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Montag, 28. Januar 2013

W339I: Zum ersten Mal Volleyball im Ausland – die Pokalhalbfinals in Częstochowa

„Zaksa“ Kędzierzyn-Koźle ------------------------------------ 3
Klub Sportowy Jastrzębski „Węgiel” ----------------------- 1
- Datum: Samstag, 26. Januar 2012 – Beginn: 14.30
- Wettbewerb: Puchar Polski 2013, półfinał (Halbfinale des polnischen Volleyballpokals; beide Teams aus „PlusLiga“, 1. Profi-Volleyball-Liga Polens)
- Ergebnis: 3-1 nach 114 Min.
- Satzergebnisse: 25:21, 25:19, 20:25, 25:20
- Spielort: Wielofunkcyjna hala sportowa w Częstochowie (Kap. 5.813 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 2.800 (darunter ca. 150 aus K.-Koźle und ca. 150 aus Węgiel)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Starkes Spiel zweier guter Mannschaften, wobei K.-Koźle doch stets den Tick besser war)

„Delecta“ Łuczniczka Bydgoszcz ---------------------------- 2
„Asseco“ Resovia Rzeszów ------------------------------------ 3
- Datum: Samstag, 26. Januar 2012 – Beginn: 18.00
- Wettbewerb: Puchar Polski 2013, półfinał (Halbfinale des polnischen Volleyballpokals; beide Teams aus „PlusLiga“, 1. Profi-Volleyball-Liga Polens)
- Ergebnis: 2-3 nach 156 Min.
- Satzergebnisse: 19:25, 25:23, 21:25, 25:23, 14:16
- Spielort: Wielofunkcyjna hala sportowa w Częstochowie (Kap. 5.813 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 2.800; darunter ca. 50 aus Bydgoszcz und ca. 250 aus Rzeszów)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Sehr spannendes Spiel mit einigen Durchhängern: der Favorit aus Rzeszów tat sich ab 2. Satz sehr schwer)
DSC02798 Photos with English Commentary:

Videos on Myvideo.De:
a) Support and Match Scenes: Kędzierzyn-Koźle v Jastrzębie Zdrój
b) Support and Match Scenes: Łuczniczka Bydgoszcz v Resovia Rzeszów

Beim letzten Volleyballspiel in Spergau hatten wir schon rumerzählt, dass wir uns Karten für die Final-Four des polnischen Volleyballpokals gesichert hatten. Bei der Kartenbestellung gab es durch den Secure Code – das System ist der letzte Dreck! – doch einige Probleme, allerdings gelang es uns zwei Tickets zu je 6€ (die niedrigste Kategorie kostete umgerechnet 4€, die teuerste 9€) innerhalb von einer knappen Stunde zu bestellen. Die Preise waren natürlich nicht so doll billig wie das für die Leute bei Spergau klang. Die dachten wohl, in Polen könne man noch mehr als bei Spergau (6€ bis 9€) verlangen... Allerdings sollte man den Anstieg des polnischen Durchschnittseinkommens und die Stärke der Liga mit ihren international renommierten Teams nicht vernachlässigen. Da kann es halt nicht wie in Tschechien nur 3€ Eintritt kosten – selbst wenn man in so einem komischen Kaff wie Częstochowa spielt...

Częstochowa liegt am Nordwestrand einer der schönsten Ecken Polens, dem Krakau-Tschenstochauer Jura, den wir vor anderthalb Jahren recht ausführlich besuchten. Berühmt ist Tschenstochau als Wallfahrtsort und das Kloster ist auch sehr eindrucksvoll (siehe oben verlinktes Fotoalbum) – doch ansonsten ist die Stadt extrem hässlich. So hässlich wie sie ist, so funktional ist sie allerdings auch. An der östlichen Ausfallstraße befinden sich riesige Einkaufszentren mit hervorragend sortierten Supermärkten, kleinen Läden, Restaurants, Imbissen und sogar Hotels. In einem Sporthotel namens „Scout“ checkten wir für 32€ ein. Das Doppelzimmer war sehr gut. Der Einkauf ließ sich auch sehen: bei den Mengen an Lebensmitteln zahlt man in Deutschland weit mehr als 15,50€. Nur der türkische Imbiss, den wir nach dem Volleyball besuchten, war nicht so doll: Es ist auch mal wieder typisch, denn wohl nirgendwo sonst findet man so viele ausländische Lokale, die von Einheimischen betrieben werden, wie in Polen; Chinarestaurants, Mexikaner, Kebabimbisse – und immer werden sie von Polen geleitet...

Auch beim Volleyball war die Ausländerquote ungewohnt niedrig. In der wenigen Monate alten Multifunktionssporthalle Tschenstochau, also: Wielofunkcyjna hala sportowa w Częstochowie, die 5.813 Zuschauer fasst, waren nur vereinzelt Südamerikaner auf der Platte und ansonsten Polen, die teilweise auch in der Nationalmannschaft unseres Nachbarlandes antreten.
Leider war die Mannschaft von „Wkręt-met“ Akademickiego Związku Sportowego Częstochowa im Viertelfinale ausgeschieden. Die Stimmung wäre sicher besser gewesen, denn die ganzen Częstochowa-Fans gingen nicht so mit bei den Spielen wie die jeweiligen Fanclubs der vier Halbfinalisten.

Das erste Spiel in der außen aschgrauen und innen kitschig bunten, sehr praktischen aber trotz interessanter Deckenkonstruktionen (bunte, symmetrische Schallbrecher) eher langweiligen Halle, bestritten „Zaksa“ Kędzierzyn-Koźle (mit vollem Namen Zakłady Azotowe Kędzierzyn spółka akcyjna) und Klub Sportowy Jastrzębski „Węgiel“ (aus Jastrzębie Zdrój). Beide Teams sind aus dem südlichen Schlesien und gute Erstligisten. DSC02881 In einem wirklich starken Spiel hatte Kędzierzyn-Koźle irgendwie stets die Nase vorn. Bei allem Kampf der Mannschaft aus Jastrzębie Zdrój waren sie dann doch der Sieger am Ende langer Ballwechsel oder hatten bei den Annahmen und Aufgaben das größere Glück und Geschick. Nur im dritten Satz schaffte es Jastrzębie Zdrój die Niederlage noch etwas aufzuschieben. Im vierten Satz war dann aber eher die Luft draußen, was wiederum Kędzierzyn-Koźle gut zu nutzen wusste.
Leider quatschte der Sprecher ähnlich viel wie in Deutschland, sonst wären die Anfeuerungen noch besser rübergekommen. Beide Teams, Jastrzębie Zdrój auch noch von Fans aus Rzeszów unterstützt, feuerten mehr mit Sprechchören als mit Trommeln an, was um Klassen besser als in Spergau, Leipzig oder den allermeisten anderen Bundesligastandorten klingt. Die Stimmung war also doch besser als bei uns, obwohl die Frauenquote (und fast keine der Frauen feuerte an) für polnische Verhältnisse extrem hoch lag. Beim Volleyball waren es 50-60% - beim Fußball in Polen sind es oft keine 10% weibliche Zuschauer.

Fantechnisch hatte sich im zweiten Spiel des Samstages dann der kleine Anhang aus dem relativ weit entfernten Bromberg gegen die Übermacht an Rzeszów-Fans durchzusetzen, was ihnen in den besten Phasen ihres Teams aus gelang. Doch Rzeszów war nicht nur auf den Rängen zahlenmäßig und akustisch überlegen. Bei allen Schwierigkeiten: am Ende siegte Resovia mit 3:2 nach Sätzen.
„Delecta“ Łuczniczka Bydgoszcz war im ersten Satz sehr unterlegen gegen „Asseco“ Resovia Rzeszów, was uns schon ein zackiges 0:3 erwarten ließ. Dass dachten sich die von Resovia wohl auch und prompt verloren sie einen umkämpften zweiten Satz – auch aufgrund von Fehlentscheidungen der streckenweise etwas überforderten Unparteiischen – mit 25:23. Nach einem zweiten erfolgreichen Satz erkämpfte sich Bydgoszcz mit einem wahren Comeback den Tiebreak.
Dass man für das Ausspielen eines fünften Satzes eine ganze halbe Stunde braucht, habe ich übrigens auch noch nicht erlebt. Mit 16:14 siegte Rzeszów, die es sich ab Satz 2 mit ihrer Fehlerquote selber schwer gemacht hatten, verdient im Tiebreak. Es war aber schon dreist wie beide Teams dieses Spiel ab dem ersten Satz verzögerten: Besonders Bydgoszcz spielte sich dauernd über die Schiris auf – in der Bundesliga hätten die längst mal einen Strafpunkt bekommen – aber der polnische Volleyballverband unterstützt so affiges Verhalten mit dauerndem Lamentieren und Meckern auch noch in dem er Videoaufnahmen zulässt, die vom jeweiligen Kapitän des Teams gefordert werden können.

Hoffentlich kommt die Bundesliga nicht auf so hirnrissige Ideen wie Videobeweis... In Sachen Spielqualität stehen sie der polnischen Liga ja nicht weit nach, wobei eine Mannschaft wie Rseszów sicherlich auch die Berliner Müllabfuhr besiegen kann. Nur bei den Anfeuerungen könnte man sich ruhig mehr an Polen orientieren. Allerdings wird das kein deutscher Volleyballfan machen, da die Volleyballfans fast durchweg (Handballfans übrigens genauso schlimm!) zu blöd sind, mal über ihren beschränkten sportlichen Tellerrand zu schauen. Das war die erste Sportveranstaltung in Polen und Tschechien auf hohem Level, bei der ich keine deutschen Fans bemerkt oder deutsche Autos gesehen habe. Kein Wunder bei der dürftigen Fanszene im Volleyball: Wenn nicht mal der Rekordmeister Fangruppen hat, die samstags mal die knapp 500km nach Spergau fahren, dann hat auch keiner so was wie Groundhopper. Und das bei dem eher überdurchschnittlichen Einkommen der Volleyballfans, was Groundhopping ja bequemer und einfacher macht! Aber Volleyballfans kommen wohl nicht mal bei einer Urlaubsreise auf die Idee, ihren Lieblingssport im Ausland zu gucken... DSC02846 Statistik:
- Grounds: 849 (heute 1 neue; diese Saison: 81 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.697 (heute 2, diese Saison: 120)
- Tageskilometer: 610 (610km Auto)
- Saisonkilometer: 27.480 (25.780 Auto/ 1.570 Fahrrad/ 80 Schiff, Fähre/ 50 Bahn, Bus, Tram/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 13 [Letzte Serie: 6, Rekord: 141]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 339

Montag, 2. August 2010

W209IV: Tour durch die wohl schönste Region Polens, den Krakau-Tschenstochauer-Jura

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Photos and English version: CRACOW JURA!

Zwischen Krakau und Tschenstochau (Częstochowa) erstreckt sich die herrliche Landschaft des polnischen Jura, eine grüne, gebirgige Gegend, in der eine große Menge von Kreidefelsformationen und mittelalterlichen bis barocken Festungsgebäuden steht. Nachdem wir uns unser Frühstück und Proviant in einem Supermarkt geholt haben, der so modern, riesig und gut sortiert ist, dass seine Bezeichnung – auch nicht zu unrecht – von „super“ ausgehend noch verstärkt wird als „Hipermarket“, brachen wir gen Norden auf.

Wir hatten nur die bedeutenderen und gut erhaltenen Burgen auf dem Programm und als erstes stand da Pieskowa Skała an. Der Parkplatz ist mit einem Festpreis von 6,50Zł (1,65€) belegt und der Eintritt in die beeindruckend auf einem von einem tief eingeschnittenen Tal umgebenen Felsen gelegene Festung kostet 10 (ermäßigt 7, also 2,50€ bzw. 1,80€). Wir aßen aber nur unsere Bemmen im Schutz des Autos – es sollte an diesem Tag leider nur kurze Regenpausen geben, aber von schlechtem Wetter lässt sich kein Burgenfreund und kein Groundhopper von seiner Planung abbringen – und gingen dann den kurzen Wanderweg um die Anlage herum. An dem einen Ende steht die Herkulessäule – oder Herkuleskeule – die ein besonders hoher, freistehender, weißer Kalksteinfelsen ist. Von dort aus hat man auch den besten Blick auf den Turm mit der Sonnenuhr und dem Schmuckmauerwerk des stark befestigten Schlosses.

Weiter ging es über ein Dorf namens Strzegowa – dort gibt es eine besonders schöne Dorfkirche mit freistehendem Glockenstuhl – nach Smoleń, einem noch kleineren Kaff. Smoleń war der zweite Ort auf der Fahrt, wo ich mich fragte, ob Polens Orientierung westwärts wirklich so gut ist. Als ich die beiden Stadionneubauten in Krakau sah, kam mir schon die Galle hoch: da wird Geld für ein Kommerzevent wie die EM 2012 verpulvert – dabei ist auch nur eines der beiden Stadien ein Austragungsort – und 0815-„Arena“-Bauten hingestellt. In Smoleń war dann die Burg wegen Baumfällarbeiten gesperrt, was vor fünf Jahren noch kein Grund für ein Warnschild gewesen wäre. Aber polnische Warnschilder muss man als Deutscher ja nicht verstehen, als sind wir natürlich hoch zur mittelalterlichen Anlage, deren Bergfried man schon aus wenigen Kilometern Entfernung über die Baumwipfel ragen sieht. Man konnte sich auch trotz der gefällten Bäume, die da jetzt Monate lang herumliegen werden, normal in der Burg bewegen, die noch erhebliche Mauern aufzuweisen hat – und natürlich eben diesen Bergfried, der auf dem Felsen, um den etwas unterhalb die restlichen Burgmauern herumgebaut sind, unzugänglich thront.
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Der burgenmäßige Höhepunkt kam dann danach mit der Burg Ogrodzieniec im Dorf Podzamcze. Ein herrlicher gotischer Bau mit sehr geräumigem Vorhof, in dem schon alles für Ritterspiele am kommenden Samstag vorbereitet wurde, und gut erhaltener, sehr kompakter und über etliche Etagen verwinkelter Kernburg. Im Hof bauen sich am Rande der Außenmauern mehrere, teils wie Gesichter wirkende Felsen auf, von der Kernburg hat man einige schöne Ausblicke in die Landschaft. Diese Anlage ist übrigens die größte im Jura-Gebirge.
Der Parkplatz schlägt bei 2 Stunden mit 5Zł (1,25€) zu Buche und der Eintritt liegt bei wirklich günstigen 5,50Zł (ermäßigt 4,50Zł = 1,40€/ 1,15€). Die Folterkammer und das Burgmuseum – beides sparten wir uns – kosten zwar 1,50Zł bzw. 2Zł extra, aber wenn man bedenkt, wie teuer Sportveranstaltungen oder gar Konzerte (ein nur einstündiges Klassikkonzert in Krakau hätte uns am Vorabend 50Zł, ermäßigt 30Zł (12,80€/ 7,70€) gekostet, was noch maßloser ist, als die Preise für Fußball, Basketball usw.), dann ist das wirklich ein Schnäppchen.

Da die Zeit doch reichlich bemessen war, fuhren wir zur Burg Mirów, die ebenfalls – warum auch immer – wie die Burg Smoleń gesperrt war. Bei dieser Anlage reicht aber eigentlich schon das drum herum gehen, denn die hoch gebaute gotische Burganlage lebt vor allem von der herrlichen Einpassung in die bizarre, von Wiesen durchsetzte Kreidefelslandschaft. Am verrammelten Haupttor sieht man aber gut, was viele Polen von Verbotsschildern halten: nämlich nichts. Da wurden glatt ein paar Holzlatten rausgebrochen und große Steine direkt vor die beschädigte Stelle getragen, damit man einfach einsteigen kann. Wir ließen das allerdings bleiben und fuhren über einen völlig zerfahrenen Asphaltweg, der mehr Schlaglöcher als Straßenbelag hatte, ins benachbarte Bobolice. Dort steht eine Burg, die vor wenigen Jahren so aussah, wie jene Burg Mirów, doch Irgendwer meinte, man müsse die Ruine rekonstruieren, so dass sie wie zu der Zeit ihrer Errichtung (14. Jhdt.) aussieht. Die Rekonstruktion ist zwar kompetent erfolgt – man kann nicht behaupten, dass die Burg kitschig wieder aufgebaut oder das Aussehen daherphantasiert wurde: vor 700 Jahren hat die Anlage mit 99,9%iger Sicherheit so ausgesehen – aber es hätte auch völlig ausgereicht, wenn man die Ruine gesichert hätte. Das fördert nämlich die Vorstellungskraft der Besucher. Aber solange man Mirów als Gegenbeispiel so lässt, ist das schon O.K.
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Wir dachten ja schon, dass die Straße zwischen Mirów und Bobolice schlecht sei, aber was dann noch auf uns zu kam, hatten wir selbst in Syrien nicht ganz so schlimm erlebt: dadurch, dass ein einziger Wegweiser fehlte, bogen wir einmal falsch ab und landeten prompt zuerst auf einer Schlaglochpiste und dann auf einem unbefestigten Weg. Fast 10km führte der kreuz und quer durch Felder und Nadelwälder, die auf dem sandigen Boden gut gedeihen. Da es seit 15 Stunden dauernd regnete, war selbst der Sandboden an seine Grenzen gelangt und nahm kaum Wasser auf, was tiefe Pfützen hinterließ. Also viel Manövriererei und Luftanhalten, ob man durch die schlammige Piste mit dem Ford Kombi auch durchkommt. Auf der Asphaltstraße angelangt, mussten wir erst einmal eine Baustelle passieren, die in Polen genauso wie in arabischen Ländern einfach durchfahren wird – keine Umleitung, keine Baustellenampel: alles viel einfacher, da mitten durch die Baustelle durch – und dann zwei Züge von dutzenden von Pilgern, die auf der kleinen Nebenstraße gen Częstochowa wanderten, überholen.

Endlich im Dorf Olsztyn bei Częstochowa angelangt, war dort die Burg am Schließen, doch wenn man zum Spielplatz neben dem Burggelände läuft, kann man noch ein paar Fotos von der Burg machen. Die Anlage liegt auf einem Felskamm und besteht aus zwei Hälften, die über den Felsgrat miteinander verbunden sind. Die vordere Hälfte hat einen hohen Bergfried zu bieten und die hintere einen kompakten aber kleinen Wehrturm.
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In Częstochowa buchten wir uns erstmal für eine Nacht im ETAP, was mit Niedrigstpreisen von 25€ (Wochenenden) oder 33€ (Montag-Donnerstag) pro Zimmer aufwarten kann, ein. Frühstück kostet unverhältnismäßig hohe 4,50€, sodass man lieber am Morgen Baguettes aus einer der nahegelegenen Tankstellen holt oder im Tesco einkauft. Wer sich nicht für Religion – oder Drittliga-Fußball bzw. Erstliga-Speedway – interessiert, sollte sich bloß von Częstochowa fern halten. Es gibt nur eine Sehenswürdigkeit, nämlich Polens wichtigste Wallfahrtskirche auf dem Wehrklosterkomplex Jasna Góra (übersetzt: „Heller Berg“), der, folgt man der Fußgängerzone, hoch über der Innenstadt thront. Dort wird die Ikone der Schwarzen Madonna verehrt. Als Nicht-Katholik bestaunt man dann halt einfach den enorm hohen Turm (107 Meter oder so) der Kirche, die starken Mauern, die drei aufeinanderfolgenden Eingangstore mit den herrlichen Kapitellen die verschiedene Heilige zeigen und den Innenraum der Kathedrale, über dessen Altar sich die berühmte Ikone befindet. Vor der knien dann meist so viele Gläubige, dass man die Ikone nur aus gebührender Entfernung sehen oder fotografieren kann. Man beachte außerdem die Wände rechts, an denen Krücken, Ketten und andere Gegenstände von Kranken, die nach den Gebeten vor der Ikone Heilung erhielten, hängen, und die Frömmigkeit der Menschen, die minutenlang in sich gekehrt auf dem kalten, harten Fliesenboden hocken – ob nun ein Jugendlicher in Jeans und T-Shirt, eine junge Frau mit Bluse und langen Hosen, eine Oma mit Kleid und Kopftuch oder ein älterer Prolet mit Mediamarkttüte, die die tolle Aufschrift „Mediamarkt – nie dla idiotów [= Nicht für Idioten, statt dem in Deutschland üblichen „Ich bin doch nicht blöd“]“ trägt.

Ansonsten ist diese Stadt einfach ein Dreckloch, wie man es in Schlesien erwarten muss. Wir mussten eine Weile suchen, bis wir endlich ein Restaurant, in dem es mehr als nur Bier und Chips gibt, fanden. Das war ein libanesischer Schnellimbiss, in dem man die libanesische Variante des Döners für nur 2€ serviert bekam. Zu den Banken will ich mal nichts sagen: bei einer funktionierte der Geldautomat nicht, die andere war zu, die nächste auch, aber Western Union – die haben ohnehin viele Filialen in Entwicklungsländern und was Schlesien bei aller Industrie anderes sein soll, als ein niedrig entwickeltes Gebiet in geographischer aber nicht kultureller Nähe zu West- und Mitteleuropa, würde ich ja gerne mal wissen – konnte per Automat mit Złoty dienen.

Also halten wir mal fest: Częstochowa ist ein Ort, wie man sich Polen klischeehaft vorstellt. Nur dürfte die Gefahr, dass das Auto geklaut wird, nach wie vor nicht viel höher sein, als in Deutschland. Ansonsten halt die „typische“ Mischung aus Plattenbauproleten, abgewrackten Bürgerhäusern und hoher Religiosität mit entsprechend beeindruckenden Sakralbauten. Wer in den Jura – sehr empfehlenswert! – oder nach Kielce oder so fahren will, dem empfehle ich aber, in Częstochowa im ETAP zu übernachten, da dieser Ort für Tagesausflüge oder Stopp-over sehr günstig ist. Oder wo kann man sonst noch zu dritt für 25€ übernachten?
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Statistik:
Unterhaltungswert: 9,0/10 (Viele schöne Burgen in toller Landschaft und ein eindrucksvoller Wallfahrtsort)
Tageskilometer: 200 (Auto)
Saisonkilometer: 1.180 (1.110 Auto/ 70 Fahrrad/ 0 Flugzeug/ 0 Bus, Bahn
, Tram/ 0 Schiff)