Sonntag, 12. Dezember 2010

W228II: Basketballtag in Halle/ Saale

Justabs Halle II 68:75 TV „Gut Heil“ Zerbst
Samstag, 11. Dezember 2010 - Tip-off 12.00
Bezirksliga Sachsen-Anhalt Südost (8. Liga, 3. und unterste Amateurliga)
Ergebnis: 68:75 nach 40 Min. – Viertelergebnisse: 23:16, 20:14, 14:23, 11:22
Punkte: ? / Fouls: ? / 5. Foul: ?
Freiwürfe: 14 von 29 (=48%)
Spielort: Dreifelderhalle der Sportschule Halle (Kap. 200, davon 100 Sitzplätze)
Zuschauer: 2 (wir zwei Neutrale)
Unterhaltungswert: 4,0/10 (Natürlich kein besonders gutes oder attraktives Spiel, aber für die unterste Spielklasse völlig OK)

BBC Halle 80:123 „Bodfeld ’Baskets’“ Oberharz (Elbingerode)
Samstag, 11. Dezember 2010 - Tip-off 17.00
Oberliga Sachsen-Anhalt (6. Liga, 1. Amateurliga)
Ergebnis: 80:123 nach 40 Min. – Viertelergebnisse: 17:27, 14:31, 22:33, 27:32
Punkte: ? / Fouls: ? / 5. Foul: ?
Freiwürfe: 21 von 32 (66%, wobei BBC 50% und Oberharz 81%)
Spielort: Sporthalle der BbS IV Friedrich List (Kap. 150, davon 75 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 40 (anscheinend keine Gästefans)
Unterhaltungswert: 6,0/10 (Wettbewerbsverzerrung der übelsten Sorte, aber auf beiden Seiten gab es so gute Spielszenen und technische Feinheiten, das man immer noch das Prädikat „OK“ geben muss)
IMG_0703
Photos and English version:
Basketball in Halle: Justabs II – Gut Heil Zerbst/ BBC – Oberharz

Es gibt nicht viele Basketballmannschaften in Sachsen-Anhalt: relativ viele im Süden, aber fast gar keine in der Mitte und im Norden des Landes. Halle ist neben Weißenfels die Hochburg für Basketball. So kann man mitunter zwei oder sogar drei Spiele hintereinander sehen. Wir wollten heute zwei Spiele der untersten Ebene – unter der sachsen-anhalt-weit in drei Staffeln eingeteilten Bezirksliga finden sich keineswegs Kreisligen, da es einfach in manchen Landkreisen nur eine oder gar keine Basketballmannschaft gibt – und eines der höchsten Amateurliga, der Oberliga, ansehen.

In der Bezirksliga Südost führt Justabs II punktgleich (4 Siege, 1 Niederlage) vor Gut Heil Zerbst – ein ungewöhnlicher Name, da der alte Turnerspruch wie alles andere mit „Heil“ nach dem Missbrauch durch die Nationalsozialisten anrüchig klingt – und der III. Mannschaft der BSW Sixers. Die TORnados haben erst ein Mal gewonnen und sind Vorletzter (d.h. 6.).

Das Spiel zwischen Justabs II und Gut Heil fand in der Dreifelderhalle der Sportschule Halle, gelegen in der Robert-Koch-Straße, statt. Mangels Beschilderung muss ich hier den Hinweis geben: die Halle ist der orange Klotz direkt an der Straße. Innen ist sie ganz ordentlich ausgestaltet, wobei es etwa 2,50m über dem Spielfeld auf einer Seite einer Tribüne gibt, die eine aus sehr hartem Holz gefertigte Bankreihe und eine mit einer Metallreling abgegrenzte Stehreihe dahinter aufzuweisen hat. Auf dieser Tribüne waren erst noch mit meinem Vater und mir 8 Leute zugange, wobei die sechs anderen nur wegen dem 10-Uhr-Spiel da waren und deshalb auch nach und nach gingen. Nach der Pause waren nur noch wir beide da, sodass auch nur wir als einzige Zuschauer gezählt werden konnten. Schon schade, wenn die Spieler nur für sich spielen. Normalerweise hätten sie ja gar keine Zuschauer gehabt.

Gespielt haben sie nun natürlich nicht sonderlich attraktiv: die Bezirksliga verdient nur wegen ihrer Ausdehnung den Namen, ansonsten ist das 2. Kreisklasse. Aber neben den vielen technischen und sonstigen Fehlern und dem Fakt, dass von den ersten 13 Freiwürfen auf beiden Seiten kein einziger verwandelt wurde, gab es doch einige schöne Treffer und Angriffsläufe zu sehen. Von einem schlechten Spiel kann also nicht die Rede sein: die Anstrengungen und mitunter wirklich sehenswerten Körbe muss man den Spielern zugute halten. Zudem war das Spiel auch spannend, da es bis zum Ende des dritten Viertels nach einem Heimsieg aussah und Zerbst erst im letzten Viertel noch mal richtig loslegte und sicherer traf, was sie schließlich zum 7-Punkte-Sieg brachte.
IMG_0731
Eigentlich wollten wir danach in der Sporthalle der Sprachheilschule A. Liebmann, die direkt hinter dem Sportplatz am Kinderdorf – dort spielt der FSV 67 Halle – liegt, noch das Spiel zwischen TORnados Halle und BSW Sixers III sehen, aber da das Vorankommen im winterlichen Halle eine einzige Katastrophe ist, sahen wir nur das 17.00-Spiel, was wir als krönenden Abschluss eingeplant hatten. Die Probleme fingen damit an, dass weder die verkommene Stadt, die keine Lust hatte den Winterdienst aufzustocken, noch die verkommenen Wohnungsbaugesellschaften in der Südstadt und schon gar nicht das dumme Volk, was dort wohnt, sich um das Beräumen der Gehwege bemüht. Da wohnen so viele Leute, denen ein freier Gehweg recht sein müsste, aber es räumt niemand den Schnee und das Eis weg: faul und asozial ist so was! Wir verpassten die 14.02-S-Bahn am Bahnhof Südstadt nur knapp und mussten dann 25 Minuten auf die 14.32 warten. OK, zweite Halbzeit gucken – dachten wir. Aber da diese verkommenen S-Bahnen so schlecht gewartet sind, bekam der Zugführer nach dem Halt die Karre nicht mehr an. Motorschaden. Also kamen wir nicht zur Zscherbener Straße und konnten so nicht noch zur Sporthalle laufen. Wir nahmen eine der Straßenbahnen, die es mit Müh und Not und einem Umweg wegen Feuerwehreinsatz zum Bahnhof schaffte. Erstmal bei dem Dönerladen, dessen Inhaber seine Ethnie mit seiner Speisekarten verrät – kein Türke würde Lahmacun mit „Kurdische Pizza“ angeben – was Ordentliches gegessen. Dann fuhren mal wieder keine Straßenbahnen, sodass wir, da noch 50 Minuten bis zum nächsten Basketballspiel, erstmal zur Thalia-Buchhandlung liefen, um uns zu vergewissern, dass man die Buchhandlungen wirklich vergessen kann: im Internet kriegt man aktuellere Ausgaben schneller und ältere Ausgaben preisgünstiger. Ganz abgesehen davon, dass antiquarische Bücher, ungewöhnliche Straßenkarten und fremdsprachige oder zweisprachige Bücher meist für die oft wenig fähigen und unflexiblen Buchhändler nicht bestellbar sind. Wer also halbwegs mit dem Internet umgehen kann, sollte bloß bei „Amazon“ und anderen guten Anbietern bestellen.

Nun ja, es ging nun weiter für uns zum Leipziger Turm, wo sich gegenüber davon eines der beiden Gebäude der IV. Berufsbildenden Schule Friedrich List befindet. Das Schulgelände war nur durch den Toreingang im Schulgebäude, gegenüber der Hochstraße zugänglich. Im Innenhof der Schule befindet sich die moderne und sehr interessant geschnittene Sporthalle. Der Glaskasten hat ein wellenförmiges Dach. Innen fällt vor allem die bunte und seltsam geformte Sprecherkabine auf. Einen Oberrang gibt es neben der Sprecherkabine, doch der Zugang dazu war genauso abgeschlossen wie die Besucherklos, sodass man bei den Spielern vorbeischauen musste. Eine Tribüne gibt es nicht: man sitzt auf Turnhallenbänken, die etwa 75 Leuten Platz geben, direkt am Spielfeldrand oder steht in den dafür vorgesehenen Bereichen hinter den Körben.

Der BBC Halle ist mit drei Siegen aus 10 Spielen nur 8. von 10, Oberharz hingegen gewinnt jedes Spiel dreistellig – das Hinspiel ging 146:60 aus – und führt mit 10 Siegen aus 10 Spielen, da sie durch den Sponsor – eine Internetapotheke – gehörig Geld zur Verfügung haben. Hier wird mal wieder versucht einen unbedeutenden Verein in den Profisport hoch zu kaufen, was für eine Weile gelingen wird (Pro B oder Pro A vielleicht 2015), aber dann wieder schön in der Versenkung verschwindet (Bankrott 2018 wäre dann ein klassischer Werdegang). Da helfen auch keine ein, zwei Nachwuchsmannschaften mit den regionalen Talenten, wie das in einem Artikel der Sorte „Alles Super – Alles Toll“ in der „Volksstimme“ beschrieben wurde. Was der Einsatz mehrerer us-amerikanischer Profis mit Amateurbasketball zu tun hat, sollen die Spinner mir mal erklären! Aber die Dummen, die meinen, ein paar Spieler zusammenkaufen zu können, und dann die Sponsoren und Fans in Massen anrennend erwarten um dann in den Profibereich aufsteigen und sich dort etablieren zu können, sterben eben nie aus: immer irgendwelche sportbegeisterten Geschäftsleute, die einfach keine Trennung zwischen ihren beiden Standbeinen vornehmen können und anständigen Amateursport angemessen fördern können. Hätten diese Leute Sportsgeist, würden sie mit einer reinen Amateurtruppe spielen und keine Profis in ein Amateurteam einkaufen – auch keine dritt- bis viertklassigen wie die Amis bei den Harzern.

Die zwei Komiker machten natürlich das Spiel alleine. Für ihre Schnelligkeit, Ballsicherheit, Technik (hinterrücks Zuspiel ohne zu gucken oder zwei Mal antäuschen, dann vorbeigehen, hochsteigen und sicher treffen usw.) und zumindest streckenweise richtig guten Treffer aus allen Lagen, würde ich sie normalerweise loben – aber sie bekommen ja Geld dafür, in einer Amateurliga den Wettbewerb zu verzerren. Also lobe ich lieber die Hallenser, die zwar natürlich überfordert waren, aber bei ihren sicheren Würfen und schnellen Angriffen, die doch noch zu 80 Punkten führten positiv auffielen. Mit einer unfairen Spielweise hätten sie den nur mit sechs Mann, von denen zwei auf ProB- oder Regionalliga-Niveau, einer auf Oberliga-Niveau und drei auf Landes- bis Bezirksliga-Niveau spielten, angereisten Gästen wirklich gefährlich werden können. Aber der BBC blieb völlig fair und ließ die Niederlage mit ordentlicher Gegenwehr ergehen. Der spielerische Unterschied war nicht so hoch, wie das Ergebnis von 43 Punkten Unterschied zu zeigen meint.
IMG_0758
Statistik:
Grounds Nr. 503 und 504 (zwei neue Grounds; diese Saison: 53 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 1.188 und 1.189 (diese Saison: 76)
Tageskilometer: 40 (30 Straßenbahn, 10 Bahn)
Saisonkilometer: 12.670 (8.170 Auto/ 2.090 Fahrrad/ 1.610 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 83
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 228

Samstag, 11. Dezember 2010

W228I: Das Sachsen-Anhaltische Handball-Derby in Liga 3

HG 85 Köthen 15:20 SV Anhalt Bernburg
Freitag 10. Dezember 2010 – Anwurf 19.30
Liga: 3. Bundesliga/ Ost (Halbprofi-Liga)
Ergebnis: 15:20 nach 60 Min. – Halbzeit: 8:12
Tore: Cieszynski 5, Musche 4, Luskovec 3, Grohmann 1, Kreller 1, Uelsmann 1 (HG 85); Kraft 7, Weber 5, Seifert 3, Schöttke 2, Hoffmann 1 (SVA)
Gelbe Karten: 2 Spieler + Trainer (HG 85); 3 Spieler + Trainer (SVA)
Zeitstrafen in Minuten: Lux 4, Stojan 4, Grohmann 2, Uelsmann 2, Brandt 2, Weber 2 (HG 85); Kraft 4, Seifert 2, Steinbrink 2, Poplawski 2, Rindert 2 (SVA)
Platzverweise: keine
Sportanlage: Heinz Fricke Sporthalle (Kap. 850, davon 500 Sitzplätze)
Zuschauer: 850 (ausverkauft; davon ca. 150 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Kein herausragend gutes, aber spannendes und durch Härte der Abwehrreihen und Fan-Atmosphäre interessantes Spiel)
IMG_0665
Photos and English version:
HANDBALL DERBY IN KÖTHEN: HG 85 – ANHALT BERNBURG

Der 15.55-Zug war „nur“ 25 Minuten zu spät in Halle, sodass wir den 16.43 nach Magdeburg über Köthen, der letzten Hopperticketstation von Merseburg aus auf dieser Strecke, gerade noch kriegten. Wir waren fast zwei Stunden vor dem Anwurf an der Halle, wobei es erwartungsgemäß die Ansage gab: „Karten eine Stunde vor Anpfiff – jetzt noch nicht“. Dann halt noch einmal durch das verschneite Köthen – übrigens die am Besten beräumte Stadt, die ich diesen Winter gesehen habe – zum Marktplatz in der Altstadt: die Marktkirche und das Rathaus sind zwei wirklich sehenswerte Bauten. Aber es ist natürlich dort ziemlich ausgestorben. Doch Köthen ist auch durch sein Schloss und die darin befindliche Vogelsammlung (
Link zu Bildern von einem früheren Besuch in Köthen) eine sehenswerte Stadt.

Als wir dann 18.30 an der Halle waren, bequemten sich die zwei Kassenwärter die sauteuren Karten herauszugeben. 8€ für Steh- und 10€ für Sitzplätze, wobei davon 2€ Top-Zuschlag sind: ein Zuschlag, der - wie schon einmal zum Spielbesuch in Bernburg erwähnt - der Kostendeckung bei Mehrkosten durch erhöhte Polizeikräftezahl usw. dient – und nicht zum Abzocken der Zuschauer. Natürlich gab es auch in Köthen keine Polizei, wobei die Zahl der Ordner mit etwa einem Dutzend recht hoch war. Die Preise für Essen wie die geschmacklich guten Knacker im Brötchen – 1,90€ – waren echt nicht mehr feierlich.

Weg von den asozialen Preisen im Handball – kommen wir zum schöneren Thema: der Ground. Die Sporthalle Heinz Fricke (ob damit der deutsche Dirigent gemeint ist bezweifle ich, obwohl dieser aus dem Osten Deutschlands stammt: aber solche Sporthallen heißen meist nach mehr oder weniger überzeugten und wichtigen Antifaschisten, die keine Sau kennt) ist ein klassischer DDR-Rundbogenhallenbau, der sicherlich in den 1960er Jahren erbaut wurde. Hier sind die acht an den Außenseiten ausladend lang gezogenen Stützbalken besonders auffällig. Über ein Foyer kommt man rechts zur Tribüne: sechs Reihen mit Holzbänken, wobei die erste Reihe, in der wir Platz zu nehmen hatten, etwas anders aufgemacht ist, als die dahinter folgenden. Zudem sitzt man nur etwa 30cm über dem Boden, was für einen mehr als 1,40m großen Menschen unbequem ist. Die Heinz-Fricke-Sporthalle ist ansonsten ein sehr zuschauerfreundlicher Hallenbau: rechts geht man auf der Tribüne noch eine Treppe zur Empore hoch, die hinter dem einen Tor einen breiten Raum einnimmt und auf der der Tribüne gegenüberliegenden Seite bis fast zur Ecke an der Anzeigetafel schmal weitergeht. Hätte ich vorher gewusst, wie die Halle aussieht (es gibt aber leider keine Innenansichten außer meine eigenen jetzt im Internet), hätte ich die Stehplätze vorgezogen. Bei so einem Derby muss man aber früh kommen, um noch einen Platz direkt an der Barriere auf der Längsseite zu bekommen: die Rentner haben nämlich dort die Angewohnheit, ihre Jacken als Zeichen „hier ist belegt, also verpiss dich!“ eine Stunde vorher über die Balustrade zu hängen, um dann bis kurz vorm Anwurf im Foyer zu essen, Bier zu trinken und zu quatschen. Wie die Urlauber auf Malle: Handtuch auf den Liegstuhl und dann noch mal aufs Hotelzimmer flätzen oder zwei Stunden am Frühstücksbüffet fressen...

Derby also: von den drei sachsen-anhaltischen Mannschaften in der Oststaffel der 3. Bundesliga liegen Bernburg (Salzlandkreis) und Köthen (Anhalt-Bitterfeld) am dichtesten zusammen. In Bernburg habe ich auch wenig Freundliches über die Köthener gehört, sodass ich mit einem harten Spiel des 10. gegen den 8. gerechnet habe. Verwunderlich, dass es keinen Platzverweis geben sollte, doch man hatte auch mit den sächsischen Schiris zwei sehr gute Leute an den Pfeifen. Die waren auch häufig gefordert, da das Spiel zwar relativ arm an Toren, aber trotzdem reich an Tempo und eben auch an Härte – besonders bei der Abwehrarbeit – war. Richtig grobe Fouls gab es aber nicht, auch wenn z.B. mal ein Bernburger mit Nasenbluten runter musste, weil er wohl er die angewinkelten Fäuste des Köthener Verteidigers mit einem Kopfstoß brechen wollte...
IMG_0621
Nach dem 1:0 der Köthener drehten die Gäste schnell auf und zogen auf 1:6 davon, wobei sie sich in Abschluss wie Abwehr bis zur 20. Minuten klar besser zeigten. Danach schafften es Köthen heranzukommen, was auch durch Bernburger Fehler gelang, doch die Aussetzer wurden von den Gästen schnell wieder ausgebügelt. Ab der 25. hatten die Hausherren auch wieder mit einigen Macken geglänzt: so rutschte einem HG-Spieler der Ball beim Siebenmeterwurf aus der Hand und fiel neben dem Spieler herunter. Erinnerte mich an einen Kumpel beim Schulsportfest: Weitwurf – und der Heini wirft die geniale Weite von „Minus Fuffzsch Zendimedor“. In der Schlusssekunde der ersten Halbzeit hämmerte ein Bernburger (Alexander Weber, glaube ich) noch ansatzlos einen Ball ins Eck.

Nach der Pause war Bernburg für eine Weile abgemeldet, doch Köthen sollte nur bis auf ein Tor herankommen und nie mehr eine Führung erzielen. Der fünf Tore-Abstand pendelte sich dann ab der 50. ein. Ab und an wurde es noch mal etwas hitzig: aber ein paar Pöbeleien und Schubsereien auf dem Feld sind noch das Mindeste, was bei so einem Spiel zu erwarten ist.

Was die Fans anbetrifft, so hatte ich mit einer für Handball guten bis überragenden Stimmung in einer vollen Halle gerechnet: und tatsächlich; die Halle war ausverkauft, manche standen sogar auf der Treppe zur Empore – und die Bernburger agierten auch wie erhofft; der Block war geschlossen hinter der Mannschaft und stand oft Minuten lang klatschend und kurze Sprechchöre rufend auf der Tribüne, die Mannschaft ausgiebig feiernd. Nach dem Abpfiff liefen sogar einige gleich zum Team auf die Platte und es wurde schön abgefeiert. Leider ließ die Stimmung beim Köthener Publikum ziemlich zu wünschen übrig. Auch wenn die Mannschaft nicht gut spielt – das war ja bis zur siebten Minute auch nicht so abzusehen – muss man die Derbystimmung nicht gänzlich auf die Stimmungs-Zutat Nr. 2 (Gegner auspfeifen, über Schiri meckern, rumpöbeln) beschränken. Nach der Pause waren einmal in der Aufholphase der HG 85 sehr einfallsreiche „Köthen, Köthen“-Sprechchöre zu hören – ansonsten gab es nur ein bisschen monotones Geklatsche und trotz Aufmunterungen des guten, aber manchmal etwas zu moderationsfreudigen Hallensprechers, keine weiteren Anfeuerungen der Mannschaft. Nur Meckern und Pöbeln. Verglichen mit dem trommel- und sprechchorfreudigen Bernburger Anhang wirklich erbärmlich. Allerdings kann man den Köthenern auch nicht vorwerfen, dass sie niveaulos gewesen wären: rassistische Pöbeleien wie bei Anhalt Dessau oder einigen norddeutschen Bundesligisten werden in Köthen sicherlich nicht so akzeptiert und selbst die etwas unterbelichtete Bernburger Handballexpertin neben mir, die wohl meinte sie sei zuhause oder im Gästesektor, wurde nur belächelt und in Ruhe gelassen: da hab ich bei Dorfvereinen in solchen Situationen (Spieler der Heimmannschaft wird klar gefoult, bleibt liegen und Gästefan meckert für umsitzende Heimfans hörbar „Schauspieler“ etc.) schon richtig derbe Antworten gehört...

Alles in Allem hat sich der Besuch trotz der Preise aber gelohnt und ich kann diese Partie – auch in umgekehrter Reihung – jedem Handballinteressierten empfehlen. Auf dem Rückweg gab es wieder nur relativ geringe Verspätungen, sodass wir den Anschluss in Halle noch gerade so erreichten.
IMG_0572
Statistik:
Ground Nr. 502 (ein neuer Ground; diese Saison: 52 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.187 (diese Saison: 74)
Tageskilometer: 100 (Bahn)
Saisonkilometer: 12.630 (8.170 Auto/ 2.090 Fahrrad/ 1.570 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 83
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 228

Montag, 6. Dezember 2010

W227II: Handball im Haifischbecken von Mölkau

HSV Mölkau - Die Haie II 30:31 TSV 1886 Markkleeberg II
Sonntag 5. Dezember 2010 – Anwurf 12.00
Liga: 1. Kreisklasse Leipzig (11. und unterste Liga)
Ergebnis: 30:31 nach 60 Min. – Halbzeit: 16:17
Torfolge: 2-0, 2-2, 3-2, 3-3, 4-3, 4-4, 5-4, 5-7, 6-7, 6-8, 7-8, 7-9, 8-9, 8-10, 9-10, 9-11, 10-11, 10-12, 11-12, 11-13, 12-13, 12-14, 13-14, 13-15, 14-15, 14-16, 15-16, 15-17, 16-17; 16-18, 19-18, 19-19, 20-19, 20-20, 20-22, 21-22, 21-23, 22-23, 22-25, 23-25, 23-26, 26-26, 26-27, 27-27, 27-28, 28-28, 28-30, 29-30, 30-30, 30-31 (30-31 in 59:55)
Zeitstrafen: Mölkau II 2 Minuten, TSV II 6 Minuten
Platzverweise: keine
Sportanlage: Sporthalle Leipzig-Mölkau (Kap. 100 nur als Stehplätze nutzbare Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 20 (davon ca. 3 Gästefans)
Unterhaltungswert: 6,5/10 (Entsprechend der Klasse hohe Fehlerquote, aber trotzdem hohe Geschwindigkeit und viel Spannung!)

HSV Mölkau - Die Haie FR 24:27 BSV Limbach-Oberfrohna FR
Sonntag 5. Dezember 2010 – Anwurf 14.00
Liga: Frauen Verbandsliga Sachsen, West (6. Liga der Frauen)
Ergebnis: 24:27 nach 60 Min. – Halbzeit: 12:16
Torfolge: 0-4, 1-4, 1-6, 4-6, 4-7, 6-7, 6-9, 7-9, 7-10, 8-10, 8-11, 9-11, 9-12, 10-12, 10-13, 10-14, 11-14, 11-16, 12-16; 12-17, 13-17, 13-18, 14-18, 14-19, 14-21, 16-21, 16-22, 17-22, 17-23, 18-23, 20-23, 20-24, 22-24, 22-25, 22-26, 24-26, 24-27
Zeitstrafen: Mölkau 4 Minuten, BSV 6 Minuten
Platzverweise: keine
Sportanlage: Sporthalle Leipzig-Mölkau (Kap. 100 nur als Stehplätze nutzbare Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 25 (davon ca. 8 Gästefans)
Unterhaltungswert: 4,0/10 (Fing richtig gut an, ließ aber nach 15 Minuten erheblich nach)

HSV Mölkau - Die Haie 29:25 NHV Concordia Delitzsch 2010 II
Sonntag 5. Dezember 2010 – Anwurf 16.00
Liga: Bezirksliga Leipzig (7. Liga, 4. Amateurliga)
Ergebnis: 29:25 nach 60 Min. – Halbzeit: 18:10
Torfolge: 1-0, 1-1, 3-1, 3-2, 5-2, 5-3, 6-3, 6-4, 8-4, 8-5, 10-5, 10-6, 10-7, 14-7, 14-8, 16-8, 16-9, 17-9, 17-10, 18-10; 18-11, 19-11, 19-12, 21-12, 21-13, 22-13, 22-14, 23-14, 23-20, 25-20, 25-21, 27-21, 27-22, 28-22, 28-23, 29-23, 29-25
Zeitstrafen: Haie 10 Minuten, Concordia 12 Minuten
Platzverweise: keine
Sportanlage: Sporthalle Leipzig-Mölkau (Kap. 100 nur als Stehplätze nutzbare Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 30 (davon ca. 6 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Viele schöne Tore und Szenen am Kreis: insgesamt ein wirklich gutes Spiel!)
IMG_0437
Photos and English version:
Leipzig – Details of Facades: Jugendstil, Graffiti, Socialist Era
Handball in Leipzig-Mölkau: Three Matches in a Botched Sports Hall

Ein langer Spieltag in der Sporthalle der Mölkauer Mittelschule. Dass ich nach nicht einmal zwei Jahren eine noch beschissenere Halle als die in der Seminarstraße Naumburg/ Saale finden würde, hätte ich nicht gedacht. War der Architekt zugekifft? Wie soll man den bei einem 1,50m hohen Geländer vor einer zweireihigen, Holz beschlagenen Kunststofftribüne, die sich mehr als 2m direkt über dem Spielfeldrand befindet, und nur ca. 50 bzw. 75cm hoch ist, etwas sehen? Man musste die ganze Zeit am Geländer stehen, da man nicht einmal auf der zweiten Bankreihe stehend richtig zuschauen konnte: da guckte man zwar über das Metallgeländer hinweg, aber dafür war immer einer der sechs pervers dicken Stahlträger im Blickfeld. Also so eine Kräpel-Halle habe ich noch nie gesehen: die ist so bescheuert verpfuscht, dass man sie eigentlich mal besucht haben muss!

Die Sichteinschränkung war allerdings kein Problem, da kaum Zuschauer erschienen. Diese mussten auch keinen Eintritt bezahlen, dafür gab es ordentliches Catering zu angemessenen Preisen. Die Mölkauer scheinen übrigens große Freunde der Ironie und versteckter Anspielungen zu sein: anders ist der Text zur Halle auf der Website - www.hsv-moelkau.de - nicht zu erklären. Da heißt es: „Neben den guten Trainingsbedingungen ist das Schöne an unserer Halle, dass es eine Zuschauertribüne gibt. Und zum Spieltag ist dann natürlich richtig was los ... dann ist Hai-Stimmung!“ – so ist es: Hai-Stimmung; Fische sind halt stumm, so wie es Mölkauer Fans auch sind...

Egal, jedenfalls standen 5 Spiele für verschiedene Mannschaften der Mölkauer Haie, des 2005 aus dem SV Mölkau 04 ausgegliederten Handballvereins, an. Die B-Jugend schauten wir uns nicht an, wir stiegen nachdem wir den Weg in den östlichen Stadtteil mit Bahn und Bus und einem kurzen Abstecher in die Innenstadt gefunden hatten, bei den II. Männern in der untersten Spielklasse – Sachsen hat mit 11 Ebenen bzw. 8 Amateurebenen ab Mitteldeutscher Oberliga einen sehr großen Handballspielbetrieb – ein. Hinter dem punktverlustfreien HC Leipziger City sind die Reserve-Haie etwa besser als der Viertplatzierte aus der südlichen von Leipzig liegenden Kleinstadt einzuschätzen. Es entwickelte sich das erwartet enge Spiel in dem Mal der Eine mal der Andere führte. Die Zweite Mannschaft der Mölkauer war gleichwertig, doch hatte dann am Ende etwas Pech, sodass eine ganz knappe Niederlage in einem natürlich sehr fehlerbehafteten aber erfreulich schnellen Spiel zu Buche stand. 30:31 – 61 Tore; und da waren viele schöne wie Raketen in den Winkel oder Heber von der Seite über den Torwart dabei!
IMG_0444
Danach spielten die Frauen in der Verbandsliga Staffel West gegen Limbach-Oberfrohna: Siebter gegen Sechster ist ein wahres Mittelfeldduell. Der Ballspielverein aus der Kleinstadt bei Chemnitz hatte die leicht bessere Ausgangssituation und den klar besseren Start. Die Damen begannen richtig furios und erst als die Gastgeber – oder die Haiinnen – besser ins Spiel kamen, wurde es langsamer und weniger attraktiv. Attraktiv nur auf die Spielqualität bezogen... Jedenfalls wusste das Spiel nach 15 Minuten echt nicht mehr zu begeistern.
Nach aussichtslos scheinendem Rückstand kam Mölkau noch mal heran in der zweiten Halbzeit. Doch fünf Minuten vor Schluss machten die Gastgeberinnen so viele dilettantische und unnötige Fehler, dass sie mit drei Tore Unterschied noch gut bedient waren. Wirklich heftig kritisieren muss man aber trotzdem niemanden - nur kurz vor der Pause gab es eine doch sehr fragwürdige Szene: eine Mölkauerin wird fair am Wurf gehindert, verletzt sich beim Sturz aber am Knie, bleibt liegen, der eine Schiri steht direkt daneben, lässt die Limbacherin mit dem Ball in der Hand zögern, meint dann es solle weitergespielt werden, die Limbacherin zögert noch kurz und wirft dann auf Zuruf einen weiten Pass auf eine Mitspielerin, die als Zeichen der äußersten sportlichen Fairness an der einen Verteidigerin vorbei aufs freie Tor zuläuft und den Wurf verwandelt. Dass die Mölkauer Verteidigerin ihr so in den Rücken stieß, das die Limbacherin heftig stürzte, konnte ich voll und ganz verstehen. Warum Handballer nicht wie Fußballer es ja fairerweise meist machen, den Ball nach einer solchen schiedsrichterlichen Bankrotterklärung nicht ins Aus spielen können, habe ich mich schon mehrfach gefragt. Rücksichtsloses Torattackieren ist beim Handball in so einer Szene viel verbreiteter als beim Fußball: dem letzten Fußballer, der bei einem Spiel, das ich gesehen habe, in einer solchen Situation auf den gegnerischen Strafraum zustürmte (ein Müchelner Spieler beim Kreispokal in Wettin), wurde übrigens zünftig unter den „Jawoll“-Rufen der Fans vor erreichen des Strafraums in die Kniekehlen gelatscht...
IMG_0486
Das bleib aber auch die einzige unsaubere Szene in diesem Frauenspiel, das stimmungsmäßig von den paar Gästefans, die halt ab und an etwas anfeuerten, bestimmt wurde. Bei den Männern, wo sich ebenfalls ein paar wenige Gästefans am lautesten äußersten, stand dann danach ein Mittelfeldduell in der höchsten Liga im Bezirk Leipzig an. Die Haie wurden vom SV Mölkau 04 im Jahre 2005 ausgegliedert und der Gegner ist die Zweitvertretung des Neuen Handball Verein Concordia, welcher natürlich der Nachfolger des bekannten Bankrott gegangenen Delitzscher Clubs, der einen Absturz von der 2. Bundesliga (zwischenzeitlich waren die sogar 1. Bundesliga) in die Sachsenliga hinter sich hat. In der Sachsenliga ist die Erste mit der beeindruckenden Bilanz von 9 Niederlagen aus 9 Spielen Tabellenletzter, die Zweite hat schon einige Punkte mehr auch wenn sie nur im hinteren Mittelfeld steht. Die momentane Situation zeigt aber nur zu deutlich, dass sich Delitzsch mit Profihandball übernommen hat. Der Unterbau zur mehr oder weniger zusammengekauften Bundesligatruppe ist mehr als dürftig. Die Zweitvertretung trat mit gerade einmal 8 Spielern – also nur einem Auswechsler – an. Bis zur Mitte der ersten Halbzeit war das Spiel trotzdem ausgeglichen, doch dann zog Mölkau mit teils richtig spektakulären Toren davon: sie spielten sauberer aber konsequenter oder besser im Abschluss. In der zweiten Halbzeit wackelten allerdings die Haie, sodass Concordia nach einem zwischenzeitlichen 9-Tore-Rückstand noch mal auf bis zu drei Tore herankam. Doch gute Reaktionen des Mölkauer Torwarts und eine zum Ende wieder steigende Chancenverwertung brachte Mölkau zum absolut verdienten Sieg.
IMG_0520
An diesem Tag geschah übrigens ein Wunder des öffentlichen Personennahverkehrs: vier Züge und zwei Busse nahmen wir über den Tag verteilt (also von Merseburg über Halle nach Leipzig Hbf. und weiter per Bus nach Mölkau Gemeindeamt sowie in die umgekehrter Richtung) – und nicht ein einziger war unpünktlich. Die letzten 10 Straßenbahnen und Züge die ich seit Wintereinbruch genutzt habe waren bis zu 30 Minuten verspätet oder ausgefallen. Mein Vater saß sogar einmal über sieben Stunden in Leipzig auf dem Bahnhof fest, da nicht ein Zug nach Halle fuhr. Da können die überteuerte Drecksbahn und ihre ebenso dreckigen und überteuerten Kollegen ja richtig stolz auf sich sein...
IMG_0406
Statistik:
Ground Nr. 501 (ein neuer Ground; diese Saison: 51 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 1.184-1.186 (diese Saison: 73)
Tageskilometer: 110 (90 Bahn, 20 Bus)
Saisonkilometer: 12.530 (8.170 Auto/ 2.090 Fahrrad/ 1.470 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 83
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 227

W227I: Weißer Winter, Schwarzer Spieltag

TSV Leuna 1919 5:9 Osternienburger HC Schwarz-Weiß
Samstag, 4. Dezember 2010 - Beginn 16.00
Liga: 1. Hallenhockeybundesliga – Staffel Ost
Ergebnis: 5:9 nach 60 Min. – Halbzeit: 2:4
Tore: 0:1 8. OHC, 0:2 16. OHC, 1:2 17. Zeiger, 2:2 19. Zeiger (Strafecke), 2:3 20. OHC, 2:4 22. (Strafecke), 3:4 33. Zeiger, 3:5 34. OHC, 3:6 38. (Strafstoß), 4:6 46. Podewski (Strafecke), 4:7 48. OHC, 4:8 57. OHC, 4:9 59. OHC, 5:9 60. Schaltonat (Strafecke)
Besondere Vorkommnisse: Zeiger verschießt Strafstoß (39.), Podewski verschießt Strafstoß (52.)
Grüne Karten: 1x Schaltonat (Leuna), 1x OHC
Gelbe Karten: keine
Rote Karten: keine
Spielort: Sporthalle Leuna (Kap. 200 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 180 (davon ca. 20 Gästefans)
Unterhaltungswert: 2,5/10 (So schlecht habe ich Leuna noch nie spielen sehen, Osternienburg war Durchschnitt)
IMG_0367
Photos and English version:
Indoor Hockey – Leuna lost to Osternienburg

* * * * * * * * * * * * *
Nachruf: Der TSV Leuna mit seinen Mitgliedern und Fans trauert um Sportfreund Dieter Hammerschmidt, verdienstvoller Abteilungsleiter Fußball.
* * * * * * * * * * * * *

Eigentlich wollten meine Freundin, mein Vater und Kollege Baumann mit mir nach Berlin fahren, aber es war kein Wunder, dass bei 10-20cm Schnee das Rugbyspiel in Berlin abgesagt wurde – mit der Drecksbahn wären wir so eine Strecke ohnehin nicht gefahren. Dass wir es bis nach Leuna mit der Straßenbahn – mit Rad ging nicht wegen des unfähigen Winterdienstes – schafften, war schon fast ein Wunder: „nur“ 25 Minuten Verspätung hatte die Tram, topp!

Zum Glück ist in der Industrie- und Gartenstadt, deren gärtnerisches Grün gerade unter 15cm Schnee liegt, trotz Winter recht viel Sportliches los. Das Fußballspiel gegen Halle 96 II wurde zwar im Vorfeld abgesagt – an diesem Wochenende gab es Deutschlandweit so gut wie keine Fußballspiele, was bei den Schneemassen weitestgehend nachvollziehbar war; wenn ein paar Leute anpacken und die Tribünen richtig und das Spielfeld oberflächlich räumen würden, wäre zwar ein Spiel durchführbar, doch der Anfahrtsweg für Gastmannschaften ist oft schwer zuzumuten – aber dafür gab es Hallenhockey zu sehen.

Die Gäste aus Osternienburg schafften aber die 60km durch den Schnee: da trieb sie wohl die Hoffnung an, gegen die einzige Mannschaft, die ihnen nicht klar überlegen ist, zu gewinnen. Die beiden sachsen-anhaltischen Clubs schienen den Abstiegskampf in der Oststaffel der 1. Bundesliga – leider klar von den Berlinern dominiert – unter sich aus auszumachen; nach diesem Doppelspieltag sollte dann doch Blau-Weiß Berlin mit in den Abstiegskampf geraten.

Das Spiel wurde nach einer Schweigeminute für den ermordeten Hockeysportfreund aus Köln von den Gästen eröffnet. Leuna hatte in 15 Minuten nicht eine Torchance und schnell stand es 0:2. Wer sie da in Führung brachte kann ich leider nicht sagen, da ich die Namen der Gäste nicht kennen kann: die Aufstellung wurde von unserem Hallensprecher schlecht hörbar verlesen und die Namen kann ich nicht mithilfe einer Aufstellung auf der OHC-Website rekonstruieren, da die Seite völlig uninformativ ist und nicht einmal die Spielernamen aufführt. Wie auch immer, Leuna glich erstaunlich schnell aus, da sich Zeiger ganz gut in Form zeigte, doch die Hoffnung auf eine Wende im Spiel wurden innerhalb kurzer Zeit getrübt: die Gäste zogen wieder schnell mit 2:4 davon und Leuna bekam kein Bein auf den Boden.

In Halbzeit zwei sah das nicht besser aus: kaum jede fünfte Strafecke wurde verwandelt, zwei Siebenmeter verschossen (zwei!!), gute Chancen vergeben und Osternienburg zeichnete sich als die Mannschaft aus, die besser den Ball führen und auch häufiger im Tor versenken konnte. Den Fans – besonders uns in der Fußballer-Fankurve – schlug nicht nur die Nachricht vom Tod unseres Abteilungsleiters auf die Stimmung, sondern auch diese schwache Leistung der überforderten Hockeymannschaft. So wenig Stimmung wie bei dieser unnötigen aber völlig verdienten 5:9 Niederlage habe ich beim Hallenhockey in Leuna noch nicht erlebt: natürlich wurde sporadisch mit zünftigen Sprechhören und Liedern angefeuert, was es bei keinem anderen Hockeyverein so zu geben scheint – aber die Stimmung gegen die Mannschaft wurde zum Ende hin fast schon aggressiv. Wer da, wie der gewisse Jemand rechts vor mir, immer noch den Gästen absprach, verdient zu gewinnen oder die guten und sicheren Schiedsrichter dauernd auf nicht vorhandene Regelverstöße des OHC hinwies, machte sich einfach nur noch lächerlich.

Ich schreibe das eigentlich ungern, aber das war die schlechteste Leistung der Leunaer Hallenhockeymannschaft, die ich je gesehen habe – und das lässt mich schwer an ihrer Erstligatauglichkeit zweifeln. Eigentlich weiß ich nach diesem Spiel gar nicht, ob ich mir das Rückspiel noch angucken will – aber wieso auch nicht? Gerade wenn es nicht läuft, muss man die Truppe unterstützen. Zudem war Tags darauf im Internet zu lesen, dass die Jungs immerhin lernfähig und fähig zu einer Leistungssteigerung zu sein scheinen; in Berlin holten sie am Sonntag ihren ersten Punkt mit einem 8-8 bei Blau-Weiß!
IMG_0368
Im zweiten Teil des Berichtes muss auch noch eine Beschreibung der Winterverhältnisse her, die ich eingangs schon angedeutet habe: Am Montag war der Winter begleitet von der üblichen Show im Auto- und vor allem Fern- und Nahverkehr von Bahn und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln, eingebrochen. Vom Bahnhof zu den Franckeschen Stiftungen konnte ich mal wieder Laufen, da die Straßenbahnen der HAVAG vom Wintereinbruch „völlig überrascht“ verspätet, willkürlich und mit Ausfällen fuhren – auf dieser Strecke kam in meinen 15 Minuten Laufweg nicht eine Straßenbahn vorbei. Autounfälle habe ich keine gesehen, aber das sich gegenseitig im Weg Herumstehen nahm auffällig zu, da man auch mit guten Winterreifen bei nicht geräumten Straßen schon mal stecken bleibt.

Unübertroffen die Action am Mittwoch, als die HAVAG ihre Straßenbahnen kaum durch das Bisschen Schnee bekamen. So wenige Leute waren wir noch nie im Seminar zur arabischen Literatur: und außer mir waren nur zwei andere pünktlich erschienen. Nach Unischluss dann der Oberknaller: der Straßenbahnverkehr Richtung Merseburg war stundenlang ausgesetzt und der Zugverkehr ausgedünnt. Durch die Zugausfälle war die S-Bahn über Merseburg – Weißenfels – Naumburg nach Eisenach so pervers voll, wie ich das bisher nur von Trams und Bussen in Belgrad zur Morgen-Rushhour erlebt habe. Ich hätte gern mal gesehen, wie der Schaffner den Versuch einer Fahrkartenkontrolle in den Gängen und den Vorräumen der Waggons unternommen hätte: die Leute standen so eng, dass niemand seine Fahrkarte aus der Tasche hätte holen können...

Am selben Tag steckte mein Vater stundenlang in Leipzig nach einer Tagung fest, da die Bahn mal wieder mit 5cm Schnee und Minus 5-10 Grad überfordert war. Bahn fahren im Winter - besonders zu Winterbeginn - ist wirklich „genial“ – so „genial“ wie die Werbekampagnen der HAVAG, die trotz stetig steigender Preise immer noch einen preislichen Vorteil zum Autofahren, der nur bei Semester- und Jahreskarten noch vorhanden ist, vorgaukeln wollen und das Straßenbahn fahren als Alternative zum Radfahren hervorheben; derzeit ist die beste Alternative zum Radfahren das Laufen...
IMG_0341
Statistik:
Ground Nr. 500 (kein neuer Ground; diese Saison: 50 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.183 (diese Saison: 70)
Tageskilometer: 20 (Straßenbahn)
Saisonkilometer: 12.220 (8.170 Auto/ 2.090 Fahrrad/ 1.360 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 83
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 227

Sonntag, 28. November 2010

W226II: Vermeidbare Niederlage und überraschender Drei-Satz-Sieg

TSV Leuna 1919 10:13 Zehlendorfer Wespen
Sonntag, 28. November 2010 - Anstoßzeit 12.00
1. Hallenhockeybundesliga – Staffel Ost
Ergebnis: 10:13 nach 60 Min. – Halbzeit: 4:7
Tore: 1-0 1:55 Poczatek, 2-0 6:38 Podewski, 2-1 8:50 Müller, 2-2 9:41 Keller (Strafstoß), 2-3 12:55 Lange, 3-3 15:18 Ruttkies, 3-4 18:17 Keller, 4-4 20:02 Zeiger, 4-5 23:38 Keller (Strafecke), 4-6 26:16 Keller (Strafecke), 4-7 29:47 Keller (Strafecke), 4-8 41:37 Lange, 4-9 44:18 Keller, 5-9 44:55 Podewski, 5-10 46:17 Keller, 5-11 48:17 Keller, 6-11 48:59 Sö. Ahlberg, 6-12 51:38 Sonnenschein, 7-12 52:01 Se. Ahlberg, 8-12 53:32 Podewski, 9-12 55:43 Podewski (Strafstoß), 9-13 57:02 Keller, 10-13 58:35 Se. Ahlberg
Besondere Vorkommnisse: Zeiger vergibt Strafstoß (55.)
Grüne Karten: Zeiger (TSV); irgendjemand (Wespen)
Gelbe Karten: Schaltonat 2+5, Hartmann 2 (TSV); Canel 2, Keller 2, Müller 2 (Wespen)
Rote Karten: keine
Spielort: Sporthalle Leuna (Kap. 200 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 200 (davon vllt. 1, 2 Gästefans)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Ein an sich gutes Spiel mit einigen Durchhängern)

Chemie Volley Mitteldeutschland (Spergau) 3:0 VC Gotha
Sonntag 28. November 2010 – Beginn 16.00
DVV-Pokal, Achtelfinale (1. Bundesliga gegen 1. Bundesliga)
Ergebnis: 3:0 nach 70 Min. – Sätze: 25:20, 25:20, 25:13
Besondere Vorkommnisse: keine
Sportanlage: Jahrhunderthalle (Kap. 1.300 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 550 (davon ca. 20 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Richtig schöner Sieg des CVM!)

Photos and English version:
TSV Leuna lt. Zehlendorfer Wespen (Indoor Hockey)
CV Mitteldeutschland slams VC Gotha (Volleyball Cup)
IMG_0259
Das ein oder andere Fußballspiel hätte heute zwar auch stattgefunden, aber mit Groundsammeln geht es Ende März weiter - vllt. noch Gimritz vorher, aber Amateurfußball in unserem und umliegenden Landkreisen, besonders ab Kreisoberliga, kann man derzeit vergessen wegen einer Flut mehr oder (meist) weniger berechtigten Absagen.

Da die Hallenhockeysaison leider sehr kurz ist, war es auch sinnvoll, heute die Leunaer Mannschaft in einem ihrer 1. Bundesliga-Spiele zu unterstützen. Neben mir waren das noch gut 200 andere Zuschauer, wobei außer aktiven Mitgliedern von Hockey und Fußball wie immer kaum mitgegangen wurde. Aber die 20, 25 Stimmungsmacher waren wieder ziemlich aktiv und konnten auch andere ruhigere Zuschauer – wie mich – zum Anfeuern bewegen.

Der Beginn des Spiels machte auch Spaß, denn Leuna erzielte zwei frühe Tore gegen den klar favorisierten Berliner Gast. Nach zwei Niederlagen (5:10 gegen Meisterschaftsanwärter Blau-Weiß Berlin und 9:6 bei Lichterfelde) tat diese Führung gut. Doch die mit einem Sieg und einem Unentschieden gestarteten Bienen, äh: Wespen, kamen bald zum Ausgleich. Nach qualitativ ordentlichen und ausgeglichenen 20 Minuten, fabrizierte Leuna so grauenhafte Abwehrfehler, dass die Insekten aus Berlin mit 4:7 in Führung gehen konnten. Man ahnte schon, dass es jetzt gelaufen war.

Nach zwei kurzen aber grauenhaften Tanzdarbietungen, die unter Stufe 3 des Tanzsports fällt – Stufe 1 sind sportlich anspruchsvolle Darbietung, also guter Tanzsport, 2 weniger sportliche aber immer noch ernsthafte Darbietung = mittelmäßig und 3 heißt albernes Gehoppse – ging es mit Hockey weiter. Das fand aber leider auch erst auf einem schwachen Niveau statt, da Leuna kein Bein auf den Boden bekam, Berliner wenig tat, aber Die Schiedsrichter umso mehr, was unmögliche Entscheidungen anbetraf, die den Spielfluss enorm störten und Berlin schließlich noch weiter davon ziehen ließen.

Das Spiel war nach weniger als 45 Minuten entschieden, wobei sich die Schiris ab der 50. Minute zusammenrissen und das unnötige Foulen und arrogante Gemaule einiger Gästespieler ebenso mit gelben Karten bestraften, wie sie zuvor Nichtigkeiten von TSV-Spielern geahndet hatten. Ab der 53. zeigte Leuna dann – leider eben viel zu spät – dass Zehlendorf eine mittelmäßige Mannschaft ist. Der TSV kam noch einmal heran, wobei vor allem Podewski und die beiden Ahlbergs mit ihren teils von Treffern gekrönten Angriffen noch einmal Druck ausübten. Schade, dass es in der ersten Halbzeit so viele Abwehrfehler gab (drei Gegentore waren völlig unnötig) und nach der Pause die Chancenverwertung so derartig schlecht war (mindestens drei Riesendinger vergeben), dass diese unglaublich mittelmäßigen Stechmücken mit ihrem Ausnahmespieler Keller, der nicht nur durch arrogantes Gehabe auffiel sondern viel mehr mit vielen Toren, die auch in drei Fällen herrliche Heber über den TSV-Torwart waren, wofür man diesen Nationalspieler auch loben muss – im Spielfluss mit dieser Technik den Ball so zu behandeln ist wirklich stark! – siegten.

Leuna muss sich leider die Kritik gefallen lassen, dass außer dem Publikum und den ersten bzw. letzten 8 Minuten nichts auf dem Niveau war, was man in Liga 1 erwarten kann. Wenn nächste Woche gegen Osternienburg kein Sieg herausspringt, dann war es das zu einer 99%igen Wahrscheinlichkeit mit erstklassigem Hallenhockey 2011/ 2012. Also muss es wieder: Kämpfen, Chemie, kämpfen! heißen.
IMG_0232
Deutlich erfreulicher, aber umso überraschender war das Ergebnis beim Volleyball in Spergau. Dort war im Achtelfinale des Pokals der VC Gotha, ein Aufsteiger in die 1. Bundesliga, zugast. Der Gast aus der äußerst sehenswerten westthüringischen Stadt hat nach dem Aufstieg sein Team völlig umgekrempelt und so etwa 90% der Spieler durch neue ersetzt. Typisches Anzeichen dafür, wenn man zu viel Geld hat oder zu haben meint.

Heute spielte der Thüringer Söldnertrupp aber weit unter seinen Möglichkeiten. Der CV Mitteldeutschland spielte konzentriert und konsequent, machte weniger Fehler und zeigte auf allen Positionen schöne Szenen.

Der erste Satz ging mit 25:20 an die Hausherren, was auch so völlig verdient war. Da konnte auch der Hauptschiedsrichter mit seinen beiden Aussetzern nichts dran ändern: aber schlimm, wenn der zweite Schiri völlig zu Recht wegen unsauberem Spiel abpfeift und der Hauptschiri es besser zu wissen meint und rechthaberisch und falsch Nullball gibt.

Auch der zweite Satz wurde mit 25:20 von den Spergauern gewonnen, wobei der Spielverlauf weiterhin wie eben beschrieben war – inklusive weiterer zwei Aussetzer; und zwar wieder des komischen Hauptschiedsrichters. Im letzten Satz schaffte es der Unparteiische mal nicht, sich unbeliebt zu machen und Gotha bewegte sich nahe an der Lächerlichkeitsgrenze. Die zusammengekauften Gothaer brachten kaum eine gute Aktion, ließen sich hängen und den CVM locker aufspielen. Ein klares 25:13 und somit ein völlig verdienter 3:0 Erfolg standen am Ende zu Buche.

Den CV Mitteldeutschland bzw. VC Bad Dürrenberg/ Spergau habe ich in den letzten Jahren zwar ab und an über sich hinauswachsen sehen (enorme kämpferische Leistungen z.B. bei Siegen gegen Haching oder F’hafen), aber eigentlich nie so souverän erlebt. Wie sie vor den Augen der diesmal recht wenigen aber trotzdem halbwegs stimmungsvollen Fans die schwachen Gothaer, die in der Liga erst vor zwei Wochen 3:1 gegen die Spergauer siegten und auch deutlich vor ihnen stehen, stark schlugen, war eine Genugtuung. Für die seit Jahren größte Fangruppe eines Gastvereins in Spergau – eigentlich ist es schon erbärmlich, wenn man 20 mitgereiste Gästefans in einer Profiliga als starken Anhang bezeichnen muss: Volleyballfans die man als Allesfahrer bezeichnen kann, sind wohl leider eine absolut verschwindend geringe Ausnahme – war das natürlich schade, aber meinetwegen kann Gotha in der Liga entgegen der aufmunternden Wünsche unseres Hallensprechers genauso weiterspielen...
IMG_0325
Statistik:
Ground Nr. 500 (kein neuer Ground; diese Saison: 50 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 1.181 und 1.182 (diese Saison: 69)
Tageskilometer: 30 (Fahrrad)
Saisonkilometer: 12.400 (8.170 Auto/ 2.090 Fahrrad/ 1.340 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 83
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 226

W226I: Zerbst; von einer schönen Altstadt mit Kriegsruinen und Handball in der Fabrikhalle

HSV 2000 Zerbst 34:35 HV Rot-Weiß Staßfurt II
Samstag 27. November 2010 – Anwurf 16.30
Liga: Verbandsliga Sachsen-Anhalt, Staffel Süd (6. Liga, 3. Amateurliga)
Ergebnis: 34:35 nach 60 Min. – Halbzeit: 20:16
Torfolge: 1-0, 1-1, 3-1, 3-3, 6-3, 6-4, 7-5, 9-5, 9-6, 10-6, 10-7, 12-8, 12-9, 14-9, 14-10, 15-10, 15-11, 18-11, 18-12, 19-12, 19-16, 20-16/ 21-16, 22-16, 23-16, 23-17, 23-21, 24-21, 24-22, 25-22, 25-23, 25-24, 26-24, 26-25, 28-25, 28-26, 29-26, 29-27, 29-28, 30-28, 31-28, 31-29, 31-32, 32-32, 32-33, 33-33, 34-33, 34-35
7-Meter: Zerbst 9 (6 verwandelt), Staßfurt 8 (6 verw.)
Gelbe Karten: Zerbst 0, Staßfurt 2
Zeitstrafen: Zerbst 12 Minuten, Staßfurt 20 Min.
Platzverweise: Zerbst 1 (Nr. 10, 56:02, 3. Zeitstrafe), Staßfurt 1 (Nr. 10, 59:29, 3. Zeitstrafe)
Sportanlage: Sporthalle Zur Jannowitzbrücke (Kap. 200 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 110 (davon ca. 10 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Sehr torreiches und spielerisch gutes, vor allem aber wirklich spannendes Spiel mit überraschender Wendung)
IMG_0137b
Photos and English version:
ZERBST/ ANHALT (OLD TOWN WITH SCARS OF WAR)
Handball match: HSV 2000 Zerbst 34-35 HV Rot-Weiß Staßfurt

Eigentlich sollte hier ein Bericht aus der Fußballkreisklasse vom Spiel Schraplauer SV gegen Merseburg 99 III stehen. Da man mittlerweile aber nicht einmal mehr Ende November Amateurfußball – schon gar nicht in den unteren Klassen – gucken kann, brauchen meine fußballbegeisterten Leser bis März 2011 keine Berichte von irgendeinem Fußballspiel zu erwarten. Ein, zwei Hallenfußballturniere sind ausgenommen, da ich Feldfußball hier meine. Im März wird auch noch kaum gespielt werden, also ist der nächste Fußballbericht aus den Vereinigten Arabischen Emiraten oder dem Oman zu erwarten. Aber bis dahin könnt ihr Berichte vom Handball, Basketball, Hallenhockey und so was lesen: und das sind doch auch schöne und interessante Sportarten!

Danke aber an Merseburg 99 und eure informative und aktuelle Website: durch die rechtzeitige Nachricht vom Spielausfall in Schraplau konnte ich die Planung noch umändern und eine attraktive Tour planen. Diese sah dann so aus, dass wir mit dem Sachsen-Anhalt-Ticket über Halle und Magdeburg nach Zerbst fuhren. Diese anhaltische Residenzstadt ist die viertgrößte Stadt Deutschlands – allerdings nur in der Fläche, was bei über 30 Ortsteilen auch kein Kunststück ist, auch wenn es ein solches ist, so viele Orte einzugemeinden – und kommt in der Reiseliteratur oft schlecht weg. Warum eigentlich? Ich wüsste dutzende Städte, die bei weitem nicht so sehenswert sind, wie Zerbst! Natürlich sind ein paar sachsen-anhaltische Städte – zumindest Naumburg, Merseburg und v.a. Quedlinburg – noch schöner, aber kommt man am recht ordentlichen Bahnhof an, fährt man durch mit einfachen aber schön gestalteten Bürgerhäusern flankierte Straßen zum Altstadtbereich, der fast vollständig von einer Backsteinmauer umgeben ist. Diese Backsteinmauer hat einige Wehrtürme zu bieten und ein vollständig erhaltenes Stadttor. Betritt man den Altstadtkern durch dieses, kann man erst links zum Francisceum – Sachsen-Anhalts ältestem Gymnasium, was ein recht seltsam anmutender Bau mit mittelalterlichen, Renaissance- und Neuzeitelementen ist – und dann durch die symmetrische Siedlung aus dem späten 19. Jahrhundert zur noch symmetrischeren Kirche Trinitatis gehen. Gegenüber der Kirche befinden sich zwar ein paar Bausünden, aber dass Ensemble der im zweiten Weltkrieg zerstörten Nikolaikirche mit den Plattenbauten, kann man nicht als hässlich bezeichnen. Das ist einfach zu eindrucksvoll. Im Inneren des fensterlosen und unüberdachten Kirchenschiffes wurde gerade der Weihnachtsmarkt aufgebaut.

Der Markplatz ist etwas kahl, doch am anderen Ende der Fußgängerzone befinden sich die wirklich schöne, wenn auch teilruinöse Bartholomäuskirche, der Dicke Turm, mehrere Fachwerkhäuser flankiert von neueren Gebäuden und drei etwas versteckt liegende, besonders schöne Fachwerkexemplare sowie eine Anzahl von barocken Gebäuden. Hinter diesen hervorragend sanierten Barockgebäuden erblickt man ein etwas trostloses Panorama, denn das Schloss ist wohl der deutlichste Kriegszeuge: ein ausgebrannter Barockbau mit weiter Brachfläche drum herum. Die seltsame Tribüne an einer Seite ist wohl für den ehemaligen Reiterspiele- und Paradeplatz gedacht; hohe Zäune sollen ein Betreten der Ruine verhindern. Der angrenzende Park führt einen noch zu einem weiteren Stadttor, wo aber kein Torbogen mehr steht, sondern ein schlanker Turm mit Uhr und hohe Mauern. Dahinter beginnen Plattenbauten, darunter befindet sich auch eine Sporthalle, wo gerade Karateka zugange waren.
IMG_0117
Im Stadion von Friedrich Ludwig Jahn war niemand zugange, da Rot-Weiß Zerbst auswärts spielte. Aber weder ein Spiel von ihnen, noch eines vom benachbarten TV „Gut Heil“ – die werden wir demnächst mal in Halle beim Basketball sehen – hatten wir heute eingeplant, sondern ein Handballspiel. Nach einem Imbiss bei einem Türken – nach 13.30 kann man richtiges Mittagessen in Zerbst vergessen: alle Restaurants haben ab 14 oder 14.30 Mittagspause – gingen wir in die Sporthalle Zur Jannowitzbrücke. Die Handballer des HSV 2000 spielen in dieser fabrikhallenähnlichen, auch gerade durch die Industrieumgebung bizarr wirkenden Sporthalle Verbandsliga. Zumindest noch. Ob die 100 Zuschauer, die heute auf den vier zwischen den Stützbalken aufgestellten zweireihigen Holztreppchen oder auf der erhöht hinter das Tor auf den Umkleidetrakt aufgesetzten Tribüne mit Holzbänken Platz nahmen, nächste Saison noch oberhalb der Bezirksliga Handball sehen können, ist fraglich. Auch beim heutigen Gast, der zweiten Mannschaft des HV Rot-Weiß Staßfurt, lief es bisher schlecht.

Das Spiel war schnell und gut, wobei sich schnell eine enorm hohe Toranzahl abzeichnete. Nach einer Viertelstunde schien sich ein Sieg für Zerbst abzuzeichnen, da sie mit bis zu sieben Treffern gegen spielerisch schwächere, wurftechnisch unsichere und in der Abwehr vor allem mit den Zerbstern mit der 10 und der 5 überforderte Staßfurter führten. Diese kamen kurz vor der Pause zwar bis auf vier Tore heran, doch erst 10 Minuten nach der Halbzeit wurde es eng. Der Vorsprung von 23:16 schmolz immer mehr – erzielte Zerbst einen Treffer, legte Staßfurt zwei oder drei nach. Die Gäste steigerten sich immer mehr, während die Zerbster nun ins Schwimmen gerieten. Kaum fünf Minuten vor Abpfiff glich Staßfurt erstmals wieder aus, gleich darauf kamen sie sogar zur Führung. Zwei Minuten vor dem Ende schien Zerbst doch noch das Blatt wenden zu können, doch die 34:33 Führung war binnen einer Minute weg. Ein Fehlwurf acht Sekunden vorm Schlusspfiff und diese packende Partie endete mit einem 34:35 Sieg für Staßfurt.

Der Sieg war nicht unverdient und wir beiden Merseburger feierten auch noch die Staßfurter Spieler, wo wir doch neben deren Fans gesessen hatte, die ganz gut mitgingen. Rechts von uns saßen einige alteingesessene Heimfans, die ebenfalls gut mitgingen und die Spieler anfeuerten oder sich auch nachvollziehbarerweise das ein oder andere Mal über die Schiedsrichter aufregten. Allerdings muss ich als eher neutraler Zuschauer mal sagen, dass diese beiden Schiris seit langem die besten waren, die ich auf dem Handballparkett – besonders auf dem sachsen-anhaltischen Handballparkett – erlebt habe: da waren keine offensichtlichen Fehlentscheidungen dabei und ein paar Entscheidungen, die man auch umgekehrt hätte geben können, müssen einfach immer mal dabei sein. Die besten Fans der Zerbster waren aber auch die Trommler, die ihre Instrumente etwas abwechslungsreicher als die meisten anderen Handballfangruppen bearbeiteten.
IMG_0170
Zufrieden mit dieser schönen Tour ging es für uns über Dessau, Köthen und Halle nach Hause zurück. Nach Zerbst werden wir sicherlich mal in wärmeren Monaten wieder kommen, um dann mal Fußball zu gucken.

Statistik:
Ground Nr. 500 (ein neuer Ground; diese Saison: 50 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.180 (diese Saison: 67)
Tageskilometer: 250 (230 Eisenbahn, 20 Fahrrad)
Saisonkilometer: 12.370 (8.170 Auto/ 2.060 Fahrrad/ 1.340 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 83
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 226

Sonntag, 21. November 2010

W225III: 52 Tore, 52 Strafminuten und 5 Platzverweise – was eine Statistik!

SG Germania Zwenkau 30:22 Sächsischer HC Meerane
Sonntag 21. November 2010 – Anwurf 17.00
Liga: Verbandsliga Sachsen, Staffel West (6. Liga, 3. Amateurliga)
Ergebnis: 30:22 nach 60 Min. – Halbzeit: 13:11
Tore: Balrich 6, Böttger 6, Radwan 5, Thamm 4, Rother 4, Niese 4, Buschmann 1 (Zwenkau); über Spielernamen vom SHC liegen mir leider keine Informationen vor
Gelbe Karten: Zwenkau 4, SHC 2
Zeitstrafen: in etwa: Rother 6, Balrich 4, Böttger 2, Buschmann 2 + Bankstrafe 2 + Standfuß (Rot) 2 (Zwenkau); Nr. 7 SHC 8, Nr. 5 SHC 6, Nr. 8 SHC 2 + (Rot) 2, Nr. 9 SHC 4, Nr. 79 SHC 4, Nr. 6 SHC 4 + Nr. 23 SHC und Nr. 8 SHC (Rot) je 2 + Nr. 14 SHC (Rot nach Spielschluss)
Platzverweise: Nr. 23 SHC (9:45 „grobes“ Foulspiel), Nr. 8 SHC (36:40 grobes Foul), Nr. 7 SHC (42:12 dritte Zeitstrafe für verschiedene Vergehen + weitere zwei Minuten für Meckern), Rother (Zwenkau, 53:31 dritte Zeitstrafe für verschiedene Fouls), 59:44 Standfuß (Zwenkau, 59:44 angeblich grobes Foul oder so was), Nr. 14? SHC? (60:00 wegen Beleidigung/ Foul oder so)
Sportanlage: Stadthalle Zwenkau (Kap. 300 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 250 (davon ca. 5 Gästefans)
Unterhaltungswert: 6,0/10 (Außer einigen Geistesblitzen von manchen Spielern beider Seiten hatte zwar nichts in diesem fehlerbehafteten Spiel mit gutem Handball zu tun, aber allein die Undiszipliniertheiten der Gäste waren das Kommen wert)
IMG_9891
Photos and English version:
http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157625441026796/

Auch am Sonntag beließen wir es bei Handball. Die wenigen Fußballspiele, die in Leipzig stattfanden, waren mit den ebenso wenigen Handballspielen zeitlich nicht kombinierbar, und das Fußballspiel, was ich mir ausgeguckt hatte, war als Spiel der 2. Stadtklasse pauschal abgesagt worden. Der Stadtverband gab halt einfach aus, dass nur Spiele ab 1. Stadtklasse stattfinden können. Echt intelligent. Aber das ist Leipzig. Fußball gibt es nur von März bis Oktober, immer mal wieder unterbrochen. Spielt doch endlich die erste Halbserie der Saison von Mitte März bis Juni und nach den Sommerferien August bis Mitte November die Rückrunde aus, wenn ihr weggetretenes Gras und schlammige Trikots verhindern wollt, ihr Flachzangen! Das Foto von dem Spiel in Syrien, das ich zum Samstagsbericht gepackt habe, führe ich hier nicht noch mal an...

Das Einzige, was ich am Leipziger Sport hier jetzt loben kann, ist dass am Sonntag überhaupt gespielt wird. Die Bescheuerten in Sachsen-Anhalt spielen wegen Totensonntag gar nicht. Sind zwar fast alles Atheisten, aber dann Sportverbot verhängen – einfach bescheuert! Ich würde auch an Heiligabend Sport machen oder dabei zugucken...

Ich hab jetzt oben was von Leipzig geschrieben, aber genauer wäre es, wenn ich Handball mit Leipziger Land in Verbindung bringen würde. Gespielt wurde nämlich in Zwenkau, einer Kleinstadt im Bezirk Leipzig, wenige Kilometer südlich der eigentlichen Stadt. Die 8.500 Einwohner wohnen in einer vom Tagebau flankierten, nicht besonders sehenswerten Stadt. Allerdings sind die Kirche gegenüber vom Rathaus und letztgenannter Bau schon einen Blick wert. Es gibt auch noch zwei weitere Kirchen (eine davon aber ruinös) und einen auffälligen Wasserturm. Die Halle ist von außen auch recht auffällig, da es ein geschmackvollerer Neubau ist. Innen ist nur eine Längsseite zum Zuschauen geeignet, wobei sich auf dieser vier Holz beschlagene Reihen Kunststoffbänke und dahinter eine Reihe blau bespannter Stühle befinden. Das Ganze ist in zwei Blöcke – rechts und links vom klobigen Sprecherturm – aufgeteilt und bietet 300 Leuten Platz. Es kamen auch gut 250, wobei diese bis auf langweiliges Getrommel, das von Kindern kam, die sich aber wenigstens reinhängten, kaum etwas zum Spiel beitrugen. Ein paar Zwischenrufe und etwas Klatschen noch – wie bei jedem normalen Handballverein halt auch.

Das Spiel der Männer-Verbandsliga war fehlerbehaftet – da es eine höhere Amateurliga ist, habe ich da wenig Verständnis für – und hektisch. Dass Meerane Tabellenletzter mit 3 und Zwenkau 8. von 12 mit 7 Pluspunkten waren, war oft nicht so recht zu merken, da bis zur 20. die Gäste gleichwertig waren. In der zweiten Halbzeit wurde der SHC aber immer undisziplinierter und schlampiger, sodass Zwenkau davon ziehen und verdient mit acht Toren siegen konnte. Einige der Tore waren sehr sehenswert – so z.B. ein mit Spin aus spitzem Winkel auf den Hallenboden geworfener Ball, der ins Meeraner Tor drehte oder Würfe in den Winkel nach Zuspiel über das halbe Feld – doch ansonsten lebte das Spiel nur von Disziplinlosigkeiten beider Mannschaften, wobei den Zwenkauern nicht viel vorzuwerfen ist, Meerane aber einiges mehr.
IMG_9926
Der Reigen von Platzverweisen wurde auch von Meerane eröffnet, wobei man nach so kurzer Spielzeit niemanden, der einem aufs Tor zulaufenden Gegenspieler beim Versuch den Wurf ab zu blocken, augenscheinlich versehentlich auf den Kopf ditscht, eine direkt-rote Karte zeigen muss. Zwei Minuten wären da völlig angemessen gewesen, aber die kleinlichen und bei Entscheidungen wie ‚Abstehen beim Torwurf’ unsicheren Schiedsrichter trugen auch mit dazu bei, dass es so eine Flut an Strafen gab. In erster Linie lag es aber nicht am schlechtesten Schiedsrichtergespann, dass ich je in einer sächsischen Halle habe pfeifen sehen, sondern daran, dass es ihnen die Spieler auch richtig schwer machten. Insbesondere lag es am Verhalten der größten Hornochsen die ich je übers Parkett habe traben sehen. Unglaublich auch, wie sich die vom Feld verwiesenen Meeraner Spieler – nach 42 Minuten schon drei! – von der Tribüne aus aufregten, wenn es für ein klares Foul zwei Minuten gegen Meerane und für ein normales Foul gegen sie nur zwei Minuten oder angemessene Verwarnungen für Zwenkau gab. Also da muss man den Arsch schon ziemlich weit offen haben, so dumme Bemerkungen am Fließband zu produzieren, wenn man einfach nicht gut spielt und dann auch noch extrem undiszipliniert ist. Wahrscheinlich fühlten die sich betrogen oder als die Besseren. Als neutraler Zuschauer konnte mir das eigentlich egal sein, aber wenn so was wie Meerane zum TSV Leuna oder SC Magdeburg zum Handball kommt, halte ich mich nicht mit beleidigenden Zurufen zurück, wie das lahme Publikum in Zwenkau.

Weitere Platzverweise waren eine direkt rote Karte gegen einen vorbelasteten Gästespieler, der grob im eigenen Kreis foulte (den Wurfarm heruntergerissen), dann eine Disqualifikation für drei + eine Zeitstrafe für verschiedene Fouls (darunter ein 2+2 Minuten Foul, das zur Herausstellung führte) für einen Meeraner und drei Mal zwei Minuten für einen Zwenkauer. Den vorletzten Platzverweis – den dritten direkt Roten – gab es dann gegen Zwenkau, da ein Meeraner in den 15er rein gerannt ist, der sich auch mutwillig in den Weg gestellt hat. Der Gästespieler klatschte zwar zünftig aufs Parkett, aber mehr als eine Zweiminutenstrafe gegen den nicht vorbelasteten Zwenkauer forderten nur die Gäste, sodass die zweite ungerechtfertigte rote Karte ausgesprochen wurde. Den letzten roten Karton gab es erst nach Abpfiff zu sehen, wobei ich mir gar nicht sicher bin, ob der überhaupt für Meerane war, da es eh ein gutes Wortgefecht da unten gab. Und ob das der einzige Platzverweis nach Spielschluss war, weiß ich eigentlich auch nicht so sicher: Zwenkau schreibt auf ihrer Website was von 7 Platzverweisen, wobei sie in dem Artikel auch etwas zu sehr auf die Leistung der Schiedsrichter eingehen, anstatt fair aber spitz Bemerkungen gegen Meerane loszulassen - und ob der Zwenkauer Statistiker alles richtig aufgenommen hat, wage ich bei dem Chaos genauso zu bezweifeln, wie das meine eigene Statistik 100%ig stimmt.

Alles in Allem ein sehenswertes, aber kein gutes Spiel. Zudem also auch das undisziplinierteste Handballspiel – auch wenn es keine einzige richtig üble Aktion gab, d.h. keine rote Karte wegen einer Tätlichkeit ausgesprochen werden musste – dass ich je gesehen habe (und ich habe schon knapp 100 in Deutschland - von der ersten bis zur untersten Liga - und eines in der 1. tschechischen Liga gesehen), sodass ich dem Trainer von Meerane nur raten kann, mal seine Jungs in der Hinsicht kräftig anzuscheißen. Hätte er dem 23er, der zuerst runter geschickt wurde, mal den Mund verboten, wären wohl auch weniger Platzverweise zu verzeichnen gewesen. Der 23er heizte nämlich von der Tribüne noch kräftig auf. Und zwar nicht nur mit Geschrei um einen ausgetauschten Ball – wie man sich darüber aufregen kann, dass der Ball in einer Auszeit gewechselt wurde, frage ich mich aber auch: meint der, dass die Zwenkauer da einen Funksender im Ball versteckt haben, dass er nur ins Meeraner Tor fliegt, oder was?! – sondern auch mit ständigem Schiedsrichterbeeinflussen (v.a. durch Kartenfordern) und Gegenspieler voll meckern. Zusammenfassend gesagt, ist es aber schon lustig, wenn man eine Mannschaft erlebt, über die man sich schön aufregen kann...
IMG_9930
Den Hinweg hatten wir noch per Straßenbahn von Merseburg nach Bad Dürrenberg und Eisenbahn von Bad Dürrenberg nach Markranstädt und dann von dort per Rad nach Zwenkau gemacht. Übrigens war es typisch, was in Bad Dürrenberg so abging: 15 Minuten Verspätung wegen dieser scheiß ICEs die leider vorgelassen werden müssen und dann spielen da ca. 10jährige Kinder auf den Gleisen, denen man erst mit freundlichen Worten wie „verpisst euch ihr Dreckwänster, sonst mach ich euch platt“ beikommen muss, ehe sie vom Gleiskörper, auf dem sie Flaschen herumwarfen, verschwanden. Natürlich war mein Vater der Erste und Einzige, der sich um die Wänster kümmerte: die anderen Fahrgäste glotzten nur blöde oder ignorierten die Kinder und dachten gar nicht daran, dass sie heute nicht mehr Zug fahren können, wenn diese Hosenscheißer überfahren werden. Denen, die sich da nur mitleidig wundern, wo denn die Eltern der „lieben Kleinen“ sind, kann ich auch eine Antwort geben: die Eltern liegen sicher besoffen heeme herum und gucken fern. Nun ja. So Dinger blieben uns auf dem Rückweg erspart, denn den fuhren wir komplett per Rad nach Merseburg zurück, wobei wir die 44 Kilometer in 118 Minuten schafften.

Statistik:
Ground Nr. 499 (ein neuer Ground; diese Saison: 49 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.179 (diese Saison: 66)
Tageskilometer: 90 (70 Fahrrad, 10 Straßenbahn, 10 Eisenbahn)
Saisonkilometer: 12.120 (8.170 Auto/ 2.040 Fahrrad/ 1.110 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 83
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 225

Samstag, 20. November 2010

W225II: Wie schnell ein Acht-Tore-Vorsprung schmelzen kann... aber am Ende gewann Bernburg trotzdem

SV Anhalt Bernburg 23:20 HC Einheit Halle 05
Samstag 20. November 2010 – Anstoß 18.00
Liga: 3. Liga Ost (3. Handballliga, 1. Halbprofiliga)
Ergebnis: 23:20 nach 60 Min. – Halbzeit: 14:9
Tore: Weber 9, Rindert 4, Petersohn 3, Schöttke 2, Kraft 2, Seifert 2, Hoffman 1 (Bernburg); Kern 6, Gragert 4, Steinbach 3, Metzner 2, Suchanke 1, Grisanovs 1 (Halle)
Gelbe Karten: Bernburg 3; Halle 3
Zeitstrafen: Weber 2, Petersohn 2, Seifet 2, Kraft 2 (Bernburg); Suchanke 4, Steinbach 2, Metzner 2, Haase 2 (Halle)
Platzverweise: keine
Sportanlage: Sporthalle Bruno Hinz (Kap. 1.000, davon 900 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 650 (davon vielleicht 15 Gästefans)
Unterhaltungswert: 6,0/10 (Ganz ordentliches Spiel, das in der ersten Hälfte besser war als in der zweiten)
IMG_9766
Photos and English version:
Anhalt Bernburg defeats Einheit Halle (Handball 3rd Division)
Pictures from Bernburg City (Palace, Zoo, Inner City; taken August 2007)

Es ist einfach zum Kotzen: kaum regnet es mal etwas kräftiger, schon fallen 80-90% der Fußballspiele in Deutschland aus. Eigentlich hätte ich als Vorspiel zum Handball in Bernburg noch gerne das Kreisklassenpokalspiel von Einheit Bernburg II gesehen, aber das wurde am Tag davor abgesagt. Da ich die Saale in Halle gesehen habe, wie sie z.B. die Wege auf der Peißnitz überschwemmt hat, unterstelle ich dem SV Einheit hier keine unnötige Absage: der Platz mag bei der Saale-Ufer-Lage wirklich nicht bespielbar gewesen sein. 90% der anderen Plätze, auf denen Spiele abgesetzt wurden, sind aber alles andere als unbespielbar. Im Übrigen ist auch ein teilüberschwemmter Platz noch bespielbar: das haben mir mal vor ein paar Jahren Jugendmannschaften im polnischen Szczecin gezeigt und zeigen auch diese beiden syrischen Zweitligisten (Al-Qamishli und Murik):
(http://esyria.sy/sites/images/hasakeh/109059_2009_12_22_13_39_07.jpg)

Mit den Fahrrädern fuhren wir von Merseburg zum Bahnhof in Halle, mit dem Zug ging es weiter nach Bernburg. Den Radweg neben der unglaublich dicht befahrenen Bundesstraße nutzend, noch ein paar Fotos vom Bernburger Schloss von der Brücke aus machend, kamen wir recht zeitig an der Halle an. Diese heißt nach Bruno Hinz, wobei keineswegs der SS-Sturmführer damit gemeint ist, sondern ein kommunistischer Widerständler der mit den spanischen Kommunisten gegen die Faschisten auf der Iberischen Halbinsel gekämpft hat. Dass man so etwas erst vom Vereinspräsidenten erfährt, spricht nicht gerade für den Informationsgehalt der Website. Aber immerhin veröffentlicht Bernburg als einer der wenigen Clubs seine Eintrittspreise. Die blieben uns am heutigen Tag aber dank guter Verbindungen erspart. Also wenn 8€ mittlerweile normal sind und überall ein sogenannter Top-Zuschlag, der die Karten auf 10€ verteuert, verlangt wird, dann gute Nacht! Den Top-Zuschlag nutzt man bei einigen Fußballvereinen im Halbprofibereich (also Regional- und Oberliga, die auch vergleichbar mit der 3. Handballliga sind) für die Kostendeckung von Polizeieinsätzen bzw. bei der Aufstockung von Ordnungskräften. Eigentlich ist der Top-Zuschlag also nicht zum Abzocken der Zuschauer bei Spielen mit erhöhtem Besucheraufkommen gedacht. Macht man ja in Pirna (Eintritt 6 bis 7€) auch nicht...

Noch ein Wort zu Halle: der Bau hat Charakter, denn er ist eine oben etwas spitz zulaufende Bogenhalle aus DDR-Zeiten (1960er glaube ich), die dezent saniert wurde, sodass der Baukörper noch erkennbar ist. Allerdings sind die Bänke etwas niedrig angebracht worden. Aber wenigstens stilvolle Holzbänke und keine billigen Plastesitze. Die Bänke gibt es auch nur auf den Längsseiten, wobei sie dort 900 Leuten Platz bieten. Hinter einem Tor darf man sich nicht aufhalten, über dem zweiten Tor – die Seite, wo man unter der verglasten Front mit dem banalen Schriftzug „Sporthalle“ hineingeht – gibt es eine Empore mit Stehplätzen, die mit einem recht großmaschigen Netz davor auch noch akzeptabel ist.
IMG_9834
Zum Spiel: Der Gast aus Halle – eigentlich genauer dem Plattenbau-Ortsteil Neustadt – befand sich mit zwei Siegen und zwei Unentschieden aus 10 Spielen im hinteren Mittelfeld und Bernburg mit einer ausgeglichenen Bilanz aus 8 Spielen im vorderen Mittelfeld. Die ersten fünf Minuten gehörten den Hallensern, wobei die nur vom fehlenden Zusammenspiel der Gastgeber profitierten. Dann legte Bernburg los und zog bis zur Pause ein gutes Stück davon. Das Spiel war nicht herausragend, doch Tempo, Wurftechnik und Verteidigungsarbeit waren schon auf höherem Niveau.

Nach der Pause zog Bernburg gleich mit bis zu 8 Toren davon, doch ließ das Spiel bald schleifen und die Hallenser ab der 40. herankommen. Die Fehlerquote stieg und je aktiver die Hallenser wurden, umso unattraktiver wurde das Match. Schwach war es aber nie – und zum Glück bekamen die Schwarz-Gelben Hausherren noch das Ruder herum und brachten mit zwei überlegten Aktionen kurz vor Schluss den Sieg in trockene Tücher. 23:20 war der Endstand.

Besonders der etwa 30 Mann starke Stimmungsblock der Bernburger sprang nach dem Sieg hocherfreut auf. Während des Spiels hatten sie sehr ausdauernd mit gängigen, sehr einfachen Sprechchören, die aber kaum die Trommeln übertönten, angefeuert und sogar ab und an die Hälfte der Halle stimmungstechnisch mobilisieren können. Die wenigen Gästefans waren dadurch kaum zu hören. Für Handball war die Stimmung also ziemlich gut!

Zusammenfassend gesagt: Das Spiel, die Halle und die Atmosphäre waren zwar nicht der absolute Knaller, aber doch schon sehenswert. Bernburg kann ich dem Handball-Fan auf jeden Fall empfehlen, wobei das Top-Zuschlagsspiel Nr. 1 – gegen Köthener HC – wohl besonders interessant sein soll. In drei Wochen findet das jedenfalls in Köthen statt – und wer da wieder am Start ist, dürfte ja wohl klar sein...

Durch die Verabredung mit Herrn Krause, bei dem ich mich für das Besorgen der hervorragenden Sitzplätze bedanke, in Bernburg, nahmen wir auch nicht das erste Spiel der wohl interessantesten Hallensportmannschaft wahr. Gemeint ist die Hallenhockeytruppe des TSV Leuna 1919, die diese Saison wieder 1. Bundesliga spielt und wenigstens auf den 5. der 6 Plätze der Oststaffel kommen muss, um nicht erneut „nur“ zweite Liga spielen zu müssen. Gegen den klar favorisierten Berliner HC hieß es zwar 5:10, aber warten wir’s mal ab. Im Dezember und Januar bin ich dann aber auch bei dieser leider viel zu kurzen Hallenhockeysaison wieder dabei, wenn die Leunaer Halle bebt und die Halle Osternienburgs gerockt wird.
IMG_9815
Statistik:
Ground Nr. 498 (ein neuer Ground; diese Saison: 48 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.178 (diese Saison: 65)
Tageskilometer: 120 (90 Bahn, 30 Rad)
Saisonkilometer: 12.030 (8.170 Auto/ 1.970 Fahrrad/ 1.090 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 83
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 225

Freitag, 19. November 2010

W225I: Zum Saisonabschluss ein hervorragendes Spiel mit erfolgreichem Ausgang

TSV Leuna 1919 AH 5:4 SV Wacker Wengelsdorf AH
Freitag 19. November 2010 – Anstoß 18.00
Freundschaftsspiel Alte Herren
Ergebnis: 5:4 nach 70 (35/35) Min. – Halbzeit: 1:2
Tore: 1-0 7. Ingo Witzel, 1:1 14. WW, 1:2 25. WW, 2:2 37. Mario Melchior, 3:2 39. Frank Fulde, 3:3 41. WW, 4:3 51. Mario Melchior, 4:4 56. WW (Elfmeter), 5:4 67. Ingo Witzel
Verwarnungen/ Platzverweise: keine, da Schiri keine Karten dabei hatte
Sportanlage: Kunstrasenplatz Stadion des Friedens (Kap. 2.000, davon 120 Sitzplätze)
Zuschauer: 15 (davon 5 Gästefans)
Unterhaltungswert: 9,0/10 (Hervorragendes Spiel beider Teams; gerade für Ü-35 sehr viel Bewegung und Torraumszenen)
IMG_9712
Photos and English version:
TSV Leuna 1919 vs. Wacker Wengelsdorf (Senior Teams)

Zum Abschluss der Altherrensaison gab es auf dem Leunaer Kunstrasen noch mal ein richtig schönes, gutes und rassiges Duell mit dem Gast aus dem Burgenlandkreis, Wacker Wengelsdorf. Nach den ersten Angriffen von beiden Seiten auf die jeweiligen Tore erzielte Leuna recht früh die Führung. Wengelsdorf wurde besser, kam zum Ausgleich und schaffte in einem gleichwertigen, schnellen und wirklich hochklassigen Altherrenspiel bald die Führung zum 1:2. Danach gab es noch eine sehr faire Szene von Mario Melchior: er hatte den Flankenball erst hinter der Torauslinie erwischt und ihn so in den Fünfmeterraum gebracht, dass ein anderer Leunaer zum Tor einschieben konnte. Nachdem sich Wengelsdorfer kurz beschwerten, gab Mario gleich zu, dass er den Ball erst hinter der Linie erwischt hat. So einige andere Altherrenfußballer, wie die meist besonders engagiert spielenden Leipziger, hätten an Marios Stelle eher den Gegner als „Lügner“ belappt...

Das 1:2 war jedenfalls der Pausenstand. Da ich mich nach Halbzeitpfiff mit Minimallichtfotografie im angrenzenden Stadion befasste, verpasste ich den Ausgleichstreffer der gleich nach Wiederanpfiff fiel. Hättet ruhig mal länger Pause machen können! Aber den herrlichen Treffer zur erneuten Leunaer Führung bekam ich ebenso mit wie den erneuten Ausgleich von Wacker Wengelsdorf. Es ging Schlag auf Schlag! Nach 10 torlosen aber wirklich guten Minuten in denen die Emotionen sogar noch höher gingen, als in der ersten Hälfte – gerade ein gewisser Jemand bei Wengelsdorf war nur am Meckern und Provozieren, was unter anderem ein paar Leunaer zu herrlichen Grätschen, die nicht immer nur den Ball trafen veranlasste – traf Mario Melchior erneut; diesmal sogar ein Seitfallzieher! Der Ausgleich fiel durch einen sicher berechtigten Handelfmeter, der locker verwandelt wurde. Den Siegtreffer erzielte Ingo Witzel, der damit an diesem Tag den 15 Zuschauern auch schon seinen zweiten Treffer zeigte.

Das 5:4 war ein nicht ungerechtes Ergebnis in einem Spiel auf sehr hohem läuferischem und spielerischem Niveau, was aber auch 5:5 hätte lauten können. Auch an Wengelsdorf muss ein Lob geäußert werden: nicht nur für den Sympathieträger, der mit seinem Gemecker nötige Emotionen ins Spiel brachte, sondern vor allem auch für die anderen agilen Feldspieler und den starken Torwart. Am Ende hatte aber Leuna einfach doch den höheren Druck aufgebaut und die bessere Chancenverwertung gezeigt. Bitte weiter so in der kommenden Saison!
IMG_9729
Statistik:
Ground Nr. 497 (kein neuer Ground; diese Saison: 47 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.177 (diese Saison: 64)
Tageskilometer: 20 (Rad)
Saisonkilometer: 11.910 (8.170 Auto/ 1.940 Fahrrad/ 1.000 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 83
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 225

Montag, 15. November 2010

Ein paar neue Fotos aus Halle und Merseburg finden sich unter http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157625390669002/with/5177865461/

Schwerpunkte: Parkanlagen in Merseburg und Halle/ Saale von oben, d.h. aus dem 12. Stock eines Studentenwohnheims in Neustadt.

Samstag, 13. November 2010

W224I: Torerfolg gegen den Wind und blamable Leistung des Tabellenführers

SC Obhausen 1929 II 0:2 SV 1884 Delitz am Berge
Samstag 13. November 2010 – Anstoß 12.00
Liga: 2. Kreisklasse Saalekreis, Staffel 1 (12. Liga, 7. Amateurliga)
Ergebnis: 0:2 nach 90 (45/45) Min. – Halbzeit: 0:0
Tore: 0:1 52. Nr. 8, 0:2 60. Nr. 7
Verwarnungen: 3x SCO, 3x Delitz
Platzverweise: keine
Sportanlage: Sportplatz Obhausen (Kap. 2.000, davon 100 Sitzplätze)
Zuschauer: 15 (davon vielleicht 2 Gästefans)
Unterhaltungswert: 6,5/10 (Trotz widriger äußerer Bedingungen lieferte Delitz in einem harten wie auch unterhaltsamen Spiel eine gute Leistung ab)

SV 47 Esperstedt 1:1 SV Blau-Weiß Günthersdorf II
Samstag 13. November 2010 – Anstoß 14.00
Liga: 2. Kreisklasse Saalekreis, Staffel 1 (12. Liga, 7. Amateurliga)
Ergebnis: 1:1 nach 90 (45/45) Min. – Halbzeit: 1:0
Tore: 1:0 33. Nr. 11?, 1:1 88. Nr. 8?
Verwarnungen: 1x Esperstedt, 1x Günthersdorf
Platzverweise: keine
Sportanlage: Sportplatz und Freizeitzentrum, Esperstedt (Kap. 1.000 Stehplätze)
Zuschauer: 25 (davon 5 Gästefans)
Unterhaltungswert: 2,5/10 (Ziemlich lahmer Kick, der von ganz O.K. spielenden Esperstedtern hätte gewonnen werden müssen: völlig unverdienter Punkt des Tabellenführers)
IMG_9463
Photos and English version:
a)
OBHAUSEN: SCO II 0:2 DELITZ AM BERGE
b)
Esperstedt: SV 47 1:1 BW Günthersdorf II (+ Kuckenburg)

Mitte der Woche habe ich mein Tourenrad wieder fit für Fahrten wie diese gemacht. Die Bremsbelege waren runter, die Kette verschlissen und das Vorderlicht machte seit zwei Wochen Mucken. Zu letzterem Problem muss ich an dieser Stelle mal zwei Radläden – der eine im Steinweg, der andere gegenüber vom Eselsbrunnen – vergleichen. Beim Laden im Steinweg hab ich früher wegen Bekannten dort immer dort gekauft und selten Reinfälle gehabt, nur in den letzten Monaten wurde der Laden enorm unzuverlässig. Trotzdem bin ich noch mal wegen der Funsel vorn gekommen. Wenn man dort um 10 Uhr – also bei angekündigter Ladenöffnung – erscheint, kann man erstmal noch 10 bis 15 Minuten rum stehen, bis sich der Chef und sein wichtigster Mechaniker zu ihren Laden bequemen. Nicht groß durchgucken, sondern einfach eine neue Glühbirne rein, 5€ abdrücken, raus. Das Licht hielt ein paar Kilometer – wieder vorne kaputt. Noch mal hin, kostenlos ne neue Birne reingemacht, weg, nach kurzer Fahrt wieder im Arsch. Dritter Anlauf, Überspannungsschutz rein, 10€ dafür, weitergefahren, nach kurzer Zeit wieder kein Licht vorne. Dem Mechaniker mal etwas ungehalten die Lage erklärt, meinte er beim vierten Reparaturversuch, er könne auch nichts machen, als neuen Überspannungsschutz und neue Glühbirne rein. Wieder kostenlos reparieren lassen – immerhin versucht niemand im Steinweg eine Abzockmasche: sie wollen dort wirklich nicht die Kunden betrügen, sondern sind nur schlecht ausgebildet oder unfähig – und wieder defekt nach kurzer Fahrt (das war dann am Samstag nach dem Spiel in Klobikau). Also wieder zu dem Laden am Eselbrunnen, den ich bisher nur für den Kauf eines neuen Tourenrades (also das, was ich jetzt auch noch fahre) und zwei Mal wegen der Durchsicht von selbigen, aufgesucht habe. Dort war ich 9.50 Uhr vor der Tür und obwohl „10-19 Uhr geöffnet“ an der Tür stand, waren die Mitarbeiter schon zugange. Das Rad wird dann hintergeschoben, sodass der Kunde nur beim Klären von Fragen etwas mit den Mechanikern zu tun bekommt. Mit denen will man im Steinweg auch nichts zu tun haben; außer einem schon länger dort angestellten jungen Mann sind die Hilfsmechaniker dort wirklich nicht sozialfähig: können weder vernünftig mit Kunden reden, noch ein Rad reparieren und besitzen z.B. die Frechheit in hörweite des Chefs einem Kumpel, der am Laden vorbeigeht, etwas wie „bring nachher [bei der Party] noch Alk mit, du Voochel“ zuzurufen. Beim Laden am Eselsbrunnen gibt offensichtliche keine solchen Gestalten und wenn, dann werden sie geschickt von der Kundschaft ferngehalten. Der Mechaniker am Eselsbrunnen fand dann auch den Beleuchtungsfehler vorn: die Kabel waren auszutauschen. Wenn noch mal Fehler auftreten sollte, wollte der Chef noch mal die gesamte Beleuchtungsanlage kostenfrei auseinandernehmen. Scheint aber nicht nötig zu werden. Hydraulische Bremsklötze und neue Kette sind natürlich auch ordentlich montiert worden. So viel dazu, warum ich nur noch den Laden am Eselsbrunnen nutzen und empfehlen werde und nicht den im Steinweg.
IMG_9481
Da das nun geklärt ist, konnte es am Samstagmorgen nach Obhausen gehen. Für die 35km brauchten wir 125 Minuten, da der Wind aus West/ Süd-West extrem ungünstig kam. Und das war kein laues Lüftchen, sondern ein strammer, schneller, teils böiger Wind. Auf der Kuppe vor Obhausen bremste der uns plötzlich von 15km/h auf 5km/h schlagartig runter. Obhausen ist ein Ort mit knapp 1.500 Einwohnern – durch Eingemeindungen kommt man auf knapp 2.500 – der rund 5km östlich von Querfurt, der (nach Merseburg) zweitgrößten Stadt des Saalekreises, liegt. Neben einem gut sanierten Gutshaus und drei Kirchen – einer schönen romanischen im Osten, einer ganz ansehnlichen des ausgehenden 19. Jahrhunderts in der Mitte und einer Ruine mit völlig verfallenem Schiff und langsam zusammenfallenden Turm im Westen des Ortes – gibt es auch einen Fußballverein, der eine Mannschaft in der Kreisliga, die dort als 4. kaum noch Aufstiegschancen hat, und eine Mannschaft in der 2. Kreisklasse, sowie eine F-Jugend hat. Der SC Obhausen hat übrigens eine aktuelle, gute Website – nur die Karte mit der Anfahrt zum Platz müsste mal optimiert werden, da Obhausen wirklich nicht zwischen Barnstädt und Niederschmon liegt.

Hinter dem recht groß geratenen und hervorragend sanierten Kulturhaus befindet sich das kleine Stadion, das einen rundherum geschlossenen Graswall hat, der nur vom großen Eingangsschild und einem kleinen Containerbau unterbrochen ist, und auf dem sich zur Linken vom Eingang neben zwei Stehstufen auch eine mit Wellblech überdachte Stein-Tribüne befindet. Die 100 Sitzplätze werden durch hölzerne Bänke erreicht. Der Graswall ist von Pappeln bewachsen.

Die oben erwähnte Reservemannschaft empfing mit ihren 2 Siegen und 10 Niederlagen – sie sind Tabellenletzter – den 8. aus Delitz am Berge. Der Wind fegte quer von einem Ende des Platzes zum anderen, sodass Delitz mit dem Wind im Rücken das Tor der Obhausener belagerte. Die waren reichlich überfordert, konnten aber – Dank muss da vor allem dem Torwart gelten – einen Rückstand bis zum Pausenpfiff verhindern. Besonders packend war das Spiel zwischen der 25. und der 40. Minute, als neben den vielen Chancen der Gäste auch mal zwei Bälle von Obhausen aufs gegnerische Tor kamen und sich einige Spieler beider Teams und die Obhausener Bank, die bis auf den sachlichen Trainer mit dem Anheizen des recht harten Spiels glänzte, mehrfach stritten. Da wurde geholzt, gepöbelt und geschubst. All das blieb aber im Rahmen, sodass nur ein paar gelbe Karten gezeigt werden mussten.

In Hälfte zwei war das Spiel langsamer, was dadurch kam, dass Delitz nun gegen den Wind spielte und Obhausen selbst mit dem Wind im Rücken in allen Belangen unterlegen war. Delitz schaffte nun auch mit präziseren Pässen die Abwehr auszuhebeln, sodass sie erst aus Nahdistanz einschoben und dann einen geschickten, halbhohen Schuss ins lange Eck platzieren konnten. Diese beiden Tore waren die einzigen und aufgrund der anderen Ergebnisse und eines Spielausfalls schaffte Delitz so den Sprung auf den zweiten Aufstiegsplatz. So eng ist die Tabelle zusammen zwischen 2 und 8!
IMG_9443
Gleiche Liga, gleiche Staffel, nur anderer Spielort. In einem 5km weiter nördlich gelegenen Ortsteil der Gemeinde Obhausen, der 600 Einwohner hat und den Namen Esperstedt trägt, ging es auf dem Sportplatz und Freizeitzentrum, einem ausbautenlosen Platz oberhalb des Dorfes, zwischen Kleingärten und Feldern, umrahmt mit Pappeln und Birken, weiter. Mit Seiten- und Rückenwind, der uns auf einem flachen Stück auf locker 40km/h brachte, schafften wir es noch rechtzeitig zum Anstoß. Der 7. von 14 empfing den souveränen Tabellenführer, der von 36 möglichen 31 Punkte holte und somit 11 Punkte auf den zweiten (und ebenfalls aufstiegsberechtigten) SV Farnstädt III und 12 auf den dritten (der erste Nicht-Aufstiegsplatz) Fortuna Steigra Vorsprung hat.

Nach zwei guten Aktionen in den ersten beiden Minuten war dann aber vom Tabellenführer nichts mehr zu sehen. Das Spiel war viel langsamer und unbeholfener als jenes in genau derselben Liga kurz zuvor. Mit reichlich trägen Angriffen brachten die Esperstedter den Spitzenreiter ab und an in Schwierigkeiten, eine richtige Torchance gab es kaum. Der Gästetorwart zeigte nach 25 Minuten mit einer starken Parade sein Können, machte es jedoch mit einer Ungeschicktheit, die zum 1:0 per Aufsetzer führte, nach 33 Minuten wieder zunichte. Die Führung war aber auch verdient.

In der zweiten Spielhälfte war von Günthersdorf weiterhin kaum etwas zu sehen, doch Esperstedt kam jetzt wenigstens öfter mal vors Tor. Die Chancen hätten für eine 3:0- oder 4:0-Führung gereicht, doch die Gastgeber trafen einfach nicht mehr. Der mit Sonnenbrille die Partie fehlerfrei leitende Schiri konnte dann leider keinen Grund finden, den völlig unverdienten Ausgleich in der 88. Minuten für irregulär zu erklären. Schade. So eine Leistung ist eines Spitzenreiters nicht würdig – und wenn es auch nur der Spitzenplatz in der 2. Kreisklasse ist.

Ganz lustig drauf waren viele der Heimfans natürlich trotzdem. Besonders aber der Grillmeister, der für nur 1€ wirklich gute Bratwürste – wer hat denn hier dauernd was von versalzen gesagt; die Anderen wollten den wohl nur ärgern?! – machte. Ein anderer Anhänger erklärte uns dann auch den Weg nach Kuckenburg, was uns sehr gelegen kam. Nach Abpfiff fuhren wir aber erst noch nach Esperstedt rein: dort findet sich eine ganz nette romanische Kirche, die etwas seltsam angeordnete Fenster besitzt. Ansonsten weiß nur die Tal-Lage – ist sogar teils felsig dort – zu überzeugen, denn Esperstedt ist ansonsten so ein Kaff wie es gerade in der Querfurter/ Mansfelder Ecke im Buche steht: unebene Straßen mit Mansfelder Schlacke, viele verfallene Häuser und versiffte Gehöfte, der Bahnhof existiert nur als Ruine, die bewohnten Häuser sind alle sehr einfach. Auch Kuckenburg sieht so aus, nur ist der Ort wirklich winzig. Entsprechend winzig ist auch die Kirche, aber genauso schön gelegen. Wir fuhren noch für ein paar Fotos im dämmrigen Licht nach Obhausen zurück und von dort wieder heeme.
IMG_9523
Statistik:
Grounds Nr. 496 und 497 (zwei neue Grounds; diese Saison: 47 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 1.175 und Nr. 1.176 (diese Saison: 63)
Tageskilometer: 80 (Rad)
Saisonkilometer: 11.890 (8.170 Auto/ 1.920 Fahrrad/ 1.000 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 82
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 224