Dienstag, 11. Februar 2014

W393I: Ein bunter Sport-Tag in der Hauptstadt; Dorffußball im Umland, Handballpokal in der Stadtmitte und Eishockey im Einkaufszentrum

Association Sportive de Salé (السلاوية الرياضية الجمعية)
................................ 26:31 (17:15) ..............................
---- Renaissance Sportif Tanger (نادي النهدة طنجة) ----
Datum: Samstag, 8. Februar 2012 – Anwurf: 17.00
Wettbewerb: Coupe du Trône de Handball [كاس العرش لكرة اليد] (dritte Runde des Handball-Pokals des Thrones; 2. Liga West [دوري القسم الاول المجموعة الغربية], 1. Amateurliga gegen 1. Liga Nord [دوري الممتاز المجموعة الشمالية], Halbprofiliga)
Ergebnis: 26-31 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 17-15
Tore: k.A.
Siebenmeterquote: ASS 100% (6 von 6); RST 100% (2 von 2)
Gelbe Karten: Nr. 7, 14, 20 (ASS); Nr. 3, 13, 20 (RST)
Zwei-Minuten-Strafen: Nr. 6, 14, 34 (ASS = 6 Minuten); 2x Nr. 20, Nr. 3 (RST = 6 Minuten)
Platzverweise: keine
Spielort: Salle Olympique Ibn Yassine [القاعة المغطاة ابن ياسين] (Kap. 3.000 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 65 (davon ca. 2 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes Spiel mit hervorragender erster Halbzeit)

Black Lions Rabat 4:7 White Lions Rabat
Datum: Samstag, 8. Februar 2014 – Anbully: 13.20
Wettbewerb: Freundschaftsspiel anlässlich der Eröffnung der Olympischen Winterspiele 2014
Ergebnis: 2-4 nach 60 Min. (3x20) – Drittelergebnisse: 3-1, 0-3, 1-3
Torfolge: 1-0, 2-0, 2-1, 3-1; 3-2, 3-3, 3-4; 4-4, 4-5, 4-6, 4-7
Strafminuten: keine
Spielort: Patinoire Mega Mall Rabat (Kap. 400 Stehplätze)
Zuschauer: ca. 30
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Weitestgehend sehr niedriges Niveau, aber flott und ganz nett anzusehen)

Association Renaissance Sportive Ain Aouda
------ (نادي جمعية النهضة الرياضية عين عودة) ---------
............................. 2:1 (1:0) ...............................
----- Association Sportive Anwal de Salé ------
--------- (نادي جمعية انوال الرياضية السلاوية) ----------
- Datum: Samstag, 8. Februar 2014 – Anstoß: 10.30
- Wettbewerb: Championnat Régional 1ere Goupe A, Ligue du Gharb de Football [A البطولة الجهوية الأولى المجموعة] (Westmarokkanische Kreisoberliga = 6. Marokkanische Liga, 4. Amateurebene)
- Ergebnis: 2-1 nach 94 Min. (47/47) – Halbzeit: 1-0
- Tore: 1-0 31. (12), 1-1 87. (7), 2-1 88. (10)
- Verwarnungen: 2x Nr. 4, Nr. 1, 8, 9 (ARSA); 2x Nr. 12, 5, 13 (ASASF)
- Platzverweise: Nr. 4 von ARSA (86. wegen wiederholtem Handspiel), Nr. 12 von ASASF (69. wg. wiederholtem Foulspiel)
- Spielort: Stade Municipal de Ain Aouda [الملعب البلدي بعين عودة] (Kap. 1.500, davon 600 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 75 (davon mind. 5 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Mittelmäßiges Spiel mit genialer Schlussphase)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Amateur Football in Rabat Region: Nahda Ain Aouda v Anwal Sale
b) Ice Hockey Friendly Match at Rabat Mall: Black Lions v White Lions
c) Handball Cup at Ibn Yassine Sports Hall: AS Sale v Nahda Tanger
d) Rabat: The Capital City of Morocco

An diesem Samstag war das Sportprogramm so abwechslungsreich wie das Essen in der gesamten Woche. Meist ist es bei meiner Gastfamilie aus Kostengründen sehr gemüselastig und Fleisch gibt es nur vom Hammel oder Huhn, doch diesmal gab es unter anderem Schnecken, die man gekocht in einer Brühe direkt aus der Schale mit einer Nadel heraus stochert. Als Proviant auf die Fahrt nahm ich das neueste Angebot der Koutoubia-Fleischerei aus dem Carrefour mit: Mortadella aus Kamelfleisch, die sehr gut schmeckt aber nicht ganz so hervorragend ist wie Kamelhackfleisch. Und in Sachen Kulinarisches schoss meine Lehrerin Malika den Vogel ab: Einer ihrer Brüder ist Förster und hatte in letzter Zeit Stress wegen Wilddieben. Die haben Schiss vor ihrem Bruder und als ein Duo von diesen Gaunern beim Hasenschießen von einem Nachbarn Malikas erwischt wurde, drückten sie ihm ein gehäutetes hasengroßes Tier in die Hand. Die Bestechung nahm der Nachbar aber nur zum Schein an und lieferte das Tier samt Personenbeschreibung der Wilderer bei ihrem Bruder ab. Der guckte nur flüchtig drauf in seinem Ärger über den erneuten Gesetzesverstoß in seinem Waldstück und meinte beiläufig auf dem Weg zur Arbeit: „Frau, koch den Hasen fürs Abendessen!“ Weder dem Nachbarn noch Malikas Bruder fiel auf, dass es sich bei dem Vieh nicht um einen Hasen handelte. Dass der ewig nicht gar wurde, kam der Ehefrau aber komisch vor und bevor das Tier auf dem Tisch landete bekam es der Bruder aus den gefassten Wilderern heraus: sie hatten außer drei Hasen auch eine Katze abgeschossen – und diese dem einfältigen Nachbarn angedreht. Der Bruder jedenfalls rief hektisch zuhause an: „Habt ihr das Tier schon zubereitet? Ich glaube das ist nicht halal [nach islamischen Vorschriften zum Verzehr geeignet]!“ Frau: „Wieso ist doch ein Hase?“ Bruder: „Nein! Die Schweine haben uns eine Katze angedreht!“ Frau: „Oh Gott, kein Wunder, dass ich das Tier sechs Stunden lang kochen musste…“

Samstagfrüh ging es, diesmal komplett über Bundesstraßen, nach Rabat. Zwischen Meknes und Ain Orma gibt es eine Polizeikontrolle, die mir schon letzten Monat negativ aufgefallen war. Ein fettes, ausgesprochen dumm aussehendes Arschloch von Bulle hielt mich auch an, fragte erst nach den Wagenpapieren und dann nach Kippen, wobei ich ihm stets auf Arabisch antwortete, was ihn so wunderte, dass er anfing mich auszufragen. Als er noch fragte, wo genau in Fès ich wohne und ob ich alleine oder mit den Eltern lebe, meinte ich, dass ich mit einer marokkanischen Familie in der Altstadt wohne. Doof wie der ist, verstand er es so, dass ich in eine marokkanische Familie eingeheiratet habe, sodass ich bei der folgenden Ausfragerei angab, keine Kinder zu haben, da ich erst fünf Monate verheiratet bin – und wer die anderen Marokkoberichte gelesen hat, dem ist klar, wen ich als meine Frau ausgegeben habe…
Jedenfalls ließ mich der Spinner dann ohne Bestechung weiterfahren und über Khemisset, Tiflet und Sidi Allal Bahraoui fuhr ich nach Ain Aouda.  
Ain Aouda liegt 20km südlich der Hauptstadt in recht bergiger und grüner Landschaft. Der Ort ist in einigen Teilen sehr heruntergekommen und dreckig. Sehenswert ist die ehemalige französische Kirche links der Hauptstraße: der Dorfkirchenbau aus groben Quadersteinen mit Storchennest auf dem geziegelten Turmdach könnte auch überall in Deutschland so stehen und wird nun als Kulturverein und Frauenclub genutzt, weswegen er besser aussieht, als viele andere architektonische Hinterlassenschaften der Besatzer, die einfach vor sich hin verfallen.

Das in derselben Straße liegende Stadion ist eher neueren Datums: ein schöner, sandiger Lehmplatz, flankiert von zwei rotgestrichenen kleinen, steilen Betontribünen; eine bietet 400 Personen, die andere 200 Personen Platz. In der Sportanlage stehen viele Laubbäume, die für das Zaer-Gebirge (ein Mittelgebirge, das gleich hinter Rabat beginnt und sich zwischen Benslimane, Khemisset und Oulmes ausbreitet) typisch sind. Auffällig war, dass im Stadion einiges ausgebessert wurde, und zwar offensichtlich von einem schwarzafrikanischen Bauarbeiter, der sich neben der Tribüne häuslich eingerichtet hat: in einem Zelt aus Planen und Brettern. In Marokko ist es seit einigen Jahren zu einem Problem geworden, dass kriminelle Firmenbesitzer (und das sind leider sehr viele) die schwarzafrikanischen Flüchtlinge, die durch Marokko nach Europa wollen und hier hängen bleiben, als Schwarzarbeiter arbeiten lassen. Das ist kein Wortspiel mit Schwarz – das ist halt so. Ein Marokkaner würde z.B. 2.000 Dirham im Monat für dieselbe Arbeit verdienen, für die ein malischer Flüchtling 1.000 Dirham unter der Hand bekommt. Da das Problem Schwarzarbeit ebenso gewachsen ist, wie die Bettelei und Tagelöhnerei von schwarzen Flüchtlingen, wird die Stimmung gegen Schwarze in Marokko, insbesondere in berberischen Gebieten, zunehmend aggressiver.

Die Stimmung beim Spiel zwischen Nahda (Renaissance) Ain Aouda und Anwal (BSG Webereien) Sale, die einen sehr deutsch anmutenden Fanblock von fünf Meckerrentnern mit Vereinskappen mitbrachten, war teilweise auch etwas aggressiv. Unter anderen deshalb, da der Schiedsrichter recht unsicher war. In diesem ganz ansehnlichen Spiel ging jedenfalls Ain Aouda nach einer halben Stunde mit einem Konter in Führung. Der Gastgeber war etwas besser und aktiver, verpasste es aber v.a. in Hälfte zwei nachzulegen. Ab der 69. waren sie ja auch noch in Überzahl, da ein Anwal-Spieler wegen wiederholten Fouls vom Platz geschickt wurde, aber in einer tollen Schlussphase verursachten sie einen Handelfmeter – den Anwal allerdings über das Tor schoss – und vor dem Ausgleich in der 87. bekam der Trottel, der den Handelfmeter verursacht hatte, wegen eines weiteren Handspiels die Gelb-Rote Karte. In Unterzahl gelang es Nahda Ain Aouda aber gleich nach dem unglücklich kassierten Ausgleich mit einem 25m-Schuss ins Eck gegen den mittlerweile eingewechselten Ersatztorwart zum 2:1 Siegtreffer einzunetzen.  
Fährt man die Hauptstraße von Ain Aouda nach Rabat, kommt man nach Kreuzung der Rochade und 25km sturem Geradeausfahren an der Megamall vorbei. Die ist nicht so groß wie der Namen vermuten lässt, aber auf drei Stockwerken verteilte werden in einem modernen Einkaufszentrum in schicken Boutiquen teure Sachen vertickt. Hier trifft man neben Ausländern v.a. einheimische Oberschichtler an: die sind natürlich gebildet und überwiegend höflich im Auftreten, aber teilweise ist es wirklich lächerlich zu erleben, dass solche Leute bevorzugt (selbst untereinander) Französisch statt Arabisch reden. Die Oberschicht in Fès findet so etwas zum Kotzen…

Ach so, einige fragen sich jetzt sicher, was ich in der teuren Megamall mit den Gucci- und Rolex-Boutiquen will. Ganz einfach: Eishockey gucken! Im Erdgeschoss zur Hauptstraße hin gibt es eine Eisbahn (französisch „Patinoire“) die von den Rabat Lions für ihre beiden Eishockeymannschaften, ein Eiskunstlauf- und ein Eistanzteam genutzt werden. Die Stehränge bieten gut 400 Leuten Platz, werden bei Bedarf auch mit Tischen und Stühlen zugestellt und oftmals stehen Zuschauer auch direkt an der Bande zur etwas zu klein geratenen Eisfläche.

Die Liga mit den vier Mannschaften ist wohl erstmal auf Eis gelegt, sodass es nur ein Freundschaftsspiel (so etwas wird immer auf der Facebookseite der Rabat Lions angekündigt) zwischen der ersten und der zweiten Mannschaft der Lions – Black und White – gab. Als Anlass wurden diesmal speziell die an diesem Tag beginnenden olympischen Winterspiele genannt.

Wie auch immer: erwartungsgemäß war die Qualität sehr niedrig – was will man auch erwarten, wenn im ganzen Land nur ein Verein und eine Spielstätte vorhanden sind?! – doch obwohl nur ein Torwart gekommen war und deshalb das andere Tor mit einer Torwand verhängt wurde und die Mannschaften gemischt spielten – alle paar Minuten wurde komplett durchgewechselt: die Erwachsenen runter und die Jugend rauf aus Eis und dann wieder umgekehrt – es kam ein recht flottes Spiel mit vielen Toren zustande. Nach anfänglicher Dominanz der Black Lions, drehten die White Lions im zweiten Drittel das Spiel und bauten den Vorsprung im Schlussdrittel auf drei Tore zum 7:4 aus. Icehopping in Marokko mag verwundern, aber mich verwunderte eher, dass die Mehrheit der Spieler, unter denen sich übrigens auch zwei jugendliche Mädchen befanden, Einheimische waren – ich hatte mit mehr Expats gerechnet. Letztere waren übrigens neben Amis auch Deutsche und Italiener.

Eigentlich wollte ich dann noch das Fußballchampionsleaguespiel zwischen FAR Rabat und Real Bamako sehen, doch 15 Minuten vor Spielbeginn musste ich feststellen, dass nur zwei Kassen geöffnet waren: eigentlich müssten es mehr sein, doch FAR bezahlte nur zwei Kassenwarte. In dieser Situation ist dann natürlich die Polizei gefragt, doch die hatte keine Absperrgitter dabei, sodass es Tumulte am Kassenhäuschen gab. Nach 30 Minuten warten und drängeln reichte es dann und ich versuchte einen Trick, der in jedem arabischen Land funktioniert – außer halt in Marokko, da Ausländer nirgendwo in der Arabischen Welt so wenig respektiert werden, wie dort – und quatschte einen Bullen an, ob er mit mal die Karte holen kann. Woanders hätte er – schon mehrfach von Groundhoppern die in Ägypten, Jordanien, Algerien etc. waren und dort ähnliche Probleme hatten (wobei ich solche fast schwarzafrikanisch wirkenden Zustände in Marokko zum ersten Mal gesehen habe: meist ist das besser organisiert) gelesen – mir ohne zu zögern mit kurzen Durchdrängeln zum Schalter in zwei Minuten das Ticket geholt und das Wechselgeld wahrscheinlich nicht mal behalten wollen, doch hier meinte er einfach, dass er das nicht machen könne, und ließ sich nicht mal darauf ein, die 30 Dirham Rückgeld, die er bekommen hätte, einzustecken.  
Dann leckt mich halt am Arsch, ihr scheiß Hauptstädter – FAR ist eh ein asozialer Scheißverein – dann geh ich halt zum Abschluss dieses sehr bunten und hauptstädtischen Sporttages zum Handball. Hinterm Bahnhof sind einige schöne Sportanlagen, u.a. das Stadion von Stade Marocain (3. Liga) und der Fußballschule von Maroc Telecom sowie die Sporthalle Ibn Yassine, in der v.a. Handball gespielt wird. Der Bau ist sehr wuchtig mit olympischen Stelen und Ringen vorm Eingang und innen zwar schlecht beleuchtet, aber eindrucksvoll symmetrisch in vier Tribünen geteilt. Die Kunststoffbänke sind weitestgehend in gutem Zustand, aber alles ist irgendwie angestaubt und viele Fenster sind eingeschlagen.

Wenn man weiß, dass es in Marokko beim Handball auch so zugehen kann, wie bei Ittihad Tanger mit Choreo vorm Anpfiff und Bengalos in der voll belegten Halle, ärgert man sich schon über so schwachen Besuch wie heute, aber AS Salé ist auch nur 2. Liga und kam in Runde 2 des Pokals nur dadurch weiter, da Jeunesse Tabriques Casablanca in der 44. Minute beim Spielstand von 20:17 das Feld verließ, da sie die Tumulte in der Halle am fehlenden Ordnungsdienst, den die Heimseite zu stellen hat, festmachten: der Ordnungsdienst war aber nach Ansicht das Spielleiters ausreichend, also 20:17-Wertung für AS Salé.

In der ersten Halbzeit bekamen die rund 65, teils ziemlich gut mitgehenden Zuschauer, ein hervorragendes Spiel geboten, in dem es stets unentschieden stand oder ASS mit bis zu vier Toren vorne lag. Dann brach der Zweitligist leider ein und Nahda Tanger konnte den 17:15-Halbzeitstand auf 17:18 (32.30) drehen und nach dem 18:18 lag nur noch Tanger vorne; das 18:23 innerhalb von 3 Minuten und der folgende Tempoanzug der Gäste führte zu bis zu 8 Toren Vorsprung (19-27, 22-30). Am Ende siegte Nahda Tanger mit 26:31 und ist eine Runde weiter.

Nach dem Spiel fuhr ich zügig und ohne Stress über die Autobahn zurück nach Fès.  
Statistik:
- Grounds: 1.071 (heute 3; diese Saison: 100 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.982 (heute 3; diese Saison: 126)
- Tageskilometer: 540 (540km Auto)
- Saisonkilometer: 35.000 (33.870 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 1 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 393

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