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Mittwoch, 8. März 2017

LIBANON

LP Nr.: 49, Grounds: 2


Saida (1): Sidon International Stadium (Ahli Saida, teilweise Nationalmannschaft Libanon) – 22.600 (22.600/ 0); 7,0
Zgharta (2): Malaab Salam Zgharta al-Mardachiyeh (Salam Zgharta und Amateurvereine aus dem Landkreis Zgharta) – 3.500 (3.500/ 0); 7,5
ملعب سلام زغرتا

Mittwoch, 23. September 2015

W476III: Zwei berühmte Bergdörfer bei Beirut und Weiterreise nach Jordanien (Libanon, Tag 6/ Jordanien, Tag 1)

بيت الدين Photos with English Commentary:
Mount Lebanon: Dayr al-Qamar Historic Town, Beiteddine Palace & Monastery

Am Mittwoch verabschiedeten wir uns von den freundlichen syrischen Hotelbesitzern in Tyr und fuhren an Sidon vorbei in die Berge nach Beiteddine, wo es einen großen Palast (Festivalort u.a.) gibt und ein sehenswertes Kloster, und in den Nachbarort Dayr al-Qamar, der noch sehenswerter ist mit seinen verschiedenen religiösen Bauten und Steinhäusern (teils kleine Schlossbauten) aus dem 17./18. Jahrhundert sowie am Ortsrand ein tolles Kitschschloss – alles in sehr schöner Berglandschaft...

Dann ging es nach einem Essensstopp zum Flughafen in Beirut, wo wir aus der ekelhaften Schwüle gen angenehme trockene Hitze wegflogen. Die Passkontrolle dauerte übrigens unverschämt lange, doch immerhin waren alle am Flughafen von Beirut verhältnismäßig freundlich. Die Middle East Airways Maschine war außerdem erstaunlich gut, ordentliches Essen an Bord, Service OK. Und mit wenig Verspätung in Amman gelandet: gut! Dort mussten wir erstmal Geld umtauschen – mal sehr freundliche Geldwechsler, wobei einer mit mir sehr gutes Arabisch sprach und der andere mit meinem Vater gutes Deutsch, da der junge Mann mal eine Weile in Hamburg war. Danach hieß es Eintrittsgeld entrichten: etwa 55€ kostet ein Visum pro Person, Jordanien ist eines der teureren Länder der arabischen Welt – aber immerhin bekommt man das scheiß Visum am Flughafen ohne vorherige Anmeldungen. Den Mietwagen haben wir diesmal von Avis, da nicht so teuer wie Hertz: mal wieder Automatik-Mist, relativ hoher Verbrauch trotz schwacher Motorisierung, defekter Gurtstraffer, kein ABS, aber fährt sonst ganz ordentlich der Kia.

Wir fanden mit einmal kurz verfahren nach Madaba, wo wir mal wieder das Hotel, das wir bei der Visumsstelle angegeben hatten, nicht fanden. Aber gleich um die Ecke waren viele mit ansprechenden Preisen, so auch das „Rumman“ (Granatapfel) das einem christlichen Clan gehört. 40€ mit Frühstück pro Nacht im Doppelzimmer – sehr gutes Preis-Leistungs-Niveau, auch gerade für Jordanien, das im Tourismusbereich die Preise massiv angezogen hat um mehr den gehoben Tourismus als Backpacking zu fördern... دير القمر Statistik:
- Tageskilometer: 810 (620 Flugzeug, 130km Mietwagen Libanon, 60km Mietwagen Jordanien)
- Saisonkilometer: 11.940 (6.910 Auto, davon 1.480 Mietwagen/ 3.520 Flugzeug/ 900 Bus, Bahn, Straßenbahn/ 620 Fahrrad/ 0 Schiff, Fähre)

W476II: Vorhersehbare Niederlage für Libanesische Nationalelf (Libanon, Tag 5)

Libanon (Lubnan) ......................................... 0
Süd-Korea (al-Kouriya al-Janoubiya) ......... 3
المنتخب اللبناني مع المنتخب الكوري الجنوبي بإطار التأهيل للكأس الأسيوي والكأس العالم بملعب الصيدا الدولي
- Datum: Dienstag, 8. September 2015 – Beginn: 17.00
- Wettbewerb: Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2018 und Asienmeisterschaft 2019, Vorrundengruppe G (beides Profimannschaften)
- Ergebnis: 0-3 nach 94 Min. (46/48) – Halbzeit: 0-2
- Tore: 0-1 22. Jang Hyunsoo (Foulelfmeter), 0-2 26. Ali Hamam (Eigentor), 0-3 60. Kwon Changhoon
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Saida International Stadium (Sidon; Kap. 22.600 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 10.000 (davon angeblich nur 5.500 zahlende und ca. 50 Südkoreaner)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Gutes Mittelmaß) لبنان مع كوريا جنوبية: تاهيل لكاس العالم وكاس اسيوي Photos with English Commentary:
a) International Football Match: Lebanon v South Korea (World Cup and Asian Championship Qualifying at Sidon International Stadium)
b) al-Janoub (South-Lebanon): Sidon Castles and Old Town

An meinem Geburtstag fand das Spiel statt, um das herum ich den Libanon-Aufenthalt geplant hatte: das Qualifikationsspiel zur WM 2018 und Asien-Meisterschaft 2019 (Gruppensieger gehen in eine weitere Qualirunde für die WM und sind für die AM schon qualifiziert, Zweitplatzierte bekommen über noch eine andere Runde die Chance auf die Teilnahme an der AM in den VAE) zwischen Libanon und Südkorea. Das Spiel sollte erst im Beiruter Camille Chamoun Stadion (40.000 Plätze, Anschrift: Hafiz al-Assad-Straße) stattfinden, doch trotz Ausschreitungen gegen Kuwait fand das Match nun aus irgendwelchen Gründen erneut in Sidon (Saida) statt. Das International Stadium in der Rafik-Hariri-Sportstadt (eigentlich lächerlich: außer dem Stadion gibt es nur einen Basketballcourt und einen Handball-/ Futsalplatz) fasst nur 22.600 Zuschauer, ist aber ein toller Bau mit der Segeltuch überdachten doppelrangingen Haupttribüne und der geschlossenen ovalen Bauweise der anderen (unüberdachten) Tribünen. Da das Tripolis-Stadion (Basel-alAssad-Straße) nur noch für Rugby genutzt wird, ist die Hütte in Sidon das zweitgrößte Fußballstadion des Libanon. Aber dafür hat es Meerblick zu bieten, genauer gesagt ist es sogar eines der am nächsten ans Meer gebauten Stadien weltweit, und mit „RL 3“ (in etwa: „An der B 3“) und nicht Hafiz-alAssad-Straße oder Adolf-Hitler-Allee oder Josef-Stalin-Weg hat der Bau wenigstens eine vernünftige Anschrift...

Wir nahmen für nur 3€ die unüberdachten Plätze, da bei dem extrem schwülen Wetter (36 Grad, fast 100% Luftfeuchtigkeit) vom Süden her leichte Staubstürme kamen, die die Sonne verdunkelten. Also brauchten wir keine überdachten Plätze für extrem überzogene 15€. Der Besuch des Spiels war schwach, nur etwa 10.000 bis 11.000, darunter auch 50 Koreaner. Die Stimmung war anfangs gut und um uns herum teilweise etwas Bruchvolk – aber nicht wie in Nordafrika. Zur Nationalhymne gab es den deutschen Gruß, gegen Südkorea alberne „fuck you“-Rufe. Also die Stimmung bei Syrien gegen Libanon 2010 war fairer.
Erwähnenswert war auch noch ein Banner auf dem Arabisch „Ihr stinkt“ stand, dass sich gegen die unfähige Regierung richtete, die machtlos den Streiks der privaten Entsorgungsunternehmern gegenübersteht, was zu Müllbergen in einigen libanesischen Städte (v.a. in Beirut wird wegen der Schließung einer Müllkippe, die schon längst durch eine Müllverbrennungsanlage hätte ersetzt werden sollen, wenn die Regierung mal den Arsch hochgekriegt hätte, Müll auf die Straße gekippt) führt. Besonders in Beirut finden täglich Protestmärsche unter diesem Slogan statt. صيدا Das Spiel zwischen Libanon und Südkorea war erst flott von beiden Seiten, aber Libanon war von Anfang an in allen Belangen unterlegen. Dann handelten sie sich einen dummen Elfmeter ein, der vom koreanischen Stürmer souverän ins Eck geschossen wurde. Kurz darauf nach Abwehrchaos ein Eigentor zum 0:2. So ging es in die Pause. Libanon bekam dann gar nichts mehr hin und der Totalausfall Roda Antar (mittlerweile in China, vorher 1.FC Köln, SC Freiburg u.a.) wurde endlich ausgewechselt. Da Libanon aber nicht einen einzigen Spieler von auch nur annähernd Weltformat hat, fiel das 0:3 nach einem Abwehr- und Torwartfehler. Danach hatte auch der Libanon mal gute Torszenen, zeigte sich aber völlig unfähig. Eine 0:3 Niederlage und genauso schlecht gespielt wie beim letzten Mal als ich die gesehen habe (2010 in Syrien).

Vorher hatten wir uns übrigens die Stadt Sidon angeguckt, die eines der lohnendsten Ziele im Libanon ist: es gibt eine auf einer künstlichen Insel im Hafen vorgelagerte mittelalterliche Burg die für 2,30€ besichtigt werden kann und sehr schön ist, dann am anderen Ende der Altstadt eine verfallene und derzeit in Sanierung befindliche Burgruine (Landburg im Gegensatz zur Meeresburg), dazwischen am Hafen einen tollen Khan (Karawanserei) aus dem Mittelalter der ganz korrekt restauriert wurde und dann die Gassen der Altstadt die eng gemauerten und oft überkuppelt sind. Teilweise gibt es dort überhaupt kein Licht, sodass man am besten mit dem Handy leuchtet... لبنان مع كوريا جنوبية: تاهيل لكاس العالم وكاس اسيوي Statistik:
- Grounds: 1.454 (1 neuer; diese Saison: 39 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.478 (1; diese Saison: 44)
- Tageskilometer: 120 (120km Mietwagen)
- Saisonkilometer: 11.130 (6.720 Auto, davon 1.290 Mietwagen/ 2.900 Flugzeug/ 900 Bus, Bahn, Straßenbahn/ 620 Fahrrad/ 0 Schiff, Fähre) - Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 43 [letzte Serie: 93, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 476.

W476I: Burgen und andere Ruinen in spektakulärer Lage und katastrophale Hotelsituation (Libanon, Tag 4)

قلعة المسيلحة Photos with English Commentary:
a) Ash-Shamal (North-Lebanon): MUSAYLAHA CASTLE RUIN
b) Mount Lebanon: BYBLOS ARCHEOLOGICAL SITE & CASTLE RUIN, FAQRA HELLENISTIC TEMPLE RUINS AND ROCK FORMATIONS

Erste Station: Qalaah Musaylaha zwischen Byblos und Tripolis direkt an der Autobahn. Vor einem Tunnel biegt man rechts in Richtung Steinbruch ab und parkt unterhalb der Autobahnbrücke, der einige Meter Geländer fehlen. Die Burgruine Musaylaha ist klein aber sehr spektakulär auf einem einsamen Felsen gelegen und erstaunlich verwinkelt. Der Eintritt ist frei.

Dann ging es, immer noch bei ekelhaft schwülem Wetter, nach Byblos, wo man für 8.000 Lire (4,50€) eine ausgedehnte Ruinenstadt mit phönizischen Mauer, römischem Theater, persischen Stadttoren und einer Kreuzritterburg besichtigen kann. Der schattige Markt außerhalb der archäologischen Stätte ist sehr sauber und unheimlich ruhig: keine Guides, keine Marktschreier etc. Es gibt auch ein paar Stadtmauern, sodass Byblos so ziemlich die geschlossenste Altstadt im gesamten Libanon hat. جبيل Über spektakuläre aber ganz gute Bergstraßen fuhren wir zum angenehmeren Klima auf 1.000, 1.200 und am Ende gar über 2.000m hoch. In etwa 1.500m Höhe liegt ein sehr sehenswertes Dorf, Kfar Debyan (Hirschweiler): dort gibt es tolle Felsformationen, die nadelartig aus der teils grünen, teils kargen Kalksteinlandschaft herausstehen, Skilifte und dazugehörige Ferienhäuser die jetzt natürlich ausgestorben waren, eine natürliche Brücke (eine Felsformation die in Brückenform über ein eingekerbtes Tal gespannt ist) und v.a. die Ruinen von Faqra, die in die Felslandschaft eingepasst sind. Nur 1,50€ Eintritt für den unteren Teil mit seinen ansehnlichen Tempelruinen, freier Eintritt im oberen Teil, wo ein gut besteigbarer Wachturm, ein weiterer Tempel und ein verzierter Altar stehen. Alles aus hellenistischer Zeit.

Über eine einsame Straße, auf der es nach Verlassen von Kafr Debyan bis zum nächsten Ort 20km nebelverhangene, karge Berglandschaft zu sehen gab, fuhren wir in die Beqaa hinunter. Dort war die Sicht bei teilweise unter 50m aufgrund von Staubstürmen. Wieder im Mount Libanon zurück, aßen wir teuer aber sehr, sehr gut (Grillteller, Salate, Getränke für knapp 30€) in einem Ausflugslokal im idyllisch gelegenen Ayn Zhalta und fuhren von dort nach Sidon. Da gestaltete sich bei aller Hilfsbereitschaft jedes Einheimischen den ich fragte, die Hotelsuche als extrem schwierig. Es stellte sich heraus, dass mittlerweile nur noch ein einziges Hotel existiert: das völlig überteuerte und unseriöse „Al-Qalaah“, deren Chef mir seine 100-Dollar-Zimmer gar nicht zeigen wollte vorher. Wir fuhren nach Sur (Tyr) weiter, wo ebenfalls ein angeblich halbwegs günstiges Hotel (Al Fanar am Leuchtturm) aus dem Reiseführer maßlos überteuert war: ebenfalls Phantasiepreise von 100 Dollar in dürftigen Zimmern, die in Baalbek nicht einmal die Hälfte gekostet haben. In derselben Straße, 100m weg vom Leuchtturm, tat ich allerdings noch ein „Yara Palace Accomodation“ auf. Das gehört einer syrischen Familie – im Gespräch ließ sich heraushören, dass sie christliche Regimegünstlinge aus Aleppo sind – und der sehr freundliche Sohn ließ sich von 100€ auf 70€ für eine Suite runterhandeln, da im eigentlich vorgesehenen 70€-Doppelzimmer der Duschschlauch im Arsch war... Was man aber nach dem heutigen Tag noch als im Arsch bezeichnen muss, ist die Tourismusindustrie im Libanon: dass es keine Guides und kaum Nepp gibt ist ja schön, aber dass heute kaum die Hälfte der noch 2000/ 2005 vorhandenen Hotels existiert und die restlichen Hotels (bis auf Baalbek z.B. oder das von diesen Syrern in Sur) überteuert sind, ist überhaupt nicht schön! الفقرة Statistik:
- Tageskilometer: 300 (300km Mietwagen)
- Saisonkilometer: 11.010 (6.600 Auto, davon 1.170 Mietwagen/ 2.900 Flugzeug/ 900 Bus, Bahn, Straßenbahn/ 620 Fahrrad/ 0 Schiff, Fähre)

W475VII: Länderpunkt mit unterklassigem Fußball im unruhigen Norden (Libanon, Tag 3)

At-Tadamon Berqayel ........................................ 3
Ash-Shabibeh Aashash ....................................... 2
التضامن برقايل مع الشبيبة عشاش في إطار بطولة الكأس الشمال بملعب السلام زغرتا
- Datum: Sonntag, 6. September 2015 – Beginn: 12.00
- Wettbewerb: Ka`s ash-Shamal (Bezirkspokal Nord-Libanon, Runde 1; Dawry Jamiaat al-Mantiqa al-Shamaliya al-Far‘a al-‘Akkad gegen Dawry Jamiaat al-Mantiqa al-Shamaliya al-Far‘a az-Zgharta; jeweils 5. und unterste Liga, 3. Amateurliga)
- Ergebnis: 3-2 nach 65 Min. (34/31) – Halbzeit: 2-1
- Tore: 1-0 3. Nr. 5 (Handelfmeter), 1-1 6. Nr. 14, 2-1 13. Nr. 60, 2-2 46. Nr. 8, 3-2 61. Nr. 5
- Verwarnungen: Nr. 33, 40 (Berqayel); Nr. 12 (Aashash)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Mala’b al-Mardachiyeh as-Salam Zgharta (Zgharta; Kap.: 3.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 3 (davon 1 Aashash-Fan)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Offener Schlagabtausch mit ein paar Durchhängern)

Achbal al-Mina Tripoli U16 ............................... 1
Riyadhiyien Min Ajli l-Lubnan Zgharta U16 ... 0
- Datum: Sonntag, 6. September 2015 – Beginn: 16.20
- Wettbewerb: Ka`s ash-Shamal lil-Ashbal (U16-Bezirkspokal Nord-Libanon, Finale; beide Teams Dawry ash-Shimal lil-Ashbal; jeweils 3. U16-Liga für die Jahrgänge 2000/2001)
- Ergebnis: 1-0 nach 73 Min. (35/38) – Halbzeit: 0-0
- Tor: 1-0 62. Nr. 10 (Foulelfmeter)
- Verwarnungen: TW Nr. 1 (Achbal al-Mina); Nr. 7 (Zgharta)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Mala’b al-Mardachiyeh as-Salam Zgharta (Zgharta; Kap. 3.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 30 (davon je ca. 15 für die jeweiligen Teams)
- Unterhaltungswert: 3,0/10 (Extrem schlechte 1. Halbzeit, danach qualitativ sehr mäßiges aber offenes und spannendes Spiel) تضامن برقايل مع الشبيبة عشاش Photos with English Commentary:
a) Amateur & Youth Football Cup: Tadhamon Berqayel v Shabibeh Aashash & Ashbal Mina Tripoli U16 v Salam Zgharta Academy 2nd U16-XI(District Cup of the North Lebanon at Salam Zgharta’s Mardashiyeh Stadium; Men and Under-16)
b) Ash-Shamal (North Lebanon): Horsh Arz ar-Rab Cedars Reserve, Aynata-Bcharri Mountain Pass, Ihden Sayidet Hosn Church, TRIPOLI CRUSADERS’ CASTLE

Wir frühstückten wieder beim selben freundlichen, guten und preisgünstigen Imbiss wie am Vortag, aber fuhren diesmal nach Nordwesten raus. Wie immer keine Beschilderung und auch etwas zu spät gefragt, aber wir fanden dann einen Abzweig nach Bcharri, auf dem wir uns erst nach 10km zum ersten Mal verfuhren. In ar-Ram half aber eine junge Frau weiter, die sogar problemlos eine mit lateinischen Buchstaben bedruckte Karte lesen konnte – auf dem flachen Land in einer eher konservativeren muslimischen Gegend nicht selbstverständlich, aber wahrscheinlich fährt sie selber öfter Auto oder Lieferwagen – und in Aynata ging es dann 20km lang steile, lange Kurven hoch, die einen tollen Blick in die Beqaa-Ebene und auf der Rückseite einen ebenso tollen aber leider dunstigen Blick ins Wadi Qadisha freigaben. Das Wadi Qadisha (Heiliges Tal) ist die landschaftlich schönste Region des Libanon: spektakuläre Schluchten und Bergzüge und wenn auch zersiedelt, so gibt es doch sehr viel Grün, teilweise Baumbestand und v.a. ist die Architektur, da die Gegend verhältnismäßig wohlhabend ist, nicht so hässlich und versifft wie sonst im zubetonierten Libanon. Im Heiligen Tal reiht sich Kirche an Kirche, wobei wir uns nur eine richtig anguckten: eine spektakuläre, moderne, symmetrische mit Kuppelbau und riesiger Marienfigur auf dem Dach in Ihden (Eden).

Wir fuhren über schöne Bergstraßen nach Zgharta, wo am Stadion noch nicht so viel los war, aber uns Auskunft erteilt wurde, dass ab 16 Uhr ein Jugendspiel und dann um 18h das von uns anvisierte Männerspiel sein würde. Ich merkte allerdings auch, dass dem mit einem katholischen Rosenkranz (durch das Kreuz von der islamischen Gebetskette unterscheidbar) herumfummelnden älteren Mann, ein fließend Arabisch sprechender Deutscher suspekt war: dass hat nicht nur damit zu tun, dass kaum eine Gruppierung von Arabisch-Muttersprachlern so beschissen Arabisch spricht wie die libanesischen Christen (bis auf wenige Ausnahmen haben Christen im Libanon keine vernünftigen Kenntnisse der Hochsprache und einen undeutlichen, recht weit vom Standard entfernten Dialekt), sondern man merkt auch, dass ich Arabisch nicht im Libanon gelernt habe, u.a. da ich ein hartes „K“ aussprechen kann, was in dem dümmlichen Libanesisch-Arabisch keiner macht (das k/q wird verschluckt) und Zgharta ist eine Hochburg rechtsradikaler christlicher Gruppierungen, die als Arabisch nur ihren affigen Dialekt akzeptieren, die Hochsprache für völlig veraltet oder eine „Tote Sprache“ halten und andere Dialekte (ich muss bei meiner Dialekt-Aussprache sehr komisch klingen: teils wie ein Syrer aus dem Nordsyrischen ländlichen Raum, teils kommt Marokkanisch durch) als minderwertig verachten – den „Westen“ mögen solche Leute übrigens auch nicht, denn der ist angeblich dekadent und nicht mehr richtig christlich...

Gut also in die Islamisten-Hochburg Tripoli (Tripolis, Tarablous) zu kommen: da wird man zwar gleich von Panzern begrüßt, aber die Soldaten sind sehr freundlich, können (zumindest halbwegs) richtiges Arabisch und bitten einen auch höflich in die Burg einzutreten, die über einem kanalisierten und vermüllten Fluss thront. Die Kreuzfahrerfestung wurde von den Arabern baulich noch mal verändert und ist ein sehenswerter aber sehr klotziger Bau, der sich über dem extrem heruntergekommenen Häusermeer von Tripolis erhebt. Höher sind nur manche Plattenbauten auf dem benachbarten Bergzug. Von der in weiten Teilen für knapp 3€ Eintritt zugänglichen Burg hat man einen tollen Blick von einem der Türme oberhalb des Eingangsportals auf die engen Straßen, die dicht an dicht stehenden Häuser, die vielen Moscheen aus verschiedenen Jahrhunderten, die vereinzelten Kirchen, die oftmals klapprigen Autos und natürlich auch die vielen Armeefahrzeuge – von Geländewagen bis Panzern – in denen schwer bewaffnete Soldaten patroulieren. Immer wieder sind Schüsse zu hören gewesen: einmal auch Maschinengewehrfeuer aus zwei Richtungen (also offenbar ein kurzer Schusswechsel), aber meistens handelt es sich bei Ballereien im Libanon um Jäger, Übungen von Schützen oder in die Luft schießen bei Feiern. Wenn es sich mal wirklich um Terror und Gewalt handelt, dann sind die Sicherheitskräfte meistens auf ihren Posten: oben im Burgturm z.B. wo mehrere kleine Panzerfäuste bereitstanden, die man besser nicht ins Fluggepäck schmuggelt... Eine wirklich eindrucksvolle, wenn auch nicht schöne aber dennoch sehenswerte Stadt, die durch ihre sozialen Probleme (dauernde politische und sektiererische Gewalt) jegliche touristische Attraktivität verloren hat: fast alle Hotels mussten schließen und auch Restaurants gibt es kaum. طرابلس Wir fuhren rechtzeitig wieder nach Zgharta zurück um endlich das erste Spiel im Libanon zu sehen: Länderpunkt mit einem Erstligastadion aber keinem Erstligaspiel. Im direkt an Tripolis angrenzenden und ebenfalls noch mit einer Reisewarnung belegten Zgharta steht ein sehenswertes Stadion. Im ganzen Landkreis Zgharta (Qadaa Zgharta) leben kaum 100.000 Menschen auf einer Fläche von kaum mehr als 180qkm, die sehr gebirgig und trotzdem recht dicht besiedelt ist. Daher gibt es dort auch kaum Sportanlagen in Normgröße. Die größte und beste Anlage überhaupt, die am Rande von Zgharta in Mardachiyeh liegt, sieht daher bis zu 8 Spiele pro Tag auf dem Kunstrasen. Da die beste Mannschaft aus der Ecke, der professionelle Erstligist Salam Zgharta ist, hat das Stadion auch eine gute Tribüne mit bis zu 26 Reihen roter, schwarzer, grüner und gelber Schalensitze. Die Sitztribüne ist in vier Sektoren geteilt: je ein durchgängiger rechts und links der Mitte, die Mitte wiederum in eine Ober- und Untertribüne geteilt, wobei oben gepolsterte Sitze mit Lehnen unterhalb eines Sprecherturms und spektakulärer Presseplätze – Art Schulbänke auf einem Gerüst – warten. Von allen Plätzen hat man einen schönen Blick in die Berglandschaft des Nordlibanon.

Außer dem Profiteam, dessen Präsident ein Pfarrer aus dem berühmten Frangieh-Clan ist, kicken hier auch Amateurteams aus den Ligen 3 bis 5 und diverse Jugend- und Frauenmannschaften. Heute wurde hier das Finale des U16-Bezirkspokals (entspricht etwa unserer C-Jugend) ausgetragen: die „Jungen Leute vom Hafen“ (Achbal al-Mina) aus Tripolis trafen auf die 2. C-Jugend Mannschaft von Salam Zgharta, die unter dem Namen Riyadhiyien min Ajli l-Lubnan (Sportler für den Libanon) firmiert. Beide Teams spielten grauenhaften Fußball und man wunderte sich, dass es noch eine Liga darunter gibt und nur zwei darüber. Kaum ein Pass kam an, kaum ein Schuss auch nur in Tornähe. In der zweiten Hälfte wurde es etwas besser, wobei dann die aktivere Mannschaft (Salam Zgharta II) einen Konter fing, den sie nur mit einem Foul stoppten: ein platzierter Elfmeter folgte und das viel umjubelte 1:0. Die Fans aus Tripolis (v.a. B- und A-Jugendliche) hatten schon angefangen die eigene Mannschaften vollzumaulen, von wegen: „los jetzt hier, ihr Zigeuner!“ – nun feierten sie sie ab. طرابلس Nach der Pokal- und Medaillenübergabe an die siegreiche Truppe des 2000er-/2001er-Jahrgangs fand eine Partie des Bezirkspokals der Männer statt, die uns eigentlich interessierte. In der 1. Runde, die in Gruppenform ausgetragen wird und in der erstmal nur Teams aus der 5. und untersten Spielklasse, der Kreis- und Gemeindeligen, antreten, absolvieren die Teams zwei bis drei Spiele pro Woche, weswegen die Spielzeit nur sehr gewöhnungsbedürftige 65 Minuten beträgt.

Der Ortsname Zhgarta bedeutet übrigens im Alt-Syrischen „Barrikaden“ – gebaut hat heute aber keiner welche. Außer uns schaute nämlich nur eine junge Spielerfrau eines Kickers aus Aashash bei dem Spiel zu. Im Libanon ist die Fußballszene so tot wie nirgendwo anders im Nahen Osten – trotz Syrienkrieg und Irakkrise. Action bekommt man beim Basketball geboten und nur vereinzelt bei Spielen der 1. Fußballliga.

Die eine Mannschaft kam also aus Ashash (Shabibeh = Jugend) , was 5km südöstlich von Zgharta im selben Landkreis liegt und die andere aus dem 20km nordöstlich gelegenen Berqayel (Tadhamon = Solidarität) im Landkreis Akkar, der aufgrund von Drogen- und Bandenkriminalität in Verruf geraten ist. Auch während des Spiels wurde wieder in nächster Nähe mit Gewehren geschossen und nicht nur mit Fußbällen, aber da ballerte nur einer Wachteln weg. Auf dem Spielfeld war auch richtig Action, denn Berqayel verwandelte einen Handelfmeter sehr früh, doch kurz darauf köpfte Aashash den Ausgleich aus 15m ins lange Eck. Wieder vergingen nur 6 Minuten im offenen Schlagabtausch ehe Berqayel erneut traf: ein abgerutschter Kopfball doch der Torwart greift vorbei und die Pille dreht sich ins Eck. Dann ein Durchhänger, doch nach der Pause kam das Spiel wieder besser in Fahrt und Aashash glich mit einem wuchtigen Schuss von der Strafraumecke hoch ins lange Eck aus. Am Ende siegte dennoch Berqayel, denn ein 30m-Freistoß rutschte dem schwachen Aashash-Schlussmann über die Hand ins lange Eck: 3-2 in einem unterhaltsamen Amateurspiel.

Wir waren dann noch etwas teuer aber ganz gut in Stadionnähe essen und fanden erst gegen Mitternacht ein Hotel an der Küste: 10km nördlich von Byblos an irgendeinem Strand; „Sundowner“ hieß der Schuppen und knapp 45€ für ein mittelmäßiges Doppelzimmer. اشبال الميناء تحت ١٥ مع نادي الرياضيين من اجل لبنان Statistik:
- Grounds: 1.453 (1 neuer; diese Saison: 38 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.477 (2; diese Saison: 43)
- Tageskilometer: 240 (240km Mietwagen)
- Saisonkilometer: 10.710 (6.300 Auto, davon 870 Mietwagen/ 2.900 Flugzeug/ 900 Bus, Bahn, Straßenbahn/ 620 Fahrrad/ 0 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 42 [letzte Serie: 93, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 475.

W475VI: Die Tempel von Baalbek, einige Zedern und ein bisschen Beiruter Chaos (Libanon, Tag 2)

بعلبك
Photos with English Commentary:
a) BEKAA: BAALBEK TEMPLES
b) Mount Lebanon: Chouf Cedars Reserve and Mountains

Wir hatten ja in Baalbek übernachtet, sodass wir nach dem guten und preisgünstigen Frühstück gleich die berühmten Tempel besuchten. Die drei außen gelegenen Bereiche sind derzeit wegen Grabungsarbeiten gesperrt, sodass man diese nur vom Weg aus sehen kann, doch im Hauptkomplex bekommt man für die für libanesische Verhältnisse sehr teuren 9€ Eintritt schon sehr viel geboten. Etwa zwei Stunden braucht man, um die ganzen eindrucksvollen Ruinen – riesige Säulen, klobige Steingebäude, filigrane Steinmetzarbeiten – und das im Keller des einen Tempels befindliche Museum mit Infos in Arabisch, Englisch, Französisch und auch Deutsch zu besichtigen. Ein syrischer Reisender des 17. Jahrhunderts aus der Sufi-Mystiker-Ecke (an-Nablusi) hatte ja mal gemeint, dass dieser Tempel nicht von den Römern gebaut worden sein kann, weil er viel zu schön ist – da müssen Geister und Kobolde (Dschinnen) am Werk gewesen sein...

Außer den tollen Tempeln hat Baalbek noch eine protzige schiitische Moschee, die mit Panzersperren gesichert ist und sehr hohen Sicherheitsvorkehrungen unterliegt, zu bieten. Die Privathäuser der Stadt sind nur sehr vereinzelt in gutem Zustand, etliche Straßenzüge sind sehr heruntergekommen. Im Umland von Baalbek gibt es übrigens noch kleinere Ruinen von weniger bedeutenden Tempeln und auch einem römischen Steinbruch – dort sprengten die Römer Felsbrocken, indem sie mit Metallwerkzeugen Löcher in Felsen schlugen und dort trockene Holzkeile hineinschoben, die sie wässerten bis das Holz so aufquoll, dass es den Felsbrocken zersprengte.

Touristisch ist in Baalbek aber genauso wenig los, wie im restlichen Libanon, da Teilreisewarnung bzw. im Falle von Baalbek sogar ausdrückliches Abraten vor Reisen. Allerdings ist die Hisbollah dem Tourismus fast so zugetan wie dem Terrorismus, sodass es Blödsinn vom Auswärtigen Amt ist, speziell vor einem Besuch von Baalbek zu warnen. Nördlich Richtung Irsal wegen häufiger Schießereien und Bandenkriminalität (Drogenschmuggel, Entführungen – von Hisbollah-Gruppen wie auch von sunnitischen Extremisten) ist das richtig – aber nicht Baalbek! Dort waren zwar auch am Freitagabend und sogar Samstagmorgen Schüsse zu hören, doch wurde da nur wegen einer Hochzeit in die Luft geschossen und am anderen Tag offensichtlich an einem Schießstand geübt. Übrigens sind Waffengeschäfte im Libanon noch häufiger und auffälliger als in Deutschland, v.a. Zahleh scheint da eine Hochburg zu sein – in Deutschland sieht man nämlich nie Leuchtreklame „Baretta Shotgun – only 350$“... بعلبك Weiter ging es an Zahleh vorbei nach Kifraya und von dort eine abenteuerliche Serpentinenstraße mit tollem Blick in die Beqaa-Ebene nach Ech-Chouf hoch. Dort stehen in schöner Berglandschaft einige Zedern und andere Nadelbäume herum. Der libanesische Nationalbaum unterliegt in dieser Ecke natürlich besonderem Schutz. Weiter ging es über enge Bergstraßen und eine etwas breitere auf die völlig überlastete, mehrspurige, aber sehr schlechte Straße nach Beirut. Am Rande stehen immer wieder Ruinen der stillgelegten Eisenbahn.

An diesem Wochenende war fußballerisch nicht so viel los, sodass wir zum Futsal – nach Basketball und Fußball Sportart Nr. 3 im Libanon – wollten. Gleich drei Spiele waren in der Sporthalle Emile Lahoud – benannt nach einem ehemaligen Staatspräsidenten Libanons, der ein pro-Syrischer Militär armenischer Abstammung und einer der größten Vollpfosten der im Libanon an der Macht war, ist – am Rande von Beirut auf einem Berg im Stadtteil Sebtiye unweit der St. Joseph University angesetzt. Dort angekommen stellten wir fest, dass die Sporthalle dem Militär gehört. Die schwer bewaffneten Soldaten waren sehr freundlich, ließen uns auch auf ihrem Parkplatz parken, nachdem sie pro forma Motorraum und Kofferraum kontrolliert hatten, meinten aber, dass wohl kein Spiel sein werde, da heute keine Mannschaften angemeldet seien. Als ich die Ansetzung ausgedruckt zeigte, rief einer der Soldaten bei der zuständigen Stelle an und brachte in Erfahrung, dass gestern der Verband alle Spiele der 1. Liga abgesagt hat, da die Futsal-Nationalmannschaft zu einem Qualifikationsturnier nach Malaysia aufgebrochen ist.

Wir wollten eigentlich gleich nach Baalbek zurückfahren, bogen aber ein, zwei Mal falsch ab und nahmen dadurch einen Bogen um die Innenstadt entlang der Corniche, deren gesichtslose aber nicht unbedingt hässliche Hochhausarchitektur die im US-Stil alle älteren Gebäude überragt und teilweise verdeckt. Erst dann kamen wir wieder auf die Hauptstrecke nach Osten, die sich mit enormen Höhenunterschieden über den Mont Liban schlängelt. In Baalchimay bei Bhamdoun gingen wir gut aber nicht so preisgünstig wie z.B. in Anjar oder Baalbek (Essen ist in der Beqaa billiger als in anderen Teilen des Landes: Grillteller mit Salat und großen Getränken kosteten für zwei Leute hier bei Beirut 40.000 Lira = fast 24€, in Anjar nur 28.000 = kaum mehr als 16€).

Auch in Zahleh war dann wieder die Strecke überlastet wie in NRW und bis Baalbek wurde wild kreuz und quer gefahren. Aber egal wie man fährt: besonders große Entfernungen schafft man nicht in einer Stunde. Oft nicht mehr als 45km. الشوف محمية الارز Statistik:
- Tageskilometer: 270 (270km Mietwagen)
- Saisonkilometer: 10.470 (6.060 Auto, davon 630 Mietwagen/ 2.900 Flugzeug/ 900 Bus, Bahn, Straßenbahn/ 620 Fahrrad/ 0 Schiff, Fähre)

W475V: Ruinen der Römer, Byzantiner, Umayyaden und Kreuzritter garniert mit viel Politik (Libanon, Tag 1)

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Photos with English Commentary:
a) Al-Janoub (South Lebanon): Sur (Tyre) Phoenician and Roman Ruins, Dayr Kifa Castle Ruin
b) Bekaa: Anjar Umayyad City, Baalbek Temples at Night

Wie gesagt waren wir 2 Uhr morgens am nach Rafik Hariri benannten Flughafen gelandet. Hariri war ein libanesischen Politiker, der 2005 von Assad unterstellten syrischen Geheimdienstlern bzw. Terroristen, die Handlanger eben dieses verbrecherischen Geheimdienstes sind, ermordet wurde, da seine Politik gegen die Besatzung des Libanons durch die sogenannte Syrisch-„Arabische“-Armee, welche wiederum seit Beginn der Syrischen Revolution 2011 nur noch in Fragmenten existiert und einzig durch schiitische Terrorbanden (finanziert von Hisbollah, dem iranischen Regime und teilweise auch palästinensischen und russischen Kräften) und kriminelle Bürgerwehren (vor 2011 lokale Schutzgelderpresser und Drogenhändler, die die Polizei schmierten – heute Warlords, die die Polizei ersetzt haben) in immer noch ca. 30% Syriens die Herrschaft für Assad bewahrt.

Die halbwegs freundlichen Zollbeamten erklärten uns, dass wir als Deutsche kein Visum mehr brauchen, sodass wir zu unserer Überraschung um eine Zahlung von 30-50€ pro Person herumkamen. Gratis den Stempel in den Pass und dann für einen Preis fast wie in Deutschland einen ordentlichen Mietwagen – Honda City, aber bescheuerterweise Automatik – bei Hertz abgeholt.
Wir fuhren dann am Flughafen gleich rechts. Fährt man links ab, kommt man sofort auf die Hafiz al-Assad-Straße und nach 2,5km am größten Stadion des Landes, dem Camille Chamoun Sportkomplex vorbei, welches direkt an der Hafiz-alAssad-Straße liegt. Also als richtiger Libanese wollte ich keine solche Postanschrift haben: man stelle sich mal einen deutschen Fußballverein vor, der im Vereinsregister oder beim Verband die Sportplatzadresse „Hermann-Göring-Allee 18“ angeben müsste...
Warum die nach dem syrischen Diktator, der mit seinem Putsch 1966 den Grundstein für den das Land nach und nach politisch, wirtschaftlich und sozial ins Unglück stürzenden arabischen Nationalsozialismus in Syrien legte, benannte Straße seit 2005 immer noch nicht umbenannt wurde, verstehe ich nicht. Vielleicht weil rechts und links der Straße lauter Problemviertel liegen oder die Hisbollah-Anhänger doch so zahlreich sind – die sind ja auch nicht nur Schiiten sondern teilweise auch Katholiken, Orthodoxe oder ganz selten auch Säkulare. Wobei andererseits auch nicht alle Schiiten pro-Hisbollah sind, weil sie sehen, mit welchen kriminellen Methoden die „Partei Gottes“ eine relative Sicherheit in ihrem Staat im Staate garantiert und wo sie überall Stellvertreterkriege führt und Terrorakte verübt. Bandenchef Nasrallah nennt solche kritisch gesinnten Glaubensbrüder übrigens „Schiiten der amerikanischen Botschaft“ (quasi von der US-Botschaft bezahlt), weswegen sich die schiitische Opposition diesen Spottnamen selber zueigen gemacht hat: ash-shi’a as-sifarah... بالقرب صور Wir fuhren bis Sur (Tyre, Tyros) durch. Zwei Mal wurden wir von schwer bewaffneten Polizeikontrollen angehalten und freundlich kurz ausgefragt, zwei Mal verfuhren wir uns auch, da die Beschilderung im Libanon unter aller Sau ist (dass die Schilder meist nur Arabisch sind ist mir egal, aber wenn es keine gibt oder die Gangster von der Hisbollah oder Amal-Bewegung selbige mit Wahlplakaten zugehängt haben, kann ich auch keine lesen) wobei das Land das dichteste Straßennetz im Nahen Osten hat. In Sur parkten wir uns an die Corniche in die Nähe des Leuchtturms und pennten noch – völlig ungestört, obwohl immer wieder Leute vorbeigingen: Libanesen sind halt offensichtlich ein ganz anderes Volk als Marokkaner, bei denen man keine 5 Minuten alleine irgendwo sitzen kann, ohne dass der „Missjöh“ mal was kaufen/ gucken/ machen soll – bis es richtig hell und das Wetter ekelhaft schwül geworden war. Die Stadt Sur selbst ist nicht unbedingt schön, aber die römischen und byzantinischen Ruinen in den Ortsteilen al-Mina und al-Bass sind sehr sehenswert. OK, Mina finde ich etwas überschätzt, sodass wir nur von außen schauten, da man die gesamte Anlage mit Säulenstraßen und Grundmauern gut einsehen kann. Aber Bass ist richtig sehenswert und lohnt sich für die rund 3€ Eintritt: ein riesiges Hippodrom mit teilweise noch erhaltenen bzw. rekonstruierten Tribünen, eine lange gepflasterte Säulenstraße, viele kleine Nebengebäude, Grundmauern, Torbögen, einzelne Mosaike und extrem viele (oft verzierte) Steinsarkophage. Das einzig erschreckende: wir waren von 8.15 bis 9.30 (geöffnet wurde 8h) die einzigen Touristen. Freilich hat das seine Vorteile: kein Change, kein Taxi, kein Guide – aber für die mit Herzblut bei der Sache stehenden Verantwortlichen ist das zum Kotzen, dass in den Libanon nach einem Zwischenhoch trotz nun diverser Visumslockerungen (die aber beim Auswärtigen Amt z.B. oft gar nicht aktuell erwähnt sind) kaum Touristen reisen!

Dabei gibt es mehr als nur dieses Party- und Krawall-Moloch Beirut dort zu sehen: teilweise ganz schöne Berglandschaft, ab und an (aber eher selten) schöne Küstenabschnitte und v.a. etliche historische Bauten. OK, die Burg von Tebnine haben wir nicht gefunden, aber dafür stand in Dayr Kifa unerwartet ein Hinweisschild (sogar mit englischer Übersetzung), das auf die Kreuzritterburg in eine enge Straße am Berghang hinwies. Vorm Tor kann man Parken. Ist das Haupttor zu, steigt man einfach hinten durch andere Tore (den staubigen Weg an den hellen Mauern entlang gehen) ein... Die Anlage ist sehr ausgedehnt und recht sehenswert. Die Schauseite zu einem tief eingeschnittenen Tal hin wurde restauriert. Innen gibt es außer gut erhaltenen Kellergewölben aber auch sehr viel Schutt zu sehen...

Weiter ging es durch furchtbar zersiedelte Berglandschaft, deren öde gesichtslose Dörfer nur durch die ein oder andere ansehnliche Moschee oder Kirche bzw. auch den teils sehr unterschiedlich gekleideten Menschen diverser Ethnien (von sehr hellen Arabern über Griechen, Beduinen-Arabern und Domar-Zigeunern bis hin zu Schwarzafrikanern war alles dabei und im konservativ-schiitischen Süden fällt auf: kaum weltliche Schiitinnen wie im Iran und v.a. noch weniger der klischeehaft aufgedonnerten libanesischen Schönheiten in kurzen Röcken, die das Bild eines angeblich so westlichen und liberalen Libanons völlig verzerren) aufgelockert wurden. عنجر Noch auffälliger waren in den Bezirken Jenoub, Nabatieh und Beqaa, dass hier die Hisbollah („Partei Gottes“, von Gegnern auch als Hisbashshaitan: Partei des Teufels) bezeichnet ohne Ende Banner und Plakate ganz offiziell aufhängt: Märtyrer im Kampf um Jerusalem, Gotteslob und religiöse Formeln für Ali, Maschinengewehr-Standbilder, Porträts von Nasrallah/ Khomenei/ Assad Junior und Senior oder auch ein riesiges Metallbanner „Israel wird fallen“... Auch anderes asoziales Pack ist sehr präsent: die Amal-Bewegung, eine konservativ-schiitische Partei mit pseudo-kommunistischen Ideen und gefährlichem militantem Arm, und die Nationalsozialistische Partei Syriens hat auch (v.a. in Nabatiyeh und Mashgharah) einige Flaggen [Link: Wikipediafoto] aufgehängt.

Auf den gesamten 360 Tageskilometern wirkte die Sicherheitslage übrigens nie irgendwie bedrohlich, auch wenn v.a. im Bezirk Bekaa immer wieder (teils museumsreife und dennoch genutzte) Panzer und Militärs mit großen Schusswaffen (teils auf Pickups befestigte Maschinengewehre) die Vorbeifahrenden mehr oder weniger kontrollierten. Einmal wurden wir auch weggeschickt, da wir den Litani auf der B6 Richtung Anjar queren wollten. Das ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung Zivilpersonen und v.a. Ausländern nicht gestattet – aber freundlich wurde uns eine Umleitung beschrieben, auf der wir – nach etwa 15 Mal nach dem Weg fragen auf 50km – auch nach Anjar kamen. Diese kleine Ortschaft lohnt sich vor allem wegen der recht ausgedehnten Ruinenstadt, die von den Umayyaden im 8. Jahrhundert auf den Mauern einer römisch-byzantinischen Stadt errichtet wurde: tolle Säulenstraßen, interessante gleichförmige Ladenstraßen, symmetrische Bauweisen, Mosaike und Nadelbäume in Berglandschaft. Die Anlage ist auch gepflegter als z.B. in Sur, wo im konservativ schiitischen Hafenort überall leere Bier- und Wodkaflaschen rumlagen... Interessant ist aber auch, dass in Anjar größtenteils Armenier leben, deren Angehörige von den Türken 1915 abgeschlachtet bzw. vertrieben wurden. Das Willkommensschild und alle Straßennamen der halbwegs gepflegten und übersichtlichen Stadt sind in Arabisch, Englisch und Armenisch gehalten, man sieht immer wieder die rot-blau-orange armenische Flagge und Banner zum Völkermordjubiläum 2015 und auch politische Parolen wie „Turkey is guilty of Genocide“.

Im Anschluss fuhren wir durch die dichte Bebauung und vorbei an lauter ärmlichen Lagern, in denen offensichtlichen Domar in Zelten hausten und Landarbeit verrichteten. Die Domar werden oft fälschlich als Turkmenen (Turkmân) bezeichnet, sind aber eine indische Ethnie, die bei einer Völkerwanderung vor über 1.000 Jahren in Massen von Zentral(?)indien zusammen mit den Roma gen Nahost auswanderten: die Gruppe die es nach Europa verschlug, ist als Roma bzw. Zigeuner bekannt, in Syrien/ Libanon/ Jordanien etc. ist die sprachlich, phänotypisch und genetisch eng verwandte Volksgruppe als Domar geläufig. Domar bzw. „dumariyun“ ist aber sehr politisch korrekt, nur meinte eine syrische Freundin arabischer Herkunft, dass ich lieber dieses Wort benutzen soll, da das gängigere Ghajar in etwa einen asozialen, diebischen Landstreicher/ Zigeuner bezeichnet und das ebenfalls geläufigere Nouri einen asozialen, diebischen und obendrein noch ungläubigen (das Feuer anbetenden) Landstreicher/ Zigeuner meint... In jedem Fall sind die Domar im Nahen Osten nirgendwo so schlecht dran wie im Libanon, was allerdings für die syrischen Flüchtlinge, die oft recht- und teilweise wohnungslos im Libanon (nicht aber z.B. in Jordanien) sind, ebenso gilt.
In Baalbek sind durch den Einbruch der Touristenzahlen einige Hotels dicht. Scheinbar auch das berühmte Hotel Palmyra oder zumindest dessen Anbau, aber in einem interessanten alten Haus mit der Aufschrift „Pension“ direkt vor den Tempelruinen kamen wir für 36€ (runtergehandelt auf 32€) pro Nacht/ Zimmer. بعلبك Statistik:
- Tageskilometer: 3.560 (2.900km Flugzeug, 360km Mietwagen, 300km Bahn und Bus)
- Saisonkilometer: 10.210 (5.790 Auto, davon 360 Mietwagen/ 2.900 Flugzeug/ 900 Bus, Bahn, Straßenbahn/ 620 Fahrrad/ 0 Schiff, Fähre)

W475IV Vorwort, Anreise; Libanon und Jordanien

Schon seit Anfang 2014 (Mauretanien) hatte ich keinen neuen Länderpunkt in der arabischen Welt mehr gemacht. Nun ergab es sich im September mal in eine andere Ecke als Nordafrika zu fahren: in den berühmt berüchtigten Nahen Osten, wobei Jordanien zu Unrecht berüchtigt ist. Bei Libanon sieht es da schon anders aus. Wir reisten trotzdem erstmal in den Zwergstaat mit den Zedern, der das einzige arabische Land ist, dessen Landesfläche 0% Wüste aufweist (es gibt nur verschiedene Formen der Berg- und Küstenlandschaft und Weideland; keine Wüsten oder Halbwüsten – und auch keine Kamele) und dann weiter in das zu mehr als 80% aus Wüste und Halbwüste bestehende Königreich zwischen Syrien und Saudi-Arabien, Irak und Israel sowie Palästina.

Die Ansetzungen waren in Jordanien über Internet- und Facebookseiten von den einheimischen Verbänden erstaunlich pünktlich da und auch sehr zuverlässig – nicht schlechter als in Deutschland, wenn auch natürlich aufgrund der viel geringeren Einwohnerzahl nicht so viele Spiele stattfinden und außer Fußball und Basketball alles als Randsport bezeichnet werden muss, über den man nicht immer rechtzeitig auf Facebookseiten und Zeitungswebauftritten erfährt. Libanon war etwas weniger gut organisiert, aber über Facebook und Co. auch gut zu finden. Im Libanon ist die Randsportszene auch noch bunter, was man im Gegensatz zu Jordanien, wo fast alle Webauftritte nur Arabisch sind, auf dem englisch-libanesischen „sports-961.com“ auch als ein nur des Englischen mächtiger Groundhopper mitbekommt.

Vor der Feinplanung stand die Grobplanung an und das leidige Thema der Flugbuchung. Wir mussten die Flüge von Jordanien zurück nach Deutschland von einem anderen Computer buchen, da uns die Griechenschweine von Aegean Airlines abzocken wollten. Auf einem anderen Computer, der keine Cookies vom Flug Berlin-Athen-Beirut hatte, waren die Tickets urplötzlich 100€ billiger als nach Buchung des Fluges nach Beirut und des Weiterfluges von dort nach Amman mit der Royal Jordanian, die auch unlautere Geschäfte macht: in der Zeit, als man als Libanese normalerweise preisgünstig mit dem Auto via Syrien nach Jordanien einreiste und umgekehrt (Beirut nach Amman; reine Fahrt 4-5 Stunden, mit Grenzwartezeiten bis zu 12 Stunden, aber immer günstiger als Fliegen), waren die Flugtickets deutlich preisgünstiger als heutzutage. Unter aller Sau auch die Buchung der Mietwagen. Bei Hertz Libanon waren Preis und Konditionen noch OK, aber in Jordanien gibt es wohl unheimlich viele unseriöse Lizenznehmer: bei Hertz ein völlig überhöhter Preis, sodass wir zum ersten Mal seit Jahren wieder auf Avis zurückgriffen, die nur 65% des Preises von Hertz verlangten. Schlecht war dann aber auch dort das unübersichtliche Buchungsportal: soll mal einer die Anmietstationen „Flughafen Amman“ und „Amman Flughafen“ auseinanderhalten! Korrekt wären „Marka Airport“ (nur regionale Verbindungen) und „Queen Alia International Airport“ (die Station brauchten wir, wie auch 99% der anderen ausländischen Touristen: und trotzdem ist die Station an zweiter Stelle erst aufgeführt und so unklar bezeichnet, dass man meinen muss, AVIS will die Kunden fälschlich nach Marka schicken, um noch irgendwelche Gebühren einzustreichen). Im Übrigen war der KIA von AVIS auch ziemlich schlecht, der Hyundai von Hertz war ganz gut.

Wir hatten uns auf den Abflugort Berlin geeinigt, wo von Tegel aus der Vogel der Aegean Airlines nach Athen und nach 4 Stunden Umsteigezeit ein anderer Vogel nach Beirut abhob. Um von Rostock nach Berlin zu kommen, muss man mit einer ordentlichen Zugverbindung und dem mittlerweile sehr teuren „Quer-durchs-Land-Ticket“ (2 Personen ca. 52€) via Schwerin bis zum Bahnhof Jungfernheide, von wo aus ein beschissener Shuttlebus für 1,60€ p.P. genommen werden muss. Und dann ist der Flughafen in Tegel überall zu eng, hat kaum Sitzgelegenheiten etc. Was ein Drecksflughafen! Auch Athen ist nicht unbedingt ein preisgekrönter Top-Flughafen, aber allemal besser und die Aegean Air machte auch insgesamt einen guten Eindruck: pünktlich, die übliche aufgesetzte aber sympathische Freundlichkeit der Griechen, halbwegs ordentliches Essen. Aber insgesamt war man wirklich ewig unterwegs um im nur 2.900km Flugstrecke entfernten Beirut gegen 2 Uhr morgens anzukommen...

Irgendwie sind wir aber auch trotz idiotischer Flugzeiten doch gut angekommen – nach Jordanien ist ja die Flugverbindung nicht so blöd gemacht – sodass nun nur noch Libyen, Ägypten, Sudan, Jemen, Bahrain, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien, Palästina und Irak bei den arabischen Länderpunkten fehlen. Die andere Hälfte habe ich schon...