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Dienstag, 11. August 2009

WE158III: Außer enormen Bergen nicht viel Lohnendes im Fürstentum - und: ein Zwischenstopp in einer häufig mit Merseburg verwechselten Stadt

FC Schaan 0:0 FC Triesenberg
Samstag, 8. August 2009 - Anstoßzeit 14.00
Testspiel 2. Liga gegen 3. Liga (5. geg. 6. Liga, 2. geg. 3. Amateurliga Schweiz)
Ergebnis: 0:0 nach 90 Min. (45/45) - Halbzeit 0:0
Tore: keine
Verwarnungen: keine
Platzverweise: keine
Stadion: Rheinwiese (Kap. 3.000)
Zuschauer: 40 (5 Gästefans)
Spielqualität: 1,0/10 (sehr schlecht)
Sightseeing: 6,0/10 (O.K.)

Um kurz vor 7 hieß es mal wieder aufstehen und um 7.30 waren wir auch schon beim Frühstück im Nachbargebäude. Nachdem wir die 70€ bezahlt hatten und von der Wirtin sehr freundlich verabschiedet wurden, ging es den knappen Kilometer ins Fürstentum Liechtenstein rüber.
In Ruggell gibt es etwas schöne Landschaft und eine wenig spektakuläre Kirche, aber im nächsten Ort, Schellenberg, dafür gleich zwei Burgen. Von der ersten, der Alten Schellenburg ist allerdings nur wenig erhalten, doch der Aufstieg ist schnell geschafft, sodass man die Grund- und Wehrmauern sowie den rekonstruierten Backofen begutachten kann. Lohnender ist die Obere Schellenburg, die sich einen Parkplatz mit dem örtlichen Sportverein - neben dem Fußballplatz lief gerade ein Inlinehockeyturnier, als wir dort ankamen - teilt. Dort ist mehr erhalten, sie ist flächenmäßig größer und der Turmrest ist markant, jedoch kann man auch da nur auf einer Ebene herum laufen.
Durch alle möglichen Dörfer und dann auch die Haupt,,stadt“ hindurch, kamen wir im Südwestzipfel an. Balzers kann mit einer sehr gut erhaltenen Burg, die spektakulär auf einem Bergkegel thront aufwarten. Derzeit sind Bauarbeiten dort, sodass man nur von außen gucken kann. Aber das hat sich auch schon gelohnt, ebenso wie die anstrengende Fahrt die Serpentinen rauf und runter nach Triesenberg - geniales Fußballstadion dort! - und Malbrun.
Gelohnt hat sich auch ein kurzer Rundgang durchs Stadtzentrum von Vaduz, besagter Hauptstadt also. Sie hat 5.100 Einwohner, ist nach Schaan (5.700 Ew.) die zweitgrößte Stadt des Fürstentums. Dieses hat insgesamt 36.000 Einwohner und ist mit einer Landesfläche von 160 qkm sechstkleinste Nation der Welt und viertkleinste Europas, sowie zweitkleinste Europas und drittkleinste der Welt, die eine FIFA-zugelassene Fußballnationalmannschaft hat. Im Übrigen ist Liechtenstein das wohlhabendste Land der Welt. Der einzige Grund, warum Liechtenstein kein Kanton oder gar nur Bezirk der Schweiz ist. In Vaduz kann man am Wochenende kostenlos parken, um sich dann die bizarren und zumeist gesichtslosen modernen Beton- und Glasbauten bzw. die herrlich gelegene und 100% erhaltene Burg des Fürsten anschauen. Letztere ist natürlich nicht innen zu besichtigen.
Im Nachbarort Schaan - größte Ortschaft Liechtensteins, wie gesagt - stand dann der erste - und sicherlich auch hier wie in Österreich: der letzte - Spielbesuch an. Im Ländle spielt man zwar einen Pokal aus, jedoch keine Liga, sodass alle Mannschaften des Fürstentums in schweizer Ligen spielen. Da noch nicht alle schweizer Spielklassen begonnen haben, trafen hier vor 40 gelangweilten und langweiligen Zuschauern die beiden Mannschaften - FC Schaan und FC Triesenberg - im Rahmen der Saisonvorbereitung aufeinander. Ein Klassenunterschied war nur teilweise zu bemerken. Chancen hatte fast nur Schaan, doch die wurden so was von lächerlich vergeben, dass wir bald ein 0:0 befürchteten. Nach 52 Spielen ohne 0:0 war es dann nach diesem Dreckskick wieder soweit. Zwei völlig unfähige Mannschaften! Man konnte ihnen nicht vorwerfen, bewusst langweilig oder torlos gespielt zu haben: die strengten sich beide (vor allem Schaan) wirklich an, aber schlechter geht Fußball kaum. Wie da blind Flanken in den Strafraum gesemmelt wurden, nur damit der Gegner den Ball ebenso blind ins Mittelfeld bolzte. Wie an Bällen vorbeigerutscht wurde. Wie Fehlpässe gespielt wurden und die Bälle ins Aus prallten. Unglaublich, so viele Vollpfosten auf einem Fußballfeld!
Die Zahl der Vollpfosten auf der Straße war dann auch unglaublich. Wieso nur alle immer um diesen scheiß Bodensee herum gurken müssen... Die Gegend ist zersiedelt, eintönig, übervölkert und langweilig. Die meisten Städte sind architektonisch ein derartiger Scheißdreck, dass man sich schämen muss, in so ein Kaff zuziehen. Meersburg ist einer der wenigen Orten, wo es sich lohnt, eine Weile zuzubringen. Sonst sieht’s städtebaulich da aus wie im Ruhrgebiet oder Wolfen. Meersburg hat jedoch nicht nur starke namentliche Ähnlichkeiten zu meiner Heimatstadt, sondern kann auch von den Sehenswürdigkeiten her mithalten. Der Merseburger Dom und das Schloss sind zwar um ein Vielfaches spektakulärer als alles Erbaute in Meersburg, doch im Ort am Bodensee gibt es viel mehr alte Privathäuser - Fachwerk ins Besondere - und die Burg und das Weinschloss können sich auch sehen lassen. Die Seepromenade ist im Übrigen auch ganz nett, zumindest schöner als das Saaleufer...
Je weiter wir uns dann vom Bodensee entfernten, umso angenehmer wurde der Verkehr, umso schneller das Vorankommen. In der badischen Prärie mussten wir dann noch etwas zu essen auftreiben, was gar nicht so einfach war. In einer Esso kurz vor der deutsch-französischen Grenze gab es mal etwas Ordentliches. Weit vor 23 Uhr kamen wir im ganz nah bei Deutschland gelegenen Mulhouse an und fanden sofort das ETAP. 45€ die Nacht für zwei Leute in einem Zimmer sind O.K.
Statistik:
Ground Nr. 337 (ein neuer Ground; diese Saison: 6 neue)
Sportveranstaltung Nr. 865 (diese Saison: 7)
Tageskilometer: 430 (Auto)
Saisonkilometer: 2.890 (2.750 Auto, 140 Fahrrad, 0 Flugzeug, 0 öffentliche Verkehrsmittel)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 0
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 158

Fotos unter:
Sehenswürdigkeiten Liechtenstein
Spiel in Liechtenstein
Meersburg am Bodensee

WE158II: Im Vorarlberg; Zwei Burgen in Feldkirch und ein Spiel der zweiten Operetten- und Kommerzliga

FC „Mohrenbräu“ Dornbirn 1913 2:1 „Fernwärme“ First Vienna FC Freitag, 7. August 2009 - Anstoßzeit 18.00 „ADEG“ Erste Liga (2. Liga Österreich, 1. Halbprofiliga) Ergebnis: 2:1 nach 93 Min. (45/48) - Halbzeit 1:1 Tore: 0:1 4. Osman Bozkurt (Elfmeter), 1:1 45. Thomas Stadtler, 2:1 69. Andreas Maier Verwarnungen: Rifat Şen, Johannes Hirschbühl, Andreas Maier, Oliver Mattle, Stephan Kirchmann (Dornbirn), Andreas Fading (Vienna) Platzverweise: keine Stadion: sog. Cashpoint „Arena“ - Stadion Schnabelholz (Kap. 8.500, davon 6.000 Sitzplätze) Zuschauer: 4.400 (30 Gästefans) Spielqualität: 5,0/10 (Mittelmaß) Sightseeing: 7,5/10 (Schön!) Innerhalb von drei Tagen hieß es drei neue Länderpunkte zu machen. Der erste Punkt sollte am Freitag fallen. Es ging um 6 Uhr morgens los und wir kamen bis zum Ende der Autobahn hervorragend durch. Erst ab Lindau wurde es nervend, denn dieser hässliche Bodensee ist bekanntlich total zersiedelt. Somit sind die Straßen auch so überfüllt, dass zwischen Deutschland und Österreich teilweise nur im Schritttempo gefahren werden kann. Stoßstange an Stoßstange bis weit ins südöstliche Nachbarland hinein, doch je näher man Feldkirch kam, umso besser wurde es. Wir durchfuhren auch Dornbirn, eine abartig hässliche Stadt, die uns nur wegen Fußball interessierte. Doch dazu später mehr.
Zuerst fuhren wir bis Feldkirch, wo wir kurz vor 12 an der kleinen, aber perfekt erhaltenen, spektakulär gelegenen und deshalb absolut sehenswert Schattenburg am Rande des Ortes ankamen. Wir durften für nur 0,20€ das Auto zwei Stunden lang parken und besichtigten zuerst den Ort, der mit etlichen schönen mittelalterlichen Gebäuden und spektakulären Häusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu überzeugen weiß. Aber zurück zur Schattenburg, die man für 3€ (ermäßigt 2€) besichtigen kann. Die Kassenwärterin ist sehr freundlich, die Innenräume sind mit bis zu 400 Jahre alten Möbeln ausgestattet, mit Bildern und alten Klavieren, Ritterrüstungen und Heiligenfiguren bestückt. Der Blick aus den offenen Fenstern auf die Stadt, die in einem Talkessel liegt, ist fantastisch. Ein Teil der Räumlichkeiten - u.a. auch der Turm - sind leider (noch) nicht zugänglich. Die Kassiererin klagte uns über die Verzögerungen bei der Renovierung des Turms.
Die zweite Burg, die wir anschauten, war die Ruine Tosters, die am anderen Ende von Feldkirch liegt. Die letzten 500m muss man laufen, um den nicht mehr begehbaren Bergfried und die teils noch mehrere Meter hohen Mauern zu sehen. Die lebensgefährlichen Abbrüche sind gesichert, ebenso der Eingang zum Bergfried. Auch von Burg Tosters ist der Blick auf Feldkirch herrlich. Nicht so herrlich sind die Preise in der Pension Nofels, aber für österreichische Verhältnisse - Benzin ist billiger, Parken und Besichtigungen auch, aber Übernachtungen völlig überhöht - noch anständig. Geräumig und ordentlich eingerichtet - wie sich’s in Österreich gehört, muss ein Heiligenbild in jedes Zimmer - sind die Räumlichkeiten auch.
Wir ruhten uns eine Stunde lang aus und fuhren dann nach Altach, da das Spiel vom FC Dornbirn 1913 nicht auf der Birkenwiese in Dornbirn aufgrund von Bauarbeiten stattfand, sondern ins nahe gelegene Stadion Schnabelholz in Altach verlegten. Der Blick auf die Berge hinter dem stinklangweiligen, 0815-modernisierten Bau auf der grünen Wiese war eines der Highlights der Anlage. Für überdachte, frei wählbare Sitzplätze musste ich 11€, mein Vater 13€ abdrücken. Auf der Karte verbat eine Stadionordnung in einem Atemzug Waffen- und Feuerwerksbenutzung sowie Bild- und Tonaufnahmen, doch schien sich das 1. ohnehin nur auf Videos zu beziehen und 2. keine Sau zu interessieren. Die Ordner tasteten nicht einmal meine Tasche ab, die Tribüne fotografierte ich mit Ordner am Bildrand. Also gar nicht mal so unsympathisch - zumindest nicht so unfreundlich wie in Deutschland meistens - diese Sicherheitskräfte. Auch übers Stadionessen - u.a. Brezeln und Gespritzter - konnte man nicht klagen. Beklagen muss man sich nur über das Konzept der österreichischen Operetten- und Kommerzliga und deren - von den Einheimischen auch fleißig als „Fußballmafia“ betitelten - Verband. Die schießen da echt den Vogel ab! Die deutsche Bundesliga und der DFB sind - lässt man die hanebüchenen Unsummen, mit denen dort im Schatten Englands und Spaniens gezockt wird, einmal beiseite - echt noch anständig dagegen: bis in die untersten Spielklassen heißen die Vereine nach irgendwelchen Sponsoren und spielen in der Kreditinstitut XY- oder Sportwetten XYZ-Arena. Und das auch in fast allen anderen Sportarten! Selbst im Radball! Ob die da unten noch zu retten sind, kann ich nicht sagen, nur ist der Widerstand in der Fanszene - meistens natürlich von so radikalen Kaspern wie dem Anhang der neuen Austria ausgehend - um einiges größer, als in Deutschland, auch was Aktionen gegen zockende Blubberbrausehersteller angeht. Hoffnung, dass die Phase der sich hemmungslos im Sport in den Mittelpunkt stellenden marktwirtschaftlichen Interessen abklingt, besteht erst innerhalb der nächsten Jahrzehnte, wenn die Konsumenten eventuell genug haben von familiengerechten, lärmfreien Events in Allseater-Arenen. Da hilft halt nur ein Boykott des (Profi-)Sports, wenn er zu widerwärtige Formen annimmt. Mein erster Spielbesuch in Österreich wird also ganz sicher der letzte sein.
Das Spiel war etwas besser als ein Durchschnittsspiel der mit der Ersten Liga vergleichbaren deutschen Regionalliga. Es ging sofort mit Druck des Gastvereins, der auf den völlig hirnverbrannten Sponsorennamen „Fernwärme“ hört, los. Dornbirns Abwehr geriet ins Wanken und eine Notbremse im Strafraum wurde mit Gelb und Foulelfmeter gegen Dornbirn bestraft. Weiß nicht, was die Stachelfrüchte sich da beklagt haben. Der Wiener Bozkurt verwandelte sicher. Die nächsten 40 Minuten waren halbwegs passabel, doch auch beste Möglichkeiten wurden bis zur 45. ausgelassen. In der letzten Minute vor der Pause spielte Dornbirn, die mittlerweile gleichwertig waren, aber in Sachen gelbe Karten vom Schiri ungleich, soll heißen: schlechter, behandelt wurden, wunderbar den Ausgleich heraus. Nach der Pause wurden die mehr oder wenige Hausherren sogar stärker. Nach einigen vergeben Chancen hämmerte ein Deutscher den Ball an den Innenpfosten aus 20m ins Tor. Dieser erste Saisonsieg im fünften Spiel sollte aber erst nach 24 Minuten zittern perfekt werden, denn nach dem 2:1 spielte der älteste Fußballverein Österreichs wieder mehr aufs Dornbirner Tor. Zwei Lattentreffer und etliche Kleinchancen standen zwei Kleinchancen und einem gnadenlos schlecht vergebenen Konter gegenüber. 2:1 war am Ende ganz O.K. und wir gingen erst einmal in einem guten indisch-chinesischen Restaurant in Feldkirch essen und mussten dann Motoröl nachfüllen: da haben wir in knapp 1.000 Kilometern doch glatt einen Liter Öl weggeballert! Wieso der Wagen aber auch im höchsten Gang bei 190 km/h Spitze bis fast in den roten Drehzahlbereich schießt, ist mir ein Rätsel. In der Pension zurück, bereiteten wir uns auf die Tour ins benachbarte Fürstentum vor.

Statistik: Ground Nr. 336 (ein neuer Ground; diese Saison: 5 neue) Sportveranstaltung Nr. 864 (diese Saison: 6) Tageskilometer: 650 (Auto) Saisonkilometer: 2.460 (2.320 Auto, 140 Fahrrad, 0 Flugzeug, 0 öffentliche Verkehrsmittel) Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 52 Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 158 Fotos unter: Stadt und Burgen Feldkirch Spiel Dornbirn - Vienna Der Elfmeter von Vienna