Dienstag, 14. Januar 2014

W389II: Stressiger Sonntagsausflug nach Casa

Youssoufia Club Berrechid - (النادي الرياضي ليوسفية برشيد)
..................................... 1:1 (0:0) ......................................
Jeunesse sportive de Kasbat Tadla (نادي شباب قصبة تادلة)
- Datum: Sonntag, 12. Januar 2014 – Anstoß: 14.30
- Wettbewerb: Botola 2/ GNF 2 [2 البطولة الوطنية المغربية] (d.h. 2. Marokkanische Fußballliga, Halbprofiliga)
- Ergebnis: 1-1 nach 95 Min. (47/48) – Halbzeit: 0-0
- Tore: 0-1 47. Alex Kwasi, 1-1 77. Kamal Ait El-Hajj
- Verwarnungen: Nr. 2, 4, 17, 24 (CAYB); Alex Kwasi, Nr. 2, NN (JSKT)
- Platzverweise: Nr. 24 von CAYB (69. wg. groben Foulspiels)
- Spielort: Casablanca; Stade Père Jégo [ملعب الأب جيكو] (Kap. 10.000, davon 7.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 250 (darunter ca. 20 Kasbah-Tadla Fans, der Rest fast ausschließlich Berrechid)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Nach mäßiger erster Halbzeit folgte eine gute zweite)

Chabab Essoukhour Assaouda (شباب الصخور السوداء)
................................... 1:4 (1:2) ..................................
Club Hilal Athletique Mohammedia (الهلال للمحمدية)
- Datum: Sonntag, 12. Januar 2014 – Anstoß: 11.00
- Wettbewerb: Division Pré-Honneur Groupe D [D القسم ما قبل الشرفي المجموعة] (Stadtklasse Casablanca, Gruppe D; d.h. 6. Marokkanische Fußballliga, 4. Amateurebene)
- Ergebnis: 1-4 nach 95 Min. (47/48) – Halbzeit: 1-2
- Tore: 1-0 19. (23), 1-1 27. (23), 1-2 28. (24), 1-3 71. (NN), 1-4 85. (NN)
- Verwarnungen: 2x Nr. 14, Nr. 16 (CEA); Nr. 6, 7, 8 (CHAM)
- Platzverweise: Nr. 14 von CEA (87. wg. wiederholtem Foulspiels)
- Spielort: Stade Raja Roches Noires [ملعب رجاء الصخور السوداء] (Kap. 5.000, davon 4.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 75 (darunter ca. 5 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Ganz ordentlicher Amateurkick)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Chabab Essoukhour Assaouda v Hilal Mohammedia, Amateur Football at Stade Roches Noirs
b) Youssoufia Berrechid v Chabab Kasbah Tadla, 2nd Division at Stade Pere Jego

Als die Planung für den Sonntag bei Tisch bequatscht wurde, klang das am Freitag so:
Rita: „Berrechid? Wieso willst du zur Klappsmühle? Du bist doch viel vernünftiger als die anderen Jungs!“
Ich: „Hä? Klappsmühle?“
Rita: „Ach so, du willst die anderen Jungs dahin bringen! Das ist natürlich gut so!“
Nachdem Rita von Khadija ihr übliches „halt die Klappe und iss“ zu hören bekam, erklärte sie mir auch, warum man in Fès besser nicht „nach Berrechid“ sondern „in die Stadt Berrechid“ sagt, wenn man zu einem Spiel von Youssoufia will: die Irrenanstalt in Fès heißt nämlich genau wie die Stadt bei Casablanca, die eher für Industrie wie Getränkeabfüllung bekannt ist…

Bevor ich dort hin fuhr, fuhr ich über Casablanca und dort von der A3 in Roches Noires ab. Der Stadtteil heißt Arabisch As-Soukhour As-Saouda, was natürlich auch „Schwarze Felsen“ bedeutet. Casanoir, sag ich da nur… Der Stadtteil ist auch stark von einfachen Plattenbauten und unordentlichen Straßenzügen geprägt.
Dazu passend das Stadion: ein großes, angegrautes Eingangsportal mit abblätterndem Raja-Wappen (Raja hat hier ein Jugendtrainingszentrum), die gewaltige überdachte Tribüne hat nur noch wenige ihrer Holzsitze zu bieten, auf den drei anderen (ausbautenlosen) Seiten wuchert es ziemlich, was man vom harten Lehmplatz nicht behaupten kann. Auffällig ist, dass sich der Platzwart mit der Begrünung im Tribünenbereich sehr Mühe gegeben hat. Den Vokuhila-Typen lernte ich dann auch mal kennen, weil er wissen wollte ob ich von der Presse bin und mit den Bildern Druck auf Raja aufbauen will, dass sie dieses Jugendfußballzentrum in Roches Noires besser pflegen. Normalerweise stellt keiner so blöde Fragen in Marokko, das war ja fast wie in Deutschland – aber nur fast, denn hier ist die Begrüßung mal wieder viel höflicher gewesen…

Das Spiel der untersten Amateurliga wusste ganz gut zu gefallen: die Heimmannschaft Jeunesse Roches Noires wurde vom Gegner aus dem benachbarten Mohammedia, der seinen Vereinsnamen nirgendwo übersetzt (Hilal müsste mit Croissant - also Halbmond - wiedergegeben werden), stark unter Druck gesetzt. Das erste der fünf Tore des heutigen Tages erzielten aber dennoch die Schwarzen Felsen. Mit einem Doppelschlag, davon ging ein Treffer durch ein Loch im Netz, hieß es aber bald 1:2 und nach der Pause konnte Hilal Mohammedia auf 1:4 davonziehen. Essoukhour Assaouda beendete den weitestgehend fairen aber ab und an von Gemecker gestörten Kick zu zehnt.

Wahrscheinlich ist Roches Noires ein Stadtviertel für zugewanderte Provinzler, denn nicht nur der Platzwart interessierte sich für mich, sondern auch eine ganze Jugendmannschaft, die das 9-Uhr-Spiel gemacht hatte. Die kasperten natürlich rum, wie die durchschnittlich ungebildeten marokkanischen Teenager das halt tun, aber ihr Trainer bremste die U15 überraschend deutlich aus, als sie mir erzählten, dass sie neben den ganzen positiven Dingen wie Weltklasse Fußball, moderne Autos, starke Wirtschaft, fleißige Arbeiter auch Hitler mit meinem Land verbinden. Auch die Frage nach der Religion unterband er streng, bevor ich antworten konnte. Dass er Gymnasiallehrer ist, wie er danach kurz erzählte, merkte man schon vom ganzen Auftreten.  
Weiter ging es ins 20km entfernte Berrechid. Dort stellte ich erst erstaunt fest, wie sauber und gepflegt hier die Hauptstraßen sind und wie ordentlich die Parkanlagen – und dann stellte ich fest, dass ich doch mal die Ansetzungen richtig hätte lesen sollen: denn bis Ende letzten Jahres spielte Youssoufia Berrechid immer in ihrem Stadtstadion Stade Municipal, doch seit hier umgebaut wird, müssen sie ins Pere Jego Stadion in Casablanca (immer geradeaus die Autobahn entlang bis in die Stadteinfallsstraße hinein und dann links), genau 20km entfernt. Und das gilt erst seit dieser Woche bis vorraussichtlich Ende dieser Saison, sodass dieser Ground erstmal aus der Liste der Zweitligastätten fällt…

Also wieder zurück nach Casa, dort die 20 Dirham Eintritt für das altbekannte Pere Jego – nach wie vor ein sehr schönes Teil – entrichtet und die dürftige Kulisse von nur 250 Leuten, davon mindestens 20 (überwiegend jugendliche) Gästefans, verwundert zur Kenntnis genommen.

Das Spiel war anfangs im Niveau nicht viel besser, doch nach der torlosen ersten Hälfte und dem Seitenwechsel knallte der schwarzafrikanische Gästestürmer einen Schuss zum 0:1 unters Tordach. Nach einem immer härter werdenden, leicht von den Gästen bestimmten Spiel, glich Youssoufia – mittlerweile in Unterzahl – zum 1:1 aus. Die spannende Schlussphase brachte keinen weitere Treffer.

Übrigens: den ganzen Tag über war mir der komische Straßenverkehr (extrem viele Kontrollen und trotzdem chaotischeres Fahren als sonst) aufgefallen, aber die Rückfahrt setzte noch einen drauf. Von Sidi Allal El Bahraoui bis nach Fès wurden regelrechte Rennen veranstaltet – ich wurde bei 160 im 120er-Bereich teilweise noch überholt! – und ausgesprochen riskant überholt. In Fès war dann auch alles ungewöhnlich voll, da wohl alle für den Maulid (Prophetengeburtstag) einkaufen wollten. Vorm großen Einkaufszentrum Burj wurde ich dann in eine Karambolage verwickelt, an der aber glücklicherweise nur gebildete Fahrer (alles junge, höfliche, gut gekleidete Leute in einfachen Autos, d.h. maximal Dacia Sandero) beteiligt waren. Bei ungebildeten Leuten wäre es nicht ohne Geschrei, Bedrohen und Beleidigen abgegangen, wobei ich mit meinem Werkzeug aus Khadijas Küche für die Sandwiches für unterwegs auch für diese Situation gute Argumente habe…
Jedenfalls: es entstanden nur ganz geringfügige Kratzer, an meinem Wagen sogar gar kein Schaden, obwohl ich zwischen zwei anderen eingeklemmt war. Auf den vierten in der Karambolagenkolonne wäre ich aber wohl auch ohne Zutun der jungen Frau (Nr. 6 und die hinterste in der Kolonne) hinter mir drauf gerutscht, da Wasser auf der sehr abschüssigen und abgefahrenen Asphaltdecke das Bremsverhalten massiv beeinträchtigt hatte. Das passiert an der Stelle in Fès immer wieder – und immer wieder fallen Fahrer darauf herein. Aber wie gesagt: die Leute (die vier anderen Fahrer und die eine Fahrerin) waren erstaunlich freundlich und gelassen: erstmal begrüßten wir uns alle untereinander mit „Salamu aleykum“ usw. und nach kurzer Betrachtung der Fahrzeuge kamen alle zu dem Schluss „bei der schlechten Straße kann das Mal passieren, sind ja nur ganz geringfügige Kratzer entstanden“ und nach kurzer Entschuldigung „smahli, khuya“ beim jeweiligen Vordermann fuhren wir alle wieder (auffällig langsamer als vorher natürlich) weiter.  
Statistik:
- Grounds: 1.059 (heute 1 neuer; diese Saison: 88 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.969 (heute 2, diese Saison: 113)
- Tageskilometer: 670 (670km Auto)
- Saisonkilometer: 32.000 (30.950 Auto/ 1.000 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 3 [letzte Serie: 23, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 389

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