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Sonntag, 13. November 2011
W276II: Klare Angelegenheit in Baumersroda & Schwacher Tabellenführer in Reinsdorf
Baumersrodaer SV II 0:5 SV Molau “90“
Datum: Samstag, 12. November 2011 – Anstoß: 12.00
Wettbewerb: 1. Kreisklasse Burgenland, Staffel 1 (11. und unterste Spielklasse, 6. Amateurliga)
Ergebnis: 0:5 nach 91 Min. (44/47) – Halbzeit: 0:4
Tore: 0-1 7. (9), 0-2 18. (11), 0-3 19. (11), 0-4 38. (10), 0-5 73. (10)
Vergebener Elfmeter: 50. Molau-Torwart wehrt „Hand“-Elfer von Nr. 14 (BSV) ab
Verwarnungen: Nr. 9 (BSV), Trainer (Molau)
Platzverweise: keine
Spielort: Sportplatz Baumersroda (Kap. 1.000 Stehplätze)
Zuschauer: ca. 20 (davon Gästefans: ca. 5)
Unterhaltungswert: 6,0/10 (Ordentliches Spiel, Molau war sehr deutlich überlegen)
Reinsdorfer SV 2:1 Gleinaer SV
Datum: Samstag, 12. November 2011 – Anstoß: 14.00
Wettbewerb: 1. Kreisklasse Burgenland, Staffel 1 (11. und unterste Spielklasse, 6. Amateurliga)
Ergebnis: 2:1 nach 92 Min. (45/47) – Halbzeit: 1:1
Tore: 0-1 25. (12), 1-1 45. (9), 2-1 60. (2)
Verwarnungen: Nr. 2 (RSV), Nr. 3, Nr. 4, Nr. 11 (GSV)
Platzverweise: keine
Spielort: Sportplatz Am Umspannwerk, Reinsdorf (Kap. 1.000 Stehplätze)
Zuschauer: ca. 20 (davon Gästefans: ca. 5)
Unterhaltungswert: 3,0/10 (Wieder mal ein fürchterlicher Duselsieg für Reinsdorf)
Photos and English version:
a) Amateur Football: Baumersroda Reserve v Molau and Reinsdorf v Gleina
b) Sightseeing in Burgenland District: Reinsdorf Church, Baumersroda Church and Estate
Heute standen zwei Spiele im Burgenlandkreis an. Zuerst ging es nach Baumersroda, wo wir vorher noch die romanische Kirche und das Gutshaus mit der im Anbau befindlichen historistischen Burg anguckten. Auf dem von Bäumen umgebenen Acker (aha, deshalb also BAUMersroda...) gab es das Kreisklassespiel zwischen dem 4. und dem 2. (nur die ersten drei er Staffel 1 kämpfen noch realistisch um den Aufstieg) zu sehen. Das Spiel war derartig einseitig, dass man sich wunderte, wie Baumersroda bisher ihre Punkte geholt hatte. Entsprechend waren sie auch dauernd am meckern. Molau spielte aber auch wirklich gut und erzielte nach und nach ganz souverän vier Tore bis zur Pause.
Nach der Pause bekam Baumersroda einen unberechtigten Handelfmeter zugesprochen. Der Torwart reagierte gut, sodass die Heimelf nicht einmal mit dieser Situation einen Ehrentreffer erzielte. Die starke Chancenverwertung der Molauer hielt leider nicht bis in die zweite Halbzeit an. Aber knapp 20 Minuten vor Abpfiff erzielte ein Spieler der Gastmannschaft noch einen schönen Treffer ins lange Eck mit Innenpfostenberührung. Der Molauer Sieg war insgesamt noch zu niedrig ausgefallen, da sie mit weitestgehend sicherem Passspiel und starkem Offensivspiel dem Gegner sehr klar überlegen waren, sodass dieser kaum zu Torszenen kam.
Weiter ging es zu einer weiteren Kreisklassepaarung ins nahe Reinsdorf (das bei Nebra natürlich). Der Platz liegt dort ganz „idyllisch“ am Umspannwerk. Die Felder der weiten Tallandschaft sind auch nicht so die Idylle, die man aus anderen Ecken des Burgenlandkreises so kennt. Auf zwei Seiten des Platzes sind ganz beachtliche Graswälle geschoben worden, aber ansonsten sieht der nach sehr wenig aus, dieser kahle Platz.
Sah man dem Treiben dort auf dem Feld zwischen dem Tabellenführer und dem Sechsten von 12 zu, fragte man sich, ob Reinsdorf wirklich Tabellenführer ist und wenn ja, wie sie es geschafft haben, 9 von 10 Spielen zu gewinnen. Sie haben bereits in der Vorwoche in Burgscheidungen enttäuscht und mit Dusel gewonnen – und diesmal dasselbe! Können die eigentlich auch einmal überzeugend gewinnen? Auch in Molau siegten sie 1:2 – wie sie gegen so ein gutes Team gewinnen konnten, frage ich mich wirklich. Wahrscheinlich auch nur Dusel gehabt. Auf dem Platz heute war Gleina nämlich lange Zeit die bessere Mannschaft und ging auch mit einem schönen Weitschuss (hoch ins Eck) in Führung.
Nachdem Reinsdorf den Ball kurz vor dem Seitenwechsel über die Linie stocherte, wurde das Spiel immer schwächer. Bei Gleina war die Luft langsam draußen – die zweite Hälfte war generell schwach. Irgendwie bekam Reinsdorf dann den Ball mit mehr Glück als alles anderem im Tor unter und Gleina vergab die wenigen Chancen, die sie noch hatten, leider alle (und meist nicht sonderlich knapp). So blieb es eben beim anscheinend Lieblingsresultat vom Reinsdorfer SV: 2-1.
Nach dem Spiel schauten wir noch an der sehenswerten Dorfkirche vorbei, die einen auf die Vierung aufgesetzten Turm und somit ein symmetrisch gebautes Kirchenschiff hat. Das Gotteshaus ist zumindest von außen in einem sehr guten Zustand.
Nachdem wir wieder zuhause angekommen waren, hockte ich mich gleich vor den Livestream mäßiger Qualität, der ein Championsleaguefinale höchster Qualität zeigte. Nämlich das der afrikanischen Championsleague. Wenn mal wieder Taraji Tunisy (Esperance Tunis) und Wydad Dar Bayda (Casablanca) aufeinandertreffen, dann ist das wie FC Barcelona gegen Bayern München. Nur etwas hitziger und bessere Stimmung auf den Rängen. Mein Lieblingsteam Taraji Tunis zeigte es den Marokkanern mal wieder, dass der beste Clubfußball auf dem schwarzen Kontinent in Tunesien gespielt wird: und zwar von Taraji, Esperance! Das goldene Tor war ein Linksschuss von halb rechts aus einiger Entfernung in den langen Winkel von Harrison Afful (aus Ghana), der zuvor zwei Gegner narrte. Die Ballsicherheit der Esperantistes war über die kompletten 100 Minuten (ja 100: unter 10 Minuten Nachspielzeit geht bei einem solchen Spiel im Maghreb nicht!) wieder einmal unglaublich. Das ist Profi-Fußball wie er sein sollte!
Statistik:
Grounds: 664 (heute 2 neue; diese Saison: 70 neue)
Sportveranstaltungen: 1.406 (heute 2, diese Saison: 92)
Tageskilometer: 90 (90 Auto)
Saisonkilometer: 13.060 (11.220 Auto/ 1.830 Fahrrad/ 10 Bahn, Bus, Tram/ 0 Flugzeug/ 0 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 9
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 276
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Donnerstag, 21. Mai 2009
Kommentar VI: Ruhiger Vatertag und vorgezogenes Elfmeterschießen in der Arabischen Championsleague
Ob man es nun Vatertag, Männertag oder Christi Himmelfahrt nennt: es ist ein Tag, an dem man entweder viel zu viel säuft - wie die Freunde unserer einen Nachbarsfamilie, die schon um 20.15 Uhr hackedicht auf der Umfriedung des Kellereingangs lagen - oder viel zu normale Sachen macht. Ich entschied mich für Letzteres und beschäftigte mich - mangels Sportveranstaltungen an diesem Tag - hauptsächlich mit Lernen, im Internet surfen und schließlich dem Gucken der Übertragung des Arabischen Championsleaguefinales.
Taraji Tunisy (Espérance de Tunis) stand Wydad Casablanca (Wydad Dar Al-Bayda) gegenüber. Die Hoffnung gegen die Liebe, wobei die Namensgebung des marokkanischen Clubs deshalb so ausgefallen sein soll, da ein Gründungsmitglied zu spät zur Versammlung erschien, weil er noch den Film "Wydad" mit Umm Kulthoum im Kino ansah. Das Hinspiel ging 1:0 an die Tunesier, nun erwartete ich natürlich aufgrund der hervorragenden Ausgangslage einen Sieg im Heimspiel. Oder zumindest ein Unentschieden.
Letzteres wurde es dann auch, doch stand dies lange auf der Kippe. Nachdem die ersten 15 Minuten wenig zu sehen gaben für die 60.000 Zuschauer (5.000 Plätze Pufferzone, 5.000 Karten wurden nicht verkauft, Donnerstagabend ist nicht der günstigste Termin in Tunesien) die oftmals so extrem lärmten, dass der Reporter akustisch nicht zu verstehen war, kam Taraji immer mehr zum Zug. Wydad hatte kaum eine Chance in der ersten Halbzeit und Mikael Eneramo verschoss sogar einen Elfmeter für Tunis.
In Halbzeit zwei legte wieder Espérance los, jedoch ohne ein Tor zu erzielen. Auch die Fans legten nun richtig los. Während die Tunesier mit einer guten Choreo vor dem Anpfiff der 1. Hälfte mit Überziehflagge vom Ober- in den Unterrang und Spruchbändern "Vergleiche nicht die Unvergleichlichen" glänzen konnten, gingen die Marokkaner nun mit Bengalfackeln ab. Heimfans zündeten Rauchbomben. In der 50. rannte auch ein Jugendlicher mit nacktem Oberkörper aufs Feld um Nationalelf- und Espérance-Torwart Hamdi Kassroaui zu feiern.
Das Spiel wurde nun selbst für arabische Verhältnisse richtig hart - wobei fast nur Wydad faulte - und folgerichtig gab es einen zweiten Elfmeter; allerdings für Wydad. Was der Kongolese Janvier Bessala da in der 65. machte, war natürlich totale Scheiße, sodass der Schiri, aus den Vereinigten Arabischen Emiraten kommend, nur Elfmeter pfeiffen konnte. Sicher und unspektakulär verwandelte Abd As-Samad Rafik den Strafstoß zum 0:1. Gleichstand. Da müsste die Verlängerung oder das Elfmeterschießen her.
Nun wurde es hitzig: das Spiel wurde für eine Minute unterbrochen, da die komplette Gästebank unter dem Hagel von Plasteflaschen und ähnlichen Sachen aufs Spielfeld gelaufen war. Wydad foulte nun immer mehr. In der 75. gab es dann auch endlich den ersten Platzverweis, was nicht ohne eine kleine Auseinandersetzung abging.
In der 86. dann ein spektakuläres Foul: irgendein Volldepp von Wydad springt Bienvenu mit dem Knie voraus in den Rücken, als dieser mittig 14m vorm Tor stehend abziehen will. Elfmeter Nummer 3. Diesmal läuft Oussama Darragi an und knallt den Ball so an den Innenpfosten, dass er für den Gästetorwart unerreichbar ins gegenüberliegende Innennetz sprang. 1:1!
Die Wydadspieler kamen jetzt gar nicht mehr klar. Bei einem übertrieben harten Reingehen reagierte aber auch ein Taraji-Spieler einmal falsch und kloppte zurück, was zu einer handfesten Auseinandersetzung führte. In der 94. gab es dann noch mal eine richtige Massenschlägerei zwischen vielen Spielern, Wechselspielern und Betreuern. Auch Polizei- und Ordnungsdienst waren dabei. Nach 97 Minuten - der Schiri hatte zum Schluss verständlicherweise den Überblick verloren: es sollte eigentlich 10 gegen 8 gespielt werden, meines Erachtens spielte man 10 gegen 9, und eigentlich hätte noch ein Vierter von Casablanca runter gemusst - war Schluss. Aber egal. Taraji holte sich mit dem 1:1 Dank dem Hinspielsieg das Double: Tunesische Meisterschaft und Arabische Championsleague!
Mit lustigen Abschlussbildern endete die Übertragung auf ART-Sports 3: alle Tarajispieler rennen ins Tornetz vor der Kurve, Besala und Oussama Darragi und noch ein paar andere holen sich Bengalfackeln von den Taraji Ultras und rennen damit vor der Virage rum, etliche Spieler steigen auf die Torlatte und schließlich hüpfen alle mehr aufs Siegerpodest, als das sie gehen. Dort verteilen dann die in traditionelle Kleidung (Djallaba) gehüllten saudischen Sponsoren die Medaillen, den Pokal und den Siegerscheck über 1 Million US-Dollar, die ihnen auf Tabletts von hübschen Tunesierinnen in hochhackigen Schuhen, knielangen Röcken und leichten Blusen überreicht werden. Die Medallien dürfen sich dann die mit Sicherheit besten arabischen Fußballer umhängen. Taraji war der klar verdiente Sieger mit einem technisch und athletisch wieder einmal wunderbaren Fußball. Im Hintergrund läuft standesgemäß "We are the Champions" über die Stadionlautsprecher...
Taraji Tunisy (Espérance de Tunis) stand Wydad Casablanca (Wydad Dar Al-Bayda) gegenüber. Die Hoffnung gegen die Liebe, wobei die Namensgebung des marokkanischen Clubs deshalb so ausgefallen sein soll, da ein Gründungsmitglied zu spät zur Versammlung erschien, weil er noch den Film "Wydad" mit Umm Kulthoum im Kino ansah. Das Hinspiel ging 1:0 an die Tunesier, nun erwartete ich natürlich aufgrund der hervorragenden Ausgangslage einen Sieg im Heimspiel. Oder zumindest ein Unentschieden. Letzteres wurde es dann auch, doch stand dies lange auf der Kippe. Nachdem die ersten 15 Minuten wenig zu sehen gaben für die 60.000 Zuschauer (5.000 Plätze Pufferzone, 5.000 Karten wurden nicht verkauft, Donnerstagabend ist nicht der günstigste Termin in Tunesien) die oftmals so extrem lärmten, dass der Reporter akustisch nicht zu verstehen war, kam Taraji immer mehr zum Zug. Wydad hatte kaum eine Chance in der ersten Halbzeit und Mikael Eneramo verschoss sogar einen Elfmeter für Tunis.
In Halbzeit zwei legte wieder Espérance los, jedoch ohne ein Tor zu erzielen. Auch die Fans legten nun richtig los. Während die Tunesier mit einer guten Choreo vor dem Anpfiff der 1. Hälfte mit Überziehflagge vom Ober- in den Unterrang und Spruchbändern "Vergleiche nicht die Unvergleichlichen" glänzen konnten, gingen die Marokkaner nun mit Bengalfackeln ab. Heimfans zündeten Rauchbomben. In der 50. rannte auch ein Jugendlicher mit nacktem Oberkörper aufs Feld um Nationalelf- und Espérance-Torwart Hamdi Kassroaui zu feiern.
Das Spiel wurde nun selbst für arabische Verhältnisse richtig hart - wobei fast nur Wydad faulte - und folgerichtig gab es einen zweiten Elfmeter; allerdings für Wydad. Was der Kongolese Janvier Bessala da in der 65. machte, war natürlich totale Scheiße, sodass der Schiri, aus den Vereinigten Arabischen Emiraten kommend, nur Elfmeter pfeiffen konnte. Sicher und unspektakulär verwandelte Abd As-Samad Rafik den Strafstoß zum 0:1. Gleichstand. Da müsste die Verlängerung oder das Elfmeterschießen her.
Nun wurde es hitzig: das Spiel wurde für eine Minute unterbrochen, da die komplette Gästebank unter dem Hagel von Plasteflaschen und ähnlichen Sachen aufs Spielfeld gelaufen war. Wydad foulte nun immer mehr. In der 75. gab es dann auch endlich den ersten Platzverweis, was nicht ohne eine kleine Auseinandersetzung abging.
In der 86. dann ein spektakuläres Foul: irgendein Volldepp von Wydad springt Bienvenu mit dem Knie voraus in den Rücken, als dieser mittig 14m vorm Tor stehend abziehen will. Elfmeter Nummer 3. Diesmal läuft Oussama Darragi an und knallt den Ball so an den Innenpfosten, dass er für den Gästetorwart unerreichbar ins gegenüberliegende Innennetz sprang. 1:1!
Die Wydadspieler kamen jetzt gar nicht mehr klar. Bei einem übertrieben harten Reingehen reagierte aber auch ein Taraji-Spieler einmal falsch und kloppte zurück, was zu einer handfesten Auseinandersetzung führte. In der 94. gab es dann noch mal eine richtige Massenschlägerei zwischen vielen Spielern, Wechselspielern und Betreuern. Auch Polizei- und Ordnungsdienst waren dabei. Nach 97 Minuten - der Schiri hatte zum Schluss verständlicherweise den Überblick verloren: es sollte eigentlich 10 gegen 8 gespielt werden, meines Erachtens spielte man 10 gegen 9, und eigentlich hätte noch ein Vierter von Casablanca runter gemusst - war Schluss. Aber egal. Taraji holte sich mit dem 1:1 Dank dem Hinspielsieg das Double: Tunesische Meisterschaft und Arabische Championsleague!
Mit lustigen Abschlussbildern endete die Übertragung auf ART-Sports 3: alle Tarajispieler rennen ins Tornetz vor der Kurve, Besala und Oussama Darragi und noch ein paar andere holen sich Bengalfackeln von den Taraji Ultras und rennen damit vor der Virage rum, etliche Spieler steigen auf die Torlatte und schließlich hüpfen alle mehr aufs Siegerpodest, als das sie gehen. Dort verteilen dann die in traditionelle Kleidung (Djallaba) gehüllten saudischen Sponsoren die Medaillen, den Pokal und den Siegerscheck über 1 Million US-Dollar, die ihnen auf Tabletts von hübschen Tunesierinnen in hochhackigen Schuhen, knielangen Röcken und leichten Blusen überreicht werden. Die Medallien dürfen sich dann die mit Sicherheit besten arabischen Fußballer umhängen. Taraji war der klar verdiente Sieger mit einem technisch und athletisch wieder einmal wunderbaren Fußball. Im Hintergrund läuft standesgemäß "We are the Champions" über die Stadionlautsprecher...
ألف مبروك يا ترجيMittwoch, 31. Dezember 2008
Samstag, 20.12.08: Mit dem D-Zug zu den beiden tunesischen Volkssportarten: Fußball und Steinewerfen
http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/081220a%20Sousse%20-%20Weltkulturerbe%20Altstadt/
http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/081220b%20ETOILE%20DU%20SAHEL%200-1%20ESPERANCE%20DE%20TUNIS/
Es war mal wieder richtig frühes Aufstehen angesagt: 4.30 Uhr. Eine Stunde später waren wir am Hauptbahnhof und kauften uns Karten für eine Zugfahrt Tunis - Sousse - Tunis. Zwei Personen, Direkt-Zug, 2. Klasse, 2x150km: 13€. Absolut pünktlich um 6.00 ging es gen Süden. Bis 7.00 erkannte man beim Blick aus dem Fenster nichts, doch um 7.15 war es schon angenehm hell. Irgendwann kam auch mal der Schaffner rein und brüllte „tadhkiyr!“ Begleitet wurde er von zwei Polizisten. Bahnsteigvorsteher, die einen ohne Ticket nicht auf den Bahnsteig lassen, gibt es in Tunesien übrigens auch noch.
Um 8.00 war der mickrige Hauptbahnhof von Sousse erreicht. Wenige Hundert Meter nach rechts beginnt schon die Altstadt mit ihrer beeindruckenden und völlig geschlossenen sandfarbenen Stadtmauer. Noch war ziemlich wenig los und als erstes fielen uns innerhalb der Stadtmauer die vielen weißen Fassaden auf, die stets mit Farbtupfern wie blauen Türeinfassungen versehen waren. Gegenüber des größten Stadttores, dem Westtor, also Bab Al-Gharby, befindet sich eine Militärakademie, deren Eingangsportal eigentlich nicht fotografiert werden darf. Da ich nur „madrasa,“ also Schule auf dem Schild gelesen hatte, nahm ich es trotzdem auf. Patrouilliert hatte niemand. Auch die Baustelle Festung konnte man besichtigen - es stand ja nicht „betreten verboten“. Herzstück der Festung: der Leuchtturm, billiger Kitsch: das unterhalb liegende Theater.
Am nächsten Stadttor hatten sich Ultras von Étoile du Sahel verewigt. Ohnehin krass, wie viele Graffitis die angebracht haben!
Danach gingen wir zum tollsten Gebäude der Medina; dem Wehrkloster, also Ribat. Dort wurden wir auch zum ersten Mal angequatscht, aber keineswegs aufdringlich oder unfreundlich.
Um kurz nach 10Uhr brachen wir zum Stadion auf. 2,5km vom Bab Al-Gharby gen Westen. Ganz am Rande der vor allem von Nord nach Süd gebauten Stadt Sousse. An einem Institut lungerten massenhaft Schüler, kaum jünger als ich, also wohl Oberstufe, herum. Ich wollte mich noch einmal absichern wo die Hütte liegt und fragte einen Jungen „Ayna at-tariq ila l-istad?“ - die Antwort kam mal wieder auf Französisch (ich sollte während der ganzen Reise immer wieder bemerken, dass die Leute meine arabischen Fragen verstehen, aber Antworten auf Französisch geben). Eine Warnung auf Englisch, nicht auf die Bettler einzugehen, kam gleich hinterher. Auf jeden Fall hilfsbereite junge Leute! Wie sinnvoll die Warnung war, sahen wir drei Minuten später, als irgendein Vollidiot uns zu einem Geldwechsel überreden wollte. Streng verboten in Tunesien, so ein Schwarzhandel!
Weiter ging es die staubigen Straßen entlang bis zum Stadion und so begann die kleine Eintrittskartenodyssee... 4 Stunden vorher keine Karten am Stadion, aber hunderte Polizisten. Den nächst besten Offiziellen gefragt, nachdem wir halb ums Stadion herum sind: „gehen Sie zum Bushof und dann links vor der Moschee und dann ist da die Geschäftsstelle“. Also erst einmal rechts ums Stadion herum, ein paar Fotos von den Tribünen vom Berg an der Schule aus gemacht und durch ein paar Grundschüler gelernt, dass in Tunesien „Getränke“ nicht wie im Hocharabisch vorgeschrieben „mashroubaat“ , sondern „mashroubääät“ ausgesprochen werden. Nachdem wir „eine Limone“ gekauft hatten - gemeint ist eine Zitronenlimonade namens „Boga Limon“ - gingen wir bis zum Institut zurück. Noch mal einen anderen jungen Mann nach der Geschäftsstelle gefragt, eine Schülergruppe abgewimmelt, aus der ein Mädchen meine Nummer haben wollte und zusammen mit einer weiteren Gruppe über einen anderen Schüler gelacht, der seinen Ranzen hochhob und zu uns meinte: „Look hier! Gut Price!“ und dann ein paar Schritte weiter waren wir an der Geschäftsstelle, wo es nur noch Karten für ganze 20,000 (also 20; die drei Nullen hinterm Komma sollen nur darauf hinweisen, dass der Dinar nicht in 100stel sondern in 1000stel unterteilt ist) Dinar gab, also 10,30€. Aber Hauptsache Karten und zügig am „geheimnisvollen Felsen“ vorbei, etwas Obst kaufen und zum Stadion zurück, wo wir ein paar Kinder beim kostenlos reinkommen durch übern Zaun klettern beobachteten... Wir kamen dann auch schon sehr früh rein. Eigentlich war noch gar nicht geöffnet, aber für die deutschen Gäste machte man auch Eingang Enceinte B auf, damit wir, 2 Stunden und 15 Minuten vor Anpfiff, schon mal im Olympiastadion Platz nehmen konnten.
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