Donnerstag, 5. Oktober 2017

W582III-W583VII: Eine Woche in Katar – von einer Stadionfestung, Eishockey bei 40 Grad Außentemperatur und vielem mehr...

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I. Sightseeing:
a) Doha & Ar Rayyan: The Capital City of Qatar and its neighbour Ar Rayyan
b) Qatar: Desert, Deserted Villages and Defense Structures outside of Doha: Al Khor, Zubarah, Al Thaqab, Al Rekayat, AL JEMAIL, Madinat Al Shamal, Umm Salal Mohammed, Al Wakrah, Zekreet
c) Museums in Qatar: Msheirib Houses, Old Firestation, MUSEUM OF ISLAMIC ARTS, Mathaf Museum of Modern Arabic Art, SHEIKH JASSIM PALACE MUSEUM

II. Sports:
d) Al Markheiya U23 4-1 Al Kharaitiyat U23 (Reserves League, FORT STADIUM AL SHAMAL)
e) Al-Rayyan U23 2-2 Al-Khor U23 (Reserves League, Al Sailiya Stadium)
f) Al Shahaniya 4-0 Al Shamal (2nd Professional League, Al Wakrah)
g) Camel Racing Practise in Al-Sheehaniya
h) Handball U19: Al Shamal 21-31 Al Rayyan & Al Gharafa 41-19 Al Arabi (1st Division Under-19, Duhail Sports Halls)
i) QIIHL: CNAQ B 5:4 Oilkings B, Rink Rats A 5:6 Hammers/ Sandvipers A
j) QSL: Rayyan 3:5 Duhail & Al Sadd 2:1 Al Gharafa (Jassim Bin Hamad Stadium)
k) Video: Rayyan 3:5 Duhail
l) Squash Qatar Junior Open at the Kalifa International Complex
m) QSL: Al Arabi 2:1 Qatar SC (Grand Hamad Stadium)
n) QSL: Al Ahli 0:2 Umm Salal (Hamad bin Jassim Stadium)
Al Markheiya U23 4-1 Al Kharaitiyat U23 Ich hab keinen Bock zur WM 2022 nach Katar zu reisen. Nicht, weil ich die Aufkauferei und die Sklavenbauerei so schlimm finde: Deutschland hat die WM 2006 auch erkauft und Russland setzt für 2018 nordkoreanische Sklaven ein, ganz abgesehen davon, dass Russland viel mehr Terrorismus in der Welt betreibt, als Katar, das derzeit von anderen Terrorförderern wie Saudi-Arabien boykottiert wird, da es wiederum ein weiteres Terrorregime (Iran) hofiert. Is halt so... Und ich habe einfach keinen Bock bei einem Großereignis einen aufgesetzten Alltag zu Fantasiepreisen gezeigt zu bekommen: besser deutlich vorher oder nachher den Ligaalltag miterleben! Da die Flüge, Mietwagen und Hotels verhältnismäßig billig waren – 330€ p. P. inkl. 23kg Fluggepäck mit Pegasus, 6 Tage Auto mieten mit Navi knapp 200€, 5 Übernachtungen im Drei-Sterne-Hotel mit Frühstück 170€, warmes Essen mit Getränk: schon ab 6€ p. P. – schlugen mein Vater und ich, wo wir doch (gerade weil ich in dem sprachlichen Feld arbeite) in den nächsten Jahren alle arabischen Staaten besuchen wollen und erst bei 9 von 19 sind, zu: in der Woche vor seinem Geburtstag ging es los, als Geschenk zu seinem 68. in das für uns 10. arabische Land. Cat in front of the skyline at Doha Corniche Tag 1: Anreise
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Morgens in Rostock los, mittags am Flughafen Schönefeld angekommen. Mit Zwischenlandung in Istanbul ging es mit der neuen türkischen Billig-Airline Pegasus nach Doha, wo wir um kurz vor 3 Uhr morgens landeten. Hier kontrollierten sympathische junge Araberinnen mit lockerem Schleier und lässige Araber und Schwarze mit originellen Klamotten und Uniformen die Pässe und das Gepäck auf dem sehr modernen und extrem sauberen Flughafen – wenn ich da an die versifften Klos in Istanbul (Sabiha Gökcen) und die unfreundlichen Berliner Hackfressen von der Bundespolizei zuvor denke...

Pegasus machte übrigens einen guten Eindruck: zwar muss man für Essen an Bord zahlen, aber es ist mehr Gepäck erlaubt und billiger, man bekommt bei der Buchung auch nicht immer irgendwelche Sitze oder sonstwas angedreht.

Auch Hertz Doha machte einen guten Eindruck. Mit deren Ford Figo fuhren wir dann erstmal zur Corniche. Al Khor Tages-Statistik; Sonntag, 24. September: 300 km mit dem Auto und 3.030km mit dem Flugzeug zurückgelegt. Zubarah fort and archeological site Tag 2: Der festungsreiche Norden – selbst das nördlichste Stadion des Landes ist ein Fort
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Al Markheiya U23 ............................................. 4
Al Kharaitiyat U23 ............................................ 1
- Datum: Montag, 25. September 2017 – Beginn: 18.00
- Wettbewerb: sogenannte Qatargaz Under-23 League (1. katarische Reserveliga für U23-Mannschaften der Profiklubs)
- Ergebnis: 4-1 nach 96 Min. (46/50) – Halbzeit: 1-0
- Tore: NN
- Gelbe Karten: NN
- Rote Karten: keine
- Austragungsort: Fort Stadium/ Al Shamal SC (Kap. 5.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 50 (überwiegend Neutrale)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes und flottes Spiel) Al Jemail deserted village Als es an der Corniche von Doha hell wurde, fuhren wir nach Norden. Katar ist eine Halbinsel, die mehr als doppelt so groß wie Luxemburg aber damit immer noch deutlich kleiner als Belgien ist. Die Landschaft ist eintönig, da weitestgehend flach und nur Sand- und Steinwüste. Die Bebauung ist aber abwechslungsreich. Der Norden des Landes ist eher dünn besiedelt. Groß ist v.a. die Küstenstadt Al Khor, wo wir uns die restaurierten Wehrtürme, die Corniche mit Strand und den Mangrovenwald am Ortsrand anguckten. Im Gegensatz zur futuristischen Hochhausarchitektur in einigen Teilen Dohas, gibt es in den Orten wie Al Khor kaum oder keine Hochhäuser. Auffällig sind nur Villen in typisch arabischen Stilarten mit Marmor und anderen schicken Natursteinen.

Gegenüber vom an der Ostküste gelegenen Al Khor befindet sich an der Westküste in Sichtweite von Bahrain eine Ruinenstadt namens Al Zubarah. Weitläufige Grundmauern, ein paar rekonstruierte Stadt- und Burgmauern, ein tolles neueres Fort – Weltkulturerbe, das einzige in Katar derzeit, und kostenfrei zu besichtigen.

Auf dem Weg an die Nordspitze befinden sich rechts und links der Straße viele moderne Wüstungen und mehrere Festungen und Gehöfte. Wir schauten die Wüstung Ain Mohammed an, deren Gebäude aus dem 20. Jahrhundert allesamt von mieser Qualität waren, besichtigten dann das nur über Pisten zugängliche Gehöft Al Thaqab, fanden aber leider nicht zur Festung in der gleichen Gemarkung. Dafür besuchten wir dann die benachbarte Festung Rekaya, die neben einer Kamelfarm liegt und derzeit restauriert wird. Besonders interessant war dann die Wüstung eines etwas besser aussehenden Dorfes namens Al Jemail – auch die verfallene Moschee kann man samt Minarett besuchen, was bei den oftmals wahhabitischen Moscheen in Katar normalerweise nicht geht. Al Markheiya U23 4-1 Al Kharaitiyat U23 Eine weitere Festung schauten wir uns im Hauptort der nördlichen Gemeinde Madinat Al Shamal, Ar-Ruways, an. Allerdings eine erst vor wenigen Jahren errichtete, überdimensionierte Festung: die beherbergt nämlich das Stadion der 9.000-Einwohner-Gemeinde. Entsprechend der Originalfestungen wurde rechteckig gebaut, drei Rundtürme und ein rechteckiger Turm errichtet und dann eben auf die Türme Flutlicht gebaut, innen vor die hohen Mauern Tribünen mit Schalensitzen und damit man weiß, wie es auf dem satten grünen Rasen steht, auch noch zwei Anzeigetafeln an zwei der Rundtürme angebracht. In dem eckigen sind übrigens Funktionsräume und eine VIP-Loge...

Heute kickten hier vor gerade einmal 50 Zuschauern die Reserven (U23) von Al Markheiya (Ortsteil im Norden von Doha) und Al Khareitiyat (OT von Umm Salal, noch ein Stück nördlich von Doha) auf neutralem Platz. Der Stadionsprecher sagte – wie es in Katar wegen der 70% Expats, davon zur Hälfte nicht des Arabischen mächtig, üblich ist – auf Arabisch und Englisch die Tore usw. an.

Tore gab es auch einige. Das Spiel war gut und offensiv geführt, lustige Schönspielereien mit Torhütern, die den Ball bis zum Mittelkreis dribbeln und so was gab es auch. Vor allem in der zweiten Hälfte dominierte dann Markhiya, Kharitiyat vergab noch einen Elfer und Markhiya gewann mit 4:1.

Nach dem Spiel fanden wir dank Navi zügig zu unserem gebuchten Hotel in Doha. Machte einen guten Eindruck die Hütte! Das Viertel ist allerdings aufgrund der Randlage am schicken Zentrum etwas versifft. Ein indisches Restaurant mit netten Bediensteten und sehr gutem Essen fanden wir trotzdem. Es war nur sehr beengt, da jeder Platz mit südasiatischen Arbeitern belegt war... Al Markheiya U23 4-1 Al Kharaitiyat U23 Tages-Statistik; Montag, 25. September: 350 km mit dem Mietwagen zurückgelegt. 1 Fußballspiel gesehen, 1 neuer Ground, 6. Spiel seit dem letzten 0:0, 583. Woche seit der letzten ohne eine Sportveranstaltung. Doha: Souq Waqif Tag 3: In der Hauptstadt
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Al Rayyan U23 ................................................... 2
Al Khor U23 ....................................................... 2
- Datum: Dienstag, 26. September 2017 – Beginn: 18.00
- Wettbewerb: sogenannte Qatargaz Under-23 League (1. katarische Reserveliga für U23-Mannschaften der Profiklubs)
- Ergebnis: 2-2 nach 94 Min. (46/48) – Halbzeit: 2-1
- Tore: NN
- Gelbe Karten: NN
- Rote Karten: keine
- Austragungsort: Al Sailiya Club Stadium (Kap. 1.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 50 (zur Hälfte Neutrale, zur anderen Hälfte Rayyan)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Ganz unterhaltsames Spiel) Doha: Msheirib Houses Nach kaum Schlaf in den beiden Tagen zuvor ließen wir uns etwas mehr Zeit, frühstückten als die Vorletzten im Hotel und kamen erst kurz vor 11 Uhr nach draußen. Erstmal zu Fuß durch die Altstadt, die am Rande mit älteren und neueren Beton- und Glasbauten zugestellt ist. Die neueren Bauphasen sind sehr attraktiv und auch gut organisiert: die amerikanisch/ westliche Stadtplanung in vielen Teilen der Golfregion ist halt nicht so ein Dreck wie die russisch/ sowjetische die dem Chaos syrischer oder ägyptischer Städte nicht Herr werden kann. Sehenswert ist vor allem der neuaufgebaute Markt (Souq Waqif), der in einer Art arabischem Historismus errichtet wurde. Die engen überdachten Gänge haben im Gegensatz zu normalen historischen Souqs saubere Marmorböden, keine aufdringlichen Händler und moderne Brandschutzvorrichtungen. Highlight ist die Abteilung für Falken: die lebenden Jagdfalken werden von Verkäufern vorgeführt – der potenzielle Käufer begutachtet dann, wie gleichmäßig der Flügelschlag ist usw.

Gegenüber vorm Souq machen sich moderne Paläste für Regierungsinstitutionen breit – die Art und Weiße der Machtdarstellung im Golf hat es in Europa nach dem Barock nicht mehr gegeben, aber bei der Qualität der Bauten und der Flexibilität der meisten Gesellschaften dort, stehen die Chancen gut, dass noch mehr Prunkbauten auch in 400 Jahren erhalten bleiben, als es beim Barock von 1600 bis heute der Fall ist. Die Flexibilität der Qataris ist sehr gut neben dem großen Emir-Palast in den Musheirib Häusern zu erfahren. Das sind vier historische Gebäude, die wiederaufgebaut wurden und zwischen den modernen Palast- und Funktionialbauten unweit der wegen Restaurierung gesperrten kleinen osmanischen Festung stehen. Die Museen sind kostenlos zu besichtigen und man bekomm auf höchstem Niveau mit modernster musealer Technik die Geschichte Katars, die auch den Umstieg vom ehemaligen Wirtschaftszweig Nr. 1, Perlenfischerei, auf Öl- und Gasindustrie umfasst. Außerdem werden laufende Projekte zur Diversifizierung der Wirtschaft und weiteren Modernisierung der Hauptstadt vorgestellt. Ein gewisses Highlight ist der Museumsteil, der sich mit der Geschichte von Sklaverei und Ausbeutung befasst – auch wenn immer wieder auf den Fakt verwiesen wird, dass Ausbeutung (z.B. von ausländischen Lohnarbeitern in der Landwirtschaft) auch in allen Industrienationen Gang und Gebe ist; die unrühmlichen Aktionen mit dem Kafala-System in Katar kommen nicht zu kurz und werden kritisiert. So offen darf nur kritisiert werden, weil die Kritik von höchster Stelle kommt – verantwortlich für alle Spitzenmuseen in Katar ist nämlich die zweite Frau des Emirs, Sheikha Mozah bint Nasser Al Missned und aktiv beim Akquirieren und Verwalten der Kunstwerke ist v.a. die Tochter Al-Mayasa bint Hamad bin Khalifa Al Thani.

Wir fuhren noch mit dem Auto in einen anderen künstlichen Stadtteil: Katara Village, wo historische Architektur sehr idealisiert nachgebaut und durch Unfug wie ein filmisches Amphitheater ergänzt wurde. Es gibt außerdem einen Badestrand und viele teure Restaurants. Doha: Katara Village Dann dauerte es durch Feierabendverkehr und Umleitungen – Doha und Rayyan sind in weiten Teilen totale Baustellen – ewig bis man durch Dohas Nachbarstadt Ar Rayyan von Nord nach Süd durch war. Eines der langweiligsten Stadien in Katar ist das nur auf einer Seite mit einer 1.000 Zuschauer fassenden und ziemlich schmucklosen Sitztribüne bestückte Sailiya Stadium im gleichnamigen Ortsteil von Ar Rayyan: dort wurde wieder U23-Liga gespielt, wobei die Reserven von Ar Rayyan und Al Khor aufeinander trafen. Es stand schon 2:1 als wir zur 22. Minute eintrafen. Erst weit in der zweiten Hälfte gelang Ar Rayyan nach furchtbar vielen vergebenen Chancen der Ausgleich zum 2:2 Endstand. Auch hier wieder nur gut 50 Zuschauer bei freiem Eintritt und ohne Stimmung. Wie am Vorabend gingen wir bei dem netten aber engen indischen Restaurant neben dem Hotel essen. Al-Rayyan U23 2-2 Al-Khor U23 at Al Sailiya Stadium Tages-Statistik; Dienstag, 26. September: 80km mit dem Mietwagen zurückgelegt. 1 Fußballspiel gesehen, 1 neuer Ground, 7. Spiel seit dem letzten 0:0, 583. Woche seit der letzten ohne eine Sportveranstaltung. Al-Rayyan U23 2-2 Al-Khor U23 at Al Sailiya Stadium Tag 4: Wieder Museen, Märkte und Fußball
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Al Shahaniya ...................................................... 4
Al Shamal ........................................................... 0
- Datum: Mittwoch, 27. September 2017 – Beginn: 18.00
- Wettbewerb: Second Division League (2. katarische Profiliga)
- Ergebnis: 4-0 nach 95 Min. (46/49) – Halbzeit: 2-0
- Tore: NN
- Gelbe Karten: NN
- Rote Karten: keine
- Austragungsort: Saoud bin Abdul Rahman Al-Thani Stadium/ Al-Wakrah Club (Kap. 20.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 100 (überwiegend Neutrale)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Ordentliches Spiel) Umm Salal Mohammed Den Mittwoch fuhren wir zuerst nach Umm Salal raus, wo es eine sehr schöne Festung mit zwei markanten Türmen gibt. Im umliegenden Stadtviertel fallen die arabischen Villen auf, deren Besitzerfamilien oft drei bis fünf Autos im Carport stehen haben. Noch mehr Autos standen an der Tankstelle an der sechsspurigen Schnellstraße nach Doha: erst nach 20 Minuten waren wir an der Zapfsäule. Kostet dafür auch nur 0,45€ pro Liter Benzin – nur gibt es in Katar einfach zu wenige Tankstellen: um die 15 Minuten anstehen trotz 10, 12 Zapfsäulen ist normal.

Zurück in Doha suchten wir zuerst ein weniger interessantes Kunstmuseum, das sich Old Firestation nennt, auf. Die Alte Feuerwache ist in der Tat bis vor einigen Jahren als Feuerwache benutzt worden – dann hat der Zivilschutz etwas bessere bekommen und lokale und arabische moderne Künstler können sich in den Räumlichkeiten austoben. Noch ist viel Platz und wenig zu sehen – kostet eh keinen Eintritt. Am interessantesten sind die beiden alten Feuerwehreinsatzfahrzeuge und die Wandbilder am Schlauchtrockenturm.

Ganz anders im ebenfalls kostenlosen Museum of Islamic Art auf einer Halbinsel an der Corniche von Doha. Ein sehr gepflegter Park außen, ein spektakulärer moderner außen asymmetrischer innen symmetrischer Bau und mehrere tolle Dauer- und noch bessere Sonderausstellungen. Im Moment gab es sehr viele iranische Kunstwerke zu sehen. Das Niveau der Ausstellungsstücke, ihrer Präsentation und der Aufbereitung ist Weltklasse.

Wir fuhren ins südlich gelegene Al-Wakrah raus, wo es einen schönen, authentisch rekonstruierten Souq/ Markt gibt. Anschließend an den Markt gibt es einen gepflegten Strand und zur anderen Seite hin ein Funktionärsviertel mit einer alten Festung, die allerdings in offizieller Nutzung und leider kein touristischer Ort ist. Doha: Museum of Islamic Art Nahe der Altstadt gibt es dann ein stattliches Stadion, wo u.a. der Zweitligist Al-Wakrah kickt. Das weite blaue Rund mit 20.000 Sitzen war mit kaum 100 Zuschauern belegt. Es war mal wieder eines der dämlichen Spiele auf neutralem Platz: Al Shamal kam von der Nordspitze um gegen Al Shahaniya, einem westlich gelegenen Ortsteil von Ar Rayyan zu spielen. Nach gutem Beginn enttäuschte Al Shamal auf ganzer Linie und verlor durch teils spektakuläre Tore mit 0:4. Stimmung gab es mal wieder keine. Und zum dritten Mal hintereinander gab es nur indisches Essen – wir hatten hier auch mal syrische Restaurants gesehen, aber am nächsten zum Stadion war ein gutes und preisgünstiges indisches Restaurant. Nur etwa 5% der Gaststätten bieten arabisches Essen an. Die 60% Araber, von denen auch nur 30% Katarer sind, wollen – wenn sie ausgehen – europäisches, amerikanisches, indisches usw. Essen haben, nicht das einheimische Essen, was sie zuhause kochen. Al Shahaniya 4-0 Al Shamal Tages-Statistik; Mittwoch, 27. September: 110 km mit dem Mietwagen zurückgelegt. 1 Fußballspiel gesehen, 1 neuer Ground, 8. Spiel seit dem letzten 0:0, 583. Woche seit der letzten ohne eine Sportveranstaltung. Al Shahaniya 4-0 Al Shamal Tag 5: Von Kamelen, Oldtimern und Handballarenen
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Al Shamal U19 ................................................ 21
Al Rayyan U19 ................................................ 31
- Datum: Donnerstag, 28. September 2017 – Beginn: 17.15
- Wettbewerb: Nation League U19 (1. katarische A-Junioren-Handballliga)
- Ergebnis: 21-31 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: xx-xx
- Tore: NN
- Gelbe Karten: NN
- Zeitstrafen: NN
- Rote Karten: keine
- Austragungsort: Duhail Sports Hall, Main Hall (Kap. 5.580 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 25 (überwiegend Neutrale)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Durchschnitt)

Al Gharafa U19 ............................................... 41
Al Arabi U19 ................................................... 19
- Datum: Donnerstag, 28. September 2017 – Beginn: 19.00
- Wettbewerb: Nation League U19 (1. katarische A-Junioren-Handballliga)
- Ergebnis: 41-19 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: xx-xx
- Tore: NN
- Gelbe Karten: NN
- Zeitstrafen: NN
- Rote Karten: keine
- Austragungsort: Duhail Sports Hall, Trainings Hall 2 (Kap. 640 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 25 (überwiegend Neutrale)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Sehr einseitig, aber ganz gut) Camel Racing Practise in Al-Sheehaniya Am folgenden Tag gab es ein paar kuriose Sehenswürdigkeiten auf unserer Liste: mitten in Katar in einem isolierten Ortsteil von Ar Rayyan, befindet sich die größte Kamelrennstrecke des Landes. Wenn man die verschiedenen Strecken abfährt, hat man schnell 30km zusammen. Leider gibt es nur eine kleine Ehrentribüne im Zielbereich und das Training der Kamele war nicht besonders interessant. Aber Kamelrennen gibt es auch in Europa. Den oben verlinkten Bildordner bei flickr nehme ich jedenfalls als Grundstock für weitere Fotos vom Kamelrennsport, der im Prinzip wie der Pferderennsport funktioniert.

Einmal durch zur Westküste, wo es an einem der ganz schönen Strände im eher primitiv wirkenden Dorf Zekreet die Ruinen einer Festung gibt, dann zurück in Richtung Ar Rayyan. Da wird es dann wieder kurios: in einem historistischen, riesigen Wüstenschloss hat sich ein Mitglied der Herrscherfamilie, Sheikh Faisal Bin Qassim Al Thani, ein privates Museum eingerichtet. Eintritt und Fotogebühr sind nicht billig (15+50QAR = fast 16€) – aber diese kuriose Sammlung muss man mal gesehen haben. Sie ist nicht museumswissenschaftlich aufbereitet, die Didaktik ist kaum erkennbar, aber die rund 20.000 Objekte sind einfach lustig anzuschauen. Einige der Objekte haben auch gescheite Erklärungen, mindestens auf Arabisch, bekommen. Es gibt alles, was der Sheikh in seinen 69 Lebensjahren so zum Spaß gesammelt hat zu sehen und er präsentiert es mit viel Freude: Oldtimer von bis zu 100 Jahren Alter, Spielzeug, alte Medizingeräte, Waffen, Fossilien, Porzellan, klassische Kleidung von der arabischen Halbinsel, dem Kaukasus und der Türkei, religiöse Devotionalien – von Thorabüchern über schiitische Flaggen bis hin zu einem katholischen Beichtstuhl (das Verkaufsgeschäft hätte ich ja gerne mal mitgekriegt: ist der da mit seinem Dolmetscher in eine europäische Kirche gegangen und hat den Pfarrer fragen lassen, wie viel er für so ein Teil verlangt?!) – aber auch ein ganzes kleines damaszener Bürgerhaus mit historischer und extrem wertvoller Innenausstattung. Bis man alles gesehen hat, sind da drei Stunden schnell rum! Sheikh Jassim Al Thani Fort and Private Museum Einige Zeit verbrachten wir dann auch beim Handball: leider spielte die Männerliga noch nicht, doch die sehr ästhetische und über 5.000 Zuschauer fassende Haupthalle des futuristischen Sportkomplexes von Doha-Duhail wurde dennoch genutzt. Die U19 von Ar Rayyan besiegte in einem nicht gerade herausragenden Spiel die U19 von Al Shamal mit 31:21. Eigentlich noch zu niedrig, aber Ar Rayyan spielte nicht durchgehend starken Handball. Im Keller gibt es noch zwei kleine Sporthallen und ein Schwimmbad. In Halle zwei steht eine etwas wacklige portable Tribüne für 640 Leute. Dort schauen wir noch ein anderes U19 Spiel an: Al Arabi spielte viel in Unterzahl und war schnell im Hintertreffen gegen Al Gharafa die durchgehend gut spielten und mit 41:19 siegten.

Gegessen wurde auch diesmal wieder indisch: ein gutes Restaurant irgendwo im Ortsteil Bin Omran namens „Oyster“ bot u.a. Fish-Chili mit Porotta und dickflüssigen Fruchtsäften in exotischen Sorten wie Kiwi und Papaya an. Duhail Main Hall: Al Shamal U19 21-31 Al Rayyan U19 Tages-Statistik; Donnerstag, 28. September: 220 km mit dem Mietwagen zurückgelegt. 2 Handballspiele gesehen, 2 neue Grounds, 8. Spiel seit dem letzten 0:0, 583. Woche seit der letzten ohne eine Sportveranstaltung. Duhail Trainings Hall 2: Al Gharafa U19 41-19 Al Arabi U19 Tag 6: Eissport bei 40 Grad in Venedig
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College of the North Atlantic Qatar ................ 5
Oil Kings ............................................................ 4
- Datum: Freitag, 29. September 2017 – Beginn: 10.45
- Wettbewerb: Qatar International Ice Hockey League, Division B (2. und unterste katarische Eishockeyliga)
- Ergebnis: 5-4 nach 60 Min. (3x20) – Drittel: NN
- Tore: NN
- Strafzeiten: NN
- Austragungsort: Villaggio Mall/ Gondolania Ice Rink (Al Rayyan/ Kap. 750, davon 250 Tribünen- und 100 Restaurantsitzplätze, sowie 250 Stehplätze am Plexiglas und 150 auf der Terrasse)
- Zuschauer: ca. 30 (überwiegend Neutrale)
- Unterhaltungswert: 4,0/10 (Sehr langsames aber ganz unterhaltsames Spiel)

Rink Rats ........................................................... 5
Hammers/ Sandvipers ...................................... 6
- Datum: Freitag, 29. September 2017 – Beginn: 12.10
- Wettbewerb: Qatar International Ice Hockey League, Division A (1. katarische Eishockeyliga)
- Ergebnis: 5-6 nach 60 Min. (3x20) – Drittel: NN
- Tore: NN
- Strafzeiten: NN
- Austragungsort: Villaggio Mall/ Gondolania Ice Rink (Al Rayyan/ Kap. 750, davon 250 Tribünen- und 100 Restaurantsitzplätze, sowie 250 Stehplätze am Plexiglas und 150 auf der Terrasse)
- Zuschauer: ca. 30 (überwiegend Neutrale)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Ganz gutes und flottes Spiel)

Al Rayyan ........................................................... 3
Al Duhail ............................................................ 5
- Datum: Freitag, 29. September 2017 – Beginn: 17.45
- Wettbewerb: sogenannte QNB Qatar Stars League (1. katarische Profiliga)
- Ergebnis: 3-5 nach 100 Min. (47/53) – Halbzeit: 0-2
- Tore: 0-1 30. El Arabi (Elfmeter), 0-2 44. Msakni, 0-3 55. El Arabi (Elfmeter), 0-4 68. Nam Tae-Hee, 1-4 74. Hamdallah, 2-4 80. Sebastian Soria, 3-4 96. Sebastian Soria, 3-5 98. Ali Hassan Afif
- Gelbe Karten: Rodrigo Barbosa Tabata, Daniel Goma (Rayyan); TW Khalifa Ababacar, Lucas Mendes, Nam Tae-Hee, Ali Hassan Afif, Almoez Ali (Duhail)
- Rote Karten: keine
- Austragungsort: Jassim Bin Hamad Stadium/ Al Sadd (Kap. 15.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 3.500 (davon ca. 2.000 Rayyani und 1.200 Duhaili)
- Unterhaltungswert: 8,5/10 (Tolles Spiel: brauchte etwas um in die Gänge zu kommen, war nach dem ersten Tor von Rayyan absoluter Wahnsinn!)

Al Sadd ............................................................... 2
Al Gharafa ......................................................... 1
- Datum: Freitag, 29. September 2017 – Beginn: 19.45
- Wettbewerb: sogenannte QNB Qatar Stars League (1. katarische Profiliga)
- Ergebnis: 2-1 nach 96 Min. (46/50) – Halbzeit: 0-1
- Tore: 0-1 30. Vladimir Weiss (Elfmeter), 1-1 56. Boualem Khokhi, 2-1 86. Morteza Pouraliganji
- Gelbe Karten: Mosaab Khoder, Hamroun, Hassan Khalid (Sadd); 2x Elias Ahmed, Quijada, Ahmed Alaaeldin (Gharafa)
- Rote Karten: Elias Ahmed von Gharafa (48./ wdh. Foulspiel)
- Austragungsort: Jassim Bin Hamad Stadium/ Al Sadd (Kap. 15.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 2.500 (davon ca. 1.500 Saddadi und 500 Gharafawi)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Gutes und spannendes Spiel) Ice rink at the Villaggio Mall Freitag ist der Sporttag in der arabischen Welt außer in Marokko und Tunesien (Samstag/ Sonntag). Im Sommer – und der ist in Katar noch bei bis zu 40 Grad Ende September – gibt es meist zur Mittagszeit eine größere Pause, aber die kann man ja in Doha mal wieder im Museum verbringen. Wir besuchten diesmal das ganz ansehnliche aber versteckt liegende Museum für moderne arabische Kunst (MATHAF). Dort stellen moderne und zeitgenössische arabische Künstler aus: von beliebigen abstrakten Formen und Videokunst über sozialistischen Realismus mit Gamal Abdelnasser und dem Staudamm von Assuan bis hin zu seltsamen Tierdarstellungen war alles Mögliche dabei. Auch in den abstrakten Formen wurden immer wieder klassische Elemente wie Kalligraphien, Wehrtürme und die Kaaba aufgenommen. Rink Rats 5:6 Hammers/ Sandvipers Sportlich ging es zuvor am Morgen und Mittag besonders originell zu: in der größten Mall des Landes, der Villaggio Mall die in einem venezianischen Kitsch-Stil gehalten wurde und sogar Kanäle mit Gondeln und einen von barocker Scheinarchitektur inspirierten Himmel an der Decke bietet, befindet sich eine von zwei Eissportanlagen Katars. Derzeit wird nur diese Anlage, die sich in einem Arkadengang befindet, für Wettkämpfe genutzt. Die Zuschauerplätze waren spärlich besetzt. Ein paar echte Eishockeyexperten außer uns hingen am Plexiglas auf den Stehplätzen, ein paar andere Eishockeyinteressierte – das indonesische Ehepaar schien aber zum ersten Mal zu gucken, war deshalb besonders gebannt, da Eishockey in Indonesien auch nur in einer Mall in Jakarta gespielt wird – hockten auf den zwei Sitzreihen Schalensitze und ein paar Einheimische schauten vom Restaurantbereich aus zu. Fangnetze und Plexiglas wirkten sehr sicher.

Die katarische Eishockeyliga teilt sich in zwei Divisionen: die erfahreneren, besseren Teams spielen Division A (nur drei) und die Anfänger und alten Herren Division B (auch nur vier). Es gibt eine nur aus gebürtigen Katarern bestehende Nationalmannschaft, die v.a. einige kleine internationale Turniere gegen andere Freizeitpuckschubser wie Macao und Malaysia oder Kuweit und Oman spielt. Dieses Team nimmt als Oryx an der B-Division teil. Leider hatten sie heute kein Spiel.

Zuerst spielten die alten Cracks vom College of the North Atlantic Qatar CNAQ gegen die Rumpeltruppe von den Oilkings und gewann 5:4 in einem unterhaltsamen aber sehr langsamen Spiel. Gnädigerweise wird in Ligen von diesem niedrigen Niveau die Uhr nur bei Penalties und langwierigen Strafen bzw. bei einem Tor Unterschied im letzten Abschnitt des letzten Drittels angehalten. Sonst läuft die Uhr einfach runter und das Spiel ist inklusive der nur einminütigen Drittelpausen ohne Eisaufbereitung schon nach weniger als anderthalb Stunden fertig. Gängigste Zeitstrafe ist übrigens die Drei-Minuten-Strafe.

Spiel Nummer 2 von der A Division war erheblich rasanter und gutes Amateureishockey. Die Hammers/ Sandvipers sind derzeit das beste Team und spielen überwiegend mit kanadischen, amerikanischen, osteuropäischen, finnischen Expats, ein, zwei Araber sind aber auch dabei. Gegen die ab der 30. Minute besseren Rink Rats spielten sie erst einen guten Vorsprung mit teils starken Schlagschüssen heraus, den sie dann aber fast noch aus der Hand gaben. Nach zwischenzeitlichem 4:1 gewannen sie nur mit 6:5.

Nach dem Eishockey gab es koreanisches Mittagessen vom Wok, das auch an den Nachbartischen reißenden Absatz fand: Philippinos, Indonesier, Europäer, Araber (mal eher levantinisch oder nordafrikanisch, teilweise aber auch vollverschleiert und in Dishdashas also aus Katar oder Nachbarstaaten) oder auch die gar nicht so seltenen gemischtnationalen Paare waren vom Wok sehr angetan. Mit 20€ war man zu zweit auch günstig weg gekommen: Essen in Katar ist überwiegend gut bis hervorragend, aber egal ob im Supermarkt oder im Restaurant: die Preise liegen zwischen Deutschland und der Schweiz, da das katarische Durchschnittseinkommen bei knapp 80.000€ liegt (und damit bei fast dem Doppelten von Deutschland und ungefähr identisch mit dem in der Schweiz). Dafür ist das also noch günstig, wenn man für ein Rumpsteak im amerikanischen Restaurant an der Hintertorseite des Eisrinks „nur“ 30€ zahlt... Mathaf: Museum of Modern Arab Art Auffällig ist auch, dass man auch außerhalb der Malls kaum Leute in ollen Klamotten sieht. Insbesondere die Einheimischen sind äußerst schick und gepflegt gekleidet. Für die weißen Männergewänder (Dishdasha) und die schwarzen Frauengewänder (Abaya) werden nur gute Stoffe genommen. Dazu tragen vor alle die Frauen besonders schicke Schuhe, Schmuck, Taschen usw. Auch als wir nach dem Museumsbesuch ins Fußballstadion gingen, wo diesmal erfreulich viele echte Fans mit proletenhaften Auftreten waren – keine verwaschenen T-Shirts über der Bierwampe: Dishdashas und darüber Seidenschals in den Vereinsfarben.

Heute gab es mal wieder ein besonders ästhetisches Stadion zu sehen: das Al Sadd Stadium ist zwar in den Helligkeitszuständen schwarz und weiß gehalten, hat aber dafür ein tolles, innen tonnenförmiges Dach mit interessanten Pylonkonstruktionen und Belüftungssystem, das für rund 25 Grad statt den 35 Grad Außentemperatur sorgte. Die Flutlichtmasten leuchten aus niedriger Höhe toll den Innenraum aus. Die Dachkonstruktion hat röhrenförmige Schmuckelemente, die weitere Belüftungssysteme bereithalten. Wenn man sich dieses Stadion anguckt und mit dem 0815-Schrott in Deutschland (Hoffenheim, Rostock, Magdeburg, Paderborn usw.) vergleicht, wünscht man sich dann doch mehr Finanzen für den deutschen Sportstättenbau...

Auch wichtig: heute gab es die erste Profiliga, die Qatar Stars League (Dawry An-Nujoum) zu sehen. 12 Profiteams mit einer Ausländerquote, die der der Bundesliga entspricht, kicken gegeneinander. Von allen arabischen oberen Spielklassen ist die QSL die torreichste. Man bekommt eigentlich in jedem Spiel sehr hohes Tempo – selbst bei 40 Grad – geboten und starken Offensivfußball.

Definitiv bester Verein ist Ar Rayyan: die sind zusammen mit Qatar SC mit 8 Meistertiteln nach Al Sadd zweiterfolgreichster Klub, haben aber die meisten Fans. Richtige Fans. Manche Vereine mieten sich Stimmungsmacher, die keinen Eintritt bezahlen müssen und ein paar Euro fürs Fahnenschwenken und musizieren bekommen. Bei Ar Rayyan machen die das auch ohne Geld und v.a. gehen viele junge Männer topp mit. Aufspringen, auf die Sitze steigen, schimpfen, mit Flaschen und Bechern werfen, im Sing-Sang und Klatschrhythmus anfeuern. Ich meine, der Sicherheitswahn ist zwar scheiße in Katar: die Einlasskontrollen sind streng, die Sportstättensicherheit (Amn Al-Mala’ib) glotzt ständig ob auch keiner raucht, Videos macht oder Streit sucht und bei Spielen, die nur zwischen 200 und 4.000 Zuschauern ziehen, ist das einfach nur lächerlich. Aber bei Ar Rayyan macht das vor jedem Spiel und in jeder Halbzeit auf der Anzeigetafel gezeigte Video auch mehr Sinn: ein Vater geht vor den fragenden Blicken seines Sohnes übertrieben mit und zerlegt in der einen Einstellung einen Stadionsitz und in der anderen Einstellung den Hocker in seinem Fernsehzimmer vor Wut über Gegentore seines Teams: der Slogan dazu heißt „das Stadion ist dein Zuhause, mach keinen Krawall!“

Ar Rayyan ist nach zwei Siegen Tabellenführer, doch der Zweite von Al Duhail war genauer und durchsetzungsstärker. In einem sehr hochwertigen, schnellen und unterhaltsamen Spiel ging Al Duhail durch starke Spielzüge aber auch zwei umstrittenen Elfmeter mit 0:4 nach weniger als einer Stunde in Führung. Eine regionale Unsitte ist es, dass die aus Scheichs und anderen Würdenträgern bestehende Vereinsführung sich mitunter schlimmer als die einfachen Fans benimmt und spätestens, wenn es durch den zweiten umstrittenen Elfer 0:3 steht, das Spiel stört. Der Präsident und einer seiner Vertrauten lief also aus der klimatisierten VIP-Box laut schimpfend nach unten zum vierten Offiziellen, hörte dann auch nicht auf die Stadionsicherheit und stellte sich einfach diskutierend auf die Mittellinie und machte Anstalten, Ar Rayyan in die Kabine zu beordern. Als er noch im Innenraum stand, lief das Spiel wieder an und Ar Rayyan schoss aus dem Mittelkreis aufs Tor, was aber abgewehrt wurde. In der aggressivsten Phase gelang der erste Treffer zum 1:4, in der 80. hieß es nur noch 2:4, dann in der sechsten Minute der Nachspielzeit nur noch 3:4 in einem offenen Schlagabtausch, doch Al Duhail hatte das letzte Wort und erzielte in der 98. das 3:5. Was für ein Spiel!

Für das Verhalten von Fans und Vereinsführung hagelte es übrigens Strafen: „Al Rayyan/ 1 – The DC has prevented Sheikh Saud bin Khalid Al Thani, President of Al Rayyan, from entering the changing rooms and sitting on the bench for upcoming two games in the QNB Stars League. The club has also been fined QR 50,000 following Sheikh Saud’s protest against the decisions of the referee during the course of the game between Al Rayyan and Duhail on 29/09/2017. 2 Ali Salem Afifa, football director at Al Rayyan, has been barred from entering the changing rooms and sitting on the bench for two games in addition to a fine amounting QR 50,000. 3 Mazkar Al-Shafi, team manager of Al-Rayyan football team, was also penalised for contesting the referee’s decisions in the match against Duhail on 29/09/2017. 4 Al Rayan has been fined QR 20,000 due to insufficient crowd control in the match between Al Rayyan and Duhail on 29/09/2017. 5 Al Rayyan was fined an amount of QR 30,000 as a result of fans throwing bottles of water into the field in the game Al Rayyan and Duhail. The decision was made after the DC studied the the stadium security report.“ (http://www.qfa.qa/qfas-disciplinary-committee-issues-key-decisions/) Al Rayyan 3:5 Al Duhail Heute gab es an der Kasse als Sonderangebot 2 QSL-Spiele zum Preis von einem. Eigentlich hätte Rayyan ja in ihrem eigenen Stadion gespielt, wenn dieses nicht für die WM ausgebaut werden würde – so bestritten sie dieses tolle 3:5 als Vorspiel zum Heimspiel von Al Sadd gegen Al Gharafa. Fast alle Rayyan Fans und die meisten von Duhail verließen das Stadion, man durfte aber auch bleiben. Der Al Rayyan Block in dem wir waren wurde schnell umgestaltet, ich packte unseren für 5€ erstandenen Rayyan-Seidenschal auch weg (beide Karten kosteten übrigens auch nur 5€) und nun waren die paar Gharafa Fans in dem Sektor. Al Sadd hatte natürlich viel mehr Anhang, doch ihr Team kam schlechter ins Spiel. Auch hier sehr flott und technisch sehr gut, auch hier brauchte es einen Elfmeter für das erste Tor. Nach der Führung von Al Gharafa musste aber schnell einer mit Gelb-Rot vom Platz und in der zweiten Halbzeit drehte Al Sadd das Spiel mit 2:1. Es kam natürlich nicht an das Match davor ran, war aber auch sehr gut. Al Rayyan 3:5 Al Duhail Tages-Statistik; Freitag, 29. September: 50 km mit dem Mietwagen zurückgelegt. 2 Fußball- und 2 Eishockeyspiele gesehen, 2 neue Grounds, 10. Spiel seit dem letzten 0:0, 583. Woche seit der letzten ohne eine Sportveranstaltung. Al Sadd 2:1 Al Gharafa Tag 7: Yachthäfen, künstliche Inseln, Kirchen, Squash und noch mehr Fußball
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Qatar Squash Junior Open
- Datum: Samstag, 30. September 2017 – Beginn: 10.00
- Wettbewerb: internationales Squashturnier für Spieler der Altersklasse U19, U17, U15, U13 und U11
- Ergebnisse: siehe http://www.asiansquash.org/ajss_events.php
- Austragungsort: Khalifa Tennis and Squash International Complex (Kap. Court 1, 2 und 3: jeweils 120 Sitzplätze)
- Zuschauer: je nach Spiel ca. 10-20
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Besseres Squash, nicht wirklich mitreißend)

Al Arabi ............................................................. 2
Qatar SC ............................................................ 1
- Datum: Samstag, 30. September 2017 – Beginn: 17.45
- Wettbewerb: sogenannte QNB Qatar Stars League (1. katarische Profiliga)
- Ergebnis: 2-1 nach 101 Min. (48/53) – Halbzeit: 2-0
- Tore: 1-0 9. Diego Jardel, 2-0 44. Mardik Mardikian, 2-1 63. Yousef Mohammed Al Kubaisi
- Gelbe Karten: Jemal (Arabi), Mohamed Al Rabiei, Abdulla Al Oraimi (Qatar)
- Rote Karten: keine
- Austragungsort: Grand Hamad Stadium/ Al Arabi Club (Kap. 15.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 250 (davon ca. 150 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Ganz gutes und spannendes Spiel)

Al Ahli ................................................................ 0
Umm Salal .......................................................... 2
- Datum: Samstag, 30. September 2017 – Beginn: 19.55
- Wettbewerb: sogenannte QNB Qatar Stars League (1. katarische Profiliga)
- Ergebnis: 0-2 nach 96 Min. (47/49) – Halbzeit: 0-1
- Tore: 0-1 23. Sagbo, 0-2 93. Mahir Yousef
- Gelbe Karten: Abdullah Taleb Afifa (Ahli); Rami Fayez, Sekour (Umm Salal)
- Rote Karten: Chikhaoui von Ahli (54./ grobes Foulspiel)
- Austragungsort: Hamad bin Khalifa Stadium/ Al Ahli Club (Kap. 12.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 300 (davon ca. 50 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Besserer Durchschnitt) Doha: The Pearl Der letzte Reisetag hielt erstmal eine neue Sportart für meinen Vater bereit. Der hat ja im Gegensatz zu mir noch nicht die 100er-Marke geknackt, also auf zur Qatar Junior Open im Squash. Für Squash, Tennis und Badminton gibt es einen gemeinsamen Verband in Katar und diese Rückschlagspiele werden v.a. in dem Khalifa Complex im Zentrum von Doha ausgetragen. Das riesige Tennisstadion ist nicht zu übersehen an der Corniche. Es gibt noch dutzende Tennisplätze, eine Badmintonhalle und eine Squashhalle, die außen arabische Ornamente an der Fassade und innen mindestens 9 Courts sowie ein sehr gepflegtes Foyer – natürlich ist die Gesamtanlage auch äußerst gepflegt und die Sicherheitsleute am Eingang schauen, dass es auch so bleibt – haben. Der Centre Court wurde leider nicht genutzt: er ist ein topmoderner Glaskasten mit drei Zuschauerseiten und insgesamt ca. 1.500 Sitzplätzen. Die Courts 1 bis 8 waren Austragungsort für das internationale Juniorenturnier für U19 und abwärts und diese Courts erlauben maximal 120 Zuschauern zuzugucken. Natürlich kamen nur ein paar Versprengte, aber die Spiele – v.a. der Pakistanis – lohnten sich schon anzugucken. Nach etwas mehr als einer Stunde gab es eine längere Pause und wir verließen die Anlage wieder. Ar Rayyan Religious Complex Ab auf die „Pearl“. Dieses Landgewinnungsprojekt ist ein Vorzeigemodell für den katarischen Staat und besteht aus einigen, einer Perlenkette ähnlich aufgereihten künstlichen Inseln. Auf diesen wurden High-End-Properties angelegt bzw. sind noch im Bau. Die Architektur ist sehr auffällig und qualitätsvoll, der Yachthafen und die Grünanlagen natürlich sehr protzig.

Dann fuhren wir ans andere Ende des Hauptstadtbereiches, in die Nachbarstadt Rayyan und dort genauer in den am südlichen Ende gelegenen Religious Complex. Der ist auch als Church City bekannt: dort wurden mehrere Kirchen für verschiedene Konfessionen sowie etliche christliche/ kirchliche Schulen errichtet. Vor allem einige Inder und noch mehr die Philippiner sind da vertreten. Von weißen Expats und arabischen Christen aus Syrien, Libanon und Ägypten sieht man aber auch einige. Außerhalb der Gottesdienstzeiten kann man zumindest die katholische und die griechisch-orthodoxe (arabische) Kirche besichtigen. Beide sind sehr lohnend: die katholische Kirche ist sehr modern und symmetrisch, die orthodoxe voller kurioser moderner orthodoxer Wandbilder, obwohl sie außen eher konservativ kastenförmig gestaltet wurde. Größter Bau ist aber die angrenzende indische Schule im Maharadscha-Style... Unschön an der Church City ist, dass enorme Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Besser Vorsicht als Nachsicht – es gab in Katar bisher nur einen islamistischen Anschlag im Jahr 2005 – aber obwohl man sich in der arabischen Welt befindet, wirkten die Absperrungen und bewaffneten Kontrollen vor den Eingängen übertrieben. Kaum ein anderes Gebäude bis auf einzelne Gebäude im Ministerialkomplex (Außenministerium, Staatssicherheit usw.) wird so gesichert wie die Church City. Qatar Squash International Junior Open In einer Mall unweit des Al Ahli Stadiums gingen wir gut aber recht teuer essen, dann fuhren wir noch ein Stück zu dem anderen Stadion im Viertel zurück. Al Arabi bzw. Grand Hamad Stadium ist ein älterer, aber sehr gepflegter Standardbau: oval, drei Seiten offen, die vierte überdacht. Hier waren außer uns offenbar keine westlichen Ausländer unter den Zuschauern, die Sportstättensicherheit (eine Polizeieinheit, die in allen Sportstätten in schwarzer Uniform anzutreffen ist und penibel für Ordnung sorgt) war auch recht froh, dass ich ihnen auf Arabisch und nicht Englisch erklärte, dass ich nur zum Spaß Fotos mache und keine Videos – da wurde mal wieder blöd nachgefragt, ob das eine videofähige Kamera ist, da die scheiß Fernsehfritzen sogenannte Urheberrechtsverletzungen befürchten. Dazu kann der geneigte Leser gerne das oben verlinkte Video vom Rayyan-Spiel beachten...

Al Arabi hatte aber auch kaum Fans und der Gast von Qatar SC beherrschte die Stimmung. Die Fangruppe wirkte aber gekauft. Das Spiel war wieder sehr flott, allerdings gab es hier im Gegensatz zu den vorherigen Spielen in Katar einige Verletzungsunterbrechungen, die insgesamt 10 Minuten Nachspielzeit provozierten. Al Arabi ging in der ersten Hälfte mit 2:0 in Führung und Qatar verkürzte zu spät. Qatar Squash International Junior Open 15 Minuten Zeit zum Wechseln und trotz langer Rotphase beim Linksabbiegen gelang der Wechsel zum Al Ahli Stadium problemlos. Zum Anstoß betraten wir gerade die Tribüne des etwas kleineren aber dem Grand Hamad Stadium sehr ähnelnden Ahli/ Jassim bin Hamad Stadiums. Hier waren etwas mehr ausländische Fans da und relativ viele Frauen – auch einheimische in Abaya und teils Niqab – außerdem war durch die Ahli Fans die Stimmung noch besser. Umm Salal hatte kaum Fans mit, dafür aber die bessere Mannschaft. Von den vier QSL-Spielen war es trotz des auch hier hohen Tempos das am wenigsten gute, doch auch hier lohnte es das Kommen für nur 2,50€ Eintritt und einem 0:2 für Umm Salal, die wir vor Jahren mal in Leuna haben spielen sehenAl Arabi 2:1 Qatar SC Tages-Statistik; Samstag, 30. September: 110 km mit dem Mietwagen zurückgelegt. 2 Fußballspiele und 1 Squash-Wettkampf gesehen, 5 neue Grounds, 12. Spiel seit dem letzten 0:0, 583. Woche seit der letzten ohne eine Sportveranstaltung. Al Arabi 2:1 Qatar SC Tag 8: Rückreise
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Nach dem Spiel kauften wir kurz noch etwas ein und fuhren dann zum Flughafen. Den Mietwagen konnten wir gerade rechtzeitig abgeben, dann hingen wir eine Weile rum, ehe der Vogel von Pegasus gen Istanbul abhob. Dort zum Frühstück schön Köfte-Burger, Feta und Oliven reingeschoben, dann weiter nach Berlin. Nirgendwo dauerte die Abfertigung und alles andere so lange wie in dem beengten Drecksflughafen Schönefeld – nirgendwo auf dieser Reise waren die Klos so versifft wie dort. Peinlich, dass diese Ansammlung von brandenburgischen Dörfern unsere Hauptstadt ist...

Am frühen Abend waren wir dann in Rostock nach einer wirklich gelungenen Reise! Al Ahli 0:2 Umm Salal Tages-Statistik; Sonntag, 1. Oktober: 300 km mit dem Auto und 3.030km mit dem Flugzeug zurückgelegt. Al Ahli 0:2 Umm Salal Ein paar Worte zum Schluss:
Für einen Zwergstaat hat Katar recht viel zu bieten: jeden Tag Sport in zwar leider meist leeren aber sehr ästhetischen modernen Stadien und Hallen, dazu sehr eindrucksvolle Museen und ein paar Festungen. Spektakuläre moderne Architektur – aber etwas wenig öffentliche Grünflächen leider und die Landschaft ist sehr einseitig. Doch wie gesagt: das Land hat recht viel zu bieten und eine Woche kann man da schon mal verbringen. Und wenn man da zum Arbeiten lebt und alles gesehen hat: es gibt günstige Flüge in sehr viele Länder von einem tollen Flughafen...

Ein sehr guter Artikel zum Sport, der sich mal ausgewogen mit der Problematik auseinandersetzt, aber von Lobhudelei ganz weit entfernt ist, liefert die Zeit mit „Höher, schneller, Katar“ von Spiller und Böhm!
Mir fehlt da lediglich etwas ein angemessenes Lob der architektonischen Meisterleistungen im Sportstättenbau (keine 0815-Scheiße wie in Mittel- und Westeuropa, die praktisch, billig gemacht aber dennoch teuer und v.a. hässlich ist – Katar zeigt, dass man praktische Sportstätten auch schön und spektakulär bauen kann) und das mit den Frauensektoren sag ich mal OK: also ich habe ja auch wie gesagt einheimische Frauen gesehen in den Sportstätten und von den ausländischen Frauen waren die meisten offenbar aus Indonesien (da gehen relativ viele Frauen zum Fußball) und mehr als eine Handvoll Besucherinnen kann man halt nicht erwarten in einer so konservativen Gesellschaft. Zu guter Letzt ist auch die Al Arabi Fanszene blödsinnig beschrieben – Stimmung gibt es nur bei Ar-Rayyan!

Und um schließlich noch auf den Einleitungssatz zurück zukommen: wenn ich sehe, was für geniale Stadien noch in Katar stehen und gebaut werden, überlege ich mir das mit der WM doch noch mal... Al Ahli 0:2 Umm Salal Statistik (Stand nach letztem Reisetag):
- Grounds: 2.026 (12; diese Saison: 45 neue)
- Sportveranstaltungen: 3.171 (12; diese Saison: 66)
- Tourkilometer: 7.480 (6.060km Flug, 1.420 Auto, davon 920km Mietwagen)
- Saisonkilometer: 15.700 (9.250 Auto, davon 920 Mietwagen/ 6.060 Flugzeug/ 390 Fahrrad/ 0 Schiff, Fähre / 0 Bus, Bahn, Straßenbahn)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 12 [letzte Serie: 108, Rekordserie: 178]
- Jede Woche mindestens eine Sportveranstaltung seit: Kalenderwoche 31 des Jahres 2006 (31.7.-6.8.), d.h. seit 583 Wochen.

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