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Montag, 26. März 2012

IND-XVII: Diesmal ein Fußballwochenende in Kochi (Teil 2)

* Lang lebe der Fußballclub des Landes der Kokospalmen! *

„Chirag“ United Club Kerala 3:2 Shillong Lajong F.C.
Datum: Samstag, 24. März 2011 – Anstoß: 15.00
Wettbewerb: I-League (1. indische Fußballliga/ Profiliga)
Ergebnis: 3:2 nach 95 Min. (46/49) – Halbzeit: 1:0
Tore: 1-0 45. Vineeth C. K., 1-1 60. John D. Menyongar, 2-1 60. David Sunday, 3-1 75. Vineeth C. K., 3-2 83. Boithang Haokip
Verwarnungen: Sukhwinder Singh, Sherin Sam (Kerala), John Lalramluaha (Shillong)
Platzverweise: keine
Spielort: Jawaharlal Nehru International Stadium Kochi/ Cochin (Kap. 60.000, davon 30.000 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 150 (davon ca. 10 Gästefans)
Unterhaltungswert: 4,0/10 (Viel Leerlauf, wenige Höhepunkte – toll wie einfach man in Indien Geld mit Fußball verdienen kann...)
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Photos and English Version:

Der Vormittag war zum Abgrasen der Sights auf Vypeen Island gedacht. Man könnte natürlich auch auf Fort Kochi ein Fahrrad mieten und das mit der Fähre rüberbringen, aber wir nahmen doch lieber eine Rikscha, deren Fahrer Edward seine Karre "Jerusalem" getauft hatte und uns erst einmal nach Norden zur portugiesischen Festung brachte. Die kannte er selbst noch gar nicht, sodass er sich den kleinen sechseckigen Bau mit uns zusammen anguckte. Für Strandimpressionen fuhr er uns an eine Stelle, wo nur Einheimische unterwegs waren. Für die war es dann ganz lustig, mal Ausländer zu sehen. Ein paar Jugendliche machten Fotos mit uns zusammen... Als Christ konnte Edward uns natürlich noch zu zwei bedeutenden Kirchen lotsen. Die erste war nahe der portugiesischen Festung gelegen und mit den Engelsfiguren am Eingang schon unheimlich kitschig, aber gut gelungen neben eine historische kleine portugiesische Kirche aus dem 16. Jahrhundert gesetzt. Die zweite befindet sich auf dem benachbarten Vallarpadam Island und schießt in Sachen Kitsch natürlich den Vogel ab. Der Rosary Park, der vor der protzigen lateinischen Our Lady of Ransom Church den Lebensweg Jesu nachzeichnet, ist eine ausgefallene und interessante Idee – so albern auch die Ausgestaltung mit den Kunststofffiguren in den Plaste-Baumstämmen ist...

Wenn man die Anzahl und vor allem Pracht der Kirchen in Kerala ins Verhältnis zur fast ebenso hohen Anzahl aber geringen Pracht der Moscheen und eher geringen Anzahl und (wenn überhaupt) alten Pracht der Hindutempel setzt, und zudem in Erfahrung bringen konnte, wie viel Geld davon aus den USA, England, Österreich usw. stammt, weiß man was hier die Stunde geschlagen hat: diverse christliche Gemeinden in Indien stellen arrogant ihren Reichtum und ihre Connections zu teilweise höchst zweifelhaften Gemeinden in Europa und Amerika zur Schau und meinen, sie müssten krampfhaft – obwohl sie nach Muslimen und deutlich nach Hindus nur die drittgrößte Religion in Kerala sind – immer neue und immer schönere Kirchen bauen. Nur damit sie präsenter sind. Scheiß egal ob man die Kirchen nun braucht und voll kriegt bei den Gottesdiensten oder nicht. So eine Bereicherung das ganze aus architektonischer Sicht ist: eine Kirche ist nun mal nicht einfach irgendein architektonisches Bauwerk. Es steht auch eine religiöse Botschaft dahinter und – gerade auch Indien – nicht zuletzt auch ein politischer Inhalt. Dieses penetrante Zuschaustellen beherrschen in Kerala übrigens zwei politisch-religiöse Gruppen ganz besonders: die Christen und die Kommunisten...

Wir ließen uns wieder nach Ernakulam per Fähre übersetzten und latschten in den Nachbarstadtteil Kaloor. Dort sind die Leute keine Touris gewohnt und außerdem noch weitestgehend muslimisch. Interessant, wie dann die Inder – die meistens trotz der Temperaturen reichlich kühl sind – plötzlich doch arabische (also einfach herzliche) Gastfreundschaft kennen! In einem kleinen muslimischen Restaurant, wo man ein Tagesgericht mit gebratenem Fisch, Gemüse und Reis auf einem Bananenblatt statt einem Teller serviert bekam, bediente uns ’Isa aus Calicut. Der war als Muslim ganz begeistert, dass ich Arabisch spreche. Dass wir auf dem Weg zum Fußball waren, fand er auch klasse. Das mehrheitlich muslimische Calicut (Kozhikode) ist ja auch die Fußballhochburg im Bundesstaat Kerala! Wobei er ja lieber Bayern München (indisch englisch natürlich „Baiyaan Mjuunikk“ gesprochen guckt – kein Wunder bei dem Niveau in Indien...

Im riesigen und architektonisch richtig schönen Kaloor International Stadium – bzw. Jawharlal Nehru Stadium – fand ein Erstligaspiel zwischen United Kerala und Shillong Lajong statt. Wir nahmen die mittlere Preiskategorie: 50 Rupien (0,80€) für einen Sitz im Unterrang. Der Oberrang kostet nur 20 und VIP-Sitze 100 Rupien. Man kriegt nicht einmal 7 Liter Mineralwasser oder 2,5l Fruchtsaft für den niedrigen Preis dieser VIP-Logen Plätze! Die Sicht ist natürlich, da das Stadion in erster Linie für Cricket gebaut wurde, nicht so toll, da man sehr weit weg vom Spielfeld sitzt, aber das Stadion ist dadurch regelmäßig oval. Die bunten Sitze, die ihre Farbe je nach Sektor wechseln, befinden sich zumeist im Unterrang. Auf nackten Beton-Stehstufen hält man sich im Mittel- und Oberrang (Gallery) auf. Gerade diese Gestaltung mit drei Rängen ist sehr beeindruckend. Größtes Highlight ist aber die Flutlichtanlage: so filigran geschwungene Flutlichtmasten sind mir bisher in den weit über 500 besuchten Fußballstadien noch nie untergekommen!
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Ärgerlicherweise war das Stadion das Beste am ganzen Spielbesuch. Wie Nils schon anmerkte: „Also Action wird’s hier keine geben auf der Tribüne... Hooligans haben’s hier ja echt schwer! Wie willste denn hier ne Schlägerei anfangen?! Über 30 Meter Entfernung ,Ey was guggste mich so blede an? Paar offs Maul?!’ rufen klappt doch sicher nicht...“ Keine Fans und keine Stimmung, also wäre Action auf dem Spielfeld zu erhoffen. Die I-League ist ja schließlich die indienweite oberste Spielklasse, eine Profiliga. Doch viel verdienen kann man da meist nicht und erschreckend ist die Dominanz ausländischer Spieler in Sachen Leistung. Die Torschützenliste liest sich nach 21 Spieltagen so: 1. Soleye von Dempo Goa, Nigerianer (25 Treffer); 2. Okolie von Mohun Bagan, Nigerianer (19); 3. Ozbey, East Bengals, Australier, (14); 4. Moja, SC Goa, Südsudanese (13). Es folgen weitere Kicker aus Nigeria oder auch Mali, Gabun und Brasilien. Der erste indische Torschütze befindet sich auf Rang 12, spielt für Air India und hat 7 Treffer in 21 Spielen geschafft...

Zu den 14 besten Mannschaften Indiens zählen neben den zwei berühmten (East Bengals Club und Mohun Bagan) und den beiden nicht berühmten (Prayag United, Pailan Arrows) Clubs aus Kalkutta, vier Vereine aus Goa (Sporting Clube, Churchill Brothers, Dempo und Salgaocar Vasco da Gama), zwei Clubs aus Mumbai (Bombay) und einem aus dem nahe Mumbai gelegenen Pune sowie je einem Club aus Bangalore und Shillong, auch ein Verein aus Kerala, der die angeblich besten Spieler aus Kerala und ein paar Ausländer zu einer Mannschaft formt. Der Verein wurde auf Geheiß des neuen Sponsors „Chirag Computers“ zu dieser Saison von Viva Kerala in „Chirag United FC Kerala“ umbenannt. Der Spielort wechselt je nach Saison und ob Hinrunden- oder Rückrundenspiel zwischen Calicut, Trivandrum und Cochin. Heute wurde wie oben beschrieben in Kochi, im drittgrößten Stadion Indiens gespielt. Da es der Behörde für Stadtplanung des Großraums Kochi (Greater Cochin Development Authority) gehört, trägt es einen typischen offiziellen Namen: Jawaharlal Nehru Stadium, nach dem ersten Premierminister Indiens. Die Benennung des Stadions ist aber nur eine angemessene Respektsbekundung an einen ungewöhnlichen Politiker: kam zwar aus Allahabad (wörtlich: „Gottesstadt“), war aber Agnostiker; er hatte weder Wahlbetrug noch Kriegstreiberei nötig, was ihn von den meisten indischen Politikern am meisten auszeichnet, und trat für die blockfreien Staaten, ein Wirtschaftssystem zwischen sozialistischer Plan- und kapitalistischer Markwirtschaft und säkulare Demokratie ein. Wobei Letzteres noch das kritischste an seinen Ideen war: er strebte nämlich Atatürk enorm nach.

Gegner für United Kerala war heute ein Club aus Meghalaya, der bereits seit 1983 besteht (das ist lange für Indien!) und in der Landeshauptstadt Meghalayas, Shillong, spielt. Den Vereinsnamen sollte man in einem Rutsch lesen: in der regionalen Sprache Khasi (eine der wenigen Austro-Asiatischen Sprachen Indiens) heißt „Shillong Lajong“ dann „Unser eigener Berggott“. Der Bundesstaat Meghalaya liegt übrigens in dem gebirgigen Zipfel Indiens, der fast vom eigentlichen Land durch Bangladesh im Süden und Bhutan im Norden abgetrennt ist. Schlappe 2.700 Flugkilometer mussten sie und ihre 10 Edelfans zu diesem Spiel zurücklegen. Und noch mal 2.700 zurück...
Den früheren Namen des Heimvereins sollte man übrigens auch als einen Satz lesen: „Viva Kerala Football Club“ bedeutet in der Mischung aus Malayalam, Latein und Englisch „Lang lebe der Fußballclub des Landes der Kokospalmen“!

OK. Nachdem er die Mannschaftsaufstellungen auf schönem Indian-Englisch verlas, hatte der Stadionsprecher lange nichts mehr zu tun. 35 Minuten nur Leerlauf, dann griff Kerala mal das Tor an und verfehlte das Dreieck nur knapp. Plötzlich gab es nicht mehr nur grauenhafte Direktschüsse aus 20 Metern, die 30 Meter daneben gingen, sondern beide Teams brachten die Torhüter ins Schwitzen. Nach je zwei Chancen pro Mannschaften gelang Kerala mit einem schönen Kopfball der Führungstreffer. Gleich darauf hieß es Halbzeit.

Nach der Pause gab es wieder 15 Minuten Leerlauf, ehe Shillong den Ausgleich erzielte. Postwendend kämpfte sich Kerala zur erneuten Führung durch. Nach dieser starken 60. Minute mit zwei Toren in 15 Sekunden dauerte es aber wieder etliche Minuten, ehe sich eine sehenswerte Schlussphase entwickelte. Kerala brachte mit chaotischem Kombinationsspiel den Ball irgendwie noch zum 3:1 im halbleeren Shillong-Tor unter und die Gäste mussten sich mit dem Anschlusstreffer aus knapp 20m ins lange Eck kurz vor Spielende zufrieden geben. Also 20 Minuten ganz sehenswerter Fußball sind für eine solche Profiliga doch sehr wenig und arg dürftig. Ob ich jemals ein gutes Fußballspiel in Indien sehen werde? Ein paar Chancen gibt es noch! Aber ich fürchte, sie werden alle vergeben werden wie die Möglichkeit zum 4:1, als einer der Afrikaner von United Kerala aus 17 Metern mittig vorm Tor einen Fallrückzieher gegen die linke Eckfahne schoss...
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Statistik:
Grounds: 717 (heute 1 neuer; diese Saison: 123 neue)
Sportveranstaltungen: 1.487 (heute 1, diese Saison: 173)
Tageskilometer: 50 (40 Autorikscha, 10 Fähre)
Saisonkilometer: 42.230 (23.900 Auto/ 14.820 Flugzeug/ 2.010 Fahrrad/ 940 Bahn, Bus, Tram/ 20 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 40
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 295

IND-XVI: Diesmal ein Fußballwochenende in Kochi (Teil 1)

* Beim Amateurfußball im Maharaja-Stadium *

Cochin Port Trust 2:1 Golden Threads FC Kochi
Datum: Freitag, 23. März 2011 – Anstoß: 16.45
Wettbewerb: „Wayna“ Cochin Premier League (1. Kreisliga Kochi: 4. indische Fußballliga/ 2. Amateurliga)
Ergebnis: 2:1 nach 78 Min. (39/39) – Halbzeit: 2:1
Tore: 1-0 16. Nr. 11 (Foulelfmeter), 1-1 22. (Nr. 13), 2-1 35. (Nr. 15)
Verwarnungen: Nr. 9, 15 (Port Trust), Nr. 11 (Golden Threads)
Platzverweise: keine
Spielort: Maharaja’s College Ground (Kap. 8.000, davon 6.500 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 30 Neutrale
Unterhaltungswert: 2,0/10 (Unglaublich schlechtes Spielniveau; aber wenigstens sind ein paar Tore gefallen)
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Photos and English Version:
b) More Pictures of the Stadium: See Album "Kerala; Kochi"

Nach dem aufgrund der unmöglichen Busfahrt und den kleinen Reibereien mit zwei Kommilitoninnen (die die Reiseplanung nie einhalten konnten, da ihnen das alles zu viel war) stressigen letzten Wochenende, schloss sich Nils diesmal Anja und mir an. Auch mit uns ging es natürlich nicht stressfrei, aber schon mal viel besser als im Wildtierpark in Munnar...

Die Busstrecke nach Kochi kennen Anja und ich ja mittlerweile ganz gut. Nun schafften wir es auch, den richtigen Bus von Kochi-Vyttila nach Kochi/ MG-Road zu nehmen. Wir probierten diesmal das „Sapphire Tourist Home“ aus. Für ein Dreibettzimmer (etwas anderes hatten die gerade nicht frei) verlangte diese bekannte wie auch einfache Herberge 650 Rupien (etwa 10,50€) pro Nacht. Die Doppelzimmer im gegenüberliegenden „Maple Recidency“ waren in der gleichen Preislage wie das „Sapphire“ und etwas besser. Warum das „Sapphire“ oft gelobt wird, weiß ich - nachdem ich diesen Vergleich habe - nicht.
Loben kann ich nach wie vor das Halal-Food Family Restaurant in der South Over Bridge Road, gleich nach dem Kreisverkehr wo sich SOB Rd., MG Road und Church Landing Road treffen. Die hatten wieder hervorragendes indisches Essen zu sehr niedrigen Preisen: Hauptgerichte fast alle unter 1,50€ und Säfte zwischen 0,15€ und 0,50€ pro 0,3l-Glas. Nach dem langweiligen veganen Essen im SEERI ist das eine wahre Wohltat in diesem muslimischen Restaurant Fleisch und gekochte Eier (eine beliebte Beilage zu Chicken Biriyani) zu kriegen.

Da es kurz nach 16 Uhr war, schauten wir dann im nahe gelegenen Maharaja’s College Ground vorbei. In der Zeitung stand zwar keine Ansetzung, doch als wir um 16.15 durchs nett gestaltete Portal, dass einen den Weg in eine Art Vorgarten des Stadions öffnet, traten, zogen sich gerade zwei Mannschaften auf der Tribüne um. Ja: auf der Tribüne. Umkleidekabinen gibt es entweder nicht oder jemand hat den einzigen Schlüssel verloren. Da sich selbst während des Spiels auf der für 6.500 Zuschauer ausgelegten rot-weißen Betontribüne, die in drei Sektoren eingeteilt ist, von denen der mittlere überdacht ist und die beiden äußeren teilweise von Bäumen beschattet sind, nur 30 Zuschauer (davon 2 Frauen – Anja eingerechnet) verloren, war diese etwas ungewohnte Art des Umziehens aber auch nicht so problematisch. Problematischer war, dass man schon vorm Anpfiff das Niveau abschätzen konnte: es sollte ja eigentlich 16.30 losgehen, aber da waren beide Teams noch gar nicht vollzählig. Kurz nach 16.45, nachdem sich beide Mannschaften keine fünf Minuten mit je einem Ball eingespielt hatten, deuteten die Unparteiischen zum Anstoßkreis. Der Spielball war eine bei jeder Berührung hohl dröhnende Lederkugel mit seltsamen Sprungverhalten. Letzteres konnte aber auch noch am Rasen, der an vielen Stellen unebenen weggetreten war, gelegen haben...

Aber na ja: was soll man von der 4. indischen Liga auch erwarten. Wobei: die 3. Liga wird im Bundesstaat Kerala nicht immer ausgetragen, sodass eigentliche Drittligisten aus Kochi auch an dieser sogenannten „Wayna Cochin Premier League“ teilnehmen. Die hat aber auch wiederum eher Turnierform: wie so oft in Indien anstelle von Ligen. Und so wirklich erklären kann einem das auch kein Inder: wie so oft hier, egal um welches Thema es sich handelt und egal ob man nun Gebildete etwas fragt oder einfache Leute. Also fest steht nur, dass es sich um ein Spiel besserer Amateurmannschaften handelte, das sich auf Niveau Landesliga, Landesklasse befinden sollte – doch auf dieses Niveau kommen in Indien meist nicht einmal die Profimannschaften der 1. Liga. Also vergleichen wir mal wieder Indien mit Marokko, wobei das auch eigentlich unfair ist, da Marokko in wirklich jeder Beziehung so viel weiter entwickelt ist als Indien –scheiß auf diesen IT-Wahn: 99,9% der Inder können einen Computer kaum bedienen, geschweige denn programmieren; und die, die das können sind fast alle in Europa oder Nordamerika aufgewachsen – dass das nordafrikanische Königreich auch hier nur gewinnen kann. Mit Erschrecken musste ich feststellen, dass die 1. indische Liga nicht einmal das Niveau der 4. marokkanischen hatte und die 4. indische Männerliga wiederum nicht einmal an das Spielniveau der 1. marokkanischen Frauen-Liga heranreichte!

Nach über einer Stunde Badminton in Kottayam kann ich mit Sicherheit sagen, dass es nicht unmenschlich viel verlangt ist, sich mit mehr als leicht zügiger Laufgeschwindigkeit über einen Sportplatz zu bewegen. Was die Hafenbehörde (Port Trust) und die Goldenen Fäden (Golden Threads) – beide aus Kochi (Cochin) – da anboten, war läuferisch erschreckend und bezeichnend für die Fitness der zum größten Teil mangel- und fehlernährten Inder. Technisch unter aller Sau – verständlich und muss man nicht so tragisch nehmen. Aber auch in Sachen Schüsse war das gar nichts. Dass war selbst für 2. Kreisklasse Saalekreis ziemlich schwach. So verwunderte es auch nicht, dass man tatsächlich eine Spielzeit von 2x35 Minuten – wie bei den Alten Herren und der C-Jugend – festgelegt hatte. Die allermeisten Altherrenspiele die ich bisher gesehen habe (an die 100 sind es mittlerweile) waren aber auch besser als dieses Cochin Premier League-Spiel zwischen Port Trust und Golden Threads, das ein erstes Tor nach 16 Minuten in Form eines sicher verwandelten Foulelfmeters erlebte. Der Ausgleich wurde halbwegs geschickt am Torwart vorbei gestolpert. Richtig schön gemacht war der volley hoch ins lange Eck gedonnerte Siegtreffer für Port Trust Kochi! Diese Szene war natürlich das mit Abstand Beste im gesamten Spiel, dass mit Nachspielzeit 78 Minuten dauerte.

Während auf dem Rasen gekickt wurde, was das Publikum neutral verfolgte – ein und dieselben Fans die bei Toren von Port Trust applaudierten, applaudierten auch für die Golden Threads, deren Name im übertragenen Sinne übrigens „roter Faden“ (im Englischen ist das halt ein goldener Faden, der sich durch z.B. einen Text zieht) bedeutet – trainierten übrigens wieder junge Frauen und Männer auf streckenweise dilettantische Art für Leichtathletikdisziplinen. Besonders bei den Frauen war die Erwärmung (Treppenlauf, Dehnungen etc.) viel besser und sinnvoller als die Übungen der richtigen Disziplinen wie Hürdenlauf und Hochsprung. Auf dem angrenzenden kleinen Cricketfeld war auch wieder ganz schön Betrieb. Während auf dem Basketballplatz noch Körbe geworfen wurden, verließen die Fußballer das Feld und wir drei gingen wieder ins Hotel zurück. Fazit: das Stadion war interessanter als das Spiel...
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Statistik:
Grounds: 716 (heute 1 neuer; diese Saison: 122 neue)
Sportveranstaltungen: 1.486 (heute 1, diese Saison: 172)
Tageskilometer: 90 (90 Bus)
Saisonkilometer: 42.180 (23.900 Auto/ 14.820 Flugzeug/ 2.010 Fahrrad/ 900 Bahn, Bus, Tram/ 10 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 39
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 295

Montag, 19. März 2012

IND-XIV: Basketballwochenende in Kochi (Teil 3)

* Für Ausländer verboten – Cricket in der Raffinerie *

Photos and English Version:

Heute war das Auswählen einer Sportveranstaltung in Kochin etwas schwierig, denn wir wollten nicht erst nachts nach Kottayam zurückkehren. Basketball konnte man also vergessen. Fußball war ja nur unter der Woche, also blieb noch Cricket. Klar: in der Zeitung stand ja immer was vom Coromandel Cement Cup im Refinery Cricket Oval im Vorort Ambalamugal. Also hin da. Dass das Oval kein Ort zum entspannten sonntäglichen Cricketgucken, sondern vielmehr zum Erfahren indischer Bürokratie, Rassismus und Dummheit ist, kann man ja vorher nicht wissen...

Der Weg dahin war erwartet schwierig. Nachdem wir fünf Leute am Busbahnhof hinterm Ambedkar Cricketstadion (wo leider nur Training stattfand) gefragt hatten, hatten wir dann den richtigen Bus gefunden. Von dort ging es mit einem ehrlichen Rikschafahrer – der verwies gleich auf den bei den meisten Fahrern angeblich defekten Taxameter – 8km zur Raffinerie von Ambalamugal hinaus. Womit auch unser Fahrer nicht gerechnet hatte: vorm Cricketstadion befindet sich ein Checkpoint, denn selbst die Cricketanlage, die auch so schön Refinery Oval heißt, befindet sich im Gelände der Bharat Petroleum Raffinerie. Ja: IM Gelände! Will man beim vom Zementwerk gesponserten und von der Raffinerie ausgerichteten Turnier zugucken, muss man seinen Pass hinterlegen und einen Zettel ausfüllen. Die Erfassung gilt auch für Spieler und Trainer. Ausländer sind von dieser Regel allerdings ausgenommen, denn in Indien darf man als Nicht-Inder unter keinen Umständen ein Industriegelände betreten. Als unser Fahrer anfing zu diskutieren, ob man da mal eine Ausnahme machen konnte, meinten die Wächter zu uns: „Tut mir leid, so sind die Regularien der Raffinerie“. Am Haupttor sollten wir noch mal Fragen, aber erwartungsgemäß gab es auch dort nur den Hinweis, dass diese Sportveranstaltung besonderen Regeln unterliegt und wir uns, wenn wir denn schon hier im Vorort Ambalamugal gelandet sind, lieber den Hill Palace angucken sollten.

Auf die hirnverbrannte Idee, eine offizielle Sportveranstaltung, über die in jeder Zeitung Keralas täglich berichtet und annonciert wird, in einem Firmengelände, dass zudem ein sicherheitstechnisch hochrelevantes Gebiet ist, auszutragen, kann man wohl auch nur in Indien kommen. Wenn man über diese Meisterschaft nur in den Malayalamausgaben lesen würde, hätte ich noch ein bisschen Verständnis für diese Dummheit – aber wer ließt den Bitteschön „The Hindu“ und „The Indian Times“? Die englischsprachigen Zeitungen werden meist nur von Touristen und anderen im Land weilenden Ausländern gelesen. Da kann man auch von einem indischen Sportorganisator dieses Minimum an Intelligenz erwarten, ein solches Turnier entweder nicht im Refinery Oval auszutragen – oder eben auf die Regularien hinzuweisen. Leider lernt man in Indien Leute nicht so einfach wie in Syrien oder Marokko persönlich kennen. Hätten wir einen am Turnier beteiligten Cricketspieler vorher getroffen, wäre es für die Sicherheitsleute schwerer geworden uns wegzuschicken...

Der Rikschafahrer fuhr uns also zum Hill Palace, einem schönen Maharaja-Schlösschen mit großem Garten – überall mischen sich englische und indische Stile in Architektur, Inneneinrichtung und Gartenbau –, und wir fuhren nach der 20 Rupien (0,30€) kostenden Besichtigung, bei der man leider keine Fotos in den Innenräumen machen durfte, mit zwei Bussen über Vyttila nach Kottayam zurück.

Apropos Fotos: wenn man im Internet herumsucht, findet man auch Bilder der Sportanlage in der Raffinerie. Eigentlich dürften ja auch Inder keine Fotos dort anfertigen, da man ja Anschlagspläne gegen die Raffinerie machen könnte. Mit Angst vor Industriespionage hat das wenig zu tun, da auch Bharat Petroleum weiß, dass seine Anlage veraltet und dreckig ist. Wenn man da regelmäßig Cricket spielt, gefährdet man wahrscheinlich seine Gesundheit...
Die Anschlagsgefahr ist auch recht weit hergeholt, aber nicht so abwegig wie die Regelung, das generell keine Ausländer auf die Anlage dürfen. Ich hätte denen ja auch gerne meinen Pass hinterlegt bis nach Spielschluss, wenn die das zugelassen hatten.

So viel Entgegenkommen kann man von den mehrheitlich nicht sonderlich sympathisch und gastfreundlich auftretenden Indern aber nicht erwarten. Wir sind ja hier schließlich nicht in der arabischen Welt – wobei in keinem arabischen Land jemand auf so eine hirnrissige Ansetzung gekommen wäre: im ägyptischen al-Mahalla ist das Stadion außerhalb des Chemiewerks, im syrischen Baniyas steht das Stadion auch jedem Besucher außerhalb der Werksmauern offen. Man stelle sich mal vor, das Stadion des Friedens in Leuna wäre innerhalb der Leuna Werke gelegen und nur für Zuschauer, die ihren Personalausweis am Eingang hinterlegen, zugänglich...

Also echt! Ein anvisiertes Spiel habe ich ja nicht zum ersten Mal verpasst. Ab und an passiert das halt mal, dass man ein Spiel (das auch zur angegeben Zeit ausgetragen wird) versäumt. Zu spät losgefahren und deshalb erst zur zweiten Partie aufgekreuzt, Fahrradpanne, falsche Sportanlage aufgeschrieben und entsprechend dort hingefahren... Das ist ja alles noch normal. Aber die Aktion heute war das Kurioseste und Dümmste was mir in 6 Jahren Groundhopping mit über 1.000 Spielen in 30 Ländern je untergekommen ist!

Mit so einem Tag steigt natürlich der Kuriositätsfaktor Indiens – aber in erster Linie sinkt die Sympathiekurve, die bei diesem Land in meiner Wertung ohnehin schon im unteren Drittel liegt. Aber erstens hat das Groundhopping an diesem Wochenende aufgrund der Basketballspiele Spaß gemacht – und zweitens sind es auch solche komischen Erlebnisse, die das Groundhopping interessant machen!
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Statistik:
Tageskilometer: 120 (110 Bus, 10 Autorikscha)
Saisonkilometer: 42.090 (23.900 Auto/ 14.820 Flugzeug/ 2.010 Fahrrad/ 810 Bahn, Bus, Tram/ 10 Schiff, Fähre)

IND-XIII: Basketballwochenende in Kochi (Teil 2)

* Schweißtreibende Stadtbesichtigung und Platzsturm beim Basketball *

Kerala Women 67:70 Chhattisgarh Women
Datum: Samstag, 17. März 2011 – Beginn: 18.00
Wettbewerb: 26th Federation Cup Basketball Championship (Halbfinale des landesweiten Pokalwettbewerbs für Basketballerstligisten/ Frauen)
Ergebnis: 67:70 nach 45Min. – Viertelergebnisse: 15:11, 12:23 (= 27:34 Halbzeit), 22:14, 18:22
Punkte: PS Jeena 23, Seena Joseph 11, u.a. (Kerala); Anju Lakra 29, Kavitha 19, u.a. (Chhattisgarh)
Fouls: unbekannt
Spielort: Rajiv Gandhi Indoor Stadium, Kochi (Kap. 10.000 Sitzplätze, davon heute 3.000 Sitzplätze freigegeben)
Zuschauer: ca. 1.000 (davon Gästefans: ca. 5)
Unterhaltungswert: 6,0/10 (Spannendes und erstaunlich gutes Spiel)

Customs and Central Excise Kochi 44:47
Oil and Natural Gas Corporation Dehradun
Datum: Samstag, 17. März 2011 – Beginn: 19.30
Wettbewerb: 26th Federation Cup Basketball Championship (Halbfinale des landesweiten Pokalwettbewerbs für Basketballerstligisten/ Amateurmeisterschaft)
Ergebnis: 44:47 nach 40Min. – Viertelergebnisse: 15:14, 6:9 (= 21:23 Halbzeit), 18:14, 5:10
Punkte: Monish Wilson 14, Manoj R 14, u.a. (Kochi); Yadwinder Singh 15, Mohit Bhandari 7, u.a. (ONGC)
Fouls: unbekannt
Spielort: Rajiv Gandhi Indoor Stadium, Kochi (Kap. 10.000 Sitzplätze, davon heute 3.000 Sitzplätze freigegeben)
Zuschauer: ca. 1.100 (davon Gästefans: ca. 5)
Unterhaltungswert: 7,5/10 (Kein gutes, aber sehr körperbetontes und spannendes Spiel mit zünftigen Emotionen)
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Photos and English Version:

Video:

Am Samstag stand vormittags die Besichtigung des bekanntesten Teils der Stadt Kochi, auf einer Insel vor dem Festland (Ernakulam ist der Kernortsteil des Festlandes und dort hatten wir ein Hotel am Fähranleger bezogen) gelegen, auf dem Plan. In Fort Kochi ist zwar, wenn man für gerade einmal 2,5 Rp. (0,04€) pro Person und Richtung mit einer recht ordentlichen Fähre übergesetzt hat, nichts mehr von der Befestigung des Forts zu sehen, doch die relativ ordentlichen und vor allem von vielen Häusern in oft englischem Baustil des 19. und 18. Jahrhunderts gesäumten Straßen werten das ganze ehemalige Fort richtig auf. Es gibt auch etliche schöne Kirchen und einen niederländischen Friedhof. Auch eine befestigte Villa haben die Niederländer hinterlassen. Direkt daran haben die Hindus zwei Tempel gebaut – Betreten natürlich für Nicht-Hindus verboten. Am dreckigen Strand kann man den Fischern bei ihrer Arbeit mit den kuriosen Konstruktionen von Schöpfnetzen zuschauen.

Da es 30 Grad und etwa 90% Luftfeuchtigkeiten waren, gingen wir mittags erstmal ins Hotel. Am Nachmittag hofften wir, dass es noch ein Spiel der Kochi Premier League im Maharaja College Ground geben würde – doch die kicken dort komischerweise nur unter der Woche bis einschließlich Freitagabend. Im Schatten eines Baumes auf der Betontribüne rumzuhängen und Cricketmännern beim Bowling- und Batting-Training zuschauen und außerdem immer wieder die junge Frauenleichtathletikgruppe beim Rundenlaufen zu beobachten, ist aber für viele Inder so normal, dass es gar nicht auffällt, wenn man das als Ausländer auch macht. Man hätte auch auf dem Fußballplatz kicken können – es hätte wohl keinen gestört. Nach zwei Stunden entschieden wir uns noch mal zum Basketball zu gehen und sahen dann auch ein Frauenspiel im Rajiv Gandhi Indoor Stadium. Die Auswahlmannschaften der Bundesstaaten Kerala und Chhattisgarh (zentral im Inland Indiens gelegen) kämpften um den Einzug ins Finale.
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Dabei stellten sich beide Teams gar nicht so blöd an: in einem guten und engen Spiel zeigten wenigstens drei Spielerinnen pro Mannschaften gute Basketballfähigkeiten. Alle diese guten Spielerinnen waren mittelgroß bis ziemlich groß (max. 1,90m) und athletisch. Eine Spielerin der Gäste aus Chhattisgarh stach leider nicht durch Können sondern nur durch ihre krankhafte Größe hervor. Die 16jährige misst 2,04m (=6 feet, 7 inches) und ist extrem dünn, sodass schon Verformungen im Gesicht erkennbar sind. Würde sie von ordentlicher Ernährung und einem guten Arzt profitieren, könnte sie schon eine richtig gute Sportlerin werden – so wird sie wohl leider nicht sonderlich alt werden. Durch ein starkes letztes Viertel siegte ihre Mannschaft aber immerhin mit drei Punkten.

Was folgte war ein Halbfinalspiel der Männer, bei dem richtig was los war. Die Costums Kochi trafen auf ONGC. Die Frauen von Kerala wurden schon sehr regelmäßig angefeuert, aber beim Spiel der Männer gingen die 1.000 bis 1.100 Fans noch mehr mit. Das Spiel war auch spannend, doch leider nicht besonders gut. Zum einen gab es durch die körperbetonte Spielweise beider Teams wenige Treffer – zum anderen war die Wurfquote auch einfach schlecht. Manchmal kämpften Spieler beider Teams noch am Boden liegend um einen Ball. Ab Mitte des zweiten Viertels regten sich beide Seiten über angebliche Fehlentscheidungen der Unparteiischen auf. Mit einem lächerlichen Ergebnis von 21:23 ging es in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel schien Kochi das Spiel zu drehen, doch die knappe Führung sollte nur bis Mitte des letzten Viertels bestand haben. Nun wurde die Trefferquote wieder richtig schlecht und die Stimmung hitziger. Die Jugendspieler und der Alte mit der Halbglatze wurden langsam aggressiv. Als dann die Gäste aus Utterakhand mit drei Punkten in Front gingen und nur noch 30 Sekunden auf der Uhr standen, wurde es sehr packend. Ein Dreierversuch scheitert und Kochi will Freiwürfe erzwingen. Nach einem Stürmerfoul gegen Kochi fangen die ersten an mit den Plastestühlen zu winken. Den Ballbesitz kann ONGC aber nicht ausnutzen und Kochi greift noch mal an. Der Versuch, einen Freiwurf zu schinden, scheitert wieder und es gibt nur Einwurf von der Seite. Bei 7 Sekunden auf der Uhr wird der Ball wieder ins Spiel gebracht und der Sikh von ONGC klaut einem der Zollbeamten den Ball nicht ganz regelkonform. Es gibt ein persönliches Foul, aber keine Freiwürfe. Dass es wieder nur Einwurf von der Seite gibt, führt dann zu der ersten umgetretenen Werbebande. Während der Trainer von Customs den Wiederanpfiff durch Diskutieren verhindert, geht der erste Fan aufs Parkett und schnauzt den Schiri an. Der Dreierversuch scheitert, da der Werfer von zwei Spielern zugestellt wird. Als dann die Schlusssirene ertönt, kommt es auch zu einem Platzsturm bei dem einige Fans und Spieler der Heimmannschaft die Schiedsrichter und das Kampfgericht beschimpfen und bedrohen. Außer ein paar zertretenen Plastestühlen und einer umgeworfenen Werbebande ist nichts kaputt gegangen. Richtigerweise holte man aber gleich mal ein paar Polizisten in die Halle.

Tumulte beim Sport in Indien sind übrigens ziemlich selten. Schlägereien zwischen Amateurspielern beim Fußball, Cricket und Basketball gibt es ab und an – Stress mit Zuschauern ist außerhalb der Fußballszene von Kalkutta weitestgehend unbekannt. Somit war es schon das höchste an Emotionen, was man heute so erleben konnte. Ohnehin war der Basketballpokal richtig gut: gutes Niveau, tolle Halle, ganz ordentlich Stimmung und ein paar interessante Szenen am Rande. Als Musikeinspielungen (stets nur in Pausen zwischen Vierteln und Spielen – nie bei anderen Unterbrechungen wie Auszeiten) gab es zensierte amerikanische Rap- und Dancemucke. Über jugendgefährdende Inhalte werden in Indien einfach unverfängliche Liedtexte gelegt. Das Wischen des Spielfeldes erledigte übrigens natürlich keine junge Frau in kurzen Sportklamotten, sondern eine ältere Frau im Sari. Die Kleidung der Putzfrau stand allerdings im scharfen Kontrast zu der Kleidung der wenigen weiblichen Zuschauer und der der Spielerinnen, die sich nach dem Umziehen zum Zugucken auf die Tribüne hockten: durchgängig westliche Kleidung, damit man sofort erkennt, dass die Damen einer zahlungskräftigen Elite angehören...

Im angrenzenden Sportlerrestaurant gingen wir beide dann bei erwartungsgemäß etwas höheren Preisen (also zwei große Fleischgerichte und Getränke für zwei Personen kosteten 6,30€ - normal kostet das 3,50€-4,50€) gut Essen.
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Statistik:
Grounds: 715 (heute kein neuer; diese Saison: 121 neue)
Sportveranstaltungen: 1.485 (heute 2, diese Saison: 171)
Tageskilometer: 10 (10 Fähre)
Saisonkilometer: 41.970 (23.900 Auto/ 14.820 Flugzeug/ 2.010 Fahrrad/ 690 Bahn, Bus, Tram/ 10 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 38
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 294

IND-XII: Basketballwochenende in Kochi (Teil 1)

* Zum Basketballpokal nach Kochi *

Customs and Central Excise Kochi
72:75 (n.V.) Indian Overseas Bank Chennai
Datum: Freitag, 16. März 2011 – Beginn: 17.30
Wettbewerb: 26th Federation Cup Basketball Championship (Vorrunde des landesweiten Pokalwettbewerbs für Basketballerstligisten/ Amateurmeisterschaft)
Ergebnis: 72:75 nach 45Min. – Viertelergebnisse: ?:?, ?:? (= 27:25 Halbzeit), 17:26, 19:12 (= 63:63 Endstand); Verlängerung 9:12
Punkte: unbekannt, Fouls: unbekannt
Spielort: Rajiv Gandhi Indoor Stadium, Kochi (Kap. 10.000 Sitzplätze, davon heute 3.000 Sitzplätze freigegeben)
Zuschauer: ca. 800 (Gästefans: ca. 20)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Spannendes und gutes Spiel – viel besser als zu erwarten war!)

Punjab Police Jalandhar 71:82
Oil and Natural Gas Corporation Dehradun
Datum: Freitag, 16. März 2011 – Beginn: 19.15
Wettbewerb: 26th Federation Cup Basketball Championship (Vorrunde des landesweiten Pokalwettbewerbs für Basketballerstligisten/ Amateurmeisterschaft)
Ergebnis: 71:82 nach 40Min. – Viertelergebnisse: 15:35, 20:13 (= 35:48 Halbzeit), 17:21, 19:13
Punkte: unbekannt, Fouls: unbekannt
Spielort: Rajiv Gandhi Indoor Stadium, Kochi (Kap. 10.000 Sitzplätze, davon heute 3.000 Sitzplätze freigegeben)
Zuschauer: ca. 500 (davon ca. 5 Punjabi und ca. 5 ONGC-Leute)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Anfangs tolle Leistung von ONGC, doch je mehr die Sieger nachließen, desto schwächer wurde das Spiel)
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Photos and English Version:

Freitagmorgen: erstmal einen Blick in die „Hindu“ und die „Indian Times“ werfen. Anhand von Artikeln zu gestrigen Sportwettbewerben und den wenigen Zeilen, die unter „Engagements“ (also „Ansetzungen“) stehen – und übrigens immer nur auf Ansetzungen vom selben Tag hinweisen – kann man sich die Spiele zusammenreimen, die es in bestimmten Sportanlagen im Laufe des Tages geben wird. Da viel zum Basketballpokal stand (sogar Uhrzeiten genannt wurden), entschieden wir uns sofort nach dem Unterricht um 12.30 nach Kochi, einer der größten Städte des Bundesstaates Kerala (Kochi bedeutet übrigens „Kleine Lagune“ oder „Hafen“ und zählt mit allen Vororten etwa 1,1 Mio. Einwohner), zu fahren.

Der Bus fuhr leider eine lange Strecke außen herum und hielt dann am nördlichen Busbahnhof Vyttila. Der liegt 6km entfernt von der berühmten Canon Shed Road – der wichtigsten Straße für alle Rucksacktouristen und die Leute, die sonst noch darauf aus sind, möglichst wenig Geld auszugeben. Es fand sich mal wieder kein Schaffner oder Busfahrer, der einem auf Englisch erklären konnte, wie man zu dieser Straße kommt, sodass man sich auf einen Rikschafahrer einlassen musste. 1,50€ klingt wenig – ist in Indien aber zu viel: als Inder zahlt man die Hälfte, als Tourist ist man mit diesem Betrag aber noch gut bedient. Gegenüber vom Fähranleger (Jetty) fingen dann auch schon die Hotels an. Wir probierten das „Marple Regency“, dessen günstigste Zimmerkategorie bei 485 Rp. (7,90€) pro Nacht/ DZ lag. Die Zimmer waren absolut OK – auf jeden Fall besser als die ameisenverseuchten Studentenzimmer im SEERI Institut mit den klemmenden Türschlössern, wacklige Klobrillen und ollen Betten – aber nicht so gut wie in Calicut in dem Hotel, in dem wir letzte Woche waren. Das kostete aber auch 15 Rupien mehr...

Mittlerweile war es 16 Uhr durch und wir mussten erstmal was essen, sodass wir das Freitagsspiel der Kochi Premier League (einer regionalen Amateurfußballliga, die wir vielleicht nächste Woche Freitag mal angucken werden) sausen ließen und nach einem sehr günstigen, großen und leckeren Essen bei einem muslimischen Restaurant in der South Over Bridge Road nur zum Basketball gingen. Die besten Restaurants in Indien sind übrigens jene „non-veg“ muslimischen Restaurants mit „Halal food“. Die besten Sportler sind oftmals auch Muslime (bei Männern- wie Frauensportlern gleichermaßen). In diesem Punkt kann man Ernährung und Sport in einen besonders deutlichen Zusammenhang bringen. Das fleischlose Hindu-Essen schmeckt nicht nur nicht so gut – es bringt auch nicht genug Energie für den Körper eines Leistungssportlers.
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Wir kamen kurz vor der Halbzeit eines Männervorrundenspiels in der Sporthalle „Rajiv Gandhi Indoor Stadium“ an. Das Spiel hätte eigentlich laut Ansetzung in der Zeitung da schon vorbei sein müssen (bzw. in der Verlängerung) – aber es spielte ja die Mannschaft aus Kochi, also konnte man sich nicht beschweren. Die Stimmung war nämlich überdurchschnittlich gut. Auch wenn da die BSG der Zoll- und Steuerbehörde (Customs and Central Excise) spielte – Hauptsache Kerala, noch besser: Kochi. Einige Fans gingen echt gut mit. Die Jugendspieler und der Alte mit dem Haarkranz, die heute am lautesten waren, sollten aber erst am Samstag so richtig auffallen...

Was bei Betreten der Halle außer der Stimmung bei guten Aktionen der Heimmannschaft und Freiwürfen der Gäste aus Chennai, Tamil Nadu (die wurden mit Affenlauten bedacht: aber kein uh-uh-uh, sondern schrilles Gekreische und Trillern) noch auffiel, war die enorme Weitläufigkeit und dadurch geringe Auslastung. Nur das untere Drittel der rechten Hintertortribüne und die jeweils rechten Hälften der Untertribünen und ersten Galerien der Längstribüne waren geöffnet. Alle Tribünen haben drei Ebenen. Während die Längsseiten unten mit staubigen und teils beschädigten Kunststoffschalensitzen bestückt sind, hockt man hinter den Toren (bzw. beim Basketball auf den Längsseiten) auf großen, groben und noch staubigeren – teilweise von Vögeln zugeschissenen – Betonstufen. Die Deckenhöhe ist gewaltig, was man der grün angestrichenen Halle mit ihrer schiffrumpfsartigen Gestalt auch schon von außen ansieht. Richtig cool muss ja der Blick von der zweiten Galerie der Längsseite sein: vorne an der Reling guckt man knapp 20m senkrecht nach unten aufs Feld...

Auf dem Feld tat sich übrigens beim Spiel der Customs Kochi und der India Overseas Bank Chennai (früher Madras) erstaunlich viel Sehenswertes. Das war schon gutes Amateurniveau – auch wenn sehr unorthodox in die Pässe des Gegners gesprungen wurde – und vor allem sehr spannend. Bei 63:63 ging das sehr enge Spiel in die Verlängerung. Dort hatten die Gäste aus dem Bundesstaat Tamil Nadu (Südostspitze Indiens) mit drei Punkten Vorsprung die Oberhand über die Gastgeber aus Kerala (Südwestspitze Indiens).

Etliche Zuschauer hatten die Halle bereits verlassen, als die Mannschaft der Erdölgesellschaft ONGC aus Dehradun, Utterakhand auf den Polizeisportverein Jalandhar, Punjab traf. Das Spiel fand im ersten Viertel auf deutlich höherem Niveau statt. Allerdings war es relativ einseitig, da die Polizisten keinen Stich gegen die Leute vom Ölkonzern sahen. Das Passspiel von ONGC war hervorragend, der Abschluss unterm Korb und vor der Dreipunktelinie sehr gut. Im zweiten Viertel kam allerdings ONGC nicht aus dem Knick und die Punjabi heran. Nach der Pause war das Spiel ziemlich ausgeglichen, wobei ONGC im letzten Viertel fünf Minuten lang gar nichts machte und somit nur von ihrer hervorragenden Leistung im ersten Viertel profitierte. Die ersten zehn Minuten hatten das Spiel bereits entschieden.

Lustig war bei diesem Spiel anzusehen, wie man bei beiden Teams die Sikhs herausfinden konnten. Als Sikh – der Mann darf sich nie ohne Kopfbedeckung zeigen – darf man in Indien trotz Turban am Sport teilnehmen. Ein einfaches, dickes, schwarzes Tuch um die Haare reicht auch schon. Bei beiden Mannschaften war je ein Spieler so erkennbar dieser Religionsgemeinschaft zuzuordnen. Die allermeisten Sportler, die sich zum Sikhismus bekennen, tragen ganz selbstverständlich auch auf dem Sportplatz einen Turban. Problematischer ist in Indien übrigens das Thema muslimische Sportlerinnen und das Kopftuch. Die derzeit beste indische Sportlerin überhaupt ist eine muslimische Tennisspielerin, die auf dieses Kleidungsstück keinen Wert legt. Ob Sportlerinnen, die auf den Hijab Wert legen, spielen dürfen, hängt in Indien oft von der Gegend und der Willkür der Verantwortlichen ab.
Entgegen der Infos in der Zeitung gab es übrigens kein Frauenbasketball am Abend, sondern nur am Morgen. Die Abkürzungen a.m. und p.m. auseinanderzuhalten, fällt wohl auch Sportredakteuren der Times of India schwer...
Das Licht in der Halle ging langsam aus – und wir gingen zügig zum Hotel zurück.
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Statistik:
Grounds: 715 (heute 1 neuer; diese Saison: 121 neue)
Sportveranstaltungen: 1.483 (heute 2, diese Saison: 169)
Tageskilometer: 90 Öffentliche Verkehrsmittel (80 Bus, 10 Autorikscha)
Saisonkilometer: 41.960 (23.900 Auto/ 14.820 Flugzeug/ 2.010 Fahrrad/ 690 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 38
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 294