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Freitag, 27. Dezember 2013

W387I: Weihnachtstour mit zwei Pannen aber einem genialen Ground

Olympique Club de Khouribga (نادي أولمبيك خريبكة)
.................................. 1:2 (0:0) .................................
------ Mogreb Atlético Tetuán (المغرب التطواني) ------
- Datum: Montag, 23. Dezember 2013 – Anstoß: 17.00
- Wettbewerb: GNF Botola 1 [لبطولة الوطنية الاحترافية] (d.h. 1. Marokkanische Liga; Profifußballiga)
- Ergebnis: 1-2 nach 95 Min. (46/49) – Halbzeit: 0-0
- Tore: 0-1 65. Zaid Kourchi, 0-2 68. Hussam Eddine Assanhaji, 1-2 75. Omar Sarboute
- Verwarnungen: Nr. 27 (OCK); Zaid Kourchi (MAT)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Phosphate de Khouribga [مركب الفوسفاط بخريبكة] (Kap. 6.000, davon 4.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 1.600 (darunter ca. 250 Gäste-Fans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Gute zweite Hälfte, durchweg ordentliche Stimmung) Photos with English and Arabic Commentary:
a) OLYMPIQUE KHOURIBGA – MAGHREB TETOUAN (STADE PHOSPHATE)
b) Phosphate Plains and Zemmouri-Mountains: Maamoura Forest, Zaer Mountains, Phosphate Plain between Rommani and Khouribga
c) HIGH ATLAS: Marrakech and Surroundings

Video on My-Video.De:
Support during Match Olympique Khouribga v Maghreb Tetouan (soon!)

Zu Weihnachten 23. und 24. hatte ich zwei Tage frei, die ich gut geplant hatte, aber aus anderen Gründen am Ende nicht besonders zufriedenstellend waren… Der Montag fing aber gut an!

Die Phosphatbergbaustadt Khouribga liegt nur zwei Stunden von Casablanca aus im Landesinneren, doch da viel Zeit war bis zum Spiel fuhr ich erst mal in die schönen Maamoura-Wälder bei Rabat und durch die bewaldete sowie mit tiefen Schluchten durchzogenen Zaer-Berge. In Rommani stieß ich dann auf die Strecke, die man von Fès – oder auch von Tetuán – aus normalerweise nehmen würde, um nach Khouribga zu gelangen. Der Ort liegt in einer am Rande hügeligen Hochebene, deren Felder immer wieder von Felsformationen durchzogen sind. Die Ortschaften kommen hier stärker vereinzelt als in den angrenzenden Regionen. Architektonische Sehenswürdigkeiten gibt es hier keine. Immer wieder tauchen Industrie und Montanwesen rechts und links der Hauptstraßen auf.

Die Stadt Khouribga selbst kann man nicht als sehenswert, wohl aber als interessant bezeichnen. Man trifft zwar einige Bettler und der Stadtkern wird an einigen Stellen von heruntergekommenen kleinen Betonbauten ausgemacht, aber die Plattenbausiedlungen sehen hier besser und ordentlicher aus als anderswo in Marokko, das Bruchvolk ist merklich weniger zahlreich als in Fès oder gar Casa und Tetouan, und besonders die französische Werkssiedlung ist klasse: das sieht dort echt aus wie die Gartenstädte in Piesteritz oder Senftenberg! Für die Phosphatbergwerke im Raum Khouribga haben die Franzosen nämlich eine Arbeitersiedlung nach ihren Maßstäben hochgezogen: eingeschossige und mit Gärtchen umgebene Einfamilienhäuser mit geziegeltem und mit Schornstein versehenem Satteldach. Die Vorarbeiter und Fabrikanten konnten sich auch zwei Stockwerke mit Veranda und Balkon leisten…

Auch aus den 1920ern stammt das in dieser Siedlung befindliche Sportgelände. Die Karten für das Montagsspiel bekam man im alten Kulturhaus der Arbeiter (einem ehemaligen französischen Kino, das mit den Arbeiterbildern und dem Baustil auch in Thionville oder Profen stehen könnte). Das neue Kulturhaus ist übrigens in der ehemaligen Kirche (typisch französischer Betonbau) um die Ecke untergebracht. Ich landete dann trotz 20-Dirham-Karten auf der 40-Dirham-Tribüne, da die Polizei in Khouribga zwar angenehmer als im Norden, aber besonders doof ist: da frag ich nacheinander drei Polizisten wo ich rein muss wenn ich zu den OCK-Fans auf die Gegentribüne will und bekomme drei unterschiedliche Antworten und werde einfach auf die Tribüne geschickt trotz Karte für den anderen Bereich… Aber das fing ja auch sprachlich schon so toll an: ich frage Arabisch - die antworten Französisch… ich wieder Arabisch - die gehen darauf ein und loben meine Sprachkenntnisse, wollen aber lieber eine Fremdsprache sprechen und behaupten auch Englisch zu können… ich gebe ihnen die Chance und nachdem sie (wie 90% ihrer Landsleute halt auch) keinen einzigen guten Satz auf Englisch rauskriegen, reden wir doch wieder Arabisch… Auf der besagten Haupttribüne hat man zwar nicht die beste Sicht, aber sie macht das Stade de Phosphate zum schönsten Stadion der 1. Liga: neun große Betonstufen überdacht mit einer absolut symmetrischen Stahlkonstruktion die Messingverzierungen mit Mustern hat, flankiert von verbauten Logen für die Presse und VIPs die jeweils mit Polstersitzen bestückt sind. Rechts der herrlichen Haupttribüne gibt es einen auf zwei Tribünen verteilten Gästesektor mit 500 überdachten Sitzplätzen und ebenso vielen unüberdachten Stehplätzen. Daran schließt der schon sehr gut aussehende Rohbau einer neuen Hintertortribüne an. Hinter dem Tor gegenüber steht zwischen den Nadelbäumen eine kleine manuelle Anzeigetafel und daneben zwei Stehtribünen. Die Gegentribüne ist ein sehr ordentlicher 16reihiger Betonstufenbau.

Die Anlage ist leider sehr selten voll, auch heute kamen nicht einmal 2.000 Zuschauer von denen auch immerhin gut 250 Gästefans waren (die kamen übrigens größtenteils mit dem Zug), doch die Stimmung ist gar nicht so schlecht. 200 bis 300 Jugendliche supporten im Ultra-Style auf der Gegentribüne (diese „Green Ghost“ haben auch ganz nette Melodien auf Lager!) und eine Gruppe von Musikern mit Schlaginstrumenten sitzt neben der Ehrentribüne unter dem Dach und musiziert kräftig zum Spiel. Tetouan ist aber natürlich immer stimmgewaltig, sodass die Kiffer aus der Taubenstadt recht oft zu hören waren.

Die Rif-Kabylen hatten auch aufgrund des Spielverlaufs mehr zu feiern. Der Phosphat-Club war zwar in der ersten Hälfte leicht überlegen, doch nach dem 0:0 Pausenstand war es Tetouan die in einem immer besser werdenden Spiel mit einem Doppelschlag in Führung gingen: erst ein Lattenknaller der im zweiten Nachschuss aus 15m in den Winkel gezimmert wurde und dann ein Sturmlauf mit Schuss aus 15m ins lange Eck. Einige Minuten darauf konnte Khouribga nach einer Mehrfachgelegenheit aus Nahdistanz einschieben, doch es reichte nicht zu mehr, da Tetouan ungewohnt viel nach vorne drückte. Das 1:2 geht auch in Ordnung so.

Nach dem Spiel stellte ich dann fest, dass Khouribga eine beschissene Beherbergungssituation hat: zwei sautere Hotels und zwei billige – die letzten beiden ausgebucht mit Inlandstouristen. Ich fuhr also weiter und entdeckte auf der ganzen Strecke (80km Landstraße) nach Beni Mellal nicht eine Tankstelle mit Motel (gibt es auch einfach zu wenig in Marokko, aber einige Dutzend aufs Land verteilte gibt es schon). In Beni Mellal selbst steuerte ich das nächstbeste Hotel an einer Hauptstraße an und das Atlas (klassifiziert als 2 Sterne +) bot sehr gute Zimmer für 18,50€ an. Zwar am oberen Ende meiner Preisklasse, aber für den Standard und in Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit in Ordnung – nicht dass ich noch mal im Auto pennen muss, was im Dezember im Atlasgebirge nicht so lustig ist, wie an der weitaus wärmeren Küste… In der Zwischenzeit hatte sich planungstechnisch ein bisschen was getan (Panne 1). Völlig unüblich in Marokko, aber das Dienstagabendspiel wurde auf Donnerstagabend in der Folgewoche verlegt. Bekanntgegeben wurde das am Sonntagabend und erfahren habe ich es wiederum erst am Dienstagabend. Und Schuld trägt das Fettgesicht von König…

Aber der Reihe nach: In Beni Mellal war ich etwas spät losgekommen, aber zeitlich noch im Plan, sodass ich die Serpentinenstrecke am Rande des Hohen Atlas nach Afourer und Ouidane hochfuhr. Die Berglandschaft ist spektakulär – regelmäßige Bergkuppen, schroffe Felsvorsprünge, spärlicher Baumbestand, tiefe Schluchten – und die Straßenführung dementsprechend auch, aber der Zustand der Strecke ist gut.

Als größte Sehenswürdigkeit dieser Landesecke steuerte ich die 120m hohen Wasserfälle von Ouzoud an. Die Bevölkerung dort ist zu 90% berberisch und zu 85% ungebildet und finanzschwach. Logisch, dass man dort ohne Ende Abzocker trifft. Auch die Gemeindeverwaltung macht kräftig mit, indem sie auf Beschilderung verzichtet. Ich hörte mit, wie Fremdenführer bis zu 300 Dirham für eine einstündige Führung verlangten. Dem Berber namens Driss war ich aber aufgrund der Arabischkenntnisse sympathisch, sodass ich für 100 dabei war. Das ist aber immer noch zu viel. Der Besuch der Wasserfälle ist jedoch sehr lohnend: in mehreren Sturzbächen fällt das Wasser über drei Stufen in eine tiefe Schlucht die eng von Bergen umstanden ist. Man kann überall dicht herantreten, auch an den 120m hohen Klippenrand. Es gibt in Marokko einige Dutzend Wasserfälle im Atlasgebirge und wenige im Rif, aber der von Ouzoud ist der größte und schönste.

Ich nahm noch drei französische Backpacker mit, die in ein malerisch gelegenes Dorf in der Gegend, das man nur über Schotterwege erreicht, wollten. Hier konnte man auch noch mal nette Bilder von Lehmbauten in bunten Berglandschaften (roter Lehm, grüne Pflanzen, braune Felsen) machen.

Dann dachte ich mir: auf nach Casa, sonst komm ich nicht bis 19 Uhr dort an. Die wilde Fahrweise hätte ich mir aber auch sparen können, doch das erfuhr ich erst kurz nach 19 Uhr. Zuerst erfuhr ich aber, dass man bei Wendemanövern in kleinen Atlaskäffern besser auf die Bordsteine achtet: einer war so spitzkantig, dass sich auch der Rempler mit 15 km/h (ließ sich aufgrund der abstehenden Kanten nicht vermeiden, da im toten Winkel des Spiegels gelegen) ungesund auf den Reifen vorne rechts auswirkte. 10km weiter war jedenfalls die Luft draußen und ich konnte im nächsten Kaff das Notrad aufziehen. Zwei Berber wollten mir sofort helfen, was mich zurecht misstrauisch machte. Es sind halt marokkanische und nicht algerische Berber – im Nachbarland von Marokko wäre das Folgende nicht passiert:

Der Reifen war in weniger als 30 Minuten gewechselt und wie ich befürchtet hatte, wollte der eine Geld sehen. Laut Malika geben die Hälfte der Einheimischen dort bis zu 50 Dirham oder kleine Geschenke, laut Khadija sind es noch weniger die etwas geben. Jedenfalls entwickelte sich eine Diskussion auf Amazight zwischen den beiden, denn einer war offensichtlich nicht begeistert, was sein Kumpel vorhatte. Jedenfalls ging es Arabisch weiter.
Ich: „Danke, Brüder für eure Hilfe! Komme ich geradeaus nach Bzou?“
Das Arschloch: „Ja, geradeaus. Aber lass uns erstmal den Geldbetrag klären!“
Der Andere: „Schluss Abdelhadi, lass ihn!“
Das Arschloch: „Wieso? Er hat Geld, er ist aus Deutschland. Also Kumpel, sagen wir 200!“
Ich: „Hör mal Bruder, wäre ich Marokkaner, würdest du nichts verlangen!“
Das Arschloch: „Ich habe dir aber geholfen und du bist kein Marokkaner.“
Ich: „Ich habe nicht gesagt ,hilf mir bitte‘ und ich lebe hier in Marokko. Ich bin kein Tourist, ich bin so gut wie Marokkaner…“
Das Arschloch: „Du sprichst Arabisch, ja. Aber trotzdem: du hast Geld, also sei nicht geizig – und nur weil du hier lebst bist du noch kein Marokkaner!“
Ich: „Ich habe viele marokkanische Freunde und auch meine Frau ist Marokkanerin!“
Beide: „Echt? Deine Frau ist Marokkanerin?“ und das Arschloch: „Wo ist die, du bist doch alleine?!“
Ich: „Ich habe Ferien, sie muss leider arbeiten.“
Das Arschloch [will mich testen]: „Sag das Glaubensbekenntnis!“
Ich: „Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist sein Prophet.“
Das Arschloch: „Ich glaube dir nicht, du bist alleine und trägst keinen Ring. Erzähl mir von deiner Frau!“
Ich: „Du glaubst deinem muslimischen Bruder nicht?! [Ich hole die Kamera raus auf der sich alle Fotos des Marokkoaufenthaltes befinden: auch Fotos von Fayza bei der Tour nach Tanger] Guck her: das ist meine Frau.“
Das Arschloch: „Hmm, oh… Tschuldige!“
Der Andere [nachdem er auch das Foto von Fayza im Stadion von Tanger gesehen hat]: „Entschuldige uns und eine gute Reise im Schutze Gottes!“
… Fazit also: echt praktisch in so einer Situation das Foto einer Marokkanerin auf der eigenen Kamera zu haben, da sich solche Deppen nicht vorstellen können, dass sich eine Muslima (gerade eine, die Kopftuch trägt) von einem anderen als einem nahen Verwandten oder eben dem Ehemann fotografieren lässt…

Die zweite Panne zeigte sich erst vier Stunden später nach wilder Fahrt über Fikh Ben Saleh, Khouribga und Berrechid. Im Verkehrschaos in Stadionnähe sah ich Feuerwerk. Und das dauerte immer länger! 19.30 hatte ich einen Parkplatz gefunden und das Feuerwerk war vorbei. Doch anstatt dass das Spiel anfängt, strömten Tausende raus. Ich fragte dann mal eine junge Frau im Raja-Trikot ganz neutral tuend: „Spielt Raja heute?“ – was sie so, vom Arabischen ins Englische abrutschend, beantwortet: „Nein, nein. Aber Donnerstag geht es gegen Maghreb Fès. Heute war der Empfang für die Mannschaft wegen der Club-WM. Der König hat alle geehrt. Aber die Feierlichkeiten sind jetzt vorbei. Komm doch Donnerstag 19 Uhr wieder zum Stadion, da spielen wir gegen Maghreb Fès!“ Ich gab zur Abwechslung mal eine ehrliche Antwort: „Danke für die Infos, aber Donnerstag habe ich keine Zeit“ und verabschiedete mich. Meine Meinung über den König kann ich hier nicht mal auf Englisch äußern… Aber noch ein Grund mehr gegen den Monarchen, der wirklich dumm wie fett ist, zu sein… Sagt der einfach mal: ich mach nen Empfang weil Raja Zweiter bei der Club-WM geworden ist und zack ist die Planung des Verbandes hinfällig!

Naja, vielleicht das nächste Auswärtsspiel von Maghreb Fès in Rabat… ansonsten plante ich schon nach der Rückkehr in Fès um Mitternacht, wo es nächste Woche hingeht, wenn ich einen neuen Reifen besorgt und einen Ölwechsel vorgenommen habe! Statistik:
- Grounds: 1.050 (1 neuer; diese Saison: 79 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.959 (heute 1, diese Saison: 103)
- Tageskilometer: 1.220 (Mo: 460km, Di: 760 Auto)
- Saisonkilometer: 29.550 (28.510 Auto/ 990 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 17 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 387

Montag, 4. November 2013

W379I: Ein neuer Ground mit Moschee, überraschend guter Frauenfußball und ein echtes Spitzenspiel in Casanoir... ähm Casablanca!

Wydad Athletic Club de Casablanca (نادي الوداد)
.............................. 2:2 (0:1) .................................
---- Mogreb Atlético Tetuán (المغرب التطواني) -----
- Datum: Samstag, 2. November 2013 – Anstoß: 19.00
- Wettbewerb: GNF Botola 1 [لبطولة الوطنية الاحترافية] (1. Marokkanische Liga; Profifußballiga)
- Ergebnis: 2-2 nach 98 Min. (49/49) – Halbzeit: 0-1
- Tore: 0-1 23. Zaid Karouche, 1-1 54. Yehya Haouasi, 2-1 70. Malik Ifouna, 2-2 85. Zahir Naaîm
- Vergebener Elfmeter: Nr. 1 von MAT wehrt Foulelfmeter von Nr. 3 von WAC ab (32. Min.)
- Verwarnungen: Nr. 14 (WAC); Zaid Karouche, Zahir Naaîm, Nr. 20, 24 (MAT)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Mohamed V (Kap. 67.000, davon 40.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 10.000 (darunter ca. 1.500 Gäste-Fans)
- Unterhaltungswert: 8,0/10 (Sehr gutes Niveau, Stimmung leider fast nur durch Gästemob)

Raja C. Ath. Casablanca/ Dames (الرجاء البيضاوي)
................................ 4:0 (0:0) .................................
Wyfak Ittihad Riadi Fès / D. (ويفاق اتحاد ر. الفاسي)
- Datum: Samstag, 2. November 2013 – Anstoß: 15.00
- Wettbewerb: Coupe du Trône de Football Féminin [كأس العرش لالكرة القدم نساوي] (Frauenfußball-Pokal des Thrones; Achtelfinale, Gruppe Nord – 1. Liga Nord gegen 2. Liga Nord)
- Ergebnis: 4-0 nach 95 Min. (46/49) – Halbzeit: 0-0
- Tore: 1-0 68. Nr. 7 (Foulelfmeter), 2-0 78. Nr. ?, 3-0 79. (28), 4-0 85. (21)
- Verwarnungen: Nr. 21 (RCA); 2x Nr. 9 (WIRF)
- Platzverweise: Nr. 9 von WIRF (30. wg. wdh. Fouls)
- Spielort: Stade Tessema [مركب تسيمة] (Kap. 3.000, davon 2.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 60 (darunter ca. 10 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Wirklich gutes Spiel, das vom Underdog erstaunlich lange offengehalten wurde)

Wydad A. C. de Casablanca/ Espoirs (نادي الوداد)
................................. 4:1 (2:0) ...............................
Mogreb Atlético Tetuán / Espoirs (المغرب التطواني)
- Datum: Samstag, 2. November 2013 – Anstoß: 11.30
- Wettbewerb: Espoirs Elite 1 [دوري الامل] (1. Marokkanische U23-Liga)
- Ergebnis: 4-1 nach 97 Min. (47/50) – Halbzeit: 2-0
- Tore: 1-0 20. (8), 2-0 36. (17), 2-1 70. (18), 3-1 91. (5), 4-1 91. (5)
- Verwarnungen: Nr. 1 (WAC); Nr. 10, 30 (MAT)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Complexe Mohamed Ben Jelloun, Gazonné Synthetique [مركب محمد بن جلون] (Kap. 1.000, davon 500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 300 (darunter keine Gäste-Fans?)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Ordentliches Spiel, das ausgeglichener war als das Ergebnis vermuten lässt) وداد البيضاوي و المغرب التطواني Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan Professional Football League: Wydad Casablanca v Maghreb Tetouan 
b) Moroccan U23 League: Wydad Casablanca v Maghreb Tetouan 
c) Moroccan Women’s Cup: Raja Casablanca v Wyfaq Fès 
d) Casablanca – Morocco’s Largest City 

Am Mittwoch war großer Auftrieb im Haus, da Driss in der Nacht auf Donnerstag nach Algerien abreiste wo er die nächsten 10 Wochen geschäftlich (Kunstfliesenlegen, Steinmetzarbeiten etc.) von Oran bis Annaba und Algier bis Bechar unterwegs sein wird. Symbolisch übertrug er mir die Verantwortung fürs Haus: als sein „ältester Sohn“ bin ich während seiner Abwesenheit „Mul d-Dar“ = Hausherr, wobei juristisch in Wirklichkeit natürlich Khadija verantwortlich ist.
Jedenfalls kamen Freunde und Verwandte zu Besuch, ich lernte neue Leute kennen, z.B. eine Khadija die Lehrerin für Hocharabisch an einer Grundschule in Fès ist und mit Driss‘ bestem Freund (einem Kunsthandwerker) verheiratet ist und traf einige bekannte Gesichter wieder – auch meine „Frau“, die erstmal ahnungslos auf Zakis blöde Witze reinfiel und sich wunderte, warum alle so laut lachen. Nach der Aufklärung über die Sache am Sonntag in Tetouan fand sie es auch total lustig, wobei Fayza natürlich darauf bestand, dass ich sie weiterhin mit ihrem Namen oder den üblichen Anreden unter guten Bekannten und Freunden (Khity = Schwester bzw. Khalty = Tante) anrede und nicht etwa mit den Kosenamen die Zaki und Hamza (diese unreifen Kerle kennen diese Anreden aber auch bloß aus libanesischen Popsongs) vorgeschlagen haben…

Da alle bis 1 Uhr aufblieben um Driss zu verabschieden, war ich Donnerstag entsprechend unvorbereitet im Institut erschienen. Malika improvisierte einfach in der Hocharabischstunde und wir schauten nur Nachrichten (wie meistens natürlich mehrere Jahre alte Aufzeichnungen, die sich gut für den Unterricht eignen) und unterhielten uns vorher die Hälfte der Stunde über meine Groundhoppingtouren, die korrupte Polizei, marokkanischen Sport und ihre Jugendzeit. Denn Malika ist auch recht sportbegeistert, wobei sie als Anfang-40jährige noch die glorreichen 80er der Fußballnationalelf erlebt hat und den Mannschaften die seit 2000 das Nationaltrikot tragen mangelnden „Ruh al-Watany“ (vaterländischen Geist, nationale Gesinnung) vorwirft. Das hab ich jetzt schon öfters gehört von Leuten ihrer Generation und wenn ich sehe, dass im Stadion vor Ligaspielen oft gar nicht aufgestanden wird wenn die Nationalhymne eingespielt wird und nicht mal die Abschlusszeile „Allah, al-Watan, al-Malik (Gott, Vaterland, König) laut gegrölt wird, verstehe ich, was die Älteren damit meinen.
In ihrer Jugend hat sie übrigens noch miterlebt, wie sie zwar auf der Straße oder dem Bolzplatz mit den Nachbarjungs und ihrem Bruder Fußball spielen durfte, aber in der Schule die Mädchen im Sportunterricht nur Handball, Volleyball und Basketball spielen durften. Wenn man sie jetzt mit ihrer äußerst höflichen und recht ruhigen Art erlebt, wundert man sich schon über ihre Schulanekdoten: vom Klassenlehrer als „Junge“ bezeichnet da sie in der Hofpause immer mit Jungen Fußball gespielt hat, vom Sportlehrer getadelt da sie das mit dem körperlosen Spiel beim Basketball nicht einsehen wollte und ihre Mitspielerinnen umrempelte - und einmal wurden sogar die Eltern einbestellt, da sie einem streitlustigen Mitschüler eine ordentliche Tracht Prügel verpasste… الدار البيضاء Am Samstag stand dann schließlich eine Tour an. Diesmal wieder alleine, da die Verwandten in Casa das Gästezimmer nicht für uns bereitstellen konnten. Die Hausherrin (die Schwester von Khadijas Cousine oder so was) war im Krankenhaus, was in vielen marokkanischen Haushalten (selbst in modernen mit arbeitenden Müttern!) für das totale Chaos sorgt. Aber ich habe ja noch andere Kontakte nach Casa, sodass ich erst Sonntagabend nach Fès zurückkehrte. Samstags um 7 Uhr ging es jedenfalls auf die Autobahn und nach zwei Mal verfahren in diesem Kackmoloch war ich um genau 11.30 Uhr am ersten Ziel des Tages angekommen.

Wenn man nach Casablanca fährt, bekommt man von Marokkanern übrigens oft Warnungen: die Stadt hat (auch nicht zu Unrecht) einen sehr schlechten Ruf, doch manche übertreiben es. Malika war ja noch vernünftig und meinte nur, dass sie die Stadt auch nach etlichen Besuchen nicht mag und dass ich nicht anhalten und aussteigen soll wenn ich in ein Viertel mit Wellblechhütten oder verfallenen Bauten und vielen Bettlern komme. Und das Fayza mich noch bei FB anschrieb: „Pass gut auf dich auf, in Casa gibt es auch viele nette Leute aber auf jeden Fall mehr Diebe und andere Verbrecher als hier in Fès und wenn deine Freunde in einem „Hay Chaâby“ [Quartier Populaire bzw. Volksviertel ist beschönigend, im Deutschen würde das Proleten- oder Asi-Viertel heißen] wohnen sollten, geh wegen der vielen aggressiven Jugendgruppen abends bitte nicht alleine raus!“ finde ich ja nett und seh ich auch ein. Aber wenn einer der Kumpels von Mohamed, natürlich ein richtiger MAS Fès Fan, so einen Spruch macht: „Aaahhhh, Casa Noir, fucking Casa Porno! Du fährst nach scheiße Casa Noir?! Nimm nen gutes Messer mit, da sind nur Asis unterwegs die normale Leute überfallen! Und bei die Hurensöhnen von Wydad, die machen Tore wie Bayer Leverkusen [kurz nach dem Ding in Hoffenheim gab es wirklich ein Phantomtor von Wydad bei MAS!] und wenn du da was für die andere Mannschaft sagst, dann bälzen die dich gleich, ey!“ – ob ernst gemeint oder nur halb; man kann es auch übertreiben… مركب محمد بن جلون بالدار البيضاء \ قريب من مطار انفا Dort wo die Fußballtour anfing, sah es außerdem ganz gut aus. Einfache, aber ordentliche, teils sehr moderne Häuser, keine vermüllten Wege und gute befestigte Straßen – und tolle Sportstätten! Ich kannte die Anlage hinter dem alten Anfa-Militärflughafen ja schon, da ich dort Weihnachten 2011 mit dem Alten Groundhopper und Conny ein Spiel von Racing im großen Stadion (Pere Jeko) geguckt hatte. Aber der Teil der Anlage, der Wydad gehört, war mir neu: richtig schönes altes Eingangstor mit Vereinssymbolen, ein Rasenplatz mit zwei Stehtribünen in rot und weiß sowie Schriftzügen in Arabisch und Französisch (u.a. Wydad al-Umma = Wydad ist das Volk), daneben eine kleine Moschee, schickes Vereinsheim mit (nicht funktionsfähigem) Springbrunnen davor und zwei Kunstrasenplätzen von denen einer eine nette, überdachte, dreireihige Tribüne hat. Diese war erfreulich voll, denn außer mir wollten noch gut 300 andere dieses Spiel der U23-Liga sehen…

Stimmung gab es zwar keine, dafür aber ein ganz ansehnliches Spiel, das anfangs von Tetouan bestimmt wurde, dann jedoch von Wydad an sich gerissen wurde: 2-0 noch vor der Pause durch zwei stark heraus gespielte Treffer. Nach der Pause gab es bei gleichen Spielanteilen und Chancen zeitweise Leerlauf, ehe MAT den Ehrentreffer mit einem Heber über den Schlussmann erzielte. In der Nachspielzeit traf ein Spieler von Wydad dann innerhalb von 30 Sekunden zwei Mal von genau derselben Stelle (dreieinhalb Meter vor der Torlinie abgestaubt nach Pass bzw. Kopfballvorlage von rechts) zum viel zu hohen 4:1 Endstand für den Verein der nach einem Kitschfilm von Oum Kolthoum benannt wurde. كاس العرش لالنساء - الرجاء البيضاوي مع الويفاق الفاسي Als nächstes stand Frauenfußball an – ein Spielbesuch der bei meiner Gastfamilie wieder einmal auf Interesse ohne jegliche Verwunderung stieß, aber beim deutschen Abend in der WG in der ich freundlicherweise übernachten durfte, für große Fragezeichen sorgte: „Echt, es gibt Frauenfußball in Marokko?“ Dass es drei Ligen mit über 100 Clubs gibt ist Insiderwissen, aber Fragen wie diese, die mir andauernd unterkommen wenn ich arabische Frauen erwähne, die nicht in das Bild der stets zuhause hockenden und dem Mann völlig untergeordneten Frau passen, sind etwa so auf dem Niveau der marokkanischen Frage: „Was, du bist doch Deutscher und damit voll reich?! Warum fährst du denn keinen Mercedes?“

Was mich aber fast so sehr überraschte wie meine deutschen Bekannten die Existenz dieses Sports in Marokko, war dessen Niveau beim heutigen Spiel. Ich erwartete ja einen bequemen Sieg für Raja (8 bis 12 Tore Unterschied), aber der Zweitligist aus Fès hielt trotz auffälliger körperlicher Unterlegenheit und der klassischen Frauenfußball-Aufteilung auf dem Feld – die zierlichen schnellen in den Sturm, die dickste ins Tor – bis weit in die zweite Hälfte hinein gut mit. Die dürften gute Chancen auf den Aufstieg haben, denn gegen andere Teams hält die Abwehr nicht so gut, auch gegen die eher schwachen Stürmerinnen von Wyfaq. Eine gute Mannschaft wie Raja hat allerdings athletische Spielerinnen, die jeden Ball abfangen, sodass Fès nur drei Torschüsse im gesamten Spiel hatte.

Raja hatte etliche Torschüsse mehr, aber Fès verteidigte so beherzt, dass es bis zur 68. Minute dauerte und auch einen Elfmeter brauchte, ehe Raja mit einer Spielerin mehr (in der 30. schickte die Schiedsrichterin eine Spielerin von Wyfaq nach wiederholtem Foul auf die spärlich gefüllte Tribüne) in Führung ging. Erwartungsgemäß brach Wyfaq Fès dann etwas ein und kassierte noch drei Tore. Schade, denn das 0:0 das zur Pause stand, hätte gerne bis zum Ende halten können, denn das Elfmeterschießen wäre die einzige Chance für Fès zum Weiterkommen gewesen!

Apropos Pause: in der Halbzeit lieferte eine Jugendspielerin von Raja eine geniale Show ab – wie die mit dem Ball in allen Lagen und mitsamt Übersteiger jonglierte war so stark, dass es selbst von den Jugendlichen, die vorher noch gelästert hatte, welche Spielerinnen alle keine Ahnung hätten und Scheiße kicken würden, Applaus und Anerkennung gab.

Ausgetragen wurde die Partie übrigens wie üblich bei den Raja Damen im verrotteten Stade Tessema im verrufenen Stadtteil Beni Msick, wo ich schon am ersten Weihnachtsfeiertag 2011 ein Spiel geguckt hatte… وداد البيضاوي و المغرب التطواني Das spielerische Highlight, aber ebenfalls ein bekannter Ground, fand am Abend statt: im Stade Mohammed V trat Wydad im Spitzenspiel gegen Maghreb Tetouan an – die U23 hatte ich ja schon am Vormittag gesehen. Noch schnell Sandwiches für 10 Dh. abgegriffen und dann die Karten für 30 Dh. Drinnen musste ich feststellen, dass die Winners weiterhin gegen die Vereinsführung protestieren, sodass die Wydad-Kurve fast leer blieb und die Fans auf der Haupt- und der Gegentribüne mit Support (und auch Sprüchen a la „Vorstand raus“) beschäftigt waren. Und nicht zuletzt ging der Gästesektor prima ab: die schwarz-rote Scheiße aus Tetuán sang unablässig mit knapp 1.500 Mann durch, hielt unter den Jubelgesängen der Wydad-Fans ein Banner mit Solidaritätsbekundungen für die Ultras Winners hoch und zündete auch immer wieder Pyro.

Der Verein Wydad scheint immer mehr herunterzukommen, denn nicht nur, dass die Kurve leer blieb – die Stürmer waren lange völlig unfähig gegen Tetouan einen Treffer zu erzielen. Diese gingen in Führung und der MAT-Keeper wehrte kurz darauf sogar einen Elfer ab. Erst nach der Pause konnte Wydad das Spiel an sich reißen und eine 2:1-Führung erkämpfen. Diese hielt allerdings nur bis zur 85., ehe wieder ein Spieler der bekifften Taube aus Tetouan traf, der sich wieder eine gelbe Karte abholte, nachdem er beim Jubel das Trikot auszog. Zwei der vier gelben Karten also wegen Trikotausziehens…

Nach dem Spiel hatte ich das Glück die Reisekasse schonen zu können und über die Freundin einer Freundin von meiner guten Freundin Conny ein WG-Zimmer für die Nacht zu bekommen. Dort war gerade ein netter deutscher Abend im Gange – es arbeiten gar nicht mal so wenige Deutsche in Marokko, da trifft man natürlich auch mal Landsleute die in Firmen und Institutionen (Goetheinstitut, AHK etc.) arbeiten – bei dem ich herzlich aufgenommen wurde… وداد البيضاوي و المغرب التطواني Statistik:
- Grounds: 1.030 (1 neuer; diese Saison: 59 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.932 (heute 3, diese Saison: 76)
- Tageskilometer: 400 (400km Auto)
- Saisonkilometer: 20.830 (19.870 Auto/ 910 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 3 [letzte Serie: 13, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 379

Montag, 28. Oktober 2013

W378III: Typisches Spitzenspiel in Tetouan mit den typischen Rif-Problemen

---- Mogreb Atlético Tetuán (المغرب التطواني) ---
.............................. 0:0 (0:0) ...............................
Difaâ Hassani d’El Jadida (الدفاع الحسني الجديدي)
- Datum: Sonntag, 27. Oktober 2013 – Anstoß: 14.30
- Wettbewerb: GNF Botola 1 [ لبطولة الوطنية الاحترافية] (erste Marokkanische Liga; Profifußballiga)
- Ergebnis: 0-0 nach 95 Min. (47/48) – Halbzeit: 0-0
- Tore: keine
- Verwarnungen: Nr. 4, Nr. ? (MAT)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Saniat Rmel, Estadio de Varela [ملعب سانية الرمل] (Kap. 10.000, davon 2.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 8.000 (darunter ca. 300 Gäste-Fans)
- Unterhaltungswert: 4,0/10 (Enttäuschendes Spitzenspiel mit ganz guter Stimmung) قمة الدوري بين المغربي التطواني و الدفاع الحسني الجديدي Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan Football League: Mogreb Atlético Tetuán v Difaa Hassani El-Jedida
b) Rif Mountains: Tetouán Old Town

Die Hinweise des Auswärtigen Amtes zu Marokko sind zwar hysterisch, teils wirr und an mehreren Stellen schlichtweg unzutreffend (wie so oft beim AA), aber das Rif-Gebirge alleine zu bereisen birgt ein kleines Risiko von versuchten Erpressungen durch Drogendealer und ihre nicht minder kriminellen Kollegen von der Polizei. So war es mir sehr recht, dass wenigstens Driss und Zakariya Zeit fanden, mich zu begleiten. Chefchaouen (wo ich vorher schon mit meinem Vater war) ist nämlich so ziemlich die einzige Stadt im Rif, die angenehm zu bereisen ist – alles von Tetouan bis Berkane nördlich der Autobahn ist nicht ganz unproblematisch – und heute stand eine Hoppingtour nach Tetouan an.

Nach recht zügiger Fahrt über die Landstraßen durch die Berge, hatten wir die südliche Ortseinfahrt von Tetouan, dem bis 1956 vom faschistischen Spanien besetzte Tetuán, erreicht. Es grüßte uns eine Müllkippe, die teils auf die Straße gerutscht war… In der Altstadt sah es ähnlich chaotisch aus: die steilen und sehr engen Straßen waren extrem überlaufen, voller Marktstände (ob Obst, Elektroartikel, Unterwäsche oder Bohrmaschinen – jeder Scheiß wurde erster, zweiter oder dritter Hand angeboten) aber weder Taschendiebe noch Drogenhändler machten Ärger. Wir drei konnten ganz in Ruhe die alten arabischen und nicht ganz so alten spanischen Gebäude, die Moscheen, Kirchen und den Königspalast anschauen. Architektonisch ist Tetouan definitiv eine der besten Ecken Marokkos!

Erst nach dem sehr preisgünstigen Mittagessen in stadionnähe ging der Ärger los, der für das Rif-Gebirge mit seiner als asozial verrufenen kabylischen Bevölkerung so typisch ist. المشور يعني القصر الملكي في تطوان Driss hatte keinen Bock ins Stadion zu gehen und ging in ein Kaffehaus, da er sich von mir den Eintritt hätte bezahlen lassen müssen. Die Karten kosteten statt wie meistens 20 Dh. ganze 30 – und kaum hatten Zakariya und ich uns angestellt, gab es Ärger mit der Polizei. Dumme Menschen in Deutschland und anderswo meinen ja, dass das Fehlverhalten der Polizei (vom rauen Ton bis zur schieren Gewalt) in Marokko und anderen Ländern so seien muss, da man sonst keine Ordnung reinbringen könnte. So dumme Menschen wissen aber nicht, dass die marokkanische Polizei nicht nur landesweit ein massives Korruptionsproblem hat, sondern speziell im Rif tief in den Drogensumpf verstrickt ist und dort semi-anarchistische Zustände bewusst zulässt. Die Ordnungsdurchsetzung ist also für den Arsch, wenn man selber keine Vorbildfunktion vorweisen kann und so asoziales Verhalten, wie hier heute erlebt, noch lange nicht gerechtfertigt!

Jedenfalls meinten zwei zweifelhaft wirkende Uniformierte: „Sie können durch, aber der Junge da bleibt draußen.“ Als ich noch ruhig sagte, dass das der Sohn von meinem Freund und Kollegen (man muss immer übertreiben: die Deppen wissen eh nicht, was ne Gastfamilie ist, also waren Driss und ich nun „Lehrer“) ist und überhaupt kein Problem bestünde, meinte der jüngere, dass er das nicht so glauben könne. Nun wurde ich langsam lauter, was er eigentlich wolle (Shnu bghiti?). Als Zakariya leicht eingeschüchtert unsere Story beteuerte, schubste ihn der alte mit der Mütze (diese sagt aus, dass er mehr zu sagen hat als andere) zur Seite in eine Gruppe Fans. Da ich mir als Ausländer das leisten kann brüllte ich ihn an, was die Scheiße soll (Shnu had l-khara‘?). Das motivierte die Fans, in die Zakariya geschubst wurde, ein ordentliches Handgemenge vom Zaun zu brechen, das wir beide nutzten um die zweite der drei Kontrollen zu erreichen. Dort warteten die nächsten Idioten: einer hielt mich für einen Berber (es gibt einen Volksstamm der ist so blond wie ich: so einer von denen saß dann sogar schräg vor uns auf der Tribüne) und meinte nach Blick in meine Kameratasche: „Wehe du fotografierst uns! … Du musst aber auch reich sein, arbeitest du im Ausland?“ – „Ich bin Deutscher! Was willst du eigentlich?! (Zu einem Kollegen): Was will der denn von mir?!“ – und der Kollege daraufhin: „¡Vale, vale - Entrar!“ (Spanisch für: „ist ja gut, geh rein“). Zakariya musste ich wieder bei der Hand nehmen und drei Mal laut sagen, dass das seine Richtigkeit hat. Die Hackfresse, die dann die Karten einsammelte guckte mich unfreundlich an, obwohl ich ihn wie es sich gehörte, mit einem „salamu aleykum“ die Karte hin hielt. Ich meinte zu ihm: „Inta Spanyoli“ (biste Spanier?). Er: „Ah?“ (Hä?) Ich: „Ah, ma titkellemsch l-‘arabiyya?!“ (na, du sprichst ja nicht Arabisch). Aber bevor es noch Streit gab, zog mich Zakariya in den Block, wo wir uns an den Rand setzten.

Auch er meinte mit seinen Erfahrungen mit Spielen und anderen Veranstaltungen in Fès, Meknés u.a., dass er noch nie solchen Abschaum in Uniform erlebt hat wie dieses asoziale Pack, das hier als Polizei und Ordnungsdienst von Maghreb Tetouan fungierte. Rif ist irgendwie Rotz. Gerade in Chefchaouen habe ich viele nette Leute erlebt, aber das ist hier die Ausnahme in dieser Region. Heute in Tetouan hat nicht einer Notiz genommen, nicht einer gegrüßt und selbst im Stadion kam kein Gespräch mit einem Fan zustande, was Zakariya auch wunderte.
Hinterher wurde ich nur einmal angesprochen – und warum: der meinte, wenn ich Lust hätte, könnte ich mitkommen zu einem Freund, denn „der baut gutes Gras an!“ Zu Zakariyas Belustigung schnauzte ich den Kabylen an:
Du Gauner, das ist haram [religiös verboten].
Er: OK, ok. Du bist echt Muslim? … und verheiratet?
Ich: Hamdulillah (Gelobt sei der Herr - eigentlich wollte ich ja nur, dass der weitergeht).
Er: "Wie heißen du und deine Frau?"
Ich dachte mir, scheiße was sagste dem jetzt und tat so als hätte ich ihn nicht verstanden, woraufhin Zakariya meinte: „ah Karim, ajy“ (Karim komm jetzt).
Der Kifferkabyle: Karim, ja? Und deine Frau?
Ich: Fayza [die jüngste Schwester meiner Gastmtter Khadija], und jetzt lass mich in Ruhe, Alter!
Ob der Zakariyas unterdrücktes Lachen bemerkt oder mir das jetzt abgekauft hat oder nicht – den Spitznamen „Karim (Edler)“ hab ich jetzt weg bei meiner Gastfamilie und wenn Fayza das nächste Mal da ist oder Zakariyas und meine Facebooknachricht liest, gibt es auf jeden Fall was zu lachen… قمة الدوري بين المغربي التطواني و الدفاع الحسني الجديدي Zurück ins Stadion: schon über eine Stunde vor Anpfiff wurde es langsam voll im schicken, natürlich spanisch geprägten Stadion Saniat Rmel (Wasserrad an der Sandbank: ein entsprechender Fluss fließt hinter der Gästekurve entlang). Drei Seiten sind mit je 10 Steinstufen bestückt, hinter der einen Längsseite sind Arkaden mit Ziegeln errichtet, gegenüber gibt es eine modernisierte und überdachte Sitztribüne. Zwischen dieser und dem Gästeblock befindet sich noch eine ungewöhnliche Logenkonstruktion in einer Art Klubhaus.

30 Minuten vor Beginn gab es eine erste Schlägerei im Block, als aus unerkennbarem Grund ein Jugendlicher unter Schlagstockeinsatz aus dem Block gezogen werden sollte. Ein gut 20jähriger setzte aber einen Sprungtritt gegen den Oberkörper des vorgepreschten Uniformierten, sodass er fünf Stufen tiefer von den Kollegen aufgefangen werden musste, die nicht mehr in den „MATadores“-Block gelangten, nachdem sich locker 20 Leute einmischten… Danach blieb es weitestgehend ruhig im Stadion, nur etwa ein Viertel der Fans feuerte durchgängig an und dieses Viertel teilte sich auch in zwei Gruppen die mitunter was anderes anstimmten. Der Gästemob blieb ziemlich blass und wird sich nach spätestens 60 Minuten gedacht haben: was eine scheiß Auswärtsfahrt diesmal...

Das Spiel endete nämlich torlos und das war recht bald abzusehen: kämpfen, blockieren, Ball halten, taktieren, Schuss – abgeblockt, Schuss – gehalten, Schuss – vorbei… Hier sollte die Niederlage vermieden werden und wie so oft wenn 1. gegen 3. spielt, gingen die Zuschauer enttäuscht nach 90 torlosen Minuten Hause.

قمة الدوري بين المغربي التطواني و الدفاع الحسني الجديدي Was mich an den Spiel von MAT eigentlich mehr noch als die Tabellenkonstellation interessiert hatte, war deren Geschichte und die Spanischnutzung im Stadion. In der Tat wurden hier die Snacks mit „Bocadillos“ statt „Sandwich“ und „Zumo“ statt „‘Asîr“ (Saft) bezeichnet. Parallel zur Kolonialgeschichte verläuft auch die Vereinsgeschichte teils Spanisch teils Marokkanisch. Sogar Primera División hat der Klub schon gespielt, als Tetouan noch spanisch besetzt war wie Ceuta und Melilla bis heute! Historische Wappen und Fotos kann man sich bei der arabischen Wikipedia angucken!

Nach dem Spiel sahen wir zu in freundlichere Gefilde Marokkos zu kommen, nämlich zurück in die „arabische Hauptstadt“ Fès. Und dafür brauchten wir nicht mal dreieinhalb Stunden – 21 Uhr stand schon Khadijas prima Essen auf dem Tisch und Fußball war natürlich Thema Nummer 1: sie hatte die Spiele an der Glotze verfolgt und natürlich musste sich auch jeder von Zakariya anhören „ey, ich wurde von nem Polizisten umgeschubbt und Karim hat dann Streit gesucht und ein Typ wollte ihm Drogen verkaufen, da hat er richtig muslimisch geschimpft und übrigens ist Fayza jetzt seine Frau…“

Aber noch ein Satz was Beziehungen von Ausländern zu Marokkanern angeht: langsam wird mir klar, warum man in Marokko außer über vorherige Kontakte wie mit dem Homestay bei Khadija und Driss, so schwer Leute kennenlernt (im Gegensatz zu allen anderen arabischen Ländern, gerade auch im Gegensatz zum benachbarten Algerien) – dauernd hat man als Marokkaner Ärger mit der Polizei, wenn man mit Ausländern unterwegs ist! Von wegen „Du bist doch ein illegaler Guide, du willst doch nur an sein Geld oder an ein Visum seines Landes…“ und Widerspruch des Ausländers wird erst wahrgenommen wenn er laut und unfreundlich erfolgt! Nur in Gruppen (1, 2 Ausländer und 3 oder mehr Einheimische) scheint man von solchem Ärger verschont zu bleiben. Hier in Marokko hat mich jedenfalls noch keiner nach nem Spiel ins Cafe oder gar zu sich heeme eingeladen wie damals in Syrien oder vor kurzem in Algerien: denn selbst in diesen Diktaturen würde es kein Polizist wagen, auf einen Einheimischen mit ausländischem Gesprächspartner zuzukommen und ihn als illegalen Guide oder sonst was anzuscheißen. Und wer meint, es ginge hier nur um das Wohl der Touris vor der realen Gefahr der illegalen Abzocker, der hat noch immer nichts kapiert: es geht einzig und allein um die Aufbesserung des polizeilichen Geldbeutels, denn Korrupte in Uniform versuchen (was ich bisher beide Male erfolgreich verhindern konnte) die Einheimischen zur Zahlung von Bestechungsgeld („gib mir 20 Dh. und ich lass euch in Ruhe“) zu erpressen! طبيعة قريب من شفشاون Statistik:
- Grounds: 1.029 (1 neuer; diese Saison: 58 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.929 (heute 1, diese Saison: 73)
- Tageskilometer: 570 (570km Auto)
- Saisonkilometer: 20.430 (19.470 Auto/ 910 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 0 [letzte Serie: 13, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 378

Dienstag, 15. Oktober 2013

W376III: Festtagshammel zu Verlosen und das nächste überraschende 1-0

- Olympique Club de Safi -
------- (نادي أولمبيك أسفي) ------
................... 1:0 ....................
- Mogreb Atlético Tetuán -
(المغرب التطواني / أتلتيكو تطوان)
- Datum: Sonntag, 13. Oktober 2013 – Anstoß: 16.30
- Wettbewerb: Coupe du Trône [كأس العرش] (Pokal des Thrones; Viertelfinale des Pokals des marokkanischen Fußballverbandes, beide Teams GNEF Botola 1 = 1. marokkanische Profiliga)
- Ergebnis: 1-0 nach 97 Min. (47/50) – Halbzeit: 1-0
- Tor: 1-0 27. Mouâwy
- Verwarnungen: Matthias, al-Bisaty (OCS); Istiry (MAT)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Marche Verte/ Massira al-Khadra [ملعب المسيرة الخضراء] (Kap. 10.200, davon 200 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 8.000 (darunter ca. 700 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Gute Stimmung, mittelmäßiges Spiel) ربع النهائي الكاس العرش - اليمبيك اسفي مع مغرب تطاون في الملعب المسيرة Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan Football Cup Quarterfinal: Olympique Club de Safi defeat Maghreb Tetouan
b) Central Atlantic Coast: Essouira, Safi
c) Marrakech: The Red City (Pictures of the Old Town, taken in 2011)

Es gibt so einige politische Angelegenheiten in Nordafrika, die man nicht verstehen muss: Algerien kennt die Vertreter der Terrororganisation Polisario (sahrawische Rebellen, die mit Al-Qaida gemeinsame Sache machen, aber einen demokratischen Staat errichten wollen) als Regierung der sogenannten „Demokratischen Republik West-Sahara“ an und Spanien ebenfalls. Im Gegenzug erkennt Marokko das Schwachsinnskabinett von Katalonien als Regierung eines vollwertigen Staates „Katalonien“ an und organisiert auch schon mal Freundschaftsspiele zwischen den Fußballauswahlmannschaften Kataloniens und Marokkos. Dafür dürfen dann die östlich des Walles lebenden Sahrawis ihre Nationalmannschaft in Algerien kicken lassen und Algerien boykottiert auch noch Sportevents mit Teams aus der West-Sahara, die vom marokkanischen Staat kontrolliert werden. Da Wydad Samara im Handball ziemlich gut ist und sie sich erstmals für die Championsleague qualifizierte, trat für die CAHB dann das Problem auf, je eine Mannschaft weniger zu haben: den algerischen Meister im Männerhandball und jenen im Frauenhandball. So wurde letztendlich auch das ganze Championsleagueturnier in Marrakesch um einen Tag kürzer: um den Tag, den ich mir eigentlich angucken wollte.

Also gleich nach Essouira, die „Bildschöne“ oder „Wie Gemalte“ Stadt am Atlantik. Der Stadtname verspricht nicht mal zu viel: die massiv ummauerte Altstadt ist wirklich schön mit ihren bunten Häusern, die Festungsanlagen zum Meer hin sind sehr eindrucksvoll und die vorgelagerten Inseln auch sehr schick. Dass man für nur 2 Dh. (0,18€) vor dem einen Stadttor am Hafen parken kann, ist auch prima. Die Atmosphäre war auch so entspannt wie im Reiseführer beschrieben: keiner stresste wegen Kaufen oder Führung, einzelne grüßten höflich.

In Safi („Reine Stadt“), das ich über die Nationalstraße erreichte, waren die Leute eher noch freundlicher. Nur bettelnde Wänster musste man mal anschnauzen, wie das Einheimische halt auch tun. Die Altstadt ist gar nicht mal schlecht: massive und hohe, von Türmen bewährte und einzelnen Stadttoren besetzte Wehrmauern drum herum, enge Gassen mit farbenfrohen Häusern und einzelnen älteren Moscheen sowie zwei Kirchen aus Portugiesischer Zeit (die Kathedrale dient als etwas dürftiges Museum, 10 Dh. Eintritt) innen drin. اسفي Das Stadion liegt etwas oben am Berg in Richtung Ortsausgang. Den Namen des Stadions hatte ich anfangs falsch verstanden, da mal wieder nur Französisch: „Marche Verte“ (Grüner Marsch) nicht „Marché Verte“ (Grüner Markt), wobei ich bei letzterem an „Gemüsemarkt“ dachte… Aber gemeint ist der Grüne Marsch (arab. Massira al-Khadra), eine 1975 durchgeführte Propagandaaktion der marokkanischen Regierung, bei der 350.000 Demonstranten die damals noch vom faschistischen Spanien besetzte West-Sahara betraten, die bald darauf an Marokko gegeben wurde. Übrigens: die Aktion ist mit kitschiger Friedenssymbolik auf die 100-Dirham-Banknoten gedruckt.

100 Dirham musste ich zum Glück nicht bezahlen: 20 (1,80€) taten es auch für Plätze auf den Betonstufen. Wie auch in Beni Mellal ist nur ein kleiner Teil überdacht und mit Bestuhlung versehen (hier sogar nur transportable weiße Hocker). Ansonsten sind blau-rot gestrichene Stufen vorherrschend, die nur in der Mitte der Gegentribüne unterbrochen sind: hier wurde ein Teil der Tribüne abgerissen.

Schon am Eingang wies mich die sehr freundliche Polizei (die zuvor aber noch provozierend schlagstockschwingend mit dem Quad auf jugendliche Fans zuvor) darauf hin, dass ich den Karten-Abriss unbedingt aufheben solle: ich könnte einen von zwei Hammeln gewinnen, die bei dem Halbzeitgewinnspiel (heißt marrokkanisch-arabisch: et-Tombóla) verlost werden… Also nur weil ich Arabisch spreche, heißt das noch lange nicht, dass ich Muslim bin und so ein 150-450€ teures Vieh zum Opferfest brauche…

Die Aktion schien allerdings auch ungewöhnlich zu sein, etliche Fans begutachteten nämlich noch die ruhig daliegenden und an den Fanzaun geketteten Viecher und fotografierten sie. Das Stadion war wie erwartet gut gefüllt und Fans beider Seiten – aus Tetouan waren gut 700 da, allerdings zählte allein die Ultrakurve von Safi knapp 2.000 Leute – sangen sich melodisch nieder. Es wurde auch viel auf den Spielverlauf reagiert, aber nur wenig Pyrotechnik eingesetzt.

Wie auch immer, dieses Viertelfinale war ein Duell der Erstligisten: Mittelfeldteam gegen noch ungeschlagenen Tabellenführer, der alle Favoriten von Raja und Wydad bis FUS und MAS abhängt in der Liga… Und kaum komme ich mal zu einem Spiel von Maghreb Tetouan, schon verlieren die zum ersten Mal in dieser Saison! Nach verhaltenem Beginn gelang einem Spieler von Safi ein Heber aus 25m über den Torwart zum 1:0. Das wurde die folgenden 70 Minuten verteidigt, wobei MAT nicht entschlossen genug anrannte, um noch das Spiel zu drehen. OCS konnte auch immer wieder kontern und war mehrfach nahe an der 2:0-Entscheidung dran. Auch hier folgten nach dem überraschenden 1:0 Sieg in einem wie auch am Vortag fairen aber nur mittelmäßigen Spiel Ehrenrunden der Spieler.

Ich folgte dann dem Tipp im Reiseführer und steuerte das Hotel Majestic gegenüber dem Meeresschloss (Qasr al-Bahr) an. Klingt teuer, ist aber eines der billigsten der Stadt. 11€ für ein großes, sauberes – aber natürlich sehr einfaches Zimmer. Dusche (lauwarm oder kalt) und Klo (Abtritt) auf dem Gang. النهائي الكاس العرش - اليمبيك اسفي مع مغرب تطاون في الملعب المسيرة Statistik:
- Grounds: 1.026 (1 neuer; diese Saison: 55 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.924 (heute 1, diese Saison: 68)
- Tageskilometer: 330 (330km Auto)
- Saisonkilometer: 17.680 (16.560 Auto/ 870 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 9 [letzte Serie: 178, Rekordserie: 178; davor 141, 106, 101 bzw. 88]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 376

Montag, 7. Oktober 2013

W375III: Sonntags in Salé; Stadtmauern und nichts dahinter, U23 auf dem Hauptplatz und arabisches Cricket

Association Sportive de Salé (Espoirs)
--------- (السلاوية الرياضية الجمعية) ----------
........................... 0:3 ..............................
-- Mogreb Atlético Tetuán (Espoirs) --
------ (المغرب التطواني / أتلتيكو تطوان) --------
- Datum: Sonntag, 6. Oktober 2013 – Anstoß: 10.00
- Wettbewerb: Elite 1 Espoirs (1. U23-Liga Marokkos)
- Ergebnis: 0-3 nach 95 Min. (46/49) – Halbzeit: 0-2
- Tore: 0-1 20. (Nr. 25), 0-2 26. (10), 0-3 88. (12)
- Verwarnungen: Nr. 7 (ASS); Nr. 10 (MAT)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Boubkar Ammar [ملعب أبو بكر عمار] (Kap. 7.000, davon 6.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 100 (darunter keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 4,0/10 (Nach guter erster Hälfte wurde das Spiel langweilig)

-- Tanmia de Tanger --
-------- (تنمية طنجة) -------
............ 118:88 ..............
Renaissance de Tanger
------- (نهضة طنجة) -------
- Datum: Sonntag, 6. Oktober 2013 – First Ball Bowled: 14.00
- Wettbewerb: Finale de Coupe du Trône de Cricket [مباراة النهائية الكاس العرش لالكريكيت] (Cricket-Pokalfinale, beide Teams aus der 1. da einzigen marokkanischen Cricketliga)
- Modus: Twenty20, Spieldauer ca. 4 Stunden
- Ergebnis: Tanmia gewinnt mit 30 Runs, 118:88
- Statistiken: nicht verfügbar
- Spielort: Stade Fellini [ملعب فيليني] (Kap. 2.000, davon 400 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 40 (davon je ca. 10 Fans beider Teams und ca. 20 aus Salé)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Mittelmäßiges Spiel mit einzelnen spektakulären Szenen und hohem Risiko bei den Positionswechseln) سلا - سور المدينة Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan Under-23 League: AS Salé v Maghreb Tetouan at Stade Boubker Ammar
b) Moroccan Cricket Cup Final: Tanmia Tangier defeat Renaissance Tangier at Stade Fellini in Salé
c) Rabat & Salé: The Old Town of Salé

Die Pläne mit El Jadida musste ich doch ändern, da das Spiel von DHJ gegen Maghreb Fes (wie üblich am Dienstag derselben Woche) auf den Montag 7.10. angesetzt wurde. Aber es gab interessanten Sport in der Nachbarstadt der Hauptstadt. Was Potsdam für Berlin ist, ist Salé für Rabat. Allerdings ist Rabat die städtebaulich weitaus attraktivere Hauptstadt, andererseits aber erheblich ruhiger als Berlin. Nur das sehr sehenswerte Potsdam hat noch weniger mit dem schmuddeligen Salé gemein, das eine der dreckigsten Orte Marokkos ist und außer den eindrucksvollen Stadtmauern aus dem Mittelalter nicht viel zu bieten hat. Innerhalb der ockergelben Stadtmauern sieht es beschissen zubetoniert und vergammelt aus.

Das Stadion, das nach einem gewissen Boubker Ammar (Nuscheldialekt für Abou Bakr Ammar) benannt ist, ist auch ziemlich versifft, aber es wird wenigstens was dran gemacht. Das Dach der nach oben hin schmaler werdenden Haupttribüne ist noch die nicht fertig, über die Gegenseite mit ihren 13 Stufen und rot-weißen Wänden, die an drei Stellen mit geometrischen Mustern durchbrochen sind, soll sicher kein Dach. Die Hintertorbereiche erlauben ebenirdisches Stehen.

Der freundliche Platzwart erklärte mir ein bisschen was zu den U23-Mannschaften, die in der ganz entspannten Atmosphäre des eher kleinen aber für diese Liga überdimensionierten Stadions ein faires Spiel ablieferten. Tetouan, zu deren spanischer Vergangenheit ich bei Gelegenheit mal was schreiben werde, steht im vorderen Tabellenbereich, Salé im hinteren. Als der Kollege vom Platzwart noch die Teppiche auf der Tribüne ausklopfte und die gewaschenen Leibchen hinterm Tor zum Trocknen auslegte, ging der Gast auch schon in Führung. MAT bestimmte das Spiel gegen die jungen Hoffnungen aus Salé von der ersten bis zur letzten Minute und nutzte einen Torwartfehler zum 0:2 sowie einen Flachschuss eines nach Unsicherheiten in der Abwehr freistehenden Stürmers zum 0:3 Endstand. ملعب ابو بكر عمار في سلا Nach einer unfreiwilligen langen Stadtbesichtigung (Verfahren, im Stau gestanden) fand ich das Cricketstadion im Vorort Maâmora der für seinen Wald bekannt ist. Es ist zwischen Militäreinrichtungen eingeklemmt, was in Marokko aber kein Problem ist: Marokkaner sind ja keine Inder, die in einem Stadion im Sperrbereich eine öffentliche Sportveranstaltung ansetzen... Im Gegensatz zu Indien (was Dümmeres und Unsympathischeres wird man eh kaum in der Welt finden) wird man hier in Marokko auch freundlich behandelt, in den kostenlosen Parkplatz eingewiesen und auf Nachfragen auch mit Infos bedient. Leider hatte niemand die Nummer vom Maghreb Fes Crickettrainer, sondern nur den Hinweis mal abends im Stadion Hassan II vorbeizuschauen, wenn mal Training ist. Mal schauen, ob ich da mal mitspielen kann…

Mit Tanmia (heißt Fortschritt) und Nahda (Renaissance = Wiedergeburt, arabische Reformbewegung des 19./20. Jahrhunderts) haben es beide Clubs aus der Hochburg des marokkanischen Crickets, Tanger, ins Finale geschafft. Die Teams aus Salé (der Gastgeber AS), Stade Marocain Rabat, Maghreb Fès, Wyfaq und Manar Casablanca, sowie Zemmouri Khemisset sind in den Runden zuvor auf der Strecke geblieben. Mir ist schon recht, dass das Spiel hier in Salé ausgetragen wurde, aber der Platz in Tanger soll deutlich besser sein: Etwas neuere Tribüne und nicht so ein versiffter Betonbau ohne Überdachung in der prallen Sonne auf den Umkleiden wie in Salé, besserer Kunstrasen auf der Pitch, weniger staubige Stehplätze unter den Bäumen und v.a. besser gemähtes Gras. Also mit englischem Rasen hatte der Acker mit den vielen kahlen Stellen die mit büschelweise 10cm hoch stehendem Grasgestrüpp kontrastierten, nicht viel zu tun…

Interessant war auch, dass man die Infos hier nicht wie beim deutschen Cricket in Englisch einholen musste bzw. konnte: selbst die Trainer und Offiziellen konnten meist kein Englisch und von den Nachwuchsspielern, die den Großteil der Zuschauer ausmachten, sprachen alle nur Arabisch und Französisch. Cricket scheint sich in Marokko zu einem Sport junger Mittelschichtenkinder zu entwickeln. Aber der Nahda-Trainer konnte mir im besten Hocharabisch erklären, wie es um seine Mannschaft steht! Und die erwischte einen schlechten Start, bowlte mehrere Wides und diskutierte dann auch noch laut mit den Umpires, was zu Verwarnungen und einem Platzsturm des Verbandsbosses führte. Tanmia konnte nicht immer glänzen, spielte teilweise unkonzentriert, aber konnte immer wieder Fours schlagen und ging beim Positionswechsel der Batsmen erfolgreich volles Risiko. Nur ein Run-Out kassiert, aber sehr oft zwei oder gar drei Runs auf einmal geschafft.

Tanmia setzte das Target auf 118, was Nahda erwartungsgemäß nicht aufholen konnte. Bei 88 Runs waren im 18. Over alle Schlagmänner ausgeschieden, denn ihr Risikospiel mit dem doppelten Wechseln ging immer wieder schief, Unsicherheiten beim Schützen des Wickets kamen noch hinzu. Den spektakulärsten Catch lieferte natürlich einer von Tanmia: das 8. Wicket, ziemlich kurz vor dem Ende, war ein Catch mit 10 Schritten Anlauf und einem genauen Sprung zum Ball, der im hohen Bogen in Richtung vier Punkte gegangen wäre.

Das Niveau war gar nicht schlecht, die Atmosphäre entspannt (einige Wänster spielten während des laufenden Cricketmatches Fußball am Spielfeldrand ohne weggescheucht zu werden), und nach der Siegerehrung, die die Präsidentin des marokkanischen Cricketverbandes leitete, fuhr ich die knapp 200 unspektakulären Autobahnkilometer nach Fés zurück. Mittlerweile zeigt der Kilometerzähler übrigens auch knapp über 100.000km an. مباراة نهائية الكاس العرش لالكريكيت - تنمية طنجة و النهضة طنجة Statistik:
- Grounds: 1.024 (2 neue; diese Saison: 53 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.922 (heute 2, diese Saison: 66)
- Tageskilometer: 450 (450km Auto)
- Saisonkilometer: 16.830 (15.780 Auto/ 820 Fahrrad/ / 40 Schiff, Fähre/10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 7 [letzte Serie: 178, Rekordserie: 178; davor 141, 106, 101 bzw. 88]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 375