Posts mit dem Label Schweiz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Schweiz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 12. September 2019

SCHWEIZ

LP Nr. 14, Grounds: 5 (3+2)  

Fußballstadien:
Basel (1): St. Jakob-Park (FC Basel) – 38.512 (38.512/ 0); 7,0
Saint Maurice VS (1): Stade du Camp du Scex (FC Saint Maurice) - 1.075 (75/ 1.000); 9,5
Sion/ Sitten (1): Stade de Tourbillon (FC Sion) - 14.283 (12.283/ 2.000); 9,5

Andere Sportanlagen: 
Bern (1): Post Finance Arena (SC Bern Eishockey) – 18.000 (10.000/ 8.000); 7,0
Ormalingen (1): Turn- und Schwingplatz (Schwing- und Turnfeste TV Ormalingen) - 1.500 (temporär 1.000/ dauerhaft 500); 5,0 

W684II-III: Walliser Stadien mit Berg- und Burgpanoramen

Schweiz ............................................................... 4
Gibraltar ............................................................. 0
- Datum: Sonntag, 8. September 2019 – Beginn: 18.00
- Wettbewerb: Qualifikation zur EM 2020, Gruppe D
- Ergebnis: 4-0 nach 96 (48/48) Minuten – Halbzeit: 3-0
- Tore: 1-0 37. Zakaria, 2-0 43. Mehmedi, 3-0 45.+3 Rodríguez, 4-0 87. Gavranović
- Gelbe Karten: Chipolina (Gibraltar)
- Rote Karten: keine
- Austragungsort: Stade de Tourbillon (Sion/ Sitten; Kapazität: 14.283, davon 12.283 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 10.000 (davon 8.118 zahlende und ca. 20 Gibraltarer)
- Unterhaltungswert: 6,5/10

FC Saint Maurice 1909 ...................................... 3
FC Conthey 1951 ................................................ 3
- Datum: Samstag, 7. September 2019 – Beginn: 18.00
- Wettbewerb: 2. Liga interregional, Gruppe 1 / 2ème Ligue interrégionale, groupe 1 (5. schweizerische Fußballliga, 1. Amateurliga)
- Ergebnis: 3-3 nach 95 (46/49) Minuten – Halbzeit: 3-1
- Tore: 1-0 8. Cotter, 1-1 27. Tamayo, 2-1 35. Gjocaj, 3-1 41. Afonso, 3-2 60. Thétaz, 3-3 66. Mvuatu
- Gelbe Karten: Gjocaj, Machado, Terrettaz (St-Maurice); Garcia, Saraiva, Tamayo (Conthey)
- Rote Karten: keine
- Austragungsort: Stade du Camp du Scex (Kapazität: 1.075, davon 75 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 200 (davon ca. 20 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 Switzerland 4:0 GibraltarPhotos with English commentary:
a) European Championships Qualifying Match: Switzerland vs. Gibraltar in Sion
b) 5th Division Switzerland: FC Saint Maurice vs. FC Conthey
c) Vaud & Valais (Waadt & Wallis): Avenches, Chexbres (view on Lake Geneva), CHILLON, Saint-Maurice, Les Agettes, Vex, SION

Ich bin nach wie vor kein Fan der Schweiz und werde unser Nachbarland nie sympathisch finden, wahrscheinlich werde ich auch nicht so schnell noch mal dort hinfahren, aber sehenswerte Ecken gibt es dort natürlich viele und lohnende Stadien auch. Durch einen anderen Groundhopper bin ich auf das in Sion (Sitten) befindliche Stade Tourbillon gekommen. Und wo spielte die Schweizer Nationalmannschaft an meinem Geburtstag gegen Gibraltar? Richtig: Stade de Tourbillon in Sion! Da kann man doch mal einen drauf machen, wenn freundlicherweise sowieso die Eltern die obszönen Fußballkarten-, Burgeintritts-, Hotel- und Essenspreise zahlen, und zu dritt für ein etwas verlängertes Wochenende in die Schweizer Kantone Waadt und Wallis fahren! AvenchesMeine Eltern kamen am Donnerstag an. Durch meinen Überstundenabbau fuhren wir am Freitag schon um 16 Uhr los. Nach Einkauf und Tankstopp in Freiburg waren wir noch früh genug im Ibis Budget Mulhouse Dornach, um dort die 2. Halbzeit von Deutschland-Niederlande in der Glotze zu sehen.

Richtig los ging es natürlich aber erst am Samstag. Nach dem Frühstück brachen wir in die Schweiz auf. Über die mautfreien Landstraßen ging es durch die Kantone Jura und Fribourg auf teils sehr engen und von Felsen umrahmten Strecken nach Waadt. Einer der ersten Orte war Avenches. Die Stadt war zur Römerzeit sehr bedeutend, hat heute nur noch einen Bruchteil der Einwohner und einen starken Absturz erlitten. Man erkennt das gut an der Größe des rekonstruierten Amphitheaters mit dem markanten Turm und dem dahinter befindlichen neuzeitlichen Schloss. Sehenswert ist auch eine romanische Kirche – leider geschlossen. Als wir weiterfuhren, wurde gerade ein Festival für schottische Marschmusik (Tattoo) aufgebaut, das dann auch im Amphitheater stattfinden sollte.

Es ging noch an einigen interessanten Orten vorbei zum Genfer See. Der berühmte Teich ist sehr überschätzt, gerade solche Orte wie Montreux sind potthässlich zubetoniert, aber zwischen den größeren Orten findet man schöne Weinberg- und Felspanoramen um den See herum. Ziemlich am Ende des Gewässers und am Rande des Kantons Waadt befindet sich die mit Abstand beste Sehenswürdigkeit der Gegend: das Burgschloss Chillon. Auf einer ganz geringfügig vor dem Festland liegenden Felsinsel wurde diese Burganlage errichtet und hervorragend wieder aufgebaut. 11€ Eintritt waren da gar nicht so krass übertrieben, da man 2 Stunden einplanen muss. Mit den Gewölbekellern, hölzernen Wehrgängen, dem Bergfried mit Rundumblick, den Sälen mit Holzdecken und Wandmalereien und den ausgestellten Rüstungen und Waffen ist das eine der besten Burgen die ich je besucht habe!

Im Nachbarkanton Wallis (Valais) steuerten wir gleich Saint Maurice an. Nicht zu verwechseln mit dem Edel-Skiort St. Moritz im Engadin... Hier in St. Moritz VS gibt es ein paar Festungsanlagen in schöner Landschaft sowie eine bedeutende Kirche, die wir auch innen besichtigten. Auch dieser Ort wirkte sehr gepflegt, nur ziemlich ausgestorben. Letzteres passte natürlich zu dem Artikel auf Wikipedia, der von Abwanderung aus dem Wallis in Ausmaßen, die mich doch etwas wunderten, spricht: „Viele Menschen aus den Alpenkantonen zieht es, zumindest vorübergehend, in die städtischen Ballungszentren des schweizerischen Mittellandes. Auch das Wallis ist von dieser Wanderungsbewegung betroffen. Jedes Jahr verlassen zahlreiche, vorwiegend junge Leute das Tal, um woanders zu arbeiten oder an einer Hochschule (Universität etc.), berufsbildenden Schule (Berufsschule etc.) oder in einem Lehrbetrieb eine Ausbildung zu absolvieren. Die meisten von ihnen tun dies, weil die Möglichkeiten dazu im Wallis beschränkt sind. Sie finden keine ihnen entsprechende Anstellung oder die angestrebte Ausbildung wird nicht angeboten. Teilweise besitzen die ausserhalb lebenden Walliser eigene Ferienhäuser, die sie zum Wandern oder Skifahren aufsuchen. Ein Teil der Ausgewanderten kehrt nach ein paar Jahren oder dem Abschluss der Ausbildung wieder ins Wallis zurück. Gerade für Hochschulabgänger ist es oft schwierig, im Wallis eine ihrer Ausbildung entsprechende Stelle zu finden. Erhebungen von 2004 zufolge arbeiten tatsächlich rund zwei von drei Wallisern mit einer höheren Ausbildung nach deren Abschluss nicht im Heimatkanton. Damit verliert dieser jährlich viele hochqualifizierte Arbeitskräfte und es geht ihm Kapital verloren (Talentabwanderung). Der Kanton investiert jedes Jahr rund 50 Millionen Schweizer Franken in die höhere Ausbildung von Personen, die später ausserhalb des Kantons arbeiten und leben.“ ChillonMeine Eltern hetzten dann nicht noch wie ich zur Kapelle Scex hoch, die auf halber Höhe in einen Felsen geklatscht wurde und über steile und lange Treppen durch Krüppelwald erreichbar ist (immer dem Kreuzweg nach). Von der Treppe auf Höhe der Station 12 sieht man toll ins kleine Stadion Scex. Umgekehrt ist der Blick natürlich auch einmalig: die steile Felswand wenige Meter hinter dem Platz und auch sonst drumherum nur Berge, deren Gipfel immer wieder von Wolken zugehängt wurden. Es gibt auch eine lustige kleine Tribüne mit Dach und Holzbänken. Eintritt kostete schlappe 10 Franken (ermäßigt 7, also etwas über 9€ bzw. fast 6,50€) – für die fünfte Liga, die in 5 Gruppen eingeteilte 1. Amateurliga...

Das Spiel lohnte aber wirklich das Kommen, denn es ging von Anfang an hin und her. Eine spannende Partie, die in der ersten Halbzeit die besten Szenen vom Gastgeber, FC Saint Maurice sah, der früh mit einem weiten Schlag in den Strafraum und Verlängerung per Kopf zum 1:0 traf, danach den Ausgleich kassierte und vor der Pause noch zwei Treffer zum 3:1 nachlegte. Doch in der 60. und 66. sorgten zwei Treffer zum 3:3 Endstand, mit dem der Gast aus Conthey zufrieden sein muss. Auch nach gelben Karten stand es am Ende 3:3 in einer fairen und von einem sehr guten Schiedsrichter, aber zu viel Abseits winkenden Linienrichtern geleiteten Partie. Etwas schade waren hier nur die geringen Emotionen. Leider penetrierte auch niemand den Rasen, was in diesem komischen Französisch ja offenbar mit dem Schild „Interdiction pour le spectateurs pénétration de la gazon“ an der Spielfeldbegrenzung verboten wurde...

Wir übernachteten dann erstmals in der Schweiz. Die billigste Möglichkeit in der Region war die Klosterunterkunft der Franziskaner. Sehr freundlich – hier auch deutschsprachig, was in weiten Teilen von Wallis kaum bekannt zu sein scheint: hier wird oft nur französisch gesprochen und verstanden – und auch ganz schön dort, aber es ist schon echt pervers, für diese primitiven Zimmer mit einfachem Frühstück für 3 Personen 170€ zu verlangen. Und es war wie gesagt die billigste Unterkunft im Ort... In einem Land, dass nicht von einen Bauernvolk bevölkert wird, das durch zweifelhafte Bankgeschäfte zu Reichtum gekommen ist und diesen so penetrant zur Schau stellen muss, kostet sowas 60€. In Frankreich zahlten wir für Vergleichbares 70€ - für beide Nächte in Frankreich mit 2x Frühstück also klar weniger als für 1 Nacht in der Schweiz.
Auch das Essen war eindrucksvoll ausgepreist: Dürüm mit Pommes – 12€. Kostet bei unserem Syrer in Bonn 6€ und ist genauso groß und von genauso hervorragender Qualität wie bei diesem Türken in St. Maurice, der dennoch mit der günstigste Laden im Ort war. Aber man muss hier die hohe Qualität und das sehr freundliche Personal loben. Wenn schon maßlose Preise (die Mieten werden für das mickrige Ladenlokal ja auch obszön sein) dann wenigstens für ein richtig gutes Abendessen! Saint Maurice VS+ * * * * * +++ * * * * * +++ * * * * * + FC Saint Maurice 3:3 FC ContheySonntag ging es nach dem Frühstück in Richtung Sion los. Ein kleiner Abstecher über Les Agettes und Vex, zwei spektakulär oberhalb von Sion in den Berghängen gelegene Ortsteile der Walliser Hauptstadt, in denen es zwei sehr sehenswerte Sportanlagen gibt (in Vex fand auch gerade ein A-Jugendspiel statt, hatte aber schon angefangen und wäre auch zu lange geworden für unseren Zeitplan). Überwiegend sind die Häuser hier modern und gesichtslos, aber es gibt auch noch klassische Holzhäuser.

Sion selbst ist weitestgehend gesichtslos, steril und von Plattenbauten bestimmt. Doch der Altstadtkern ist schön anzusehen, hat sehr enge Gassen und auf einem Felsen liegen gleich zwei Burganlagen. Auf einem zweiten Felsen liegen noch mit der Ruine Montgorge die Überreste einer dritten Burganlage, die wir aber nicht besuchten. Es reichte der lange Weg zur Kirchenburg Valere und der Burgruine Tourbillon. In wirklich spektakulärer Berglandschaft erheben sich diese eindrucksvollen mittelalterlichen Burganlagen, die man frei besichtigen kann. Dazwischen befinden sich noch zwei sehr alte aber leider verschlossene Kapellen. Ein wirklich toller Ort und sinnvollerweise wird das Stadion des FC Sion, das man toll von der Burg Tourbillon sieht, nach ebendieser Burgruine „Stade Tourbillon“ genannt. SionNach einem Imbiss in einem Dönerladen, der noch teurer als gestern und dabei weniger gut war, machten wir uns ins Stade Tourbillon auf. Zur Geschichte der Stadien des FC Sion kann man sehr gut die Website konsultieren: http://www.fcsion.ch/de/Club/Tourbillon/ - von der Lage her ist es sicher das mit Abstand beste im schweizerischen Profifußball. Es liegt unterhalb des Felsen mit der namensgebenden Burgruine Tourbillon und natürlich auch der Kirchenburg Valere bzw. der Kapelle zwischen den beiden Burgen. Baulich ist es auch recht originell mit vier nicht miteinander verbundenen Tribünen, die teilweise hölzerne und mit Plexiglas verglaste Verschalungen an den Seiten und alle gewellte Dächer haben.

Das Spiel hatte je nach Kategorie zwischen 30€ und 80€ gekostet. Mit 57€ hatten wir eine gute Kategorie – preislich natürlich völlig pervers: wir reden hier von einem Qualifikationsspiel des drittklassigen schweizerischen Profiteams gegen eine ganz gute Amateurauswahl aus Gibraltar! Wenig verwunderlich, dass das Stadion nur zu knapp vier Fünfteln gefüllt war und nicht etwa ausverkauft. Erwartungsgemäß verteidigte Gibraltar mit Zehnerkette, was zu einem munteren Chancenfestival wurde. Dadurch war es ein unterhaltsames und lohnendes Spiel. Die Chancenverwertung der Schweizer war aber sehr schlecht, sodass es erst kurz vor der Pause von 0:0 auf 3:0 binnen 12 Minuten bzw. zwei Kopfbällen und einem 25m-Weitschuss ging. Nach der Pause nur ein weiterer Treffer trotz diverser Großchancen. Das lag dann auch an aufopferungsvoller Verteidigungsarbeit der Gäste und einem schlechten tschechischen Schiri-Gespann (gibt es da überhaupt gute Schiris in unserem Nachbarland? Ich sehe fast immer seltsam pfeifende bis offen korrupt verschiebende Schiris von und bei denen – selbst im internationalen Bereich!) das den Schweizern zwei klare Elfmeter verwehrte.

Noch ein Wort zur schweizerischen Nationalmannschaft: in Deutschland haben ja etliche Eingeborene schon Probleme, dass wir mit Tah, Can, Gündoğan und Gnabry 4 Spieler, deren Eltern/ Großeltern (zumindest teilweise) nicht in Deutschland geboren sind, im Kader aufbieten und dass es in den letzten Jahren auch mal 6 oder 7 mit ähnlichen Biografien im 23-Mann-Kader gab. Dieses unzivilisierte Pack würde wahrscheinlich nach Malle auswandern, wenn wir eine Nationalmannschaft aufstellen würden, wie die Schweizer: 24 Mann sind derzeit gemeldet, davon sind nur 8 Almöhis, ähm ich meine natürlich autochthone Schweizer, und 16 Schweizer, die teilweise nicht einmal in der Schweiz geboren sind und jedem Fall mindestens ein Elternteil aus der Türkei, Balkanstaaten oder Schwarzafrika haben. Das ganze Team wird von einem kroatisch-bosnischen Trainer (Vladimir Petković), zusammengehalten. Eigentlich eine sympathische Truppe, scheint auch nicht solche schwachsinnigen Querelen a la Özil zu geben. Aber andererseits finde ich es schon interessant, dass die Schweiz ja offensichtlich deutlich schwächer wäre ohne ihre Migrantenkicker, die sie teilweise wie im Fall des in Kamerun geborenen Embolo auch gezielt für diese Zwecke einbürgern – was man Katar ja immer aus Europa heraus großfressig vorhält, während es selbst in Deutschland mit z.B. Asamoah oder v.a. Cacau gemacht wurde. Zum Vergleich: Katar hat einen Ausländeranteil von 80% zzgl. wenigen Prozent Inländer mit ausländischen Eltern – in der Nationalmannschaft spielen 2 eingebürgerte Algerier und 1 Brasilianer und ansonsten nur katarische Araber, davon nur 3 mit ausländischem Elternteil (fast alle sind mittlerweile einheimische Absolventen der Aspire-Academy) und Deutschland hat 13% Ausländer zzgl. noch mal so viele mit ausländischen Eltern und wie gesagt 4 Spieler mit Migrationshintergrund. Aber die Schweiz mit ihren 26% Ausländern zzgl. ein paar Prozent Inländer mit ausländischen Eltern hat ganz überwiegend, nämlich 13 Spieler mit ausländischen Eltern und 3 im Ausland geborene. Die Tore machten am heutigen Abend auch erwartungsgemäß die folgenden Sportfreunde: Zakaria auf Vorlage von Xhaka, Rodríguez, Gavranović und Mehmedi – da kam die Vorlage aber mal von Schär, dem neben Torwart Sommer einzigen autochthonen Schweizer in der Startelf... SionDie Rückfahrt ging über weite Strecken auf denselben Landstraßen – mit Maut hat man auch nicht so viel Auswahl wegen der Berge und Täler, aber ohne Maut noch weniger. 1.30 Uhr kamen wir in Mulhouse an und mussten dort den Pächter aus dem Ibis Budget rausklingeln, weil der Eincheck-Automat mal wieder nicht ging. Das ist in Frankreich echt eine Seuche mit dem Zustand der Technik in den Accor-Hotels...

Durch weitere abgebaute Überstunden musste ich Montag erst 14.30 Uhr ins Büro. Das reichte nach dem Frühstück im Ibis Budget und dem Mittagessen beim Syrer in Bonn auch gerade so... Switzerland 4:0 GibraltarStatistik:
- Grounds: 2.498 (Sa 1, So 1; diese Saison: 55 neue)
- Sportveranstaltungen: 3.727 (Sa 1, So 1; diese Saison: 78)
- Tourkilometer: 1.520 (Fr 470km Auto, Sa 240km Auto, So 350 km Auto, Montag 460 km Auto)
- Saisonkilometer: 51.740 (44.140 Flugzeug/ 6.970 Auto, davon 1.680 Mietwagen/ 590 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre / 0 Bus, Bahn, Straßenbahn)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 7 [letzte Serie: 72, Rekordserie: 178]
- Jede Woche mindestens eine Sportveranstaltung seit: Kalenderwoche 31 des Jahres 2006 (31.7.-6.8.), d.h. seit 684

Montag, 21. November 2016

W538I: Das zahlreichste Eishockeypublikum Europas

Schlittschuh-Club Bern .................................. 3
HC Fribourg-Gottéron ................................... 2
- Datum: Dienstag, 13. November 2016 – Beginn: 19.45
- Wettbewerb: Nationalliga A (1. Schweizer Profi-Eishockeyliga)
- Ergebnis: 3-2 nach 60 Min. (3x20) – Drittel: 0-0, 1-1, 2-1
- Tore: 1-0 25. Bodenmann (PP 1), 1-1 26. Neukom, 1-2 44. Rathgeb, 2-2 49. Ruefenacht, 3-2 59. Moser
- Strafminuten: Moser 2, Gerber 2 (Bern = 4 Minuten); Mottet 2, Gustafsson 2, Chavaillaz 2 (Fribourg = 6 Minuten)
- Austragungsort: Post Finance Arena (Kap. 18.000, davon 10.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: 16.097 (davon ca. 500 Gäste)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes Spiel, leider schien aber Bern gemeint zu haben, unbedingt im letzten Moment mit nur einem Tor gewinnen zu müssen) SC Bern 3:2 HC Fribourg-Gottéron Photos with English Commentary:
Ice Hockey: Bern defeat Fribourg

Am Montag hatte Khatereh noch frei, sodass sie uns ein Wellnessprogramm organisierte. Dienstag musste sie dann zur Nachtschicht, was mich auf die Idee brachte, in die Schweiz zum Eishockey zu fahren. Die Franken hatte ich vorsichtshalber mitgenommen. Für Sightseeing reichte es leider nicht mehr, aber ich war pünktlich in Bern da. Wie alle anderen auch im Parkverbot im Gewerbegebiet geparkt und nachdem ich für horrende 20 Franken (19€) einen Stehplatz gesichert hatte, ging ich bis ganz oben durch: beste Sicht in der Post Finance Arena. Auf einer Längsseite gibt es Stehplätze in einem riesigen Oberrang, der nach oben immer schmaler wird und darunter eine Sitztribüne. Gegenüber sind mehrrängige Sitztribünen und hinter den Toren ebenfalls. Die Dachkonstruktion ist spektakulär und geschmackvoll.

Die Stimmung ging nur von den zentralen Stehplätzen und dem Gästesektor (gut 500 Freiburger da) aus. Aber mit einem Zuschauerschnitt von über 16.000 (18.000 gehen rein) hat der SC Bern das größte Publikum Europas. Nur etliche NHL-Clubs in USA/ Kanada haben noch höhere Zuschauerschnitte (und noch größere Hallen). Das Spiel war trotz torlosen ersten Drittels das Kommen ebenfalls wert. Der Meister und derzeitige Zweite machte allerdings etwas wenig. Auch nach dem 1:0 im Mitteldrittel. So gerieten sie gegen den Abstiegskandidaten aus Fribourg, für die es immer zweisprachige Durchsagen (Schwyzertütsch für die Berner, Französisch für die Gäste) gab, 1:2 in Rückstand. Erst in der Schlussphase gelang der 3:2 Sieg. Auf dem Rückweg machte ich wenigstens noch ein paar Sightseeingfotos: die beleuchtete Stadtbefestigung von Solothurn. Ich übernachtete in Mulhouse im F1: besoffene osteuropäische Gäste, abgewohnte Zimmer, dreckige Gemeinschaftsduschen. Das ist Frankreich! Aber es ist viel billiger als in der korrupten, arroganten Schweiz. Dort gebe ich prinzipiell nur für Sporteintrittskarten Geld aus. Aber der Sport ist es, der mich ab und an doch in die unsympathische Alpenrepublik treibt – denn zumindest bei Fußball, Eishockey und Schwingen erlebt man was! SC Bern 3:2 HC Fribourg-Gottéron Statistik:
- Grounds: 1.776 (1; diese Saison: 97 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.874 (1; diese Saison: 134)
- Tourkilometer: 460 (460 Auto)
- Saisonkilometer: 28.770 (27.010 Auto, davon 650 Mietwagen/ 800 Fahrrad/ 370 Schiff, Fähre / 290 Bus, Bahn, Straßenbahn/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 40 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Jede Woche mindestens eine Sportveranstaltung seit: Kalenderwoche 31 des Jahres 2006 (31.7.-6.8.), d.h. seit 538 Wochen.

Montag, 17. August 2015

W472VI-VII: Groundhopping ganz ungewöhnlich: Kopfballtischtennis, deutsch-niederländische Motoball-Bundesliga und Schweizer Ringkampf mit Folklore

100. Basellandschaftliches Kantonalschwingfest in Ormalingen
- Datum: Sonntag, 16. August 2015 – Beginn: 8.15
- Wettbewerb: Kantonaler Wettkampf im Schwingen mit internationalem Teilnehmerfeld
- Ergebnisse: Sieger = Räbmatter Patrick (Aargau)
- Wettkampfort: Turn- und Schwingplatz Ormalingen (Kap. 2.000, davon 1.500 temporäre Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 2.200
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Sehenswerte Sportart mit interessantem volkstümlichen Drumherum)

MSC Philippsburg ............................................... 4
Motoballvereniging Budel ................................... 4
- Datum: Samstag, 15. August 2015 – Beginn: 18.00
- Wettbewerb: Motoballbundesliga, Süd-Gruppe (1. Spielklasse im deutschen Motoball)
- Ergebnis: 4-4 nach 80 Minuten (4x20); Viertelstände: 0-3, 1-1, 1-0, 2-0
- Tore: 0-1 1. Miel Looymans, 0-2 16. Miel Looymans, 0-3 17. Miel Looymans, 0-4 22. Miel Looymans, 1-4 37. Jan Zoll, 2-4 46. Jörg Leipert, 3-4 72. Jan Zoll, 4-4 78. Jan Zoll
- Grüne Karten (2 Minuten): Nr. 10 (Budel), Jan Zoll (Philippsburg)
- Gelbe Karten (5 Minuten): keine
- Rote Karten (Platzverweis): keine
- Spielort: MSC Arena (Kap. 1.300 Stehplätze und 36 gesperrte Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 100 (davon Gästefans: 0?)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Gutes und sehr spannendes Spiel)

Headis World Championship 2015
- Datum: Samstag, 15. August 2015 – Beginn: 10.00
- Wettbewerb: Internationales Turnier im Headis
- Ergebnisse: siehe Website Headis
- Spielort: Freibad Waschmühle, Kaiserslautern (Kap. der Sportwiese: je ca. 50 Stehplätze pro Platte, Kap. der Schwimmsportanlagen: 400 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 50-100 (spielfreie Aktive, Fans, Badegäste)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Sehr originelle und auch unterhaltsame Sportart!) Schwingfest Ormalingen 2015 (100. Basellandschaftliches Kantonalschwingfest) Photos with English Commentary:
a) Headis: World Cup in Kaiserslautern
b) Motoball: MSC Philippsburg v MBV Budel
c) Schwingen: Traditional Swiss Wrestling in Ormalingen
d) Switzerland, Basel County: Farnsburg, Bischofstein, Fluematten, Augst

Beim Spiel der deutschen Australian Football Liga zwischen Köln und München unterm Kölner Fernsehturm hatte ich zwei junge Frauen gesehen, die „Tischtennis“ mit einem handballgroßen Gummiball, den sie mit dem Kopf auf die andere Seite der Platte beförderten, spielten. Irgendwie hatte ich auch schon mal etwas von einer neuen Sportart wie „Kopfballtischtennis“ gehört. Einmal gegoogelt und schon war ich auf der Website für „Headis“, wie sich diese 2006 erfundene Sportart nennt. Die beiden Frauen waren wohl eher die Ausnahme im Headis, denn es gibt nur 60-70 aktive Spielerinnen gegenüber weit mehr als 300 aktiven Männern. Und an diesem Wochenende trafen sich anlässlich der Weltmeisterschaft, dem wichtigsten Turnier des Jahres, diese zumeist jungen Sportler, im Freibad Waschmühle in Kaiserslautern, wo dieser Sport erfunden wurde. Ein Sportstudent der Uni Saarbrücken hatte nämlich den Bolzplatz auf der Sportwiese des Schwimmbads belegt vorgefunden, sodass er mit seinen Kumpels auf die Idee kam, den Ball über die nicht belegten Tischtennisplatten zu köpfen. So schnell kann man einen Sport erfinden: eine originelle Idee und als Sportstudent auch noch die Möglichkeit sie etwas zu institutionalisieren! Es gibt nun ein festes aber überschaubares Regelwerk und offizielle Bälle (leichte, aufpumpbare Gummibälle), die über Standard-Tischtennisplatten geköpft werden.

Die Zählweise entspricht jener beim Tischtennis, nur fand ich diese Headis-WM erheblich unterhaltsamer als Tischtennis. Im Gegensatz zu den Pingpongfritzen haben die Headis-Sportler kein Problem mit Lärm, nahe an der Platte rumlaufenden Zuschauern und andere lächerliche Allüren. Durch den Körpereinsatz scheint Headis auch athletisch anspruchsvoller als Tischtennis zu sein, denn vor allem etliche männliche Sportler hechteten sich wild nach dem Ball, stützten sich auf der Platte ab um geschickte Kopfbälle zu präsentieren oder retteten einen Kantenball noch mit einem Sprung auf den Boden wo sie den Ball in 30cm Höhe noch einmal zurückbeförderten. Manche schafften es übrigens auch beim Anwurf durch geschicktes Drehen des Balles beim Abwurf ihn mit Spin zu köpfen. Und das bei Dauerbeschallung von Dancehall, Rap und Rock durch den DJ... Das schnelle und dynamische Spiel hat zwar einen Wettkampfcharakter, aber der Spaß steht klar im Vordergrund. Ich hätte auch noch länger als drei Stunden bei dieser sympathischen Veranstaltung bleiben können, aber ich machte mich für einen noch erheblich spektakuläreren Sport nach Philippsburg, zwischen Speyer und Karlsruhe in Baden gelegen, auf... Headis World Championship 2015 Wirtschaftlich ist Philippsburg Vielen wegen des Atomkraftwerkes ein Begriff, dessen Kühltürme man auch vom Motoballplatz sieht. Der Motoballplatz liegt in einer Sackgasse auf einer per Deich vom Altrhein-Zufluss getrennten Wiese. Die Platzanlage an sich ist sehr schlecht: offensichtlich wurde eine Wiese mit einer Schicht grauem, feinen Schotter oder Kies bedeckt – hier drückt offenbar stets Grundwasser auf den Platz hoch, sodass hier häufiger als anderswo Spiele abgesetzt werden müssen da der Platz unbefahr- bzw. unbespielbar ist. Zu diesem miesen, dem Standort geschuldeten Platzbelag (eine Modernisierung wie in Kuppenheim oder Ubstadt mit Verbundpflaster dürfte unmöglich sein aufgrund des unsteten Untergrunds) passt auch die Tribüne, die wohl „Bob The Cowboy Builder“ oder sein deutscher Kollege „Bob der Pfuscher“ höchstpersönlich errichtet hat: drei Reihen, sechsunddreißig Plätze, ordentliche Lehnen, gutes Stahlgerüst – aber dann in die Brombeerhecken zwischen einen Container und dem ordentlichen Vereinsheim gestellt, sodass keine freie Sicht aufs Spielfeld möglich ist... Die Tribüne war gesperrt – für die in der Südgruppe üblichen 6€ Eintritt (hier auch Ermäßigungen für Studenten: 4,50€) konnte man aber sehr schön vom Deich aus zugucken oder an der Bande stehen. Auf einigen Plätzen hat man Sicht auf die Bahnstrecke, den Turm der barocken Kirche oder das Atomkraftwerk.

Das Hinspiel hatte ich gesehen: Philippsburg und Budel lieferten sich in den Niederlanden ein hervorragendes Match, das mit einem sehr torreichen aber knappen Sieg der Niederländer endete. Heute ging es mehr denn je für den Gast aus Budel um die Play-offs. Man merkte es ihnen auch an: Budel hatte Anstoß, trug souverän seinen Angriff vor und schoss nach 20 Sekunden das 0:1. Bis zur ersten Pause hatten sie die Gastgeber soweit im Griff, dass sie mit sparsamer Chancenverwertung und souveräner Abwehrarbeit 0:3 in Führung gingen. Im zweiten Viertel legten sie schnell zum 0:4 nach und Philippsburg schien kein Mittel gegen die gute Abwehr und den starken Torwart zu finden. Das disziplinierte und faire Spiel wurde von beiden Teams trotz dünner Personaldecke (8 gegen 7 Spieler, d.h. nur drei bzw. zwei Auswechsler und Philippsburg türkischer Spieler packte sich ziemlich heftig kurz vor dem 0:3, sodass er erst zum Ende der Partie noch mal auf dem Platz war bzw. erst am darauffolgenden Tag, wo das Nachholspiel gegen MSC Mörsch mit 17:0 gewonnen wurde, wieder richtig per Treffer in Erscheinung trat) gemeistert. Also eigentlich hatten sie somit nur 2 Wechsler pro Team die meiste Zeit über. Jedenfalls erzielte Philippsburg kurz vorm Seitenwechsel endlich den Treffer zum 1:4. Nach dem Seitenwechsel verkürzten sie auf 2:4, doch wenn man beachtete, dass sie die fahrerisch schwächere Mannschaft waren, erwartete man immer noch nicht, dass sie das Spiel noch drehen würden. Doch im letzten Drittel ließ Budel etwas nach und der MSC gab nun alles, sodass sie nach zwei Toren ihres besten Spielers den überraschenden, aber dennoch verdienten Ausgleichstreffer zum 4:4 schafften! MSC Philippsburg 4:4 MBV Budel (Motoball Bundesliga) Nach dieser tollen Motoballpartie fuhr ich zwei Stunden nach Süden, nach Mulhouse. Im F1 kann man für weniger als 30€ pro Zimmer übernachten – in der benachbarten Schweiz bekommt man dafür gerade mal ein normales Mittagessen und Hotels kosten locker 100€ die Nacht. Im Übrigen ist mir dieses korrupte, überhebliche und völlig überbewerte Land absolut unsympathisch. Das Einzige was mich an der Schweiz interessiert, ist ihre Sportszene. Burgruinen in grüner Berglandschaft gibt es in Österreich und Teilen Frankreichs und Deutschlands mehr und schönere und städtebaulich ist die Schweiz unansehnlich. Ohnehin weiß ich nicht, was die Scheiße soll, in die Schweiz zu fahren, um die Alpen zu besuchen: in Deutschland und Österreich sind Preis-Leistungs-Verhältnis schon nicht gut, in Frankreich und Italien noch schlechter: aber Schweiz und Lichtenstein sind einfach total überteuert und bieten dazu nur Dürftiges. Aber wenn man in Frankreich (je nach Ziel Mulhouse, Montbeliard etc.) günstig übernachtet oder in Süddeutschland campt und in jedem Fall vorher in Deutschland günstig einkauft, kann man einen Tagesausflug in die Schweiz machen. Dann noch mit der Visa von z.B. der DKB ohne Gebühren und mit Belastung in Schweizer Franken (nicht in Euro) Geld abheben und dieses nur für Eintrittskarten ausgeben und man hat dem korrupten Staat, der mit zweifelhaften Banking-Machenschaften von einer ärmlichen Bauernrepublik zu einem der reichsten Länder der Welt wurde, das aus unerfindlichen Gründen auch noch angesehen ist – von wegen Neutralität aus Weisheit: Feigheit und Ignoranz sind es, weswegen man sich aus allem raushält, denn Neutralität heißt auch, niemanden zu unterstützen und zu helfen – so wenig wie möglich Geld dagelassen. Da die Schweiz wie Nachbar Lichtenstein ein Geldlagerplatz für Bankenkriminelle und Schwer- sowie Kriegsverbrecher aus allen Teilen der Welt ist, gelten ein paar abstruse Bestimmungen. OK, die Schweiz ist das Land der abstrusen Bestimmungen: immerhin wurden die Fahrradnummernschilder nach einer Regeländerung bei der Haftpflichtversicherung abgeschafft, aber wenn man meint, in Deutschland sei jede Scheiße reglementiert, hat man von den Regeln zur Meerschweinchenhaltung oder Papiertellerverbote in Crèperien in der Schweiz noch nichts gehört. Aber wenn man an Geldautomaten genötigt wird, mindestens 100 Franken (95€) abzuheben, hört der Spaß irgendwo auf. Denn viele ausländische Besucher sind Tagestouristen aus Deutschland und Frankreich, die wissen, dass sie beim Bargeldtausch abgezockt werden und deshalb UBS und Konsorten aufsuchen – die sind allerdings eher auf schwerreiche Touristen, die wochenlang in der Schweiz bleiben, und diverse Diktatoren samt Anhang, die nicht unter 1.000 Franken pro Tag zurechtkommen, eingestellt... Hab dann später schwarz die Franken an einen Kumpel weiter getauscht, der demnächst ebenfalls von Frankreich aus die Schweiz besuchen will und mir entsprechend Euros bar gegeben hat...

Vor dem Besuch meines Tagesziels machte ich eine erste Besichtigung: die recht ansehnliche Burgruine Farnsburg steht zwischen Buus und Rickenbach, einige Kilometer südlich von Rheinstetten wo ich die Grenze passierte, frei zugänglich im Wald. Als Wanderzeit sind 20 Minuten auf einem Schild angegeben: eine Lachnummer für sportliche Eidgenossen und Touristen; in 7 Minuten stand ich auf der Zugbrücke, nach Besichtigung und Abstieg war ich 25 Minuten später wieder am Auto. Leider war es sehr neblig und regnerisch, sodass die Besichtigung nicht so toll war. Nach dem Schwingfest in Ormalingen, das Wetter war mittlerweile ganz angenehm, besuchte ich noch eine Burgruine bei Sissach, die Bischofstein, die noch abgelegener liegt (die laut Schild 40 Minuten Wanderzeit waren aber in 25 geschafft) und durch die Kammlage und den Turmstumpf des Bergfrieds, der mit einer steilen, 5m hohen Metalltreppe bezwungen werden kann, zu gefallen weiß. Weniger zu sehen gibt es im benachbarten Fluematten, wo sich außer den Wehrmauern vom mittelalterlichen Dorf nichts mehr erhalten hat. Sehenswert ist aber noch Augst (Basel Landschaft), das auf seinem Stadtgelände etliche römische Ruinen u.a. auch ein kleines Amphitheater, einen Tempel und ein gut rekonstruiertes und ziemlich stattliches Theater zu bieten hat. Alles ist frei zugänglich 24 Stunden lang – nur das Museum kostet Eintritt. Bischofstein castle ruin Der Grund für meinen Schweiz-Ausflug war dann aber das oben erwähnte Schwingfest in Ormalingen, genauer gesagt das 100. Kantonale von Basel Landschaft, bei dem man für 18 Franken Eintritt um die 10 Stunden unterhalten wurde. Schwingen ist eine historische Variante des Ringkampfes, die in der Schweiz seit etwa 200 Jahren wettkampfmäßige Strukturen hat. Der Kampfstil ist natürlich sehr ähnlich dem Olympischen Ringen, ein paar Judo-Elemente kann man vielleicht auch ausmachen, aber eine Besonderheit ist der Griff an die Seite der Überhose des Gegners, an der auch ein Griff freigelassen ist. Wegen dieser Technik wird das Schwingen auch als „Hose(n)lupf“ bezeichnet. Die Hose ist eine Art Überhose oder Shorts aus Zwilch, darunter tragen die Athleten lange Hosen, die mehr oder weniger traditionell sind. Auch die langen Oberhemden kommen altmodisch daher, wie auch das gesamte Ambiente beim Schwingen. Aber das ist nicht nur ein ganz wichtiger Bestandteil dieser Sportart, schweizer Traditionen und Werte zu betonen, Folklore zu präsentieren usw. sondern das macht diese Sportart auch so interessant für einen Nicht-Schweizer, selbst einem der generell eine schlechte Meinung von Land und Leute hat.

Die Wettkampfkleidung der Athleten ist in jedem Fall ansehnlicher als die Wettkampfkleidung der olympischen Ringer. Noch schöner sind die klassischen Klamotten der Ringrichter, die überwachen, ob einer der Kämpfer mit Rücken oder Schulter auf dem Ringboden gelandet ist. Eine Besonderheit: der Ring, der etwas kleiner als eine Ringermatte scheint, ist mit ca. 10cm Sägemehl ausgelegt. Das Zeug ist schön weich, aber immer wieder holt der Ringrichter auch mal lange Holzstücke bis 15cm, die nicht richtig zermahlen wurden, heraus. Beim Schwingen steht der Schultersieg viel mehr im Mittelpunkt als beim Ringen. Schafft man nach 6 Minuten keinen solchen Sieg, wird der Kampf meist als Unentschieden gewertet (Schweizer-Deutsch: „gestellt“).

Bei diesem Schwingfest traten nur erwachsene Männer an. Es gibt offensichtlich kein Nachwuchsproblem beim Schwingen, sodass es auch etliche Schwingfeste für Junioren gibt. Sehr dünn ist es jedoch ums Wyberschwinget (offiziell wohl eher Frauen-Schwingen) bestellt: lange war in der konservativen Schweiz den Frauen ein Gesellschaftsstand, der keineswegs besser als in der Golfregion oder teilweise Schwarzafrika heute noch ist, zugedacht. Bei einer konservativen Sportart wie dem Schwingen hielt sich eine Anti-Haltung gegen Frauen im Sport noch länger als z.B. im Fußball. Aber seit den 90ern gibt es auch Frauen-Schwingen und mittlerweile auch 6 Schwingfeste pro Jahr. Dass es nicht so viele Frauen sind, die an diesen Wettkämpfen teilnehmen, ist aber auch klar: eine körperlich zierliche Frau, die z.B. einen Kampfsport oder Kampfkunst zur Selbstverteidigung sucht ist beim Schwingen auch so falsch wie beim Ringen, denn in erster Linie braucht man Kraft und Körpermasse und das beim Schwingen noch mehr als beim Ringen oder Judo, denn es gibt keine Gewichtsklassen und besonders viele Techniken, die wie beim Judo und Jujitsu auch körperlich unterlegenen Gegnern eine heftige und mitunter kampfbeendende Attacke gegen einen körperlich Überlegenen lehren, gibt es nicht. So sind auch die Frauen beim Schwingen überdurchschnittlich groß und schwer. Die Männer sind im Allgemeinen enorm stark gebaut und über 1,80m groß und mehr als 100kg schwer. Manche schaffen es auf über 150kg und um die 2m.

Je nach Art des Wettkampfes (Schwingfestes) muss ein Kämpfer 6 bis 8 Mal ins Sägemehl steigen um das Turnier zu gewinnen. Bei diesem Kantonalen waren es wie üblich 6, wobei es am Ende zu Platzierungskämpfen kam, wo erst der dritte Platz ausgekämpft wurde und dann der Gesamtsieger. Das besondere am Kampf um Platz 3 war, dass ein 38jähriger Athlet vorher angekündigt hatte, nach diesem Schwingfest seine Ringerschuhe an den Nagel zu hängen. Er gewann nach einer knappen Minute mit Schultersieg. Das Finale dauerte dann nur sechs Sekunden: dann war der 153kg schwere und ca. 1,95m große Aarauer Patrick Räbmatter (normalerweise wird die Reihenfolge Räbmatter Patrick genommen) auf seinem kleineren und leichteren, aber bis zu diesem 6. Kampf („6. Gang“) auch gegen derlei Kolosse heute unbesiegte Gegner, der mit dem Rücken im Sägemehl lag. Viele Kämpfe endeten vorzeitig, teilweise schon nach wenigen Sekunden. Es gab aber auch 6minütige Unentschieden, sodass alles was man im Ringkampfsport braucht, zu sehen war. Zwei Knieverletzungen gab es leider auch und mindestens zwei weitere Kämpfer bluteten nach versehentlichen Schlägen im Bodenkampf aus Wunden oder der Nase, aber ansonsten nahm niemand Schaden. Schwingfest Ormalingen 2015 (100. Basellandschaftliches Kantonalschwingfest) Wie es sich für Amateursport gehört, ist Sponsoring beim Schwingen nicht im Mittelpunkt des Geschehens: von Kommerz keine Spur, Namenssponsoring tabu! Sehr originell ist der Fakt, dass nach wie vor die Schwinger mit Lebendpreisen und Sachpreise belohnt werden. Die ersten drei bekamen lebende Tiere, die auch mehrfach mit Blumen geschmückt präsentiert wurden. Platz 3 eine junge Kuh, Platz 2 ein junges Pferd und Platz 1 ein Bulle. Die sind sicherlich nicht als Haustiere gedacht, aber geschlachtet wurden die natürlich auch nicht gleich. Wenn man bedenkt, dass viele Schwinger (sofern sie nicht Handwerker oder Bauarbeiter sind) in der Landwirtschaft arbeiten, können sie solche Viecher wahrscheinlich direkt auf den Anhänger packen und in ihren privaten Stall stellen. Der Präsident des nächsten großen Eidgenössischen Schwingfestes gab ja auch an, hauptberuflich in der Landwirtschaft zu arbeiten und hobbymäßig Viehzucht zu betreiben. Natürlich waren im Interview auch noch erwähnt, dass er am liebsten Eglifilet isst und kalte Ovomaltine trinkt sowie volkstümliche schweizer Musik hört...

Apropos Volksmusik: so ein Schwingerfest ist voller Folklore! Nicht nur, dass immer wieder von Schweizer Werten und Traditionen die Rede ist: diese werden auch gelebt und das finde ich trotz Anti-Haltung zur Schweiz auch gut, denn wichtig ist für jede Gesellschaft und jeden Staat, wenn die eigenen Tradition gepflegt und andere, auch komplett fremde, akzeptiert werden im jeweiligen Rahmen (z.B. in Zuwandererfamilien oder in Orten, in denen Minderheiten siedeln). Letzteres ist in der Schweiz eher unbekannt, aber die eigene Kultur wird dafür umso mehr gepflegt. Natürlich ist die Fairness im Ring und auf den Tribünen (hier waren temporäre Holz- und Stahlrohrtribünen auf dem Grasplatz errichtet, die rund 1.500 Zuschauer fassten – am Ende waren aber auch die Stehplätze knallvoll, sodass 2.200 Zuschauer nur gerade so Platz fanden) kein besonderer schweizer Wert: in allen Kampfsportarten, v.a. den asiatischen, hat man Gesten wie den Handschlag und das Sägemehl vom Rücken des Verlierers Abwischen (Handschläge sind z.B. in Japan unhöflich, sodass sich verbeugt wird) und Randale gibt es nur ab und an beim MMA (z.B. bei manchen Events, die auf diesen ansonsten ebenso fairen Sport ein schlechtes Licht werfen, gibt es Schlägereien außerhalb des Rings, da Hooligans, Neonazis und Co. mit MMA-Lizenz, Freunde ohne Lizenz einladen, die es nicht lassen können, sich am Kampfabend auch zu versuchen), Boxen (an sich auch stets faire Kämpfe, hab aber bei jedem Bundes- und Oberligawettkampf wüste Beschimpfungen gehört, was auch kein Wunder ist, wenn man beim Profibox solchen Abschaum wie Mayweather jr. mit seinem Geprolle und Manuel Charr, einen Kriminellen der zu gewaltverherrlichender Musik in den Ring kommt, usw. sich austoben lässt) und Ringen (Mattenrichter aufs Maul hauen, siehe Greiz-Molsdorf...) – aber auch nur wenn ein bestimmtes asoziales Klientel vor Ort ist.

Wirklich schweizerisch ist natürlich die musikalische Untermalung. Während der Kämpfe kommt Volksmusik aus den Boxen, immer wieder gibt es auch Liveauftritte, z.B. von Alphornbläsern und Jodlern. Ich finde die Musik der Alpenregion generell, mit Ausnahme mancher Blaskapellen und Ziehharmonika-Darbietungen, einfach grauenhaft – aber das muss man sich mal geben, genauso wie das alberne Fahnenschwenken, das auch beim Festakt des Schwingfestes eine Rolle spielt. So etwas gehört einfach dazu: ob man es nun außerhalb des Schwingfestes auch mag, oder wie jeder normale Nicht-Schweizer überhaupt nicht – solche Darbietungen muss man einfach auch beachten und würdigen beim Schwingen! Wenn mal wieder einer meiner früheren Mitschüler in meinen Blog geschaut hat: erinnert ihr euch noch an die Musiklehrerin, die immer wenig musikalisch rumgeschrien hat, wenn wir die Hände in den Taschen hatten beim Singen? Von wegen: „da kommt doch keine Körperspannung auf!“ Jodler haben die Hände immer in den Taschen (schweizerisch: „Hosensack“ mit hartem ck, nicht zu verwechseln mit dem danebenliegenden Sack), Frauen im Kleidersaum oder so – und der Schweizer Rundfunk erklärt warum (einfach den Pfeil beim Audiobeitrag anklicken)...

In jedem Falle kann ich den Besuch eines Schwingfestes empfehlen: wenigstens einmal sollte jeder mit Interesse an Kampfsport mal so etwas erlebt haben! Ich werde mir so etwas vielleicht auch noch ein zweites Mal reinziehen: wenn Zeit und Finanzen passen nämlich in genau einem Jahr in Estavayer-le-Lac, wenn das größte Schwingfest und das größte Sportevent der Schweiz überhaupt mit über 50.000 Zuschauern steigt! Schwingfest Ormalingen 2015 (100. Basellandschaftliches Kantonalschwingfest) Statistik:
- Grounds: 1.440 (3 neue; diese Saison: 25 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.458 (3; diese Saison: 24)
- Tageskilometer: 1.070 (Samstag 540km, Sonntag 530km Auto)
- Saisonkilometer: 4.210 (3.690 Auto/ 330 Fahrrad/ 190 Bus, Bahn, Straßenbahn/ 0 Flugzeug/ 0 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 26 [letzte Serie: 93, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 472.

Donnerstag, 12. Januar 2012

W285I: Nach der Uni eine halbe Stunde Hallenhockey

TSV Leuna 1919 2:5 Schweizer Nationalmannschaft
Datum: Donnerstag, 12. Januar 2012 – Beginn: 19.00
Wettbewerb: Trainingsspiel; Verein 2. Bundesliga Ost gegen Nationalmannschaft (halbe Spielzeit)
Ergebnis: 2:5 nach 31 Min. (10/ 11/ 10)
Drittelergebnisse: 0-0, 1-1, 1-4
Tore: 1-0 14. Reichardt, 1-1 19. Anonymer Schweizer (Ecke), 1-2 22. Anonymer Schweizer, 1-3 23. Anonymer Schweizer, 1-4 24. Anonymer Schweizer, 2-4 26. Schaltonat (Ecke), 2-5 29. Anonymer Schweizer
Vergebene Siebenmeter: Leunas Torwart Hochmuth wehrt Siebenmeter von einem anonymen Schweizer (10. Minute) ab
Grüne Karten: keine
Gelbe Karten (2 Minuten): keine
Rote Karten (Platzverweis): keine
Spielort: Sporthalle Leuna (Kap. 200 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 220 (davon Gästefans: so 2, 3)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Zu Beginn ziemliches Pillepalle, danach ganz flottes Spiel)
IMG_0052
Photos and English Version:

Bis 18 Uhr hatte ich noch Uni, eine reichliche halbe Stunde nach dem Seminar zur Geschichte des osmanischen Reiches in Europa stand ich schon vor der Sporthalle Leuna. An diesem Donnerstagabend gab es mal internationales Flair in der überfüllten Halle. Ich hatte mich schon über nur 2€ Eintrittsgebühr gewundert – da wurde dann angesagt, dass man nur 3x10, statt wie sonst 2x30 Minuten spielt. Na ja, es war halt ein Trainingsspiel zwischen dem TSV Leuna und der Schweizer Nationalmannschaft, die sich auf die Hallenhockey-Europameisterschaft in Leipzig vorbereitete.

Die Schweizer zählen im Hallenhockey zum gehobenen Mittelmaß, sodass sie mit Leuna über weite Strecken auf Augenhöhe waren und erst kurz vor Schluss einen Sieg herausspielen konnten. Etwas albern war, dass die Schweizer in Trikots ohne Rückennummern spielten. Eigentlich halte ich das für nicht regelkonform, da es eine Zuordnung eines mit einer Karte zu ahndenden Fouls erschwert, aber immerhin beging niemand ein solches Foul. Wahrscheinlich wollten sie eventuelle Scouts verwirren, oder was weiß ich – aber ein offizielles Spiel mit einem Team ohne Rückennummern habe ich auch noch nie gesehen...

Den besseren Start erwischte Leuna, doch es fehlte der Torerfolg. Zum Ende des ersten Drittels waren es auch mal die Schweizer, die mit starken Aktionen aufwarten konnten. Eine Ecke wurde regelwidrig von einem Leunaer Abwehrspieler pariert – doch der fällige Siebenmeter wurde von Hochmuth entschärft. Besonders gut war das Spiel bis zum ersten Leunaer Treffer nicht. Nach dem 1:0 von Reichardt gab es einige gute Einschussmöglichkeiten für den TSV, doch im Zuge einer Ecke konnten die Gäste noch vor der zweiten Pause ausgleichen. Durch fehlerhafte Zeitnahme war das zweite Drittel übrigens um eine Minute verlängert worden.

Im letzten Drittel war dann am meisten los. Ein Konter des TSV wurde aus 20m Entfernung aufs Tor gebracht und Zeiger berührte den Ball noch offensichtlich im Schusskreis und lenkte ihn ins Tor – doch das 2:1 zählte aus irgendwelchen Gründen nicht. Im Gegenzug machten die Schweizer einen billigen Treffer ihrerseits zum 1:2. Nun brach Leuna kurzzeitig ein, während die Schweiz das Tempo anzog. 1:4 nach 24 Minuten. Mit einem erneuten Aufbäumen und einem Treffer nach einer Ecke konnte Leuna zwar wieder verkürzen, aber am Ende stand noch ein drittes billiges Tor der Gäste aus der Schweiz zu Buche. 2:5 war also der Endstand, der definitiv zu hoch ausgefallen ist.

Die Schweizer, bei denen Feld- und Hallenhockey sowieso nicht gerade populärer, großer Sport zu sein scheinen, schienen mir von den spielerischen Fähigkeiten – auch wenn sie nun wirklich keine schlechte Mannschaft sind – in keinster Weise fähig, gegen ihre Gruppengegner Deutschland, Spanien und Österreich zu bestehen. Aber vielleicht überschätze ich die Spanier und Ösis auch – die deutsche Nationalmannschaft dürfte jedoch keine Probleme mit den Schweizern haben.
IMG_0088
Statistik:
Grounds: 689 (heute kein neuer; diese Saison: 95 neue)
Sportveranstaltungen: 1.444 (heute 1, diese Saison: 130)
Tageskilometer: 60 (60 Auto)
Saisonkilometer: 26.610 (18.090 Auto/ 6.600 Flugzeug/ 1.910 Fahrrad/ 10 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 28
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 285

Dienstag, 11. August 2009

WE158IV: Nun ist auch das letzte deutsche Nachbarland abgehakt. Das Prestigeduell der Schweiz.

FC Basel 1:1 FC Zürich
Sonntag, 9. August 2009 - Anstoßzeit 16.00
„Axpo“ Super League (1. schweizerische Profifußballliga)
Ergebnis: 1:1 nach 92 Min. (45/47) - Halbzeit 0:0
Tore: 0:1 87. Vonlanthen, 1:1 89. Huggel
Verwarnungen: Cagdas, Ferati, Margairaz, Vonlanthen (alle FCZ)
Platzverweise: 92. Frei (FCB; Foulspiel (92.) und unsportliches Verhalten (92.)), 53. Rochat (FCZ; Foulspiel (50.) und Foulspiel (53.))
Stadion: St. Jakob Park (Kap. 30.000 Sitzplätze)
Zuschauer: 27.011 (ca. 2.000 Gästefans)
Unterhaltungswert: 6,0/10 (Spiel erst zum Ende hin gut, Stimmung stets gut), Sightseeing: 7,0/10 (Schön)

Am Sonntag, dem dritten Tag unserer Reise, sollte auch die letzte Nachbarnation in Sachen Fußball abgehakt werden können. Bevor es zum Prestigeduell der Schweiz, dem Klassiker FC Basel gegen FC Zürich, kam, guckten wir allerdings nach dem Frühstück im ETAP Mulhouse natürlich noch ein paar Sehenswürdigkeiten an.

Zuerst wäre da die Burg Rötteln, oberhalb der völlig gesichtslosen und abstoßend hässlichen Mittelstadt Lörrach gelegen, zu nennen. Bis auf die Kernburg und eine unattraktive, kindgerechte Ausstellung im eingepassten Kassengebäude kann man die Burg kostenlos besichtigen. Aber die Kernburg ist am Interessantesten und kostet auch nur 1,50€ Eintritt. Dort kann man dann auch beide Türme besteigen, die Kapelle, den Palas und den Innenhof sowie einen Wehrumgang und Keller sehen. Sicher nicht die schönste Burgruine Deutschlands, aber eine der größten und bis auf zwei sinnlose Infrastrukturgebäude wirkt diese Burg auch sehr originalgetreu.

Dann ging es rüber in die Schweiz, dort speziell nach Basel, wo die Innenstadt auf dem Programm stand. Alles war dort ziemlich voll, aber nicht überfüllt. Das Highlight hatten wir gleich am Anfang; das Basler Münster. Man kann bis auf den Turm alles kostenlos besichtigen und nach etwas über 2,50€ Entgelt, darf man auch auf den einen Turm. Der Aufstieg ist extrem eng, ebenso die Turmumgänge. Zwei Besucher kommen kaum aneinander vorbei. Dafür ist die Sicht - vor allem vom Umgang knapp unterhalb der Turmspitze - atemberaubend.
Weiter ging es durch die teils mit Fachwerkhäusern bestückten Altstadtgassen, am Rathaus und dem letzten erhaltenen Stadttor vorbei zum Parkhaus zurück, nur um zu einem anderen Parkhaus zu fahren. Letzteres ist direkt am St. Jakob Park gelegen und an Spieltagen für die Fans freigehalten. Fans kamen an diesem Tage reichlich, wenn auch nicht alle Plätze des Stadions belegt waren, was allerdings auch Sicherheitsgründen geschuldet war.
Nach dem Zugucken bei den Anfeindungen gegen die Zürcher Gäste, die vom direkt neben dem Stadion liegenden Bahnhof leuchtraketen- und böllerwerfend die Treppen herab liefen, und einem kurzen Einkauf im Fanshop neben dem Stadion - ein weiterer Schal wurde meiner Sammlung hinzugefügt, mit 10,50€ extrem billig für Schweizer Verhältnisse; ich habe extra einen reduzierten genommen, da für die meisten Schals wahnsinnige 19€ verlangt werden (durchschnittlicher Bundesligapreis: 13,50€) und ein Programm fürs Match gekauft - ging es durch den Einlass. Die Einlasskontrollen sind nach Meinung eines deutschlandweit bekannten Fan,,experten“ („Experte“, der: Synonyme: Wichtigtuer, Dummschwätzer, Viel Erzähler wenn der Tag lang ist) viel zu lasch. Gut so! Die Kontrolleure sind auch auffällig freundlich. Viel angenehmer als in Deutschland. Auch Rucksäcke und Kameras sind akzeptiert, selbst der Basler mit der dicken Spiegelreflex wurde kommentarlos nach normalem Abtasten rein gelassen.
Angenehmer als in Deutschland ist auch das Catering, leider allerdings auch teurer. Aber von Kalbsbratwurst über Pommes bis hin zu Dürüm Döner und Merguez (Bratwurst nordafrikanischer Art) gab es da echt vieles!

Im recht spektakulären St. Jakob Park nahmen wir dann weit oben am Rande der mittlerweile weithin bekannten Muttenzerkurve Platz. Keine guten Plätze, aber für 23€ gab es keine besseren. Völlig überteuert natürlich! Aber die Schweiz ist nun mal leider noch teurer als Deutschland, da sie eben noch wohlhabender (Pro-Kopf-Einkommen etc.) ist. Da verwundert einen dann, dass es beim Fußball und Eishockey in der Schweiz so häufig Stress gibt. Ist da mittlerweile wilder als in Deutschland!
Beim Aufwärmen der Mannschaften gab es den üblichen Ablauf: Zürich kommt rein, Muttenzerkurve schreit: „Tod und Hass dem FCZ!“ - Basel kommt rein, alles applaudiert und ruft „FCB! FCB!“ Zudem gab es erste Spruchbänder.
Kurz vorm Einmarsch zum Anstoß wurde hinterm Basler Tor eine gute Choreo „`S’isch zyt zum Grätsche, in ihri Bai“ mit entsprechendem Motiv, einem grätschenden Fußballer, der dem Gegner den Ball weggrätscht, gezeigt. Dann wurde die Choreo sogar noch gewendet: auf den weißen Blättern erschien der Schriftzug „los“ und ein weiteres Spruchband: „Nit nur umdätsche, jaaget s hai“ (Fotos hier http://www.joggeli-gallery.ch/gallery2/main.php/v/saison200910/nla/2009-08-09_fcb-fcz/ , da ich zu schräg oben saß).
Als die Mannschaften Aufstellung nahmen, wurde in beiden Fansektoren auch ganz gut gezündelt. Gerade die Basler mit ihrer Feuerwerksbatterie waren nicht schlecht. Nicht schlecht war auch der akustische Support. Der Gästesektor war etwas zu weit weg und auch von unserem Platz nur zu 1/5 einsehbar - scheiß verspiegelte VIP-Loge! - aber auch ab und zu zuhören, und die Muttenzerkurve war topp. Sehr italienische Melodien, viel Bewegung. Nur leider beschränkt auf den Unterrang, wobei man sagen muss, dass im Oberrang auch immer wieder mitgemacht wurde. Allerdings machten nur die Leute mit, die 23€ gezahlt haben. Die teureren Plätze kriegen nur selten die Klappe auf. Allerdings machte der Anhang des FC Basel generell einen stimmungstechnisch besseren Eindruck als alle bisher erlebten Bundesligafangemeinden (inklusive Eintracht Frankfurt und Schalke 04, die ja oft lobend hervorgehoben werden). Nur an Südosteuropa kommt man nicht ran. Und z.B. in Polen oder Tunesien wird zumeist geschlossener supportet.

Zum Spiel. Die Spieler waren reichlich nervös und unbeholfen. Typische Beklemmung schwächerer Profiteams, wenn man unter Leistungsdruck steht. Bis zur 20. Minute gab es keine einzige Torchance, ehe ein Ball von Zürich mal knapp am Pfosten vorbei ging. Bis zur Pause waren letztere auch die bessere Mannschaft.
Nach der Pause wurde mehr Dampf gemacht: erst in Form von Rauchbomben im Gästesektor, dann in Form von einem Platzverweis gegen den Zürcher Rochat, schließlich in Form von Torchancen. Jetzt kam auch Basel etwas mehr. Ein Lattentreffer konnte verzeichnet werden, zudem weitaus mehr Corner. Ein weiteres Mal rettete der Gäste Goalkeeper, ehe Zürich sich zurückmeldete. Da das alles nicht so spektakulär war, rechneten alle mit einem 0:0 Unentschieden, doch Nationalspieler Vonlanthen sorgte mit einem sauberen Goal in der 87. Minute für die 0:1 Führung für die Gäste. Der Jubel der Zürcher versiegte allerdings nur zwei Minuten später, als Streller prima auf Huggel - auch beides Spieler der Nati - vorlegte (per Hacke!) und Benjamin Huggel schön den Ball im Netz versenkte. 1:1 und Wahnsinnsjubel! Jetzt wurde auch wieder schön Feuerwerk abgebrannt, wobei ein auf dem Boden vor der Kurve entsorgtes Spruchband ebenso wie eine Mülltonne Feuer fingen. Eine Minute nach dem Ausgleichstreffer dann beinahe die 2:1 Führung für Basel, doch der Schuss ging knapp übers Tor.
Dann war Schluss und Baseltorwart Costanzo und der schwache Verteidiger Ferati gerieten aneinander, weil Ersterer Letzteren für das 0:1 verantwortlich machte. Letzterer war allerdings nicht der Einzige, der Scheiße gekickt hat an dem Nachmittag.
Nach dem Abpfiff wurde dem FCB Applaus gespendet und der Ärger an Zürcher Spielern und dem kleinlichen Schiri Busacca ausgelassen, wobei außer Beleidigungen nichts passierte. Für ein Derby dieser beiden Teams also ein ruhiger Abschluss, wenn man da an natürlich auch unter brisanteren Voraussetzungen, wie Entscheidung der Meisterschaft am letzten Spieltag, gestandenen Spielen wie 2006 (Bericht u.a. beim Braunschweiger Kollegen http://www.btsv1895.de/hopblog/?p=247) denkt.
Wir fuhren also locker nach Tanken in der Schweiz (1.11€/ Liter Benzin; eines der wenigen Dinge, die in der Schweiz billiger sind, als bei uns) nach Hause zurück. In Merseburg kamen wir nach über 700km Autobahn um 1.30 Uhr an.
Statistik:
Ground Nr. 338 (ein neuer Ground; diese Saison: 7 neue)
Sportveranstaltung Nr. 866 (diese Saison: 8)
Tageskilometer: 790 (Auto)
Saisonkilometer: 3.680 (3.540 Auto, 140 Fahrrad, 0 Flugzeug, 0 öffentliche Verkehrsmittel)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 1
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 158

Fotos unter:
Burgruine
Stadt Basel Basel 1:1 Zürich
Video aus Basel

WE158III: Außer enormen Bergen nicht viel Lohnendes im Fürstentum - und: ein Zwischenstopp in einer häufig mit Merseburg verwechselten Stadt

FC Schaan 0:0 FC Triesenberg
Samstag, 8. August 2009 - Anstoßzeit 14.00
Testspiel 2. Liga gegen 3. Liga (5. geg. 6. Liga, 2. geg. 3. Amateurliga Schweiz)
Ergebnis: 0:0 nach 90 Min. (45/45) - Halbzeit 0:0
Tore: keine
Verwarnungen: keine
Platzverweise: keine
Stadion: Rheinwiese (Kap. 3.000)
Zuschauer: 40 (5 Gästefans)
Spielqualität: 1,0/10 (sehr schlecht)
Sightseeing: 6,0/10 (O.K.)

Um kurz vor 7 hieß es mal wieder aufstehen und um 7.30 waren wir auch schon beim Frühstück im Nachbargebäude. Nachdem wir die 70€ bezahlt hatten und von der Wirtin sehr freundlich verabschiedet wurden, ging es den knappen Kilometer ins Fürstentum Liechtenstein rüber.
In Ruggell gibt es etwas schöne Landschaft und eine wenig spektakuläre Kirche, aber im nächsten Ort, Schellenberg, dafür gleich zwei Burgen. Von der ersten, der Alten Schellenburg ist allerdings nur wenig erhalten, doch der Aufstieg ist schnell geschafft, sodass man die Grund- und Wehrmauern sowie den rekonstruierten Backofen begutachten kann. Lohnender ist die Obere Schellenburg, die sich einen Parkplatz mit dem örtlichen Sportverein - neben dem Fußballplatz lief gerade ein Inlinehockeyturnier, als wir dort ankamen - teilt. Dort ist mehr erhalten, sie ist flächenmäßig größer und der Turmrest ist markant, jedoch kann man auch da nur auf einer Ebene herum laufen.
Durch alle möglichen Dörfer und dann auch die Haupt,,stadt“ hindurch, kamen wir im Südwestzipfel an. Balzers kann mit einer sehr gut erhaltenen Burg, die spektakulär auf einem Bergkegel thront aufwarten. Derzeit sind Bauarbeiten dort, sodass man nur von außen gucken kann. Aber das hat sich auch schon gelohnt, ebenso wie die anstrengende Fahrt die Serpentinen rauf und runter nach Triesenberg - geniales Fußballstadion dort! - und Malbrun.
Gelohnt hat sich auch ein kurzer Rundgang durchs Stadtzentrum von Vaduz, besagter Hauptstadt also. Sie hat 5.100 Einwohner, ist nach Schaan (5.700 Ew.) die zweitgrößte Stadt des Fürstentums. Dieses hat insgesamt 36.000 Einwohner und ist mit einer Landesfläche von 160 qkm sechstkleinste Nation der Welt und viertkleinste Europas, sowie zweitkleinste Europas und drittkleinste der Welt, die eine FIFA-zugelassene Fußballnationalmannschaft hat. Im Übrigen ist Liechtenstein das wohlhabendste Land der Welt. Der einzige Grund, warum Liechtenstein kein Kanton oder gar nur Bezirk der Schweiz ist. In Vaduz kann man am Wochenende kostenlos parken, um sich dann die bizarren und zumeist gesichtslosen modernen Beton- und Glasbauten bzw. die herrlich gelegene und 100% erhaltene Burg des Fürsten anschauen. Letztere ist natürlich nicht innen zu besichtigen.
Im Nachbarort Schaan - größte Ortschaft Liechtensteins, wie gesagt - stand dann der erste - und sicherlich auch hier wie in Österreich: der letzte - Spielbesuch an. Im Ländle spielt man zwar einen Pokal aus, jedoch keine Liga, sodass alle Mannschaften des Fürstentums in schweizer Ligen spielen. Da noch nicht alle schweizer Spielklassen begonnen haben, trafen hier vor 40 gelangweilten und langweiligen Zuschauern die beiden Mannschaften - FC Schaan und FC Triesenberg - im Rahmen der Saisonvorbereitung aufeinander. Ein Klassenunterschied war nur teilweise zu bemerken. Chancen hatte fast nur Schaan, doch die wurden so was von lächerlich vergeben, dass wir bald ein 0:0 befürchteten. Nach 52 Spielen ohne 0:0 war es dann nach diesem Dreckskick wieder soweit. Zwei völlig unfähige Mannschaften! Man konnte ihnen nicht vorwerfen, bewusst langweilig oder torlos gespielt zu haben: die strengten sich beide (vor allem Schaan) wirklich an, aber schlechter geht Fußball kaum. Wie da blind Flanken in den Strafraum gesemmelt wurden, nur damit der Gegner den Ball ebenso blind ins Mittelfeld bolzte. Wie an Bällen vorbeigerutscht wurde. Wie Fehlpässe gespielt wurden und die Bälle ins Aus prallten. Unglaublich, so viele Vollpfosten auf einem Fußballfeld!
Die Zahl der Vollpfosten auf der Straße war dann auch unglaublich. Wieso nur alle immer um diesen scheiß Bodensee herum gurken müssen... Die Gegend ist zersiedelt, eintönig, übervölkert und langweilig. Die meisten Städte sind architektonisch ein derartiger Scheißdreck, dass man sich schämen muss, in so ein Kaff zuziehen. Meersburg ist einer der wenigen Orten, wo es sich lohnt, eine Weile zuzubringen. Sonst sieht’s städtebaulich da aus wie im Ruhrgebiet oder Wolfen. Meersburg hat jedoch nicht nur starke namentliche Ähnlichkeiten zu meiner Heimatstadt, sondern kann auch von den Sehenswürdigkeiten her mithalten. Der Merseburger Dom und das Schloss sind zwar um ein Vielfaches spektakulärer als alles Erbaute in Meersburg, doch im Ort am Bodensee gibt es viel mehr alte Privathäuser - Fachwerk ins Besondere - und die Burg und das Weinschloss können sich auch sehen lassen. Die Seepromenade ist im Übrigen auch ganz nett, zumindest schöner als das Saaleufer...
Je weiter wir uns dann vom Bodensee entfernten, umso angenehmer wurde der Verkehr, umso schneller das Vorankommen. In der badischen Prärie mussten wir dann noch etwas zu essen auftreiben, was gar nicht so einfach war. In einer Esso kurz vor der deutsch-französischen Grenze gab es mal etwas Ordentliches. Weit vor 23 Uhr kamen wir im ganz nah bei Deutschland gelegenen Mulhouse an und fanden sofort das ETAP. 45€ die Nacht für zwei Leute in einem Zimmer sind O.K.
Statistik:
Ground Nr. 337 (ein neuer Ground; diese Saison: 6 neue)
Sportveranstaltung Nr. 865 (diese Saison: 7)
Tageskilometer: 430 (Auto)
Saisonkilometer: 2.890 (2.750 Auto, 140 Fahrrad, 0 Flugzeug, 0 öffentliche Verkehrsmittel)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 0
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 158

Fotos unter:
Sehenswürdigkeiten Liechtenstein
Spiel in Liechtenstein
Meersburg am Bodensee

Sonntag, 28. Juni 2009

WE152II: Nichtantreten kann auch Vorteile haben: Radpolo in Reideburg und Turnen in Spergau

2. Radpolo-Bundesliga-Turnier
Samstag, 27. Juni 2009 - Beginn 14.00
2. Radpolo-Bundesliga Nord (Frauen)
Tore: 38 in 4 Spielen (9,5 pro Spiel)
Verwarnungen: keine
Platzverweise: keine
Sporthalle: Turnhalle Grundschule Reideburg (Kap. 50 Sitzplätze)
Zuschauer: 40
Niveau und Unterhaltungswert: 4,5/10 (Höchstens Durchschnitt)

Turnen: Juniorinnenländerkampf AK 15/16
Samstag, 27. Juni 2009 - Beginn 18.00
Platzierungen: 1. Italien, 2. Deutschland, 3. Schweiz, 4. Frankreich
Sporthalle: Jahrhunderthalle Spergau (Kap. 400 Sitzplätze)
Zuschauer: 250
Niveau und Unterhaltungswert: 7,5/10 (sehr hoch)
Die Turnveranstaltung in Spergau hatten wir zwar noch im Kopf, doch erwarteten wir nicht wirklich, dass wir diese ansteuern würden, da wir uns in erster Linie für den Besuch eines Radpoloturniers in Reideburg, einem Ortsteil von Halle, entschieden hatten.
Dort erdreisteten sich allerdings gleich zwei Mannschaften kurzfristig abzusagen, sodass von 11 angesetzten Spielen ganze 4 stattfanden. Eine Frechheit gegenüber den Zuschauern - die allerdings keinen Eintritt bezahlen mussten - und vor allem eine Frechheit gegenüber den anderen Spielern. Für derlei Wettbewerbsverzerrung sollten eigentlich Punkte abgezogen werden. Zum Glück sind beide nicht erschienen Mannschaften abgestiegen. Kann man denen nur gönnen, obwohl ohnehin das Problem ist, da man in der 2. Liga durch halb Deutschland gurken muss, dass kaum ein Turnier ohne Spielabsagen auskommt und der Verband deshalb mal überlegen sollte, die 2. Bundesliga in Landesebenen einzuteilen.
Die Anzahl von vier austragenden Spiele war jedenfalls richtig lächerlich, wie auch eine der Spielerinnen laut anmerkte.
Bis wir die winzige Schulturnhalle gefunden hatten, verging übrigens eine Weile, aber so hatten wir Zeit, uns erst einmal die romanische Kirche anzuschauen.
Radpolo kann zwar nicht mit Radball mithalten, aber halbwegs unterhaltsam ist dieser Sport schon. Das erste Spiel, das ausgetragen wurde, war Jänkendorf 2 gegen Methler 1. Frisch Auf Jänkendorf holte einen Punkt mit einem 4:4, wobei ihre erste Mannschaft in Spiel 2 keineswegs zeigte, warum sie vereinsintern als Nummer 1 bezeichnet wird. Reideburg 2 gewann mühelos 6:2. Die Reideburgerinnen spielten dann gleich noch mal und siegten, nachdem sie bei Halbzeit 6:2 geführt hatten, mit 6:4 gegen Methler 1. Jänkendorf 1 vergeigte den Abschluss mit einem glatten 2:10 gegen Methler 1.
Während in Spiel 1 und 4 rein gar keine Stimmung war, machten die 40 Zuschauer wenigstens in Spiel 2 und 3 auf sich aufmerksam. Das allerdings auch nur durch Jubel nach den Toren und Aufstöhnen nach vergebenen Chancen. Auffällig an der Anhängerschaft waren auch, wie gut die Neonazis im Verein etabliert sind. Die fielen zwar nicht weiter negativ auf als durch Anwesenheit, aber bei den Fußballern des Reideburger SV waren die komischerweise gar nicht zu sehen, sodass man sich doch über deren Sportgeschmack wundern musste.

Die Ergebnisse:
Reideburger SV 2 - RSV Jänkendorf 1 6:2
RSV Kervenheim 1 - RKB Wetzlar 3 0:0W
RSV Jänkendorf 2 - RV Methler 1 4:4
RSV Jänkendorf 1 - RSV Kervenheim 1 5:0W
Reideburger SV 2 - RV Methler 1 6:4
RSV Jänkendorf 2 - RKB Wetzlar 3 5:0W
RSV Jänkendorf 1 - RV Methler 1 2:10
Reideburger SV 2 - RKB Wetzlar 3 5:0W
RSV Jänkendorf 2 - RSV Kervenheim 1 5:0W
RSV Jänkendorf 1 - RKB Wetzlar 3 5:0W
Reideburger SV 2 - RSV Kervenheim 1 5:0W

Die Tabelle:
1. Reideburger SV II 55 [Aufstieg]
2. RSV Frellstedt II 50 [Play-off]
3. RTC Hildesheim I 45 [Play-0ff]
4. RSV Frellstedt III 42 [Play-off]
5. RV Methler I 42
6. RC BG Langenhagen I 39
7. RSV Frisch Auf Jänkendorf II 36
8. RSC Niedermehnen I 22
9. RSV Frisch Auf Jänkendorf I 22
10. RSV Kervenheim I 15 [Abstieg]
11. RTC Hildesheim II 13 [Abstieg]
12. RKB Wetzlar III 1 [Abstieg]

Der erste Tabellenplatz hat den Aufstieg in die 1. Bundesliga zur Folge, was bedeutet, dass nächste Saison Reideburg mit zwei Mannschaften in der höchsten Spielklasse vertreten sein wird.
Nachdem wir noch einen ordentlichen und sehr preiswerten Imbiss in der Halle einnahmen, fuhren wir geradewegs nach Spergau, wo der Juniorinnen Turnländerkampf stattfand.
Deutschland, Italien, Frankreich und die Schweiz traten in den Disziplinen Boden, Sprung, Stufenbarren und Schwebebalken gegeneinander an.
Beschreiben kann ich wenig, da ich Turnen zum ersten Mal live (nach etlichen Malen Fernsehgucken) sah. Definitiv kann ich aber sagen: dieses Mal gingen mir die Punktrichter mal nicht auf den Sack, also wurde ganz fair und korrekt gewertet. Was ich auch definitiv behaupten kann, ist dass das Niveau der Mädchen sehr hoch war. Vor allem die Boden- und Schwebebalkenübungen der Italienerinnen waren sehr beeindruckend. Diese gingen auch als verdiente Siegerinnen aus dem eineinhalbstündigen Wettkampf hervor:

1. Italien 164,900
2. Deutschland 158,400
3. Schweiz 157,950
4. Frankreich 153,800

Die besten Turnerinnen waren folgende:
1. Carlotta Ferlito (ITA) 55,150
2. Chiara Gandolf (ITA) 54,350
3. Andrea Fonti (ITA) 54,300
4. Sara Cafanzaro (SUI) 53,980
5. Desirée Baumgart (DEU) 53,650
6. Pia Tolle (DEU) 53,600

Unfälle und außergewöhnliche Zwischenfälle blieben aus und das vor 250 Zuschauern stattfindende Turnier war wie gesagt sehr unterhaltsam - schon deutlich interessanter als das Radpoloturnier, was man kaum als Turnier bezeichnen konnte.
Alles in Allem also wieder einmal ein gelungener Tag. Sportlich sollte es das gewesen sein fürs Wochenende.
Statistik:
Ground Nr. 328 (ein neuer Ground; diese Saison: 98 neue)
Sportveranstaltung Nr. 833 und 834 (diese Saison: 201)
Tageskilometer: 60 Rad
Saisonkilometer: 26.270 (12.810 Auto; 5.370 Öffentliche Verkehrsmittel; 5.130 Fahrrad; 2.960 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 36
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 152

Fotos unter:
Radpolo

TURNEN