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Montag, 24. Februar 2014

W395I: Melilla und Nador; von Jugendfußball Freitagnacht, vergeblicher Hotelsuche und einem hitzigen Handballspiel

---- Hilal Athlétique Nador (هلال الناضور) ----
......................... 22:22 (15:9) ..........................
Renaissance Sportif Tanger (نادي النهدة طنجة)
Datum: Samstag, 22. Februar 2012 – Anwurf: 17.00
Wettbewerb: Ligue Excellence du Handball, Poule Nord [بطولة المغربية لكرة اليد القسم الممتاز] (Marokkanische Superliga Nord, d.h. Nordstaffel der 1. Marokkanischen Handballliga; Halbprofiliga)
Ergebnis: 22-22 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 15-9
Tore: k.A.
Siebenmeterquote: HAN 100% (4 von 4); RST 20% (1 von 5)
Gelbe Karten: HAN 1, RST 1
Zwei-Minuten-Strafen: HAN = 6 Minuten; RST = 4 Minuten
Platzverweise: keine
Spielort: Salle Couverte de Nador [قاعة المغطاة بالناضور] (Kap. 2.500 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 500 (keine Gästefans)
Unterhaltungswert: 8,5/10 (Sehr gutes und spannendes Handballspiel, sehr gute Stimmung)

Club de Fútbol Atletico Rusadir/ Alevín
.......................... 6:6 (3:3) .........................
-- Union Deportiva Melilla A / Alevín --
- Datum: Samstag, 22. Februar 2014 – Anstoß: 12.00
- Wettbewerb: Competición Liga 1a División Alevín de Ciudad Autónoma de Melilla (1. D-Junioren-Liga der Autonomen Stadt Melilla, d.h. 2. spanische U15-Liga)
- Ergebnis: 6-6 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 3-3
- Tore: 1-0 6’, 1-1 6’, 2-1 12’, 2-2 18’, 2-3 23’, 3-3 24’, 3-4 31’, 4-4 32’, 4-5 44’, 5-5 52’ Hand-9m, 5-6 54’, 6-6 54’
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Campo Fernando Pernias A (Kap. 450, davon 400 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 35
- Unterhaltungswert: 8,0/10 (Hervorragendes Jugendspiel zweier absolut gleichwertiger Teams)

Union Deportiva Melilla B/ Alevín
..................... 3:7 (1:2) .....................
--- Peña Real Madrid B/ Alevín ---
- Datum: Samstag, 22. Februar 2014 – Anstoß: 12.00
- Wettbewerb: Competición Liga 2a División Alevín de Ciudad Autónoma de Melilla (2. D-Junioren-Liga der Autonomen Stadt Melilla, d.h. 3. und unterste spanische U15-Liga)
- Ergebnis: 3-7 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 1-2
- Tore: 0-1 9’, 0-2 10’, 1-2 19’, 2-2 36’, 2-3 38’, 2-4 39’, 3-4 43’, 3-5 46’, 3-6 47’, 3-7 52’
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Campo Fernando Pernias B (Kap. 250, davon 200 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 25
- Unterhaltungswert: 5,5/10 (Größtenteils wildes Gebolze, aber wenigstens viele Tore)

Union Deportiva Constitución / Cadete
.......................... 1:0 (0:0) ........................
Peña Madridista V Centenario/ Cadete
- Datum: Samstag, 22. Februar 2014 – Anstoß: 9.00
- Wettbewerb: Liga Cadete Preferente de Ciudad Autónoma de Melilla, sogenannter „Copa Coca Cola” (C-Junioren Oberliga der Autonomen Stadt Melilla, d.h. 3. und unterste spanische U15-Liga)
- Ergebnis: 1-0 nach 85 Min. (40/45) – Halbzeit: 0-0
- Tor: 1-0 62. Nr. 5
- Verwarnungen: Nr. 4, 10, 11 (UDC); Nr. 9 (PMVC)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Estadio La Espiguera (Kap. 2.000, davon 200 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 15
- Unterhaltungswert: 3,5/10 (Ziemlich langweilig)

Club Deportivo Comisiones Obreras/ Juvenil
................................. 2:5 (2:2) ............................
-- Club de Fútbol Atletico Rusadir/ Juvenil --
- Datum: Freitag, 21. Februar 2014 – Anstoß: 21.30
- Wettbewerb: Liga Juvenil Preferente de Ciudad Autónoma de Melilla (A-Junioren Oberliga der Autonomen Stadt Melilla, d.h. 3. und unterste spanische U19-Liga)
- Ergebnis: 2-5 nach 100 Min. (50/50) – Halbzeit: 2-2
- Tore: 1-0 14. (NN), 2-0 18. (15), 2-1 38. (10), 2-2 45.+1 (NN), 2-3 51. (7), 2-4 57. (NN), 2-5 67. (11)
- Verwarnungen: Nr. 7, 12, NN (CDCO); Nr. 4, NN (CFAR)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Estadio La Espiguera (Kap. 2.000, davon 200 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 100 (davon ca. 50 für Rusadir)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes Jugendspiel mit ordentlicher Stimmung aber einigem Leerlauf in Hälfte zwei)

Peña Madridista V Centenario/ Futsal Feminino
................................... 1:6 (1:3) ...............................
--- Torreblanca Melilla C.F./ Futsal Feminino ---
- Datum: Freitag, 21. Februar 2014 – Anstoß: 20.00
- Wettbewerb: Compeonato de Feminas de Fútbol de Sala de Ciudad Autónoma de Melilla (Frauenliga der Autonomen Stadt Melilla, d.h. 3. und unterste spanische Frauen-Futsal-Liga)
- Ergebnis: 1-6 nach 40 Min. (2x20) – Halbzeit: 1-3
- Tore: 1-0 8. (10), 1-1 13. (15), 1-2 16. (NN), 1-3 20. (11), 1-4 24. (4), 1-5 28. (NN), 1-6 40. (10)
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Pistas Polidportivas Alvares Claro (Kap. 1.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 30
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Torreblanca hatte etliche gute Szenen und gewann entsprechend gegen einen schwachen Gegner)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Futsal in Melilla: Torreblanca defeat Pena Madridista at PP Alvares Claro (Women’s Football League)
b) La Espiguera: Comisiones Obreras v CFA Rusadir and UD Constitucion v Pena Madridista (Under-19 and Under-15 League)
c) Fernando Pernias: UD Melilla B – Pena Real B and UD Melilla A – CFA Rusadir A (Under-13 League)
d) Melilla (Spanish Exclave on Moroccan Territory): Medina Sidiona, Parks and Gardens, Modernismo Architecture

e) Moroccan Handball League in Nador: Hilal Nador v Nahda Tanger
f) Rif-Mountains: Jebel Gourougou Natural Reserve near Nador 
g) Handball Video: Hilal Nador Supporters against Nahda Tanger 

Melilla ist genauso eine teure spanische Machtdemonstration wie Ceuta, doch was für den spanischen Staat eine sinnlose Geldverschwendung und den marokkanischen Staat und seine Bürger ein Ärgernis ist, ist für den in Marokko lebenden Ausländer eine Erleichterung in Sachen Visumsverlängerung. Nach der letzten Unterrichtsstunde des Semesters am Institut in Fès fuhr ich direkt auf die Autobahn, die mich zügig nach Guercif brachte. Dort hatte die Polizei, da kaum jemand die Autobahn nutzt, nichts zu tun und hielt mich einfach nur aus Langeweile und Interesse an. Aber die 10 Minuten zum Quatschen habe ich ja auch mal – der junge Berber war auch wirklich freundlich. Danach ging es auf die Bundesstraße 15, die ausreichend breit, weitestgehend leer und mit nur drei Ortsdurchfahrten und entsprechend schnell auf die 20km vor Nador einmündende N6 trifft, welche wiederum voll und schlecht und eigentlich eine einzige Ortsdurchfahrt ist. Denn Nador ist heftig gewuchert und entsprechend chaotisch geht es da zu. Nach weiteren 5km durch dichte Bebauung ist man an der Grenze zur Exklave.

Ein Ärgernis ist jedes Mal auch für den in Marokko lebenden Ausländer der Stress beim Grenzübertritt. Zumal wenn es mal wieder die logische Folge dieser Exklavenlage zu beobachten gibt: Flüchtlingsströme. Das heißt dann strengere Grenzkontrollen. Nervig genug sind schon die marokkanischen Händler, die einem kostenpflichtig (obwohl diese an den Häuschen gratis ausliegen) Ein- oder Ausreiseformulare andrehen oder Nippes und primitive Alltagsgegenstände zu überhöhten Preisen verkaufen wollen. Besonders nervig ist aber, dass vor allem die marokkanischen Grenzer keine höflichen Umgangsformen haben. Wenigstens war der Polizeihauptmann, zu dem mich der dumme Zöllner schickte, freundlich, und meinte im Gegensatz zu dem Dummen, dass meine mehrfache Aus- und Wiedereinreise innerhalb von drei Monaten (die Visumsdauer) kein Problem sei und ich deshalb keine kostenpflichtige Aufenthaltsgenehmigung für den dauerhaften Wohnsitz beantragen müsste. Einfach ein Stempel und seine Unterschrift drauf und bei einem anderen Zöllner vorzeigen und fertig. Der vergaß dann die Wagenpapiere zu kontrollieren, aber ist mir auch recht… Dann nur noch Fahrzeugkontrolle der unfreundlichen Guardia Civil und nach 70 Minuten (55 Marokko, 15 Spanien) an der Grenze war ich in der spanisch besetzten Stadt.

19.15 war ich schließlich drüben – also gleich zum Sport, war ja eh schon dunkel… Die 70.000-Einwohner-Kleinstadt hat eine unglaubliche Menge von Sportstätten zu bieten; um die 10 Fußballplätze und -stadien, fast genauso viele Sporthallen, dazu Tennisplätze und ein Golfplatz.

In der zweitgrößtes Sporthalle, die sich direkt hinter dem größten Stadion „Alvares Claro“ befindet, fand ein Futsal-Spiel statt. Die Frauenliga hat fünf Mannschaften, wobei es Frauenfußball in Melilla nur in der Form von Futsal und nicht etwa Großfeldfußball oder Kleinfeld draußen gibt. Zu der Halle muss man noch anmerken, dass sie halboffen ist und die vielen Stützbalken die Sicht auf den beiden fünfreihigen Steinstufentribünen erheblich einschränken. Der Belag der Spielfläche ist übrigens versiegelter Beton und auch die Stützbalken bergen für die Sportler erhebliche Verletzungsgefahr. Die Pistas Polideportivas ist also nichts weiter als ein überdachter Bolzplatz…

Die heutigen Gegner waren Peña Madridista, das ist der Real-Madrid-Fanclub, und Torreblanca (Weißer Turm), welcher Serienmeister im Frauenfußball bzw. -futsal ist. Den besseren Start in diesem ausgesprochen fairen Spiel erwischte aber der Underdog, der offensichtlich mehr Marokkanerinnen im Kader hatte während der Meister hauptsächlich mit Spanierinnen spielte, mit einem frühen Treffer. Bis zur Pause war aber ein erwarteter 3:1 Vorsprung herausgespielt und nach dem Seitenwechsel kam der Real-Club kaum noch vor den Kasten des Weißen Turmes. Torreblanca netzte noch drei Mal nach guten Zuspielen ein und gewann verdient mit 6:1.

250m die Straße runter befindet sich in Sichtweite des größten Stadions der Exklave das zweitgrößte. Das Campo de La Espiguera (Der Getreidespeicher) weiß mit einer bunt bestuhlten und überdachten Haupttribüne sowie Stehplätzen auf vier kleinen Steinstufentribünen zu je drei bis fünf Reihen zu gefallen. Es gibt auch einen Bolzplatz im Gelände und einen Imbiss der mit Stadionöffnung aufmacht. Drumherum stehen einfache mehrgeschossige Häuser. Sehr deutlich ist dort zu sehen, dass in den besseren Gebäuden die Spanier und in den schlechteren die Marokkaner wohnen. Andererseits gibt es in Ceuta und Melilla nicht die Aggressionen zwischen Spaniern und Ausländern wie in Spanien sonst und auch nicht die Aggressionen vonseiten der Marokkaner gegen Fremde oder Nicht-Muslime wie mitunter in Marokko. Hier mischt sich die Bevölkerung ganz gut. Wenn Spanien die Städte einmal zurückgeben sollte, da waren sich alle gebildete Marokkaner mit denen ich das Thema besprochen habe einig, wird das kaum so bleiben, da v.a. primitive berberische Bevölkerung aus den umliegenden Gebeiten (Fnideq, Tetouan bzw. Nador, Segangan) die Städte fluten und mit ihren sozialen und wirtschaftlichen Problemen völlig herabwirtschaften würden.

In Melilla nutzte ich fast nur Arabisch, da ich v.a. beim Fußball irgendwie nur mit Arabern zu tun hatte. Auch bei diesem Spiel zwischen Rusadir (das ist der phönizische Name Melillas; diese gründeten den Hafen vor über 3.000 Jahren) gegen den Gewerkschaftsverband Comisiones Obreras in der A-Jugendliga: Platzwart und Tochter waren jedenfalls überrascht, dass ein Ausländer besser Arabisch als Spanisch kann und peinlich berührt, als sie zugeben musste, dass mal wieder ihre Landsleute Ärger machten: schon nach fünf Minuten fing der jugendliche und überwiegend marokkanische Rusadir-Anhang an, Spieler der gegnerischen Mannschaften mit Getränkedosen zu bewerfen. Als der Trainer dies unterband, wurde nur noch bei jeder hitzigen Aktion auf dem Feld aufgesprungen, quer über die Tribüne gerannt und sich so nah wie möglich am Geschehen postiert um von der Tribüne aus Beschimpfungen reinzurufen. Die Rivalität dieser beiden A-Jugend-Mannschaften hat übrigens laut der Tochter des Platzwartes – größtenteils standen Mitschüler von ihr auf dem Feld – mit Rivalitäten zwischen Schulen und Schulklassen bzw. Schülercliquen zu tun...

Das Spiel war richtig stark: Rusadir war aktiver und besser, geriet aber irgendwie mit 2:0 in Rückstand – u.a. durch einen Heber aus 15m und vollem Lauf über den Torwart. Noch vor der Pause gelang nach Dauerdruck der verdiente und stark herausgespielte Ausgleich. Nach der Pause kam Comisiones Obreras gar nicht mehr klar, während Rusadir innerhalb von 20 Minuten das Spiel mit einem 2:5 für sich entschied. Nach dem fünften Treffer für die Phönizier gab es leider kaum noch gute Szenen.

Nach diesem sehr unterhaltsamen Kick, den man in Deutschland wohl aus Jugendschutzgründen nicht erst um 21.30 angepfiffen hätte, ging es an die Hotelsuche – und die ist eine Katastrophe in diesem schwachsinnigen Gebilde! Klassifizierte Hotels kosten selbst mit Buchung doppelt so viel wie in fast allen anderen Regionen Spaniens (50€ für ein Zimmer, das man in fast allen anderen Landesteilen für 25€ bekommen würde) und die unklassifizierten Absteigen sind ständig voll belegt und nicht vorbuchbar. So wie so gibt es zu wenige Hotels in Melilla und das auch noch mit schlechtem Preisleistungsverhältnis. Um Mitternacht suchte ich jedenfalls einen Stellplatz für meinen Dacia, in dem ich schließlich übernachtete: im dünnbebauten Norden der Stadt steht ein Kiefernwald auf dessen Parkplatz man problemlos, kostenfrei und unbehelligt – trotz Sichtweite zum Grenzzaun – stehen kann.  
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Am nächsten Morgen ging ich mal kurz durch den Pinienwald, wo es öffentliche Brunnen gibt, an denen man zumindest die Zähne putzen kann, und fuhr danach in die Stadtmitte runter. Die Altstadt ist eine befestigte Landzunge, entsprechend eng und verwinkelt und schön anzusehen. Die von dieser Landzunge abgehenden Straßen führen durch saubere und gepflegte Stadtteile, die architektonisch v.a. vom Modernismo (spanischer Jugendstil) geprägt sind. Sehenswert ist außerdem noch ein großer Friedhof der unterhalb einer Plattenbausiedlung und des Zementwerkes liegt.

Dann ging es v.a. darum, Fußball zu gucken. Im großen Stadion war kein Spiel, aber dafür gab es auf den kleineren Plätzen viel zu gucken. Ansetzungen findet man unter http://www.rfmf.es/index.php Meistens wird auf dem Campo de La Espiguera (Der Getreidespeicher) gekickt. So kehrte ich noch mal dorthin zurück, da es schon um 9 Uhr ein B-Jugendspiel zwischen UD Constitucion (Sportunion Verfassung) und einem der drei Real-Madrid-Fanclubs Melillas, Pena Madridista V Centenario, gab. Der Kick war leider ziemlich dürftig und völlig emotionslos geführt. Waren wohl noch nicht so recht wach um 9 Uhr frühs… Mitte der zweiten Halbzeit gelang Constitucion mit einem halbhohen Schuss aus sieben Metern der Goldene Treffer. Die Madridistas hatten allerdings mehr Torchancen – verloren also recht unglücklich.

Weiter die Straße runter und dann an der Kreuzung links, bis zum Kreisverkehr und dann noch mal links und nach 50m rechts durch die Häuser und schon steht man vor den beiden Kleinfeldplätzen Fernando Pernias. Auch die haben kleine Tribünen zu bieten (die drei anderen Fußballsportanlagen, neben den drei Stadien, sind ja alle ausbautenlos): Platz A sogar eine mit Überdachung und relativ vielen Steinstufen, Platz B nur eine kleine mit blauen Steinstufen. Das Häuser- und Naturpanorama, das man von der Tribüne aus sieht, macht einen guten Eindruck.

Auf Platz B spielte die Zweite D-Junioren Mannschaft des Proficlubs UD (Sportunion) Melilla gegen die D II des dritten Real-Madrid-Fanclubs Pena Real Madrid, auf Platz A die Erste D von UD Melilla gegen Rusadir. Die U13-Liga in Melilla ist in zwei Ebenen gegliedert und entsprechend stark war auch der Niveauunterschied. UDM II spielte sehr schwach gegen ein aus mehr Mädchen als Jungen bestehendes Real II und verlor entsprechend 3:7, wobei die beiden einzigen Jungs zusammen drei der sieben Treffer erzielten. Die I. von UD Melilla war natürlich in allen Belangen stärker als die II. – aber gegen Rusadir taten sie sich schwer: andauernd in Front und andauernd den Ausgleich kassiert. Am Ende war in diesem sehr unterhaltsamen Match kein Sieger zu finden: mit 6-6 gab es aber ein schön spektakuläres Ergebnis!

Nach einem Einkauf beim LIDL, der ziemlich von bettelnden Schwarzafrikanern belagert ist, und wie jener in Ceuta Preise macht, die klar unter denen vom restlichen Spanien liegen, sowie einem Tankstopp – leider gibt es nur in Ceuta Super Plus 98, nicht in Melilla, doch das Super 95 ist zwar genauso minderwertig wie jenes in Marokko, aber dafür 15 Cent billiger (1,04€ gegen 13 Dirham je Liter) – setzte ich mich noch in den sehr schön gestalteten Park am Flughafen und fuhr dann rüber nach Marokko.  
Nach nur 30 Minuten Wartezeit und so gut wie gar keiner Kontrolle trotz erheblichen Auftriebs, war ich schon wieder auf marokkanischem Staatsgebiet. Bis zum anvisierten Handballmatch in der Stadthalle Nador waren zwei Stunden Zeit, sodass ich nicht den direkten Weg sondern jenen über den Gourougou Berg mit Naturschutzgebiet nach Segangan nahm. In Nador wie auch in Segangan gibt es mehrere Hundert Jahre alte, aber modern verbaute Festungen, doch das eigentlich sehenswerte ist der Naturpark im wilden Gebirge zwischen den beiden Städten. Dort oben wohnt fast niemand außer einigen schwarzafrikanischen Flüchtlingen und berberischen Bergbauern, sodass man sehr ruhig durch herrliche, bewaldete Felslandschaft fährt.

In Nador, das alles andere als ruhig ist, fuhr ich zur Handballhalle, wo es schon wieder ein Spiel von Nahda (Wiedergeburt) Tanger zu sehen gab. Nun sah ich auch schon zum zweiten Mal Hilal (Halbmond) Nador. Die moderne und gepflegte Halle mit ihren blau-weißen Schalensitzen und fast völlig symmetrischen Tribünen betrat ich erst zur dritten Spielminute, da es an der Kasse minutenlange Diskussionen zwischen den Jugendlichen vor mir und dem auf seinen 10 Dirham Eintritt bestehenden Kassenwart gab. Als dieser mit seinem Gürtel rumfuchtelte wurde es zwischen mehreren Fans und auch zwei Ordnern handgreiflich, wobei mir der Kollege vom Kassenwart mitten in den Tumulten meine Karte aushändigte und auch den 20er wechselte…

In der Halle ging es auch recht hitzig zur Sache: die 80köpfige Ultragruppe war fast ununterbrochen am Anfeuern, wobei sie und einige andere Zuschauer durch wüstes Beschimpfen der Gastmannschaft immer mal die Sicherheitskräfte auf den Plan riefen. Als dann auch noch ein Bengalo in der Halle gezündet wurde, waren die Uniformierten erstrecht sauer…

Das Spiel war auch eng umkämpft und besonders in der zweiten Halbzeit recht hart geführt, da Nahda Tanger sich noch mal heranarbeitete, nachdem die Partie schon entschieden schien. Bei Halbzeit lag Nador nämlich mit sechs Treffern (15:9) in Front und der Vorsprung bis zur 47. Minute wechselte ständig zwischen vier und sieben Toren. Doch dann kam Nahda Tanger aus unerklärlichen Gründen kontinuierlich heran und aus einem 20:16 wurde innerhalb von 4 Minuten ein 20:20. Die 22:20 Führung von Hilal glich Tanger dann in Unterzahl zum 22:22 Endstand aus. Und Tanger hätte die Partie gewonnen, wenn nicht der schwarzafrikanische Profi mit der Frauenfrisur und sein einheimischer Mitspieler insgesamt vier Mal mit Siebenmeterwürfen am starken Hilal-Schlussmann gescheitert wären.

Die Rückfahrt verlief unheimlich schnell: wenn die Strecken frei sind und man sich bei Dunkelheit mangels Kontrollen nicht an die Beschränkungen halten brauch, kommt man innerhalb von nur dreieinhalb Stunden von Nador nach Fès. Bei normalem Fahrtverlauf braucht man aber etwas mehr als vier.

Als Fazit bleibt zwar bestehen, dass sich auch diese Fahrt mal wieder gelohnt hat – nicht zuletzt auch wegen der Fahrt ins Gebirge bei Nador und dem tollen Handballspiel dort – aber im Vergleich mit Ceuta ist Melilla doch die klar weniger attraktive Stadt. Wer mit der Fähre von Spanien nach Marokko oder umgekehrt will oder bei langem Marokkoaufenthalt einfach nur mal ausreisen will, der tut dies besser nach Ceuta: die Sehenswürdigkeiten sind zahlreicher und spektakulärer, die Landschaft ist spektakulärer und die Sportanlagen sind zumindest genau gleich interessant…  
Statistik:
- Grounds: 1.079 (Freitag: 2, Samstag: 3; diese Saison: 108 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.992 (Freitag: 2, Samstag: 4; diese Saison: 136)
- Tageskilometer: 750 (Freitag: 360km Auto, Samstag: 390km Auto)
- Saisonkilometer: 36.760 (35.640 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 4 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 395

Montag, 17. Februar 2014

W394II: Sonntags zum Handball nach Tanger

-------- Renaissance Sportif Tanger (نادي النهدة طنجة) --------
.................................. 22:31 (13:18) ......................................
Renaissance Sportive Berkane (نادي النهضة الرياضية البركانية)
Datum: Sonntag, 16. Februar 2012 – Anwurf: 12.00
Wettbewerb: Ligue Excellence du Handball, Poule Nord [بطولة المغربية لكرة اليد القسم الممتاز] (Marokkanische Superliga Nord, d.h. Nordstaffel der 1. Marokkanischen Handballliga; Halbprofiliga)
Ergebnis: 22-31 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 13-18
Tore: k.A.
Siebenmeterquote: RST 80% (4 von 5); RSB 80% (4 von 5)
Gelbe Karten: RST 3, RSB 2
Zwei-Minuten-Strafen: RST = 12 Minuten; RSB = 12 Minuten
Platzverweise: keine
Spielort: Salle Omnisport Tanger-Dradeb, ex Oued Yahoud [قاعة الدرادب او الوادي اليهود] (Kap. 600 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 200 (davon ca. 4 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,5/10 (Sehr gutes Handballspiel, das leider zu früh entschieden wurde)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Handball: Nahda Tanger v Nahda Berkane 
b) Tanger Old Town and Hercules Grotto 

Sonntag ging es kurzfristig doch mal wieder nach Norden: dieses Mal schaffte ich es endlich nach Tanger zum Handball, wobei eher die Stadtbesichtigung im Vordergrund stand, da es sich nur um ein Spiel des kleineren Erstligisten Nahda Tanger handelte.

Es ging schon kurz nach 5 Uhr mit Khadija, Driss, Rita und Zaki los. Die Anfahrt erfolgte komplett über Landstraßen: über Jorf Melha, Ouezzane, die extrem beschädigte Querverbindung nach Arbaoua, El-Aouamra – dort stieg noch Fayza zu; sechs Leute in einem Fünfsitzer sind ja kein Problem in Marokko, zumal sie ohnehin viel zu wenig frei bekommt – sowie Larache und Asilah.  
Die Sporthalle befindet sich in einem Dreieck zwischen dem alten Fußballstadion Marchane (500m), in dem leider derzeit kein Wettkampfbetrieb stattfindet, und der Altstadt (600m). Früher hieß sie Qa‘ah Oued Yahoud (Judentaler Sportsaal) nun heißt sie nach der neuen Siedlung Dradeb: Qa’ah Moughata Dradeb. In keinem anderen arabischen Land (OK, evtl. teilweise noch in anderen Maghreb-Staaten, aber auch da habe ich immer andere Lehnübersetzungen gelesen) sagt man Qa’ah Moughata (= abgedeckter Saal) – denn niemand versucht das „Salle Couverte“ der Franzosen so Wort für Wort zu übersetzen. Das in Algerien dauernd verwendete „Qa’ah Riyadhiya Mutanawi’ah“ ist allerdings auch sehr Französisch: „Salle du Omnisports“. Ungebildete Marokkaner können deshalb übrigens nichts mit dem arabischen Standard-Begriff „Sala Riyadhiya“ (Sporthalle, von Englisch „sports hall“) anfangen…

Wie auch immer: die Sporthalle ist relativ klein, hat nur eine Tribüne (fünf Reihen flache Schalensitze in grün und gelb) aber eine ordentliche Konstruktion – und war schlecht besucht, wobei ich eigentlich mit noch weniger als den knapp 200 gerechnet hätte. Ich zeige ja immer gerne, wie es bei interessanteren Ansetzungen als dieser zugeht: also einfach mal um die Ecke bei Tihad Tanger, die leider schon Samstagabend spielten, zuschauen, wie es dort zumindest ab und an bei den wichtigen Spielen abgeht; http://www.youtube.com/watch?v=YweTyt7FNJQ

Eigentlich war auch dieses Spiel heute recht wichtig: schließlich war der amtierende Meister aus Berkane zu Gast und das merkte man auch: selbst Driss, der interessanterweise viel weniger Interesse und Ahnung vom Sport als seine Frau Khadija (sie spielte auch früher im Verein Basketball) hat, gefiel das Spiel. Berkane lag allerdings nach dem 1:1 nach 2 Minuten ununterbrochen vorne, was im Laufe der zweiten Halbzeit dem Spielniveau einen leichten Abbruch tat, da sie nur noch das Nötige machten um Tanger auf Distanz zu halten. Teilweise wurde auch recht heftig eingestiegen – besonders dann, wenn lange Bälle einen Konter einleiten sollten, was zumindest bei Tanger regelmäßig daneben ging, und in heftigen Bodenkämpfen um den Ball endete. Einmal bekam der Gästetorwart zu Unrecht zwei Minuten, da ein Tanger-Stürmer beim Torwurf mit dem Kinn voraus in seine Fußabwehr lief.

Der Neun-Tore-Sieg war absehbar und verdient, da selbst in den chaotischen Spielphasen mit zwei Mann Überzahl für Tanger der Gast ohne zu Wackeln durchspielte. Das starke Auftreten von Nahda Berkane mit souveränen Tempogegenstößen, wuchtigen Würfen vorm Kreis und einer sehr starken Torhüterleistung war ausschlaggebend für das 22:31 – nicht die ein oder anderen Schwäche bei Renaissance Tanger. Beide Teams spielten klar besser als Maghreb Fès und Hilal Nador am Vortag!

Der erwähnte Schlussmann ist übrigens ein schwarzafrikanischer Profi, weswegen es nach einer Weile Diskussionen zur politisch korrekten Bezeichnung des Gästetorwarts zwischen meinen beiden Sitznachbarn gab:
Faiza [applaudiert nach einer starken Parade]: Super, der Torwart!
Zaki [applaudiert auch]: Yo, echt topp wie der Bimbo (âzî) hält!
Faiza: Was hast du grad gesagt?
Zaki: Der hält echt topp, Tante!
Faiza: OK, da hast du Recht. Aber keine Schimpfworte, ja?!
Zaki: Wieso? Ich hab keinen beschimpft!
Fayza: Du hast „âzî“ gesagt. Eine Schande ist das!
Zaki: Ich hab ihn gelobt – das war nur ne ganz normale Beschreibung dass der halt schwarz ist...
Fayza: Verstehe ich ja, aber wieso sagst du nicht „Schwarzer“ (aswad) oder „Afrikaner“ (ifriqy)?!
Zaki: Weil Bimbo (âzî) lustiger klingt…
In Sachen Besichtigung hatten wir dann vier Programmpunkte. Vorm ersten Punkt, der Altstadt, konnte ich mir gerade noch verkneifen einen im Einsatzwagen rumlümmelnden Soldaten der Hilfskräfte (zwischen THW und Polizei im Aufgabenbereich, rekrutiert mit Vorliebe den letzten ungebildeten Abschaum) zu fotografieren, der eine arabische Übersetzung von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ mit auffälligem Hakenkreuz-Cover las…

Die Altstadt ist nicht all zu groß und von spanischen Bauten aus dem frühen 20. Jahrhundert durchsetzt. Es gibt auch noch Stadtmauern und eine Festung oberhalb des modernen Hafen. In der Altstadt liegen mehrere, teils sehr schön gekachelte Moscheen und auch einige europäische Kirchen (spanisch, englisch etc.) die entsprechend aussehen wie direkt aus den Herkunftsländern ihrer Gemeinden nach Tanger umgesetzt. Besonderheiten scheint es in Sachen Architektur in der Tanger Medina aber nicht zu geben.

Das Mittagessen in der Altstadt war unter aller Sau: es wird massiv konkurriert und betrogen unter den Restaurantbesitzern; der Arsch bei dem wir waren, berechnete Driss die Flasche Leitungswasser und das Brot (normalerweise beides gratis) und den einen Salat doppelt. Aus den 160 Dirham wurden schnell 140 – wobei das natürlich immer noch zu hoch war, da er nur den dreisten Betrug mit dem bewusst doppelt abgerechneten Salat zurücknahm, da ihn Fayzas Schlagfertigkeit beeindruckte. Da er als älterer Mann nicht von einer jungen Frau zurechtgewiesen werden will, dass er richtig rechnen und nicht den Preis in die Höhe treiben solle, baute er sich auf dass er die Rechnung noch mal durchsieht aber sie was erleben könne wenn sie sich ohne Grund beschwert hätte – woraufhin sie nur meinte: „Drohst du mir? Meinst du ich habe Angst vor dir, weil du ein Mann bist? Ich fürchte nur Gott und sonst nichts!“ – So ein Spruch mag zwar aus der Zeit gefallen klingen wenn man ihn ins Deutsche übersetzt, aber im arabischen Raum hat der ein ganz anderes Gewicht…

Danach fuhren wir durch schöne Klippenlandschaft am Atlantik (Cap Spartel) zur Herkuleshöhle, die direkt am Meer liegt aber für 5 Dirham Eintritt etwas zu überlaufen ist. Die römischen Ruinen von Cotta (nicht viel mehr als niedrige Mauerreste) befinden sich mittlerweile auf dem Gelände des Königspalastes und sind deshalb nicht mehr zu besichtigen. Mal wieder eine Schwachsinnsaktion des fetten marokkanischen Monarchen.

In Larache schloss sich der Kreis der Rundfahrt und wir tranken noch günstig Kaffee, wobei es Fayza auch in diesem Café verstand, sich beim Besitzer unbeliebt zu machen: erst war es nur eine Katze die bettelte und der Gast am Nachbartisch mit seinem Fischgericht war gegangen, sodass die sehr tierliebe Fayza nicht anders konnte, als ein paar Reste unter den Tisch zu werfen. Nach drei Minuten waren da allerdings 3 Katzen anzutreffen und nach einer weiteren Handvoll Fischresten schnurrten gleich mal 6 Katzenviecher um sie herum…

Die Rückfahrt erfolgte über die schnellere Strecke Bel Ksiri/ Sidi Kacem (wo ich aber normalerweise zwei bis drei Mal an den Checkpoints angehalten werde wenn ich alleine unterwegs bin, doch heute nicht einmal stoppen musste da ja vier Marokkaner mit mir mitfuhren) sodass wir schon 22.15 wieder zurück in Fès waren.  
Statistik:
- Grounds: 1.074 (heute 1; diese Saison: 103 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.986 (heute 1; diese Saison: 130)
- Tageskilometer: 650 (650km Auto)
- Saisonkilometer: 36.010 (34.880 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: - [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 394

Dienstag, 11. Februar 2014

W393I: Ein bunter Sport-Tag in der Hauptstadt; Dorffußball im Umland, Handballpokal in der Stadtmitte und Eishockey im Einkaufszentrum

Association Sportive de Salé (السلاوية الرياضية الجمعية)
................................ 26:31 (17:15) ..............................
---- Renaissance Sportif Tanger (نادي النهدة طنجة) ----
Datum: Samstag, 8. Februar 2012 – Anwurf: 17.00
Wettbewerb: Coupe du Trône de Handball [كاس العرش لكرة اليد] (dritte Runde des Handball-Pokals des Thrones; 2. Liga West [دوري القسم الاول المجموعة الغربية], 1. Amateurliga gegen 1. Liga Nord [دوري الممتاز المجموعة الشمالية], Halbprofiliga)
Ergebnis: 26-31 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 17-15
Tore: k.A.
Siebenmeterquote: ASS 100% (6 von 6); RST 100% (2 von 2)
Gelbe Karten: Nr. 7, 14, 20 (ASS); Nr. 3, 13, 20 (RST)
Zwei-Minuten-Strafen: Nr. 6, 14, 34 (ASS = 6 Minuten); 2x Nr. 20, Nr. 3 (RST = 6 Minuten)
Platzverweise: keine
Spielort: Salle Olympique Ibn Yassine [القاعة المغطاة ابن ياسين] (Kap. 3.000 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 65 (davon ca. 2 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes Spiel mit hervorragender erster Halbzeit)

Black Lions Rabat 4:7 White Lions Rabat
Datum: Samstag, 8. Februar 2014 – Anbully: 13.20
Wettbewerb: Freundschaftsspiel anlässlich der Eröffnung der Olympischen Winterspiele 2014
Ergebnis: 2-4 nach 60 Min. (3x20) – Drittelergebnisse: 3-1, 0-3, 1-3
Torfolge: 1-0, 2-0, 2-1, 3-1; 3-2, 3-3, 3-4; 4-4, 4-5, 4-6, 4-7
Strafminuten: keine
Spielort: Patinoire Mega Mall Rabat (Kap. 400 Stehplätze)
Zuschauer: ca. 30
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Weitestgehend sehr niedriges Niveau, aber flott und ganz nett anzusehen)

Association Renaissance Sportive Ain Aouda
------ (نادي جمعية النهضة الرياضية عين عودة) ---------
............................. 2:1 (1:0) ...............................
----- Association Sportive Anwal de Salé ------
--------- (نادي جمعية انوال الرياضية السلاوية) ----------
- Datum: Samstag, 8. Februar 2014 – Anstoß: 10.30
- Wettbewerb: Championnat Régional 1ere Goupe A, Ligue du Gharb de Football [A البطولة الجهوية الأولى المجموعة] (Westmarokkanische Kreisoberliga = 6. Marokkanische Liga, 4. Amateurebene)
- Ergebnis: 2-1 nach 94 Min. (47/47) – Halbzeit: 1-0
- Tore: 1-0 31. (12), 1-1 87. (7), 2-1 88. (10)
- Verwarnungen: 2x Nr. 4, Nr. 1, 8, 9 (ARSA); 2x Nr. 12, 5, 13 (ASASF)
- Platzverweise: Nr. 4 von ARSA (86. wegen wiederholtem Handspiel), Nr. 12 von ASASF (69. wg. wiederholtem Foulspiel)
- Spielort: Stade Municipal de Ain Aouda [الملعب البلدي بعين عودة] (Kap. 1.500, davon 600 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 75 (davon mind. 5 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Mittelmäßiges Spiel mit genialer Schlussphase)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Amateur Football in Rabat Region: Nahda Ain Aouda v Anwal Sale
b) Ice Hockey Friendly Match at Rabat Mall: Black Lions v White Lions
c) Handball Cup at Ibn Yassine Sports Hall: AS Sale v Nahda Tanger
d) Rabat: The Capital City of Morocco

An diesem Samstag war das Sportprogramm so abwechslungsreich wie das Essen in der gesamten Woche. Meist ist es bei meiner Gastfamilie aus Kostengründen sehr gemüselastig und Fleisch gibt es nur vom Hammel oder Huhn, doch diesmal gab es unter anderem Schnecken, die man gekocht in einer Brühe direkt aus der Schale mit einer Nadel heraus stochert. Als Proviant auf die Fahrt nahm ich das neueste Angebot der Koutoubia-Fleischerei aus dem Carrefour mit: Mortadella aus Kamelfleisch, die sehr gut schmeckt aber nicht ganz so hervorragend ist wie Kamelhackfleisch. Und in Sachen Kulinarisches schoss meine Lehrerin Malika den Vogel ab: Einer ihrer Brüder ist Förster und hatte in letzter Zeit Stress wegen Wilddieben. Die haben Schiss vor ihrem Bruder und als ein Duo von diesen Gaunern beim Hasenschießen von einem Nachbarn Malikas erwischt wurde, drückten sie ihm ein gehäutetes hasengroßes Tier in die Hand. Die Bestechung nahm der Nachbar aber nur zum Schein an und lieferte das Tier samt Personenbeschreibung der Wilderer bei ihrem Bruder ab. Der guckte nur flüchtig drauf in seinem Ärger über den erneuten Gesetzesverstoß in seinem Waldstück und meinte beiläufig auf dem Weg zur Arbeit: „Frau, koch den Hasen fürs Abendessen!“ Weder dem Nachbarn noch Malikas Bruder fiel auf, dass es sich bei dem Vieh nicht um einen Hasen handelte. Dass der ewig nicht gar wurde, kam der Ehefrau aber komisch vor und bevor das Tier auf dem Tisch landete bekam es der Bruder aus den gefassten Wilderern heraus: sie hatten außer drei Hasen auch eine Katze abgeschossen – und diese dem einfältigen Nachbarn angedreht. Der Bruder jedenfalls rief hektisch zuhause an: „Habt ihr das Tier schon zubereitet? Ich glaube das ist nicht halal [nach islamischen Vorschriften zum Verzehr geeignet]!“ Frau: „Wieso ist doch ein Hase?“ Bruder: „Nein! Die Schweine haben uns eine Katze angedreht!“ Frau: „Oh Gott, kein Wunder, dass ich das Tier sechs Stunden lang kochen musste…“

Samstagfrüh ging es, diesmal komplett über Bundesstraßen, nach Rabat. Zwischen Meknes und Ain Orma gibt es eine Polizeikontrolle, die mir schon letzten Monat negativ aufgefallen war. Ein Fetter niedrigen Ranges hielt mich auch an, fragte erst nach den Wagenpapieren und dann nach Kippen, wobei ich ihm stets auf Arabisch antwortete, was ihn so wunderte, dass er anfing mich auszufragen. Als er noch fragte, wo genau in Fès ich wohne und ob ich alleine oder mit den Eltern lebe, meinte ich, dass ich mit einer marokkanischen Familie in der Altstadt wohne. Doof wie der ist, verstand er es so, dass ich in eine marokkanische Familie eingeheiratet habe, sodass ich bei der folgenden Ausfragerei angab, keine Kinder zu haben, da ich erst fünf Monate verheiratet bin – und wer die anderen Marokkoberichte gelesen hat, dem ist klar, wen ich als meine Frau ausgegeben habe…
Jedenfalls ließ mich der Spinner dann ohne Bestechung weiterfahren und über Khemisset, Tiflet und Sidi Allal Bahraoui fuhr ich nach Ain Aouda.  
Ain Aouda liegt 20km südlich der Hauptstadt in recht bergiger und grüner Landschaft. Der Ort ist in einigen Teilen sehr heruntergekommen und dreckig. Sehenswert ist die ehemalige französische Kirche links der Hauptstraße: der Dorfkirchenbau aus groben Quadersteinen mit Storchennest auf dem geziegelten Turmdach könnte auch überall in Deutschland so stehen und wird nun als Kulturverein und Frauenclub genutzt, weswegen er besser aussieht, als viele andere architektonische Hinterlassenschaften der Besatzer, die einfach vor sich hin verfallen.

Das in derselben Straße liegende Stadion ist eher neueren Datums: ein schöner, sandiger Lehmplatz, flankiert von zwei rotgestrichenen kleinen, steilen Betontribünen; eine bietet 400 Personen, die andere 200 Personen Platz. In der Sportanlage stehen viele Laubbäume, die für das Zaer-Gebirge (ein Mittelgebirge, das gleich hinter Rabat beginnt und sich zwischen Benslimane, Khemisset und Oulmes ausbreitet) typisch sind. Auffällig war, dass im Stadion einiges ausgebessert wurde, und zwar offensichtlich von einem schwarzafrikanischen Bauarbeiter, der sich neben der Tribüne häuslich eingerichtet hat: in einem Zelt aus Planen und Brettern. In Marokko ist es seit einigen Jahren zu einem Problem geworden, dass kriminelle Firmenbesitzer (und das sind leider sehr viele) die schwarzafrikanischen Flüchtlinge, die durch Marokko nach Europa wollen und hier hängen bleiben, als Schwarzarbeiter arbeiten lassen. Das ist kein Wortspiel mit Schwarz – das ist halt so. Ein Marokkaner würde z.B. 2.000 Dirham im Monat für dieselbe Arbeit verdienen, für die ein malischer Flüchtling 1.000 Dirham unter der Hand bekommt. Da das Problem Schwarzarbeit ebenso gewachsen ist, wie die Bettelei und Tagelöhnerei von schwarzen Flüchtlingen, wird die Stimmung gegen Schwarze in Marokko, insbesondere in berberischen Gebieten, zunehmend aggressiver.

Die Stimmung beim Spiel zwischen Nahda (Renaissance) Ain Aouda und Anwal (BSG Webereien) Sale, die einen sehr deutsch anmutenden Fanblock von fünf Meckerrentnern mit Vereinskappen mitbrachten, war teilweise auch etwas aggressiv. Unter anderen deshalb, da der Schiedsrichter recht unsicher war. In diesem ganz ansehnlichen Spiel ging jedenfalls Ain Aouda nach einer halben Stunde mit einem Konter in Führung. Der Gastgeber war etwas besser und aktiver, verpasste es aber v.a. in Hälfte zwei nachzulegen. Ab der 69. waren sie ja auch noch in Überzahl, da ein Anwal-Spieler wegen wiederholten Fouls vom Platz geschickt wurde, aber in einer tollen Schlussphase verursachten sie einen Handelfmeter – den Anwal allerdings über das Tor schoss – und vor dem Ausgleich in der 87. bekam der Trottel, der den Handelfmeter verursacht hatte, wegen eines weiteren Handspiels die Gelb-Rote Karte. In Unterzahl gelang es Nahda Ain Aouda aber gleich nach dem unglücklich kassierten Ausgleich mit einem 25m-Schuss ins Eck gegen den mittlerweile eingewechselten Ersatztorwart zum 2:1 Siegtreffer einzunetzen.  
Fährt man die Hauptstraße von Ain Aouda nach Rabat, kommt man nach Kreuzung der Rochade und 25km sturem Geradeausfahren an der Megamall vorbei. Die ist nicht so groß wie der Namen vermuten lässt, aber auf drei Stockwerken verteilte werden in einem modernen Einkaufszentrum in schicken Boutiquen teure Sachen vertickt. Hier trifft man neben Ausländern v.a. einheimische Oberschichtler an: die sind natürlich gebildet und überwiegend höflich im Auftreten, aber teilweise ist es wirklich lächerlich zu erleben, dass solche Leute bevorzugt (selbst untereinander) Französisch statt Arabisch reden. Die Oberschicht in Fès findet so etwas zum Kotzen…

Ach so, einige fragen sich jetzt sicher, was ich in der teuren Megamall mit den Gucci- und Rolex-Boutiquen will. Ganz einfach: Eishockey gucken! Im Erdgeschoss zur Hauptstraße hin gibt es eine Eisbahn (französisch „Patinoire“) die von den Rabat Lions für ihre beiden Eishockeymannschaften, ein Eiskunstlauf- und ein Eistanzteam genutzt werden. Die Stehränge bieten gut 400 Leuten Platz, werden bei Bedarf auch mit Tischen und Stühlen zugestellt und oftmals stehen Zuschauer auch direkt an der Bande zur etwas zu klein geratenen Eisfläche.

Die Liga mit den vier Mannschaften ist wohl erstmal auf Eis gelegt, sodass es nur ein Freundschaftsspiel (so etwas wird immer auf der Facebookseite der Rabat Lions angekündigt) zwischen der ersten und der zweiten Mannschaft der Lions – Black und White – gab. Als Anlass wurden diesmal speziell die an diesem Tag beginnenden olympischen Winterspiele genannt.

Wie auch immer: erwartungsgemäß war die Qualität sehr niedrig – was will man auch erwarten, wenn im ganzen Land nur ein Verein und eine Spielstätte vorhanden sind?! – doch obwohl nur ein Torwart gekommen war und deshalb das andere Tor mit einer Torwand verhängt wurde und die Mannschaften gemischt spielten – alle paar Minuten wurde komplett durchgewechselt: die Erwachsenen runter und die Jugend rauf aus Eis und dann wieder umgekehrt – es kam ein recht flottes Spiel mit vielen Toren zustande. Nach anfänglicher Dominanz der Black Lions, drehten die White Lions im zweiten Drittel das Spiel und bauten den Vorsprung im Schlussdrittel auf drei Tore zum 7:4 aus. Icehopping in Marokko mag verwundern, aber mich verwunderte eher, dass die Mehrheit der Spieler, unter denen sich übrigens auch zwei jugendliche Mädchen befanden, Einheimische waren – ich hatte mit mehr Expats gerechnet. Letztere waren übrigens neben Amis auch Deutsche und Italiener.

Eigentlich wollte ich dann noch das Fußballchampionsleaguespiel zwischen FAR Rabat und Real Bamako sehen, doch 15 Minuten vor Spielbeginn musste ich feststellen, dass nur zwei Kassen geöffnet waren: eigentlich müssten es mehr sein, doch FAR bezahlte nur zwei Kassenwarte. In dieser Situation ist dann natürlich die Polizei gefragt, doch die hatte keine Absperrgitter dabei, sodass es Tumulte am Kassenhäuschen gab. Nach 30 Minuten warten und drängeln reichte es dann und ich versuchte einen Trick, der in jedem arabischen Land funktioniert – außer halt in Marokko, da Ausländer nirgendwo in der Arabischen Welt so wenig respektiert werden, wie dort – und quatschte einen Polizisten an, ob er mit mal die Karte holen kann. Woanders hätte er – schon mehrfach von Groundhoppern die in Ägypten, Jordanien, Algerien etc. waren und dort ähnliche Probleme hatten (wobei ich solche fast schwarzafrikanisch wirkenden Zustände in Marokko zum ersten Mal gesehen habe: meist ist das besser organisiert) gelesen – mir ohne zu zögern mit kurzen Durchdrängeln zum Schalter in zwei Minuten das Ticket geholt und das Wechselgeld wahrscheinlich nicht mal behalten wollen, doch hier meinte er einfach, dass er das nicht machen könne, und ließ sich nicht mal darauf ein, die 30 Dirham Rückgeld, die er bekommen hätte, einzustecken.  
Dann leckt mich halt am Arsch, ihr scheiß Hauptstädter – FAR ist eh ein asozialer Scheißverein – dann geh ich halt zum Abschluss dieses sehr bunten und hauptstädtischen Sporttages zum Handball. Hinterm Bahnhof sind einige schöne Sportanlagen, u.a. das Stadion von Stade Marocain (3. Liga) und der Fußballschule von Maroc Telecom sowie die Sporthalle Ibn Yassine, in der v.a. Handball gespielt wird. Der Bau ist sehr wuchtig mit olympischen Stelen und Ringen vorm Eingang und innen zwar schlecht beleuchtet, aber eindrucksvoll symmetrisch in vier Tribünen geteilt. Die Kunststoffbänke sind weitestgehend in gutem Zustand, aber alles ist irgendwie angestaubt und viele Fenster sind eingeschlagen.

Wenn man weiß, dass es in Marokko beim Handball auch so zugehen kann, wie bei Ittihad Tanger mit Choreo vorm Anpfiff und Bengalos in der voll belegten Halle, ärgert man sich schon über so schwachen Besuch wie heute, aber AS Salé ist auch nur 2. Liga und kam in Runde 2 des Pokals nur dadurch weiter, da Jeunesse Tabriques Casablanca in der 44. Minute beim Spielstand von 20:17 das Feld verließ, da sie die Tumulte in der Halle am fehlenden Ordnungsdienst, den die Heimseite zu stellen hat, festmachten: der Ordnungsdienst war aber nach Ansicht das Spielleiters ausreichend, also 20:17-Wertung für AS Salé.

In der ersten Halbzeit bekamen die rund 65, teils ziemlich gut mitgehenden Zuschauer, ein hervorragendes Spiel geboten, in dem es stets unentschieden stand oder ASS mit bis zu vier Toren vorne lag. Dann brach der Zweitligist leider ein und Nahda Tanger konnte den 17:15-Halbzeitstand auf 17:18 (32.30) drehen und nach dem 18:18 lag nur noch Tanger vorne; das 18:23 innerhalb von 3 Minuten und der folgende Tempoanzug der Gäste führte zu bis zu 8 Toren Vorsprung (19-27, 22-30). Am Ende siegte Nahda Tanger mit 26:31 und ist eine Runde weiter.

Nach dem Spiel fuhr ich zügig und ohne Stress über die Autobahn zurück nach Fès.  
Statistik:
- Grounds: 1.071 (heute 3; diese Saison: 100 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.982 (heute 3; diese Saison: 126)
- Tageskilometer: 540 (540km Auto)
- Saisonkilometer: 35.000 (33.870 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 1 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 393

Montag, 7. Oktober 2013

W375III: Sonntags in Salé; Stadtmauern und nichts dahinter, U23 auf dem Hauptplatz und arabisches Cricket

Association Sportive de Salé (Espoirs)
--------- (السلاوية الرياضية الجمعية) ----------
........................... 0:3 ..............................
-- Mogreb Atlético Tetuán (Espoirs) --
------ (المغرب التطواني / أتلتيكو تطوان) --------
- Datum: Sonntag, 6. Oktober 2013 – Anstoß: 10.00
- Wettbewerb: Elite 1 Espoirs (1. U23-Liga Marokkos)
- Ergebnis: 0-3 nach 95 Min. (46/49) – Halbzeit: 0-2
- Tore: 0-1 20. (Nr. 25), 0-2 26. (10), 0-3 88. (12)
- Verwarnungen: Nr. 7 (ASS); Nr. 10 (MAT)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Boubkar Ammar [ملعب أبو بكر عمار] (Kap. 7.000, davon 6.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 100 (darunter keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 4,0/10 (Nach guter erster Hälfte wurde das Spiel langweilig)

-- Tanmia de Tanger --
-------- (تنمية طنجة) -------
............ 118:88 ..............
Renaissance de Tanger
------- (نهضة طنجة) -------
- Datum: Sonntag, 6. Oktober 2013 – First Ball Bowled: 14.00
- Wettbewerb: Finale de Coupe du Trône de Cricket [مباراة النهائية الكاس العرش لالكريكيت] (Cricket-Pokalfinale, beide Teams aus der 1. da einzigen marokkanischen Cricketliga)
- Modus: Twenty20, Spieldauer ca. 4 Stunden
- Ergebnis: Tanmia gewinnt mit 30 Runs, 118:88
- Statistiken: nicht verfügbar
- Spielort: Stade Fellini [ملعب فيليني] (Kap. 2.000, davon 400 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 40 (davon je ca. 10 Fans beider Teams und ca. 20 aus Salé)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Mittelmäßiges Spiel mit einzelnen spektakulären Szenen und hohem Risiko bei den Positionswechseln) سلا - سور المدينة Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan Under-23 League: AS Salé v Maghreb Tetouan at Stade Boubker Ammar
b) Moroccan Cricket Cup Final: Tanmia Tangier defeat Renaissance Tangier at Stade Fellini in Salé
c) Rabat & Salé: The Old Town of Salé

Die Pläne mit El Jadida musste ich doch ändern, da das Spiel von DHJ gegen Maghreb Fes (wie üblich am Dienstag derselben Woche) auf den Montag 7.10. angesetzt wurde. Aber es gab interessanten Sport in der Nachbarstadt der Hauptstadt. Was Potsdam für Berlin ist, ist Salé für Rabat. Allerdings ist Rabat die städtebaulich weitaus attraktivere Hauptstadt, andererseits aber erheblich ruhiger als Berlin. Nur das sehr sehenswerte Potsdam hat noch weniger mit dem schmuddeligen Salé gemein, das eine der dreckigsten Orte Marokkos ist und außer den eindrucksvollen Stadtmauern aus dem Mittelalter nicht viel zu bieten hat. Innerhalb der ockergelben Stadtmauern sieht es beschissen zubetoniert und vergammelt aus.

Das Stadion, das nach einem gewissen Boubker Ammar (Nuscheldialekt für Abou Bakr Ammar) benannt ist, ist auch ziemlich versifft, aber es wird wenigstens was dran gemacht. Das Dach der nach oben hin schmaler werdenden Haupttribüne ist noch die nicht fertig, über die Gegenseite mit ihren 13 Stufen und rot-weißen Wänden, die an drei Stellen mit geometrischen Mustern durchbrochen sind, soll sicher kein Dach. Die Hintertorbereiche erlauben ebenirdisches Stehen.

Der freundliche Platzwart erklärte mir ein bisschen was zu den U23-Mannschaften, die in der ganz entspannten Atmosphäre des eher kleinen aber für diese Liga überdimensionierten Stadions ein faires Spiel ablieferten. Tetouan, zu deren spanischer Vergangenheit ich bei Gelegenheit mal was schreiben werde, steht im vorderen Tabellenbereich, Salé im hinteren. Als der Kollege vom Platzwart noch die Teppiche auf der Tribüne ausklopfte und die gewaschenen Leibchen hinterm Tor zum Trocknen auslegte, ging der Gast auch schon in Führung. MAT bestimmte das Spiel gegen die jungen Hoffnungen aus Salé von der ersten bis zur letzten Minute und nutzte einen Torwartfehler zum 0:2 sowie einen Flachschuss eines nach Unsicherheiten in der Abwehr freistehenden Stürmers zum 0:3 Endstand. ملعب ابو بكر عمار في سلا Nach einer unfreiwilligen langen Stadtbesichtigung (Verfahren, im Stau gestanden) fand ich das Cricketstadion im Vorort Maâmora der für seinen Wald bekannt ist. Es ist zwischen Militäreinrichtungen eingeklemmt, was in Marokko aber kein Problem ist: Marokkaner sind ja keine Inder, die in einem Stadion im Sperrbereich eine öffentliche Sportveranstaltung ansetzen... Im Gegensatz zu Indien (was Dümmeres und Unsympathischeres wird man eh kaum in der Welt finden) wird man hier in Marokko auch freundlich behandelt, in den kostenlosen Parkplatz eingewiesen und auf Nachfragen auch mit Infos bedient. Leider hatte niemand die Nummer vom Maghreb Fes Crickettrainer, sondern nur den Hinweis mal abends im Stadion Hassan II vorbeizuschauen, wenn mal Training ist. Mal schauen, ob ich da mal mitspielen kann…

Mit Tanmia (heißt Fortschritt) und Nahda (Renaissance = Wiedergeburt, arabische Reformbewegung des 19./20. Jahrhunderts) haben es beide Clubs aus der Hochburg des marokkanischen Crickets, Tanger, ins Finale geschafft. Die Teams aus Salé (der Gastgeber AS), Stade Marocain Rabat, Maghreb Fès, Wyfaq und Manar Casablanca, sowie Zemmouri Khemisset sind in den Runden zuvor auf der Strecke geblieben. Mir ist schon recht, dass das Spiel hier in Salé ausgetragen wurde, aber der Platz in Tanger soll deutlich besser sein: Etwas neuere Tribüne und nicht so ein versiffter Betonbau ohne Überdachung in der prallen Sonne auf den Umkleiden wie in Salé, besserer Kunstrasen auf der Pitch, weniger staubige Stehplätze unter den Bäumen und v.a. besser gemähtes Gras. Also mit englischem Rasen hatte der Acker mit den vielen kahlen Stellen die mit büschelweise 10cm hoch stehendem Grasgestrüpp kontrastierten, nicht viel zu tun…

Interessant war auch, dass man die Infos hier nicht wie beim deutschen Cricket in Englisch einholen musste bzw. konnte: selbst die Trainer und Offiziellen konnten meist kein Englisch und von den Nachwuchsspielern, die den Großteil der Zuschauer ausmachten, sprachen alle nur Arabisch und Französisch. Cricket scheint sich in Marokko zu einem Sport junger Mittelschichtenkinder zu entwickeln. Aber der Nahda-Trainer konnte mir im besten Hocharabisch erklären, wie es um seine Mannschaft steht! Und die erwischte einen schlechten Start, bowlte mehrere Wides und diskutierte dann auch noch laut mit den Umpires, was zu Verwarnungen und einem Platzsturm des Verbandsbosses führte. Tanmia konnte nicht immer glänzen, spielte teilweise unkonzentriert, aber konnte immer wieder Fours schlagen und ging beim Positionswechsel der Batsmen erfolgreich volles Risiko. Nur ein Run-Out kassiert, aber sehr oft zwei oder gar drei Runs auf einmal geschafft.

Tanmia setzte das Target auf 118, was Nahda erwartungsgemäß nicht aufholen konnte. Bei 88 Runs waren im 18. Over alle Schlagmänner ausgeschieden, denn ihr Risikospiel mit dem doppelten Wechseln ging immer wieder schief, Unsicherheiten beim Schützen des Wickets kamen noch hinzu. Den spektakulärsten Catch lieferte natürlich einer von Tanmia: das 8. Wicket, ziemlich kurz vor dem Ende, war ein Catch mit 10 Schritten Anlauf und einem genauen Sprung zum Ball, der im hohen Bogen in Richtung vier Punkte gegangen wäre.

Das Niveau war gar nicht schlecht, die Atmosphäre entspannt (einige Wänster spielten während des laufenden Cricketmatches Fußball am Spielfeldrand ohne weggescheucht zu werden), und nach der Siegerehrung, die die Präsidentin des marokkanischen Cricketverbandes leitete, fuhr ich die knapp 200 unspektakulären Autobahnkilometer nach Fés zurück. Mittlerweile zeigt der Kilometerzähler übrigens auch knapp über 100.000km an. مباراة نهائية الكاس العرش لالكريكيت - تنمية طنجة و النهضة طنجة Statistik:
- Grounds: 1.024 (2 neue; diese Saison: 53 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.922 (heute 2, diese Saison: 66)
- Tageskilometer: 450 (450km Auto)
- Saisonkilometer: 16.830 (15.780 Auto/ 820 Fahrrad/ / 40 Schiff, Fähre/10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 7 [letzte Serie: 178, Rekordserie: 178; davor 141, 106, 101 bzw. 88]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 375