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Mittwoch, 22. September 2010

W215III: Die schwedische Westküste entlang nach Göteborg; u.a. der erste Spielbesuch in Schweden

Utsiktens BK (Västra Frölunda) 1:0 Annelunds IF Freitag 10. September 2010 – Anstoß 19.00 Division 2 Västra Götaland (4. schwedische Liga, 2. Halbprofiliga) Ergebnis: 1:0 nach 94 Min. (45/49) – Halbzeit 1:0 Tor: 1:0 24. Marius Evensen Verwarnungen: Fredrik Syversen (Utsikten); Peter Andersson, Tobias Bayard (Annelund) Platzverweise: keine Spielort: Ruddalens Idrottsplats (Kap. 2.500, davon 1.300 Sitzplätze) Zuschauer: 92 (davon ca. 8 Gästefans) Unterhaltungswert: 7,5/10 (Erste Halbzeit noch schneller und technisch hervorragender als zweite, doch bis zum Ende spannend und gutklassig!) Sightseeing: 7,0/10 (Schöne Malmöer Altstadt, schöne Festung Landskrona, ungewöhnliches Rathaus und kaum erhaltene Festung Helsingborg, mäßig sehenswertes Göteborg) IMG_4628 Photos and English version: Utsikten 1-0 Annelund Malmö City Landskrona Fortress Helsingborg Town Centre Göteborg City Malmö. Nach dem wie üblich sehr einfachen Frühstück im Formule 1 fuhren wir in Richtung Hafen, da sich dort das spektakulärste Hochhaus Schwedens befindet. Der „Torso“ steht noch etwas fremd in seiner Umgebung wirkend, was sich durch weitere Modernisierungen des Viertels ändern soll, herum und ist mit seiner schmalen, ineinander gedrehten Glasfassade ein echter Blickfang. In der Altstadt sind vor allem die hohe Backsteinkirche mit der Kupferturmhaube und der Rathausplatz mit dem dort zu erwartenden Gebäude, das diverse Stilrichtungen mischt, Blickfänge. Auch die einfachen Fachwerkhäuser am Kleinen Markt sind sehr schön. Der Schlosspark weiß ebenfall zu gefallen, wobei das dort befindliche, als Casino genutzte Schloss modern, verbaut und verpfuscht ist. IMG_6942 Man ist dann schnell in Landskrona, wo es neben ein paar bemerkenswerten Backsteinbauten (u.a. Altes Rathaus) auch eine sehr schöne Festung gibt. Gerade die Ecktürme haben enorm dicke Mauern und auch die Wallanlagen alleine sind spektakulär. Dass auf dem dicken Wall Schafe grasen, gibt dem ganzen natürlich eine sehr zivile Atmosphäre. Ein großer Aufkleber an einer Laterne, auf dem „Stoppa Kriget!“ – „Hört auf mit Kriegen!“ steht, passt auch zu einem Land, in dem die Friedensbewegung so populär ist. In die Festung kommt man kostenlos rein, nur die Museen kosten dort etwas. Noch ein Abstecher nach Helsingborg, wo sich alle Sehenswürdigkeiten sehr konzentriert an einer Stelle finden. Das Rathaus, was ein enorm spektakulärer Backsteinbau mit fetten Ecktürmen und einem hohen Uhrturm sowie einigen schönen Fassadendetails ist, ist leicht zu finden. Rechts davon geht man ein paar Schritte zwischen den schönen Häusern verschiedener Bauepochen hindurch und sieht sofort die riesige Treppe zur Festung, von der nur noch ein Turm steht – und eben diese spektakuläre, oben mit großen Bogenmauern aufwartende Treppe. Bis Göteborg wäre ich bei den 200km fast eingeschlafen: auf der Autobahn passiert bei den zugelassenen 110 bis 120km/h nichts. Die Gefahr am Steuer einzuschlafen ist wirklich groß oder auch dass man aus Schlampigkeit, die bei der anödenden Fahrt nach anderthalb Stunden bestimmt einsetzt, ohne in den Rück- und Seitenspiegel zu gucken auf die linke Spur wechselt und dabei jemanden rammt – größer als jegliche Gefahren, wenn man mit 150 und wilden Spurwechseln über die Autobahn fahren würde. Gute Musik im Radio ist noch seltener als in Deutschland. Nur in den USA und Kanada muss Autofahren noch schlimmer sein, als in Skandinavien. Gegen langweilige und unnötig strenge Regeln hab ich ja nichts (110 km/h auf den guten Autobahnen ist lächerlich) – aber wenn man die Regeln nicht mal übertreten kann, ohne Gefahr zu laufen, gleich hunderte von Euro zu lassen, kotzt mich so was einfach an. Endlich in der zweitgrößten Stadt Schwedens, Göteborg, angelangt, stellten wir mal wieder fest, dass es dafür erstaunlich viele Undiszipliniertheiten im Stadtverkehr gibt. Vor allem Fußgänger laufen einem ständig vors Auto und behindern durch Ampelignorieren den Verkehr. Ansonsten erinnert die Stadt Göteborg unangenehm an Hamburg: ziemlich viele Bausünde, viele verbaute Straßenzüge, überlaufene Konsummeilen, ein paar Kirchen (v.a. der Dom und die Deutsche Kirche) in einem auch in Hamburg oft anzutreffenden Baustil und ein völlig überbewerteter Hafen. Der Schlosspark lohnt sich nur an einem schönen Tag, wenn man das noch mit Tierparkbesuch und Vorbeischauen im botanischen Garten kombiniert. Aber durch die Landschaft und die geringere Zahl von Bausünde ist Göteborg alles in allem schon attraktiver als Hamburg. IMG_4492 Nach Einchecken im Hotel (wieder Formule 1), fuhren wir im Ortsteil Västra Frölunda an einigen Siedlungen vorbei, die wohl teilweise zum „Millionenprogramm“ der 1970er Jahre gehören: es wurde 1.000.000 neue Wohnungen in ganz Schweden geschaffen, wobei diese Siedlungen schnell völlig von Einwanderer dominiert wurde, da nur sie bereit waren, die beschissene Qualität der verpfuschten Plattenbauten zu akzeptieren, solange sie nur billig sind. Die einzigen Probleme mit nichtintegrierten Ausländern, die durch asoziales Verhalten und Kriminalität in Erscheinung treten, gibt es in diesen Brennpunkten. 
 Hinter solchen Plattenbauten, aber doch auch eingeklemmt zwischen Nadelwald auf teils felsigen Untergrund, befindet sich ein schönes Stadion mit zwei überdachten Längs- und zwei unüberdachten Quertribünen. Letztere sind ganz einfach zusammen gezimmerte Holzbrettertribünen, die jeweils 400 Stehplätze bieten. Die anderen 400 Stehplätze sind auf der moderneren Tribüne zu finden. Die Betonstufen mit den großen Zwischenräumen schwanken genauso wie die Holztribünen beim Drüberrennen. Zwischen den beiden Stehbereichen der Tribüne sind etwa 300 grüne Sitzschalen angebracht worden. Die restlichen Zuschauer pflanzen sich auf die herrliche Längstribüne mit ihren Holzbänken. Für 5€ (also 50 Kronen legt man an der Kasse hin) war man dabei beim Spiel der vierten Liga zwischen Utsiktens BK – dem 5. von 12 – und Annelunds IF, dem Achten. Das Spiel war das Kommen auch wirklich wert und nicht nur den Länder- und Groundpunkt, denn der Gastgeber belagerte das Tor der Gäste aufs Äußerste. Wie der Ball lief und was für technische Fertigkeiten bei beiden Mannschaften – vor allem aber bei Utsikten, was wohl „Die Aussicht“ heißt, aus dem Stadtteil Västra Frölunda – gezeigt wurden, war schon erstaunlich. Dabei ist die Liga nominell (2. Halbprofiliga) mit den deutschen Oberligen vergleichbar! Auch wenn nur ein Tor fiel – ein schöner Distanzschuss ins Eck durch Evensen nach 24 Minuten – gab es sehr viele Torszenen zu bewundern, die sich in der zweiten Halbzeit weitaus besser, als in der ersten verteilten. Utsikten war aber alles in allem auf jeden Fall die bessere Mannschaft und somit der verdiente Sieger. Was neben dem schönen Tor, der guten Technik, hohen Laufbereitschaft und den ab und an angesetzten harten Zweikämpfen auch noch gut war, war das Schiedsrichtergespann: das ließ nämlich im Zweifel einfach weiterlaufen. Schade, dass nur knapp 100 Leute dieses schöne Spiel sahen. Davon sprach uns einer schon fünf Minuten vor Anpfiff – also fünf Minuten nachdem wir überhaupt erstmal reingekommen waren – an. Der ältere Göteborger Groundhopper hatte schon richtig kombiniert, dass wir sozusagen Kollegen sind und freute sich, dass auch mal deutsche Groundhopper ist seinem „Wohnzimmer-Stadion“ vorbeischauen. Er nahm das Spiel allerdings auch nur mit, da es terminlich günstig lag: für uns auf dem Weg nach Norwegen, für ihn in die Gegend von Örebro, als Start ins Wochenende. Ein paar Baguettes von der Tankstelle – teuer aber hervorragende Qualität und äußerst interessante Auswahl! – bildeten das Abendessen. Das Spiel bildete einen guten Anfang einer ganzen Reihe interessanter Spiele in Skandinavien. IMG_4638 Statistik: Ground Nr. 467 (ein neuer Ground; diese Saison: 17 neue) Sportveranstaltung Nr. 1.061 (diese Saison: 23) Tageskilometer: 330 (Auto) Saisonkilometer: 4.640 (3.080 Auto/ 1.120 Fahrrad/ 380 Bahn, Bus, Tram/ 60 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug) Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 50 Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 215

W215II: Auf nach Skandinavien!

Vorwort zur Reise - und:
Von Merseburg nach Malmö Mit Skandinavien hatte ich bisher fast keine Erfahrungen gemacht – obwohl meine Vorfahren aus Schweden kommen. Einige Generationen ist das aber schon her und von der Sprache der Vorfahren kann ich auch nur ein paar Worte. Die sollten aber mal im September, kurz nach Ende der Hauptsaison, eingesetzt werden. 2007 war ich einmal, einen Verwandtenbesuch in Lübeck nutzend, mit meinem Vater ins süddänische Haderslev gefahren. Die Altstadt mit Dom besichtigt und dann zweite Liga (der Klub Søderjyske spielt mittlerweile sogar erste Liga) geguckt. Jetzt sollten 12 Tage ausreichen, um sich in etwas nördlicheren Gefilden zu bewegen. Die drei restlichen skandinavischen Länder Schweden, Norwegen und Finnland sollten besucht werden. Ich stimme der weitgreifendsten Definition von Skandinavien zu, die lautete, dass die kulturell, politisch und sprachlich eng zusammenhängenden Staaten Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland (das Finnische ist zwar die Sprache Nummer 1 und dem skandinavischen Sprachsystem völlig fremd, aber in Finnland ist Schwedisch die zweite bedeutende Sprache – zudem sind die kulturellen und politischen Verbindungen zu den drei anderen Staaten wichtig) zu Skandinavien zählen. Einen Monat vorher schlugen wir uns mit den Buchungen rum. Zwar schon beruhigend, im Voraus seinen Übernachtungsort zu kennen – in Syrien z.B. würde ich nie buchen: da informiere ich mich, wo die billigsten Hotels liegen und schau dann am Nachmittag/ Abend des Anreisetags da vorbei – aber bei den Preisen in Skandinavien will ich schon gleich wissen, was auf mich zukommt. Eine absolute Frechheit sind die Fährverbindungen. Wir wollten wegen unserer Leute in Rostock über Rostock fahren (von Sachsen-Anhalt aus kommend auch der günstigste Weg), verwarfen aber schon fast, von Rostock aus zu fahren: die Strecke nach Trelleborg in Schweden beträgt gerade einmal 140km, aber dafür soll man dann über 300€ hin und zurück bezahlen. Wenn man von Rostock nach Gedser fährt, kostet das die Hälfte für eine Strecke von 2x60km (also 2€ pro Kilometer), aber man ist schneller in Schweden, da man dann nur noch 150km Landweg hat. Die Brückenmaut von Kopenhagen nach Malmö (38€ pro Überfahrt) + Benzinkosten (knapp 40€) fressen dann die Ersparnis von 150€ gegenüber der Fähre Rostock-Trelleborg zwar fast auf – aber wie gesagt 1. nur fast und 2. schneller – und auf dem Rückweg von Schweden nach Deutschland sollte ja auch noch Kopenhagen besichtigt werden. Wenn man sieht, das große Bauwerke wie die Brücke vom schwedischen Festland nach Öland kostenfrei zu benutzen sind und die nicht mal doppelt so lange Brücke von Dänemark nach Schweden derartig teuer ist, sieht man, dass die Preise rein politischer Natur sind. Scandlines kann mir auch nicht erzählen, dass die mit ihren Wucherpreisen nur Betriebs- und Wartungskosten decken würden: die Fährverbindung von Stockholm nach Turku (Silljaline, Tallink) kostet am Tag um die 45€ (eine Nachtfahrt mit Kabine, die bei Rostock-Trelleborg noch mehr gekostet hätte, als die schön üblen 155€ pro Strecke, nur 80€). Von Stockholm bis nach Turku sind es aber keine 40km, sondern 300. In Worten: dreihundert!!! Die einzigen angemessenen und halbwegs nachvollziehbaren Preise bei Scandlines sind Personen- und Zweiradfahrerbeförderungen von Rostock nach Trelleborg. Die sind zwar immer noch in der Relation (20€ Passagier + 25€ Fahrrad bzw. 45€ Motorrad) doppelt so teuer wie die gleiche Tour von Stockholm nach Turku, aber überlegenswert. Wenn man die viele Zeit – und die Lust trotz der 360 Regentage im Jahr – für lange Radstrecken in Skandinavien hat. Oder Motorradfahren will. Letztere Beschäftigung finde ich außerhalb von Motoballplatz und Motorradrennstrecke eher daneben. Aber bei weitem nicht so daneben wie die Preise für Fähren von Deutschland aus nach Skandinavien. Die Reise durch den Südwesten und den südlichen Teil Zentral-Schwedens – Abstecher nach Süd-Norwegen und Südwest-Finnland inklusive – ließen wir uns dadurch natürlich nicht vermiesen. Wir brachen gegen 9 Uhr nach Abholung des Mietwagens in Merseburg auf, kamen gegen eins in Rostock an, aßen bei Blohms zu Mittag und machten uns dann zum Überseehafen auf. Dort musste man dann fast eine Stunde warten, bis man auf das Autodeck der großen Fähre durfte. Auf so einem Deck ist übrigens Millimeterarbeit gefragt, da man immer den geringsten Raum ausnutzen muss. Die Passagiere gehen dann hoch zu an den Fensterseiten gelegenen Viererbänken mit Tischen und sehen erst die Hafengebäude, dann Warnemünde und den Strand langsam vorbei streichen. Dann kann man getrost mit Lesen oder so was anfangen, denn die nächste knappe Stunde wird auf dem offenen Meer herumgeschippert. In Gedser auf der Insel Falster angekommen, verließen wir zügig die Fähre und kamen problemlos bis 600 Meter vorm Tunneleingang der Öresundbrücke – ein gigantisches Bauwerk aus Tunnel und noch viel längerer Brücke bestehend, das Kopenhagen (Dänemark) mit Malmö (Schweden) verbindet. Dann hielt alles an und sah mit Schrecken, dass die Verbindung zwischen den beiden Ländern gesperrt war. Zum Glück gab es nur einen kleineren Unfall mit wenigen und leicht zu bergenden Fahrzeugen. Etwas übertrieben, da mit drei Krankenwagen, vier Löschfahrzeugen und mindestens 10 Polizisten anzurücken. Ich will nicht wissen, wie lange wir bei einem LKW-Unfall mit Todesopfern hätten warten müssen. Der Tunnel wurde nämlich erst nach 80 Minuten Wartezeit wieder freigegeben. Eine nette Geste wäre ja gewesen, wenn die Mautbrücken geöffnet worden wären, aber nein, man musste sich dann nach dem Stau an die Mautschranken stellen und da 38€ (in eine Richtung: achtunddreißig Euro!!! – was natürlich ein rein politischer Preis ist, damit die sonst nicht konkurrenzfähigen Fähren nicht aussterben) bezahlen. Aber das Bauwerk war auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung, da die Fährverbindung im Öresund z.B. noch mal 5€ teurer ist und die Bedenken der Umweltaktivisten, wie so oft, unabhängig-wissenschaftlich gesehen völlig daneben sind. Am Ende des Tages checkten wir in dem im Voraus gebuchten Hotel Formule 1 Malmö ein. Da kostete das Doppelzimmer mit Frühstück auch nicht viel mehr als die Maut. Mit der Stadtbesichtigung dieser südschwedischen Großstadt begannen wir am darauf folgenden Tag. Statistik: Tageskilometer: 660 (600 Auto, 60 Schiff) Saisonkilometer: 4.310 (2.750 Auto/ 1.120 Fahrrad/ 380 Bahn, Bus, Tram/ 60 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)