Montag, 22. September 2014

W425II: Freitagsspiel in Brandenburg

Oranienburger FC Eintracht 1901 .................................. 0
Werderaner FC Victoria 1920 .......................................... 3
- Datum: Freitag, 19. September 2014 – Anstoß: 19.30
- Wettbewerb: Verbandsliga Brandenburg (6. Spielklasse, 1. Amateurliga)
- Ergebnis: 0-3 nach 91 Min. (45/46) – Halbzeit: 0-3
- Tore: 0-1 25. Florian Neuschäfer-Rube, 0-2 37. Armin Schmidt, 0-3 44. Martin Blondzik
- Verwarnungen: Alexander Arsovic (Oranienburg); Markus Fuchs (Werder)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportanlage, sogenannte Carollis Toleranz-„Arena” (Kap. 1.110, davon 210 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 250 (davon ca. 15 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Durchschnittliches Spiel mit klar besserem Teil in Hälfte eins)  
Photos with English Commentary:
a) Brandenburg Amateur Football Top Division: Eintracht Oranienburg v Victoria Werder/ Havel
b) North-Western Brandenburg: Gransee Old Town, Zehdenick Monastery Ruin, Himmelpfort Monastery Ruin, Tornow Palace, Blumenow Church, Bredereiche Church, Lychen Old Town, ALT PLACHT CHURCH, Templin Old Town, Gollin Curch
c) SOVIET & GDR ERA MONUMENTS IN BRANDENBURG: Groß Dölln Hangars, Altenhof/ Werbellinsee Stadium, BOGENSEE GHOST TOWN
d) Oranienburg: Old Town and Palace (Pictures taken in 2009) 

Diesen Freitag gab es mal kein Spiel der Alten Herren, doch dafür eine sehr interessante Tour nach Brandenburg!

Ich startete schon sehr früh, da ich viel Sightseeing eingeplant hatte. Nach weniger als 3 Stunden wir ich auch schon in Gransee, wo es eine geschlossene Stadtmauer gibt, die auch an einem Ende noch einen tollen Turm hat. Eine Backsteinkirche und ein verfallenes Kloster gibt es auch.

Noch verfallener ist allerdings das Kloster in Zehdenick, das gänzlich ohne Dach dasteht. Die barocke Kirche in der Nähe sieht etwas zusammengestückelt aus.

Tornow, Blumenow und Bredereiche besichtigte ich eher zufällig. In Tornow sind Schloss und Kirche nicht sonderlich spektakulär, aber die Kirche in Blumenow ist sehr schön mit der Mischung aus Feldsteinen und Ziegeln mit Fachwerkturm. Die Kirche in Bredereiche ist gänzlich aus Fachwerk mit holzverkleidetem Turm.

Lychen ist ein von den Sowjets zerstörtes Städtchen auf einem Hügel. Die Lage ist schön, doch städtebaulich sieht es dort derb aus. Neben einem verfallenen HO-Restaurant konnte ich einen Inder auftreiben. Ich war der einzige Gast, aber immerhin kamen in den rund 45 Minuten die ich dort war, zwei Anrufe für den hauseigenen Pizzaservice rein...

Um die Ecke liegt das berühmte Himmelpfort. Den dicken bärtigen Mann, auch bekannt als Weihnachtsmann, wollte ich aber nicht besuchen. Nur das teilruinöse Kloster mit der ungewöhnlich geformten Kirche.

Auf dem Weg nach Templin, einer der wenigen größeren Orte im nördlichen Brandenburg, folgte ich einem Hinweisschild in einen staubigen, sandigen Waldweg. Solche holprigen, unbefestigten Pfade, auf denen kaum mal zwei Autos aneinander vorbeikommen, sind die einzige Möglichkeit um nach Alt-Placht zu kommen, wo eine sehr schöne Kirche mit Reetdach und Fachwerkschiff mit einem Holzturm steht. Drumherum sind nur Wiesen und dichter Nadelwald. Der Ort hat mit seinen fünf, sechs Häusern nur etwa 15 Einwohner.

Im erwähnten Templin findet man wieder wie in Gransee eine schöne Stadtmauer, hier sogar mit drei Türmen und mehreren Toren. Die Kirchen sind nicht sonderlich spektakulär.

In Gollin befand sich auch noch eine Fachwerkkirche auf dem Weg.  
Brandenburg ist reich an sowjetischen und DDR-Monumenten, doch in Vogelsang drang ich nicht bis zu den Ruinen vor. Ob überhaupt noch was von der Ansiedlung steht, kann ich nicht sagen, da die Militärstadt mindestens teilweise abgerissen wurde.

Über Deutschboden (die 10, 15 Einwohner brauchen ordentliche Autos bei den Waldwegen die in ihr Kaff führen: aber immerhin gab ihr Dorf mal einem mehr oder weniger ernstzunehmenden Dokumentarfilm von einem Berliner Hipster-Spasti, der mal das Provinzleben sehen wollte, den Namen) und Bergluch (der Ort ist völlig verlassen und komplett abgerissen oder überwuchert!) ging es nach Groß Dölln. Eine Autoteststrecke und ein Solarpark bedecken mittlerweile die meisten Teile des ehemals größten sowjetischen Militärflugplatzes der DDR. Einige Hangar stehen aber auch noch.

Besonderheiten der DDR-Geschichte findet man an den beiden Seen Werbellinsee und Bogensee (bei Lanke). Am Werbellinsee war ich mal in der 9. Klasse auf Klassenfahrt. Man, haben wir einen Scheiß gemacht: nachts in die leerstehenden Gebäude eingestiegen, uns Zutritt zum Dach der alten Schule verschafft, einer hat ne Lampe beim Fußballspielen im Herbergsflur zerschossen, ein anderer nen Feuerlöscher mitgehen lassen, ein Kumpel wollte nen anderen wecken und rüttelte deshalb an dessen Hochbett (O-Ton: „wie ein HFC-Hooligan am Fanzaun“) sodass er dann eine Holzlatte in der Hand hielt... Naja, heute gibt es ein Jugendferienlager dort, das u.a. das Fußballstadion an die Gäste vermietet. Dort haben noch 4.000 Leute Platz nachdem drei Tribünen abgerissen wurden. Auch die vierte Tribüne ist baufällig und überwuchert. Die Sitzbänke sind schon lange nicht mehr drin und wenn dort alle paar Monate mal ein Jugendfußballturnier ausgetragen wird, kommen natürlich keine 10.000 Zuschauer wie den Sechszigern, wenn die DDR-Nationalmannschaft hier Freundschaftsspiele ausgetragen hat.

Auch in Bogensee gibt es ein Stadion, doch das ist völlig überwuchert. Der Kleinfeldplatz mit den Tribünen hat nicht einmal mehr Tore zu bieten und die Sporthalle ist verschlossen. Auch die ganzen riesigen Wohnheime und Vorlesungssäle für die FDJ-Kader können nicht betreten werden, doch diese Campusstadt sieht richtig gut aus. Nur irgendwie, als seien hier alle wie im Science-Fiction-Film nach einer Atomkatastrophe plötzlich weg... Nur in der Nähe des alten Stadions sind noch zwei Wohnblöcke bewohnt.  
Oranienburg ist keine besonders interessante Stadt, aber historisch bedeutsam: in der Nazizeit war der Ort voller KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter. Da wurden viel mehr Menschen ermordet oder weggesperrt, als der Ort je Einwohner hatte. Er wurde dann völlig zerbombt, sodass viel Brache und wenig Glanz übrig blieb.

Eine der Brachen ist jene der ehemals jüdischen und dann nach der Enteignung von Nazis geleiteten und Zwangsarbeitern betriebenen Gaswerke. Dort steht seit den 1950ern eine Sportanlage, die eigentlich nach Friedrich Ludwig Jahn heißt. Ein Restaurant und ein Gehirnamputierter haben daraus die sogenannte „Carollis Toleranz Arena“ gemacht. Es ist ein schnöder Fußballplatz mit primitivem Vereinsheim an dessen Seite eine einfache, dreireihige Tribüne mit Dach und roten Schalensitzen gepfriemelt wurde. In dieses kleine Stadion passen kaum mehr als 1.000 Zuschauer.

Da es sich um das Spiel Letzter gegen Tabellenzweiter handelte, kamen erwartungsgemäß auch nur gut 250. Teilweise stritten die sich im Laufe des Spiels ganz gut, denn Oranienburg setzte den Abwärtstrend fort und einige Alte kritisierten nach Meinung anderer Alter zu viel, sodass man im üblichen Tonfall um Ruhe bat: „Mann, jetzt halt doch mal deine Gusche, du Penner!“

Auf dem Feld ging es relativ ruhig zu: auf beiden Seiten ein paar Zweikämpfe, der favorisierte Gast aus Werder war deshalb auch teilweise etwas weinerlich, aber ein klarer Spielverlauf. Oranienburg war aktiver, aber Werder konterte, sodass es am Ende 0:3 hieß.  
Statistik:
- Grounds: 1.186 (heute 1 neuer; diese Saison: 32 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.161 (heute 1; diese Saison: 49)
- Tageskilometer: 690 (690km Auto)
- Saisonkilometer: 13.350 (9.020 Auto/ 3.600 Flugzeug/ 630 Fahrrad/ 80 öffentliche Verkehrsmittel/ 20 Schiff, Fähre) - Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 139 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 424

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