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Montag, 6. Januar 2014

W388II: Warum man in marokkanischen Stadien eigentlich nicht picknicken sollte…

Union Sportive Sidi Kacem (الاتحاد الرياضي القاسمي)
................................. 1:1 (1:1) ..................................
----- Renaissance Sportive Martil (نهضة مرتيل) -----
- Datum: Samstag, 4. Januar 2014 – Anstoß: 14.30
- Wettbewerb: GNF Amateur 1, Groupe Nord [شطر الشمال - بطولة القسم الوطني الأول هواة] (d.h. 3. Marokkanische Fußballliga, 1. Amateurliga)
- Ergebnis: 1-1 nach 96 Min. (46/50) – Halbzeit: 1-1
- Tore: 0-1 39. NN, 1-1 43. NN („Foul“elfmeter)
- Verwarnungen: Nr. 17, 18 (USK); Nr. 23, 24 (RSM)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Chahid Al-Aalem [ملعب العلام بسيدي قاسم] (Kap. 4.000 Sitzplätze + 6.000 weitere im Bau)
- Zuschauer: ca. 250 (darunter ca. 15 Gäste-Fans)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Mittelmäßiges Niveau, spannend bis zum Schluss und teilweise gut Stress auf der Tribüne)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan 3rd Division: Union Sidi Kacem v Renaissance Martil
b) Northern Morocco: Larache and other Places of Interest

Nach dem Unterricht am Freitag habe ich das Versprechen eingelöst, Fayza in Larache zu besuchen. Mit Khadija, ihrer Stiefmutter Fatima und den beiden jüngeren Kindern Zakaria und Rita – sowie massenhaft Decken für ihre Wohnung im Kofferraum – ging es zügig nach Larache. Wir hatten eigentlich geplant im günstigsten Hotel der Stadt abzusteigen, aber da uns der Hotelier zu viel Geld abknöpfen wollte – von wegen es gebe kein Einzelzimmer mehr und ich müsste für das Dreibettzimmer zahlen – erlaubte uns die Firmenleitung bei Fayza in der Arbeiterwohnung auf dem Firmengelände zu übernachten. Ein Kollege fuhr sogar mit dem Geländewagen voraus damit wir auch hinfinden: mittlerweile wohnt sie nämlich direkt an der Arbeitsstelle im nach Larache eingemeindeten El-Aouamra, wo eine der unbefestigten Abzweigungen von der Hauptstraße nach 2km voller Bodenwellen und matschiger Schlaglöcher vor die teilweise noch von den Spaniern errichteten Firmengebäude führt. Decken waren nach dem üppigen Abendessen auf dem improvisierten Tisch aus Umzugskartons auch bitter nötig – zumindest für die Familie, denn Fayza überließ mir ihr bretthartes Bett und die anderen fünf verteilten sich auf dem gefliesten Boden während es draußen immer kälter wurde.

Dass die Miete nur 35€ im Monat beträgt ist natürlich nicht schlecht, aber in der belgisch geführten Firma arbeitet sie dann für nur 280€ im Monat von 9 bis mindestens 19, oft sogar bis 24 Uhr als Lebensmittelprüferin. Frei hat sie kaum, sodass sie den früheren Hobbys Tennis und Taekwondo nicht mehr nachgehen kann. Die Beschäftigung auf dem Firmengelände habe ich am Morgen gesehen: die Arbeiter holen einen Fußball heraus und kicken auf dem matschigen Hof vorm Labortrakt – die Arbeiterinnen spielen Basketball auf einen schief an einer Scheunenwand hängenden Korb. Oft muss sie für ihr Durchschnittsgehalt - das ihr bisher entgegen der vorherigen Aussagen der Chefin auch noch nicht gezahlt wurde - 7 Tage die Woche arbeiten. Die Essens- und Gebetspausen abgezogen ist das eine 75-Stunden-Woche und somit ein Stundenlohn von 0,93€. So viel jedenfalls zu der Behauptung, die auch einige Marokkaner gerne über ihre Landsleute sagen, dass viel weniger als in Europa gearbeitet würde: hier wird in vielen Firmen und allen Behörden genauso viel an Arbeit erledigt und das unter viel härteren Bedingungen. Das Bild verzerren hier die Freiberufler und Selbstständigen, die wirklich so wie sie gerade brauchen und wollen ihren Laden öffnen oder Dienstleistung anbieten oder eben auch nicht…

So viel jedenfalls zu marokkanischen Arbeitsverhältnissen: klar, dass sie weiterhin fast jeden Tag nach besserer Arbeit recherchiert und mehrere Bewerbungen pro Woche an besserzahlende Firmen abschickt. Die nehmen aber lieber welche die mit Müh und Not und Überschreitung der Regelstudienzeit an einer französischen oder deutschen Uni einen Abschluss erreicht haben oder einen mittelmäßigen Abschluss an einer teuren Privatuni in Marokko, als eine die in Rabat an der staatlichen Uni in der Mindeststudienzeit mit hervorragenden Noten abgeschlossen hat – was übrigens keineswegs leichter ist als bei den europäischen oder privaten Konkurrenzeinrichtungen, da das Curriculum und das Prüfungsniveau französischen Maßstäben folgt.  
Da sie auch dieses Wochenende nicht frei bekam, fuhren wir nur zu fünft nach dem Frühstück nach Larache zurück – keiner aus der Familie war jemals in dieser sehenswerten Kleinstadt am Atlantik, weshalb der Stadtrundgang auf großes Interesse stieß. Auch Moulay Bousselham, ein nettes Dorf mit einem tollen Sandstrand und einem Vogelreservat, auf das ich beim unterklassigen Fußball aufmerksam geworden war, kannte niemand von ihnen auch nur vom Namen. Irgendwie wurde die Zeit in Sidi Kacem dann doch knapp und da es dort eh in diesem völlig gesichtslosen Provinzkaff nichts zu besichtigen gibt, nahmen wir unsere Picknicksachen gleich ins Stadion mit. Warum es eigentlich selbst in Marokko auch in der 3. Liga nicht gerne gesehen ist, dass man eine Picknickbox mit großen Flaschen und Sandwichfleisch-Büchsen hereinschleppt – nur da die beiden Frauen das Ding bei sich hatten durften wir so rein – merkten wir in der Halbzeit…

Aber erst mal zum Stadion: das ist etwas kleiner und unansehnlicher geworden, seit die Gegen- und die zweite Hintertortribüne (vor der Moschee) abgerissen worden. Beide Tribünen werden derzeit neu gebaut. Die andere Hintertortribüne, neben der Sporthalle stehend und teils von Palmen beschattet, ist ziemlich heruntergekommen und auch die überdachte Haupttribüne mit ihren klotzigen Betonstufen weis durch den Siff zu gefallen. Die Sporthalle ist übrigens im Gegensatz zum Stadion sehr neu und modern; und das Eingangsportal zur Gesamtanlage ziemlich aufwendig.

Das Spiel war schlecht besucht (nur 250 Zuschauer ist weit unterm Durchschnitt) doch nicht so schlecht im Niveau. Zumindest habe ich endlich mal auch die 3. Liga und somit von der 1. bis zur 6. Ebene alles mindestens einmal gesehen. Dass hinter uns eine Gruppe von 15 Fans aus Martil, der 2km von Tetouan entfernt liegenden Kleinstadt am Mittelmeer, stand, merkten wir dann am Jubel nach dem Weitschuss der über die Hand des Sidi-Kacem-Keepers ins Netz hüpfte. Ganz besonders merkten wir das, als wenig später zu Unrecht Elfmeter für den Gastgeber gepfiffen wurde, dieser lässig ins Eck geschossen wurde, und die Leute hinter uns entweder am Arsch geleckt werden wollten oder über die sexuellen Vorlieben des Schiedsrichters philosophierten. Als es auch noch gegen die Heimelf ging, sammelten sich Heimfans direkt neben uns, suchten Streit mit denen hinter uns und forderten uns auf den Block zu wechseln. Kaum gingen wir auf die Treppe ging eine Boxerei los, die die Polizeikräfte aber schnell unterbanden.

Als wir uns auf der rechten Seite der Haupttribüne niedergelassen hatten, bemerkten wir, dass wir den Müllbeutel mit den leeren Büchsen und der einen leeren Flasche vergessen hatten. Und als es in der Pause noch mal rund ging, sah ich nur noch, wie ein brauner Beutel – aus dem zwei Büchsen scheppernd herausfielen – aus der Martil-Gruppe geworfen wurde und einem Polizisten die Mütze vom Kopf haute, was Khadija neben mir leise kommentierte: „Sag mal, war das unser Müll der da eben geflogen kam?!“ Ja, war es – und die Flasche kam gleich hinterhergesegelt in eine der Gruppen von Heimfans, die sich mit der Polizei auseinandersetzte…

Der Stress auf der Tribüne riss auch nach der Pause erstmal nicht ab, sodass sich die Frauen neben die Tribüne ganz an den Rand neben den Polizeibus stellten und sofort nach Abpfiff zum Auto gingen, während Zakariya und ich noch ganz lässig guckten, wie einer festgenommen wurde, der mit einem Stein nach den Gästefans geworfen hatte… Spielerisch war noch das ein oder andere passiert – Chancen auf beiden Seiten, ein paar starke Zweikämpfe, aber halt nichts so richtig Zwingendes mehr, sodass das mittelmäßige aber spannende und unterhaltsame Amateurmatch mit 1:1 endete und wir uns statt gen Fès erstmal Richtung Meknés aufmachten, wo wir bei Maryam und Abdelghani eingeladen waren und unsere Erzählungen (besonders die vom Spiel) für gute Laune sorgten...

Übrigens: obwohl in dieser als konservativ bekannten Landstadt außer Khadija, Fatima und Rita kaum andere Frauen und Mädchen im Stadion waren, wurden wir nie blöd angeglotzt oder gar angequatscht – einer der am Anfang noch vor uns saß war freundlich und wollte nur wissen ob uns das deutsche Auto neben dem Haupteingang gehört; dem haben wir auch mal keinen Blödsinn von wegen „Ehemann der jüngsten Schwester“ erzählt und er kannte sogar das Konzept Gastfamilie und fand das ganz prima, dass wir so viel unternehmen – also soviel zu der unheimlich dummen Frage, die letzthin im Groundhoppingforum gestellt wurde: „Dürfen Frauen in Marokko ins Stadion?“
Aber der Eschborner Kollege hat ja freundlicherweise gleich meinen Blog verlinkt, sodass jetzt glaube ich auch die dümmsten Hopper kapiert haben, dass es in Marokko a) einen recht großen Frauenfußballspielbetrieb und b) keinerlei besondere Beschränkungen für Besucherinnen von Sportveranstaltungen gibt und auch Ausländerinnen (siehe Dezember 2011 bei Racing Casablanca) meist kaum auffallen. Zumindest sofern diese Hopper Lesen und Verstehen in einen Denkvorgang einbringen können, was bei einer Minderheit der User eh nicht der Fall zu sein scheint. Zu Frauen in marokkanischen Fußballstadien nur noch eine Sache: als Ausländerin sollte man bedenken, dass eine Marokkanerin niemals ohne mehrere Freundinnen oder einen männlichen Begleiter ins Stadion zu einem Männerfußballspiel geht.  
Statistik:
- Grounds: 1.056 (heute 1 neuer; diese Saison: 85 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.965 (heute 1, diese Saison: 109)
- Tageskilometer: 630 (Freitag 280km Auto, Samstag 350km Auto)
- Saisonkilometer: 31.050 (30.000 Auto/ 1.000 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 23 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 388

Dienstag, 17. Dezember 2013

W385II: Zwei Mal 3:1 in der Westprovinz

Association Sportive Jorf El Melh (الجميعة الرياضية جرف الملح)
......................................... 3:1 (3:1) ........................................
-- Union Nasr Sportive Rabat (اتحاد النصر الرياضي الرباطي) --  Datum: Samstag, 14. Dezember 2013 – Anstoß: 12.00
- Wettbewerb: Senior 3 Division, Ligue Excellence du Gharb de Football [دوري الهواة القسم الثالث - عصبة الغرب] (Westmarokkanische Bezirksoberliga = 5. Marokkanische Liga, 3. Amateurebene)
- Ergebnis: 3-1 nach 99 Min. (49/50) – Halbzeit: 3-1
- Tore: 1-0 19. (Nr. 18), 2-0 23. (Nr. 12), 2-1 34. (Nr. 9), 3-1 36. (Nr. 10)
- Verwarnungen: 2x Nr. 12, Nr. 8, 18 (ASJM); Nr. 2 (UNSR)
- Platzverweise: Nr. 12 von Jorf Melha (80. Min. wg. wdh. Fouls)
- Spielort: Terrain Municipal Jorf El Melha [ملعب البلدي جرف الملحة] (Kap. 1.000 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 250 (keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Durchschnittliches Spiel)

Association Athlétique Dar Gueddari 
------- (الجميعة الرياضية دار الكداري) ---------
........................ 3:1 (3:0) .......................
Amal El Zaouia Moulay Bousselham 
-------- (امل الزاوية مولاي بوسلهام) ----------
- Datum: Samstag, 14. Dezember 2013 – Anstoß: 14.30
- Wettbewerb: Senior 4 Division, Ligue 1 du Gharb de Football/ Groupe C [عصبة الغرب - بطولة الهواة القسم الرابع, مجموعة ج] (d.h. 1. Westmarokkanische Regionalklasse/ Gruppe C = 6. Marokkanische Liga, 4. Amateurebene)
- Ergebnis: 3-1 nach 101 Min. (49/52) – Halbzeit: 3-0
- Tore: 1-0 NN, 2-0 NN, 3-0 33. (11), 3-1 94. (11)
- Verwarnungen: Nr. 8 (AZMB)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Sidi Kacem; Terrain de Jaouhara [ملعب الجوهرة بحي الجوهرة القاسم] (Kap. 1.000 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 50 (davon ca. 25 aus Dar Gueddari und 25 aus der Siedlung)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Durchschnittliches Spiel) نادي جرف الملحة و اتحاد النصر الرباطي - دوري الهواة القسم الثالث Photos with English and Arabic Commentary:
a) Amateur League 3: Association Sportive Jorf El Melha v Union Nasr Sportive de Rabat
b) Amateur League 4: AA Dar Gueddari v Amal El Zaouia Moulay Bousselham (in Sidi Kacem)
c) Rif Mountains Between Karia Ba Mohamed and Jorf Melha

Wie auch letzten Samstag ging es in die Provinz um Sidi Kacem für unterklassigen Fußball. In Fès fuhr ich die Nordumfahrung der Altstadt über den Zalagh-Berg. Die Gebirgszüge im Norden von Fès sind Ausläufer des Rif-Gebirges. Insbesondere der Pass über den Zalagh ist landschaftlich sehr schön und spektakulär. In Karia Ba Mohamed sollte man nach dem Weg fragen, da diese hässliche Landstadt in schöner Landschaft sehr unübersichtlich ist – aber gerade in solchen Orten sind die Leute am höflichsten wenn ein Ausländer etwas wissen muss.

Auch in Jorf El Melh (oder Jorf el-Melha, heißt beides Salzklippe) waren die Leute trotz durchweg geringer Bildung sehr angenehm. Dass das Königshaus großkotzig neue Schulen baut ohne dafür die Lehrer einzustellen und ohne Beamte, die den Kindern die Schulpflicht aufdrängen, einzuberufen – nur um nach außen vorzugaukeln, dass sie etwas gegen den Analphabetismus und die generelle Unbildung vieler Marokkaner tun würden, kann man in einem Dorf wie Jorf El Melh ganz gut ablesen. Alle wollten mir erklären wer gegen wen kickt und welche Liga und welcher Tabellenplatz, aber als ich bat mal die Vereinsnamen (Arabisch, da ich nur die französischen Versionen im Netz gefunden hatte) aufzuschreiben wurde es schwierig:
Älterer Berber: „Lahcen, kannst du schreiben?“
Lahcen: „Pffff hmmm…“
Junger Mann: „Amin hat Ahnung, ey Amin mach dich hierher und schreib dem Deutschen mal die Teams auf!“
Amin: „OK, also Djamiâ ar-Riadhiya Djorf Melha gegen äh… wie heißen die? Trainer, wie heißt die Gastmannschaft?“
Trainer: „Ittihad Nasr Ribaty“
Amin: „[schreibt so falsch wie er spricht] Tihad… ähm… Nasr mit sîn oder sâd?“ [zwei ähnlich klingenden S-Lauten, als ob einer im Deutschen fragt „s oder ß“]

Jorf El-Melh ist ein Kaff mit kaum mehr als 20.000 Einwohnern und nicht einem sehenswerten Gebäude. Ganz am Ostrand der Landstadt befinden sich ein Wochenmarkt (Montag ist dort Markttag) und ein Fußballplatz. Die Anlage ist weiträumig ummauert und von Hügeln umgeben. In der Mitte der struppigen Wiese ist ein eingezäunter Bereich, der wohl mal eine Wiese war aber völlig weggetreten ist. Hier wird auf staubigem Lehm gekickt. Leider ausbautenlos, aber immerhin 250 Zuschauer fanden sich trotzdem ein. Die waren aber erstaunlich zurückhaltend und in keiner Weise aggressiv. Es ist nur interessant gewesen, dass eine Gruppe Jugendlicher in Sichtweite einer Polizeistreife Gras rauchte während einer von ihnen laut aufgedreht Berbermusik auf seiner Taschendisko abspielte…

Das Spiel lud auch nicht so zu Aggressionen oder großen Supporteinlagen ein: es war allenfalls durchschnittlich, eher einseitig zugunsten der Heimelf und von beiden Seiten ab und an etwas unsauber geführt. Jorf Melha ging mit zwei Kontern in Führung. Ein Weitschuss ins Eck sorgte für den Anschlusstreffer, ehe ein Kopfball bereits nach 36 Minuten den Endstand herstellte. Die zweite Hälfte sah dann – genau konträr zur ersten – mehr Chancen für die Gäste, doch sie kriegten nicht einen weiteren Treffer unter, auch als sie ab der 80. mit 11 gegen 10 weitermachten. دار الكداري مع امل الزاوية مولاي بوسلهام Die Zeitplanung erschien mir schon sehr gewagt: vom Gemeindesportplatz von Jorf El Melh aus sind es 50km bis Sidi Kacem, aber es waren nur 35 Minuten Zeit. In Sidi Kacem gibt es zwei Sportstätten: das große Stadion in der Stadtmitte und ein Fußballplatz im Viertel El-Jawhara (Edelstein). Warum das so heißt würde ich schon mal gerne wissen: die Straßen sind löchrig und dreckig, einiges Bauland liegt brach, die Häuser sind einfach gebaut und oft noch gar nicht bezugsfertig und der Platz liegt von Häusern umgeben, ausbautenlos und eingezäunt irgendwo mittendrin in der Kleinstadtlangeweile. Die Wiese ist uneben und staubig, aber immerhin mehr grün als erdfarben. Die Tore sind aber etwas krumm und schief und warum es nur für zwei Eckfahnen gereicht hat und nicht für vier, weiß ich auch nicht…

Hier standen sich jedenfalls die Truppen aus Dar Gueddari, einem Dorf ohne Großfeldplatz (6.000 Einwohner, 50km Anfahrtsweg für ein „Heimspiel“), und Moulay Boussalem, einem anderen Kaff von nicht mehr als 10.000 Leuten, das auch keinen Großfeldplatz hat und daher immer im 20km entfernten Lella Mimoune die Heimpartien kickt. Der Vereinsname der Gäste, also der nominellen Gäste, zielt wohl darauf ab, dass man sich an einer Zaouia (Zawiya, Schrein eines verstorbenen weisen Mannes oder weisen Frau) Segen (Baraka) oder Hoffnung (Amal) abholen kann.

Erwartungsgemäß waren nur wenige Anhänger gekommen und die Hälfte der knapp 50 Fans aus der Siedlung. Außer Applaudieren tat hier keiner was um die Teams zu unterstützen. Selbst wenn es auf dem Feld mal Gemecker und Gepöbel gab, verhielten sich die Zuschauer sehr fair. Vielleicht ist in Sidi Kacem und Dar Gueddari auch der Bildungsstand höher, denn hier waren die Leute nicht nur fair im Umgang mit den Sportlern sondern es konnte mir gleich der erste aufschreiben, wie die Teams mit vollem Namen heißen. Er musste mir auch leider gleich sagen, dass es bereits nach 5 und 10 Minuten die ersten Treffer gab.

Ich war in der 15. Minute gekommen und musste dann einige Chancen auf beiden Seiten abwarten, ehe Dar Gueddari nach einem Freistoß der quer durch den Strafraum gesegelt kam, per Kopf zum 3:0 einnetzte. Erst in der zweiten Halbzeit gelang Moulay Bousselham ein Ehrentor: ein strammer halbhoher Schuss aus 15m aus dem Lauf heraus ins Eck. Kurz zuvor hatte Dar Gueddari noch eine Serie von vier Ecken knapp vergeben (Kopfballabwehr auf der Linie, Torwartparaden etc.). Zwar nur zwei Treffer gesehen, aber ein lohnender Spielbesuch.

Ich nahm nach dem Spiel bewusst einen längeren Weg über die Kreisstraße P5003 und die paar Gehöft im Umfeld von Moulay Yacoub, da ich jetzt immer die Polizeikontrolle auf der Bundesstraße N6 aus Richtung Meknés meide. Dort stehen nämlich die größten Abzocker. Am Ortseingang Avenue Loudaya im Schneider-Viertel Belkhayat stehen komischerweise gar keine...
Zuhause angekommen wurde ich gleich mit einem Hühnerfleischgericht versorgt und nachdem Zakariya und ich noch die Planung für den Sonntag ausdiskutiert hatten, kam noch ein Gast, eine deutsch-irische Kunsthistorikerin um die 70, der für die nächsten Tagen bleiben wird aber sicherlich der nervigste Besuch seit Beginn meines Aufenthalts ist: langweilige dauerlabernde Rentner sind immer noch stressiger als laute Ami-Familien deren lustige Sprüche Khadijas Kinder zu noch mehr Blödsinn animieren… طبيعة بالقرب قرية با محمد Statistik:
- Grounds: 1.046 (2 neue; diese Saison: 75 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.954 (heute 2, diese Saison: 98)
- Tageskilometer: 290 (290km Auto)
- Saisonkilometer: 26.830 (25.790 Auto/ 990 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 12 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 385