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Montag, 25. März 2013
W347II: Ein Außenseitersieg – aber ein wenig überraschender
VfB Thomas Müntzer Mühlhausen -------------------- 33
Landsportverein Ziegelheim ---------------------------- 20
- Datum: Sonntag, 24. März 2013 – Anwurf: 16.00
- Wettbewerb: 5. Runde des Thüringer Verbandspokals, d.h. Viertelfinale (Thüringenliga = 5. Ebene, 2. Amateurliga gegen „Mittel“deutsche Oberliga = 4. Ebene, 1. Amateurliga)
- Ergebnis: 33-20 nach 60 Min. (2x30) – Halbzeit: 17-12
- Tore: k.A. (VfB TM); k.A. (LSV Z)
- Gelbe Karten: Nr. 5, 9, Trainer (VfB TM); Nr. 2, 18, 79 (LSV Z)
- Zeitstrafen: Nr. 5, 9, 15, 23 (VfB TM = 8 Minuten); 3x Nr. 18, Nr. 17, 79 (LSV Z = 10 Minuten)
- Platzverweise: Nr. 18 LSV (53. wg. Schiedsrichterbeleidigung)
- Spielort: Sporthalle Damaschke-Straße (Kap. 250, davon 50 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 200 (darunter Gästefans: keine?)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Durchschnittliches Spiel, dass ein klar überlegener Außenseiter souverän für sich entschied)
Photos with English Commentary:
a) Amateur Handball, Cup of Thuringia: Thomas Müntzer Mühlhausen defeat LSV Ziegelheim
b) Thuringia Sightseeing: Mühlhausen Old Town & City Walls, Monasteries of Zella & Dingelstädt, Palaces of Ebeleben & Schlotheim, Church Ruin of Grabe
Video:
Die Spielausfallflut ging beim Fußball ungebremst weiter – wenn die Temperaturen leicht unter Null liegen reicht das hierzulande – also ging es weiter mit Hallensport. Am Sonntag standen aber auch einige Besichtigungen an, die teilweise erschreckend schwer erreichbar waren. Es ist ja wohl nicht zu glauben, dass man es in den thüringischen Landkreis Unstrut-Hainich und Kyffhäuser nicht fertig bringt, Schneeverwehungen von bis zu einem knappen Meter zu beseitigen. Selbst an diesen Stellen entstehen die nicht in 20 Minuten, sondern sammeln sich erst in vier, fünf Stunden an – vergleichbare Orte im Saalekreis waren gut beräumt. Nicht zu verstehen ist aber auch, dass da Autofahrer mit einheimischen Nummern den Verkehr behinderten, da sie solche Verhältnisse kennen sollten. Aber die Einheimischen kannten ja nicht mal Regeln wie „bergan hat Vorfahrt bei Begegnung im einspurigen Bereich“...
Irgendwie schafften wir es aber ein vernünftiges Besichtigungsprogramm auf die Beine zu stellen: zuerst die Klöster von Dingelstädt (unspektakulär da 19. Jh. aber nett gelegen) und Zella (eines der bekanntesten Klöster Deutschlands und eines der wenigen, bei denen die Kirche nicht das Highlight ist, denn diese ist schlichter als viele Nebengebäude mit feinem Fachwerk). Dann war die Altstadt von Mühlhausen, der man auch preisgünstig und gut bei einem China-Thai-Imbiss essen konnte, ein Highlight. Mit der massiven, mit etlichen Türmen bewehrten Stadtmauer, den Fachwerkbauten und Kirchen, die fast durchweg schlanke, hohe Türme in weiß aufweisen, ist Mühlhausen eine der schönsten Städte Thüringens und Deutschlands. In Sachen Kirchengeschichte ist der Ort übrigens bedeutend: Thomas Müntzer hatte zwar außer seine letzten Stunden, die er bis zu seiner Hinrichtung vor dem Stadttor Mühlhausens verbrachte, nicht viel Zeit in diesem Ort zugebracht – als Thomas-Müntzer-Stadt wird sie trotzdem bezeichnet. Besonders die gotische Saalkirche, die auch dafür gleich 3€ Eintritt will, hält die Erinnerung an den radikalen Theologen und Reformer aufrecht.
Nach dem Handballpokalspiel besichtigten wir eine Kirchenruine in Grabe und dann das barocke Schloss von Schlotheim. Neben diesem steht ein Gedenkstein für Müntzer in DDR-Diktion, auf dem seine revolutionären Seiten herausgestrichen werden: absolut albern, dass ein Atheisten-Staat einen radikalen Theologen feiert – aber in der DDR musste man halt jeden Schwachsinn der irgendwie mit irgendwelcher Revolution gegen feudale Obrigkeiten zu tun hatte, bis zur Verblödung ausschlachten...
Abschließend besichtigten wir noch die Schlossruine von Ebeleben, von der nur noch eine große Außenmauer und regelmäßige Grundmauern stehen.
Nicht einmal beim Handball blieb man dann in Mühlhausen von diesem Reformationschaoten verschont. Die Sporthalle heißt aufgrund ihres Standortes in der Damaschke-Straße nach Adolf Damaschke, einem Führer der Bodenreformbewegung und einem schrägen Pädagogen mit diversen linksextremistischen Tendenzen – der Sportverein dann tatsächlich „VfB Thomas Müntzer 09“. Nach „SV Scharnhorst Großgörschen“ und „Don Bosco Bamberg“ ist das erst der dritte deutsch Verein der mir unterkommt und den Namen einer historischen Persönlichkeit trägt. Wobei von den drei genannten, Müntzer die mit Abstand zweifelhafteste ist. Viele DDR-Bürger und deren Nachkommen scheinen nicht zu wissen, dass sie von Müntzer in die Kategorie der nichtswürdigen und zu tötenden Gottlosen einsortiert worden wären: die Theologie Müntzers ist in ihren politischen Forderungen für seine Zeit nicht ungewöhnlich aber für den heutigen Deutschen nur aus den Medien im Zusammenhang mit islamistischem Terrorismus bekannt. Dass ein derart radikaler religiöser Reformer von einem atheistischen Staat verherrlicht wurde, da er nebenbei auch einer von vielen aus unterschiedlichen Kulturkreisen war, der späteren revolutionären sozialistischen und kommunistischen Tendenzen und Ideen vorgriff und somit entfernt als „Revolutionär“ bezeichnet werden kann, ist wie gesagt wirklich albern. Sich nach einer Persönlichkeit zu benennen, die nur in der Stadt hingerichtet – nicht einmal länger dort gewirkt hat – ebenfalls. Ich hätte ja noch Müntzers Lieblingsspruch aus Matthäus (Kapitel 10, Vers 34) auf die Trikots gedruckt: „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert“ – aber stattdessen wurde lieber für die „beste Bratwurst“ geworben...
Für die Halle sollte keiner gleich ein Schwert mitbringen, aber eine Schlagbohrmaschine sowie ein paar Holzlatten, Metallrohre und die erforderlichen Genehmigungen wären schon nicht schlecht, denn mit den paar Turnbänken und als Stehplätze angedachten Fußbänkchen, die nach Lust und Laune auf der breiteren Längsseite in dem kastenförmigen Backsteinbau aus den 1970ern verteilt werden, ist die Halle für die Zuschauer etwas zu eng geraten. Und Zuschauer kommen reichlich, denn fast alle 250 Plätze waren belegt, was bei sehr anständigen Eintrittspreisen von 3€ (Studenten, Rentner, Schüler: 2€) auch so seien sollte. Eine sehr gute Sache war auch die Trommelgruppe, die sich aus richtigen Hobbymusikern zusammensetzt und bei Ballbesitz der Mühlhäuser flotte Rhythmen vorlegte. Ich würde denen allerdings, so gut ihre Darbietung auch war, vorschlagen, mal richtige Liedmelodien komplett durchzuspielen, solange das Spiel nicht wirklich unterbrochen ist und nicht sofort bei Ballbesitz für den Gegner das Musizieren einzustellen. Wenn eine Musikgruppe wie z.B. bei den maltesischen Fangruppen üblich, mit eine paar Blasinstrumenten zu den Trommeln aufkreuzt, ist das natürlich noch besser. Aber wie auch immer: um klassen besser als bei den meisten Vereinen im Handball, was die da bei Mühlhausen zeigen!
Mühlhausen ist übrigens weit abgeschlagen hinter Gotha auf Rang 2 der Thüringenliga und hat leider keine Chance mehr, den vermutlich leider absteigenden LSV Ziegelheim in der sogenannten „Mittel“deutschen Oberliga (wobei Mühlhausen ja wenigstens wirklich eine mitteldeutsche Stadt ist) zu ersetzen. Nominell war der Außenseiter natürlich Mühlhausen, ich hatte allerdings schon gleich fest mit einem Sieg der Reformermannschaft gerechnet. Was der Landsportverein spielte, war selbst für Thüringenliga nur unteres Mittelmaß. Mit einem 13-Tore-Unterschied hätte ich auch nicht gerechnet, aber die unmotivierten, zum Ende hin einfach nur gefrusteten und über die ganzen 60 Minuten zu guten Spielzügen unfähigen Ziegelheimer wurden hier regelrecht vorgeführt. In den ersten 15 Minuten war das Spiel ja noch eng, aber dann zog Mühlhausen immer weiter davon. Nur wenige Fehler unterliefen den Gastgebern, weitestgehend konsequent wurden die Angriffe vorgetragen, in allen technischen und spielerischen Belangen wusste der VfB TM besser zu gefallen als der LSV.
Nach einer sehr guten Schiedsrichterleistung am Samstag, gab es übrigens auch am heutigen Sonntag keine Kritik am Gespann der Unparteiischen. Die beiden machten ihre Sache gut und souverän, teilweise vielleicht etwas kleinlich, aber bei einer zunehmend aggressiv auftretenden Mannschaft wie Ziegelheim war das wahrscheinlich auch nötig.
Alles in allem war es erschreckend zu sehen, wie ein Fünftligist der 44 Stunden zuvor bereits ein Spiel absolviert hatte, einen Viertligisten, der 24 Stunden zuvor ein Spiel gemacht hatte, vorführte. Es scheint absehbar, dass Ziegelheim sich bereits auf kurze Sicht als nicht MOL-tauglich erweisen wird, was schade ist: der Spielbesuch bei diesem Verein im Altenburger Land war wirklich nett!
Statistik:
- Grounds: 890 (heute 1 neue; diese Saison: 122 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.748 (heute 1, diese Saison: 171)
- Tageskilometer: 330 (330 Fahrrad)
- Saisonkilometer: 43.940 (34.760 Auto/ 6.500 Flugzeug/ 2.340 Fahrrad/ 170 Bahn, Bus, Tram/ 90 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 39 [Letzte Serie: 6, Rekord: 141]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 347
Montag, 28. Februar 2011
W239III: Wie man einen 8-Tore-Vorsprung verspielen kann und in der Schlussminute doch noch gewinnt
LSV Ziegelheim 29:30 HV Rot-Weiß Staßfurt
Datum: Samstag, 26. Februar 2011 - Anwurf 17.30
Liga: Mitteldeutsche Oberliga (4. Liga, 1. Amateurliga)
Ergebnis: 29:30 nach 60 Min. – Halbzeit: 11:19 (!)
Tore: D. Heinig 13, Reusch 6, A. Heinig 3, Ulbricht 3, Kley 2, Block 1, Luding 1 (LSV); Retting 9, Scholz 7, Jacobi 5, Stolz 4, Hähnel 2, Ernst 1, Rach 1, Bruchno 1 (HV RW)
Siebenmeter: LSV 3 von 6, HV RW 2 von 3
Verwarnungen: 4x (!?) LSV (Reusch, Kley, Block, Trainer); 3x HV RW (Trainer, Wartmann, Bruchno)
Zeitstrafen in Minuten: Moritz 6, D. Heinig 2, Luding 2, A. Heinig 2, Sense 2 (LSV = 14 Minuten); Bruchno 4, Hähnel 4, Stolz 4, Rach 2, Wartmann 2 (HV RW = 16 Minuten)
Platzverweise: Moritz (LSV; 54., dritte Zeitstrafe)
Spielort: Wieratalhalle (Kap. 600, davon 350 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 600 (davon ca. 30 Gästefans)
Unterhaltungswert: 6,0/10 (Spiel auf niedrigem Niveau aber extrem spannend – Ziegelheim in der 1. Halbzeit schwach und Staßfurt Mittelmaß, in 2. HZ umgekehrt)

Photos and English version:
Gößnitz & Waldenburg – Eastern Thuringia Province
LSV Ziegelheim vs. HV RW Staßfurt (Amateur Handball Top Level)
Kaum aus Ronneburg zurück, saßen wir wieder im Zug nach Weimar. Weiter ging es nach Gößnitz, wo wir eigentlich ein Fußballspiel der Regionalklasse, der nach der Thüringenliga und den Landesklassen dritthöchsten Amateurliga in Thüringen, angucken wollten. Obwohl noch am Abend vorher im Internet angekündigt, wurde bei diesem Scheißverein FSV Gößnitz nicht gespielt. Dabei waren zwei bespielbare Plätze zur Verfügung. Wenn man so eine Partie absagt, muss man schon total hacke sein. Ich dachte eigentlich, die Spielabsagenseuche wäre etwas abgeklungen, aber mit den Bescheuerten in Gößnitz habe ich nicht gerechnet.
Gößnitz ist auch das letzte Provinznest, das sich damit brüstet, den längsten Bahnsteig Deutschlands zu haben. Das zu lang geratene Ding ist aber auch der einzige Bahnsteig des Bahnhofes, der nicht mal mehr ein Gebäude hat, aber als Rangierbahnhof wichtig ist. Ansonsten muss man noch die Kirche hervorheben, die mit den drei Türmen doch recht gelungen und in einem erstaunlich guten Zustand ist. Wir fuhren dann weiter nach Waldenburg, was mehr daher macht, aber auch nur ein kleines Städtchen ist. Der Rathausplatz ist aber ganz nett, eine größere Kirche fällt auch ins Auge, dann gibt es noch das monströse Internat und auch das ganz nette Schloss.
Über teilweise sehr löchrige und extrem schmale, zudem auch schlecht beschilderte Straße fuhren wir an Gehöften wie Koblenz bei Waldenburg vorbei, die uns glauben ließen, wir hätten uns verfahren. Aber nicht etwa im westdeutschen Koblenz wähnten wir uns, sondern im tiefsten Balkan, so heruntergekommen wie einige der Ortschaften waren. In Ziegelheim wurde das erheblich besser: das Handballdorf hat immerhin eine recht spektakuläre Kirche auf einem Berg zu bieten und keine bewohnten Ruinen.

Handball wird in der Wieratalhalle gespielt, die schon von Außen recht auffällig ist und innen sehr zusammengepfrimelt, aber trotzdem ansehnlich wirkt. Zuschauerplätze sind aber nur auf zwei Seiten; jeweils in Form einer Obertribüne (hinterm Tor aber mit einem Netz zugehängt und auf der Längsseite sehr voneinander separiert mit auffällig dicken Gewölbestreben) und einer Vortribüne. Die Vortribüne ist dann aber wirklich einfach zusammen gepfriemelt, wie ich das seit Serbien nicht mehr gesehen habe: einfachste Gerüstbauweise mit Spanplatten und auf zwei der drei Tribünen auch noch einfach Stühle draufgestellt, die nach Lust und Laune von den Fans durch die Halle geschleppt werden. Das hat natürlich zur Folge, dass sich spät kommende Fans an den Rand der Tribüne stellen, weswegen die halbe Sitztribüne aufstehen muss, um beide Spielfeldhälften zu sehen. Na ja, Organisation und Dorfhandball eben...
Aber was beim Dorfhandball dafür oft gut ist, ist die Atmosphäre. Nicht nur, dass wir mit netten Leuten ins Gespräch kamen, auch wurden die Ziegelheimer ihrem Anspruch „Die besten Fans aus Thüringen“ zu sein wenigstens phasenweise so halbwegs gerecht. Solange es für Ziegelheim scheiße lief – also bis kurz nach der Pause – beschränkte sich die Stimmung zwar auf 20% Klatschen, 35% Gegner voll meckern und 45% Schiedsrichter beschimpfen – aber dann ging es gut ab: Laute Sprechchöre, frenetischer Jubel und enthusiastisches Feiern der Mannschaft. So ist die Stimmung wirklich gut! Allerdings war in Ronneburg am Vortag keineswegs weniger Support, sondern eher mehr und besser.
Wir gesagt lief es – man kann es auch am Halbzeitstand oben ablesen – für Ziegelheim bis kurz nach der Pause richtig schlecht. Beim Spiel 9. gegen 11., also Abstiegskampf, konnte man ja nicht so viel erwarten, aber während Ziegelheim im Hinspiel (siehe Bericht vom 23.10.10) klar besser war und verdient gewann, war der Gastgeber hier völlig von der Rolle. Staßfurt spielte mittelmäßiges Handball: einige schöne Tore und gute Spielzüge, aber das sollte man auch als Mindestes erwarten können in der höchsten Amateurliga, die das Sprungbrett in den Halbprofi- und Profibereich darstellt. Verdient lag Staßfurt gegen das desolate Ziegelheim mit 19:11 in Front.
Desolat war im Übrigen auch die Leistung der thüringischen (!) Schiedsrichter: Tore wegen angeblichen im Kreis stehen aberkannt, obwohl der Schütze nicht ab stand; zwei Minuten für Lächerlichkeiten, keine zwei Minuten für klare Fouls; foulenden Spielern trotz einem Verletzten auf der Platte den Angriff aufs gegnerische Tor ermöglicht; Foul nicht gepfiffen, Tor für die foulende Seite gegeben und dann zwei Minuten gegen den Foulspielenden im Nachhinein gegeben... Innerhalb von 60 Minuten deutlich mehr als 10 Fehlentscheidungen zu treffen – bei dem bis zur 50. Minute ziemlich langsamen Tempo – ist schon bedenklich. Die fragwürdigen Pfiffe gingen aber in beide Richtungen; von Heimschiedsrichtern – oder wie viele Heimfans gerne tönten: Staßfurter Schiebern – konnte also keine Rede sein.
Immerhin versuchte das Kampfgericht nicht, das Spiel zu beeinflussen, wie das offensichtlich gegen Leipzig (anscheinend erfundener Wechselfehler der zum Sieg mit einem Tor führte und jetzt ein Fall fürs Sportgericht ist) so war.
Zurück zu den Spielern: nach der Halbzeit gab es plötzlich ein völlig anderes Bild. Es ist einfach schlimm, dass Staßfurt nur 30 bis höchsten 40 Minuten Handball spielen kann und dann die anderen 20 bis 30 Minuten ein grauenhaftes Niveau mit Fehlern ohne Ende und schwachem Abschluss wie auch mangelnder Verteidigungsarbeit zeigt. Nach ein paar Minuten waren die mittlerweile wenigstens auf durchschnittlichem Niveau agierenden Gastgeber bis auf 19:21 herangekommen. Dann sollte es eng umkämpft sein, aber Staßfurt war unfähig, einen acht Tore Vorsprung auch nur ansatzweise zu halten. Mal gingen sie bis auf 20:24 davon, dann zog der Gastgeber nach und verkürzte auf 23:24, glich zum 25:25 aus und ging 27:26 in Führung. Kurz vor Schluss lag der LSV sogar bei 29:27 mit zwei Toren vorn. Doch dramatischerweise wendete sich das Blatt nochmals und Fehler der Ziegelheimer und ein letztes Aufbäumen der Staßfurter Gäste brachten die Wende: 29-30 am Ende! Ein richtig packendes Spiel also, obwohl es vom Spielniveau her eher mäßig war. Einen glücklichen, aber nicht unverdienten Sieg konnten die Staßfurter somit für sich verbuchen: Staßfurt spielte hat 32 Minuten richtig Handball und Ziegelheim nur 30, sodass dieser Eintorsieg in Ordnung geht.

Bei sternenklarem Himmel und innerhalb von drei Stunden um 10 Grad gefallenen Temperaturen verließen wir die hohe Tonnengewölbehalle von Ziegelheim und fuhren mit den Rädern weiter nach Altenburg. Dort fiel uns im Vergleich zu Weimar am Vortag Folgendes auf: 1. nicht nur Prolls auf der Straße, 2. alle Sehenswürdigkeiten angestrahlt, und 3. das Bahnhofsgebäude offen und die dortige Pizzabäckerei auch noch in Aktion. Da würde Altenburg also viel eher den Kulturbahnhof- oder Kulturstadt-Titel verdienen, als dieses Spießbürger-Provinznest Weimar.
Auch wenn dieses Mal die Leistungen der Bahn zufriedenstellend waren, kann ich nur wiederholen, dass ab Mitte des Jahres dieses Drecksunternehmen kein Geld mehr von uns erwarten kann. Wahrscheinlich machen wir auch keine Radtour nach Tschechien, sondern fahren mit dem Auto, weil die Sachsen Faxen machen und in vielen Teilen des Freistaates (wo genau recherchiere ich noch) mittlerweile asozialerweise 4,50€ für die Fahrradmitnahme verlangen. Diese sächsischen Bahnverbände, die diese Preise erheben, boykottieren wir natürlich generell.

Statistik:
Grounds: 531 (heute ein neuer Ground; diese Saison: 81 neue)
Sportveranstaltungen: 1.232 (heute 1, diese Saison: 119)
Tageskilometer: 330 (270 Bahn, 60 Fahrrad)
Saisonkilometer: 20.170 (12.070 Auto/ 4.520 Bahn, Bus, Tram/ 2.780 Fahrrad/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 89
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 239
Datum: Samstag, 26. Februar 2011 - Anwurf 17.30
Liga: Mitteldeutsche Oberliga (4. Liga, 1. Amateurliga)
Ergebnis: 29:30 nach 60 Min. – Halbzeit: 11:19 (!)
Tore: D. Heinig 13, Reusch 6, A. Heinig 3, Ulbricht 3, Kley 2, Block 1, Luding 1 (LSV); Retting 9, Scholz 7, Jacobi 5, Stolz 4, Hähnel 2, Ernst 1, Rach 1, Bruchno 1 (HV RW)
Siebenmeter: LSV 3 von 6, HV RW 2 von 3
Verwarnungen: 4x (!?) LSV (Reusch, Kley, Block, Trainer); 3x HV RW (Trainer, Wartmann, Bruchno)
Zeitstrafen in Minuten: Moritz 6, D. Heinig 2, Luding 2, A. Heinig 2, Sense 2 (LSV = 14 Minuten); Bruchno 4, Hähnel 4, Stolz 4, Rach 2, Wartmann 2 (HV RW = 16 Minuten)
Platzverweise: Moritz (LSV; 54., dritte Zeitstrafe)
Spielort: Wieratalhalle (Kap. 600, davon 350 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 600 (davon ca. 30 Gästefans)
Unterhaltungswert: 6,0/10 (Spiel auf niedrigem Niveau aber extrem spannend – Ziegelheim in der 1. Halbzeit schwach und Staßfurt Mittelmaß, in 2. HZ umgekehrt)
Photos and English version:
Gößnitz & Waldenburg – Eastern Thuringia Province
LSV Ziegelheim vs. HV RW Staßfurt (Amateur Handball Top Level)
Kaum aus Ronneburg zurück, saßen wir wieder im Zug nach Weimar. Weiter ging es nach Gößnitz, wo wir eigentlich ein Fußballspiel der Regionalklasse, der nach der Thüringenliga und den Landesklassen dritthöchsten Amateurliga in Thüringen, angucken wollten. Obwohl noch am Abend vorher im Internet angekündigt, wurde bei diesem Scheißverein FSV Gößnitz nicht gespielt. Dabei waren zwei bespielbare Plätze zur Verfügung. Wenn man so eine Partie absagt, muss man schon total hacke sein. Ich dachte eigentlich, die Spielabsagenseuche wäre etwas abgeklungen, aber mit den Bescheuerten in Gößnitz habe ich nicht gerechnet.
Gößnitz ist auch das letzte Provinznest, das sich damit brüstet, den längsten Bahnsteig Deutschlands zu haben. Das zu lang geratene Ding ist aber auch der einzige Bahnsteig des Bahnhofes, der nicht mal mehr ein Gebäude hat, aber als Rangierbahnhof wichtig ist. Ansonsten muss man noch die Kirche hervorheben, die mit den drei Türmen doch recht gelungen und in einem erstaunlich guten Zustand ist. Wir fuhren dann weiter nach Waldenburg, was mehr daher macht, aber auch nur ein kleines Städtchen ist. Der Rathausplatz ist aber ganz nett, eine größere Kirche fällt auch ins Auge, dann gibt es noch das monströse Internat und auch das ganz nette Schloss.
Über teilweise sehr löchrige und extrem schmale, zudem auch schlecht beschilderte Straße fuhren wir an Gehöften wie Koblenz bei Waldenburg vorbei, die uns glauben ließen, wir hätten uns verfahren. Aber nicht etwa im westdeutschen Koblenz wähnten wir uns, sondern im tiefsten Balkan, so heruntergekommen wie einige der Ortschaften waren. In Ziegelheim wurde das erheblich besser: das Handballdorf hat immerhin eine recht spektakuläre Kirche auf einem Berg zu bieten und keine bewohnten Ruinen.
Handball wird in der Wieratalhalle gespielt, die schon von Außen recht auffällig ist und innen sehr zusammengepfrimelt, aber trotzdem ansehnlich wirkt. Zuschauerplätze sind aber nur auf zwei Seiten; jeweils in Form einer Obertribüne (hinterm Tor aber mit einem Netz zugehängt und auf der Längsseite sehr voneinander separiert mit auffällig dicken Gewölbestreben) und einer Vortribüne. Die Vortribüne ist dann aber wirklich einfach zusammen gepfriemelt, wie ich das seit Serbien nicht mehr gesehen habe: einfachste Gerüstbauweise mit Spanplatten und auf zwei der drei Tribünen auch noch einfach Stühle draufgestellt, die nach Lust und Laune von den Fans durch die Halle geschleppt werden. Das hat natürlich zur Folge, dass sich spät kommende Fans an den Rand der Tribüne stellen, weswegen die halbe Sitztribüne aufstehen muss, um beide Spielfeldhälften zu sehen. Na ja, Organisation und Dorfhandball eben...
Aber was beim Dorfhandball dafür oft gut ist, ist die Atmosphäre. Nicht nur, dass wir mit netten Leuten ins Gespräch kamen, auch wurden die Ziegelheimer ihrem Anspruch „Die besten Fans aus Thüringen“ zu sein wenigstens phasenweise so halbwegs gerecht. Solange es für Ziegelheim scheiße lief – also bis kurz nach der Pause – beschränkte sich die Stimmung zwar auf 20% Klatschen, 35% Gegner voll meckern und 45% Schiedsrichter beschimpfen – aber dann ging es gut ab: Laute Sprechchöre, frenetischer Jubel und enthusiastisches Feiern der Mannschaft. So ist die Stimmung wirklich gut! Allerdings war in Ronneburg am Vortag keineswegs weniger Support, sondern eher mehr und besser.
Wir gesagt lief es – man kann es auch am Halbzeitstand oben ablesen – für Ziegelheim bis kurz nach der Pause richtig schlecht. Beim Spiel 9. gegen 11., also Abstiegskampf, konnte man ja nicht so viel erwarten, aber während Ziegelheim im Hinspiel (siehe Bericht vom 23.10.10) klar besser war und verdient gewann, war der Gastgeber hier völlig von der Rolle. Staßfurt spielte mittelmäßiges Handball: einige schöne Tore und gute Spielzüge, aber das sollte man auch als Mindestes erwarten können in der höchsten Amateurliga, die das Sprungbrett in den Halbprofi- und Profibereich darstellt. Verdient lag Staßfurt gegen das desolate Ziegelheim mit 19:11 in Front.
Desolat war im Übrigen auch die Leistung der thüringischen (!) Schiedsrichter: Tore wegen angeblichen im Kreis stehen aberkannt, obwohl der Schütze nicht ab stand; zwei Minuten für Lächerlichkeiten, keine zwei Minuten für klare Fouls; foulenden Spielern trotz einem Verletzten auf der Platte den Angriff aufs gegnerische Tor ermöglicht; Foul nicht gepfiffen, Tor für die foulende Seite gegeben und dann zwei Minuten gegen den Foulspielenden im Nachhinein gegeben... Innerhalb von 60 Minuten deutlich mehr als 10 Fehlentscheidungen zu treffen – bei dem bis zur 50. Minute ziemlich langsamen Tempo – ist schon bedenklich. Die fragwürdigen Pfiffe gingen aber in beide Richtungen; von Heimschiedsrichtern – oder wie viele Heimfans gerne tönten: Staßfurter Schiebern – konnte also keine Rede sein.
Immerhin versuchte das Kampfgericht nicht, das Spiel zu beeinflussen, wie das offensichtlich gegen Leipzig (anscheinend erfundener Wechselfehler der zum Sieg mit einem Tor führte und jetzt ein Fall fürs Sportgericht ist) so war.
Zurück zu den Spielern: nach der Halbzeit gab es plötzlich ein völlig anderes Bild. Es ist einfach schlimm, dass Staßfurt nur 30 bis höchsten 40 Minuten Handball spielen kann und dann die anderen 20 bis 30 Minuten ein grauenhaftes Niveau mit Fehlern ohne Ende und schwachem Abschluss wie auch mangelnder Verteidigungsarbeit zeigt. Nach ein paar Minuten waren die mittlerweile wenigstens auf durchschnittlichem Niveau agierenden Gastgeber bis auf 19:21 herangekommen. Dann sollte es eng umkämpft sein, aber Staßfurt war unfähig, einen acht Tore Vorsprung auch nur ansatzweise zu halten. Mal gingen sie bis auf 20:24 davon, dann zog der Gastgeber nach und verkürzte auf 23:24, glich zum 25:25 aus und ging 27:26 in Führung. Kurz vor Schluss lag der LSV sogar bei 29:27 mit zwei Toren vorn. Doch dramatischerweise wendete sich das Blatt nochmals und Fehler der Ziegelheimer und ein letztes Aufbäumen der Staßfurter Gäste brachten die Wende: 29-30 am Ende! Ein richtig packendes Spiel also, obwohl es vom Spielniveau her eher mäßig war. Einen glücklichen, aber nicht unverdienten Sieg konnten die Staßfurter somit für sich verbuchen: Staßfurt spielte hat 32 Minuten richtig Handball und Ziegelheim nur 30, sodass dieser Eintorsieg in Ordnung geht.
Bei sternenklarem Himmel und innerhalb von drei Stunden um 10 Grad gefallenen Temperaturen verließen wir die hohe Tonnengewölbehalle von Ziegelheim und fuhren mit den Rädern weiter nach Altenburg. Dort fiel uns im Vergleich zu Weimar am Vortag Folgendes auf: 1. nicht nur Prolls auf der Straße, 2. alle Sehenswürdigkeiten angestrahlt, und 3. das Bahnhofsgebäude offen und die dortige Pizzabäckerei auch noch in Aktion. Da würde Altenburg also viel eher den Kulturbahnhof- oder Kulturstadt-Titel verdienen, als dieses Spießbürger-Provinznest Weimar.
Auch wenn dieses Mal die Leistungen der Bahn zufriedenstellend waren, kann ich nur wiederholen, dass ab Mitte des Jahres dieses Drecksunternehmen kein Geld mehr von uns erwarten kann. Wahrscheinlich machen wir auch keine Radtour nach Tschechien, sondern fahren mit dem Auto, weil die Sachsen Faxen machen und in vielen Teilen des Freistaates (wo genau recherchiere ich noch) mittlerweile asozialerweise 4,50€ für die Fahrradmitnahme verlangen. Diese sächsischen Bahnverbände, die diese Preise erheben, boykottieren wir natürlich generell.
Statistik:
Grounds: 531 (heute ein neuer Ground; diese Saison: 81 neue)
Sportveranstaltungen: 1.232 (heute 1, diese Saison: 119)
Tageskilometer: 330 (270 Bahn, 60 Fahrrad)
Saisonkilometer: 20.170 (12.070 Auto/ 4.520 Bahn, Bus, Tram/ 2.780 Fahrrad/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 89
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 239
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Montag, 25. Oktober 2010
W221I: Handball in Staßfurt und Fußball in Schneidlingen
SV Fortuna Schneidlingen II 2:1 SV Wacker 09 Westeregeln II
Datum: Samstag 23. Oktober 2010, Anstoß: 13.00
Liga: 2. Kreisklasse Salzland, Staffel 3 (12. Liga, 7. und unterste Amateurliga)
Ergebnis: 2:1 nach 92 Minuten (45/47), Halbzeit: 0:0
Tore: 0:1 72. Nr. 10, 1:1 80. Nr. 6, 2:1 85. Nr. 5
Verwarnungen: 1x Wacker
Platzverweise: keine
Sportanlage: Sportplatz Schneidlingen, Platz II (Kap.: 1.000 Stehplätze)
Zuschauer: ca. 40 (davon ca. 10 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (1. Halbzeit Mittelmaß, 2. Halbzeit topp!)
HV Rot-Weiß Staßfurt 32:36 LSV Ziegelheim
Datum: Samstag 23. Oktober 2010, Anwurf: 16.30
Liga: Mitteldeutsche Oberliga (4. Liga, 1. Amateurliga)
Ergebnis: 32:36 nach 60 Minuten, Halbzeit: 13:18
Tore: Retting 12, Scholz 6, Jacobi 3, Bruchno 3, Lingk 3, Stolze 3, Richter 1, Schröder 1 (Staßfurt); Moritz 10, D. Heinig 9, Kley 8, Dr. Reusch 2, A. Heinig 4, Wunderlich 3 (Ziegelheim)
Zeitstrafen: Bruchnow 6, Jakobi 2, Roch 2 (Staßfurt), A. Heinig 2, D. Heinig 2, Bluding 2 (Ziegelheim)
Platzverweise: Bruchnow (Staßfurt, 44. Minute, 3. Zeitstrafe)
Sportanlage: Paul-Merkewitz-Sporthalle (Kap.: 500 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 275 (davon ca. 50 Gästefans)
Unterhaltungswert: 6,5/10 (Staßfurt zw. 15. und 30. eingebrochen, ansonsten gleichwertiges Spiel auf ordentlichem Niveau)
Photos and English version:
Amateur Football (Reserve Teams): Fortuna Schneidlingen def. Wacker Westeregeln (+ Schneidlingen Castle)
Amateur Handball Top Flight: HV Rot-Weiß Staßfurt lt. LSV Ziegelheim
An diesem Wochenende fuhr ich mit meiner Freundin in die Salzstadt Staßfurt, ihre Heimatstadt. Samstag standen neben Verwandtenbesuch auch zwei Sportveranstaltungen auf dem Programm.
Die erste davon wurde in Schneidlingen, einem 1.300 Einwohner zählenden Dorf, das mittlerweile ein Ortsteil von Hecklingen ist und rund 12km nordwestlich von Staßfurt liegt, ausgetragen. Dort schauten wir uns zuerst das Wasserschloss an, was zwar einen schön sanierten Turm hat, aber außer dem weißen Bergfried mit dem Wappenschild inmitten des Innenhofs ist alles grau, hat vernagelte Fenster und ist absolut renovierungsbedürftig. Da mangelt es aber einfach am Geld. Die Kirche hat aber immerhin eine kürzlich sanierte Turmhaube und ist sonst durch den Baustil auch die zweite Sehenswürdigkeit im Dorf.
Der Sportplatz ist eine ganz nette Anlage, die aus Haupt- und Nebenplatz besteht. Ersterer wird durch ein Tor mit dem gusseisernen Vereinsschriftzug betreten: dort hat man Umkleiden, Vereinsheim und einen mit einer Metallreling umfriedeten und mit Bäumen umstellten Platz. Der Nebenplatz ist ebenfalls dicht mit Bäumen umstanden. Die meisten davon sind Pappeln, die bald reif zum Fällen sein dürften. Vor allem die Torräume sind uneben, doch das gehört zu einem richtigen Kreisklasse-Dorffußballplatz dazu.
Auf dem mit Laub bedeckten Rasen spielten Fortuna Schneidlingens Reserve – die sind 6. von 12 mit 13 Punkten – und die Reserve von Wacker Westeregeln. Der Gast ist als 3. mit 20 Punkten nur 4 Punkte hinter dem Spitzenreiter (einziger Aufstiegsplatz!) 1. FC Aschersleben II. Das Spiel begann mit einer Schweigeminute für den am letzten Spieltag mit erst 21 Jahren an Herzversagen verstorbenen Spieler des VfB Glöthe. Die erste Halbzeit war durch die Anzahl vergebener Chancen – besonders der Gastgeber versemmelte etliche Dinger – und starken Zweikämpfe recht ansehnlich und auf durchschnittlichem Amateurniveau. Besser jedoch war Hälfte zwei. Dort dauerte es zwar eine Weile ehe jemand traf und dann auch noch die klar schwächeren Gäste aus Westeregeln. Die hatten zwar zuvor einmal einen Unterkantelattentreffer, aber dieses aus einem Abwehrfehler resultierende Führungstor war wirklich nicht besonders hervorhebenswert. Ganz anders der Ausgleich: 80 Minuten lang gab es nur schwache Freistöße, doch dann traf der Sechser von Schneidlingen aus 20 Metern vom linken Strafraumeck in den rechten Winkel. Herrlich! Auch das völlig verdiente 2:1 war ein klasse Treffer, der durch einen Heber aus 25 Metern über den Torwart fiel. Ein wirklich sehenswertes und spannendes Spiel ging mit einer vergebenen Doppelchance der Westeregelner zu Ende und fand so einen verdienten Sieger.
Das war das erste gute Fußballspiel im Salzlandkreis, das ich gesehen habe. Wieso man dafür aber 2€ zahlen soll – habe ich bisher noch nie für diese Spielklasse – ist mir aber schleierhaft. Da eine räumliche Trennung zum Hauptspiel um 14 Uhr auf Platz I erfolgen sollte, ist das einfache eine Frechheit, da schon den Eintritt fürs Hauptspiel zu verlangen. Im Übrigen ist ja das Spielniveau sonst nicht so gut wie in Burgenland- oder Saalekreis sowie Leipziger Land oder Halle. Was mir außer dem Spielniveau – was ja jetzt auffällig gut war – außerdem nie gefallen hat im Salzlandkreis, waren die schlechten Radwege. Mich wunderte es wirklich nicht, dass ich gerade auf dem Weg von Löderburg nach Staßfurt einen Platten in den einen der guten Reifen gefahren habe. Die Wege sind richtig schlecht...
Mit einem Kilometer schieben kam ich trotzdem noch klar vor Anwurf des Handballspiels der mitteldeutschen Liga, der höchsten Amateurhandballliga, an. Der HV Rot-Weiß Staßfurt ist ein noch junger Verein, doch er hat einen großen Vorgänger. Er ist der Nachfolger von Concordia Staßfurt, deren Handballabteilung am Halbprofibetrieb bankrott gegangen ist und aufgelöst wurde. Das zog auch die restlichen Abteilungen wie Kampfsport, Hockey u.a. in Mitleidenschaft, sodass sie sich auf andere Vereine der Umgebung wie Lok Güsten oder TSV Neundorf verteilen. Die Handballabteilung hielt sich als Neugründung aber glücklicherweise wenigstens im oberen Amateurbereich, auch wenn sie leider ein Abstiegskandidat in der höchsten Amateurspielklasse sind. Für sachsen-anhaltische Vereine ist diese Spielklasse die „Oberliga Mitteldeutschland“, geordnet nach der verqueren politischen Definition von „Mitteldeutschland“, wo neben Thüringen und Sachsen-Anhalt auch Sachsen dazu zählt: wo ist dann eigentlich Ostdeutschland? Böhmen und Schlesien?
Da ich mich noch nicht so eingehend darüber informiert habe, verzichte ich auf Bemerkungen zur Ligenneuordnung, außer: musst ihr Handballfunktionäre unbedingt die Fußballfunktionäre nachmachen?
In Staßfurt war heute der Landsportverein Ziegelheim, der aus dem ostthüringischen Wieratal – zwischen Altenburg und Zwickau gelegen – in den Salzlandkreis hochfuhr, zugast. Beide Teams waren nicht ideal gestartet, aber mit zwei Siegen + drei Niederlagen (HV) bzw. einem Sieg, einem Unentschieden und drei Niederlagen (LSV) besser als Naumburg, die ihrer Rolle als Abstiegskandidat Nummer 1 mit fünf Niederlagen in Serie alle Ehre machen. Die Leipziger Verkehrsbetriebe führen übrigens mit hervorragenden fünf Siegen und 165:137 Toren
Die Halle kann ich für Groundhopper, die denken, alle Sporthallen sähen gleich aus, empfehlen. Natürlich sind Fußballstadien oder andere vergleichbare Sportstätten (Rugbystadien, Cricketovale) abwechslungsreicher, aber auch manch eine Sporthalle ist mehr als nur ein gesichtsloser Kasten mit den immergleichen Bänken. Die Paul-Merkewitz-Sporthalle, nach einem Staßfurter Sportorganisator benannt, ist ein 1952 umgebauter Salzspeicher (von anderen habe ich etwas von Markthalle gehört), der mich sehr an die ehemalige Markthalle und jetzt seit Jahrzehnten schon vom SC Magdeburg für die Reservemannschaft und Jugendteams, aber auch von Basketballern und anderen Sportlern genutzte Hermann-Gieseler-Sporthalle. Diese ist die einzige Sporthalle, die von mir 10 Wertungspunkte bekommen hat. Dass die Staßfurter Halle nur 6,5 Punkte erhält, hängt damit zusammen, dass a) sie baulich nicht geschlossen ist, wie die in Magdeburg: die Hintertortribüne ist nicht im selben Baustil wie die Längsseiten: dort sind auch nur so moderne Bänke, aber wenigstens ordentlich eingepasst worden und b) die Sicht eine Katastrophe ist: und zwar auf fast allen Plätzen. Entweder sitzt man zu tief, hat aber wenigstens kein Netz und keine Balken vorm Nischel (die jeweils ersten Reihen der Längsseiten) oder man befindet sich auf besserer Höhe, jedoch unter einer mit Balken und Leitern verbauten Längstribüne oder man sitzt auf guter Höhe aber ist recht weit weg vom Feld und hat ein störendes Netz im Blick (Hintertortribüne). Schlimm ist aber vor allem, dass man dann 5€ - andererseits sind für Studenten, Schüler usw. großzügige Ermäßigungen drin: ich zahlte nur 2,50€ - zahlen muss. Leider ist der Preis aber auch mittlerweile Standard in der Liga: als Staßfurt in den letzten Saisons noch die jetzt Sachsen-Anhalt-Liga (5. Liga, 2. Amateurliga) spielenden Spergauer und Franklebener als Gegner hatte, galten 5€ Eintritt noch als unverschämt hoch, da die beiden genannten z.B. nur 3€ verlangten.
Trotz aller Mängel ist das eine sehr sehenswerte Halle, deren Besuch lohnt!
Das Spiel lohnte ebenfalls das Kommen, wobei der HV Rot-Weiß leider nach 15 guten Minuten einbrach und die Ziegelheimer mit bis zur sechs Toren davon zogen. Der Thüringer Gast gewann das Spiel durch die starke zweite Hälfte der ersten Halbzeit und durch ihr konstant gutes Spiel in der zweiten Halbzeit, in der sie Staßfurt nach bis zu neun Toren Vorsprung erst kurz vor Schluss etwas aufholen ließen. Auf beiden Seiten gab es schöne Tore zu sehen, wobei der Staßfurter Angriff mit jenem von Ziegelheim nicht mithalten konnte. Es ist auch bedenklich, wenn ein einziger Spieler mehr als ein Drittel der Tore wirft, wie das Staßfurts Retting fertig brachte.
Die Zuschauerkulisse war gar nicht schlecht. Die Heimfans klatschten und trommelten zwar sehr monoton aber wenigstens ausdauernd – ab und an gab es auch mal Zwischenrufe oder es wurde tobend aufgesprungen – und auch in den Schwächephasen ihres Teams machten sie Lärm. Doch besser war eindeutig der erstaunlich zahlreiche Gästeanhang: 50 Leute, einige mit Schals, ein Banner und mehrere Trommeln dabei und dann wirklich ausdauernd am anfeuern und dann teilweise auch noch mit Sprechchören. Ich sollte mal in den nächsten Monaten ein Heimspiel von denen besuchen...
Statistik:
Ground Nr. 488 (zwei neue Grounds; diese Saison: 38 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 1.163 und 1.164 (diese Saison: 51)
Tageskilometer: Freitag 70km Rad, heute 40km Fahrrad
Saisonkilometer: 11.370 (8.170 Auto/ 1.480 Fahrrad/ 920 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 72
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 221
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