Posts mit dem Label Finnland werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Finnland werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 27. April 2020

FINNLAND

LP Nr.: 21, Grounds: 2

Helsinki (1):
Töölön Pallokenttä (früher u.a. Kiffen Helsinki/ Kiffen = Kronohagens Idrottsforening, jetzt: Atlantis FC Edustus) – 4.600 (4.600/ 0); 7,0
Rauma (1):
Äijänsuon Stadion (P-Iirot Rauma) – 600 (600/ 0); 7,0

IMG_6232

Freitag, 24. September 2010

W217III: Zusammenfassung Sehenswürdigkeiten und Tipps:

Wie bei jeder größeren Reise (5 Tage oder länger), liste ich auch hier die besuchten Sehenswürdigkeiten auf:

1. Sehenswürdigkeiten:
a) Schweden
1. Uppsala (9,0/10)
Eine sehr sehenswerte Stadt, die sich in Alt-Uppsala (2.000 Jahre alte Grabhügel, mittelalterlicher Bauernhof und Kirche) und das neuere Uppsala (barocke Prachtbauten, botanischer Garten der Uni usw.) teilt.
1. Gripsholm (9,0/10)
Sehr schöner Ort mit tollem Renaissanceschloss auf einer Insel im See. Lohnt noch mehr den Besuch aufgrund der besseren Besichtigungszeit, als Drottningholm.
3. Stockholm (8,5/10)
Eine wirklich sehenswerte Hauptstadt mit geschlossener Altstadt und vielen schönen Gebäuden in den angrenzenden Stadtteilen um Gamla Stan herum. Auch die landschaftliche Lage weiß absolut zu überzeugen, denn Stockholm verteilt sich – Horror für die Infrastruktur, Traum für den zeitlich Ungebundenen – auf hunderten von Schären und Inseln. Stockholm ist nicht nur die Hauptstadt Schwedens, sondern auch die Hauptstadt Skandinaviens.
4. Drottningholm (8,0/10)
Barocker Prunkbau des schwedischen Königshauses am Rande Stockholms mit einem tollen Schlosspark mit chinesischem Pavillon und so.
5. Brahehus (7,5/10)
Was eine genial gelegene kleine, ganz gut erhaltene Schlossruine: auf zwei Seiten dichter Wald, im Rücken die in den Fels getriebene Autobahn, nach vorne raus die Klippe zu einem großen See!
6. Norrköping (7,0/10)
Kurios: es gibt frei angepflanzte Kakteen im Stadtpark, der auch von der umliegenden Bebauung einen Besuch lohnt. Auch die beiden Kirchen mit ihrem freundlichen Personal und der schönen Architektur und Innenausstattung sind sehr sehenswert.
7. Landskrona (7,0/10)
Sehr schöner Festungsbau mit mehreren Wassergräben und enormen Wällen. Gebäude hervorragend erhalten.
8. Kungälv [Festung Bohus] (7,0/10)
Älteste und wohl auch größte und schönste Burg oder Festung (nicht Schloss!) von Schweden. Landschaft drum herum ist auch schön.
9. Karlstad (6,5/10)
Liegt idyllisch so am See und hat auch einige schöne Gebäude zu bieten. Ideal für Zwischenstopp zwischen Oslo und Stockholm!
10. Glanshammer (6,0/10)
Eine tolle Kirche gibt es in dem Kaff: vor allem der Glockenturm aus Holz und die riesige Turmhaube sind sehenswert. Die 15 Minuten muss man sich nehmen, wenn man den Hinweis an der Autobahnausfahrt sieht.
11. Klosterruine Alvastra (5,0/10)
Die schöne, große, ganz gut erhaltene Ruine des ältesten Klosterbaus Nordeuropas.
11. Malmö (5,0/10 Pkt.)
In der Neustadt ein spektakuläres Glasfassadengebäude, in der Altstadt viel Backsteinbauten. Alles in gutem Zustand.
11. Växjö (5,0/10)
Eine hässliche Stadt, die aber vier ganz gute Sehenswürdigkeiten: Rathauspatz, Dom, Teleborg Schloss und Kronoberg Burgruine, zu bieten hat.
14. Södertälje (5,0/10)
Eigentlich eine hässliche Industriestadt, aber zwei sehenswerte Kirchen und ein schöner See. Die eine Kirche ist der Bischofssitz der assyrischen Gemeinde, die Södertälje zu einem ungewöhnlichen kulturellen Erlebnis macht. Am besten geht man noch zu einem der beiden Södertäljer Clubs dieser Emigranten aus dem Nahen Osten.
15. Aspa [Trollesund] (5,0/10)
Eine schöne Kirche gibt es im Ortsteil Trollesund, die etwas außerhalb gelegen mit der auffälligen (auch farblichen) Zweiteilung von Kirchenschiff und Sakristei aufwarten kann.
16. Gränna (4,0/10)
Landschaftlich schön gelegen, viele Holzhäuser, aber eigentlich ein mieses Touristenkaff.
17. Göteborg (3,5/10)
Wie Hamburg: eine Betonwüste mit Konsummeilen und wenigen schönen, historischen Gebäuden. Immerhin eine tolle Parkanlage.
18. Helsingborg (3,0/10)
Nur der Platz ums herausragend trutzige Rathaus herum mit der Festung, von der man einen schönen Ausblick über Stadt und Meer hat, ist in dieser sonst hässlichen Industriestadt sehenswert.
19. Upplands-Väsby (1,5/10)
Ein hässliches, vor einigen Jahren industrialisiertes Kaff. Einzige Sehenswürdigkeit: die Rekonstruktion des Bauernhofs aus der Wikingerzeit.

b) Norwegen
1.Halden (5,5/10)
Hässlicher Ort in schöner Landschaft mit spektakulärer Festung. Die Festung ist auch herrlich in die Landschaft eingepasst.
2. Råde (2,5/10)
Typisch norwegisches Kaff mit vielen Holzhäusern, einer ganz netten Kirchen, einer steinzeitlichen Grabstätte und einem lustigen kleinen Fußballstadion.

c) Finnland
1. Rauma (7,5/10)
Der schönste Ort Finnlands: geschlossene Altstadt in nordeuropäischer Holzbauweise, schöne Kirche und Kirchenruine. Sonst auch ein paar Bausünden, aber z.B. auch ein gut in die Landschaft eingepasstes Stadion.
2. Turku (6,5/10)
Die Innenstadt ist zwar etwas verbaut – Jugendstilfassaden sind flankiert von minderwertigsten Betonbauten – aber die Burg ist eine tolle Anlage mit großer Ausdehnung und vielen Fassadendetails.
3. Lappi (3,0/10)
Ein hässliches Kaff mit schöner Holzkirche.
4. Kaarina (2,5/10)
Plattenbaukaff bei Turku, das eine ganz ansehnliche Festung auf der Spitze einer Insel zu bieten hat.
5. Helsinki (2,0/10)
Was eine erbärmliche Hauptstadt – aber eine Hauptstadt soll ja ihr Land repräsentieren, und das ist ebenso erbärmlich! Aber zwei Kirchen (Dom und russische Kathedrale) und das Olympiastadion sind sehenswert.
6. Säkyle (0,5/10)
Stinklangweiliges Kaff an einem stinklangweiligen See in einer stinklangweiligen Waldlandschaft.

d) Dänemark
1. Insel Møn (6,0/10)
Grüne, hügelige Landschaft, hohe Klippen im Osten, viele Wälder und ein paar ganz nette Reet gedeckte Häuser und Backsteinkirchen. Leider ziemlich überlaufen.
2. Kopenhagen (5,5/10)
Etliche sehenswerte Gebäude in der von ein paar Bausünden gestörten Altstadt. Trotz Christiansborg, Holmenkirche, Rathausplatz etc. kein Vergleich zu Stockholm.

Im Folgenden gebe ich Hinweise für andere Reisende, was für Dinge ich nach meinen Erfahrungen empfehlen oder lassen würde.

2. Wie kommt man da hin?
Wer noch nicht in Skandinavien war und jetzt Bock bekommen hat, hinzufahren, der sei gewarnt: Prüfe deine Finanzen, überlege wie viel du machen und sehen willst und was dir die Fahrt wert ist! Für 12 Tage Skandinavien habe ich mehr Geld gelassen, als für 20 Tage Syrien.
Aber nun zur Sache (die Anreise ist jeweils aus deutscher Sicht):

a) Dänemark:
Dort kommt man am einfachsten hin; aufs Festland fährt man mit dem Auto, die größeren Inseln sind mit Brücken zu erreichen, manchmal lohnen sich Flüge (wenn man z.B. aus München stammt und nur ein Wochenende in Kopenhagen sein will, dann kann man ja von München aus fliegen), aber Dänemark ist am besten mit dem Auto zu bereisen. Nur Achtung vor den beiden Mautbrücken (Kopenhagen – Malmö, Schweden: um die 38€ je Richtung und die andere zwischen den beiden großen Inseln Fyn und Sjælland um die 42€), ansonsten sind die Kosten für einen Kilometer etwa so hoch wie in Deutschland, da das Benzin nur etwas mehr kostet und keine Straßenmaut anfällt. Zu kleineren Inseln und auf die berühmte Insel Bornholm, die näher an Schweden – ja sogar näher an Polen und Deutschland – als an Kopenhagen und dem dänischen Festland liegt, kommt man nur per Schiff – und das ist meist unverhältnismäßig teuer.

b) Schweden:
Schweden ist das interessanteste aber trotzdem kostengünstigste Land Skandinaviens. Trotzdem sollte man vor einer Schwedenreise seine Interessen und sein Budget klären. Die billigste Art hin- und dort rum zu kommen ist, mit einer Personenfähre von Rostock aus nach Trelleborg zu fahren (Scandlines, September bis April: pro Strecke um die 20€ pro Passagier, Kabinen bei Nachtfahrten das vier- bis zwölffache!, Fahrräder und Motorräder nur 25 bzw. 50€ Aufpreis – in der Hauptsaison kostet alles bis zum Doppelten mehr!) und dann in Schweden mit öffentlichen Verkehrsmitteln (kaum billiger als in Deutschland, aber sehr zuverlässig und teilweise echt schnell, wobei natürlich unflexibler als Auto) herumkurven. Möglicherweise lohnt sich auch der „Berlin Night Express“ nach Malmö. Wer nur auf öffentliche Verkehrsmittel vertraut, sollte sich aber im Klaren sein, dass die Beträge, die er durch die Nichtbenutzung eines Autos (Privat- oder Mietwagen) spart, durch die längere Aufenthaltszeit im Land an Hotels etc. wieder raus haut. Es sei denn, er gibt sich mit Weniger zufrieden – für eine Tour, wie ich sie mit Auto und Fähre unternommen habe, braucht man mit öffentlichen Verkehrsmitteln definitiv drei statt zwei Wochen.
Für eine Kurzreise von Rostock aus, lohnt sich aber die Fähre nach Trelleborg (dann kann man die Südküste per eigenem Fahrrad oder mit Bus oder Bahn erkunden) oder ein Flug von Berlin nach Stockholm (Achtung: normalerweise sollte man bei 140-150€ p.P. hin- und zurück rauskommen; Billigflieger locken mit Spottpreisen, doch am Ende muss man durch Zusatzgebühren genauso viel, wie bei SAS oder Lufthansa zahlen!). Der ÖPNV von Stockholm ist normalerweise sauteuer, doch es gibt Touristen-(Mehr-)Tagestickets und ähnliche Rabattierungen.

c) Norwegen:
Welche Idioten mit zu viel Kohle fahren da mit Caravans hin?! Das muss doch sauteuer sein! Entweder fliegen oder von Schweden aus mit Auto oder Zug hineinfahren.

d) Finnland:
Wer nur nach Finnland will – wer will das eigentlich?! –, der fliegt am besten (Berlin – Helsinki ist oft recht günstig). Von Schweden aus entweder per Flugzeug oder per Fähre (Preise abwiegen, Fähre ist oft das billiger, was sie länger braucht und bei einer Nachtfähre spart man das Hotel). Am besten ist die Strecke Stockholm – Turku.

3. Wo kann man übernachten?
Für Dänemark habe ich mir keine Gedanken wegen Übernachtung gemacht, nur sind in Kopenhagen alle Hotels teuer (ab 60€ DZ/ Nacht). In Norwegen locker das Doppelte! Deshalb beschränkte ich mich in dem Abschnitt auf Finnland und Schweden. Bei ersterem Land muss man auch oft viel Geld hinblättern, da alle Hotels, Hostels etc. auf mehr oder weniger hohem Niveau sind. Jedoch ist das Preis-Leistungs-Verhältnis alles in allem mindestens so schlecht wie in England. In wichtigeren Städten Finnlands wie Turku z.B. sind Ablegerhotels großer Ketten wie „Holiday Inn“ oft verhältnismäßig günstig (65€ DZ/ Nacht im Holiday Inn in Turku! Da zahl ich in vielen Städten das Doppelte!). In Helsinki hingegen sind Jugendherbergen (mit internationalem Herbergsausweis noch billiger) oft recht günstig: zum Beispiel das „Stadion Hostel“ im Olympiastadion von Helsinki. Die Doppelzimmer kosten knapp 50€, ein Bett im Schlafsaal weniger als 20€. Die Qualität der Zimmer – sehr klein und abgewohnt – lässt aber zu wünschen übrig.
In Schweden kann ich Formule 1 empfehlen – zwar sind 41€ immer noch frech hoch, aber billiger geht es kaum in Schweden – was Hotels in Malmö, Göteborg, Jönköping und Stockholm hat. Accor hat leider keine „Etaps“, sondern nur die dritte Kategorie nach Formule 1 und Etap – nämlich Ibis – zu bieten, die je nach Stadt 60-80€ pro DZ/ Nacht kosten. Auf dem Preisniveau der Formule 1 bewegen sich nur vereinzelte Bed-and-Breakfast-Übernachtungen. Höchsten ein paar Jugendherbergen sind mit Betten im Schlafsaal ab 20€ – viele solcher Herbergen kosten aber pro Bett locker 40€ – noch billiger. Diese Einrichtungen heißen übrigens „Vandrarhem“ und sind meist so teurer, da sie auf einem viel höheren Standard als jede normale deutsche Jugendherberge sind. Allerdings kann da nicht von einem günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis geredet werden.
Campingplätze sind oft teuerer als in Deutschland, verlangen eine spezielle „Skandinavien-Karte“ und sind für den Camper eigentlich keine Alternative zum kostenlos außerhalb von Privatgrundstücken und Orten (also viel Platz!) erlaubten wilden Camping.
Was Übernachten in Schweden angeht, kann ich nur zwei andere Groundhopper (A und B) zu diesem Thema zitieren:
A: Kann man in Schweden auch billig übernachten?
B: Hier in dem B&B kostet das Einzelzimmer 35€, in dem Hostel kriegste ein Bett für 30€ und bei dem kleinen Hotel kostet das 40€.
A: Was? Geht das nicht billiger?
B: Hä? Woran hast denn du gedacht, bei Stockholm und Norrköping?
A: Na so um die 20€ so...
B: Ey vergiss es, Alter!

4. Herumreisen in Skandinavien:
Für alle vier Länder gilt beim Autofahren: Vorsicht, nicht einschlafen! Die unsinnigen Geschwindigkeitsbeschränkungen auf breiten Autobahnen (z.B. 100 km/h in Norwegen, 110-120 in Schweden und 120 in Finnland) verleiten einen gepaart mit dem schlechten Radio und der lahmen Fahrweise vieler Fahrer dazu. Außer den Rocksendern, kann man sich kein skandinavisches Radio anhören. Die Rockmusik ist allerdings immer wieder von minutenlangen Anmoderationen und Werbeblöcken der extrem nervtötenden Art unterbrochen. Besonders schlecht sind dänische und schwedische Sender. Am besten fand ich „Radio Rock“ – die spielen viel Heavy Metal und so was – was in weiten Teilen Finnlands empfangbar ist.
Vor allem Finnen können meist nicht ordentlich Autofahren, starten z.B. erst wenn die Ampel schon drei Sekunden grün zeigt mit Schrittgeschwindigkeit bis zu Kreuzungsmitte. In Dänemark wird zügiger aber v.a. in Kopenhagen oft sehr hektisch (wieso muss man eigentlich mit 150 rechts überholen, wenn schon einer links mit 140 statt 130 fährt?) gefahren. Die Autobahnen sind auf 130 ausgelegt, aber viele fahren 150 und drängeln hemmungslos und arrogant. Norweger fahren auf Autobahnen meist konstant 120, da fast nur auf Landstraßen (20 km/h drüber kosten aber geisteskranke 800€ Strafe oder so) kontrolliert wird. In Schweden muss man sich manchmal auch über Geschwindigkeitsübertretungen bis 30km/h + und wilde Überholmanöver der Einheimischen wundern. Da Schweden und Norwegen noch die schönsten Landschaften haben, ist das Fahren dort auch am angenehmsten. Vor allem die Landstraßen in Schweden, die teils trotz enger Verkehrsführungen recht mutig bis 100km/h freigegeben sind, und durch teils abwechslungsreiche Wälder, Seen- und Felslandschaften führen, sind ganz schön zu fahren.
Kraftstoff ist in Schweden mit 1,25-1,30€/ Liter Super bzw. 1,20€/ l Diesel etwas billiger als in Deutschland (1,40€ Benzin, 1,20€ Diesel). In Dänemark sind beide Kraftstoffformen etwa fünf bis zehn Cent teurer als in Deutschland. In Finnland kostet Benzin noch etwas mehr, Diesel aber etwa 10 Cent weniger als in Deutschland. In Norwegen kosten beide Kraftstoffarten etwa 1,50€ pro Liter, was nach der Türkei (1,80€ bzw. 1,40€!!!) und vor Finnland bzw. Deutschland die weltweit zweithöchsten Preise sind. Bei der starken Förderung der Statoil ist das einfach nur asozial – die Förderungskosten sind selbst off-shore in der Nordsee nicht so hoch, dass man da ohne 75% Steuern draufzuschlagen, auf solche Wucherpreise kommt.
Wer nicht mit dem eigenen Auto oder dem deutschen Mietwagen kommt und in z.B. Schweden eine Karre mieten will, muss auf horrende Preise gefasst sein: eine Krücke von Ford Ka kostet bei Hertz fast doppelt so viel wie in Deutschland (an Flughäfen 100€ pro Tag, in Stockholm-Hammarby 80€, in Malmö 80-95€ - eine Woche zu mieten kommt allerdings dann nicht viel teurer als in Deutschland: um die 275€). Auch andere Anbieter sind unangenehm teuer. Davon, dass Europcar im Schnitt 15€ wenige pro Tag bzw. 35€ weniger pro Woche will, sollte man sich nicht ablenken lassen. Bei der Firma haben wir schon erlebt, dass uns „ohne Kilometerbegrenzung“ auf der Website mit „garantierter Preis“ versprochen wurde, und hinterher dann noch 10% mehr verlangt wurde, da wir die „kalkulierten Kilometer“ überschritten hätten. Also bloß nicht bei Europcar mieten!
Was öffentliche Verkehrsmittel angeht, wiederhole ich mich noch mal: sie sind kaum billiger als in Deutschland, aber sehr zuverlässig und teilweise echt schnell, wobei natürlich unflexibler als das Auto. Wer nur auf öffentliche Verkehrsmittel vertraut, sollte sich aber im Klaren sein, dass die Beträge, die er durch die Nichtbenutzung eines Autos (Privat- oder Mietwagen) spart, durch die längere Aufenthaltszeit im Land an Hotels etc. wieder raus haut. Es sei denn, er gibt sich mit Weniger zufrieden – für eine Tour, wie ich sie mit Auto und Fähre unternommen habe, braucht man mit öffentlichen Verkehrsmitteln definitiv drei statt zwei Wochen.

5. Allgemeine Dinge:
Es gibt fast keine Grenzkontrollen zwischen den Ländern (nur stichprobenartig zwischen Norwegen und Schweden), keine Visumspflicht für Deutsche und andere EU-Bürger, die Kriminalitätsrate ist niedriger als in Deutschland, besondere Unruheherde gibt es nicht – nicht einmal randalierende Migrantenjugendlichen, da vor allem Schweden um ein Vielfaches vorbildlicher mit Migranten umgeht, als Deutschland oder gar Frankreich – und die Kosten für Dinge des täglichen Bedarfs (Essen etc.) sind in Schweden so hoch wie in Deutschland, in Finnland und Dänemark etwas und in Norwegen deutlich teurer. Oslo zum Beispiel, ist sogar noch teurer als London!

Reiseführer und Bildbände habe ich nicht zu Rate gezogen. Karten habe ich von Falk: „Skandinavien. Dänemark, Norwegen, Schweden.“ und von Freytag & Berndt: „Finnland.“ genutzt. Erstere ist etwas großmaßstäblich, aber außer bei kleinen Nebenstraßen sehr gut nutzbar und hat auch fast alle Sehenswürdigkeiten drin, die andere hat mäßige Stadtpläne im Booklet und schwachsinnigerweise jede hässliche 1990er-Jahre Kirche aber keine einzige andere Sehenswürdigkeiten – die wenigen Burgen Finnlands muss man doch verzeichnen! – angezeigt, reicht aber zur Orientierung, wenn man weiß, was sehenswert ist vor Ort.
Einen Schwedischsprachführer – Langenscheidt. Universal-Sprachführer Schwedisch – habe ich auch, aber gut lernen kann man die Sprache nicht mit dem Führer, da z.B. die Ausspracheregeln unzulänglich erklärt sind, auf regionale Besonderheiten nicht eingegangen wird und die Einteilung unübersichtlich ist. Da zudem das Wortregister fehlt, muss man diesen Sprachführer – wie so viele Produkte des völlig überschätzten und sich dreist Monopole auf Sprachenliteratur ergaunernden Verlags mit dem L – in die Kategorie „Buntbedrucktes Klopapier“ einordnen.

Sprachen haben in der Schulbildung in allen skandinavischen Ländern einen erfreulich hohen Stellenwert. Trotzdem kommen auch Naturwissenschaften nicht zu kurz, weswegen man das Bildungssystem – gerade von Schweden und Finnland – nur loben und gegenüber dem deutschen, was zwar nicht schlecht, aber auf jeden Fall an vielen Stellen verbesserungswürdig ist, hervorheben muss. Weswegen ich das Bildungssystem hier erwähne, ist der Punkt, dass ich zwar raten muss, die wichtigsten 10 oder 20 Redewendungen auf Schwedisch usw. zu lernen – aber Englisch kann dort fast jeder gut bis perfekt. Nur ältere Menschen und ungebildete Landeier können keinen vollständigen Satz oder manchmal noch nicht mal ein Wort Englisch hervorbringen. Ein paar Leute sprechen in Skandinavien auch Deutsch. Die skandinavischen Sprachen sind – bis auf das zur uralischen Sprachfamilie gehörende Finnisch, was sehr komplex ist – verhältnismäßig leicht zu lernen. Wer mit Englisch nicht zurecht kommt, wird auch mit Schwedisch, Dänisch und Norwegisch nichts anfangen können, aber für einen wie mich, der Arabisch, Hebräisch und Türkisch lernt und auch schon mit Armenisch, Russisch und Polnisch zu tun hatte, wirkt Schwedisch – und auch Dänisch so wie Norwegisch – recht einfach. Aber ohne Interesse und Motivation (was interessiert mich Norwegisch – klingt zwar schön, aber nach Norwegen muss ich nicht noch mal reisen – oder das einfach grauenhaft klingende Dänisch?!) geht da nichts – und wer so wenig Zeit vor der Reise hat, wie ich hatte, der lernt auch nicht viel mehr als 20 Redewendungen auf Schwedisch, auch wenn mich diese Sprache auf jeden Fall interessiert!

6. Groundhopping:
Skandinavien ist ein Traum für Groundhopper. Zwar ein recht teurer Traum, da die Eintrittspreise etwa so hoch wie in vergleichbaren deutschen Ligen – in Norwegen sogar noch höher – sind, aber man kann jeden Tag Sport sehen. Es gibt kaum einen Tag im Jahr, wo man keine Sportveranstaltung findet. Von April bis Oktober ist Fußballsaison, September bis April kann man Eishockey, Bandy, Handball usw. sehen.
Die Auswahl an Sportarten ist groß, die Anzahl der Mannschaft enorm und auch die Attraktivität vieler Stadien hoch. Das Stockholmer Olympiastadion ist mit Sicherheit das schönste Stadion, ja: die schönste aller Sportanlagen, auf der Welt! Wer ein besseres kennen will, soll mir das mal zeigen!
Karten bekommt man am Spieltag an der Stadionkasse, was auch in den höchsten Spielklassen meist problemlos möglich ist. Ausnahmen sind natürlich meisterschaftsentscheidende Spiele, Pokalfinals und Derbys wie die drei Stockholmer, das Osloer, Helsinkier oder Kopenhagener oder Stockholmer Clubs gegen GAIS Göteborg. Da kann man dann auf Internetanbieter wie ticnet.se zurückgreifen, die allerdings unpraktisch und unübersichtlich sind. Man kann auch Karten nur reservieren und muss sie dann rechtzeitig vorm Spiel in einem Büro (Anschrift siehe entsprechende Website) abholen.
Die Organisation ist ansonsten recht Groundhopping freundlich, da man bei vielen Spielen schon Monate im Voraus weiß, wann sie stattfinden und diese auch mit einer hohen Wahrscheinlichkeit wie geplant stattfinden. Die Websites vom norwegischen und schwedischen Verband haben zwar oft keine Anfahrtsbeschreibungen zu Spielorten, aber die findet man über die Vereinswebsites oft schnell – doch das beste an den Verbandsseiten ist die Datumssuche: Datum eingeben und man erhält alle offiziellen Spiele am gesuchten Tag, die in Norwegen bzw. Schweden stattfinden.
Wem das noch nicht reicht und wer meint: „Viele Spiele, viele Stadien; schön und gut, aber wo bleibt die Stimmung?“ – dem sei gesagt, dass es eine Reihe von Derbys (wenige in Norwegen und Finnland, etwas mehr in Dänemark und mit Abstand die meisten in Schweden) gibt und auch Spiele der Nationalmannschaften mitunter sehr stimmungsvoll sind. Choreos, Pyrotechnik, Raufereien und einfallsreiche und laute Schlachtgesänge sind zwar nicht an der Tagesordnung, aber in höheren Ligen des Öfteren – besonders halt in Schweden – anzutreffen. Wer den Videobeweis haben will: bitte –
AIK gegen DIF (2009) - oder auch von einem anderen Stockholmer Derby.
Wen die Kommerzialisierung in den Bundesligen oder woanders stört, wird auch in Skandinavien Negatives finden, da man einige Ligen mit Sponsorennamen (die höchsten norwegischen und dänischen Spielklassen) verunstaltet hat, aber weit weniger nervende Kommerzerscheinungen als in Deutschland. Auch hier kann man wieder Schweden positiv hervorheben, da es eher den Eindruck macht, dass hier noch der Sport im Vordergrund steht und nicht Geschäftemacherei. Es ist weniger Show zu bemerken, es gibt keine Sponsorennamen-Vereine, kaum Stadien mit Sponsorennamen, organisierte Stimmungsmache von „Sponsoren des Tages“ wird von den Fans meist geschlossen boykottiert und die offiziell strengen Stadionordnungen werden bei weitem nicht vollständig durchgesetzt. Nur wenn es mal Krawall gibt,
wird das ähnlich dramatisiert wie in Deutschland (das Spiel wurde aber auch abgebrochen: und das war erste Liga!).
Aber die Umsätze und Summen, mit denen die Vereine – selbst jene in der Allsvenskan – hantieren, erreichen selbst gemeinsam nicht Bayern Münchens Umsatz und nur ein Drittel von der Milliardenperversion von Real Madrid: die reichsten schwedischen Clubs haben knapp über 10 Millionen Euro Umsatz, kleinere Erstligisten nur 1,5 bis 3 Millionen.
Während in der ersten Bundesliga 12 von 18 Stadien nach Sponsoren heißen und 1 den spinnerten Namenszusatz „Arena“ gepaart mit dem regionalen Namen „Rhein-Neckar“ tragen, hören nur 2 der 14 Stadien der Allsvenskan auf Sponsorennamen und 1 trägt den Namen „Borås [der Name des Heimvereins] Arena“. Die Mehrheit der schwedischen Stadien sind auch nicht so gesichtslose Neubauten oder 0815-Sanierungen, sondern ältere oder sogar historische, d.h. mit Holztribünen von oft um die 80 Jahren Alter bestückte Stadien.
In Skandinavien ist doch einiges eine Nummer kleiner im Sport, doch wenn man die Erfolge und das Niveau – Fußball in Schweden, Dänemark; Eishockey in Schweden und Finnland, Handball in Schweden und Dänemark usw. – ansieht, ist das absolut respektabel und kombiniert mit dem Umfeld (Stadien, Fans etc.) ist der Profisport in Skandinavien auch sympathischer und angenehmer als jener in Deutschland. Meine Erfahrungen im skandinavischen Amateurbereich erinnerten mich an diejenigen deutschen Amateurligen, die weit genug weg vom Schuss (bzw. der Kommerzialisierung und Professionalisierung des Sports) sind, und somit meine sportlichen Präferenzen – Leistungen müssen nicht weltklasse sein, wenn das Umfeld halbwegs stimmt und die Spieler sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten ins Zeug legen – trifft.

7. Zusammenfassend gesagt:
Also Schweden ist wirklich ein sehr sehenswertes Land. Stockholm ist eine sehr schöne Hauptstadt und einige kleinere Orte wie Uppsala oder Karlstad lohnen einen Besuch. Mit dem Groundhopping waren wir in allen Ländern zufrieden bis sehr angetan. Allerdings kann in Sachen Sehenswürdigkeiten und Reisequalität ich weder Dänemark noch Norwegen und erstrecht nicht Finnland empfehlen. Von den vier skandinavischen Ländern ist Schweden so viel interessanter, schöner und sympathischer - dabei sogar kostengünstiger - als die anderen drei Staaten, sodass ich wirklich nur Schweden empfehlen kann und von Dänemark, Norwegen und Finnland abraten muss!

W216VI: Endlich wieder in Schweden – oder: Fahrt durch die Schärenwelt

Photos and English Version:
By Ferry through the Skerries (from Turku to Stockholm).
IMG_6241
Nach zwei Tagen Finnland freuten wir uns schon auf die Rückkehr ins viel sehenswertere Schweden, wobei der Abschied von Finnland mit der Fahrt durch die Inselwelt vor Turku und die autonomen finnischen (jedoch schwedischsprachigen) Ǻland-Inseln recht positiv ausfiel. Den ersten Schauer gab es auch erst kurz vor Stockholm, sodass ich gut fotografieren konnte. Natürlich sehen die Schären ziemlich gleich aus, aber man kann immerhin zwischen den nur wenige Zentimeter oder bis zu 6 oder 7 Meter aus dem Wasser ragenden Schären unterscheiden, manche sind eigentlich nur Felsen, die einen Meter lang und 30 Zentimeter breit so wie völlig vegetationslos sind und höchstens von Seevögeln angesteuert werden, die anderen sind zehn mal fünf Kilometer mit etlichen Buchten und zwischen den dichten Nadelbäumen finden sich auch mal die ein oder anderen Wochenend- oder Einfamilienhäuser in der typischen Bauweise. Vor Stockholm werden die Inseln höher, felsiger und dadurch auch schöner, jedoch auch dichter besiedelt. Bei dieser Route fährt man übrigens kaum mal übers offene Meer, was die Fahrt (unbedingt einen Decksitzplatz statt einer Tageskabine – man hat nur diese zwei Optionen – nehmen!) gar nicht mal langweilig macht.

Auch über das Aufhalten auf dem Schiff konnten wir nicht klagen, da es z.B. Mittagsbüffet mit vier Gängen für 10€ gab, was schon recht anständig im Preis und auch der Qualität war. Auffällig an den Passagieren war nur wieder, dass etliche der Glücksspieler und Schreihälse, so wie alle der ganz wenigen Besoffenen und auch die einzigen verblödeten Dreckwänster, die ihre Coladosen statt in den drei Meter entfernten Papierkorb zu werfen, auf den Boden vors Fenster schmissen, finnisch sprachen. Die dümmsten Passagiere also – wie auch auf der Hinfahrt schon – mal wieder Finnen! Die Bildungsschicht, die mit dem hoch gelobten Schulsystem etwas anfangen kann, muss sehr dünn sein...

Durchgeknallt, aber wenigstens nicht unfreundlich wie die Finnen, waren die Schweden im abgedrehten 60er-Jahre Look, die auch ihre beiden Rocker-Kumpels in einer 1960er-Jahre US-Straßenlimousine – so eine, die zwei bis drei Parkplätze braucht, weil sie sich quer hineinstellen muss – mitnahmen. Apropos Rocker: Rockmusiksender sind ja in Skandinavien oft die besten Musikstationen (z.B. Bandit Rock in weiten Teilen Schwedens), doch in Stockholm kann man mal auch auf den Sender „Azeri“ umschalten, der mehrmals wöchentlich von der Frequenz „Stochholm 1“ aserbaidschanische Musik sendet. Wird wohl vor allem die Iran-Azeri ansprechen – für einen in der Richtung unerfahrenen Europäer (ausgenommen Serben, Albaner usw.) natürlich kaum anhörbar, da extreme Zwischentöne dominieren oder quietschende Flöten zu hören sind – aber auch mal eine Abwechslung zur Mischung von Bandit Rock oder dem noch besseren finnischen Radio Rock, die von Liedern wie „Highway to Hell“ über moderne Gruppen wie „Rammstein“ und „Linkin Park“ bis zu skandinavischen Heavy-Metal-Bands, die wild zu hämmernden Schlagzeugrhythmen und schrillen E-Gitarren grölen und in den allein akustisch kaum verständlichen Texten z.B. mittelalterliche Burgerstürmungen beschreiben oder die Wikingerzeit verherrlichen, etliches interessantes spielen.

Eine weitere Nacht im Formule 1 Stockholm Syd und ein sehr interessanter folgender Tag standen an.
IMG_6285
Statistik:
Tageskilometer: 370 (340 Fähre, 30 Auto)
Saisonkilometer: 7.760 (5.520 Auto/ 1.120 Fahrrad/ 740 Schiff, Fähre/ 380 Bahn, Bus, Tram/ 0 Flugzeug)

W216V: Ein Lichtblick in Finnlands Einöde – Rauma!

Pallo-Iirot Rauma 0:2 Kaarinan Pojat Freitag 17. September 2010 – Anstoß 18.30 Kakkonen Lohko B („Die Zweite, Gruppe B“ = 3. finnische Liga, 2. Halbprofiliga) Ergebnis: 0:2 nach 92 Min. (45/47) – Halbzeit 0:1 Tore: 0:1 35. Jussi Kosonen, 0:2 88. Eloma Ilondo Verwarnungen: Nico Rinne, Vasile Marchis (P-Iirot); Olli Suominen, Eloma Illondo, Tommi Haukila, Sauli Tuomi (KaaPo) Platzverweise: keine Spielort: Äijänsuon Stadion (Kap. 600 überdachte Sitzplätze) Zuschauer: ca. 200 (keine Gästefans) Unterhaltungswert: 6,5/10 (Amateurniveau, aber unterhaltsames und torszenenreiches Spiel) Sightseeing: 6,0/10 (Mann, ist Finnland öde! Aber wenigstens hat man alle paar hundert Kilometer mal etwas Schönes: Rauma ist aber wohl die schönste aller Städte Finnlands) IMG_6109 Photos and English version: P-Iirot Rauma 0-2 Kaarinan Pojat Helsinki (Capital of Finland) Säkyle & Lappi Rauma (City of Wooden Houses) Am Morgen stopften wir uns in Ermangelung günstiger Alternativen das mit 5,70€ immer noch viel zu teure und dabei nicht mal gute Frühstück im Stadion Hostel rein. Einen ganz ordentlichen Abschied aus dieser beschissenen Hauptstadt bildete dann der 2€ kostende Aufzug zur Aussichtsplattform des Turms des Olympiastadions. Man sieht von dort die ganze Stadt und von oben sieht selbst so ein Drecknest wie Helsinki gut aus. Vom Olympiastadion mal ganz zu schweigen! Das kommt zwar bei weitem nicht an das in Stockholm ran, ist aber auch sehr sehenswert. Wir mussten auf dem Weg nach Rauma und dann noch in Turku für 20€ (14l) bzw. 10€ (6l) etwas tanken, was jedes Mal zum kotzen war: in diesem unterentwickeltem Land funktioniert kein Automat auf Anhieb. Und dann haben diese Hinterwäldler, weil sie nicht als solche gelten wollen, sondern als reiche, gebildete, moderne Menschen, auch nur Automatenbetrieb an den Tankstellen. Gut, dass in dem Kaff bei Sakylä ein anderer Kunde 10 oder 20 Worte Englisch konnte und uns so zeigte, was man auf dem einsprachigen Touchpad drücken muss. Apropos Sprache: die kuriose Sprache ist ja eine der wenigen interessanten Dinge in diesem öden Land. Die Leute reden in ihrer kühlen Art, die ein Finnlandfan sowie ein gewisser Fachbuchautor in der Kulturwissenschaft, den ich mir mal in der Uni durchgelesen habe, als „freundliche Zurückhaltung“ auslegt, zwar meist nicht viel, aber wenn, dann gibt es so kuriose Worte wie „pussi“ für „Beutel“ oder „hasselpähkinätäytteinen suklaavohvelipala“ für „haselnussgefüllte Schokowaffeln“ zu hören. Programmhefte gibt’s beim Fußball oft gratis zugesteckt. Die Texte sollte man sich mal durchlesen, um die längsten Wörter zu finden: „ostoympäristösuunnittelu ... myymälävarustaminen ... ikkunaratkaisuissa ...potkupallojoukkueita“ usw. Eine seltsame Erscheinung ist die sonst v.a. in Sprachen wie Japanisch übliche, zwanghafte Einschiebung von Vokalen (ob Japaner große Probleme haben, so konsonantenreiche Sprachen wie Tschechisch zu lernen?) bei Fremdwörtern: die Japaner machen den Rucksack zum „rukkusakku“ und Diamanten (engl. „diamonds“) zu „diamonzu“ – die Finnen das Ketchup zum „Kettschappi“ oder den Hurrikan zum „hurrikani“. Man spricht Finnisch übrigens so aus, wie man es als Deutscher tun würde bei der Schreibweise. Doppelte Vokale („oo“ usw.) werden lang – nicht getrennt! – gesprochen und das „y“ klingt mehr wie ein „ü“. IMG_6126 Nachdem wir uns kurz die flache, langweilige, Kiefer- und Birkenwald gesäumte Seenplatte bei Säkyle angeschaut hatten, da sie als „Sehenswürdigkeit“ markiert war und auf dem Weg lag, fanden wir noch die im Ort mit dem lustigen Namen Lappi gelegene Holzkirche. Die war ein ganz sehenswertes Gebäude mit ihrer roten Holzfassade, den schön verzierten Fensterrahmen und dem seitlich zwischen Bäumen auf einem Felsen stehenden Glockenturm. Noch viel schönere Beispiele für Holzgebäude gibt es in Rauma, der wohl schönsten aller Ortschaften in Finnland, zu sehen. Dort ist die Altstadt geschlossen in hervorragend hergerichteten Häusern mit bunten Holzfassaden, die teilweise Schnitzkunst über den Türen oder im Giebel aufweisen, erhalten. Eine kleine Kirchenruine und die prima erhaltene Kirche mit den vielen mittelalterlichen Bauelementen im Innenraum (toller Apsisausmalung, prima Heiligenbilder auf der Balustrade der Empore) sind auch sehenswert. Das Essen beim Türken kostete hier kurioserweise kaum mehr als in Deutschland, somit also gerade halb so viel wie in den einheimischen Restaurants. Der İskender Kebab war zwar zu kalt, aber dafür gab es frisches Wasser und warmen Tee gratis und besser einen İskender Kebab für 6,50€ oder einen Döner für 4,00€, als einen stinknormalen Döner für 7,50€ bei diesem Drecksladen um die Ecke, einem Heesburger (der finnischen Fast-Food-Kette). Für 6€ pro Karte (also pääsylippu) guckten wir uns auch noch ein Spiel der dritten finnischen Liga im schönen Äijänsuon Stadion an. Die Anlage hat zwar nur eine kleine Sitztribüne (Sitzschalen auf Holzbänken, alles überdacht und zwei Meter höher als das Spielfeld gelegen in den Felshang reingebaut), aber weiß durch die schöne Lage zwischen den mit Flechten, Moosen und Kiefern bewachsenen Felsen zu gefallen. Auf den Felsen der Gegenseite kann man zwar ebenso stehen wie hinter den Toren, aber das ist offiziell eigentlich nicht vorgesehen, weswegen die Kapazität von 600 Plätzen richtig ist. Etwa 200, fast völlig emotionslos auftretende Zuschauer verfolgten ein ziemlich gutes und schnelles Spiel, was aber mit Fehlern gespickt war, die man in einer Halbprofiliga nicht erwarten kann. Im Amateurbereich wäre das natürlich völlig in Ordnung, wenn über den Ball gestolpert wird oder der Torwart den Ball so nach einem Rückpass erwischt, dass er einen frei vorm leeren Tor stehenden Gegner anspielt, der allerdings neben die Bude köpft. Besonders sehenswert waren da die Spieler Jere Narkko (der Rauma-Torwart) und Eloma Ilondo (Kaarina): unglaublich, dass dieser Fliegenfänger nur zwei Tore kassiert hat und er mit seiner Mannschaft auf dem vierten Platz – wenn auch abgeschlagen hinter dem Tabellenführer und so gut wie Aufsteiger Ilves – steht bzw. wie dieser Schauspieler und Komiker Ilondo noch einen tollen Treffer zum 0:2 für seine Mannschaft aus dem Plattenbauvorort von Turku, die nicht einmal Gästefans mitbrachte, erzielte, nachdem er 87 Minuten nur am Kaspern, Meckern und Chancen versemmeln war. Als bester Spieler von Kaarina wurde übrigens völlig zu Recht der Torwart, Marko Laaksonen, der mit seinen reaktionsschnellen Paraden den Sieg des fast Absteigers (KaaPo ist nur 12. von 14. und hatte auf den 11. (den ersten Nichtabstiegsplatz) vor dem Spiel vier Punkte Rückstand) festhielt. Wie gesagt; ein schönes Spiel! Was wieder sehr an Eishockey erinnerte war die Wahl zum besten Spieler und das Ansagen von Eck- und Freistoßschützen. Jedoch sagte der Sprecher diesmal sogar zweimal Werbesprüche durch, was mich schon beim Eishockey immer nervt. Da war es doch irgendwie schön, dass die Mannschaft aus Rauma mit ihren mit Werbeschriften zugetexteten Trikots gegen die Mannschaft aus Kaarina, die in den Standard-Amateurtrikots ohne jegliche Aufschriften außer der Rückennummer spielten, verloren hat. Allerdings ist Rauma ein wirklich schöner Ort, durch dessen Besuch der Finnlandabstecher noch etwas gewann. Ansonsten kann ich keinem raten sich länger in Finnland aufzuhalten, als für den Länderpunkt nötig: mal mit der Nachtfähre von Stockholm nach Turku, sich Rauma und Turku angucken und dann ein Spiel in Rauma oder Turku oder so reinziehen um danach in dieser Stadt zu übernachten, bis die Morgenfähre fährt, reicht völlig. Helsinki ist z.B. die beschissenste Hauptstadt, die ich bisher gesehen habe. Kein Deut besser als so ein Kaff wie Vaduz und ein Scheidreck gegen Prag, Damaskus, Stockholm, Budapest, London, Tunis, Luxemburg-Stadt usw. Ein Knaller zum Abschluss: das mäßige Hostel in Helsinki kostete uns 47€ und das hervorragende Holiday Inn in Turku nur 62€. Wie ein Dreisterne-Hotel, das wir wegen der normalerweise zwischen 80 und 140€ liegenden Nachtpreise nie nehmen, so wenig teuerer als so eine scheiß Jugendherberge sein kann, frag ich mich wirklich, wo die Zimmer vier mal so groß, mit Dusche, Klo, Glotze, großem Schreibtisch, Sessel, breiten Betten usw. ausgestattet sind. Außerdem war mal endlich etwas billiger als ein vergleichbares Angebot in Deutschland! IMG_6204 Statistik: Ground Nr. 473 (ein neuer Ground; diese Saison: 23 neue) Sportveranstaltung Nr. 1.067 (diese Saison: 29) Tageskilometer: 350 (Auto) Saisonkilometer: 7.390 (5.490 Auto/ 1.120 Fahrrad/ 400 Schiff, Fähre/ 380 Bahn, Bus, Tram/ 0 Flugzeug) Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 56 Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 216

W216IV: Von Turku nach Helsinki; Übernachtung im Stadion und die Kiffer von Kronohagen

FC Kiffen Helsinki 2:0 Laajasalon Palloseura Helsinki
Donnerstag 16. September 2010 – Anstoß 18.30
Kakkonen Lohko A („Die Zweite, Gruppe A“ = 3. finnische Liga, 2. Halbprofiliga)
Ergebnis: 2:0 nach 92 Min. (45/47) – Halbzeit 1:0
Tore: 1:0 41. Templar Lokake, 2:0 92. Feras Abid
Verwarnungen: keine, Platzverweise: keine
Spielort: Töölön Pallokenttä (Kap. 4.600 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 100 (davon ca. 10 Gästefans)
Unterhaltungswert: 2,5/10 (Bes. in Hälfte 2 langweilig, aber wenigstens ab und an ein Lichtblick z.B. durch die beiden Treffer)
Sightseeing: 5,0/10 (Helsinki hat wenige Sehenswürdigkeiten inmitten hässlichster Bebauung zu bieten, Turku ist v.a. durch die tolle Burganlage lohnend)
IMG_5966
Photos and English version:
Kiffen Helsinki 2:0 Laajasalon Palloseura
Helsinki (Capital of Finland)
Turku (Oldest Finnish City) + Kaarina Fortress Ruin
By Ferry from Stockholm to Turku and back (Skerries, Islands etc.)

Video:
Kiffen Helsinki scores against LPS!

Endlich wieder Fußball! Nachdem wir gestern mal kein Spiel gesehen hatten, guckten wir natürlich gleich das höchstklassigste Donnerstagsspiel in Finnland. Bevor wir uns in die finnische Hauptstadt begaben, mussten wir allerdings in Turku von Bord gehen, wobei die besoffen andere Fahrgäste anmachenden Finnen ein herrliches Bild von den sozialen Problemen des eintönigen Nordlandes gaben, und schauten uns die älteste Stadt Finnlands an. Diesen Ort sollte man nicht links liegen lassen, weil es einer der ganze wenigen Orte dieses architektonisch unterentwickelten Staates ist, wo es mehr als nur Landschaft – die man aber in Schweden oft schöner hat – zu sehen gibt. Die Burg kann man nicht verfehlen, da sie direkt neben der Straße vom Hafen ins Zentrum liegt. Eine tolle Anlage, die von einem ganz ansehnlichen Park umgeben ist und zum ersten einen älteren, mit dunkler unverputzter Steinfassade versehenen Teil, und zum zweiten einen etwas jüngeren, in hellem Weiß gehaltenen Teil, zu bieten hat. Auffällig sind von außen der dicke, runde, weiße Turm und die einem Kirchturm ähnliche Frontseite zum Meer hin, innen sind schöne romanische Fensterrahmen, Holzübergänge und Verzierungen der verwinkelten Mauern auffällig.
Im Stadtzentrum Turkus – der Göteborger Groundhopper würde mich jetzt wieder bitten: „Please say ’Ǻbo’ – we Swedish don’t like the Finish names“ – finden sich noch ein Dom, mehrere repräsentative Bauten und schöne Bürgerhäuser. Allerdings gehen selbst die schönsten Jugendstilfassaden etwas unter in der Ansammlung von Plattenbauten oder minderwertiger, neuerer Wohnhäuser.
IMG_5820
Im nahegelegenen Kaarina – ein langweiliger Plattenbauvorort Turkus – schauten wir uns die am Rande einer Insel gelegene frei zugängliche Bischofsfestung an. Die äußeren Mauern sind typische Festungsmauern aus starken Ziegeln des 17. Jahrhunderts, der innere Bereich ist etwas älter und ziemlich verfallen.

Halbwegs zügig kamen wir in die 160km entfernte Hauptstadt Helsinki, wo man als erstes über die Minderwertigkeit der Bebauung und dann über die Preise erschrickt. In Stockholm hatten wir für 8€ fünfeinhalb Stunden geparkt, in vergleichbar guter Lage kosteten hier eineinhalb Stunden 8€. Und Helsinki ist wirklich ein Scheißdreck im Vergleich zu Stockholm! Herausragend sind nur der Platz um die strahlend weiße Domkirche – wenn man sich die Stufen hoch gequält hat, hat man Innen aber wenig zu sehen, da die Kirche sehr kahl ist – und die russische Uspenski Katedral, die außen mit verspielten Türmchen und innen mit den herrlichen orthodoxen Ikonenmalereien und Deckenausmalungen beeindrucken kann. Ein paar schöne Fassaden zwischen Barock und Historismus gibt es noch vereinzelt zu bestaunen, nicht uninteressant aber doch eher hässlich sind die Beispiele für den nordischen Monumentalbaustil, den die Nazis um Hitler so toll fanden – doch der größte Teil Helsinkis ist eine Betonwüste wie Hamburg oder Kassel. Das Leben hier kann auch recht hart sein, denn dutzende Rotkreuzmitarbeiter sammelten für Bedürftige; solche Bedürftige wie die bettelnden Alten oder der zerzauste Saxophonspieler vor den Einkaufspassagen. In Skandinavien habe ich bisher auch nicht annähernd so viel Polizei gesehen wie in Helsinki. Die Szene mit der alten Bettlerin, ein Kopftuch halb um die schmutzigen Haare geschlungen, erinnerte mich an einen Comic von Don Rosa, dem Gemäldekünstler und den Comiczeichnern, der eine finnische Sage in einen der typischen Comics von Dagobert und Donald Duck und den Neffen auf Schatzsuche, eingearbeitet hat: die Schlussszene zeigt die böse Hexe, die ihre Zauberkraft verloren hat, bettelnd vor einer Helsinkier Einkaufspassage mit dem Schild „Hexe in Not“.
IMG_5927
Das Navi des Mietwagens fing wieder an zu spinnen, doch wozu haben wir einen Stadtplan Helsinkis? So fanden wir durch den engen – ist aber nicht so chaotisch wie in Stockholm – Verkehr, zum Olympiastadion. In der Nordkurve befindet sich ein Hostel, was für die unmöglichen Preis-Leistungs-Verhältnisse in diesem beschissenen Land sehr billig ist. 47€ pro Nacht für ein winziges Doppelzimmer sind natürlich immer noch viel zu viel. Nicht mal Blick direkt ins Stadion und abgewohnt wie z.B. viele Hotels in Tunesien, die wir dort allerdings für 13€ bis 17€ in zwei- bis dreimal so großen Zimmern mit Bad beziehen konnten. Aber die an der Rezeption waren wenigstens einmal freundlich – sonst ist erschreckend, wie kühl und abweisend die meisten Einheimischen sind – und wussten natürlich über Sport bescheid. So konnten wir uns noch mal vergewissern, wo das Stadion „Töölön Pallokenttä“ liegt, in dem dann dieser Hauptstadtclub mit dem lustigen Namen „Kiffen“ spielt.

Kiffen oder KIF hat aber nichts mit Drogen zu tun, sondern beinhaltet die harmlose Abkürzung „Kronohagens Idrottsforening“ – vom Schwedischen ins Deutsche übertragen: „Kronenweider Fußballverein“. Der Verein wurde bereits 1908 gegründet und war 4 mal finnischer Meister (1913, 1915, 1916 und 1955)! Ab 1978 folgte allerdings ein leistungsmäßiger Absturz.

Der Gegner hieß Laajasalon Palloseura – oder kurz „LPS“ genannt – und stammt aus dem Helsinkier Stadtteil Laajasalo. Dieser Club hat keine Erfolge vorzuweisen, hat sich aber innerhalb von 20 Jahren von der untersten in die oberste Amateurliga hocharbeiten können und spielt seit sieben Jahren sogar dritte Liga.
Kiffen war vor dem Spiel 4. und LPS 5. Unter der Veikkausliiga, einer weniger bedeutenden Profiliga, gibt es zwei Halbprofiligen; die Ykkonen („Die Erste“) und die Kakkonen („Die Zweite“), dann folgen Amateurligen. Dieses Spiel hätte also mindestens auf Oberliganiveau sein müssen, doch selbst die schwachen deutschen Oberligen könnten sich gegen die Kakkonen sehen lassen. Kiffen begann zwar recht offensiv, aber nach einer Viertelstunde lief alles auf Mittelfeldgeplänkel hinaus. Der Gastgeber war vor den lächerlichen 100 Zuschauern, die sich auf der schön in den Fels gebauten Holzbänketribüne verloren – nun gut, parallel lief 300m entfernt das ausverkaufte Toppspiel der ersten Eishockeyliga (Jokerit gegen HJK Helsinki) – die bessere Mannschaft. Nach 40 Minuten wurde das Spiel dann auch wieder schwungvoller und ein Torwartfehler führte zum verdienten 1:0 für Kiffen.

In der zweiten Halbzeit schlief man unter dem schummrigen Flutlicht fast ein. Es passierte außer massenhaft Fehlpässen, Stolperern und einigen vergebenen Chancen für LPS einfach gar nichts. Der Kiffen-Torwart wurde zum besten Mann des Spiels mit seinen guten Reaktionen, die LPS-Stürmer, die oft nicht annähernd ans Tor herankamen mit ihren Schüssen, zu den Versagern. Der Araber Feras Abid erzielte dann völlig überraschend das 2:0 – schneller Antritt, Gegenspieler ausgespielt, sehr überlegt gemacht, gut abgeschlossen: Respekt! – mit der einzigen Chance für Kiffen in Halbzeit zwei, in der Nachspielzeit. Symptomatisch, dass hier nur die Migranten und nicht die Finnen die Tore erzielten. Das Niveau des Spiels war leider nicht besser zu erwarten. Wenigstens gab es ab und an ein paar schöne Szenen in den 92 Minuten.

Etwas Interessantes noch am Rande: die Musik war finnisch-jugendlich – schon eine Stunde vor Anpfiff dröhnte Heavy Metal durch die Stadionboxen – der Stadionsprecher nahm sich ein Beispiel am Eishockey und sagte auch Ecken und so was an und nach dem Spiel stellten sich die Spieler auch eishockeymäßig auf, die jeweils besten Akteure beider Mannschaften wurden ausgezeichnet und dann gaben sich noch mal alle Spieler der Reihe nach die Hände.

Statistik:
Ground Nr. 472 (ein neuer Ground; diese Saison: 22 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.066 (diese Saison: 28)
Tageskilometer: 210 (Auto)
Saisonkilometer: 7.040 (5.140 Auto/ 1.120 Fahrrad/ 400 Schiff, Fähre/ 380 Bahn, Bus, Tram/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 55
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 216

W216III: Mal ein Tag ohne Fußball – mit der Fähre nach Finnland

Photos & English Version:
On the Eastern Shore of Lake Vättern
(Gränna Village, Brahehus Palace Ruin, Alvastra Monastery Ruin etc.)

Nach fünf Tagen, die jeweils als Höhepunkt ein Fußballspiel hatten, gab es mal einen fußball- aber nicht sportfreien Tag. Sport machten allerdings nur wir und zwar nachdem wir von Jönköping über Gränna am See Vättern – dort soll es im Sommer extrem überlaufen sein, und selbst an diesem Septembermorgen waren die Straßen zwischen den malerischen Holzhäusern zwischen Seeufer und hohen bewaldeten Ufern waren die engen Straßen nicht leer – nach Uppgränna gefahren waren, wo sich die Schlossruine Brahehus befindet.
IMG_5658
Die einfache Variante wäre gewesen, auf die Autobahn zurück zu fahren, den Rastplatz gegenüber anzusteuern und die Brückenunterführung zur Ruine zu nutzen – so machte das z.B. ein Fernfahrer in seiner Pause – doch wir stellten das Auto neben dem einen Bauernhof ab und liefen den schwer zu gehenden, da sehr felsigen und teils matschigen und enorm steilen Wanderweg durch den Wald. Oben angekommen muss man eine Zauntür öffnen, um in Sichtweite der Autobahn zur Schlossruine zu gelangen. Die Anlage ist halbwegs gut erhalten und weniger wegen ihrer Größe, die doch sehr beschränkt ist, denn wegen ihrer landschaftlichen Lage – zwischen Autobahn und Abgrund zum See hin, mit einem weiten Blick auf die Insel Visingsö im See Vättern – sehenswert.

Wir fuhren noch durch die malerische Hügel-, Felder- und Waldlandschaft bis zur Klosterruine Alvastra, die die größte Kirchenruine und der älteste Klosterbau Nordeuropas ist. Die romanische Ruine ist recht ausgedehnt und schön gelegen. Vor allem die Bögen des Seitenschiffes sind schön.

In Stockholm aßen wir noch ein seltsames aber gutes schwedisches Gericht (Eierkuchen mit Speck, Preiselbeeren und Kräutern) und liefen vom Parkplatz des Olympiastadions aus noch etwas nördlich der Altstadt herum, wo es zum Beispiel ein paar Parkanlagen, große Wohnhäuser mit schönen Jugendstil- oder noch älteren Fassaden, ein paar Kirche und einen seltsamen Fußgängertunnel, der mitten durch einen bebauten Felsen getrieben ist, gibt.
IMG_5729
Danach checkten wir auf die Fähre Stockholm – Turku (via Långnäs auf Ǻland) ein. Die „Galaxy“ der Silljaline ist ein riesiger Dampfer, der zwar nicht die Größe eines modernen Kreuzfahrtschiffes erreicht, aber doch irgendwie an einen schwimmenden Wohnblock erinnert. Wir hatten recht früh gebucht und bekamen deshalb eine Kabine mit Fenster, von der man die Stockholmer Schären mit dem letzten Licht der Dämmerung erkennen konnte. Die Qualität der Kabinen war übrigens hervorragend. Und das war die zweitniedrigste von sechs Kategorien! Wie muss da die Suite aussehen?!

Statistik:
Tageskilometer: 700 (360 Auto, 340 Schiff)
Saisonkilometer: 6.830 (4.930 Auto/ 1.120 Fahrrad/ 400 Schiff, Fähre/ 380 Bahn, Bus, Tram/ 0 Flugzeug)