Posts mit dem Label AS Sale werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label AS Sale werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 24. Februar 2014

W395II: Abenteuer Auswärtsfahrt mit Maghreb Fès

--- Association Sportive de Salé - (السلاوية الرياضية الجمعية) ---
......................................... 1:0 (0:0) .........................................
Maghreb Association Sportive de Fès (الفاسي الرياضي المغرب)
- Datum: Sonntag, 23. Februar 2014 – Anstoß: 13.00
- Wettbewerb: Botola 1/ Groupement National de Football [الاحترافية الوطنية البطولة] (Nationale Profifußball-Meisterschaft = 1. marokkanische Profiliga)
- Ergebnis: 1-0 nach 96 Min. (47/49) – Halbzeit: 0-0
- Tore: 1-0 83. Nabel Kaâlas
- Verwarnungen: Mourad Hayour (ASS); Dos Santos (MAS)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Boubkar Ammar [ملعب أبو بكر عمار] (Kap. 5.000, davon 2.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 2.500 (darunter ca. 500 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Beschissene erste, ganz gute zweite Hälfte und spannende Atmosphäre…)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan Professional Football League: AS Salé defeat Maghreb Fès 1:0
b) Rabat & Salé: Bouknadel Exotic Gardens

Video:
http://www.myvideo.de/watch/9477708/AS_Sale_1_0_Maghreb_Fes

Am Sonntag versuchte ich nicht noch irgendwelche unterklassigen Grounds zu machen, sondern fuhr mit Maghreb Fès auswärts, da es wahrscheinlich die letzte Chance für meine Gastfamilie war (zumindest bis 2015), eine Tour mit mir mitzufahren. Jedenfalls stand das Auswärtsspiel bei AS Salé an und nur Hamza und Zakariya begleiteten mich, da Khadija keinen Bock auf Chaos im Gästesektor hatte, Rita dafür zu klein ist und Mohammed seine neue feste (?) Freundin (Kommentar Khadija: „in zwei Wochen ist es wieder eine andere von den 10, 20 Mädchen die er dauernd über Facebook anschreibt“) ausführen wollte. Leider bekam Fayza nicht frei – sie wäre gerne Samstags nach Fès gefahren um ihre Eltern zu besuchen und dann Sonntags zum Spiel mitgekommen; und das hätte zumindest mir das Theater am Einlass erspart, denn Frauen werden - wenn es keine weiblichen Sicherheitskräfte gibt - nicht kontrolliert, sondern seitlich am Fanpulk vorbeigeschleust und der Begleiter bekommt ebenfalls eine Sonderbehandlung: er wird erst an der letzten Kontrolle vorm Tor einzeln, schnell und unkompliziert auf verbotene Gegenstände abgesucht.

So mussten wir uns aber – aufgrund des ungewöhnlich langen Wartens beim Ölwechsel an der Tanke in Fès erst 10 Minuten vor Anpfiff erschienen – darauf einigen wer sich zum Kartenschalter durchdrängelt und dann im engen Pulk mit Vor- und Zurückschieben an drei Kontrollen vorbei (wobei an der letzten einem Spast hinter mir zwei Messer abgenommen wurden: lauter Gehirnamputierte mitgefahren diesmal!), weswegen wir erst zur 15. Spielminute das Stadion betraten. Als sich Hamza zu den Karten für uns drei durchdrängelte wurde ihm auch noch von einigen Asis das Basecap geklaut, das er erst nach Spielende unter Mithilfe der Ultras zurückbekam. Aber ist schon faszinierenden, wie die Ultras dort organisiert sind: selbst wenn Capo Najib nicht da ist und von Abdelmollah vertreten wird, reicht es sich mal bei ihm in der Halbzeit zu beschweren, dass ein paar Asis aus Fès Jdid ihm an der Kasse was geklaut haben und schon setzt er einen Kumpel darauf an, den Verantwortlichen zu fassen, dessen Problem dann üblicherweise mit einer handfesten Auseinandersetzung aus der Welt geschafft wird. Von der Sorte gab es heute zwei, da der Kumpel vom Mützenklauer einem anderen Fan bei gleicher Gelegenheit 50 Dirham geklaut hatte und auch das geklärt werden musste.

Aber nicht nur untereinander gab es Probleme, sondern natürlich auch zwischen den Fangruppen der beiden Clubs. Beim Hinspiel, das ich mit meinem Vater in Fès gesehen hatte, wurden die Pirates (Ultras von Salé) angegriffen und Choreomaterial abgefackelt. So gab es vor dem Spiel Übergriffe auf die Fanbusse von MAS, wobei etliche Scheiben zu Bruch gingen und zwei Fans verletzt wurden. Während des Spiels wurde heftig gepöbelt und ab und an mit kleineren Gegenständen geworfen. Pyro kam aber nicht zum Einsatz…  
Die Haupttribüne des Stadions Boubkar Ammar ist jetzt renoviert. Doch die meisten Fans saßen nicht auf den roten und weißen Schalensitzen sondern standen auf der Gegentribüne. Auf dem Feld wurde auch viel rumgestanden und sich gegenseitig blockiert. Die erste Hälfte war unter aller Sau – es gab keine einzige Torchance auf beiden Seiten! In der zweiten Hälfte nahm Maghreb Fès plötzlich das Heft in die Hand, sodass es auf beiden Seiten Tormöglichkeiten gab. Als das Spiel wieder abebbte, nutzte AS Salé einen groben Abstimmungsfehler zwischen Torwart und Verteidigung und netzte völlig frei ins leere Tor zum 1:0 Siegtreffer ein. Der Angang von MAS resignierte nach Abpfiff und wir sahen zu wegzukommen, während ASS noch den Sieg feierte. Nun sind beide Abstiegsplätze mit den beiden Teams aus Fès belegt: Maghreb Fès auf Rang 15, Widad Fès auf der 16.

Zu allem Überfluss gab es nach dem Spiel noch Ausschreitungen in Stadionnähe und der Mannschaftsbus von Maghreb Fes wurde auf einer Autobahnraststätte bei Meknes von Hooligans von FAR Rabat demoliert. Drei Spieler wurden leicht verletzt. FAR kam gerade vom Spiel auf neutralem Platz aus Fès zurück – MAS wollte nach Hause: echt unglaublich, was hier immer wieder abgeht… Das gibt garantiert Ärger, wenn nächsten Monat das Spiel zwischen FAR und MAS ausgetragen wird…

Wir fuhren nicht direkt nach Fès, sondern erstmal nach Bouknadel bei Salé, wo es einen sehr schönen botanischen Garten gibt, der diverse afrikanische und asiatische Bäume und Sträucher versammelt. Die Jardins Exotique sind mittlerweile wieder sehr gepflegt und Affen in engen Käfigen gibt es auch nicht mehr hier. Der Eintritt ist mit 20 Dirham pro Person eher recht hoch.

Auf einem versifften Wochenmarkt im selben Ort aßen wir noch Kifteh (Hackfleisch vom Grill) für weniger als 1€ pro Sandwich. Dann ging es zügig nach Fès, wo Abdellah mit Frau Hassaniya und den beiden Söhnen zu Besuch war. Die präsentierten allen ihre Zeugnisse, die es nach Halbjahresende am Samstag gab, und bewiesen, dass sie erheblich fleißiger als Hamza und Zaki sind – aber an Rita kam natürlich keiner ran: die ist Klassenbeste mit 8,9 von 10 Notenpunkten; also nur Einsen und Zweien…  
Am folgenden Montag hieß es Sachenpacken bei meiner Gastfamilie. Ohne Khadija und Driss und die Kinder Mohammed, Hamza, Zakariya und Rita sowie die Verwandtschaft mit Fayza, Abdellah und den ganzen anderen wäre der Aufenthalt nur halb so lustig gewesen. Arabischlernen in Marokko kann ich aufgrund der Professionalität der Lehrinstitute und der wirklich guten außeruniversitären bzw. außerschulischen Angebote (wie eben z.B. Aufenthalt bei einer Gastfamilie) empfehlen – auch wenn es sehr teuer ist und Marokko als Land nur aufgrund der historischen Architektur und spektakulären Landschaft punktet und nicht wie die meisten anderen arabischen Ländern auch noch mit sehr gastfreundlichen und Ausländern gegenüber aufgeschlossenen Leuten. So sympathische und angenehme Menschen wie die aus meiner Gastfamilie sind leider in allen Landesteilen die Ausnahme.

Wie es reisetechnisch und groundhoppingmäßig weitergeht bzw. wie ich wieder nach Deutschland zurückkomme, werden meine geschätzten Leser erst in unbestimmter Zeit (vielleicht erst Ende März) erfahren! Wenn hier bis April kein Bericht erscheint, bin ich irgendwo zwischen Atlasgebirge, Sahara, Frankreich und Südeuropa auf der Strecke geblieben…  
Statistik:
- Grounds: 1.079 (heute keiner; diese Saison: 108 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.993 (heute: 1; diese Saison: 137)
- Tageskilometer: 420 (heute: 420km Auto)
- Saisonkilometer: 37.180 (35.060 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 5 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 395

Dienstag, 11. Februar 2014

W393I: Ein bunter Sport-Tag in der Hauptstadt; Dorffußball im Umland, Handballpokal in der Stadtmitte und Eishockey im Einkaufszentrum

Association Sportive de Salé (السلاوية الرياضية الجمعية)
................................ 26:31 (17:15) ..............................
---- Renaissance Sportif Tanger (نادي النهدة طنجة) ----
Datum: Samstag, 8. Februar 2012 – Anwurf: 17.00
Wettbewerb: Coupe du Trône de Handball [كاس العرش لكرة اليد] (dritte Runde des Handball-Pokals des Thrones; 2. Liga West [دوري القسم الاول المجموعة الغربية], 1. Amateurliga gegen 1. Liga Nord [دوري الممتاز المجموعة الشمالية], Halbprofiliga)
Ergebnis: 26-31 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 17-15
Tore: k.A.
Siebenmeterquote: ASS 100% (6 von 6); RST 100% (2 von 2)
Gelbe Karten: Nr. 7, 14, 20 (ASS); Nr. 3, 13, 20 (RST)
Zwei-Minuten-Strafen: Nr. 6, 14, 34 (ASS = 6 Minuten); 2x Nr. 20, Nr. 3 (RST = 6 Minuten)
Platzverweise: keine
Spielort: Salle Olympique Ibn Yassine [القاعة المغطاة ابن ياسين] (Kap. 3.000 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 65 (davon ca. 2 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes Spiel mit hervorragender erster Halbzeit)

Black Lions Rabat 4:7 White Lions Rabat
Datum: Samstag, 8. Februar 2014 – Anbully: 13.20
Wettbewerb: Freundschaftsspiel anlässlich der Eröffnung der Olympischen Winterspiele 2014
Ergebnis: 2-4 nach 60 Min. (3x20) – Drittelergebnisse: 3-1, 0-3, 1-3
Torfolge: 1-0, 2-0, 2-1, 3-1; 3-2, 3-3, 3-4; 4-4, 4-5, 4-6, 4-7
Strafminuten: keine
Spielort: Patinoire Mega Mall Rabat (Kap. 400 Stehplätze)
Zuschauer: ca. 30
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Weitestgehend sehr niedriges Niveau, aber flott und ganz nett anzusehen)

Association Renaissance Sportive Ain Aouda
------ (نادي جمعية النهضة الرياضية عين عودة) ---------
............................. 2:1 (1:0) ...............................
----- Association Sportive Anwal de Salé ------
--------- (نادي جمعية انوال الرياضية السلاوية) ----------
- Datum: Samstag, 8. Februar 2014 – Anstoß: 10.30
- Wettbewerb: Championnat Régional 1ere Goupe A, Ligue du Gharb de Football [A البطولة الجهوية الأولى المجموعة] (Westmarokkanische Kreisoberliga = 6. Marokkanische Liga, 4. Amateurebene)
- Ergebnis: 2-1 nach 94 Min. (47/47) – Halbzeit: 1-0
- Tore: 1-0 31. (12), 1-1 87. (7), 2-1 88. (10)
- Verwarnungen: 2x Nr. 4, Nr. 1, 8, 9 (ARSA); 2x Nr. 12, 5, 13 (ASASF)
- Platzverweise: Nr. 4 von ARSA (86. wegen wiederholtem Handspiel), Nr. 12 von ASASF (69. wg. wiederholtem Foulspiel)
- Spielort: Stade Municipal de Ain Aouda [الملعب البلدي بعين عودة] (Kap. 1.500, davon 600 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 75 (davon mind. 5 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Mittelmäßiges Spiel mit genialer Schlussphase)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Amateur Football in Rabat Region: Nahda Ain Aouda v Anwal Sale
b) Ice Hockey Friendly Match at Rabat Mall: Black Lions v White Lions
c) Handball Cup at Ibn Yassine Sports Hall: AS Sale v Nahda Tanger
d) Rabat: The Capital City of Morocco

An diesem Samstag war das Sportprogramm so abwechslungsreich wie das Essen in der gesamten Woche. Meist ist es bei meiner Gastfamilie aus Kostengründen sehr gemüselastig und Fleisch gibt es nur vom Hammel oder Huhn, doch diesmal gab es unter anderem Schnecken, die man gekocht in einer Brühe direkt aus der Schale mit einer Nadel heraus stochert. Als Proviant auf die Fahrt nahm ich das neueste Angebot der Koutoubia-Fleischerei aus dem Carrefour mit: Mortadella aus Kamelfleisch, die sehr gut schmeckt aber nicht ganz so hervorragend ist wie Kamelhackfleisch. Und in Sachen Kulinarisches schoss meine Lehrerin Malika den Vogel ab: Einer ihrer Brüder ist Förster und hatte in letzter Zeit Stress wegen Wilddieben. Die haben Schiss vor ihrem Bruder und als ein Duo von diesen Gaunern beim Hasenschießen von einem Nachbarn Malikas erwischt wurde, drückten sie ihm ein gehäutetes hasengroßes Tier in die Hand. Die Bestechung nahm der Nachbar aber nur zum Schein an und lieferte das Tier samt Personenbeschreibung der Wilderer bei ihrem Bruder ab. Der guckte nur flüchtig drauf in seinem Ärger über den erneuten Gesetzesverstoß in seinem Waldstück und meinte beiläufig auf dem Weg zur Arbeit: „Frau, koch den Hasen fürs Abendessen!“ Weder dem Nachbarn noch Malikas Bruder fiel auf, dass es sich bei dem Vieh nicht um einen Hasen handelte. Dass der ewig nicht gar wurde, kam der Ehefrau aber komisch vor und bevor das Tier auf dem Tisch landete bekam es der Bruder aus den gefassten Wilderern heraus: sie hatten außer drei Hasen auch eine Katze abgeschossen – und diese dem einfältigen Nachbarn angedreht. Der Bruder jedenfalls rief hektisch zuhause an: „Habt ihr das Tier schon zubereitet? Ich glaube das ist nicht halal [nach islamischen Vorschriften zum Verzehr geeignet]!“ Frau: „Wieso ist doch ein Hase?“ Bruder: „Nein! Die Schweine haben uns eine Katze angedreht!“ Frau: „Oh Gott, kein Wunder, dass ich das Tier sechs Stunden lang kochen musste…“

Samstagfrüh ging es, diesmal komplett über Bundesstraßen, nach Rabat. Zwischen Meknes und Ain Orma gibt es eine Polizeikontrolle, die mir schon letzten Monat negativ aufgefallen war. Ein Fetter niedrigen Ranges hielt mich auch an, fragte erst nach den Wagenpapieren und dann nach Kippen, wobei ich ihm stets auf Arabisch antwortete, was ihn so wunderte, dass er anfing mich auszufragen. Als er noch fragte, wo genau in Fès ich wohne und ob ich alleine oder mit den Eltern lebe, meinte ich, dass ich mit einer marokkanischen Familie in der Altstadt wohne. Doof wie der ist, verstand er es so, dass ich in eine marokkanische Familie eingeheiratet habe, sodass ich bei der folgenden Ausfragerei angab, keine Kinder zu haben, da ich erst fünf Monate verheiratet bin – und wer die anderen Marokkoberichte gelesen hat, dem ist klar, wen ich als meine Frau ausgegeben habe…
Jedenfalls ließ mich der Spinner dann ohne Bestechung weiterfahren und über Khemisset, Tiflet und Sidi Allal Bahraoui fuhr ich nach Ain Aouda.  
Ain Aouda liegt 20km südlich der Hauptstadt in recht bergiger und grüner Landschaft. Der Ort ist in einigen Teilen sehr heruntergekommen und dreckig. Sehenswert ist die ehemalige französische Kirche links der Hauptstraße: der Dorfkirchenbau aus groben Quadersteinen mit Storchennest auf dem geziegelten Turmdach könnte auch überall in Deutschland so stehen und wird nun als Kulturverein und Frauenclub genutzt, weswegen er besser aussieht, als viele andere architektonische Hinterlassenschaften der Besatzer, die einfach vor sich hin verfallen.

Das in derselben Straße liegende Stadion ist eher neueren Datums: ein schöner, sandiger Lehmplatz, flankiert von zwei rotgestrichenen kleinen, steilen Betontribünen; eine bietet 400 Personen, die andere 200 Personen Platz. In der Sportanlage stehen viele Laubbäume, die für das Zaer-Gebirge (ein Mittelgebirge, das gleich hinter Rabat beginnt und sich zwischen Benslimane, Khemisset und Oulmes ausbreitet) typisch sind. Auffällig war, dass im Stadion einiges ausgebessert wurde, und zwar offensichtlich von einem schwarzafrikanischen Bauarbeiter, der sich neben der Tribüne häuslich eingerichtet hat: in einem Zelt aus Planen und Brettern. In Marokko ist es seit einigen Jahren zu einem Problem geworden, dass kriminelle Firmenbesitzer (und das sind leider sehr viele) die schwarzafrikanischen Flüchtlinge, die durch Marokko nach Europa wollen und hier hängen bleiben, als Schwarzarbeiter arbeiten lassen. Das ist kein Wortspiel mit Schwarz – das ist halt so. Ein Marokkaner würde z.B. 2.000 Dirham im Monat für dieselbe Arbeit verdienen, für die ein malischer Flüchtling 1.000 Dirham unter der Hand bekommt. Da das Problem Schwarzarbeit ebenso gewachsen ist, wie die Bettelei und Tagelöhnerei von schwarzen Flüchtlingen, wird die Stimmung gegen Schwarze in Marokko, insbesondere in berberischen Gebieten, zunehmend aggressiver.

Die Stimmung beim Spiel zwischen Nahda (Renaissance) Ain Aouda und Anwal (BSG Webereien) Sale, die einen sehr deutsch anmutenden Fanblock von fünf Meckerrentnern mit Vereinskappen mitbrachten, war teilweise auch etwas aggressiv. Unter anderen deshalb, da der Schiedsrichter recht unsicher war. In diesem ganz ansehnlichen Spiel ging jedenfalls Ain Aouda nach einer halben Stunde mit einem Konter in Führung. Der Gastgeber war etwas besser und aktiver, verpasste es aber v.a. in Hälfte zwei nachzulegen. Ab der 69. waren sie ja auch noch in Überzahl, da ein Anwal-Spieler wegen wiederholten Fouls vom Platz geschickt wurde, aber in einer tollen Schlussphase verursachten sie einen Handelfmeter – den Anwal allerdings über das Tor schoss – und vor dem Ausgleich in der 87. bekam der Trottel, der den Handelfmeter verursacht hatte, wegen eines weiteren Handspiels die Gelb-Rote Karte. In Unterzahl gelang es Nahda Ain Aouda aber gleich nach dem unglücklich kassierten Ausgleich mit einem 25m-Schuss ins Eck gegen den mittlerweile eingewechselten Ersatztorwart zum 2:1 Siegtreffer einzunetzen.  
Fährt man die Hauptstraße von Ain Aouda nach Rabat, kommt man nach Kreuzung der Rochade und 25km sturem Geradeausfahren an der Megamall vorbei. Die ist nicht so groß wie der Namen vermuten lässt, aber auf drei Stockwerken verteilte werden in einem modernen Einkaufszentrum in schicken Boutiquen teure Sachen vertickt. Hier trifft man neben Ausländern v.a. einheimische Oberschichtler an: die sind natürlich gebildet und überwiegend höflich im Auftreten, aber teilweise ist es wirklich lächerlich zu erleben, dass solche Leute bevorzugt (selbst untereinander) Französisch statt Arabisch reden. Die Oberschicht in Fès findet so etwas zum Kotzen…

Ach so, einige fragen sich jetzt sicher, was ich in der teuren Megamall mit den Gucci- und Rolex-Boutiquen will. Ganz einfach: Eishockey gucken! Im Erdgeschoss zur Hauptstraße hin gibt es eine Eisbahn (französisch „Patinoire“) die von den Rabat Lions für ihre beiden Eishockeymannschaften, ein Eiskunstlauf- und ein Eistanzteam genutzt werden. Die Stehränge bieten gut 400 Leuten Platz, werden bei Bedarf auch mit Tischen und Stühlen zugestellt und oftmals stehen Zuschauer auch direkt an der Bande zur etwas zu klein geratenen Eisfläche.

Die Liga mit den vier Mannschaften ist wohl erstmal auf Eis gelegt, sodass es nur ein Freundschaftsspiel (so etwas wird immer auf der Facebookseite der Rabat Lions angekündigt) zwischen der ersten und der zweiten Mannschaft der Lions – Black und White – gab. Als Anlass wurden diesmal speziell die an diesem Tag beginnenden olympischen Winterspiele genannt.

Wie auch immer: erwartungsgemäß war die Qualität sehr niedrig – was will man auch erwarten, wenn im ganzen Land nur ein Verein und eine Spielstätte vorhanden sind?! – doch obwohl nur ein Torwart gekommen war und deshalb das andere Tor mit einer Torwand verhängt wurde und die Mannschaften gemischt spielten – alle paar Minuten wurde komplett durchgewechselt: die Erwachsenen runter und die Jugend rauf aus Eis und dann wieder umgekehrt – es kam ein recht flottes Spiel mit vielen Toren zustande. Nach anfänglicher Dominanz der Black Lions, drehten die White Lions im zweiten Drittel das Spiel und bauten den Vorsprung im Schlussdrittel auf drei Tore zum 7:4 aus. Icehopping in Marokko mag verwundern, aber mich verwunderte eher, dass die Mehrheit der Spieler, unter denen sich übrigens auch zwei jugendliche Mädchen befanden, Einheimische waren – ich hatte mit mehr Expats gerechnet. Letztere waren übrigens neben Amis auch Deutsche und Italiener.

Eigentlich wollte ich dann noch das Fußballchampionsleaguespiel zwischen FAR Rabat und Real Bamako sehen, doch 15 Minuten vor Spielbeginn musste ich feststellen, dass nur zwei Kassen geöffnet waren: eigentlich müssten es mehr sein, doch FAR bezahlte nur zwei Kassenwarte. In dieser Situation ist dann natürlich die Polizei gefragt, doch die hatte keine Absperrgitter dabei, sodass es Tumulte am Kassenhäuschen gab. Nach 30 Minuten warten und drängeln reichte es dann und ich versuchte einen Trick, der in jedem arabischen Land funktioniert – außer halt in Marokko, da Ausländer nirgendwo in der Arabischen Welt so wenig respektiert werden, wie dort – und quatschte einen Polizisten an, ob er mit mal die Karte holen kann. Woanders hätte er – schon mehrfach von Groundhoppern die in Ägypten, Jordanien, Algerien etc. waren und dort ähnliche Probleme hatten (wobei ich solche fast schwarzafrikanisch wirkenden Zustände in Marokko zum ersten Mal gesehen habe: meist ist das besser organisiert) gelesen – mir ohne zu zögern mit kurzen Durchdrängeln zum Schalter in zwei Minuten das Ticket geholt und das Wechselgeld wahrscheinlich nicht mal behalten wollen, doch hier meinte er einfach, dass er das nicht machen könne, und ließ sich nicht mal darauf ein, die 30 Dirham Rückgeld, die er bekommen hätte, einzustecken.  
Dann leckt mich halt am Arsch, ihr scheiß Hauptstädter – FAR ist eh ein asozialer Scheißverein – dann geh ich halt zum Abschluss dieses sehr bunten und hauptstädtischen Sporttages zum Handball. Hinterm Bahnhof sind einige schöne Sportanlagen, u.a. das Stadion von Stade Marocain (3. Liga) und der Fußballschule von Maroc Telecom sowie die Sporthalle Ibn Yassine, in der v.a. Handball gespielt wird. Der Bau ist sehr wuchtig mit olympischen Stelen und Ringen vorm Eingang und innen zwar schlecht beleuchtet, aber eindrucksvoll symmetrisch in vier Tribünen geteilt. Die Kunststoffbänke sind weitestgehend in gutem Zustand, aber alles ist irgendwie angestaubt und viele Fenster sind eingeschlagen.

Wenn man weiß, dass es in Marokko beim Handball auch so zugehen kann, wie bei Ittihad Tanger mit Choreo vorm Anpfiff und Bengalos in der voll belegten Halle, ärgert man sich schon über so schwachen Besuch wie heute, aber AS Salé ist auch nur 2. Liga und kam in Runde 2 des Pokals nur dadurch weiter, da Jeunesse Tabriques Casablanca in der 44. Minute beim Spielstand von 20:17 das Feld verließ, da sie die Tumulte in der Halle am fehlenden Ordnungsdienst, den die Heimseite zu stellen hat, festmachten: der Ordnungsdienst war aber nach Ansicht das Spielleiters ausreichend, also 20:17-Wertung für AS Salé.

In der ersten Halbzeit bekamen die rund 65, teils ziemlich gut mitgehenden Zuschauer, ein hervorragendes Spiel geboten, in dem es stets unentschieden stand oder ASS mit bis zu vier Toren vorne lag. Dann brach der Zweitligist leider ein und Nahda Tanger konnte den 17:15-Halbzeitstand auf 17:18 (32.30) drehen und nach dem 18:18 lag nur noch Tanger vorne; das 18:23 innerhalb von 3 Minuten und der folgende Tempoanzug der Gäste führte zu bis zu 8 Toren Vorsprung (19-27, 22-30). Am Ende siegte Nahda Tanger mit 26:31 und ist eine Runde weiter.

Nach dem Spiel fuhr ich zügig und ohne Stress über die Autobahn zurück nach Fès.  
Statistik:
- Grounds: 1.071 (heute 3; diese Saison: 100 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.982 (heute 3; diese Saison: 126)
- Tageskilometer: 540 (540km Auto)
- Saisonkilometer: 35.000 (33.870 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 1 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 393

Dienstag, 17. Dezember 2013

W385I: Immer wieder Derbyzeit in Kénitra

---- Kénitra Athlétic Club (النادي الرياضي القنيطري) ----
................................... 1:1 (0:0) ...................................
Association Sportive de Salé (السلاوية الرياضية الجمعية)
- Datum: Freitag, 13. Dezember 2013 – Anstoß: 19.00
- Wettbewerb: GNF Botola 1 [لبطولة الوطنية الاحترافية] (d.h. 1. Marokkanische Liga; Profifußballiga)
- Ergebnis: 1-1 nach 96 Min. (47/49) – Halbzeit: 0-0
- Tore: 0-1 71. Rafik El-Mimouni, 1-1 89. Alpa Sow (Foulelfmeter)
- Verwarnungen: mind. Nr. 18 von ASS
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Municipal de Kénitra [الملعب البلدي بقنيطرة] (Kap. 8.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 7.500 (darunter ca. 750 Gäste-Fans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes und spannendes Spiel) نادي القنيطري و جميعة سلا Photos with English and Arabic Commentary:
a) KÉNITRA ATHLÉTIC CLUB – ASSOCIATION SPORTIVE SALÉ
b) Kénitra Town Centre and Roman Ruins of Banasa

Am Mittwoch hat die Club-WM in Marokko (also Agadir und Marrakech) begonnen. Die FIFA kann mich aber mal am Arsch lecken: billige Karten nur für Marokkaner, im Stadion dann dadurch eine entsprechende Trennung der Nationalitäten, die Karten nur über Internet bestellbar was nach weniger Aufwand klingt, aber mit meiner VISA-Karte der DKB verweigert wurde und mit der Maestro der Sparkasse genauso wenig ging (wahrscheinlich, da ich von Marokko aus zugegriffen habe), TV-Übertragungen gibt es nur im Bezahlfernsehen und nicht auf einem einzigen marokkanischen Kanal oder den normalen Jazeera-Sport-Kanälen und die Live-Streams im Netz werden von der FIFA-Mafia immer wieder sabotiert.

Also dieses Touristenevent Club-WM ist wirklich die letzte Scheiße: sicherlich wird kein Groundhopper so bescheuert sein wie viele normale Fans die für Bayern oder wen auch immer anreisen und nach dem Besuch der Club-WM (auch wenn sie Raja gesehen haben sollten) behaupten: „Ich habe marokkanischen Fußball gesehen“. Den Idioten, die meinen sie hätten mit der Club-WM marokkanischen Fußball erlebt, kann ich nur sagen: Netter Länderpunkt, aber wenn ihr diesen Länderpunkt richtig machen wollt (also was von der einheimischen Fußballkultur mitkriegen wollt und nicht nur die internationale Kommerzkacke auf marokkanischem Boden) dann guckt erst mal ein Erstligaspiel in Casablanca und danach 4. Liga in Sidi Slimane oder so. Das ist Fußball und nicht nur reiner Kommerz!

Es muss aber nicht immer Casablanca oder Sidi Slimane sein, es geht auch wie dieses Wochenende mit Kénitra und Kasbah Tadla sowie Jorf Melha und Sidi Kacem. Da kann man auch einige interessante Dinge erleben! مدينة اثارية بناصة Durch den derzeit nur morgens stattfindenden Arabischunterricht konnte ich mir erlauben, noch mal nach Kénitra zu fahren. Dort gab es mal wieder ein Derby, was diesmal zum Freitagabendspiel der 1. Liga erklärt wurde. Den Freitag den 13. wiederum haben die Kénitra-Fans auf ihrer Facebookseite zum „ACAB DAY“ erklärt, aber so wild war es dann auch wieder nicht…

Bevor ich das Stadion oder überhaupt erstmal Kénitra ansteuerte, machte ich einen Umweg: über Sidi Kacem ging es gen Ben Ksiri nach Banasa. Erstaunlicherweise steht dort sogar ein Schild zur archäologischen Stätte. Die Ruinen einer römischen Veteranen-Kolonie von ca. 30 v. Chr. sind auch sehr gut erschlossen. Die Anlage wird als Iulia Valentia Banasa bezeichnet und hat neben einem eindrucksvollen Forum auch noch mehrere Thermen, Grundmauern von Privathäusern und einen Tempel zu bieten. Man wird von zwei Aufsehern, die wirklich gut Bescheid wissen, für zusammen 20 Dh. herumgeführt. Einer der beiden spricht prima Hocharabisch – und dem machte es richtig Spaß mal jemandem die Ruinenstadt so zu erklären: denn meistens kommen nur Marokkaner vorbei und die wenigen Touristen die sich hierher verirren brauchen eine französischsprachige Führung. Interessanterweise bat mich der langbärtige Aufseher namens Mohammed bevor ich mich verabschiedete, dass ich wenn immer möglich mit mindestens einem meiner marokkanischen Freunde herumreise: „Dir als Deutschem wird noch mehr Respekt als einem Ami oder Franzosen oder Spanier entgegengebracht, aber es gibt einfach zu viele aggressive und unehrliche Idioten in Marokko, die kein anständiges Benehmen gegenüber Ausländern an den Tag legen.“

So schlimm ist es allerdings zumindest in der Küstenregion um Kénitra dann doch nicht: zwei Wänster bettelten mich vorm Stadion wegen Karten an, aber einmal deutlich „Safi“ (Schluss jetzt) reichte schon und auch der Schwarzmarkthändler dem ich nur wenig mehr als den regulären Kartenpreis (an der Kasse gab es Tumulte, deshalb holte ich einige Meter entfernt unter der Hand die Pelouse-Tickets) bezahlte, gab sofort Ruhe mit seinem „gib mir 50“ als ich knapp und wenig höflich meinte „da steht 20 Dirham drauf, nur 20! Ich gab dir 30, also lass mich!“ نادي القنيطري و جميعة سلا Nicht nur an der Kasse gab es etwas Stress, die Fans neben mir warnten mich schon zu recht, hier immer wieder nach rechts zu den Helala Boys zu schauen, ob die grade mit Pyro hantieren. Aber wegen denen war der Anreiz überhaupt erst da, zu diesem Spiel zu fahren, obwohl ich dieses Stadion bereits besucht hatte. Im November hatte ich ein anderes Derby – und zwar das wichtigere gegen FAR Rabat – in Kénitra gesehen. Stimmungsmäßig standen v.a. die Helala Boys deutlich hinter dem größeren Derby zurück, da die Gesangspausen ziemlich lange waren. Die Banner die vom Dach baumeln sind mittlerweile auch bekannt. Nur die Pyroshow mit Bengalos und sofort darauf Handfackeln wusste zu überzeugen. Durch Gedränge auf der Treppe mussten mehrere Jugendliche aus dem Block humpeln und von der Ambulanz behandelt werden: auch die Krankenwagenbesatzung wurde daraufhin angefeuert und gefeiert… Der Gegner aus Salé bot optisch nicht viel, aber akustisch dafür umso mehr. Einige neue Melodien und sehr ausdauernder Gesang.

Das Spiel selbst lohnte dann erfreulicherweise auch das Kommen, denn hier wurde ganz schön offensiv gespielt. Salé war in der ersten Hälfte die klar bessere Mannschaft und ließ die Heimelf nur zu wenigen Torgelegenheiten kommen. Diese wenigen versiebten sie auch. Salé ging allerdings noch schlechter mit ihren Chancen um: vom kläglich versemmelten Distanzschuss bis zum Pfostentreffer und vom aus Nahdistanz über den Querbalken gelupften Schuss bis zum Fallrückzieher in die Arme des Torwarts war da alles dabei. Nach der Pause waren die Chancen besser verteilt und endlich fiel auch mal ein Treffer: mit erstaunlich gutem Kombinationsspiel nahm der Tabellenletzte die KAC-Abwehr auseinander und traf mit einer Grätsche aus vier Metern. Dann wurde Kénitra wach, riss das Spiel an sich, lief aber beinahe in alles entscheidende Konter. Dann ein Foul im Strafraum von Salé in der 89. und der fällige Strafstoß wird souverän verwandelt. Mal wieder ein Unentschieden, mal wieder 1:1, mal wieder ist außer mir als neutralem Fan keiner zufrieden…

Nach dem Spiel wieder das übliche Theater in Kénitra: Rennereien, Pöbeleien und einzelne Wurfgeschosse im Stadionbereich, völlig verstopfte Straßen und Umleitungen auf dem Weg zur Autobahn. Durch den ganzen Mist kam ich erst Mitternacht in Fès an. Der eine Polizist erschreckte mich leicht, als er mich an der sonst immer so lässigen Kontrolle vorm Rondpoint Ain Sman unerwartet herauswinkte – aber er wollte keine Bestechung, sondern nur wissen wofür meine SK-Nummer steht (bei der Beschreibung dass Merseburg im Saalekreis in Ostdeutschland liegt, dachte er immerhin gleich an Dresden) und ob ich in Fès arbeite. Für so Fragen lass ich mich dann doch gerne mal anhalten – das hat ein ganz anderes Niveau als bei den Gaunern an der N6 Douyet-Fès, die mir schon zwei Mal was anhängen wollten…
Meine späte Rückkunft nach Hause bewegte Mohammed dann zu der Frage: „Sag mal willst du morgen immer noch um 7.30 Uhr aufstehen und um 9 nach Jorf El-Melha zu dem Kick auf dem Dorf?“ Da konnte ich als echter Groundhopper natürlich nur antworten: „Mitternacht ist doch nicht so spät, natürlich geht es morgen früh los!“ نادي القنيطري و جميعة سلا Statistik:
- Grounds: 1.044 (kein neuer; diese Saison: 73 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.952 (heute 1, diese Saison: 96)
- Tageskilometer: 470 (470km Auto)
- Saisonkilometer: 26.540 (25.500 Auto/ 990 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 10 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 385

Montag, 7. Oktober 2013

W375III: Sonntags in Salé; Stadtmauern und nichts dahinter, U23 auf dem Hauptplatz und arabisches Cricket

Association Sportive de Salé (Espoirs)
--------- (السلاوية الرياضية الجمعية) ----------
........................... 0:3 ..............................
-- Mogreb Atlético Tetuán (Espoirs) --
------ (المغرب التطواني / أتلتيكو تطوان) --------
- Datum: Sonntag, 6. Oktober 2013 – Anstoß: 10.00
- Wettbewerb: Elite 1 Espoirs (1. U23-Liga Marokkos)
- Ergebnis: 0-3 nach 95 Min. (46/49) – Halbzeit: 0-2
- Tore: 0-1 20. (Nr. 25), 0-2 26. (10), 0-3 88. (12)
- Verwarnungen: Nr. 7 (ASS); Nr. 10 (MAT)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Boubkar Ammar [ملعب أبو بكر عمار] (Kap. 7.000, davon 6.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 100 (darunter keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 4,0/10 (Nach guter erster Hälfte wurde das Spiel langweilig)

-- Tanmia de Tanger --
-------- (تنمية طنجة) -------
............ 118:88 ..............
Renaissance de Tanger
------- (نهضة طنجة) -------
- Datum: Sonntag, 6. Oktober 2013 – First Ball Bowled: 14.00
- Wettbewerb: Finale de Coupe du Trône de Cricket [مباراة النهائية الكاس العرش لالكريكيت] (Cricket-Pokalfinale, beide Teams aus der 1. da einzigen marokkanischen Cricketliga)
- Modus: Twenty20, Spieldauer ca. 4 Stunden
- Ergebnis: Tanmia gewinnt mit 30 Runs, 118:88
- Statistiken: nicht verfügbar
- Spielort: Stade Fellini [ملعب فيليني] (Kap. 2.000, davon 400 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 40 (davon je ca. 10 Fans beider Teams und ca. 20 aus Salé)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Mittelmäßiges Spiel mit einzelnen spektakulären Szenen und hohem Risiko bei den Positionswechseln) سلا - سور المدينة Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan Under-23 League: AS Salé v Maghreb Tetouan at Stade Boubker Ammar
b) Moroccan Cricket Cup Final: Tanmia Tangier defeat Renaissance Tangier at Stade Fellini in Salé
c) Rabat & Salé: The Old Town of Salé

Die Pläne mit El Jadida musste ich doch ändern, da das Spiel von DHJ gegen Maghreb Fes (wie üblich am Dienstag derselben Woche) auf den Montag 7.10. angesetzt wurde. Aber es gab interessanten Sport in der Nachbarstadt der Hauptstadt. Was Potsdam für Berlin ist, ist Salé für Rabat. Allerdings ist Rabat die städtebaulich weitaus attraktivere Hauptstadt, andererseits aber erheblich ruhiger als Berlin. Nur das sehr sehenswerte Potsdam hat noch weniger mit dem schmuddeligen Salé gemein, das eine der dreckigsten Orte Marokkos ist und außer den eindrucksvollen Stadtmauern aus dem Mittelalter nicht viel zu bieten hat. Innerhalb der ockergelben Stadtmauern sieht es beschissen zubetoniert und vergammelt aus.

Das Stadion, das nach einem gewissen Boubker Ammar (Nuscheldialekt für Abou Bakr Ammar) benannt ist, ist auch ziemlich versifft, aber es wird wenigstens was dran gemacht. Das Dach der nach oben hin schmaler werdenden Haupttribüne ist noch die nicht fertig, über die Gegenseite mit ihren 13 Stufen und rot-weißen Wänden, die an drei Stellen mit geometrischen Mustern durchbrochen sind, soll sicher kein Dach. Die Hintertorbereiche erlauben ebenirdisches Stehen.

Der freundliche Platzwart erklärte mir ein bisschen was zu den U23-Mannschaften, die in der ganz entspannten Atmosphäre des eher kleinen aber für diese Liga überdimensionierten Stadions ein faires Spiel ablieferten. Tetouan, zu deren spanischer Vergangenheit ich bei Gelegenheit mal was schreiben werde, steht im vorderen Tabellenbereich, Salé im hinteren. Als der Kollege vom Platzwart noch die Teppiche auf der Tribüne ausklopfte und die gewaschenen Leibchen hinterm Tor zum Trocknen auslegte, ging der Gast auch schon in Führung. MAT bestimmte das Spiel gegen die jungen Hoffnungen aus Salé von der ersten bis zur letzten Minute und nutzte einen Torwartfehler zum 0:2 sowie einen Flachschuss eines nach Unsicherheiten in der Abwehr freistehenden Stürmers zum 0:3 Endstand. ملعب ابو بكر عمار في سلا Nach einer unfreiwilligen langen Stadtbesichtigung (Verfahren, im Stau gestanden) fand ich das Cricketstadion im Vorort Maâmora der für seinen Wald bekannt ist. Es ist zwischen Militäreinrichtungen eingeklemmt, was in Marokko aber kein Problem ist: Marokkaner sind ja keine Inder, die in einem Stadion im Sperrbereich eine öffentliche Sportveranstaltung ansetzen... Im Gegensatz zu Indien (was Dümmeres und Unsympathischeres wird man eh kaum in der Welt finden) wird man hier in Marokko auch freundlich behandelt, in den kostenlosen Parkplatz eingewiesen und auf Nachfragen auch mit Infos bedient. Leider hatte niemand die Nummer vom Maghreb Fes Crickettrainer, sondern nur den Hinweis mal abends im Stadion Hassan II vorbeizuschauen, wenn mal Training ist. Mal schauen, ob ich da mal mitspielen kann…

Mit Tanmia (heißt Fortschritt) und Nahda (Renaissance = Wiedergeburt, arabische Reformbewegung des 19./20. Jahrhunderts) haben es beide Clubs aus der Hochburg des marokkanischen Crickets, Tanger, ins Finale geschafft. Die Teams aus Salé (der Gastgeber AS), Stade Marocain Rabat, Maghreb Fès, Wyfaq und Manar Casablanca, sowie Zemmouri Khemisset sind in den Runden zuvor auf der Strecke geblieben. Mir ist schon recht, dass das Spiel hier in Salé ausgetragen wurde, aber der Platz in Tanger soll deutlich besser sein: Etwas neuere Tribüne und nicht so ein versiffter Betonbau ohne Überdachung in der prallen Sonne auf den Umkleiden wie in Salé, besserer Kunstrasen auf der Pitch, weniger staubige Stehplätze unter den Bäumen und v.a. besser gemähtes Gras. Also mit englischem Rasen hatte der Acker mit den vielen kahlen Stellen die mit büschelweise 10cm hoch stehendem Grasgestrüpp kontrastierten, nicht viel zu tun…

Interessant war auch, dass man die Infos hier nicht wie beim deutschen Cricket in Englisch einholen musste bzw. konnte: selbst die Trainer und Offiziellen konnten meist kein Englisch und von den Nachwuchsspielern, die den Großteil der Zuschauer ausmachten, sprachen alle nur Arabisch und Französisch. Cricket scheint sich in Marokko zu einem Sport junger Mittelschichtenkinder zu entwickeln. Aber der Nahda-Trainer konnte mir im besten Hocharabisch erklären, wie es um seine Mannschaft steht! Und die erwischte einen schlechten Start, bowlte mehrere Wides und diskutierte dann auch noch laut mit den Umpires, was zu Verwarnungen und einem Platzsturm des Verbandsbosses führte. Tanmia konnte nicht immer glänzen, spielte teilweise unkonzentriert, aber konnte immer wieder Fours schlagen und ging beim Positionswechsel der Batsmen erfolgreich volles Risiko. Nur ein Run-Out kassiert, aber sehr oft zwei oder gar drei Runs auf einmal geschafft.

Tanmia setzte das Target auf 118, was Nahda erwartungsgemäß nicht aufholen konnte. Bei 88 Runs waren im 18. Over alle Schlagmänner ausgeschieden, denn ihr Risikospiel mit dem doppelten Wechseln ging immer wieder schief, Unsicherheiten beim Schützen des Wickets kamen noch hinzu. Den spektakulärsten Catch lieferte natürlich einer von Tanmia: das 8. Wicket, ziemlich kurz vor dem Ende, war ein Catch mit 10 Schritten Anlauf und einem genauen Sprung zum Ball, der im hohen Bogen in Richtung vier Punkte gegangen wäre.

Das Niveau war gar nicht schlecht, die Atmosphäre entspannt (einige Wänster spielten während des laufenden Cricketmatches Fußball am Spielfeldrand ohne weggescheucht zu werden), und nach der Siegerehrung, die die Präsidentin des marokkanischen Cricketverbandes leitete, fuhr ich die knapp 200 unspektakulären Autobahnkilometer nach Fés zurück. Mittlerweile zeigt der Kilometerzähler übrigens auch knapp über 100.000km an. مباراة نهائية الكاس العرش لالكريكيت - تنمية طنجة و النهضة طنجة Statistik:
- Grounds: 1.024 (2 neue; diese Saison: 53 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.922 (heute 2, diese Saison: 66)
- Tageskilometer: 450 (450km Auto)
- Saisonkilometer: 16.830 (15.780 Auto/ 820 Fahrrad/ / 40 Schiff, Fähre/10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 7 [letzte Serie: 178, Rekordserie: 178; davor 141, 106, 101 bzw. 88]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 375

Montag, 30. September 2013

W374VI: Ein ruhiger Samstag in Fès

Maghreb Association Sportive de Fès (Espoirs)
----------------- (المغرب الرياضي الفاسي) -----------------
................................... 1:0 .....................................
----- Association Sportive de Salé (Espoirs) ----
--------------- (الجمعية الرياضية السلاوية) ---------------
- Datum: Samstag, 28. September 2013 – Anstoß: 12.00
- Wettbewerb: Elite 1 Espoirs (1. U23-Liga Marokkos)
- Ergebnis: 1-0 nach 96 Min. (47/49) – Halbzeit: 0-0
- Tor: 1-0 88. (Nr. 6)
- Verwarnungen: Nr. 10 (MAS); Nr. 7, 8, 9, 19 (ASS)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Terrain Saadienne, Stade 1 [ملعب الاول - المركب الرياضي السعديين] (Kap. 800 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 120 (davon ca. 5 Gäste)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Schnelles Spiel beider Mannschaften, aber fehlerbehaftet und dürftiger Torabschluss) المغرب الرياضي الفاسي تحت٢٣ و الجمعية الرياضية السلاوية تحت٢٣ Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan Under-23 League: Maghreb Fès defeat AS Salé
b) Fès Old Town: Ancient Medina of Fès El-Bali

Am Samstag unternahmen wir nicht so viel in Fès. Um 10 Uhr checkten wir nach dem Frühstück aus und guckten erstmal ins benachbarte Stadion Hussain II, was ein wirklich schöner Bau ist, doch weder da noch in der angrenzenden Sporthalle 11 Janvier war Wettkampfbetrieb, sondern nur Training. Gegenüber auf dem Terrain Saadienne, das nach der Dynastie der Saadier, die 1549-1664 Marokko und Teile Malis und Algeriens beherrschte, heißt, sah es etwas besser aus. Die Anlagen sind allerdings größtenteils heruntergekommen: die schön gekachelte Eingänge und die stilvoll auf mittelalterlich getrimmten Zinnenmauern sind angefressen, einige Plätze sind staubiger Lehm mit Unkraut drauf, die Kunstrasenplätze sind gesichtslos. Platz 1 ist ein ausbautenloser Kunstrasen – und genau dorthin schickte uns der Platzwart.

Von einem der Trainer wurden wir freundlich gegrüßt, ehe er übers Feld tobte um ein Trainingsspiel der U17 von Maghreb Fès zu coachen. Die Erste Mannschaft siegte locker 3:0 in 30 Minuten gegen die Zweite Elf.

Dann beobachteten über 100 Leute ein Spiel der U23-Liga (es gibt noch eine Reserveliga ohne diese Altersbeschränkung, aber bei diesen U23-Teams handelt es sich um die Reserven der Profiteams) zwischen Maghreb AS Fès und AS Salé. MAS Espoirs machte es besser als die I. Mannschaft am Vortag, die 0:2 verlor. Allerdings wurden zu viele Chancen versiebt und zu viele technische Fehler begangen, ehe endlich ein Ball zum 1:0 kurz vor dem Abpfiff ins Tor segelte. AS Salé pöbelte nach Abpfiff noch etwas rum, sodass die Polizeistreife mal einige Leute zusammenschiss, die sich da am wüsten Beschimpfen beteiligten. المغرب الرياضي الفاسي تحت٢٣ و الجمعية الرياضية السلاوية تحت٢٣ Da auf den anderen Plätzen, wenn überhaupt richtige Mannschaften und nicht nur einzelne Bolzplatzkicker spielten, nur trainiert wurde, wurde der alte Groundhopper gleich zum Dorfflughafen Fès-Saïss rausgefahren (lächerliches Mini-Terminal, kaum Service aber teuer – passt zur scheiß Ryan Air mit der mein Vater zum absolut bekackten Flugplatz „Frankfurt“/ Hahn geflogen wurde), wo sich unsere Wege für die nächsten fünf Monate trennten. Für meine allwochenendlichen Groundhoppingtouren werde ich aber sicher auch einheimische, also marokkanische Begleitung finden…

Erstmal war nur eine Sache schwer zu finden, nämlich das Institut an dem ich die nächsten Monate meine Arabischkenntnisse verbessern will. Aber da viele Marokkaner hilfsbereit sind, war es nicht schwer, jemanden aufzutreiben, der zwar nicht die Adresse kannte, aber dafür das Problem, dass man mit einer ausländischen Handy-Karte keine einheimische Nummer anrufen kann. Also sprach ich einfach einen seriös aussehenden jungen Mann an, der vor einer Autowerkstatt auf seinen Wagen wartete, der gleich unaufgefordert sein Handy rausholte und beim DMG Arabophon anrief und sich den Weg beschreiben ließ, die 200m ging er natürlich noch mit und wartete, sich mit mir über mein Studium unterhaltend, bis der Lehrer Abdelhadi erschien, der mir das Institut zeigte und sich dann zu mir ins Auto stieg und mich durch den normal dichten Verkehr nach Batha, einem Stadtteil im Süden der Altstadt leitete.

Wir steuerten dort das spektakuläre Haus eines amerikanischen Ehepaares an, das ein historistisches Riad (im Mittelalter ein großes Wohnhaus mit Innenhof, viele dieser Häuser wurden um 1900 wieder neu errichtet im gleichen Stil) betreibt. Jim leitet u.a. das Homestay-Program des Institutes und nimmt mich aber, bis wieder ein Platz in einer marokkanischen Familie frei ist, bei sich auf. Beim gemeinsamen Abendessen konnten wir uns wirklich gut unterhalten. مدينة العطيقة بفاس Statistik:
- Grounds: 1.020 (1 neuer; diese Saison: 49 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.918 (heute 1, diese Saison: 62)
- Tageskilometer: 40 (40km Auto)
- Saisonkilometer: 15.970 (15.170 Auto/ 760 Fahrrad/ 40 Flugzeug/ 0 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 4 [letzte Serie: 178, Rekordserie: 178; davor 141, 106, 101 bzw. 88]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 374

W374V: Kaum zieh ich nach Fès, schon kassiert Maghreb AS die erste Saisonniederlage...

Maghreb Association Sportive de Fès
---------- (المغرب الرياضي الفاسي) -----------
............................ 0:2 ............................
----- Association Sportive de Salé -----
--------- (الجمعية الرياضية السلاوية) ----------
- Datum: Freitag, 27. September 2013 – Anstoß: 20.00
- Wettbewerb: Botola 1/ Groupement National de Football [ الاحترافية البطولة الوطنية] (Nationale Profifußball-Meisterschaft = 1. marokkanische Profiliga)
- Ergebnis: 0-2 nach 95 Min. (47/48) – Halbzeit: 0-1
- Tore: 0-1 28. Karouita, 0-2 87. El Kanaoui
- Vergebener Elfmeter: 3. Min. Ayatti von Maghreb Fés schieß am Tor vorbei
- Verwarnungen: NN
- Platzverweise: keine
- Spielort: Complexe sportif de Fès [المركب الرياضي لفاس] (Kap. 45.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 5.000 (davon ca. 150 Gäste)
- Unterhaltungswert: 5,5/10 (Maghreb Fès versagte völlig – von Gegentoren bis zu verschossenen Elfern – und Salé tat das Nötigste souverän zum Sieg) المركب الرياضي بفاس Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan Professional Football League: Maghreb Fès lt. AS Salé
b) Fès Old Town (World Heritage Side)

Video:
Salè open the scoring + Supporters of both sides chanting

Freitagvormittag guckten wir uns in meiner neuen Heimat (für die nächsten fünf Monate) um. Die Altstadt ist Weltkulturerbe und es gibt keine größere arabische mittelalterliche Altstadt (weder in Marokko, noch einem anderen Land). Im Übrigen gibt es auch kein größeres autofreies Stadtgebiet weltweit – bei den teilweise nur 50cm schmalen Gassen wird selbst mit Mopeds kaum gefahren. Dafür wird aber geschäftig durch die Gassen gelaufen, in den Moscheen gebetet, mit Eseln Transportmaßnahmen unternommen und der ein oder andere Tourist angequatscht. Das Durchgreifen der in Fés wohl sehr harten Polizei scheint sich aber zugunsten der Touris auszuwirken: wirklich belästigt wurde man nicht in der Altstadt, am Rande bzw. oberhalb der beeindruckenden Stadtmauern, an den Ruinen der Meriniden-Grabmale und der Nordfestung waren die Leute sogar besonders freundlich, obwohl man klar sagte, dass man nichts kaufen wolle. Einer riet uns sogar noch auf Deutsch, die Stadt ohne Führer zu besichtigen, da diese nicht ehrlich seien.

Entgegen der Behauptungen der Guides ist es auch gar nicht so schwer sich in der Altstadt zurechtzufinden: die Beschilderung ist mittlerweile ziemlich gut. Nach vier Stunden Besichtigung mussten wir als Fazit allerdings ziehen, dass sich die Altstadt von Fès zwar sehr lohnt, aber da wir den Baustil der Moscheen und Privathäuser sowie der Stadtmauern schon aus dutzenden anderen Städten kennen, klar sagen muss, dass außer der schieren Größe nicht so viel Besonderes in der Medina von Fès auszumachen ist. Historisch bedeutendster Platz ist die Moschee Qayrawiyin, die 859 von der reichen Kaufmannstochter Fatima al-Fihri aus dem tunesischen geistigen Zentrum Kairouane (Qayrawiyin) gestiftet wurde und seither auch als Bildungsstätte fungierte. Da diese Bildungsstätte (Madrasa, Medresse) nicht nur religiöse Bildung sondern auch Mathematik u.a. vermittelte und schriftliche Abschlüsse nach Prüfungen verteilte, muss sie als erste Universität der Welt (gut 200 Jahre älter als die ältesten europäischen) bezeichnet werden. In ununterbrochener Nachfolge fungiert die Universität Qayrawiyin, die heute natürlich auch Nicht-Muslimen geöffnet ist und seit Jahrzehnten ein breites Fächerspektrum wie jede richtige europäische oder neuere arabische Uni auch, anbietet.

Architektonisch gesehen findet man solche Städte wie Fès allerdings überall in der arabischen Welt – nur halt meistens kleiner… مدينة العطيقة بفاس Nach einem Stopp im Hotel und Einkaufen in einem der typischen kleinen Läden (der Junge des Besitzerehepaares bediente und musste unbedingt seine guten Englischkenntnisse präsentieren – als die Schwester noch hereinkam, erklärte sie mir voller Freude auf gutem Deutsch, dass sie in der Oberschule meine Sprache lernt) fuhren wir zum Stadion. Dort am äußersten Südostrand ist die Infrastruktur sehr dürftig, also noch einmal stadteinwärts die Route de Sefrou gefahren und das nächstbeste Restaurant angesteuert: das Poissons Mér Médiéranier wirkte etwas deplatziert, denn zu gemäßigten Preisen (Hauptgerichte 3 bis 6€, einzelne Spezialitäten um die 10€, Getränke 1€) und guter Essensqualität kamen massenhaft Fliegen auf die ansonsten sauberen Tische, die allerdings nahe an der stark befahrenen Straße standen. Und trotz allem Fernfahrerambiente trugen die ausgesprochen freundlichen Bediensteten ganz ordentliche Anzüge…

Am Stadion ging es ziemlich rund. Geparkt wurde einfach kostenfrei in halbfertigen Nebenstraßen, kaum an der Kasse gab es erste Streitigkeiten zwischen Jugendlichen und Polizisten, die aber zu uns alle ausgesprochen freundlich waren. Am Einlass wurden wir einfach durch die Hektik durchgewunken, da ich ja in Begleitung meines alten Vaters war und Alten mehr Respekt entgegengbracht wird, und auf die Tribüne geleitet. 4,60€ kostete die Karte umgerechnet. Eigentlich wollte ich Pelouse für 2,60€ - aber ich akzeptierte halt diesmal noch das Angebot des Kassenwartes, nicht zu den Chaoten zu gehen. In der Kurve ging es ja erst recht rund. Auch hier wieder viel schöner Gesang und Gehüpfe sowie Einsatz von Feuerwerkskörpern. Die 150 Gästefans standen dem nur in der Lautstärke nach. Übrigens ging es auch auf der Haupttribüne nicht überall so gesittet zu. Ein Jugendlicher konnte die letzten 5 Minuten zwischen drei Polizisten zugucken – für den Flaschenwurf hätten die den in anderen Ländern aber nicht bis zum Abpfiff gucken lassen und dann nur verscheucht… – und die Emotionen von jung und alt waren schon nicht schlecht… Teilweise gingen sogar jugendliche Mädchen richtig mit, wobei die Dickste mal wieder die Lauteste und Durchsetzungsfähigste war – wenn der kleinere Kumpel Scheiße rumkrakeelte, bekam der eins mit der Plasteflasche auf den gestylten Nischel…

Wer heute nur Scheiße ablieferte, war die Mannschaft von Maghreb Fès. Also dass die mit 7 Punkten Zweiter sind und Salé noch keinen Sieg geholt hatte, war in keiner Phase zu merken. Maghreb spielte wie ein Absteiger und ließ selbst einen Foulelfmeter (nicht korrekt da knapp außerhalb und nach nur drei Minuten Spielzeit verhängt) und andere große Chancen aus. Salé tat das Nötigste um zu gewinnen: nach hartem Durchsetzen ein haltbarer Weitschuss zum 0:1 (siehe Video oben!) und in der Schlussphase, nach einer Glanztat eines Verteidigers der für den desorientierten Torwart noch vor der Linie per Kopf klärte, schoben die Piraten vom Bouregreg-Fluss noch zum 0:2 ein. Die Gästekurve feierte, während der Heimanhang schon seit der Halbzeitpause Rennereien und Tumulte mit der Polizei austrug, was sich nun nur noch verstärkte.

Nach Spielschluss stellten wir noch fest, dass die Scheißhäuser auch für ein marokkanisches Stadion in extrem schlechten Zustand sind, da diese enorme Vandalismusschäden haben, und kamen recht zügig und ohne größere Umwege (nur eine Abzweigung zu weit nach Norden) zum Hotel. المغرب الرياضي الفاسي والجمعية الرياضية السلاوية Statistik:
- Grounds: 1.019 (1 neuer; diese Saison: 48 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.917 (heute 1, diese Saison: 61)
- Tageskilometer: 50 (50km Auto)
- Saisonkilometer: 15.930 (15.130 Auto/ 760 Fahrrad/ 40 Flugzeug/ 0 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 3 [letzte Serie: 178, Rekordserie: 178; davor 141, 106, 101 bzw. 88]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 374