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Donnerstag, 23. September 2010

W215V: Von Karlstad nach Stockholm – in der schwedischen Hauptstadt steht das schönste Stadion der Welt

Djurgårdens IF (Stockholm) 2:1 Örebro SK Sonntag 12. September 2010 – Anstoß 16.30 Allsvenskan („Die Gesamtschwedische“, 1. Profiliga) Ergebnis: 2:1 nach 95 Min. (47/48) – Halbzeit 0:1 Tore: 0:1 37. Magnus Wikström, 1:1 79. Sharbel Touma, 2:1 82. Joona Toivio Verwarnungen: Lucho A. Rodriguez (DIF); Magnus Kihlberg, Michael Almebäck (ÖSK) Platzverweise: keine Spielort: Stockholms Olympiastadion (Kap. 14.417 Sitzplätze) Zuschauer: 8.057 (davon ca. 300 Gästefans) Unterhaltungswert: 7,5/10 (Bis zur 60. mittelmäßig, dann packendes Schlussdrittel, außerdem gute Stimmung) Sightseeing: 7,0/10 (Diesmal zwar wenige Sehenswürdigkeiten, aber ein erster Überblick über das schöne Stockholm, eine tolle Kirche in Glanshammar und die Altstadt von Karlstad) IMG_4939 Photos and English version: Djurgarden 2-1 Örebro at World’s Most Beautiful Stadium (Stockholm Olympiastadion) Sights of Stockholm (Swedish Capital) Karlstad and Glanshammar
Video:
In Karlstad gab es mal ein reichliches Frühstück. Wir hatten ja im IBIS übernachtet, also gab es auch ein ordentliches Büffet für 7€. An dem Tag sollte kulinarisch ohnehin so einiges drin sein. Erst einmal sahen wir aber zu, die Innenstadt von Karlstad schnell zu besichtigen – es gibt einige schöne Prachtbauten am Flussufer, einen recht ansehnlichen Rathausplatz, ein großes Opernhaus und einen sehenswerten Dom: zwar etwas einfach wirkend durch die weiße Farbgebung, doch nicht nur die hohe Kupferturmhaube, sondern vor allem das Innere des kreuzförmigen Baus macht etwas daher – und dann gen Stockholm aufzubrechen. Nach einem Drittel des Weges – es ließ sich wieder halbwegs interessant durch Wald- und Seenlandschaften, in denen kein Polizist die mitunter wilden Fahrmanöver der Einheimischen oder meine leicht überhöhte, aber eben an das Verhalten der Anderen angepasste Geschwindigkeit kontrollierte, fahren – gab mein Vater das Steuer an mich ab. Wir wechselten an der Kirche von Glanshammar, zu der man, fährt man die entsprechend ausgeschilderte Autobahnabfahrt ab, durch Rechtsabbiegen auf der Autobahnbrücke und Linksabbiegen vor der kleinen Brücke auf der Landstraße (rechts über die Brücke ist der Fußballplatz, links ab geht’s nach ein paar Hundert Metern zur Kirche), gelangt. Die Kirche ist ein wirklich schönes Beispiel für ein schwedisches Gotteshaus des späten 17. bzw. frühen 18. Jahrhunderts: ganz in weiß gestrichen heben sich farblich nur die Holzschindelhaube des hohen, schmalen Turms und die Sakristei in barockem Rosa ab. Auffällig ist vor allem auch der vom Kirchengebäude abseits stehende Glockenstuhl aus Holz, der bei der Kirche von Glanshammar besonders groß und schön ist. Außerdem ist auch der Friedhof auffällig gut gepflegt. IMG_4897 In Stockholm sahen wir schon einige sehenswerte Gebäude, denen wir uns am Folgetag annahmen, da wir für diesen Sonntag in der schwedischen Hauptstadt nur den Besuch eines Spiels von Djurgården – neben Hammarby und AIK Solna einer der drei großen Clubs aus Stockholm, die allerdings weder Rekordmeister stellen, noch in den letzten Jahren so wahnsinnig erfolgreich waren – geplant hatten. Nach dem Kartenholen liefen wir an der Königlichen Technischen Universität vorbei, die wir danach auch noch besichtigten, da der Campus ein hervorragendes Baudenkmal mit monumentalen und detailreichen Backsteinbauten aus den 1910ern ist, neben der sich eine U-Bahnstation mit angeschlossener Ladenpassage befindet. Im ersten Stock der Ladenpassage befindet sich ein gutes schwedisches Restaurant, das zu gemäßigten Preisen (d.h. die meisten Gerichte kosten zwischen 9 und 15€) gute Sachen wie Kötbullar (Fleischklößchen mit Kartoffelbrei, Kräutern, Soße und Preiselbeeren; 9,50€) anbietet. Am Spieltag gehört der Laden quasi den Djurgården-Fans, die dort 95% der Besucher ausmachten. Eine Stunde vor Anpfiff gingen wir ins Olympiastadion. Wir hatten die billigste Kategorie genommen; das sind Sitzplätze hinterm Tor, die in erster Linie für Familien mit Kindern gedacht, aber nicht ausschließlich reserviert, und mit 10€ natürlich immer noch nicht billig sind. Allerdings sind vergleichbare Plätze in der deutschen Bundesliga meist erst um die 15€ zu haben. Aber was ist schon ein Platz in irgendeinem Bundesligastadion gegen einen Platz im Stockholmer Olympiastadion? Wer nicht meint, dass es das schönste Stadion weltweit ist, soll mir mal ein schöneres zeigen! Schon allein der Eingang – hier fanden nur Karten- und keine Körper- oder Taschenkontrollen statt! – ist herrlich, da man als Unkundiger eine historistische Burganlage erwarten würde, mit dem Haupteingangstor, das im Stile eines Festungsportals mit zwei Wehrtürmen gebaut ist. Die Stadionmauern sind Wehrmauern, deren Türme zinnenbewehrt sind. Die zwei großen Türme, auf denen ein Teil der Flutlichtanlage befestigt ist, befinden sich gegenüber unseres Sektors H, wobei der rechte ein Uhrturm mit Glocken und monumentalen Steinfiguren im Baustil der 1910er Jahre, in denen dieses Stadion für die Olympischen Spiele 1912 errichtet wurde, und der linke ein etwas einfacher gestalteter Turm ist. Beide Türme haben Balkone, zwischen beiden Türmen verläuft ein Arkadengang mit 18 Bögen, in dessen Mitte sich die beiden Anzeigetafeln befinden. Auf den Arkaden können sich die VIPs, für die es dort Zelte gibt, bewegen. Andere wichtige Personen dürfen unter dem Holzbaldachin, der mit mehreren Speerspitzen verziert ist, auf der rechten Stadionseite sitzen. Die Längsseiten sind nur zur Hälfte überdacht, wobei alle Zuschauer auf Holzbänken sitzen. Kurzum: Es werden zwar auch neue Stadien in Schweden gebaut, aber bekannte alte Stadien sind Baudenkmale, die weiterhin regelmäßig genutzt werden. Und das Olympiastadion ist der absolute Wahnsinn und ein Muss für jeden Groundhopper oder Fußballfan, der ein bisschen mehr sehen will, als die Spielstätte seines Lieblingsclubs! IMG_4946 Auf der linken Seite auf Höhe des Strafraums platzieren sich die Ultras und andere harte Fans von DIF, die komplette Seite unter und rechts neben dem Holzbaldachin ist voll von Dauerkartenbesitzern, die bei jeder Aktion mitgehen und bei vielen Szenen aufspringen, die Spieler ermuntern oder bepöbeln. Unterhalb des Uhr- und Glockenturms sind die Gästefans untergebracht. Örebro hatte knapp 300 mitgebracht, die auch ab und an auf unserer, fast 200m Luftlinie entfernten Seite zu hören waren. Auf unserer Seite waren halt nur Familien, junge Paare und andere, nicht anfeuerungswillige Gestalten. Sogar andere deutsche Fans - aus Aue! - waren da. Aber die Stimmung von rechts und links – mal italienische, mal englische Melodien zu schwedischen Texten – kam trotzdem prima rüber. Genial war das Singen des Vereinslieds vor dem Anstoß und in der Nachspielzeit: da sangen 90% der Fans das im Sound der „Goldenen Zwanziger“ aufgenommene Lied mit, was natürlich herrlich klingt! Kaum war also das Vereinslied von den Rängen verklungen, schon ertönte der Pfiff zur Eröffnung des Spiels. Örebro war zu Beginn klar besser und hatte drei Chancen in den ersten 20 Minuten, während Djurgården nur einmal das Gästetor in Gefahr brachte. Die nächsten zehn, zwölf Minuten waren lahm, doch dann nahm das Spiel Fahrt auf – forciert von Örebro – und der Gast belohnte sich dafür auch mit einem schönen Treffer zum 0:1, wobei der Torschütze Wikström nach dem Zusammenprall mit DIF-Torwart Pa Dembo Touray, an dem er den Ball vorbei ins Eck grätschte, ausgewechselt werden musste. Nach der Pause dauerte es 15 Minuten bis der Gastgeber aus Stockholm-Tiergarten mal endlich in Fahrt kam. Aber dann auch richtig! Plötzlich war das Spiel richtig gut und Djurgården feuerte massenhaft gute Schüsse aufs Tor von Örebro ab. Drei Mal trafen sie die Latte, mehrfach parierte der Gästetorwart, doch dann traf Sharbel Touma, ein schwedischer Assyrer, per Freistoß an den Innenpfosten zum 1:1 für Djurgården. Kurz darauf ein weiterer Freistoß, der per Kopf von Joona Toivo aus Finnland verwertet wurde. 2:1! Herrlich, wie nun das ganze Stadion auf den Holzbänken stand! Die Ordner mussten nun sogar vereinzelt Fans auf die Tribüne zurück schubsen, die beim Jubeln über die Reling (es gibt keine Fanzäune, die sind in Schweden absolut die Ausnahme!) gefallen oder absichtlich gesprungen waren. IMG_4986 Die Ordner waren aber ohnehin klasse: kontrollieren nicht am Eingang, aber nehmen einem Mann noch fünf Minuten vor Abpfiff die halbleere Colaflasche weg... Doch vor allem fiel auf, dass sie sich nicht großkotzig wie viele deutsche Ordner gegenüber den Fans verhalten. Die Polizei war sogar völlig im Hintergrund mit der Taktik „Wir stehen unauffällig am Rande, werden nicht wahrgenommen und greifen sofort ein, wenn’s Stress gibt“ bedienen. Außer dem Ordner-Chef in der orangen Jacke kümmerte sich zum Beispiel keiner der Sicherheitsleute um die auf der Reling turnenden Kinder – aber der Kerl unterstrich ohnehin seine Wichtigkeit sehr eindrucksvoll, indem er einen untergeordneten Kollegen mit gelber Jacke belehrte, er müsse seinen Klappstuhl 30cm weiter rechts auf der Tartanbahn - symmetrisch zum Tribünenaufgang, oder was? - aufstellen. Ob der wohl das Lied „Orange trägt nur die Müllabfuhr“ kennt? Egal, das Spiel war jedenfalls – zumindest in Hälfte zwei – richtig sehenswert, Djurgården ist durch den Sieg um einem Platz auf 5 geklettert während Örebro weiterhin 3. (von 14) hinter Malmö und Elfsborg ist, die Stimmung im Stadion war wirklich gut und die Atmosphäre allgemein sehr angenehm. Die Schweden scheinen auch eher auf Groundhopper eingestellt zu sein, da man gar nicht angeglotzt wird, wenn man die Tore oder Karten notiert, bzw. viel fotografiert, und auch nur sachkundig und freundlich - und nicht nach dem deutschen Motto „Was seidn ihr für welche?“ - angesprochen wird. Jedem Stockholmbesucher kann ich übrigens empfehlen, dieses Stadion zu besichtigen (zu welchen Zeiten es für Führungen offen steht, weiß ich nicht – aber man geht am besten so wie so zu einem Spiel), da es nicht nur irgendeine Sportstätte ist, sondern ein architektonisches Meisterwerk, was auch in seiner Zeit eine Glanzleistung darstellte. Ein kulinarisches Meisterwerk sind übrigens die arabischen Salate von der Tankstelle, die wir uns mal wieder zum Abendbrot kauften: z.B. Eisbergsalat mit Hühnchenbrust, Kichererbsen, Couscous, Bulgur, Kichererbsen, Frischkäse, Saubohnen und Paprikaschoten. Wahnsinn, was die in Schweden an jeder Tankstelle führen! Das ist sogar noch besser, als das Sortiment in Tschechien oder Polen. Von Deutschland ganz zu schweigen, wo außer Aral kaum eine Tanke was Vernünftiges zu Essen anbietet. Nur zahlt man eben z.B. für einen Hotdog an einer Tanke in Schweden 2,50€ und nicht 1,00€ wie in Polen (aber auch nicht 4,00€ wie in Dänemark). Der Salat kostet auch mit 4,50€ bis 6,00€ deutsche Restaurantpreise, wobei man das für die Qualität gerne hinlegt! IMG_5048 Statistik: Ground Nr. 469 (ein neuer Ground; diese Saison: 19 neue) Sportveranstaltung Nr. 1.063 (diese Saison: 25) Tageskilometer: 350 (Auto) Saisonkilometer: 5.460 (3.890 Auto/ 1.120 Fahrrad/ 380 Bahn, Bus, Tram/ 60 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug) Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 52 Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 215

W215IV: Ein Tagesausflug nach Norwegen; alles ist sauteuer, aber Fußball kann man gratis gucken

Råde IL 2:3 FK Sparta Sarpsborg
Samstag 11. September 2010 – Anstoß 15.00
5. divisjon Menn avdeling 01 (6. norwegische Liga, 2. Amateurliga)
Ergebnis: 2:3 nach 92 Min. (45/47) – Halbzeit 1:0
Tore: 1:0 19. Henning Fredriksen (Schreibung ?), 1:1 60. Ali al-Isserou (Schreibung ?), 2:1 63. Henning Fredriksen (Schreibung ?), 2:2 65. Lars Peterhansen (Schreibung ?), 2:3 73. Ali al-Isserou (Schreibung ?)
Verwarnungen: je zwei Gelbe für jedes Team, Platzverweise: keine
Spielort: Råde Idrettspark (Kap. 1.836, davon 800 unüberdachte und 36 überdachte Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 65 (davon ca. 15 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Spannendes und gutes Spiel)
Sightseeing: 6,5/10 (Zwei große, interessante Festungen + schöne Landschaft, am Rande: Dorfkirche und Menhire)
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Photos and English version:
Amateur football in Norway:
Råde IL vs. FK Sparta Sarpsborg
Bohus and Halden fortresses:
The Swedish-Norwegian border castles

Wenn man schon durch Schweden reist, kann man schon mal einen Abstecher nach Norwegen machen. Unser Hauptanliegen war, den Groundpunkt mit einem in einem interessanten Stadion stattfindenden Spiel im teuersten, aber ganz bestimmt nicht schönsten oder sympathischsten Land Europas zu machen.

Wir brachen recht früh von Göteborg gen Norden auf und schauten uns erst noch die Festung Bohus in der Kleinstadt Kungälv, wenige Kilometer nördlich von Göteborg gelegen, an. Bis ins 18. Jahrhundert verlief die schwedisch-norwegische Grenze dort, sodass Bohus auf der kleinen Insel im Fluss Nodre älv, eine wichtige Grenzfeste bildete. Die barocken Festungsmauern sind enorm hoch und dick und wurden um den mittelalterlichen Kern mit dem Turm herumgebaut. Bohus wurde im 12. Jhdt. errichtet und ist somit die älteste Burg in Schweden.

Die Grenze der beiden Reiche verlagerte sich im frühen 19. Jhdt. weiter nördlich, sodass die Festung Halden, heute knapp in Norwegen gelegen, die neue Grenzfeste bildete. Wie fest die Grenzen noch sind, wusste ich gar nicht: dass an den wichtigsten Grenzen zwischen beiden Ländern immer noch kontrolliert wird, war mir neu. Allerdings handelt es sich um Stichproben, wobei man mit einer deutschen Nummer garantiert zur Seite gewunken wird. Dort fragt einen dann ein Zöllner nach Pass, Reiseplänen und anzusteuernden Hotels, evtl. auch Wagenpapieren. Der junge Grenzer warf dann noch einen Blick in den Kofferraum wegen zu verzollender Waren und ließ uns, nachdem er sich erfreut die Erklärung zum Reiseziel „Halden castle and football match Råde against Sparta Sarpsborg“, nämlich dass wir gerne Fußball im Ausland, so auch Norwegen, sehen, anhörte, ein gutes Spiel wünschend weiterfahren.

Halden ist auch einen Abstecher wegen der Festung wert. Ansonsten fragt man sich, wieso die Einheimischen ihre schöne Fjordlandschaft so mit minderwertiger Architektur zustellen, wie in Halden. Der Ort sieht aus wie ein Kaff in der hintersten Ecke Ostpolens, wobei das Einkommen der Leute in Norwegen bei weit mehr als dem Doppelten des polnischen Einkommens liegt. Aber bei den Preisen auf Dinge des täglichen Bedarfs (in einem einfachen Restaurant kosteten Schnellgerichte wie Hamburger 8€, Chop-Suey 14€ und aufwendigere Gerichte wie chinesische Ente 25€ - da drängten wir nicht nur aus Zeitgründen weiter; Benzin kostet 1,60€ und Diesel 1,40€ je Liter; auch Zutaten fürs Selbstkochen liegen klar über deutschen Großstadtpreisen) scheint das Geld nicht mehr für ordentliche Häuser zu reichen. Früher hat das Geld aber für ordentliche Festungen gereicht: die uneinnehmbar über der Kleinstadt thronende Festung kann man auch weitestgehend kostenlos besichtigen. Die Außenstützpunkte dieses weitläufigen und mit einem Golf- und einem Campingplatz durchzogenen Geländes, sind besonders interessant: der übliche Festungsbaustil, ungesichert, originalgetreu erhalten, auf bemoosten Felsen zwischen windgeformten Nadelbäumen errichtet. Das Hauptfort sieht man auch gut vom „Normanstieg“ – einer dieser tollen Felsen mit den Moosen, Flechten, Heidekraut und krummen Kiefern; das alles mit Blick auf den Fjord – aus ein. Da braucht man wirklich nicht die 7,50€ Eintritt zu zahlen.
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Wir rasten mit unglaublich fahrlässigen 100km/h über die norwegische Autobahn – die DDR-Erfahrenen werden sich noch an die Zeiten erinnern, wo derart schwachsinnige Tempolimits auf zwei- bis dreispurigen Autobahnen galten, wobei die Norweger meist 120 und nur wegen der stationären Kontrollen auf Landstraßen sehr zurückhaltend fahren – und kamen schnell in Råde, auf halben Weg in die Hauptstadt Oslo, an. Råde ist ein typisch norwegisches Kaff mit einfachen Holzhäusern bzw. holzverkleideten Steinhäusern, denen man einen architektonischen Charme jedoch nicht absprechen kann, bewirtschafteten Feldern, wuchernden Wiesen, kleinen Nadelwaldstücken, einer kleinen Dorfkirche und einer ringförmigen Anordnung von Menhiren: pro Kreis 14 bzw. 13 bis zu 50cm hohen Steinen, die eine steinzeitliche Grabanlage darstellen.

An einer Tankstelle, wo wir wieder froh waren unsere Karre in Schweden vollgetankt zu haben, wo wir 0,30€ weniger pro Liter zahlen, holten wir uns sehr leckere mexikanische Wraps – dass die einen Tag überm Verfallsdatum waren, merkte man überhaupt nicht, da die Arschlöcher nicht einmal im Preis runter gingen und das kommentarlos verkauften – und ein tolles norwegisches Sandwich mit drei Stockwerken: Bulette, Schinken, Rührei. Das machte dann 24€. Pervers, diese Preise – für zwei Sandwiches (2 x 7,50€) und zwei Wraps (2 x 4,50€). Schweden meinten auch schon zu mir, dass sich viele Norweger mächtig was auf ihr Geld einbilden und das den nicht-norwegischen Gegenüber auch spüren lassen würden – also genau das, was mir Syrer über Saudis geklagt haben. Aber so etwas passiert, wenn eine Nation von ungebildeten Fischern und Bauern plötzlich durch fremdes Know-how ihre Erdölschätze fördern kann und sich dadurch dumm und dämlich verdient. Wenn man sich über diese sogenannten „Rentierstaaten“ aufregt, sollte man nicht bei den Scheichtümern im Arabischen Golf anfangen, sondern erst einmal gucken, was da an der EU-Außengrenze – ja, Norwegen ist sich zu fein der EU beizutreten – so abgeht.
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Um drei Uhr stand jedenfalls der Anlass des Tagesausflugs an. Völlig bekloppt, wie das mit dem Geld in Norwegen nun mal ist, gab es freien Eintritt zum Spiel. War zwar nur zweite Amateurliga, aber normalerweise muss man da mit 5€ Eintritt rechen. Jedenfalls habe ich das Spiel wegen der zeitlichen und geographischen Lage ebenso wie wegen dem Stadion „Råde Idrettspark“ heraus gesucht. Der Ballspielpark hat eine im Rücken von hohen Nadelbäumen umstandene und einem niedrigen Drahtzaun umschlossene Sitztribüne (Holzgerüst mit 800 bemoosten Schalensitzen in vier Blöcken und vier Reihen), hinter der sich eine im Sprecherturm integrierte überdachte Tribüne für 36 ausgesuchte Persönlichkeiten befindet, zu bieten. Auch das Vereinsheim ist recht auffällig. Alles in allem ist diese altmodische und etwas heruntergekommene, aber gerade deshalb so sympathische Sportanlage, typisch für Skandinavien, wobei sie so auch z.B. in Makedonien stehen könnte.

Sympathisch war auch der Punkt, dass es sich bei der Begegnung der zweiten von sechs Amateurligen um Amateurfußball vom Feinsten handelte: der Tabellenführer (und aufgrund der fantastischen 41 Punkte aus 19 Spielen sicherer Aufsteiger) Sparta Sarpsborg – eine Ausgliederung der Amateurabteilung aus dem Profiverein (Profis spielen 2. Liga) – war beim drittplatzierten Råde IL zugast. Der Ball lief locker aber von den Spielern nicht immer fehlerfrei behandelt über das vom Dauernieselregen feuchte Grün des Rasens. Die eine Eckfahne hatte gar keine Fahne mehr, dafür hatte ein kleiner Junge vom Gastverein eine Fahne seiner Sparta mitgebracht, deren Flaggstock bald länger war als er selbst. Neben der Gästebank hatten sich einige, mit lobenden Zurufen und Beschimpfungen immer wieder aufs Spiel reagierende Sparta Fans aufgestellt. Der Schiri wurde von Linienrichtern assistiert, die von den beiden Vereinen kamen. Der Sarpsborger Linienrichter telefonierte während des Spiels einfach mal minutenlang mit dem Handy und war trotzdem auf Ballhöhe. Weitere Gästefans fluchten in vertrauten slawischen Sprachen - „Kurwa!“ - und wieder eine andere Gästegruppe trank viel Bier und Schnaps auf der VIP-Tribüne, was sich in gelalltem Gegröle entlud.

Auf dem Platz fiel das erste Tor nach 19 Spielminuten: eigentlich hatte der Spieler von Råde den Ball schon verloren, doch der Gästetorwart rutschte aus und der Spieler der Heimmannschaft kam doch noch an ihm vorbei um zum 1:0 einzunetzen. Chancen auf beiden Seiten blieben erfolglos – so eng einige auch waren. Die technischen Fertigkeiten mehrere Spieler – vor allem des Achters von Sparta, der zwar langsam war, aber den Ball auch gegen zwei Gegner noch mit Hackentricks und Hebern zum nächsten Mitspieler zu behaupten wusste – fielen positiv auf. Nach der Pause fiel dann Sarpsborg noch häufiger positiv auf. Der Augleich fiel nach einer Stunde durch einen Nachschuss aus Nahdistanz. Trotzdem kam Råde noch einmal zurück und erzielte per Kopfball nach einem langen Freistoß die erneute Führung. Innerhalb weniger Minuten aber, war Sparta wieder erfolgreich: einiges Gestocher im Fünfmeterraum später und der Ball lag zum 2:2 Ausgleich im Netz. Dann ein Weitschuss, der über die Hände des Torwarts rutscht und es steht 2:3. Das sollte auch der Endstand sein, obwohl Råde allein in den letzten zwei Minuten drei gute Chancen zum Ausgleich hatte.

Das Fußballspiel vermittelte den sympathischsten Eindruck von Norwegen. Aber als wir eine weitere Stunde gefahren waren, waren wir schon froh dieses Land verlassen zu haben. Norwegen kann ich keinem empfehlen, da es ein überteuertes und dabei nicht einmal besonders herausragendes und dünn besiedeltes Land ist, das neben Stabkirchen und vereinzelten Forts wenig Sehenswertes außer Landschaft, die man in Schweden (Hinterland) und Färöer (Küsten) auch so hat, bieten kann und mit Industrie zugestellt, aber dann doch so bäuerlich ist.

Diesmal kontrollierte keiner, als wir nach Schweden rüber fuhren, wo die Fahrerei nun weitaus schöner war, als zuvor in Norwegen oder am Tag davor zwischen Malmö und Halmstad. Auf den ortsdurchfahrtsfreien Landstraßen fuhr es sich schön zwischen Wäldern, Felsen und Seen, die noch schöner waren als auf der norwegischen Seite. Hier wurde dann auch endlich vernünftig Auto gefahren: auf dem Autobahnteilstück fuhr ich z.B. mal hinter zwei Schweden her, die einen Linke-Spur-Schleicher (95 statt 110) mit 125 rechts überholten...

In Karlstadt hatten wir zwar das teuerste Hotel der ganzen Reise (70€ im DZ im Ibis), aber in Norwegen kosten schlechte Absteigen locker 100€. Das Abendessen sollte eigentlich schwedisch sein, aber die ganzen Lokale in der Hauptstraße der Altstadt sind Nachtclubs und Discos mit gutem aber teurem Speiseangebot, sodass wir auf einen daneben liegenden orientalischen Imbiss zurückgriffen. Selten so einen guten Kebabteller gegessen! Wir unterhielten uns auch noch etwas mit dem Chef, einem irakischen Kurden, der die allgemein geläufige Meinung über die toleranten Schweden und ihre Bereitschaft Einwanderer zu integrieren, nur teilweise bestätigen konnte. Nach diesem Gespräch lohnt es sich richtig, mal am nächsten Wochenende die Meinung eines Assyrers einzuholen. Die sollen nämlich besonders gut integriert und von den Schweden akzeptiert sein. Denn die schwedische Sprache ist zwar definitiv ein Schlüssel zu Integration, wie ja auf etlichen Plakaten in schwedischen Großstädten geworben wird, aber es ist halt ein Schlüssel des Schlüsselbundes – nur mit dem hervorragenden und z.B. in Deutschland so gar nicht vorhandenen Landessprachkurspflichtangebot, kann man halt auch nicht alle Probleme dieses Bereiches lösen: schon gar nicht jene, die von den Einwanderern ins Land getragen werden, wofür Kurden nun mal aus guten Gründen besonders berüchtigt sind.
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Statistik:
Ground Nr. 468 (ein neuer Ground; diese Saison: 18 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.062 (diese Saison: 24)
Tageskilometer: 470 (Auto)
Saisonkilometer: 5.110 (3.550 Auto/ 1.120 Fahrrad/ 380 Bahn, Bus, Tram/ 60 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 51
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 215