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Freitag, 27. Dezember 2013

W386III: Ein Elfmeter der Nummer Elf in der elften Minute ebnet Bernoussi den Weg zum Erfolg

Club Rachad Bernoussi (نادي الرشاد البرنوصي)
............................ 2:1 (1:0) ............................
-- Union Sportive Municipale Ait Melloul -
--------- (الاتحاد الرياضي البلدي لآيت ملول) ----------
- Datum: Sonntag, 22. Dezember 2013 – Anstoß: 14.30
- Wettbewerb: Botola 2/ GNF 2 [2 البطولة الوطنية المغربية] (d.h. 2. Marokkanische Fußballliga, Halbprofiliga)
- Ergebnis: 2-1 nach 97 Min. (48/49) – Halbzeit: 1-0
- Tore: 1-0 11. Ayoub Nunah (Elfmeter), 1-1 49. Mansouf El Omri, 2-1 62. Ayoub Nunah
- Verwarnungen: Ayoub Nunah (RB); Nr. 2, Nr. 5, Nr. 31, Mansouf El Omri (USMAM)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Complexe Sportif Sidi Bernoussi, Casablanca [ملعب البرنوصي بالبيضاء] (Kap. 6.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 750 (darunter ca. 10 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 4,0/10 (Streckenweise langweiliger Kick mit ein paar aufs Spiel verteilten Höhepunkten) Photos with English and Arabic Commentary:
a) Rachad Bernoussi v USM Ait Melloul
b) Casablanca: Morocco’s Biggest City

Ich nutzte das verlängerte Wochenende für eine ausgedehnte Groundhoppingtour, die ich Sonntagvormittag begann. Für das Jugendspiel in Roche Noirs war ich zu spät losgefahren, andere Spiele lagen zeitlich zu knapp – die Stadtautobahn A3, die fast alle Sportstätten der Stadt im weitesten Sinne miteinander verbindet, ist halt mal wieder eine einzige Baustelle. Also fuhr ich gleich nach Sidi Bernoussi, einen allenfalls mittelmäßigen (also für Casablanca noch ganz ordentlichen) Stadtteil. Der ortsansässige Club Rachad Bernoussi spielt dort vor einer dürftigen Kulisse von meist unter 1.000 emotionsarmen Zuschauern zweite Liga. Heute reiste einer der Clubs aus dem Raum Agadir, der Städtische Sportverein USM Ait Melloul, an. Auch die machten keine Stimmung. Aber Hauptsache ein Ultra-Banner für die 10 Leute aufhängen und noch eine Palästina-Flagge daneben…

Das Highlight war das Stadion: völlig asymmetrische Betontribünen die rund um den unebenen, struppigen und löchrig umzäunten Rasenplatz verteilt sind! In deren Rücken befinden sich noch Kleinfeld- und Basketballplätze, die ebenfalls zum Großteil von kuriosen Betontribünen mit großen Zwischenräumen und Ritzen umgeben sind. Die Gegentribüne ist mit ihren Zwischenräumen, gewagt wirkenden Pfeilern und dem asymmetrischen Aufgang schon klasse – aber die Haupttribüne hat mehrere Ränge, die man auf das Dach des Vereinsheims gebaut hat – aber alles nur halbfertig mit parallel führenden Treppen ohne Geländer und der Möglichkeit aufs Dach des Sportsaals zu klettern! Außerdem gibt es noch zwei kleine Tribünen hinter jedem Tor. Die Begrünung der Anlage ist auch nicht schlecht und geht im Niveau mit der am Stadion vorbeiführenden, sehr sauberen Hauptstraße mit. Die Sauberkeit des Stadions selbst ist aber nur auf dem Niveau des hinter der anderen Stadionmauer angrenzenden Bauernmarktes…

Das Spiel fing gut an: in der elften Minute ebnete der Elfer von Bernoussi mit einem sicher gegen die Laufrichtung des Torhüters verwandelten Elfer den Weg zum Erfolg für die Blauen. Nach der Pause kassierten sie zwar schnell den Ausgleich, doch das teilweise ruppige und über weite Strecken niveauarme Spiel wurde durch den Elfer entschieden, der einen Konter zum 2:1 abschloss.

Da alle Deutschen in Richtung weihnachtliche Heimat ausgeflogen waren und Khadijas Verwandte bei anderen Verwandten weilten, stieg ich noch mal im Funduq Cluny ab. Statistik:
- Grounds: 1.049 (1 neuer; diese Saison: 78 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.958 (heute 1, diese Saison: 102)
- Tageskilometer: 360 (360km Auto)
- Saisonkilometer: 28.330 (27.290 Auto/ 990 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 16 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 386

Dienstag, 17. Dezember 2013

W385III: Zweite Liga im Schafzuchtzentrum Kasbah Tadla

Jeunesse sportive de Kasbat Tadla (نادي شباب قصبة تادلة)
..................................... 2:1 (2:0) ......................................
------ Club Rachad Bernoussi (نادي الرشاد البرنوصي) ------
- Datum: Sonntag, 15. Dezember 2013 – Anstoß: 14.30
- Wettbewerb: Botola 2/ GNF 2 [2 البطولة الوطنية المغربية] (d.h. 2. Marokkanische Fußballliga, Halbprofiliga)
- Ergebnis: 2-1 nach 94 Min. (45/49) – Halbzeit: 2-0
- Tore: 1-0 24. Jaouad al-Qaous, 2-0 29. Wadiâ Karam, 2-1 65. El-Mehdy Ârashy (Foulelfmeter)
- Verwarnungen: Nr. 6, 10, 15 (JSKT); Nr. 26 (RB)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Municipal de Kasba Tadla [ملعب البلدي القصبة التادلة] (Kap. 5.300 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 1.500 (keine Gäste-Fans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Sehr gute erste Hälfte und mäßige zweite) شباب قصبة تادلة و الرشاد البرنوصي Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan 2nd Division: Chabab Riadi Kasbah Tadla defeat Rachad Bernoussi of Casablanca
b) Kasbah Tadla Castle Ruin and Mischliffen Landscape

Letzten Sonntag hatte ich schon ein Spiel von Kasbah Tadla in Tanger gesehen, heute stand ein Heimspiel auf dem Programm. Als ich um 7.30 Uhr im Innenhof stand, sprang mein Mitfahrer Zaki ab, da er nicht aus dem Bett kam. Khadija kommentierte trocken: „Mit ihm brauchst du keine Tour mehr abzumachen. Das ist halt der Unterschied zwischen Marokkanern und Marokkanerinnen: War ich jemals zu spät oder habe die Pläne kurzfristig geändert? Oder Fayza oder Malika? Nein. Aber mein Sohn ist ein typischer Marokkaner und kommt genau nach seinem Vater und den großen Brüdern: dauernd Wünsch, freie Zeiteinteilung und Faulenzerei als sei er ein Gast in einem Hotel und ich die Hotelangestellte…“

Dieses Wochenende also doch nur alleine etwas unternommen, aber die Fahrt lohnte sich auch so. Zwischen Ifrane und Azrou nahm ich nicht den direkten Weg sondern fuhr über Mischliffen, wo es tolle bewaldete Berge mit Hochalmen gibt. In Azrou stieß ich wieder auf die altbekannte Strecke gen Marrakesch, wo ich nur in El Borj mal kurz anhielt. Die Ruinen des Wohnturms (El Borj = Der Turm) hatte ich bei keiner der Fahrten in der Gegend fotografiert.

Kasbah Tadla liegt in einer Senke, die vom Fluss Oum er-Rabiaa durchflossen wird. An diesem Fluss liegt auch direkt die Altstadt mit der Festung (= Kasbah). Die ist innen sehr unordentlich und verfallen, doch zwei schicke Moscheen stehen in dem von hohen Lehmmauern umgebenen Gelände. Die anderen, sehr primitiven und heruntergekommenen Gebäude der Altstadt sind nicht der Rede wert – die Neustadt ist eine Ansammlung einfacher Betonbauten. Der Ort ist ein Landwirtschaftszentrum, das v.a. für Schafzucht bekannt ist und überhaupt nicht touristisch geprägt. So waren die Leute durchweg freundlicher als in den touristisch überlaufenen Orten wie Fès oder Marrakesch, aber entsprechend schwierig gestaltete sich die Restaurantsuche. Es schien nur ein einziges im ganzen Ort zu geben: an der Ausfallstraße gen Casablanca – und da gab es nur Fisch, was ich ungern esse… Aber egal, das Angebot eines gemischten Fischtellers mit Salat war zu gut: da das Besitzerehepaar so freundlich war gab es mal volle 10% Trinkgeld, doch selbst dann waren es nur glatt 3€ für eine richtige Mahlzeit. شباب قصبة تادلة و الرشاد البرنوصي Die Ultras des Vereins nennen sich „River Boys“ oder „Oulad El Oued“ und entsprechend liegt das Stadion nahe des Oum er Rabiaa. Die überdachte Haupttribüne ist über den Sozialtrakt gebaut und fasst nur 300 Zuschauer die 30 Dirham (2,70€) abdrücken müssen. Für 20 Dirham kann man sich auf den Stufen der Nebentribünen – hinter den Toren sind die nur bruchstückhaft ausgebaut – oder der Gegentribüne niederlassen. Alle Tribünen sind in den Vereinsfarben rot und weiß gestrichen. Die Lage in der gebirgigen und von Bäumen durchsetzten Weidelandschaft macht einen sehr guten Eindruck.

Was keinen so guten Eindruck machte, war die durch die Polizei verbreitete Hektik. Es gab heute kaum Support, da viele der River Boys am Zutritt gehindert wurden. Und das musste natürlich vorm Stadion ausdiskutiert werden. Nicht nur jugendliche Ultras, auch ein paar wenige Erwachsene wurden aus unverständlichen Gründen am Einlass gehindert und noch mehr wurden trotz Tribünenkarten und verfügbarer Tribünenplätze auf die billigeren Plätze geschickt. Erst in der zweiten Hälfte schien die Zuschauerzahl von 1.500 übertroffen worden zu sein und es wurden auch mal Gesänge angestimmt.

Allerdings war das Spiel in Hälfte zwei nicht mal mehr halb so gut wie in Hälfte eins. Da hatte Kasbah Tadla nämlich richtig schönen Fußball gespielt und die Gäste aus dem Casablancaer Stadtteil Bernoussi stark unter Druck gesetzt. So gab es auch einen Schuss aus spitzem Winkel und einen Kopfballtreffer zum 2:0 Pausenstand. Doch in der zweiten Hälfte stellte sich Kasbah Tadla mit ihrer üblichen Fünferreihe (hätte mich Fayza da nicht zu meiner Überraschung bei dem Spiel in Tanger drauf aufmerksam gemacht, wäre mir das gar nicht aufgefallen, dass da echt die halbe Mannschaft nur vorm eigenen Strafraum herumläuft) hinten rein und verteidigte den Vorsprung weitestgehend. Weitestgehend, das heißt dass Bernoussi immerhin ein Ehrentor per Foulelfmeter (gegen die Bewegung des Torhüters flach halbrechts eingeschoben) gelang.

Die Rückfahrt war nicht gerade schnell oder kurz, aber weder sonderlich anstrengend noch aufregend. Es war nur lustig wie man zwischen Kasbah Tadla und Azrou außer dem auf Amazight (Berber) sendenden SNRT Amazighiya keinen Sender reinbekam – aber auch arabische Marokkaner hören zumindest ab und an diese sich deutlich von normaler arabischer Mucke (ob altmodisch wie George Wassouf oder verwestlicht wie Amr Diab) unterscheidende Musik der Berber wie Aziz Bajtit (und ja, die singen in einer völlig anderen Sprache als Arabisch und ja, 9 Minuten sind für ein Amazighiya-Lied wirklich noch kurz). Und ich wüsste einige (v.a. auch marokkanische) Mitfahrer die zwar die Musikauswahl nicht gestört, aber es aufgeregt hätte, dass ich während des Fahrens (selbst während Überholvorgängen auf den engen Landstraßen) meine Sandwiches gegessen habe… قصبة تادلة Statistik:
- Grounds: 1.047 (1 neuer; diese Saison: 76 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.955 (heute 1, diese Saison: 99)
- Tageskilometer: 560 (560km Auto)
- Saisonkilometer: 27.390 (26.350 Auto/ 990 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 13 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 385

Dienstag, 3. Dezember 2013

W383II: Fußball in der Hauptstadt – mal auf Asche, mal auf Kunstrasen; aber stets viele Karten und immer taucht dieser Yacoub El Mansour auf

--- Union Sportive Témara - (الاتحاد لتمارة) --
............................ 1:0 (0:0) ............................
Club Rachad Bernoussi (نادي الرشاد البرنوصي)
- Datum: Samstag, 30. November 2013 – Anstoß: 14.30
- Wettbewerb: GNF Botola 2 [االبطولة الوطنية القسم الثاني] (Nationale Meisterschaft, 2. Abteilung = 2. Marokkanische Liga; Halbprofiliga)
- Ergebnis: 1-0 nach 100 Min. (46/54) – Halbzeit: 0-0
- Tor: 1-0 60. (32)
- Verwarnungen: Nr. 14, 15, 19, 25-TW (UST); Nr. 2, 7, 12-TW, 15, 19 (RB)
- Platzverweise: Torwart von Rachad Bernoussi (Nr. 12) wg. Notbremse in 97. Minute
- Spielort: Stade Municipal >>Yacoub El Mansour<< de Témara [الملعب البلدي "يعقوب المنصور" بتمارة] (Kap. 2.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: 500 (davon ca. 10 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Nach mäßiger erster Hälfte kam das Spiel ziemlich in Fahrt)

Association Elite Sportive Yacoub El Mansour
(النخبة يعقوب المنصور)
................................ 7:0 (5:0) ..............................
Club Sportif Najm El-Sahel Bouznika 
(نجم الساحل بوزنيقة)
- Datum: Samstag, 30. November 2013 – Anstoß: 11.00
- Wettbewerb: Senior 4 Division, Ligue 1 du Gharb de Football/ Groupe A [عصبة الغرب - بطولة الهواة القسم الرابع, مجموعة ا] (1. Westmarokkanische Regionalklasse/ Gruppe A = 6. Marokkanische Liga, 4. Amateurebene)
- Ergebnis: 7-0 nach 85 Min. (44/41) – Halbzeit: 5-0
- Tore: 1-0 5. (8), 2-0 24. Hoceine (6), 3-0 29. Hoceine (6, Elfmeter), 4-0 36. (7), 5-0 40. (5), 6-0 55. (7), 7-0 58. (16)
- Verwarnungen: 7, 14, 16 (AES); 4, 9, NN (CSNSB)
- Platzverweise: Nr. 5 von Bouznika (62. Min. wg. Beleidigung von Gegenspieler und Linienrichter)
- Spielort: Stade Pex/ Mamoune [ملعب المامون] (Kap. 1.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 70 (davon ca. 10 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Sehr einseitig, aber Nokhba spielte richtig guten Amateurfußball) ملعب مامون - رباط Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan Second Division: Union Témara defeat Rachad Bernoussi (Yacoub El Mansour Stadium at Témara near Rabat)
b) MOROCCAN AMATEUR FOOTBALL IN RABAT: NOKHBA YACOUB MANSOUR – NAJM SAHEL BOUZNIKA
c) Rabat and Salé: New pictures; Hassan Tower of the unfinished Grand Mosque, Russian Orthodox Church

Bevor ich zwecks Visumsverlängerung in besetztes Gebiet rüberfuhr, ging es erstmal zügig gen Hauptstadt. Da in der Nähe des Zielgebiets keine Verwandtschaft meiner Gastfamilie wohnt und somit eine Hotelübernachtung anstand, unternahm ich die Tour alleine. Ich fand mich auch ohne die tollen Hilfsmittel die mir jetzt bei manchen Beifahrern zur Verfügung stehen (z.B. Fayzas Google-Maps-App auf ihrem Smartphone) in der Hauptstadt zurecht und steuerte dort erstmal die unvollendet gebliebene, mittelalterliche Große Moschee mit dem Hassan-Turm an. Schon ein schickes Teil, typisch maghrebinische Ausarbeitung, aber künstliches Säulenlabyrinth und der angrenzende Garten ist eine Baustelle.

Die Moschee wurde übrigens von Yacoub El Mansour (Yakub al-Mansur, der Siegreiche Jakob) in Auftrag gegeben und der war Ende des 12. Jh.s Kalif der Almohaden-Dynastie. Ein Stadtteil von Rabat heißt so und auch diverse öffentliche Einrichtungen (v.a. in der Hauptstadt). Heute kam mir der Kerl beim Fußball dauernd unter und politisch gesehen ist die Benennung des Stadions in Témara oder des Stadtviertels in Rabat halbwegs nachvollziehbar, da er ein von Marokko ausgehendes Großreich regierte und weitestgehend erfolgreich gegen spanische und afrikanische Gegner verteidigte. Er wird auch gerne als Förderer der Baukunst und anderer kultureller Tätigkeiten gefeiert. Andererseits ist er angesichts seiner radikalen Religionsauslegung (Anhänger der Zahiriya, die in die Wahabiyya, die heute v.a. in Saudi-Arabien nur Scheiße baut, aufging) und Gewalttätigkeit gegen Minderheiten im marokkanischen Reich eine sehr zweifelhafte Person und steht eigentlich auch den Idealen des heutigen Königreiches Marokkos entgegen. النخبة يعقوب المنصور و نجم الساحل بوزنيقة Die erste Begegnung mit dem Namen Yacoub El Mansour gab es passenderweise am Russland-Platz. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich richtig abgebogen war, doch als eine Horde von 15 Jungen Leuten mit Sporttaschen auf dem Rücken um die Ecke kam, waren gleich zwei Sachen klar: 1. bin ich hier richtig am Stade Pex/ Mamoune und 2. fängt das anvisierte Spiel garantiert nicht in 10 Minuten an…

Das Stade Pex (auch bekannt als Malaab Mamoune) hatte ich dem Groundhopper von hyperfantastisch.de per Mail ungesehen empfohlen, als er ein Spiel am Aid-Wochenende gesucht hatte und mein Frauenmatch in Khenifra für ihn zu weit war. Er hat es dann wiederum sehr gelobt und schon von außen bestätigte sich der Eindruck: es ist ein zwischen primitive Mehrfamilienhäuser geklatschter Ascheplatz der hinter dem einen Tor von einer Sporthalle begrenzt wird und auf der einen Längsseite nur die Wechselbänke und ein paar schmale Bäume, auf der anderen aber eine tolle Tribüne für gut 1.500 Leute mit geometrischen Mustern aus Beton hinter der letzten Reihe, zu bieten hat.

Das Spiel zwischen Nokhba (Elite) aus dem Stadtteil Yacoub El Mansour und Najm Es-Sahel (Stern der Küste) aus dem zwischen Rabat und Casablanca liegenden Bouznika fing 15 Minuten später an, aber wusste von der ersten Minute an (trotz vom Start weg einseitiger Spielführung) zu gefallen. Bevor überhaupt angepfiffen wurde gab es die erste gelbe Karte, da ein Spieler der Gäste den Anstoß verzögerte nachdem der Schiedsrichter ihn darauf aufmerksam machen musste, dass er seinen Schmuck ablegen muss…

Nokhba legte dann sowas von los, dass Najm Saheli gar nichts zu melden hatte. Die kamen ja kaum über die Mittellinie, während der Gästekeeper dauerbeschäftigt war: ein Weitschuss, ein Kopfball, ein Elfmeter links unten ins Eck und schon stand es 3:0. Vor der Pause noch das 4:0 und 5:0 und dabei wurden noch zwei Tore vom schlechten Schiedsrichtergespann wegen angeblichen Abseits aberkannt!

Nach dem Seitenwechsel kam Bouznika ein wenig ins Spiel, doch ein Doppelschlag führte zum 7:0 Endstand. Ein Gästespieler pöbelte noch etwas rum und musste dann früher gehen, wobei sein Gehabe bei den dauernden Fehlentscheidungen der Unparteiischen (besonders der Linienrichter) in beide Richtungen halbwegs nachvollziehbar war. Mit 10 Mann und noch 25 Minuten bis zum Ende – zweistellig? Nichts war’s! Denn Bouznika spielte jetzt etwas besser und konnte hinten dicht halten, sodass es beim 7:0 blieb.

Noch schnell Essen fürs Wochenende im Acima am Russenplatz eingekauft, die russisch-orthodoxe Kirche besichtigt (leider nur von außen möglich) und dann zum nächsten Spiel. الاتحاد تمارة و الرشاد برنوصي - بطولة القسم الثاني Am großen Stadion Moulay Abdellah und dem Zoo vorbei geht es in die gesichtslose Nachbarstadt Témara. Nur primitive Platte, am Rande schicke Einfamilienhäuser. Zwischen diesen teuren Häusern und der Autobahn befindet sich dann das kleine Stadion des Zweitligisten Tihad (Union) Témara, das nach Yacoub El Mansour heißt. Nicht mal Eintritt wurde erhoben, wenn man auf die neunreihige überdachte Betontribüne oder die etwas niedrigere aber breitere unüberdachte Betontribüne gegenüber wollte. Bis auf den neuen Kunstrasen deuteten noch alle Zeichen auf Amateurliga aus der der Club emporgekommen ist. Nicht mal Zuschauertoiletten gibt es: fragt man einen Ordner, wird man zu den Spielern in die Kabine geschickt und geht mit denen aufs Gemeinschafts-Scheißhaus…

Auch die Zuschauerzahl von nur 500 ist sehr amateurhaft, doch auf dem Feld zeigte sich der Unterschied: hier wurde schneller, technisch versierter, aber vorsichtiger gespielt, wodurch es viel weniger Torszenen als bei den Amateurligen gab. Würde ich noch länger in Marokko bleiben, würde ich aus diesem Grund auch meine Hoppingaktivitäten schnell auf den Amateurbereich konzentrieren… Erst nach einer Stunde netzte Témara mit einem Sprungtritt aus sechs, sieben Metern ein. Kurz darauf allerdings noch ein Tor, was nur leider vom erneut schlechten Schiedsrichtergespann aberkannt wurde. Die Hälfte der gelben Karten war lächerlich, doch bei der roten Karte gegen den Schlussmann von Rachad Bernoussi lagen sie völlig richtig: eindeutiger kann man eine Notbremse nicht ausführen!

Die Spieler wurden noch v.a. von den sehr jungen Ultras etwas abgefeiert, wobei es hier insgesamt ungewohnt vernünftig und ruhig zuging in Témara. Kein Wunder, dass keiner deren Szene ernstnimmt…

Nach dem Spiel ging es gleich auf die Autobahn und in vier Stunden war Fnideq erreicht. Da im Bereich Sebta/ Ceuta, Fnideq, Tanger die Hotelsituation katastrophal ist, d.h. die Hotels fast ausnahmslos überteuert sind (wirklich billig sind nur die ganz schlechten Absteigen), buchte ich zwei Tage vorher mit der Visakarte die günstigste verfügbare Rate im grenznahen Ibis Fnideq. Immer noch 32€, aber besser als der Dreck den man sonst für 32€ oder 20€ angeboten bekommt in Fnideq und nahegelegenen Orten. Was an Ceuta bzw. Sebta so interessant ist, siehe Sonntagsbericht! الاتحاد تمارة و الرشاد برنوصي - بطولة القسم الثاني Statistik:
- Grounds: 1.039 (2 neue; diese Saison: 68 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.946 (heute 2, diese Saison: 90)
- Tageskilometer: 570 (570km Auto)
- Saisonkilometer: 24.620 (23.580 Auto/ 990 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 4 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 383