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Samstag, 30. Dezember 2017

W594I-W596II: Marokkotour mit Frauenfußball unterm Felsen zu Heiligabend und Maghreb-Fes-Auswärtsspiel am 1. Weihnachtsfeiertag

a) FC Beni Chiker 5:0 RJ Beni Ansar (Football, 8th Division, Stade Zeghanghane)
b) Raja Al Aroui 2:0 Ait Bouayache (Football, 7th Division, Stade Al Araoui)
c) Mouloudia Oujda 34:28 Hilal Nador (Handball, 1st Division, Salle Prince Hassan)
d) Renaissance Berkane U19 2:1 Wydad Temara U19 (1st Division, Stade Amal Ain Reggada)
e) MOROCCO 17:16 TUNISIA (RUGBY: TRI-NATIONS-MAGHREBIENNE, STADE MUNICIPAL D’OUJDA)
f) Etoile Jeunesse Tamesna 1:0 Tawasoul Salé and Olympique Tamesna 2:3 Green Association Ben Slimane (Football, 8th Division, Skhirat)
g) Etoile Bouhouda 1:1 Najah Riadi Fés (Football, 7th Division, Taounate)
h) CODM Meknés 2:1 Mouloudia Asa (Football, 3rd Division, Stade Khatatif)
i) Najah Azrou 1:2 Jaouhara Laarache (Football, 2nd Women’s Division, Stade Azrou)
j) Sidi Kacem 2:0 Maghreb de Fès (Football, 2nd Division, Stade Ahmed Chhoud in Rabat)

k) Mediterranean Morocco: Saidia, Cap des Trois Fourches, Coastal Road Nador – Al Hoceima, Coastal Road Al Hoceima – Tanger, Jebha, Targha, Martil (Cabo Negro), Fnideq (DAR RIFIENNE)
l) Region Orientale: Oujda, Ahfir
m) Rif Mountains: Selouane, KASBAH AMERGOU
n) Fès: Pictures of a restored clothes market and Sidi Harazem
o) Sefrou, Ifrane, Azrou, Dayat Ifrah
p) Volubilis: New Museum besides the old ruins
q) Rabat: Plants and Ruins in the ChellahFC Beni Chiker 5:0 Renaissance Jeunesse Beni Ansar Nach der Weihnachtstour 2011, dem Auslandssemester 2013-2014 und dem Wiedersehen im März 2015 war das schon mein vierter Aufenthalt in Marokko. Somit habe ich nicht nur wegen des Auslandssemesters in keinem anderen fremden Land so viel Zeit verbracht wie dort. Immerhin nun schon 28 Wochen. Die meisten Groundpunkte habe ich mit 85 sowieso in Marokko – dahinter Tschechien mit 55 – und auch die Zahl der Sportveranstaltungen ist nun mit 100 vor Tschechien (91).

In Marokko findet man immer etwas Neues, aber da meine Mutter diesmal auch mitkam (erstmals außerhalb Europas) und mein Vater nach seinem sportlichen Radsturz im November noch nicht ganz fit war, suchten wir viel Bekanntes raus und ließen es eher ruhiger angehen.
Die eindeutig günstigsten Flüge am 15.12. gingen mit Air Arabia von Köln aus nach Nador. Wir waren die einzigen Deutschen ohne marokkanische Wurzeln an Bord, wobei die Air Arabia mit Sitz in Sharjah, VAE, einen guten Eindruck machte (besser als Ryanair und Germanwings) – und nach der Landung um 22.45 war am sehr primitiv gebauten und kleinen Flughafen Nador (welcher in der fast 20km entfernten Landstadt Al Araoui liegt) nicht mehr viel los. Aber so ist es wenigstens übersichtlich und da es auch untouristisch ist, sehr entspannt ohne Schlepper. Nur beim Mietwagen mussten wir leider, da Hertz Nador eine Drecksklitsche ohne Nachtservice ist und alle anderen Anbieter dort auch, auf Europcar zurückgreifen. Bei anderen Filialen dieses Anbieters hatten wir (selbst in Deutschland) schlechte Erfahrungen mit Abzocke gemacht. Wir bekamen von dem sehr freundlichen Vermieter für einen für Marokko zu hohen Preis von rund 35€ pro Tag einen beschissenen Fiat Punto. Wenigstens Viertürer und Diesel – aber bis der mal beschleunigt und die miese Straßenlage mit den Schubkarrenreifen und die viel zu leise Hupe...
Jedenfalls kamen wir kurz nach Mitternacht noch zum vorgebuchten „Motel Paris Dakar“ am Rand von Selouane: ganz schön, geräumig, gutes Frühstück – aber etwas hohe Preise.

Statistik: 2.200km Flugzeug, 90km Auto (davon 10km Mietwagen). Selouane FC Beni Chiker ................................................... 5
Renaissance Jeunesse Beni Ansar ..................... 0
- Datum: Samstag, 16. Dezember 2017 – Beginn: 11.45
- Wettbewerb: 2eme Division Ligue Oriental de Football, Groupe 3 (8. und unterste Spielklasse in Marokko, 6. Amateurliga)
- Ergebnis: 5-0 nach 93 Min. (45/48) – Halbzeit: 2-0
- Tore: 1-0 11. (11), 2-0 42. (11), 3-0 73. (14), 4-0 81. (14), 5-0 89. (14)
- Gelbe Karten: Nr. 1, 9 (Beni Chiker), Nr. 5, 2x 13 (Beni Ansar)
- Rote Karten: Nr. 4 von Beni Chiker (69. Min. wg. Nachtretens); Nr. 13 (90. Min. wg. wdh. Foulspiels)
- Austragungsort: Stade Cherif Sidi Mohamed Amziane (Zeghanghane; Kap. 2.500, davon 1.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 120 (davon je ca. 20 Fans der Teams, der Rest Neutrale)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Für unterste Spielklasse wirklich hervorragendes Niveau)

Raja El Aroui ........................................................... 2
US Ait Bouayache .................................................... 0
- Datum: Samstag, 16. Dezember 2017 – Beginn: 14.30
- Wettbewerb: 1ere Division Ligue Oriental de Football, Groupe Nord (7. Spielklasse in Marokko, 5. Amateurliga)
- Ergebnis: 2-0 nach 98 Min. (47/51) – Halbzeit: 1-0
- Tore: 1-0 NN, 2-0 52. (7)
- Gelbe Karten: Nr. 6, 11 (El Aroui)
- Rote Karten: keine
- Austragungsort: Stade Municipal de El Aroui (Kap. 3.000, davon 2.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 200 (davon keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Richtig gutes Niveau, aber leider etliche Durchhänger in Hälfte zwei)

Mouloudia Club Oujda ...................................... 34
Hilal Athletique Nador ...................................... 28
- Datum: Samstag, 16. Dezember 2017 – Beginn: 18.00
- Wettbewerb: Ligue Excellence de Handball (1. Marokkanische Handballliga, Halbprofiliga)
- Ergebnis: 34-28 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 15-10
- Tore: NN
- Gelbe Karten: NN, 12, 17, Bank (Oujda); NN, Bank (Nador)
- Zeitstrafen: Nr. 15 (2x), 11, 12, 13, 17, 10/ Rot (Oujda = 16 Minuten); Nr. 6, 3, 10 (Nador = 6 Minuten)
- Rote Karten: Nr. 10 von Oujda (44. wg. Schiedsrichterbeleidigung)
- Austragungsort: Salle Moulay Hassan (Kap. 2.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 100 (davon keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Hervorragendes Niveau mit kurzem Durchhänger in Hälfte zwei) Selouane Samstagfrüh und meine Mutter meinte, man müsse sich jetzt touristische Sehenswürdigkeiten anschauen im neuen fremden Land. Ja klar, samstags in Marokko... Mal in die verfallene Festung (Kasbah) von Selouane, wo es einen Wochenmarkt mit viel verrotteter Second-Hand-Ware aber auch Vor-Ort-Schlachtungen von Hühnern und Truthähnen gab und dann ab nach Zeghanghane zum Stadion. Ist auch eine Sehenswürdigkeit: schöne überdachte mittige Tribüne, spektakuläre steile Ecktribüne, mit Fließen verziertes Eingangstor, alles in den Hang gebaut und mit bestem Bergpanorama. Und vor allem lernt man die Landeskultur kennen: freundliche Begrüßung durch neugierige Polizisten und ein paar Fans verschiedener Altersgruppen – die Polizei ließ sich von uns auch noch die Reiseroute erklären, damit wir nicht abhandenkommen... Das Spiel der untersten Liga zwischen den Teams von Beni Chiker (knapp 20km nördlich, kein eigener Platz) und dem kleineren Verein „Nahda Al Shabab/ Renaissance Jeunesse“ aus dem nahe gelegenen Beni Ansar (Grenzort zu Melilla) war hervorragend. Nach ausgeglichenem Beginn konterte Beni Chiker zwei Mal zur Pausenführung, danach brach Beni Ansar ein und kassierte trotz eines Platzverweises wegen Nachtretens für den Gastgeber noch drei weitere Tore zum 5:0, darunter auch ein toller Heber nach einem harten Laufduell bis zum Strafraum.

Gleich zum nächsten interessanten Stadion: unweit vom Flughafen Al Araoui entfernt, liegt ein spanisch angehauchtes Stadion mit tollem Säulenportal am Eingang. Ausbauten hat es nur eine große Betontribüne in schönem blau-weiß, ansonsten ist der Kunstrasen nur von einem Zaun umgeben und auf einer Seite befindet sich noch eine Stufe. Schön ist auch die Begrünung mit Palmen. Von der blau-weißen Tribüne aus sieht man auch ein blau-weißes Minarett. Neben der Tribüne gibt es ein gutes Boulodrome. Was mich sehr wunderte, war der Eintritt von 10 Dirham (knapp 1€). Für die 7. Liga (zweitunterste Liga)! Selten wird in der 3./ 4. Liga Eintritt genommen, normalerweise nie in den Klassen darunter. Das haben bestimmt die bescheuerten Deutsch-Marokkaner dort eingeführt... Es kamen trotzdem mit 200 Zuschauern eher mehr Leute, als bei einem vergleichbaren Kreisligaspiel in Deutschland. Raja Al Araoui (der zweite Club der Stadt) ging früh in Führung, wurde dann von Ait Bouayach hinten reingedrängt, hielt aber die Führung und baute sie kurz nach der Pause sogar auf 2:0 aus. Danach hatte das Spiel leider auch ein paar Durchhänger und dauerte wegen Verletzungen unnötig lange.

Schließlich fuhren wir den kürzesten und schnellsten Weg nach Oujda: nach knapp 15 Minuten Spielzeit betraten wir dann den erschreckend leeren, sehr modernen, symmetrischen und geschmackvoll mit getäfelter Holzdecke versehenen Kronprinz-Hassan-Sportsaal. Das 1. Liga Handball-Spiel zwischen Mouloudia Oujda und Hilal Nador war schnell, richtig gut und glänzte mit tollen weiten Zuspielen. Ab der 25. Minute begann es nur leider etwas einseitig zu werden und trotz der starken Gegenwehr der Gäste wurde es nicht mehr wirklich spannend nach der Pause. Bis zu 11 Tore Vorsprung, am Ende noch 6 beim 34:28.

Das gebuchte 2-Sterne-Hotel „Al Fajr“ (28,50€ pro Nacht im Dreibettzimmer) war schnell gefunden und zufriedenstellend. Raja Al Araoui 2:0 US Ait Bouayache Statistik 16.12.:
- Grounds: 2.075 (3; diese Saison: 94 neue)
- Sportveranstaltungen: 3.225 (3; diese Saison: 120)
- Tourkilometer: 190 (190km Mietwagen)
- Saisonkilometer: 23.370 (13.720 Auto, davon 1.110 Mietwagen/ 8.260 Flugzeug/ 1.280 Fahrrad/ 0 Schiff, Fähre / 0 Bus, Bahn, Straßenbahn)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 43 [letzte Serie: 108, Rekordserie: 178]
- Jede Woche mindestens eine Sportveranstaltung seit: Kalenderwoche 31 des Jahres 2006 (31.7.-6.8.), d.h. seit 594 Wochen. Mouloudia Oujda 34:28 Hilal Nador Renaissance Sportive Berkane U19 .................. 2
Wydad Sportive Temara U19 ........................... 1
- Datum: Sonntag, 17. Dezember 2017 – Beginn: 11.00
- Wettbewerb: Championnat Jeunesse U19, Groupe Nord (1. Spielklasse der A-Junioren in Marokko)
- Ergebnis: 2-1 nach 94 Min. (45/49) – Halbzeit: 0-0
- Tore: 1-0 61. (11), 1-1 69. (8), 2-1 90. (10, Handelfmeter)
- Gelbe Karten: Nr. 8, 10 (RSB); Nr. 11 (WST)
- Rote Karten: keine
- Austragungsort: Stade Amal Ain Reggada (Ain Reggada; Kap. 2.000, davon 1.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 60 (davon keine Gäste)
- Unterhaltungswert: 3,5/10 (Über weite Strecken schlechtes Spiel)

Marokko / Maroc / Al-Maghrib ............... 17
Tunesien / Tunisie / Tounis ....................... 16
- Datum: Sonntag, 17. Dezember 2017 – Beginn: 14.30
- Wettbewerb: Tri-nations maghrébin 2017 (internationales 15er-Rugby-Turnier)
- Ergebnis: 17-16 nach 91 Min. (44/47) – Halbzeit: 8-6
- Punkte: 0-3 3. Chamseddine Khalifa (Freekick), 3-3 12. Chakir Hmidouche (Freekick), 3-6 15. Chamseddine Khalifa (Freekick), 8-6 18. Mehdi Benyachou (Try), 11-6 48. Chakir Hmidouche (Freekick), 11-9 51. Chamseddine Khalifa (Freekick), 14-9 71. Chakir Hmidouche (Freekick), 14-14 80. NN (Try), 14-16 80.+2 Chamseddine Khalifa (Conversion), 17-16 80.+3 Chakir Hmidouche (Freekick)
- Gelbe Karten: Mohammed Loukia/ Marokko (34. Min.)
- Rote Karten: keine
- Austragungsort: Stade Municipal de Oujda (Kap. 7.500 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 1.000 (überwiegend Marokkaner)
- Unterhaltungswert: 8,0/10 (Sehr packendes und enges Spiel auf recht hohem Niveau) Renaissance Berkane U19 2:1 Wydad Temara U19 Am Sonntag fuhren wir von Oujda aus andersherum um die Beni Snassen Berge und auf Berkane zu. Im benachbarten Ain Reggada fand ein Spiel der 1. A-Junioren-Liga statt: Renaissance (Nahda) Berkane weicht wegen Stadionbauarbeiten nach dort aus. Gast war Wydad Temara. Das Spiel war erschreckend schlecht, erst in der zweiten Halbzeit fielen Tore und erst in den letzten 20 Minuten konnte man das als gescheiten Fußball bezeichnen. Mit einem berechtigten Elfter eine Minute vor dem Ende, gewann Berkane das Spiel 2:1. Das Stadion von Ain Reggada, was sonst vom Fünftligisten Amal Ain Reggada genutzt wird, wurde mit einem neuen Kunstrasen ausgestattet, hat eine rötliche Tribüne mit Schalensitzen, auf denen der Vereinsname steht, und eine VIP-Terrasse mit Dach auf dem Vereinsheim. Drumherum stehen Mehrfamilienhäuser, hinten sieht man in die Landschaft, direkt hinter dem Ort bauen sich die Beni-Snassen-Berge, die nur von kleinen Weilern und Einzelgehöften durchzogen sind, welche nur mit Pisten miteinander verbunden sind, auf.

Zurück nach Oujda, steuerten wir für ein Rugbyländerspiel das Stadtstadion „Stade Municipal“ an. Das hat auch einen Kunstrasen, ist aber völlig von Häusern eingekeilt und größer als in Ain Reggada. Steile Stehränge hinter den Toren, niedrigere Stehränge auf der Gegenseite und überdachte und teils mit edlen Stühlen bestückte Stehränge auf der Hauptseite. Auf letztere wurden wir gebeten. Eintritt war wohl für alle frei, aber als die Sicherheitsleute und Verbandsoffiziellen uns Ausländer sahen, wurden wir freundlicherweise auf die besten Plätze gebeten. Oujda ist die Hochburg für Rugby in Marokko: die meisten Erst- und Zweitligisten sind aus Oujda und Umgebung oder der Region Orientale bis einschließlich Nador. Das eigentliche Rugbystadion wird renoviert, daher wird derzeit v.a. im Municipal gespielt. Letztes Jahr wurde in Oran, Algerien das erste Maghrebinische Drei-Nationen-Turnier ausgespielt, nun im nicht weit entfernten aber durch eine geschlossene Grenze von Oran getrennten Oujda das zweite. Titelverteidiger Marokko traf im heutigen ersten Spiel auf Tunesien. Das Publikum war interessant gemischt: alte und junge Prolls, schick gekleidete reiche Marokkaner, sportliche Marokkanerinnen im Trainingsanzug oder auch voll verschleiert im Niqab...
Nach der extrem langen tunesischen Hymne wurde bei der marokkanischen Hymne gut mitgegangen. Als der Kick-off erfolgte, ging auf dem Feld sofort die Action los. Das Spiel (Union, 15er-Rugby) war sehr intensiv und packend. Es wurde nicht die gesamte Spielzeit über so hart zu Werke gegangen wie in den ersten 30 Minuten, aber Durchhänger gab es nie – nur beim Unterzahlspiel nach einer gelben Karte wurde es mal verhaltener. Die Spiele der drei weitestgehend gleichwertigen nordwestafrikanischen Nationalmannschaften sind so hart umkämpft, das nur wenige Versuche gelegt werden. Dafür gibt es viele Freekicks. Tunesien ging mit einem solchen in Führung (0:3). Danach glich Marokko ebenso aus, nur um auf gleichem Wege mit 3:6 in Rückstand zu geraten. Dann kämpfe Marokko sich Eindrucksvoll mit Einwürfen und Gedränge immer weiter nach vorne und legte doch einen Versuch. Da die Erhöhung nicht gelang 8:6. So blieb es bei Pause. Ein weiterer Freekick sorgte für das 11:6, dann kam Tunesien auf 11:9 ran und – natürlich wieder per Freekick – Marokko zum 14:9. Dann kämpfte sich Tunesien durch zu einem Versuch in der letzten Spielminute: 14-14, sogar die Erhöhung gelang: 14-16. Doch im nächsten Angriff ein Foul, Freekick und 17:16 für Marokko! Was für ein Spielende!

Wir gingen dann noch ins Stadtzentrum, durch den Souk, vorbei an der großen Moschee über den zentralen Platz. Dort war viel los, das allsonntägliche Treiben mit dressierten Affen, Fotos mit Falken auf der Schulter, Kinderbelustigung mit Micky Maus und auch Rummelboxen für die jugendlichen Prolls. Morocco 17:16 Tunisia Statistik 17.12.:
- Grounds: 2.077 (2; diese Saison: 96 neue)
- Sportveranstaltungen: 3.227 (2; diese Saison: 122)
- Tourkilometer: 110 (110km Mietwagen)
- Saisonkilometer: 23.480 (13.830 Auto, davon 1.220 Mietwagen/ 8.260 Flugzeug/ 1.280 Fahrrad/ 0 Schiff, Fähre / 0 Bus, Bahn, Straßenbahn)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 44 [letzte Serie: 108, Rekordserie: 178]
- Jede Woche mindestens eine Sportveranstaltung seit: Kalenderwoche 31 des Jahres 2006 (31.7.-6.8.), d.h. seit 594 Wochen. Saidia Montag mal ohne Sport. In zwei Tagen die Mittelmeerküste abfahren war der Plan. Der wurde auch gut umgesetzt, wobei man an der stark zerklüfteten und sehr felsigen Mittelmeerküste nicht die ganze Zeit direkt am Meer entlang fahren kann. Viele Orte am Meer sind nur per Stichstraße von der parallel im Gebirge verlaufenden Hauptstraße aus erreichbar, über viele Kilometer ist die steile Felsküste auch gar nicht besiedelt. Perle der Mittelmeerküste ist die Kleinstadt Saidia an der Grenze zu Algerien: Tourismushochburg von April bis Oktober, feiner Sandstrand, ganz ansehnliche Kasbah, schicke Häuser – und keine Steilküste. Bis Nador ist die Küste auch relativ flach und unspektakulär, aber nördlich von Nador und Melilla geht es steil rauf und runter. Vor allem am völlig exponiert gelegenen Cap Trois Fourches (Ras Ourk) wird einem fast schwindlig beim Autofahren direkt am ungesicherten Abgrund. Ende ist dann am Leuchtturm. Der Rückweg ist nicht ganz so spektakulär, da man an der Felswand entlang fährt. Weiter ging es die Küstenstraße N16 Nador – Al Hoceima. Meist ist man oben auf der Höhe, das Meer aber in Sichtweite unterhalb. Tagesziel war Al Hoceima. Hotel und Essen gab es in einem: im „Perla“, das direkt am Stadion Mimoun Arsi von Chabab Al Rif Al Hoceima liegt. Hier war das Personal besonders freundlich, ein Angestellter sprach etwas Deutsch. Die jungen Damen waren besonders freundlich wenn ich mit denen Arabisch sprach, obwohl die wohl Berber/ Tirifit-Muttersprachler waren.

Statistik: 340km Mietwagen Cap de Trois Fourches Dienstag fuhren wir die Mittelmeerküste weiter entlang: von Al Hoceima nach Tanger. Auf dem Weg war außer den Rif-Bergen v.a. das Dorf Jebha sehenswert. Die Bucht von Jebha ist so versteckt und geschützt, dass man nicht mit dem Auto hinkommt, aber durch den kleinen, teils von spanischen Gebäuden durchzogenen Ort und an der Steilküste lohnt es sich mal rumzugucken. In Oued Laou wird ein tolles neues Stadion mit einer Tribüne mit nordafrikanischen Schmuckelementen an der Fassade gebaut. In Targha hat man einen ganz ordentlichen Strand mit einer spanischen Festung auf einem exponierten Felsen. In Sichtweite ist auch ein Wachturm auf einem anderen Felsen. Hat man Tetouan tangiert, kommt man auf dem Weg nach Ceuta durch die tollsten Seebäder. Villa an Villa, ein Luxusressort nach dem nächsten. In Martil ist die Gegend um das Cabo Negro besonders schön. Auch das ist Marokko. Hier ist aber die reiche einheimische Elite zusammen mit reichen (also wirklich reichen) Ausländern unter sich. Auch in Fnideq ist das weitestgehend der Fall, doch da das eine historisch gewachsene Kleinstadt ist, sieht man auch das normale Elend mit verfallenen oder halbfertigen Häusern der einfachen Bevölkerung. Spektakulärster Verfall ist allerdings in der ehemaligen spanischen Rif-Garnison „Dar Rifienne“ zu beobachten. Der riesige Militärkomplex verfällt wie fast alles andere Kolonialzeitliche auch. Mit der Garnisonskirche und den Torbögen ist das aber besonders sehenswert.

Übernachtet haben wir dann im sehr preisgünstigen – aber abgewohnten und teils verpfuschten – Ibis Budget Tanger. Wie übliche wird man noch ein bisschen was los beim Sicherheitsmann der gleichzeitig Kofferträger ist und beim aufgedrehten Parkwächter: es ist halt etwas anders als ein Ibis Budget in Deutschland, denn es kostet kaum die Hälfte, v.a. auch da die Personalkosten unangemessen niedrig sind – und daher muss das Personal ein bisschen freiwillige Servicegebühren erbitten... Dafür hat das Hotel aber auch Viererzimmer, sodass man zu viert am Ende bei einem Drittel des Preises wie in Deutschland mit den zwei Doppelzimmern für 4 Personen herauskommt. Auch hier wieder eine ausgesprochen freundliche junge Frau an der Rezeption. Da Tanger fest in arabischer Hand ist, sprach sie auch sehr gutes Hocharabisch ohne zwanghaft Französisch einfließen zu lassen...

Statistik: 410km Mietwagen Targha Association Jeunesse Etoile Wyfaq Temara .... 1
Association Tawasoul Salé ................................ 0
- Datum: Mittwoch, 20. Dezember 2017 – Beginn: 12.15
- Wettbewerb: 3eme Division Ligue du Gharb, Groupe B (8. und unterste Spielklasse in Marokko, 6. Amateurliga)
- Ergebnis: 1-0 nach 94 Min. (45/49) – Halbzeit: 0-0
- Tore: 1-0 49. (11)
- Gelbe Karten: Nr. 5, 6 (Etoile Jeunesse); Nr. 6 (Sale)
- Rote Karten: keine
- Austragungsort: Terrain Municipal de Skhirat (Skhirat; Kap. 750, davon 500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 21 (davon überwiegend aus Temara)
- Unterhaltungswert: 4,5/10 (Allenfalls mittelmäßiges Spiel)

Association Club Olympique Tamesna ............ 2
Green Association Football Ben Slimane ......... 3
- Datum: Mittwoch, 20. Dezember 2017 – Beginn: 14.15
- Wettbewerb: 3eme Division Ligue du Gharb, Groupe B (8. und unterste Spielklasse in Marokko, 6. Amateurliga)
- Ergebnis: 2-3 nach 92 Min. (45/47) – Halbzeit: 0-1
- Tore: 0-1 36. (Eigentor TW), 1-1 46. (5), 1-2 71. (15), 2-2 77. (11), 2-3 89. (10)
- Gelbe Karten: keine
- Rote Karten: keine
- Austragungsort: Terrain Municipal de Skhirat (Skhirat; Kap. 750, davon 500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 30 (davon ca. 10 aus Benslimane)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Ganz ordentliches und vor allem spannendes Spiel) Fnideq: Dar Rifienne Am Montag ging es weiter nach Larache und v.a. der römischen Ausgrabungsstätte Lixus. Dort tut sich auch was: das Museum nimmt langsam Formen an. Veränderungen in der Stadt konnte ich aber keine feststellen, nachdem ich Ende 2013 und Anfang 2014 dort mehrfach war und mit Fayza aus meiner Gastfamilie in Fés einige lustige Erlebnisse hatte...

Die Fahrt ging weiter über die Autobahn an Rabat vorbei ins Verkehrschaos des dichtbesiedelsten marokkanischen Küstenstreifens in den unweit von Rabat, angrenzend an Temara liegenden Ort Skhirat. In diesem hässlichen Nest gibt es ein ganz schönes Stadion neben einer recht ordentlich wirkenden Sporthalle. Man hat kein so schönes Panorama: in der Entfernung zwar der Atlantik, aber sonst nur Landwirtschafts- und Industriebetriebe kleiner Ausmaße zu sehen. Die Tribüne ist ein typischer steiler Betonbau, ansonsten sind viele Bereiche abgesperrt. Es gab gleich zwei Spiele der untersten Spielklasse: Etoile Jeunesse Temara gegen Tawasoul Salé und Olympique Tamesna gegen Green Association Ben Slimane. Der erste Kick war nicht so stark, etwas zerfahren auf dem Hartplatz und technisch unbedarft. Erst nach der Pause ein Flachschuss ins Eck im Strafraum. Zweites Highlight war der Tumult nach Spielschluss, den Sale anzettelte: zuvor hatte der sehr gute Schiri auf Freistoß vorm Strafraum entschieden – das Foul war ja auch noch außerhalb vom Sechzehner gewesen! Danach gab es ein ganz gutes Spiel mit der leider bis in die unterste Spielklasse abgestürzte Green Association aus dem schönen und in der Tat sehr grünen Ort Benslimane (der Stadtrivale Hassania spielt 4. Liga). Es dauerte über eine halbe Stunde, ehe durch einen Rückpass auf den Torwart von Tamesna, welcher den Ball zu tief traf und damit ins eigene Tor lenkte, ein Tor fiel. Nach der Pause hatte auch der Gästeschlussmann einen Aussetzer und es stand 1:1. In der rasanten Schlussphase ging Ben Slimane erneut in Führung, kassierte den Ausgleich und erzielte eine Minute vor Abpfiff dann doch noch das von den gar nicht so wenigen Gästefans gefeierte 2:3.

Nach diesem sehenswerten Kick ging es nach Ain Cheggag (gesprochen: Een Schgägg). Das Dorf liegt 20km südlich von Fés und da meine Gastfamilie, bei der ich ein tolles Auslandssemester lang gewohnt habe, mittlerweile zum Großteil da lebt, waren wir da eingeladen. Im Gegensatz zum recht luxuriösen Riad (historisches Haus mit Innenhof), das sie in der Altstadt von Fés verwaltet und deshalb bewohnt haben, hat das an einem unbefestigten Weg zwischen Olivenfeldern gelegene Haus zwar tollen Bergblick, aber ist nur zu zwei Dritteln fertig, relativ kahl, mit nur einer Hocktoilette und einer Dusche ausgestattet und vor allem nicht beheizt. Schon scheiße bei Nachtfrost, den es zu dieser Jahreszeit dauernd gibt... Aber mit genug Decken auf den Schlafsofas geht das: ich hab im marokkanischen Winter schon die beklopptesten Übernachtungsorte gehabt – auf dem noch kälteren Baustellenhaus von Maryam und Abdelghani in Meknes, für 80 Dirham als einziger Ausländer in einem fensterlosen Hotelzimmer in Agadir mit zugigem Innenhof oder im Auto mit Fayza auf einem Stellplatz... Dass es aber nun kalt ist im Winter und Tochter Ghita und Sohn Hamza in eine neue Schule gehen müssen und Papa Driss dauernd zur Arbeit pendeln muss und auch die beiden Jungs Mohammed und Zakaria viel zwischen Fés und Ain Cheggag hin und her fahren, sorgt mitunter für Unmut. Khadijas Heimatdorf gefällt meinen marokkanischen Geschwistern nicht so: „Nüscht los, keene Orbeet, weit bis in die City“. Ich habe mich aber trotzdem auf Khadijas Seite geschlagen, als Mohammed beim Frühstück anfing, man könne die Bude doch verkaufen... Olympique Tamesna 2:3 Green Association Ben Slimane Statistik:
- Grounds: 2.079 (2; diese Saison: 98 neue)
- Sportveranstaltungen: 3.229 (2; diese Saison: 124)
- Tourkilometer: 540 (540km Mietwagen)
- Saisonkilometer: 24.910 (16.160 Auto, davon 2.650 Mietwagen/ 8.260 Flugzeug/ 1.280 Fahrrad/ 0 Schiff, Fähre / 0 Bus, Bahn, Straßenbahn)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 46 [letzte Serie: 108, Rekordserie: 178]
- Jede Woche mindestens eine Sportveranstaltung seit: Kalenderwoche 31 des Jahres 2006 (31.7.-6.8.), d.h. seit 595 Wochen. Fès Den Donnerstag unternahmen wir nicht so viel. Zusammen mit Khadija und Zakaria zeigten wir meiner Mutter die herausragende Altstadt von Fes. Dann auch das für mich und meinen Vater neue Sidi Harazem, ein etwas versiffter Kurort mit wohl gutem Schwimmbad und vielen Tieren: dressierte Kamele, Ponys und Pferde, aber auch bettelnden Hunden und Katzen... Und schließlich nach Sefrou, was meine Eltern beide nicht kannten aber wo ich mich besser auskannte als meine Gastgeber Khadija und Zakaria:
„Ey Zaki, ich denke nach links vor dem blauen Haus, oder?“ >>Keine Ahnung, Bruder.<< „Wieso? Wir waren doch hier mal mit Ghita Fußball gucken und vorher sind wir hier durch die Altstadt.“ >>Ja, Mann, das ist doch vier Jahre her – das sieht hier alles gleich aus. Ich würde hier nicht mal mehr zum Stadion finden. Tu einfach so, als würden wir uns hier auskennen und gehe nach Gefühl in Richtung Stadtmauer – sonst wollen uns noch irgendwelche Typen für Trinkgeld herumführen...<<

Abends machte ich dann noch Taxifahrer für einen Verwandten aus Nador, Taoufik kam mit dem Bus und musste von Fés nach Ain Cheggag. Abends kommt man da wenigstens schön schnell voran...

Statistik: 140km Mietwagen Sidi Harazem Etoile Sportive Bouhouda .................................. 1
Najah Riadi Fés .................................................. 1
- Datum: Freitag, 22. Dezember 2017 – Beginn: 14.45
- Wettbewerb: 3eme Division Ligue Centre Nord, Groupe 1 (7. und unterste Spielklasse in Marokko, 5. Amateurliga)
- Ergebnis: 1-1 nach 92 Min. (45/47) – Halbzeit: 0-0
- Tore: 1-0 53. (9), 1-1 68. (8)
- Gelbe Karten: Nr. 15 (Bouhouda); Nr. 17 (Fès)
- Rote Karten: keine
- Austragungsort: Stade Ramlia/ 16 Novembre (Taounate; Kap. 1.500, davon 400 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 90 (überwiegend Bouhouda)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Ganz gutes Spiel) Kasbah Amergou Freitag fuhren wir alleine, da alle anderes zu tun hatten. Die Kasbah Amergou stand auf dem Programm: Marokkos wohl schönste Burg, errichtet im Mittelalter von einem Architekten aus dem syrischen Raum, der auch für Sultan Saladin gebaut haben soll. 2015 war ich mal mit meinem Vater dort: ein Dorfbewohner führte uns herum und meinte, wir sollen viel im Internet schreiben über die Burg, da so wenige Touristen kommen und er aber Pläne habe und dem Kreisrat schon in den Ohren liege. Das Hinweisschild, was er wollte, steht leider immer noch nicht. Die Straße ist noch unbefestigt bis unterhalb des Weilers Douar Amergou. Aber immerhin: vom Ortseingang bis kurz vor die Burg wurde der Weg gepflastert und ist dadurch gut fahrbar. Am Ende ist ein kleiner Parkplatz. Und die Burganlage ist ganz gut gepflegt und wurde wohl auch noch etwas stärker aufgemauert. Langsam aber sicher tut sich also etwas – wie in einigen anderen Teilen und Bereichen Marokkos auch, obwohl nach wie vor viel zu wenig davon bei der breiten Masse der Bevölkerung ankommt.

Dann ging es über teils sehr schlechte Straßen nach Taounate. Der Ort ist recht ordentlich, er gilt als Haupttransitpunkt im Rif von Fés nach Al Hoceima. Das Stadion fanden wir erst nach 45 Minuten Suche, trotz mehrfachen Nachfragens und obwohl die Gefragten alle wussten, wo es liegt. Es liegt völlig versteckt am Hang mitten in der Stadt. Von Häusern umgeben und mit einem fantastischen Bergpanorama gesegnet. Genial: es gibt nur eine Hintertortribüne; eine Obertribüne mit vier Sitzreihen und dahinter zwei breiten Stehreihen, die vom Spielerabgang unterbrochen werden. Auf den anderen Seiten ist ebenirdisches Stehen möglich. Die Stadionmauern sind innen und außen mit Vereinsgraffitis und Sprüchen wie „Unterstütze dein Team, respektiere den Gast“ oder „Sport ist Erziehung und Ethik“ versehen. Neben zwei höherklassigen Amateurteams spielen auch unterklassige Truppen hier. Das Spiel der 7. Liga, der Kreisliga Fés Nord, war ganz gut. Knapp 100 Zuschauer wollten Najm (Stern) Bouhouda gegen Najah Riadi (SV Erfolg) Fés sehen. Erst in der zweiten Hälfte traf der Gastgeber zum 1:0. Dann wurde der Gast stärker und glich nach einem tollen Solo aus spitzem Winkel von der Strafraumgrenze in den Torwinkel aus. Auch diese Partie sah wieder – wie fast immer in Marokko – eine souveräne Schiedsrichterleistung. Die Spieler sind schwächer als in Deutschland, auch wenn die Partien auf dieser Fahrt überwiegend gut waren – aber die marokkanischen Schiris sind durchweg besser!

In Taounate aßen wir noch gut und günstig halbe Broiler mit Oliven und Pommes. Abends bei Khadija gab es den Rest vom Couscous, den sie für die Kinder und die Untermieter zubereitet hatte. Etoile Sportive Bouhouda 1:1 Najah Riadi Fés Statistik:
- Grounds: 2.079 (1; diese Saison: 98 neue)
- Sportveranstaltungen: 3.230 (1; diese Saison: 125)
- Tourkilometer: 310 (310km Mietwagen)
- Saisonkilometer: 25.220 (16.470 Auto, davon 2.960 Mietwagen/ 8.260 Flugzeug/ 1.280 Fahrrad/ 0 Schiff, Fähre / 0 Bus, Bahn, Straßenbahn)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 47 [letzte Serie: 108, Rekordserie: 178]
- Jede Woche mindestens eine Sportveranstaltung seit: Kalenderwoche 31 des Jahres 2006 (31.7.-6.8.), d.h. seit 595 Wochen. Volubilis Club Omnisport De Meknés .............................. 2
Mouloudia Assa ................................................... 1
- Datum: Samstag, 23. Dezember 2017 – Beginn: 14.30
- Wettbewerb: Ligue Amateur National (3. Spielklasse in Marokko, 1. Amateurliga)
- Ergebnis: 2-1 nach 97 Min. (46/51) – Halbzeit: 1-1
- Tore: 1-0 12. (9), 1-1 30. (10), 2-1 89. (11)
- Gelbe Karten: Nr. 11 (CODM); Nr. 20 (AMSA)
- Rote Karten: keine
- Austragungsort: Stade Khatatif Meknès (Kap. 4.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 800 (davon keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Durchschnittsspiel mit unverdientem Sieger aber teils guter Stimmung) CODM Meknes 2:1 Mouloudia Asa Am Samstag ging es nach Volubilis. War ich zwar schon zwei Mal, aber jedes Mal ist die Straße dahin schwer zu finden. Trotz einigem Verfahren kamen wir noch zu einer gescheiten Zeit an und besichtigten die Sehenswürdigkeiten der römischen Ruinenstadt (Tempel, Säulenstraßen, Mosaike, Museum) in etwas mehr als einer Stunde. Will man jede Grundmauer begutachten und nicht nur die großen Gebäudestrukturen und Mosaike, sollte man wegen des nun neu eröffneten Museums mit den ganzen römischen Fundstücken 2 Stunden einplanen.

In Meknès gibt es einige interessante Sportstätten. Statt in dem 12.000 Zuschauer fassenden Stade Honneur, welches ein toller kolonialzeitlicher Bau ist, spielt der von der 1. über die 2. in die 3. Liga abgestürzte Club Omnisport De Meknès im Stade Khatatib, welches zur selben Zeit – damals wohl völlig am Stadtrand neben dem christlich-europäischen Friedhof, heute steht dort teils gute moderne Bebauung – errichtet wurde. Das fasst nur 4.000 Fans, eventuell darf man noch 1.000 Leute an den Zaun lassen, reicht aber für die Kulisse von knapp 1.000 Fans in der Amateur National, der neuen eingleisigen dritten Liga. Das kleine Stadion ist aufgrund des begrünten, parkartigen Geländes mit den ganzen Palmen und den angedeuteten Arkaden unter denen die Red Men Ultras stehen, sowie der Gegengerade in Rot-Weiß mit dem CODM-Schriftzug eher noch attraktiver als das Stade Honneur. Zu Gast war heute einer der am weitesten südlich liegenden Vereine: Mouloudia Assa. Assa ist eine 1.100km von Meknes entfernte Gemeinde in der nördlichen Sahara mit mehrheitlich Sahraoui-Bevölkerung. Die Sahraouis sind Tabellenletzter, hielten aber nach dem schnellen Führungstreffer per Fallrückzieher für CODM gut mit. Vor der Pause gelang ihnen per Freistoß sogar der Ausgleich. Nach der Pause waren die Gäste dann auch noch aktiver und die CODM-Fans, die wie gewohnt mit schönen Melodien anfeuerten, wurden langsam genervt. Doch das dritte und entscheidende Tor war ein Stocher-Abpraller für CODM in der 89. Minute. Es wurden nur drei Minuten nachgespielt und ohnehin gab es ein paar zweifelhafte Entscheidungen gegen beide, sodass hier diesmal nur eine mittelmäßige Schiedsrichterleistung vorlag – in Marokko habe ich in über 80 Fußballspielen von der 1. bis zur 8. Liga aber nicht eine einzige schlechte Leistung gesehen, während ich in Deutschland oft in 80 Spielen mindestens 8 schlechte Schiedsrichterleitung erlebe...

Wir fanden ohne größere Probleme über die regionalen Wege nach Ain Cheggag in 70 Minuten zurück und unterhielten uns noch sehr lange mit Khadija. CODM Meknes 2:1 Mouloudia Asa Statistik:
- Grounds: 2.080 (1; diese Saison: 99 neue)
- Sportveranstaltungen: 3.231 (1; diese Saison: 126)
- Tourkilometer: 280 (280km Mietwagen)
- Saisonkilometer: 25.500 (16.750 Auto, davon 3.240 Mietwagen/ 8.260 Flugzeug/ 1.280 Fahrrad/ 0 Schiff, Fähre / 0 Bus, Bahn, Straßenbahn)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 48 [letzte Serie: 108, Rekordserie: 178]
- Jede Woche mindestens eine Sportveranstaltung seit: Kalenderwoche 31 des Jahres 2006 (31.7.-6.8.), d.h. seit 595 Wochen. Tioumline Association Najah Azrou ................................... 1
Jaouhara Najm Larache .................................... 2
- Datum: Sonntag, 24. Dezember 2017 – Beginn: 11.00
- Wettbewerb: 2eme Division Football Feminin, Groupe Nord (2. Marokkanische Frauenfußballliga)
- Ergebnis: 1-2 nach 101 Min. (46/55) – Halbzeit: 1-1
- Tore: 1-0 17. (23), 1-1 19. (4, Handelfmeter), 1-2 53. (7, Handelfmeter)
- Gelbe Karten: Nr. 2 (ANAZ); Nr. 4 (2x), 1, 3, 6, 8, 14, NN (AJNL)
- Rote Karten: Nr. 4 von Larache (74. Gelb-Rot wg. wdh. Foulspiels)
- Austragungsort: Complex Azrou (Kap. 2.500, davon 1.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 100 (davon keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 4,0/10 (Sehr niedriges Niveau, aber es gab Tore und einige andere gute Szenen) Najah Azrou 1:2 Jaouhara Najm Larache Den Sonntag ging es nach Süden in den mittleren Atlas, in Ifrane zeigten wir meiner Mutter mal die andere Seite von Marokko: europäische Häuser, Elite, Idylle...

Auch Azrou ist eine sehr gepflegte Stadt mit teilweise europäischen Häusern und Alleen. An einer Ampel wurde ich von Khatereh angerufen, die Weihnachtsgrüße bestellte, die nächste Kreuzung ermahnte mich dann ein Polizist freundlich, dass er genau gesehen habe, dass ich beim Fahren am Handy war und es eigentlich (umgerechnet) 30€ Strafe sind, aber da Weihnachten ist und ich so schön Arabisch mit ihm rede, beließ er es freundlicherweise bei einer Ermahnung ohne jegliche Geldzahlung...

Ich fotografierte dann vom namensgebenden Felsen (Azrou ist in mehreren Berbersprachen der Begriff für einen Felsen) das sanierte Stadion: der Kunstrasen ist noch von einer kaum brauchbaren Laufbahn umgeben und die beiden Tribünen (eine überdachte, eine unüberdachte) sind recht alt, aber auch die aus der Kolonialzeit stammenden hütchenartigen Absperrungen, die Mauern mit den französischen Schildern und die Vereinsgebäude mit Ziegeldächern wurden mal frisch gestrichen. Im Stadion selber hat man dann umgekehrt einen tollen Blick in die Berglandschaft.
Das Frauenfußballspiel der 2. Liga Nord (es gibt noch regionale Ligen darunter, aber das Spielniveau der dreigleisigen zweiten Liga ist deutlich unter dem der zweigleisigen ersten) war natürlich nicht so herausragend, aber nach einem Abseitstor ging Najah Azrou mit einem Konter und langem Sololauf in Führung. Kurz vor und kurz nach der Pause gab es nach ungeschickten Abwehraktionen der Heimelf zwei Handelfmeter, mit denen der Gast aus Larache den Sieg herbeiführte. Die kleinliche Schiedsrichterin schickte noch eine Gästespielerin mit Gelb-Rot vom Platz und ließ insgesamt 11 Minuten aufgrund diverser Verletzungsunterbrechungen nachspielen.

Danach besuchten wir das ehemalige Kloster Tioumline, das noch in Teilen von Einheimischen bewohnt und bewirtschaftet wird. Ob es nun Muslime oder Christen sind, weiß ich aber nicht. In der konservativeren Phase Marokkos nach der Unabhängigkeit wurde es jedenfalls wegen angeblicher oder tatsächlicher unerlaubter Missionierung geschlossen. Seitdem wird es aber wenigstens teilweise noch nachgenutzt und erhalten. Die Missionierung durch christliche Gruppen ist in Marokko bis heute ein Thema geblieben: auch Khadija wurde schon von US-Amerikanern (sie kennt durch die Host-Programm-Tätigkeit viele) belästigt, im Gegenzug für finanzielle Unterstützung die „Weisheit des Evangeliums anzunehmen und Jesus als Sohn Gottes zu akzeptieren“. Da Marokko politisch tolerant ist, drohen ihr keine rechtlichen Konsequenzen – aber die Gesellschaft akzeptiert den im Islam verbotenen Glaubenswechsel mehrheitlich nicht und geht mitunter gewalttätig gegen Konvertiten vom Islam zum Christentum vor (und das wird dann von den Strafverfolgungsbehörden wiederum ungern verfolgt). Aber Khadija hätte ohnehin aus Überzeugung den zweifelhaften Handel nicht akzeptiert.

Über die bewaldete Hochebene von Mischliffen fuhren wir an den Teichen wie Dayat Ifrah vorbei nach Immouzer und nach einem Essensstopp nach Ain Cheggag. Von da ging es mit Ghita und Khadija zu den Eltern bzw. Großeltern von ihnen nach Fes. Da gibt es zwar auch keine Heizung, aber die Bude ist fertig gebaut... Najah Azrou 1:2 Jaouhara Najm Larache Statistik:
- Grounds: 2.081 (1; diese Saison: 100 neue)
- Sportveranstaltungen: 3.232 (1; diese Saison: 127)
- Tourkilometer: 220 (220km Mietwagen)
- Saisonkilometer: 25.720 (16.970 Auto, davon 3.460 Mietwagen/ 8.260 Flugzeug/ 1.280 Fahrrad/ 0 Schiff, Fähre / 0 Bus, Bahn, Straßenbahn)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 49 [letzte Serie: 108, Rekordserie: 178]
- Jede Woche mindestens eine Sportveranstaltung seit: Kalenderwoche 31 des Jahres 2006 (31.7.-6.8.), d.h. seit 595 Wochen. Rabat Union Sidi Kacem .............................................. 2
Maghreb Association Sportive de Fès ............. 0
- Datum: Montag, 25. Dezember 2017 – Beginn: 15.00
- Wettbewerb: Botola 2 (2. Spielklasse in Marokko, Halbprofiliga)
- Ergebnis: 2-0 nach 96 Min. (46/50) – Halbzeit: 0-0
- Tore: 1-0 62. Abdelkebir El Kamhi, 2-0 74. Hassan Abdelouahab
- Gelbe Karten: Nr. 3, 6, TW 16 (USK); Brighal, Kriouita, Radja, Yanki, Lahrari (MAS)
- Rote Karten: keine
- Austragungsort: Stade Ahmed Chhoud (Rabat; Kap. 2.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 200 (davon ca. 40 USK und 100 MAS, der Rest Neutrale aus Rabat)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes Spiel, aber enttäuschend wie MAS trotz Überlegenheit versagte) Rabat Mit dem nun merklich wegen eines Knicks in der Felge nach rechts ziehenden Mietwagen ging es am ersten Weihnachtsfeiertag nach Rabat. Zuerst steuerten wir die Chellah an, die die beste Sehenswürdigkeit der Hauptstadt ist: mittelalterliche Wehrmauern, darin die Ruinen von arabischen und römischen Gebäuden, Schreine (Marabouts) und tolle Pflanzen (v.a. Sukkulenten wie Agaven und blühende Geldbäume). Danach besuchten wir noch die nicht-fertige Moschee mit den ganzen national bedeutsamen Mausoleen und schauten von dort auf die ummauerte Altstadt. Noch dahin zu fahren war zeitlich nicht mehr drin: wir mussten noch einen Imbiss auftreiben und dann ging es auch schon zum Fußball.

Gegenüber der Nationalbibliothek befinden sich zwei Stadien: das alte von FUS, welches nach wie vor Juniorenspiele u.a. beherbergt und das noch ältere Stade Ahmed Chhoude vom Drittligisten Stade Marocain, welcher 1919 gegründet einer der ältesten Vereine des Landes ist. Auch das Stadion wurde bereits vor fast 100 Jahren errichtet: typisch sind dafür das prunkvolle Portal, die steinernen Bänke (teils wurden sie mit Schalensitzen verändert) und die überdachte Tribüne mit markanten Balken, die zwar unpraktisch aber sehr ästhetisch mit ihrer Pseudo-Schnitzkunst im nordafrikanischen Stil (angedeutete Mashrabiyya: das sind die hölzernen Ziergitter und Fensterblenden der islamischen Architektur) sind.

Außer für die dritte Liga wird das Stadion auch von Profi- und Halbprofiteams als Ausweichplatz genutzt. KAC Kenitra ist hier während der Bauarbeiten am dortigen Stadion ausgewichen und auch die 100km entfernt spielende Truppe von Sidi Kacem muss wegen der Rivalitäten zu umliegenden Clubs wie Meknes nach hier ausweichen. So kamen nur gut 40 Fans aus Sidi Kacem und knapp 100 aus Fés sowie einige Dutzend Einheimische zu diesem Zweitligaspiel am Montagnachmittag. Mit ein paar MAS-Fans kamen wir natürlich ins Gespräch. Zwei davon feierten auch irgendwann mal auf den Bänken stehend ab – aber wurden dann als sie die Fankurve hochleben ließen von einem anderen Gästefan unterbrochen: „welche Fankurve, ihr seid zu zweit?!“ Insgesamt war auffällig, dass hier hauptsächlich die Elite – ältere Herren aus Fès mit Zigarre und Hut, Rabat-Businessmänner mit Aktentasche, Frauen in schicken Mänteln und europäischer Kleidungsart – erschien. Ein Sonntagsspiel hätte das Bruchvolk aus Fès-Neustadt mit Bengalos und Co. angelockt...
Das von einem sehr kompetenten Schiedsrichtergespann aus Doukkala-Abdah geleitete Spiel war eigentlich ziemlich gut mit guten Chancen auf beiden Seiten und etwas besseren Aktionen von MAS, doch direkt in die Druckphase nach der Pause hinein erzielte Sidi Kacem mit einem Weitschuss das 1:0 und bald darauf legten sie aus Nahdistanz nach. 2:0 für USK. Fès hätte natürlich nie verlieren dürfen, zeigte sich aber insgesamt gesehen zu schlecht für einen Aufstiegskandidaten. Nach Ende der Hinrunde (nun sind die ersten 15 Spieltage rum) ist der 6. Platz viel zu wenig und der Rückstand zu den Aufstiegsplätzen mit 9 Punkten auch schon groß.

Auf der Rückfahrt nach Nador verfuhren wir 10€ Maut (ins Verhältnis zu den Einkommen gesetzt, ist das noch teurer als Frankreich) und aßen gut an einer Raststätte (ist viel besser als in Deutschland). In Selouane nahmen wir wieder das Motel Paris Dakar und so schloss sich der Kreis. Union Sidi Kacem 2:0 Maghreb de Fès Statistik:
- Grounds: 2.082 (1; diese Saison: 101 neue)
- Sportveranstaltungen: 3.233 (1; diese Saison: 128)
- Tourkilometer: 800 (800km Mietwagen)
- Saisonkilometer: 26.520 (17.770 Auto, davon 4.260 Mietwagen/ 8.260 Flugzeug/ 1.280 Fahrrad/ 0 Schiff, Fähre / 0 Bus, Bahn, Straßenbahn)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 50 [letzte Serie: 108, Rekordserie: 178]
- Jede Woche mindestens eine Sportveranstaltung seit: Kalenderwoche 31 des Jahres 2006 (31.7.-6.8.), d.h. seit 596 Wochen. Union Sidi Kacem 2:0 Maghreb de Fès Am Dienstag fuhren wir nach dem Frühstück im Hotel nur noch die 12km nach Al Araoui zurück zum Flughafen. Dann ging es um 10 Uhr zum Check-in, die Germanwings-Maschine hob mit 50 Minuten Verspätung ab und die Bordverpflegung ließ ewig auf sich warten. Insgesamt wusste Germanwings nicht zu überzeugen – wenn die Preise für die Fernverbindungen (z.B. nach Mexiko, was für mich ein Ziel für 2018 ist) überzeugen sollten, nehmen wir aber dennoch noch mal diese Gesellschaft.

Wer noch weniger überzeugt hat, war der Parkservice „airparks“: eher unfreundliches (halt rheinisches) Personal, schlechte Taktung beim Shuttle-Service, Standardleistungen wie Wagenschlüsselabgabe gibt es nicht, wenn der eine Mitarbeiter weg ist, ist der Wagen unbewacht bis er wieder da ist, trotzdem wird Trinkgeld erhofft (und das sind Rheinländer, keine Marokkaner). Wirkte alles unprofessionell bei denen!

Statistik: 70km Auto (davon 10km Mietwagen), 2.200km Flug Union Sidi Kacem 2:0 Maghreb de Fès Fazit: war mal wieder eine sehr schöne Tour von den Grounds, Spielen und Sights her. Marokko ist übrigens auch angenehmer wenn man mit Eltern unterwegs ist, da die Familie mehr geachtet wird und auch die meisten Armen und Asis zurückhaltender sind, als wenn man nur zu zweit, als Paar oder gar alleine unterwegs ist. Denn gegenüber Alleinreisenden gibt es das Vorurteil: „ist ein unangenehmer Typ, wenn keiner mit ihm mitfahren will“ was zu Null Respekt v.a. gegenüber jungen Alleinreisenden führt. Auch gegenüber zu zweit reisenden jungen Leuten werden Bedürftige und vermeintlich Bedürftige sowie Dienstleister gerne aufdringlich – bei marokkanisch-deutschen Paaren (oder vermeintlichen Paaren) kommt dann noch Rassismus hinzu, v.a. gegenüber einer marokkanischen Partnerin. Aber wenn man halt als Familie auftritt und dann bestenfalls noch mit einheimischen Freunden unterwegs ist, ist selbst entlang der Touristenrouten der Aufenthalt in Marokko entspannt.
Unsere einheimischen Freunde waren natürlich wieder sehr schön zu besuchen, auch im noch nicht fertigen Haus in Ain Cheggag, aber so viele Klagen über familieninterne Probleme wie Streit um den Umzug mit den Kindern habe ich von Khadija und Driss noch nie gehört. Auch beruflich sieht es in meiner Gastfamilie nicht mehr so gut aus nach mehreren Veränderungen bei Khadija und Mohamed. Andererseits ist im gesamtmarokkanischen Verhältnis zu bemerken, dass außer der Elite auch die Mittelschicht eher gestärkt wird und für die Armen wieder mehr getan wird. Im Vergleich zu 2013/ 2014 hat sich in Marokko auch manches verbessert. Und das ist in Ain Cheggag auch Khadijas Hoffnung, nachdem der korrupte Bürgermeister und fünf Gemeinderatsmitglieder nun verurteilt wurden wegen Geldwäsche u.a. Vielleicht bringt der neue Ortsvorstand den Ort ja so nach vorne, wie es Khadija mit dem Tourismus vorschwebt: auf dem Weg von Fés nach Ifrane unweit des Flughafens liegt er ja in der Tat verkehrsgünstig.

Zur Entwicklung des Fußballs muss ich auch noch etwas sagen: die Sportstätteninfrastruktur ist deutlich besser geworden. Es fehlt nach wie vor in einigen kleineren Orten noch an Plätzen bzw. Plätzen mit Wettkampfmaßen, aber im Vergleich zu arabischen Staaten, die völlig den hohen Sportstättenbedarf im städtischen wie auch v.a. ländlichen Raum verpennt haben, wie z.B. Libanon, Syrien oder Libyen, ist das in Marokko sehr gut. Selbst in der lange Zeit strukturschwächsten Region im Nordosten – nein, nicht Uecker-Randow: ich meine Region Orientale bei Oujda – wurden u.a. in Beni Drar und Saidia neue Sportstätten für Fußball und Rugby gebaut. Am auffälligsten ist aber der Fakt, dass an vorhandenen Sportstätten etwas getan wurde und in den letzten drei bis vier Jahren dutzende Lehm- und Hartplätze in Kunstrasenplätze umgewandelt wurden. Allein 2015 wurden 25 Kunstrasen errichtet. Von den 20 Lehm- und Sandplätzen, die ich zwischen 2010 und 2015 in Marokko besucht habe, sind 12 nach meinen Kenntnisstand bis Dezember 2017 in Kunstrasen umgebaut worden. Dabei wurden die Tribünen zumeist nicht angetastet oder renoviert, maximal Kabinen und Klos ersetzt, bei höherklassigen Spielstätten mal eine weitere Tribüne erbaut oder Bestuhlung angebracht – aber es wurden eben die oft unebenen und schwer bespielbaren Lehmplätze durch zumeist gute Kunstrasenbeläge ersetzt. In mindestens drei Fällen wurden sogar holprige Rasenplätze durch Kunstrasen ersetzt (Azrou/ siehe oben, Terrain Jawhara in Sidi Kacem und das sehr besuchenswerte Stadion in Ben Slimane). Dass durch diese Aufwertungen der Sportanlagen charismatische Plätze verloren gingen, würde ich nicht von vorne herein so sagen. Fast alle Kunstrasenplätze haben Ausbauten (meist ja genau dieselben wie vorher) und sind von daher keine 0815-Scheiße. Und die, die keine Ausbauten haben, hatten auch vorher als Lehmplätze keine. Je nach Beschaffenheit des Lehmbodens ist es aber so, v.a. wenn dieser sehr sandig ist, dass die Verletzungsgefahr – besonders für die Bänder/ Knie – geringer ist, als bei den Kunstrasenplätzen. Und natürlich gibt es noch ein anderes Problem, eines dass dem Ostblock-liebenden Hopper aus Ländern wie Bulgarien und Polen bekannt sein dürfte: der klassische Baupfusch. In Deutschland wird normalerweise gut gebaut, nur viel zu selten an den Zuschauerkomfort und die Ästhetik gedacht und es ist dennoch sehr teuer. Aber in Marokko kann es auch mal passieren, dass der neue billige Kunstrasen keine (funktionierende) Drainage erhält, wie im vorbeschriebenen Stade Ahmed Chhoude von Stade Marocain
Zur Verdeutlichung der Art der Veränderungen ein Beispiel aus Chefchaouen (oben mein Foto, unten das vom Verband): ملعب البلدي في شفشاون

Sonntag, 15. März 2015

W449I-V(MOR15;4-8): Bandbreite Marokkanischer Sehenswürdigkeiten; eine syrische Burg, spanische Festungen, Halfagrassteppen, Palmenoasen und Hochgebirge

Photos with English Commentary:
a) Rif Mountains: KASBAH AMERGOU (12th Century Castle in Syrian Style), GURUGU NATIONAL PARK (Castillo de Tazuda, Fuerte de Gurugu)
b) Eastern Region: Oujda Town Centre, Figuig Oasis, Bouarfa Town
c) Tifilalt: Ziz Gorges, Aoufous Kasbah, Maâdid Kasbah
d) Anti-Atlas: Kasbahs and Landscape in Alnif, Tazarine, Nekob, Ait Semgane, Tasla 
e) Agadir Region: Foum Zguid, Talate, Tasetiffte, Alugoum, Tisgui Ida Oubaloul, Isafen, Timkite 
Den Montag verbrachten wir noch bei meiner Gastfamilie in Fés. Nach dem Frühstück kam uns die Idee, mal kurz bei Jim vorbeizuschauen, der ja u.a. das Riad besitzt, das Khadija bewirtschaftet. Außerdem hat er auch sein „Moroccan Host Network“ und eine Sprachschule für Marokkanisch-Arabisch. Er freute sich sehr, mich mal wieder zu sehen und nach mehr als einer Stunde Unterhaltung – zum ersten Mal in Marokko mal wieder auf Englisch statt Arabisch – fuhren mein Vater und ich gen Norden.

Wir hatten nur einen Besichtigungspunkt geplant und der ist auch aufwendig genug. Wir fuhren bis Karia Ba Mohammed, nahmen dann einen anderen Weg als geplant und zweigten auf die sehr schlechte Straße nach Moulay Bouchta ab. In Moulay Bouchta war gerade Markt und ein Lieferant erklärte uns nicht nur den Weg zur Burg, sondern schickte uns auch gleich in ein temporäres Restaurant, da wir nach Essen fragten. Dort wurde in einem Zelt an der Straße Fisch gebraten und dazu scharfes Gemüse, Brot und Wasser gereicht.

Auf der Landesstraße R408 von Moulay Bouchta zur Landesstraße R501 (Karia Ba Mohamed nach Ouezzane) muss man dann innerorts (von der R501 kommend links) eine Piste hochfahren. Den Weg zum Jebel Amergou erfragt man am besten im Ort. Nachdem sich die Piste etwa 1km teils recht steinig und immer wieder von einzelnen Bäumen flankiert die Hangkante entlang windet, sieht man links oben auf dem Berg die Burgruine. Nach einem weiteren Kilometer kommt man an zwei uralten Bäumen vorbei in ein kleines Dorf namens Douar Amergou. Dort parkt man auf der Freifläche bei den Bäumen unterhalb der Moschee das Auto und latscht ins Dorf hinter und an der letzten Biegung nach oben. Oder man lässt sich für sagen wir mal 50 Dirham von einem Mann aus dem Dorf auf den Jebel Amergou führen. Wir trafen jedenfalls auf Hassan, der uns freundlich und kompetent nach oben führte und von hochtrabenden Plänen zur Tourismusentwicklung (die Piste asphaltieren, einen Parkplatz anlegen, Wegweiser aufstellen und Leute mit Werbung anlocken, damit so viele Inlands- und ausländische Touris kommen, dass man einen Gasthof aufmachen kann) erzählte.

Ganz oben auf dem Berg befinden sich die stattlichen Ruinen einer Burg, die als Kasbah Amergou bzw. Qalaah Amergou (Kasbah wie auch Qalaah heißt „Burg“, wobei ersteres vorwiegend im Maghreb und letzteres in der Levante benutzt wird) bekannt ist. Erbaut wurde sie im 12. Jahrhundert von einem offensichtlich syrischen Architekten für die Almohadendynastie als Militärfestung nach dem Vorbild der Saladinsburg (Qala’h Salah ad-Din) bei al-Haffah in Syrien. Zum Vergleich hier ein Link zu meinen Bildern von der Saladinsburg: https://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157623535528251/ – Auf dem Bergsporn von Amergou hat man eine fantastische Sicht auf den nahegelegenen Stausee und über die anderen Berge hinweg in eine grüne Landschaft bis nach Taounate. Nicht nur landschaftlich, auch baulich ist die Burg Amergou herausragend, denn es gibt keine zweite Festungsanlage in Marokko mit runden Türmen. Die Wehrtürme rund bzw. halbrund zu mauern (und nicht eckig mit Lehm zu stampfen wie bei den Kasbahs der Berber) ist nicht nur für bestimmte europäische Burgen typisch, sondern auch für die syrischen. Burgen die im heutigen Libanon, Jordanien, Israel oder Palästina stehen fallen auch unter den syrischen Bautyp, dessen (vermutlich) einziges Beispiel in Marokko wie gesagt diese Qalaah Amergou ist.

Nachdem wir eine halbe Stunde durch die mittels Mauern in drei Bereiche gegliederte, wirklich sehr schöne Burg mit massiven Mauern und runden Türmen gelaufen sind, stiegen wir ab und gaben Hassan in Ermangelung eines kleineren Scheins 100 Dirham, was ihn sehr freute. Aber insgesamt waren die Leute in diesem Ort auch ausgesprochen freundlich und keineswegs so aufdringlich wie woanders in der Region.

Auf einer etwas anderen Route fuhren wir nach Fès zurück. Da gab es am Abend endlich wieder Blödsinn mit Zakaria und mir: Fußball im Innenhof mit einem Gummiball den wir solange krachend vor die Holztüren (also Tore) donnerten, bis die kleinen Kinder der Amifamilie, die auch derzeit zugast bei Khadijas Homestay ist, pennen gehen mussten...  
Dienstag ging die große Tour los. Mein Vater und ich verabschiedeten uns früh am Morgen von der Familie und fuhren auf der Autobahn bis Guercif durch und zweigten dann gen Nador ab. Vor Nador ging es via Segangane den Jebel Gurugu Nationalpark, Marokkos zweitschönster nach dem Jebel Tazekka Nationalpark, hoch. Bei meinem Besuch letztes Jahr hatte ich zu knapp Zeit vorm Handball in Nador um mehr als die beeindruckende Berglandschaft, durch die sich enge Asphalt- und Schotterwege an Berghängen unter Nadelbäumen in Sichtweite von gezackten und zerklüfteten Felsformationen entlang winden, zu fotografieren. Jetzt wollten wir so viele wie möglich von den fünf oder sechs spanischen Festungen die dort stehen besuchen. OK, am Ende wurden es nicht mehr als zwei, aber egal – wenn man alle abklappern will, braucht man bei den beschissenen Zufahrten und den Fußwegen locker zehn Stunden...

Die erste Festung war ganz typisch für das spanisch kolonisierte Nordafrika: ein runder Turm mit Zinnen, ein paar eckige Nebengebäude bzw. deren Mauerreste und alles aus verputztem Beton und schön auf einem Bergkegel thronend. Diese Festung hieß Castillo de Tazuda oder Fuerte Tazuda. Nur 2km weiter fuhren wir auf eine Piste, die erst nach 50m einen Aussichtspunkt zu bieten hat und dann nach 1km oben an der größten Festung des Gurugu Gebirges herauskommt. Wir liefen allerdings den Kilometer, da uns ab dem Aussichtspunkt die Piste so eng und steinig vorkam, dass wir mit dem Mietwagen trotz Allrad nichts riskieren wollten. Gerade in einem fast menschenleeren Nationalpark braucht man keine Schäden in die Mietkarre zu fahren... Jedenfalls heißt dieses Fort Fuerte Gurugu oder Arabisch auch „Khandaq Almany“ (Deutscher Graben), da es ein besonderes, wohl von einem deutschen Festungsarchitekten entworfenes Grabensystem aufweist. Den Großteil der Festungsmauern hat man innerhalb des verschachtelten Grabensystems, in das man nur an einer Stelle – der mit dem besten Ausblick in die Berglandschaft des westlichen Rifs – hineinklettern kann.

Nach dieser eindrucksvollen Festung sahen wir zwar noch zwei weitere bekannte, verpassten dann aber die Abzweige bzw. Aufstiegsmöglichkeiten und fuhren dann aufgrund der fortgeschrittenen Zeit durch Nador. Dort sahen die meisten Restaurants so teuer aus, dass wir noch 10km nach Sirouane weiterfuhren und da in einem ganz ordentlichen kleinen Restaurant trotz zweier großer Cola als Getränk dazu für weniger als 8€ gute Tajine mit Pommes und prima Thunfischsalat bekamen. Aber was die Bekanntheit dieser Festungen angeht: wie auch die am Montag besuchte „syrische“ Burg Amergou und die von mir letztes Jahr zwei Mal besuchte Kasbah Nesrani; die Festungen im Gurugu-Gebirge werden in keinem Marokkoreiseführer erwähnt, obwohl sie für jeden Burgenfreund oder Fan von Festungsbauwerken wirklich interessant sind. Man sollte dabei bedenken, dass es auch von einem neutralen Standpunkt aus eine absolute Frechheit ist, dass niemand Werbung für v.a. die Burg Amergou macht, deren qualitätsvolle Baukunst einmalig in Marokko ist: man kann doch im Reiseführer warnen, dass man entweder Allrad braucht oder 3km laufen muss um an den Fuß des Burgberges zu kommen! Und die Festungen im Gurugu-Park sind ja teilweise noch ziemlich einfach zugänglich!

Wir fuhren dann um den Stausee Mohamed V herum nach Taourirt und via El Aioun (nicht mit dem gleichnamigen Ort in der Westsahara verwechseln!) nach Oujda. Oujda ist zwar eine ganz sympathische Stadt, aber dadurch dass sie sehr untouristisch ist und trotz der überwiegend armen Bevölkerung auch eine zahlenmäßig gar nicht so kleine Oberschicht existiert, ist sie recht unübersichtlich und teuer. Bis wir getankt, eingekauft und in ein Hotel eingecheckt hatten (die Klitsche in der Straße nahe des Bahnhofes gegenüber der Altstadt war mit 200 Dirham noch zu teuer: in vielen Städten würde ein solches unteres Mittelmaß 150Dh. kosten) verging weit über eine Stunde.

Nach dem Einkaufen im Marjane (die kleinen Läden hatten kein vernünftiges Angebot, also fuhren wir den reichen Leuten mit dicken Autos ins nette Shoppingcenter nach) gab es noch ein Erlebnis, das gar nicht unangenehm war, aber auf das ich natürlich lieber verzichtet hätte: Oujda ist ein Hotspot für Flüchtlinge, die in Algerien nicht versorgt werden und daher die Grenze illegal passieren und in Marokko bestenfalls eine Grundversorgung aber ohne jede Verdienstmöglichkeiten bekommen, sodass man in Oujda viel angebettelt wird. Meist sind das Schwarzafrikaner, doch beim Einpacken ins Auto wurde ich von einer Frau, etwa so alt wie ich, auf syrisch-gefärbten Hocharabisch angesprochen, ob ich „marokkanischer Bruder“ nicht etwas Geld für syrische Flüchtlinge hätte. Vom Äußeren her hätte sie mit schwarzem Kopftuch und langer Jacke auch eine Einheimische sein können, aber als ich misstrauisch fragte, von woher genau aus Syrien sie stamme und sie dann meinte „bei Idlib“, war ich mir langsam sicherer, dass sie keine Marokkanerin ist, die asozialerweise behauptet Kriegsflüchtling zu sein um Mitleid zu erregen und Almosen einzusacken. Ich meinte dann nur noch: „Was heißt bei Idlib? Idlib-Stadt oder Saraqib oder Jisr?“ Sie daraufhin lächelnd: „Du kennst Saraqib (beta’ref Saraqib)?“ – Bei den Geographiekenntnissen der meisten Marokkaner, die höchstens Damaskus und Aleppo kennen, und mit ihrem freundlichen Bedanken statt dem wie in Marokko üblichen Fordern nach (noch) mehr „vielen Dank und Gott segne dich, mein marokkanischer Bruder“ (muss mich wohl für nen Berber gehalten haben, bei meinem komischen Akzent und hellen Äußeren) für meine 20-Dirham-Spende, war aber klar, dass sie die Wahrheit sagte. Aber so was ist zum Kotzen, wenn man Leute aus einem Ort, den man kennt da man dort mal Fußball geguckt und dabei sogar Freunde gefunden hat und eingeladen wurde und nach wie vor noch Kontakt hat (mein Kumpel aus Saraqib lebt aber schon seit Ende 2010 in Deutschland zum Studium), beim Betteln am Arsch der Welt trifft!  
Mittwoch ging es recht früh von Oujda aus nach Süden. Man passiert südlich der östlichsten Großstadt Marokkos ein bergiges, bewaldetes Bergbaugebiet, das auf den seltsamen Namen Jerada (Heuschrecke) hört. Durch Jerada selbst fuhren wir nicht durch, da wir den direkten Weg gen Ait Beni Mathar nahmen. Ab dort wird die Landschaft öde und extrem leer. Nach über 100km Nichts bzw. Halfagrassteppe und Halbwüste kommt dann ein Dorf namens Tandrara, wo nach Osten nichts abgeht, da die umstrittene und geschlossene algerische Grenze direkt daneben verläuft und nach Westen nur noch Pisten über das fast menschenleere Plateau du Rekkam verlaufen. Der Polizeiposten am Ortseingang war sehr freundlich und bat uns einen Kollegen ins 80km entfernte Bouarfa mitzunehmen. Kurz vor Bouarfa sollte es sich als sehr geschickt herausstellen, diesen Polizisten namens Soufiane mitgenommen zu haben: ich war mit 70 statt der erlaubten 60 in den Ort eingefahren und ein Polizist namens Zakaria hielt mich deswegen an. Soufiane meinte gleich, er solle uns doch einfach durchlassen, aber Zakaria belehrte mich erstmal in bestem Hocharabisch, dass er mir bei der nächsten Verkehrsübertretung eine Geldstrafe auferlegen muss. Nach einer Entschuldigung meinerseits für mein zu hohes Tempo, fuhren wir in der Tat ohne etwas zahlen zu müssen weiter und ließen Soufiane in der Ortsmitte der sehr gepflegten Kleinstadt Bouarfa heraus.

Von Bouarfa fährt man eine schöne Strecke von etwas mehr als 100km nach Figuig, wobei man kurz vorm Ortsanfang bei einer sehr freundlich Kontrolle Passdaten sowie eine Telefonnummer angeben muss und dann sogar noch die Gendarmerie-Nummer bekommt, die man bei einem Problem anrufen solle. Die beiden Polizisten waren so gut drauf, dass sie meinem Vater noch während der minutenlangen Datenaufnahme einen ihrer Feldstecher gaben, dass er sich mal die Berglandschaft angucken solle – eigentlich dürften die beiden dieses fürs Militär genormte Hochpräzisionsteil, das z.B. zum Überwachen illegaler Grenzübertritte oder Verkehrsbewegungen dient, nicht mal so aus der Hand geben... Jedenfalls liegt die Kleinstadt Figuig mit ihren 12.000 Einwohnern total am Arsch des Landes: von zwei Seiten von Algerien eingeklemmt, dessen Grenzen zu Marokko aufgrund beiderseitiger Blödheit und Sturheit geschlossen sind. Drumherum schroffe Berge und der Ort selbst verteilt sich recht malerisch zwischen von Lehmmauern und -türmen umgebenen Palmoasen, die die Lebensgrundlage dort bilden. Bekannt ist der Ort in sportlicher Hinsicht für einen Erstligisten im Volleyball: Auswärtsspiele sind da schon was Geiles, mal eben 1.500km nach Tanger oder Rabat fahren für Volleyball... Figuig ist weitestgehend gepflegt aber unübersichtlich und an den Rändern sind die Palmoasen sehr struppig und teils verlassen. Auffällig ist hier (das gilt aber in Marokko für jeden Ort östlich von Fés, selbst für die Region Taza und für Oujda so wie so), dass es so gut wie keine Touristen gibt. Das hat den Vorteil, das trotz der Strukturschwäche der „Region Orientale“ die Leute weder so aufdringlich noch so ausländerfeindlich wie in etlichen anderen Gegenden Marokkos sind. Ganz im Gegenteil: gerade Dienstleister sind ausgesprochen freundlich. Wir aßen Tajine in einem kleinen Restaurant, in dem eine junge Frau bediente, die wirklich sehr freundlich und gut gelaunt war. Als ich von den geforderten 71 auf 80 Dirham aufrunden wollte, meinte sie nur „vielen Dank, aber das ist zu viel, mach ein bisschen weniger“, sodass wir uns auf 75 einigten.

Wir fuhren schon nach anderthalb Stunden in Figuig wieder nach Bouarfa zurück. Dort kauften wir nur was zum Abendessen (leider ist in Bouarfa anscheinend ziemliche Mangelwirtschaft) ein und mussten aufgrund der Grenznähe noch mal Passdaten abgeben. Wir fuhren durch ganz interessante Halbwüstenlandschaft mit kahlen, imposant geformten Tafelbergen bis Boudnib, was sich als das letzte Scheißkaff herausstellte. Kam zwar recht gepflegt daher, aber statt einer richtigen Tankstelle anzusteuern musste man sich zu einem Laden durchfragen, der Öle und andere Schmierstoffe sowie auch Kraftstoffe aus Kanistern verkaufte. Statt der üblichen 9,2 oder 9,3 Dirham kostete hier ein Liter Diesel auch stolze 11 Dirham (1,07€) – aber wenigstens bekam man mit einem prima Trichter die Plörre aus umfunktionierten Olivenölflaschen in den Tank gefüllt. Was wir dann nicht akzeptierten war der Preis für eine Übernachtung auf dem Campingplatz in der Oase. Irgend so ein scheiß Franzose führt da ein „Camping de Rekkam“ und verlangt da pro Person 220Dh. für eine Nacht im Zelt mit Verpflegung. Doof wie der war, wollte der nicht auf mein Handeln eingehen, aber solche Spaste wie der sind eh nicht mal ansatzweise integriert. Wir fuhren also über 70km weiter bis in einen Vorort von Er-Rachidia, wo es eine Petrom-Tankstelle mit angeschlossenem Hotel gibt, und checkten dort nach dem Volltanken für 250 Dh. (24€) pro Person ein. Eigentlich wären es 280 Dh. (die waren schon etwas grenzwertig, auch wenn das Hotel nicht schlecht ist) gewesen, aber wenn man auf Arabisch ganz scheinheilig fragt „OK, ähm... gibt es noch ein Hotel in der Stadt, dass so etwa 200 Dirham pro Zimmer nimmt?“ geht der Chef schnell runter im Preis...  
Donnerstag setzten wir die Fahrt von Er-Rachidia aus fort. Zuerst nach Süden via Aoufous, wo es einen tollen Palmenhain in einer der spektakulären Schluchten des Flusses Ziz (nach dem heißt übrigens eine Tankstellenkette) und einige verfallene Lehmbauten (kleine Kasbahs) gibt, und via Maâdid wo es ebenfalls eindrucksvolle aber verfallene Lehmkasbahs zu sehen gibt, bis Rissani. Dort bogen wir nach Alnif ab. Ob die Spaste mit den Wohnmobilen (fürchterlich wie viele Franzosen, Deutsche, Schweizer und Spanier mit diesen Karren in Marokko und v.a. dem Hohen und Anti-Atlas rumkurven) durch die Furt gekommen sind? Mit unserem Dacia war das ja kein Problem, eine 30cm tiefe Flussquerung zu passieren, die aufgrund eines Brückenschadens auf der einzigen Einfahrt von Osten her nötig ist. Alnif ist insgesamt leider heruntergekommen und voller Bettler.

Tazarine ist da sehr viel angenehmer, wobei das Touristen-Restaurant etwas zu teuer war. Nekob machte dann einen noch sehr viel besseren Eindruck: sehr viele, meist gut erhaltene bzw. sehr gepflegte Lehmbauten wie Kasbahs und Ksars in schöner Landschaft und freundliche Leute. Auf dem Weg nach Ouarzazate, den wir etwas ausdehnten aufgrund der reichlichen Zeit, passierten wir noch einige verfallene Kasbahs (befestigte Häuser), Ksars (Wehrdörfer) und Agadirs (befestigte Getreidespeicher). In einem namenlosen Ort zwischen Nekob und Tansikht und dann auf der Nebenroute in Ait Semgane und Tasla befanden sich die besten Beispiele.

Wir erreichten Ouarzazate wie geplant in der Dämmerung kurz vor 19 Uhr und checkten im Hotel Zaghrou ein, dass ich sehr empfehlen kann, obwohl es sich direkt an unserer Budgetgrenze für eine Nacht (300 Dirham, d.h. 29€) bewegt. Aber hier ist Frühstück in diesem Preis inbegriffen und wenn man noch mal etwa 140 Dh. für zwei Leute hinlegt, bekommt man sogar ein hervorragendes warmes Abendessen (Tajine, Brouchette oder Couscous) im Restaurant serviert.  
Freitag bewegten wir uns dann, südlicher als anfangs angedacht, auf spektakulären Umwegen bzw. Nebenwegen gen Agadir. Wir fuhren die bereits bekannte Strecke von Ouarzazate bis Tazenakht, wo hinter dem Ort eine enge und schlechte Asphaltstraße nach Foum Zguid abgeht. Der Weg bis Foum Zguid ist ein ruhiges, dünn besiedeltes Tal mit schroffen Felswänden und steinigen Wadis, die ab und an von Oasendörfern mit Lehmbauten und Palmenhainen gesäumt sind. Von diesen Oasendörfern sind v.a. Talate, Tasetiffte und Alugoum lohnend. In all diesen Orten fällt übrigens auf, dass die Leuten zurückhaltend und freundlich sind.

Foum Zguid hat dann ein paar wenige Lehmbauten zu bieten und ist ansonsten ein ungepflegtes Kaff mit vielen Betongebäuden. Die Strecke von dort nach Tata ist von Dünen und Felsen gesäumt, sehr leer da fast völlig unbesiedelt und schnell zu fahren. In Tata, eine ehemalige Militär-Stadt die mit ihren heute rund 50.000 Einwohnern aufgrund ihrer geschickten Kommunalpolitik mit vielen internationalen Projekten im Energie-, Dienstleistungs- und Medizinsektor bekannt ist, gingen wir in einer kleinen Klitsche essen: das Besitzerehepaar waren ein Harratin (d.h. seine Vorfahren waren schwarze Sklaven) und eine Sahraouia (also eine aus der Sahara).

Wir bogen dann in die Berge in Richtung Ighrem/ Taroudante ein und passierten einige interessante Berberdörfer, die ebenfalls sehr ruhig und angenehm waren. Tisgui Ida Oubaloul liegt toll an einem breiten, steinigen Wadi. Isafen liegt deutlich oberhalb des Wadis halb in den Bergen. Timkite hat eine schöne Speicherburg (ein Agadir) zu bieten. In Ighrem selbst gab es nichts zu sehen und Taroudant kannten wir schon, sodass wir nach Agadir durchfuhren, dort 19h ankamen und nach einem Einkauf in dasselbe Hotel wie letztes Jahr eincheckten: nur 16,30€ für ein Doppelzimmer – zugegebenermaßen aber auch recht einfach und Klo/Bad auf dem Gang...  
Statistik:
- Tageskilometer: 2.630 (Mo: 210km Auto, Di: 590km Auto, Mi: 770km Auto, Do: 560km Auto, Fr: 600km Auto)
- Saisonkilometer: 40.410 (28.880 Auto/ 5.600 Flugzeug/ 4.430 öffentliche Verkehrsmittel/ 1.480 Fahrrad/ 20 Schiff, Fähre)