Donnerstag, 4. September 2014

W422I (Baltikum 3/10): Dritter Länderpunkt am Dritten Reisetag

FK Kruoja Pakruojis - 2 ................................................... 6
Vilniaus miesto futbolo draugija Žalgiris - 2 .................. 0
- Datum: Montag, 25. August 2014 – Anstoß: 14.00
- Wettbewerb: sogenannte "SMScredit.lt A lygos" dubleriai (Litauische Liga für Reserven der Profimannschaften)
- Ergebnis: 6-0 nach 91 Min. (45/46) – Halbzeit: 3-0
- Tore: 1-0 11. Arlauskas, 2-0 18. Arlauskas, 3-0 30. Birškys (Handelfmeter), 4-0 50. Birškys, 5-0 65. Kriukas, 6-0 90. al-Mahrana
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Pakruojo miesto stadionas (Pakruojis; Kap. 2.010 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 40 (keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Ordentliches Niveau, aber sehr einseitiges Spiel)  
Photos with English Commentary:
a) Latvia: Bauska Castle Ruin, Mežotne Palace and Church Ruin, Pilsrundāle Baroque Palace
b) Lithuania: Geručiai Border Crossing, Lauksodis Wooden Church, Bardiškiai Wooden Houses, Pakruojis Manor and Church, HILL OF CROSSES and Cathedral of Šiauliai, Alėjai Wooden Church, Kaunas Castle and Old Town
b) Lithuanian Reserves League: Kruoja Pakruojis 2 v Zalgiris Vilnius 2

Am dritten Tag der Reise hatten wir das Kreuzen des dritten Länderpunktes geplant. Bevor wir jedoch zur ausgesprochen bescheuerten Zeit von 14 Uhr an einem Montag ins Stadion gingen, schauten wir uns einige Baudenkmale in Lettland und Litauen an. Auf der lettischen Seite fingen wir in Mežotne an. Das Kaff erreicht man vom Motel Brencis aus am schnellsten und direktesten über einen geschotterten (und bei dem Dauerregen ziemlich von Pfützen übersäten) Nebenweg. Der ist allerdings nicht mit einem deutschen Feldweg zu vergleichen, sondern breit wie manche Bundesstraße nicht. Nach der 14km langen Pistenanfahrt steht man dann plötzlich vor einem perfekt hergerichteten und absolut symmetrischen klassizistischen Schloss in Weiß und Gelb. Drumherum ein in die leicht hügelige Flusslandschaft eingepasster Garten und mehrere, teils sanierte Nebengebäude.

In Bauska gibt es dann eine andere Art von Schloss: eine Mischung aus Burgruine und Renaissanceschloss steht da auf einem mächtigen Hügel zwischen zwei Flüssen. Der Eintritt kostet etwas überzogene 4,23€ pro Person, wobei man nur in die Hälfte der Räumlichkeiten kann, da die Anlage eine einzige Baustelle ist.

Wir fuhren dann noch mal nach Mežotne, allerdings dem Teil des Ortes, der unbewohnt auf der gegenüberliegenden Flussseite liegt. Dort stehen nur noch die Ruine einer Kirche aus dem 17. Jahrhundert (zwei Mal von den Deutschen zerstört: im 1. und nach dem Wiederaufbau gleich im 2. Weltkrieg) und die Wallreste einer semgallischen Festung.

Im benachbarten Pilsrundāle befindet sich das größte Barockschloss Lettlands: ein absolut symmetrischer, gelb-weißer Bau mit ebenso symmetrisch in die Sichtachse gestellten, meist rötlichen Nebenbauten. Der Palastgarten wurde nach französischem Vorbild angelegt.

Wir waren zwar etwas skeptisch, als uns das Navi nicht über die 20km längeren Hauptstraßen, sondern ganz direkt über die Nebenwege nach Litauen schicken wollte, fuhren aber trotzdem die direkt nach Süden führende Schotterpiste von Pilsrundāle nach Süden. Tatsächlich gibt es da einen offiziellen Grenzübergang nach Litauen: irgendwo im Nichts, wo es nur Felder, Waldstücke, vereinzelte Bauerngehöfte und holprige Schotterwege gibt.

Litauen präsentierte sich gleich recht gut: denn so wie die richtige Bebauung anfing, sah man schon gleich viele Kirchen. Von den drei baltischen Staaten ist Litauen der religiöseste, was sich positiv auf die Baukunst ausgewirkt hat. Bereits im kleinen Dorf Lauksodis konnte man eine tolle, rotgestrichene Holzkirche mit abstehendem Turm und Kreuzweg auf der Friedhofsmauer bestaunen.

In fast allen litauischen Orten gibt es eingeschossige Holzhäuser mit hohem Dach und wintergartenähnlich eingeschalten Fensterfronten. In Bardiškiai gab es ein paar bessere Exemplare. Aber auch da gab es viel Verfall und aufgrund der Landflucht auch Leerstand. Im Spielort Pakruojis kann man ein tolles Landgut mit neobarockem Palast und toll sanierten Nebengebäuden und Ställen sowie Landschaftspark mit natürlich belassenem Flusslauf und kunstvollen Brücken über ebendiesen, besichtigten. Der Ort selber ist eher unspektakulär, sodass wir nach dem Geldabheben (Litauen ist das einzige der baltischen Länder, das noch keinen Euro hat) auf der Tribüne des am Stadtrand gelegenen Stadions unsere estnischen Lebensmittel aßen...  
Das nächste Spiel der Ersten Mannschaft von Kruoja (ein Fluss der durch die Stadt fließt) Pakruojis (der Ortsname bezieht sich ebenfalls auf den Fluss Kruoja: „am Fluss Kruoja gelegen“) war auf der Tafel zur Straße hin angekündigt. Heute spielten aber die Reservemannschaften. In Litauen haben die U23 oder Zweiten Mannschaften der Proficlubs eine eigene Liga, die teilweise zu etwas hirnrissigen (aber für uns heute sehr günstigen!) Zeiten kicken. Also zogen wir uns hier am Montag um 14 Uhr mit entsprechend nur knapp 40 weiteren Fans eine Partie zwischen Kruoja Pakruojis und Žalgiris Vilnius (der Name der Gastmannschaft aus der Hauptstadt bezieht sich auf die Schlacht bei Tannenberg; Polen-Litauen gegen Deutscher Orden, 1410) rein.

Das Stadion hat – bei dem Dreckwetter heute mal wieder sehr passend – eine halbschalenförmig überdachte Haupttribüne mit genau 1.010 gelben und blauen Sitzen. Vier unüberdachte Tribünen mit Sitzen gleicher Bauart und Farbe gibt es hinter den beiden Toren auf den Graswällen und rechts und links des Containerbaus (Umkleiden und VIP-Raum befinden sich dort) auf der Gegenseite. Im Eingangsbereich fielen die Blumenrabatten wieder positiv auf.

Das Spielniveau war auch eher positiv zu vermerken: auch wenn es hier jetzt kein Knaller war, aber Pakruojis II spielte technisch richtig guten Fußball und schnell war das Spiel auch. Die II. von Žalgiris kam damit aber nicht so richtig klar und stand nur hinten drin. Die vereinzelten Entlastungsangriffe verhallten schnell. Man merkte sehr deutlich, dass die Reserve des Rekordmeisters nur auf dem vorletzten Platz der Reserveliga steht und die besten Spieler, die an den Profibereich herangeführt werden sollen, in der regulären 2. litauischen Liga (einer Halbprofiliga) fürs Žalgiris-Farmteam Žalgieritis spielen: denn hier spielte eigentlich die A-Jugend.

Dementsprechend wurden flott Kombinationen im Strafraum vorgetragen und noch einem Gästespieler so an die Hand geschossen, dass es Elfer geben musste, der auch noch souverän verwandelt wurde – und schon stand es bei Halbzeit 3:0. Die zweite Hälfte lief zwar etwas lahm an, aber nach dem 4:0 wurde die Abwehr noch zweimal flott überlaufen und locker aus Nahdistanz abgeschlossen, sodass ein verdientes 6:0 am Ende stand. Das letzte Tor erzielte übrigens einer der gar nicht mal so wenigen ausländischen Spieler – ein Ägypter – während eines brutalen Gewitterschauers.  
Nach dem Spiel fuhren wir zügig zum Hügel der Kreuze, dem religiösen Nationalmonument der Litauer: auf einem natürlichen Hügel wurden gut 200.000 Kreuze unterschiedlichster Größen und Macharten aufgestellt (oder teils wild ineinander verkeilt auf Haufen geworfen) um Litauen als christliches Land (nicht atheistisch-kommunistischen wie zu Zeiten der sowjetischen Unterdrückung) zu präsentieren. Ein wirklich eindrucksvolles Monument, das seinesgleichen sucht!

Im benachbarten Šiauliai gibt es nicht so viel zu sehen: die Kathedrale ist außen durch die runde Form des Turmes auffällig, aber innen etwas kahl und einfarbig weiß.

Wir fuhren dann nach Schildern und schauten in Kelmė an der eher unspektakulären Kirche vorbei und in Alėjai an der sehr schönen Holzkirche, deren Turm drei Turmhauben hat. Die Kirche liegt idyllisch an einem See, der sonst nur in lockerer Bebauung von den typischen einfachen Holzhäusern der litauischen Provinz umgeben ist.

In Kaunas bezogen wir dann ein gutes und trotzdem recht preisgünstiges Hotel am Rande der Altstadt namens „Apple Economy“ und gingen ein paar Straßen weiter bei einem guten russischen Lokal (Preise noch im Rahmen, aber bei Vor- und Hauptspeise plus großem Getränk muss man mit 12-15€ (40-50 Litas) pro Person rechnen.  
Statistik:
- Grounds: 1.169 (heute 1 neuer; diese Saison: 15 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.137 (heute 1; diese Saison: 25)
- Tageskilometer: 330 (330km Auto)
- Saisonkilometer: 5.990 (3.800 Auto/ 1.800 Flugzeug/ 350 Fahrrad/ 40 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 117 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 422

W421IV (Baltikum 2/10): Zwei Hauptstädte und der zweite neue Länderpunkt

Salacgrīvas FK Brīvais Vilnis 2010 .................................. 1
Futbola klubs Ādaži 2006 - 2 ............................................ 2
- Datum: Sonntag, 24. August 2014 – Anstoß: 13.00
- Wettbewerb: Latvijas 3.līgas čempionāts futbolā, Vidzeme (3. Liga der lettischen Fußballmeisterschaft, Region Mittel-Livland = 4. und unterste Spielklasse im lettischen Fußball, 3. Amateurliga)
- Ergebnis: 1-2 nach 93 Min. (46/47) – Halbzeit: 1-1
- Tore: 1-0 11. K. Kalniņš, 1-1 45. J. Kleperis, 1-2 66. J. Kleperis
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Salacgrīvas stadions (Salacgrīva, Salismünder Stadion; Kap. 2.000, davon 600 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 45 (keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 4,0/10 (Spannendes Spiel auf niedrigem Niveau)  
Photos with English Commentary:
a) Estonia: Tallinn, the Capital City of Estonia (Old Town) + Uulu Church
b) Latvia: Rīga, the Capital City of Latvia (Old Town) + Ainaži Church, Salacgrīva Church, Liepupe Church and Ruins of a Chapel and a Castle
c) Latvian 3rd Amateur Division: FK Brīvais Vilnis (Salacgrīva) v FK Ādaži Reserves

Am Anreisetag waren wir fast nur in Stadien gewesen, jetzt musste mal Sightseeing in Tallinn her: am Sonntagmorgen standen wir extra früh auf und gingen schon vor um 7 Uhr in Richtung Altstadt los. Wir betraten den sehr geschlossenen historischen Stadtkern durchs Nord-Tor, vor dem sich ein frei zugänglicher Sportplatz (Tallinns wohl bester Bolzplatz) befindet und das aufgrund seines massiven linken Turms sehr eindrucksvoll ist. Hinter den teils noch erhaltenen Stadtmauern, die auch am Südende mit mehreren schönen Türmen bestückt sind, befinden sich eine hohe Domkirche, eine symmetrisch gebaute orthodoxe Kirche und noch mehrere andere Gotteshäuser sowie auch Renaissancegebäude mit verspielten Giebeln und Portalen und außerdem Jugendstilhäuser mit eigenwilligen Gestaltungselementen. Insgesamt bestätigte sich der positive Eindruck vom Vortag: die Altstadt sowie das Viertel Kadriorg und der Vorort Pirita sind sehr sehenswert. Die anderen Stadtviertel sind mehr oder weniger ansehnlich bebaut aber durchweg ordentlich und Bruchvolk wie Säufer, Bettler und Randalierer schien für eine Stadt mit 400.000 Einwohnern zahlenmäßig ziemlich gering zu sein. Alles also besser als in der auf der gegenüberliegenden Küste der Ostsee liegenden Partnerstadt Helsinki!

Sowie man Tallinn allerdings auf der Via Baltica gen Süden verlässt, erinnert man sich wieder an Finnland: man schläft fast ein beim Autofahren, da es kaum Ortsdurchfahrten gibt und außerorts nur mit moderater Geschwindigkeit (maximal 10km/h über den zulässigen 100) gefahren und nie riskant überholt wird. Und dann diese flache, öde, grüne Wüste mit Gestrüpp und Bäumchen so weit das Auge reicht – dazwischen vereinzelt Holzhäuser, die oft nur auf Schotterwegen erreicht werden können. Man, ist das langweilig in der estnischen Provinz!

Kurz vor der Grenze fuhren wir einem Hinweisschild nach, das uns in einen Waldweg leitete, der nach 500m an einer interessanten Kirche mit steinernem Kirchenschiff und hölzernen Anbauten sowie einem vereinzelten deutschen Grabstein endete. Drumherum ein verlassenes Feriendorf und keinerlei Gebäude. Dieses Uula war wahrscheinlich mal ein deutsches Dorf (und die Kirche auch mal größer; mit richtigem Turm), das von den Russen im Zweiten Weltkrieg mitsamt Bevölkerung vernichtet wurde.

An der Grenze zu Lettland kontrollierte keiner mehr. Auffällig war der schlechter werdende Straßenbelag nach dem Grenzübertritt. Im Grenzdorf Ainaži war die Kirche recht orthodox vom Äußeren – besonders sehenswert war sie allerdings nicht. Ansonsten wurde die Landschaft auch kaum interessanter – nur gibt es in den Wäldern einige Senken und leichte Anhöhen und man ist direkt an der Ostseeküste, die schmale, sandige Strände hat.  
An einen solchen sandigen und von Kiefern umgrenzten Strand gingen wir im kleinen Städtchen Salacgrīva. Dort gibt es nämlich nicht nur die namensgebende Flussmündung (Salaca, Salismünde) und zwei halbwegs ansehnliche Kirchen, sondern auch ein tolles Stadion direkt hinterm Wäldchen am Strand.

Die Sportanlage besteht aus einer riesigen Freilichtbühne, einer Bolzwiese, Tennisplätzen, Basketballcourt, einem Eishockeystadion mit zwei schönen Tribünen für je ca. 400 Leute und einem Leichtathletik- und Fußballstadion. Diese 2.000 Leute fassende Anlage gefällt u.a. durch ihre Olympiagestaltung, die wohl im Zusammenhang mit der Olympiade in der Sowjetunion 1980 (damals war Lettland ja noch Teil der SU) entstanden ist, sehr gut: Eine kantige Version der olympischen Feuerschale, dann die fünf Ringe im gusseisernen Zaun eingelassen und auf der ausbautenlosen Längsseite der lateinische Leitspruch „Schneller, Höher, Stärker“ – Citius, Altius, Fortius – auf einer großen Blechtafel angebracht. Ausbau hat das Stadion auf der gegenüberliegenden Längsseite: von den Holzbänken, die da in drei Reihen auf Steinplatten gebaut wurden, sind allerdings nicht mehr alle intakt. Teilweise drücken die Kiefern auch die Platten nach oben und wie der Stadionsprecher in seinem tollen, holzverkleideten Sprecherturm durch das Geäst der davor stehenden Kiefern alles sehen will, weiß ich auch nicht...

Aber heute gab es eh keinen Stadionsprecher, denn das Duell der vierten und untersten Spielklasse lockte nur gut vier Dutzend Zuschauer aus Salacgrīva an. Dieses Brīvais Vilnis ist wohl ein Ortsteil der Stadt Salacgrīva, die auch unter dem deutschen Namen Salismünde bekannt ist. Zugast war die Reserve vom FC Ādaži, die aus einem Kaff wenige Kilometer nördlich der Hauptstadt angereist waren. Beide Vereine sind ausgesprochen neue Gründungen (2010 bzw. 2006), denn Fußball war in Lettland lange sehr viel unbedeutender als Eishockey. Nach wie vor ist Fußball nur Nummer 2, aber es kann ja nicht überall Nr. 1 sein und das ist auch gut so. Nur leider beginnt die interessante Eishockeysaison in Lettland erst im September wenn wir schon wieder abgereist sind, sodass wir nichts vom bedeutsamsten Sport des Landes mitkriegen werden.

Das Fußballspiel begann aber auch nicht schlecht: nach kurzer Druckphase der Gäste ging Salacgriva per Kopf nach einer schönen Flanke in Führung. Erst nach und nach kam Adazi II zurück in die Partie. Kurz vor dem Pausenpfiff gelang es schließlich, den ohne Rückennummer und Handschuhe (!) spielenden Torwart der Heimelf mit einem Doppelpass auszuspielen und locker zum 1:1 einzuschieben. Nach dem Seitenwechsel hatten beide Teams ihre Chancen, aber das Spiel wurde immer langsamer. Erst in der Schlussphase, nachdem Adazi nach einem Abwehrfehler mit einem Schuss aufs kurze Eck in Führung gegangen war, überwanden beide Teams ihre Probleme mit dem weitläufigen Platz. Ein weiteres Tor fiel trotzdem keines mehr.  
Nach dem allenfalls mittelmäßigen Kick fuhren wir weiter nach Süden. Bevor wir die Hauptstadt erreichten, entdeckten wir noch dank der Ausschilderung eine interessante barocke Kirche in Liepupe, die auch geöffnet war. Daneben steht eine ältere Kapellenruine am Waldesrand und im Wald drin befinden sich auch noch die Gräben- und Wallreste einer Burg.

Weiter die öde Via Baltica gen Süden, kamen wir in der lettischen Hauptstadt Riga an. Sofort fiel der Niveauabfall gegenüber Tallinn auf: teures Parken (3€/h) aber dreckige, schlechte Straßen und Plätze, verfallene, graue Häuser und enorm viele bettelnde und saufende Gestalten. Die meisten dieser Asis schienen Russen zu sein: das ist keine Vermutung, weil die so hässlich aussahen, sondern weil sie sich in der Unterhaltung untereinander auf Russisch anbläkten und wenn einen jemand anbettelte, tat dieser das dann auch auf Russisch.

Auch die Altstadt von Riga kann nicht ganz mit der von Tallinn mithalten. Auch hier interessante Jugendstilgebäude und einige schöne Renaissancehäuser mit tollem Portal oder Giebel. Auch hier sehenswerte Backsteinkirchen und der ein oder andere Prunkbau – aber eben oft auffällig heruntergekommen und nicht so geschlossen in der Bebauung wie in der estnischen Hauptstadt. Der berühmte Rigaer Dom hatte dann auch nur bis 17 Uhr geöffnet (und wir waren erst 17.30 da) und das Schloss hatte ohnehin wegen Sanierungsarbeiten zu.

Lettland wirkte schon ärmer als Estland, aber auch wenn der Vergleich der Hauptstädte zugunsten der Esten ausfallen muss: in der Provinz gibt es mehr Sehenswürdigkeiten bei den Letten. Auch ein Plus für Letztere: da das Land offensichtlich ärmer ist, ist es nicht so teuer. Für nur 30€ bekamen wir ein gutes Motelzimmer im „Brencis“ bei Iecava auf dem Weg nach Bauska und weniger als 25€ kostete uns beide dort ein gutes Essen mit Vorsuppe und großen Getränken. In Estland ist man da schnell bei 40€!  
Statistik:
- Grounds: 1.168 (heute 1 neuer; diese Saison: 14 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.136 (heute 1; diese Saison: 24)
- Tageskilometer: 360 (360km Auto)
- Saisonkilometer: 5.660 (3.470 Auto/ 1.800 Flugzeug/ 350 Fahrrad/ 40 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 116 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 421

W421III (Baltikum 1/10): Gleicher Halbzeitstand, gleicher Endstand, gleicher schwacher Zuschauerzuspruch, aber trotzdem nicht langweilig; der Länderpunkt Estland mit zwei Erstligaspielen

FC Flora Tallinn ................................................................ 3
Paide Linnameeskond ....................................................... 0
- Datum: Samstag, 23. August 2014 – Anstoß: 19.00
- Wettbewerb: Meistriliiga bzw. sogenannte „A. Le Coq Premium Liiga” (1. estnische Fußballliga, Profi-/ Halbprofiliga)
- Ergebnis: 3-0 nach 91 Min. (45/46) – Halbzeit: 1-0
- Tore: 1-0 4. Albert Prosa, 2-0 66. Albert Prosa, 3-0 88. Albert Prosa
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Lilleküla staadion bzw. sogenannte A. Le Coq „Arena” (Kap. 9.692 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 300 (davon 284 zahlende und anscheinend keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Besseres Mittelmaß)

SK FC Levadia Tallinn ..................................................... 0
JK Sillamäe Kalev ............................................................. 3
- Datum: Samstag, 23. August 2014 – Anstoß: 16.00
- Wettbewerb: Meistriliiga bzw. sogenannte „A. Le Coq Premium Liiga” (1. estnische Fußballliga, Profi-/ Halbprofiliga)
- Ergebnis: 0-3 nach 92 Min. (45/47) – Halbzeit: 0-1
- Tore: 1. Evgeny Kabaev, 78. Jaroslav Kvasov, 83. Aleksandr Dubokin
- Verwarnungen: Igor Subbotin, Aleksandr Dmitrijev, Omar El-Husseiny (Levadia); Nikolay Mashichev (S. Kalev)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Kadrioru staadion (Kap. 5.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 200 (davon 158 zahlende und ca. 50 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Schnelles und ansehnliches Spiel)  
Photos with English Commentary:
a) Estonia: Tallinn, the Capital City of Estonia; Kadriorg Wooden Houses, Pirita Monastery Ruin
b) Estonian Premier League: Flora Tallinn v Paide Linnameeskond (Le Coq Arena)
c) Estonian Premier League: Levadia Tallin v Sillamae Kalev (Kadrioru Stadium)

Semesterferien und dann nicht ins Ausland? Kann nicht sein bei den Merseburger Groundhoppern! Nach einigen Überlegungen entschieden wir uns aus Zeit- und Geldmangel für eine Tour durch die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Eigentlich sollte die mit dem eigenen Auto mit evtl. Abstecher nach Russland und/ oder Weißrussland starten, aber schnell wurde klar, dass wir unseren alten Dacia verkaufen sollten und einen neuen anschaffen. Da dort der Termin aber unklar war, mussten wir also auf den Flieger zurückgreifen. Der Zeitmangel verlangte dann natürlich einen Mietwagen in Tallinn, ansonsten wäre unsere Reiseroute nie in 10 Tagen zu schaffen gewesen.

OK, ich will nicht so lange rumlabern, denn im Gegensatz zu vielen arabischen Ländern oder manchem südosteuropäischen Staat hatte ich im Vorfeld kein besonderes Interesse an den baltischen Staaten. Diese drei Länder zu besuchen, geschah eigentlich nur aus der Idee, einmal alle Länder Europas und natürlich möglichst auch der Welt groundhopping- und auch sightseeingmäßig abzugrasen (d.h. mindestens ein Spielbesuch und eine Sehenswürdigkeit). Und wenn man kein Geld und noch weniger Zeit für eine Fernreise auf andere Kontinente hat, dann komplettiert man lieber mal die Europakarte. Und aus eben genannten Gründen verschiebt man auch die angedachte Groß-Britannien- und Irland-Tour immer weiter zugunsten preisgünstigerer und weniger zeitaufwändiger Ziele.

Die Länderpunkte 41, 42 und 43 (Deutschland und meine 3 Nicht-FIFA-Punkte natürlich nicht mitgerechnet) warteten also auf mich und meinen Vater. Die Flüge hatten wir sechs Wochen, die Hotels sechs Tage vorher gebucht. Zuerst fuhren wir um 5.30 Uhr mit dem Zug von Merseburg über Halle nach Leipzig-Flughafen, dann brachte uns die Lufthansa zuerst nach Frankfurt (macht ja auch echt Sinn, wenn man nach Osteuropa will, erstmal eine Verbindung in den Westen Deutschlands nutzen zu müssen...) und dann ohne Verspätung nach Tallinn.  
In der estnischen Hauptstadt gelandet, waren Gepäck und Mietwagen schnell geholt. Letzerer leider zu horrenden Preisen, die nur 5% unter den deutschen Preisen lagen, da man auf die 33% günstigere Grundmiete ohne Ende lächerliche Gebühren wie Grenzübertrittssteuer – für Länder innerhalb der EU! – und U25-Fahrer-Zusatzgebühr – für einen Fahrer mit einer Erfahrung von 6 Jahren und über 100.000km in gut 20 Ländern, davon auch 15.000km Mietwagen in 10 Staaten – zahlen musste; und das selbst bei Hertz Betrug am Kunden vorkommen kann, wie spätere Forderungen angeblich verursachter Schäden (wahrscheinlich haben wir wirklich die Schürze mit Kieselsteinen zerkratzt, aber darauf haben die Wichser nur spekuliert, da der scheiß Polo überhaupt nicht auf die schlechten Straßenverhältnisse im ganzen Baltikum – der Schaden ist wahrscheinlich auf einer Schnellstraße und nicht mal auf einem Nebenweg passiert – ausgelegt ist) zeigten.

Auch der Einkauf in dem Supermarkt hinterm Kadrioru Staadion schnell erledigt. Das Sortiment an estnischen Lebensmitteln ist übrigens lohnend, da billiger als Importware und zudem eine gute Mischung aus skandinavischen und slawischen Spezialitäten. Wir schafften es noch, die Klosterruine im etwas außerhalb gelegenen Piriti (angemessene 2€ Eintritt) zu besuchen und verpassten dann doch gleich das erste Tor im ersten Spiel, da wir den Eingang zum ehemaligen Dünamo Staadion, jetzt nach dem Stadtteil in dem es liegt – Kadriorg – Kadrioru Staadion genannt, nicht sofort fanden. Der Eingang ist aber ein schöner mit Kassenhäuschen und Portalen, richtig typisch sowjetisch ist auch die klotzige Haupttribüne mit dem über den besseren Plätzen angebrachten freistehenden Betondach (das Stadion wurde in den 1920ern errichtet, als die Sowjetunion noch hervorragende Architekten hervorbrachte) und der wuchtigen Anzeigetafel. Diese wurde aber genauso modernisiert wie die Bestuhlung der beiden Tribünen. Hinter den Toren befinden sich noch neu angebrachte Holzbänke und ansehnliche Begrünung.

Wir hatten also das 1:0 bereits verpasst, als wir in der 5. Minuten nach der Entrichtung von 5€ das Stadion betraten. Es fielen allerdings nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit in einer lange von Levadia aktiver gestalteten zweiten Hälfte, noch zwei weitere Treffer: Konter der Gastmannschaft aus Sillimäe zum letztlich ungefährdeten 0:3 Auswärtssieg. Man bekam durchschnittlich guten Fußball geboten und staunte, dass sich die Spieler weder vom üblen Gewitterregen noch vom alles laufen lassenden Schiedsrichter mit seinen Linien- und Torrichtern (!) aus der Ruhe bringen ließen.

Levadia Tallinn wurde übrigens umgesiedelt aus dem 15km entfernten Maardu (so wie RB aus Markranstädt nach Leipzig umgesiedelt wurde: in einem Kaff wie Maardu oder Markranstädt ist es für die auch im Baltikum zahlreichen und zahlungskräftigen Sportsponsoren und -spekulanten zu unattraktiv). Und trotz des estnischen Namens ist der Gegner ein durch und durch russischer Klub: JK steht für Jalgpalliklub (Jalgpall = Fußball) und der Vereinsname Kalev spielt auf eine estnischen Heldensage an und selbst der Name des Spielortes, die Industriestadt Sillimäe, hat einen estnischen Namen. Aber im Nordosten Estlands leben 85% Russen und nur 4% Esten. Die Spieler bei Sillimäe Kalev sind 100% Russen und alle Gästefans sprachen untereinander Russisch, hingegen bei Levadia war das eine gut gemischte Truppe von Esten, Russen, auch einem Finnen und einem Ägypter. Diese demographischen Verhältnisse sind genauso so ein Problem wie in der Ost-Ukraine: die Esten verfolgen sehr genau den Terror der von der russischen Bevölkerung unterstützten Milizen und die Einmischungen des verbrecherischen russischen Staates. Mittlerweile werden Manöver vor estnischem Seegebiet von den Russenmilitärs organisiert, sodass die Angst vor einer erneuten Invasion von Osten auch in Estland und Lettland wieder wächst.  
Wir schauten uns nach dem Spiel ein paar der sehr schönen Straßenzüge des Stadtteiles Kadrioru an: villenartige Holzhäuser, teils toll hergerichtet und teils verfallen, durchsetzt mit modernen Betonbauten die mit Holz verkleidet wurden und auch mal der ein oder anderen neobarocken Steinvilla, und viel Grün (Alleen, Parks). Also diese estnische Hauptstadt Tallinn machte gleich einen viel besseren Eindruck auf uns, als das gegenüberliegende finnische Helsinki!

Zum zweiten Spiel des heutigen Tages kamen wir so pünktlich (25 Minuten vor Anpfiff), dass wir unter den ersten 20 Zuschauern waren, die das Lilleküla Staadion betraten. Der estnische Getränkekonzern mit franco-belgischer Vergangenheit A. Le Coq (gegründet als deutsch-baltische „Actien-Gesellschaft der Bier- und Meth-Brauerei und Destillatur Tivoli“) ist mit seinem hässlichen Schneckenfressergockel sehr präsent und sponsert nicht nur die Liga, sondern auch das Nationalstadion und Heimstätte Flora Tallinns. Selbst in dieses Stadion gehen nur 9.692 Zuschauer rein und als ich bemerkte, dass auch bei diesem Spitzenspiel der 1. Liga nur 300 Leute kommen werden, begann ich mich schon zu fragen, warum Fußball als der beliebteste Sport in Estland gehandelt wird. Nun gut, die Ligenstruktur ist für ein Land mit nur 1,3 Millionen Menschen (davon leben 400.000 in der Hauptstadt) sehr ausgeprägt: sechs Spielklassen mit teils 8 Staffeln. Aber was machen die Esten eigentlich am Wochenende, wenn sie nicht selber Fußball spielen? Glotze gucken? Man kann bei Preisen von nur 4€ die Karte doch auch mal ins Stadion gehen! Da waren mehrere deutsche und englische Groundhopper zugegen und somit nicht einmal ganz 300 Esten!

Zumal man in der Le Coq Arena bequem und überdacht (außer auf der einen Hintertortribüne, die eine kaum mehr nutzbare Kanzel für das Olympische Feuer zu bieten hat) sitzt – und auch ein schönes Beispiel für moderne Stadionarchitektur mit engen zweistöckigen Rängen ganz nah am Spielfeld und passender Farbgestaltung (grüne Sitze da Flora Tallinns Vereinsfarbe Grün ist) sowie geschwungener und geschmackvoller Dachkonstruktion hat.

Akzeptablen Fußball bekam man auch geboten, wobei ich das Spiel um 16 Uhr etwas besser fand. Denn hier war der Rekordmeister Flora doch klar überlegen, ging schnell 1:0 in Führung und ließ dann auch nicht den Gegner kommen wie Sillimäe Kalev im Nachmittagsspiel, sondern setzte Paide Linnameeskond routiniert unter Druck. Der Außenseiter aus dem mittelestnischen Paide, das als einer der wenigen Orte Estlands eine Ordensburg zu bieten hat (davon gibt es in Litauen und v.a. Lettland mehr) und damit als einer der wenigen Orte Estlands außerhalb des sehenswerten Nordwestens überhaupt eine Sehenswürdigkeit, kam zwar immer wieder zu Chancen, doch blieb am Ende ungefährlich, während Flora mit zwei weiteren Treffern – darunter einem Heber aus 20m über den Torwart ins Netz – die Tabellenführung erkämpfte. Denn Levadia Tallinn hat nun einen Punkt weniger, da sie ja dem Viertplatzierten aus Sillimäe unterlagen.

Wir machten uns dann auf zum Hotel, das ich in Altstadtnähe ausgewählt hatte. Das „Dorell“ hat einfache Zimmer und Bad auf dem Gang, weswegen 43€ pro Doppelzimmer eher zu hoch sind – aber immerhin gibt es sehr gutes Frühstück inklusive und man kann im Hof kostenfrei parken, muss sich am Ende also nicht über Preis-Leistung beschweren.  
Statistik:
- Grounds: 1.167 (heute 2 neue; diese Saison: 13 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.135 (heute 2; diese Saison: 23)
- Tageskilometer: 1.870 (1.800km Flugzeug, 40km Eisenbahn, 30km Auto)
- Saisonkilometer: 5.300 (3.110 Auto/ 1.800 Flugzeug/ 350 Fahrrad/ 40 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 115 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 421

Freitag, 22. August 2014

W421II: Spannendes Spiel mit zwei Wendungen

TSV Leuna 1919 AH ........................................................ 4
TSV Eintracht Lützen AH ............................................... 3
- Datum: Freitag, 22. August 2014 – Anstoß: 18.00
- Wettbewerb: Freundschaftsspiel Alte Herren
- Ergebnis: 4-3 nach 70 Min. (35/35) – Halbzeit: 2-0
- Tore: 1-0 15. Rene Schmidt, 2-0 24. Mario Melchior, 2-1 32. NN, 2-2 45. Nr. 4, 2-3 48. Nr. 8, 3-3 58. Mario Melchior, 4-3 64. Eigentor
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stadion des Friedens (Kap. 5.000 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 11 (davon 1 Gästefan)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Sehr gutes und spannendes Altherrenspiel)  
Photos with English Commentary:
Veterans Friendly Match: TSV Leuna defeat Eintracht Lützen

Ausnahmsweise fuhren wir mit dem Auto zu den Alten Herren, da im Autohaus Hähnel der Tausch der Dacias anstand. Mit 154.556 Kilometern auf dem Tacho wurde der Sandero Stepway gegen einen neuen Duster (Laureate Allrad Diesel) eingetauscht. Mehr zu dem neuen Auto nach der Flugreise (die eigentlich mal als Autoreise geplant aber aus Zeitmangel in eine Flug- und Mietwagenreise umgewandelt werden musste) ins Baltikum, wenn ich den Wagen richtig eingefahren habe – dann gibt es hier auch mal Bilder vom Duster...

Thomas Hähnel machte auch heute wieder eine gute Figur im Tor, wobei sein Gegenüber aus Lützen noch besser hielt. Dass am Ende doch wieder ein Sieg für den TSV Leuna stand, lag nicht an ihm: besonders bei der Gewichtsklasse so eine Sprungkraft und Beweglichkeit im Kasten zu zeigen, ist sehr eindrucksvoll! Schade, dass heute besonders wenige Zuschauer zugegen waren, denn das Spiel war heute wieder besonders gut!

Leuna ging zuerst durch einen langen Pass von Mario auf Rene, der aus einem knappen Meter Entfernung mit dem Ball ins Netz rannte, in Führung. Kurz darauf kam der Pass auf Mario, der den Ball über den Torwart einschoss. Kurz vor dem Seitenwechsel ging dann ein Distanzschuss an den Innenpfosten und von dort zum Anschlusstreffer rein.

Nachdem die Seiten getauscht waren, änderte sich auch der Spielverlauf erheblich: Lützen traf zwei Mal innerhalb von nur vier Minuten und schien das Spiel zu ihren Gunsten zu entscheiden. Doch Leuna kam, erneut in Person von Mario Melchior zurück. Sechs Minuten vor dem Ende fiel der etwas glückliche, aber aufgrund der ersten Halbzeit keineswegs unverdiente Siegtreffer für den TSV Leuna. Glücklich war der Treffer nur aufgrund seines Zustandekommens: ein Lützener scheint den Ball sicher zu kontrollieren und will ihn aus dem Strafraum schlagen: doch er schießt seinem, auf Höhe des rechten Pfostens ca. 15m vor dem Kasten stehenden Mitspieler in den Rücken und von dort prallt die Pille im hohen Bogen über den Torwart ins Eck – das war scchon fast in einer Liga mit jenen Spielern wie diesem Chinesen (Video-Link hier) die per Fallrückzieher ins eigene Tor treffen...

Apropos ausländische Ligen: die Merseburger Groundhopper weilen ab morgen für 10 Tage im Osten Europas (keine Angst, ich verrate hier keine sensiblen Daten wie unvorsichtige Internetnutzer gerne vor ihrem Urlaub: Einbruch ist bei uns nämlich zwecklos, da Rest der Familie zuhause und Selbstschussanlage scharf), sodass der nächste Bericht von den Leunaer Alten Herren aus Spergau (5.9.) kommen wird.  
Statistik:
- Grounds: 1.165 (heute 0 neue; diese Saison: 11 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.133 (heute 1; diese Saison: 21)
- Tageskilometer: 20 (20km Auto)
- Saisonkilometer: 3.430 (3.080 Auto/ 350 Fahrrad/ 0 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 113 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 421

Donnerstag, 21. August 2014

W421I: Interessantes Internationales Spiel vor Peinlicher Kulisse

Universitätssportverein Halle ........................... 27
Gandbol‘niyy Klub Zsariya Kaspiya Astrakhan‘
Гандбольный клуб Заря Каспия Астрахань 30
- Datum: Mittwoch, 20. August 2014 – Anwurf: 19.00
- Wettbewerb: Internationales Handballtestspiel; sogenannte „Mittel”deutsche Oberliga (4. deutsche Handballliga, 1. Amateurliga) gegen Superliga (Cуперлига; 1. russische Handballliga, Profiliga)
- Ergebnis: 27-30 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 16-17
- Tore: k.A. (USV); Ustin 7, Kantemirov 5, Vasilyev 4, Zaikin 4, Polyakov 3, Predybailov 3, Dershenkov 2, Kudinov 1, Parshutyn 1 (Astrakhan)
- Gelbe Karten: Nr. 13, 26 (USV); Nr. 4, 7, 28 (Astrakhan)
- Zeitstrafen: Nr. 5 (USV = 2 Minuten); Nr. 4, 7, 10, 28 (Astrakhan = 8 Minuten)
- Rote Karten: keine
- Spielort: Geiseltalhalle St. Barbara (Braunsbedra; Kap. 350 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 65 (davon 41 zahlende und keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Sehr gutes und erfreulich offenes Handballspiel)
  
Photos with English Commentary:
International Friendly Match in Braunsbedra: USV Halle (German Amateur Handball Top Division) v Zarya Kaspiya Astrakhan (Russian Professional Handball Top Division)

Als ich letzthin noch den alten Dacia im Ford-Autohaus Leuna verkaufsbereit machen ließ (mit einem halb abgerissenen Spiegel kann man zwar fahren, aber beim Verkaufen macht das keinen guten Eindruck), fiel mir die Mitteldeutsche Zeitung in die Hände. Da stand mal was Interessantes drin: eine internationale Handballansetzung in der St. Barbara-Halle in Braunsbedra. Das letzte Mal, dass ich dort ein Handballspiel sah, ist Jahre her und es war auch ein ganz schlechtes, diesmal war zumindest einseitiger Spitzensport garantiert.

Das Startrecht in der sogenannten „Mittel“deutschen Oberliga des ehemaligen Drittligisten und mittlerweile völlig herabgewirtschafteten HC Einheit Halle ging nach einer Fusion oder ähnlichem an den Universitätssportverein über. Für das internationale Freundschaftsspiel des in Dessau zu einem Trainingslager anwesenden russischen Profiteams Zarya Kaspiya (Morgenröte des Kaspischen Meeres) aus Astrakhan, einer Stadt, die logischerweise bei dem Namen am Roten Meer liegt, mussten sie aufgrund der Hallenbelegung nach Braunsbedra ausweichen. Penetrant wurde der Gastverein noch mit dem alten Namen „Dinamo“ angekündigt. Aber angekündigt wurde ohnehin fast nichts: völlig unprofessionell gehandhabt, aber dann 3. Liga-Preise von 8€ pro Karte verlangen und dann nicht mal die Mühe gemacht, Karten aus einem stinknormalen Drucker auszudrucken, sondern eine Rolle mit hässlichen Abrisskarten mitbringen! Den ganzen Umständen (nicht ein Plakat in dem Dreckskaff ausgehängt) entsprechend, war eine peinliche und lächerliche Kulisse von nur 40 bis 65 Zuschauern zugegen.

Die Umstände waren zwar Niveau Kreisliga, aber das Spiel dafür locker auf dem Level der 3. Liga. Überraschend war nur, dass die Vollprofis aus Astrakhan eine so schwache Abwehr hatten, dass der USV ständig durch die Verteidigung brechen und treffen konnte. Beide Teams waren weitestgehend gleichwertig – einzig auffällig war, dass die russischen Kreisläufer wuchtigere und genauere Würfe abfeuerten. In der Abwehr war Halle aber eher stärker als Astrakhan, die sich teilweise Fehlabspiele am eigenen Kreis leisteten. Nach einem offenen Schlagabtausch in Hälfte eins, verteidigten beide Teams nach dem Seitenwechsel phasenweise besser. Dadurch sank die Torquote, doch der Attraktivität des Spiels tat das keinen Abbruch. Auch in der zweiten Halbzeit führte Astrakhan nie mit mehr als fünf Toren, am Ende war das 27:30 für den USV eine wirklich respektable Leistung. Zarya Kaspiya schien etwas überspielt, wenn die 1. russische Liga sich nicht ohnehin nur auf dem Niveau der 3. deutschen Liga befindet.  
Statistik:
- Grounds: 1.165 (heute 0 neue; diese Saison: 11 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.132 (heute 1; diese Saison: 20)
- Tageskilometer: 40 (40km Fahrrad)
- Saisonkilometer: 3.410 (3.060 Auto/ 350 Fahrrad/ 0 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 112 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 421

Montag, 18. August 2014

W420VI: Kreispokal in Kuhfelde

Kuhfelder SV 1949 ............................................................. 4
SV Arendsee 1920 ............................................................... 2
- Datum: Sonntag, 17. August 2014 – Anstoß: 14.00
- Wettbewerb: Kreispokal Altmark West (2. Altmark-West-Liga gegen 2. Altmark-West-Liga, Aufsteiger aus 3. Am.-W.-L.; d.h. beide Teams 10. Spielklasse, 5. Amateurliga)
- Ergebnis: 4-2 nach 92 Min. (47/45) – Halbzeit: 2-2
- Tore: 1-0 3. Benjamin Brauner, 1-1 4. Eric Röhl, 2-1 24. Patric Peysa, 2-2 38. Eric Röhl, 3-2 68. Patric Peysa, 4-2 72. Benjamin Brauner
- Verwarnungen: Patrick Peysa, Ronny Neumann? (Kuhfelde); Jan Steckmann, Philipp Oltersdorf, NN (Arendsee)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Dorfstadion der Freundschaft (Kap. 2.000 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 60 (davon ca. 10 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Nach hervorragender erster Hälfte beider Teams, zeigte in Halbzeit zwei nur noch Kuhfelde etwas)  
Photos with English Commentary:
a) Regional Cup Competition, Western Altmark District: SV 1949 Kuhfelde defeat SV 1920 Arendsee
b) Altmark Region: Salzwedel Old Town and Animal Park; Historic Churches in Groß Gerstedt, Osterwohle, Wallstawe, Kuhfelde, Hagen, Maxdorf, Kakerbeck, and Lindstedterhorst; Palace Ruin in Tylsen; Ferchau Village; Wilhelmshof Clinic

Irgendwie war ich schon vor Wochen auf diese Partie gekommen: am dritten Sonntag im August waren alle Erstrundenpartien im Kreispokal Altmark-West (Salzwedel) angesetzt und als Name stach irgendwie Kuhfelde heraus. Nach einem Blick auf deren Website stellte sich auch heraus, dass sich ein Besuch dort lohnt; denn das „Dorfstadion der Freundschaft“ hat nicht nur eine schöne Eisenkonstruktion mit diesem Schriftzug über dem Eingang, sondern auch eine vierstufige Stehtribüne mit zwei Dächern, einem daneben befindlichen Sportlerheim mit Terrasse und sehr schönem Wandbild (Vereinswappen und angebotene Sportarten: Fußball, Handball, Turnen, Bogenschießen) und – als Highlight der Anlage – einen sehr formschönen Sprecherturm. Drumherum öffnet sich der Blick in die Wiesen- und Waldlandschaft bzw. direkt ins Dorf mit seiner typischen Feldsteinkirche.

Der Kuhfelder SV belegte einen guten 6. Platz in der Kreisliga, der Gast vom aufgrund seiner Tiefe und seiner Fischvorkommen überregional bekannten Arendsee war als Zweiter hinter Eintracht Berge mit 6 Niederlagen noch von der Kreisklasse (d.h. der untersten Ebene) in die Kreisliga aufgestiegen. Für angemessene 1,50€ (Vereinsmitglieder, Frauen und Kinder 1,00€) gab es ein gutes Spiel mit furiosem Beginn zu sehen. Je eine vergebene Chance auf jeder Seite und dann geht Kuhfelde schon mit einem Schuss aufs kurze Eck in Führung. Postwendend gleicht Arendsee per Kopf aus. Nur zwei Minuten später trifft Kuhfelde erneut – doch der Linienrichter erkennt auf Abseits.

Das Spiel ist ein offener Schlagabtausch, doch es dauert 20 Minuten, ehe wieder ein Tor fällt: Kuhfelde geht verdient erneut in Führung. Nach über 30 Minuten fällt der Ausgleich aus abseitsverdächtiger Position. Wegen dieser und anderer Szenen gab es immer mal Gemecker, aber gerade für ein Pokalspiel verlief es heute sehr ruhig und gesittet. Kuhfelde scheint ohnehin nicht solches Bruchvolk wie Klötze oder Kalbe oder andere unsympathische Vereine aus der Umgebung dort zu haben.

Nach der Pause konnte Arendsee nicht mehr den Finger ziehen und Kuhfelde machte mit einem Doppelschlag alles klar. Das 4:2 war im Endeffekt sogar noch zu niedrig, in jedem Fall aber ein völlig verdienter Sieg für den Gastgeber!  
Wir haben natürlich auch einiges angeguckt. Da Staßfurt wieder auf dem Weg lag, kam Anja mit, weswegen wir noch einmal nach Salzwedel fuhren. Denn Salzwedel ist mit ihren Fachwerkhäusern und Backsteinkirchen die sehenswerteste Stadt der Altmark. Den Tierpark (der befindet sich hinter der schlossartigen Probstei und kostet keinen Eintritt) besichtigten wir auch noch. Dann ging es über die Dörfer, Feldsteinkirchen angucken.

Fast jedes Dorf in der Altmark hat eine solche aus Feldsteinen errichtete Kirche. Dieser Baustil ist oft relativ einfach, aber besonders formschön. Da es so unheimlich viele Feldsteinkirchen gibt, die man in eine begrenzte Anzahl von Bautypen einteilen kann, fuhren wir nicht nach Karte, sondern suchten uns nach Panoramio-Fotos die besten Exemplare heraus.

In Groß Gerstedt steht eine sehr kleine Feldsteinkirche mit Schiefer-Dachreiter – eine der einfachsten Formen der Feldsteinkirchen. In Osterwohle hingegen ist eine ungewöhnlich verbaute (ein Wendelstein wurde angebracht) und hohe Kirche zu finden. Die Feldsteinkirche in Wallstawe ist besserer Durchschnitt, hat aber einen etwas auffälligen Turm. In Tylsen gab es zur Abwechslung mal ein Schloss zu sehen, was in der Altmark aber selten ist. Das Schloss wurde in der Nachkriegszeit (1948) von den Russen zerstört und ausgeraubt. Von Tylsen fuhren wir nach Ferchau, das nur über gepflasterte oder geschotterte Waldwege zu erreichen ist und eine Ansiedlung von drei Gehöften (darunter auch das Revierforsthaus) darstellt. Zwei weitere Kilometer auf Schotterwegen und wir hatten Kuhfelde mit seiner historisierenden Feldsteinkirche erreicht.

Nach dem Spiel in Kuhfelde besichtigten wir die Feldsteinkirchen in Hagen und Maxdorf. Hagen hat eine typische Feldsteinkirche mit ungewöhnlicherweise separat stehendem hölzernen Glockenturm zu bieten, Maxdorf eine mit überdachtem Eingang. In besonders seltsames Exemplar steht in Lindstedterhorst: da wurde wohl dutzende Male ausgebessert – also diese Pfriemelei ist wirklich kurios anzusehen. Nach etwas Groundspotting in Lindstedt, Jävenitz und Uchtspringe fuhren wir noch in den Wald hinter nach Wilhelmshof (bei Google und ADAC ist das ein namenloses Dorf, das man nur auf unbefestigten Wegen erreicht – in Wirklichkeit ist das eine kirchliche Ansiedlung mit Suchtklinik, Kirche, Laden etc. die mittlerweile eine asphaltierte Zuwegung hat) und dann über Staßfurt zurück nach Merseburg.

In Staßfurt gingen wir natürlich wieder bei Aldo Pizza essen, wobei dort schon wieder einige Vollidioten zugast waren, die sich über angeblich falsch belegte Pizza pöbelnd ausließen: der Inhaber hat echt Pech, dass er den Laden in so einer Drecksstadt wie Staßfurt aufgemacht hat: außer in NRW hab ich noch nie so viele Asis auf einen Haufen gesehen, wie in Staßfurt...

In jedem Fall war das eine sehr lohnende Tour in die Altmark – und im Übrigen wohl die letzte Tour mit unserem Dacia Sandero Stepway. Denn ein neues Auto steht in Leuna schon bereit und der Verkauf dieses sehr robusten und durch hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis begeisternden Autos ist bereits in die Wege geleitet!  
Statistik:
- Grounds: 1.165 (heute 1 neuer; diese Saison: 11 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.131 (heute 1; diese Saison: 19)
- Tageskilometer: 540 (540km Auto)
- Saisonkilometer: 3.370 (3.060 Auto/ 310 Fahrrad/ 0 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 112 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 420

Sonntag, 17. August 2014

W420V: Mäßiges Kreispokalspiel in Roitzsch

Sportverein 1920 Roitzsch ................................................ 4
Verein für Bewegungsspiele Gröbzig 1920 II .................. 0
- Datum: Samstag, 16. August 2014 – Anstoß: 15.00
- Wettbewerb: 2. Runde des Kreispokals Anhalt-Bitterfeld; sogenannter „Opel Cup” (Landesklasse Sachsen-Anhalt Staffel 5; 8. Spielklasse, 3. Amateurliga gegen Kreisliga Anhalt-Bitterfeld; 10. Spielklasse, 5. Amateurliga)
- Ergebnis: 4-0 nach 92 Min. (46/46) – Halbzeit: 2-0
- Tore: 1-0 25. Kim Schäfer, 2-0 35. Max Langenberger, 3-0 49. Max Langenberger, 4-0 75. Marcel Sporbert
- Verwarnungen: Max Langenberger (Roitzsch); Sascha Ballerstedt, David Dimt (Gröbzig)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Glück Auf Stadion (Kap. 2.340, davon 40 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 65 (davon ca. 5 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 4,0/10 (Einige Torraumszenen aber niedriges Niveau)  
Photos with English Commentary:
Anhalt-Bitterfeld District Cup: SV Roitzsch 1920 defeat VfB Gröbzig 1920 Reserves

Während unser TSV Leuna sich mit einem 5:0 bei Einigkeit Tollwitz durchsetzte, sahen wir einen anderen Landesklassevertreter in einem anderen Kreispokal gegen einen anderen Kreisligisten ähnlich hoch gewinnen. Ob das Spiel in Tollwitz ähnlich einseitig und uninteressant war? Keine Ahnung, aber jedenfalls spielte da der Klassentiefere zuhause, während in Anhalt-Bitterfeld gelost wurde.

Mir war allerdings sehr recht, dass in Roitzsch gespielt wurde. Das ist zwar so ein typisches hässliches Kaff im Raum Bitterfeld – immerhin haben wir was zu Essen gefunden: eine aserbaidschanische Familie betreibt einen ganz ordentlichen Döner – aber da das Glück Auf Stadion dort ganz ansehnlich ist, hat sich die Fahrt gelohnt: rundherum verlaufen Graswälle, an zwei Stellen gibt es gemauerte Durchlässe, auf der einen Längsseite sind auch zwei ungleiche Stehtribünen mit je sechs Reihen auf den Wall gebaut. Dahinter befinden sich ein paar Bänken und eine Anzeigetafel – rechts und links dieser Konstruktionen stehen kleine Bäume.

Wir hatten uns weit weg von anderen Zuschauern platziert und die Kalkulation ging auf: der Kassierer hatte keinen Bock zu uns rüber zu gehen und Geld einzusammeln. Es wäre sicherlich ohnehin ein zu hoher Betrag gewesen – denn bei einem solchen Pokalkick mit nur einem Schiedsrichter wäre alles über 1,50€ unverschämt und als Landesklasseclub will man ja schnell mal das Doppelte.

Das Spiel war wie erwartet sehr einseitig und während die Reserve des VfB Gröbzig kaum vors gegnerische Tor kam – ein guter Schuss ging knapp daneben – erschien Roitzsch alle paar Minuten vor dem Kasten der Gäste. Die Angriffe und Schüsse waren aber zumeist recht dürftig für eine solche überregionale Liga. Nur ein schön aus der Luft genommener Schuss aus 8 oder 9m und ein souverän am Torwart vorbei gedribbelter Schuss aus 11 bis 12m landeten im Kasten.

Nach der Pause fing der Gastgeber druckvoll an, doch nach einem gut heraus gespielten und in die Mitte gedonnerten 3:0 verschossen sie einen Elfmeter auf lächerliche Art und Weise (dämlich verzögert und dann keinen richtigen Schuss mehr hinbekommen) und machten dann herzlich wenig für einen spektakuläreren Sieg. Aber anscheinend war das weniger Nicht-Wollen, sondern mehr Nicht-Können. Irgendwie ging dann noch ein vierter Ball ins Tor und das war dann das unspektakuläre Ausscheiden einer Kreisligamannschaft bei einem Landesklasseteam.

Insgesamt war es aber doch lohnend, diese Tour gemacht zu haben: die Strecke ließ sich trotz Regens sehr gut innerhalb von je zweieinhalb Stunden pro Richtung mit dem Fahrrad fahren!  
Statistik:
- Grounds: 1.164 (heute 1 neuer; diese Saison: 10 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.130 (heute 1; diese Saison: 18)
- Tageskilometer: 90 (90km Fahrrad)
- Saisonkilometer: 2.830 (2.520 Auto/ 310 Fahrrad/ 0 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 111 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 420

Freitag, 15. August 2014

W420IV: Erste Heimniederlage seit März für Leunas Alte Herren

TSV Leuna 1919 AH .......................................................... 2
Ballsportverein Halle-Ammendorf 1910 AH ................... 3
- Datum: Freitag, 15. August 2014 – Anstoß: 18.00
- Wettbewerb: Freundschaftsspiel Alte Herren
- Ergebnis: 2-3 nach 70 Min. (35/35) – Halbzeit: 0-1
- Tore: 0-1 5. Nr, 9, 1-1 52. Rene Schmidt, 1-2 55. Nr. 2, 1-3 60. Nr. 10, 2-3 69. Thomas Münch
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stadion des Friedens (Kap. 5.000 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 12 (davon ca. 1 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes Spiel zweier gleichstarker Teams mit glücklichem Ende für den Gast)  
Photos with English Commentary:
Veterans Friendly Match: TSV Leuna 1919 v BSV Halle-Ammendorf 1910

Nachdem am Vortag noch ein internationales Spiel vor rund 600 Zuschauern im Stadion des Friedens stieg, stand am Freitag wieder Altherren-Alltag mit nur etwa 12 Fans auf dem Programm.

Der favorisierte Gast aus Halle ging bereits nach fünf Minuten nach einem abgestaubten Querpass im Fünfmeterraum in Führung. Bis zur Pause entwickelte sich ein ordentliches Spiel mit etwas mehr Anteilen bei Ammendorf aber keinem weiteren Treffer.

Nach der Pause wurden Tempo und Spielgenauigkeit erhöht. Leuna gelang ein ähnlicher Treffer wie zuvor den Gästen: Melchior dringt in den Strafraum ein und passt im Fünfmeterraum quer auf Schmidt, der den Fuß reinhält und den Ball am Tormann verbeibringt. Innerhalb von sechs Minuten entschied Ammendorf aber das Spiel durch zwei saubere Treffer. Einer davon ging typischerweise von der Latte ins Eck, während bei beiden Lattentreffern der Leunaer der Ball unglücklich wegsprang. Der wuchtige Schuss von Münch über den Ammendorfer Torwart hinweg, kam zu spät: mehr als ein 2:3 war gegen diesen starken Gegner leider nicht drin!  
Statistik:
- Grounds: 1.163 (heute 0 neue; diese Saison: 9 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.129 (heute 1; diese Saison: 17)
- Tageskilometer: 10 (10km Fahrrad)
- Saisonkilometer: 2.740 (2.520 Auto/ 220 Fahrrad/ 0 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 110 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 420

Donnerstag, 14. August 2014

W420III: Mal wieder internationales Flair in Leuna; HFC unterliegt Umm Salal

Hallescher FC 0:2 Umm-Salal SC (نادي ام صلال الرياضي)
- Datum: Donnerstag, 14. August 2014 – Anstoß: 18.00
- Wettbewerb: Testspiel 3. Liga gegen Qatar Stars League (3. deutsche Profifußballliga gegen 1. katarische Profifußballliga)
- Ergebnis: 0-2 nach 91 Min. (45/46) – Halbzeit: 0-1
- Tore: 0-1 30. Fabio, 0-2 71. Murad
- Verwarnungen: Nr. 2, 20 (HFC); Nr. 3, 4, 5, 77 (Umm-Salal)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stadion des Friedens (Leuna; Kap. 5.000 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 600 (ausschließlich HFC-Fans und Leunaer, davon zahlende Zuschauer: 480)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Über weite Strecken gutes Testspiel)  
Photos with Arabic and English Commentary:
International Friendly Match in Leuna: Hallescher FC v Umm Salal (Qatar) 

Vor 3 Jahren gab es in Leuna schon mal so ein internationales Testspiel des Halleschen FC: der Eintritt war aber glaube ich niedriger gegen den makedonischen Erstligisten, den der damals noch viertklassige HFC da mit 3:1 abfertigte. Heute gab es für 8€, was der günstigsten Kartenkategorie für Liga 3 entspricht, ein Spiel gegen einen katarischen Erstligisten zu sehen. Mit dem wirklich guten Zuschauerzuspruch von um die 600 Fans hätte ich übrigens nicht gerechnet. Dass die Saalefront darunter sein würde, dachte ich mir allerdings schon...

Umm Salal aus einer etwas landeinwärts gelegenen Kleinstadt nördlich der Hauptstadt Doha, die ihre Spiele im nahe gelegenen Hauptstadtvorort ar-Rayyan austragen, hat in der Dawry an-Nujoum (Liga der Stars), die irgendwo zwischen internationalem Mittelmaß und gutem Altherrenfußball aufgrund der vielen abgehalfterten internationalen Stars schwankt, selten etwas gerissen. Übrigens: in der Liga spielen so viele Ausländer, die ihren Zenit meist schon lange überschritten haben und teils unter sehr schlechten Vertragskonditionen zu leiden haben, und natürlich kein Arabisch können, dass andauernd die Sportreporter des katarischen Fernsehens die Interviews in einer Fremdsprache (Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch) führen und gleichzeitig fürs Publikum ins Arabische übersetzen müssen – würde ich beim deutschen TV ja gerne mal sehen, wo viele Reporter ja selbst mit Englisch nicht klar kommen, dass ein Reporter gleich mal den Übersetzer macht... Nady Umm Salal ar-Riyadhy – ich dachte erst Umm Salal sei ein Personenname, aber nach kurzer Recherche habe ich eine schöne Übersetzung gefunden, die den Ortsnamen sehr idyllisch erscheinen lässt: SV Giftnatternhausen – ist jedenfalls kein Spitzenteam, sondern meist nur im Mittelfeld zu finden und konnte bisher auch nur einen Titel (den Prinzenpokal 2008) holen. Derzeit sind sie in der Vorbereitung auf die neue Saison im Trainingslager in Sachsen (u.a. Dresden und Erzgebirge). Beim HFC hat die Saison schon begonnen, neben einem genialen 5:1 Auswärtssieg in Bielefeld sind auch zwei genitale Niederlagen zuhause dabei.

Die HFCer meckerten noch über den angeblich zu hohen Rasen, sodass noch während des Aufwärmens gemäht werden musste. Die Hallenser hatten auch den besseren Start, konnten ihre Chancen und Spielanteil jedoch nicht in Tore ummünzen. Mit der dritte Aktion – einem hervorragend mit Flachschuss abgeschlossenen Konter – ging Umm Salal in Führung. Bis zur Pause entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, bei dem Umm Salal zeigte, dass sie als katarischer Erstligist einem deutschen Drittligisten spielerisch, taktisch und technisch überlegen sind. Halle kam zwar zu einem Lattentreffer und mehrmals musste der Schlussmann der Katarer klären, aber zu einem Treffer kamen die Hallenser wie gesagt nicht.

Auch in Hälfte zwei sah es da dürftig aus. HFC hatte viele Spielanteile, doch Umm Salal ließ sie nur soweit kommen, wie es sicher war. Mit einem Freistoß an den Innenpfosten gelang der 0:2 Siegtreffer. Der HFC traf noch einmal die Latte und hielt sich trotz des aussichtslosen Spielverlaufs mit Härte zurück. Nur der Finne Furuholm benahm sich ähnlich aggressiv wie die Katarer und Südamerikaner bei Umm Salal streckenweise mit ihren Rudelbildungen...

Jedenfalls war das Spiel von beiden Seiten nicht schlecht, endete mit dem verdienten Sieg für die zwar nicht offensivere aber bessere Mannschaft (ein Klassenunterschied war erkennbar), doch bestätigte schlussendlich meine Einschätzung, dass die katarische Liga mit ihrem beknackten Konzept nicht mit den qualitativ klar höherwertigen saudischen und emiratischen Ligen mithalten kann, die in der Golfregion auch die mit Abstand besten Zuschauerzahlen haben.  
Statistik:
- Grounds: 1.163 (heute 0 neue; diese Saison: 9 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.128 (heute 1; diese Saison: 16)
- Tageskilometer: 20 (20km Fahrrad)
- Saisonkilometer: 2.730 (2.520 Auto/ 210 Fahrrad/ 0 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 109 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 420