuten-Strafen: MAS mindestens 16 Minuten; HAN mindestens 12 Minuten)
Platzverweise: keine?
Spielort: Salle 11 Janvier [11 قاعة يناير] (Kap. 2.500 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 110 (davon keine Gästefans)
Unterhaltungswert: 4,0/10 (Nicht einmal mittelmäßiges Spiel, das wenige Minuten nach unserem verspäteten Erscheinen quasi entschieden wurde)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Football Derby of Fès: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157641030349543/
b) Handball in Fès: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157641030349493/
c) Fès City: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157636027123773/

Gut dass sich bei der sinnfreien Terminierung an diesem Wochenende die Tour zu Chabab Houara nach Ouled Taima schon am Montag mit einem Blick ins Internet erledigt hatte: das Stadion wird renoviert, sodass in Taroudant gespielt wird und der Ground in Ouled Taima aus der Wertung fällt. So fehlt in den ersten beiden Ligen von den regulär genutzten 26 Spielstätten nur noch eine – und zwar die in Laayoune. Dass Chabab Houara seine Heimspiele nun in 40km Entfernung austragen muss, hat übrigens nichts mit dem spektakulären Brandstiftungsfall in der nahe des Stadions befindlichen Grundschule zu tun, der durch die einheimischen Medien ging: Ein Schüler hatte die Klassenarbeit vergeigt und wollte diese vernichten, ehe der Lehrer sie am nächsten Tag aus dem Spind im Lehrerzimmer zum Kontrollieren holt; dazu stieg er mit drei älteren Kumpels nachts in die Schule ein und entfachte ein Feuerchen im Lehrerzimmer, das das Chaotenquartett nicht richtig löschte, sodass es kurz nach deren Abhauen richtig losloderte und die Schule fast komplett abfackelte…

Nicht ganz so brandgefährlich, aber doch streckenweise recht feurig, ging es beim Stadtderby von Fès zur Sache. Leider nur auf den Rängen bzw. hinterm Stadion: auf dem Feld gab es nur durch den kleinlichen Schiedsrichter viele Farbe und offensichtlich verschoben wurde der Dreckskick auch…  
Gut 90 Minuten vor Anpfiff traf ich mit den Jungs meiner Gastfamilie auf deren Freunde Hamza und Mehdi Chahed sowie Driss Mohtadi. Khadija und Rita verzichteten auf das Spiel, da die drei ahnungslosen Jungs ihnen Blödsinn erzählt hatten, dass es Randale geben würde und 20.000 Zuschauer kämen. Die Zeiten sind leider vorbei. Gerade einmal 5.000 kamen – die Ultras von Widad Fès boykottierten die Partie. Aber auch mit den Ultras währen es nicht einmal 10.000 geworden.

Am Einlass hatten wir trotzdem den üblichen Ärger: asoziale Sicherheitskräfte brüllten Zakaria an, ob er in Begleitung eines Erwachsenen hier sei obwohl wir alle direkt neben ihm liefen, alle wurden vier Mal kontrolliert – ich immer noch drei Mal – und das teilweise recht unfreundlich; und der Abschaum von Polizei und Hilfskräften fühlte sich offensichtlich angesprochen, als die Ultras Fatal Tigers (Maghreb Fès) ein Anti-Korruptions-Banner entrollten, das Teil der Choreo werden sollte, und rissen dieses ab, woraufhin alle Handzettel und Banner der Choreo zusammen mit mehreren Sitzschalen aus Protest durch die Gegend geworfen wurden…

Also nicht mal eine Choreo, nur etwas Rauchbomben bei diesem Derby. Entsprechend sah es dann auch auf dem Feld aus, bzw. es sah eigentlich noch anders aus, denn die 22 Kicker offenbarten das dringendste Problem der beiden Vereine: die korrupte und unfähige Vereinsführung zahlt seit Monaten keine vollen Gehälter. Gut, sowas ist Normalzustand in Marokko: z.B. Driss wurde für seinen Auftrag in Meknes von der Baufirma das Gehalt zum 10.2. versprochen, am 10.2. hieß es 14.2. und heute ist es immer noch nicht da, und Fayza wurde erst dieses Woche zum ersten Mal bezahlt und zwar nur für Februar und nicht wie im Firmenvertrag stehend schon für Dezember und Januar. Aber Fußballspieler werden dadurch natürlich anfällig für Korruption: die Wettmafia ist in Marokko aktiver als in vielen anderen arabischen Ländern, da hier Sportwetten legal sind. Ist zwar gegen islamische Sitten, aber so bigott ist man nun mal in Marokko… Und spätestens nach dem von WAF einen vollen Meter übers Tor geschossenen Foulelfmeter in der 84. Minute war klar, dass das Spiel so Höhepunkt- und Torchancenarm war, da es 0:0 ausgehen sollte. Das Hinspiel ging übrigens 4:3 an Maghreb Fès – kein Wunder also, dass es nach dem Spiel in der angrenzenden Siedlung Auseinandersetzungen auf offener Straße gab und bei dem Zuschauerminusrekord und der offensichtlichen Verschiebung dieses Derby gleich nach Spielschluss als das beschissenste Fesser Derby aller Zeiten bezeichnet wurde.  
Beim Handball war das Niveau nicht so scheiße, aber auch deutlich schwächer als in Rabat in der Vorwoche. Wir fuhren also zu siebt wieder gen Innenstadt und kamen zur 16. Spielminute beim Stand von 6:7 zum Spiel von der Handballabteilung von Maghreb Fès gegen Hilal Nador in die Halle 11. Januar. Der 11. Januar ist ein nationaler Feiertag der an die Unabhängigkeitserklärung (Taqdeem Wathiqat al-Istiqlal 1944 von Frankreich) erinnert. Die Sporthalle selbst ist wohl noch von den Franzosen gebaut und nur in den 90ern mal renoviert worden, doch nach mehreren hitzigen Handball-, Volleyball- und Basketballspielen ist die Hälfte der blauen und weißen Sitzschalen nicht mehr an ihrem Platz, sodass selbst die wenigen Zuschauer heute genau suchen mussten, wo sie sich hinsetzten…

Unter den nur etwas mehr als 100 Zuschauern befanden sich mehrere Bekannte meiner Begleiter: Mehdi war eh am interessiertesten an diesem Spiel, da sein Kumpel mit der Rückennummer 7 fast komplett durchspielte, Hamza belöffelte sich beim Reingehen mit einem unfreundlichen Klassenkameraden der neben dem Tribünenaufgang saß und Driss traf eine Freundin die er gleich mal mitten auf der Tribüne umarmte, was ihm einige Kilometer weiter nördlich böse Bemerkungen eingebracht hätte – aber hier im städtischen Fès interessierte das erfreulicherweise keinen. Ohnehin waren hier ungewöhnlich viele Frauen zugegen - etwa die Hälfte des Publikums - was sich in sportlich fairem Verhalten aber mangelnder Stimmung niederschlug…

Kaum waren wir gekommen, zog Hilal Nador davon: in einem relativen langsamen und technisch dürftigen Spiel waren es der sehr gute Gästetorwart und der Kreisläufer, der immer wieder durch die Verteidigung von MAS brach und wuchtige Torwürfe unterbrachte, die den Gästen zu einem klaren und schon vor der Pause absehbaren Sieg verhalfen. Mit 7:14 ging es in die Halbzeit und nach der Pause festigte sich bis zur 50. ein Abstand von um die 10 Tore. Teilweise lag Nador mit 12 in Front. Am Ende gab es noch mal schöne Tempogegenstöße der Fesser, doch das 21:31 sprach eine deutliche Sprache…  
Statistik:
- Grounds: 1.073 (heute 1; diese Saison: 102 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.985 (heute 2; diese Saison: 129)
- Tageskilometer: 30 (30km Auto)
- Saisonkilometer: 35.360 (34.230 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: - [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 394

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