Posts mit dem Label Burgen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Burgen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 29. Juni 2015

W465II-III: Rheinland-Pfalz; Technikmuseum Speyer, Burg Eltz und Motocross auf dem Heißen Stein

Nordrhein MX Cup: 64. Internationales Reiler Moto-Cross „Auf dem heißen Stein“
- Datum: Sonntag, 28. Juni 2015 – Beginn: 12.30
- Wettbewerb: Motocrossrennen mit Quadklasse im Rahmen des Nordrhein MX Cups, Gastgeber: MSC Reil „Heißer Stein“
- Ergebnisse: siehe Website der Rennserie http://www.mx-cup.de/
- Austragungsort: Moto-Cross-Strecke auf dem heißen Stein (Kap. 5.000, davon 1.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: bis zu 2.000
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Etliche spektakuläre Sprünge und Manöver) Speyer Photos with English Commentary:
a) Motocross Race: 64th International MX Cup in Reil, Heißer Stein
b) Rheinland-Palatinate: Saturday = SPEYER (SPIRES) CATHEDRAL AND TECHNOLOGY MUSEUM & CATHEDRAL; Castles of Germersheim, Rheinstein, Reichenstein, Sooneck, Bacharach, Kaub (PFALZGRAFENSTEIN), Oberwesel & Sankt Goar; Loreley Rock; Marienort Church; Sunday = Eltz Castle, Arras Castle, Mariental Monastery, Nehren Tower & Roman Tombs

Dieses Wochenende war Rheinland-Pfalz im Fokus. Samstagvormittag fuhr ich nach Speyer und besichtigte dort den Dom, der das höchste und größte Sakralgebäude der Romanik ist, aber baulich nicht unbedingt sooo attraktiv. Die nahegelegene spätbarocke Dreifaltigkeitskirche ist wegen ihrer bemalten Holzdecken und -emporen schöner und dadurch genauso sehenswert. Die Altstadt hat auch noch ein Schloss (Geschichtsmuseum) und Stadtmauer mit Türmen zu bieten. Für Rheinland-Pfalz ist die Altstadt Speyers übrigens sehr sehenswert: es geht doch auch dort mal was anderes als eine Burg als Sehenswürdigkeit...

Speyer ist eine der wenigen 50.000-Einwohner-Städte, in der man auch den ganzen Tag zubringen könnte. Zeitaufwendig ist nämlich das Technik-Museum mit seinen enorm vielen Ausstellungsstücken von Oldtimern aus den 1920ern über Dampfwalzen, Raupen, Militärfahrzeugen, Motorrädern und Traktoren bis hin zu mechanischen Orgeln, Kettensägen, Lokomotiven, einem Spaceshuttle, einem begehbaren U-Boot und diversen, meist ebenfalls begehbaren, Flugzeugmodellen! Für 14€ bekommt man also einiges geboten, wobei man sich schon mal fragen muss: also die museale Aufbereitung mit Infotafeln usw. ist ja in Ordnung – aber hätte man wie in Zwickau z.B. nicht mal nach Fahrzeugarten (zivile Zweiachser, dann Militärfahrzeuge, dann Krafträder usw.) und v.a. Alter sortieren können? In Speyer stellt man glatt eine Dampflok von 1920 neben einen Straßenwagen von 1960 und dazwischen wird ein Moped aus den 50ern quer geparkt und um das Ganze noch chaotischer zu machen, ein Kampfflugzeugwrack aus dem 1. Weltkrieg von der Decke gehängt...

Ich schaute mir dann die Festung von Germersheim an. Fast hätte ich meinen Master dort gemacht, aber wenn man beim Zulassungsbüro zu blöd ist, meine Dokumente zusammenzuhalten und mich dann zwei Mal anschreibt, ich hätte immer noch nicht alles geliefert, dann geh ich halt nach Bonn!

Einmal über den Rhein nach Philippsburg zum Motoball war der Plan, doch wie der Platz aussah, sieht man im zweiten Bild in meinem Blogeintrag: während des Einfahrens blieben die Maschinen teils stecken. Ich habe zwar schon gesehen, das auch auf solchen Plätzen schon ein Spiel durchgeführt wurde, aber ob das gut für die Motorräder ist, ist das eine – für den Spielfluss ist es definitiv nicht gut, gerade bei zwei eher schwachen Mannschaften wie Philippsburg und v.a. MSC Mörsch. Diesen schön gestalteten aber vom Belag her sehr beschissenen Platz werde ich spätestens nächste Saison mal besuchen. Vielleicht aber auch schon mal im August, an einem Tag ohne Hagelschauer...

Was ich auch im August noch machen werde, ist eine Radtour an einem freien Tag unter der Woche durch das Obere Mittelrheintal. Von Koblenz bis Kaub, dann Fähre ans andere Ufer und auf der linken Rheinseite wieder hoch. Ich fuhr jedenfalls jetzt nach Schließung der Sehenswürdigkeiten (die meisten Burgen sind nur 9-17 Uhr und dann nur April bis Oktober offen: das ist in Rheinland-Pfalz schlimmer als in der DDR und Albanien zusammen!) ganz locker die Bundesstraße zwischen Bingen und Koblenz entlang und hielt alle paar Minuten an, da hier eine historistische Burg und da eine mittelalterliche Ruine und hier eine Kirche und da ein Schloss usw. auftauchten! Leider sind diese Orte meist sehr überfüllt, aber unter der Woche und mit dem Fahrrad müsste man selbst in St. Goar, Boppard oder dem besonders spektakulären Kaub mit seiner Burg Pfalzgrafenstein auf einer Insel im Rhein, kein Problem mit Parkplatz und Besichtigung haben!
Sonntag ging es nicht so tief nach Rheinland-Pfalz rein, sondern in die Ecke, wo die Mosel fliest. Sightseeingmäßig stand zuerst die Burg Eltz – ein fantastisch gelegener, fast 100% erhaltener und weitestgehend authentisch sanierter Burgkomplex; absolut spektakulär und lohnend, aber da er so ein „Must-See“ ist, ist er leider völlig überlaufen und überteuert: nur mit Führung zu besichtigen, in den Ausstellungsräumen keine Fotos gestattet, nur ein Teil der Burg darf überhaupt besichtigt werden und trotzdem 9€ Eintritt – an. Nach dem Motocrossrennen fuhr ich nach Bonn mit ein paar Stopps zurück: Alf mit der Burg Arras im Ortsteil Alf-Fabrik; kling alles ganz lustig, aber ist so eine dieser historistischen Kackburgen die irgendeiner mit zu viel Geld besetzt (immerhin gibt es regelmäßige Öffnungszeitung wegen der üblichen, maßlos überteuerten Gastronomie). In Nehren gibt es mit einem mittelalterlichen Turm und römischen Grabkammern (scheiße, dass das Licht nicht funktionierte: so waren die Malereien nicht erkennbar) zwei kleine Sehenswürdigkeiten. Das Kloster Mariental liegt landschaftlich toll, ist baulich aber eher weniger sehenswert.

In jedem Fall werde ich, zumindest bei halbwegs vernünftigem Wetter, auch in dieser Ecke Rheinland-Pfalz‘ beim nächsten Mal mit dem Rad fahren: nächstes Wochenende direkt von Bonn zum Nürburgring, im August dann mal eine Tour, die Cochem, Pyrmont, Monreal und ein Testspiel in diesem Bereich einschließt. Burg Eltz Wie erwähnt, hatte ich dann auch noch Motocross geguckt. Ein internationales, aber zumeist natürlich von Fahrern aus NRW bestrittenes zweitägiges Rennen stand in Reil an. Oberhalb der üblichen Weinberge am Waldesrand wurde eine schöne Strecke mit guten Zuschauermöglichkeiten – nur teilweise etwas überwuchert: einige der für 1.000 Leute konzipierten Sitzbänke waren auch im Arsch – angelegt. Die Strecke schien mir ziemlich schnell und hatte auch etliche spektakuläre Sprünge zu bieten. Insbesondere die Rampe vor der Sitztribüne (in allen Bereichen 7€ Eintritt) hatte es in sich. Außer den üblichen Motocrossmotorrädern in verschiedenen Kubikklassen, Fahrerleistungsklassen und Altersklasse ging auch eine Quad-Klasse an den Start, die sich auch sehen lassen konnte!

Motoball ist zwar noch besser als Motocross, aber so ein Rennen ist auch immer besuchenswert. Vielleicht mal September/ Oktober wieder – denn es gibt noch etliche Rennen in der Rennserie Nordrhein MX Cup! Motocross: Nordrhein MX Cup in Reil (Heißer Stein) Statistik:
- Grounds: 1.391 (So 1 neuer; diese Saison: 236 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.411 (So 1; diese Saison: 299)
- Tageskilometer: 790 (Sa 520 Auto, So 270 Auto)
- Saisonkilometer: 61.310 (46.460 Auto/ 8.200 Flugzeug/ 5.130 öffentliche Verkehrsmittel/ 2.420 Fahrrad/ 20 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 86 [letzte Serie: 13, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 465

Dienstag, 9. September 2014

Südharz: Hohnstein, Ebersburg, Stolberg

Photos:
- Hohnstein & Ebersburg Castle Ruins, Neustadt/ Harz Church: https://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157634011727867
- Stolberg/ Harz Old Town (pictures taken in 2012): https://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157633452203304# 

An meinem Geburtstag gab es kein Groundhopping, aber dafür "Castlehopping".
Mit Khatereh fuhr ich gen Nordhausen, wobei wir schon in Berga auf die Landstraßen abbogen, die uns zügig nach Neustadt/ Harz brachten. Dort ist der Kernbereich mit Fachwerkhäusern, Rolandsfigur (die lehnt allerdings an einem hässlichen Gebäude: sollte das das Rathaus sein?) und der evangelischen St. Georgskirche (innen fallen v.a. der Taufengel, die Empore und das holzverkleidete Tonnengewölbe auf) sehenswert.

Etwas außerhalb von Neustadt befindet sich eine sehr sehenswerte Burgruine: man kann die steilen, engen Waldwege bis zum Burgtor hochfahren (dort rückwärts in den Grasweg fahren zum parken) oder auf der Kreuzung mit den Bäumen in der Mitte 100m vorm Tor parken.  Die Burg ist sehr verschachtelt, Palasgebäude, Wehrmauern, Turmstumpf mit Aussichtsplattform und quadratischer Bergfried sind noch ganz gut erhalten. Die landschaftliche Lage im Südharz ist natürlich besonders schön.

Wenn man in dem Gewirr von Waldwegen und Pfaden den breitesten folgt, die aber auch meist nicht einmal geschottert oder gar asphaltiert sind und schon aufgrund der Höhenunterschiede und weichen Bodenzustände nur mit Allrad gefahren werden sollten (die Wege sind nicht gesperrt!) gelangt man nach 6km an eine Spitzkehre nach rechts, wo man noch 200m bis zur Burg Ebersburg hat. Die Ruine ist recht verfallen und es werden Ausgrabungs- und Sicherungsarbeiten getätigt. Das Torhaus und der Bergfried sind aber auch schon vom benachbarten Dorf Hermannsacker weithin sichtbar.

Wir fuhren noch nach Stolberg, wo man trotz Tourismus (Stolberg/ Harz ist wohl das schönste Dorf Deutschlands - von Stadt will ich bei der Größe nicht sprechen) noch sehr preisgünstig Essen oder ins Cafe gehen kann.

Freitag, 20. Juli 2012

Freitagsausflug quer durch den Burgenlandkreis und angrenzende Gebiete des Saalekreises

Bilder von den Gutshöfen, Schlössern, Kirchen und Landschaften gibt es unter http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157627357005706/detail/?page=12 (und folgende Seiten 13, 14)

Fotos von ein paar inoffiziellen oder aufgegebenen Fußballplätzen: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157626556092565/detail/?page=5 (und folgende Seite 6)

Die Route (nicht alle Dörfer genannt, Stationen mit Besichtigung hervorgehoben): Merseburg - Weißenfels - Gröbitz - Pauscha - Löbitz - Beuditz - Meyhen - Neidschütz - Janisroda - Flemmingen - Roßbach bei Naumburg - Möllern - Klosterhäseler - Schimmel - Saubach - Bucha - Wohlmirstedt - Allerstedt - wegen Straßensperrung Memleben über Bad Bibra nach Nebra - Wangen - Vitzenburg - Weißenschirmbach - Spielberg - Mücheln - Merseburg.

IMG_3400
IMG_3527

Mittwoch, 5. Januar 2011

W232I: Besichtigung von Schloss Konopiště, Tábor und Bechyně

IMG_2948
Photos and English version:
Konopiště Palace & Bechyně Castle and Bridge
Tábor Old City (+ Klokoty Monastery & Kozí Castle)

Nach dem hervorragenden Frühstück in der Pension „Body Sun“ in Niesky, fuhren wir über Görlitz ein paar Kilometer durch Polen und dann bis Liberec die Landstraße. Ab Liberec gibt es dann bis hinter Prag eine Autobahn, danach ist sie immer mal unterbrochen, aber führt als Schnellstraße auch kaum langsamer durch die Landschaft. In Benešov, einige Kilometer südlich von Prag, legten wir einen Stopp ein, da am westlichen Ortsrand das Schloss Konopiště im Wald steht. Das ist perfekt erhalten aber im Winter geschlossen, sodass wir nur durch den verschneiten Park liefen und die Anlage mit den massiven Türmen aber vielen Details auf uns wirken ließen.
IMG_3078
Weiter ging es nach Tábor, wo es eine schöne Altstadt, die nicht überall saniert, aber weitestgehend in einem guten Zustand ist, gibt. Der Wehrturm neben der Burg und der Hauptplatz mit Rathaus und Kirche sind besonders sehenswert. Ebenso sollte man auf die reich verzierten Renaissancefassaden auf dem Weg zum Marktplatz achten. In Tábor wurden wir das erste Mal seit langem wieder von jemandem in Tschechien angebettelt – nicht mal ein Roma, sondern ein Tscheche – aber das ist auch in Tábor ein Einzelfall.
Nicht so sehenswert wie die Altstadt Tábors ist die am Rande der Stadt gelegene Burgruine Kozí hradek. Die Ziegenburg, die man über verschlungene Wege Richtung Sezimovo Usti erreicht, ist zwar schön in einem bergigen Waldstück gelegen, aber nur in höheren Grundmauern erhalten und hat z.B. keine Türme – und eine Burg die nicht wenigstens einen erhaltenen Turm hat, kann bei mir kaum auch nur 5,0/10 Punkte in der Wertungsliste erhalten.
Weitaus besuchenswerter hingegen ist das Kloster am westlichen Ortsrand, also das Kloster Klokoty, dass mit seinen vielen Kupfer gedeckten Kuppeln sowie den Fresken und Nischen mit Heiligenfiguren und hohen Decken im Arkadengang aufwarten kann.
IMG_2977
Sehr schön ist auch die Kleinstadt Bechyně, 20km südwestlich von Tábor. Die Einfahrt in den Ort ist von Tabor aus besonders spektakulär: man fährt über ein Viadukt das sich Auto- und Schienenverkehr teilen müssen und extrem hoch über den tief eingeschnittenen, felsigen Flusstal liegt – am linken Ende des Flusstals liegt auf den Felsen und dem tieferen Teil des Ufers der Ort mit seiner enormen Schlossanlage, dem Kloster und der Kirche. Leider ist im Winter alles nur sehr eingeschränkt zu besichtigen und der massive Schlosskomplex nur von außen zu begutachten: selbst für den Innenhof (für die Museumsräume so wie so) muss man hohes Eintrittsgeld zahlen, das man auch nur zwischen Anfang März und Mitte Dezember oder so loswerden kann. Aber diese Stadt ist wirklich einen Besuch wert! Und mit dem Hotel Panská, das man als „Hotel Bechyne“ bei HRS vorbuchen kann, hat man direkt am Markt eine gute Übernachtungsmöglichkeit für 37€ DZ + Frühstück (frisch sanierte, recht kleine aber gut ausgestattete Zimmer - nur muckt auch mal die Heizung). Man kann auch in der dem hervorragenden Restaurant u Pichlů (Hauptgerichte für 5-10€: jetzt haben wir auch endlich mal wieder richtig warm gegessen in Tschechien!) angeschlossenen Pension für 30€ übernachten, aber ob da Frühstück dabei ist, weiß ich nicht, sodass man bei beiden Übernachtungsmöglichkeiten vom gleichen Preisniveau (niedrig, aber nicht sehr niedrig) sprechen kann.
IMG_3061
Statistik:
Tageskilometer: 360 (Auto)
Saisonkilometer: 16.660 (11.360 Auto/ 2.290 Bahn, Bus, Tram/ 2.110 Fahrrad/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)

Montag, 18. Oktober 2010

W220I: Mal wieder zum Eishockey in Litvínov - Überraschender Sieg über den Tabellenführer

HC „Benzina” Litvínov 3:1 HC „Mountfield“ České Budĕjovice
Datum: Freitag 15. Oktober 2010 – Anbully 17.30
Übersetzung: HC „Benzina“ Oberleutensdorf gegen HC Böhmisch Budweis
Liga: „Tipsport“ Extraliga (1. tschechische Profieishockeyliga)
Ergebnis: 3:1 nach 60 Min. – Drittel: 0:0, 2:1, 1:0
Tore: 1:0 27:05 Jaroslav Kracík, 2:0 30:54 Petr Jánský, 2:1 37:35 Jan Snopek (Powerplay, +1), 3:1 41:52 Vojtĕch Kubinčák
Zeitstrafen Litvínov: Petr Jánský (4 min), Karel Kubát (2 min), Radim Skurovec (2 min), Viktor Hübl (2 min), Juraj Majdan (2 min)
Zeitstrafen České Budĕjovice: Jan Snopek (4 min), Jakub Šulc (4 min), Rostislav Martynek (2 min), Stanislav Dietz (2 min), Roman Pšurný (2 min), Tomáš Mertl (2 min), Milan Gulaš (2 min)
Halle: Zimní Stadion Ivana Hlinky/ Eisstadion Ivan Hlinka (Kap. 7.000 davon 2.000 Sitzplätze)
Zuschauer: 4.128 (davon ca. 50 Gästefans)
Unterhaltungswert: 6,5/10 (Ziemlich gutes Niveau, aber kein Knallerspiel: am wichtigsten war der Sieg von Litvínov)
Sightseeing: 7,0/10 (Drei landschaftlich sehr schön gelegene Burgen)
IMG_8020
Photos and English version:
Castles and Churches in Bohemia’s Beautiful Landscape:
Kostomlaty, Milesov, Dekovka
Ice Hockey Match:
Benzina Litvínov Defeats HC České Budĕjovice!

Als Geburtstagsgeschenk für meinen Vater ging es für ein Wochenende in die Tschechische Republik. Da das Semester gerade erst begonnen hatte, war auch genug Zeit. Zudem habe ich dieses Semester das, was der Freitag mit seinem Namen so fälschlich zu versprechen scheint: frei. So fuhren wir auch schon kurz vor 10 Uhr, nachdem der Mietwagen freigegeben war, los.

Unser erster Punkt war ein Dorf namens Kostomlaty pod Milešovkou, das östlich von Litvínov zwischen Teplice und Litomĕřice liegt. Aus Richtung Teplice in den Ort fahrend, nahmen wir hinter der mit Leitplanken flankierten Engstelle links die extrem schmale Sukovka-Straße, die den Berg hoch führend, flankiert mit der üblichen Bebauung in böhmischen Dörfern – einfache Steinbauten, bröcklig getüncht, darauf Blechdächer – auf einer Koppel endet. Dann folgten wir dem grünen Wanderweg, der steil und von Bäumen geschützt zur Burgruine Kostomlaty (Hrad Kostomlaty oder Sukoslav) führt. Diese ist derzeit eine einzige Baustelle und die gotischen Mauern mit dem großen Portal und den zwei Bergfrieden sind auch nur eingeschränkt zugänglich. Die Sicht auf den Ort ist trotzdem schön, wobei der Ort selbst dann nur noch einen ganz interessanten Bereich zu bieten hat: die Schule in einem Kloster- oder Schlossbau, daneben die Kirche, deren deutschsprachige Steinplatte mit der Kreuzigungsszene ebenso wie die Turmhaube mit Uhr auffällt.

Weiter nach Milešov, wo oberhalb des Löschteiches mit dem seltsamen Steinhaus ein ganz ansehnliches Barockschloss thront. Der Garten ist etwas verwildert und der dazugehörige Pavillon ist verfallen, doch der Kernbereich ist in einem ziemlich guten Zustand. Dort ist ein Altenheim untergebracht. Am Ortsrand findet sich noch eine ganz interessante Kirche.

Über immer enger werdende Nebenstraße fuhren wir dann noch nach Dĕkovka, wo sich eine auf einem Felsbrocken thronende, aber sehr kleine gotische Burgruine namens Hrádek oder Oltářík befindet, die gerade jetzt im Herbst einen herrlichen Blick auf die bunten Wälder und die Vulkankegel dieser Region Böhmens – die längst erloschen sind freilich – freigibt, ehe wir nach Litvínov weiterfuhren.
IMG_7966
Der Besuch in der nach Ivan Hlinka benannten Eishalle war wie immer lohnend, wobei uns diesmal die gestiegene Anzahl der Imbissstände auffiel. Dort kann man gut essen zu ganz günstigen Preisen. Mittlerweile erhält man dort die Spielprogramme auch gratis; in denen stehen schon mal sehr kuriose Ergebnisse, wie das des einen Amateurspiels, dass Litvínovs III. Mannschaft mit 11:23 gewann. Andere Preise sind eher gestiegen: mittlerweile kostet sogar Benzin fast so viel wie in Deutschland und Diesel war ohnehin schon länger nicht mehr billiger. Die Eintrittskartenpreise in Litvínov sind ebenso gestiegen (aber 80 Kronen sind immer noch nur 3,50€ – und vorher waren es halt 70 Kronen) wie die Hotelpreise. Das Hotel in der Eissporthalle kann ich aber trotzdem sehr empfehlen, da die ausreichend großen Zimmer im dritten Stock der Eissporthalle – manche wohl auch mit Blick in selbige; wir hatten die mit Balkon – sehr ordentlich sind und nur 600 Kr. (25€) kosten.

HC Benzina Litvínov, vor dem Spiel auf einem Play-out Platz (12. von 14) liegend, traf heute auf Čéské Budĕjovice, seines Zeichens Tabellenführer. Vom Spitzenreiter war aber gar nicht so viel zu sehen, denn Litvínov hielt in der Abwehr den Angriffen der Gäste souverän stand und attackierte seinerseits das Tor in regelmäßigen Abständen. Allerdings dauerte es bis ins zweite Drittel hinein, ehe mal ein Tor fiel. Kracík und Jánský erzielten dann aber auch innerhalb von drei Minuten die beiden ersten Treffer für den Gastgeber. In einem wirklich sauberen und disziplinierten Spiel hatten die Schiedsrichter überraschenderweise einige Schwierigkeiten mit der Regelauslegung. So führte auch eine sinnlose und unberechtigte Herausstellung gegen Litvínov zum einzigen Tor der Gäste. Die 50 Gästefans feierten trotzdem tapfer, selbst als Litvínov mit dem 3:1 im Schussdrittel die Entscheidung gelang. Die beiden Fangruppen schienen sich ohnehin gut zu verstehen, da sich gegenseitig und auch beiden Mannschaften Applaus gespendet wurde, nachdem sie nach Abpfiff des guten Spiels durch die Halle fuhren.

Wir brauchten dann nur die Treppe in der Eishalle, die übrigens die schönste Eishalle ist, die ich kenne, hoch zu gehen: so nah hatten wir es nach einem Spiel noch nie zum Übernachtungsort. Wie gesagt kann ich dieses Hotel in der Eishalle generell empfehlen – auch wenn kein Spiel ist und man nur eine günstige Übernachtung in der Gegend braucht. Einzig störend kann die Hellhörigkeit sein: da braucht man nur mal am einen Ende des Ganges (Zimmer 1) zu rülpsen und auch der letzte in Zimmer 23 hört das – oder man muss sich mal über das Nachbarzimmer ärgern, wenn so ein Spacken wie der in Zimmer 3 (wir waren in der 1) schnarcht, hört man das definitiv durch die hauchdünne Wand. Aber dafür sind die Einrichtung, das Bad und die Lage in Verbindung mit dem Preis richtig gut.
IMG_8026
Statistik:
Ground Nr. 481 (kein neuer Ground; diese Saison: 31 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.155 (diese Saison: 43)
Tageskilometer: 310 (Auto)
Saisonkilometer: 10.570 (7.480 Auto/ 1.440 Fahrrad/ 850 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 69
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 222

Sonntag, 15. August 2010

W211II: Außenseitersieg in Wettin (Kreispokal Saalekreis)

Wettiner SV 1920 2:1 Sportring Mücheln
Samstag, 14. August 2010 – Anstoß 15.00
1. Hauptrunde Kreispokal Saalekreis (Kreisliga Saalekreis, Staffel 2 = 10. Liga, 5. Amateurliga gegen Kreisoberliga Saalekreis = 9. Liga, 4. Amateurliga)
Ergebnis: 2:1 nach 96 Min. (48/48) – Halbzeit 0:1
Tore: 0:1 (21.), 1:1 (61.), 2:1 (85.)
Verwarnungen: 4x Gelb WSV
Platzverweise: keine
Spielort: Sportzentrum Wettin (Kap. 600, davon 80 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 50 (davon 1 Gästefan)
Unterhaltungswert: 7,5/10 (Spannend, unterhaltsam und mit Elan geführt)
IMG_2599
Photos and English version:
Regional Cup: Wettiner SV vs. Sportring Mücheln
Wettin: Castle and Churches in a beautiful small town

Heute standen die meisten Spiele der ersten Kreispokalrunde an. Wir suchten uns ein Spiel in Wettin, einer nordwestlich von Halle, direkt oberhalb der Saale gelegenen Landstadt, aus. Diese kaum zweieinhalbtausend Einwohner zählende Stadt war Stammsitz des Wettiner Adelsgeschlechts, welches die markante Burg erbaute. Wenn man die Fähre von Wettin-Zaschwitz, wo es eine Kirchenruine direkt an der Straße zu sehen gibt, kommend nutzt, dann sieht man die Burg hoch über den Saaleufer auf einem Felsen thronen. Die Anlage ist sehr weitläufig und größtenteils von DDR-Bebauung wie LPG-Ställen zugebaut. Außer dem hinteren Teil neben dem Rathaus und dem Teil, wo das Gymnasium untergebracht ist, ist nichts mehr als Burgbau erkennbar und zumeist in einem schlechten Zustand. Der Blick von der Terrasse ist auch nicht sonderlich beeindruckend.

Wenn man vom Fähranleger anderthalb Kilometer nach rechts fährt, findet man – an den bizarren Resten eines Bolzplatzes vorbeifahrend – eine hervorragend sanierte Kapelle des Templerordens. Die enorm langen und schmalen Rundbogenfenster sind ebenso interessant, wie die Schlusssteine des Deckengewölbes und der enge Dachbodenaufgang. Einen Turm hat der Kirchenbau nicht und leider ist der Blick vom Dachboden sehr schlecht, da die Fenster wegen der Tauben mit Holzbrettern verkleidet sind. Ansonsten aber ein hervorragendes Beispiel für die Sakralbaukunst vor fast 1000 Jahren.

Wieder im Ort zurück, fallen nicht nur die schlechten Straßen, sondern vor allem die eng bebauten Gassen, die größere Kirche – innen etwas kahl, aber außen sehr ansehnlich – die Fachwerkhäuser, das Rathaus mit dem hohen Turm und auch die ansehnlichen, oft ziemlich verschachtelten Privathäuser auf. Wer kein so schön saniertes Haus besitzt, hat trotzdem etwas draus gemacht, in dem er Pflanzenschmuck angebracht hat oder Farbakzente setzt. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist der Bismarckturm oberhalb des Ortes im Wald. Der war leider schon geschlossen, als wir oben ankamen. Dem Groundhopper sei gesagt, dass man von dort oben das Sportzentrum Wettin gut fotografieren können müssen. Auf dem Bismarckturm steht gut lesbar eingemeißelt: „Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts in der Welt“ – wie sich die Zeiten doch ändern: gerade in der Gegend um Wettin herum fürchtet heute fast kein Deutscher mehr Gott...
IMG_2678
Alles in Allem kann ich Wettin nur positiv hervorheben: das ein oder anderes Haus mag leer stehen und unsaniert sein und die Bausünden der DDR kriegt man in der Burg nie wieder in Ordnung gebracht – aber Wettin ist eine der schönsten Klein- und Landstädte, die ich je gesehen habe; von der Lage her, wie auch von der Bebauung. Der etwas außerhalb liegende Fußballplatz ist auch sehr schön: Der Eingangsbereich wurde wohl gleich mit der neuen Sporthalle mit saniert, zur linken hat man dann einen drei Meter hohen Graswall, der ab der Mittellinie nur noch halb so hoch und ausbautenlos ist – auf der höheren Seite stehen ein paar Holzbänke im Schatten von Bäumen – und zur rechten Seite hin hat man dann einen kleinen Graswall, baumbeschattet, mit ein paar Bänken – teilweise sind die aber durch die Brombeerhecke unbenutzbar geworden – darauf. Der Bismarckturm thront gut sichtbar auf dem bewaldeten Hügel hinter dem einen Tor – hinter dem anderen Tor geht’s abwärts, den dicht bewachsenen Saalefelsen hinunter, wobei man nicht den Fluss, sondern nur Zaschwitz, Johannishall und hügelige Felder sieht. Das mit einer Aschenbahn umgebene Spielfeld hat eine angemessene Größe.

Auf dem Platz standen sich heute vor 50 Zuschauern der Kreisligist Wettin (die haben zu meinen D-Jugendzeiten noch Landesklasse gegen den TSV Leuna gespielt!) und der Kreisoberligist Sportring Mücheln (wer sich nicht im Saalekreis auskennt: das Mücheln bei Wettin ist ein ganz kleines Dorf, das Mücheln im Geiseltal, wo Sportring herkommt, ist eine etwas größere Landstadt, die näher an Merseburg, als an Wettin liegt!) gegenüber. Der Gast wird zumindest von Einigen als Aufstiegsfavorit gehandelt und legte gleich mit ein paar Angriffen aufs WSV-Tor los. Schnell fand Wettin ins Spiel und setzte den Favoriten unter Druck. Sportring war jedoch geschickter und ging mit einem Schuss aus Nahdistanz aufs kurze Eck in Führung. Bis zur Pause vergab Wettin erschreckend viele gute Chancen. Mindestens drei hätten davon drin sein müssen.

Nach der Pause wurde es richtig spannend, mittlerweile brauchte man sich auch nicht mehr über den Schiedsrichter ärgern – in der ersten Halbzeit gab es mehrere Fehlentscheidungen gegen Wettin – und Wettin wackelte an der Führung des Favoriten. Nach einer Stunde war es endlich so weit und der Gastgeber glich hoch verdient zum 1:1 aus. Das Spiel wurde nun immer besser und Wettin gelang in der 85. Minute sogar ein zweites Tor: weniger Meter vorm Kasten, Sprungtritt gegen die Latte, der Ball springt hinter der Linie auf und aus dem Tor heraus. Der Treffer zählt richtigerweise: 2-1.
IMG_2654
Danach wurde es sogar etwas hitzig und der Schiedsrichter übersah wieder mehrere – teils aber auch sehr gut versteckte – Fouls der Müchelner. Nach einem Foul blieb ein Wettiner liegen, die Müchelner spielten weiter, begannen zu zögern – ausschießen oder das Tor angreifen? – und der Trainer brüllte von außen mehrmals rein „Weiter spielen!“. Ein Wettiner machte das in so einer Situation Richtigste: dem Gegner die Beine weg semmeln. Der Freistoß für Mücheln war schwach ausgeführt, weitere Chancen der Wettiner, die dem 3:1 näher waren, als Mücheln der Verlängerung, blieben ebenfalls erfolglos. Das 2:1 reichte aber auch völlig fürs völlig verdiente Weiterkommen. Da kann man nur Glückwunsch sagen nach Wettin und viel Erfolg in der nächsten Runde!
IMG_2600
Statistik:
Ground Nr. 457 (ein neuer Ground; diese Saison: 7 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.047 (diese Saison: 9)
Tageskilometer: 90 (90 Fahrrad, weniger als 10 Fähre)
Saisonkilometer: 2.830 (2.150 Auto/ 420 Fahrrad/ 260 Bahn, Bus, Tram/ weniger als 10 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 38
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 211

Montag, 2. August 2010

W209IV: Tour durch die wohl schönste Region Polens, den Krakau-Tschenstochauer-Jura

IMG_1268

Photos and English version: CRACOW JURA!

Zwischen Krakau und Tschenstochau (Częstochowa) erstreckt sich die herrliche Landschaft des polnischen Jura, eine grüne, gebirgige Gegend, in der eine große Menge von Kreidefelsformationen und mittelalterlichen bis barocken Festungsgebäuden steht. Nachdem wir uns unser Frühstück und Proviant in einem Supermarkt geholt haben, der so modern, riesig und gut sortiert ist, dass seine Bezeichnung – auch nicht zu unrecht – von „super“ ausgehend noch verstärkt wird als „Hipermarket“, brachen wir gen Norden auf.

Wir hatten nur die bedeutenderen und gut erhaltenen Burgen auf dem Programm und als erstes stand da Pieskowa Skała an. Der Parkplatz ist mit einem Festpreis von 6,50Zł (1,65€) belegt und der Eintritt in die beeindruckend auf einem von einem tief eingeschnittenen Tal umgebenen Felsen gelegene Festung kostet 10 (ermäßigt 7, also 2,50€ bzw. 1,80€). Wir aßen aber nur unsere Bemmen im Schutz des Autos – es sollte an diesem Tag leider nur kurze Regenpausen geben, aber von schlechtem Wetter lässt sich kein Burgenfreund und kein Groundhopper von seiner Planung abbringen – und gingen dann den kurzen Wanderweg um die Anlage herum. An dem einen Ende steht die Herkulessäule – oder Herkuleskeule – die ein besonders hoher, freistehender, weißer Kalksteinfelsen ist. Von dort aus hat man auch den besten Blick auf den Turm mit der Sonnenuhr und dem Schmuckmauerwerk des stark befestigten Schlosses.

Weiter ging es über ein Dorf namens Strzegowa – dort gibt es eine besonders schöne Dorfkirche mit freistehendem Glockenstuhl – nach Smoleń, einem noch kleineren Kaff. Smoleń war der zweite Ort auf der Fahrt, wo ich mich fragte, ob Polens Orientierung westwärts wirklich so gut ist. Als ich die beiden Stadionneubauten in Krakau sah, kam mir schon die Galle hoch: da wird Geld für ein Kommerzevent wie die EM 2012 verpulvert – dabei ist auch nur eines der beiden Stadien ein Austragungsort – und 0815-„Arena“-Bauten hingestellt. In Smoleń war dann die Burg wegen Baumfällarbeiten gesperrt, was vor fünf Jahren noch kein Grund für ein Warnschild gewesen wäre. Aber polnische Warnschilder muss man als Deutscher ja nicht verstehen, als sind wir natürlich hoch zur mittelalterlichen Anlage, deren Bergfried man schon aus wenigen Kilometern Entfernung über die Baumwipfel ragen sieht. Man konnte sich auch trotz der gefällten Bäume, die da jetzt Monate lang herumliegen werden, normal in der Burg bewegen, die noch erhebliche Mauern aufzuweisen hat – und natürlich eben diesen Bergfried, der auf dem Felsen, um den etwas unterhalb die restlichen Burgmauern herumgebaut sind, unzugänglich thront.
IMG_1183
Der burgenmäßige Höhepunkt kam dann danach mit der Burg Ogrodzieniec im Dorf Podzamcze. Ein herrlicher gotischer Bau mit sehr geräumigem Vorhof, in dem schon alles für Ritterspiele am kommenden Samstag vorbereitet wurde, und gut erhaltener, sehr kompakter und über etliche Etagen verwinkelter Kernburg. Im Hof bauen sich am Rande der Außenmauern mehrere, teils wie Gesichter wirkende Felsen auf, von der Kernburg hat man einige schöne Ausblicke in die Landschaft. Diese Anlage ist übrigens die größte im Jura-Gebirge.
Der Parkplatz schlägt bei 2 Stunden mit 5Zł (1,25€) zu Buche und der Eintritt liegt bei wirklich günstigen 5,50Zł (ermäßigt 4,50Zł = 1,40€/ 1,15€). Die Folterkammer und das Burgmuseum – beides sparten wir uns – kosten zwar 1,50Zł bzw. 2Zł extra, aber wenn man bedenkt, wie teuer Sportveranstaltungen oder gar Konzerte (ein nur einstündiges Klassikkonzert in Krakau hätte uns am Vorabend 50Zł, ermäßigt 30Zł (12,80€/ 7,70€) gekostet, was noch maßloser ist, als die Preise für Fußball, Basketball usw.), dann ist das wirklich ein Schnäppchen.

Da die Zeit doch reichlich bemessen war, fuhren wir zur Burg Mirów, die ebenfalls – warum auch immer – wie die Burg Smoleń gesperrt war. Bei dieser Anlage reicht aber eigentlich schon das drum herum gehen, denn die hoch gebaute gotische Burganlage lebt vor allem von der herrlichen Einpassung in die bizarre, von Wiesen durchsetzte Kreidefelslandschaft. Am verrammelten Haupttor sieht man aber gut, was viele Polen von Verbotsschildern halten: nämlich nichts. Da wurden glatt ein paar Holzlatten rausgebrochen und große Steine direkt vor die beschädigte Stelle getragen, damit man einfach einsteigen kann. Wir ließen das allerdings bleiben und fuhren über einen völlig zerfahrenen Asphaltweg, der mehr Schlaglöcher als Straßenbelag hatte, ins benachbarte Bobolice. Dort steht eine Burg, die vor wenigen Jahren so aussah, wie jene Burg Mirów, doch Irgendwer meinte, man müsse die Ruine rekonstruieren, so dass sie wie zu der Zeit ihrer Errichtung (14. Jhdt.) aussieht. Die Rekonstruktion ist zwar kompetent erfolgt – man kann nicht behaupten, dass die Burg kitschig wieder aufgebaut oder das Aussehen daherphantasiert wurde: vor 700 Jahren hat die Anlage mit 99,9%iger Sicherheit so ausgesehen – aber es hätte auch völlig ausgereicht, wenn man die Ruine gesichert hätte. Das fördert nämlich die Vorstellungskraft der Besucher. Aber solange man Mirów als Gegenbeispiel so lässt, ist das schon O.K.
IMG_1296
Wir dachten ja schon, dass die Straße zwischen Mirów und Bobolice schlecht sei, aber was dann noch auf uns zu kam, hatten wir selbst in Syrien nicht ganz so schlimm erlebt: dadurch, dass ein einziger Wegweiser fehlte, bogen wir einmal falsch ab und landeten prompt zuerst auf einer Schlaglochpiste und dann auf einem unbefestigten Weg. Fast 10km führte der kreuz und quer durch Felder und Nadelwälder, die auf dem sandigen Boden gut gedeihen. Da es seit 15 Stunden dauernd regnete, war selbst der Sandboden an seine Grenzen gelangt und nahm kaum Wasser auf, was tiefe Pfützen hinterließ. Also viel Manövriererei und Luftanhalten, ob man durch die schlammige Piste mit dem Ford Kombi auch durchkommt. Auf der Asphaltstraße angelangt, mussten wir erst einmal eine Baustelle passieren, die in Polen genauso wie in arabischen Ländern einfach durchfahren wird – keine Umleitung, keine Baustellenampel: alles viel einfacher, da mitten durch die Baustelle durch – und dann zwei Züge von dutzenden von Pilgern, die auf der kleinen Nebenstraße gen Częstochowa wanderten, überholen.

Endlich im Dorf Olsztyn bei Częstochowa angelangt, war dort die Burg am Schließen, doch wenn man zum Spielplatz neben dem Burggelände läuft, kann man noch ein paar Fotos von der Burg machen. Die Anlage liegt auf einem Felskamm und besteht aus zwei Hälften, die über den Felsgrat miteinander verbunden sind. Die vordere Hälfte hat einen hohen Bergfried zu bieten und die hintere einen kompakten aber kleinen Wehrturm.
IMG_1313
In Częstochowa buchten wir uns erstmal für eine Nacht im ETAP, was mit Niedrigstpreisen von 25€ (Wochenenden) oder 33€ (Montag-Donnerstag) pro Zimmer aufwarten kann, ein. Frühstück kostet unverhältnismäßig hohe 4,50€, sodass man lieber am Morgen Baguettes aus einer der nahegelegenen Tankstellen holt oder im Tesco einkauft. Wer sich nicht für Religion – oder Drittliga-Fußball bzw. Erstliga-Speedway – interessiert, sollte sich bloß von Częstochowa fern halten. Es gibt nur eine Sehenswürdigkeit, nämlich Polens wichtigste Wallfahrtskirche auf dem Wehrklosterkomplex Jasna Góra (übersetzt: „Heller Berg“), der, folgt man der Fußgängerzone, hoch über der Innenstadt thront. Dort wird die Ikone der Schwarzen Madonna verehrt. Als Nicht-Katholik bestaunt man dann halt einfach den enorm hohen Turm (107 Meter oder so) der Kirche, die starken Mauern, die drei aufeinanderfolgenden Eingangstore mit den herrlichen Kapitellen die verschiedene Heilige zeigen und den Innenraum der Kathedrale, über dessen Altar sich die berühmte Ikone befindet. Vor der knien dann meist so viele Gläubige, dass man die Ikone nur aus gebührender Entfernung sehen oder fotografieren kann. Man beachte außerdem die Wände rechts, an denen Krücken, Ketten und andere Gegenstände von Kranken, die nach den Gebeten vor der Ikone Heilung erhielten, hängen, und die Frömmigkeit der Menschen, die minutenlang in sich gekehrt auf dem kalten, harten Fliesenboden hocken – ob nun ein Jugendlicher in Jeans und T-Shirt, eine junge Frau mit Bluse und langen Hosen, eine Oma mit Kleid und Kopftuch oder ein älterer Prolet mit Mediamarkttüte, die die tolle Aufschrift „Mediamarkt – nie dla idiotów [= Nicht für Idioten, statt dem in Deutschland üblichen „Ich bin doch nicht blöd“]“ trägt.

Ansonsten ist diese Stadt einfach ein Dreckloch, wie man es in Schlesien erwarten muss. Wir mussten eine Weile suchen, bis wir endlich ein Restaurant, in dem es mehr als nur Bier und Chips gibt, fanden. Das war ein libanesischer Schnellimbiss, in dem man die libanesische Variante des Döners für nur 2€ serviert bekam. Zu den Banken will ich mal nichts sagen: bei einer funktionierte der Geldautomat nicht, die andere war zu, die nächste auch, aber Western Union – die haben ohnehin viele Filialen in Entwicklungsländern und was Schlesien bei aller Industrie anderes sein soll, als ein niedrig entwickeltes Gebiet in geographischer aber nicht kultureller Nähe zu West- und Mitteleuropa, würde ich ja gerne mal wissen – konnte per Automat mit Złoty dienen.

Also halten wir mal fest: Częstochowa ist ein Ort, wie man sich Polen klischeehaft vorstellt. Nur dürfte die Gefahr, dass das Auto geklaut wird, nach wie vor nicht viel höher sein, als in Deutschland. Ansonsten halt die „typische“ Mischung aus Plattenbauproleten, abgewrackten Bürgerhäusern und hoher Religiosität mit entsprechend beeindruckenden Sakralbauten. Wer in den Jura – sehr empfehlenswert! – oder nach Kielce oder so fahren will, dem empfehle ich aber, in Częstochowa im ETAP zu übernachten, da dieser Ort für Tagesausflüge oder Stopp-over sehr günstig ist. Oder wo kann man sonst noch zu dritt für 25€ übernachten?
IMG_1358
Statistik:
Unterhaltungswert: 9,0/10 (Viele schöne Burgen in toller Landschaft und ein eindrucksvoller Wallfahrtsort)
Tageskilometer: 200 (Auto)
Saisonkilometer: 1.180 (1.110 Auto/ 70 Fahrrad/ 0 Flugzeug/ 0 Bus, Bahn
, Tram/ 0 Schiff)

W209III: Von Merseburg nach Krakau

IMG_0969

Photos and English version:
BEDZIN CASTLE +++ CRACOW & RABSZTYN CASTLE

Mit Anja und dem alten Groundhopper ging es schon um kurz nach halb sieben gen Osten. Bis Görlitz kamen wir schnell und ohne längeren Halt, erst an dieser scheiß Tankstelle und der dort angeschlossenen und noch beschisseneren Wechselstube standen wir dann über eine halbe Stunde an. Trotzdem kamen wir über eine Stunde eher als kalkuliert – mittlerweile um einen Sprung in der Schüss... äh, Scheibe, reicher: so ein verdreckter Asi-LKW hat da glatt ne Schraube oder einen Stein von der staubigen Ladung verloren, was uns wieder einen zwei- bis dreistelligen Eurobetrag beim Vermieter kosten wird – am nordöstlichen Randes des schlesischen Kohlepotts an. Dort sieht es aus wie im Ruhrgebiet vor 40 Jahren, doch eine solche Burg wie Zamek Będzin sucht man im ganzen Ruhrgebiet vergebens.

Ein spätgotischer, hervorragend sanierter Festungsbau mit komplett geschlossenem Baukörper. Hohe, trutzige Bruchsteinmauern und zwei alles überragende Türme, wobei man vom zweiten noch deutlich besser sieht. Das Panorama sind natürlich breite Straßen, große Plattenbauten, eine Tennisanlage und mehrere Kraftwerke und Fabriken. Der Eintritt – an der Kasse wird nur Polnisch gesprochen, wobei auch jegliche Beschilderung ausschließlich in Polnisch ist – ist mit 6 Złoty (1.50€, Studenten ua. zahlen bei Ausweisvorlage nur die Hälfte) O.K. doch es kommen noch eine Zusatzgebühr für den Turm (baszta: 2Zł, 0.50€) und eine enorm hohe Film- und Fotogebühr (10Zł, 2.50€) hinzu. Das lohnt sich aber auf jeden Fall, selbst wenn man kein Freund von Waffen, die die Hauptausstellungsstücke im Museum darstellen, ist. Von der spätmittelalterlichen Ritterrüstung über polnische Säbel und preußische Pistolen bis hin zu Samuraihelmen ist da etliches dabei, was von bewaffneten Museumswärtern geschützt wird.
IMG_0979
Nach einer halben Stunde Landstraße ist man in Rabsztyn bei Olkusz, wo es die gleichnamige Burgruine Zamek Rabsztyn zum Spottpreis von einem Złoty (0,25€) pro Person zu besichtigen gilt. Der mürrische Alte vorm restaurierten Turmgebäude verkauft die Karten. Wenn man durch den Turm gegangen ist, hat man zur linken alte Mauern von beachtlicher Höhe aber angefressenen Fensterhöhlen und Wänden, geradeaus muss man darauf achten, nicht den enormen Burgberg herabzufallen und zu rechten erhebt sich dann im Burggelände ein für diese Region Polens – den Kraukau-Tschenstochauer-Jura – so typischer Kalksteinfelskegel. Auf diesem befinden sich noch ein paar Mauerreste, doch vor allem hat man eine gute Aussicht. Der Aufstieg ist nur nicht ganz ungefährlich, da eine Treppe nicht wirklich erkennbar und so klettern im steilen Fels angesagt ist.

Als letzter Punkt stand Krakau an, wo wir eine Kurzform – zwei von uns kannten die Stadt ja schon – des üblichen Sehenswürdigkeitenprogramms durchzogen: das jüdische Viertel Kazimierz, die herausragende Festung Wawel – alle Museen waren schon geschlossen und der Eintritt in alle (Zeit soll wohl 6 Stunden betragen) kostet für eine Person wahnsinnige 26€ – und der Marktplatz mit der großen Kirche mit der auffälligen Turmhaube, die in lauter kleine spitze Türmchen aufgeteilt ist, und den Tuchmacherhallen.

Wir kamen übrigens im Hotel „Start“ unter, das insofern typisch polnisch ist, als dass es innen saniert ist und deshalb mit 40€ im Einzel bzw. 45€ im Doppel zu Buche schlägt, aber von Außen ein sozialistischer Bau mit heruntergekommener Verkleidung ist. Das „Start“ ist eins der billigsten Hotels der Stadt. In dieser Preislage bewegen sich nur das ETAP und wenige andere Hotels in Plattenbauten, wie das oft ausgebuchte Optima, in dem wir nicht unterkamen.
IMG_1042
Statistik:
Unterhaltungswert: 8,0/10 (Eine hervorragend restaurierte Burg, eine interessante Burgruine und die absolut sehenswerte Krakauer Altstadt waren die viele Fahrerei wirklich wert)
Tageskilometer: 740 (Auto)
Saisonkilometer: 980 (910 Auto/ 70 Fahrrad/ 0 Flugzeug/ 0 Bus, Bahn, Tram/ 0 Schiff)

Montag, 21. Juni 2010

W203I: Ein Samstag in Böhmen – Sportliche Kultur in drei Teilen

Teil I: Zur Eröffnung ein erwarteter Sieg von Arsenal

FK Arsenal Česká Lípa 3:1 SK Motorlet Praha
FC Arsenal Böhmisch Leipa – SC Motorlet Prag
Samstag, 19. Juni 2010 – Anstoß 10.30
Česká fotbalová liga (ČFL, 3. tschechische Fußballliga, 1. Halbprofiliga)
Ergebnis: 3:1 nach 92 Min. (46/46) – Halbzeit 2:0
Tore: 1:0 30. Zeman, 2:0 45. Štálík, 2:1 75. Hoareau, 3:1 89. Breite
Verwarnungen: keine
Platzverweise: keine
Spielort: Mĕstský Stadion u Ploučnice (Städtisches Stadion am [Fluss] Polzen; Kap. 5.000, davon 600 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 300 (davon ca. 10 Gästefans/ offiziell: 230)
Unterhaltungswert: 6,5/10 (In sehr guter erster Halbzeit noch flotter, als in ordentlicher zweiter HZ)
DSC09623
Photos and English Version:
Arsenal Ceska Lipa vs Motorlet Prague

Die in der Größe mit Merseburg vergleichbare nordostböhmische Mittelstadt Česká Lípa erreichten wir drei nach nur drei Stunden Fahrt über mehr oder weniger gute deutsche Autobahnen und gute tschechische Landstraßen, die oft enorm kurvenreich waren. Selbst wenn man die Strecken mit 110 statt 90 fährt, ist es nur eine Frage von wenigen Minuten, bis man einen der eiligen Einheimischen dicht an der Stoßstange hat. Gefährdet war man aber an keiner Stelle und die beste Aktion kam auch von mir: ich halte an, da gerade ein Fahrzeug mit sperrigem Anhänger in ein Grundstück in einem Dorf kurz vor Česká Lípa reinrangiert, und vergesse – nachdem das Manöver beendet ist und ich weiter gewunken werde – dass ich noch im dritten Gang bin. Doch der Ford Kombi fährt tatsächlich – aufheulend und stotternd zwar, aber erfolgreich – im dritten Gang an. Mit der Motortechnik und -flexibilität von vor fünf bis zehn Jahren noch undenkbar.

Die enge Zufahrt zum Stadion endet auf einem kostenlosen Parkplatz, an dem ein freundlicher Mann kassiert, der von uns beiden Männern je 40 Kronen (wirklich niedrige 1,60€) und von Anja mit der Begründung „Frauen nix zahlen“ gar nichts verlangte. Die offizielle Zuschauerzahl wurde schon allein durch den Frauenanteil im Stadion zu niedrig. Uns erwartete nicht gerade ein Spitzenspiel im Stadtstadion, das mit 5.000 Plätzen recht groß für die Spielklasse ist und zum Teil renoviert wurde. Die Haupttribüne hat neue, in frischem blau und gelb gehaltene Metallsitze, unter einem sanierten Holz- und Metalldach. Auch die Stufen sind in hervorragendem Zustand, ebenso die Tartanbahn. Konträr dazu die rissige Gegentribüne mit dem komischen Spielertunnel, über dem sich eine Holzhütte von VIP-Tribüne befindet, und das Gebäude mit der Anzeigetafel und Stadionuhr (eines der raren 45-Minuten-Exemplare). Der Nebenplatz übrigens hat eine 100 Meter lange Wellblechüberdachung, die schlimmer aussieht, als am Busbahnhof.

Česká Lípa, die Arsenal – ob nun in Anlehnung an den Londoner Klub oder nicht, weiß ich nicht – benannten aus dem ehemaligen Böhmisch Leipa (Leipa ist jedoch nur eine verschliffene Form vom tschechischen Wort für Linde: die Linde (lípa) ist der Nationalbaum), belegten einen mäßigen 14. Platz, der immerhin den Klassenerhalt sicherte. Die Chance auf Platz 13 war noch vorhanden. Der Gegner Motorlet – ein Prager Klub, der selbst für tschechische Verhältnisse oft umbenannt wurde: 10x; aber sie sind schon seit 10 Jahren wieder (zuvor schon einmal 40 Jahre lang) nach dem Hersteller von Flugzeugantrieben benannt – war bereits in die Divize (4. Liga, 2. Halbprofiliga) abgestiegen.

Wen jetzt die Bezeichnungen mit den Halbprofiligen wundern, dem sei gesagt, dass zwar bei Wikipedia behauptet wird, alle Ligen ab ČFL seien; deutsche Version: „Amateurligen“ bzw. tschechische Version: „neprofesionální“ (Letzteres schließt ja mein „halbprofessionell“ nicht aus), aber man muss schließlich immer ein Zwischending zwischen dem reinen Profitum (Spieler verdient einzig mit Fußball Geld) und dem Amateursport (maximal Prämienzahlungen, die nicht für Lebensunterhalt ausreichen) ausmachen und während es ab der Krajský přebor nie Lizenzentzüge zu vermelden gab, trat dieses Problem eben bis in die 4. Liga hinunter immer wieder auf, da in der 3. und 4. Liga doch erhebliche Finanzmittel, die z. T. auch als Spielergehälter, die ein guter Zuverdienst, aber eben keine Lebensgrundlage sind, fließen. Außerdem ist auch das Vorhandensein ausländischer Spieler bis in die Divize – aber nicht darunter – ein klares Indiz für den nicht-amateurhaften Charakter dieser Spielklassen.
DSC09655
Wie dem auch sei; ob Profis, Halbprofis oder Amateure: die Spieler beider Mannschaften, insbesondere jedoch der Heimmannschaft, legten gut los und belagerten Strafraum und Tor. Motorlet traf einmal aus Abseitsposition, was zu Recht aberkannt wurde. Manch ein Spieler der Heimmannschaft vergab mehrere sichere Torchancen hintereinander. Die Zweikämpfe waren stets fair und selten mit Fouls garniert. Die Geschwindigkeit war hoch. Es war also ein gutes Spiel, das nach einer halben Stunde auch die wichtigste Zutat liefern konnte: ein Tor. Der darauf folgende Torjubel der Heimmannschaft war natürlich genial: unter einfallsreichen Schlachtgesängen der 20 bis 30 aktiven Heimfans, die aber über weite Phasen des Spiels kaum anfeuerten, nahm der Torschütze den Ball und rollte ihn auf die neun dicht nebeneinander stehenden Mitspieler zu, die nach der Berührung mit dem Ball umfielen. Alle Neune!

Česká Lípa legte vor der Pause noch zum 2:0 nach. In der Pause wurde einiges verlost – unter anderem eine Dauerkarte aber auch Freibier und gratis Würste. Aber wie manche bei einem Vormittagsspiel schon fettige Klobasa futtern, die da für zum Eintritt unverhältnismäßig wirkende 1,60€ angeboten wurden?! Wir aßen da lieber die Baguettes vom Supermarkt... Nach der Pause ließ das Spiel etwas nach, doch schwach war es nie. Motorlet kam durch einen französischen Spieler auch mal endlich zu einem Torerfolg, doch weitere Chancen vergaben sie nur kläglich. In der Schlussphase erzielte Česká Lípa noch einen herrlichen Treffer zum 3:1. Mein Tipp kurz vor Anpfiff zum Spielausgang war mal wieder ein Volltreffer. Das erreichte Ziel Klassenerhalt (13. Platz) wurde von Arsenal-Fans und -Spielern mit Abklatschen und Kollektivjubel gefeiert.

Teil II: Eine der schönsten Burgen Tschechiens
DSC09691
Photos and English Version:
BEZDEZ CASTLE AND HELFENBURK CASTLE

Wir fuhren weiter ins nahe Bezdĕz, wo sich auf dem Grat eines herrlichen Bergkegels, eine fantastische Burganlage breit macht. Der Parkplatz 700m unter der Burg kostete mit 1,60€ genauso viel wie der Burgeintritt für Studenten (sonst regulär 2,20€). Bei touristisch erschlossenen Burgen leider mittlerweile üblich. Der Fußweg (dem Pfeil rechts folgen!) führt spektakulär als Baum bestandener Aufstieg mit ausgewaschenen Steinen bis zum Haupttor. Daneben steht der Wachturm und eine ganz schmale Mauer mit Zinnen führt zur Hauptburg. Die kostet dann Eintritt, wofür man auch die schöne und hervorragend erhaltene Burgkirche, diverse andere Räume und den Hauptturm – in allen Gebäudeteilen findet man enorm gut erhaltene gotische Deckenmuster mit Schlusssteinen und kunstvollen Bögen – zu sehen bekommt. Der Rundblick vom Bergfried ist hervorragend!

Weiter ging es über Úštĕk, wo sich in der Nähe die Helfenburk in einer bewaldeten Schlucht – ja, in der Schlucht; ja, das ist eine komische Lage für eine Burg – befindet. Der Wanderweg ist mindestens 3,5km lang, was einfach zu zeitaufwendig war. Wir verschoben die Besichtigung und begnügten uns mit dem Blick von der einen Schluchtseite auf die Anlage. Im Oktober diesen Jahres sollte das nachgeholt werden.
DSC09760

Teil 3: Erfolgreicher Saisonabschluss für den FK Chmel

TJ Střekov 2:5 FK Chmel Blšany
TV Schreckenstein – FC Hopfen Flöhau
Samstag, 19. Juni 2010 – Anstoß 17.00
Krajský přebor Ústecký kraj (Bezirksliga Aussig, 5. tschechische Fußballliga, 1. Amateurliga)
Ergebnis: 2:5 nach 90 Min. (46/44) – Halbzeit 2:2
Tore: 0:1 8. Brodecký, 1:1 18. Vošahlík, 1:2 23. Brodecký, 2:2 28. Novotný (Elfmeter), 2:3 60. Pavel Červenka, 2:4 76. Josef Nĕmec, 2:5 83. Josef Galbavý
Besondere Vorkommnisse: 80. Minute; Torwart von Střekov hält Foulelfmeter von Josef Nĕmec
Verwarnungen: Nr. 3, Nr. 14, Nr. 2 (TJS), Jan Klíma, Nr. 2, Nr. 4, Josef Galbavý, Nr. 11 (FKCB)
Platzverweise: keine
Spielort: Fotbalové hřiště TJ Střekov (Fußballplatz TV Schreckenstein; Kap. 1.080, davon 80 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 90 (davon 4 Gästefans, offiziell: 100)
Unterhaltungswert: 9,0/10 (Feinster Amateurfußball!)
DSC09808
Photos and English Version:
TJ STREKOV vs FK CHMEL BLSANY

Der Sportplatz in Střekov, einem Stadtteil von Ústí nad Labem, ist eine der schönsten Sportanlagen, die ich je gesehen habe. Auch meiner nicht Groundhopping-erfahrenen Mitfahrerin gefiel der Platz sehr. Architektonisch zwar nicht der Bringer: eine Fernsehtribüne auf dem hohen Graswall der Gegenseite, auf drei Seiten Gärten direkt hinterm Platz und auf der vierten ein kleines Gebäude für Kabinen usw. vor dem sich auch eine zweireihige überdachte Tribüne mit Holzbänken befindet. Doch die landschaftliche Lage ist wunderschön: direkt an der Elbe, doch mehrere Meter höher am Berg gelegen, steile Berge hinter dem Graswall, spektakuläre Felsen, die zur Elbe hin abbrechen in direkter Nähe auf dem gegenüberliegenden Ufer. Alles dicht bewaldet. Und die Burgruine Střekov in Sichtweite. Fantastisch!

Das TJ (auch: Tj) steht für „Tělovýchovná jednota“, was „Turnverein“ bedeutet. Mehr weiß ich leider mangels zugänglicher Informationen nicht über den Klub. Die Hintergründe zu Blšany kann man problemlos in meinem Blog finden. Gespielt wurde eine Partie des Abschlussspieltages der am ehesten mit der Bezirks- oder Landesliga vergleichbaren Krajský přebor, die ich hier als höchste Amateurliga bezeichne (s. Teil I).

Das Hinspiel war das mit Abstand torärmste Spiel von Blšany in dieser Saison: sie gewannen – hoch verdient da klar überlegen – mit 1:0. Der Zufall wollte es, dass wir auch zum Rückspiel zugegen waren, nachdem wir bereits das Hinspiel sahen (Bericht hier!). Da FK Chmel derzeit völlig unberechenbar ist, gab ich zwei Tipps ab: 5-1 und 2-8. Ich erwartete jedenfalls richtigerweise ein überschreiten der ohnehin schon tollen durchschnittlichen Trefferzahl pro Partie, die in Spielen von Blšany bei fünf Toren pro Spiel liegt. Siege von 8:4 und 7:2, Niederlagen von 4:0 und 5:0, erst eine 0:5 Niederlage, dann nächste Woche ein 10:0 Sieg gegen eine Mannschaft, gegen die man im Hinspiel noch 2:1 verlor und andere unberechenbare Resultate ließen die Tabellensituation Střekov = 11. von 16 und Blšany = 3. alles andere als spielverlaufsrelevant aussehen. Der Staffelsieger SK Roudnice nad Labem (es steigt nur einer auf) ist längst enteilt, sodass Blšany höchsten einen starken zweiten Platz einholen kann.
DSC09861
Das Spiel war von der ersten Minute an feinster Amateurfußball mit engagierten Zweikämpfen, guten Laufduellen, technischen Feinheiten bei Blšany, Fehlern auf beiden Seiten aber noch viel mehr Torgelegenheiten. Nach acht Minuten kam ein Volleyschussabpraller durch den Schreckensteiner Strafraum gesegelt und ein Gästespieler verwertete ihn. Der Ausgleich war nicht unverdient, aber Blšany reagierte rechtzeitig mit viel Druck und brachte schon nach weniger als einer halben Stunde den Ball zum zweiten Mal über die Linie. Ein ungeschicktes Einsteigen sorgte für einen Elfmeter für die Heimmannschaft, der souverän verwandelt wurde. Kurz vor der Pause noch ein Aufreger, da der eine Linienrichter nicht auf Ballhöhe war, dadurch das Abseits von Střekov übersah und dann – da der Ball nur vom wie immer souveränen Torwart Klíma knapp zur Ecke gelenkt wurde – den Unmut mehrerer FK Chmel-Spieler auf sich zog. Vor allem Klíma belappte die Nachtjacke an der Linie und bekam gelb.

Nach 46 Minuten 2:2. Nach der Pause kam dann der vierte Gästefan in unseren „Fanblock“. Der Altenberger, den wir schon mehrfach in Blšany getroffen hatten, bleibt dem Verein natürlich auch treu. Die Leute im Ort und der Umgebung, die zu dreistelligen Zahlen zu Heimspielen kommen, sind sicherlich nicht so arm, dass sie nicht nach Střekov fahren können, doch irgendwie waren wir vier die Einzigen, was lustig und erschreckend zu gleich war, dass es nur deutsche Gästefans gab. Wir konnten uns dann gemeinsam über drei weitere Tore von Blšany, von denen Galbavýs Schuss ins Dreieck das genialste seit langem war – Galbavý ist auch mit der beste Spieler beim FK Chmel – freuen und kamen in Aufregung beim verschossenen Elfmeter von Nĕmec und dem Chaos im Strafraum von Blšany kurz nach dem 2:4: da spielt der Klíma einen Gegenspieler und einen eigenen Mitspieler im eigenen Strafraum aus, verliert den Ball jedoch an der Grenze im spitzen Winkel zum Tor an einen anderen Gegenspieler, der in die Mitte flankt; auf der Linie abgewehrt, Nachschuss wehrt Klíma ab, nächster Nachschuss wird an die Strafraumgrenze hinaus geköpft und von da Volley an die Latte gesemmelt.

Ein wirklich geniales Spiel; Střekov mit einer guten Leistung und Blšany mit einem hervorragenden Spiel. Mal sehen wie die nächste Saison wird bei dem Spielerchaos, was dort oft herrscht. Die beiden einzigen verbliebenen Jugendteams erzielten zwar auf Bezirksebene gute Ergebnisse (2. bzw. 4. von 10), doch die U-12 und U-10 können natürlich noch keine Spieler abstellen. Die B-Mannschaft ist ja mittlerweile aufgelöst.

Die siegreiche Gästemannschaft feierte jedenfalls mit ihren deutschen Fans den Sieg und Siegl Senior, ein ehemaliger Nationalspieler der Tschechischen wie auch Tschechoslowakischen Republik, bat uns aufs Feld für ein paar Fotos mit der Mannschaft. Gut, dass der sympathische Mannschaftskapitän auch Deutsch kann, da die Tschechischkenntnisse von uns doch sehr begrenzt sind.

Zum Abschluss fuhren wir drei kurz zur Burgruine hoch, wo uns der mittlerweile zehnte oder fünfzehnte Tscheche darauf aufmerksam machte, dass unter der Stoßstange eine Kunststoffverkleidung herabhing, die wir reparieren lassen sollten. Da sind doch viele enorm hilfsbereit! Ein hervorragendes Essen bekamen wir dann noch im „Gasthof zur Linde“ geliefert: Putenschnitzel mit Spargel im Schinkenmantel und Käse überbacken, dazu Krautsalat und Knödel.
DSC09903
Alles in Allem ein typischer Samstag in der Tschechischen Republik!

Statistik:
Ground Nr. 436 (zwei neue Grounds; diese Saison: 105 neue)
Sportveranstaltung Nr. 1.021 (diese Saison: 163)
Tageskilometer: 600 (Auto)
Saisonkilometer: 35.590 (22.580 Auto/ 6.000 Flugzeug/ 3.740 Fahrrad/ 3.270 Bus, Bahn, Tram/ weniger als 10 Schiff)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 15
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 203

Freitag, 18. Juni 2010

18.06.2010: Burgen nördlich von Sangerhausen

Im Norden von Sangerhausen liegen die Randbereiche des Harzes. Dort finden sich etliche Burgen und Schlösser. Am Nachmittag und Abend des Freitags war noch genug Zeit für eine Auto-Tour von 260km, erst die schnelle Autobahn, dann die schönen schmalen Straßen im bergigen Land entlang.
DSC09588
Die erste Station war das idyllische Dorf Grillenberg, wo sich die Grillenburg befindet. Einige der privaten Fachwerkhäuser, die am Ufer eines Baches stehen sind neben der Kirche an einem steilen Hang weitere Sehenswürdigkeiten. Viel erhalten ist nicht von der Grillenburg, doch die exponierte Lage auf einem Bergsporn, der jedoch nicht über die hohen Laubbäume hinausragt, ist sehr schön.

Dann ging es weiter nach Harzgerode, wo der Marktplatz, zu dem enge Gassen, wo man mit einem Lieferwagen nicht durchkommt, hinführen, sehr sehenswert ist - insbesondere das Fachwerkrathaus - wo uns in erster Linie das Schloss interessierte. Das Eingangstor ist ganz nett und der eine sanierte Flügel macht einen ganz guten Eindruck, doch wirklich sehenswert ist das Schloss nicht. Der Innenhof ist entweder kahl oder - wenn die Freilichtbühne aufgebaut ist - zugestellt. Nicht ideal.

Am Schönsten war Questenberg, was in einem Tal mit hohen Karstfelsen liegt. Eine Rolandsfigur, mehrere Fachwerkhäuser und neben der sehr schönen Kirche mit überdachtem Holzaufgang und abgeschnitten wirkendem Turm, geht eine Stiege zur Burgruine hoch. Die Ruine ist gar nicht so klein. Der Bergfriedstumpf ist noch sechs Meter oder so hoch und einige Räume mit Gewölbe und meherere Meter hohe Mauerreste sind noch zu sehen. Vor allem ist der Blick auf das schöne Dorf und die herausragende Landschaft prima.

Der Abschluss war dann auch das Letzte: nicht das Morungen so schlimm gewesen wäre, aber mich kotzt das an, wenn jeder Dorfdepp Geld hat, einen Scheißköter, der bei jedem Fremden, der sich auf 50m dem Grundstück nähert, wild bellend am Gartenzaun herum springt, zu halten - aber dieses Scheißkaff keine neuen Schilder aufstellen kann, wenn die alten Burgschilder verblichen sind. Wir haben dann auch nur die Burg Neu-Morungen (13. Jhdt.) gefunden. Von der steht allerdings auch mehr, als von Alt-Morungen (11. Jhdt.). Doch das, was noch steht, ist ein halbierter Bergfried. Wie wenig von Alt-Morungen noch steht, kann man sich ja dann ausrechnen.

Fotos von der Tour gibt es an dieser Stelle:
Castles and Villages of the Sangerhausen Region!

Donnerstag, 29. Oktober 2009

WE168I: Ein typisches Spitzenspiel.

BSG Wismut Gera 0:1 BSV Eintracht Sondershausen
Samstag, 17. Oktober 2009 - Anstoßzeit 14.10
Thüringenliga (6. Liga, 1. Amateurliga)
Ergebnis: 0:1 nach 92 Min. (45/47) - Halbzeit 0:1
Tor: 0-1 38. Kevin Schenke
Verwarnungen: David Kwiatkowski, Steven Obst (Wismut), Patrick Rothe (Eintracht), Platzverweise: keine
Spielort: Stadion am Steg (Kap. 3.000, davon 150 unüberdachte Sitzplätze)
Zuschauer: 260 (davon ca. 20 Gästefans)
Tagesunterhaltungswert: 4,0/10 (Mäßiges Spiel vor coolen Fans und gute Radtour mit kaum Sightseeing bei beschissenem Wetter)

Photos and English version!

Der Weg zum Spitzenspiel der Thüringenliga gestaltete sich erwartungsgemäß wenig angenehm bei Temperaturen knapp über 0 Grad und zwischenzeitlich immer wieder aus dem wolkenverhangenen Himmel fallenden Regen. Wir hatten die Bahn von Merseburg über Weißenfels nach Zeitz genommen (48km Hopperticket), um dann 34km mit dem Rad nach Gera zu fahren.

Wie schon erwähnt, handelte es sich bei dieser Begegnung in der höchsten Amateurspielklasse des Landes Thüringen um ein Spitzenspiel. Der Vierte – Wismut Gera – traf auf den Ersten – Eintracht Sondershausen. Der Tabellenführer hatte aus 9 Spielen 21 Punkte, Gera aus 8 Spielen 14 Punkte geholt. Erwähnenswert zu Wismut Gera ist noch, dass sie sich vor dieser Saison rück benannten: von FV Gera Süd in den alten Namen BSG Wismut Gera. BSG allerdings auch hier: „Ballsportgemeinschaft“ statt Betriebssportgemeinschaft, als die sie 1951 gegründet wurden. FV Gera Süd entstand übrigens erst 2007 durch Fusion, wobei der Nachfolgeverein der BSG Wismut einer der fusionierenden Klubs war. Wismut ist nun wieder neben dem Oberligisten FC Gera 03 der größte Klub der Stadt Gera. Teilweise kommen sogar mehr Fans zum Amateurverein, als zum Halbprofiverein in seinem topp-modernen Leichtathletikstadion im BUGA-Gelände.

Apropos Stadion: das Stadion am Steg fanden wir erst nach einigem Herumirren, da wir uns an Kraftwerksschornsteinen orientierten. Allerdings sind die drei Schornsteine, die derzeit „zurückgebaut“ werden, im Nordteil Geras zu finden. Die drei Schornsteine in Gera-Süd sind schon längst abgerissen worden. Bis man mal über die Ampelkreuzung am Stadion ist, vergehen auch ein paar Minuten. Dann muss man noch 4€ (als Student, Schüler, Rentner usw. 3€) entrichten und man steht entweder auf einem kleinen Graswall vorm Sportlerheim, einem großen Graswall vor den Kleingärten, einem dreifach abgestuften Graswall vor den Nebenplätzen oder einer achtstufigen Stehtribüne. Auf dieser Tribüne sind in der Mitte auch ein paar Sitzschalen angebracht. Das Sportlerheim im Übrigen ist mit dem kleinen Türmchen mit Umgang und den Säulen echt gut gelungen!
DSCF0322
Nicht so gelungen war das Spiel, denn es war ein Spitzenspiel der Sorte: abwarten, Gegner paralysieren und dann mal kontern. Richtig widerlich professionell in diesem Punkt. Das überhaupt ein Tor fiel, war dem Torschützenkönig der Thüringenliga zu verdanken. Kevin Schenke heißt dieser Sondershausener, der den Ball hervorragend im rechten Eck ablegte.
Ab und an kamen auch mal andere Spieler gefährlich vors Tor – Gera hatte sogar etwas mehr Chancen, nur Sondershausen war halt spielerisch und technisch besser – doch es blieb beim 0:1.

Die meisten Zuschauer ärgerte das und ärgerlich war auch der Fakt, dass weniger Zuschauer als normal (sonst oft 300) ins Stadion am Steg kamen. Aber für ein Amateurteam, haben die Wismut Spieler echt guten Support. So 40 Leute feuerten dauernd Ultra-mäßig an, was übrigens recht einfallsreich war, streckenweise, und zeigten vorher etliche Doppelhalter. Die Ultras Gera haben übrigens Verbindungen zur kleinen Gruppe der Altenburger Ultras, sowie auch zu den bekannten Gruppen Red Kaos Zwickau und den Ultras von Dynamo Dresden. Die anderen Zuschauer gingen nur bei strittigen oder hitzigen Szenen auf dem Feld mit, was sich dann so anhörte: „Ey Schiri, du Votze! Mann, du Arschloch! Schmeiß den scheiß Fünfer vom Feld!“

Mit den Rädern ging es jetzt den anderen Weg von Gera nach Zeitz, da wir noch in Breitenbach, was wir wenige Monate zuvor auf dem Weg von Merseburg nach Heuckewalde verpasst hatten, die Burgruine Kempe besichtigen wollten. Wenn man der Beschilderung gefolgt ist, steht man schnell vor den Wallresten der Reichsburg. Dann muss man vor den Wällen nach rechts auf einen sehr hohen Wall zugehen (100m Weg), aber davor rechts dem Schild nach, das in den Trampelpfad zeigt. Erst wenn man 20m davor steht, sieht man die Ruine des Wohngebäudes (Kempe): zwei Mauern von maximal 10m Höhe. Die Besichtigung ist durch Absperrungen erschwert. Viel zu sehen gibt es auch nicht. Im Nachbarort Haynsburg ist das ganz anders. Im nahegelegenen Droyßig auch besser als in Breitenbach.
In Zeitz angekommen, ging es via Weißenfels wieder nach Merseburg zurück.
DSCF0369
Statistik:
Ground Nr. 365 (ein neuer Ground; diese Saison: 34 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 902 (diese Saison: 44)
Tageskilometer: 180 (100km Zug, 80km Rad)
Saisonkilometer: 12.180 (10.920 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 280 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 27
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 168

Dienstag, 6. Oktober 2009

WE166A: Gotische Burgenbaukunst und böhmisches Essen

Zum Geburtstag meines Vaters, der das Ende der Semesterferien markierte, ging es noch einmal gen Osten. Diesmal in die Tschechische Republik. Am Freitag stand eine Burgentour auf dem Programm. Da wir drei mit dem Mietwagen erst gegen 13 Uhr loskamen, war sie natürlich kürzer geplant, als üblich. DSCF9429 Die Fahrt ging wie erwartet halbwegs zügig voran, wobei ich fast so einen bescheuerten LKW-Fahrer umgefahren hätte, der ohne zu gucken um seinen defekten LKW herumlief. Ohnehin waren von den selbsternannten Königen der Landstraße viel zu viele unterwegs, die die ein oder andere pannenbedingte Gefahrensituation verursachten. Dafür waren weniger von denjenigen Tschechen unterwegs, die rasen und drängeln obwohl sie ihr Auto nicht beherrschen. Nicht einmal Opas mit Hut, die nur 60 auf der Landstraße fahren, waren im Weg. Die rasende Sorte Fahrer scheint ja besonders stark der natürlichen Selektion zu unterliegen. Ich beobachte immer weniger Unfälle in Tschechien. Die erste der beiden Burgen war die Burg Hašistejn (Hassenburg) im Dorf Místo (Platz). Diese hatten wir 10 Monate zuvor schon einmal aufgesucht, doch war sie wegen Schnee- und Eisglätte geschlossen. In der Tat ist ein Besuch im Winter nicht ratsam, aber im Sommer um so mehr. Auch jetzt im Frühherbst ist Hašistejn eine der schönsten gotischen Ruinen der Tschechischen Republik, dem Burgenland Nr. 1 in der Welt. Beide Türme sind zu besteigen, wobei an einen Leitern angelegt sind. Ein extrem niedriger, knietief überschwemmter Keller fällt links nach dem Tor zur Kernburg auf, auch die Reste einer Burgkapelle sind zu sehen. Auch die mehrfachen Ringmauern sind noch gut erhalten, was man von der Vorburg – es steht allerdings noch ein Turm und die Wälle sind recht stark – nicht behaupten kann. Sehr cool: die beiden Bänke in einem Raum des verfallenen Palas ohne Decken und mit kaum noch 50cm hohen Wänden, den man nur mit einem großen Schritt über eine ein Meter breite Ritze unter der es drei Meter ins Erdgeschoss runter geht, erreicht. Die umliegende Landschaft ist auch ansprechend: bewaldete Berge zu drei Seiten, kaum besiedelt, mit Felsen durchwirkt, die sich zu einer Seite zu einem Tal hin öffnen. In diesem Tal tut sich der Blick auf ein Kraftwerk auf. Dann besichtigten wir noch die Burg Egerberk bei Lestkov. In Klášterec nad Ohří muss man – man schenke allerdings auch dem Schloss und dem Rest der Altstadt Beachtung, was wir aber vor zwei Jahren schon getan haben – den Wegweisern nach Rašovice folgen und rechtzeitig vor diesem Ort nach Lestkov abbiegen. In Lestkov erreicht man bald einen kleinen Platz vor einem Gutshof und einem hohen Baum, wo man Parken sollte. Dann noch einen halben Kilometer den Wanderschildern nach und man steht am Fuße der Burg Egerberk. Diese gotische Ruine ist nicht so groß und eindrucksvoll wie Hašistejn, auch nicht so gut erhalten, aber für Freunde von Burgruinen und gotischer Baukunst lohnend. Schon allein die Kletterei innerhalb der völlig ungesicherten Ruine. Rutsch- und Absturzgefahr besteht da natürlich überall! Am besten erhalten ist noch der Palas. Wie groß die Burg einst war, erkennt man unschwer an den schuttgefüllten Gräben. DSCF9541 Wir fuhren dann nach Žatec weiter, checkten im „U Hada“ (Hotel zur Schlange) ein und fuhren nach Blšany. Nein, kein Fußball; diesmal nur Essen. Ich teilte mir mit dem Alt-Groundhopper zum einen die Spezialität des Hause (verschiedene Fleischscheiben mit Schinken auf Kartoffelpuffer in Knoblauchsoße mit einem halben Pfirsich mit Sahnehäubchen, in der eine Walderdbeere steckte; 6,50€) und die Leber mit böhmischen Knödeln, Chili-Ketchup-Soße und scharfem Salat (5,50€). Die Atmosphäre im Motorest war so freundlich-lahm wie immer. Eben ein typisch tschechisches Lokal. Unfreundlich war keiner, herzlich aber auch nicht. Am freundlichsten war noch der Kellner, was ungewöhnlich ist: sind die normalen Einheimischen meist sehr hilfsbereit und höflich, wenn auch stets nüchtern, sachlich und kühl, so sind Kellner und andere Angestellte im Dienstleistungssektor wegen ausbeuterischen Löhnen und dummen Gästen oft zu jedem, noch so freundlichen Gast, unhöflich und unmotiviert. Der war allerdings die Ausnahme und übrigens auch nicht das einzige bekannte Gesicht, denn die Stammgäste, die wir im April schon getroffen hatten, nachdem wir Chmel Blšany gegen Arsenal Česká Lípa gesehen hatten, lungerten mal wieder bei Bier, Becherovka und Zigaretten am großen Tisch vor der Theke. Statistik: Tageskilometer: 350 (Auto) Saisonkilometer: 10.880 (9.900 Auto/ 890 Fahrrad/ 90 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug) Photos and English version: HERE

Dienstag, 11. August 2009

6.8.09: Castlehopping; Wieder einmal eine kurze aber gelungene Burgentour durch Sachsen-Anhalt

Am Freitag stand eine lockere 320-Kilometer-Runde an, die uns drei innerhalb von 7 Stunden von Merseburg nach Plötzkau, Hausneindorf, Huysburg bei Dingelstedt am Huy, Westerburg bei Dedeleben und nach Egeln, sowie auch wieder zurück nach Merseburg bringen sollte.
Erste Station war das oben abgebildete Burgschloss Plötzkau. Die beste Perspektive zeigt sich vom Fußballplatz aus, letzteren kann man auch wunderbar vom Turm aus einsehen. Ein Ground, der in der Saison noch gemacht werden sollte! Auch das Schloss selbst ist sehr sehenswert mit den Renaissancegiebeln, dem Turmzimmer und dem halboffenen Innenhof. Nicht so sehenswert ist das Museum, das vor allem mit originalgefälschten Nachbildungen (Äxte mit roter Farbe auf der Klinge), Kitsch (Kreuzritterfiguren) und einigen unspektakulären archäologischen Funden (dafür, dass die Tonscherben echt sind, will ich aber nicht garantieren) aufwarten kann. Genial natürlich auch die ca. 50 x 40 x 30cm große Katapultnachbildung, die samt Munition (folieumwickelte Steine von etwa 3cm Durchmesser) auf einem Tisch herumsteht. Darf man zwar angeblich nicht benutzen, aber dann sollte man die Anlage eigentlich mal hinter Glas bringen oder wenigstens die Steine wegpacken... Eintritt für Museum und Turm: 2,50€, nur für den Turm: 1,50€. Letzteres kann man mehr empfehlen.
Weiter ging es nach Hausneindorf. Die Burg dort ist nicht zugänglich aber gut einsehbar. An die Burg schließen einige Privathäuser an, die Außenmauern sind noch mittelalterlich, ebenso das markanteste Element dieser Burganlage; der mittig platzierte Bergfried. In einem Ring um Bergfried und Innenhof legen sich landwirtschaftlich genutzte Gebäude - sehen total asi und abgewrackt aus - die neueren Datums sind.
Die Huysburg auf dem Höhenzug Huy, an den sich Orte mit so schönen Namen wie Dingelstedt und Mönchshai reihen, ist ein Wehrkloster, was hervorragend restauriert und noch kirchlich genutzt (Restaurant, Herberge, Klosterbetrieb) ist. Die Kirche ist gratis zu besichtigen, die Gebäude für die Öffentlichkeit gesperrt, ebenso der Garten.
Weiter nach Westerburg bei Dedeleben, dass Highlight der heutigen Tour. Leider nicht im Innenbereich zugänglich, jedoch im Innenhof. Ein absolutes architektonisches Highlight! Eine rund gebaute Burg mit mehreckigem Anbau, die Fachwerksgebäuden, einen Bergfried (leider nicht zugänglich) und ein tolles Taubenhaus vorzeigen kann. Letzteres ist Teil des Hotels, das auch in den anderen Gebäuden - neben Restaurant und Standesamt - untergebracht ist. Das Taubenhauszimmer ist natürlich das beste aber nicht mal teuerste Zimmer des Hotels. Die Seite http://www.hotel-westerburg.de/ gibt Auskunft über das romanische Schmuckstück von Burgenbaukunst. Mit 98€ bis 168€ pro Doppelzimmer sind die Übernachtungsmöglichkeiten in dieser Burg natürlich sehr hochpreißig, für diese Hotelkategorie allerdings nicht zu hoch. Im Restaurant kann man zu zweit mit 60€ rechnen.
Den Abschluss der Tour bildete Egeln mit der Wasserburg. Die ist auch nur teilweise zugänglich, aber recht gut erhalten. Bergfried, Wehrmauern, Wohngebäude und teilweise erhaltener Graben. Nichts weiter Spektakuläres.

Bilder von allen Burganlagen:
http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/BITTE%20HIER%20WEITER%20-%20FOTOS%20AB%2022-03-2009/090806%20PLOETZKAU_Hausneindorf_Huy_WESTERBURG_Egeln/

Montag, 30. März 2009

27-3 Rostock I: Via Heiligengrabe, Freyenstein und Stuer nach Rostock

Nach diversen Verzögerungen starteten wir endlich gegen 14 Uhr von Merseburg aus nach Rostock. Vier Besichtigungspunkte waren angesetzt, durch die verspätete Abfahrt sollten nur drei geschafft werden.
Der erste war Heiligengrabe beim Dreieck Wittstock-Dosse. Dort gibt es einen Zisterzienserstift zum Heiligen Grabe: eine recht ausgedehnte Fachwerk- und Backstein-Klosteranlage. Ein Highlight auch der hölzerne Glockenstuhl zwischen Grabkapelle und Kirche. Beide waren zwar verschlossen, aber die Außenbesichtigung alleine war schon den Stopp wert.
Dann gab es Fahrerwechsel und ich zeigte den restlichen Insassen einmal, wie man schneidig mit 40 km/h über die Straße rast. Ja, da gibt es nichts zu lachen! 40km/h kann auch mit dem Auto sehr schnell sein, zumindest, wenn man über Wege wie zwischen Maulbeerwalde und Ackerfelde fährt: rechts und links Bäume, Straße keine drei Meter breit, in der Mitte etwa 50cm höher als am Fahrbahnrand und übersäht von 15cm tiefen und 50cm im Durchmesser messenden Schlaglöcher, die den Wagen gehörig durchschüttelten. Na ja, ist ja nicht mein Auto...


Wir kamen trotzdem sicher in Freyenstein an, wo die Straße auch besser wurde. In Freyenstein gibt es eine ganz nette backsteingotische Kirche und eine Schlossanlage mit integriertem Stadttor. Integriert soll heißen, dass direkt an das Verwaltungsgebäude das Stadttor gebaut wurde. Noch schöner als das Tor ist jedoch der Wohnturm mit der wunderbar verzierten Fassade. Reste von einem weiteren Toreingang sind auch noch erhalten. Ansonsten fehlen die Gebäude, die sicherlich früher dort gestanden haben, wo jetzt Brache und kleine, Jahrzehnte alte Einfamilienhäuser stehe: Wirtschaftsgebäude, Einfriedung usw.
Weiter nach Norden und endlich Mecklenburg-Vorpommern erreicht. In Stuer ließen wir uns fehlleiten und fuhren erst zur Kirche - sehr schönes Backstein- und Fachwerkgebäude mit spitz zulaufenden, von einem Baum umrankten Kirchturm - und liefen dann von dem erbärmlichen Parkplatz - eine unebene Wiese mit einem P-Schild davor war das - 2km bis zur Burg. Man nehme, hinterher waren wir schlauer, die Einfahrt nach Stuer-Vorwerk und fahre dem an der T-Kreuzung angebrachten Schild „Radweg Burg Stuer“ nach, bis man an den Wendehammer vor dem Sumpfweg (bis dahin ist die Straße befestigt) kommt. Fußweg zur Burg: 500m. Die Burg ist nicht besonders gut erhalten aber schon recht sehenswert auf einer Halbinsel in einem Sumpfgebiet gelegen. Wie der unbefestigte Weg zur Burg nach dem Mittagsregenguss aussah, kann sich der Leser sicherlich vorstellen, zumal rechts und links vom Weg das schwarze Morastwasser anstand.
Nachdem wir um den ruinösen Wohnturm, der einzige auffallende Rest neben ein paar Mauern, umher liegenden Steinen und Mauereinfassungen, umrundet hatten, musste unbedingt noch der Sonnenuntergang über dem angrenzenden See auf Fotos festgehalten werden.
Danach war natürlich keine Zeit mehr, noch das 20km entfernte Plau am See zu besuchen. Na ja: werden ja nicht das letzte Mal in der Rostocker Gegend sein - Mecklenburger Seenplatte dürfte dann mal wieder in den Blickpunkt rücken.
Was dann während der Fahrt in meinen Blickpunkt rückte, war der Tacho: immer wieder erstaunlich, wie wenig man davon merkt, wenn man mit einem modernen Auto 190km/h (schneller ging’s beim Ford was weiß ich wie das Modell heißt nicht) fährt. Erst als ich die eine enge Kurve mit 180 nahm, kam der Wagen etwas ins Flattern. Sicher in Rostock bzw. im Dorf Diedrichshagen bei Rostock-Warnemünde, kamen wir trotzdem an. Dort hieß es dann freundliches Wiedersehen auf dem Reiterhof der Familie Blohm. Das erste Thema bei den Treffen mit den Blohms? Natürlich Hansa Rostock! Zwei der Feiergäste waren schon einen Tag vor dem eigentlich Treffen angereist: Uli und Birgit konnten sich natürlich auch gleich anhören, was wir auf dem Weg nach Diedrichshagen so alles unternommen haben.
Fotos: