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Samstag, 6. November 2010

W223II: Letzter gegen Vorletzter, Klobikau gegen Nempitz

LSG Klobikau-Milzau 1899 1:2 FC Nempitz 2001
Samstag 6. November 2010 – Anstoß 14.00
Liga: Kreisliga Saalekreis, Staffel 1 (10. Liga, 5. Amateurliga)
Ergebnis: 1:2 nach 92 (45/47) Min. – Halbzeit: 1:1
Tore: 0:1 21. Nr. 6 (Elfmeter), 1:1 28. Nr. 10, 1:2 65. Nr. 10?
Verwarnungen: 3x Klobikau, 3x Nempitz
Platzverweise: keine
Sportanlage: Sportplatz Klobikau (Kap. 1.000 Stehplätze)
Zuschauer: ca. 50 (davon ca. 10 Gästefans)
Unterhaltungswert: 5,5/10 (Ein echtes Abstiegsduell: hart und fehlerbehaftet, aber eng und spannend)
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Photos and English version:
Churches and Palaces of Klobikau and Milzau
LSG Klobikau-Milzau 1-2 FC Nempitz 01

Die Landsportgemeinschaft Klobikau-Milzau ist bei Insidern für ihren Platz bekannt. Der Verein hat einen Einzugsbereich von 12 Dörfern oder mehr; alle eingemeindet nach Bad Lauchstädt. Diese Ortsteile reihen sich von West nach Ost an der Landstraße von Langeneichstädt nach Merseburg wie folgte auf: Oberklobikau, Niederklobikau, Wünschendorf, Krakau, Kleingräfendorf, Schadendorf, Burgstaden, Kriegstedt, Unterkriegstedt, Bischdorf, Netzschkau und Milzau.

Wir begannen logischerweise von Osten her und schauten uns zuerst das Gutshaus Netzschkau, ein schön saniertes und anscheinend von Privatleuten und einer Firma genutztes rot-weiß gestrichenes Barockgebäude, an. Dann begutachteten wir die Thälmann-Büste in der Merseburger/ Milzauer Straße und fuhren zur Bischdorfer Kirche, einem unspektakulären romanischen Kirchenbau. Das Schloss Unterkriegstedt ist ein ansehnlicher Renaissance oder so was Bau, der heute eine Kindertagesstätte ist. In Kriegstedt gibt es auch noch eine Kirche, die im typischen Stil des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts errichtet ist. In Burgstaden ist der ehemalige Gasthof auffällig und auf dem Weg nach Schadendorf fällt das lustige Schild mit einer saufenden und kackenden Kuh unter der „Milzau“ geschrieben steht auf. In Krakau befindet sich eine weitere Kirche; diese ist auffällig schmal und hoch. Die Kirche von Raschwitz ist sehr klein und gut in das verfallene Gehöft eingepasst: verbaut, abgewirtschaftet und nicht mehr gebraucht. Auch die Kirche von Niederklobikau ist eine Ruine, wobei diese gesichert und nutzbar gemacht wurde. Der Turm ist auch ziemlich gut erhalten, nur eben das Kirchenschiff, das ohne Fensterglas und Dach daherkommt, ist ruinös. In Oberklobikau ist die Kirche noch nicht vollständig saniert worden, aber auf jeden Fall rettbar. Auffällig auf dem Friedhof ist ein Grabmal, das extrem mit Efeu bedeckt ist.
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Ich erwähnte vorhin den kuriosen Sportplatz der LSG. Neben diesem befindet sich der offensichtlich zur Raschwitzer Kirche gehörige Friedhof. Die verrottete Kapelle steht wenige Meter von der einen Eckfahne entfernt und an den Grabsteinen vorbei sieht man schon die Tore. Als ich vor etlichen Jahren mit der Leunaer E-Jugend dort spielte, war die Friedhofslage der erste Punkt, über den wir uns lustig machten. Der zweite Punkt war, dass wir in der ersten Halbzeit bergab und in der zweiten bergauf spielten. Heute wurde natürlich Großfeld gespielt, sodass die Schräge nur seitlich war, aber der Platz hat vor allem auf der Seite zur LPG hin ein Gefälle von gut einem Meter zwischen den Seitenauslinien. Bisher habe ich noch nie einen so unebenen und schrägen Platz gesehen! Drumherum stehen übrigens noch recht viele Bäume, die den Blick auf die kahlen Felder nicht so eintönig machen.

Zum Abstiegsduell der Kreisliga fanden sich etwas mehr als 50 Zuschauer ein, wobei fast ein Fünftel davon vom FC Nempitz kam. Die LSG ist Letzter mit 2 Punkten und Nempitz Vorletzter mit 8 Punkten aus 11 Spielen. Somit belegen beide einen Abstiegsplatz in die 1. Kreisklasse. Dass die zwei so schlecht stehen, war gar nicht so deutlich verständlich, lieferten sie doch eine immerhin durchschnittliche Leistung für Kreisligisten ab. Klobikau kam erst besser ins Spiel, vergab ein paar Chancen, doch begann dann unsauber zu spielen. Ein Foul im Strafraum wurde vom weitestgehend guten Schiri korrekterweise mit Elfmeter bewertet und dieser wurde auch verwandelt. Wenige Minuten darauf schoss ein Klobikauer aber mit einem Aufsetzer ins Eck den Ausgleich.

Vor der Pause kam ein ruhiger Herr vorbei, der die angemessenen 1,50€ (und noch angemesseneren 1,00€ für Studenten und Rentner) einsammelte, der eher im Gegensatz stand zum Auftreten der Freunde des Gerstensafts, die die Partie mit völlig legitimen, aber teils recht anheizenden Zwischenrufen kommentierten. Bei der zunehmenden Härte in Hälfte zwei hätte das auch mal zu Streit führen können, aber außer einem Wortgefecht zwischen einem Klobikauer Spieler und zwei Nempitzer Fans, gab es nur unter den Spielern kleine Streitigkeiten. Aber Kloikau-Milzau wusste sich auch oft nur mit Holzen zu helfen, auch wenn sogar der ein oder andere Angriff aufs Tor mit Hacke oder Heber eingeleitet wurde. So muss Kreisliga halt sein: erst mit Hacke vorlegen und mit Vollspann aufs Tor schießen, doch danach gleich dem schnelleren Gegner die Beine wegziehen und „Ball gespielt!“ rufen... Nicht unverdient ging der Gast mit 1:2 in Führung, was aufgrund der Unfähigkeit Klobikaus, noch einen weiteren Treffer – außer den aus Abseitsposition, der auch nicht gezählt wurde – zur Partie beizusteuern. So haben die Spieler der Landsportgemeinschaft leider weiterhin nur 2 Punkte. Nempitz konnte sich durch den keineswegs überzeugenden, aber nicht unverdienten Sieg auf einen Nichtabstiegsplatz vorarbeiten.

Auch wenn es nicht die schönste Sportanlage des Saalekreises ist; nach Stadien wie die drei in Merseburg, das in Leuna oder jene in Farnstädt und Teutschenthal-Bhanhof, sowie natürlich einem so tollen Sportplatz wie Gimritz, kann ich auch einen Besuch auf dem Klobikauer Sportplatz empfehlen – so stellt man sich nämlich einen Kreisligaplatz vor: eine unebene Wiese mit Bäumen und dörflicher Bebauung drumherum, flankiert von ein paar Dutzend Zuschauern, die das Spiel auf dem holprigen Grün mehr oder weniger sachkundig moderieren und die 22 mehr oder weniger gut spielenden Jungs und Männer motivieren.
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Statistik:
Ground Nr. 493 (ein neuer Ground; diese Saison: 43 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.172 (diese Saison: 59)
Tageskilometer: 30 (Rad)
Saisonkilometer: 11.720 (8.170 Auto/ 1.750 Fahrrad/ 1.000 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 78
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 224

Montag, 2. August 2010

W209IV: Tour durch die wohl schönste Region Polens, den Krakau-Tschenstochauer-Jura

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Photos and English version: CRACOW JURA!

Zwischen Krakau und Tschenstochau (Częstochowa) erstreckt sich die herrliche Landschaft des polnischen Jura, eine grüne, gebirgige Gegend, in der eine große Menge von Kreidefelsformationen und mittelalterlichen bis barocken Festungsgebäuden steht. Nachdem wir uns unser Frühstück und Proviant in einem Supermarkt geholt haben, der so modern, riesig und gut sortiert ist, dass seine Bezeichnung – auch nicht zu unrecht – von „super“ ausgehend noch verstärkt wird als „Hipermarket“, brachen wir gen Norden auf.

Wir hatten nur die bedeutenderen und gut erhaltenen Burgen auf dem Programm und als erstes stand da Pieskowa Skała an. Der Parkplatz ist mit einem Festpreis von 6,50Zł (1,65€) belegt und der Eintritt in die beeindruckend auf einem von einem tief eingeschnittenen Tal umgebenen Felsen gelegene Festung kostet 10 (ermäßigt 7, also 2,50€ bzw. 1,80€). Wir aßen aber nur unsere Bemmen im Schutz des Autos – es sollte an diesem Tag leider nur kurze Regenpausen geben, aber von schlechtem Wetter lässt sich kein Burgenfreund und kein Groundhopper von seiner Planung abbringen – und gingen dann den kurzen Wanderweg um die Anlage herum. An dem einen Ende steht die Herkulessäule – oder Herkuleskeule – die ein besonders hoher, freistehender, weißer Kalksteinfelsen ist. Von dort aus hat man auch den besten Blick auf den Turm mit der Sonnenuhr und dem Schmuckmauerwerk des stark befestigten Schlosses.

Weiter ging es über ein Dorf namens Strzegowa – dort gibt es eine besonders schöne Dorfkirche mit freistehendem Glockenstuhl – nach Smoleń, einem noch kleineren Kaff. Smoleń war der zweite Ort auf der Fahrt, wo ich mich fragte, ob Polens Orientierung westwärts wirklich so gut ist. Als ich die beiden Stadionneubauten in Krakau sah, kam mir schon die Galle hoch: da wird Geld für ein Kommerzevent wie die EM 2012 verpulvert – dabei ist auch nur eines der beiden Stadien ein Austragungsort – und 0815-„Arena“-Bauten hingestellt. In Smoleń war dann die Burg wegen Baumfällarbeiten gesperrt, was vor fünf Jahren noch kein Grund für ein Warnschild gewesen wäre. Aber polnische Warnschilder muss man als Deutscher ja nicht verstehen, als sind wir natürlich hoch zur mittelalterlichen Anlage, deren Bergfried man schon aus wenigen Kilometern Entfernung über die Baumwipfel ragen sieht. Man konnte sich auch trotz der gefällten Bäume, die da jetzt Monate lang herumliegen werden, normal in der Burg bewegen, die noch erhebliche Mauern aufzuweisen hat – und natürlich eben diesen Bergfried, der auf dem Felsen, um den etwas unterhalb die restlichen Burgmauern herumgebaut sind, unzugänglich thront.
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Der burgenmäßige Höhepunkt kam dann danach mit der Burg Ogrodzieniec im Dorf Podzamcze. Ein herrlicher gotischer Bau mit sehr geräumigem Vorhof, in dem schon alles für Ritterspiele am kommenden Samstag vorbereitet wurde, und gut erhaltener, sehr kompakter und über etliche Etagen verwinkelter Kernburg. Im Hof bauen sich am Rande der Außenmauern mehrere, teils wie Gesichter wirkende Felsen auf, von der Kernburg hat man einige schöne Ausblicke in die Landschaft. Diese Anlage ist übrigens die größte im Jura-Gebirge.
Der Parkplatz schlägt bei 2 Stunden mit 5Zł (1,25€) zu Buche und der Eintritt liegt bei wirklich günstigen 5,50Zł (ermäßigt 4,50Zł = 1,40€/ 1,15€). Die Folterkammer und das Burgmuseum – beides sparten wir uns – kosten zwar 1,50Zł bzw. 2Zł extra, aber wenn man bedenkt, wie teuer Sportveranstaltungen oder gar Konzerte (ein nur einstündiges Klassikkonzert in Krakau hätte uns am Vorabend 50Zł, ermäßigt 30Zł (12,80€/ 7,70€) gekostet, was noch maßloser ist, als die Preise für Fußball, Basketball usw.), dann ist das wirklich ein Schnäppchen.

Da die Zeit doch reichlich bemessen war, fuhren wir zur Burg Mirów, die ebenfalls – warum auch immer – wie die Burg Smoleń gesperrt war. Bei dieser Anlage reicht aber eigentlich schon das drum herum gehen, denn die hoch gebaute gotische Burganlage lebt vor allem von der herrlichen Einpassung in die bizarre, von Wiesen durchsetzte Kreidefelslandschaft. Am verrammelten Haupttor sieht man aber gut, was viele Polen von Verbotsschildern halten: nämlich nichts. Da wurden glatt ein paar Holzlatten rausgebrochen und große Steine direkt vor die beschädigte Stelle getragen, damit man einfach einsteigen kann. Wir ließen das allerdings bleiben und fuhren über einen völlig zerfahrenen Asphaltweg, der mehr Schlaglöcher als Straßenbelag hatte, ins benachbarte Bobolice. Dort steht eine Burg, die vor wenigen Jahren so aussah, wie jene Burg Mirów, doch Irgendwer meinte, man müsse die Ruine rekonstruieren, so dass sie wie zu der Zeit ihrer Errichtung (14. Jhdt.) aussieht. Die Rekonstruktion ist zwar kompetent erfolgt – man kann nicht behaupten, dass die Burg kitschig wieder aufgebaut oder das Aussehen daherphantasiert wurde: vor 700 Jahren hat die Anlage mit 99,9%iger Sicherheit so ausgesehen – aber es hätte auch völlig ausgereicht, wenn man die Ruine gesichert hätte. Das fördert nämlich die Vorstellungskraft der Besucher. Aber solange man Mirów als Gegenbeispiel so lässt, ist das schon O.K.
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Wir dachten ja schon, dass die Straße zwischen Mirów und Bobolice schlecht sei, aber was dann noch auf uns zu kam, hatten wir selbst in Syrien nicht ganz so schlimm erlebt: dadurch, dass ein einziger Wegweiser fehlte, bogen wir einmal falsch ab und landeten prompt zuerst auf einer Schlaglochpiste und dann auf einem unbefestigten Weg. Fast 10km führte der kreuz und quer durch Felder und Nadelwälder, die auf dem sandigen Boden gut gedeihen. Da es seit 15 Stunden dauernd regnete, war selbst der Sandboden an seine Grenzen gelangt und nahm kaum Wasser auf, was tiefe Pfützen hinterließ. Also viel Manövriererei und Luftanhalten, ob man durch die schlammige Piste mit dem Ford Kombi auch durchkommt. Auf der Asphaltstraße angelangt, mussten wir erst einmal eine Baustelle passieren, die in Polen genauso wie in arabischen Ländern einfach durchfahren wird – keine Umleitung, keine Baustellenampel: alles viel einfacher, da mitten durch die Baustelle durch – und dann zwei Züge von dutzenden von Pilgern, die auf der kleinen Nebenstraße gen Częstochowa wanderten, überholen.

Endlich im Dorf Olsztyn bei Częstochowa angelangt, war dort die Burg am Schließen, doch wenn man zum Spielplatz neben dem Burggelände läuft, kann man noch ein paar Fotos von der Burg machen. Die Anlage liegt auf einem Felskamm und besteht aus zwei Hälften, die über den Felsgrat miteinander verbunden sind. Die vordere Hälfte hat einen hohen Bergfried zu bieten und die hintere einen kompakten aber kleinen Wehrturm.
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In Częstochowa buchten wir uns erstmal für eine Nacht im ETAP, was mit Niedrigstpreisen von 25€ (Wochenenden) oder 33€ (Montag-Donnerstag) pro Zimmer aufwarten kann, ein. Frühstück kostet unverhältnismäßig hohe 4,50€, sodass man lieber am Morgen Baguettes aus einer der nahegelegenen Tankstellen holt oder im Tesco einkauft. Wer sich nicht für Religion – oder Drittliga-Fußball bzw. Erstliga-Speedway – interessiert, sollte sich bloß von Częstochowa fern halten. Es gibt nur eine Sehenswürdigkeit, nämlich Polens wichtigste Wallfahrtskirche auf dem Wehrklosterkomplex Jasna Góra (übersetzt: „Heller Berg“), der, folgt man der Fußgängerzone, hoch über der Innenstadt thront. Dort wird die Ikone der Schwarzen Madonna verehrt. Als Nicht-Katholik bestaunt man dann halt einfach den enorm hohen Turm (107 Meter oder so) der Kirche, die starken Mauern, die drei aufeinanderfolgenden Eingangstore mit den herrlichen Kapitellen die verschiedene Heilige zeigen und den Innenraum der Kathedrale, über dessen Altar sich die berühmte Ikone befindet. Vor der knien dann meist so viele Gläubige, dass man die Ikone nur aus gebührender Entfernung sehen oder fotografieren kann. Man beachte außerdem die Wände rechts, an denen Krücken, Ketten und andere Gegenstände von Kranken, die nach den Gebeten vor der Ikone Heilung erhielten, hängen, und die Frömmigkeit der Menschen, die minutenlang in sich gekehrt auf dem kalten, harten Fliesenboden hocken – ob nun ein Jugendlicher in Jeans und T-Shirt, eine junge Frau mit Bluse und langen Hosen, eine Oma mit Kleid und Kopftuch oder ein älterer Prolet mit Mediamarkttüte, die die tolle Aufschrift „Mediamarkt – nie dla idiotów [= Nicht für Idioten, statt dem in Deutschland üblichen „Ich bin doch nicht blöd“]“ trägt.

Ansonsten ist diese Stadt einfach ein Dreckloch, wie man es in Schlesien erwarten muss. Wir mussten eine Weile suchen, bis wir endlich ein Restaurant, in dem es mehr als nur Bier und Chips gibt, fanden. Das war ein libanesischer Schnellimbiss, in dem man die libanesische Variante des Döners für nur 2€ serviert bekam. Zu den Banken will ich mal nichts sagen: bei einer funktionierte der Geldautomat nicht, die andere war zu, die nächste auch, aber Western Union – die haben ohnehin viele Filialen in Entwicklungsländern und was Schlesien bei aller Industrie anderes sein soll, als ein niedrig entwickeltes Gebiet in geographischer aber nicht kultureller Nähe zu West- und Mitteleuropa, würde ich ja gerne mal wissen – konnte per Automat mit Złoty dienen.

Also halten wir mal fest: Częstochowa ist ein Ort, wie man sich Polen klischeehaft vorstellt. Nur dürfte die Gefahr, dass das Auto geklaut wird, nach wie vor nicht viel höher sein, als in Deutschland. Ansonsten halt die „typische“ Mischung aus Plattenbauproleten, abgewrackten Bürgerhäusern und hoher Religiosität mit entsprechend beeindruckenden Sakralbauten. Wer in den Jura – sehr empfehlenswert! – oder nach Kielce oder so fahren will, dem empfehle ich aber, in Częstochowa im ETAP zu übernachten, da dieser Ort für Tagesausflüge oder Stopp-over sehr günstig ist. Oder wo kann man sonst noch zu dritt für 25€ übernachten?
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Statistik:
Unterhaltungswert: 9,0/10 (Viele schöne Burgen in toller Landschaft und ein eindrucksvoller Wallfahrtsort)
Tageskilometer: 200 (Auto)
Saisonkilometer: 1.180 (1.110 Auto/ 70 Fahrrad/ 0 Flugzeug/ 0 Bus, Bahn
, Tram/ 0 Schiff)

W209III: Von Merseburg nach Krakau

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Photos and English version:
BEDZIN CASTLE +++ CRACOW & RABSZTYN CASTLE

Mit Anja und dem alten Groundhopper ging es schon um kurz nach halb sieben gen Osten. Bis Görlitz kamen wir schnell und ohne längeren Halt, erst an dieser scheiß Tankstelle und der dort angeschlossenen und noch beschisseneren Wechselstube standen wir dann über eine halbe Stunde an. Trotzdem kamen wir über eine Stunde eher als kalkuliert – mittlerweile um einen Sprung in der Schüss... äh, Scheibe, reicher: so ein verdreckter Asi-LKW hat da glatt ne Schraube oder einen Stein von der staubigen Ladung verloren, was uns wieder einen zwei- bis dreistelligen Eurobetrag beim Vermieter kosten wird – am nordöstlichen Randes des schlesischen Kohlepotts an. Dort sieht es aus wie im Ruhrgebiet vor 40 Jahren, doch eine solche Burg wie Zamek Będzin sucht man im ganzen Ruhrgebiet vergebens.

Ein spätgotischer, hervorragend sanierter Festungsbau mit komplett geschlossenem Baukörper. Hohe, trutzige Bruchsteinmauern und zwei alles überragende Türme, wobei man vom zweiten noch deutlich besser sieht. Das Panorama sind natürlich breite Straßen, große Plattenbauten, eine Tennisanlage und mehrere Kraftwerke und Fabriken. Der Eintritt – an der Kasse wird nur Polnisch gesprochen, wobei auch jegliche Beschilderung ausschließlich in Polnisch ist – ist mit 6 Złoty (1.50€, Studenten ua. zahlen bei Ausweisvorlage nur die Hälfte) O.K. doch es kommen noch eine Zusatzgebühr für den Turm (baszta: 2Zł, 0.50€) und eine enorm hohe Film- und Fotogebühr (10Zł, 2.50€) hinzu. Das lohnt sich aber auf jeden Fall, selbst wenn man kein Freund von Waffen, die die Hauptausstellungsstücke im Museum darstellen, ist. Von der spätmittelalterlichen Ritterrüstung über polnische Säbel und preußische Pistolen bis hin zu Samuraihelmen ist da etliches dabei, was von bewaffneten Museumswärtern geschützt wird.
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Nach einer halben Stunde Landstraße ist man in Rabsztyn bei Olkusz, wo es die gleichnamige Burgruine Zamek Rabsztyn zum Spottpreis von einem Złoty (0,25€) pro Person zu besichtigen gilt. Der mürrische Alte vorm restaurierten Turmgebäude verkauft die Karten. Wenn man durch den Turm gegangen ist, hat man zur linken alte Mauern von beachtlicher Höhe aber angefressenen Fensterhöhlen und Wänden, geradeaus muss man darauf achten, nicht den enormen Burgberg herabzufallen und zu rechten erhebt sich dann im Burggelände ein für diese Region Polens – den Kraukau-Tschenstochauer-Jura – so typischer Kalksteinfelskegel. Auf diesem befinden sich noch ein paar Mauerreste, doch vor allem hat man eine gute Aussicht. Der Aufstieg ist nur nicht ganz ungefährlich, da eine Treppe nicht wirklich erkennbar und so klettern im steilen Fels angesagt ist.

Als letzter Punkt stand Krakau an, wo wir eine Kurzform – zwei von uns kannten die Stadt ja schon – des üblichen Sehenswürdigkeitenprogramms durchzogen: das jüdische Viertel Kazimierz, die herausragende Festung Wawel – alle Museen waren schon geschlossen und der Eintritt in alle (Zeit soll wohl 6 Stunden betragen) kostet für eine Person wahnsinnige 26€ – und der Marktplatz mit der großen Kirche mit der auffälligen Turmhaube, die in lauter kleine spitze Türmchen aufgeteilt ist, und den Tuchmacherhallen.

Wir kamen übrigens im Hotel „Start“ unter, das insofern typisch polnisch ist, als dass es innen saniert ist und deshalb mit 40€ im Einzel bzw. 45€ im Doppel zu Buche schlägt, aber von Außen ein sozialistischer Bau mit heruntergekommener Verkleidung ist. Das „Start“ ist eins der billigsten Hotels der Stadt. In dieser Preislage bewegen sich nur das ETAP und wenige andere Hotels in Plattenbauten, wie das oft ausgebuchte Optima, in dem wir nicht unterkamen.
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Statistik:
Unterhaltungswert: 8,0/10 (Eine hervorragend restaurierte Burg, eine interessante Burgruine und die absolut sehenswerte Krakauer Altstadt waren die viele Fahrerei wirklich wert)
Tageskilometer: 740 (Auto)
Saisonkilometer: 980 (910 Auto/ 70 Fahrrad/ 0 Flugzeug/ 0 Bus, Bahn, Tram/ 0 Schiff)

Mittwoch, 5. August 2009

WE157IV: Von Burgen und Schlössern, schlesischer Kirchenbaukunst und Fußballfans, die einfach nicht sitzen können

Śląsk Wrocław 2:0 Cracovia Kraków
Samstag, 1. August 2009 - Anstoßzeit 19.15
Extraklasa (1. Profiliga Polen)
Ergebnis: 2:0 nach 94 Min. (46/48) - Halbzeit 1:0
Tore: 1:0 4. Sebastian Dudek, 2:0 78. Krzysztof Wołczek
Verwarnungen: Antoni Łukasiewicz, Sebastian Dudek (Śląsk), Piotr Polczak, Sławomir Szeliga, Konrad Cebula (Cracovia)
Platzverweise: keine
Stadion: Stadion Oporowska (Kap. 9.000 Sitzplätze, davon 2.500 überdachte)
Zuschauer: 7.000 (100 Gästefans)
Spielqualität: 7,0/10 (Spiel O.K. bis gut - Zuschauer äußerst gut), Sightseeing: 9,0/10 (äußerst interessant)

Schon um 7 Uhr ging es wieder raus, das Frühstück an der Tankstelle einnehmen. Bei Orlen - alternativ kann man natürlich auch Cafes aufsuchen - ist das Frühstück allemal billiger und meist auch besser als in den Hotels, die nicht zu europäischen Ketten gehören. Schnell tanken, dann hemmungslos in den fließenden Verkehr reindrängen (in polnischen Großstädten ist man noch unwilliger, als in deutschen, was das reinlassen von in Einfahrten wartenden oder zu Spurwechseln ansetzenden Autos angeht: also einfach zackig zwischen zwei Autos schieben und bei 50cm Stoßstangenabstand zum Vordermann Vollbremsung) und auf dem Weg nach Südenwesten noch am alten Stadion von Śląsk Wrocław vorbei gucken. Zwar toller Bau, aber gut gesichert. Besser zum Einsteigen und Besichtigen ist das alte Stadion von Warta Poznań.

Ein absolutes Besichtigungshighlight - ob von Wrocław oder Wałbrzych aus ist egal - ist das Zamek Książ zwischen Świebodzice und Wałbrzych. Der wunderbare Renaissancebau mit barocken, gotischen und einigen anderen Elementen, ist bis in den Vorhof kostenlos zu besichtigen. In den Innenräumen und auf den Terrassen werden akzeptable Entgelder verlangt. Wir verschoben die Innenbesichtigung des größten Schlosses Polens und das Besuchen des angrenzenden alten Schlosses (Zamek Stary Książ) auf einen Besuch in Wałbrzych oder der Gegend (nächstes Jahr) und fuhren zum Zamek Cisy. Diese Ruine ist nur was für Freunde mittelalterlicher Burgen und zudem schwer zu finden. Man nutze diese Karte und achte auf den Wegweiser am Ortsende von Cieszów Górny. Den Feldweg kann man entweder bis zur Kuppe wie wir (dann sind es noch 1200m Fußweg bis zur Burg) oder bis zur Furt (150m Fußweg) fahren. Letztere Variante würde ich nicht mit einem Kleinwagen machen... Ab der Kuppe auf dem Weg immer rechts halten bis besagte Furt kommt - der Soldat, der dort mit einem Kumpel grillte, beschrieb mit zwar den Weg zur Burg, aber sagte nicht, dass die Steine in der Furt total wacklig sind; wäre beim Queren fast ins Wasser gefallen - und dann gleich rechts. Der nächste Knaller ist dann die Holzbrücke, die mit großen Löchern aufwarten kann. Man kann auch durch den Burggraben laufen. Hinter dem restaurierten Burgtor sind dann überwucherte Mauerreste zu sehen, die ungesichert in der Landschaft herumstehen. Wenn man an einem milden Wintertag ohne Schnee hier her kommt, hat man wahrscheinlich einen besseren Eindruck von der Größe der Anlage, aber die architektonische Schönheit kommt auch im Sommer rüber. Am Besten ist der Turm, den man mangels Treppenhaus aber nicht besteigen kann.

Über tolle Nebenstraßen - meist gut asphaltiert, wenige Autos, wie in einer Rallye zu fahrende Kurven - ging es dann für uns weiter nach Bolków. Oberhalb der Dorfmitte gibt es eine herausragende Burganlage, die für 1,50€ (ermäßigt sind Studenten, Schüler u.a.: 0,75€) zu besichtigen ist. Parkplatz wie bei vielen gesicherten Burgen ca. 0,50€/ Stunde. Bolków ist allerdings nur eingeschränkt zu besichtigen, da der Palas und der kleine Wohnturm renoviert werden. So bleiben nur der Innenhof, die Terrassen, zwei Ecktürme und der Bergfried. Von letzterem hat man einen weiten Blick, der einen unter anderem die 2,5 km entfernte Schweinhausburg erblicken lässt.

Diese Burg (Zamek Świny) war als nächste auf der Liste. Den Wegweiser kurz vorm Ortsende beachten und dann die Karre im ersten Gang den Hang hoch. Einmal über den Bolzplatz laufen und dem komischen Typen mit der dicken Brille 5 Złoty (1,25€ in die Hand drücken). Dann bekommt man die bedruckten Karten und kann so gut wie jeden Raum besichtigen. Für die Erdgeschoss- und Kellerräume sollte man sich eine Taschenlampe mitnehmen. Im oberen Bereich hat man einen schönen Saal mit Grasboden und ohne Decke sowie den Zugang zum Palas, der nur im ersten Stock zugänglich ist, da die Zwischendecken fehlen und der Turmaufgang am Einstürzen ist. Alles in Allem ist die Schweinhausburg Świny die schönste Burgruine, die ich in Polen bisher gesehen habe.

Bevor es wieder nach Breslau gehen sollte, stand noch Jawor auf dem Programm. Eigentlich eine schöne Stadt... aber die ist ja so was von heruntergekommen! Absolutes Highlight ist natürlich die Friedenskirche, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Der Fachwerkbau kann im Inneren (1,50€ Eintritt; 1,25€ für Fotografieren/ Filmen) mit vier Emporen aufwarten, die mit enorm vielen biblischen Bildern, die alle altdeutsch beschriftet sind, verziert sind. Ein schöner Altar und etliche vergoldete Figuren z.B. an der Kanzel sind auch sehenswert. Die Architektur an sich ist auch wirklich herausragend.
Nicht ganz so herausragend ist der Marktplatz mit dem Rathaus. Da ist derzeit alles eine Baustelle und für das Schloss gilt: man kann da mal vorbeischauen, der Innenhof ist ganz nett und immer offen, aber das Schlossgebäude müsste mal wirklich renoviert werden.

Von Jawor aus waren es keine 60 Minuten, bis wir wieder in Wrocław waren. Dort hielten wir uns noch ein bisschen im Hotel auf, ehe wir zum Stadion rüber gingen. Ein lockerer Einlass und sehr gute aber zu teure Bratwürste später, waren wir dann in Block C in der Nähe des Gästeblocks hinterm Tor. Um uns herum waren viele Opas (ohne Omas, die in Polen so gut wie gar nicht ins Stadion gehen) und junge Paare, die man in Polen auch als „Picknick-Fans“ bezeichnet. Allerdings standen beim Spiel Śląsk Wrocław gegen Cracovia Kraków (1. Spieltag der Extraklasa, der 1. Profiliga also), auch diese Fans, die kaum den Mund aufkriegten, die ganze Zeit. In Deutschland würde man auf den besseren Plätzen nie stehen. Da würde man dauernd von anderen Fans angemeckert werden oder die Aufmerksamkeit der so genannten Sicherheitskräfte auf sich ziehen. Hier in Wrocław wurden Melodien, die man größtenteils in Deutschland nicht hört, angestimmt und schon nach vier Minuten konnte das erste Tor bejubelt werden. Obwohl das Stadion nur Sitze hat, standen über 90% der Zuschauer und zwar die ganze Zeit. Angefeuert wurde auch - vor allem von der unüberdachten Gegentribüne, auf der sich die Ultras positioniert hatten. Bis zur Pause, in der es dann Bierfässer-Wettrollen gab, und auch danach konnte man von einem guten Spiel reden, wobei es aber zu wenige Torchancen gab für meinen Geschmack. Was mir jedoch sehr gut gefiel, war das Zweikampfverhalten: da wurde mit beiden Beinen voraus herangerutscht, um den Ball noch auf der Auslinie oder einfach auch nur im Mittelkreis zu bekommen. Die Heimmannschaft war bis zur Mitte der ersten Halbzeit in allem überlegen, ließ dann jedoch bis Mitte der zweiten Hälfte Cracovia viel zu viel kommen, was unter anderem für einen Pfostentreffer nach einem Freistoß sorgte. Recht kurz vor dem Ende machte es Śląsk besser und erzielte mit einem Freistoß ein tolles Tor. Kurz zuvor sollte es noch Aufregung geben, da der Schiri einen klaren Elfmeter für Śląsk verweigerte. Der Depp war auch nie auf Ballhöhe, genauso wenig, wie die zwei Blinden an der Linie. Das 2:0 sollte der gerechte Endstand sein.
Wir fuhren dann wieder zum Mexikaner essen und übernachteten noch einmal im Hotel des Vereins.

Statistik:
Ground Nr. 334 (neuer Ground; diese Saison: 3 neue)
Sportveranstaltung Nr.861 (diese Saison: 3)
Tageskilometer: 220 (Auto)
Saisonkilometer: 800 (670 Auto, 130 Fahrrad, 0 Flugzeug, 0 öffentliche Verkehrsmittel)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 50
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 157

Fotos unter:
Außenbesichtigung Zamek Książ

Montag, 6. April 2009

WE140I: Tagesausflug nach Stettin; Futsal und Fußball

KP Chemik Police 1:0 Zagłębie Sosnowiec Samstag, 4.April 2009 - Anstoßzeit 13.00 II liga, grupa: zachodinia (3. Liga, 1. Halbprofiliga) Ergebnis: 1:0 nach 94 Min. (46/48) - Halbzeit 0:0 Tor: 1:0 75. Arkadiusz Jarymowicz Verwarnungen: KP; Jarymowicz, Jakuszczonek - ZS: Filipowicz Platzverweise: keine Stadion: Stadion KP Chemik POLICE (Kap. 2.795, davon 1.285 Sitzplätze) Zuschauer: bis zu 1.000 (150 Gästefans) Spielqualität: 4,5/10 (allenfalls durchschnittlich) Pogoń 04 Szczecin 6:1 Gaszyńscy Kraków Samstag, 4.April 2009 - Anstoßzeit 17.00 Ekstraklasa (1. polnische Futsal-Liga) Ergebnis: 6:1 nach 40 Min. (20/20) - Halbzeit 4:0 Tore: keine Ahnung Verwarnungen: 2-2 Platzverweise: - Sporthalle: Hala przy ul. Twardowskiego 12 B w Szczecinie (Kap. 730 Sitzplätze) Zuschauer: ca. 400 (keine Gästefans) Spielqualität: 8,0/10 (sehr gut!) MKS Pogoń Szczecin 0:0 GKS Tychy Samstag, 4.April 2009 - Anstoßzeit 19.00 II liga, grupa: zachodinia (3. Liga, 1. Halbprofiliga) Ergebnis: 0:0 nach 97 Min. (48/49) - Halbzeit 0:0 Tore: - Verwarnungen: MKS; Woźniak, Petasz - GKS; Kozłowski, Dębowski, Wania, Odrobiński Platzverweise: - Stadion: Stadion Florian Krygier (Kap. 17.783 Sitzplätze) Zuschauer: 7.000 (300 Gästefans) Unterhaltungswert: 3,5/10 (Zuschauer besser als Spiel) Statistiken von: chemik.police.pl bzw. pogon.v.pl

Früh aufstehen, früh frühstücken - wie immer eigentlich. Diesmal begaben sich mein Vater und ich auf einen Tagesausflug nach Szczecin von Rostock aus. Die Autobahn von Rostock nach Szczecin ist fast komplett in sehr gutem Zustand und frei von Geschwindigkeitsbeschränkungen. Da konnte ich also mal ausprobieren, wie der Mietwagen Opel Vectra Kombi ins Flattern gerät, wenn man die Kurve bei 220 nimmt... Oder auch, wie er ausschwenkt, wenn man in einem der dreispurigen Stettiner Kreisverkehre wild rüberzieht, um noch vor dem Lkw rechts daneben die Ausfahrt zu erwischen. Der erste Besichtigungspunkt in Szczecin war der enorm große Zentralfriedhof. Da hätte man stundenlang rumlaufen können, bis mal alles gesehen hätte, doch das Westportal, die Kapelle und die Windmühle - leider ohne Flügel - sind die drei Hauptsehenswürdigkeiten dort. Weiter ging es durch den chaotischen Stadtverkehr gen nördliches Zentrum. Dort fotografierte ich das neue Rathaus. Im angrenzenden Park mit dem überlebensgroßen Denkmal für Johannes Paul II. war reger Betrieb ob dem schönen Wetter.

Weiter nach Norden. In den nördlichen Nachbargemeinden war freie Fahrt: die 50km/h-Zonen in den Straßendörfern wurden von allen Fahrern als 80- oder 100er-Zonen ausgelegt. Wir kamen so noch rechtzeitig vorm Spiel in Police an. KP Chemik Police war Gastgeber in der Drittligapartie 16. gegen 9. (von 18). Zu Gast: Zagłębie Sosnowiec. Fantechnisch ist dieses Spiel normalerweise ruhig, da Pogoń genauso wie Zagłębie eine Fanfreundschaft mit Legia Warszawa pflegt. Bepöbelt haben sich die beiden Gruppen trotzdem und wären nicht so viele Polizisten da gewesen, hätte es bestimmt Stress gegeben. Natürlich waren etliche interessante Zuschauertypen da: an der Kasse stand z.B. ein Hool mit festem Schuhwerk, Tarnhose, Pogoń Szczecin Kapuzenshirt und Schal vorm Mund vor uns. Als ich mich bei Ankunft der Gäste in einen Pulk von Fans stellte, die offensichtlich auf Stress aus waren, bemerkte ich ua. einen kahlköpfigen Schlägertypen, der auf dem Unterarm etwas Arabisches eintätowiert hatte. Bis kurz nach Anpfiff waren etwa 1.000 Zuschauer im Stadion, doch als sich die 40 Gästefans im Gästesektor kurz vor der Halbzeit - warum auch immer - geschlossen in den Bus setzten (sie hatten bis dahin nur einen Sprechchor zustande gekriegt), leerte sich die Hütte. Die Polizei brachte sich schon mit Hunden und Gewehren mit Gummimunition in Stellung, doch die vermummten Milizionäre mussten nicht eingreifen. Einige der Pogoń-Fans kamen auch wieder zurück und sahen sich dann auch die zweite Halbzeit an. Die erste Halbzeit war ja torlos geblieben, allerdings nicht unbedingt langweilig verlaufen. Aber das Spiel war doch wirklich nicht mehr als Durchschnitt. Was überdurchschnittlich war, waren die Chancen für Sosnowiec: aber sie vergaben sie alle. Die deutlich schwächere Mannschaft - Chemik Police - erzielte erst einen Abseitstreffer und dann drei Minuten später den entscheidenden regulären Treffer.

Wir bewegten uns dann zügig aus dem wirklich schönen Stadion dieser wirklich hässlichen Kleinstadt Police heraus und fuhren wieder nach Szczecin hinein. Mit einmal verfahren schafften wir es zum hervorragenden niederländischen Restaurant am Heumarkt (Altes Rathaus unterhalb des Schlosses). Diese Prunkstücke der Altstadt sahen wir uns - wir kennen sie natürlich schon längst ausführlich - nur im Vorbeigehen an. Auch die Kathedrale sahen wir nur im Vorbeigehen, doch es entging uns nicht, dass eine neue Turmhaube darauf gebaut wurde. Nach den Pfannekuchen mit Schinken, Zwiebeln, Lauch, Käse und Paprikasoße, leitete mich mein Vater weiter per Karte durch den hektischen, aber erstaunlich zügigen Verkehr. Selbst in der City kann man streckenweise 70 fahren. Die Sportanlagen von Pogoń sind recht gut auffindbar. Diesmal suchten wir allerdings nicht gleich das Stadion auf, sondern gingen erst einmal in die Betonverkleidete Halle mit den schönen, sozialistischen Mosaiken. Dort fand - bei freiem Eintritt - ein Spiel der höchsten polnischen Futsal Liga statt. Futsal - kurz fürs portugiesische futebol de salão oder dem spanischen fútbol sala ist eine Variante des Hallenfußballs die auf einem Handballfeld mit Handballtoren ausgetragen wird. Dass Futsal in Polen recht interessant ist und um ein Vielfaches sehenswerter als Hallenfußball in Deutschland, stellten wir schnell fest. Vorm Spiel wurden wir erst einmal von einem netten Mädchen von einer der Tanzgruppen, das für Pogon Parfüm in der Halle verkauft, angesprochen. Dass sie ordentliche Gymnasialbildung erhalten hat, zeigte sie übrigens damit, dass sie uns ihr Anliegen aus dem Stehgreif in gut verständlichem Deutsch darlegen konnte - doch eher die Ausnahme in Polen -, dann gab es eine qualitativ hochwertige Darbietung von Cheerleadern - dass so etwas neben dem optischen Wert auch sportlichen Wert hat, ist ja bei weitem nicht immer der Fall - dann beim Einmarsch der beiden Teams - 9. gegen 8. von 12. - wurde die Spielfläche erst einmal mit Kassenrollen zugemüllt und dann machten einige der jungen Ultras doch recht ausdauernd Lärm. Noch mehr als von der Atmosphäre war dieser Besuch allerdings von der spielerischen Qualität her lohnend. Hervorragende technische Feinheiten: geniale Pässe, Hackentricks, mit der Sohle stoppen, mitnehmen und dann ein feiner Heber zum Mitspieler. Auch spektakuläre Fouls und waghalsige Aktionen des Stettiner Torwarts wie mit dem Kopf in Hüfthöhe den Ball vor dem Strafraum vorm anrennenden Gästespieler wegköpfen will, der daraufhin über die Hüfte des Torwarts fliegt. Und Tore gab es natürlich auch noch. Pogon Szczecin war den Gaszynscy überraschenderweise in allen Belangen klar überlegen. Das 6:1 also nur gerecht.

Keine Tore gab es dann im Stadion von Pogon. Dort kamen wir gerade noch rechtszeitig zum Einmarsch der Mannschaften - auch dort wurde fleißig mit Kassenrollen geworfen - auf unsere Plätze im überdachten Sektor 5. Die besten Plätze neben Sektor 4! Aber dann solche tollen Kommentare wie „Immer und überall: wir ficken die Polizei!“ von meinem Sitznachbar. Der brachte auch die genialen Bemerkungen gegen die Gästefans mit ihren Sprechchören: „Tychy gól!“ - „Schwanz in den Arsch*!“ - „Tychy gól! - „Schwanz noch mal in den Arsch!“ woraufhin die ganze Tribüne einen anderen derben Sprechchor anstimmte. (*wörtlich von „chuj w dupe“ - man würde in Deutschland wohl eher „fick(t) dich/ euch“ sagen). Mit solchen Leuten um einen herum, legt man sich natürlich auch selbst ordentlich ins Zeug - soweit man die Texte kennt - die Stettiner anzufeuern bzw. die Gäste, Polizei und Verbandsleute zu belappen. In der Kurve war natürlich noch mehr Action: vor allem in der 30. Minute als erst die weinrot-marineblau Überziehfahne mit goldenem Vereinswappen und -schriftzug hochgezogen, dann Flaggen und Doppelhalter in den gleichen Farben mit gelben und weißen Pluszeichen bzw. Vereinswappen entrollt und schließlich dazu dutzende rote Bengalfackeln und zwei orange Rauchbomben entzündet wurden. Natürlich kein Gewimmer vom Stadionsprecher, keine Spielunterbrechung vom verängstigten Schiedsrichter. Applaus von den Fans auf Haupt- und Gegentribüne für die Einlage in der Kurve. Drei in Deutschland leider undenkbare Dinge, die in Polen dann doch positiv auffallen. Bei diesem Spiel fiel allerdings eine Sache negativ auf; nämlich die, dass Pogon trotz Feldüberlegenheit und zweitem Tabellenplatz kaum etwas zu Wege brachte. Chancen hatten sie vor allem in der Mitte bis zum Ende der zweiten Halbzeit zur Genüge, aber ein guter Torwart auf der einen und versagende Stürmer auf der anderen Seite versauten den Torerfolg. Tychy hatte auch die ein oder andere Chance, doch die verstolperten sie zum Ärger der rund 300 Gästefans. Also innerhalb von sechs Tagen das zweite 0:0. Zurück fuhr dann mal wieder mein Vater, doch nicht lange ohne sich ärgern zu müssen, denn kurz nach der Grenze fuhr eine Streife der Bundespolizei an uns vorbei. Das hässliche blinkende Schild „Bitte folgen!“ im Blick, fuhren wir hinterher. Natürlich war es nur eine Stichprobenkontrolle.  Zwei Kilometer weiter hatten sie übrigens schon den nächsten am Wickel... In Rostock waren wir dann - da Spielende ja erst 21.00 Uhr - gegen Mitternacht.

Statistik: Ground Nr. 292 (zwei neue Grounds; diese Saison: 62 neue) Sportveranstaltung Nr. 777, 778 & 779 (diese Saison: 146) Tageskilometer: 630 (Auto) Saisonkilometer: 20.940 (11.510 Auto/ 3.440 Fahrrad/ 3.030 Bahn/ 2.960 Flugzeug) Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 0 Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 140 Fotos unter: Ein paar Bilder aus der Stadt Szczecin Chemik Police 1:0 Zagłębie Sosnowiec Pogoń 04 Szczecin 6:1 Gaszynscy Kraków MKS Pogoń Szczecin 0:0 GKS Tychy