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Sonntag, 14. April 2013
W350II: Erst ein müder Kick am Kyffhäuser, dann ein hitziges Sachsen-Anhalt-Derby in Bernburg
Sportverein 1920 Kelbra am Kyffhäuser B -------------- 3
SG Eintracht Bad Dürrenberg/ TSV Leuna B ---------- 0
- Datum: Samstag, 13. April 2013 – Anstoß: 11.00
- Wettbewerb: Landesliga Sachsen-Anhalt B-Junioren, Staffel 4 (4. U17-Liga)
- Ergebnis: 3-0 nach 80 Min. (40/40) – Halbzeit: 1-0
- Tore: 1-0 18. Leon Sawillisch, 2-0 65. Lucas Müller, 3-0 77. Leon Sawillisch
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Sportplatz Kelbra, Platz 2; Kunstrasen (Kap. 750 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 22 (darunter Gästefans: ca. 8)
- Unterhaltungswert: 3,0/10 (Noch nie so eine schlechte Leistung der Spielgemeinschaft gesehen – Kelbra konnte mit Kontern zu einem einfachen Sieg kommen)
SV Anhalt Bernburg ---------------------------------------- 23
Dessau-Rosslauer HV 2006 -------------------------------- 23
- Datum: Samstag, 13. April 2013 – Anwurf: 16.30
- Wettbewerb: 3. Liga Ost (Profi-/ Halbprofi-Handballliga)
- Ergebnis: 23-23 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 7-9
- Tore: Steffen Cieszynski 8, Kilian Kraft 6, Frank Grohmann 3, Martin Hoffmann 3, Toni Pajung 2, Enrico Lampe 1 (Bernburg); Tomas Pavlicek 6, Robert Lux 5, Martin Danowski 3, Marco Hüls 2, Chris-Richard Alisch 2, Armands Uscins 2, Christian Schöne 1, Sebastian Donath 1, Martin Pratersch 1 (Dessau)
- Gelbe Karten: Enrico Lampe, Frank Grohmann, Andreas Steinbrink (Bernburg); Tomas Pavlicek, Armands Uscins, Lukas Krug (Dessau)
- Zwei-Minuten-Strafen: Kilian Kraft (Bernburg = 2 Minuten); Martin Pratersch 2x, Robert Lux, Armands Uscins, Christian Schöne (Dessau = 10 Minuten)
- Platzverweise: Christian Hoffmann, Torwart von Dessau (59.58 wegen groben Fouls als letzter Mann)
- Spielort: Sporthalle Bruno Hinz (Kap. 1.000, davon 900 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 850 (davon 622 zahlende, darunter ca. 100 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 8,0/10 (Packendes und hartes Spiel, gute Stimmung, gerechtes Endergebnis)
Photos with English Commentary:
a) Under-17 League: Kelbra/ Kyffhäuser v Bad Dürrenberg/ Leuna, including photos of Kyffhausen Castle and Kelbra Town
Und weiter geht es mit dem Kunstrasenwahn! Auch in Kelbra am Fuße des Kyffhäusers wurde nicht auf dem Hauptplatz mit dem leicht erhöhten Stehrang, sondern eine Etage höher auf dem ausbautenlosen Plastegrün gekickt. Dieser Platz wäre ein beschissener Drecksplatz wie jeder andere ausbautenlose Kunstrasen auch – zumal die Qualität des Oberflächenbelages ziemlich niedrig ist – wenn nicht die schöne Mittelgebirgslandschaft mit der Ruine Rotenburg in Sichtweite wäre.
Die Spielgemeinschaft von Bad Dürrenberg und Leuna hat unter anderem auch nach internen Streitereien, bei denen sich Erwachsene dümmer verhielten als die Jugendlichen, drei wichtige Spieler an genau den Merseburger Konkurrenten verloren, der immer gerne Spieler weglockt um sie mit falschen Versprechungen zu verheizen wenn mal wieder alle Ziele verfehlt wurden. Doch immer noch findet man sie auf Platz 2, deutlich vorm SV Kelbra.
Hatte sich der Aderlass am letzten Spieltag, als Merseburg 99 klar geschlagen wurde, noch nicht ausgewirkt, zeigte sich heute ein deutlicher Verlust an spielerischer Substanz. Das war nicht einfach nur ein schlechter Tag: die hohe Fehlpassquote, die Chancenverwertung von 0% und überhaupt die geringe Anzahl an Tormöglichkeiten, die aus dem vielen Laufaufwand herauskam, war erschreckend. Nach einem lächerlichen Freistoß wegen angeblichen Handspiels, bauten die Kelbraer ihren ersten Angriff überhaupt auf und eierten eine Bogenlampe über Haris Hajdarpasic in den Kasten. Die Treffer in der zweiten Halbzeit waren alle sauber heraus gespielte Konter. Außer Kontern zeigte Kelbra gar nichts, doch aus ihren geringen Mitteln machten sie das Bestmögliche. Dieser Sieg muss also als verdient bezeichnet werden.
Ein weiteres verdientes Resultat fand das Spiel in Bernburg, dass wir auch aufgrund der Einladung eines Kollegen meines Vaters besuchten. Nachdem wir noch einen echten Geheimtipp von Sportplatz im Salzlandkreis entdeckt hatten (mehr dazu mal im Juli/ August, wenn da wieder Wettkampfbetrieb ist), nahmen wir die VIP-Karten entgegen, die uns 19€ ersparten. Die Halle sah noch so gut aus wie letztes Mal, als wir vor zwei Jahren zum ersten Mal dort ein Spiel schauten. Auch die Dessauer Handball-Ultras änderten daran nichts. Da war zwar auch die Sektion Hallenverbot – wer jetzt „Hä?“ denkt, mal hier lesen: MZ Nr. 1 oder MZ Nr. 2 – anwesend, doch außer fleißigem Grölen sowie Fahnen- und Mittelfinger-Hochhalten passierte da nichts weiter. Das wunderte mich auch nicht so, da die Jungs nicht mehr als Sekundarschule sind – naja, besser als ihre Freunde vom „Ostmob“ SC Magdeburg: die sind Kindergarten...
Auch auf der Gegenseite bei den Bernburger Fans gab es keine Ausraster, auch wenn dort etwa 100 Leute richtig emotional mitgingen und gerne auf die Beschimpfungen der Gästeanhänger mit Fickfingern reagierten.
Auch das Spiel war ziemlich emotional geführt: versteckte Foul ohne Ende und offene Fouls, die teilweise ungestraft blieben, wie ein offensichtlich absichtlicher Schlag ins Gesicht des 14ers von Dessau gegen seinen Bernburger Kontrahenten. Ansonsten muss die Schiedsrichterleistung aber als gut bezeichnet werden, was beim Gespann Schwarz/ Weiß wie ein schlechter Witz klingt, sind sie doch für Skandale bekannt. Allerdings sollte gerade diese gute Leistung heute Anlass für den Schiedsrichterausschuss sein, die zwei Pfeifen genauesten zu beobachten, da die beiden bereits so viele Spiele völlig verpfiffen (auch auf den Spielverlauf eingegriffen) haben, dass man schon sehr gutgläubig sein muss, um keine unschönen Schlüssen daraus zu ziehen.
Zurück zum eigentlichen Geschehen: in diesem sehr ausgeglichenen Spiel hatten beide Teams ihre starken und schwachen Spielphasen, beide führten mal mit ein, zwei Toren und beide lagen mal zurück. Beide schafften es auch in Unterzahl mehr zu treffen als zu kassieren. In der Schlussphase schien das Spiel zugunsten der Gäste entschieden, doch ein letzter Spurt von 18:20 auf 20:20 und dreimaliges Ausgleichen eines Ein-Tor-Rückstandes sicherten Bernburg den Punkt. Ein weiterer wäre sogar drin gewesen, wenn der Siebenmeter nach Ablauf der Uhr – den gab es für ein grobes Foul des Torwarts am durchgebrochenen Bernburg-Spieler, das richtigerweise mit Rot geahndet wurde – nicht an den Pfosten, sondern schön ins Netz gegangen wäre...
Aber bei zwei so ausgeglichenen Mannschaften war das Ergebnis von 23:23 absolut gerecht und so kam es nach dem Spiel auch nicht zu den üblichen Streitereien bei einem wichtigen von Schwarz/ Weiß geleiteten Match, sondern zu den ersten Szenen von Fair Play des Nachmittags: gegenseitiges Beklatschen der Leistung vonseiten der Fans und Händereichen unter den Spielern, nachdem es in den 60 Minuten kein Spieler eines der beiden Teams für nötig befand, sich nach einem Foul mal zu entschuldigen.
Statistik:
- Grounds: 899 (heute 1 neuer; diese Saison: 131 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.761 (heute 2, diese Saison: 184)
- Tageskilometer: 310 (310 Auto)
- Saisonkilometer: 46.550 (37.390 Auto/ 6.500 Flugzeug/ 2.400 Fahrrad/ 170 Bahn, Bus, Tram/ 90 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 48 [Letzte Serie: 6, Rekord: 141]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 350
Samstag, 11. Dezember 2010
W228I: Das Sachsen-Anhaltische Handball-Derby in Liga 3
HG 85 Köthen 15:20 SV Anhalt Bernburg
Freitag 10. Dezember 2010 – Anwurf 19.30
Liga: 3. Bundesliga/ Ost (Halbprofi-Liga)
Ergebnis: 15:20 nach 60 Min. – Halbzeit: 8:12
Tore: Cieszynski 5, Musche 4, Luskovec 3, Grohmann 1, Kreller 1, Uelsmann 1 (HG 85); Kraft 7, Weber 5, Seifert 3, Schöttke 2, Hoffmann 1 (SVA)
Gelbe Karten: 2 Spieler + Trainer (HG 85); 3 Spieler + Trainer (SVA)
Zeitstrafen in Minuten: Lux 4, Stojan 4, Grohmann 2, Uelsmann 2, Brandt 2, Weber 2 (HG 85); Kraft 4, Seifert 2, Steinbrink 2, Poplawski 2, Rindert 2 (SVA)
Platzverweise: keine
Sportanlage: Heinz Fricke Sporthalle (Kap. 850, davon 500 Sitzplätze)
Zuschauer: 850 (ausverkauft; davon ca. 150 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Kein herausragend gutes, aber spannendes und durch Härte der Abwehrreihen und Fan-Atmosphäre interessantes Spiel)

Photos and English version:
HANDBALL DERBY IN KÖTHEN: HG 85 – ANHALT BERNBURG
Der 15.55-Zug war „nur“ 25 Minuten zu spät in Halle, sodass wir den 16.43 nach Magdeburg über Köthen, der letzten Hopperticketstation von Merseburg aus auf dieser Strecke, gerade noch kriegten. Wir waren fast zwei Stunden vor dem Anwurf an der Halle, wobei es erwartungsgemäß die Ansage gab: „Karten eine Stunde vor Anpfiff – jetzt noch nicht“. Dann halt noch einmal durch das verschneite Köthen – übrigens die am Besten beräumte Stadt, die ich diesen Winter gesehen habe – zum Marktplatz in der Altstadt: die Marktkirche und das Rathaus sind zwei wirklich sehenswerte Bauten. Aber es ist natürlich dort ziemlich ausgestorben. Doch Köthen ist auch durch sein Schloss und die darin befindliche Vogelsammlung (Link zu Bildern von einem früheren Besuch in Köthen) eine sehenswerte Stadt.
Als wir dann 18.30 an der Halle waren, bequemten sich die zwei Kassenwärter die sauteuren Karten herauszugeben. 8€ für Steh- und 10€ für Sitzplätze, wobei davon 2€ Top-Zuschlag sind: ein Zuschlag, der - wie schon einmal zum Spielbesuch in Bernburg erwähnt - der Kostendeckung bei Mehrkosten durch erhöhte Polizeikräftezahl usw. dient – und nicht zum Abzocken der Zuschauer. Natürlich gab es auch in Köthen keine Polizei, wobei die Zahl der Ordner mit etwa einem Dutzend recht hoch war. Die Preise für Essen wie die geschmacklich guten Knacker im Brötchen – 1,90€ – waren echt nicht mehr feierlich.
Weg von den asozialen Preisen im Handball – kommen wir zum schöneren Thema: der Ground. Die Sporthalle Heinz Fricke (ob damit der deutsche Dirigent gemeint ist bezweifle ich, obwohl dieser aus dem Osten Deutschlands stammt: aber solche Sporthallen heißen meist nach mehr oder weniger überzeugten und wichtigen Antifaschisten, die keine Sau kennt) ist ein klassischer DDR-Rundbogenhallenbau, der sicherlich in den 1960er Jahren erbaut wurde. Hier sind die acht an den Außenseiten ausladend lang gezogenen Stützbalken besonders auffällig. Über ein Foyer kommt man rechts zur Tribüne: sechs Reihen mit Holzbänken, wobei die erste Reihe, in der wir Platz zu nehmen hatten, etwas anders aufgemacht ist, als die dahinter folgenden. Zudem sitzt man nur etwa 30cm über dem Boden, was für einen mehr als 1,40m großen Menschen unbequem ist. Die Heinz-Fricke-Sporthalle ist ansonsten ein sehr zuschauerfreundlicher Hallenbau: rechts geht man auf der Tribüne noch eine Treppe zur Empore hoch, die hinter dem einen Tor einen breiten Raum einnimmt und auf der der Tribüne gegenüberliegenden Seite bis fast zur Ecke an der Anzeigetafel schmal weitergeht. Hätte ich vorher gewusst, wie die Halle aussieht (es gibt aber leider keine Innenansichten außer meine eigenen jetzt im Internet), hätte ich die Stehplätze vorgezogen. Bei so einem Derby muss man aber früh kommen, um noch einen Platz direkt an der Barriere auf der Längsseite zu bekommen: die Rentner haben nämlich dort die Angewohnheit, ihre Jacken als Zeichen „hier ist belegt, also verpiss dich!“ eine Stunde vorher über die Balustrade zu hängen, um dann bis kurz vorm Anwurf im Foyer zu essen, Bier zu trinken und zu quatschen. Wie die Urlauber auf Malle: Handtuch auf den Liegstuhl und dann noch mal aufs Hotelzimmer flätzen oder zwei Stunden am Frühstücksbüffet fressen...
Derby also: von den drei sachsen-anhaltischen Mannschaften in der Oststaffel der 3. Bundesliga liegen Bernburg (Salzlandkreis) und Köthen (Anhalt-Bitterfeld) am dichtesten zusammen. In Bernburg habe ich auch wenig Freundliches über die Köthener gehört, sodass ich mit einem harten Spiel des 10. gegen den 8. gerechnet habe. Verwunderlich, dass es keinen Platzverweis geben sollte, doch man hatte auch mit den sächsischen Schiris zwei sehr gute Leute an den Pfeifen. Die waren auch häufig gefordert, da das Spiel zwar relativ arm an Toren, aber trotzdem reich an Tempo und eben auch an Härte – besonders bei der Abwehrarbeit – war. Richtig grobe Fouls gab es aber nicht, auch wenn z.B. mal ein Bernburger mit Nasenbluten runter musste, weil er wohl er die angewinkelten Fäuste des Köthener Verteidigers mit einem Kopfstoß brechen wollte...

Nach dem 1:0 der Köthener drehten die Gäste schnell auf und zogen auf 1:6 davon, wobei sie sich in Abschluss wie Abwehr bis zur 20. Minuten klar besser zeigten. Danach schafften es Köthen heranzukommen, was auch durch Bernburger Fehler gelang, doch die Aussetzer wurden von den Gästen schnell wieder ausgebügelt. Ab der 25. hatten die Hausherren auch wieder mit einigen Macken geglänzt: so rutschte einem HG-Spieler der Ball beim Siebenmeterwurf aus der Hand und fiel neben dem Spieler herunter. Erinnerte mich an einen Kumpel beim Schulsportfest: Weitwurf – und der Heini wirft die geniale Weite von „Minus Fuffzsch Zendimedor“. In der Schlusssekunde der ersten Halbzeit hämmerte ein Bernburger (Alexander Weber, glaube ich) noch ansatzlos einen Ball ins Eck.
Nach der Pause war Bernburg für eine Weile abgemeldet, doch Köthen sollte nur bis auf ein Tor herankommen und nie mehr eine Führung erzielen. Der fünf Tore-Abstand pendelte sich dann ab der 50. ein. Ab und an wurde es noch mal etwas hitzig: aber ein paar Pöbeleien und Schubsereien auf dem Feld sind noch das Mindeste, was bei so einem Spiel zu erwarten ist.
Was die Fans anbetrifft, so hatte ich mit einer für Handball guten bis überragenden Stimmung in einer vollen Halle gerechnet: und tatsächlich; die Halle war ausverkauft, manche standen sogar auf der Treppe zur Empore – und die Bernburger agierten auch wie erhofft; der Block war geschlossen hinter der Mannschaft und stand oft Minuten lang klatschend und kurze Sprechchöre rufend auf der Tribüne, die Mannschaft ausgiebig feiernd. Nach dem Abpfiff liefen sogar einige gleich zum Team auf die Platte und es wurde schön abgefeiert. Leider ließ die Stimmung beim Köthener Publikum ziemlich zu wünschen übrig. Auch wenn die Mannschaft nicht gut spielt – das war ja bis zur siebten Minute auch nicht so abzusehen – muss man die Derbystimmung nicht gänzlich auf die Stimmungs-Zutat Nr. 2 (Gegner auspfeifen, über Schiri meckern, rumpöbeln) beschränken. Nach der Pause waren einmal in der Aufholphase der HG 85 sehr einfallsreiche „Köthen, Köthen“-Sprechchöre zu hören – ansonsten gab es nur ein bisschen monotones Geklatsche und trotz Aufmunterungen des guten, aber manchmal etwas zu moderationsfreudigen Hallensprechers, keine weiteren Anfeuerungen der Mannschaft. Nur Meckern und Pöbeln. Verglichen mit dem trommel- und sprechchorfreudigen Bernburger Anhang wirklich erbärmlich. Allerdings kann man den Köthenern auch nicht vorwerfen, dass sie niveaulos gewesen wären: rassistische Pöbeleien wie bei Anhalt Dessau oder einigen norddeutschen Bundesligisten werden in Köthen sicherlich nicht so akzeptiert und selbst die etwas unterbelichtete Bernburger Handballexpertin neben mir, die wohl meinte sie sei zuhause oder im Gästesektor, wurde nur belächelt und in Ruhe gelassen: da hab ich bei Dorfvereinen in solchen Situationen (Spieler der Heimmannschaft wird klar gefoult, bleibt liegen und Gästefan meckert für umsitzende Heimfans hörbar „Schauspieler“ etc.) schon richtig derbe Antworten gehört...
Alles in Allem hat sich der Besuch trotz der Preise aber gelohnt und ich kann diese Partie – auch in umgekehrter Reihung – jedem Handballinteressierten empfehlen. Auf dem Rückweg gab es wieder nur relativ geringe Verspätungen, sodass wir den Anschluss in Halle noch gerade so erreichten.

Statistik:
Ground Nr. 502 (ein neuer Ground; diese Saison: 52 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.187 (diese Saison: 74)
Tageskilometer: 100 (Bahn)
Saisonkilometer: 12.630 (8.170 Auto/ 2.090 Fahrrad/ 1.570 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 83
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 228
Freitag 10. Dezember 2010 – Anwurf 19.30
Liga: 3. Bundesliga/ Ost (Halbprofi-Liga)
Ergebnis: 15:20 nach 60 Min. – Halbzeit: 8:12
Tore: Cieszynski 5, Musche 4, Luskovec 3, Grohmann 1, Kreller 1, Uelsmann 1 (HG 85); Kraft 7, Weber 5, Seifert 3, Schöttke 2, Hoffmann 1 (SVA)
Gelbe Karten: 2 Spieler + Trainer (HG 85); 3 Spieler + Trainer (SVA)
Zeitstrafen in Minuten: Lux 4, Stojan 4, Grohmann 2, Uelsmann 2, Brandt 2, Weber 2 (HG 85); Kraft 4, Seifert 2, Steinbrink 2, Poplawski 2, Rindert 2 (SVA)
Platzverweise: keine
Sportanlage: Heinz Fricke Sporthalle (Kap. 850, davon 500 Sitzplätze)
Zuschauer: 850 (ausverkauft; davon ca. 150 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Kein herausragend gutes, aber spannendes und durch Härte der Abwehrreihen und Fan-Atmosphäre interessantes Spiel)
Photos and English version:
HANDBALL DERBY IN KÖTHEN: HG 85 – ANHALT BERNBURG
Der 15.55-Zug war „nur“ 25 Minuten zu spät in Halle, sodass wir den 16.43 nach Magdeburg über Köthen, der letzten Hopperticketstation von Merseburg aus auf dieser Strecke, gerade noch kriegten. Wir waren fast zwei Stunden vor dem Anwurf an der Halle, wobei es erwartungsgemäß die Ansage gab: „Karten eine Stunde vor Anpfiff – jetzt noch nicht“. Dann halt noch einmal durch das verschneite Köthen – übrigens die am Besten beräumte Stadt, die ich diesen Winter gesehen habe – zum Marktplatz in der Altstadt: die Marktkirche und das Rathaus sind zwei wirklich sehenswerte Bauten. Aber es ist natürlich dort ziemlich ausgestorben. Doch Köthen ist auch durch sein Schloss und die darin befindliche Vogelsammlung (Link zu Bildern von einem früheren Besuch in Köthen) eine sehenswerte Stadt.
Als wir dann 18.30 an der Halle waren, bequemten sich die zwei Kassenwärter die sauteuren Karten herauszugeben. 8€ für Steh- und 10€ für Sitzplätze, wobei davon 2€ Top-Zuschlag sind: ein Zuschlag, der - wie schon einmal zum Spielbesuch in Bernburg erwähnt - der Kostendeckung bei Mehrkosten durch erhöhte Polizeikräftezahl usw. dient – und nicht zum Abzocken der Zuschauer. Natürlich gab es auch in Köthen keine Polizei, wobei die Zahl der Ordner mit etwa einem Dutzend recht hoch war. Die Preise für Essen wie die geschmacklich guten Knacker im Brötchen – 1,90€ – waren echt nicht mehr feierlich.
Weg von den asozialen Preisen im Handball – kommen wir zum schöneren Thema: der Ground. Die Sporthalle Heinz Fricke (ob damit der deutsche Dirigent gemeint ist bezweifle ich, obwohl dieser aus dem Osten Deutschlands stammt: aber solche Sporthallen heißen meist nach mehr oder weniger überzeugten und wichtigen Antifaschisten, die keine Sau kennt) ist ein klassischer DDR-Rundbogenhallenbau, der sicherlich in den 1960er Jahren erbaut wurde. Hier sind die acht an den Außenseiten ausladend lang gezogenen Stützbalken besonders auffällig. Über ein Foyer kommt man rechts zur Tribüne: sechs Reihen mit Holzbänken, wobei die erste Reihe, in der wir Platz zu nehmen hatten, etwas anders aufgemacht ist, als die dahinter folgenden. Zudem sitzt man nur etwa 30cm über dem Boden, was für einen mehr als 1,40m großen Menschen unbequem ist. Die Heinz-Fricke-Sporthalle ist ansonsten ein sehr zuschauerfreundlicher Hallenbau: rechts geht man auf der Tribüne noch eine Treppe zur Empore hoch, die hinter dem einen Tor einen breiten Raum einnimmt und auf der der Tribüne gegenüberliegenden Seite bis fast zur Ecke an der Anzeigetafel schmal weitergeht. Hätte ich vorher gewusst, wie die Halle aussieht (es gibt aber leider keine Innenansichten außer meine eigenen jetzt im Internet), hätte ich die Stehplätze vorgezogen. Bei so einem Derby muss man aber früh kommen, um noch einen Platz direkt an der Barriere auf der Längsseite zu bekommen: die Rentner haben nämlich dort die Angewohnheit, ihre Jacken als Zeichen „hier ist belegt, also verpiss dich!“ eine Stunde vorher über die Balustrade zu hängen, um dann bis kurz vorm Anwurf im Foyer zu essen, Bier zu trinken und zu quatschen. Wie die Urlauber auf Malle: Handtuch auf den Liegstuhl und dann noch mal aufs Hotelzimmer flätzen oder zwei Stunden am Frühstücksbüffet fressen...
Derby also: von den drei sachsen-anhaltischen Mannschaften in der Oststaffel der 3. Bundesliga liegen Bernburg (Salzlandkreis) und Köthen (Anhalt-Bitterfeld) am dichtesten zusammen. In Bernburg habe ich auch wenig Freundliches über die Köthener gehört, sodass ich mit einem harten Spiel des 10. gegen den 8. gerechnet habe. Verwunderlich, dass es keinen Platzverweis geben sollte, doch man hatte auch mit den sächsischen Schiris zwei sehr gute Leute an den Pfeifen. Die waren auch häufig gefordert, da das Spiel zwar relativ arm an Toren, aber trotzdem reich an Tempo und eben auch an Härte – besonders bei der Abwehrarbeit – war. Richtig grobe Fouls gab es aber nicht, auch wenn z.B. mal ein Bernburger mit Nasenbluten runter musste, weil er wohl er die angewinkelten Fäuste des Köthener Verteidigers mit einem Kopfstoß brechen wollte...
Nach dem 1:0 der Köthener drehten die Gäste schnell auf und zogen auf 1:6 davon, wobei sie sich in Abschluss wie Abwehr bis zur 20. Minuten klar besser zeigten. Danach schafften es Köthen heranzukommen, was auch durch Bernburger Fehler gelang, doch die Aussetzer wurden von den Gästen schnell wieder ausgebügelt. Ab der 25. hatten die Hausherren auch wieder mit einigen Macken geglänzt: so rutschte einem HG-Spieler der Ball beim Siebenmeterwurf aus der Hand und fiel neben dem Spieler herunter. Erinnerte mich an einen Kumpel beim Schulsportfest: Weitwurf – und der Heini wirft die geniale Weite von „Minus Fuffzsch Zendimedor“. In der Schlusssekunde der ersten Halbzeit hämmerte ein Bernburger (Alexander Weber, glaube ich) noch ansatzlos einen Ball ins Eck.
Nach der Pause war Bernburg für eine Weile abgemeldet, doch Köthen sollte nur bis auf ein Tor herankommen und nie mehr eine Führung erzielen. Der fünf Tore-Abstand pendelte sich dann ab der 50. ein. Ab und an wurde es noch mal etwas hitzig: aber ein paar Pöbeleien und Schubsereien auf dem Feld sind noch das Mindeste, was bei so einem Spiel zu erwarten ist.
Was die Fans anbetrifft, so hatte ich mit einer für Handball guten bis überragenden Stimmung in einer vollen Halle gerechnet: und tatsächlich; die Halle war ausverkauft, manche standen sogar auf der Treppe zur Empore – und die Bernburger agierten auch wie erhofft; der Block war geschlossen hinter der Mannschaft und stand oft Minuten lang klatschend und kurze Sprechchöre rufend auf der Tribüne, die Mannschaft ausgiebig feiernd. Nach dem Abpfiff liefen sogar einige gleich zum Team auf die Platte und es wurde schön abgefeiert. Leider ließ die Stimmung beim Köthener Publikum ziemlich zu wünschen übrig. Auch wenn die Mannschaft nicht gut spielt – das war ja bis zur siebten Minute auch nicht so abzusehen – muss man die Derbystimmung nicht gänzlich auf die Stimmungs-Zutat Nr. 2 (Gegner auspfeifen, über Schiri meckern, rumpöbeln) beschränken. Nach der Pause waren einmal in der Aufholphase der HG 85 sehr einfallsreiche „Köthen, Köthen“-Sprechchöre zu hören – ansonsten gab es nur ein bisschen monotones Geklatsche und trotz Aufmunterungen des guten, aber manchmal etwas zu moderationsfreudigen Hallensprechers, keine weiteren Anfeuerungen der Mannschaft. Nur Meckern und Pöbeln. Verglichen mit dem trommel- und sprechchorfreudigen Bernburger Anhang wirklich erbärmlich. Allerdings kann man den Köthenern auch nicht vorwerfen, dass sie niveaulos gewesen wären: rassistische Pöbeleien wie bei Anhalt Dessau oder einigen norddeutschen Bundesligisten werden in Köthen sicherlich nicht so akzeptiert und selbst die etwas unterbelichtete Bernburger Handballexpertin neben mir, die wohl meinte sie sei zuhause oder im Gästesektor, wurde nur belächelt und in Ruhe gelassen: da hab ich bei Dorfvereinen in solchen Situationen (Spieler der Heimmannschaft wird klar gefoult, bleibt liegen und Gästefan meckert für umsitzende Heimfans hörbar „Schauspieler“ etc.) schon richtig derbe Antworten gehört...
Alles in Allem hat sich der Besuch trotz der Preise aber gelohnt und ich kann diese Partie – auch in umgekehrter Reihung – jedem Handballinteressierten empfehlen. Auf dem Rückweg gab es wieder nur relativ geringe Verspätungen, sodass wir den Anschluss in Halle noch gerade so erreichten.
Statistik:
Ground Nr. 502 (ein neuer Ground; diese Saison: 52 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.187 (diese Saison: 74)
Tageskilometer: 100 (Bahn)
Saisonkilometer: 12.630 (8.170 Auto/ 2.090 Fahrrad/ 1.570 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 83
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 228
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Samstag, 20. November 2010
W225II: Wie schnell ein Acht-Tore-Vorsprung schmelzen kann... aber am Ende gewann Bernburg trotzdem
SV Anhalt Bernburg 23:20 HC Einheit Halle 05
Samstag 20. November 2010 – Anstoß 18.00
Liga: 3. Liga Ost (3. Handballliga, 1. Halbprofiliga)
Ergebnis: 23:20 nach 60 Min. – Halbzeit: 14:9
Tore: Weber 9, Rindert 4, Petersohn 3, Schöttke 2, Kraft 2, Seifert 2, Hoffman 1 (Bernburg); Kern 6, Gragert 4, Steinbach 3, Metzner 2, Suchanke 1, Grisanovs 1 (Halle)
Gelbe Karten: Bernburg 3; Halle 3
Zeitstrafen: Weber 2, Petersohn 2, Seifet 2, Kraft 2 (Bernburg); Suchanke 4, Steinbach 2, Metzner 2, Haase 2 (Halle)
Platzverweise: keine
Sportanlage: Sporthalle Bruno Hinz (Kap. 1.000, davon 900 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 650 (davon vielleicht 15 Gästefans)
Unterhaltungswert: 6,0/10 (Ganz ordentliches Spiel, das in der ersten Hälfte besser war als in der zweiten)

Photos and English version:
Anhalt Bernburg defeats Einheit Halle (Handball 3rd Division)
Pictures from Bernburg City (Palace, Zoo, Inner City; taken August 2007)
Es ist einfach zum Kotzen: kaum regnet es mal etwas kräftiger, schon fallen 80-90% der Fußballspiele in Deutschland aus. Eigentlich hätte ich als Vorspiel zum Handball in Bernburg noch gerne das Kreisklassenpokalspiel von Einheit Bernburg II gesehen, aber das wurde am Tag davor abgesagt. Da ich die Saale in Halle gesehen habe, wie sie z.B. die Wege auf der Peißnitz überschwemmt hat, unterstelle ich dem SV Einheit hier keine unnötige Absage: der Platz mag bei der Saale-Ufer-Lage wirklich nicht bespielbar gewesen sein. 90% der anderen Plätze, auf denen Spiele abgesetzt wurden, sind aber alles andere als unbespielbar. Im Übrigen ist auch ein teilüberschwemmter Platz noch bespielbar: das haben mir mal vor ein paar Jahren Jugendmannschaften im polnischen Szczecin gezeigt und zeigen auch diese beiden syrischen Zweitligisten (Al-Qamishli und Murik):
(http://esyria.sy/sites/images/hasakeh/109059_2009_12_22_13_39_07.jpg)
Mit den Fahrrädern fuhren wir von Merseburg zum Bahnhof in Halle, mit dem Zug ging es weiter nach Bernburg. Den Radweg neben der unglaublich dicht befahrenen Bundesstraße nutzend, noch ein paar Fotos vom Bernburger Schloss von der Brücke aus machend, kamen wir recht zeitig an der Halle an. Diese heißt nach Bruno Hinz, wobei keineswegs der SS-Sturmführer damit gemeint ist, sondern ein kommunistischer Widerständler der mit den spanischen Kommunisten gegen die Faschisten auf der Iberischen Halbinsel gekämpft hat. Dass man so etwas erst vom Vereinspräsidenten erfährt, spricht nicht gerade für den Informationsgehalt der Website. Aber immerhin veröffentlicht Bernburg als einer der wenigen Clubs seine Eintrittspreise. Die blieben uns am heutigen Tag aber dank guter Verbindungen erspart. Also wenn 8€ mittlerweile normal sind und überall ein sogenannter Top-Zuschlag, der die Karten auf 10€ verteuert, verlangt wird, dann gute Nacht! Den Top-Zuschlag nutzt man bei einigen Fußballvereinen im Halbprofibereich (also Regional- und Oberliga, die auch vergleichbar mit der 3. Handballliga sind) für die Kostendeckung von Polizeieinsätzen bzw. bei der Aufstockung von Ordnungskräften. Eigentlich ist der Top-Zuschlag also nicht zum Abzocken der Zuschauer bei Spielen mit erhöhtem Besucheraufkommen gedacht. Macht man ja in Pirna (Eintritt 6 bis 7€) auch nicht...
Noch ein Wort zu Halle: der Bau hat Charakter, denn er ist eine oben etwas spitz zulaufende Bogenhalle aus DDR-Zeiten (1960er glaube ich), die dezent saniert wurde, sodass der Baukörper noch erkennbar ist. Allerdings sind die Bänke etwas niedrig angebracht worden. Aber wenigstens stilvolle Holzbänke und keine billigen Plastesitze. Die Bänke gibt es auch nur auf den Längsseiten, wobei sie dort 900 Leuten Platz bieten. Hinter einem Tor darf man sich nicht aufhalten, über dem zweiten Tor – die Seite, wo man unter der verglasten Front mit dem banalen Schriftzug „Sporthalle“ hineingeht – gibt es eine Empore mit Stehplätzen, die mit einem recht großmaschigen Netz davor auch noch akzeptabel ist.

Zum Spiel: Der Gast aus Halle – eigentlich genauer dem Plattenbau-Ortsteil Neustadt – befand sich mit zwei Siegen und zwei Unentschieden aus 10 Spielen im hinteren Mittelfeld und Bernburg mit einer ausgeglichenen Bilanz aus 8 Spielen im vorderen Mittelfeld. Die ersten fünf Minuten gehörten den Hallensern, wobei die nur vom fehlenden Zusammenspiel der Gastgeber profitierten. Dann legte Bernburg los und zog bis zur Pause ein gutes Stück davon. Das Spiel war nicht herausragend, doch Tempo, Wurftechnik und Verteidigungsarbeit waren schon auf höherem Niveau.
Nach der Pause zog Bernburg gleich mit bis zu 8 Toren davon, doch ließ das Spiel bald schleifen und die Hallenser ab der 40. herankommen. Die Fehlerquote stieg und je aktiver die Hallenser wurden, umso unattraktiver wurde das Match. Schwach war es aber nie – und zum Glück bekamen die Schwarz-Gelben Hausherren noch das Ruder herum und brachten mit zwei überlegten Aktionen kurz vor Schluss den Sieg in trockene Tücher. 23:20 war der Endstand.
Besonders der etwa 30 Mann starke Stimmungsblock der Bernburger sprang nach dem Sieg hocherfreut auf. Während des Spiels hatten sie sehr ausdauernd mit gängigen, sehr einfachen Sprechchören, die aber kaum die Trommeln übertönten, angefeuert und sogar ab und an die Hälfte der Halle stimmungstechnisch mobilisieren können. Die wenigen Gästefans waren dadurch kaum zu hören. Für Handball war die Stimmung also ziemlich gut!
Zusammenfassend gesagt: Das Spiel, die Halle und die Atmosphäre waren zwar nicht der absolute Knaller, aber doch schon sehenswert. Bernburg kann ich dem Handball-Fan auf jeden Fall empfehlen, wobei das Top-Zuschlagsspiel Nr. 1 – gegen Köthener HC – wohl besonders interessant sein soll. In drei Wochen findet das jedenfalls in Köthen statt – und wer da wieder am Start ist, dürfte ja wohl klar sein...
Durch die Verabredung mit Herrn Krause, bei dem ich mich für das Besorgen der hervorragenden Sitzplätze bedanke, in Bernburg, nahmen wir auch nicht das erste Spiel der wohl interessantesten Hallensportmannschaft wahr. Gemeint ist die Hallenhockeytruppe des TSV Leuna 1919, die diese Saison wieder 1. Bundesliga spielt und wenigstens auf den 5. der 6 Plätze der Oststaffel kommen muss, um nicht erneut „nur“ zweite Liga spielen zu müssen. Gegen den klar favorisierten Berliner HC hieß es zwar 5:10, aber warten wir’s mal ab. Im Dezember und Januar bin ich dann aber auch bei dieser leider viel zu kurzen Hallenhockeysaison wieder dabei, wenn die Leunaer Halle bebt und die Halle Osternienburgs gerockt wird.

Statistik:
Ground Nr. 498 (ein neuer Ground; diese Saison: 48 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.178 (diese Saison: 65)
Tageskilometer: 120 (90 Bahn, 30 Rad)
Saisonkilometer: 12.030 (8.170 Auto/ 1.970 Fahrrad/ 1.090 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 83
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 225
Samstag 20. November 2010 – Anstoß 18.00
Liga: 3. Liga Ost (3. Handballliga, 1. Halbprofiliga)
Ergebnis: 23:20 nach 60 Min. – Halbzeit: 14:9
Tore: Weber 9, Rindert 4, Petersohn 3, Schöttke 2, Kraft 2, Seifert 2, Hoffman 1 (Bernburg); Kern 6, Gragert 4, Steinbach 3, Metzner 2, Suchanke 1, Grisanovs 1 (Halle)
Gelbe Karten: Bernburg 3; Halle 3
Zeitstrafen: Weber 2, Petersohn 2, Seifet 2, Kraft 2 (Bernburg); Suchanke 4, Steinbach 2, Metzner 2, Haase 2 (Halle)
Platzverweise: keine
Sportanlage: Sporthalle Bruno Hinz (Kap. 1.000, davon 900 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 650 (davon vielleicht 15 Gästefans)
Unterhaltungswert: 6,0/10 (Ganz ordentliches Spiel, das in der ersten Hälfte besser war als in der zweiten)
Photos and English version:
Anhalt Bernburg defeats Einheit Halle (Handball 3rd Division)
Pictures from Bernburg City (Palace, Zoo, Inner City; taken August 2007)
Es ist einfach zum Kotzen: kaum regnet es mal etwas kräftiger, schon fallen 80-90% der Fußballspiele in Deutschland aus. Eigentlich hätte ich als Vorspiel zum Handball in Bernburg noch gerne das Kreisklassenpokalspiel von Einheit Bernburg II gesehen, aber das wurde am Tag davor abgesagt. Da ich die Saale in Halle gesehen habe, wie sie z.B. die Wege auf der Peißnitz überschwemmt hat, unterstelle ich dem SV Einheit hier keine unnötige Absage: der Platz mag bei der Saale-Ufer-Lage wirklich nicht bespielbar gewesen sein. 90% der anderen Plätze, auf denen Spiele abgesetzt wurden, sind aber alles andere als unbespielbar. Im Übrigen ist auch ein teilüberschwemmter Platz noch bespielbar: das haben mir mal vor ein paar Jahren Jugendmannschaften im polnischen Szczecin gezeigt und zeigen auch diese beiden syrischen Zweitligisten (Al-Qamishli und Murik):
(http://esyria.sy/sites/images/hasakeh/109059_2009_12_22_13_39_07.jpg)Mit den Fahrrädern fuhren wir von Merseburg zum Bahnhof in Halle, mit dem Zug ging es weiter nach Bernburg. Den Radweg neben der unglaublich dicht befahrenen Bundesstraße nutzend, noch ein paar Fotos vom Bernburger Schloss von der Brücke aus machend, kamen wir recht zeitig an der Halle an. Diese heißt nach Bruno Hinz, wobei keineswegs der SS-Sturmführer damit gemeint ist, sondern ein kommunistischer Widerständler der mit den spanischen Kommunisten gegen die Faschisten auf der Iberischen Halbinsel gekämpft hat. Dass man so etwas erst vom Vereinspräsidenten erfährt, spricht nicht gerade für den Informationsgehalt der Website. Aber immerhin veröffentlicht Bernburg als einer der wenigen Clubs seine Eintrittspreise. Die blieben uns am heutigen Tag aber dank guter Verbindungen erspart. Also wenn 8€ mittlerweile normal sind und überall ein sogenannter Top-Zuschlag, der die Karten auf 10€ verteuert, verlangt wird, dann gute Nacht! Den Top-Zuschlag nutzt man bei einigen Fußballvereinen im Halbprofibereich (also Regional- und Oberliga, die auch vergleichbar mit der 3. Handballliga sind) für die Kostendeckung von Polizeieinsätzen bzw. bei der Aufstockung von Ordnungskräften. Eigentlich ist der Top-Zuschlag also nicht zum Abzocken der Zuschauer bei Spielen mit erhöhtem Besucheraufkommen gedacht. Macht man ja in Pirna (Eintritt 6 bis 7€) auch nicht...
Noch ein Wort zu Halle: der Bau hat Charakter, denn er ist eine oben etwas spitz zulaufende Bogenhalle aus DDR-Zeiten (1960er glaube ich), die dezent saniert wurde, sodass der Baukörper noch erkennbar ist. Allerdings sind die Bänke etwas niedrig angebracht worden. Aber wenigstens stilvolle Holzbänke und keine billigen Plastesitze. Die Bänke gibt es auch nur auf den Längsseiten, wobei sie dort 900 Leuten Platz bieten. Hinter einem Tor darf man sich nicht aufhalten, über dem zweiten Tor – die Seite, wo man unter der verglasten Front mit dem banalen Schriftzug „Sporthalle“ hineingeht – gibt es eine Empore mit Stehplätzen, die mit einem recht großmaschigen Netz davor auch noch akzeptabel ist.
Zum Spiel: Der Gast aus Halle – eigentlich genauer dem Plattenbau-Ortsteil Neustadt – befand sich mit zwei Siegen und zwei Unentschieden aus 10 Spielen im hinteren Mittelfeld und Bernburg mit einer ausgeglichenen Bilanz aus 8 Spielen im vorderen Mittelfeld. Die ersten fünf Minuten gehörten den Hallensern, wobei die nur vom fehlenden Zusammenspiel der Gastgeber profitierten. Dann legte Bernburg los und zog bis zur Pause ein gutes Stück davon. Das Spiel war nicht herausragend, doch Tempo, Wurftechnik und Verteidigungsarbeit waren schon auf höherem Niveau.
Nach der Pause zog Bernburg gleich mit bis zu 8 Toren davon, doch ließ das Spiel bald schleifen und die Hallenser ab der 40. herankommen. Die Fehlerquote stieg und je aktiver die Hallenser wurden, umso unattraktiver wurde das Match. Schwach war es aber nie – und zum Glück bekamen die Schwarz-Gelben Hausherren noch das Ruder herum und brachten mit zwei überlegten Aktionen kurz vor Schluss den Sieg in trockene Tücher. 23:20 war der Endstand.
Besonders der etwa 30 Mann starke Stimmungsblock der Bernburger sprang nach dem Sieg hocherfreut auf. Während des Spiels hatten sie sehr ausdauernd mit gängigen, sehr einfachen Sprechchören, die aber kaum die Trommeln übertönten, angefeuert und sogar ab und an die Hälfte der Halle stimmungstechnisch mobilisieren können. Die wenigen Gästefans waren dadurch kaum zu hören. Für Handball war die Stimmung also ziemlich gut!
Zusammenfassend gesagt: Das Spiel, die Halle und die Atmosphäre waren zwar nicht der absolute Knaller, aber doch schon sehenswert. Bernburg kann ich dem Handball-Fan auf jeden Fall empfehlen, wobei das Top-Zuschlagsspiel Nr. 1 – gegen Köthener HC – wohl besonders interessant sein soll. In drei Wochen findet das jedenfalls in Köthen statt – und wer da wieder am Start ist, dürfte ja wohl klar sein...
Durch die Verabredung mit Herrn Krause, bei dem ich mich für das Besorgen der hervorragenden Sitzplätze bedanke, in Bernburg, nahmen wir auch nicht das erste Spiel der wohl interessantesten Hallensportmannschaft wahr. Gemeint ist die Hallenhockeytruppe des TSV Leuna 1919, die diese Saison wieder 1. Bundesliga spielt und wenigstens auf den 5. der 6 Plätze der Oststaffel kommen muss, um nicht erneut „nur“ zweite Liga spielen zu müssen. Gegen den klar favorisierten Berliner HC hieß es zwar 5:10, aber warten wir’s mal ab. Im Dezember und Januar bin ich dann aber auch bei dieser leider viel zu kurzen Hallenhockeysaison wieder dabei, wenn die Leunaer Halle bebt und die Halle Osternienburgs gerockt wird.
Statistik:
Ground Nr. 498 (ein neuer Ground; diese Saison: 48 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.178 (diese Saison: 65)
Tageskilometer: 120 (90 Bahn, 30 Rad)
Saisonkilometer: 12.030 (8.170 Auto/ 1.970 Fahrrad/ 1.090 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 83
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 225
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