Donnerstag, 26. März 2009

25.03.09: Castlehopping

Da es der Geburtstag meiner Mutter war, war statt Castlehopping als Begleithobby zum Groundhopping nur das Besichtigen von Burg-, Schloss- und anderen Wehr- und Befestigungsanlagen angesagt.
Was heute nicht angesagt war, waren meine fahrerischen Dienste, denn Seik konnte uns diesmal nicht die „Young Drivers’ Charge“ erlassen. Diese Gebühr beträgt 25€ pro Anmietung. Für die Tagesmiete lohnt sich das nicht. Also durfte ich erst am darauf folgenden Wochenende (Bericht dazu wahrscheinlich Montagabend oder Dienstagmittag hier im Blog) einen Mietwagen bewegen. War mal wieder ein Beispiel dafür, wie man als Fahranfänger verarscht und abgezockt wird. Die nicht minder unfallgefährdeten Rentner dürfen in Deutschland Autos mieten wie sie lustig sind (in Marokko z.B. sind 70 Jahre die Obergrenze; Ausnahmen natürlich vorbehalten) und zahlen den normalen Versicherungsbeitrag - Fahranfänger dürfen nur mit Aufpreis, nach zwei Jahren oder unter der Hand ans Mietwagensteuer und zahlen 250% der ohnehin schon völlig überhöhte Versicherungsbeiträge.

Wie dem auch sei: dann fuhr halt mein Vater nach Schkölen im Saaleholzlandkreis, wo es eine beachtliche Wasserburg und eine schöne Barockkirche zu besichtigen gibt. Letztere war natürlich verschlossen, erstere gegen 2€ Eintritt zu besichtigen. Highlights der gut hergerichteten spätmittelalterlichen Anlage sind ein Fachwerkwehrgang, die Zugbrücke und zwei dicke Türme. In einem der Türme ist ein kleines Cafe untergebracht, im anderen die Toiletten, die spektakulär ins mittelalterliche Gewölbe eingepasst wurden.

Noch eine Spur schärfer als die schon wirklich schöne Burg Schkölen waren natürlich die Burg- und Schlossanlagen Dornburg. Spektakulär auf einem teils senkrecht nach unten stürzenden Sandsteinfelsen thronen drei herrschaftliche Bauten. Ein Renaissanceschloss, ein Rokokoschloss und eine spätmittelalterliche Burg, die ich - aufgrund von Baustil und va. Farbgebung - schon mal irgendwo in Polen oder der Tschechischen Republik gesehen haben muss. Auf jeden Fall ist neben der exponierten Lage auch die Fassadengestaltung - besonders des Rokokobaus - sehr eindrucksvoll.
Der anschließende Marktplatz mit Kirche ist auch ganz nett. Zur anderen Seite des Parks liegt hinter einer Häuserreihe der schmucklose Fußballplatz vom TSV 1860 Dornburg. Im Tal - mit Blick zu den Schlössern - liegt übrigens der Platz vom Nachbarort Dorndorf-Steudnitz und dessen Club VfB Steudnitz 1990.

Weiter ging es nach Camburg. Dort hatten wir zwei Sehenswürdigkeiten nicht mehr geschafft als wir zwei Wochen zuvor vom Handball in Freyburg nach Camburg zur Kirchenruine St. Cyriakis fuhren, dann die Burg ansahen und schließlich zum Fußball nach Schmiedehausen fuhren.
Zum einen ist es das Schloss Tümpling gewesen, das vor allem mit einem schönen, verschachtelten Turm aufwarten kann und ansonsten ein durchschnittliches Barockschloss des drittklassigen Landadels ist und im Übrigen noch heute von einer Adligen bewohnt wird, und zum anderen das in der Nähe des Schlosses befindliche Klausloch. Dort soll ein Einsiedler aus religiösen Gründen gelebt haben, was von der Größe der Höhle hinkommen kann. Die Deckenhöhe liegt an der höchsten Stelle bei gut 4m, die Haupthöhle dürfte vom Eingang bis zur hinteren Wand auch immerhin 10m in der Länge messen und die Nebenhöhle geht noch mal fast eben so lang in den Fels, bis sie auf 50cm Höhe vor einer Querfelswand endet.

Der letzte Besichtigungspunkt an dem Tag war die Sonnenburg bei Bad Sulza. Baujahr 1907. Das Baujahr sagt uns was? Nein, nicht 907. 1907! Richtig: bei der Burg handelt es sich um eine historistische Mistbude. Ein Ausflugslokal zieht die Burganlage gänzlich ins Lächerliche.
Schließlich gingen wir noch ganz ordentlich deftig im Landgasthof Gieckau bei Naumburg essen. Alles in Allem war das wieder eine gelungene Fahrt. 4 Grounds - ach nein: Castles - wurden geschafft. Alle in Thüringen, wo es mein Ziel ist, 86 Burgen, Schlösser, Festungen, Wehrkirchen und Ähnliches zu besichtigen. 30 haben wir mittlerweile. Die Sonnenburg erinnerte mich übrigens an eine gleichnamige Burganlage in Syrien (قلعة شميميس‎ - Qalaat Shmaymys), die ich - wenn möglich - im März nächsten Jahres besuchen will, die allerdings alles andere als historistisch ist: verfallene hochmittelalterliche Mauern auf einem Vulkankegel in der Steppe. Neben dieser Sonnenburg sind noch ein paar andere der etwa 150 besichtigenswerten historischen Orte Syriens geplant. Zum Vergleich: in Sachsen finden sich 36 ua. Burgen in meiner Liste, von denen wir 12 bereits besucht haben und in Sachsen-Anhalt habe ich ua. mithilfe von burgenwelt.de beinahe jeden Mist aufgelistet, sodass ich auf 103 Anlagen komme. Mit 56 davon habe ich aber auch schon über die Hälfte gesehen. Von 88 in Tunesien zum Ziel gesetzten Burgen und Ruinenstädten habe ich z.B. 21 besucht, in der Tschechischen Republik und der Slowakei gibt es noch mehr zu tun: da habe ich auch 21 Burganlagen abgeklappert, doch dort umfasst die gemeinsame Liste dieser Länder 198 Punkte.

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