Mittwoch, 15. Juli 2026

W3.0289IV: Saisonvorbereitung und Sightseeing im Sorbenland

Sportgemeinschaft Crostwitz 1981 

(Sportowa Jednotka Chrósćicy 1981)

10 : 0 (6:0)

SpVgg. Lohsa/Weißkollm 1997

- Datum: Sonntag, 12. Juli 2026 – Beginn: 14.00
- Wettbewerb: Testspiel (Kreisoberliga Westlausitz gegen Kreisliga A Westlausitz, Staffel 2; 8. Spielklasse, 3. Amateurliga gegen 9. Spielklasse, 4. Amateurliga)

- Ergebnis: 10-0 nach 90 Minuten (45/45) - Halbzeit: 6-0

- Tore: 1-0 3. Hausch, 2-0 10. Bogusz, 3-0 15. Bogusz, 4-0 21. Hausch, 5-0 39. Bensch, 6-0 42. 42. Handrick, 7-0 54. Donath, 8-0 60. Donath, 9-0 64. Selnack, 10-0 75. Schiemann

- Verwarnung: keine

- Platzverweise: keine

- Austragungsort: Sportzentrum Jednota / Sportowy centrum Jednota (Kap. 1.000, davon 200 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 65 (davon ca. 12 Gästefans)
- Spielbewertung: 6,5/10

SG Crostwitz/ SJ Chrósćicy 10:0 SpVgg Lohsa-Weißkollm

Photos with English commentary:

  1. Pre-Season: Crostwitz / Chrósćicy vs. Lohsa-Weißkollm

  2. Sorbia: Crostwitz / Chrósćicy, Räckelwitz / Worklecy, Caseritz / Kozarcy

Meine Freundin war ein paar Tage in Dresden und hatte was zu transportieren, ich holte sie also dort ab und wir verbanden es mit einem Ausflug ins Sorbenland. Die Sorben sind ein westslawischer Stamm, der mindestens 60.000 Leute zählt und v.a. im Osten Sachsens und Süden Brandenburgs lebt. Deren Sprache ist eng mit dem Tschechischen verwandt, finde ich aber schöner, da die Aussprache meist einen sächsischen Einschlag hat. Alle Sorben sprechen auch oder sogar besser Deutsch (oft in einer sächsischen Ausprägung), leider sprechen nicht mehr alle Sorben auch wirklich Sorbisch. Aber gerade in Crostwitz und Umgebung, sprechen die Leute noch mehrheitlich ihre Muttersprache. Die Sorben sind eine anerkannte ethnische Minderheit in Deutschland (so wie die Dänen in Schleswig-Holstein) und werden rechtlich aufgrund ihrer langen Historie in Deutschland somit besser gestellt als spätere Einwanderer. Anders als die Migranten im 20. Jahrhundert, haben sie ja auch ganze Orte gegründet, wie z. B. Crostwitz (oder Chrósćicy, ausgesprochen “Krostschietze”, Crostwitz ist nur eine für Deutsche vereinfachte Aussprache). Die sorbisch geprägten Orte sind sehr katholisch; noch mehr als im Eichsfeld und ganz anders als in allen sonstigen Regionen der ehemaligen DDR, sieht man Wegekreuze, Kapellen, Marienfiguren in Wandnischen, sogar aufwändige private meterhohe Kreuze in Gärten. Ein solches Kreuz hatte ein Leunaer Sportkamerad einmal ausversehen bei seinem NVA-Dienst in der Gegend mit einem Tatra oder sowas umgefahren, daraufhin mussten die Kameraden vor einem Mob wegfahren, da es vermutlich als absichtliche Tat durch auswärtige regimehörige Soldaten verstanden wurde…

Wir gingen wandern zwischen Crostwitz und Räckelwitz und uns gefielen die bunten, blumengefüllten Friedhöfe und farbenfrohen Kirchen sowie die Gutshöfe in der hügeligen Landschaft. Die Orte waren im Vergleich zu den meisten deutschen Dörfern in z. B. Mittel- oder Nordsachsen gepflegter und lebendiger, kaum Graffiti, kein Müll, wenig Verfall. Es schienen hier intakte dörfliche Gemeinschaften - oft ja auch in sehr kleinen Ansiedlungen von 100-200 Leuten, aber Crostwitz hat ja z. B. über 1.000 Einwohner - vorzuherrschen.

Crostwitz / Chrósćicy

Auch gerade für meine nicht-deutsch muttersprachige Freundin war es interessant zu sehen, dass es in Deutschland auch alteingesessene Minderheiten gibt, die eine Zweitsprache pflegen oder Deutsch eben nur als Zweitsprache nutzen. Die Idee, dass man den Sorben aus Sicht der deutschen Mehrheitsgesellschaft ihre Mehrsprachigkeit so zugestehen würde, wie das v.a. in asiatischen und afrikanischen Ländern bei zahlreichen Minderheitensprachen (mittlerweile oder schon ewig) normal ist, musste ich ihr aber auch gleich nehmen. Im Dritten Reich und der DDR hieß es Gleichmacherei und Assimilation an das Deutsche. Anfeindungen gegen Sorben durch rechtsgerichtete Deutsche sind auch heute nicht unbekannt; online findet man Erlebnisberichte zu Übergriffen in Dorf-Diskos und ich habe selber bei einem Fußballspiel in Zittau den Ausspruch “ihr scheiß Sorben” gegenüber einem mehrheitlich deutschen Team aus Bautzen von einem älteren Unsympathen gehört, sowie von einem Kommilitonen aus dem Saalekreis abschätzige Bemerkungen über “stinkende Sorben-Verwandtschaft” die er durch seinen Onkel irgendwo bei Bautzen hat… 

Meine Freundin fand diese Anmerkungen von mir erschreckend, da sie bei einem seit Jahrhunderten neben und mit Deutschen lebenden, vor den Deutschen in der betroffenen Region sesshaft gewordenen und phänotypisch weißen sowie christlichen Volk, nicht davon ausgegangen wäre, dass es angefeindet wird - aber man findet halt immer was, warum der Nachbar scheiße ist. Bei unserem Wanderweg zurück, fielen uns neben einem Schwibbogen mit “Refugees Welcome” in einem privaten Fenster, auch mehrere Graffiti gegen die AfD auf (in der sorbischen Variante in etwa “Anti AfD / gegen die AfD”). Kein Wunder, dass die Partei bei ihrem minderheitenfeindlichen Diskurs nur bei komplett verblödeten Sorben und bei ihnen nicht wohlgesonnenen oder dummen deutschen Nachbarn gewählt wird…

Caseritz / Kozarcy

Zum Glück hielten sich aber bei allem Assimilationsdruck im Sinne von “hier wird Deutsch gesprochen in unserem Deutschland”, auch noch Orte wie Crostwitz mit 80% Sorbisch-Muttersprachlern. Wie gesagt sprechen 100% auch Deutsch und meine Freundin, die Sorge hatte, sich mit einem Einheimischen nicht auf Hochdeutsch verständigen zu können, wenn sie nach der Toilette fragt, konnte auch beruhigt feststellen, dass sie die Beschreibung (die Klos und Kabinen sind in der Schule nebenan, von daher keine ganz einfache Beschreibung) verstehen konnte und Niemand sie auf Sorbisch vollquatschte… Im Vergleich zu Crostwitz, sind es in Lohsa und Weißkollm wohl nur noch 30% Muttersprachler, wenn überhaupt. Diese beiden Vereine traten heute in einem Testspiel an. Auf dem schön gelegenen Platz mit von Eichen beschatteten roten Schalensitzen war ebenso wie im Ort alles zweisprachig beschriftet, oft das Deutsche nur nachgeordnet oder kleiner gedruckt: Im Schaukasten hing die sorbischsprachige Zeitung mit Sportartikeln aus und die Überschrift des Kastens “SJ Chrósćicy” war größer als der Schriftzug “SG Crostwitz”. Der Gast hingegen hat keinen alternativen sorbischen Namen, obschon beide Dörfer sorbische Namen (Łaz bzw. Běły Chołmc) als offizielle Alternative führen. Mit alternativen Vereinsnamen meine ich, dass z. B. der SV Sankt Marienstern auch offiziell unter dem Namen “ST Swjata Marijina hwězda” bekannt ist oder deutsch-sorbisch gemischte Namen wie DJK Sokol Ralbitz-Horka bzw. DJK Sokoł Ralbitz-Hórka genutzt werden. Es lohnt sich auch ein Blick auf die Website des heutigen Gastgebers: https://www.sgcrostwitz.de/os/ (nix verstehen? dann oben die Deutschlandfahne anklicken…)

Das Spiel des Klassenhöheren (Absteiger aus der Landesklasse) gegen den Klassenniederen, war völlig einseitig. Durch die souveräne Leistung der Crostwitzer war es aber lohnend anzuschauen. Das halbe Dutzend war schon bei Pause voll. Am Ende hieß es 10:0 durch einen Schuss aus fünf Metern in den kurzen Torwinkel. Der Eintritt zu diesem Torfestival war frei.

Gerade bei einem Ligaspiel kann ich den Besuch empfehlen: Schöner Platz, schönes Dorf und einfach interessant, wie hier die Umgangssprache auf und am Platz überwiegend Sorbisch ist…

SG Crostwitz/ SJ Chrósćicy 10:0 SpVgg Lohsa-Weißkollm

Statistik:

- Grounds: 4.020 (1; diese Saison: 8 neue) 

- Sportveranstaltungen: 5.674 (1; diese Saison: 9) 

- Tourkilometer: 540 km Auto

- Saisonkilometer: 1.330 (1.230 Auto / 100 Fahrrad / 0 Flugzeug / 0 Bus, Bahn, Straßenbahn/ 0 Schiff, Fähre)

- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 13 [letzte Serie: 13, Rekordserie ohne 0-0: 178]

- Jede Woche mindestens eine Sportveranstaltung seit: Kalenderwoche 2 des Jahres 2021 (04.-10.01.), d.h. seit 289 Wochen in Folge [letzte Serie: 30 Wochen von KW22/2020-51/2020; Rekordserie: 712 Wochen von KW 31/2006 bis KW 11/2020]

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