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Freitag, 24. September 2010

W216VI: Endlich wieder in Schweden – oder: Fahrt durch die Schärenwelt

Photos and English Version:
By Ferry through the Skerries (from Turku to Stockholm).
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Nach zwei Tagen Finnland freuten wir uns schon auf die Rückkehr ins viel sehenswertere Schweden, wobei der Abschied von Finnland mit der Fahrt durch die Inselwelt vor Turku und die autonomen finnischen (jedoch schwedischsprachigen) Ǻland-Inseln recht positiv ausfiel. Den ersten Schauer gab es auch erst kurz vor Stockholm, sodass ich gut fotografieren konnte. Natürlich sehen die Schären ziemlich gleich aus, aber man kann immerhin zwischen den nur wenige Zentimeter oder bis zu 6 oder 7 Meter aus dem Wasser ragenden Schären unterscheiden, manche sind eigentlich nur Felsen, die einen Meter lang und 30 Zentimeter breit so wie völlig vegetationslos sind und höchstens von Seevögeln angesteuert werden, die anderen sind zehn mal fünf Kilometer mit etlichen Buchten und zwischen den dichten Nadelbäumen finden sich auch mal die ein oder anderen Wochenend- oder Einfamilienhäuser in der typischen Bauweise. Vor Stockholm werden die Inseln höher, felsiger und dadurch auch schöner, jedoch auch dichter besiedelt. Bei dieser Route fährt man übrigens kaum mal übers offene Meer, was die Fahrt (unbedingt einen Decksitzplatz statt einer Tageskabine – man hat nur diese zwei Optionen – nehmen!) gar nicht mal langweilig macht.

Auch über das Aufhalten auf dem Schiff konnten wir nicht klagen, da es z.B. Mittagsbüffet mit vier Gängen für 10€ gab, was schon recht anständig im Preis und auch der Qualität war. Auffällig an den Passagieren war nur wieder, dass etliche der Glücksspieler und Schreihälse, so wie alle der ganz wenigen Besoffenen und auch die einzigen verblödeten Dreckwänster, die ihre Coladosen statt in den drei Meter entfernten Papierkorb zu werfen, auf den Boden vors Fenster schmissen, finnisch sprachen. Die dümmsten Passagiere also – wie auch auf der Hinfahrt schon – mal wieder Finnen! Die Bildungsschicht, die mit dem hoch gelobten Schulsystem etwas anfangen kann, muss sehr dünn sein...

Durchgeknallt, aber wenigstens nicht unfreundlich wie die Finnen, waren die Schweden im abgedrehten 60er-Jahre Look, die auch ihre beiden Rocker-Kumpels in einer 1960er-Jahre US-Straßenlimousine – so eine, die zwei bis drei Parkplätze braucht, weil sie sich quer hineinstellen muss – mitnahmen. Apropos Rocker: Rockmusiksender sind ja in Skandinavien oft die besten Musikstationen (z.B. Bandit Rock in weiten Teilen Schwedens), doch in Stockholm kann man mal auch auf den Sender „Azeri“ umschalten, der mehrmals wöchentlich von der Frequenz „Stochholm 1“ aserbaidschanische Musik sendet. Wird wohl vor allem die Iran-Azeri ansprechen – für einen in der Richtung unerfahrenen Europäer (ausgenommen Serben, Albaner usw.) natürlich kaum anhörbar, da extreme Zwischentöne dominieren oder quietschende Flöten zu hören sind – aber auch mal eine Abwechslung zur Mischung von Bandit Rock oder dem noch besseren finnischen Radio Rock, die von Liedern wie „Highway to Hell“ über moderne Gruppen wie „Rammstein“ und „Linkin Park“ bis zu skandinavischen Heavy-Metal-Bands, die wild zu hämmernden Schlagzeugrhythmen und schrillen E-Gitarren grölen und in den allein akustisch kaum verständlichen Texten z.B. mittelalterliche Burgerstürmungen beschreiben oder die Wikingerzeit verherrlichen, etliches interessantes spielen.

Eine weitere Nacht im Formule 1 Stockholm Syd und ein sehr interessanter folgender Tag standen an.
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Statistik:
Tageskilometer: 370 (340 Fähre, 30 Auto)
Saisonkilometer: 7.760 (5.520 Auto/ 1.120 Fahrrad/ 740 Schiff, Fähre/ 380 Bahn, Bus, Tram/ 0 Flugzeug)

W216III: Mal ein Tag ohne Fußball – mit der Fähre nach Finnland

Photos & English Version:
On the Eastern Shore of Lake Vättern
(Gränna Village, Brahehus Palace Ruin, Alvastra Monastery Ruin etc.)

Nach fünf Tagen, die jeweils als Höhepunkt ein Fußballspiel hatten, gab es mal einen fußball- aber nicht sportfreien Tag. Sport machten allerdings nur wir und zwar nachdem wir von Jönköping über Gränna am See Vättern – dort soll es im Sommer extrem überlaufen sein, und selbst an diesem Septembermorgen waren die Straßen zwischen den malerischen Holzhäusern zwischen Seeufer und hohen bewaldeten Ufern waren die engen Straßen nicht leer – nach Uppgränna gefahren waren, wo sich die Schlossruine Brahehus befindet.
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Die einfache Variante wäre gewesen, auf die Autobahn zurück zu fahren, den Rastplatz gegenüber anzusteuern und die Brückenunterführung zur Ruine zu nutzen – so machte das z.B. ein Fernfahrer in seiner Pause – doch wir stellten das Auto neben dem einen Bauernhof ab und liefen den schwer zu gehenden, da sehr felsigen und teils matschigen und enorm steilen Wanderweg durch den Wald. Oben angekommen muss man eine Zauntür öffnen, um in Sichtweite der Autobahn zur Schlossruine zu gelangen. Die Anlage ist halbwegs gut erhalten und weniger wegen ihrer Größe, die doch sehr beschränkt ist, denn wegen ihrer landschaftlichen Lage – zwischen Autobahn und Abgrund zum See hin, mit einem weiten Blick auf die Insel Visingsö im See Vättern – sehenswert.

Wir fuhren noch durch die malerische Hügel-, Felder- und Waldlandschaft bis zur Klosterruine Alvastra, die die größte Kirchenruine und der älteste Klosterbau Nordeuropas ist. Die romanische Ruine ist recht ausgedehnt und schön gelegen. Vor allem die Bögen des Seitenschiffes sind schön.

In Stockholm aßen wir noch ein seltsames aber gutes schwedisches Gericht (Eierkuchen mit Speck, Preiselbeeren und Kräutern) und liefen vom Parkplatz des Olympiastadions aus noch etwas nördlich der Altstadt herum, wo es zum Beispiel ein paar Parkanlagen, große Wohnhäuser mit schönen Jugendstil- oder noch älteren Fassaden, ein paar Kirche und einen seltsamen Fußgängertunnel, der mitten durch einen bebauten Felsen getrieben ist, gibt.
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Danach checkten wir auf die Fähre Stockholm – Turku (via Långnäs auf Ǻland) ein. Die „Galaxy“ der Silljaline ist ein riesiger Dampfer, der zwar nicht die Größe eines modernen Kreuzfahrtschiffes erreicht, aber doch irgendwie an einen schwimmenden Wohnblock erinnert. Wir hatten recht früh gebucht und bekamen deshalb eine Kabine mit Fenster, von der man die Stockholmer Schären mit dem letzten Licht der Dämmerung erkennen konnte. Die Qualität der Kabinen war übrigens hervorragend. Und das war die zweitniedrigste von sechs Kategorien! Wie muss da die Suite aussehen?!

Statistik:
Tageskilometer: 700 (360 Auto, 340 Schiff)
Saisonkilometer: 6.830 (4.930 Auto/ 1.120 Fahrrad/ 400 Schiff, Fähre/ 380 Bahn, Bus, Tram/ 0 Flugzeug)

Donnerstag, 23. September 2010

W216I: In der Hauptstadt Skandinaviens – Stockholm; und: Gästefanquote 85% - das gibt’s auch nur in Väsby

FC Väsby United 3:1 Hammarby IF (Stockholm)
Montag, 13. September – Anstoß 18.30
Superettan ("Die Super-Eins" - 2. schwedische Profiliga)
Ergebnis: 3:1 nach 94 Min. (45/49) – Halbzeit 1:0
Tore: 1:0 33. Niklas Maripuu, 2:0 49. Mikael Wentzel, 2:1 51. Linus Hallenius, 3:1 72. Alagie Sosseh
Verwarnungen: Eldin Kozica, Daniel Sundgren (Utd.); Jose Monteiro de Macedo, Sebastian Castro-Tello, Andreas Dahl (HIF)
Platzverweise: keine
Spielort: Vilundavallen (Kap. 1.750, davon 150 überdachte Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 2.000 (davon ca. 1.700 Gästefans)
Unterhaltungswert: 4,0/10 (Hammarby leider sehr schlecht, Väsby mittelmäßig, Stimmung der Gästefans trotzdem klasse!)
Sightseeing: 8,0/10 (Stockholm ist eine sehr sehenswerte Stadt [8,5/10], Väsby hingegen ein emporgekommenes Kaff)
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Photos and English version:
Väsby United 3:1 Hammarby IF
Stockholm (Capital of Sweden)

Video:
Hammarby support during a typical match scene

Nach dem Frühstück kämpften wir uns durch die Morgenrushhour, die in Stockholm um 6 Uhr beginnt, von der Mittagsrushhour abgelöst wird und in die Abendrushhour übergeht. Aber zwischen 20 und 6 Uhr kann man ziemlich frei fahren, an Wochenenden den ganzen Tag über ohne große Probleme. Ansonsten ist halt dazwischen quetschten, Stop-and-Go und Schritttempo fahren auf vier- bis achtspurigen Autobahnen angesagt. Die Stockholmer Citymaut hat ihr Ziel verfehlt: der Verkehr ist weiterhin zu viel, da auch das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel nicht ausreicht. Unglaublich eigentlich – auch wenn man bedenkt, dass Stockholm durch die Lage auf dutzenden von Inseln in einem Sund, unweigerlich Engstellen in der Infrastruktur erleben muss: Brücken sind da immer ein Nadelöhr – was für ein Verkehrsproblem diese Stadt hat. So verstopfte Straßen habe ich in Europa nur in Belgrad erlebt. In der vergleichbaren deutschen Hauptstadt Berlin ist der Verkehr gar nicht so wild.

Wenn wir schon Berlin und Stockholm vergleichen wollen – ein durchaus fairer Vergleich, da beide (obwohl Stockholm nur halb so viele Einwohner hat) große europäische Hauptstädte sind – dann muss der sonstige Vergleich aber zugunsten Stockholms ausfallen. In Berlin gehen die 100 attraktiven und sehenswerten Gebäude in der Masse von 100.000 Häusern der Kategorie „architektonischer Abschaum“ unter, während Stockholm einer geschlossene Altstadt (Gamla Stan) in Insellage hat. Benachbarte Inseln – Riddarsholmen, Södermalm usw. – haben ebenfalls etliche Sehenswürdigkeiten zu bieten. Allein die prunkvollen Bauten auf Riddarsholmen lohnen das Laufen durch den Regen, der an diesem Tag mal wieder fast ohne Pause auf Stockholm niederging. Auf den Felsen von Södermalm stehen auch ein paar historische Häuser vor Plattenbauten. Direkt auf der Altstadtinsel sind vor allem das königliche Schloss und die deutsche Kirche – inmitten einer ganzen Menge von sehenswerten Gebäuden aus Barock, Historismus und einigem dazwischen – sehr schön. Die deutsche Kirche ist vor allem innen herrlich ausgestattet mit den beiden Orgeln, Altären, detailreichen Bildern und der reich verzierten Fürstenloge – und übrigens auch so ziemlich das einzige kostenlos zu besichtigende und nicht auf Fotografierverbot bestehende Gotteshaus Alt-Stockholms. Völlig gegensätzlich zu den teueren Sehenswürdigkeiten, dem teueren Parken usw. ist hingegen das Essensangebot zur Mittagszeit. Viele Restaurants bieten Büffets von ca. 11 bis 14 Uhr an, die zwischen 8€ und 10€ (Getränke teils gratis) kosten. Wir gingen im Stadthaus, einem dieser fantastischen 1910er Jahre-Bauten Stockholms (die im selben, zwischen Jugendstil und Expressionismus liegende Technische Uni und das Olympiastadion hatte ich am Tag zuvor besucht), essen. Vom Bau her könnte das Stadthaus auch eine Kirche sein, nur sind statt einem Kreuz die drei Kronen (Tre Kronor) auf dem Turmdach befestigt und absolut ungewöhnlich sind die Mischung aus nordischer Backsteinfassade und ausländischen Details wie einer goldenen Buddhadarstellung und einem goldenen (islamischen) Halbmond. Passt aber zu dieser Stadt und der schwedischen Gesellschaft.

Stockholm ist jedenfalls eine sehr sehenswerte Stadt und kommt im Ringen um die Frage „Was ist die schönste Hauptstadt Europas oder der Welt?“ auf jeden Fall ein Stück hinter Prag, aber zum Beispiel knapp vor Budapest, deutlicher vor Kopenhagen, Bratislava und Ljubljana und klar vor Berlin und Paris. Helsinki ist z.B. ein Scheißdreck gegen Stockholm.
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Wir fuhren dann ein Stück nach Norden, da in Upplands-Väsby, 30km vor den Toren Stockholms, ein sehr interessantes Zweitligafußballspiel stattfand. Väsby ist ein Kaff der Sorte „tiefste Provinz“: Plattenbauten und Industrie ohne Ende, die der Ansammlung von Holzhütten zu Wohlstand verhalfen. Sehr passend zur Gegend auch die Rekonstruktion eines Bauernhofs aus der Wikingerzeit (hölzerne Behausungen und Ställe am Waldesrand) als einzige Sehenswürdigkeit des Ortes.

Von der Beschreibung her klang der Verein Väsby United ganz entfernt nach einem Pendant zu Chmel Blšany, doch während der Verein in Tschechien Kult ist und zu seinen besten Zeiten so spielte, wie Mjällby (ein Dorfverein im besten Sinne und deshalb auch eher vergleichbar) heute in der ersten Liga, ist Väsby United die Neugründung von Opera Cafe Stockholm, ein Kunstverein ohne Herz, Seele oder Fans, der auch in jeder anderen Stadt spielen könnte, als Väsby. Die Zahl der Fans liegt bei 200 bis 300. Oft ist das ohnehin winzige Stadion leer, doch heute strömten Hammarbyfans in Massen. Unterschiedlicher könnte das Duell kaum sein. Das ist Wehen-Wiesbaden gegen St. Pauli! Wehen Väsby mit ihren Modefans und Langweilern werden im eigenen Stadion vom linksgerichteten Anhang von St. Pauli Hammarby nieder gesungen. Doch das ist halt Hammarby: ein echter Kultklub mit langer Geschichte, vielen anderen Sparten neben Fußball, großer Jugendarbeit und genialer Fanszene, die in Deutschland gerne mit St. Pauli verglichen wird; das jedoch nur mit Einschränkungen, da sie nicht von arbeitsscheuen Punks und linken Modefans dominiert wird, sondern von linksgerichteten Proletariern.

Das Umfeld bei Väsby United war jedenfalls noch dämlicher, als vom Ort her von ausgegangen werden musste: das war wie wenn Hansa Rostock im DFB-Pokal auswärts nach Waren muss. Doch der Verbandsligist in Waren an der Müritz hat ein besseres Stadion. Aber die Ordner sind genauso doof, unfreundlich und unprofessionell (für Schweden, wo es sonst viel besser ist an diesem Punkt, eine Schande!) wie in Waren. Der Eintrittspreis von 150 Kronen (ich habe als Student wenigstens nur 100 Kronen/ d.h. 15€ bzw. 10€ - zahlen müssen) ist absolut asozial. Zudem konnte da niemand Englisch. Wir kamen zwar auch auf Schwedisch zurecht, aber nur wirklich ungebildete Schweden können kein Englisch – der Programmverkäufer muss schon verkalkt und die Ordnerin fünf Mal auf der Hauptschule sitzengeblieben sein.

Das Stadion natürlich der letzte Brüller: zwischen Supermarktparkplatz und Nadelwald gelegen, ein Scandic-Hotel direkt dahinter, sind die Umkleiden für die Profispieler in einem Baucontainer hinter der Tribüne untergebracht. Das find ich ja noch ganz sympathisch, aber die Tribüne versaut gleich wieder alles: eine sinnfreie Mischung aus Schalensitzen und Holzbänken, störende Balken und völlig verschmierte Seitenscheiben. Völlig bescheuert, da man auf vielen der 150 eingedosten Plätze gar nicht das ganze Spielfeld sieht! Gegenüber sind die beiden billig zusammen gezimmerten Holz- und Stahlrohrtribünen (rechts 180 und links 210 Stehplätze) schon besser. Hinter dem einen Tor drängten sich dann die dauersupportenden Ultras und Co. von Hammarby auf der 800 Leute fassenden Stehtribüne (ebenfalls Holz und Stahlrohre). Ebenirdisch können noch 410 Leute dazwischen stehen.

Beim Spiel des 16. und Letzten (Väsby) und des 8. Hammarby waren aber so viele Gäste zugegen, dass die Tribünen nicht ausreichten. Einige bezogen gleich am Zaun oder außerhalb der Anlage auf den beiden Böschungen Stellung. Wir stellten uns zwischen Tribüne und Ultrasektor an die Pufferzone. Da ist zwar eigentlich kein vorgesehener Zuschauerplatz, aber die Ordner störten sich weder an uns, noch den anderen dort stehenden Fans. Die Ultras zogen trotz des schwachen Spiels ihrer Mannschaft eine klasse Show ab. 90 Minuten Support und erst nach Halbzeit- und Schlusspfiff Unmutsbekundungen. Vor dem Anpfiff gab es übrigens ein Fahnenmeer mit Vereinswappen in der Mitte und dem Banner „Framåt Hammarby“ = „Voran Hammerdorf!“ zu sehen.

Väsby begann besser, Hammarby kam nur langsam ins mäßige Spiel. Beide Mannschaften hatten enorme Standschwierigkeiten auf dem nassen Rasen, doch viele Fehlpässe und unsaubere und teils mit gelb bestrafte Grätschen von Hammarby ließen sich dadurch nicht entschuldigen. Gegen diesen Drecksverein auch noch ein Tor zu kassieren ist natürlich erst recht scheiße.
Allerdings blieb es in einer zwischenzeitlich besseren zweiten Hälfte nicht bei dem einen Tor. Ein starker Treffer nach Unaufmerksamkeiten in der Abwehr und schon stand es 2:0. Der derzeit beste Spieler bei Bajen, der junge Schwede Linus Hallenius, erzielte aber wenigstens mit einem Hammer unters Tordach den schnellen Anschlusstreffer. Danach zeigte Hammarby aber fast nichts mehr. Man musste sich schon fragen, ob die Wettquoten, die in Schweden bei jedem Profifußballspiel entsprechend der Spielstände durchgesagt oder an der Anzeigetafel angezeigt werden, zu verlockend waren. Das war eine derartig schlechte Leistung, da sah selbst diese Gurkentruppe von Väsby gut dabei aus.

Hammarby und das Spielniveau waren leider eine Enttäuschung, aber die Stimmung der Bajen Fans war erwartungsgemäß topp. Gerade deshalb muss auch mal in den nächsten drei, vier Jahren eine weitere Schwedenreise folgen – dann mal im Oktober, wenn neben einem Heimspiel von Hammarby-Fußball auch Eishockey und Bandy geguckt werden kann!
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Statistik:
Ground Nr. 470 (ein neuer Ground; diese Saison: 20 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.064 (diese Saison: 26)
Tageskilometer: 90 (Auto)
Saisonkilometer: 5.540 (3.980 Auto/ 1.120 Fahrrad/ 380 Bahn, Bus, Tram/ 60 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 53
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 216

W215V: Von Karlstad nach Stockholm – in der schwedischen Hauptstadt steht das schönste Stadion der Welt

Djurgårdens IF (Stockholm) 2:1 Örebro SK Sonntag 12. September 2010 – Anstoß 16.30 Allsvenskan („Die Gesamtschwedische“, 1. Profiliga) Ergebnis: 2:1 nach 95 Min. (47/48) – Halbzeit 0:1 Tore: 0:1 37. Magnus Wikström, 1:1 79. Sharbel Touma, 2:1 82. Joona Toivio Verwarnungen: Lucho A. Rodriguez (DIF); Magnus Kihlberg, Michael Almebäck (ÖSK) Platzverweise: keine Spielort: Stockholms Olympiastadion (Kap. 14.417 Sitzplätze) Zuschauer: 8.057 (davon ca. 300 Gästefans) Unterhaltungswert: 7,5/10 (Bis zur 60. mittelmäßig, dann packendes Schlussdrittel, außerdem gute Stimmung) Sightseeing: 7,0/10 (Diesmal zwar wenige Sehenswürdigkeiten, aber ein erster Überblick über das schöne Stockholm, eine tolle Kirche in Glanshammar und die Altstadt von Karlstad) IMG_4939 Photos and English version: Djurgarden 2-1 Örebro at World’s Most Beautiful Stadium (Stockholm Olympiastadion) Sights of Stockholm (Swedish Capital) Karlstad and Glanshammar
Video:
In Karlstad gab es mal ein reichliches Frühstück. Wir hatten ja im IBIS übernachtet, also gab es auch ein ordentliches Büffet für 7€. An dem Tag sollte kulinarisch ohnehin so einiges drin sein. Erst einmal sahen wir aber zu, die Innenstadt von Karlstad schnell zu besichtigen – es gibt einige schöne Prachtbauten am Flussufer, einen recht ansehnlichen Rathausplatz, ein großes Opernhaus und einen sehenswerten Dom: zwar etwas einfach wirkend durch die weiße Farbgebung, doch nicht nur die hohe Kupferturmhaube, sondern vor allem das Innere des kreuzförmigen Baus macht etwas daher – und dann gen Stockholm aufzubrechen. Nach einem Drittel des Weges – es ließ sich wieder halbwegs interessant durch Wald- und Seenlandschaften, in denen kein Polizist die mitunter wilden Fahrmanöver der Einheimischen oder meine leicht überhöhte, aber eben an das Verhalten der Anderen angepasste Geschwindigkeit kontrollierte, fahren – gab mein Vater das Steuer an mich ab. Wir wechselten an der Kirche von Glanshammar, zu der man, fährt man die entsprechend ausgeschilderte Autobahnabfahrt ab, durch Rechtsabbiegen auf der Autobahnbrücke und Linksabbiegen vor der kleinen Brücke auf der Landstraße (rechts über die Brücke ist der Fußballplatz, links ab geht’s nach ein paar Hundert Metern zur Kirche), gelangt. Die Kirche ist ein wirklich schönes Beispiel für ein schwedisches Gotteshaus des späten 17. bzw. frühen 18. Jahrhunderts: ganz in weiß gestrichen heben sich farblich nur die Holzschindelhaube des hohen, schmalen Turms und die Sakristei in barockem Rosa ab. Auffällig ist vor allem auch der vom Kirchengebäude abseits stehende Glockenstuhl aus Holz, der bei der Kirche von Glanshammar besonders groß und schön ist. Außerdem ist auch der Friedhof auffällig gut gepflegt. IMG_4897 In Stockholm sahen wir schon einige sehenswerte Gebäude, denen wir uns am Folgetag annahmen, da wir für diesen Sonntag in der schwedischen Hauptstadt nur den Besuch eines Spiels von Djurgården – neben Hammarby und AIK Solna einer der drei großen Clubs aus Stockholm, die allerdings weder Rekordmeister stellen, noch in den letzten Jahren so wahnsinnig erfolgreich waren – geplant hatten. Nach dem Kartenholen liefen wir an der Königlichen Technischen Universität vorbei, die wir danach auch noch besichtigten, da der Campus ein hervorragendes Baudenkmal mit monumentalen und detailreichen Backsteinbauten aus den 1910ern ist, neben der sich eine U-Bahnstation mit angeschlossener Ladenpassage befindet. Im ersten Stock der Ladenpassage befindet sich ein gutes schwedisches Restaurant, das zu gemäßigten Preisen (d.h. die meisten Gerichte kosten zwischen 9 und 15€) gute Sachen wie Kötbullar (Fleischklößchen mit Kartoffelbrei, Kräutern, Soße und Preiselbeeren; 9,50€) anbietet. Am Spieltag gehört der Laden quasi den Djurgården-Fans, die dort 95% der Besucher ausmachten. Eine Stunde vor Anpfiff gingen wir ins Olympiastadion. Wir hatten die billigste Kategorie genommen; das sind Sitzplätze hinterm Tor, die in erster Linie für Familien mit Kindern gedacht, aber nicht ausschließlich reserviert, und mit 10€ natürlich immer noch nicht billig sind. Allerdings sind vergleichbare Plätze in der deutschen Bundesliga meist erst um die 15€ zu haben. Aber was ist schon ein Platz in irgendeinem Bundesligastadion gegen einen Platz im Stockholmer Olympiastadion? Wer nicht meint, dass es das schönste Stadion weltweit ist, soll mir mal ein schöneres zeigen! Schon allein der Eingang – hier fanden nur Karten- und keine Körper- oder Taschenkontrollen statt! – ist herrlich, da man als Unkundiger eine historistische Burganlage erwarten würde, mit dem Haupteingangstor, das im Stile eines Festungsportals mit zwei Wehrtürmen gebaut ist. Die Stadionmauern sind Wehrmauern, deren Türme zinnenbewehrt sind. Die zwei großen Türme, auf denen ein Teil der Flutlichtanlage befestigt ist, befinden sich gegenüber unseres Sektors H, wobei der rechte ein Uhrturm mit Glocken und monumentalen Steinfiguren im Baustil der 1910er Jahre, in denen dieses Stadion für die Olympischen Spiele 1912 errichtet wurde, und der linke ein etwas einfacher gestalteter Turm ist. Beide Türme haben Balkone, zwischen beiden Türmen verläuft ein Arkadengang mit 18 Bögen, in dessen Mitte sich die beiden Anzeigetafeln befinden. Auf den Arkaden können sich die VIPs, für die es dort Zelte gibt, bewegen. Andere wichtige Personen dürfen unter dem Holzbaldachin, der mit mehreren Speerspitzen verziert ist, auf der rechten Stadionseite sitzen. Die Längsseiten sind nur zur Hälfte überdacht, wobei alle Zuschauer auf Holzbänken sitzen. Kurzum: Es werden zwar auch neue Stadien in Schweden gebaut, aber bekannte alte Stadien sind Baudenkmale, die weiterhin regelmäßig genutzt werden. Und das Olympiastadion ist der absolute Wahnsinn und ein Muss für jeden Groundhopper oder Fußballfan, der ein bisschen mehr sehen will, als die Spielstätte seines Lieblingsclubs! IMG_4946 Auf der linken Seite auf Höhe des Strafraums platzieren sich die Ultras und andere harte Fans von DIF, die komplette Seite unter und rechts neben dem Holzbaldachin ist voll von Dauerkartenbesitzern, die bei jeder Aktion mitgehen und bei vielen Szenen aufspringen, die Spieler ermuntern oder bepöbeln. Unterhalb des Uhr- und Glockenturms sind die Gästefans untergebracht. Örebro hatte knapp 300 mitgebracht, die auch ab und an auf unserer, fast 200m Luftlinie entfernten Seite zu hören waren. Auf unserer Seite waren halt nur Familien, junge Paare und andere, nicht anfeuerungswillige Gestalten. Sogar andere deutsche Fans - aus Aue! - waren da. Aber die Stimmung von rechts und links – mal italienische, mal englische Melodien zu schwedischen Texten – kam trotzdem prima rüber. Genial war das Singen des Vereinslieds vor dem Anstoß und in der Nachspielzeit: da sangen 90% der Fans das im Sound der „Goldenen Zwanziger“ aufgenommene Lied mit, was natürlich herrlich klingt! Kaum war also das Vereinslied von den Rängen verklungen, schon ertönte der Pfiff zur Eröffnung des Spiels. Örebro war zu Beginn klar besser und hatte drei Chancen in den ersten 20 Minuten, während Djurgården nur einmal das Gästetor in Gefahr brachte. Die nächsten zehn, zwölf Minuten waren lahm, doch dann nahm das Spiel Fahrt auf – forciert von Örebro – und der Gast belohnte sich dafür auch mit einem schönen Treffer zum 0:1, wobei der Torschütze Wikström nach dem Zusammenprall mit DIF-Torwart Pa Dembo Touray, an dem er den Ball vorbei ins Eck grätschte, ausgewechselt werden musste. Nach der Pause dauerte es 15 Minuten bis der Gastgeber aus Stockholm-Tiergarten mal endlich in Fahrt kam. Aber dann auch richtig! Plötzlich war das Spiel richtig gut und Djurgården feuerte massenhaft gute Schüsse aufs Tor von Örebro ab. Drei Mal trafen sie die Latte, mehrfach parierte der Gästetorwart, doch dann traf Sharbel Touma, ein schwedischer Assyrer, per Freistoß an den Innenpfosten zum 1:1 für Djurgården. Kurz darauf ein weiterer Freistoß, der per Kopf von Joona Toivo aus Finnland verwertet wurde. 2:1! Herrlich, wie nun das ganze Stadion auf den Holzbänken stand! Die Ordner mussten nun sogar vereinzelt Fans auf die Tribüne zurück schubsen, die beim Jubeln über die Reling (es gibt keine Fanzäune, die sind in Schweden absolut die Ausnahme!) gefallen oder absichtlich gesprungen waren. IMG_4986 Die Ordner waren aber ohnehin klasse: kontrollieren nicht am Eingang, aber nehmen einem Mann noch fünf Minuten vor Abpfiff die halbleere Colaflasche weg... Doch vor allem fiel auf, dass sie sich nicht großkotzig wie viele deutsche Ordner gegenüber den Fans verhalten. Die Polizei war sogar völlig im Hintergrund mit der Taktik „Wir stehen unauffällig am Rande, werden nicht wahrgenommen und greifen sofort ein, wenn’s Stress gibt“ bedienen. Außer dem Ordner-Chef in der orangen Jacke kümmerte sich zum Beispiel keiner der Sicherheitsleute um die auf der Reling turnenden Kinder – aber der Kerl unterstrich ohnehin seine Wichtigkeit sehr eindrucksvoll, indem er einen untergeordneten Kollegen mit gelber Jacke belehrte, er müsse seinen Klappstuhl 30cm weiter rechts auf der Tartanbahn - symmetrisch zum Tribünenaufgang, oder was? - aufstellen. Ob der wohl das Lied „Orange trägt nur die Müllabfuhr“ kennt? Egal, das Spiel war jedenfalls – zumindest in Hälfte zwei – richtig sehenswert, Djurgården ist durch den Sieg um einem Platz auf 5 geklettert während Örebro weiterhin 3. (von 14) hinter Malmö und Elfsborg ist, die Stimmung im Stadion war wirklich gut und die Atmosphäre allgemein sehr angenehm. Die Schweden scheinen auch eher auf Groundhopper eingestellt zu sein, da man gar nicht angeglotzt wird, wenn man die Tore oder Karten notiert, bzw. viel fotografiert, und auch nur sachkundig und freundlich - und nicht nach dem deutschen Motto „Was seidn ihr für welche?“ - angesprochen wird. Jedem Stockholmbesucher kann ich übrigens empfehlen, dieses Stadion zu besichtigen (zu welchen Zeiten es für Führungen offen steht, weiß ich nicht – aber man geht am besten so wie so zu einem Spiel), da es nicht nur irgendeine Sportstätte ist, sondern ein architektonisches Meisterwerk, was auch in seiner Zeit eine Glanzleistung darstellte. Ein kulinarisches Meisterwerk sind übrigens die arabischen Salate von der Tankstelle, die wir uns mal wieder zum Abendbrot kauften: z.B. Eisbergsalat mit Hühnchenbrust, Kichererbsen, Couscous, Bulgur, Kichererbsen, Frischkäse, Saubohnen und Paprikaschoten. Wahnsinn, was die in Schweden an jeder Tankstelle führen! Das ist sogar noch besser, als das Sortiment in Tschechien oder Polen. Von Deutschland ganz zu schweigen, wo außer Aral kaum eine Tanke was Vernünftiges zu Essen anbietet. Nur zahlt man eben z.B. für einen Hotdog an einer Tanke in Schweden 2,50€ und nicht 1,00€ wie in Polen (aber auch nicht 4,00€ wie in Dänemark). Der Salat kostet auch mit 4,50€ bis 6,00€ deutsche Restaurantpreise, wobei man das für die Qualität gerne hinlegt! IMG_5048 Statistik: Ground Nr. 469 (ein neuer Ground; diese Saison: 19 neue) Sportveranstaltung Nr. 1.063 (diese Saison: 25) Tageskilometer: 350 (Auto) Saisonkilometer: 5.460 (3.890 Auto/ 1.120 Fahrrad/ 380 Bahn, Bus, Tram/ 60 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug) Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 52 Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 215